Ausbildung 2010 Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

 
Ausbildung 2010 Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung
Ausbildung 2010

Ergebnisse einer
IHK-Unternehmensbefragung

          Deutscher
          Industrie- und Handelskammertag
Der DIHK hat erneut die Unternehmen zu ihren Ausbildungsplänen und -motiven befragt.
In der Zeit vom 3. bis 19. Februar 2010 konnten sich Unternehmen online an der Befragung beteiligen.
Die Auswahl und Ansprache der Unternehmen erfolgte über die Industrie- und Handelskammern.
Insgesamt beteiligten sich 15.333 Unternehmen an der Online-Umfrage.

Die Antworten verteilen sich auf die Wirtschaftszweige wie folgt:
Industrie (ohne Bau) 26 Prozent, Baugewerbe 4 Prozent, Daseinsvorsorge (Engergie, Wasser, Abwasser, Abfall)
2 Prozent, IT/Medien 9 Prozent, Handel 17 Prozent, Gastgewerbe 8 Prozent, Verkehr 4 Prozent, Banken/
Versicherungen 7 Prozent, Unternehmensorientierte Dienste 3 Prozent, Sonstige Dienstleistungen 20 Prozent.

Nach Größenklassen zeigt sich folgende Verteilung:
Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten 19 Prozent, Unternehmen mit 10 bis 19 Beschäftigten
14 Prozent, Unternehmen mit 20 bis 199 Beschäftigten 45 Prozent, Unternehmen mit 200 bis 499 Be-
schäftigten 11 Prozent, Unternehmen mit 500 bis 1.000 Beschäftigten 5 Prozent, Unternehmen mit mehr als
1.000 Beschäftigten 6 Prozent.

Die Regionen wurden wie folgt aufgeteilt:
Dem Norden werden die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, dem Westen
die Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, dem Osten Berlin, Bran-
denburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie dem Süden die Bundes-
länder Baden-Württemberg und Bayern zugerechnet.

Überwiegend beteiligten sich Ausbildungsbetriebe an der Umfrage, der Anteil der Nichtausbildungsbetriebe
der Vergleichsgruppe beträgt 5 Prozent.

Auf Grund der besseren Lesbarkeit wurde in dieser Publikation jeweils die männliche Form für beide Ge-
schlechter bei der Bezeichnung bestimmter Personengruppen verwendet.

Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Bereich Berufliche Bildung, Bildungspolitik – Berlin 2010

Copyright                Alle Rechte liegen beim Herausgeber. Ein Nachdruck – auch auszugsweise –
                         ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Herausgebers gestattet.

Herausgeber              © Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V.| Berlin | Brüssel

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                         Internet: www.ihk.de

Redaktion                DIHK – Bereich Berufliche Bildung, Bildungspolitik,
                         Dr. Thilo Pahl, Berit Heintz, Simon Grupe

Stand                    März 2010
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

DIE WICHTIGSTEN ERGEBNISSE

x   Auswirkungen der Krise auf das Ausbildungsangebot schwächen sich ab: 15 Prozent der Unterneh-
    men wollen mehr ausbilden, 25 Prozent weniger, 60 Prozent halten ihr Ausbildungsangebot aufrecht.
    Damit halten drei von vier Unternehmen ihr Ausbildungsplatzangebot aufrecht bzw. vergrößern es so-
    gar. Die betrieblichen Ausbildungspläne fallen somit insgesamt trotz weiterhin schwieriger wirtschaftli-
    cher Rahmenbedingungen etwas weniger pessimistisch aus als im Vorjahr.

x   Mittelstand erweist sich als stabile Stütze des Ausbildungsmarktes: Die Ausbildungspläne von Betrie-
    ben mit 10 bis 199 Beschäftigten sind 2010 optimistischer als noch 2009. Die Ausbildungspläne von
    Großunternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten fallen hingegen deutlich pessimistischer als in den
    beiden vergangenen Jahren aus. Im Branchenvergleich planen insbesondere das Gastgewerbe sowie
    Banken und Versicherungen eine Ausweitung ihres Ausbildungsplatzangebots. Die Ausbildungspläne der
    Industrie verschlechtern sich hingegen im Vorjahresvergleich. Rückgänge beim Ausbildungsangebot in
    der Industrie könnten aber durch ein vergrößertes Angebot beim Handel, bei unternehmensorientierten
    Diensten und beim Baugewerbe aufgefangen werden.

x   Fachkräftesicherung ist das Leitmotiv für Ausbildung: Für 51 Prozent der Betriebe hat die Sicherung
    des Fachkräftenachwuchses entscheidenden Einfluss auf ihre Ausbildungsentscheidung. Das Motiv „Ge-
    schäftserwartungen“ ist hingegen nur für 24 Prozent der Betriebe maßgeblich für ihre Ausbildungspläne.

x   Demografische Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt ist da: Trotz Wirtschaftskrise konnte auch
    2009 mehr als jedes fünfte Unternehmen nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. In den
    neuen Bundesländern hat bereits jedes dritte Unternehmen Besetzungsschwierigkeiten. Damit blieben –
    grob geschätzt – rund 50.000 Ausbildungsplätze im Jahr 2009 unbesetzt, überwiegend weil geeignete
    Bewerbungen fehlten.

x   Mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger behindert Ausbildung weiterhin: Fast drei Viertel der
    Unternehmen, auf die sich Ausbildungshemmnisse auswirken, beklagen unzureichende schulische Quali-
    fikationen und persönliche Kompetenzen bei den Ausbildungsplatzbewerbern. Dabei sind die Betriebe
    zunehmend unzufrieden mit der Leistungsbereitschaft (48 Prozent), Belastbarkeit (44 Prozent) und Dis-
    ziplin (46 Prozent) der Bewerber. Bei diesen „soft skills“ ist – neben der Schule – auch das erzieherische
    Engagement der Eltern gefragt, damit ihre Kinder in Schule und Ausbildung erfolgreich sein können.

x   Nachhilfe im Unternehmen wird zum Regelfall: Deutlich mehr als die Hälfte aller Ausbildungsbetriebe,
    die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger erkennen, organisiert in irgendeiner Form Nachhilfe
    im Unternehmen. Auch die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) der Arbeitsagenturen werden rege ge-
    nutzt (31 Prozent der Betriebe). Andere Betriebe (18 Prozent) helfen, die Ausbildungsreife schon vor Be-
    ginn der Ausbildung zu verbessern. Sie ermöglichen z. B. Schülern über einen längeren Zeitraum hinweg
    wöchentliche Praxistage im Betrieb.
Inhalt

                                                              Seite

I    Ausbildungsangebot der Betriebe
     im Jahr 2010                                                 7
     Gesamtbeurteilung                                             7
     Beurteilung nach Betriebsgrößenklassen                        9
     Beurteilung nach Branchen                                    10
     Beurteilung nach Regionen                                    14
     Ausbildungsmotive der Unternehmen                            15

II   Besetzung von Ausbildungsplätzen                             17
     Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt:
     viele unbesetzte Stellen                                     17
     Gastgewerbe: Große Nachwuchssorgen                           18
     Geeignete Bewerbungen: Oft Fehlanzeige                       20
     Demografie zwingt zum Handeln – mehr Kooperationen
     mit Schulen                                                  22
     Branchen nutzen vielfältige Instrumente                      23
     Scharfer Wettbewerb um Auszubildende -
     Arbeitsagenturen wieder mehr gefragt                         24
     Unternehmen nutzen viele Wege, um Bewerber zu gewinnen       25

III Übernahme von Auszubildenden                                  26
     Großteil der Unternehmen übernimmt Auszubildende             26
     Übernahme von Auszubildenden: Leitmotiv ist die
     Fachkräftesicherung                                          28

IV Ausbildungshemmnisse, Ausbildungsreife                         29
     Ausbildungshemmnis Nr. 1: mangelnde Ausbildungsreife         29
     Deutsch und Mathe besser – aber nicht gut                    31
     Erziehungsdefizite schmälern Ausbildungsreife                32
     Unternehmen helfen sich selbst                               33
     Ob groß oder klein – alle Unternehmen sind aktiv             34
     Ausbildungschancen auch für lernschwächere Jugendliche       35

     Anhang                                                       39
     Fragebogen                                                   41
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

I   AUSBILDUNGSANGEBOT DER                           Die Mehrheit der Betriebe (60 Prozent) setzt
                                                     darauf, mit einem gleich bleibend hohen Angebot
    BETRIEBE IM JAHR 2010                            an Ausbildungsplätzen ihren Fachkräftenachwuchs
                                                     zu sichern. Insgesamt ist im Ergebnis – trotz der
Gesamtbeurteilung                                    Aufhellung im Vergleich zum Vorjahr – damit zu
                                                     rechnen, dass das Angebot an betrieblichen Aus-
Auswirkungen der Krise auf das Angebot an            bildungsplätzen auch 2010 zurückgehen wird.
Ausbildungsplätzen schwächen sich ab
                                                     Die schwächer werdenden Auswirkungen der Krise
Die Ausbildungspläne der Betriebe fallen 2010        auf das Ausbildungsangebot zeigen sich auch
weniger pessimistisch aus als im Krisenjahr 2009.    daran, dass der Anteil der Unternehmen, die
Gleichwohl hinterlassen die schwierigen wirt-        weniger Ausbildungsplätze anbieten, um zwei
schaftlichen Rahmenbedingungen auch 2010 noch        Prozentpunkte zurückgegangen ist. Damit wird bei
ihre Spuren beim Angebot an Ausbildungsplätzen.      den Weniger-Antworten fast wieder das Niveau
                                                     des Jahres 2008 erreicht, als die Zahl neu abge-
Im Jahr 2010 planen 15 Prozent der Unternehmen,      schlossener Ausbildungsverträge im Bereich In-
mehr Ausbildungsplätze anzubieten als 2009.          dustrie, Dienstleistung und Handel absolut ein
25 Prozent wollen ihr Angebot reduzieren. Damit      Rekordniveau markierte.
beträgt der Saldo aus Mehr- und Weniger-
Antworten minus zehn Punkte – eine Verbesserung
um drei Punkte gegenüber dem Wert aus dem
Vorjahr.

                  Angebot an Ausbildungsplätzen im Vergleich zum Vorjahr

     100%
                  18                                      14            15
                                22            21

      80%

      60%                                                                             mehr
                                                          59            60
                  57                          55
                                55                                                    gleich bleibend

      40%                                                                             weniger

      20%
                  25            23            24          27            25

       0%
                 2006          2007          2008       2009           2010

                                                                                                    7
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Die Entwicklung bei den Mehr-Antworten belegt,           punkt gestiegen. Angesichts der schwierigen
dass sich die Krise jedoch auch weiterhin auf das        wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben nur
Angebot betrieblicher Lehrstellen auswirkt: Der          wenige Betriebe den Spielraum, die Zahl ihrer
Anteil der Unternehmen, die mehr als im Vorjahr          angebotenen Ausbildungsplätze zu erhöhen.
ausbilden wollen, ist nur leicht um einen Prozent-

                      Angebot an Ausbildungsplätzen im Vergleich zum Vorjahr
                               (Saldo zwischen Mehr- und Weniger-Antworten)

     15

     10

      5

      0

     -5

  -10

  -15
               2006               2007               2008              2009              2010

 8
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Beurteilung nach Betriebsgrößenklassen                  Mengeneffekts stabilisieren die Betriebe aus
                                                        diesen Größenklassen das Gesamtangebot an
Mittelstand: stabile Stütze des Ausbil-                 Ausbildungsplätzen im Jahr 2010.
dungsmarktes
                                                        Ein Hinweis zur Interpretation der Saldenwerte
Im Vergleich zum Vorjahr hellen sich die Ausbil-        aus Mehr- und Weniger-Antworten: Negative
dungspläne von Betrieben mit 10 bis 199 Be-             Werte beim Saldo bedeuten nicht zwangsläufig,
schäftigten auf. Mit vier Punkten verbessern sich       dass auch das Ausbildungsangebot zurückgehen
per Saldo die Ausbildungspläne der Betriebe mit         wird. Kleine Betriebe werden in der Regel nicht
20 bis 199 Beschäftigten am stärksten von allen         jedes Jahr ihr Ausbildungsplatzangebot vergrö-
Betriebsgrößenklassen. Auch bei den Unterneh-           ßern. Erst nach Ende einer Ausbildung (üblich drei
men mit 10 bis 19 Beschäftigten steigt der Saldo        Jahre) sind meist wieder ausreichend Kapazitäten
um drei auf minus 15 Punkte – und erreicht dabei        vorhanden, neue Ausbildungsplätze anzubieten.
sogar einen höheren Wert als im Jahr 2008               Daher ist der Saldo bei kleinen Betriebsgrößen-
(minus 16 Punkte), in dem die Zahl der neu abge-        klassen meist negativ. Für die Einschätzung des
schlossenen Ausbildungsverträge bei Industrie           Ausbildungsplatzangebots ist die Entwicklung des
und Handel ein absolutes Rekordniveau erreichte.        Saldos im Vorjahresvergleich wichtiger als der
Ein Grund für die Verbesserungen gerade bei             absolute Saldenwert. Daher sind von der positiven
diesen Größenklassen liegt darin, dass diese            Saldenentwicklung bei den Unternehmen mit 10
Betriebe stärker auf den Binnenmarkt ausgerich-         bis 199 Beschäftigten stabilisierende Effekte auf
tet und daher von Rückschlägen auf den Export-          das Ausbildungsplatzangebot zu erwarten, auch
märkten weniger betroffen sind.                         wenn der absolute Saldenwert negativ ist.

Betriebe mit 10 bis 199 Beschäftigten bilden fast
die Hälfte aller Lehrlinge bei Industrie, Dienstleis-
tungen und Handel aus. Aufgrund dieses

 Bieten Sie im Jahr 2010 mehr oder weniger Ausbildungsplätze an als 2009?
 (Ergebnisse differenziert nach Größenklassen)
 Größenklassen            mehr           weniger     gleich           Saldo                 Saldo
                                                    bleibend     (mehr/weniger)         (mehr/weniger)
                                                                      2010                  2009
 weniger als 10            10 %               32 %       58 %              -22                -19

 10 - 19                   13 %               28 %       59 %              -15                -18

 20 - 199                  15 %               24 %       61 %              -9                 -13

 200 - 999                 17 %               22 %       61 %              -5                 -4

 mehr als 1.000            19 %               22 %       59 %              -3                  3

 Durchschnitt              15 %              25 %        60 %             -10                 -13

                                                                                                       9
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

                   Angebot an Ausbildungsplätzen im Vergleich zum Vorjahr nach
                                               Größenklassen
                                (Saldo zwischen Mehr- und Weniger-Antworten)

   30

   20

   10                                                                             1 - 9 Beschäftigte
                                                                                  10 - 19 Beschäftigte
      0                                                                           20 - 199 Beschäftigte
                                                                                  200 - 999 Beschäftigte
   -10
                                                                                  mehr als 1.000 Beschäftigte

   -20

   -30
            2006         2007         2008            2009       2010

Groß- und Kleinstunternehmen reagieren                       Unternehmen mit 20 bis 199 Beschäftigten, die
am stärksten auf die Krise                                   weniger ausbilden wollen, ist hingegen in der
                                                             Krise seit 2008 nur marginal um einen Prozent-
Die Ausbildungspläne der Betriebe mit weniger als            punkt auf 24 Prozent gestiegen.
zehn Beschäftigten (rund 22 Prozent aller Auszu-
bildenden) haben sich 2010 mit einem Rückgang                Beurteilung nach Branchen
des Saldos um drei Punkte leicht eingetrübt. Im
Vorjahr markierte diese Betriebsgrößenklasse                 Gastgewerbe und Banken/Versicherungen:
trotz Krise noch einen Rekordwert. Zeitverzögert             mehr Lehrstellen
schlägt die Krise nun auch auf das Ausbildungs-
angebot dieser Betriebe durch.                               Die Ausbildungspläne des Gastgewerbes und von
                                                             Banken und Versicherungen sind von allen Bran-
Am größten sind die Auswirkungen der Krise bei               chen am expansivsten: Der Saldo aus Mehr- und
den Großunternehmen (rund zehn Prozent aller                 Weniger-Antworten ist bei beiden Branchen
Auszubildenden). 2008 lag der Saldo noch bei                 positiv. Zudem haben sich im Vorjahresvergleich
26 Punkten. 2010 ist dieser Saldo auf minus drei             die Ausbildungspläne beim Gastgewerbe mit
Punkte zurückgegangen. Gerade Großunterneh-                  sieben Punkten – nach dem Verkehrsbereich – am
men haben in den beiden vergangenen Jahren                   stärksten verbessert. Auch bei Banken und Versi-
ihre Ausbildungspläne deutlich restriktiver gestal-          cherungen steigt der Saldo im Vergleich zu 2009
tet als in den konjunkturellen Hochphasen. Seit              um einen Prozentpunkt. Jugendliche, die einen
2008 ist der Anteil der Großunternehmen, die                 Ausbildungsplatz suchen, finden demnach 2010
weniger Ausbildungsplätze anbieten, um neun                  beim Gastgewerbe und Banken/Versicherungen
Prozentpunkte auf insgesamt 22 Prozent gestie-               ein vergrößertes Ausbildungsangebot vor.
gen. Dies ist – gemeinsam mit der Größenklasse
200 bis 999 Beschäftigte – der mit Abstand                   Auch Handel und Bau haben per Saldo 2010
größte Anstieg aller Größenklassen. Der Anteil der           optimistischere Ausbildungspläne als im Vorjahr.

 10
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Beim Handel wirkt stabilisierend, dass die              Die Ausbildungspläne der Betriebe aus dem
schlimmsten Erwartungen bei den Auswirkungen            Bereich IT/Medien fallen im Branchenvergleich
der Krise auf den Konsum nicht eingetreten sind.        am restriktivsten aus. Gegenüber dem Vorjahr
Das Baugewerbe profitiert von zusätzlichen              reduziert sich der Saldo sogar um zwei Punkte.
Bauinvestitionen im Zuge der Konjunkturpakete,          Ein Grund hierfür sind geringere Werbeausgaben,
so dass Spielräume zum Aufrechthalten des               die gerade im Bereich der Medienunternehmen zu
Ausbildungsangebots vorhanden sind.                     Umsatzrückgängen geführt haben.

Bemerkenswert sind die deutlich verbesserten
Ausbildungspläne im Verkehrsgewerbe. Der An-
stieg beim Saldo von neun Punkten stellt die
größte Verbesserung im Branchenvergleich dar.
Die Ausbildungspläne der unternehmensorientier-
ten Dienstleistungen erholen sich von den krisen-
bedingten Rückschlägen; bei den sonstigen
Dienstleistern verändern sich die Ausbildungsab-
sichten nicht.

 Bieten Sie im Jahr 2010 mehr oder weniger Ausbildungsplätze an als 2009?
 (Ergebnisse differenziert nach Branchen, sortiert nach dem Saldo (mehr/weniger) 2010)
 Branche                        mehr         weniger         gleich         Saldo            Saldo
                                                           bleibend     (mehr/weniger)   (mehr/weniger)
                                                                            2010             2009
 Gastgewerbe                   20 %           15 %         65 %              5                -2

 Banken/Versicherungen         20 %           19 %         61 %              1                -0

 Verkehr                       17 %           25 %         58 %              -8               -17

 Durchschnitt                  15 %           25 %         60 %             -10               -13
 Sonstige
                               14 %           26 %         60 %             -12               -12
 Dienstleistungen
 Baugewerbe                    10 %           22 %         68 %             -12               -17

 Handel                        14 %           26 %         60 %             -12               -17
 Unternehmensorientierte
                               13 %           26 %         61 %             -13               -17
 Dienste
 Industrie (ohne Bau)          14 %           29 %         57 %             -15               -14

 IT/Medien                     12 %           28 %         60 %             -16               -14

                                                                                                    11
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Industrie: Ausbildungsmotor stottert                       Auch der Blick auf die Industriezweige zeigt die
                                                           Folge der Umsatzeinbrüche auf den Exportmärk-
Die Industrie hat in den vergangenen Jahren                ten: Gerade die Industriezweige mit einem hohen
wesentlich zu den Steigerungen bei den neu                 Anteil an exportorientierten Unternehmen, wie
abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im IHK-               der Maschinenbau (Saldo: minus 28 Punkte), die
Bereich beigetragen. Infolge wegbrechender                 Metallerzeugung und -bearbeitung (minus 22
Aufträge, insbesondere aus dem Exportgeschäft,             Punkte) und der Kraftfahrzeugbereich (minus 16
sehen sich nun jedoch viele Industrieunternehmen           Punkte), weisen Saldenwerte unterhalb des
nicht mehr in der Lage, ihr hohes Ausbildungsen-           Durchschnitts der gesamten Industrieunterneh-
gagement der Vorjahre aufrechtzuerhalten. Dies             men (minus 15 Prozent) auf.
zeigt der Saldo aus Mehr- und Weniger-
Antworten: 2010 fallen die Ausbildungspläne der            Eher auf den Binnenmarkt orientierte Zweige wie
Industrie per Saldo nun pessimistischer aus als            die Ernährungsmittelindustrie liegen mit einem
der Gesamtdurchschnitt über alle Branchen.                 Saldenwert von minus fünf Punkten deutlich
Bemerkenswert ist zudem, dass sich die Ausbil-             oberhalb des Durchschnitts in der Industrie und
dungspläne der Industrie im Vorjahresvergleich             der Wirtschaft insgesamt (minus zehn Punkte).
gegen den wirtschaftsweiten Trend sogar noch-
mals verschlechtert haben.

 Bieten Sie im Jahr 2010 mehr oder weniger Ausbildungsplätze an als 2009?
 (Ergebnisse differenziert nach Industriezweigen, sortiert nach dem Saldo (mehr/weniger))
                                                                                           Saldo
 Industriezweig                mehr                weniger          gleich bleibend
                                                                                       (mehr/weniger)
 Ernährungsmittel              15 %                 20 %                 65 %                 -5
 Übrige Industrie-
                               16 %                 23 %                 61 %                 -7
 bereiche
 Chemie/Pharma                 18 %                 28 %                 54%                 -10

 Elektrotechnik                16 %                 26 %                 58 %                -10

 Durchschnitt                  14 %                 29 %                57 %                 -15
 Kfz-Produktion bzw.
                               12 %                 28 %                 60 %                -16
 Kfz-Zulieferung
 Metallerzeugung und
                               12 %                 33 %                 55 %                -21
 -bearbeitung
 Maschinenbau                  10 %                 38 %                 52 %                -28

 12
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Ganz besonders trüben sich die Ausbildungspläne         häufigsten, ihr Ausbildungsplatzangebot auszu-
bei Industrieunternehmen mit mehr als 1.000             weiten. Inzwischen ist der Saldo der industriellen
Beschäftigten ein. Im Vergleich mit den anderen         Großunternehmen (minus 13 Punkte) schlechter
Größenklassen beabsichtigten gerade diese Be-           als der der gesamten Wirtschaft (minus zehn
triebe in den vergangenen Jahren per Saldo am           Punkte) und liegt nur noch knapp über dem Saldo
                                                        der gesamten Industrie (minus 15 Punkte).

            Angebot an Ausbildungsplätzen in der Industrie im Vergleich zum Vorjahr
                      nach Größenklassen - mehr als 1.000 Beschäftigte
                               (Saldo zwischen Mehr-und Weniger-Antworten)

   40

   30

   20                                                                             Saldo mehr als 1.000
                                                                                  Beschäftigte (Industrie)
                                                                                  Saldo Industrie gesamt
   10

                                                                                  Saldo gesamt
    0

  -10

  -20
           2006         2007           2008         2009         2010

                                                                                                        13
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Beurteilung nach Regionen                              Exporterfolge der Industrie – in den vergangenen
                                                       Jahren massiv mehr Ausbildungsplätze angeboten
Krisenwirkungen im Süden am größten                    hat. Der Rückgang vollzieht sich demnach von
                                                       einem Rekordniveau aus.
Die Ausbildungspläne der süddeutschen Unter-
nehmen trüben sich im Vergleich der Regionen           Die Ausbildungspläne der Unternehmen aus dem
am stärksten ein: 2008 lag der Saldo aus Mehr-         Norden (minus zehn Punkte) und Osten (minus elf
und Weniger-Antworten im Süden noch bei drei           Punkte) sind in der Krise vergleichsweise stabil.
Punkten; inzwischen beträgt er nur noch minus          Ein Grund hierfür ist die Wirtschaftsstruktur
elf Punkte. Dieser Rückgang um 14 Punkte ist die       dieser Regionen, die stärker auf den Binnenmarkt
mit Abstand größte Verschlechterung der Ausbil-        orientiert ist. Auffallend ist zudem, dass der
dungspläne in den beiden vergangenen Jahren. Zu        Westen (minus elf Punkte) im Vorjahresvergleich
beachten ist jedoch, dass gerade die süddeutsche       den größten Anstieg des Saldos beim Angebot von
Wirtschaft – insbesondere angetrieben durch die        Ausbildungsplätzen aufweist.

            Angebot an Ausbildungsplätzen im Vergleich zum Vorjahr nach Regionen
                             (Saldo zwischen Mehr- und Weniger-Antworten)

   10

      5

      0
                                                                                              Norden
                                                                                              Süden
    -5
                                                                                              Osten
                                                                                              Westen
  -10

  -15

  -20
             2006            2007            2008           2009            2010

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Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Ausbildungsmotive der Unternehmen                          Trotz der weiterhin schwierigen wirtschaftlichen
                                                           Rahmenbedingungen sind für nur 24 Prozent der
Frage an die Unternehmen:                                  Unternehmen die Geschäftserwartungen ent-
„Was beeinflusst Ihr Angebot an Ausbildungsplät-           scheidend für das Ausbildungsplatzangebot.
zen im Jahr 2010 maßgeblich?
    a. Sicherung des Fachkräftenachwuchses                 Im Vorjahresvergleich ist bemerkenswert, dass das
    b. Geschäftserwartungen“                               Ausbildungsmotiv „Sicherung des Fachkräfte-
(beide Ausbildungsmotive konnten wie folgt                 nachwuchses“ von 33 auf 51 Prozent deutlich
gewichtet werden: „entscheidender Einfluss“,               zunimmt. Der demografiebedingte Bewerberrück-
„merklicher, aber nicht entscheidender Einfluss“           gang macht sich demnach bei den Unternehmen
und „kaum Einfluss")                                       immer stärker bemerkbar und die Fachkräftesi-
                                                           cherung durch eigene Ausbildung gewinnt an
                                                           Bedeutung. Das Motiv „Geschäftserwartungen“
Leitmotiv der Unternehmen bei der Ausbil-
                                                           hat hingegen nur um zwei Prozentpunkte im
dung: Fachkräfte sichern
                                                           Vergleich zum Vorjahr zugenommen.
Die Sicherung des Fachkräftenachwuchses ist das
mit Abstand wichtigste Motiv für eigene Ausbil-
dung – auch in der Krise. 51 Prozent der Betriebe
geben an, dass Fachkräftesicherung entscheidend
ihr Angebot an Ausbildungsplätzen beeinflusst.

.

Was beeinflusst Ihr Angebot an Ausbildungsplätzen im Jahr 2010 maßgeblich?

                             Sicherung des Fachkräftenach-
                                                                          Geschäftserwartungen
                                        wuchses
                                 2010               2009                2010                 2009

Entscheidender Einfluss          51 %               33 %                 24 %                22 %
Merklicher, aber nicht
                                 30 %               38 %                 42 %                37 %
entscheidender Einfluss
Kaum Einfluss                    19 %               29 %                 34 %                41 %

                                                                                                        15
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

16
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

II        BESETZUNG VON                                     die demografische Trendwende auf dem Ausbil-
                                                            dungsmarkt bereits vollzogen hat: Im bundeswei-
          AUSBILDUNGSPLÄTZEN                                ten Durchschnitt sind nicht länger Lehrstellen,
                                                            sondern geeignete Bewerber für die angebotenen
Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt:                        Ausbildungsplätze knapp. Bei rund 217.000
viele unbesetzte Stellen                                    Ausbildungsbetrieben im IHK-Bereich bedeutet
                                                            dies, dass – grob geschätzt – rund 50.000 ange-
Für die Beurteilung der Lage auf dem Ausbil-                botene Ausbildungsplätze nicht besetzt werden
dungsmarkt ist nicht allein das Angebot an Aus-             konnten.
bildungsplätzen entscheidend. Vielmehr muss
auch die Nachfrageseite berücksichtigt werden –             Ein wesentlicher Grund für die Besetzungsprob-
und hierfür werden die Unternehmen befragt, ob              leme ist der demografiebedingte Bewerberrück-
sie ihre angebotenen Ausbildungsplätze besetzen             gang, insbesondere in den neuen Bundesländern.
können. Es zeigt sich, dass – trotz eines rückläufi-        Von 2005 bis 2009 sank die Zahl der Schulabgän-
gen Angebots – eine hohe Anzahl an Ausbil-                  ger in den neuen Bundesländern von 213.000 auf
dungsplätzen nicht besetzt werden konnte.                   141.000 – ein Rückgang um 34 Prozent innerhalb
                                                            von nur vier Jahren. Dieser deutliche Rückgang
Trotz Wirtschaftskrise konnte auch 2009 mehr als            bei den Schulabgängern ist maßgeblich dafür
jedes fünfte Unternehmen nicht alle angebotenen             verantwortlich, dass fast jeder dritte ostdeutsche
Ausbildungsplätze besetzen. Damit verharrt der              Betrieb seine angebotenen Ausbildungsplätze
Anteil der Betriebe mit Besetzungsproblemen auf             nicht komplett besetzen konnte.
einem hohen Niveau von 21 Prozent. Im Jahr
2006 betrug dieser Anteil noch zwölf Prozent.
Dieser deutliche Anstieg unterstreicht, dass sich

                      Konnten Sie alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen?
                                        (Anteil der Nein-Antworten in %)

     25

     20

     15

     10

      5

      0
               2005              2006              2007              2008           2009

                                                                                                          17
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

 Konnten Sie im Jahr 2009 alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen?
 (Ergebnisse differenziert nach alten und neuen Bundesländern)

 Alle Plätze besetzt?           alte Bundesländer      neue Bundesländer

 Ja                                    81 %                  69 %

 Nein                                  19 %                  31 %

Damit hat sich der Anteil der ostdeutschen Un-          Gastgewerbe: große Nachwuchssorgen
ternehmen mit Besetzungsschwierigkeiten gegen-
über dem Jahr 2006 verdoppelt.                          Im Branchenvergleich zeigt sich, dass das Gast-
                                                        gewerbe 2009 mit Abstand die größten Probleme
In den alten Bundesländern sind demografische           hatte, seine Ausbildungsplätze zu besetzen.
Verschiebungen in dieser Größenordnung bisher           43 Prozent der Gastronomiebetriebe hatten 2009
nicht eingetreten. Auswirkungen auf die Bewer-          entsprechende Probleme. 2006 lag dieser Anteil
bersituation hat jedoch die zunehmende Präfe-           noch bei 21 Prozent. Je größer die Auswahl an
renz von Jugendlichen für den Besuch von Gym-           freien Stellen für die Jugendlichen ist, desto
nasien. Während die Zahl der Abiturienten in den        größer sind die Probleme des Gastgewerbes, freie
westdeutschen Bundesländern von 2005 bis 2009           Stellen zu besetzen. Denn für einige Bewerber ist
sogar um 43.000 (24 Prozent) gestiegen ist , sank       eine Ausbildung im Gastgewerbe mit teilweise
die Zahl der Abgänger von Haupt- und Realschu-          unregelmäßigen Arbeitszeiten nicht die erste
len um rund 30.000 Jugendliche bzw. fünf Pro-           Wahl.
zent. Diese Entwicklung schlägt sich bei den
Bewerberzahlen der Bundesagentur für Arbeit             Ganz besondere Probleme bei der Gewinnung von
ebenfalls nieder: Von 2005 bis 2009 ging der Zahl       Auszubildenden haben ostdeutsche Gastronomie-
der Bewerber in den alten Bundesländern um              betriebe. Die Mehrheit der ostdeutschen Gastro-
rund 110.000 bzw. 20 Prozent zurück. Dies er-           nomen (53 Prozent) kann bereits nicht mehr alle
klärt, dass auch in den westdeutschen Bundeslän-        Ausbildungsplätze besetzen.
dern der Anteil der Betriebe, die nicht alle Ausbil-
dungsplätze besetzen konnten, in diesem Zeit-           Banken und Versicherungen haben mit 23 Prozent
raum von zwölf auf nunmehr 19 Prozent gestie-           den zweithöchsten Anteil im Branchenvergleich.
gen ist.                                                Hier ist jedoch nicht der demografiebedingte
                                                        Bewerberrückgang der entscheidende Grund für
Die rückläufige Zahl der Schulabgänger führte in        die Nichtbesetzung von Ausbildungsplätzen,
Kombination mit einem größeren Angebot an               sondern die vielfach mangelnde Qualifikation der
Ausbildungsplätzen in den Jahren 2006 bis 2008          Bewerber. Bereits 2006 lag der Anteil der Betriebe
auch dazu, dass zahlreiche Altbewerber einen            aus dem Bereich Banken und Versicherungen bei
Ausbildungsplatz gefunden haben. Dementspre-            21 Prozent. Der leichte Anstieg um zwei Prozent-
chend sank in den Folgejahren die Zahl der bei der      punkte deutet darauf hin, dass Banken und Versi-
Bundesagentur für Arbeit registrierten Altbewer-        cherungen Schwierigkeiten bei der Besetzung
ber von 385.000 im Jahr 2007 auf 244.000 im             ihrer Ausbildungsplätze haben – weitgehend
Jahr 2009 – ein Rückgang um 37 Prozent.                 unabhängig von der Anzahl der Bewerbungen.
                                                        Aufgrund der anspruchsvollen Ausbildung müssen
                                                        vielfach Plätze unbesetzt bleiben.

 18
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Die größte Zunahme bei den Besetzungsschwie-            dabei zu Gute, dass sich viele Jugendliche in der
rigkeiten weist der Verkehrsbereich auf. Gegen-         Krise wegen des eingeschränkteren Angebots an
über dem Vorjahr stieg der Anteil der Verkehrsun-       Ausbildungsplätzen in der Industrie vermehrt
ternehmen, die Ausbildungsplätze nicht besetzen         auch bei Handelsunternehmen bewerben. Ein
konnten, um fünf Prozentpunkte auf 20 Prozent           Hinweis auf diesen Zusammenhang gibt die
an. Diese Entwicklung unterstreicht die großen          Entwicklung in den besonders von der Krise
Probleme dieser Branche, ausreichend Nach-              betroffenen, industriell geprägten süddeutschen
wuchskräfte zu finden. Auffallend ist auch der          Bundesländern: Dort ging der Anteil der Handels-
Anstieg der Industrieunternehmen, die Beset-            unternehmen mit Besetzungsschwierigkeiten mit
zungsschwierigkeiten haben. Gerade Industrieun-         vier Prozentpunkten sogar stärker als im Bundes-
ternehmen mussten krisenbedingt vielfach –              durchschnitt zurück.
stärker als eher binnenmarktorientierte Unter-
nehmen – ihr Angebot an Ausbildungsplätzen              Auch die Entwicklung bei den Neuverträgen
reduzieren. Dennoch stieg auch in der Industrie         unterstreicht die vergleichsweise günstigere Lage
die Zahl der Betriebe mit Besetzungsschwierigkei-       des Handels im Vergleich zur Industrie: Im IHK-
ten an (zu den Reaktionen der Betriebe auf die          Bereich sank 2009 die Zahl der neu abgeschlosse-
Besetzungsschwierigkeiten siehe S. 22).                 nen Ausbildungsverträge in Handelsberufen nur
                                                        unterdurchschnittlich um fünf Prozent, während
Handel und die sonstigen Dienstleistungen sind          die Zahl der Neuverträge in industriell-
die einzigen Bereiche, in denen sich die Probleme       technischen Ausbildungsberufen um 15 Prozent
bei der Besetzung von Lehrstellen etwas ent-            zurückging.
spannt haben. Insbesondere dem Handel kommt

 Konnten Sie im Jahr 2009 alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen?
 (Ergebnisse differenziert nach Branchen, sortiert nach Nein-Antworten 2009)
                                     nein                     nein
 Branche
                                    (2009)                   (2008)
 Gastgewerbe                         43 %                     39 %

 Banken/Versicherungen               23 %                     21 %

 Baugewerbe                          22 %                     22 %

 IT/Medien                           21 %                     22 %

 Industrie (ohne Bau)                20 %                     18 %

 Verkehr                             20 %                     15 %
 Unternehmensorientierte
                                     19 %                     17 %
 Dienste
 Sonstige Dienstleistun-
                                     18 %                     19 %
 gen
 Handel                              17 %                     20 %

                                                                                                     19
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Geeignete Bewerbungen:                                       Ausbildung gekündigt wurden – ein Anstieg um
                                                             vier Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.
oft Fehlanzeige
                                                             Insbesondere Betriebe aus den Branchen
63 Prozent der Betriebe geben als Grund für die              IT/Medien und Gastgewerbe können Ausbildungs-
Nicht-Besetzung von Ausbildungsplätzen im Jahr               plätze mangels geeigneter Bewerber nicht beset-
2009 an, dass keine geeigneten Bewerbungen                   zen. Die Besetzungsprobleme im Gastgewerbe
vorlagen. Dies ist ein Anstieg um drei Prozent-              werden dadurch unterstrichen, dass sich der
punkte gegenüber dem Vorjahr – und zwölf                     Anteil der Betriebe, bei denen keine Bewerbungen
Prozentpunkte mehr als noch 2006. Unzureichen-               vorlagen, innerhalb eines Jahres von neun auf 16
de Qualifikation der Bewerber ist somit mit                  Prozent fast verdoppelt hat. Damit erhält bereits
weitem Abstand der wichtigste Grund, warum                   jeder sechste Gastronomiebetrieb mit Beset-
Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.                         zungsschwierigkeiten gar keine Bewerbungen
                                                             mehr.
Acht Prozent dieser Betriebe konnten Lehrstellen
nicht besetzen, weil keine Bewerbungen vorlagen.             Auffällig ist zudem der sehr hohe Anteil von
Im Vergleich zur Vorjahresumfrage steigt dieser              Kündigungen durch Lehrlinge nach Beginn der
Anteil um drei Prozentpunkte an. Zudem gibt                  Ausbildung im Gastgewerbe und der hohe Anteil
immerhin fast jedes fünfte Unternehmen mit                   nicht angetretener Ausbildungsstelle bei Banken
Besetzungsschwierigkeiten an, dass die Ausbil-               und Versicherungen.
dungsstellen vom Jugendlichen nach Beginn der

                   Gründe für die Nichtbesetzung von Ausbildungsplätzen (in %)
                                         (Mehrfachnennungen möglich)

  Die Ausbildungsplätze wurden von den Auszubildenden
                                                                       19
                    nicht angetreten.

        Die Ausbildungsverträge wurden von den
                                                                      17
  Auszubildenden nach Beginn der Ausbildung aufgelöst.

                      Es lagen keine Bewerbungen vor.        8

           Es lagen keine geeigneten Bewerbungen vor.                                            63

                                       andere Gründe                        24

                                                         0       10        20    30   40   50    60     70

 20
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Aus welchen Gründen konnten Sie im Jahr 2009 nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen?
(Ergebnisse differenziert nach Branchen, sortiert nach der Antwortkategorie „Es lagen keine geeigneten
Bewerbungen vor.“)
                               Es lagen keine     Die Ausbil-       Die Ausbildungs- Es lagen keine
                               geeigneten         dungsplätze       verträge wurden      Bewerbungen
                               Bewerbungen        wurden von        von den Auszu-       vor.
Branche                        vor.               den Auszubil-     bildenden nach
                                                  denden nicht      Beginn der
                                                  angetreten.       Ausbildung
                                                                    aufgelöst.
IT/Medien                         71 %                8%                 8%                 3%

Gastgewerbe                       70 %               19 %               33 %                16 %
Unternehmensorientierte
                                  68 %               16 %               15 %                8%
Dienste
Baugewerbe                        65 %               16 %                9%                 11 %

Handel                            65 %               18 %               16 %                7%

Durchschnitt                      63 %               19 %               17 %                8%

Industrie (ohne Bau)              62 %               19 %               12 %                7%

Banken/Versicherungen             61 %               42 %               18 %                2%

Verkehr                           59 %               25 %               24 %                4%

Sonstige Dienstleistungen         51 %               18 %               17 %                6%

                                                                                                     21
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Demografie zwingt zum Handeln – mehr                                          Dies bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die
Kooperationen mit Schulen                                                     Fachkräftequalifizierung der Unternehmen. Fast
                                                                              die Hälfte aller an der aktuellen Ausbildungsum-
In den kommenden Jahren werden die Schulab-                                   frage beteiligten Unternehmen (46 Prozent) spürt
gängerzahlen kontinuierlich zurückgehen. Wäh-                                 den Bewerberrückgang bereits. Im Osten sind es
rend es in den ersten Jahren des Ausbildungspakts                             sogar 62 Prozent. Diese Unternehmen versuchen
2003 bis 2006 noch bis zu 975.000 Schulabgänger                               mit verschiedenen Maßnahmen, sich im Wettbe-
jährlich gab, werden es 2015 nur noch 860.000                                 werb um den Fachkräftenachwuchs gut zu positi-
sein. In den ostdeutschen Bundesländern war der                               onieren. Mehr als die Hälfte der vom Bewerber-
Schülerrückgang bereits in den vergangenen                                    rückgang betroffenen Unternehmen (54 Prozent)
Jahren deutlich spürbar. In Mecklenburg-                                      kooperieren deshalb mit Schulen. Sie bieten Prak-
Vorpommern z. B. reduzierte sich die Zahl der                                 tika an, unterstützen Projektwochen und arbeiten
Schulabgänger von 2003 bis 2009 um die Hälfte.                                mit Schulen bei der Berufsorientierung zusammen.

                           Wie reagieren Sie bei der Gewinnung von Auszubildenden auf rückläufige
                                                 Schulabgängerzahlen (in %)?
                                                         (Mehrfachnennungen möglich)

                    Angebot für lernschwächere Bewerber
                                                                                  19
                  (EQs, innerbetriebliche Nachqualifizierung)

        Angebot von Auslandsaufenthalten in der Ausbildung          4

                          Angebot von Zusatzqualifikationen
                                                                        10
                           (z. B. Fremsprachenunterricht)

Erschließung neuer Bewerbergruppen (z. B. Studienabbrecher)                                 24

                     mehr Kooperationen mit Hochschulen
                                                                                 18
                   (z. B. Angebot von dualen Studiengängen)

                           mehr Kooperationen mit Schulen                                                              54

 Senkung der Anforderungen an die Vorbildung von Bewerbern                        18

                         verbessertes Ausbildungsmarketing                                                   47

                                    andere Vorgehensweisen               12

                                                                0        10            20        30     40        50        60

 22
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

47 Prozent der Unternehmen verbessern zudem           Arbeitsagenturen und Industrie- und Handels-
ihr Ausbildungsmarketing. Andere Unternehmen          kammern zusammen.
suchen die Kooperation mit Hochschulen. Rund
ein Viertel (24 Prozent) erschließt neue Bewer-
bergruppen für eine Ausbildung, z. B. unter den       Branchen nutzen vielfältige Instrumente
Studienabbrechern.
                                                      Ganz besonders stark spüren das Gastgewerbe
18 Prozent der Unternehmen, die bereits mit           sowie die Banken und Versicherungen den Bewer-
sinkenden Schulabgängerzahlen konfrontiert sind,      berrückgang. Auch die Hälfte der Industrieunter-
entwickeln gemeinsam mit den Hochschulen              nehmen berichtet bereits über zurückgehende
duale Studiengänge, um frühzeitig die leistungs-      Bewerberzahlen. Bei der Nachwuchssicherung
starken Schüler zu fördern und an das Unterneh-       gehen die Branchen aber durchaus unterschiedli-
men zu binden. Ein Teil der Unternehmen steigert      che Wege. Die Banken und Versicherungen und
die Attraktivität der eigenen Ausbildung, indem       auch die Industrie setzen besonders stark auf
Zusatzqualifikationen angeboten werden, so zum        Schulkooperationen und auf ein verbessertes
Beispiel Auslandsaufenthalte (vier Prozent) oder      Ausbildungsmarketing. Sie suchen jedoch auch
zusätzlicher Fremdsprachenunterricht (zehn            Kooperationen zu den Hochschulen, z. B. bei der
Prozent).                                             Gestaltung dualer Studiengänge. Duale Studien-
                                                      gänge sind ein gutes Instrument, leistungsstarke
19 Prozent der befragten Unternehmen versu-           Jugendliche früh an das Unternehmen zu binden.
chen, sich dadurch zu helfen, dass sie lernschwä-
cheren Jugendlichen den Übergang in Ausbildung        Die anspruchsvollen Ausbildungen in der Banken-
durch eine Einstiegsqualifizierung (EQ) ermögli-      und Versicherungsbranche sind möglicherweise
chen. Mit einer Absenkung der Anforderungen an        auch für Studienabbrecher, die mit einem theorie-
die Vorbildung von Bewerbern reagieren - notge-       lastigen Studium nicht zurechtkommen, eine neue
drungen – 18 Prozent der Betriebe auf rückläufige     Chance. Banken und Versicherungen versuchen
Bewerberzahlen. Eine solche Absenkung der             deshalb, unter den Studienabbrechern neue
Anforderungen ist für die Unternehmen aber            Bewerberpotenziale für eine Ausbildung zu er-
besonders schwierig, weil sie dann im Unterneh-       schließen. Diesen Weg geht auch die IT- und
men aufwändig Nachhilfe und Betreuung für die         Medienbranche. Allerdings spürt diese Branche
betreffenden Jugendlichen organisieren müssen,        bisher noch kaum rückläufige Bewerbungen.
um den Ausbildungserfolg zu ermöglichen. Viele
weisen deshalb auch darauf hin, dass sie Ausbil-      Das Gastgewerbe dagegen ist am ehesten bereit,
dungsplätze unbesetzt lassen müssen, wenn sich        sich auf lernschwächere Bewerber einzustellen.
keine geeigneten Schulabgänger bewerben.              Diese Betriebe bieten verstärkt Einstiegsqualifizie-
                                                      rungen an oder drücken beim Blick auf die Vorbil-
Darüber hinaus reagieren Unternehmen mit mehr         dung der Bewerber ein Auge zu. Bei den Schulko-
Praktikumsangeboten, um das eigene Unterneh-          operationen hat das Gastgewerbe jedoch im
men bekannt zu machen. Dazu dient auch die            Vergleich zu anderen Branchen noch erhebliches
Teilnahme an regionalen Ausbildungsmessen.            Potenzial. Durch eine verstärkte Zusammenarbeit
Einige Betriebe beginnen früher als bisher mit den    mit Schulen könnte das Gastgewerbe auch die
Bewerbungsverfahren und arbeiten enger mit den        Attraktivität der Ausbildung in der eigenen

                                                                                                     23
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Branche vermitteln und den Nachwuchs schon          steten Zuwachs in den vergangenen Jahren ist der
gezielt vor Beginn der Ausbildung fördern.          sich verschärfende Wettbewerb um Auszubilden-
                                                    de. Dementsprechend ist der Anteil der melden-
Die Unternehmen der Daseinsvorsorge (Energie,       den Unternehmen in den Branchen mit Beset-
Wasser, Abwasser, Abfall) und die unternehmens-     zungsproblemen, wie z. B. Banken/Versiche-
orientierten Dienstleistungsbetriebe wollen ihr     rungen, Industrie und Gastgewerbe, am höchsten.
Ausbildungsmarketing verstärken.                    Mit einer Meldung bei der Arbeitsagentur erhof-
                                                    fen sich Betriebe gerade aus diesen Branchen
                                                    zusätzliche Chancen, geeignete Auszubildende zu
Scharfer Wettbewerb um Auszubildende                finden.

– Arbeitsagenturen wieder mehr gefragt
                                                    Trotz des moderaten Anstiegs meldender Unter-
                                                    nehmen ist mit 42 Prozent der Anteil der Betriebe
58 Prozent der Betriebe melden offene Ausbil-
                                                    weiterhin sehr groß, die bei der Besetzung von
dungsplätze immer den Arbeitsagenturen – ein
                                                    Ausbildungsplätzen Dienstleistungen der Arbeits-
Anstieg von zwei Prozentpunkten gegenüber dem
                                                    agenturen nicht oder nur gelegentlich nutzen.
Vorjahr und ein Anstieg von sechs Prozentpunkten
gegenüber dem bislang niedrigsten Wert aus dem
Jahr 2007. Ein Grund für diesen leichten, aber

              Melden Sie Ihre offenen Ausbildungsplätze der Agentur für Arbeit?

      100%

      80%
                 54            52            54        56            58

      60%                                                                         ja, immer
                                                                                  ja, hin und wieder

      40%                                                                         nein
                 20            22
                                             23        23            21

      20%
                 26            26            23        21            21

       0%
                2006          2007          2008      2009           2010

 24
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Unternehmen nutzen viele Wege, um                         durch ihre Ausbildungsberater, die Veranstaltung
                                                          von Ausbildungsmessen oder die Vermittlung von
Bewerber zu gewinnen
                                                          Ausbildungsplätzen über ihre Lehrstellenbörsen.
Neben einer eventuellen Einschaltung der Ar-
beitsagenturen schlagen nahezu alle Betriebe              Jedes dritte Unternehmen wirbt in Schulen für die
zusätzliche oder alternative Wege ein, um geeig-          eigenen Ausbildungsmöglichkeiten. Im Branchen-
nete Auszubildende zu finden. Mehr als die Hälfte         vergleich wird dieses Instrument besonders von
der Betriebe nutzt dabei das Internet. 39 Prozent         den Banken und Versicherungen genutzt. Die
der Unternehmen werben mit Anzeigen in den                Einschaltung von privaten Ausbildungsvermittlern
regionalen Printmedien für ihr Ausbildungsange-           hingegen spielt in allen Branchen keine nennens-
bot.                                                      werte Rolle.

Ein wichtiger Partner bei der Gewinnung von
Auszubildenden sind die IHKs: Sie unterstützen
Unternehmen und Jugendliche vor Ort – z. B.

                 Auf welchem Wege - außer Einschaltung der Agentur für Arbeit -
                           gewinnen Sie Ihre Auszubildenden (in %)?
                                         (Mehrfachnennungen möglich)

    Anzeigen in regionalen
                                                                        39
         Printmedien

  Direktwerbung in Schulen                                       33

                      IHK                                              38

                  Internet                                                              52

            Private
                                 3
     Ausbildungsvermittler

             andere Wege                                        32

                             0          10          20         30            40         50          60

                                                                                                         25
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

III ÜBERNAHME VON                                             Bei einem knappen Drittel der antwortenden
                                                              Unternehmen liegt die geplante Übernahme hin-
    AUSZUBILDENDEN                                            gegen unter 25 Prozent. Allerdings sind hierbei
                                                              besonders die kleinen Unternehmen mit weniger
Großteil der Unternehmen übernimmt                            als zehn Mitarbeitern zu beachten: Aufgrund ihrer
Auszubildende                                                 Größe sind diese nicht immer in der Lage, alle
                                                              Auszubildenden weiter zu beschäftigen.
Erstmalig wurden die Unternehmen auch zu ihren
Übernahmeplänen befragt. Trotz schwieriger
wirtschaftlicher Rahmenbedingungen plant fast
die Hälfte der antwortenden Unternehmen 2010,
den Großteil (75 bis 100 Prozent) ihrer neu ausge-
bildeten Fachkräfte zu übernehmen.

              Wie viel Prozent Ihrer Auszubildenden, die 2010 voraussichtlich ihre
                  Ausbildung abschließen, planen Sie zu übernehmen (in %)?

                                                     31

                                                                                        0 - 24 Prozent
                    46
                                                                                        25 - 49 Prozent
                                                                                        50 - 74 Prozent
                                                                                        75 - 100 Prozent
                                                          8

                                           15

 26
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Auffällig ist ein Süd-Nord Gefälle. Im Süden ist       Im Branchenvergleich planen 73 Prozent der
die geplante Übernahmequote am höchsten: 51            Banken und Versicherungen und 57 Prozent der
Prozent der Unternehmen wollen ihre Auszubil-          Industrieunternehmen trotz Krise mit einer Über-
denden zu 75 bis 100 Prozent übernehmen. Dies          nahmequote von 75 bis 100 Prozent; im Gastge-
ist insofern bemerkenswert, da sich die wirt-          werbe tun dies 14 Prozent der Betriebe. Eine
schaftliche Situation in dieser Region besonders       Ursache dafür ist, dass die Gastronomie stark über
verschlechtert hat. Demgegenüber beabsichtigen         Bedarf ausbildet. Zudem sind in dieser Branche
im Norden 37 Prozent der Unternehmen, 75 bis           sehr viele Kleinunternehmen aktiv, die nicht
100 Prozent ihrer Auszubildenden zu überneh-           immer alle Auszubildenden übernehmen können.
men. Der Westen liegt bei der Übernahmequote
etwa im Bundesdurchschnitt, der Osten leicht
darunter.

Wie viel Prozent Ihrer Auszubildenden, die 2010 voraussichtlich ihre Ausbildung abschließen, planen
Sie zu übernehmen? (Ergebnisse differenziert nach Größenklassen, sortiert nach der Antwortkategorie
75 – 100 Prozent)
Größenklassen          Region       Durchschnitt       Region            Region            Region
                        Süd                             West               Ost              Nord
0 – 24 Prozent          27 %             31 %          33 %            35 %               37 %

25 – 49 Prozent         7%               8%            8%               9%                 8%

50 – 74 Prozent         15 %             15 %          14 %            14 %               18 %

75 – 100 Prozent        51 %             46 %          45 %            42 %               37 %

                                                                                                      27
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Übernahme von Auszubildenden:                                         Aussage etwas unter dem Durchschnitt. Dies ist
                                                                      bemerkenswert, da gerade die Industrie stärker als
Leitmotiv ist die Fachkräftesicherung
                                                                      andere Branchen vom Wirtschaftseinbruch be-
Hinsichtlich der Übernahmeentscheidung von                            troffen ist. Im Größenvergleich wirkt sich die
Auszubildenden liefert der Blick auf die für die                      wirtschaftliche Lage besonders bei kleinen Unter-
Unternehmen ausschlaggebenden Faktoren fol-                           nehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern auf die
gendes Bild: Eine überragende Rolle spielt die                        Übernahmeentscheidung aus. Sie haben ange-
Sicherung von gut ausgebildeten Fachkräften.                          sichts geringer finanzieller Spielräume oftmals
Drei von vier der antwortenden Betriebe halten                        nicht die Möglichkeit, die wirtschaftlich schwieri-
dies für einen zentralen Aspekt. Dies unter-                          gen Bedingungen abzufedern.
streicht, dass das Thema Fachkräftesicherung bei
vielen Unternehmen prägend für ihre Personalpo-                       Von den übrigen Aussagen halten 16 Prozent der
litik ist.                                                            Unternehmen die positive Imagepflege für wich-
                                                                      tig, 13 Prozent nennen die tarifvertraglichen
Eine hohe Bedeutung für die Übernahmeentschei-                        Bestimmungen und schließlich würden neun
dung hat auch die aktuelle wirtschaftliche Lage:                      Prozent der Betriebe gerne mehr Auszubildende
Für mehr als die Hälfte der Unternehmen ist dies                      übernehmen, wenn diese sich nicht für andere
ein wichtiger Einflussfaktor. Im Branchenvergleich                    Unternehmen oder Bildungswege entscheiden
liegt die Industrie mit ihrer Zustimmung zu dieser                    würden.

               Welche Aussagen treffen auf Ihre Entscheidung zur Übernahme Ihrer
                           Auszubildenden im Jahr 2010 zu (in %)?
                                          (Mehrfachnennungen möglich)

                  Tarifliche Bestimmungen liegen vor.            13

    Aktuelle wirtschaftliche Lage ist ausschlaggebend.                                    52

   Auszubildende wechseln zu anderen Unternehmen
                                                             9
                 oder Bildungswegen.

 Übernahme als Beitrag für ein positives Image meines             16
                  Unternehmens.

                                  Fachkräfte sichern.                                                  75

                                                         0       10      20    30    40    50    60    70    80

 28
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

IV AUSBILDUNGSHEMMNISSE,                                       hemmnisse klagen (56 Prozent). Die Betriebe im
   AUSBILDUNGSREIFE                                            Süden Deutschlands verspüren dagegen weniger
                                                               Einschränkungen (46 Prozent).

Ausbildungshemmnis Nr. 1: mangelnde                            Die von den Betrieben am häufigsten genannten
Ausbildungsreife                                               Ausbildungshemmnisse sind eine mangelnde
                                                               Qualifikation der Schulabgänger (74 Prozent),
Ob Unternehmen ausbilden, hängt nicht nur von                  lange Berufsschulzeiten (26 Prozent) und unsi-
der Bereitschaft des Unternehmens ab, sondern                  chere wirtschaftliche Perspektiven (24 Prozent).
häufig auch von Rahmenbedingungen, auf die die                 Nur wenige Betriebe geben als Ausbildungs-
Unternehmen selbst keinen Einfluss haben. Die                  hemmnis an, dass sie Fachkräfte mit Studienab-
Hälfte der Unternehmen gibt an, dass sich auf                  schluss benötigen (drei Prozent) oder dass ihnen
ihren Betrieb Ausbildungshemmnisse auswirken.                  die Ausbildung im eigenen Betrieb zu teuer
Dabei ist festzustellen, dass die Betriebe im Osten            erscheint (sieben Prozent).
überdurchschnittlich häufig über Ausbildungs-

                         Wirken sich auf Ihren Betrieb Ausbildungshemmnisse aus?
                                               (Ja-Antworten in %)

  60

  50

  40
               56                   51                   50                    50                  46
  30

  20

  10

   0
               Ost                 West                 Nord               Durchschnitt            Süd

                                                                                                            29
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Besorgnis erregend ist die Zahl der Unternehmen,                                Zunehmend beklagen Unternehmen nicht allein
die mit den Qualifikationen der Schulabgänger                                   die Dauer des Berufsschulbesuchs, sondern auch
unzufrieden sind. Drei Viertel der Unternehmen,                                 eine mangelnde Qualität und Relevanz des Be-
die Ausbildungshemmnisse beklagen, stellen bei                                  rufsschulunterrichts. Das geht aus den schriftli-
den Schulabgängern Defizite bei der Ausbildungs-                                chen Bewertungen der Unternehmen hervor, die
reife fest. Drei Viertel – das ist fast dreimal so viel                         die vorgegebenen Antwortalternativen ergänzen.
wie das nächst häufig genannte Hemmnis. Damit                                   Eine Unzufriedenheit über die Berufsschulen wirkt
wird die mangelnde Ausbildungsreife von den                                     sich deshalb besonders negativ auf die Ausbil-
Betrieben auch im Jahr 2010 als das zentrale                                    dungsbereitschaft aus, weil die Betriebe bei der
Problem für die Ausbildung genannt.                                             dualen Ausbildung auf den Partner Berufsschule
                                                                                sowie eine gute theoretische Fundierung der
Eine unsichere wirtschaftliche Perspektive ordnet                               Ausbildung angewiesen sind.
sich dagegen hinter den zu langen Berufsschul-
zeiten (26 Prozent) als Ausbildungshemmnis an                                   Die häufig kritisierte Ausbildungsreife der Schul-
dritter Stelle ein. Im Jahr 2009 wurde sie noch am                              abgänger hat auch direkte Konsequenzen für die
zweithäufigsten genannt. Dies ist ein Zeichen                                   Besetzung von Ausbildungsplätzen. Während
dafür, dass der Einfluss der schwierigen wirt-                                  insgesamt 21 Prozent der Unternehmen Ausbil-
                                                                                dungsplätze nicht besetzt haben, waren es bei
schaftlichen Lage auf die Ausbildungsbereitschaft
                                                                                denen, die über mangelnde Ausbildungsreife
geringer geworden ist.
                                                                                klagen, sogar fast ein Drittel der Unternehmen
                                                                                (31 Prozent).

                                Welche Ausbildungshemmnisse wirken sich auf Ihren Betrieb aus (in %)?
                          (Antworten von Unternehmen, die Ausbildungshemmnisse verzeichnen; Mehrfachnennungen möglich)

    Auszubildende sind zu lange in der
                                                                      26
              Berufsschule.

 Die eigene Ausbildung ist mir zu teuer.           7

 Die Entfernung zur Berufsschule ist zu
                                                            14
                 groß.

          Die unsichere wirtschaftliche
           Perspektive hemmt meine                               24
           Ausbildungsmöglichkeiten.

           Ich benötige Fachkräfte mit
                                               3
                Studienabschluss.

          Ich kann Auszubildende nicht
                                                       11
                  übernehmen.

    Ich kann nicht alle Qualifikationen            9
                vermitteln.

       Viele Schulabgänger weisen eine
                                                                                                                          74
       mangelnde Ausbildungsreife auf.

                                andere                 12

                                           0            10       20        30          40         50          60         70    80

  30
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Deutsch und Mathe besser                                 nur verhaltener Optimismus angesagt, denn der
– aber nicht gut                                         positive Trend ist noch nicht sehr ausgeprägt:
                                                         2006 kritisierten 53 Prozent der Unternehmen die
Nach wie vor schätzen die Unternehmen die                Fähigkeiten der Schulabgänger in Mathematik,
Fähigkeiten der Schulabgänger im mündlichen              jetzt sind es 50 Prozent.
und schriftlichen Ausdruck und in Mathematik
nicht gut ein. Die Hälfte der Unternehmen stellt         Trotz der positiven Trends ist die Unzufriedenheit
Mängel in Mathematik fest, sogar 54 Prozent sind         der Ausbildungsbetriebe nach wie vor groß. Nur
es bei den Sprachkompetenzen in Deutsch. Aller-          9 Prozent der Unternehmen sehen keine Mängel
dings scheint sich ein positiver Trend zu festigen:      bei der Ausbildungsreife der Schulabgänger. Die
Waren es 2006 noch zwei Drittel der Unterneh-            Schulen müssen daher ihre Anstrengungen bei der
men, die über sprachliche Defizite der Ausbil-           individuellen Förderung der Schüler weiter ver-
dungsbewerber klagten, so hat sich dieser Wert           stärken. Am Ende der Schulzeit müssen alle
bis 2010 kontinuierlich auf nun 54 Prozent redu-         Jugendlichen über die notwendigen Grundqualifi-
ziert. Ähnliches deutet sich möglicherweise bei          kationen verfügen, die für eine Ausbildung wich-
den Mathematikkompetenzen an. Allerdings ist             tig sind.

                  In welchen Bereichen stellen Sie Mängel bei der Ausbildungsreife
                                   heutiger Schulabgänger fest?
                      - Entwicklung der Deutsch- und Mathematikfähigkeiten -
                          (Unternehmensantworten in %; Mehrfachnennungen möglich)

   70

   65

   60                                                                       elementare Rechenfertigkeiten

                                                                            mündliches und schriftliches
   55                                                                       Ausdrucksvermögen

   50

   45
           2006         2007         2008         2009       2010

                                                                                                           31
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Erziehungsdefizite schmälern                               eine geringe Leistungsbereitschaft bewegen sich
Ausbildungsreife                                           auf besonders hohem Niveau (48 Prozent).

Auch die bereits im Jahr 2009 festgestellten               Diese für eine Ausbildung wichtigen Kompetenzen
negativen Trends verstärken sich leider weiter.            der Jugendlichen werden zwar auch in der Schule
Seit 2006 (38 Prozent) steigt die Zahl der Unter-          geformt, sie liegen jedoch in erster Linie in der
nehmen, die über eine mangelnde Disziplin der              erzieherischen Verantwortung des Elternhauses.
Schulabgänger berichten, kontinuierlich auf jetzt          Eltern sind also maßgeblich für den Erfolg ihrer
46 Prozent an. Ähnlich ist die Entwicklung der             Kinder beim Übergang von der Schule in Ausbil-
Aussagen zur Belastbarkeit: 2006 gab es bei 39             dung verantwortlich.
Prozent der Unternehmen kritische Stimmen,
2010 sind es bereits 44 Prozent. Die Klagen über

                    In welchen Bereichen stellen Sie Mängel bei der Ausbildungsreife
                                      heutiger Schulabgänger fest?
                                    - Entwicklung der "soft skills" -
                            (Unternehmensantworten in %; Mehrfachnennungen möglich)

  55

  50

  45                                                                                    Leistungsbereitschaft
                                                                                        Interesse
  40                                                                                    Disziplin
                                                                                        Belastbarkeit
  35                                                                                    Umgangsformen

  30

  25
            2006          2007            2008            2009            2010

 32
Ausbildung 2010 – Ergebnisse einer IHK-Unternehmensbefragung

Unternehmen helfen sich selbst                          Unternehmen unterstreichen damit einerseits ihr
                                                        gesellschaftliches und soziales Engagement.
Natürlich ist den Unternehmen bewusst, dass             Andererseits reagieren sie damit auch auf die
nicht jeder Schulabgänger ein Einser-Schüler sein       demografische Notwendigkeit, sich stärker für die
kann und sich manch ein Jugendlicher noch in            lernschwächeren Jugendlichen, die mehr Unter-
pubertärer Entwicklung befindet. Im Rahmen der          stützung brauchen, zu öffnen.
Ausbildung bieten daher viele Betriebe, die Wis-
senslücken bei den Jugendlichen feststellen,            Weitere 18 Prozent der Unternehmen bieten noch
Möglichkeiten der Nachqualifizierung an: Mehr           nicht ausbildungsreifen Jugendlichen Einstiegs-
als die Hälfte (54 Prozent) organisiert in irgendei-    qualifizierungen (EQ) an. Einstiegsqualifizierungen
ner Form Nachhilfe im Unternehmen, damit die            sind Praktika mit einer Dauer von sechs Monaten
Anforderungen einer Ausbildung bewältigt wer-           bis zu einem Jahr. Schulabgänger können sich in
den können. Fast ein Drittel der Unternehmen            diesen Praktika im Betrieb bewähren. Während
(31 Prozent) nutzt auch die ausbildungsbeglei-          dieser Zeit werden ihnen erste Ausbildungsinhalte
tenden Hilfen (abH) der Arbeitsagenturen. Ein           vermittelt. Zwei von drei Jugendlichen erhalten
Fünftel der befragten Unternehmen bietet Ju-            direkt im Anschluss an eine solche Einstiegsquali-
gendlichen, die bei einem Bildungsträger ausge-         fizierung einen Ausbildungsplatz.
bildet werden, Praktika im eigenen Betrieb an.
Und immerhin elf Prozent setzen ehrenamtliche           Ein kleiner Teil der Unternehmen (acht Prozent)
Paten ein, die den Jugendlichen beim Übergang           bietet auch Lehrkräften allgemein bildender
von der Schule in Ausbildung oder während der           Schulen Praktika an. Diese Praktika sind beson-
Ausbildung als Mentoren zur Seite stehen.               ders deshalb für Lehrer wertvoll, weil sie in ihnen
                                                        Einblicke in das duale System der beruflichen
Ein Teil der Unternehmen engagiert sich bereits         Bildung erhalten. Außerdem erfahren sie mehr
vor Beginn einer Ausbildung, um Jugendlichen            über konkrete Ausbildungsinhalte in verschiede-
Praxiseinblicke zu gewähren und neue Lernmoti-          nen Berufen. Dadurch können sie den Schülern
vation zu vermitteln. So bieten 18 Prozent lang-        ein realistisches Bild über das künftige Berufsle-
fristige Schülerpraktika an, z. B. im Rahmen von        ben und die Anforderungen in einer Ausbildung
Praxisklassen. Schüler von Praxisklassen lernen in      vermitteln.
der Regel über einen Zeitraum von einem Schul-
jahr einen Tag in der Woche in einem Betrieb. Die

                                                                                                       33
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