AUSSEN WIRTSCHAFT UPDATE BELGIEN - WKO
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2 Eine Information des AußenwirtschaftsCenters Brüssel Wirtschaftsdelegierte Mag. Martina Madeo T +32 2 645 16 50 E bruessel@wko.at W wko.at/aussenwirtschaft/be HEAD OFFICE: Dr. Michael Berger T 05 90 900-4450 E aussenwirtschaft.westeuropa@wko.at fb.com/aussenwirtschaft twitter.com/wko_aw linkedIn.com/company/aussenwirtschaft-austria youtube.com/aussenwirtschaft flickr.com/aussenwirtschaftaustria www.austria-ist-ueberall.at Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, insbesondere die Rechte der Verbreitung, der Vervielfältigung, der Übersetzung, des Nachdrucks und die Wiedergabe auf fotomechanischem oder ähnlichem Wege durch Fotokopie, Mikrofilm oder andere elektronische Verfahren sowie der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, der Wirtschaftskammer Österreich - AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA vorbehalten. Die Wiedergabe mit Quellenangabe ist vorbehaltlich anders lautender Bestimmungen gestattet. Es wird darauf hingewiesen, dass alle Angaben trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr erfolgen und eine Haftung der Wirtschaftskammer Österreich - AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA ausgeschlossen ist. Darüber hinaus ist jede gewerbliche Nutzung dieses Werkes der Wirtschaftskammer Österreich - AUSSENWIRT- SCHAFT AUSTRIA vorbehalten. © AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA DER WKÖ Offenlegung nach § 25 Mediengesetz i.d.g.F.: Herausgeber, Medieninhaber (Verleger) und Hersteller: AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA Wiedner Hauptstraße 63, Postfach 150, 1045 Wien, Redaktion: Kommunikation Inland | T +43 (0) 5 90 900-4317 | F +43 (0) 5 90 900-4094, E aussenwirtschaft.kommunikation-inland@wko.at | W wko.at/aussenwirtschaft Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA
3 AUSSENWIRTSCHAFT UPDATE BELGIEN (1-3 2017) BIP-Wachstum 2017 und 2018 nach oben korrigiert negative Auswirkungen der Terrorereignisse ebben ab Folgen des Brexit für Belgien signifikant Österreichische Exporte im 1.Quartal 2017 dynamisch +4% Wirtschaftskennzahlen Prognose Prognose 2016 2017 2018 Nominales Bruttoinlandsprodukt in Mrd. Euro1 421,6 440,0 452,2 Bruttoinlandsprodukt/Kopf in US-Dollar2 46.341 47.853 49.357 Bevölkerung in Mio. 3 11,4 11,4 11,5 Reales Wirtschaftswachstum in % 4 1,2 1,6 1,5 Inflationsrate in %5 1,8 2,3 1,8 Arbeitslosenrate in %6 7,9 6,8 6,6 Warenexporte des Landes in Mrd. US-Dollar 277,7 307,9 320,8 Warenimporte des Landes in Mrd. US-Dollar 271,2 302,1 316,4 Wirtschaftsleistung des Landes, Weltwertung:7 Rang 25 Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich Veränderung 2015 2016 zum Vorj. in % Österreichische Warenexporte in Mio. Euro 1.675 -4,4 1.602 Österreichische Warenimporte in Mio. Euro 1.925 +2,3 1.969 Österreichische Dienstleistungsexporte in Mio. Euro8 839 +4,9 880 Österreichische Dienstleistungsimporte in Mio. Euro9 760 +10,5 840 Österreichische Direktinvestitionen in BE in Mio. Euro, Stand 201610 2.029 (+22,5%) Beschäftigte in BE bei österr. Direktinvestitionen, Stand 201411 4.837 Direktinvestitionen aus BE in Österreich in Mio. Euro, Stand 201612 764 (+0,3%) Beschäftigte in Österreich bei Direktinvestitionen aus BE, Stand 201413 936 Wichtigster Warenexportmarkt für Österreich: Rang 17 1 Quelle: Economist Intelligence Unit 2 Quelle: Economist Intelligence Unit 3 Quelle: Economist Intelligence Unit 4 Quelle: Economist Intelligence Unit 5 Quelle: Economist Intelligence Unit 6 Quelle: Economist Intelligence Unit 7 Quelle: Worldbank 8 Quelle: OeNb 9 Quelle: OeNb 10 Quelle: https://www.oenb.at/isaweb/report.do?lang=DE&report=9.3.01 11 Quelle: https://www.oenb.at/isaweb/report.do?lang=DE&report=9.3.05 12 Quelle: https://www.oenb.at/isaweb/report.do?lang=DE&report=9.3.31 13 Quelle: https://www.oenb.at/isaweb/report.do?lang=DE&report=9.3.35 Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA
4 1. Wirtschaftslage weiterhin solides BIP- Belgiens Wirtschaft wächst stärker als erwartet: 2016 konnte ein BIP-Wachs- Wachstum tum von 1,2% verzeichnet werden, für 2017 und für 2018 geht die belgische Na- tionalbank von einem BIP-Wachstum in der Höhe von 1,6% aus. Die EU-Kom- mission ist in ihrem jüngsten Bericht mit 1,7% BIP-Wachstum in 2018 noch op- timistischer. Die negativen Effekte durch die Terrorattacken im März 2016 konnten weitgehend durch erhöhte staatliche Konsumausgaben (v.a. für Si- cherheit) und eine dynamische Exportnachfrage kompensiert werden. Inlandsnachfrage und Exporte sind die Wachstumstreiber. Der Privatkonsum, Privatkonsum = Zug- als wichtigste Komponente des BIP mit einem Anteil von mehr als 50%, trug pferd dabei wesentlich zum Wachstum bei. Dies, obwohl Belgien das einzige EU-Land ist, in dem die Arbeitnehmer an Kaufkraft verloren haben (-0,94%), hauptsäch- lich infolge der hohen Inflation. 2017 sollen die Gehälter nach zwei mageren Jahren wieder steigen und infolgedessen der Privatkonsum wieder kräftiger (+1,4%) anziehen. Investitionen ziehen Die Bruttoanlageninvestitionen entwickelten sich positiv (+2,3%), liegen jedoch deutlich an EU-weit gesehen im unteren Drittel. Die Investitionstätigkeit soll 2017 auf dem Vorjahresniveau stabil bleiben. Der Außenhandel ist für das Wirtschaftswachstum nach wie vor der wich- Export bleibt weiter tigste Impulsgeber, auch wenn Exporte wie Importe 2016 leicht gefallen sind. stark Insgesamt exportierte Belgien 2016 Waren im Wert von 357,5 Mrd. Euro (- 0,1%). Umgekehrt wurden Güter in der Höhe von 331,5 Mrd. Euro (-2%) impor- tiert, wovon aber viel reexportiert wird. Belgien erwirtschaftete damit einen kräftigen Handelsbilanzüberschuss von 26 Mrd. Euro. Wichtigste Handels- partner Belgiens bleiben weiterhin die europäischen Staaten, auf die insgesamt mehr als 75% des belgischen Außenhandels entfielen, gefolgt von Asien mit ei- nem Anteil von 10,7% und Amerika (8,1%). Belgien ist das EU-Land mit den höchsten Pro-Kopf-Exporten und weltweit an vierter Stelle. EU-weit liegt Belgien im Spitzenfeld, was die Inflation anlangt. Die Inflation er- Inflation zieht deutlich reichte 2016 einen Spitzenwert von 1,8% und soll 2017 auf über 2% ansteigen. an Verantwortlich sind in erster Linie höhere Preise in der Gastronomie (Einfüh- rung der Registrierkassenpflicht und die Erhöhung der Verbrauchssteuern auf Alkohol), bei Elektrizität und Telekommunikation. Die Situation am belgischen Arbeitsmarkt hat sich im Laufe des Jahres weiter verbessert. Die Arbeitslosenrate lag 2016 bei 7,8% und soll 2017 weiter fallen. Arbeitsmarktdaten 2016 wurden 60.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, gleichzeitig ist die Zahl der deutlich verbessert Erwerbssuchenden zurückgegangen. Für 2017-2019 wird sogar mit 115.000 neuen Jobs gerechnet. Dabei ist zu beachten, dass es beim Beschäftigtenstand in Belgien große regionale Unterschiede und eine Fragmentierung gibt. Bei- spielsweise beträgt die Jugendarbeitslosigkeit in Brüssel mit einem hohen Zu- wandereranteil 26,1%, während in Teilen Flanderns Fachkräftemangel herrscht. Der Arbeitgeberverband FEB forderte zuletzt Bund und Regionen auf, dieser Entwicklung Rechnung zu tragen. Dynamische Unterneh- Die belgischen Unternehmen sind wieder zuversichtlicher, was die zukünftige merlandschaft Konjunkturentwicklung anbelangt. Darüber hinaus sind die Konkurse in den letzten drei Jahren signifikant zurückgegangen (von 11.740 im Jahr 2013 auf 9.170 im Jahr 2016) und die Zahl der Firmengründungen gestiegen. Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA
5 Belgien behauptet sich Nach dem von der Weltbank veröffentlichten Logistics Performance Index ist als Logistikdreh- Belgien weltweit das sechststärkste Land im Logistikbereich nach Deutsch- scheibe land, Luxemburg, Schweden, Niederlande und Singapur (und vor Österreich auf dem 7. Platz). Umfassende Informationen über den Logistiksektor finden Sie im Branchenprofil „Belgien: Transport und Logistik“, das wir Ihnen auf Anfrage gerne zuschicken. Hafen Antwerpen mel- Der Hafen von Antwerpen – nach Rotterdam der zweitgrößte Hafen Europas – det Rekordperfor- verbuchte 2016 mit einem Frachtvolumen von 214 Mio. Tonnen (+2,7%) einen mance neuen Umschlagrekord. Beim Containervolumen konnte mit +4,1% ein noch größeres Wachstum verbucht werden: mehr als 10 Mio. TEU wurden umge- schlagen. BEL 20 Index seit 2012 Dass die belgische Wirtschaft wieder im Aufschwung ist, zeigt auch die Ent- stetig steigend wicklung der belgischen Börsenkurse. Der Börsenindex Bel 20, der Ende 2012 mit knapp unter 2.000 Punkten einen Tiefpunkt erreichte, entwickelt sich seit- her positiv und schloss per Juni 2017 mit 3.800 Punkten. Die Automotive-Industrie spielt in Belgien nach wie vor eine wichtige Rolle, ob- wohl die Fahrzeugmontage in den letzten Jahren rückläufig war. Sowohl Volvo Automobilindustrie als auch Audi investieren allerdings in Produktionslinien für neue Modelle an weiter wettbewerbsfä- ihren Produktionsstandorten in Belgien. Ab 2018 wird im Audi-Werk im Brüs- hig seler Stadtteil Forest der elektrische Geländewagen Q6 E-tron gebaut (2019 folgt dann das zweite Elektromodel E-tron Sportback) und im Volvo-Werk in Gent soll mit dem XC40 ein neuer SUV vom Band laufen. Investitionen werden auch bei Volvo Trucks und am Produktionsstandort des LKW-Bauers DAF ge- tätigt. Der belgische Bushersteller Van Hool, Spezialfahrzeughersteller, Unter- nehmen im Bereich Fahrzeugaufbauten und eine starke Zulieferindustrie run- den das Spektrum der belgischen Automotiv-Industrie ab. Die provisorischen Zahlen für das Gesamtjahr 2016 verzeichnen ein Wachstum Im Bau gibt es ein kräf- von 3,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Bausektor rechnet mit ei- tiges Lebenszeichen ner Zunahme von 2% für 2017. Die Verschärfung der Energieeffizienzbestim- mungen von Gebäuden in Flandern hat den Neubau erneut belebt. Zahlreiche Baugenehmigungen (52.000, +12,5%) sind in den letzten Monaten des Jahres 2015 - vor Inkrafttreten der neuen Normen ab 2016 - eingereicht worden. Da- gegen sind die Baugenehmigungen im Jahr 2016 in der Region Brüssel-Haupt- stadt um 30% und in der Wallonie um 15% zurückgegangen. Insgesamt ist der Neubau um 5 bis 6% gestiegen. Die Perspektiven für 2017: das Verschwinden des Energieeffizienz-Effekts wird eine negative Auswirkung mit sich bringen. Dagegen werden das Beschäftigungswachstum, der Anstieg des verfügbaren Einkommens der Haushalte und die niedrigen Hypothekenzinsen einen positi- ven Effekt haben. Das einmalige Schulprogramm in Flandern „Schulen für morgen“ hat 2016 eine Zunahme von 6 bis 7% der Bautätigkeit in diesem Untersektor ermöglicht. Dieser Faktor wird 2017 nicht mehr vorhanden sein. Man erwartet aber eine Zunahme von 4% für neue Gewerbebauten. Aufgrund der Attentate in Paris und Brüssel wurde hauptsächlich in die Sicherung von Nicht-Wohnungsgebäu- den investiert (+3%). Im Ingenieurbau wird aufgrund leicht steigender Investiti- onen der öffentlichen Hand von einer positiven Entwicklung ausgegangen. Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA
6 2. Besondere Entwicklungen Terror kostet Belgien Mehr als ein Jahr ist seit den Terroranschlägen in Brüssel vergangen und die 0,6% BIP-Wachstums- belgische Wirtschaft hat die negativen Auswirkungen überraschend gut weg- verlust gesteckt. Hotellerie, Gastronomie, Kongressbusiness, Einzelhandel und Reise- branche haben vor allem in der Hauptstadt Brüssel am stärksten unter den Er- eignissen gelitten. Interessant ist jedoch, dass die gestiegenen Ausgaben von Staat und Privaten für Sicherheitsdienstleistungen die Einbrüche in anderen Sektoren teils kompensieren. Der Unternehmerverband FEB bezifferte den BIP- Wachstumsverlust auf 0,6% (insgesamt 1/3 des Wirtschaftswachstums). Brexit: Gefahr für Belgien wird als kleine, offene Volkswirtschaft mit engen Wirtschaftsbeziehun- belg. Exportwirtschaft gen zum Vereinigten Königreich (2016 gingen 8,9% aller belgischen Warenex- porte in das Vereinigte Königreich) vom Brexit stärker betroffen sein als an- dere EU-Länder. Vor allem für die Region Flandern stellt der Brexit eine Bedro- hung dar, kommen doch 87,1% der belgischen Exporte aus dieser Region. Zu den großen Verlierern des Brexit dürften die Textil- und Tiefkühllebensmittel- Industrie in der Provinz Westflandern und der Hafen von Zeebrügge zählen, wo 45% der umgeschlagenen Waren einen Konnex zu Großbritannien haben. Au- ßerdem kommt rund die Hälfte des in Belgien an Land gebrachten Fisches aus britischen Gewässern. Caterpiller schließt Im Herbst 2016 haben zwei Hiobsbotschaften den belgischen Arbeitsmarkt er- und ING streicht Stel- schüttert. Der amerikanische Baumaschinenhersteller Caterpillar kündigte An- len fang September die Schließung des Werks in Gosselies (Wallonie) an, wodurch 2.100 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Nach Renault in Vilvoorde, Ford in Genk und Opel in Antwerpen erlebt der Wirtschaftsstandort Belgien damit ei- nen weiteren Kahlschlag. Nur wenige Wochen später folgte die Ankündigung der niederländischen Bankengruppe ING umfangreiche Stellenstreichungen (rund 3.150 Stellen) in Belgien vorzunehmen. Das Vertrauen und die Stimmung bei den belgischen Konsumenten haben sich daraufhin merklich eingetrübt. Die Umstrukturierungsmaßnahmen im belgischen Banken- und Versicherungssek- tor sind damit aber noch nicht abgeschlossen. Trotz der Negativschocks, welche die belgische Wirtschaft 2016 verkraften Belgien bleibt auf musste, bleibt die Konjunkturlage relativ robust. Der Aufwärtstrend beim BIP Wachstumspfad wird sich weiter fortsetzen und Belgien kann mit dem Wirtschaftswachstum in Europa wieder mithalten. Konsum (hohe Kaufkraft der Belgier), Investitionen und Exporte bleiben die Wachstumsmotoren der belgischen Wirtschaft. Belgien ist ein wichtiger Dienstleistungshub und – dank des Hafens von Antwerpen – ein bedeutendes Logistikdrehkreuz im Herzen Nordwesteuropas. Das Wirtschafts- wachstum betrug 2016 1,2% und ist somit nur um 0,3% niedriger als 2015 aus- fallen. 2017 wird mit einem Wachstum von 1,6% und 2018 mit 1,7% gerechnet. Herausforderung Die Regierung muss sich allerdings weiterhin bemühen, den Investitions- und Wirtschaftsstandort Wirtschaftsstandort Belgien zu stärken und nachhaltig Reformen weiter voran- zutreiben, um Wachstum, Arbeitsplätze, Wettbewerbsfähigkeit und einen ge- sunden Staatshaushalt zu garantieren. Innenpolitisch bleiben aber auch fol- gende Themen relevant: Der Kampf gegen den Terror und die Bedrohungslage vor allem in der Zahlreiche innenpoli- Hauptstadt Brüssel bleibt unverändert. tisch relevante The- Das Thema Mobilität vor allem in Brüssel wird indes immer wichtiger. men Staus, verlorene Zeit, Stress und Umweltschäden verursachen in Bel- gien jährlich Kosten von 8 Mrd. Euro, was zwei Prozentpunkten des BIP entspricht. Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA
7 Laut dem TomTom Traffic Index liegt Brüssel europaweit auf dem 8. Platz in puncto Verkehrsstaus. Der Flughafen von Brüssel-Zaventem ist zu einem interregionalen Zankapfel im Bereich Fluglärm geworden. Nun drohen Fluglinien sogar Bußgeldzahlungen. Für weitere interregionale Konflikte sorgt der Neubau des Fußballsta- dions am nordöstlichen Stadtrand von Brüssel. Nach mehreren Anläu- fen wurde noch immer keine Baugenehmigung erteilt, im Zuge der Fuß- ball-EM 2020 sollen dort jedoch vier Spiele ausgetragen werden. Die Stadt Brüssel erhofft sich davon einen wirtschaftlichen Mehrwert von rund 100 Mio. Euro, aber die Zeit läuft. Auch in der Energiepolitik liegt einiges im Argen. Bis dato liegt nach wie vor kein aussagekräftiger Energieplan vor, der den Ausstieg aus der Atomkraft ab 2025 strategisch vorbereitet. Sicherheitsmängel und im- mer wieder auftretende Probleme bei den in die Jahre gekommenen Atomreaktoren stehen auf der Tagesordnung. An einem neuen Klimaplan wird ebenfalls gearbeitet, da Belgien seinen Schadstoffausstoß nicht in den Griff bekommt. Besonders der Individu- alverkehr als einer der größten Verursacher nimmt stark zu. Die von der Regierung auf den Weg gebrachte Steuerreform zeigt ihre ersten Steuerreform zeigt Effekte. Dieses Maßnahmenpaket zielt auf die Entlastung des Produktionsfak- erste Auswirkungen tors Arbeit ab. Den Arbeitnehmern soll dadurch mehr in der Geldbörse bleiben und auch die Arbeitgeber sollen entlastet werden. Lohnkosten und Wettbe- werbsfähigkeit bleiben im Fokus der Regierung. Angekündigt wurde auch eine Reform der Körperschaftssteuer, um die Besteuerung kleiner und mittelstän- discher Unternehmen gerechter zu gestalten. Der allgemeine Steuersatz soll dabei von heute 33,99% auf weniger als 20% verringert und gleichzeitig die Be- messungsgrundlage durch Aufhebung der meist günstigen steuerlichen Vor- zugsregelungen erweitert werden. Eine Herkulesarbeit für die nächsten Mo- nate. Belgiens Wirtschaftswachstum stimmt also grundsätzlich positiv, doch bleibt die öffentliche Finanzlage kritisch. Da die Ausgaben für Sicherheit infolge der Staatshaushaltslage Attentate sowie die Kosten für Asylwerber aber auch der Indexierung der Gehäl- weiter problematisch ter und Pensionen im öffentlichen Dienst das Budget stark belasten, stiegen die Staatsschulden 2016 an und waren mit 106% des BIP höher als die Jahreswirt- schaftsleistung. Die Neuverschuldung erreichte 2,6% des BIP. 2017 wird eine leichte Erholung des Staatshaushalts erwartet, dies infolge folgender Maßnah- men: Abschaffung der Spekulationssteuer (die erst 2015 eingeführt worden war, aber mehr kostet als bringt) und die Anhebung der Kapitalertragsteuer (von 27% auf 30%) mit Jahresanfang, Erhöhung und Ausweitung der Börsensteuer auf den Kauf und Verkauf von Aktien, Anleihen und Fondsanteilen sowie Einsparun- gen im Gesundheitswesen von 900 Mio. Euro. Ein ausgeglichener Haushalt soll laut Regierung spätestens 2019 erreicht werden. Inflation muss im Die vergleichsweise hohe Inflation in Belgien kann mittelfristig zum Problem Auge behalten werden werden, da die Belgier dadurch Kaufkraft verlieren und die Unternehmen durch die automatische Lohn-Index-Bindung an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Die zuletzt gewonnene Wettbewerbsfähigkeit der belgischen Unternehmen im Ver- gleich zu den Nachbarländern dürfte jedoch weiter zunehmen, da die Regierung für die Arbeitgeber eine Reduktion der Lohnnebenkosten durch eine Senkung der Arbeitgeber-Sozialversicherungsbeiträge eingeführt hat. Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA
8 Belgien trotz Terror Im Coface-Länderrating bleibt Belgien auf der Stufe A2. Die Zahl der Unterneh- weiter attraktiv mensinsolvenzen geht weiter zurück. Die Regierung setzt auf finanzielle Konso- lidierung und Reformen für den Wirtschaftsstandort. Zu den Stärken des König- reichs zählen weiterhin die ausgezeichnete Infrastruktur, die große Präsenz in- ternationaler Institutionen und Firmen, die geringe Privatverschuldung und die sehr gut ausgebildeten Arbeitskräfte. Als Schwachpunkte Belgiens werden die institutionelle Unsicherheit eingestuft sowie die sozialen, politischen und finan- ziellen Spannungen zwischen Flandern und Wallonien. Aber auch die starke Ausrichtung der Exporte auf Europa - rund drei Viertel - und der hohe Exportan- teil von Halbfertigprodukten sowie der Verlust der industriellen Wettbewerbsfä- higkeit bereiten Sorgen. Im Geschäftsklima bleibt Belgien mit der Bestnote A1 bewertet und ist daher ein attraktiver Geschäftspartner. Belgische Haushalte Der Global Wealth Report von Allianz verzeichnete für die belgischen Haushalte sind die fünftreichsten 2016 im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 3,3% des Netto-Geldvermögens der Welt (Differenz von Brutto-Geldvermögen und Verbindlichkeiten) sowie ein Plus von 3,9 % des Brutto-Geldvermögens. Im Ranking der reichsten Länder weltweit liegt Belgien mit einem Netto-Geldvermögen von 85.027 Euro pro Kopf nach der Schweiz, den USA, Großbritannien und Schweden auf dem 5. Platz (zum Ver- gleich: Österreich liegt auf dem 17. Platz). 3. Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich Die österreichischen Exporte nach Belgien im Jahr 2016 waren insgesamt rück- Handelsbilanzdefizit läufig (-4,4% auf 1.601,8 Mio. Euro). Bei den Einfuhren aus dem Königreich gibt gestiegen es einen positiven Trend (+2,3% auf 1.969,0 Mio. Euro). Das Handelsbilanzdefizit ist dadurch vor allem aufgrund der gefallenen Exporte mit 343 Mio. Euro wieder deutlich höher ausgefallen als in den Jahren zuvor. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sind sowohl die Exporte nach 2017 startet mit wach- Belgien (+4,0% auf 447,1 Mio. Euro) als auch die Einfuhren aus dem Königreich senden Exporten (+4,6% auf 504,8 Mio. Euro) gestiegen. Bei den Lieferungen nach Belgien haben sich die Warengruppen Maschinen und Eisen und Stahl besonders dynamisch entwickelt. Im Ranking der wichtigsten Exportdestinationen aus österreichischer Sicht Rang 17 als Export- bleibt Belgien nach Russland und vor Schweden auf Platz 17. Somit ist das Kö- destination nigreich ein bedeutender Abnehmer österreichischer Produkte und befindet sich unter den Top 20. Als Lieferland nimmt Belgien nach Japan und vor Slowe- nien den 16. Rang ein. Die österreichischen Exporte nach Belgien wurden im Gesamtjahr 2016 von der Warengruppe Maschinen, Apparate und mechanische Geräte mit einem Anteil Entwicklung der wich- an den Gesamtexporten von 14,4% angeführt. Im Vergleich zum Vorjahr wurde tigsten Exportwaren- allerdings ein Rückgang der Exporte in dieser Gruppe von -2,8% auf 230,71 Mio. gruppen Euro verzeichnet. Einen großen Rückgang gab es bei Kühlschränken und Wär- meaustauschern, einen Zuwachs hingegen bei Baggern und Druckerteilen. An zweiter Stelle stehen die pharmazeutischen Erzeugnisse mit einem Exportvolu- men von 192 Mio. Euro und einem Anteil von 12% an den Gesamtexporten. Diese Exportwarengruppe musste allerdings einen Einbruch von 24,7% aufgrund ge- fallener Exporte von Impfstoffen und Arzneiwaren für den Kleinverkauf hinneh- men. An dritter Stelle folgen Straßenfahrzeuge, die aber mit -10,9% auf 146,1 Mio. Euro zurückgegangen sind, besonders betroffen davon sind die Pkw-Exporte. Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA
9 Bei den elektrischen Maschinen und Apparaten fiel die Bilanz 2016 sehr positiv aus, wird hier doch ein Wachstum von 12,5% auf 124 Mio. Euro verzeichnet. Aus- schlaggebend sind hier elektrische Lichtsignalsysteme für Kfz. Positiv entwi- ckelt haben sich auch die Produktgruppen Kunststoffe und Waren daraus (+2,8% auf 118,8 Mio. Euro) sowie Papier/Pappe und Waren daraus (+11,3% auf 108,5 Mio. Euro). Die Getränkeexporte haben einen großen Einbruch verzeich- nen müssen: -29,2% auf 29,6 Mio. Euro. Betroffen sind vor allem Energy- und Softdrinks aus Österreich. Der österreichische Wein hingegen setzt seine Erfolgsstory mit ei- ner Steigerung von +18% im Vergleich zum Vorjahr fort. Importe leicht gestie- Bei den Einfuhren aus Belgien dominierten 2016 Straßenfahrzeuge mit einem gen Anteil von 19,5% an den Gesamtimporten. Der beachtliche Zuwachs von +13,7% auf 380 Mio. Euro ist vor allem auf gesteigerte PKW-Importe zurückzuführen. Die Importe von Kunststoffen und Waren daraus stehen mit einem Anteil von 14,6% an zweiter Stelle (-1,2% auf 284,1 Mio. Euro), gefolgt von pharmazeuti- schen Erzeugnissen (+1,1% auf 165,3 Mio. Euro), Maschinen, Apparaten und mechanischen Geräte (+1,9% auf 157,2 Mio. Euro) sowie elektrischen Maschi- nen, Apparaten und elektrotechnischen Waren (-15,8% auf 67,9 Mio. Euro). Dienstleistungsex- Immer mehr Bedeutung erlangt der Dienstleistungsverkehr zwischen Öster- porte werden immer reich und Belgien. Die Dienstleistungsexporte österreichischer Unternehmen wichtiger nach Belgien konnten 2016 ihr hohes Niveau mit 880 Mio. Euro (+4,9%) weiter ausbauen. Dienstleistungen österreichischer Anbieter im Bereich Transport, Telekommunikation, EDV/IT, Rechts- und Wirtschaftsdienste, sowie Werbung/ Marktforschung sind in Belgien besonders gefragt. Umgekehrt sind die Dienst- leistungsimporte 2016 kräftig angestiegen, +10,5% auf 840 Mio. Euro. Österreich verzeichnet im Dienstleistungsverkehr aber weiterhin einen Bilanzüberschuss. In den ersten drei Quartalen 2017 haben die Dienstleistungsexporte von Öster- reich nach Belgien etwas an Dynamik verloren (-9% auf 294 Mio. Euro). Belgi- sche Dienstleistungen wurden hingegen vermehrt in Österreich nachgefragt (+9% auf 193 Mio. Euro). Unverändert Einen wichtigen Beitrag in der Dienstleistungsbilanz leistet natürlich der Reise- 6. Rang im Tourismus verkehr. Belgien ist 2016, gemessen an den Nächtigungen, für Österreich nach wie vor sechstwichtigster ausländischer Herkunftsmarkt (nach Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Großbritannien und Italien). 2016 betrug die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der belgischen Gäste 5 Tage, ein Spitzen- wert, der nur von den Niederländern mit 5,5 Tagen übertroffen wird. Die An- künfte aus Belgien sind 2016 um 7% auf 550.600 Gäste gestiegen. Auch bei den Nächtigungen gibt es 2016 ein Plus von 5,2% auf insgesamt 2,74 Mio. Für den Tourismus war 2016 also ein erfolgreiches Jahr. Diese Entwicklung setzte sich auch in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres fort. Ein Zuwachs von je- weils 4% wurde sowohl bei den Nächtigungen als auch bei den Ankünften ver- zeichnet. Österreichische Fir- Die intensiven wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Belgien und Österreich men investieren in spiegeln sich auch in den Direktinvestitionen wieder. Der Bestand an österrei- Belgien chischen Direktinvestitionen in Belgien stieg 2016 um beachtliche 22,5% an und betrug 2.029 Mio. Euro. Circa 100 österreichische Unternehmen sind in Belgien mittels Repräsentanz-, Vertriebs- oder Produktionsniederlassungen vertre- ten. Umgekehrt verfügt Belgien über einen Bestand von 764 Mio. Euro an Direk- tinvestitionen in Österreich. Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA
10 Marktchancen in Bel- Belgien bleibt als Zielmarkt für Produkte und Dienstleistungen „Made in Aus- gien nutzen! tria“ weiterhin interessant. Die hohe Kaufkraft und die Affinität zu Österreich, das mit Qualität und Verlässlichkeit assoziiert wird und nicht zuletzt als belieb- tes Urlaubsland gilt, bieten dabei die beste Ausgangsbasis. Dank der stark dif- ferenzierten Waren- und Dienstleistungspalette, die Österreich anbieten kann, bestehen in den folgenden Branchen ausgezeichnete Aussichten für heimische Unternehmen: Erneuerbare Energien (weitere Informationen im Branchenprofil) Gesundheit- und Medizintechnik (weitere Informationen im Branchenprofil) Projekte österr. Fir- Transport und Logistik (weitere Informationen im Branchenprofil) men Die Vorarlberger Gantner Electronic Austria Holding GmbH, spezialisiert auf elektronische Zutritts- und Abrechnungssysteme sowie intelligente Schrank- schließsysteme, erwirbt die belgische Syx Automations NV, der Benelux-Markt- führer für Ticketing- und Freizeitmanagement-Lösungen ist. Andritz nahm im Frühjahr 2016 neue Ausrüstungen für die Modernisierung der Stoffaufbereitung bei VPK Paper in Oudegem erfolgreich in Betrieb, bekam wei- ters von Arcelor Mittal Belgien den Auftrag zur Lieferung eines AHSS-Ofens und lieferte im Sommer 2016 an Jindal Films eine neue sequentielle Pilotanlage für den Produktionsstandort in Virton. Borealis prüft die Realisierbarkeit einer neuen Propan-Dehydrierungsanlage am bestehenden Produktionsstandort in Kallo. Das mit April 2016 gestartete LKW-Mautsystem wurde unter anderem mit Know-How von Kapsch TrafficCom und Efkon realisiert. Evon erhielt den Auftrag für die Errichtung eines neuen Tunnelüberwachungs- systems für die bestehende Leitwarte in Antwerpen. Zumtobel stattete den neuen exklusiven Issey Miyake-Store in Antwerpen mit Lichtlösungen aus. ASSMONT Steel Construction errichtete 2016 für einen Sportartikelhersteller in Belgien drei umfangreiche Stahlregalanlagen. Thoma Holz errichtete 2016 das erste Holz100-Haus zu 100% aus österreichi- schem Holz in Belgien. Kielsteg hat mit der belgischen Terryn-Gruppe einen starken Vertriebspartner mit langjähriger Expertise im Holzbau gefunden. Veranstaltungen KNAPP stattete 2016 den belgischen Pharma-Hersteller Fagron mit automati- Details finden Sie hier sierten YLOG-Shuttles aus. 2.10.-13.10.2017 Außenwirtschaftstagung Nord-, West- und Südeuropa Treffen Sie die Wirtschaftsdelegierte für Belgien in Ihrer Landeskammer zu ei- nem persönlichen Beratungsgespräch! Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA
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