Engere Beziehungen mit der Universität Caen - Uni Würzburg

 
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Ausgabe 36 – 19. Oktober 2021

Eine Delegation der Uni Würzburg besuchte die französische Partneruniversität in Caen. (Bild: Doris Fischer/Uni
Würzburg)

Engere Beziehungen mit der Universität Caen
Die Universitäten Würzburg und Caen verbindet eine lange und lebendige Partnerschaft.
Nun reiste eine Würzburger Delegation nach Frankreich mit dem Ziel, die Zusammenarbeit zu
intensivieren.

In der vergangenen Woche hat eine Delegation, geleitet vom Präsidenten der Julius-Maximili-
ans-Universität (JMU) Würzburg, Paul Pauli, und der Vizepräsidentin für Internationalisierung
und Alumni, Doris Fischer, die Universität in Caen besucht. Beide Universitäten verbindet
eine lange und lebendige Geschichte der Zusammenarbeit, die 1957 begann und seit 1977
auf einem Partnerschaftsabkommen basiert. Nun wurde mit dem Besuch eine Vertiefung der
Beziehungen der beiden Universitäten auf den Weg gebracht.

Vertreterinnen und Vertreter von Studierenden sowie aus Forschung und Verwaltung waren
Teil der JMU-Delegation: Das Center for Artificial Intelligence and Data Science und die Fach-
bereiche Jura, Medizin und Wirtschaftswissenschaften waren vertreten, ebenso wie Abteilun-
gen der Verwaltung und zentrale Einrichtungen der JMU (Afrikazentrum, International Office,
Servicezentrum für Forschung und Technologietransfer, Professional School of Education,
Universitätsbibliothek, Zentrum für Sprachen und ZILS – Servicezentrum innovatives Lehren
und Studieren).

Mehr Kooperation und ein gemeinsamer Studiengang

Das Ziel: Die bestehenden Austausch- und Kooperationsformate weiterzuentwickeln und neue
Kooperationsmöglichkeiten zu identifizieren. Beispielhaft hierfür steht die Unterzeichnung
eines Abkommens für die Einführung des gemeinsamen Bachelorstudiengangs „Deutsch-
Französische Studien: Sprache, Kultur und Digitale Kompetenz“ (Etudes franco-allemands:
Langue, culture et numérique) durch die beiden Universitätspräsidenten. Der neue Studien-
gang kann voraussichtlich im Wintersemester 2022/2023 starten.

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Lamri Adoui, Präsident der Universität in Caen, und sein Vizepräsident, Christophe Rochais,
nahmen sich viel Zeit für die Würzburger Delegation: Das Programm umfasste mehrere Ar-
beitstreffen in Kleingruppen, aber auch ein kulturelles Rahmenprogramm. So konnte die Dele-
gation das Virtual Reality Lab der Partneruniversität erleben und alte Schätze aus dem Fundus
der Bibliothek sehen. Eine Führung über den Campus und ein Spaziergang durch die Stadt
zum historischen Rathaus in der ehemaligen „Abtei der Männer“ rundeten das Programm ab.

Partnerschaft von Städten und Universitäten

„Beide Universitäten haben eine lange Tradition, gleichzeitig aber auch eine innovative
Zukunftsorientierung“, erklärt Paul Pauli. Sie seien zudem disziplinär aufgestellt und stark
in ihrer jeweiligen Region verankert. Die Städte Caen und Würzburg verbindet eine lebendige
Partnerschaft, die 2022 ihr 60. Jubiläum feiern wird. Gemeinsame Aktivitäten der Universitä-
ten sollen daher im kommenden Jahr im Kontext des Jubiläums stehen.

Pauli sieht die Reise nach Caen als Erfolg für beide Universitäten: „Unsere freundschaftlichen
und produktiven Gespräche führten zu vielen Ideen für neue Formen der Zusammenarbeit
und gemeinsamer Forschungsaktivitäten, für eine Stärkung des Studierendenaustauschs und
für den Ausbau gemeinsamer Fortbildungen für die Verwaltung“, so Pauli. Auch die Vertrete-
rinnen und Vertreter der Studierenden äußerten sich positiv zu den Einblicken in die studen-
tische Selbstverwaltung der Partneruniversität und vereinbarten einen weiteren Austausch.
Die konkreten Ergebnisse auf Ebene der Einrichtungen und Fakultäten sollen dort in Kürze
bekanntgemacht werden, damit deren Umsetzung zügig in Angriff genommen werden kann.
Strategisch soll die Zusammenarbeit beider Universitäten in europäischen Netzwerken ver-
stärkt werden. Die JMU wird dabei auch das Anliegen aus Caen unterstützen, in die COIMBRA-
Gruppe aufgenommen zu werden.

Start in ein spezielles Semester
Kurz vor Beginn des Wintersemesters haben sich 27.092 Studierende an der Universität
eingeschrieben. Über die Studierendenzahlen und andere Themen informierte Präsident Paul
Pauli in einer Pressekonferenz.

Exakt 27.092 Studierende haben sich mit Stand 14. Oktober 2021 an der Julius-Maximilians-
Universität Würzburg (JMU) immatrikuliert. 3.236 davon sind Studienanfänger. Deren Zahl
wird, wie in den Vorjahren, bis zum Stichtag für die offizielle Feststellung der Studienanfän-
gerzahlen am 1. Dezember noch weiterwachsen. Insgesamt rechnet die JMU für das Winterse-
mester 2021/22 mit rund 3.600 Studienanfängerinnen und -anfängern.

Nach aktuellem Stand wird die JMU 16.483 Studentinnen und 10.604 Studenten in Vorlesun-
gen und Seminaren begrüßen können. Die zur Gesamtsumme von 27.092 fehlenden fünf
Studierenden haben keine Angaben zum Geschlecht gemacht. Der Frauenanteil liegt bei rund
61 Prozent und ist im Vergleich zum Vorjahr (59,6 Prozent) leicht gestiegen.

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Universitätspräsident Paul Pauli im Interview mit TV Mainfranken. (Bild: Robert Emmerich / Universität Würzburg)

Bislang haben sich 2.269 ausländische Studierende eingeschrieben. Das entspricht einem
Anteil an der Gesamtzahl der Studierenden von 8,4 Prozent – genau wie im vergangenen Jahr.
Frauen auf Professuren: Der JMU ist es gelungen, im Lauf des Jahres 2021 den Frauenanteil
auf den Professuren weiter zu steigern. Er liegt aktuell bei 26 Prozent; Ende 2020 betrug er 23
Prozent. Zum Stichtag 1.10.2021 arbeiteten an der JMU und am Uniklinikum 121 Professorin-
nen und 341 Professoren.

Traditionell stark nachgefragt bleibt das Lehramtsstudium. Hier sind an der JMU aktuell 6.424
Studierende eingeschrieben – etwas weniger als vor einem Jahr (6.470). Und so verteilen sich
die Lehramtsstudierenden auf die einzelnen Schularten:

Gymnasium: 2.147
Förderschule: 1.573
Grundschule: 1.745
Mittelschule: 404
Realschule: 555

Ein Wintersemester im Zeichen von 3G

„Wir freuen uns auf ein Wintersemester, in dem wieder Präsenzlehre möglich ist“, so Uni-
versitätspräsident Paul Pauli bei der JMU-Jahrespressekonferenz, die am 15. Oktober 2021
im Senatssaal stattfand. Gleichzeitig könnten jedoch innovative digitale Formate, die in den
vergangenen Semestern entwickelt und optimiert wurden, beibehalten werden. Je nach den
fachlichen Anforderungen können die Dozentinnen und Dozenten in den meisten Kursen das
ideale Lehrformat selbst wählen.

Solange der Corona-Inzidenzwert in der Stadt Würzburg über 35 liegt, ist Studierenden der
Zugang zu geschlossenen Räumen der Universität nur erlaubt, wenn sie nachweisen können,
dass sie vollständig geimpft, genesen oder negativ auf Corona getestet sind (3G). „Eine Um-
frage hat die hohe Impfbereitschaft unserer Studierenden gezeigt. Wir gehen von 90 Prozent
vollständig Geimpften aus“, so Pauli.
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Corona-Tests sind seit 11. Oktober 2021 bundesweit kostenpflichtig. Für Studierende in Bayern
bleiben die Tests bis 30. November kostenfrei. Die Universität hat für diese Zeit zwei eigene
Teststationen eingerichtet, im Gebäude Z6 am Hubland und in der Stadtmensa. Damit möchte
sie sicherstellen, dass die Studierenden das kostenlose Testangebot auch wirklich in An-
spruch nehmen können.

Weitere Informationen zur Präsenzlehre mit 3G sind in einer JMU-Pressemitteilung nachzule-
sen: https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/pressemitteilungen/single/news/praesenzleh-
re-nach-der-3g-regel/

Der Universitätspräsident stellte zudem wichtige Bautätigkeiten der Universität und des
Staatlichen Bauamts vor. Die Sanierung der Mensa am Hubland soll bis Ende 2022 beendet
sein, und zu diesem Zeitpunkt wird voraussichtlich auch das neue Zentrum für Philologie und
Digitalität ZPD auf dem Campus Nord fertig. Der Neubau für die Mathematik auf dem Campus
Nord kann voraussichtlich schon im Sommersemester 2022 bezogen werden.

Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler kommt am 25. Oktober 2021 nach Würzburg, um
hier gleich zwei symbolische erste Spatenstiche zu setzen: einen für den Neubau des Center
of Polymers for Life, den anderen für die Sanierung des Zentralbaus der Chemie. Letztere
Maßnahme beginnt damit, dass beim Chemiezentrum ein neues Praktikumsgebäude mit
Platz für bis zu 500 Studierende errichtet wird.

Grünes Licht hat der Freistaat Bayern für einen Neubau für das JMU-Forschungszentrum
„Künstliche Intelligenz und Data Science“ CAIDAS gegeben. Er stellt dafür zehn Millionen Euro
bereit. In den Neubau werden KI-Professuren einziehen, die für CAIDAS neu geschaffen wur-
den. Drei dieser Professuren konnte die JMU bereits besetzen.

Gute Resonanz auf neue Studiengänge

Präsident Pauli informierte die Medienvertreterinnen und –vertreter unter anderem über drei
neue Studienangebote, die in diesem Wintersemester gestartet sind.

Philosophie und Ethik wird aktuell von 60 Studierenden belegt. Dieses grundständige Fach
qualifiziert die Studierenden, später am Gymnasium das Fach „Ethik“ zu unterrichten. Kom-
biniert werden kann es mit Deutsch, Englisch, Latein oder Mathematik. Würzburg ist damit
gemeinsam mit der Katholischen Universität Eichstätt Vorreiter: An anderen bayerischen Uni-
versitäten kann das Fach auch weiterhin nur als Erweiterungsfach studiert werden.

Für den neuen und bundesweit einzigartigen Bachelorstudiengang Informatik und Nachhal-
tigkeit haben sich bislang 33 Studierende entschieden. Er vermittelt Denk- und Arbeitsweisen
der Informatik und wie man diese zielgerichtet einsetzt, für Mensch, Erde und Umwelt.

Pädagogik bei Sehbeeinträchtigung mit aktuell acht Studierenden ist ein neues Angebot des
im Oktober 2020 eingerichteten neuen Sonderpädagogik-Lehrstuhls mit dem Schwerpunkt
„Pädagogik bei Sehbeeinträchtigungen“. Es soll neue Berufsfelder für Lehrkräfte und Fachleu-
te für Sonderpädagogik erschließen. Das Studium vermittelt unter anderem Kompetenzen in
der technologiegestützten Kommunikation bei Sehbeeinträchtigungen.

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Das Bild zeigt Gewebe des Gebärmutterhalses, das mit Plattenepithelzellen (grün) ausgekleidet ist, die das endo-
zervikale Säulenepithel (rot) ersetzen. Solche Plattenepithelgewebe sind sehr anfällig für die Besiedlung mit Krank-
heitserregern und die Entwicklung von Gewebeneubildungen (Bild: Cindrilla Chumduri / Universität Würzburg)

Kooperation mit fatalem Ergebnis
Müssen Viren und Bakterien kooperieren, damit Gebärmutterhalskrebs entsteht? Dieser Fra-
ge geht die Infektionsforscherin Cindrilla Chumduri in einem neuen Forschungsprojekt nach.
Sie arbeitet dabei mit künstlichen Gewebemodellen.

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit der vierthäufigste Tumor bei Frauen. In Deutschland er-
kranken nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft jedes Jahr rund 4.400 Frauen daran,
etwa 1.600 sterben jährlich. Dass in einem Großteil der Fälle – konkret: in etwa 90 Prozent
– Viren zu diesen bösartigen Gewebeneubildungen beitragen, dürfte seit 2007 allgemein be-
kannt sein. In diesem Jahr startete in Deutschland eine Impfkampagne für Mädchen im Alter
von 9 bis 14 Jahren zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs. Der Impfstoff richtet sich gegen
den Auslöser: das Humane Papillomvirus (HPV).

Das Virus allein führt nicht zum Krebs

Dass HPV für den überwiegenden Teil der Krebserkrankungen verantwortlich ist, bedeutet
nicht, dass eine Infektion mit dem Virus zwangsläufig eine Erkrankung nach sich zieht: Ak-
tuelle Statistiken gehen davon aus, dass etwa 80 Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens
eine Infektion durchmachen. Dennoch entwickeln nur 1,6 Prozent von ihnen Gebärmutterhals-
krebs.

„Es ist also klar, dass eine HPV-Infektion allein wahrscheinlich keinen Gebärmutterhalskrebs
verursachen kann. Es gibt zwar viele mögliche Kofaktoren, die das Risiko für Gebärmutterhals-
krebs erhöhen, einschließlich Koinfektionen mit anderen sexuell übertragbaren Krankheits-
erregern, aber der relative Beitrag jedes einzelnen ist noch nicht geklärt“, sagt Dr. Cindrilla
Chumduri. Die Wissenschaftlerin leitet eine Arbeitsgruppe am Lehrstuhl für Mikrobiologie der
Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU).

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Gewebeveränderungen nach Infektionen bilden einen ihrer Forschungsschwerpunkte. Dafür
entwickelt sie gemeinsam mit ihrem Team unter anderem lebensechte Organnachbildungen
– sogenannte 3D-Organoide, an denen sie die Wechselwirkungen zwischen dem Krankheitser-
reger und den jeweiligen Geweben sowie die Krankheitsprozesse erforscht.

In einem neuen Forschungsprojekt untersucht Chumduri in den kommenden drei Jahren,
welche Faktoren noch dazu kommen müssen, damit eine HPV-Infektion Krebs verursacht. Die
Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert das Projekt mit rund 400.000 Euro.

Viele Erkrankte sind auch mit Chlamydien infiziert

„Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass Patientinnen, die an Gebärmutterhalskrebs
erkranken, nicht nur mit dem Humanen Papillomvirus infiziert sind, sondern gleichzeitig auch
mit dem bakteriellen Erreger Chlamydia trachomatis“, sagt die Wissenschaftlerin. In früheren
Arbeit konnte Chumduri bereits nachweisen, dass Chlamydia trachomatis in infizierten Zellen
Schäden am Erbgut verursacht, ohne dass deshalb die sonst üblichen Reparaturmechanis-
men der Zellen starten.

Auch den programmierten Zelltod, mit dem der Organismus normalerweise verhindert, dass
entartete Zellen sich unkontrolliert vermehren, unterdrückt das Bakterium erfolgreich. „Trotz
dieser eindeutigen Zusammenhänge zwischen HPV- und Chlamydien-Infektionen und der Ent-
stehung von Gebärmutterhalskrebs ist deren Rolle bei der Entwicklung von Gewebeneubildun-
gen und den nachfolgenden Schritten der Krebsentstehung bisher nicht untersucht worden“,
so Chumduri. Das will sie nun in ihrem neuen Forschungsprojekt ändern.

Für den Mangel an diesen Studien gibt es nach Chumduris Meinung einen einfachen Grund:
„Es fehlt an den erforderlichen In-vitro-Infektionsmodellen, die dem natürlichen Gewebe
eines Gebärmutterhalses so weit wie möglich entsprechen“, sagt sie. Darüber hinaus würden
die meisten Studien auf diesem Gebiet mit Krebszellen durchgeführt, die die physiologischen
Interaktionen kaum realistisch widerspiegeln.

Aus diesen Grund hat sie spezielle 3D-Organoid-Modelle entwickelt und verwendet Maus-
modelle, die ein gutes Bild davon vermitteln was passiert, wenn in den verschiedenen Ge-
websschichten des Gebärmutterhalses sowohl Humane Papillomviren als auch Chlamydien
auftreten. Bei der Untersuchung dieser Vorgänge setzt sie auf neueste Technologien wie
beispielsweise eine genetische Abstammungsanalyse, die Einzelzell-RNA-Sequenzierung und
die sogenannte räumliche Transkriptomik.

Auf diese Weise will Chumduri gemeinsam mit ihrem Team in den kommenden Jahren neue
Erkenntnisse über die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs gewinnen und – neben dem
Humanen Papillomvirus – weitere Faktoren identifizieren, die zu einer HPV-Infektion hinzu-
kommen müssen, damit das Gewebe tatsächlich entartet.

Kontakt

Dr. Cindrilla Chumduri, Lehrstuhl für Mikrobiologie, T: +49 931 31 86531, cindrilla.chumduri@
uni-wuerzburg.de

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Wissenschaftliche Bibliotheken wie die Universitätsbibliothek Würzburg sind zentrale Player in der Open-Access-
Bewegung. (Foto: Universitätsbibliothek)

Grenzenlos publizieren
Die Universitätsbibliothek informiert und berät in der „Internationalen Open-Access-Woche“
vom 25. bis 29. Oktober 2021 über die Möglichkeiten des Open-Access-Publizierens.

Forschungsergebnisse frei zugänglich, „open access“ zu veröffentlichen, hat für den gesam-
ten Wissenschaftsbetrieb Vorteile: Die Forschenden können ihre Ergebnisse schnell über das
Internet verbreiten. Und ihre Publikationen sind für andere Forschende der Fachcommunity
kostenfrei nutzbar und leichter auffindbar. Das erleichtert und stärkt die internationale und
interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Wissenschaftliche Bibliotheken wie die Universitätsbibliothek Würzburg sind zentrale Play-
er in der Open-Access-Bewegung: Als Publikationsdienstleister beispielsweise stellen sie
Infrastrukturen bereit, über die Forschende ihre Ergebnisse „ohne Grenzen“ veröffentlichen
können. Auf diese Weise erhöht sich die internationale Sichtbarkeit des wissenschaftlichen
Outputs der eigenen Hochschule.

Welche Fragen beantwortet werden

Um die zahlreichen Vorteile und Möglichkeiten des Open-Access-Publizierens an der Uni-
versität Würzburg bekannter zu machen, informiert und berät die Universitätsbibliothek die
Forschenden der JMU im Rahmen der „Internationalen Open-Access-Woche“ vom 25. bis 29.
Oktober 2021.

Das Team der Publikationsservices der Unibibliothek bietet zwölf Coffee Lectures und persön-
liche Beratungstermine zu folgenden Themen an:

- Wie kann ich die Publikationsgebühren finanzieren und was erwarten Forschungsförderer?
- Was bedeuten Open Access und Creative-Commons-Lizenzen für meine Rechte als Urheberin
oder Urheber?
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- Was bietet mir OPUS Würzburg bei Erst- und Zweitveröffentlichungen?
- Wie unterstützt mich der Verlag Würzburg University Press beim Publizieren von Open-Ac-
cess-Büchern?
- Wie nutze ich eine ORCID iD für die Sichtbarkeit meiner Forschung?
- Wie finde ich vertrauenswürdige Zeitschriften, wie erkenne ich Predatory Journals?

Coffee Lectures online

Zwölf Coffee Lectures geben in 15 Minuten kurz und kompakt Input zu Themen rund um das
Open-Access-Publizieren. Im Anschluss sind die Referierenden für die Fragen der Teilnehmen-
den da. Die Coffee Lectures finden am 25., 26., 27. und 28. Oktober 2021 jeweils um 12:00,
12:30 und 17:00 Uhr als Zoom-Meetings statt. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung
nicht notwendig.

Für individuelle Fragen zum Open-Access-Publizieren bieten die Publikationsservices persön-
liche Beratungstermine via Zoom oder Telefon an, die ab sofort über ein Webformular gebucht
werden können.

Webseite der UB mit allen Informationen und Einwahldaten:
https://www.bibliothek.uni-wuerzburg.de/forschen-publizieren/open-access/open-access-
woche/

Kontakt

Kristina Hanig, Dr. Diana Klein, Claudia Schober, T +49 931 31-84637, openaccess@bibliothek.
uni-wuerzburg.de

Experte für externe Unternehmensrechnung
Professor Benedikt Franke ist neuer Leiter des Lehrstuhls für BWL und Externe Unterneh-
mensrechnung an der Universität Würzburg. Er war zuvor an der renommierten SKEMA Busi-
ness School in Paris tätig.

Benedikt Franke, Jahrgang 1985, ist in Mainz geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur
studierte er an der Universität Mannheim Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungs-
wesen, Finanzierung und Statistik.

Im Anschluss absolvierte er seine Promotion an der Graduiertenschule für Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften der Universität Mannheim und war dort als wissenschaftlicher Mitarbei-
ter tätig; außerdem forschte und lehrte er als Gastwissenschaftler an der Simon Fraser Univer-
sity in Kanada und an der Universität Graz in Österreich. Im August 2019 ging er an die SKEMA
Business School nach Paris.

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An der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg hat Benedikt Franke zum 1. Oktober
2021 die Nachfolge von Professor Hansrudi Lenz angetreten, der in den Ruhestand ging. Er
leitet nun den JMU-Lehrstuhl für BWL und Externe Unternehmensrechnung (Financial Accoun-
ting).

Informationen für firmenexterne Zielgruppen

Die externe Unternehmensrechnung befasst sich mit der Gestaltung und den Einsatzbedin-
gungen von Informationssystemen, die sich an unternehmensexterne Zielgruppen richten –
etwa an Investorinnen und Investoren, Beschäftigte oder an die Öffentlichkeit.

Benedikt Frankes Forschung beschäf-
tigt sich mit der Transparenz von
Unternehmen und dem Einfluss tech-
nischer Innovationen auf die externe
Unternehmensrechnung. Der neue
Professor ist an zwei Projekten des
überregionalen Sonderforschungs-
bereichs TRR 266 (Accounting for
Transparency) beteiligt. Ziel des Son-
derforschungsbereichs ist es, eine
wirksame Regulierung für Unterneh-
menstransparenz und ein transpa-
rentes Steuersystem zu entwickeln.       Professor Benedikt Franke. (Bild: Stefan Leifken)

In ihrem aktuellen Newsletter stellt die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Professor Franke
in einem Interview vor. Hier Auszüge daraus:

Frage: Was hat Sie bewogen, den Ruf an die WiWi Fakultät in Würzburg anzunehmen?
Franke: Unter anderem waren mir gute Entwicklungs- und Kooperationsmöglichkeiten wichtig.
In den vergangenen Jahren habe ich mich vermehrt damit beschäftigt, wie neue Technologien
die Informationsbereitstellung von Unternehmen und die Informationsverarbeitung durch
Stakeholder beeinflussen. Welche Auswirkungen das auf die externe Unternehmensrechnung
hat, ist unklar. Die WiWi-Fakultät und die Universität Würzburg bieten für die Erforschung die-
ser Fragen erstklassige Möglichkeiten und ein spannendes Umfeld.

Beschreiben Sie bitte Ihre Schwerpunkte in der Forschung.
Franke: Die Forschung am Lehrstuhl wird sich hauptsächlich mit dem Themenkomplex „Offen-
legung und Unternehmenstransparenz“ befassen. Die Rahmenbedingungen für Unternehmen
ändern sich hier schnell und drastisch: Information ist heute quasi allgegenwärtig. Verschie-
denste Akteure – Unternehmen, Interessengruppen, Kapitalmarktteilnehmer, Informationsin-
termediäre – generieren und verarbeiten Informationen. Daraus ergeben sich viele spannende
Fragestellungen. Wie reagieren Unternehmen auf Akteure, die Informationen bereitstellen?
In welchen Situationen stellen Unternehmen Informationen selbst zur Verfügung? Wie und in
welcher Form veröffentlichen Unternehmen diese Informationen? Muss die Regulierung gege-
benenfalls einschreiten, um eine hinreichende Informationsversorgung sicherzustellen, oder
wäre dies kontraproduktiv? Welche Rolle spielen technische Innovationen?

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Primäres Forschungsziel des Lehrstuhls wird es sein zu untersuchen, wie sich Offenlegungsan-
reize, Regulierungen und Innovationen auf die Bereitstellung, Nachfrage und den Einsatz von
Unternehmensinformationen auswirken.

Was können die Studierenden von Ihnen erwarten?
Franke: Unser Lehrangebot vermittelt fundiertes Wissen über die externe Unternehmensrech-
nung und gibt Einblicke in die beschriebenen Entwicklungen und die Forschung. Das Kursan-
gebot im Bachelor dreht sich um die Unternehmensrechnung aus Sicht eines Unternehmens
als Ersteller und aus Sicht eines Investors als Nutzer von Informationen. Die Studierenden
lernen, wie ein Jahresabschluss nach nationalen oder internationalen Regeln erstellt wird
und wie diese Informationen genutzt werden können. Im Master bieten wir dann vertiefende
Lehrveranstaltungen an.

Was wünschen Sie sich von den Studierenden?
Franke: Sie sollten offen und neugierig, zu einem gewissen Maß auch geduldig sein. Das
Rechnungswesen wird oft auf abstrakte Aufgaben, Buchführungstechniken und komplizier-
te Regeln reduziert. Diese Vorurteile verdecken leider viele spannende Aspekte, die hinter
diesen Dingen stecken. Was ich damit meine: Die externe Unternehmensrechnung spiegelt
immer auch die Bedürfnisse von Unternehmen, Investoren, dem Staat und der Öffentlichkeit
wider. Dabei liefert sie mehr als nur eine bloße Momentaufnahme: Sie ermöglicht es auch,
die ökonomischen Prinzipien und Entwicklungen im Informationsumfeld von Unternehmen
zu erkunden und zu verstehen. Wenn sich einem diese Welt zu öffnen beginnt, zahlt sich die
Geduld aus, die man vorher auf das Lernen der Techniken und Regeln verwendet hat. Wir am
Lehrstuhl werden uns bemühen, die Studierenden auf diesem Weg zu begleiten und zu unter-
stützen.

Kontakt

Prof. Dr. Benedikt Franke, Lehrstuhl für BWL und Externe Unternehmensrechnung (Financial
Accounting), Universität Würzburg, T +49 931 31-88369, benedikt.franke@uni-wuerzburg.de

Auszeichnung für drei Forscherinnen aus Leidenschaft
Coronabedingt musste die Verleihung des ZONTA-Wissenschaftspreises 2020 abgesagt wer-
den. Das wurde nun nachgeholt – und gleichzeitig wurden zwei Preise für 2021 an talentierte
Nachwuchsforscherinnen der Uni Würzburg vergeben.

Der ZONTA-Club Würzburg verlieh in diesem Jahr gleich drei Wissenschaftspreise an junge
Forscherinnen der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg. Die Preisverleihung fand
am 13. Oktober 2021 im Würzburger Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung
(HIRI) statt. Überreicht wurden dabei zwei Wissenschaftspreise für 2021 sowie der letztjähri-
ge ZONTA-Wissenschaftspreis, dessen Verleihung 2020 aufgrund der Corona-Lage abgesagt
werden musste.

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ZONTA-Präsidentin Christine Martin stellte im Beisein zahlreicher Ehrengäste aus Wissen-
schaft sowie mehrerer Frauenvereinigungen die drei Preisträgerinnen vor. Die mit jeweils
2000 Euro dotierte Auszeichnung erhielt für 2020 Juniorprofessorin Agnieszka Nowak-Król.
Für 2021 wurden zwei Preisträgerinnen ausgezeichnet, da die Jury beide Bewerberinnen für
gleichermaßen qualifiziert erachtet: Juniorprofessorin Neva Caliskan und Privatdozentin Caro-
line Morbach.

In ihrem Grußwort würdigte JMU-Vizepräsidentin Caroline Kisker die Preisträgerinnen als ein
vorbildliches Beispiel für eine nachhaltige Geschlechtergleichstellung im Universitätsleben.
An der JMU engagierten sich Universitätsleitung, Fakultäten und Verwaltung mit Nachdruck
für dieses Ziel. Das Konzept trage bereits Früchte: 2018 habe die gemeinsame Wissenschafts-
konferenz des Bundes und der Länder das Konzept der JMU für Gleichstellung und Personal-
entwicklung auf dem Weg zur Professur mit dem Prädikat „Gleichstellung Ausgezeichnet!“
gewürdigt. Aktuell liegt der Anteil der Professorinnen an der JMU bei rund 26 Prozent. Auch
auf den anderen Ebenen zeigen sich deutliche Fortschritte: 2019 waren 59 Prozent der Studie-
renden weiblich, bei den Promovierenden waren es knapp 50 Prozent und der Frauenanteil
bei Habilitationen lag bei gut 27 Prozent.

Der ZONTA-Wissenschaftspreis

Der ZONTA-Club Würzburg vergibt seit 1995 in Zusammenarbeit mit der Frauenbeauftragten
der JMU seinen Wissenschaftspreis an Naturwissenschaftlerinnen der JMU. Der Preis wird für
exzellente und überdurchschnittliche Leistungen in Forschung und Lehre vergeben sowie für
ein Engagement in der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wissenschaft. Gewür-
digt wird auch, dass wissenschaftliche Höchstleistungen mit Kindern und Familie in Einklang
gebracht werden. ZONTA möchte damit einen Beitrag leisten, um Frauen in den MINT-Fächern,
in denen sie nach wie vor unterrepräsentiert sind, zu unterstützen und ihre Arbeit öffentlich
sichtbar zu machen.

Preisträgerin 2021: Neva Caliskan

Neva Caliskan (38) forscht seit 2018 als Juniorprofessorin an der JMU und leitet am HIRI die
Arbeitsgruppe „Rekodierungsmechanismen in Infektionen“. Die zweifache Mutter studierte
Molekularbiologie und Genetik an der Middle East Technical University in Ankara (Türkei) und
arbeitete 2005 als Gastwissenschaftlerin am Europäischen Laboratorium für Molekularbio-
logie (EMBL) in Heidelberg. 2009 machte sie ihren Master an der International Max Planck
Research School for Molecular Biology (Göttingen). Nach Abschluss ihrer Doktorarbeit (2013)
arbeitete sie am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, zunächst als
Postdoc in der Abteilung für Physikalische Biochemie, von 2015 bis 2017 als Projektleiterin.

In ihrer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt sich die Forscherin mit den Vermehrungsstrate-
gien von Viren und deren Proteinsynthese in Wirtszellen. Eine Strategie namens „Ribosomale
Leserasterverschiebung“ ist für die Vermehrung von Viren essentiell. Caliskan untersucht
die Relevanz dieses Phänomens in menschlichen Zellen, und welche Wirtsfaktoren sich auf
Corona-Infektionen auswirken. Ihre Forschungsgruppe hat vor kurzem ein humanes Protein
identifiziert, das die Leserasterverschiebung beeinflussen kann und damit die Proteinsyn-
these und die Vervielfältigung von Coronaviren hemmt. Ihr Ziel ist es, diesen Mechanismus
besser zu verstehen, um neue Therapien gegen Virusinfektionen entwickeln zu können.

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Ausgabe 36 – 19. Oktober 2021

Verleihung des ZONTA-Wissenschaftspreises an (von links) Caroline Morbach, Neva Caliskan und Agnieszka Nowak-
Król durch ZONTA-Präsidentin Christine Martin. (Bild: Tim Schnyder/HIRI)

Preisträgerin 2021: Caroline Morbach

Arbeitsschwerpunkte von Caroline Morbach, die Senior Clinician Scientist am Deutschen Zen-
trum für Herzinsuffizienz (DZHI) ist, sind Herzinsuffizienz und Echokardiografie. Sie studierte
von 1999 bis 2005 Humanmedizin an der JMU, 2006 folgte die Promotion im Fachbereich
Innere Medizin zum Thema Stress-Echokardiografie. 2010 wurde sie Fachärztin für Innere
Medizin, 2019 Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie. Die Habilitation folgte 2021. Die
42-jährige ist Mutter von zwei Kindern.

Morbach führte Untersuchungen im Rahmen der STAAB-Kohortenstudie durch, bei der 5000
Würzburgerinnen und Würzburger teilnahmen, um die Häufigkeit und Einflussfaktoren von
Herzinsuffizienz zu identifizieren. „Erste Ergebnisse wiesen darauf hin, dass Risikofaktoren,
die insbesondere bei Frauen die Entstehung einer Herzinsuffizienz begünstigen könnten,
bislang nicht gut verstanden sind und somit seltener erfasst und therapiert werden. Zudem
scheint das weibliche Myokard gegenüber bestimmten Risikofaktoren deutlich empfindlicher
zu sein als das männliche, so dass man gegebenenfalls geschlechtsspezifische Grenzwerte
und Therapieziele definieren muss.“ Hier wolle sie weiter forschen, um geschlechtsspezifi-
sche Determinanten zu identifizieren und individualisierte Therapieoptionen zu erarbeiten.

Preisträgerin 2020: Agnieszka Nowak-Król

Die Chemikerin und Juniorprofessorin Agnieszka Nowak-Król (37) dringt tief in die Geheim-
nisse spezieller Borverbindungen ein. Diese Verbindungen können zum Beispiel organische
Solarzellen effektiver machen. In ihrer Habilitationsarbeit, so die Wissenschaftlerin, wolle sie
das Potenzial untersuchen, das aus der Kombination der optischen und elektronischen Eigen-
schaften von Borverbindungen mit jenen Eigenschaften entsteht, die sich aus ihrer Geometrie
ergeben. Ihre Forschungen zielten darauf ab, bestimmte Borverbindungen zu synthetisieren,
was durch einen neuartigen, modularen Syntheseansatz geschehe. Nowak-Król ist erst die
zweite Chemikerin, die den Zonta-Preis erhält. Für sie sei die Auszeichnung „eine Ehre“. Sie
begrüße es, dass der Würzburger ZONTA-Club auf diese Weise auf die Situation von Frauen in
der Wissenschaft aufmerksam mache. „Dies ist nicht leicht. Weshalb sich viele Forscherinnen
gegen eine Familie entscheiden. Das ist sehr schade.“
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Insekten im Klima- und Landschaftswandel
Die Verstädterung scheint ein weiterer Schlüsselfaktor für das Insektensterben zu sein. Das
zeigt eine Studie, in der erstmals die Auswirkungen von Klima und Landnutzung auf Insekten
getrennt wurden.

Weltweit gehen die Menge und die Vielfalt der Insekten zurück: Dafür hat die Wissenschaft in
den vergangenen Jahren immer mehr Hinweise gefunden. In Politik und Gesellschaft haben
diese Befunde teils große Besorgnis ausgelöst.

Forscherinnen und Forscher führen das Insektensterben zum einen auf Veränderungen der
Landnutzung zurück, beispielsweise auf die Zunahme großer Monokulturen wie Mais und
Raps. Zum anderen nennen sie als Ursache auch den Klimawandel mit vermehrter Hitze und
Trockenheit.

Bisherige Analysen haben Schwächen

Doch scheinen diese Befunde
Schwächen zu haben, wie der Tie-
rökologe Professor Jörg Müller vom
Biozentrum der Julius-Maximilians-
Universität Würzburg (JMU) sagt. Die
zugrundeliegenden Studien würden
bislang unter anderem die Vielfalt
der Insektenspezies nicht gut genug
abbilden oder nur kurze Zeiträume
und kleine Gebiete berücksichtigen.

Dieses Manko wollte ein For-
schungsteam des bayerischen               Malaise-Fallen eignen sich hervorragend zum Sammeln einer Viel-
                                          zahl von Insekten in verschiedenen Lebensräumen. (Bild: LandKlif-
LandKlif-Netzwerks, koordiniert von
                                          Team)
der JMU, nun zumindest teilweise
beheben. Die Ergebnisse der Studie
sind im Journal Nature Communica-
tions veröffentlicht. Sie zeigen, dass die Verstädterung ein weiterer Schlüsselfaktor ist, der
Insekten das Überleben schwermacht.

Studie an 179 Orten von Nord- bis Südbayern

Von Unterfranken bis nach Oberbayern platzierte das Forschungsteam im Frühjahr 2019
Fallen zum Sammeln fliegender, krabbelnder und springender Insekten. Diese Malaise-Fallen
befanden sich an 179 Standorten, vom Flachland bis über 1100 Meter Höhe im Bayerischen
Wald und in den Alpen. Sie standen in Wäldern, auf Wiesen und Äckern sowie in Siedlungen,
eingebettet in naturnahe, landwirtschaftliche und urbane Landschaften.

Eine gesamte Vegetationsperiode lang leerten die Forschenden alle 14 Tage die Fallen. Sie
bestimmten die Biomasse der gefangenen Insekten und identifizierten die einzelnen Arten
mittels DNA-Sequenzierung.

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Insekten profitieren von höheren Temperaturen

„In dieser Studie konnten wir zum ersten Mal die Auswirkungen von Klima und Landnut-
zung auf Insekten in einer mitteleuropäischen Landschaft voneinander trennen“, erklärt Jörg
Müller. „Interessanterweise haben die Temperatur am Standort sowie die durchschnittliche
Jahrestemperatur ausschließlich positive Auswirkungen auf die Biomasse und die Vielfalt
der Insektenpopulationen. Die Form der Landnutzung dagegen wirkt sich unterschiedlich auf
Biomasse und Diversität aus“.

„Den größten Unterschied bezüglich der Insektenbiomasse fanden wir zwischen naturnahen
und städtischen Gegenden. In der Stadt war die Biomasse um 42 Prozent niedriger. Die In-
sektenvielfalt war dagegen im Agrarbereich im Vergleich zu naturnahen Lebensräumen um 29
Prozent geringer. Von bedrohten Arten fanden wir in Agrarräumen sogar 56 Prozent weniger“,
sagt Johannes Uhler, JMU-Doktorand und Erstautor der Studie.

„Diese gegensätzlichen Muster für die Biomasse und die Artenvielfalt sind ein wichtiges
Warnsignal für uns Forschende“, so Uhler: Man dürfe beim Insektenmonitoring aus einem
Rückgang der Biomasse nicht darauf schließen, dass dies auch eine Abnahme der Artenviel-
falt bedeutet und umgekehrt.

Auf Grundlage seiner neuen Erkenntnisse empfiehlt das Forschungsteam, in urbanen Lebens-
räumen mehr Grünflächen zu schaffen, um die Biomasse an Insekten zu erhöhen. Bestehende
Agrarumweltprogramme sollten zur Verbesserung der Biodiversität weiter ausgebaut und
Waldlebensräume gefördert werden.

Publikation

Uhler et al (2021): Relationship of insect biomass and richness with land use along a climate
gradient. Nature Communications, 12. Oktober 2021, Open Access. doi.org/10.1038/s41467-
021-26181-3

Der LandKlif-Forschungsverbund

Der 2018 etablierte bayerische Forschungsverbund LandKlif ist in naturnahen, landwirt-
schaftlichen und städtischen Landschaftsräumen in fünf Klimazonen Bayerns aktiv – von den
trocken-warmen Regionen in Unterfranken bis in die Hochlagen der Nationalparks Bayerischer
Wald und Berchtesgaden. Sein Ziel ist es, Optionen zur Abmilderung des Klimawandels und
zur Anpassung an veränderte klimatische Verhältnisse aufzuzeigen. Verbundkoordinator ist
Professor Ingolf Steffan-Dewenter vom Biozentrum der JMU. Der Freistaat Bayern fördert den
Verbund mit 2,6 Millionen Euro. Webseite LandKlif

Kontakt

Prof. Dr. Jörg Müller, Universität Würzburg, Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie, T
+49 160 90966475, joerg.mueller@uni-wuerzburg.de; Johannes Uhler, Universität Würzburg,
Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie, T +49 931 31-89398; johannes.uhler@uni-
wuerzburg.de

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Ausgabe 36 – 19. Oktober 2021

Unterricht am Puls der Zeit
Die Wissenschaftlerin Jeanine Steinbock hat Lehrkräfte nach ihren Wünschen in Bezug auf
EduApps befragt. Diese digitalen Unterrichtstools werden vor allem dann eingesetzt, wenn
sie für zeitliche Entlastung sorgen.

Dass Schulen einen Online-Auftritt haben,
ist seit langem üblich. Der Unterricht selbst
läuft allerdings noch immer kaum digital
ab. „Schulen sind hier sehr vorsichtig“,
sagt Doktorandin Jeanine Steinbock, die
am Lehrstuhl für Fachdidaktik der moder-
nen Fremdsprachen der Universität Würz-
burg von Professorin Maria Eisenmann
betreut wird.

In ihrer Dissertation untersucht sie bay-
ernweit, wie Education-Apps – das sind
digitale Tools für den Schulunterricht –
beschaffen sein müssen, damit sie im
Englischunterricht an Gymnasien einge-
setzt werden. Ein Kernergebnis: Lehrkräfte
akzeptieren solche EduApps vor allem
dann, wenn sie dadurch zeitlich entlastet
werden.

Eigentlich kann man gar nicht mehr prin-
zipiell „Nein“ sagen zu digitalen Tools im
Unterricht. Denn das würde bedeuten,
die Lebenswelt der Schülerinnen und
                                                Doktorandin Jeanine Steinbock erforscht das digitale Lehren
Schüler zu ignorieren. Klar sei aller-          und Lernen im Englischunterricht an Gymnasien. (Bild: Fred
dings auch, so Jeanine Steinbock, dass          Schwab)
Technik alleine noch lange keinen guten
Unterricht ausmacht: „Es geht darum,
Technik gewinnbringend einzusetzen.“

Zwei Befragungen von Lehrkräften durchgeführt

Wie viel Unsicherheit bei Lehrkräften in Bezug auf den sinnvollen Einsatz von digitalen Tools
besteht, fand die Didaktikerin bei zwei Befragungen heraus. Die erste fand 2017 mit rund 35
Lehrkräften statt. Eine zweite, an der 157 Lehrerinnen und Lehrer an bayerischen Gymnasien
teilnahmen, bildete 2019 kurz vor dem Ausbruch der Corona-Krise den Auftakt ihres Disserta-
tionsprojekts.

Lehrkräfte, die das Ohr am Puls der Zeit haben, setzten schon vor der Pandemie Apps und
digitale Tools ein. Sie haben früh erkannt, dass Medienkompetenz für junge Menschen heute
essentiell ist.

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Egal, welchen Beruf Schülerinnen und Schüler später einmal ergreifen: Mit größter Wahr-
scheinlichkeit werden sie in ihrem Job digitale Anwendungen nutzen müssen. Auch die
Freizeit ist kaum ohne Digitales denkbar. „Viele Jugendliche haben zum Beispiel Lust, selbst
Inhalte zu erstellen“, so Jeanine Steinbock. Der Englischunterricht eignet sich nach ihren
Worten ideal, um dazu passende Kompetenzen im Umgang mit digitalen Tools zu vermitteln –
schließlich läuft die Kommunikation im weltweiten Netz vorwiegend in englischer Sprache ab.
EduApps sollten Inhalte aus dem Lehrplan bieten

Das Interesse an EduApps ist groß: „Etwa 75 Prozent der Lehrkräfte, die ich 2019 befragt
habe, würden Apps einsetzen, wenn sie dadurch im Unterricht sowie bei der Unterrichtsvorbe-
reitung Zeit sparen“, erläutert die JMU-Doktorandin. EduApps seien außerdem dann interes-
sant, wenn sie bereits mit Inhalten aus dem Lehrplan gefüllt sind: „Für die von mir befragten
Lehrkräfte ist es weniger erstrebenswert, selbst kreativ werden zu können.“

Die gewonnene Zeit würden Englischlehrerinnen und -lehrer zum Beispiel verwenden, um
schwächere Schüler intensiver als bisher zu unterstützen. Auch das kam bei der Befragung
heraus.

Jüngere Lehrkräfte beteiligten sich nicht so rege

Bei Jeanine Steinbocks auf freiwilliger Basis erfolgter Umfrage machten keineswegs nur be-
sonders junge Menschen mit: „Das Gros war zwischen 36 und 45 Jahre alt.“ Vergleichsweise
stark vertreten waren außerdem die 46- bis 55-Jährigen. Im Gegensatz dazu beteiligten sich
die ganz jungen Lehrkräfte zu einem deutlich geringeren Teil an der Befragung.

Skepsis war über alle Altersgruppen hinweg festzustellen, was Leistungskontrollen durch
Apps betrifft: Die Bewertung der Schülerinnen und Schüler sollte Sache der Lehrenden blei-
ben.

Von den pädagogischen Möglichkeiten der Apps hingegen sind viele begeistert. Nehmen wir
an, im Englischunterricht wird als Lektüre „Hamlet“ von Shakespeare durchgenommen. „Klas-
sischerweise bekommen dann 30 Schülerinnen und Schüler ein Buch mit demselben Text
in die Hand gedrückt“, sagt Jeanine Steinbock. Die einen tun sich damit leicht. Die anderen,
deren Leseniveau nicht so hoch ist, haben eher zu knabbern am Lesestoff.

Hier seien Apps hilfreich, bei denen man das Leseniveau einstellen kann: Eigenverantwort-
lich regeln die Schülerinnen und Schüler, ob der Text im Original erscheint oder erst einmal in
einer „Lightversion“ mit vereinfachtem Vokabular.

YouTube als beliebte Videoplattform

Aktuell ist YouTube sehr angesagt bei Englischlehrkräften, die bereit sind, Digitales in ihren
Unterricht einzubinden. Auch das fand Jeanine Steinbock bei ihrer Befragung heraus.

Verwunderlich sei das nicht: „YouTube ist sehr niederschwellig zugänglich und störungsfrei
einsetzbar.“ Außerdem steht Lehrkräften dort eine immense Datenbasis zur Verfügung. Die
Videos selbst sind oft kurz und griffig, ihr Einsatz kostet nicht viel Zeit.

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Kritisch sieht es die JMU-Promovendin, dass YouTube im Klassenzimmer fast ausschließlich
zum Ansehen von Filmen genutzt wird. Die Schülerinnen und Schüler würden kaum dazu ani-
miert, selbst ein Video zu produzieren.

Oft Bedenken in Bezug auf den Datenschutz

Zu den Kernthemen der Digitalisierung zählt die Datensicherheit. Das gilt laut Jeanine Stein-
bock für Schulen ganz besonders. „Schulen sind hier sehr vorsichtig“, sagt die Doktorandin.

In Bezug auf den Datenschutz lösen EduApps mitunter Bedenken aus. Es sei auch proble-
matisch, dass die meisten EduApps für den Englischunterricht von amerikanischen Firmen
entwickelt wurden. Hier bestehe in der deutschen Bildungslandschaft Nachholbedarf: „Wün-
schenswert wären mehr deutsche Apps, die auch auf deutschen Servern liegen.“
Internet-Verfügbarkeit höher als erwartet

Nachdem sich die Lage im Bildungssektor durch die Corona-Krise mit einem Schlag verändert
hat, gewinnt Jeanine Steinbocks Dissertationsprojekt besonders an Relevanz. Am Einsatz von
digitalen Tools in Schulen führt heute schlicht kein Weg mehr vorbei.

Aber natürlich können solche Werkzeuge nur dann eingesetzt werden, wenn es in den Klas-
senzimmern LAN oder WLAN gibt. Diesbezüglich schaut es der Würzburger Wissenschaftlerin
zufolge gar nicht so schlecht aus: „Bei meiner Befragung gab die Hälfte der Lehrkräfte an,
dass sie im Klassenzimmer Internet hat.“ Das habe sie und das Team am Lehrstuhl über-
rascht: „Wir hätten mit einer viel geringeren Quote gerechnet.“

Kontakt

Jeanine Steinbock, Lehrstuhl für Fachdidaktik – Moderne Fremdsprachen mit Schwerpunkt
Didaktik der englischen Sprache und Literatur, Universität Würzburg, T +49 31-82783, jeanine.
steinbock@uni-wuerzburg.de

Ringvorlesung: Digitale Innovationen
Chancen und Herausforderungen im digitalen Zeitalter für Unternehmen sowie die gesell-
schaftlichen Implikationen digitaler Technologien: Mit diesen Fragen befasst sich die Ring-
vorlesung „Digitale Innovationen“ der Uni Würzburg.

Den Zuhörern einen Überblick über aktuelle digitale Technologien geben und diese in einem
gemeinsamen Diskurs beleuchten: Das ist das Ziel der Ringvorlesung „Digitale Innovationen“,
die am Dienstag, 2. November, an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) startet.

Die Referentinnen und Referenten kommen aus Forschung und Praxis. In ihren interdisziplinä-
ren Vorträgen beschäftigen sie sich unter anderem mit betriebswirtschaftlichen Potenzialen
und Herausforderungen.

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Beispiele sind digitales Marketing, der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Bildanalyse in
Biologie und Medizin sowie die satellitengestützte Fernerkundung zur Quantifizierung des
globalen Wandels.

Öffentliches Bildungsangebot und anrechenbar im ASQ-Pool

Die Ringvorlesung „Digitale Innovationen“
findet ab 2. November regelmäßig diens-
tags (Ausnahme Montag, 15. November)
von 18:00 bis 19:30 Uhr via Zoom statt. Sie
steht allen Interessierten offen. Die Zugän-
ge werden per E-Mail bekannt gegeben.
Dazu ist eine vorherige Anmeldung erfor-
derlich. Für Studierende erfolgt die Anmel-
dung über wuestudy (https://wuestudy.
zv.uni-wuerzburg.de/qisserver/pages/cs/
sys/portal/hisinoneStartPage.faces), für
alle anderen geht es hier zur Anmel-         „Machen ist wie wollen, nur krasser!“ Unter dieser Überschrift
dung: https://www.uni-wuerzburg.de/          steht der erste Vortrag der neuen Ringvorlesung. (Bild: istock-
                                             photo.com / metamorworks)
sft/gruendungsberatung/veranstaltun-
gen/anmeldung-zur-ringvorlesung-digi-
tale-innovationen/

Die Termine und Themen gibt es hier: https://go.uniwue.de/ringvorlesungdigital

Wichtig für Studierende: Die Ringvorlesung gehört zum Pool der Allgemeinen Schlüsselqua-
lifikationen (ASQ). Das heißt: Bachelorstudierende aller Fakultäten der Universität können
eine Prüfung über die Inhalte der Vorlesung ablegen und bei Bestehen Punkte im ASQ-Bereich
anrechnen.

Weitere Informationen speziell für Studierende gibt es bei der Einführung der Ringvorlesung
am Dienstag, 2. November 2021, um 17:45 Uhr. Gleich im Anschluss wird Professor Axel Win-
kelmann, Inhaber des Lehrstuhls für BWL und Wirtschaftsinformatik, die Ringvorlesung mit
dem ersten Themenbeitrag „Machen ist wie wollen, nur krasser! - Das Unternehmer-Mindset
für digitale Innovationen“ eröffnen.

Die Ringvorlesung Digitale Innovationen findet in diesem Jahr bereits zum fünften Mal statt
und beinhaltet jährlich neue Beiträge. Sie wird vom Servicezentrum Forschung und Technolo-
gietransfer der Universität geplant und realisiert. Unterstützt und gefördert wird die Ringvorle-
sung vom Zentrum für Digitale Innovationen Mainfranken und dem Bayerischem Staatsminis-
terium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.

Ansprechpartnerinnen

Tanja Golly & Lea Sabrautzky, Servicezentrum Forschung & Technologietransfer (SFT) der
Universität Würzburg, tanja.golly@uni-wuerzburg.de, T: +49 931 31-88650; lea.sabrautzky@
uni-wuerzburg.de, T: +49 931 31-87839

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Ägyptische Tempelanlagen unterhalb des Bergs Jebel Barkal im Nordsudan; im Hintergrund der Nil. Das Foto visua-
lisiert den Kontrast zwischen Kultur- und Naturlandschaft aus altertumswissenschaftlicher Perspektive. (Bild: Julia
Meister / Universität Würzburg)

„Macht euch die Erde untertan!“
Wenn die Menschen sich heute mit dem Schutz des Planeten schwertun, liegt das auch am
kulturellen „Gepäck“, das sie mit sich tragen. Um dieses Thema geht es in einer öffentlichen
Ringvorlesung an der Uni Würzburg.

Das Verhältnis der Menschen zur Natur dürfte schon immer ambivalent gewesen sein. Einer-
seits bot sie ihnen Nahrung und alles andere, was sie zum Überleben brauchten. Andererseits
wartete sie mit vielen Gefahren auf, die ihre Existenz bedrohten. Vieles spricht dafür, dass das
Ergreifen wirksamer Schutzvorkehrungen nach und nach die Vorstellung der Menschen beflü-
gelt hat, die Natur beherrschen und in Zaum halten zu wollen.

Heute wächst das Bewusstsein dafür, dass die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und die
Zerstörung von Biotopen für die Menschheit zu einer existenziellen Bedrohung werden kön-
nen.

Schon in der Steinzeit wurden Tiere ausgerottet

Die Forschung kann inzwischen nachweisen, dass die Probleme ökologischer Balance schon
in der Steinzeit begonnen haben: Unsere Vorfahren jagten mehr Tiere als nötig und brachten
so die ersten Arten zum Aussterben.

Mit der Sesshaftwerdung und dem Ackerbau begannen die tiefergreifende Gestaltung von
Lebensräumen und das Territorialdenken. Die Kontrolle von Wasser zur Steigerung land-
wirtschaftlicher Erträge sorgte in manchen Regionen nicht nur für Bevölkerungswachstum,
sondern erlaubte auch mehr Arbeitsteilung bis hin zur Ausdifferenzierung von Hochkulturen.
Staatstragende Ideologien und Religionen entstanden, und mit ihnen Sätze wie der Bibel-
spruch „Macht euch die Erde untertan!“ (1. Mose 1, 28). Damit wurde und wird die Herrschaft
der Menschen über die Erde und alle anderen Lebewesen gerechtfertigt.
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Ausgabe 36 – 19. Oktober 2021

Dieser kleine geschichtliche Exkurs zeigt: Wenn sich die Menschen heute angesichts massi-
ver globaler Klimaveränderungen schwer damit tun, die notwendigen Gegenmaßnahmen zu
ergreifen, ist das offenbar auch dem kulturellen „Gepäck“ zuzuschreiben, das sie mit sich
tragen.

Vorträge aus Geoarchäologie und Umweltgeschichte

„Hier tut Aufklärung not!“ Das meint das Team, das die Ringvorlesung des Würzburger Alter-
tumswissenschaftlichen Zentrums (WAZ) organisiert. Es möchte im Wintersemester 2021/22
einen kleinen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leisten, indem es den Themenkomplex
„Geoarchäologie und Umweltgeschichte“ aufgreift.

Fachleute aus Geographie und Altertumswissenschaften kommen zu Wort und geben exem-
plarische Einblicke in die frühen Stadien kultureller Eingriffe in die Natur. Ihr Ziel ist es, den
Zusammenhängen von Ökologie, Ideologie und Politik mit Fallbeispielen aus der Vorgeschich-
te bis in die Neuzeit auf den Grund zu gehen.

Alle Vorträge finden digital statt und beginnen um 18:15 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht nötig.
Um Zugang zu den Webinaren zu erhalten, müssen Interessierte auf die dafür eingerichteten
Links auf der WAZ-Homepage klicken: https://www.uni-wuerzburg.de/forschung/waz/

Themen und Termine

Montag, 25.10.21: Alle Hindernisse weichen seiner Tapferkeit. Der römische Kaiser als Natur-
bezwinger. Dr. Marcel Danner (Universität Würzburg)

Montag, 08.11.21: Klimadynamik und Küstenveränderungen – Einfluss auf die Kulturgeschich-
te Mesopotamiens. Dr. Max Engel (Universität Heidelberg)

Montag, 22.11.21: Urnenfelderzeitlicher Kulturwandel und Klima im 12. Jh. v. Chr. Prof. Dr.
Frank Falkenstein (Universität Würzburg)

Montag, 06.12.21: Papyrusdickicht, Lagune und Tempel: Natur- und Kulturlandschaften im
Nildelta vom 5. bis zum 2. Jahrtausend v. Chr. PD Dr. Eva Lange-Athinodorou (Universität
Würzburg)

Montag, 17.01.22: Wirkungen extremer Witterung auf die Menschen in Mitteleuropa seit der
Spätantiken Kleinen Eiszeit. Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork (Universität Kiel)

Montag, 31.01.22: Zwischen Macht und Ohnmacht: Wasser als Ressource und Deutungska-
tegorie – Griechen und Nicht-Griechen in klassischer und moderner Zeit. Dr. Dr. Christopher
Schliephake (Universität Augsburg)

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