Die Räume der Bibliothek vorbildlich, das - Die Gründung der Österreich-Bibliotheken aus dem Geist

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Stefan Maurer

          „Die Räume der Bibliothek vorbildlich, das
                     Interesse enorm“
    Die Gründung der Österreich-Bibliotheken aus dem Geist
                     des Kalten Krieges

           I

„In Wien erfand ich 1988 fürs Außenamt die ‚Österreich-Bibliotheken‘, […]
deren 37 es jetzt in den postkommunistischen Ländern gibt“,1 schreibt Wolfgang
Kraus im Jahr 1995 an François Bondy. Bondy, Redakteur der Preuves und Mit-
glied des Exekutivkomitees des „Kongress für kulturelle Freiheit“, war während
der 1960er Jahre für Kraus ein wichtiger Kontakt, der ihm die Finanzierung
sowie Konzeption eines von Wien aus geführten kulturellen Kalten Krieges er-
möglicht hatte.2
   Bis 2017 hatte sich das von Kraus entwickelte Konzept der Österreich-
Bibliotheken, deren erste als kleiner Lesesaal in der Universitätsbiblio-
thek Krakau realisiert worden war, in rascher Folge zu einem insgesamt 65
Institutionen in 25 Staaten umfassenden Netzwerk entwickelt, die stets an
Universitäten und Forschungsinstitute angebunden sind und als Plattform für
regen wissenschaftlichen Austausch fungieren.3 Die Österreich-Bibliotheken
stellen die Textbasis für eine „fundierte wissenschaftliche Auseinander-
setzung mit dem Staat Österreich, seiner Geschichte, Kultur und Literatur zur
Verfügung“;4 ferner werden die aktuellen Bücher österreichischer Autorinnen
und Autoren dort durch Lesungen einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Ob-
wohl die Österreich-Bibliotheken bereits Thema einiger kurzer Darstellungen
waren,5 sind sie innerhalb des Kontextes der österreichischen Auslandskultur-
politik und des Kalten Krieges noch nicht ausführlich behandelt worden.
Auch hier würde eine erschöpfende Behandlung dieser Institution den ge-
geben Rahmen sprengen, weshalb im Folgenden eine kurze Beschreibung
einiger historischer Kontexte erfolgen sowie das allgemeine Konzept und

1   	Kraus 1995.
2   	Vgl. Maurer 2016, S. 209-230. Zu Bondy vgl. Ackermann 2000, S. 77-84.
3   	Vgl. http://www.oesterreich-bibliotheken.at/ [Zuletzt eingesehen am: 29.08.2017]
4   	Müller 2012, S. 202.
5   	Vgl. Buchhart 1992, S. 191-193; Zelenka 1993, S. 143-146; Strebl 1995, S. 381-389; Dollinger 2004,
      S. 479-481.

© Wilhelm Fink Verlag, 2020 | doi:10.30965/9783846764404_016                           Stefan Maurer - 9783846764404
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die Gründungsphase aus der Perspektive des daran maßgeblich beteiligten
Akteure dargestellt werden soll.
   Der Literatur- und Kulturpolitiker Wolfgang Kraus (1924-1998) war als
Gründer und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Literatur (ÖGL)
nicht nur mehrere Jahrzehnte lang einer der zentralen Literaturmanager der
Zweiten Republik, sondern auch ein begnadeter Netzwerker, dessen Kontakte
von Akteuren des literarischen Feldes über die Politik und die österreichische
Ministerialbürokratie bis hin zu Persönlichkeiten aus Kirche und Industrie
reichten. Aufgrund seiner Omnipräsenz im Literaturbetrieb und seiner zahl-
reichen Ämter – unter anderem als Konsulent des Europa Verlags und als
Leiter einer im österreichischen Außenministerium beheimateten Kultur-
kontaktstelle, die von 1975 bis 1981 die Programmierung der österreichischen
Kulturinstitute im Ausland verantwortete, – wurde seine Position innerhalb
des literarischen Feldes immer wieder kritisiert.
   Seit 1956 als freier Journalist tätig, unternahm Kraus regelmäßig Reisen in
die nicht-deutschsprachigen Länder des real existierenden Sozialismus, um
dort ein umfangreiches Netzwerk zu knüpfen, das russische Germanisten
wie Lew Kopelew und Efim Etkind ebenso wie Autoren (zum Beispiel Joseph
Brodsky) umfasste.6 1961 gründete er mithilfe des Unterrichtsministeriums
die ÖGL, welche neben regelmäßigen literarischen Veranstaltungen auch
ein Knotenpunkt der Kontaktpflege mit den Oststaaten war. In der zweiten
Hälfte der 1960er Jahre fanden drei große Ost-West-Kongresse statt, die auch
international für Aufsehen sorgten.7 Kraus steuerte damit ein zentrales Relais
des österreichischen Literaturbetriebs. Der offizielle Auftrag, die kulturellen
Kontakte mit den Nachbarländern zu pflegen, also mit jenen ‚Nachfolge-
staaten‘ der Donaumonarchie, die nach 1945 hinter dem Eisernen Vorhang
lokalisiert waren, entsprach einem zentralen, von führenden Intellektuellen
der Zweiten Republik mit Nähe zur ÖVP prolongierten Diskurs, der um ein
gemeinsames (fiktives) ‚Mitteleuropa‘ zentriert war. Darin lag ein Strategem,
welches die Fronten des Kalten Krieges transzendierte, Österreichs neutrale
Position in Europa widerspiegeln und einen gemeinsamen kulturellen
Traditionszusammenhang begründen sollte.8
   In nuce trägt bereits das Subventionsansuchen der ÖGL an das
Bundesministerium für Unterricht im Jahr der Gründung die Idee zu den

6 	Für Joseph Brodsky, der 1972 die Sowjetunion verlassen musste, war die ÖGL eine erste
    Anlaufstation auf seiner Emigration über Westdeutschland in die USA. Vgl. Loseff 2010,
    S. 168-172.
7 	Vgl. Ebel/Englerth 2014, S. 68.
8 	Zum Mitteleuropa-Diskurs vgl. Le Rider 2008, S. 139-146 und Brix 2011, S. 200-211.

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Österreich-Bibliotheken in sich. Verschiedenste Institutionen auf der ganzen
Welt wie „germanistische Seminare, Universitätsbibliotheken, Rundfunk-
stationen, Theater und Theatervereine, Professoren, Dozenten, Dissertanten
etc[.] [sollten] laufend Werke über Österreich, seine Literatur und Kunst zu-
gesandt“9 bekommen. Zahlreiche Buchpakete fanden dadurch ihren Weg
in den Osten, verstärkt auch österreichische Literatur und die offiziösen
Literaturzeitschriften Wort in der Zeit und deren Nachfolgerin Literatur und
Kritik, deren Redaktionsräume sich in der ÖGL befanden.

         II

Dürften die Bestrebungen der ÖGL im Rahmen der österreichischen Ost-
politik zunächst noch im Zeichen der ‚Auslandskulturpropaganda‘ gestanden
haben, fand die ÖGL bald als Instrument von US-Agenturen des Kalten
Krieges Verwendung. Denn durch die unmittelbare geographische Nähe zu
den Ländern Osteuropas war Wien während des Kalten Krieges eine zentrale
Drehscheibe des „Book Distribution Program“ des International Literary
Center in New York, einer Organisation, die indirekt über ein weit verzweigtes,
transatlantisches Netzwerk von Buch- und Zeitschriftenverlagen sowie unver-
dächtigen kulturellen Organisationen wirkte. Dieses Programm nahm einen
zentralen Platz in der heimlichen Propaganda der CIA ein, die bereits früh
erkannt hatte, dass Bücher sich besonders als Propagandamedien eigneten.10
   Der Kontakt zwischen der ÖGL und George C. Minden, einem poly-
glotten Exil-Rumänen britischer Nationalität, der nach der kommunistischen
Machtübernahme das Land verlassen und in Großbritannien studiert hatte,
lässt sich ab zirka 1964 belegen. In den USA arbeitete Minden beim „Free
Europe Committee“ (FEC) und avancierte 1961 zum Direktor des neu ge-
gründeten „Communist Bloc Operations Department“ des FEC, wo er
das gesamte Management und die Operationen des Buchversendungs-
programms übernahm.11 Es wurden Bücher an Schlüsselpersonen, Biblio-
theken, Forschungsinstitutionen, kulturelle Organisationen, Universitäten
und Schulen in insgesamt sechs Ländern des Warschauer Paktes versandt, und
zwar mit der Zielsetzung, die Wahrnehmungen, Ansichten sowie Erwartungen
bezüglich des Westens, vor allem der politischen und intellektuellen Elite,
positiv zu beeinflussen. Insgesamt wurden circa 10 Millionen Bücher durch

9 		Kraus 1961.
10 	Vgl. Saunders 2001, S. 225.
11 	Vgl. Reisch 2013, S. 39-54.

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den „Eisernen Vorhang“ geschleust, trotz vergeblicher Abwehrversuche der
sowjetischen Zollbeamten und Zensoren.
   In dieses Programm waren zahlreiche österreichische Organisationen in-
volviert, darunter auch – als wichtiges Instrument der Ostpolitik Österreichs,
das zwischen den Rollen des „ehrlichen Vermittlers“ und des „Doppelagenten“
oszillierte,12 – die ÖGL. Vor Ort in Wien erhielten Besucher aus Osteuropa eine
Liste mit Literatur, die in der Sowjetunion verboten oder nicht erhältlich war
und wurden dann in Richtung der Buchhandlung geleitet, die sich am Graben
im ersten Wiener Gemeindebezirk befand, um diese Bücher in Empfang zu
nehmen.
   Während dieser Dekaden gingen zahlreiche Personen im Osten sowie im
Westen große Risiken ein,13 weswegen Minden gezwungen war, mit Diskretion
vorzugehen und diese Aktivitäten geheim zu halten. Um die ÖGL im Osten
nicht zu diskreditieren, mussten Kraus und seine Mitarbeiter bei den Versand-
aktionen „die österreichischen Autoren als Rückendeckung“ verwenden, denn
er war sich darüber im Klaren, dass, „wenn wir einmal in ein schiefes Licht ge-
raten“,14 die Bücher von der Zensur nicht mehr durchgelassen werden würden.
In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre sollte sich die Idee, losgelöst von den
Kontexten der psychologischen Kriegsführung, wie sie Mindens Programm
mobilisierte, dem gemeinsamen Kulturraum unter literarischen, kulturellen,
historischen und wissenschaftlichen Aspekten zuwenden und den Osten mit
Austriaca zu versorgen, durch Kraus sozusagen nationalisiert und mit staat-
lichen Geldern finanziert werden. In seiner Rolle als Vermittler zwischen den
Kulturräumen Europas arbeitete Kraus mithilfe des damals nur innerhalb
liberaler Kreise der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) populären Konzepts
‚Mitteleuropa‘ in dialogischer Form daran mit, den „Eisernen Vorhang“
permeabel zu machen und nach dem Zerfall der Sowjetunion den Kulturtrans-
fer mit den Regionen, die im Einzugsbereich der ehemaligen k. u. k. Monarchie
gelegen waren, lokal vorzunehmen.

          III

Als ein anderer Vorläufer des Konzepts Österreich-Bibliothek kann die ab
1977 laufende Buchaktion des Bundesministeriums für Auswärtige An-
gelegenheiten gelten, in deren Rahmen „Universitäten, Wissenschafts- und

12 	Vgl. Rathkolb 1995.
13 	Vgl. Reisch 2013, S. 305.
14 	Kraus 1968.

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Bildungs-Institutionen des Auslandes mit Werken österreichischer Autoren
und über österreichische Themen“15 versorgt wurden. Eine wichtige Voraus-
setzung für die Etablierung der Österreich-Bibliothek waren darüber hinaus
die seit 1987 entstandenen Abkommen Österreichs mit 20 Staaten, darunter
der ČSSR, der DDR, Jugoslawien, Polen, Rumänien, der UdSSR und Ungarn,
die auf dem Gebiet der Kultur, des Bildungswesens und der Wissenschaft Ver-
einbarungen für Zusammenarbeit enthielten.16
   Die Gründung der Österreich-Bibliotheken war Kraus’ letzter und nach-
haltiger kulturpolitischer Coup, der seine Bemühungen, das Ausland im großen
Stil mit österreichischer Literatur zu versorgen, quasi lokal bündelte. Die kurz
vor dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ erfolgte Konzeption und Etablierung
dieser Bibliotheken, die der damalige österreichische Außenminister Alois
Mock als „wertvollen Beitrag zum regionalen Kulturaustausch“17 bezeichnete,
war ein Projekt, das nahtlos an die kulturellen Aktivitäten im Kalten Krieg an-
schloss. Kraus hätte mit den Österreich-Bibliotheken, so Mock, „der Kultur-
geschichte Mitteleuropas ‚ein Kapitel der Öffnung, der Solidarität und der
Glaubwürdigkeit‘ hinzugefügt“.18 Bis 1998 gab es bereits 40 dieser Institutionen
in den Ländern Ost-, Mittel- und Südosteuropas.19
   Zum Förderrahmen dieser Bibliotheken, die als Standort für Kongresse,
Lesungen österreichischer Autorinnen und Autoren, wissenschaftlicher Vor-
träge, Buchpräsentationen sowie Ausstellungen Verwendung finden, und
überwiegend die österreichische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts sowie
die dazugehörige Sekundärliteratur versammeln, gehört auch zu jeder Biblio-
thek ein Stipendium, das mit einem mehrwöchigen Forschungsaufenthalt in
Österreich verbunden ist.
   Den Einfall zu diesen österreichischen Kulturinstituten en miniature hatte
Kraus im Oktober 1988 in Bratislava während eines Spaziergangs mit dem
tschechoslowakischen Germanisten Zdeněk Mareček.20 Die ursprüngliche
Anregung, Bibliotheken, die mit österreichischer Literatur ausgestattet waren,
in den Ländern des realen Sozialismus einzurichten, die sich seit 1988/1989 in
einem Stadium des Übergangs hin zur Demokratie und freien Marktwirtschaft
befanden, trug Kraus mit Hilfe des Ministerialbeamten Bernhard Stillfried,
dem damaligen Leiter der kulturpolitischen Sektion im Außenministerium,
an den damaligen Bundesminister für Auswärtige Angelegenheiten, Alois

15   	Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten 1989, S. 368.
16   	Vgl. Kampits 1990, S. 33.
17   	Mock 1994.
18   	Anonym 1996.
19   	Vgl. http://oesterreich-bibliotheken.at/chronik.php [zuletzt abgerufen am 1.9.2015].
20   	Kraus o. D.

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Mock, heran. Die Bedingungen für die Implementierung des Projekts waren
in vier Punkte gegliedert: (1) Die Eingliederung der Österreich-Bibliotheken im
jeweiligen Land sollte in eine „funktionierende akademische bzw. öffentliche
Bibliothek“21 erfolgen; (2) die Räumlichkeiten zur Unterbringung der öster-
reichischen Bücher, welche als Spende übergeben werden, sollten kostenlos zur
Verfügung gestellt werden; (3) die Möglichkeit einer öffentlichen Benutzung
sollte bestehen und (4) die österreichischen Bücher sollten durch das jeweilige
Bibliothekspersonal betreut werden.
   Zunächst wurde ein kleiner Lesesaal in Krakau eingerichtet, aber bereits zwei
Jahre später erhielt das Konzept mit der Eröffnung der Österreich-Bibliothek
in Bratislava (die mittlerweile an die Universitätsbibliothek übersiedelt ist) am
26. November 1990 und am 27. November 1990 am Institut für Germanistik und
Nordistik der Masaryk-Universität Brünn eine größere Dimensionierung.
   Es wurden entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, damit
Abonnements von Zeitungen und Zeitschriften genutzt werden konnten,
und geplant war, den Bestand der Österreich-Bibliotheken einmal jährlich
durch Lieferungen von Neuerscheinungen und „dringend benötigten Werken
mit Österreich-Bezug“22 zu ergänzen. Des Weiteren wurden zur Aufrecht-
erhaltung und zum Ausbau enger fachlicher Beziehungen mit österreichischen
Institutionen und Bibliotheken Stipendien angeboten, pro Bibliothek vier
Wochen jährlich. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten wurden bis zu Kraus‘
Tod 1998 von ihm selbst ausgewählt.
   Der thematische Schwerpunkt lag an manchen Standorten eher „auf der Er-
arbeitung der gemeinsamen Geschichte“, während andere einen größer „an-
gelegten Leihbetrieb für die Bevölkerung“23 betrieben. Selbstverständlich sollten
die Österreich-Bibliotheken beziehungsweise die betreuende ausländische
Institution auch die Möglichkeit für Veranstaltungen wie Ausstellungen, Vor-
träge, Lesungen und Seminaren bieten. Für Kraus lag es „auf der Hand, daß von
österreichischer Seite vor allem Standorte von kulturell-wissenschaftlicher Be-
deutung bevorzugt werden, an denen bisher keine österreichische Vertretung
tätig“24 war, und die österreichischen Vertretungsbehörden und Kultur-
institute, in deren Amtsbereich die Österreich-Bibliotheken lagen, wurden an-
gehalten, diese in ihre reguläre Veranstaltungstätigkeit einzubinden.
   Bis 1990 wurden in rascher Folge 32 weitere Österreich-Bibliotheken ge-
gründet, bei der Auswahl der Standorte war die „kulturelle Bedeutung des

21   	Kraus 1991a.
22   	Ebd.
23   	Ebd.
24   	Ebd.

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Ortes für den jeweiligen Staat und andererseits die Anwesenheit einer deutsch-
sprachigen Bevölkerung“25 zu berücksichtigen, wobei die Grundausstattung
zwischen 3.000 und 4.000 Bände umfasste. Für Kraus erwies sich die Gründung
der Österreich-Bibliotheken im postkommunistischen Europa „als sehr wirk-
sam und begehrt“:

      Grob gesagt, stellte ich fest, daß es langsam aufwärts geht, was aber durch die
      noch viel schneller wachsende Ungeduld der so lange benachteiligten Be-
      völkerung psychologisch als völlig unzureichend, oft sogar als Rückschritt
      empfunden wird.26

Wie gezeigt werden konnte, bemühte sich Wolfgang Kraus nach dem Zu-
sammenbruch der Sowjetunion darum, die Kommunikation mit den Staaten
des ehemaligen Ostblocks in dieser Zeit des Übergangs zu stärken und Öster-
reichs Schlüsselposition im neu erstandenen ‚Mitteleuropa‘ zu betonen, wobei
sein Projekt der Österreich-Bibliothek auf ein Strategem des Kalten Krieges
zurückging, welches, in nationalisierter Form, durch die Teilfinanzierung
des österreichischen Staates weitergeführt wurde und eine wissenschaft-
liche sowie kulturelle Infrastruktur mit starkem Österreichbezug in den post-
kommunistischen Staaten erzeugte.

         Literatur

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25 	Ebd.
26 	Kraus 1991b.

                                                                              Stefan Maurer - 9783846764404
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                                                                            Stefan Maurer - 9783846764404
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Die Gründung der Österreich-Bibliotheken                                                   217

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