CORPORATE LEARNING 4.0: ÜBERALL UND JEDERZEIT - HaysWorld
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Von Kirstin von Elm
CORPORATE LEARNING 4.0:
ÜBERALL UND JEDERZEIT
Im Zeitalter der Digitalisierung wird berufliche Weiterbildung von der Kür zur Pflicht.
Zugleich können digitale Technologien das lebenslange Lernen erleichtern und klassische
Lehr- und Lernmethoden wirkungsvoll ergänzen.
Lernen auf Vorrat aus dicken Handbüchern ist für die für die jeweilige Aufgabe auf den erforderlichen Stand zu
Servicetechniker des Maschinenbauers Werner & Pfleiderer bringen. Über mobile Endgeräte wie Tablet oder Smartphone
Lebensmitteltechnik nicht mehr angesagt. Fehlendes stellt ihnen die Plattform die relevanten Lerninhalte zum
Know-how können sie sich bei Bedarf direkt im Einsatz richtigen Zeitpunkt bereit. Das System berücksichtigt dabei
beim Kunden aneignen. Das Stuttgarter Unternehmen ist nicht nur ihre Rolle (externer Anwender oder interner Service-
auf handwerkliche und industrielle Backtechnik speziali- mitarbeiter) und ihren aktuellen Lernstand, sondern auch
siert, zur Produktpalette gehören beispielsweise Öfen, ihren Standort: Kleine Bluetooth-Sender (Beacons) an den
Teigmaschinen oder Brötchenbackanlagen. Die unter- Maschinen erkennen, wenn sich ein Nutzer in der Nähe
schiedlichen Maschinen müssen programmiert, gereinigt befindet, und bieten ihm eine individuelle Zusammenstel-
und gewartet werden. Viele Aufgaben übernehmen vom lung der zur Maschine gehörenden Lernmedien an.
Hersteller geschulte Mitarbeiter der jeweiligen Bäckerei
betriebe selbst, für andere Fälle, etwa Störungen, fordern „Die Mitarbeiter lernen situativ am Arbeitsplatz und erhalten
die Kunden einen Techniker aus Stuttgart an. just in time und on the job genau die Inhalte, die sie gerade
zur Bewältigung ihrer Aufgabe benötigen“, erklärt Dr. Patrick
Blum, Geschäftsführer der inside-Unternehmensgruppe.
„Hallo, Herr Jung, hier ist Maschine 12.34“ Der Aachener E-Learning-Dienstleister betreut Kunden aus
allen Branchen, darunter auch Werner & Pfleiderer. „Es gibt
Seit Kurzem unterstützt ein innovatives E-Learning-Tool die eigentlich keine Branche, für die E-Learning nicht geeignet
unterschiedlichen Zielgruppen dabei, ihr Wissen passgenau ist“, sagt Blum.
HaysWorld 01/2020 | 9Online weiterlesen auf haysworld.de: Wie
die Digitalisierung das Corporate Learning
verändert – ein Interview mit dem Bildungs-
experten Prof. Dr. Peter Dehnbostel.
Mobile Lernplattformen bieten
jedem Anwender das individuell
benötigte Wissen in leicht konsu-
mierbaren, bedarfsgerechten
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Häppchen.
E-Learning für mehr Motivation Bring your own device
Tatsächlich nutzt laut einer aktuellen Studie des Branchen- Mit seiner mobilen Lernplattform, die jedem Anwender
verbands der deutschen Informations- und Telekommuni das individuell benötigte Wissen in leicht konsumierbaren,
kationsbranche Bitkom knapp die Hälfte aller Unternehmen bedarfsgerechten Häppchen bietet, ist das 140 Jahre alte
E-Learning bereits in der Aus- und Weiterbildung oder Traditionsunternehmen Werner & Pfleiderer in dieser Hinsicht
plant dieses konkret. Als Hauptvorteile werden zeitliche bereits gut gerüstet. Auch die deutsche Gastronomiekette
und örtliche Flexibilität genannt, aber auch die Möglichkeit, L’Osteria nutzt eine mobile App, um in ihren europäischen
individuelle Kursinhalte in standardisierter Qualität anzu Restaurants eine einheitliche Trainings- und Servicequalität
bieten, und das Motivationspotenzial: Mehr als jedes zweite zu schaffen. Weil dort die wenigsten Mitarbeiter einen PC-
Unternehmen, das bereits digitale Lernangebote nutzt oder Zugang haben, dürfen sie ihre privaten Mobilgeräte zum
konkret einführen will, ist laut Bitkom-Report der Ansicht, Lernen während der Arbeit nutzen (bring your own device).
dass E-Learning das selbst organisierte und lebenslange Die App bietet dabei unterschiedliche Zugänge, um benö-
Lernen im Betrieb fördert. Denn das wird durch den digi tigtes Wissen wie Informationen zu Produkten, Rezepturen
talen Wandel zunehmend zur Notwendigkeit: „Je digitaler oder verschiedenen Arbeitsbereichen zu erlangen: Zum
die Arbeitswelt ist, desto mehr gibt es bei der Arbeit auch einen können die Mitarbeiter über Funktionen wie Volltext-
zu lernen“, sagt Prof. Dr. Peter Dehnbostel. An der TU Dort- suche, Favoriten oder Verlauf gezielt nach Inhalten suchen.
mund forscht und lehrt er zu den Schwerpunkten Berufliche Zum anderen stellt das Unternehmen kleine interaktive
Weiterbildung und Betriebliches Bildungsmanagement. Lerneinheiten und Onlinetests bereit. Für jede erfolgreich
Unternehmen müssten eine gelebte Weiterbildungskultur abgeschlossene Station gibt es eine virtuelle Trophäe. Füh-
schaffen, in der das Lernen am Arbeitsplatz zur Normalität rungskräfte können sich jederzeit einen aktuellen Überblick
wird, betont er. über den Qualifizierungsstand ihrer Mitarbeiter verschaffen.
10 | HaysWorld 01/2020Bei den Mitarbeitern komme die Lern-App gut an, sagt Planspielen BuGaSi setzt bewusst auf Blended Learning,
Michael Frötschl, bei L’Osteria in München für die Personal- also einen Mix aus klassischem Präsenzseminar und digitaler
entwicklung verantwortlich. Auch das Unternehmen ist zufrie- Simulation. Bei Fort Fantastic treten die Schulungsteilneh-
den: Der Trainingsaufwand und die Time-to-Competence mer persönlich in kleinen Teams gegeneinander an, um die
sänken, durch effizientes Onboarding und kontinuierliche, Performance eines fiktiven Freizeitparks zu verbessern.
transparente Qualifizierung werde die Expansionsstrategie „Es handelt sich um ein hybrides Tool, das darauf ausgelegt
zudem optimal unterstützt, so Frötschl. ist, dass Menschen vis-à-vis miteinander kommunizieren und
zusammenarbeiten, um wichtige Soft Skills wie Teambuilding,
Führung oder soziale Kompetenz zu trainieren“, sagt Marc
Lernen bleibt sozial Weißel, der die Seminare als Spielleiter und Trainer begleitet.
Nach Einschätzung Personalverantwortlicher werden digi- Last, but not least erleichtert die fortschreitende Digitali
tale Lernangebote in der betrieblichen Weiterbildung in sierung und Vernetzung den unternehmensweiten direkten
den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen Austausch von Wissen. Dieser wichtige Trend wird als Social
(vgl. dazu die Ergebnisse des HR-Reports 2020, der auf Learning bezeichnet. Ist im Unternehmen transparent, wer
S. 28 f. besprochen wird). Doch trotz der neuen digitalen was weiß, können Mitarbeiter anhand von Expertise, Interes
Freiheit, sich individuell und selbstgesteuert weiterzubilden, sen oder beruflichen Bedürfnissen eigenständig entscheiden,
wann und wo man will, wird das Lernen nicht zur einsamen zu welchen Themen sie sich mit wem austauschen möchten,
Angelegenheit. Ganz im Gegenteil: „Lernprozesse sind sozi- und zwar unabhängig von Abteilungsgrenzen oder Hierarchie
ale Prozesse“, sagt Dr. Daniel Schütt, Mitgründer und Vor- ebenen. Neue Methoden wie Learning out loud fördern dieses
stand von Masterplan.com. Das Bochumer Start-up hat vernetzte Lernen im Unternehmen. Dabei treffen sich Gleich-
einen Videogrundkurs für digitale Kompetenzen entwickelt, gesinnte über einen längeren Zeitraum, definieren Lernbedarfe
der unter anderem bei Siemens, der Deutschen Bahn oder und produzieren passend dazu selbst kleine Lerneinheiten
der Otto Group im Einsatz ist. Natürlich könne man sich die für die beteiligten Kollegen. Jeder ist also Lerner und Leh-
Lerneinheiten alleine und sogar offline in der Bahn oder im render zugleich, was für eine hohe Relevanz und Akzeptanz
Flieger anschauen, tatsächlich würden sich die Mitarbeiter der Lerninhalte sorgt. „Die Zukunft des Lernens wird viel-
aber meist in physischen oder virtuellen Lerngruppen orga- seitiger sein als heute. Die eine ultimative Lernmethode gibt
nisieren und anhand der Kursinhalte gemeinsam konkrete es nicht“, sagt Digitalisierungsexperte Schütt: „Fest steht
Ziele und Schritte für ihr Team erarbeiten, hat Schütt fest- jedoch, dass jedes Unternehmen zur Bildungseinrichtung
gestellt. Auch der Anbieter von digitalen Management- werden muss.“
Trotz der neuen digitalen Freiheit,
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sich individuell weiterzubilden,
wird das Lernen nicht zur einsamen
Angelegenheit.
HaysWorld 01/2020 | 11Sie können auch lesen