BRANCHENREPORT UNIVERSITÄTEN 2021 - Arbeiterkammer Wien

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BRANCHENREPORT UNIVERSITÄTEN 2021 - Arbeiterkammer Wien
BRANCHENREPORT
UNIVERSITÄTEN 2021
Kontakt:
Abteilung Betriebswirtschaft, AK Wien, +43 1 501 65 DW 12650

Bei Verwendung von Textteilen wird um Quellenangabe und Zusendung
eines Belegexemplares an die AK Wien, Abteilung Betriebswirtschaft, ersucht.

Impressum
Medieninhaber: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien,
Prinz-Eugen-Straße 20–22, 1040 Wien, Telefon: (01) 501 65 0
Offenlegung gem. § 25 MedienG: siehe wien.arbeiterkammer.at/impressum
Zulassungsnummer: AK Wien 02Z34648 M
AuftraggeberInnen: AK Wien, Betriebswirtschaft

Autorin: Mag. Michael Heiling | michael.heiling@akwien.at | +43 1 50165 DW 12665

Bilanzdatenbank: Elisabeth Lugger, Kristina Mijatovic-Simon

Beiträge: Kai Biehl, Michael Ertl, Reinhold Russinger

Foto: Adobe Stock - ake1150

Grafik Umschlag und Druck: AK Wien
Verlags- und Herstellungsort: Wien
© 2016 bei AK Wien

Stand Oktober 2020
Im Auftrag der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien
1   Kurzfassung ............................................................................................................. 4
    Bilanzkennzahlenvergleich ............................................................................................................................................. 5

2   Sample: 21 öffentliche Universitäten ........................................................................ 6

3   Analyse der Rechnungsabschlüsse ............................................................................ 7
    Erträge: Umsatzerlöse und „Betriebsleistung“ steigen 2020 um knapp 2 % ................................................................. 7
    Jahresüberschuss: Rückgang in Summe, aber weniger einzelne „Verluste“ .................................................................. 8
    Aufwandsstruktur: Sichtbarer Rückgang bei „sonstigen Aufwendungen“ ................................................................... 10
    Kennzahlen gemäß Univ. RechnungsabschlussVO: Eher konstant und stabil .............................................................. 11
    Liquidität/Mobilitätsgrad: Auf ausreichendem Niveau stabil ...................................................................................... 11
    Cash-Flow und fiktive Schuldentilgungsdauer: Geringfügige Verbesserung 2020 ....................................................... 12
    Investitionen: 2020 bei Sachanlagen leicht höhere Aktivität als 2019......................................................................... 13
    Beschäftigte: Anstieg bei Vollzeitäquivalenten bei Mehrheit der Universitäten ......................................................... 14
    Personalaufwand: Anstieg wohl im Zusammenhang mit Beschäftigtenzuwachs ........................................................ 15
    Beschäftigte: Pro-VZÄ-Aufwand steigt um 2 %, Pro-VZÄ-Erträge sinken leicht ........................................................... 16

4   Anhang: Gesamtwirtschaftliche Lage ...................................................................... 17
    WIFO-Prognose Oktober 2021 für Österreich: Weiter kräftiger Aufschwung ............................................................. 17
    Aktueller Prognosenvergleich: IHS bei Aufschwung/Inflation zurückhaltender .......................................................... 19
    Inflation: Rohstoffe und Energie treiben Inflation deutlich über 2 %-Ziel ................................................................... 19
    Arbeitsmarkt: Positive Signale vor Winter-Lockdown.................................................................................................. 20

                                                                                                                                           Branchenreport.2021 │ 3
1 KURZFASSUNG

Aktuelle Wirtschaftslage Österreichs: Industrie 2021 Treiber einer kräftigen Erholung, Inflation derzeit deutlich erhöht
Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) erwartet trotz steigenden Infektionsgeschehens weiterhin einen kräftigen Kon-
junkturaufschwung für die Jahre 2021 und 2022. Das reale Bruttoinlandsprodukt steigt heuer real um 4,4 % und im Jahr
2022 um 4,8 %. Beschäftigung und Arbeitslosigkeit erholen sich rascher als erwartet und die Arbeitslosenquote soll bereits
2022 das Niveau vor der Covid-19-Krise erreichen – drei Jahre früher als bisher angenommen. Mit dem Anstieg von Rohstoff-
preisen und steigender Kapazitätsauslastungen wird die Prognose der Inflationsrate für das ganze Jahr 2021 auf 2,8 % er-
höht.

Sample: Rechnungsabschlüsse von 21 öffentlichen österreichischen Universitäten von 2018 bis 2020
Der vorliegende AK-Branchenreport ist eine zusammengeführte Analyse von Rechnungsabschlüssen österreichischer Univer-
sitäten. Als Quellenmaterial wurden die in den Mitteilungsblättern veröffentlichten Rechnungsabschlüsse von 21 Universitä-
ten für die Jahre 2018, 2019 und 2020 herangezogen. Der Rechnungsabschluss ist ein Instrument, mit dem Universitäten
aus einer wirtschaftlichen Perspektive abgebildet werden, die sich sehr nahe an das österreichische Unternehmensgesetz-
buch (UGB) und damit an die Betrachtung von gewinnorientierten Kapitalgesellschaften anlehnt. Es steht außer Frage, dass
eine solche Betrachtung der gesellschaftlichen Funktion von Universitäten nicht Rechnung trägt, sondern nur auf eine Dar-
stellung von Erträgen und Aufwendungen und bestimmter wirtschaftlicher Faktoren (etwa Reservenausstattung) abzielt –
in diesem Kontext ist auch diese Analyse als „Bildausschnitt“ zu interpretieren.

Ertragslage: Leichter Anstieg bei Erlösen, Überschüsse in Summe geringer, aber weniger Verluste – Reisekosten gesunken
Die gesamten „Umsatzerlöse“ der Universitäten betrugen in Summe des Jahres 2020 4,38 Mrd. Euro, das war – im zweiten
Jahr der aktuellen Leistungsperiode – ein Anstieg um 2,3 % gegenüber dem Vorjahr und somit ein geringeres „Umsatz-
wachstum“ als noch 2019. Die Jahresüberschüsse der Universitäten in Summe sind im Jahr 2020 von über 20 Mio. Euro auf
knapp 8 Mio. Euro gesunken – bereinigt um außerordentliche Effekte und Einmaleffekte entwickelten sich die Überschüsse
jedoch besser, ebenso war die Verteilung „gleichmäßiger“. Während im Jahr 2019 noch elf von 21 Universitäten einen Jah-
resfehlbetrag verbuchen mussten, waren dies 2020 lediglich fünf Universitäten. Aufwandseinsparungen gegenüber dem
Vorjahr waren im Covid-19-Krisenjahr 2020 vor allem bei „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“ (u.a. Reisekosten) zu se-
hen.

Zahlungsfähigkeit und Reservenausstattung: Im Wesentlichen auf konstantem Niveau, 2020 kein Frühwarnbericht
Die Univ. RechnungsabschlussVO sieht vor, dass bei einem Jahresfehlbetrag zwei Kennzahlen im jeweiligen Rechnungsab-
schluss geprüft werden müssen – damit kein Frühwarnbericht zu erstellen ist, muss die Eigenmittelquote über 8 % und der
Mobilitätsgrad über 100 % liegen. Für die Eigenmittelquote ist das bei 20 von 21 Universitäten der Fall, die Quote selbst ist
im Jahr 2020 in Summe jedoch von 40,2 % auf 38,5 % gesunken. Der Mobilitätsgrad ist nicht in allen Rechnungsabschlüssen
angegeben – näherungsweise kann für die Liquidität dritten Grades gesagt werden, dass sich diese im Durchschnitt 2020
geringfügig auf 125,8 % verbessert hat und auch für alle Universitäten mit Jahresfehlbetrag die Mobilitätsgrade über dem
geforderten Wert von 100 % liegen.

Investitionen: Rückgang bei Finanz- und Wertpapierinvestitionen, leicht erhöhte Aktivität bei Sachinvestitionen
In Summe ist ein Rückgang der Investitionsquote (von 10,6 % auf 9,6 %) zu erkennen. Es zeigt sich aber, dass gegenüber
2018 und 2019 lediglich die Finanzinvestitionen (im Wesentlichen Wertpapierkäufe bzw. Wertpapierumschichtungen) zu-
rückgegangen sind und das Investitionsniveau in Sachinvestitionen gegenüber 2019 leicht gestiegen und gegenüber 2018 im
Wesentlichen konstant geblieben ist. Das Investitionsniveau liegt generell im Bereich der Erweiterungsinvestitionen.

Beschäftigte: Anstieg auf knapp 38.000 Vollzeitäquivalente, damit verbunden Personalkostenanstieg, pro-Kopf unter 2 %
In Summe ist die Anzahl der im Vollzeitäquivalent Beschäftigten im Jahr 2020 um 2,8 % auf 37.954 Personen angestiegen.
Die Anzahl der beschäftigten Personen an den Universitäten ist dabei beträchtlich höher. Der Anteil der

                                                                                                     Branchenreport.2021 │ 4
Personalaufwendungen („brutto-brutto“) macht fast zwei Drittel der Aufwendungen der Universitäten aus und ist zuletzt
um 1,7 Prozentpunkte angewachsen. Die Personalaufwendungen pro VZÄ wachsen 2020 um knapp 2 %.

Bilanzkennzahlenvergleich

                  Bilanzkennzahlenvergleich                            Branche             2018           2019      2020          Δ in PP
    Ertragslage
                                                                  Universitäten                   0,5        -0,2          0,6         +0,5
    EBIT-Quote in % der     Betriebsleistung1                     Handel                          2,1         2,4          2,0
                                                                  Industrie                       4,5         4,7          4,2
                                                                  Universitäten                   0,6         0,5          0,2          -0,3
    Jahresüberschuss in % Betriebsleistung                        Handel                          2,2         2,3          2,2
                                                                  Industrie                       5,3         5,1          5,9
    Investitionen
                                                                  Universitäten                  6,1          5,5       6,0            +0,5
    Sachinvestitionen in % Betriebsleistung                       Handel                         1,9          2,0       2,1
                                                                  Industrie                      4,5          4,6       4,5
                                                                  Universitäten                132,7        117,3     123,7            +6,4
    Investitionsneigung in %                                      Handel                        152          157       153
                                                                  Industrie                     154          156       136
    Finanzielle Stabilität
                                                                  Universitäten                 40,6         40,2      38,5             -1,7
    Eigenmittelquote in %                                         Handel                        36,3         36,8      36,5
                                                                  Industrie                     40,5         39,9      41,1
                                                                  Universitäten                132,6        124,1     125,8            +1,7
Liquidität in % (ähnlich dem Mobilitätsgrad)                      Handel                       120,3        118,8     120,4
                                                                  Industrie                    125,1        127,5     136,5
                                                                  Universitäten                  5,0          4,5       4,8            +0,3
    Cash-Flow-Quote in % 2                                        Handel                         2,9          2,9       2,7
                                                                  Industrie                      6,7          6,9       6,6
                                                                  Universitäten                  1,1          1,4       1,6      + 0,2 Jahre
    Fiktive Verschuldungsdauer in Jahren                          Handel                         6,1          6,3       6,8
                                                                  Industrie                      4,8          4,6       5,1
    Personal und Wertschöpfung
                                                                  Universitäten                62,4          63,2      64,9            +1,7
    Personalaufwandstangente in %3                                Handel                       10,7          10,9      11,3
                                                                  Industrie                    17,9          17,9      19,3
                                                                  Universitäten              71.734        73.968    75.441          +2,0%
    Personalaufwand pro VZÄ, T€                                   Handel                     42.952        43.173    43.457
                                                                  Industrie                  71.222        71.597    70.268
                                                                  Universitäten             114.927       116.993   116.214           -0,7%
    „Betriebsleistung“ pro VZÄ, T€                                Handel                    398.593       396.348   385.510
                                                                  Industrie                 396.989       399.018   363.655
    Quelle: AK-Bilanzdatenbank, Industrie (09/2021, 384 Unternehmen), Handel (09/2021, 178 Unternehmen)

1
  ordentlicher Betriebserfolg in % der ordentlichen Betriebsleistung; Betriebsleistung = Umsatzerlöse +/- Bestandsveränderungen + Eigen-
leistungen + übrige sonstige betriebliche Erträge (Mieterträge etc.) - übrige außerordentliche Erträge (Schadensfälle, Kursgewinne etc.)
2 ordentlicher Cash-Flow nach Zinsen u Steuern in % der ordentlichen Betriebsleistung
3 ordentlicher Personalaufwand in % der ordentlichen Betriebsleistung; Personalaufwand ohne Abfertigungen und Pensionen

                                                                                                                    Branchenreport.2021 │ 5
2 SAMPLE: 21 ÖFFENTLICHE UNIVERSITÄTEN

Der vorliegende AK-Branchenreport behandelt die wirtschaftliche Lage der öffentlichen österreichischen Universitäten –
ausschließlich auf Basis der in den Mitteilungsblättern veröffentlichten Rechnungsabschlüsse von 21 Universitäten für die
Jahre 2018 bis 2020.

Es ist vorab darauf hinzuweisen, dass der Rechnungsabschluss ein Instrument ist, mit dem die Universitäten aus einer wirt-
schaftlichen Perspektive abgebildet werden, die sich sehr nahe an die Betrachtung von privatwirtschaftlichen und gewinn-
orientierten Unternehmen im Sinne des Unternehmensgesetzbuches anlehnt. Es steht außer Frage, dass eine solche Be-
trachtung der gesellschaftlichen Funktion von Universitäten nicht ausreichend Rechnung trägt. Es wird daher in dieser Un-
terlage lediglich ein enger Blick auf die wirtschaftliche Situation der Universitäten gegeben, die Darstellung von Zahlen sollte
keinesfalls als „Ranking“ verstanden werden. In der Summen- und Gesamtbetrachtung kann aber mithilfe der hier aufge-
führten Zahlen annäherungsweise ein Bild über die Reservenausstattung, die operativen Ressourcen, die Investitionstätigkeit
und die strukturelle Aufteilung der Aufwendungen der österreichischen Universitäten dargestellt werden.

Im Anhang wird eine Übersicht über die Einschätzung aktueller makroökonomischer Indikatoren (Inflation, wirtschaftliche
Erholung, etc.) aus Sicht der Arbeiterkammer dargestellt. Außerhalb dieses Anhanges wurden keine weiteren Quellen als die
Rechnungsabschlüsse der in der folgenden Tabelle angeführten Universitäten herangezogen:

                                                          Liste der Universitäten
Akademie der bildenden Künste
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Johannes Kepler Universität Linz
Karl-Franzens-Universität Graz
Kunstuniversität Linz Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Medizinische Universität Graz
Medizinische Universität Innsbruck
Medizinische Universität Wien
Montanuniversität Leoben
Paris-Lodron-Universität Salzburg
Technische Universität Graz
Technische Universität Wien
Universität für angewandte Kunst Wien
Universität für Bodenkultur
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Universität Mozarteum Salzburg
Universität Wien
Veterinärmedizinische Universität Wien
WU (Wirtschaftsuniversität Wien)
Quelle: AK Bilanzdatenbank

                                                                                                        Branchenreport.2021 │ 6
3 ANALYSE DER RECHNUNGSABSCHLÜSSE

Erträge: Umsatzerlöse und „Betriebsleistung“ steigen 2020 um knapp 2 %

Die „Umsatzerlöse“ der Universität laut Univ. RechnungsabschlussVO bestehen aus Globalbudgetzuweisungen, Studienbei-
trägen, universitären Weiterbildungsleistungen, Erlösen gemäß §27 UG, Kostenersätzen gemäß § 26 UG sowie sonstigen
Kostenersätzen. Die hier so genannte „ordentliche Betriebsleistung“ besteht aus den ausgewiesenen Umsätzen +/- Be-
standsveränderungen + Eigenleistungen + sonstigen betrieblichen Erträgen (z.B. Mieterträgen) bereinigt um außerordent-
liche Erträge (wie etwa Schadensfälle oder Rückstellungsauflösungen)

                                 in T€                                      2018         2019        2020          Δ in %
Umsätze                                                                      4.131.436   4.283.826   4.380.887              2,27
Ordentliche Betriebsleistung                                                 4.152.374   4.318.110   4.410.761              2,15
Quelle: AK Bilanzdatenbank

Die Umsätze der Universitäten betrugen in Summe des Jahres 2020 4,38 Mrd. Euro, das war – im zweiten Jahr der aktuellen
Leistungsperiode – ein Anstieg um 2,3 % gegenüber dem Vorjahr und somit ein geringeres „Umsatzwachstum“ als noch
2019. Die ordentlichen Betriebsleistungen unterschieden sich nur geringfügig von den Umsätzen und beliefen sich 2020 auf
4,41 Mrd. Euro, was einem Plus von 2,15 % gegenüber 2019 entspricht.

„Umsatzerlöse“ der einzelnen Universitäten

                                     Umsätze, in T€                                      2018        2019          2020
Summe aller Universitäten                                                                4.131.436   4.283.826      4.380.887

Akademie der bildenden Künste                                                              34.119      36.428          37.011
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt                                                         74.465      73.735          80.266
Johannes Kepler Universität Linz                                                          170.744     184.916        191.610
Karl-Franzens-Universität Graz                                                            237.937     251.575        261.003
Kunstuniversität Linz Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung            23.348      25.786          25.365
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck                                                    290.872     299.984        314.274
Medizinische Universität Graz                                                             277.450     284.859        296.086
Medizinische Universität Innsbruck                                                        238.435     239.483        245.864
Medizinische Universität Wien                                                             569.162     585.214        593.512
Montanuniversität Leoben                                                                   89.048      97.041          95.103
Paris-Lodron-Universität Salzburg                                                         169.348     176.589        176.510
Technische Universität Graz                                                               245.628     258.546        264.460
Technische Universität Wien                                                               364.919     376.351        392.999
Universität für angewandte Kunst Wien                                                      48.193      48.710          49.462
Universität für Bodenkultur                                                               182.402     187.775        199.163
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz                                          53.658      53.927          57.031
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien                                          98.760     100.342        105.497
Universität Mozarteum Salzburg                                                             56.004      56.101          60.023
Universität Wien                                                                          623.312     629.280        633.603
Veterinärmedizinische Universität Wien                                                    127.859     152.467        135.079
WU (Wirtschaftsuniversität Wien)                                                          155.773     164.717        166.966
Quelle: AK-Bilanzdatenbank

                                                                                                       Branchenreport.2021 │ 7
Jahresüberschuss: Rückgang in Summe, aber weniger einzelne „Verluste“

Der „Jahresüberschuss“ ist der gesamte „Gewinn oder Verlust“ (inkl. aller Finanz-, Sonder- und Einmaleffekte) eines Rech-
nungslegungsjahres und erhöht bzw. vermindert (Jahresfehlbetrag) das Eigenkapital – abgesehen von allfälligen Kapitalzu-
führungen oder -abfuhren. Er kann – wenn positiv – als „Ertragsreserve“ interpretiert werden, die zur Bildung von Rücklagen
für zukünftige Perioden zur Verfügung steht.

Die Jahresüberschüsse der Universitäten in Summe sind im Jahr 2020 von über 20 Mio. Euro auf knapp 8 Mio. Euro gesun-
ken. Ein großer Anteil dieses Rückganges ist dabei auf zwei große Wiener Universitäten zurückzuführen, wobei der Rückgang
bei der WU Wien auf einen (mutmaßlich einmaligen) Stiftungszuschuss zurückzuführen ist, der als Aufwand verbucht wurde.

Die Situation bei jenen Universitäten, die zuletzt nicht in den schwarzen Zahlen bilanzieren konnten, hat sich jedoch gegen-
über 2019 verbessert. Während im Jahr 2019 noch elf von 21 Universitäten einen Jahresfehlbetrag verbuchen mussten,
waren dies 2020 lediglich fünf Universitäten. Neun Universitäten, die 2019 noch einen Jahresfehlbetrag verbuchen mussten,
konnten somit 2020 zumindest wieder ausgeglichen bilanzieren. Alle fünf Universitäten mit Jahresfehlbetrag im Jahr 2020
wiesen eine Eigenmittelquote von über 8 % und einen Mobilitätsgrad von über 100 % auf und lagen damit über den gefor-
derten Werten der Univ. RechnungsabschlussVO (wobei hier eine „Oder-Bestimmung“ festgeschrieben ist). Es musste daher
– anders als 2019 – auch kein Frühwarnbericht an das Ministerium erstellt werden.

                                 Jahresüberschuss, in T€                                    2018             2019            2020
Summe aller Universitäten                                                                       25.777         20.783              7.979

Akademie der bildenden Künste                                                                      388               -98             262
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt                                                                 -529         -4.482             1.468
Johannes Kepler Universität Linz                                                                -1.051              -165             197
Karl-Franzens-Universität Graz                                                                   5.222          4.162                804
Kunstuniversität Linz Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung                     22               44                5
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck                                                          -4.803          -1.923             5.655
Medizinische Universität Graz                                                                   -1.179              -915             765
Medizinische Universität Innsbruck                                                                 240               62               72
Medizinische Universität Wien                                                                    4.281          7.874              7.908
Montanuniversität Leoben                                                                        10.319         11.598             10.412
Paris-Lodron-Universität Salzburg                                                               -1.189          -6.643             -1.727
Technische Universität Graz                                                                      7.266          6.624              3.076
Technische Universität Wien                                                                      4.628          1.699              -1.052
Universität für angewandte Kunst Wien                                                              237              421               73
Universität für Bodenkultur                                                                        605          -7.236             1.908
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz                                               -4.168          -4.139                36
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien                                               -2.331          -1.614               198
Universität Mozarteum Salzburg                                                                   5.090              -545           1.231
Universität Wien                                                                                 2.938         10.467             -10.569
Veterinärmedizinische Universität Wien                                                             -526         -2.836              -556
WU (Wirtschaftsuniversität Wien)                                                                   317          8.428             -12.187
Quelle: AK-Bilanzdatenbank

In der anteiligen Betrachtung bedeutet dies, dass sich die jährliche gesamte „Ertragsreserve“ (in Form des Jahresüberschus-
ses anteilig an der ordentlichen Betriebsleistung) im Jahr 2020 bei 0,18 % bewegt – dies ist im Wesentlichen eine Punkt-
landung an der schwarzen Null, jedoch ein Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren.

                         Jahresüberschuss, in %                                   2018                2019                 2020
Summenwert aller Universitäten                                                           0,62                0,48                    0,18
Quelle: AK-Bilanzdatenbank

                                                                                                               Branchenreport.2021 │ 8
Der Universitätserfolg ist rechnerisch im Wesentlichen gleichzusetzen mit dem „EBIT“ bei Unternehmen, die gemäß Unter-
nehmensgesetzbuch bilanzieren. EBIT bedeutet „Earnings before Interest and Tax“. Der Universitätserfolg ist somit das ope-
rative Ergebnis des Rechnungsabschlussjahres vor Finanzergebnissen und allfälligen Steuern. Wird dieser um aperiodische
und einmalige Erträge und Aufwendungen bereinigt, ergibt sich der „ordentliche Universitätserfolg“ („ordentliches EBIT“).

Die ordentliche EBIT-Quote stellt den prozentuellen Anteil des ordentlichen EBIT an der „ordentlichen Betriebsleistung“ dar.
Berechnung: ordentlicher Universitätserfolg/ordentliche Betriebsleistung*100

Die operativen Universitätserfolge sind 2020 in deutlich geringerem Ausmaß gesunken als die auf der vorigen Seite darge-
stellten Jahresüberschüsse („Gesamtgewinne“). Bei lediglicher Betrachtung der bereinigten (ordentlichen) Universitätser-
folge ist sogar ein Anstieg im Jahr 2020 zu erkennen. Dies ist aber im Wesentlichen auf Einmaleffekte und auf höhere Rück-
stellungsauflösungen im Jahr 2019 zurückzuführen.

                             EBIT, in T€                       2018           2019              2020             Δ         Δ in %
Summe des „EBIT“ laut Rechnungsabschlüssen                       47.363         26.109            23.750         -2.359          -9,04
Summe des „ordentlichen EBIT“                                    21.402          -9.067           24.442         33.509              -
Quelle: AK-Bilanzdatenbank

Bei Heranziehung dieser bereinigten Werte ergibt sich für die „ordentliche EBIT-Quote“ – und somit für die operative Reserve
im Gegensatz zu 2019 wieder ein Wert knapp über der schwarzen Null. Diese ordentliche EBIT-Quote liegt im Jahr 2020 bei
0,55 % und somit auch geringfügig über dem Wert von 2018. Hierbei ist anzumerken, dass dieser Wert ein Summenwert
über die gesamte Betriebsleistung bzw. den gesamten Universitätserfolg aller untersuchten Universitäten darstellt und sich
somit die Situation bei den unterschiedlichen einzelnen Universitäten sehr divers darstellen kann.

                             ordentliche EBIT-Quote, in %                        2018                  2019               2020
Durchschnitt                                                                             0,52                 -0,21              0,55
Quelle: AK-Bilanzdatenbank

        "Operative jährliche Reserven"                                   Universitäten, die einen
        in Prozent an der ordentlichen                                 Jahresfehlbetrag ausweisen
               Betriebsleistung

   9

   7

   5

   3

   1

  -1
        Jahresüberschuss-Quote               EBIT-Quote          0                   5                   10                  15

                         2018      2019     2020                                     2020       2019      2018

                                                                                                          Branchenreport.2021 │ 9
Aufwandsstruktur: Sichtbarer Rückgang bei „sonstigen Aufwendungen“

Aufwandspositionen in Prozent der Betriebsleistung ermöglichen einen Vergleich unabhängig vom absoluten Betrag. Dabei
werden außerordentliche Erträge und Aufwendungen herausgerechnet.
Materialaufwand sind etwa Material- und Energieverbrauch.
Bezogene Leistungen sind etwa Vorleistungen von Dritten und Zeitarbeitskräfte im engeren Sinn.
Im Personalaufwand enthalten sind Bruttolöhne und -gehälter (inklusive Überstunden, Zulagen, Sonderzahlungen, Verän-
derung Personalrückstellungen), Refundierungen für überlassene Beamte, Sozialabgaben, sonstige Sozialaufwendungen,
externe Lehre.
Die Abschreibungen sind Wertminderungen von Sachanlagen und immateriellen Vermögen.
Sonstiger Betriebsaufwand: z.B. Instandhaltung, Versicherung, Reiseaufwendungen, Rechts- und Beratungskosten, Mietauf-
wand, Marketing etc.

       Aufwandsanteile in % der „ordentlichen Betriebsleistung“                           2018                  2019                 2020
Betriebsleistung                                                                                  100,00               100,00               100,00
- Materialaufwand + bezogene Leistungen                                                             1,88                 1,90                 2,12
- Personalaufwand                                                                                  64,99                66,19                67,73
- Abschreibungen                                                                                    4,12                 4,06                 3,97
- sonstiger Betriebsaufwand                                                                        28,49                28,07                25,63
= ordentliche EBIT-Quote                                                                            0,52                -0,21                 0,55
Quelle: AK-Bilanzdatenbank, *ordentlicher Betriebserfolg in % der ordentlichen Betriebsleistung

Die größte Aufwandsposition macht nicht überraschend der Personalaufwand aus, 67,73 % der gesamten ordentlichen
Universitätserträge fließen in die Aufwendungen für die Beschäftigten. Dieser Wert ist in den letzten Jahren stetig angestie-
gen, zuletzt um etwas mehr als 1,5 Prozentpunkte.

Ebenfalls – nicht untypisch für Wissensorganisationen – machen in Summe der Materialaufwand und die bezogenen Leis-
tungen einen eher geringen Anteil von 2,12 % an den gesamten ordentlichen Universitätserträgen aus, auch dieser Wert
ist allerdings leicht gestiegen. Der Abschreibungsanteil blieb über die letzten Jahre relativ konstant im Bereich von etwa 4 %.

Ein deutlicher Rückgang war allerdings im ersten Covid-19-Jahr 2020 bei den sonstigen Betriebsaufwendungen zu bemer-
ken, diese machen zwar immer noch etwas mehr als ein Viertel der Gesamtaufwendungen aus, jedoch ist der Anteil zuletzt
um knapp 2,5 Prozentpunkte gesunken. Einen beträchtlichen Teil daran machen die in der Covid-19-Krise sichtbar niedrige-
ren Aufwendungen für Reisen und Konferenzen aus.

                                Aufwandsarten 2020 in % an der ordentlichen
                                 Betriebsleistung/den ordentlichen Erträgen

   0            10             20             30            40             50             60           70         80            90          100

       Materialaufwand und bezogenen Leistungen                     Personalaufwand            Abschreibungen     sonstiger Betriebsaufwand

                                                                                                                         Branchenreport.2021 │ 10
Kennzahlen gemäß Univ. RechnungsabschlussVO: Eher konstant und stabil

Die Eigenmittel bzw. das Eigenkapital gelten als Fundament einer Gesellschaft/einer Körperschaft oder eines Unternehmens
und zeigen inwieweit allfällige Verluste durch Reserven abgedeckt werden können. Die Höhe der erforderlichen Eigenmit-
tel- /Eigenkapitalquote ist von der Branche, vom Risiko und der Anlagenintensität abhängig. Das Eigenkapital für Kapitalge-
sellschaften gemäß § 224 Abs 3 UGB setzt sich aus dem Nennkapital, den Kapitalrücklagen, den Gewinnrücklagen und dem
Bilanzgewinn zusammen. Für die an diese Kennzahl angelehnte Eigenmittelquote gem. Univ. RechnungsabschlussVO gilt,
dass das Eigenkapital um Bau- und Investitionskostenzuschüsse ergänzt wird. (Hinweis: Die Zuschüsse stellen, formell gese-
hen, weder Eigen- noch Fremdkapital dar. Sie werden für die Universitäten aber den Eigenmitteln zugerechnet, weil – bei
Einhaltung der Zuerkennungskriterien – normalerweise keine Rückzahlungsverpflichtung besteht.)
Die Eigenmittelquote stellt die Eigenmittel anteilig an der Bilanzsumme dar. Die Univ. RechnungsabschlussVO fordert bei
einem negativen Jahresüberschuss zumindest eine Eigenmittelquote von 8 %.

Eigenmittelquote laut Univ. RechnungsabschlussVO

                         Eigenmittelquote, in %                         2018                 2019                2020
Durchschnitt                                                                    40,60                40,23               38,54
Quelle: AK-Bilanzdatenbank

Die Darstellung zeigt, dass der Summenwert zwar im Jahr 2020 um etwa 1,8 Prozentpunkte auf einen Wert von 38,54 %
gesunken ist, in der Einzelbetrachtung jedoch nur eine einzige Universität unter den von der Univ. RechnungsabschlussVO
geforderten 8 % liegt.

Die betroffene Universität konnte durch positive Jahresüberschüsse ihr Eigenkapital bisher aufbauen und in Richtung der
8-Prozent-Marke stärken. Alle anderen Universitäten liegen deutlich über diesem von der Univ. RechnungsabschlussVO ge-
forderten Mindestwert.

Liquidität/Mobilitätsgrad: Auf ausreichendem Niveau stabil

Die Liquidität (Zahlungsfähigkeit) ist für den Unternehmensfortbestand von zentraler Bedeutung. Die Zahlungsfähigkeit gilt
als gesichert, wenn fällige kurzfristige Schulden jederzeit getilgt werden können. Dies wird in der Regel dann der Fall sein,
wenn das kurzfristige Umlaufvermögen höher ist als das kurzfristige Fremdkapital. Sie zeigt das Verhältnis von kurzfristigem
Umlaufvermögen zu kurzfristigem Fremdkapital an. Die Liquidität ist ähnlich dem Mobilitätsgrad, für den Mobilitätsgrad
laut Univ. RechnungsabschlussVO ist es jedoch notwendig, die Fristigkeiten der Rückstellungen zu kennen, die in den Rech-
nungsabschlüssen nicht explizit ausgewiesen werden, daher ist die hier dargestellte „Liquidität“ ein Näherungswert. Von
der Univ. RechnungsabschlussVO wird ein Wert von mindestens 100 % gefordert.

Der Durchschnitt der Liquidität dritten Grades (entspricht näherungsweise dem Mobilitätsgrad) liegt im Jahr 2020 bei
125,82 % und somit einerseits deutlich über 100 %, andererseits um etwa 1,75 Prozentpunkte besser als im Vorjahr. Von
jenen Universitäten die einen negativen Jahresüberschuss (=Jahresfehlbetrag) ausweisen, hat keine einen ausgewiesenen
Mobilitätsgrad von unter 100 %. Bezüglich der Urlaubsrückstellungen wird in einigen Rechnungsabschlüssen auf ein Schrei-
ben der Universitätenkonferenz im September 2020 verwiesen, wonach diese – aufgrund des geringen tatsächlichen Inan-
spruchnahmegrades – als langfristige Rückstellungen zu betrachten sind, wodurch sich der ausgewiesene Mobilitätsgrad in
den Berichten tendenziell höher darstellt als in dieser Analyse.

                             Liquidität, in %                           2018                 2019                2020
Durchschnitt                                                                   132,62               124,05              125,82
Quelle: AK-Bilanzdatenbank

                                                                                                      Branchenreport.2021 │ 11
Cash-Flow und fiktive Schuldentilgungsdauer: Geringfügige Verbesserung
2020

Der ordentliche Cash-Flow ist der finanzielle Überschuss aus dem operativen Universitätsbetrieb nach Abzug von Zinsen
und Steuern und dient zur Beurteilung der Selbstfinanzierungskraft. Im Unterschied zum Jahresüberschuss bleiben bei der
Cash-Flow-Rechnung die unbaren Aufwendungen (z.B. Abschreibung, Dotierung langfristiger Rückstellungen) und die unba-
ren Erträge (z.B. Auflösung langfristiger Rückstellungen) außer Betrachtung. Weiters bleiben außerordentliche Beträge und
ein etwaiges Beteiligungsergebnis unberücksichtigt. Der Cash-Flow steht für Investitionen, Schuldentilgungen oder den Auf-
bau von Reserven zur Verfügung. Die Cash-Flow-Quote zeigt das Verhältnis von Cash-Flow und „ordentlicher Betriebsleis-
tung“ an.

Die „operative Cash-Flow-Quote“ betrug im Durchschnitt aller Universitäten 4,82 %, das ist ein geringfügiger Anstieg gegen-
über 2020 – 14 Universitäten konnten höhere Werte aufweisen, bei sieben Universitäten sank dieser Wert 2020. Keine Uni-
versität wies im Jahr 2020 einen negativen operativen Cash-Flow auf. In Summe betrug der ordentliche Cash-Flow – der für
die Finanzierung notwendiger Investitionen (ausgedrückt durch jährliche Abschreibungen), den Abbau von Schulden oder
den Aufbau von Liquidität für in künftigen Perioden zur Verfügung steht – 212 Mio. Euro.

                             Cash-Flow                                 2018                2019               2020
Cash-Flow-Quote in %, Durchschnitt                                            5,00                4,48               4,82
Ordentlicher Cash-Flow nach Zinsen und Steuern in Summe (T€)               207.540             193.388            212.466

Die fiktive Entschuldungsdauer zeigt, wie oft der Cash-Flow des Rechnungsabschlussjahres verdient werden müsste, um die
Nettoverschuldung (Fremdkapital – liquide Mittel – Wertpapiere) theoretisch abzubauen. Dies unter der Annahme, dass
keine Investitionen getätigt werden. Nach § 24 URG Unternehmensreorganisationsgesetz wird – abweichend von der Univ.
RechnungsabschlussVO für Kapitalgesellschaften ein Sanierungsbedarf vermutet, wenn die fiktive Schuldentilgungsdauer
höher als 15 Jahre und die Eigenkapitalquote unter 8 % ist.

                               in T€                                   2018                2019               2020
Nettoverschuldung in Summe                                                 235.041             265.721             339.200
Ordentlicher Cash-Flow nach Zinsen und Steuern in Summe                    207.540             193.388             212.466
       Fiktive Verschuldungsdauer, in Jahren, AK-Berechnung            2018                2019               2020
Durchschnitt                                                                  1,13                1,37                1,60
Quelle: AK-Bilanzdatenbank

Aufgrund der etwas höheren Nettoverschuldung (339,2 Mio. Euro in Summe der 21 Universitäten) hat sich die fiktive Schul-
dentilgungsdauer geringfügig verschlechtert, wobei 1,6 Jahre einem sehr soliden und geringen Wert entspricht.

                                                                                                  Branchenreport.2021 │ 12
Fiktive Verschuldungsdauer
                                                                    in Jahren

                                                           2018                 2019                       2020
        Nettoverschuldung                                 235.041             265.721                     339.200
        Ordentlicher Cash Flow nach Zinsen
                                                          207.540             193.388                     212.466
                   und Steuern

Investitionen: 2020 bei Sachanlagen leicht höhere Aktivität als 2019

Investitionen sind Zukäufe zum Anlagevermögen. Investitionen in das Sachanlagevermögen betreffen Gebäude, technische
Anlagen (Labore), Betriebsausstattung etc. Investitionen in das Finanzanlagevermögen betreffen vor allem Beteiligungen
an Tochtergesellschaften und Wertpapiere. Investitionen in % des Umsatzes lassen einen besseren Vergleich zwischen ein-
zelnen Jahren zu.

Die Investitionsneigung stellt Investitionen und Abschreibungen gegenüber. Werte um 100 lassen auf Ersatzinvestitionen
und Werte deutlich über 100 auf Erweiterungsinvestitionen schließen. Unter 100 wurden nicht einmal die Wertminderun-
gen der Sachanlagen ersetzt. Berechnung: Investitionen Sachanlagevermögen/Abschreibungen auf Sachanlagen*100

                Investitionen in % der Betriebsleistung                2018                2019                   2020
Sachinvestitionen                                                              6,06                5,53                  5,98
Immaterielle Investitionen                                                     0,52                0,58                  0,56
Finanzinvestitionen                                                            5,88                4,52                  3,07
Investitionen gesamt                                                          12,46               10,63                  9,61
Quelle: AK-Bilanzdatenbank

Auf den ersten Blick ist ein Rückgang der gesamten Investitionen in den letzten beiden Jahren zu erkennen. Die Aufschlüsse-
lung in einzelne Investitionskategorien zeigt aber, dass gegenüber 2018 und 2019 lediglich die Finanzinvestitionen (im We-
sentlichen Wertpapierkäufe bzw. Wertpapierumschichtungen) zurückgegangen sind und das Investitionsniveau in Sachin-
vestitionen gegenüber 2019 leicht gestiegen und gegenüber 2018 im Wesentlichen konstant geblieben ist.

                                                                                                   Branchenreport.2021 │ 13
Investitionen
                                      in Prozent der "ordentlichen Betriebsleistung"
 14

 12

 10

   8

   6

   4

   2

   0
                             2018                                     2019                                       2020

                              Sachinvestitionen         Finanzinvestitionen          Immaterielle Investitionen

Ähnliches gilt für die Investitionsneigung, diese drückt das Verhältnis von Investitionen in Sachanlagen zu Abschreibungen
aus. In den letzten drei Jahren lag dieser Wert im Durchschnitt aller Universitäten bei mehr als 100 %, somit wurde durch-
gängig „netto“ investiert, gegenüber 2019 ist dieser Wert um etwas mehr als 6 Prozentpunkte gestiegen, gegenüber 2018
jedoch gesunken.

                       Investitionsneigung, in %                               2018                     2019                      2020
Durchschnitt                                                                           132,68                  117,32                    123,74
Quelle: AK-Bilanzdatenbank

Beschäftigte: Anstieg bei Vollzeitäquivalenten bei Mehrheit der Universitäten

                               Beschäftigte                                   2018              2019               2020              Δ in %
Summe - Vollzeitäquivalente                                                      36.130            36.909               37.954             2,83

Technische Universität Graz                                                          2.294             2.357              2.475            5,03
Kunstuniversität Linz Universität für künstlerische und industrielle Ge-
                                                                                      230               235                247             5,33
staltung
Medizinische Universität Innsbruck                                                   1.517             1.529              1.560            2,07
Universität Wien                                                                     5.516             5.628              5.819            3,40
Medizinische Universität Wien                                                        4.385             4.479              4.554            1,67
Medizinische Universität Graz                                                        1.868             1.889              1.915            1,39
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz                                     488               499                493            -1,20
WU (Wirtschaftsuniversität Wien)                                                     1.381             1.409              1.467            4,06
Montanuniversität Leoben                                                              808               835                865             3,55
Karl-Franzens-Universität Graz                                                       2.382             2.427              2.414           -0,52
Johannes Kepler Universität Linz                                                     1.754             1.837              1.955            6,40
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien                                     902               917                946             3,22
Universität für angewandte Kunst Wien                                                 422               429                460             7,42
Universität für Bodenkultur                                                          1.676             1.717              1.754            2,18
Akademie der bildenden Künste                                                         304               318                326             2,45
Universität Mozarteum Salzburg                                                        485               494                504             1,95
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt                                                    849               872                900             3,18

                                                                                                                 Branchenreport.2021 │ 14
Beschäftigte                             2018              2019              2020              Δ in %
Veterinärmedizinische Universität Wien                                        1.166             1.216             1.179          -2,97
Paris-Lodron-Universität Salzburg                                             1.693             1.734             1.723          -0,64
Technische Universität Wien                                                   3.353             3.348             3.530           5,43
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck                                        2.658             2.741             2.866           4,56
Quelle: AK-Bilanzdatenbank

In Summe ist die Anzahl der im Vollzeitäquivalent Beschäftigten im Jahr 2020 um 2,8 % auf 37.954 Personen angestiegen.
Die Anzahl der beschäftigten Personen an den Universitäten ist dabei beträchtlich höher, jedoch wird in den Rechnungsab-
schlüssen im Sinne der Vergleichbarkeit auf die in Vollzeitäquivalent Beschäftigten im Jahresdurchschnitt abgestellt. Die Dar-
stellung zeigt auch, dass grundsätzlich bei etwas mehr als drei Viertel der hier dargestellten Universitäten ein Anstieg der
Beschäftigung im Jahr 2020 zu erkennen war.

Personalaufwand: Anstieg wohl im Zusammenhang mit Beschäftigtenzuwachs

Berechnung: Ordentlicher Personalaufwand /ordentliche Betriebsleistung*100

Der Anteil der Personalaufwendungen an der „ordentlichen“ Betriebsleistung der Universitäten betrug im Durchschnitt zu-
letzt 64,92 %, dies ist ein Zuwachs von 1,7 Prozentpunkten. Es ist hier davon auszugehen, dass dies auch im Zusammenhang
mit der oben dargestellten Steigerung der Beschäftigtenzahlen steht.

Dieser Personalaufwand ist „brutto-brutto“ zu verstehen, darin sind also gesetzliche Sozialabgaben, Aufwendungen für Ex-
terne Lehre sowie Aufwendungen für überlassene Beamt:innen ebenso enthalten wie Rückstellungszuführungen. Bereinigt
wurde dieser Personalaufwand lediglich um explizit ausgewiesene Aufwendungen für Abfertigungen oder Pensionen.

                   Personalaufwandstangente, in %                       2018                     2019                     2020
Durchschnitt                                                                     62,42                  63,22                    64,92
Quelle: AK-Bilanzdatenbank

                                                                                                         Branchenreport.2021 │ 15
Beschäftigte: Pro-VZÄ-Aufwand steigt um 2 %, Pro-VZÄ-Erträge sinken leicht

Die Veränderungsraten vom Personalaufwand (ohne Abfertigung und Pension), der Wertschöpfung und des Jahresüber-
schusses pro Kopf/VZÄ lassen unter Umständen eine bessere Vergleichbarkeit der Personalaufwandsentwicklung und der
Budgetentwicklung zu.

    Pro Beschäftigter, in €                                               2018              2019         Δ in %         2020         Δ in %
Personalaufwand*                                                             71.734           73.968        3,11           75.441       1,99
Betriebsleistung                                                           114.927           116.993        1,80         116.214        -0,67
Jahresüberschuss                                                                 713               563     -21,08              210     -62,66
Quelle: AK-Bilanzdatenbank, *Personalaufwand ohne Aufwand für Abfertigungen und Pensionen

Die Darstellung der einzelnen Kennzahlen pro Beschäftigter/m (bzw. in diesem Fall aufgrund der Vergleichbarkeit pro Voll-
zeitäquivalent) zeigt, dass der Anstieg des Personalaufwandes pro Kopf geringer ausfällt, als in Summe des Personalauf-
wandes.

Zuletzt sind die Aufwendungen pro VZÄ (wiederum „brutto-brutto“) um 1,99 % auf 75.441 Euro pro Jahr gewachsen. Da für
das Jahr 2020 noch ein Kollektivvertragsabschluss zwischen 2,25 % und 3,45 % (ab Februar 2020) erzielt wurde – und dieser
somit deutlich höher lag, als das Wachstum des Personalaufwandes – weist das Wachstum von nur 1,99 % auf verhältnismä-
ßig hohe Veränderungsraten in der Gesamtbelegschaft hin.

Die Betriebsleistung (Gesamterträge) pro VZÄ sind gleichzeitig marginal zurückgegangen. An Jahresüberschuss pro VZÄ blei-
ben unter dem Strich 210 Euro, das ist deutlich weniger als noch im Vorjahr.

                                      Personalaufwand und Erträge pro VZÄ
  € 120.000                                                                      € 116.993                              € 116.214
                                      € 114.927

  € 100.000

   € 80.000                                                         € 76.968                                 € 75.441
                           € 71.734

   € 60.000

   € 40.000

   € 20.000

         €-
                                  2018                                      2019                                    2020

                                                   Personalaufwand            Betriebsleistung

                                                                                                                    Branchenreport.2021 │ 16
4 ANHANG: GESAMTWIRTSCHAFTLICHE LAGE

Kai Biehl, Michael Ertl, Reinhold Russinger
AK Wien, Abteilung Wirtschaftswissenschaften und Statistik

WIFO-Prognose Oktober 2021 für Österreich1: Weiter kräftiger Aufschwung

    Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) erwartet trotz steigenden Infektionsgeschehens weiterhin einen kräftigen Kon-
    junkturaufschwung für die Jahre 2021 und 2022. Das reale Bruttoinlandsprodukt steigt heuer real um 4,4 % und im Jahr
    2022 um 4,8 %. Beschäftigung und Arbeitslosigkeit erholen sich rascher als erwartet und die Arbeitslosenquote soll bereits
    2022 das Niveau vor der Covid-19-Krise erreichen – drei Jahre früher als bisher angenommen.

Wirtschaftsaktivität vieler Branchen über Vorkrisenniveau
Die Wirtschaftsleistung zahlreicher Branchen erreicht oder übertrifft im Jahr 2021 bereits das Niveau von 2019. Die Wert-
schöpfung in der Industrie steigt nach einem Einbruch im Krisenjahr (-7,1 %) um +8,0 %. Ähnliches gilt für Bauwirtschaft,
Handel und viele andere wirtschaftliche Dienstleistungen. Andere Branchen hatten in der Krise keinen Einbruch und wachsen
nun weiter. Die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen steigerten ihre Bruttowertschöpfung selbst 2020 um +5,1 % und
2021 um +3 %. Der Optimismus in diesen Branchen spiegelt sich auch in den Unternehmensentscheidungen: Gemäß ersten
Einschätzungen erreichen die Dividendenausschüttungen bereits heuer das sehr hohe Niveau von vor der Krise.

Beherbergung und Gastronomie erholt sich nur langsam
Während exportorientierte Branchen stark von der Erholung der Weltwirtschaft profitieren und sogar kräftig investieren
(Ausrüstungsinvestitionen 2020: -6,5 %, 2021: 10,6 %, 2022: 5,3 %), erholt sich der Bereich der Beherbergung und Gastrono-
mie nur langsam. Nach einem Einbruch der Wertschöpfung im Jahr 2020 von -40,1 % folgt heuer ein neuerlicher Rückgang
von -3 %, um dann am Ende des Prognosezeitraums 2022 wieder um +40 % zu wachsen. Damit bleibt die Wertschöpfung in
diesen Wirtschaftsbereichen um etwa ein Fünftel hinter dem Hoch vor der Krise zurück.

Privater Konsum hinkt Erholung der Warenexporte deutlich hinterher
Die Covid-19-Maßnahmen führten zu einem drastischen Rückgang der privaten Konsumausgaben (2020: -8,5 %). Spiegelbild-
lich führten das Zwangssparen und das konjunkturell besonders gefährliche Vorsichtssparen zu einer Verdoppelung der Spar-
quote auf 14,4 % des verfügbaren Einkommens, die im heurigen Jahr nur leicht zurückgeht (2021: 10,4 %). Somit entfällt der
private Konsum als Stütze der Konjunktur und wird sich erst bis 2022 vollständig erholen (2021: +4,5 % und 2022: +6,0 %).

Erfreuliche Entwicklungen bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
Ursprünglich ist das WIFO noch im Sommer davon ausgegangen, dass das Vorkrisenniveau der Arbeitslosenquote erst 2025
erreicht werden wird. Doch sowohl der Einbruch als auch die Erholung sind historisch einzigartig, sodass die nationale Ar-
beitslosenquote bereits 2022 auf das Vorkrisenniveau von 7,4 % sinkt. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen wird dann mit
308.000 nur noch um wenige Tausend über dem Niveau von 2019 liegen. Die steigende Zahl der Langzeitarbeitslosen darf
im Aufschwung nicht zurückgelassen werden. Eine umfassende Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche durch das Arbeits-
marktservice könnte dazu beitragen.

1   Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, 8. Oktober 2021.

                                                                                                      Branchenreport.2021 │ 17
Bruttoinlandsprodukt (BIP): Gesamtwert aller Güter, die innerhalb eines Jahres in einer Volkswirtschaft hergestellt wurden
    abzüglich der Vorleistungen.
    Private Konsumausgaben: Wert der Waren und Dienstleistungen, die inländische Haushalte für den Verbrauch kaufen.
    Verbraucherpreisindex (VPI): Maßstab für die allgemeine Preisentwicklung (Inflation). Die Grundlage bildet ein Warenkorb,
    der Waren und Dienstleistungen beinhaltet, die ein durchschnittliches Verbraucherverhalten repräsentieren.
    Sparquote: Anteil am verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, der gespart wird.
    Realeinkommen: wird um die Preisentwicklung bereinigt und ist ein Indikator für die Kaufkraft des Einkommens.
    Verfügbares Einkommen privater Haushalte: Summe der regelmäßigen Einkommen aller Mitglieder eines Haushaltes nach
    Abzug aller direkten Abgaben (z.B. Lohnsteuer) und Hinzurechnung aller Geldleistungen, die durch den Staat an den Haus-
    halt gehen (z.B. Arbeitslosengeld).
    Lohnstückkosten: Hier werden die Arbeitnehmer:innenentgelte dem Bruttoinlandsprodukt gegenübergestellt.

                          WIFO Konjunkturprognose vom Oktober 2021 - Veränderung gegen das Vorjahr in Prozent
                                                                           2018           2019          2020           2021             2022
         Bruttoinlandsprodukt
              Wirtschaftswachstum Österreich, nominell                          +4,3           +3,1         -4,6              +6,6             +7,4
              Wirtschaftswachstum Österreich, real                              +2,5           +1,5         -6,7              +4,4             +4,8
              Wirtschaftswachstum Deutschland, real                             +1,1           +1,1         -4,6              +2,7             +5,0
              Wirtschaftswachstum EU 27, real                                   +2,1           +1,8         -5,9              +4,9             +4,7
              Wirtschaftswachstum Euro-Raum, real                               +1,9           +1,5         -6,3              +4,8             +4,7
              Wirtschaftswachstum USA, real                                     +2,9           +2,3         -3,4              +6,1             +4,0
         Stundenproduktivität in der Gesamtwirtschaft                           +0,5           -0,1        +2,1               -1,9             +0,9
         Stundenproduktivität in der Herstellung von Waren                      +1,9           -0,1         -0,8              +2,1             +3,0
         Private Konsumausgaben, real                                           +1,1           +0,7         -8,5              +4,5             +6,0
         Bruttoanlageinvestitionen, real                                        +4,4           +4,8         -5,2              +8,2             +4,1
              Ausrüstungen                                                      +3,4           +5,5         -6,5           +10,6               +5,3
              Bauten                                                            +5,6           +4,0         -3,7              +5,4             +2,6
         Bruttowertschöpfung, real
             Herstellung von Waren einschließlich Bergbau                       +4,3           +0,6         -7,0              +8,0             +3,5
             Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kfz                       +4,2           +2,0         -4,2              +6,0             +5,0
         Warenexporte, fob, real                                                +4,7           +2,7         -7,8           +12,7               +6,0
         Warenimporte, fob, real                                                +4,1           -0,0         -6,4           +13,0               +6,0
         Leistungsbilanzsaldo
              Mrd. €                                                            3,49          8,32         7,20             -3,43            -3,11
              in % des BIP                                                        0,9           2,1          1,9              -0,8             -0,7
         Verbraucherpreise                                                      +2,0           +1,5        +1,4               +2,8             +3,0
         Arbeitslosenquote
                                                                                                                                Keine Prognose:
             in % der Erwerbspersonen (laut Eurostat)                             4,9           4,5          5,4
                                                                                                                     Revision der LFS-Methodik
             in % der unselbständigen Erwerbspersonen                             7,7           7,4          9,9             8,2            7,4
         Arbeitslosigkeit in 1.000 Personen                                    312,1         301,3        409,6            337,6            307,6
         Unselbständig aktiv   Beschäftigte1                                    +2,5           +1,6         -2,0              +2,3             +1,9
         Bruttoverdienste je Arbeitnehmer:in, nominell                          +2,7           +2,9        +2,0               +1,8             +3,1
         Realeinkommen je Arbeitnehmer:in
              Brutto                                                            +0,7           +1,4        +0,6               -1,0             +0,1
              Netto                                                             +0,2           +1,4        +1,3               -1,1             -0,2
         Sparquote exkl. betrieblicher Versorgungsansprüche2                      7,0           7,9        13,9                9,8              5,4
         Lohnstückkosten, nominell
              Gesamtwirtschaft                                                  +2,4           +2,3        +7,6               -0,4             +0,4
              Herstellung von Waren                                             +1,7           +3,3        +6,2               -5,2             +0,0
         Finanzierungssaldo des Staates in % des     BIP3                         0,2           0,6         -8,3              -6,3             -1,9
1 ohne Karenz-/Kinderbetreuungsgeldbezieher:innen, Präsenzdiener und in der Beschäftigungsstatistik erfasste arbeitslose Schulungsteilnehmer:innen,
2 in Prozent des verfügbaren Einkommens – einschließlich Zunahme betrieblicher Versorgungsansprüche
3 gemäß Maastricht-Definition

                                                                                                                              Branchenreport.2021 │ 18
Aktueller Prognosenvergleich: IHS bei Aufschwung/Inflation zurückhaltender

Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) wird unter anderem von Finanzministerium, Österreichischer
Nationalbank und Sozialpartnern finanziert. Die WIFO Prognosen gelten de facto als offizielle Prognosen der Bundesregie-
rung. In Vorstand und Kuratorium des WIFO sind auch die Spitzen aller Sozialpartner vertreten. Um Auseinandersetzungen
über die bei Verhandlungen zugrunde zu legenden Prognosen zu vermeiden, gilt die WIFO Prognose als Konsens der Sozial-
partner über die künftige Entwicklung. Die weiteren Prognosen sind somit eher als Zusatzinformation über alternative Sicht-
weisen zur Wirtschaftsentwicklung zu sehen.

Die rezenteren Prognosen rechnen mehrheitlich mit einem kräftigen Konjunkturaufschwung in den Jahren 2021 und 2022.
Mittlerweile sind sich alle Institutionen einig, dass Österreichs Vorkrisenniveau spätestens Ende 2022 erreicht werden wird.
Die Unterschiede in den Prognosen sind zum Teil auch unterschiedlichen Prognosezeitpunkten geschuldet, die mit einem
unterschiedlichen Wissensstand verbunden sind. Aufgrund steigender Rohstoffpreise (insb. Gas, Strom, aber auch Eisenerze,
Eisen und Stahl, usw.) erwarten sowohl das WIFO als auch das IHS einen Preisauftrieb, der das Inflationsziel der EZB von
2 % im Jahr 2021 und 2022 übersteigt.

                 BIP-Wachstumsprognosen in Österreich (in %, real)                         Inflationsprognose für Österreich (VPI-Anstieg in %)
                                  2020                 2021                2022                 2020                2021                 2022
      WIFO (10/2021)                       -6,7               +4,4                 +4,8                +1,4                 +2,8                +3,0
         IHS (10/2021)                     -6,7               +4,5                 +4,5                +1,4                 +2,6                +2,3
      OeNB (06/2021)                       -6,7               +3,9                 +4,2
         EU (11/2021)                      -6,7               +4,4                 +4,9
      OECD (05/2021)                       -6,7               +2,5                 +4,1
Quellen: WIFO-Prognose vom 8. Oktober 2021; IHS-Prognose vom 8. Oktober 2021 (vierteljährliche Revision); OeNB: Prognose vom Juni 2021 (halbjährliche
Revision); EU: Herbstprognose der Europäischen Kommission vom November 2021 (vierteljährliche Revision); OECD: Economic Outlook Nr. 109 vom Mai 2021
(halbjährliche Revision). Zahlen in Klammer stellen jeweils das Lockerungsszenario der Institute dar.

Inflation: Rohstoffe und Energie treiben Inflation deutlich über 2 %-Ziel

Unter Inflation versteht man eine allgemeine und andauernde Erhöhung des Preisniveaus. Das andauernde Sinken des Preis-
niveaus nennt man Deflation.

Die Inflationsrate für Oktober 2021 lag laut Statistik Austria bei 3,7 % (September 2021: 3,3 %). Der Indexstand des Ver-
braucherpreisindex 2020 (VPI 2020) betrug im Oktober 2021 104,1. Gegenüber dem Vormonat September 2021 stieg das
durchschnittliche Preisniveau um 0,6 %.

Mit 3,7 % erreichte die Inflation im Oktober den höchsten Wert seit 13 Jahren. Hauptverantwortlich dafür waren weitere,
markante Preisschübe bei den Treibstoffen und beim Heizöl, gerade im Vergleich zu den niedrigen Preisen von vor zwölf
Monaten. Eher moderat entwickelten sich hingegen die Nahrungsmittelpreise.

                        Spezielle Preistreiber, in %                                              Spezielle Preissenker, in %
Dieseltreibstoff                                                     34,8 Mobiltelefonie                                                          -4,9
Superbenzin                                                          29,3 Nichtärztliche Dienstleistungen                                         -4,9
Elektrischer Strom                                                   10,2 Übernachtung im Ausland                                                 -1,2
Heizöl extra leicht, Großabnahme                                     60,8 Wohnungsmiete                                                           -1,7
Profilholz                                                           53,9 Mobiltelefongerät                                                       -6,7
Quelle: Statistik Austria

                                                                                                                         Branchenreport.2021 │ 19
Arbeitsmarkt: Positive Signale vor Winter-Lockdown

Arbeitsmarktzahlen werden monatlich veröffentlicht – hier sind die letzten verfügbaren Werte aufgeführt: Im Oktober 2021
stieg die Beschäftigung im Vorjahresvergleich um gut 108.000 (+2,9 %). Damit wurde auch im Oktober das Vorkrisenniveau
um 63.000 (+1,7 %) übertroffen. Im April 2021 war die Beschäftigung noch um -20.000 oder -0,53 % unter den Wert von
2019 gelegen. Der Beschäftigungsrückgang während des ersten Lockdowns lag im März und April zunächst bei knapp 190.000,
um sich dann langsam wieder zu erholen. Seit Oktober 2020 kam es zu einer erneuten Beschäftigungsabnahme im Vorjahres-
vergleich aber mit dem Monat März 2021 scheint eine Besserung eingetreten zu sein. Ab dem dritten Quartal dieses Jahres
war die Arbeitsmarktentwicklung dann sehr dynamisch zum Besseren hin. Die Zahl der Arbeitslosen lag im Oktober 2021
um 88.900 (-24,8 %) unter dem Vorjahreswert, und auch 18.500 unter dem Wert des Jahres 2019. Die Zahl der Schulungs-
teilnehmer:innen lag im August um 6.300 über dem Vorjahresniveau, was den Rückgang der registrierten Arbeitslosen ge-
ringfügig relativiert.

Die geringfügige Beschäftigung ist gegenüber dem Vorjahr um 11.200 auf gut 334.000 (+3,4 %) gestiegen.

Die Zahl der beim AMS gemeldeten offenen Stellen ist gegenüber dem Vorjahresmonat um 47.500 auf gut 112.000 gestie-
gen. Damit stellen die drei letzten Monate einen bisher nie erreichten Rekordwert dar. Der Stellenandrang, also die Zahl
der Arbeitslosen je offener Stelle ist gegenüber dem Vorjahr deutlich gefallen.

Die hier angeführten Zahlen beinhalten bei den Arbeitslosen auch die Schulungsteilnehmer:innen, bei den Beschäftigten
werden die Karenz-/Kindergeldbezieher:innen und die Präsenzdiener, deren Beschäftigungsverhältnis aufrecht ist, nicht mit-
gezählt. Die hier berechnete Arbeitslosenquote ist daher größer als die vom AMS ausgewiesene (in Klammern), und die
Differenz ist bei den Frauen größer als bei den Männern. Die Zahl der Arbeitslosen je offener Stelle ist aus demselben Grund
höher als die vom AMS ausgewiesene.

  Arbeitsmarkt                                           Okt. 2017           Okt. 2018         Okt. 2019           Okt. 2020         Okt. 2021

                                            Frauen             1.631.855         1.664.938           1.688.035          1.672.806        1.722.278

                                            Männer             1.976.572         2.022.372           2.047.898          2.022.407        2.081.984
  Unselbständig Beschäftigte ohne
  Karenzierte und Präsenzdiener             ∑                  3.608.427         3.687.310           3.735.933          3.695.213        3.804.262

                                            Δ in %                2,32 %             2,19 %              1,32 %           -1,09 %            2,95 %

                                            Frauen             1.631.855         1.664.938           1.688.035          1.672.806        1.722.278

                                            Männer             1.976.572         2.022.372           2.047.898          2.022.407        2.081.984
  geringfügig Beschäftigte
                                            ∑                  3.608.427         3.687.310           3.735.933          3.695.213        3.804.262

                                            Δ in %                2,32 %             2,19 %              1,32 %           -1,09 %            2,95 %

                                            Frauen               186.311           178.301             172.698           205.919           166.299
  Arbeitslose                                                    206.718           187.252             181.328           218.816           174.843
                                            Männer
  inkl. Schulungsteilnehmer:innen
                                            ∑                    393.029           365.553             354.026           424.735           341.142

                                            Frauen        10,2 % (7,9 %)       9,7 % (7,6 %)       9,3 % (7,2 %)    11,0 % (8,9 %)     8,8 % (6,7 %)
  Arbeitslosenquote inkl.
  Schulungsteilnehmer:innen                 Männer          9,5 % (7,8 %)      8,5 % (7,1 %)       8,1 % (6,9 %)     9,8 % (8,5 %)     7,7 % (6,4 %)
  (lt. AMS) in %
                                            ∑               9,8 % (7,9 %)      9,0 % (7,3 %)       8,7 % (7,0 %)    10,3 % (8,7 %)     8,2 % (6,5 %)

  Jobandrang, Arbeitslose und Schu-
  lungsteilnehmer:innen je offener          ∑                    6,6 (5,3)         5,0 (4,0)           4,6 (3,8)         7,3 (6,2)         3,0 (2,4)
  Stelle (lt. AMS)

Quelle: BMA-Bali Datenbank, Hauptverband der Sozialversicherungsträger, AMS, eigene Berechnungen

                                                                                                                         Branchenreport.2021 │ 20
GERECHTIGKEIT #FÜRDICH

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