Erhebung der Eigentumsverhältnisse der Top 250-Unternehmen in Oberösterreich und ihre wirtschaftspolitische Bedeutung - Im Auftrag der ...
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Erhebung der Eigentumsverhältnisse der Top 250-Unternehmen in Oberösterreich und ihre wirtschaftspolitische Bedeutung Im Auftrag der Industriellenvereinigung Oberösterreich Dr. Johann Lefenda Mag. Gerlinde Pöchhacker-Tröscher DI Franz Peter Seiler März 2011
Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung 5 1.1 Zielsetzung 5 1.2 Methodik und Definitionen 5 2. Eigentumsverhältnisse der Top 250-Unternehmen in Oberösterreich 8 2.1 Überblick über die Eigentumsverhältnisse der oö. Leitbetriebe 8 2.2 Vertiefende Analyse der Eigentumsverhältnisse 10 2.2.1 Leitbetriebe in ausländischem Mehrheitseigentum 10 2.2.2 Minderheitsbeteiligung an oö. Leitbetrieben 16 2.2.3 Leitbetriebe in öffentlichem Eigentum 17 2.3 Vertiefende Analysen nach Wirtschaftsbereichen, Branchen, Umsatz und MitarbeiterInnen 18 2.3.1 Tätigkeiten der oö. Leitbetriebe nach Wirtschaftsbereichen 18 2.3.2 Beleuchtung des servoindustriellen Sektors 19 2.3.3 Analyse der produzierenden Leitbetriebe nach Branchen 21 2.3.4 Analyse des kumulierten Umsatzes der oö. Leitbetriebe 26 2.3.5 Analyse der MitarbeiterInnenstruktur der oö. Leitbetriebe 31 2.4 Analyse der Top 50-Leitbetriebe in Oberösterreich 36 3. Zusammenfassung, zentrale Ergebnisse und Ansatzpunkte für regionale wirtschafts- und innovationspolitische Maßnahmen 39 3.1 Zusammenfassung und zentrale Ergebnisse 39 3.2 Ansatzpunkte für regionale wirtschafts- und innovationspolitische Maßnahmen 43 Quellenverzeichnis 47 Anhang A: Liste der 250 oö. Leitbetriebe 49 Seite 2 / 61
Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Anzahl und Anteil der Leitbetriebe nach Eigentümerstandort (n=250) 8 Abbildung 2: Anzahl der Leitbetriebe mit ausländischem Mehrheitseigentümer (ohne Streubesitz) nach Ländern (n=50) 10 Abbildung 3: Anzahl der Leitbetriebe mit ausländischem Mehrheitseigentümer in mehrheitlichem Streubesitz nach Börseplatz (n=19) 14 Abbildung 4: Anzahl und Anteil der Leitbetriebe nach Wirtschaftsbereichen (n=250) 18 Abbildung 5: Kumulierter Umsatz und Anteil des kumulierten Umsatzes nach Wirtschaftsbereichen (n=250) 18 Abbildung 6: Anteil der Leitbetriebe nach Wirtschaftsbereichen und Eigentumsverhältnissen (n=250) 19 Abbildung 7: Anzahl und Anteil von Leitbetrieben des servoindustriellen Sektors (n=250) 20 Abbildung 8: Anteil und Summe des kumulierten Umsatzes im servoindustriellen Sektor der oö. Leitbetriebe (n=250) 20 Abbildung 9: Anteil produzierender Leitbetriebe nach Branchen nach Anzahl der Unternehmen (n=156) 21 Abbildung 10: Anzahl der Unternehmen in der Branche „Maschinen- und Anlagenbau“ nach Eigentümerstandort (n=38) 22 Abbildung 11: Anzahl der Unternehmen in der Branche „Nahrungsmittel“ nach Eigentümerstandort (n=22) 22 Abbildung 12: Anzahl der Unternehmen in der Branche „Chemie, pharmazeutische Industrie, Kunststoffe“ nach Eigentümerstandort (n=19) 23 Abbildung 13: Anzahl der Unternehmen in der Branche „Fahrzeugbau“ nach Eigentümerstandort (n=17) 23 Abbildung 14: Anzahl der Unternehmen in der Branche „Metallerzeugung und -verarbeitung“ nach Eigentümerstandort (n=10) 24 Abbildung 15: Anzahl der Unternehmen in der Branche „Papier und Druckereien“ nach Eigentümerstandort (n=7) 24 Abbildung 16: Anzahl der Unternehmen nach Branchen und Eigentumsverhältnissen (n=156) 25 Abbildung 17: Höhe und Anteil des kumulierten Umsatzes nach Eigentümerstandort (n=250) 26 Abbildung 18: Anteil des kumulierten Umsatzes nach Wirtschaftsbereichen und Eigentümerstruktur (n=250) 26 Abbildung 19: Anteil produzierender Leitbetriebe am kumulierten Umsatz nach Branchen und Eigentümerstandort in € Mrd. (n=156) 28 Seite 3 / 61
Abbildung 20: Anteil der Unternehmen, des kumulierten Umsatzes und der MitarbeiterInnen an allen produzierenden Leitbetrieben nach Branchen in Prozent (n=156) 29 Abbildung 21: Kumulierter Umsatz von produzierenden Unternehmen in ausländischem Mehrheitseigentum nach Branchen (n=69) 30 Abbildung 22: Anzahl der MitarbeiterInnen nach Wirtschaftsbereichen (n=250) 31 Abbildung 23: Anzahl der durchschnittlichen MitarbeiterInnen pro Leitbetrieb nach Wirtschaftsbereichen (n=250) 31 Abbildung 24: Anzahl der MitarbeiterInnen pro Leitbetriebe nach Branchen (n=156) 32 Abbildung 25: Anzahl und Anteil der MitarbeiterInnen nach gruppierter Rangliste der Top 250 (n=250) 33 Abbildung 26: Anzahl und Anteil der MitarbeiterInnen nach Eigentumsverhältnissen (n=250) 34 Abbildung 27: Anteil der MitarbeiterInnen nach Wirtschaftsbereichen und Eigentumsverhältnissen (n=250) 34 Abbildung 28: Anteile hinsichtlich Anzahl der Leitbetriebe, kumuliertem Umsatz und MitarbeiterInnenanzahl nach Eigentümerstruktur im Vergleich (n=250) 35 Abbildung 29: Anzahl und Anteil der Top 50-Leitbetriebe nach Eigentümerstandort (n=50) 36 Abbildung 30: Eigentümerstrukturen der Top 50 und Top 250 im Vergleich 36 Abbildung 31: Anzahl und Anteil der Top 50-Leitbetriebe nach Wirtschaftsbereichen (n=50) 37 Abbildung 32: Anteil produzierender Top 50-Leitbetriebe nach Branchen (n=30) 37 Abbildung 33: Höhe und Anteil des kumulierten Umsatzes der Top 50 nach Eigentümerstandort (n=50) 38 Abbildung 34: Anzahl und Anteil der MitarbeiterInnen der Top 50 nach Wirtschaftsbereichen (n=50) 38 Seite 4 / 61
1. Einleitung 1.1 Zielsetzung Die Zielsetzung des Projektes und des vorliegenden Ergebnisberichtes war die erstmalige fundierte Erhebung der Eigentumsverhältnisse der „Top 250“, also der 250 umsatzstärksten Unternehmen in Oberösterreich. Diese in weiterer Folge als Leitbetriebe bezeichneten Unternehmen spielen eine maßgebliche Rolle für die regionale Wirtschaft, weshalb der Frage nach den Eigentumsverhältnissen eine große Bedeutung zukommt. Sie geben u.a. Auskunft darüber, … ... ob die Entscheidungszentralen der Firmen im In- oder Ausland liegen, ... ob die heimischen Unternehmen Teile von weltweit agierenden multinationalen Konzernen sind und damit im konzerninternen internationalen Wettbewerb stehen ... welche sinnvollen Schwerpunkte im Sinne einer bedarfsorientierten Gestaltung von wirtschafts- und FTI-politischen Maßnahmen gesetzt werden können und ... in welchen Themenfeldern strategische Chancenpotenziale für die Standortentwicklung zu iden- tifizieren sind. Die gezielte Betreuung von Leitbetrieben wird zunehmend als strategisch wichtiger Beitrag zu einer proaktiven Standortpolitik gesehen, weil damit der wirtschaftlichen und impulsgebenden Funktion der „Leading Competence Units“ hinsichtlich Wertschöpfung, Innovationskraft, Zuliefernetzwerken und Beschäftigung Rechnung getragen wird. Dies schlägt sich etwa in Initiativen wie den „Headquarters Austria“, „Leitbetriebe.at“ oder dem FFG-Förderprogramm „Headquarter Strategy“ nieder. 1.2 Methodik und Definitionen Als Datengrundlage der Auswertungen diente eine Beilage der OÖ Nachrichten vom November 2010, („Top 250 in Oberösterreich“) - eine Rangliste der 250 umsatzstärksten Unternehmen in Oberöster- reich, die von den OÖ Nachrichten auf Basis der Firmenbuchdaten und in Kooperation mit der Wirt- schaftsauskunftei Creditreform Kubicki KG erstellt wurde. Unternehmen mit Firmensitz in Oberöster- reich erscheinen dabei mit dem konsolidierten Gruppen- oder Konzernumsatz. Voll konsolidierte Toch- Seite 5 / 61
terfirmen, die aufgrund ihrer Größe einen eigenen Platz im Ranking einnehmen würden, wurden nicht angeführt. Es wird jeweils nur der am oberösterreichischen Standort erwirtschaftete kumulierte Umsatz im letztverfügbaren Geschäftsjahr (zumeist 2009 bzw. 2009/2010) angeführt. Die Anzahl der Mitarbei- terInnen bezieht sich auf die MitarbeiterInnen des genannten Standortes bzw. der Firmengruppe. In der Regel sind bei jenen Betrieben, die ihr Headquarter in Oberösterreich haben, die MitarbeiterInnen an allen Konzernstandorten angeführt. Liegt das Headquarter des jeweiligen Konzerns nicht in Oberös- terreich, so sind zumeist nur die MitarbeiterInnen am oberösterreichischen Standort genannt. Die namentliche Rangfolge der Top 250 ist unter Anhang A angeführt. Für die Erhebung der Eigentumsverhältnisse wurden Recherchen im österreichischen Firmenbuch bzw. bei ausländischen Eigentümern weitere Recherchen durchgeführt. So konnte die jeweils letzte Eigentümerebene ermittelt und damit der Sitz der Eigentümer der oberösterreichischen Leitbetriebe lo- kalisiert werden1. Grundsätzlich wurde nach Inland und Ausland differenziert, ferner wurden jene Leitbetriebe, bei denen mehr als die Hälfte der Anteile am freien Markt gehandelt wird, unter „Streube- sitz“ eingestuft. Der Börseplatz, an dem die Aktie gelistet ist, wurde als Hinweis auf Standort des Headquarters der Muttergesellschaft gewertet. Neben den Eigentumsverhältnissen wurden weiters relevante Informationen und Kennzahlen erho- ben, darunter etwa kumulierter Umsatz, MitarbeiterInnen, Wirtschaftsbereich und bei produzierenden Leitbetriebe auch die konkrete Branche – so ließen sich in der Auswertung Schwerpunkte und Ten- denzen identifizieren. Um den Interpretationsspielraum möglichst klein zu halten, werden zu Beginn die wichtigsten in dieser Analyse verwendeten Begriffe definiert und gegenüber anderen möglichen abgegrenzt: Eigentümer: natürliche oder juristische Personen, welche einen Anteil am untersuchten Unter- nehmen haben (Anteilseigner). Bei Kommanditgesellschaften ist die Feststellung der Eigentümer aus dem Firmenbuch häufig nicht erkennbar, als dass sich die Eigentumsverhältnisse zwischen den Kommanditisten und den Kom- plementären erst aus dem jeweiligen Gesellschaftsvertrag, in welchem die Anteile festgelegt wur- den, ergeben. Es wurde daher bei jenen Unternehmen, bei welchen entweder Kommanditisten 1 Damit ist gemeint, dass jeweils der „Eigentümer des Eigentümers“ recherchiert wurde. So steht zB die NEMAK Linz auf erster Ebene im Eigentum der Nemak Europe GmbH in Deutschland sowie der NEMAK Exterior S.L. in Spanien – diese beiden Unternehmen gehören wiederum beide der TENEDORA NEMAK in Mexiko. Somit kann die Linzer Niederlassung letztlich einem mexikanischen Eigentümer zugeordnet werden. Seite 6 / 61
oder Komplementäre nicht aus Österreich stammen, eine Zuordnung hinsichtlich der Kategorien „Mehrheits- bzw. Minderheitseigentümer“ auf Basis von Sekundärinformationen, Haftungsvolumina, etc. vorgenommen. Leitbetrieb: ein Unternehmen, das sich durch besondere Leistungen oder Aufgabenbereiche von anderen Unternehmen unterscheidet und/oder herausragt ("Paradeunternehmen"). Ein Leitbetrieb ist regional impulsgebend und damit wirtschaftlich wichtig für die Region, insbesondere in Hinblick auf die Beschäftigung, die Wertschöpfung und Zukauffunktion von Zulieferunternehmen und Dienstleistern. Der Einfachheit wegen werden die 250 umsatzstärksten Unternehmen in Oberöster- reich als Leitbetriebe bezeichnet. Seite 7 / 61
2. Eigentumsverhältnisse der Top 250-Unternehmen in Oberösterreich Laut Leistungs- und Strukturdatenstatistik der Statistik Austria (aktuellste Daten von 2008) sind in Oberösterreich 43.835 Betriebe mit 432.565 unselbstständig Beschäftigten aktiv. Die 250 oö. Leitbe- triebe umfassen somit lediglich 0,57 % der Unternehmen in Oberösterreich, beschäftigen jedoch insgesamt 269.577 MitarbeiterInnen (zum Teil auch an anderen Standorten). Im Geschäftsjahr 2009 bzw. 2009/2010 erwirtschafteten sie in Oberösterreich einen kumulierten Umsatz von knapp € 62 Mil- liarden. Die folgende Auswertung gibt zunächst einen Überblick über die Eigentumsverhältnisse der oö. Leitbe- triebe, anschließend werden vertiefende Analysen zunächst in Bezug auf die Mehrheits- und Minder- heitseigentümer sowie hinsichtlich der Wirtschaftsbereiche und Branchen, in denen die oö. Leitbetriebe tätig sind, des kumulierten Umsatzes und der MitarbeiterInnen angestellt, sowie ein näherer Blick auf die Top 50-Unternehmen gerichtet. 2.1 Überblick über die Eigentumsverhältnisse der oö. Leitbetriebe Die 250 oö. Leitbetriebe wurden sowohl nach deren Mehrheits- als auch nach deren Minderheitseigen- tümerstrukturen analysiert. Die Verortung des Eigentümerstandortes bezieht sich jeweils auf die letzte Eigentümerebene. Abbildung 1: Anzahl und Anteil der Leitbetriebe nach Eigentümerstandort (n=250) Ausland 69 28% Inland 181 72% Seite 8 / 61
Die gesamthafte Betrachtung der Mehrheitseigentümer ergibt folgendes Bild: 181 bzw. 72 % finden sich mehrheitlich in österreichischem Eigentum, worunter auch jene sieben Unternehmen, die in öffentlichem Besitz stehen, zur Gänze verortet werden können. Ledig- lich bei einem Leitbetrieb – allerdings dem deutlich größten – befindet sich die Mehrheit der Anteile (60 %) in Streubesitz an der Wiener Börse. 69 Leitbeitriebe bzw. 28 % stehen mehrheitlich in ausländischem Eigentum. Davon sind 19 Leitbetriebe Bestandteil von Mutterkonzernen, deren Mehrheitsanteile an ausländischen Börsen gehandelt werden Übersicht nach Eigentümerstandort: 250 Leitbetriebe - 181 mehrheitlich in Inlandseigentum … 1 mehrheitlich börsennotiert - 69 mehrheitlich in Auslandseigentum … 35 Deutschland (davon 7 mehrheitlich börsennotiert) … 6 Schweiz (davon 1 mehrheitlich börsennotiert) … 5 Niederlande (davon 2 mehrheitlich börsennotiert) … 5 USA (davon 2 mehrheitlich börsennotiert) … 3 Kanada … 2 Schweden … 2 Irland (beide mehrheitlich börsennotiert) … je 1 Spanien, Hong Kong, Malaysia, Mexiko, Großbritannien, Vereinigte Arabische Emirate … je 1 mehrheitlich börsennotiert in Finnland, Italien, Luxemburg, Frankreich, Australien Seite 9 / 61
2.2 Vertiefende Analyse der Eigentumsverhältnisse 2.2.1 Leitbetriebe in ausländischem Mehrheitseigentum 69 der 250 oö. Leitbetriebe – also 28 % - haben Mehrheitseigentümer, deren Standort im Ausland ist bzw. die an einer ausländischen Börse notieren und sich mehrheitlich in Streubesitz befinden. Von diesen 69 Unternehmen sind 50 einem ausländischen Mehrheitseigentümer klar zuzuordnen. Die wei- teren 19 Leitbetriebe bzw. 8 % gehören Muttergesellschaften, die mehrheitlich an ausländischen Bör- sen gehandelt werden (siehe unten). Abbildung 2: Anzahl der Leitbetriebe mit ausländischem Mehrheitseigentümer (ohne Streubesitz) nach Ländern (n=50) MAL UK MEX 1 VAE 1 1 1 HK E 1 SWE 1 2 USA 3 NL 3 D 28 CAN 3 CH 5 Eindeutig nimmt Deutschland bei den ausländischen Eigentümern den größten Part ein, worauf 56 % bei den Firmenbeteiligungen bzw. 37 % bei den mehrheitlich börsennotierten Muttergesellschaften entfallen. Überraschend ist die weitere Länderverteilung: Nach Deutschland nimmt auf den ersten Blick die Schweiz mit 5 Mehrheitseigentümern2 den zweitgrößten Anteil ein, realiter steht sie mit drei Beteili- 2 Hierbei ergibt sich eine gewisse Unschärfe, wenn Personen ihren Wohnsitz bzw. den Sitz der Beteiligungsge- sellschaften in der Schweiz haben: Realiter ist jeweils ein formell schweizerischer Mehrheitseigentümer Deutschland bzw. Österreich zuzurechnen (siehe Einzeldarstellungen der Unternehmen) Seite 10 / 61
gungen gleichauf mit Kanada, USA und Niederlande, unmittelbar gefolgt von Schweden mit zwei Beteiligungen. Im Folgenden werden zur Veranschaulichung die 50 Leitbetriebe im ausländischen Mehrheitsei- gentum gemäß ihrer Rangordnung unter den Top 250 angeführt – jene in Eigentum von ausländi- schen mehrheitlich börsennotierten Konzernen folgen separat. in den Fußnoten sind ggf. erklärende Kommentare angeführt: Deutschland Hofer KG (Lebensmittel-Diskont) BMW Motoren GmbH BORBET Austria GmbH (Automobilzulieferer) Trumpf Maschinen Austria GmbH & Co KG Wacker Neuson Linz GmbH (Fahrzeugindustrie) Synthesa Chemie Gesellschaft m.b.H. P. Dussmann GmbH (Dienstleister) NKD Österreich Handels-gesellschaft m.b.H. & Co. KG Lenze Antriebstechnik Gruppe (Anlagentechnik) EKB Elektro- und Kunststofftechnik GmbH (Autozulieferindustrie) BIS Chemserv GmbH (Industrieservice) DACHSER-Austria Gesellschaft m.b.H. (Güterbeförderung) Bosch Rexroth GmbH (Elektroindustrie) Kellner & Kunz AG (Industriebedarf) Wintersteiger AG (Anlagenbau) Wuppermann Bandstahl GmbH (Metallindustrie) ZF Steyr Gruppe (Fahrzeugzulieferindustrie) Top Oil Reitinger GmbH & Co KG (Mineralölhandel) Linde Fördertechnik GmbH (Anlagenbau) Berner GmbH (Industriebedarf) HARIBO Lakritzen Hans Riegel Betriebsges.m.b.H. Gummiwerk Kraiburg Austria GesmbH & CO Hoffmann & Co Elektrokohle AG (Fertigungstechnik) HÖRMANN-Austria Ges.m.b.H. (Metallbau) I.K. Hofmann GmbH (Personalüberlassung) Seite 11 / 61
Diamant-Nahrungsmittel GmbH Kommanditges. Leitz GmbH & Co KG (Werkzeugbau) aluplast Austria GmbH (Kunststoffindustrie) Schweiz Wolf Holding (Fertighäuser)3 Nycomed (Pharma) Bauhaus Depot (Einzelhandel)4 Eternit-Werke Ludwig Hatschek AG (Bauzulieferindustrie)5 WFL Millturn Technologies (Maschinenbau)6 Kanada BRP-Powertrain (Maschinenbau) Christ Water Technologies (Wasseraufbereiter)7 TMS Transport- und Montagesysteme (Maschinenbau) Niederlande BrauUnion8 (Nahrungsmittel) DSM Fine Chemicals (Chemie) SCA Graphic Laakirchen USA AMAG Austria Metall AG9 (Metallverarbeitung) JELD-WEN Türen („Dana-Türen“) FCI Austria (Autozulieferindustrie)10 3 Wolf-Haus steht mehrheitlich im Eigentum der aus Oberösterreich stammenden Familie Wolf, deren Mitglieder jedoch in der Schweiz gemeldet sind. 4 Die Firma Bauhaus stammt eigentlich aus Deutschland, hat jedoch den formellen Sitz in der Schweiz. Der Fir- mengründer Heinz Georg Baus hält persönlich 25 % der Österreich-Tochter und ist in Monaco gemeldet. 5 Das bekannte Vöcklabrucker Unternehmen steht seit 2009 im Eigentum des Schweizers Bernhard Alpstäg bzw. seiner FibreCem Holding AG. 6 WFL steht über eine deutsche Holding im Eigentum der schweizerischen AUTANIA Holding, die eine Manage- mentholding für sechs Werkzeugbauunternehmen in Deutschland, Österreich und Frankreich bildet. 7 Die vormals an der Wiener Börse notierte CWT ist nunmehr über eine Europa-Holding Teil des kanadischen Wasseraufbereitungskonzern GLV Inc. 8 Die BrauUnion wurde bekanntlich von der niederländischen Heineken-Brauerei übernommen, die über Beteilig- ungsgesellschaften nach wie vor mehrheitlich im Eigentum der Familie Heineken steht. 9 Die AMAG befindet sich über mehrere Zwischengesellschaften derzeit im Mehrheitseigentum von „One Equity Partners“ (OEP), einer Investmentgesellschaft der New Yorker Bank JPMorgan Chase & Co. Die OÖN berichte- ten am 20.1.2011 von einem möglichen Verkauf der OEP-Anteile oder einem möglichen Börsegang der AMAG. 10 FCI Austria ist ein Teil des globalen FCI-Konzerns, der derzeit mehrheitlich vom Bain Capital Private Equity Fonds mit Sitz in Boston gehalten wird Seite 12 / 61
Schweden SKF Österreich AG (Fahrzeugzulieferer) Husqvarna Austria (Sägenerzeuger) Vereinigte Arabische Emirate Borealis Agrolinz Melamine (Chemieindustrie) HongKong/Sonderverwaltungszone der VR China FACC (Luftfahrtindustrie)11 Spanien Alpine-Energie Österreich GmbH (Anlagenbau) Mexiko Nemak Linz (Autozulieferer)12 Malaysia Quanmax AG (Elektronikindustrie)13 Großbritannien General Logistics Systems Austria (Güterbeförderung)14 11 Seit 2009 ist FACC AG zu über 95 % von der „Future International Aviation Investment Co.,Ldt.“ mit Sitz in Hong Kong übernommen worden, die wiederum in Einflussbereich der chinesischen „Xi'an Aircraft Industry (Group) Company Ltd.“ steht. Diese Verbindung konnte jedoch nicht valide nachgewiesen werden. Aufgrund der weitgehenden Autonomie der Sonderverwaltungszone in wirtschaftlichen Angelegenheiten wird Hong Kong nicht per se der kommunistischen Volksrepublik China zugerechnet. 12 Über Zwischengesellschaften ist NEMAK Linz ein Teil des mexikanischen TENEDORA NEMAK-Konzerns. 13 Das aus Gericom hervorgegangene Unternehmen wird mehrheitlich vom malaysischen Quanmax-Konzern gehalten. 14 General Logistics ist eine Tochter der deutschen „German Parcel Paket-Logistik“, die zur niederländischen „General Logistics Systems“ gehört – diese wiederum steht im Mehrheitseigentum der britischen Royal Mail, die trotz der privaten Rechtsform nach wie vor zur Gänze dem britischen Staat gehört. Seite 13 / 61
19 der 250 Leitbetriebe stehen im Eigentum von Muttergesellschaften, die selbst mehrheitlich in Streubesitz an ausländischen Börsen notiert sind. Somit lässt sich kein eindeutiger Eigentümer- standort lokalisieren, lediglich der Börseplatz benennen, was in den meisten Fällen Aufschluss über den Headquarterstandort geben kann. Abbildung 3: Anzahl der Leitbetriebe mit ausländischem Mehrheitseigentümer in mehrheitlichem Streu- besitz nach Börseplatz (n=19) Börse Paris Börse Sydney Börse 1 1 Luxemburg 1 Börse Börse Zürich Frankfurt 1 7 Börse Mailand 1 Börse Helsinki 1 Börse New York Börse 2 Börse Dublin Amsterdam 2 2 Namentlich handelt es sich dabei um folgende 19 Leitbetriebe: Börse Frankfurt MAN Steyr (Fahrzeugindustrie) Siemens VAI (Anlagenbau) Siemens Elin (Elektronik) Linde Gas (Energie) SGL Carbon (Industriezulieferer) BIS VAM (Anlagentechnik)15 Trench Austria (Energieanlagenbau) Börse Amsterdam TenCate (Bauzulieferindustrie) ILS Gruppe (Softwarehersteller)16 15 BIS VAM ist über Beteiligungsgesellschaften letztlich eine Tochter von Bilfinger Berger. 16 Die Linzer ILS-Gruppe wurde 2008 vom niederländischen Imtech-Konzern übernommen und tritt hinfort auch unter dem Namen „Imtech ICT Austria“ auf. Seite 14 / 61
Börse Dublin Nettingsdorfer Papierfabrik17 Smurfit Interwell (Papierindustrie) Börse New York GE Healthcare (Maschinenbau-Gesundheitswesen)18 Hexcel Holding (Kunststofftechnik) Börse Mailand Lenzing AG (via BankAustria-Holding und UniCredit) Börse Helsinki UPM-Kymmene Austria („Steyrermühl“, Papierindustrie)19 Börse Zürich EBEWE Pharma20 Börse Sydney Nufarm (Chemische Industrie)21 Börse Luxemburg Eisen Wagner (Stahlhandel)22 Börse Paris Eckelt Glas (Bauzulieferindustrie)23 17 Über teils verschachtelte Konstruktionen sind die Nettingsdorfer Papierfabrik und Smurfit Interwell in Nettings- dorf letztlich Teil der an der irischen Börse gelisteten Smurfit Kappa Group. 18 GE Healthcare ist ein Teil des börsennotierten General Electric-Konzerns. 19 Das Papierwerk in Steyrermühl ist eine Tochter von UPM-Kymmene Oyj, welche an der Börse Helsinki notiert ist. 20 EBEWE Pharma gehört zur Novartis Holding, die an der schweizerischen Börse gehandelt wird. 21 Nufarm steht im Eigentum der australischen Medisup Securities Ltd. 22 Die Eisen Wagner GmbH in Ried/Innkreis wurde von ArcelorMittal übernommen, die an der luxemburgischen Börse notiert sind, nachdem die niederländische Mittal Steel des Inders Lakshmi Mittal mit dem Arcelor- Konzern aus Luxemburg fusionierten. 23 Über eine deutsche Beteiligungsgesellschaft befindet sich Eckelt Glas in Steyr im Eigentum des französischen Konzerns „Compagnie de Saint-Gobain“ – dem zweitgrößten Konzern Frankreichs und in manchen Bereichen der Baustoffindustrie Welt- bzw. Europamarktführer. Seite 15 / 61
2.2.2 Minderheitsbeteiligung an oö. Leitbetrieben An 34 der 250 oö. Leitbetriebe ist eine in- bzw. ausländische Minderheitsbeteiligung gegeben, die sich in Bezug auf den Eigentümerstandort vom Mehrheitseigentümer unterscheidet24. Hierbei ist zu beachten, dass zum Teil mehrere Minderheitseigentümer vorliegen, die wiederum unterschiedlichen Standorten oder Eigentümerstrukturen zuzuordnen sind – zB wenn ein Minderheitsanteil einer im ös- terreichischen Mehrheitseigentum stehenden Firma an der Börse gehandelt wird, aber auch ein aus- ländischer Anteilseigner beteiligt ist. Interessante Ergebnisse hinsichtlich der Minderheitsbeteiligungen sind etwa: Von 12 oö. Leitbetrieben bzw. deren Mehrheitseigentümer befinden sich weniger als 50 % der Aktien im Handel an der Wiener Börse, wobei die Werte in Klammer den Streubesitzanteil ange- ben: Lenzing AG (6,97 %) VA Intertrading AG25 Polytec Group (38 %) Rosenbauer International (44 %) KTM Power Sports (8 %) BWT AG (49,5 %) MIBA AG (17,98 %) Borealis Agrolinz Melamine GmbH26 HTI – High Tech Industries AG (48 %) Linz Textil Holding AG (33,28 %) Wuppermann Bandstahl GmbH27 GWG Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft der Stadt Linz GmbH28 Ledig ein oö. Leitbetrieb (Quanmax AG - vormals Gericom) wird minderheitlich an einer ausländi- schen Börse – in diesem Fall Frankfurt – gehandelt (30,68 %). 24 Nicht näher eingegangen wird auf Minderheitsbeteiligungen, die in Bezug auf den Standort mit dem Mehrheits- eigentümer übereinstimmen, so zB eine GmbH mit mehreren österreichischen Gesellschaftern, eine registrierte Genossenschaft mit einer Vielzahl an Genossenschaftern (zB Lagerhäuser, Molkereien) u.dgl. 25 38,5 % der Anteile hält die voestalpine AG, weitere 4 % die IMMORENT Aktiengesellschaft der ERSTE-Group – den Rest halten institutionelle Investoren, darunter Tochterfirmen von Raiffeisen und BankAustria. 26 32,67 % hält eine OMV-Tochter bzw. weitere 3,33 % die OMV selbst, von der 48,5 % der Anteile in Streubesitz sind 27 30 % gehören der voestalpine Stahl GmbH, die wiederum zu 99 % im Besitz der voestalpine AG steht 28 5 % der Linzer Wohnbaugenossenschaft gehören der IMMORENT Aktiengesellschaft, die wiederum der ERS- TE Group Bank AG zuzuordnen ist Seite 16 / 61
An 15 Leitbetrieben in ausländischem Mehrheitseigentum ist eine österreichische Minderheitsbe- teiligung gegeben – zB wenn ein österreichisches Unternehmen mehrheitlich an einen ausländi- schen Käufer veräußert wurde, der vormalige Eigentümer jedoch einen Minderheitsanteil behielt, oder die MitarbeiterInnen wie im Fall der voestalpine beteiligt sind. Mehrfach sind auch Wirt- schaftsprüfer oder –treuhänder (allerdings in der Regel nur sehr geringfügig) beteiligt. Weitere ausländische Minderheitsbeteiligungen, die in Bezug auf den Eigentümerstandort vom Mehrheitseigentümer abweichen, lassen sich bei 21 oö. Leitbetrieben bzw. deren Mehrheitseigen- tümern feststellen. Sie gehen zum Großteil auf Deutschland, die Niederlande und die Schweiz zu- rück. Vereinzelt sind Minderheitsbeteiligungen aus Großbritannien, Italien, Indien, Liechtenstein, Monaco und Spanien festzuhalten. Hierbei sind angesichts der geringen Anzahl keine relevanten Häufungen auszumachen, vielmehr spielen die Branchenvernetzung, familiäre Verbindungen oder formelle Wohn- und Firmensitzverlagerungen eine gewichtige Rolle. 2.2.3 Leitbetriebe in öffentlichem Eigentum Mehrheitlich in inländischem öffentlichem Besitz stehen die folgenden Leitbetriebe, zum Teil über Beteiligungs- und Tochtergesellschaften: Energie AG Oberösterreich (Land Oberösterreich) OÖ. Gesundheits- und Spitals AG (Land Oberösterreich) Linz AG (Stadt Linz) Allgemeines Krankenhaus der Stadt Linz GmbH (Stadt Linz) OÖ Ferngas AG29 Elektrizitätswerk Wels (Stadt Wels) GWG Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft der Stadt Linz GmbH (Stadt Linz) Thermenholding GmbH (Land Oberösterreich) 29 Größte Teilhaber sind die o.a. EnergieAG, ferner die Linz GAS/WÄRME GmbH der LinzAG, die Elektrizitäts- werke Wels sowie die Management Linz GmbH. Seite 17 / 61
2.3 Vertiefende Analysen nach Wirtschaftsbereichen, Branchen, Umsatz und Mitarbei- terInnen Weiters wird ein genauerer Blick auf Wirtschaftsbereiche und Branchen der oö. Leitbetriebe, kumulier- ten Umsatz und die MitarbeiterInnenanzahl in Verbindung mit deren Eigentumsverhältnissen gerichtet. 2.3.1 Tätigkeiten der oö. Leitbetriebe nach Wirtschaftsbereichen Oberösterreich ist ein Industrieland: 62 % der Leitbetriebe sind in der produzierenden Wirtschaft30 tätig, ein Viertel im Handel und 14 % im Dienstleistungssektor, in dem charakteristischerweise eher KMUs und EPUs tätig sind. Über € 40 Mrd. an kumuliertem Umsatz wurden selbst im „Krisenjahr“ 2009 bzw. 2009/2010 durch die produzierenden Leitbetriebe in OÖ erwirtschaftet – so haben 62 % der Leitbetriebe 66 % des kumulierten Umsatzes erzielt. Abbildung 4: Anzahl und Anteil der Leitbetriebe nach Wirtschaftsbereichen (n=250) Dienst- leistungen 34 14% Handel Produktion 60 156 24% 62% Abbildung 5: Kumulierter Umsatz und Anteil des kumulierten Umsatzes nach Wirtschaftsbereichen (n=250) Dienst- leistungen € 5,7 Mrd. 9% Handel € 15,7 Mrd. 25% Produktion € 40,5 Mrd. 66% 30 Die Verortung in den Wirtschaftsbereichen Produktion, Handel und Dienstleistung erfolgte nach dem Schwer- punkt der wirtschaftlichen Tätigkeit des Unternehmens, wie er in der Liste der Top 250 angegeben ist bzw. in der Aufstellung der österreichweiten top1000 der Magazine news&trend angegeben ist. Realiter ist zu berück- sichtigen, dass ein Unternehmen mit dem wirtschaftlichen Schwerpunkt Produktion durchaus auch Dienstleis- tungen erbringen kann oder Handel treibt etc. Seite 18 / 61
Die Verknüpfung von Eigentumsverhältnissen und Wirtschaftsbereichen zeigt einen deutlichen Schwerpunkt von ausländischen Mehrheitseigentümern bei produzierenden Leitbetrieben – 36 % der produzierenden Leitbetriebe Oberösterreichs befinden sich mehrheitlich in ausländischem Be- sitz (56 von 156 Leitbetrieben in der Produktionswirtschaft). Im Handel sind es lediglich 13 % (8 von 60 Leitbetrieben) bzw. 15 % in der Dienstleistungswirtschaft (5 von 34), die nicht mehrheitlich in österreichischer Hand sind. Diese sind zB im Handel die Firmen Hofer, Bauhaus, NKD, Eisen Wagner – im Dienstleistungsbereich zB P. Dussmann (Gebäudedienst- leister), Dachser Logistik, General Logistics, ILS Software, I.K. Hofmann (Personalleasing) Abbildung 6: Anteil der Leitbetriebe nach Wirtschaftsbereichen und Eigentumsverhältnissen (n=250) 0% 20% 40% 60% 80% 100% Produktion 63 1 25 11 Inland Streubesitz Inland Handel 87 11 2 Ausland Streubesitz Dienstleistungen 85 12 3 Ausland 2.3.2 Beleuchtung des servoindustriellen Sektors Oberösterreichs Industrie ist in einem interaktiven Leistungsgeflecht mit ihren Zulieferbetrieben und spezifischen Dienstleistungsunternehmen verbunden. Der so genannte servoindustrielle Sektor, der den produzierenden Bereich sowie die vor- und nachgelagerten industrienahen Dienstleistungen wie zB Logistik, Industriebedarfe, spezifischer Großhandel usw. umfasst, stellt eine maßgebliche Größe unter den Top 250 in Oberösterreich dar. Seite 19 / 61
178 oder 71 % der 250 Leitbetriebe sind dem servoindustriellen Sektor zuzuschreiben. Hierbei sind neben den 156 produzierenden Leitbetrieben noch 22 weitere Unternehmen aus dem Handel- und Dienstleistungssektor (insbes. Logistik, Personaldienstleister, IT) vertreten, deren Leistungserbringung eng mit der Industrie verflochten ist. Abbildung 7: Anzahl und Anteil von Leitbetrieben des servoindustriellen Sektors (n=250) Sonstige 72 Servoin- 29% dustrieller Sektor 178 71% Zusammen erwirtschaften sie € 46 Mrd. an kumuliertem Umsatz, was 72 % des kumulierten Umsat- zes aller Leitbetriebe entspricht. Sonstige Handels- und Dienstleistungsbetriebe konnten einen kumu- lierten Umsatz von € 17 Mrd. verzeichnen. Abbildung 8: Anteil und Summe des kumulierten Umsatzes im servoindustriellen Sektor der oö. Leitbe- triebe (n=250) Sonstige € 17 Mrd. 28% Servoin- dustrieller Sektor € 45 Mrd. 72% Ein ähnliches Bild zeigt sich in Bezug auf die Beschäftigung: Im servoindustriellen Sektor der oberös- terreichischen Leitbetriebe sind 197.000 Personen tätig, was 73 % der Beschäftigten aller Leitbetriebe entspricht. Seite 20 / 61
2.3.3 Analyse der produzierenden Leitbetriebe nach Branchen Der produzierende Sektor (156 von 250 Leitbetrieben) wurde weiters dahingehend analysiert, in wel- chen Branchen die Unternehmen tätig sind. Hierfür wurde die Kategorisierung von der „Industrieland- karte“ der IV Oberösterreich übernommen.31 Neben der Anzahl der Unternehmen wurden auch der kumulierte Umsatz sowie die MitarbeiterInnen- anzahl auf Branchenebene betrachtet. In weiterer Folge wird auf Besonderheiten und Auffälligkeiten in Hinblick auf die Eigentumsverhältnisse eingegangen. Abbildung 9: Anteil produzierender Leitbetriebe nach Branchen nach Anzahl der Unternehmen (n=156) Textilien, Bekleidung und Papier und Ledererzeugung Druckereien 3% Baustoffe 5% 5% Bauwesen Nahrungsmittel- 3% erzeugung Chemie, pharm. 14% Industrie, Kunststoffe 12% Elektronik, Metallerzeugung Elektrotechnik und -verarbeitung 3% 6% Energie- und Wasserversorgung 4% Fahrzeugbau Holz, sonstige 11% Sachgüter, Recycling 10% Maschinen- und Anlagenbau 24% 31 Die Kategorie „Bergbau“ trifft auf keinen der 250 Leitbetriebe zu und wurde daher nicht weiter berücksichtigt, ferner die Kategorie „Nahrungsmittelerzeugung und Tabakwaren“ auf erstere beschränkt. Aufgrund ihrer gro- ßen Relevanz für die oö. Leitbetriebe wurde die Kategorie „Maschinen und Fahrzeugbau“ in „Anlagen- und Ma- schinenbau“ sowie „Fahrzeugbau“ differenziert. Seite 21 / 61
Mit 38 Unternehmen sind die meisten der produzierenden oö. Leitbetriebe im Segment Maschinen- und Anlagenbau tätig, das knapp ein Viertel der produzierenden Leitbetriebe umfasst. Von diesen 38 Unternehmen stehen etwa zwei Drittel in inländischem und ein Drittel in ausländischem Eigentum. Abbildung 10: Anzahl der Unternehmen in der Branche „Maschinen- und Anlagenbau“ nach Eigentümer- standort (n=38) Ausland 12 Inland 26 Auf den ersten Blick ist wenig verwunderlich, dass die Nahrungsmittelproduktion als zweitgrößte Branche in Hinblick auf die Anzahl der produzierenden Leitbetriebe stark in österreichischer Hand ist – 19 von 22 Nahrungsmittelproduzenten unter den Top 250 sind in inländischem Besitz. Bei näheren Blick zeigen sich dabei zwei Schwerpunkte: Zum Einen sind einige Leitbetriebe stark in der Region verwurzelt, was unter anderen durch die Nähe zu den Zulieferbetrieben bedinft ist (zB Molkerei- genossenschaften, Schlachtbetriebe u.dgl.). Andererseits finden sich unter den oö. Leitbetrieben einige international agierende und vernetzte Nahrungsmittelproduzenten sowohl in österreichischem Besitz (Vivatis, S.Spitz, Artax, Haas, backaldrin, Almi u.a.) als auch mit ausländischem Mehrheitseigentümer (Brau Union, HARIBO, Diamant Nahrungsmittel). Abbildung 11: Anzahl der Unternehmen in der Branche „Nahrungsmittel“ nach Eigentümerstandort (n=22) Ausland 3 Inland 19 Seite 22 / 61
Die Branche Chemie/Pharma/Kunststoffe (12 % der Anzahl der produzierenden Leitbetriebe) steht zum Großteil in ausländischem Eigentum: 11 der 19 Unternehmen gehören mehrheitlich einem aus- ländischen Eigentümer. Vice versa umfasst die Branche 32 % der oö. Leitbetriebe im Mehrheitseigen- tum von Unternehmen in mehrheitlich ausländischem Streubesitz. Die Muttergesellschaften der oö. Tochterunternehmen finden sich beinahe am gesamten Globus: Lenzing (Italien-Streubesitz), Nycomed (Schweiz), DSM Fine Chemicals (Niederlande), Borealis (Vereinigte Arabische Emirate), Nufarm (Australien-Streubesitz), Synthesa (Deutschland), Hexcel (USA-Streubesitz) – natürlich gibt es auch Leitbetriebe in österreichischem Eigentum wie etwa die Greiner-Gruppe, AGRU Kunststoff- technik, Poloplast oder Tiger-Lacke. Abbildung 12: Anzahl der Unternehmen in der Branche „Chemie, pharmazeutische Industrie, Kunststof- fe“ nach Eigentümerstandort (n=19) Inland 8 Ausland 11 Im Segment Fahrzeugbau, das mit 17 Unternehmen 11 % der Produktionswirtschaft unter den Top 250 umfasst, ist ebenfalls die Mehrzahl der Betriebe in ausländischem Mehrheitseigentum. Darunter finden sich einige sehr große Leitbetriebe wie zB BMW, MAN, BRP-Powertrain, SKF u.a.m. – aber auch beinahe ebensoviele Firmen in österreichischer Hand, vorrangig im Bereich der Automobilzu- lieferindustrie (zB Polytec, Rosenbauer, KTM Power Sports, MIBA etc.) Abbildung 13: Anzahl der Unternehmen in der Branche „Fahrzeugbau“ nach Eigentümerstandort (n=17) Inland Ausland 8 9 Seite 23 / 61
Metallerzeugung und –verarbeitung: In der Metallerzeugung und –verarbeitung sind 10 Leitbetriebe zu verorten, was 6 % der produzierenden Leitbetriebe entspricht. Diese erwirtschaften jedoch 24 % des kumulierten Umsatzes (etwas unter € 10 Mrd.) und beschäftigen ein Viertel aller MitarbeiterInnen der produzierenden Leitbetriebe. Hierbei spielt die voestalpine AG als mit Abstand größtes Unterneh- men in Oberösterreich hinsichtlich des kumulierten Umsatzes und der MitarbeiterInnenanzahl eine wesentliche Rolle – wobei hier auch MitarbeiterInnen an anderen Konzernstandorten berücksichtigt sind. Abbildung 14: Anzahl der Unternehmen in der Branche „Metallerzeugung und -verarbeitung“ nach Eigen- tümerstandort (n=10) Ausland Inland 5 5 Abschließend noch ein Blick auf die Papierindustrie: Hier sind sieben der 250 Leitbetriebe zu verorten, diese sind jedoch nicht unwesentlich hinsichtlich des kumulierten Umsatzes und der Beschäftigung. Vier der sieben Betriebe sind in ausländischem Besitz (SCA Graphic Laakirchen- Niederlande, UPM-Kymmene-Finnland Streubesitz, Nettingsdorfer Papierfabrik & Smurfit Interwell- Irland in Streubesitz), drei in inländischem Eigentum (delfortgroup, Trierenberg, kb-endlos Kroiss&- Bichler). Abbildung 15: Anzahl der Unternehmen in der Branche „Papier und Druckereien“ nach Eigentümer- standort (n=7) Inland 3 Ausland 4 Seite 24 / 61
Insgesamt verteilen sich die 156 produzierenden Leitbetriebe nach Branchen und Eigentümerstandort betrachtet wie in der folgenden Abbildung dargestellt. Dabei zeigt sich zum Einen, dass in den Bran- chen „Maschinen- und Anlagenbau“, „Nahrungsmittelerzeugung“ und „Chemie, pharmazeutische In- dustrie, Kunststoffe“ die meisten Unternehmen zu finden sind. Zum Anderen wird aus dieser Abbildung ersichtlich, dass die Leitbetriebe in der chemisch-pharmazeutischen Industrie (11 von 19), dem Fahr- zeugbau (9 von 17), sowie der Papierindustrie (4 von 7) mehrheitlich in ausländischem Mehrheitsei- gentum stehen. Abbildung 16: Anzahl der Unternehmen nach Branchen und Eigentumsverhältnissen (n=156) 0 5 10 15 20 25 30 Baustoffe 6 2 Bauwesen 2 2 Chemie, pharm. Industrie, Kunststoffe 8 11 Elektronik, Elektrotechnik 2 3 Energie- und Wasserversorgung 4 2 Holz, sonstige Sachgüter, Recycling 12 3 Maschinen- und Anlagenbau 26 12 Fahrzeugbau 8 9 Metallerzeugung und -verarbeitung 5 5 Nahrungsmittelerzeugung 19 3 Papier und Druckereien 3 4 Textilien, Bekleidung und Ledererzeugung 5 0 Inland Ausland Seite 25 / 61
2.3.4 Analyse des kumulierten Umsatzes der oö. Leitbetriebe Ein näherer Blick auf den kumulierten Umsatz zeigt die Bedeutung ausländischer Eigentümer für die oö. Leitbetriebe: Von € 62 Mrd. an kumuliertem Umsatz entfallen € 35 Mrd. oder 56 % auf Leitbetriebe mit einem inländischen Mehrheitseigentümer - 44 % oder € 27 Mrd. an kumuliertem Umsatz wer- den durch oö. Leitbetriebe in ausländischem Besitz erwirtschaftet. Abbildung 17: Höhe und Anteil des kumulierten Umsatzes nach Eigentümerstandort (n=250) Ausland € 27 Mrd. Inland 44% € 35 Mrd. 56% Den größten Anteil am kumulierten Umsatz haben Firmen mit ausländischem Mehrheitseigentü- mer erwartungsgemäß im Produktionssektor – insgesamt 35 % des kumulierten Umsatzes in der Pro- duktionswirtschaft werden durch Leitbetriebe in ausländischem Mehrheitseigentum erwirtschaftet (€ 14,1 Mrd. von € 40,5 Mrd.). Allerdings ist der Anteil im Handel mit 26 % auch nicht zu unterschätzen (€ 4 Mrd. von € 15,6 Mrd.), während im Dienstleistungssektor 93 % der Umsätze österreichischen Mehrheitseigentümern zuzurechnen sind. Abbildung 18: Anteil des kumulierten Umsatzes nach Wirtschaftsbereichen und Eigentümerstruktur (n=250) 0% 20% 40% 60% 80% 100% Produktion 44 21 21 14 Inland Streubesitz Inland Handel 74 25 1 Ausland Streubesitz Ausland Dienstleistungen 93 16 Seite 26 / 61
In Betrachtung des kumulierten Umsatzes jener 69 Leitbetriebe, die mehrheitlich in ausländischem Eigentum stehen, ergibt sich folgende Reihenfolge in Hinblick auf die Eigentümerstandorte: 1. Eindeutig dominiert Deutschland mit einem kumulierten Umsatz von knapp € 8 Mrd. durch deut- sche Unternehmen sowie weitere € 3 Mrd., die zu mehrheitlich an der Frankfurter Börse gehandel- ten Konzernen gehören. Somit werden € 11 Mrd. an kumuliertem Umsatz durch deutsche Eigen- tümer erwirtschaftet. 2. Auf dem zweiten Platz findet sich die Schweiz wieder, auf deren Unternehmen € 1,292 Mrd. an kumuliertem Umsatz in den oö. Leitbetrieben bzw. € 0,2 Mrd. auf die Schweizer Börse entfallen. 3. Nur etwas geringer ist der kumulierte Umsatz in Verbindung mit niederländischen Muttergesell- schaften (€ 1,285 Mrd.) bzw. € 0,11 Mrd. von Unternehmen, derer Eigentümer mehrheitlich an der Amsterdamer Börse notiert sind.32 4. Nur ein Unternehmen, das jedoch den sechstgrößten kumulierten Umsatz der oö. Leitbetriebe auf- weist (Lenzing AG mit € 1,25 Mrd.) steht mehrheitlich in Eigentum einer italienischen Bank, die zum größten Anteil an der Mailänder Börse gehandelt wird. 5. Die Beteiligung der USA bzw. an der New Yorker Börse notierten Unternehmen am kumulierten Umsatz der oö. Leitbetriebe umfassen € 922 Mio. 6. Jene drei Leitbetriebe, die mehrheitlich in kanadischem Eigentum stehen (BRP-Rotax, CWT und TMS) erzielten etwas über eine halbe Milliarde Euro an kumuliertem Umsatz . Die weitere Reihung: Vereinigte Arabische Emirate, Schweden, HongKong33, die Börsen Helsinki, Dub- lin, Sydney, Luxemburg, Spanien, Mexiko, Börse Paris, Malysia und Großbritannien. Die kumulierten Umsätze der 69 oö. Leitbetriebe in ausländischem Mehrheitseigentum – unab- hängig ob in Privat- oder Streubesitz – nach Länderreihung sowie deren Anteil am kumulierten Umsatz aller oö. Leitbetriebe verstärkt die Bedeutung insbesondere der deutschen Eigentümer: Land Kumulierter Umsatz34 Anteil am ges. kumulierten Umsatz 1. Deutschland € 11,0 Mrd. 17,8 % 2. Schweiz € 1,5 Mrd. 2,4 % 3. Niederlande € 1,4 Mrd. 2,3 % 4. Italien € 1,3 Mrd. 2,1 % 5. USA € 0,9 Mrd. 1,5 % 6. Kanada € 0,5 Mrd. 0,8 % 32 Berücksichtigt man die Unschärfen, die sich durch die Verlagerung eines formellen Wohn- oder Firmensitzes in die Schweiz ergeben, würden die Niederlande nach Deutschland auf dem zweiten Platz und die Schweiz zwi- schen den USA und Kanada auf Rang 5 liegen! 33 Vgl. Kommentar zu FACC 34 Kumulierter Umsatz der oö. Leitbetriebe, deren Mehrheitseigentum dem jeweiligen Land zuzuordnen ist Seite 27 / 61
Zur Frage, welche Bedeutung ausländische Eigentümer in den Branchen des Produktionssektors spielen, kann auch der Anteil am kumulierten Umsatz Hinweise geben. In der folgenden Abbildung wird der kumulierte Umsatz nach Branchen und Eigentümerstandort dar- gestellt. Daraus wird ersichtlich, dass etwa im Fahrzeugbau die Unternehmen mit einem ausländi- schem Mehrheitseigentümer € 4,8 Mrd. an kumulierten Umsatz (€ 7,1 Mrd. insgesamt) erwirtschaften konnten. Im Bauwesen konnten ebenfalls die Unternehmen in ausländischem Mehrheitseigentum mehr als die Hälfte des kumulierten Umsatzes erwirtschaften. In der chemisch-pharmazeutischen Industrie sowie der Papierindustrie entfiel der Umsatz etwa zu gleichen Teilen auf in- und ausländische Mehr- heitseigentümer. Abbildung 19: Anteil produzierender Leitbetriebe am kumulierten Umsatz nach Branchen und Eigentü- merstandort in € Mrd. (n=156) 0,0 2,0 4,0 6,0 8,0 10,0 Baustoffe 1,1 0,1 Bauwesen 0,4 0,5 Chemie, pharm. Industrie, Kunststoffe 1,6 1,4 Elektronik, Elektrotechnik 0,40,4 Energie- und Wasserversorgung 2,0 0,3 Holz, sonstige Sachgüter, Recycling 1,1 0,1 Maschinen- und Anlagenbau 3,6 2,3 Fahrzeugbau 2,3 4,8 Metallerzeugung und -verarbeitung 9,0 0,9 Nahrungsmittelerzeugung 3,4 0,7 Papier und Druckereien 0,8 0,8 Textilien, Bekleidung und Ledererzeugung 0,4 Inland Ausland Seite 28 / 61
Die folgende Abbildung veranschaulicht das Verhältnis von Anzahl der Leitbetriebe, ihrem kumu- lierten Umsatz sowie ihrer MitarbeiterInnen, wobei jeweils der Anteil an allen produzierenden Unternehmen in Prozent dargestellt wird. So umfasst etwa die Branche „Baustoffe“ 5 % der Anzahl aller produzierenden Leitbetriebe, 3 % des kumulierten Umsatzes aller produzierenden Leitbetriebe und 5 % aller Beschäftigten dieser 156 produzierenden Leitbetriebe. Die Unternehmen des Bereichs „Maschinen- und Anlagenbau“ stellen 24 % der Anzahl der produzierenden Unternehmen dar und tra- gen zu 15 % des kumulierten Umsatzes und zu 14 % der Mitarbeiter aller produzierender Unterneh- men bei. Bei Metallerzeugung und –verarbeitung schlägt sich erneut die dominierende Rolle der voestalpine nieder – wobei in manchen Fällen, darunter die voestalpine, die MitarbeiterInnen an allen Standorten genannt sind. Abbildung 20: Anteil der Unternehmen, des kumulierten Umsatzes und der MitarbeiterInnen an allen pro- duzierenden Leitbetrieben nach Branchen in Prozent (n=156) 0 5 10 15 20 25 30 5 Baustoffe 3 5 3 Bauwesen 2 3 12 Chemie, pharm. Industrie, Kunststoffe 12 12 3 Elektronik, Elektrotechnik 2 2 4 Energie- und Wasserversorgung 7 7 10 Holz, sonstige Sachgüter, Recycling 3 5 24 Maschinen- und Anlagenbau 15 14 11 Fahrzeugbau 17 14 6 Metallerzeugung und -verarbeitung 24 26 14 Nahrungsmittelerzeugung 10 8 5 Papier und Druckereien 4 3 3 Textilien, Bekleidung und Ledererzeugung 1 1 Anzahl in % Umsatz in % Mitarbeiter in % Seite 29 / 61
Bei der Frage, wie sich die kumulierten Umsätze von produzierenden Leitbetrieben in ausländischem Mehrheitseigentum auf die einzelnen Branchen aufteilen, zeigt sich ein deutlicher Schwerpunkt im Be- reich des Fahrzeugbaus. Mit € 4,8 Mrd. an kumuliertem Umsatz stellt die Branche Fahrzeugbau 39% des kumulierten Umsatzes aller produzierenden Leitbetriebe in ausländischem Mehrheitseigentum dar (insgesamt € 12,3 Mrd.). Weiters erwirtschaften produzierende Unternehmen in ausländischem Mehr- heitseigentum im Maschinen- und Anlagenbau (€ 2,3 Mrd.) sowie der chemisch-pharmazeutischen und Kunststoffindustrie (€ 1,4 Mrd.) beträchtliche Umsätze. Abbildung 21: Kumulierter Umsatz von produzierenden Unternehmen in ausländischem Mehrheitseigen- tum nach Branchen (n=69) 0,0 1,0 2,0 3,0 4,0 5,0 6,0 Baustoffe 0,1 Bauwesen 0,5 Chemie, pharm. Industrie, Kunststoffe 1,4 Elektronik, Elektrotechnik 0,4 Energie- und Wasserversorgung 0,3 Holz, sonstige Sachgüter, Recycling 0,05 Maschinen- und Anlagenbau 2,3 Fahrzeugbau 4,8 Metallerzeugung und -verarbeitung 0,9 Nahrungsmittelerzeugung 0,7 Papier und Druckereien 0,8 Textilien, Bekleidung und Ledererzeugung 0,0 Seite 30 / 61
2.3.5 Analyse der MitarbeiterInnenstruktur der oö. Leitbetriebe Insgesamt beschäftigen die 250 oö. Leitbetriebe 269.000 MitarbeiterInnen35, davon allein 174.000 oder 2/3 im produzierenden Sektor, der 63 % der Unternehmen umfasst. Erwartungsgemäß ist der Dienstleistungssektor sehr personalintensiv – 14 % der Leitbetriebe beschäftigen 18 % der Mitarbeite- rInnen (50.000), während im Handel 24 % der Leitbetriebe nur 17 % der MitarbeiterInnen beschäftigen. Abbildung 22: Anzahl der MitarbeiterInnen nach Wirtschaftsbereichen (n=250) Dienst- leistungen 45.405 17% Handel 50.053 Produktion 18% 174.119 65% Deutlicher wird der Zusammenhang bei der Betrachtung der durchschnittlichen MitarbeiterInnenan- zahl je Unternehmen36: Abbildung 23: Anzahl der durchschnittlichen MitarbeiterInnen pro Leitbetrieb nach Wirtschaftsbereichen (n=250) 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600 Produktion 1.116 Handel 834 Dienstleistungen 1.335 Ein Leitbetrieb im Handel hat im Schnitt 834 MitarbeiterInnen – darunter Großunternehmen wie XXXLutz mit 16.600 oder Hofer mit 7.000 MitarbeiterInnen. Ein Dienstleistungsbetrieb beschäftigt im Schnitt 1.300 MitarbeiterInnen, wobei auch hier einige Leitbetriebe wie zB die Gespag mit 8.300 oder 35 In der Regel sind bei Unternehmen, deren Headquarter in Oberösterreich angesiedelt sind, die MitarbeiterIn- nen an anderen Standorten miteinbezogen. Liegt das Headquarter des jeweiligen Betriebs außerhalb Oberös- terreichs, so sind nur die hier tätigen MitarbeiterInnen angeführt. Genauere Angaben sind flächendeckend nicht verfügbar. 36 Bei der Berechnung der Durchschnittswerte wurde die gesamte Anzahl der MitarbeiterInnen durch die Anzahl der Unternehmen dividiert. Seite 31 / 61
P. Dussmann mit 7.000 Beschäftigten herausragen. Die Produktionsunternehmen weisen durchschnitt- lich ca. 1.100 Beschäftigte pro Leitbetrieb auf, darunter sind aber viele „Beschäftigungsriesen“ wie die voestalpine mit 39.000, die Greiner Group mit 7.200 oder die Lenzing AG mit 6.000 MitarbeiterInnen an allen Unternehmensstandorten. Die beschäftigungsintensivsten Branchen der produzierenden Leitbetriebe sind wie folgt: Metallerzeugung und –verarbeitung mit 44.500 oder 25 % der MitarbeiterInnen von produzierenden Leitbetrieben – davon sind 39.000 bei der voestalpine AG an allen Standorten beschäftigt Jeweils 14 % der Beschäftigten (ca. 25.000 MitarbeiterInnen) in den Branchen Maschinen- und Anlagenbau bzw. Fahrzeugbau Chemie, pharmazeutische Industrie, Kunststoffe mit 20.600 bzw. 12 % der MitarbeiterInnen von produzierenden Leitbetrieben Nahrungsmittelerzeugung mit 13.600 bzw. 8 % Abbildung 24: Anzahl der MitarbeiterInnen pro Leitbetriebe nach Branchen (n=156) 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 Baustoffe 1.156 Bauwesen 1.276 Chemie, pharm. Industrie, Kunststoffe 1.085 Elektronik, Elektrotechnik 759 Energie- und Wasserversorgung 1.932 Holz, sonstige Sachgüter, Recycling 576 Maschinen- und Anlagenbau 664 Fahrzeugbau 1.464 Metallerzeugung und Metallverarbeitung 4.446 Nahrungsmittelerzeugung 619 Papier und Druckereien 708 Textilien, Bekleidung und Ledererzeugung 394 Wird die durchschnittliche MitarbeiterInnenanzahl pro Leitbetrieb nach Branchen betrachtet, so zeigt sich im Bereich der Metallerzeugung und –verarbeitung ein besonders hoher Wert, was auf die hohe Beschäftigtenzahl der voestalpine und die geringe Grundgesamtheit von 10 Leitbetriebe zurück- geführt werden kann. Ferner beschäftigen produzierende Leitbetriebe in den Branchen „Energie- und Seite 32 / 61
Wasserversorgung“ im Durchschnitt fast 2.000 MitarbeiterInnen. Durchschnittlich weniger Beschäftigte pro Unternehmen finden sich in der Papier- und Textilindustrie sowie bei den Maschinen- und Anlagen- bauern. Um die Größenordnungen und die Relevanz der Leitbetriebe für die Beschäftigung in Oberöster- reich entsprechend darzustellen, scheint es geeignet, die Top 250 gemäß ihrer Rangliste zu gruppie- ren und so die Beschäftigungseffekte abzubilden: Knapp 100.000 Menschen sind in den Top 10- Leitbetrieben beschäftigt! Die zweite Gruppe – nunmehr werden Gruppen von jeweils 59 Unternehmen gebildet – umfasst in et- wa ebensoviele Beschäftigte. Folglich haben die Top 10 für den Arbeitsmarkt und damit einhergehen- de Effekte im privatwirtschaftlichen wie öffentlichen Bereich eine ebenso große Bedeutung wie die 69 nachfolgenden Betriebe. Die nächste Kategorie (Top 71-130) umfasst etwa über 41.000 MitarbeiterIn- nen, während die Top 131-190 nur noch 20.000 Menschen beschäftigen. Abbildung 25: Anzahl und Anteil der MitarbeiterInnen nach gruppierter Rangliste der Top 250 (n=250) Top 191-250 Top 131-190 14.814 19.594 6% 7% Top 71-130 Top 10 41.652 96.520 15% 36% Top 11-70 96.997 36% Nunmehr sei der Blick auf das Verhältnis von MitarbeiterInnen und Eigentumsverhältnissen der Top 250 insgesamt gerichtet. 168.000 Arbeitsplätze (63 % der Beschäftigten der Top 250) sind Leitbetrie- ben in inländischem Mehrheitsbesitz zuzuschreiben, knapp 100.000 Arbeitsplätze oder 37 % jenen in ausländischem Mehrheitsbesitz. Von diesen sind wiederum 15.000 (6 % aller Arbeitsplätze in den oö. Leitbetrieben) Unternehmen zuzuordnen, die mehrheitlich an internationalen Aktienmärkten ge- handelt werden. Hierbei spielt eine wesentliche Rolle, dass sich die Angaben der MitarbeiterInnenan- zahl zum Teil nur auf den Standort Oberösterreich, zum Teil auf MitarbeiterInnen an allen Standorten des Unternehmens beziehen – diese Unschärfen in der Datenbasis gilt es zu berücksichtigen. Seite 33 / 61
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