AUSSEN WIRTSCHAFT WIRTSCHAFTSBERICHT KOSOVO
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AUSSENWIRTSCHAFT WIRTSCHAFTSBERICHT Kosovo 1. Hj. 2021
• Wirtschaft knickt 2020 um -3% ein
• Starkes Q1 lässt für 2021 BIP-Anstieg um bis zu +6% erwarten
• Österreichs Exporte erholen sich zu Jahresbeginn vom Rückgang im Jahr 2020 (-9,1%)
• Politische Karten mit Regierung Kurti und Präsidentin Osmani neu gemischt
• Wachstumsimpulse in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Digitalisierung
Wirtschaftskennzahlen
2018 2019 20208 20219
Prognose
Nominales Bruttoinlandsprodukt in Mrd. Euro1 6,7 7,1 6,9 7,3
Bruttoinlandsprodukt/Kopf in EUR 3.740 3.970 3.896 4.180
Bevölkerung in Mio.2 1,8 1,8 1,76 1,76
Reales Wirtschaftswachstum in %3 3,8 4,9 -3,0 5,3
Inflationsrate in %4 1,1 2,7 0,2 1,5
Arbeitslosenrate in %5 29,6 25,7 26,5 26,0
Wechselkurs (kosovarische Währung ist EUR) 1,0 1,0 1,0 1,0
Warenexporte des Landes in Mrd. Euro6 0,367 0,383 0,475 0,510
Warenimporte des Landes in Mrd. Euro7 3,347 3,497 3,048 3,170
Wirtschaftsleistung des Landes, Weltwertung:10 Rang 147
Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich
2018 2019 2020 1-3/2021
Österreichische Warenexporte in Mio. Euro11 51,9 66,1 60 20 (+27%)
Österreichische Warenimporte in Mio. Euro11 8,8 5,5 5,8 2 (+175%)
Österreichische Dienstleistungsexporte in Mio. Euro12 65 19 17 4 (-20%)
Österreichische Dienstleistungsimporte in Mio. Euro12 15 29 14 2 (-67%)
Österreichische Direktinvestitionen13, Stand Dez. 2020 265 Mio.
Beschäftigte bei österr. Direktinvestitionen14: Stand 2018 ca. 870
Direktinvestitionen aus Albanien in Ö15, Stand Dez. 2020 9 Mio.
Beschäftige in Österreich bei Direktinvestitionen aus KOS16 k.A.
Wichtigster Warenexportmarkt für Österreich (2020): Rang 78
1-5 Quelle: Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), Juli 2021
6-7 Quelle: Kosovarische Nationalbank 2021
8-9 Quelle: Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), 2021
10 Quelle: Weltbank 2021
11 Quelle: Statistik Austria 2021
12, 14, 16 Quelle: Oesterreichische Nationalbank 2021
13, 15 Quelle: Central Bank of the Republic of Kosovo 2021
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1. Wirtschaftslage17
Starker Jahresauftakt Zur Jahresmitte 2021 zeichnet sich ein sehr positives Bild der kosovarischen
bringt BIP-Wachstum Wirtschaft: getragen von der starken In- und Auslandsnachfrage wuchs die
von +5,6% im Q1 2021. Wirtschaftsleistung im 1. Quartal im Jahresvergleich um 5,6%. Der private Kon-
sum legte um 7,4% zu und die Investitionen um 14,9%. Die Überweisungen der
Auslandskosovaren stiegen um 30% und auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich
eine Entspannung ab. Die Direktinvestitionen aus Deutschland, der Schweiz und
Österreich legten kräftig zu, was zum Teil bereits damit zu tun haben könnte,
dass ausländische Unternehmen im Zeichen des Nearshoring im Kosovo inves-
tieren. Die Handelsbilanz profitierte von der starken Zunahme der Güterexporte,
die von Jänner bis Mai 2021 um 62% wuchsen.
Positive Entwicklung der Die Steuereinnahmen entwickelten sich in den ersten fünf Monaten positiv. Die
Rahmenbedingungen Inflation betrug im Mai 2% und sollte sich im Jahresverlauf bei 1,5% einpendeln.
lässt für 2021 Wachstum Der Bankensektor ist stabil und finanziell gut ausgestattet. In Erwartung der
von rund 6% erwarten. Fortsetzung dieser positiven Entwicklung in den kommenden Monaten passten
die Wirtschaftsforscher ihre Prognose für das Gesamtjahr 2021 auf 6% an – mit
Luft nach oben. Die Motoren für das Wirtschaftswachstum werden weiterhin der
private Konsum und die Exporte sein. Auch die Investitionen werden mittelfristig
weiter zulegen.
Pandemie ließ die Wirt- Der Wirtschaftseinbruch aufgrund der Corona-Pandemie war 2020 mit rund -3%
schaft 2020 schrumpfen, zwar deutlich, fiel dank der bereits im 4. Quartal einsetzenden Erholung (+0,8%)
doch sind die Aussichten jedoch etwas weniger dramatisch aus als ursprünglich vorhergesagt. Entgegen
für 2021 positiv. Regie- allen Prognosen gab es während der Pandemie zudem einen Anstieg der Über-
rung verabschiedet Wie- weisungen der kosovarischen Diaspora, einen Zustrom an ausländischen Direk-
deraufbaupaket über 365 tinvestitionen und ein Wachstum der Güterexporte. Die Regierung verabschie-
Mio. Euro.
dete für 2020-2023 zudem ein Wiederaufbaupaket für 365 Mio. Euro. Davon sind
100 Mio. für Unternehmensdarlehen bestimmt, 15 Mio. für Steuerstundungen
und kurzfristige Liquiditätsmaßnahmen, 67 Mio. für den Arbeitsmarkt und 26
Mio. für die Landwirtschaft.
Arbeitsmarkt mit gerin- Die prekäre Situation auf dem Arbeitsmarkt ist auf den hohen Anteil an befriste-
ger Erwerbsquote und ten Arbeitsverträgen zurückzuführen. Mit einer Erwerbsquote von nur 29% und
hoher Arbeitslosigkeit. davon 60% mit befristeten Dienstverhältnissen ist der Arbeitsmarkt sehr ver-
Die Überweisungen der wundbar. Die Zahl der Arbeitslosen nahm 2020 auf 26,5% zu, zumal speziell be-
Auslandskosovaren wir- schäftigungsintensive Branchen wie der Einzelhandel und das Baugewerbe un-
ken ausgleichend. ter der Pandemie litten. Die Sozialleistungen des Staates sind niedrig und so
mussten sich wohl viele Kosovaren in der Schattenwirtschaft etwas dazuverdie-
nen. Das Ausmaß der Schattenwirtschaft wird auf 30 - 40% der Höhe des BIP
geschätzt. Der Anstieg der Überweisungen an Familienmitglieder aus dem Aus-
land (vor allem aus Deutschland, der Schweiz und den USA) geht Hand in Hand
mit der Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Die Überweisungen aus dem Ausland
betrugen 2020 rund 1 Mrd. Euro bzw. 15% des BIP.
Güterexport legt zu. Der Selbst wenn die Exportquote des Kosovo gering ist, ist die Zunahme der Güter-
Warenaustausch inner- exporte im Krisenjahr 2020 um ein Viertel auf 475 Mio. Euro doch bemerkens-
halb der Region wird in wert. Die Zunahme der Exporte war vor allem den Lieferungen von Metallen und
der Pandemie stärker. Metallwaren geschuldet. Die Importe sanken 2020 insgesamt um 5,7% auf 3,3
Mrd. Euro, allerdings legten die Lieferungen aus dem CEFTA-Raum deutlich zu,
nachdem der Kosovo den 100%igen Zoll auf Waren aus Serbien abgeschafft
hatte. Generell lässt sich festhalten, dass sich der Warenaustausch innerhalb
der Region seit dem Ausbruch von Covid-19 intensiviert hat.
17 Quellen: wiiw Forecast Report Spring 2021 und Raiffeisen RESEARCH Juni 2021
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Die wichtigsten Handelspartner des Kosovo bei den Güterimporten waren 2020
Wichtigste Handels-
Deutschland, die Türkei, China, Nordmazedonien und Albanien. Kosovarische
partner sind Deutsch-
land, Albanien und Nord- Exporte gingen vor allem nach Albanien, Nordmazedonien, Serbien, Deutsch-
mazedonien. land, die Schweiz und Italien. Die wichtigsten Importwaren des Kosovo sind
Nahrungsmittel und Getränke, Mineralien und Maschinen; bei den Exportpro-
dukten fallen vor allem Metalle, chemische Produkte und Gemüse ins Gewicht.
Im Gegensatz zum Güterhandel verzeichnet der Kosovo im internationalen
Beim Dienstleistungs-
austausch verdient die Dienstleistungshandel grundsätzlich ein Aktivum, wenngleich es bei der stärks-
kosovarische Wirtschaft ten Position „Reiseverkehr“ 2020 pandemiebedingt zu einer Halbierung der Ein-
Geld. Neben Tourismus nahmen auf 650 Mio. Euro kam. 2019 waren Dienstleistungsexporten von 1,7
speziell bei IT-Services. Mrd. Euro (v.a. Tourismus, IT-Services und andere Business Services) noch Im-
porte von 749 Mio. Euro (v.a. Tourismus, Transporte, andere Business Services,
Versicherungen und IT-Services) gegenübergestanden. Für 2020 lauten die bei-
den Werte 925 Mio. Euro (Exporte) und 590 Mio. (Importe).
Zufluss an FDI in Berg- Der Zufluss an FDI verstärkte sich 2020 ebenfalls. Am stärksten profitierten der
bau, Energie, Finanz und Bergbau und der Energiesektor, gefolgt von Finanzdienstleistungen und dem
Immobilien. Immobiliensektor. Die meisten FDI kamen 2020 aus Ungarn, Albanien, Deutsch-
land und der Schweiz. Der Zufluss an FDI im Energiebereich ist speziell mit dem
deutsch-kosovarisch-israelischen Joint Venture SOWI Kosovo LCC, einem Wind-
park in Mitrovica (Projektwert: 169 Mio. Euro), zu erklären. Insgesamt betrach-
tet sind neben Österreich die Türkei, die Schweiz und Deutschland große Inves-
toren.
Bankeneinlagen steigen Das Kreditgeschäft der Banken verlor 2020 etwas an Fahrt. Die Bankeinlagen
ebenso wie die Nach- stiegen 2020 um 12% auf 4 Mrd. Euro, während die Nachfrage nach Krediten
frage nach Krediten. Zahl seitens der Haushalte und Unternehmen um +7% zunahm. Zwar ist der Anteil
der notleidenden Kredite der notleidenden Kredite mit 2,7% gering, doch dürfte dieser Wert künftig an-
ist niedrig. steigen, da 70% der Unternehmenskredite den Dienstleistungssektor (Großhan-
del, Einzelhandel und Dienstleistungen) betreffen, der in der Pandemie beson-
ders stark getroffen wurde.
Staatsverschuldung liegt Das Budgetdefizit stieg 2020 pandemiebedingt auf 7,1%, womit sich auch die
bei 22% des BIP. Budget- Staatsschulden erhöhten und bei 22,1% des BIP zu liegen kamen. Für 2021 er-
defizit pandemiebedingt warten die Wirtschaftsforscher ein Budgetdefizit von 5,6% und einen Anstieg der
bei 3% des BIP. Staatsschulden auf 24,6% des BIP.
• 2. Besondere Entwicklungen
Kosovarische Regierung Der Kosovo wurde von der Covid-19 Pandemie speziell zwischen Oktober 2020
will bis Ende 2021 60% und Mai 2021 stark getroffen. Man schätzt, dass per Ende Juli 2021 insgesamt
der Bevölkerung gegen rund 110.000 Menschen an Covid-19 erkrankt und 2.300 daran verstorben sind.
Covid-19 impfen.
Seit dem Eintreffen der ersten Impfdosen Ende März wurden im Kosovo rund
375.000 Impfungen durchgeführt. Erst 118.000 Bürger sind Ende Juli voll immu-
nisiert. Die Impfkampagne basiert auf drei Säulen: COVAX-Lieferungen (bislang
rund 163.000 Dosen), die Bestellung der kosovarischen Regierung über 1,2 Mio.
Dosen Biontech-Pfizer sowie Spenden seitens anderer Länder. Die Regierung
will erreichen, dass 60% der Bevölkerung bis Ende 2021 gegen Covid immuni-
siert sind.
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Die Gespräche zwischen Nach fast zweijähriger Unterbrechung nahmen der Kosovo und Serbien auf Ver-
Serbien und Kosovo wur- mittlung der EU im Juli 2020 wieder offizielle Gespräche auf. Im September kam
den im Juli 2020 wieder es in Washington auf Initiative der USA zur Unterzeichnung eines Wirtschaftsab-
aufgenommen. Dem
kommens. Dieses sieht unter anderem die Umsetzung und Finanzierung von
Wirtschaftsabkommen
wichtigen Infrastrukturprojekten vor, die beide Länder einander näherbringen
vom September 2020
folgt hoffentlich bald sollen. Die größere Herausforderung stellt aber das politische Abkommen dar,
auch ein politisches. wofür auf beiden Seiten innenpolitische Faktoren eine ebenso große Rolle spie-
len werden wie die Westbalkan-Politik der USA, die sich unter dem neuen Präsi-
denten Biden im Gegensatz zur Regierung davor wieder aktiv einbringen und
neue Akzente setzen will. Die US-Regierung hat dem Kosovo jedenfalls bereits
Investitionen in die Infrastruktur für 1 Mrd. USD in Aussicht gestellt, was für
eine kleine Volkswirtschaft wie dem Kosovo ein enormer Impuls ist. Der Dialog
soll Mitte 2021 fortgesetzt werden.
Wahl des neuen Parla- Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die kosovarischen Parlaments-
ments und des neuen wahlen im Feber 2021 und die Hoffnung auf stabile Verhältnisse. Wie vorherge-
Staatsoberhaupts brin- sagt erzielte die links-nationalistische Vetëvendosje mit ihrem Spitzenkandida-
gen stabile Verhältnisse. ten Albin Kurti einen Erdrutschsieg (50,3% der Stimmen) und bildete die neue
Wahlkampf drehte sich Regierung. Das neugewählte Parlament wählte im April die früheren Parla-
vor allem um Themen,
mentspräsidentin Vjosa Osmani zum Staatsoberhaupt. Die Parlamentswahlen
die die Jugend bewegen,
waren für den Kosovo richtungsweisend, da sich die überwiegend junge Wähler-
wie Jobs, Reisefreiheit,
höheren Lebensstandard schaft (der Altersdurchschnitt im Kosovo beträgt 29 Jahre) einen Machtwechsel
und Chancen für die Zu- wünschte und weniger die Parteiprogramme, als vielmehr die Persönlichkeit
kunft. der Kandidaten für die Wahl einer Partei ausschlaggebend waren. Der Wahl-
kampf verlief in den Social Media rauer als in den traditionellen Medien oder auf
der Straße und drehte sich vor allem um die Themen Covid-19, (Jugend)Arbeits-
losigkeit, Bildung, Korruption und Visa-Liberalisierung, weniger aber um das
Verhältnis zu Serbien oder der EU. Die Wahlbeteiligung betrug rund 47%.
Regierungsprogramm Das Regierungsprogramm sieht viele längst überfällige Reformen vor, um die
sieht zahlreiche Refor- Wirtschaft des Kosovo zu transformieren. Kurzfristig sollen das Mindestgehalt
men vor. Infrastruktur auf 250 Euro erhöht und bis Ende 2021 60% der Kosovaren gegen Covid-19 ge-
und Digitalisierung sind impft werden. Mittelfristig will der Kosovo von den Hilfsgeldern der EU für den
Prioritäten.
Westbalkan profitieren. Um die entsprechende Mittel aus dem „Economic and
Investment Plan“ für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur abrufen zu können,
muss die Regierung eine Prioritätenliste erstellen. Darunter wird sich der 10.
Europäische Bahnkorridor von der Grenze zu Serbien im Norden über Fushë
Kosovë/Kosovo Polje bis zur Grenze mit Nordmazedonien im Süden ebenso fin-
den wie der Bau einer Bahnlinie vom Kosovo nach Albanien. Ein weiterer Teil
der Wachstumsstrategie der Regierung wird der die Ausarbeitung der digitalen
Agenda des Kosovo sein. Wenn diese Reformen umgesetzt werden, kann der
Kosovo jene Lücken schließen, die es bei Infrastruktur und Digitalisierung gibt
und die ihn daran hindern, im Wettbewerb mit der EU zu reüssieren.
Der Nachholbedarf ist Der Nachholbedarf im Kosovo ist immer noch sehr hoch. Wachstumsbranchen
nach wie vor hoch und so sind unverändert Bau, Energie, Dienstleistungen, Banken, Versicherungen und
bleibt der Kosovo ein in- IKT. Dank relativ niedriger Lohnkosten und einer jungen, mehrsprachigen Be-
teressanter Zielmarkt. völkerung ist der Kosovo ein interessanter Standort mit wirtschaftlichem Poten-
zial. Im Corruption Perception Index von Transparency International liegt das
Land zwar immer noch auf dem 104. Platz unter 180 untersuchten Ländern; da-
für reiht die Weltbank im „Ease of Doing Business Index“ den Kosovo 2020 auf
den 57. Platz von insgesamt 190 Staaten (2019: Platz 44). Damit gehört der Ko-
sovo nach wie vor zu den Top 10 Reformländern der Welt.
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• 3. Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich
Güteraustausch zwi- Die österreichischen Lieferungen in den Kosovo gingen 2020 um 9% auf 60 Mio.
schen Österreich und Euro zurück. Da die Importe aber um 6% auf 5,8 Mio. Euro stiegen, sank das
dem Kosovo von Pande- Handelsbilanzaktivum aus österreichischer Sicht um 11% auf 54,2 Mio. Euro.
mie wenig betroffen.
Österreich lieferte bearbeitete Waren aus Holz, Stein und Metall (13,9 Mio.
Handelsbilanzaktivum
Euro), Maschinen und Ausrüstung für Wasserkraftwerke, die Fertigungsindust-
von 54,2 Mio. Euro aus
österreichischer Sicht. rie und das Bauwesen (11,5 Mio.), Nahrungsmittel (10,7 Mio.), chemische Waren,
Kunststoff und Pharmazeutika (9,1 Mio.), Mineralwasser (6,6 Mio.), Mobiltele-
fone (3,9 Mio.) und PKW (3,8 Mio.). Aus dem Kosovo bezog Österreich bearbei-
tete Waren (1,8 Mio., v.a. Metallwaren), Nahrungsmittel (1,4 Mio., v.a. Zuberei-
tungen von Früchten und Gemüse sowie Kaffee), sonstige Fertigwaren (0,9 Mio.,
v.a. Möbel, Bekleidung und Kunststoffwaren) sowie organische Rohstoffe (0,9
Mio.). Der langjährige Trend zeigt eine deutliche Zunahme der österreichischen
Exporte in den Kosovo und einen ebenso deutlichen Rückgang bei den Importen
aus dem jungen Balkanstaat.
Austausch von Dienst- Österreichs Exporte von Dienstleistungen fielen 2020 auf 17 Mio. Euro (-10,5%),
leistungen eingebro- während sich die Importe auf 14 Mio. Euro halbierten. Österreichische Firmen
chen. Starke Präsenz ös- erbrachten im Kosovo in erster Linie Finanz-, EDV- und technische Leistungen.
terreichischer Banken Der Kosovo empfing Urlaubsreisende aus Österreich (darunter Kosovaren auf
und Versicherungen.
Heimatbesuch) und erbrachte Bauleistungen in Österreich.
Güteraustausch legt gu- Im 1. Quartal 2021 legten die Güterexporte dank Lieferungen von Fahrzeugen
ten Start ins Jahr 2021 und Pharmazeutika um 27% auf 20 Mio. Euro zu, während sich die Güterimporte
hin. aufgrund von Lieferungen von Kunststoffen sowie Häuten und Fellen auf 2 Mio.
Euro mehr als verdoppelten. Der Rückgang im Dienstleistungsbereich setzte
sich im 1. Quartal hingegen im- wie exportseitig fort.
Österreich in Kosovo Die österreichischen Direktinvestitionen im Kosovo betrugen per Dezember
eine der größten Inves- 2020 laut kosovarischer Zentralbank 265 Mio. Euro, was im Vergleich zu 2019
toren mit Banken, Versi- eine Zunahme um 30 Mio. Euro darstellt. Vor allem durch das Investment von
cherungen, Energieun- Raiffeisen zählt Österreich im Kosovo zu den größten Investoren. Die RZB entwi-
ternehmen, Baustoffher- ckelte sich mittlerweile zur größten Bank mit 45 Filialen im ganzen Land. Stark
stellern und Freizeitun-
vertreten im Kosovo sind auch österreichische Versicherungsunternehmen
ternehmen.
(Wiener Städtische und Uniqa). Weitere wichtige Investoren sind die KELAG, die
mit ihrer Tochterfirma Kelkos das größte Wasserkraftwerk (22 GWh) im Land
betreibt, die CINEPLEXX Kinobetriebe GmbH, die Baustoffzuliefergruppe Xella
Porenbeton (Ytong) und der Baustoffhersteller Röfix. Insgesamt sind im Kosovo
inzwischen über 130 Firmen mit österreichischem Kapital registriert.
Geschäftschancen spezi- Aufgrund der Corona-Pandemie wurden zahlreiche Projekte aufgeschoben.
ell bei Verkehrs- und Chancen und Nachholbedarf gibt es nun in vielen Bereichen, vor allem bei der
kommunaler Infrastruk- Verkehrsinfrastruktur, im Energiesektor (speziell bei erneuerbaren Energien)
tur, Energie, Agrartech- sowie in der Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft. Gute Einstiegschancen
nik und Digitalisierung. bestehen für österreichische Firmen weiters im Gesundheitsbereich, auf dem
Gebiet der Agrartechnik und beim Know-how-Transfer in der Landwirtschaft.
Wie in allen Ländern hat Corona auch im Kosovo sowohl in den Unternehmen
als auch in der öffentlichen Verwaltung einen Digitalisierungsschub bewirkt. Es
fehlt jedoch an qualifizierten digitalen Weiterbildungsangeboten – entsprechen-
des Know-how ist somit sehr gefragt. Gleichzeitig ist der Kosovo dank der IT-
und Deutschkenntnisse der jungen Bevölkerung ein guter Standort für Callcen-
ter im IT-Bereich. Ganz generell sind viele kosovarische Unternehmen auf der
Suche nach internationalen Kooperationspartnern.
Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA8
Österreichisches Soft Zwischen Österreich und dem Kosovo besteht seit 2013 ein Soft Loan Rahmen-
Loan Rahmenabkommen abkommen über derzeit 30 Mio. Euro, das noch bis 2021. Zu den Soft Loan taug-
erleichtert Einstieg im lichen Sektoren zählen die Bereiche Gesundheitswesen, Bildung, Infrastruktur,
Kosovo mit Projekten
Wasser-, Abwasser- und Abfallbehandlung, Landwirtschaft sowie E-Govern-
aus den o.g. Bereichen.
ment. Derzeit sind speziell solche Projekte in Umsetzung, die Ausbildung und E-
Education zum Inhalt haben. Viele Kosovaren haben lange Zeit in Österreich ge-
lebt, kennen das Land, seine Firmen und Produkte und sprechen sehr gut
Deutsch. Österreich gilt bei vielen daher als Wunschpartner und wird als Hoff-
nungsträger für die wirtschaftliche Entwicklung des Kosovo gesehen.
Veranstaltungen 2021/22 Eine aktuelle Übersicht zu allen Veranstaltungen der Wirtschaftskammer Öster-
reich mit Kosovo-Bezug finden Sie HIER.
Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA9 Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA
AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA AUSSENWIRTSCHAFTSCENTER LAIBACH Prešernova cesta 23 1000 Laibach Slowenien T +386 1 513 97 70 E laibach@wko.at W wko.at/aussenwirtschaft/si
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