Faktencheck E-Mobilität - Was das Elektroauto tatsächlich bringt - Antworten auf die 10 wichtigsten Fragen zur E-Mobilität Update 2018
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Faktencheck E-Mobilität Was das Elektroauto tatsächlich bringt Antworten auf die 10 wichtigsten Fragen zur E-Mobilität Update 2018
FA K T EN CHE CK E - MOB I LI TÄT
Inhalt VORWORT 4 INTRO Mit nachhaltiger Mobilität zum erfolgreichen Klimaschutz 5 01 KLIMA Was bringt die E-Mobilität dem Klima? 6 02 UMWELT Wie ist die Ökobilanz von E-Fahrzeugen? 8 03 STROMBEDARF Woher soll der zusätzlich benötigte Strom für die E-Mobilität kommen? 10 04 REICHWEITE Wie weit kann ich mit einem Elektrofahrzeug fahren? 12 05 TANKEN Wie lange dauert die Ladung des Akkus und wo kann ich laden? 14 06 BATTERIE Was passiert mit dem Akku? 16 07 KOSTEN Sind Elektroautos teuer? 18 08 FUHRPARK Sind E-Fahrzeuge auch für Betriebe und Gemeinden interessant? 20 09 SICHERHEIT Ist das Fahren mit dem E-Auto wirklich sicher und bequem? 22 10 WIRTSCHAFT Ist Elektromobilität volkswirtschaftlich sinnvoll? 24
FA K T EN CHE CK E - MOB I LI TÄT
VORWORT
Liebe Leserin, lieber Leser!
Kaum ein anderer Klimaschutzaspekt wird des Wirtschaftssystems. Zugleich machen
derart emotional diskutiert wie der Verkehr – Treibhausgasemissionen, Luftschadstoffe,
und kaum ein anderer ist so wichtig wie der Lärm, Flächenverbrauch und Verkehrsunfälle
Verkehr. Mit einem Anteil von 29% (2016) ist den Verkehr zu einem der größten Umwelt-
der Verkehrssektor einer der größten Verursacher und Gesundheitsprobleme in Österreich. Die
von Treibhausgasen in Österreich. Vor allem Verkehrswende geht daher auch mit neuen
der enorme Anstieg der Emissionen um organisatorischen und technischen Lösungen
rund 66% seit dem Jahr 1990 zeigt deutlich, einher, welche die Struktur des Transportsystems
dass Klimaschutz nur dann erfolgreich sein und die Kultur unseres Mobilitätsverhaltens
wird, wenn es auch im Mobilitätsbereich ändern.
gelingt, die Dekarbonisierung im Sinne des
Klimaabkommens von Paris umzusetzen. Dies Mit dem „Faktencheck E-Mobilität“ wird die
erfordert den schrittweisen, aber konsequenten langjährige Faktencheck-Reihe des Klima- und
Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger Energiefonds um ein wichtiges brandaktuelles
wie Kohle, Erdgas und eben auch Erdöl. Schwerpunktthema ergänzt. Die derzeit viel
diskutierte Zukunft der Mobilität und die Rolle
Einer der großen Hoffnungsträger für die der E-Autos wird aus Klimaschutz- ebenso wie
Reduktion der Treibhausgasemissionen ist die aus Sicht möglicher Nutzerinnen und Nutzer
Elektromobilität. Neben der in Österreich mit aktuellen Zahlen, Daten und Analysen
gut etablierten E-Mobilität im öffentlichen anhand konkreter Fragestellungen beschrieben.
Verkehr – insbesondere bei der Bahn und Neben der ausführlichen Printpublikation und
Straßenbahn – steht auch im Pkw-Verkehr eine einer Kompaktversion stellt auch weiterhin die
große Veränderung bevor. Nach dem E-Bike setzt Website www.faktencheck-energiewende.at
sich auch das E-Auto zunehmend am globalen einen wichtigen Bestandteil dar.
Markt durch. Absatzzahlen und Marktanteile
steigen; mehrere Autohersteller haben bereits Wir danken in diesem Zusammenhang für
den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor die Kooperation mit dem Bundesverband
angekündigt. Und vonseiten der Regierungen Elektromobilität Österreich und der
kommt insbesondere nach dem Dieselskandal Bundesinitiative eMobility und hoffen, einen
immer mehr Druck, den Anteil elektrisch wertvollen Beitrag zur öffentlichen Diskussion
betriebener Kfz zu erhöhen. Auch hierzulande leisten zu können. Denn eines ist klar: Ohne
wird der Umstieg auf das E-Auto mit zahl Mobilitätswende keine Energiewende. Ohne
reichen Maßnahmen unterstützt. Noch ist der Energiewende keine Mobilitätswende.
Anteil von E-Pkw am gesamten Pkw-Bestand
gering, allerdings gehört Österreich seit 2016
beim Anteil der Elektroautos an den Pkw-
Neuzulassungen zu den Spitzenreitern in der EU.
Die dringend erforderliche Mobilitätswende Ingmar Höbarth
bedeutet jedoch mehr als den Austausch von Geschäftsführer
Antriebssystemen und Energieträgern. Mobilität Klima- und Energiefonds (Bild oben)
ist und bleibt eine wichtige Voraussetzung zur
Befriedigung zahlreicher Grundbedürfnisse Willi Nowak
in unserer Gesellschaft, sie ermöglicht Geschäftsführer
4 soziale Teilhabe und ist wesentlicher Treiber VCÖ – Mobilität mit Zukunft (Bild unten)Mit nachhaltiger Mobilität
zum erfolgreichen Klimaschutz
Am 4. November 2016 trat das ein knappes In diesem Zusammenhang steht das 1 Unter wearestillin.com ist die
vollständige Liste der US-
Jahr zuvor von 195 Vertragsstaaten in Paris Elektroauto derzeit vor dem Durchbruch: Unterzeichner zu finden
unterzeichnete UN-Klimaabkommen ver- Im Jahr 2016 wurden weltweit 440.000 reine 2 Global Carbon Budget 2016
bindlich in Kraft. Die Staatengemeinschaft E-Autos verkauft; bei Berücksichtigung von (www.globalcarbonproject.org/
carbonbudget/16/files/GCP_
will die globale Erwärmung „auf deutlich unter Plug-in-Hybriden lag die Zahl bei 770.000 CarbonBudget_2016.pdf)
2°C“ begrenzen und alle Anstrengungen unter- Stück. Damit überstieg der weltweite Bestand 3 Die CO2-Emissionen machen in
Österreich 85% der Treibhaus-
nehmen, den Temperaturanstieg möglichst an Elektroautos inkl. Plug-in-Hybride zwei gasemissionen von rund 79 Mio.
t/Jahr (Stand 2015) aus. Siehe
unter 1,5°C im Vergleich zum vorindustriellen Millionen Fahrzeuge.4 Im Jahr 2017 kamen Umweltbundesamt: Klima-
Niveau zu halten. Dazu muss laut Klimavertrag global über 1,2 Millionen neuer Fahrzeuge schutzbericht 2017, Wien 2017
rasch ein Absenken klimaschädlicher Emissio- hinzu. Österreich wies im Jahr 2017 einen 4 IEA Global EV Outlook 2017,
Paris 2017
nen einsetzen und in der zweiten Hälfte des Elektroauto-Anteil (Plug-in-Hybride werden 5 Statistik Austria, Wien 2018
Jahrhunderts Treibhausgasneutralität erreicht hierbei nicht mitgezählt) von 1,5% an den
werden. Obwohl die USA unter Präsident Pkw-Neuzulassungen auf.5 2016 waren es
Donald Trump angekündigt haben, aus dem noch 1,2%. Damit gehört Österreich zu den
Pariser Klimaabkommen wieder auszusteigen, Spitzenreitern innerhalb der EU. Taktgeber ist
bekennt sich eine überwältigende Anzahl an Norwegen: Jeder fünfte neu zugelassene Pkw
Staaten, Regionen, Städten und Gemeinden – dort ist ein E-Auto; inklusive Plug-in-Hybride
nicht zuletzt aus den USA selbst – zur Umset- jeder dritte.
zung des Klimavertrags.1
Der Straßenverkehr steht jedoch nicht nur
Um die globale Erwärmung unter 2°C aus Klimaschutzperspektive vor großen Ver-
halten zu können, steht noch eine maximale änderungen: Zukunftstrends wie automatisiertes
Emissionsmenge (Carbon Budget) von ins- Fahren, zunehmende multimodale Mobilität
gesamt rund 800 Milliarden Tonnen CO2 zur und Sharing-Modelle entwickeln sich rasch.
Verfügung.2 Gemessen an seiner Bevölkerung Eine effiziente Gestaltung vermeidet dabei
(und ohne Berücksichtigung historischer Emis- unnötige Wege, bündelt und verlagert sie auf
sionen) würden Österreich davon etwa 800 bis umweltverträgliche Verkehrsmittel. Auf diese
950 Millionen Tonnen zustehen – bei dem ge- Weise entsteht eine neue, multimodale Mobi-
genwärtigen Ausstoß von rund 67 Mio. t/Jahr lität, die den Erfordernissen des Klimaschutzes
wäre dieses CO2-Budget bereits um das Jahr gerecht wird – ein Struktur- und Kulturwandel,
2030 vollständig aufgebraucht.3 Der schritt- der nicht zu weniger Mobilität führt, sondern
weise und vollständige Ausstieg Österreichs aus zu einer anderen Qualität. E-Mobilität kann
der Nutzung fossiler Energieträger ist daher im Teil dieses Wandels werden. Dabei umfasst
Sinne des Pariser Klimaabkommens notwendig. Elektromobilität jedoch nicht nur elektrisch
Der Verkehrssektor hat sich in den vergangenen betriebene Privat-Pkw, sondern auch ein umfas-
Jahren zum größten Energieverbraucher und sendes Angebot von U-, S- und Straßenbahnen,
zweitgrößten Emittenten von Treibhausgasen Elektrobussen, E-Bikes und kleinen Nutzfahr-
in Österreich entwickelt. Der Kfz-Verkehr war zeugen, Firmen-Pkw und Motorrädern.
im Jahr 2015 zu rund 91% von Erdöl abhän-
gig. Klimaneutral und emissionsarm kann der
Verkehr daher nur werden, wenn motorisierte
Fahrzeuge ebenfalls mithilfe von CO2-neutralen
Energien angetrieben werden.
5FA K T EN CHE CK E - MOB I LI TÄT
01 KLIMA
Was bringt die E-Mobilität dem Klima?
KURZ
Nach dem Energie- und Industrie- stammen dabei aus dem Kfz-Verkehr; senken. Mit dem Elektroantrieb gibt es
bereich ist der Verkehrssektor mit mehr als die Hälfte hiervon aus dem heute eine ausgereifte Technologie, die
aktuell 29% an den Gesamtemissionen Pkw-Verkehr. Vor dem Hintergrund das Potenzial hat, einen signifikanten
der wichtigste Verursacher von des Pariser Klimaabkommens will Beitrag zur Dekarbonisierung und zu-
Treibhausgasen in Österreich – und muss Österreich bis zum Jahr gleich zur Luftschadstoffverringerung
und der einzige, der seit 1990 2050 einen weitgehend CO2-neutralen des Verkehrs zu leisten. Daneben
einen massiven Anstieg um fast Verkehrssektor erreichen. Zudem bedarf es jedoch noch weiterer Maß-
66% zu verzeichnen hat. 99% der gilt es, die Feinstaubbelastung und nahmen, um klimafreundliche Mobilität
verkehrsbedingten Emissionen die Stickoxidemissionen deutlich zu in Österreich zu gewährleisten.
Das verbindliche UN-Klimaabkommen von von 1990. Der Verkehr ist hier für rund 20%
Paris sieht ein möglichst baldiges und konti- der Treibhausgasemissionen in der EU verant-
nuierliches Absenken der globalen Treibhaus- wortlich. Um die erforderlichen Emissionsre-
gasemissionen vor, um die Erderwärmung auf duktionsziele dennoch zu erreichen, soll laut
deutlich unter 2°C zu begrenzen. Dies erfordert Europäischer Kommission etwa die Zahl der
den weltweiten Ausstieg aus der Nutzung mit konventionellem Kraftstoff betriebenen
fossiler Energieträger – insbesondere auch im Pkw im Stadtverkehr bis zum Jahr 2030 hal-
Verkehrsbereich. Der Verkehrssektor (ohne in- biert und 20 Jahre später vollständig auf solche
ternationalen Flugverkehr) ist mit aktuell 29% Fahrzeuge verzichtet werden; städtische Logistik
an den Gesamtemissionen einer der wichtigsten soll bis zum Jahr 2030 vollständig CO2-frei
Verursacher von Treibhausgasen in Österreich. abgewickelt werden.8 Bereits im Jahr 2020 soll
Der Pkw-Verkehr allein ist für mehr als die die europäische Neuwagenflotte im Schnitt
Hälfte der rund 23 Millionen Tonnen CO2- höchstens 95 Gramm CO2 pro Kilometer ver-
Äquivalent verantwortlich. ursachen.9 Weitere Vorgaben für die Jahre 2025
sowie 2030 werden folgen. Diese Ziele sind nur
TREIBHAUSGASEMISSIONEN DES VER- mit mehr Elektrofahrzeugen erreichbar.
KEHRS SEIT DEM JAHR 1990: +66%
E-MOBILITÄT NICHT NUR BEIM
Während die Emissionen in den meisten PKW-VERKEHR
anderen Sektoren seit den Neunzigerjahren
tatsächlich zurückgegangen sind, sind sie im Weltweit ist der Anteil des Verkehrssektors
Straßenverkehr gestiegen; in Österreich seit zwar geringer, durch die enorme Wirtschafts-
dem Jahr 1990 um rund 66%. Die Treibhaus- entwicklung, etwa in China, steigen aber
gasemissionen nur des Pkw-Verkehrs (ohne auch hier die Emissionen deutlich. Lediglich
„Tanktourismus“) sind im Vergleich zum Jahr im Schienenverkehr wird die Dominanz von
1990 um mehr als ein Drittel gestiegen.6 Erdöl als Energieträger im Transportsektor
Derzeit ist der Verkehrssektor für 80% des ös- durchbrochen. Aber auch das ist global nicht
terreichischen Erdölverbrauchs verantwortlich Standard: Erst 40% des weltweiten Bahnverkehrs
und trägt zudem maßgeblich zu gesundheitsge- werden elektrisch betrieben, der Rest immer
fährdenden Feinstaub- und Stickoxidemissio- noch auf Basis von Erdöl.10 In Österreich
nen (NOx) bei.7 ist das Verhältnis anders: Rund 70% des
österreichischen Gleisnetzes sind elektrifiziert;
Auch international sind die Emissionen aus die ÖBB legen 90% ihrer Schienenwege unter
dem Verkehrssektor gestiegen, jedoch ver- Strom zurück. Dabei stammen rund 92% des
gleichsweise weniger stark als in Österreich. Bahnstroms aus erneuerbaren Energieträgern (8%
EU-weit liegen die Emissionen aus dem aus Erdgas). Elektromobilität auf Basis sauberer
6 Verkehr derzeit knapp 20% über dem Niveau Energie hat hier schon Einzug gehalten.11Anteil des Verkehrssektors an den Treibhausgasen (2015)
weltweit EU-28 Österreich (2016)
Verkehr
12%
20% 29%
Sonstige
+40% +20% +66%
Emissionsanstieg
seit 1990
Änderung der sektoralen Treibhausgasemissionen 1990–2016 in Österreich
-1,3 Energie und Industrie
+9,2 Verkehr
-4,8 Gebäude
-1,4 Landwirtschaft
-1,2 Abfallwirtschaft
+0,4 Fluorierte Gase
-6,0 -4,0 -2,0 0 +2,0 +4,0 +6,0 +8,0 +10,0
Mio. t CO2äq
ELEKTROMOBILITÄT ALS CHANCE FÜR IMMER MEHR STAATEN SETZEN AUF Datenquelle Grafik:
Umweltbundesamt 2018,
EIN NEUES VERKEHRSSYSTEM DAS E-AUTO Europäische Kommission 2016,
Projektion auf Basis IPCC 2015
Mit dem Elektromotor steht eine Technologie Weltweit ist der Trend Richtung Elektroauto
zur Verfügung, die das Potenzial hat, die erkennbar: Vor dem Hintergrund internatio- 6 Umweltbundesamt:
Erdölabhängigkeit deutlich zu reduzieren, naler Vereinbarungen – aber auch des jüngsten Treibhausgas-Bilanz 2016,
Wien 2018
den Antrieb auf Basis erneuerbarer Energie Skandals rund um manipulierte Abgaswerte 7 Vgl. VCÖ-Publikation „Klima und
umzustellen und einen wichtigen Beitrag von Dieselfahrzeugen – haben bereits einige Energie – Potenziale im Verkehr“,
Wien 2017
zur Klimafreundlichkeit des Verkehrs zu europäische Staaten eine Abkehr von konventi-
8 Europäische Kommission (2011):
leisten. Anders als bei Verbrennungsmotoren onellen Verbrennungsmotoren angekündigt. So White paper on transport –
roadmap to a single European
sind zahlreiche klimarelevante Weiterent- wollen etwa Großbritannien und Frankreich ab transport area – towards a
wicklungen bei der Elektromotoren- und vor dem Jahr 2040 keine Diesel- und Benzinautos competitive and resource-
efficient transport system (COM
allem Batterietechnologie in den kommenden (inkl. Hybride) mehr zulassen; in Norwegen (2011) 144)
Jahren zu erwarten. Für umwelt- und sollen bereits ab 2025 alle Autos emissionsfrei 9 Verordnung (EG) Nr. 443/2009
des Europäischen Parlaments
gesellschaftsverträgliche Mobilität bedarf fahren. In Österreich wird diskutiert, dass im und des Rates vom 23. April
es darüber hinaus aber auch Strukturen, Jahr 2030 alle neu zugelassenen Autos abgasfrei 2009 zur Festsetzung von
Emissionsnormen für neue
die unnötige Fahrten verringern, mehr unterwegs sein sollen. Personenkraftwagen
Verkehrssicherheit gewährleisten und neben 10 Siehe Internationale
Energieagentur: World Energy
der Gesundheitsbelastung durch Lärm und Der Verkehrssektor ist wegen seines hohen An- Outlook 2016, Paris 2016
Schadstoffe auch den Ressourcenverbrauch teils an den Treibhausgasemissionen nicht nur 11 ÖBB-Nachhaltigkeitsbericht
2015 (konzern.oebb.at/de/
reduzieren. Für eine umfassende Energiewende ein notwendiger Ansatzpunkt, sondern zugleich nachhaltigkeit/
gilt es, das gesamte System in den Blick zu auch eine große Chance für die Dekarbonisie- nachhaltigkeitsberichte,
abgerufen am 18.08.2017)
nehmen. Denn während die Energieintensität rung. Die Investitionszyklen und die durch- 12 Klimaschutzbericht 2017,
(Energieverbrauch je Fahrzeugkilometer) durch schnittliche Behaltedauer eines Autos bieten Wien 2017
Effizienzmaßnahmen in den vergangenen die Möglichkeit, innerhalb von 10 Jahren den
Jahren leicht gesunken ist, ist die Zahl der Großteil des Fahrzeugparks auszutauschen. In
Personenkilometer seit 1990 deutlich anderen Bereichen, wie bei Gebäuden oder
gestiegen (+41%).12 Kraftwerken, dauert dies viel länger.FA K T EN CHE CK E - MOB I LI TÄT
02 UMWELT
Wie ist die Ökobilanz von E-Fahrzeugen?
KURZ
Elektromotoren arbeiten sehr gegenüber konventionellen oder fossil betriebenen Kfz um bis zu 90%
leise und sind lokal abgasfrei, Hybrid-Varianten allerdings sowohl weniger Treibhausgase. Die „graue
emittieren also im Betrieb selbst bei den CO2-Emissionen als auch Energie“, die allein in der Produktion
keine Luftschadstoffe. Eine bei Energieaufwand, Schadstoff- von Elektrofahrzeugen anfällt, kann
komplett emissionsfreie und und Lärmemissionen zumeist dagegen mitunter sogar höher sein
ressourcenschonende Mobilität deutlich besser ab. So verursachen als jene, die in konventionellen Kfz
können aber auch E-Fahrzeuge Elektroautos unter Berücksichtigung steckt. Am besten ist die Ökobilanz
nicht leisten. Über den gesamten des gesamten Fahrzeuglebenszyklus von E-Fahrzeugen, wenn sie zu
Fahrzeuglebenszyklus hinweg (inkl. Produktion) sowie des 100% mit Strom aus erneuerbaren
betrachtet, schneiden Elektroautos heimischen Strommix gegenüber Energieträgern betrieben werden.
Die Vorteile von elektrisch betriebenen Fahr- emissionen (NOx) bilanzieren selbst modernste
zeugen in punkto Umweltauswirkungen zeigen Dieselfahrzeuge mit 0,24 g/Pkm eindeutig am
sich vor allem im laufenden Betrieb. Elektro- schlechtesten; Benziner liegen bei 0,13 g/Pkm.
autos reduzieren dabei neben Verkehrslärm Betrachtet man den gesamten österreichischen
auch die Feinstaub- und Stickoxid-Belastung Autobestand, erreichen die NOx-Werte von
(NOx). Der Beitrag von E-Fahrzeugen zur Diesel-Pkw sogar durchschnittlich 0,68 g/Pkm,
Reduktion der Treibhausgase ist stark davon ab- jene von Benzinern rund 0,24 g/Pkm.14 Dabei
hängig, mit welchen Energieträgern der Strom stoßen gerade Dieselfahrzeuge den Großteil der
davor produziert wurde bzw. welche Emissionen gesundheitsschädlichen NOx-Emissionen im
dadurch entstanden sind. täglichen Fahrbetrieb aus. Bei E-Pkw resul-
tieren die Stickoxidemissionen dagegen im
WENIGER TREIBHAUSGAS- Wesentlichen aus der Stromproduktion; basiert
EMISSIONEN ÜBER GESAMTEN diese auf erneuerbarer Energie, liegen die NOx-
FAHRZEUGLEBENSZYKLUS Emissionen deutlich unter 0,10 g/Pkm.
Insgesamt gilt: Eine komplett emissionsfreie ELEKTROAUTO VERSUS HYBRID
und ressourcenschonende Mobilität können
auch E-Fahrzeuge nicht leisten. Bei Fahrzeug Als Elektrofahrzeuge gelten strenggenommen
vergleichen ist es wichtig, die jeweiligen nur solche Fahrzeuge (also Autos, Zweiräder,
Vorketten inklusive der Strom- bzw. der Busse, Lkw, aber auch Schienen-, Wasser- oder
fossilen Treibstoffproduktion ebenso wie das sogar Luftfahrzeuge), die als Antriebsenergie
Recycling zu berücksichtigen. Bei Betrachtung ausschließlich elektrischen Strom nutzen.
dieses gesamten Fahrzeuglebenszyklus sowie Daneben gibt es Hybridfahrzeuge, die zusätz-
des heimischen Strommix (inkl. Importe) lich über eine andere Energiequelle, wie Diesel
verursachen Elektroautos gegenüber fossil oder Benzin, verfügen. Auch bei den aktuell am
betriebenen Neuwagen (nach Abgasnorm Markt angebotenen Kfz ist daher zwischen ver-
Euro 6d-TEMP) im Durchschnitt um bis zu schiedenen Hybrid- und „vollwertigen“ Elek-
90% weniger Treibhausgase. So emittiert ein troautos (Battery Electric Vehicles, BEV) zu
benzinbetriebener Kompaktklassewagen rund unterscheiden. Die unterschiedlichen seit etwa
195 g CO2-Äquivalent pro Personenkilometer, 15 Jahren am Markt erhältlichen Hybridautos
während ein vergleichbarer E-Pkw knapp 90 g (Hybrid Electric Vehicles, HEV) kombinieren
und mit 100% Ökostrom nur rund 25 g/Pkm einen konventionellen Verbrennungsmotor zur
8 verantwortet.13 Beim Vergleich der Stickoxid Effizienzsteigerung und EmissionsverringerungVergleich der Treibhausgas- und Stickoxidemissionen (NOx) verschiedener Antriebe*
250 0,25
Energiebereitstellung
200 0,20
Akkuherstellung
150 0,15 Produktion & Entsorgung
Fahrbetrieb
100 0,10 NOx
NOx (Anteil des Fahrbetriebs)
50 0,05
CO2-Äquivalent NOx -Emissionen
in Gramm pro in Gramm pro
Personenkilometer Personenkilometer
er
rid
M id
el
rid
po kw
ro w
BB n
(Ö ah
st Pk
Ö- br
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Di
kl
in
ix
-M
(Ö
*Ökobilanzierung auf Basis durchschnittlicher österreichischer Realdaten zu Kilometerleistung, Fahrsituationsmix, Verbrauch, Fahrzeuglebens
dauer etc. für Neuwagen der Kompaktklasse (Gewicht 1,7 Tonnen) nach aktuellster Abgasnorm Euro 6d-TEMP bzw. für E-Pkw mit 300 kg
Akkugewicht. Vergleichsdaten ÖBB-Personenverkehr aus UBA-Emissionskennzahlen 2017.
mit einem Elektromotor, der allerdings Anteil) ist die Treibhausgasbilanz eines durch- Datenquelle Grafik:
Umweltbundesamt 2017
typischerweise nicht extern mit Strom versorgt schnittlichen E-Autos um 12 bis 23% besser
werden kann. Solche Hybridautos stoßen meist als bei einem konventionellen Pkw mit Verbren-
nur unwesentlich weniger Treibhausgase aus als nungsmotor.15 Die Spanne bezieht sich auf die 13 Umweltbundesamt: Update:
Ökobilanz alternativer Antriebe,
konventionelle Pkw mit Verbrennungsmotoren. Unterscheidung, ob der Verbrennungsmotor mit Wien 2017 (Daten umgerechnet
auf Personenkilometer)
Sogenannte Plug-in-Hybridautos (PHEV) ver- oder ohne Spritspartechnik ausgestattet ist. Eine
14 Umweltbundesamt: Emissions-
fügen dagegen über leistungsstärkere Batterien, mediales Aufsehen erregende schwedische Studie kennzahlen, Juni 2017 (www.
die an der Steckdose geladen werden können verweist auf das hohe Potenzial für Emissions umweltbundesamt.at/fileadmin/
site/umweltthemen/verkehr/1_
und weitere reinelektrische Fahrtstrecken reduktionen durch mehr Effizienz in der verkehrsmittel/EKZ_Pkm_Tkm_
Verkehrsmittel_01.pdf)
ermöglichen. Der zusätzliche Verbrennungs- Batterieherstellung und Reduktion des fossilen
15 Bundesministerium für Umwelt,
motor kommt üblicherweise für Langstrecken Anteils im Strommix, auch in jenen Regionen, Naturschutz, Bau und Reaktor-
sicherheit: Wie klimafreundlich
oder zur Leistungssteigerung zum Einsatz. Die wo die Batterie hergestellt wird.16 sind Elektroautos, Berlin 2015
potenzielle Emissionseinsparung hängt daher Daher ist der hohe Anteil der erneuerbaren (herangezogen wurde ein
Elektroauto vergleichbar mit dem
stark von der Fahrzeugnutzung ab. Energien in Österreich eine spezifische Chance VW e-Golf 85 kW; ADAC-Test
in der Verschränkung von Energieversorgung – Durchschnittsverbrauch 18,2
kWh/100km, Batteriekapazität
WOHER KOMMT DER STROM? und Verkehr. Entsprechend gilt es, die Erneuer 24,2 kWh)
baren hierzulande weiter auszubauen und 16 IVL Swedish Environmental
Research Institute: The Life
Durch den weltweiten Aufschwung der Elek- Stromimporte zu reduzieren. Entscheidend ist Cycle Energy Consumption and
Greenhouse Gas Emissions
tromobilität ist – bei entsprechendem Aus- auch, woher die Energie für die Herstellung der from Lithium Ion Batteries,
bau erneuerbarer Energien – eine erhebliche Akkus kommt. Viele Batterien werden heute Stockholm 2017; siehe auch
Autorenkommentar: www.ivl.se/
Verbesserung bei den Treibhausgasemissionen in China hergestellt. Wenn es China gelingt, english/startpage/top-menu/
pressroom/news/nyheter---
möglich. Würde der Strom für E-Fahrzeuge den Anteil der Kohle zu reduzieren und den arkiv/2017-07-03-ivl-comments-
hingegen nur aus Kohlekraftwerken kommen, erfolgreich eingeschlagenen Weg Richtung to-reactions-in-media-on-
battery-study.html (abgerufen
was de facto kaum mehr der Fall ist, wäre die erneuerbarer Energiezukunft umzusetzen, wird am 30.08.2017)
Treibhausgasbilanz nicht besser als bei einem sich auch die Bilanz der E-Autos weiter verbes-
Verbrenner. Bei Verwendung des deutschen sern. Eine weitere Perspektive besteht darin,
Strommix mit einem Kohleanteil von 42% in Europa parallel zum Ökostromausbau die
(bei in letzten Jahren steigendem erneuerbaren Batterieproduktion verstärkt zu forcieren.FA K T EN CHE CK E - MOB I LI TÄT
03 STROMBEDARF
Woher soll der zusätzlich benötigte Strom für die
E-Mobilität kommen?
KURZ
E-Fahrzeuge sind durch ihren höheren für eine klimaschonende E-Mobilität höher. Bei einer Million Fahrzeugen
Wirkungsgrad deutlich energie- ist, dass der dafür benötigte Strom wären es 2,6 TWh oder 3,6%. Wie eine
effizienter als Kfz mit Verbrennungs- aus (zusätzlichen) Ökostromanlagen aktuelle Studie der TU Wien zeigt, ist
motoren, sodass der Gesamtener- stammt. Das ist machbar. Wenn 10% eine 100%ige Abdeckung des heimi-
gieverbrauch durch einen Umstieg aller Pkw in Österreich elektrisch schen Strombedarfs mit erneuerbarer
von fossil auf elektrisch betriebene fahren würden, wäre der jährliche Energie bis zum Jahr 2030 umsetzbar.
Fahrzeuge trotz höheren Strombedarfs Strombedarf rechnerisch um 1,3 Tera- Dabei bleibt 100% Versorgungssicher-
gesenkt werden kann. Voraussetzung wattstunden (TWh), also lediglich 1,8% heit gewährleistet.
Der Umstieg auf das E-Auto und weitere For- gen, nämlich um 13 TWh. Zu berücksich-
men der Elektromobilität gehen selbstverständ- tigen ist dabei, dass in den nächsten Jahren
lich mit einem höheren Strombedarf einher. weitere Optimierungen in den kommenden
Jedoch sind E-Fahrzeuge durch ihren höheren E-Fahrzeuggenerationen zu erwarten sind, die
Wirkungsgrad deutlich energieeffizienter als den Strombedarf noch geringer ausfallen lassen
Kfz mit Verbrennungsmotoren, sodass der können. Für die Gesamtentwicklung wird dar-
Gesamtenergieverbrauch durch einen Umstieg auf zu achten sein, dass durch den Ausbau des
von fossil auf elektrisch betriebene Fahrzeuge öffentlichen Verkehrs und Verkehrsvermeidung
gesenkt werden kann. Der über den Fahrzeug eine Verringerung des Verkehrsaufkommens er-
lebenszyklus kumulierte Energieaufwand reicht wird. Auch der Trend zu immer schwere-
eines mit Ökostrom betriebenen Autos ist um ren, leistungsstarken Pkw steht dem Ziel einer
rund 50% geringer als jener eines Benziners.17 nachhaltigen Energieversorgung und Mobilität
Während ein konventionelles Kfz v.a. aufgrund entgegen, denn sie würden den Strombedarf
von Wärmeverlusten nur einen Wirkungsgrad unnötig erhöhen. Daher sind die Effizienz des
in der Größenordnung von etwa 25% erreicht Verkehrssystems wie auch des E-Autos samt
(Tank to Wheel), liegt dieser bei E-Autos bei Antriebstechnologie bzw. Batterie entscheidend
rund 85% (Plug to Wheel).18 Ein weiteres für den Erfolg.
wichtiges Attribut von E-Autos ist, dass bei
Bremsvorgängen die Bewegungsenergie, die KLIMAFREUNDLICHERER
andernfalls verloren ginge, wieder in Strom für STROMMIX – DANK ERNEUERBARER
den Akku rückgewandelt wird (Rekuperation). ENERGIEREVOLUTION
1 MILLION E-AUTOS BEDEUTEN Voraussetzung für eine klimaschonende E-Mo-
LEDIGLICH 3,6% MEHR STROMBEDARF bilität ist, dass der dafür benötigte Strom durch
zusätzliche Ökostromanlagen produziert wird.
Wenn 10% aller Pkw in Österreich elektrisch Seit dem Jahr 2016 wird weltweit mehr Strom-
fahren würden, wäre der jährliche Strombedarf erzeugungsleistung aus erneuerbarer Energie als
um 1,3 TWh, also lediglich 1,8% höher. Bei auf Basis fossiler und Nuklearenergie zusam-
einer Million Fahrzeugen wären es 2,6 TWh men errichtet. Der beschleunigte Einsatz der
oder 3,6%.19 Selbst bei vollständiger Umstel- Erneuerbaren führt laut Internationaler Ener-
lung der derzeitigen Anzahl an Pkw auf Elektro- gieagentur auch zu niedrigeren Kosten: Die
antrieb, würde der heimische Strombedarf Durchschnittskosten für Photovoltaik dürften
gegenüber dem aktuellen Jahresstrombedarf in den kommenden Jahren um weitere 40-70%
10 von rund 70 TWh um nur rund 18% stei- zurückgehen und bei Windkraftanlagen anPrognostizierter österreichischer Strombedarf bei steigendem E-Autobestand
im Vergleich zum Ökostrom-Ausbaupotenzial im Jahr 2030
35
1.857 zusätzliche jährliche
30
Ökostrom-Kapazität
25 bis 2030
744
20 jährlicher Strombedarf
372
bei entsprechendem
15 13 E-Autobestand
186
10 abgedeckt durch
5,2 zusätzliche Windräder
5 2,6 (beispielhaft)
1,3
TWh
500.000 (10%) 1.000.000 (20%) 2.000.000 (40%) 5.000.000 (100%)
Anzahl der E-Autos in Österreich (%-Anteil an Gesamtanzahl)
Land um weitere 10-25%.20 Wer z.B. eine 18 m2 mehr E-Autos beansprucht dabei nur einen Datenquelle Grafik:
TU Wien 2017, eigene Kalkulation
große Photovoltaikanlage mit einer Leistung relativ geringen Anteil des zusätzlichen Öko-
von 2,6 Kilowatt Peak auf dem Dach installiert, strompotenzials. In der TU-Studie wurde bis
deckt mit der dadurch jährlich produzierten 2030 ein E-Autoanteil von knapp über 30% 17 Umweltbundesamt: Update:
Energiemenge (rund 2.600 kWh) den Strom- angenommen (sowohl rein elektrisch als auch Ökobilanz alternativer Antriebe,
Wien 2017
bedarf eines E-Autos für rund 13.000 Kilome- Plug-in-Hybride). 18 Siehe auch www.e-connected.at/
ter ab. Das entspricht der durchschnittlichen content/die-vorteile-von-e-
mobilitaet-auf-einem-blick
Jahresfahrleistung in Österreich. Ein Windrad INTELLIGENTES NETZ ALS WICHTIGER
19 Für die Kalkulation wurde der
mit einer Leistung von 3 Megawatt produziert BAUSTEIN Durchschnittsverbrauch eines
reinen Elektroautos mit 20 kWh
in Österreich pro Jahr 6,6 bis 7,5 Mio. kWh pro 100 km und weiterhin eine
Strom. Bei einem Verbrauch von 20 kWh pro E-Autos können durch ihre Speicherfunktion durchschnittliche Jahresfahrleis-
tung von 13.000 km herangezo-
100 Kilometer können damit 2.700 Fahrzeuge eine wichtige Rolle im intelligenten Strom- gen; der Fahrzeugbestand wurde
jährlich 13.000 km emissionsfrei zurücklegen. netz einnehmen. Durch den Ausbau wird es mit 5 Mio. Pkw (Stand erstes
Halbjahr 2017: 4,9 Mio.) ange-
insbesondere lokal zu Anpassungen im System nommen. Mit 20 kWh/100km
wurde für die zukünftige
100% ÖKOSTROM IN ÖSTERREICH kommen, um auch die infrastrukturellen Vor- Entwicklung ein höherer Strom-
SIND MACHBAR – AUCH MIT aussetzungen zu schaffen. Gegenwärtig tragen verbrauch kalkuliert als bei
den meisten derzeit am Markt
ELEKTROMOBILITÄT E-Autos sogar eher zum Ausgleich von Last- erhältlichen E-Autos angegeben
(rund 15 kWh/100km).
schwankungen bei, indem sie vorwiegend in
20 Internationale Energieagentur:
Wie eine aktuelle Studie der TU Wien der Nacht geladen werden. Der geringere Strom- World Energy Outlook 2016, Paris
zeigt, ist eine 100%ige Abdeckung des verbrauch lässt die Stromlast jede Nacht um 2016
21 R. Haas, G. Resch, B. Burgholzer,
heimischen Strombedarfs mit erneuerbarer ca. 1 bis 2 Gigawatt absinken. Über 500.000 G. Totschnig, G. Lettner, H.
Energie bis zum Jahr 2030 umsetzbar – E-Autos könnten an einer 3,7-kW-Steckdose Auer, J. Geipel; TU Wien, Energy
Economics Group: Stromzukunft
und das ohne signifikante Mehrkosten. diese Ladeleistung nutzen, ohne zusätzlich Österreich 2030. Analyse der
Erfordernisse und Konsequenzen
Demnach soll das zusätzliche jährliche erforderliche Stromerzeugungskapazität in eines ambitionierten Ausbaus er-
Ökostrompotenzial in Österreich bis dahin Anspruch zu nehmen. Am Wochenende neuerbarer Energien, Wien 2017
31 TWh betragen.21 Der Umstieg würde sinkt die Last im Durchschnitt sogar um
sogar 53.000 neue Arbeitsplätze schaffen. das Doppelte.
Die Versorgungssicherheit ist dabei weiter
gewährleistet, der zusätzliche Anpassungsbedarf Durch bidirektionales Laden und entsprechen-
im Transportnetz durch die aktuellen Netz- des Lastmanagement wird es bald möglich
ausbaupläne abgedeckt. Die jährlichen sein, die Batterie des E-Autos intelligent und
österreichischen Treibhausgasemissionen effizient als Speicher zu nutzen. So kann ge-
würden um 13,5 Millionen Tonnen (17,5% speicherte Energie zu Zeiten erhöhten Energie-
der Gesamtemissionen) bzw. die Ausgaben bedarfs wieder ans Stromnetz zurückgegeben
für Emissionszertifikate um 210 Millionen oder zu kostengünstigen Bedingungen dem
Euro pro Jahr sinken. Die Umstellung auf Netz entnommen werden.FA K T EN CHE CK E - MOB I LI TÄT
04 REICHWEITE
Wie weit kann ich mit einem Elektrofahrzeug
fahren?
KURZ
Die Reichweite der meisten Elektro- liches E-Auto vor wenigen Jahren noch mal ohne Nachladen zu bewältigen.
autos mit einer vollen Akkuladung ist etwa 150 km weit, sind es bei aktuellen Die Reichweite ist im Betrieb von vielen
derzeit noch deutlich geringer als mit Modellen (2017) real 250 km. Die Faktoren abhängig: Unterschiede in
einer Tankfüllung Diesel oder Benzin. meisten Autofahrten liegen schon jetzt der Fahrweise bzw. Geschwindigkeit,
Aber die dynamische Entwicklung der deutlich unter der Reichweite von Topografie, Witterungsbedingungen
Akkus in Sachen Energiedichte, Kosten E-Autos. 94% aller Autofahrten der (Temperatur, Wind), die Klimaanlagen-
und damit Reichweite bringt eine deut- Österreicher sind kürzer als 50 km. Nutzung etc. So steigt etwa der Strom-
liche Steigerung mit sich. Brachte ein Nahezu alle E-Autos am Markt sind in verbrauch von Elektroautos bei höheren
vollgeladener Akku ein durchschnitt der Lage, diese 50 km zwei- bis fünf- Geschwindigkeiten deutlich an.
Eines der größten Bedenken in Bezug auf die Probleme mit dem Rad gefahren werden. Zwei
Nutzung von E-Autos ist: Wie weit komme ich Drittel unserer Alltagswege sind kürzer als zehn
damit ohne nachladen zu müssen? Tatsächlich Kilometer. Was es noch braucht: Ein dichtes
ist die Reichweite der meisten Elektroautos Netz an qualitativ hochwertigen Radwegen,
mit einem vollgeladenen Akku noch deutlich die auch für längere Distanzen ausgelegt sind
geringer als mit einer Tankfüllung Diesel oder (Radschnellwege), sowie sichere und überdach-
Benzin. Elektroautos schaffen derzeit in der te Abstellanlagen, vor allem bei multimodalen
Praxis Distanzen von durchschnittlich 150 km Knotenpunkten.
und bei neuen Modellen von 250 km, manche
Modelle sogar über 400 km. Die dynamische STEIGENDE REICHWEITEN
Entwicklung der Akkus in Sachen Energiedich-
te, Kosten und damit Reichweite bringt eine Derzeit sind rund 50 Elektroauto-Modelle am
kontinuierliche Steigerung mit sich. Markt erhältlich; bis zum Jahr 2020 sind 200
Modelle angekündigt.23 In den vergangenen
SCHON JETZT DECKEN E-AUTOS DIE Jahren hat eine enorme Entwicklung bei der
DISTANZ DER MEISTEN FAHRTEN AB Ausdehnung der Batteriekapazität und der
Reichweiten stattgefunden. Zahlreiche Beispiele
Die Distanz der meisten Autofahrten liegt belegen das: Die Akkukapazität des weltweit
schon jetzt deutlich unter der Reichweite von am häufigsten verkauften Elektroautos, dem
E-Autos. 94% aller Autofahrten der österreichi- Nissan Leaf, wurde im Jahr 2015 von 24 auf
schen Bevölkerung sind kürzer als 50 km. Na- 30 Kilowattstunden (kWh) gesteigert, jene des
hezu alle E-Autos am Markt sind in der Lage, BMW i3 von 19 auf 27,2 kWh. Der Renault
diese Strecke zwei- bis fünfmal ohne Nachladen Zoe hat seine Kapazität von 22 kWh auf
zu bewältigen. Die durchschnittlich pro Tag über 41 kWh erhöht, und der Stromspeicher
gefahrene Strecke liegt bei 34 km, in ländli- im Volkswagen e-Golf ist von 24 auf knapp
chen Gebieten etwas höher als im urbanen 36 kWh angewachsen. Trotz der höheren
Raum.22 Kurze Distanzen im Alltag sind meist Energiedichte der Batterien ist ihr Gewicht
zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem E-Bike oder – aber nur unwesentlich gestiegen; und auch
bei entsprechendem Angebot – öffentlichen die Kosten nicht. Hinzu kommt, dass die
Verkehrsmitteln gut und umweltverträglich Technologieentwicklung rasch voranschreitet.
bewältigbar. Mehr als 350.000 E-Fahrräder gibt Das junge österreichische Unternehmen Kreisel
es bereits in Österreich – das mit Abstand am Electric ist beispielsweise maßgeblich daran
häufigsten gekaufte E-Fahrzeug. Damit können beteiligt, die Effizienz der Batterien weiter
12 auch Strecken von 10 oder 15 Kilometern ohne zu verbessern und höhere Sicherheit, mehrReichweiten und Alltagsdistanzen im Vergleich
Ø Fußweglänge –i
1,4
über 10% aller Autofahrten sind kürzer als 1,4 kmi
40% aller Autofahrten in ÖsterreichiFA K T EN CHE CK E - MOB I LI TÄT
05 TANKEN
Wie lange dauert die Ladung des Akkus und wo
kann ich laden?
KURZ
Die Ladedauer eines Elektroautos und mehr in Anspruch nehmen. Die zu freien Ladepunkten. Meist wird nicht
hängt stark von der Leistung des Zahl der Ladestationen in Österreich in Kilowattstunden, sondern per Zeit-
jeweiligen Ladepunkts und der Bat- und europaweit steigt beständig. Öster- einheit abgerechnet, um Wartezeiten
teriegröße ab. Der Vorgang kann bei reich besitzt mit rund 3.500 öffentlich für andere Nutzer zu vermeiden. Die
Schnellladestationen in wenigen Minu- zugänglichen Ladepunkten eines der Ladegeschwindigkeit hängt auch vom
ten abgeschlossen sein, an geeigneten dichtesten Ladenetze in der EU. Zahl- Entladungszustand der Batterie ab –
Haushaltssteckdosen aber 12 Stunden reiche Apps bieten Live-Informationen ähnlich wie bei einem Handyakku.
Bei den meisten Fahrten ist es nicht notwendig, Jänner 2018) an, die alle mit derselben App
zwischenzeitlich aufzuladen. Insbesondere wer oder Chipkarte verwendet werden können.27
zu Hause oder am Arbeitsplatz eine Lademög- Das Projekt, das die Interoperabilität der
lichkeit hat, fährt meist vollgeladen los. Das einzelnen Ladesysteme ermöglicht, wurde vom
Konzept des „Tankens“ und damit auch der Klimafonds initiiert und unterstützt. Allein
Tankstelle wird sich mittelfristig ändern. Der in diesem Netzwerk gibt es alle 30 Kilometer
Ladevorgang wird zunehmend in den Alltag einen Ladepunkt. Zusätzlich hat Smatrics ein
integriert. Für die Nutzung zu Hause ist es landesweites Schnellladenetz errichtet. Tesla
auch möglich, eine eigene Ladestation – auch verfügt über ein eigenes Netz für seine Fahrzeu-
Wallbox genannt – errichten zu lassen. Grund- ge. Mittlerweile gibt es auch die Möglichkeit
voraussetzung ist ein Stellplatz mit einem für Privatpersonen, auf dem eigenen Abstell-
Stromanschluss für das Elektroauto. platz eine Ladestelle zu betreiben.
IMMER MEHR LADESTATIONEN UNTERSCHIEDLICHE
LADEMÖGLICHKEITEN
Die Zahl der Ladestationen und Ladepunkte
in Österreich und europaweit steigt beständig; Eine Ladesäule bzw. Ladestation kann über
sei es in Garagen, vor Einkaufszentren oder mehrere Anschlüsse (sogenannte Ladepunkte)
Geschäften, an Tankstellen oder auf öffentlich verfügen. Auf diese Weise können mehrere
zugänglichen Parkplätzen. Österreich verfügt Fahrzeuge gleichzeitig aufgeladen werden. Die
über eines der dichtesten Ladenetze in der EU. verschiedenen Lademöglichkeiten unterschei-
Laut der Plattform E-Tankstellen-Finder exis- den sich durch Stecker, Stromstärke, Stromart
tieren hierzulande mit Stand Anfang 2018 rund (Gleich- oder Wechselstrom) und Leistung –
3.500 öffentlich zugängliche Ladepunkte bis und damit Ladegeschwindigkeit. Je nach
22 kW und knapp 650 mit >22 kW Lade- Fahrzeug, Entladungszustand der Batterie und
leistung.26 Unterschiedliche Anbieter verwen- Art der Ladestation können Leistung sowie
den auch verschiedene Identifizierungs- und Dauer eines Ladevorgangs stark variieren. Die
Abrechnungssysteme. Daher ist es insbesondere unterschiedlichen Steckersysteme können für
zu Beginn wichtig, sich über entsprechende Gleichstrom oder Wechselstrom ausgelegt sein;
Anbieter und Apps bzw. Chipkarten zu infor- dies ist zwischen den einzelnen Modellen un-
mieren. Elf Energieunternehmen bieten im terschiedlich. Generell können alle modernen
Rahmen des Bundesverbands Elektromobilität Elektroautos mit Wechselstrom laden, jedoch
14 Österreich rund 1.900 Ladepunkte (Stand ist nicht bei allen die maximale LadeleistungLadedauer unterschiedlicher Batteriekapazitäten und Ladestationen
Vergleich Kapazität 27 kWh (Ø Reichweite 150 km) und 41 kWh (Ø Reichweite 250 km)
3,7 kW 11 kW 3,7 kW
11 kW 7h 20min 3h 45min 11h
2h 30min 22 kW
22 kW 2,3 kW 1h 50min
1h 20min 27 12h 41
kWh kWh 2,3 kW
50 kW 50 kW
35min 50min 18h
nutzbar. Grob kann an Österreichs Ladesta- max. 50 kW. Ein 30 kWh-Akku sollte in max.
26 Quelle e-tankstellen-finder.com,
tionen zwischen folgenden Systemen unter- 40 Minuten nahezu vollständig geladen sein. abgerufen am 31.01.2018
schieden werden: • CHAdeMO-Stecker28: Dieses Schnelllade- 27 Bundesverband Elektromobilität
system erlaubt Ladevorgänge bis zu 100 kW. Österreich, www.beoe.at
28 CHAdeMO wurde in Japan ent-
• Haushaltssteckdose (Schuko): Damit wird An den meisten öffentlichen Ladesäulen steht wickelt und steht als Backronym
eine maximale Ladeleistung von 2,3 kW eine Leistung von 50 kW zur Verfügung. für CHArge de MOve oder „O cha
demo ikaga desuka“ – was in
(230 V, 10 A) erzielt. Ein 30 kWh-Akku be- Auch hier sollte der 30 kWh-Akku in max. etwa „Wie wärs mit einer Tasse
Tee?“ bedeutet.
nötigt daher rund 13 Stunden bis er voll ist. 40 Minuten voll sein.
Bei längerer Verwendung ist bei Inbetrieb-
nahme durch eine Fachperson abzuklären, ob Eine Schnellladesäule bietet in der Regel
die Steckdose der erhöhten Dauerbelastung sowohl CHAdeMO, CCS als auch Drei-
gewachsen ist. Der einphasige, blaue Stecker Phasen-Wechselstrom mit 43 Kilowatt Leis-
(„Camping“-Stecker) erreicht eine Ladeleis- tung an. Die Entwicklung geht in Richtung
tung von bis zu 3,7 kW. weiter gesteigerter Ladeleistung mit 150 kW
• Typ 1-Stecker: Damit wird Wechselstrom, und mehr, mit der der Tankvorgang nur mehr
wie er aus der Steckdose oder normalen wenige Minuten dauern wird. Die meisten
Ladesäulen kommt, geladen. Er erreicht Steckersysteme verfügen – im Unterschied zu
Ladeleistungen bis zu 7,4 kW (230 V, 32 A). normalen Schuko-Steckdosen – über einen
Meist braucht es zum Laden ein extra Kabel, Verriegelungsmechanismus, um zu verhindern,
das im Auto mitzuführen ist. dass ein anderer Nutzer den Stecker abzieht.
• Typ 2-Stecker: Der dreiphasige Stecker Zahlreiche Apps bieten Live-Informationen
wurde als Standard festgelegt und ist weit über freie Ladepunkte. Die Abrechnung erfolgt
verbreitet. Es sind sowohl Ladeleistungen bis teils per Kilowattstunden, teils aber auch per
22 kW (400 V, 32 A) als auch bis 43 kW Zeiteinheit. Damit soll verhindert werden, dass
(400 V, 63 A) möglich. Bei voller ein Ladeplatz länger als notwendig in Anspruch
Ladeleistung sollte ein 30 kWh-Akku in 45 genommen bzw. für Parkzwecke missbraucht
Minuten bis 1,5 Stunden aufgeladen sein. wird. Je nach Fahrzeug, Entladungszustand
• CCS (Combined Charging System): Der der Batterie und Art der Ladestation können
CCS-Stecker ergänzt den Typ 2-Stecker Leistung sowie Dauer eines Ladevorgangs stark
mittels zweier zusätzlicher Leistungskontakte variieren. Vor allem bei Schnellladungen erfolgt
um eine Schnellladefunktion und unterstützt die Ladung bis zu einem Akkustand von 80%
Wechselstrom- ebenso wie Gleichstrom- sehr rasch. Ab 80% ist die Ladegeschwindigkeit
Laden. In der Praxis liegt der Wert bei leicht reduziert.FA K T EN CHE CK E - MOB I LI TÄT
06 BATTERIE
Was passiert mit dem Akku?
KURZ
Der Akku ist ein Schlüsselelement, Batterien der Ressourcenbedarf erneuerbaren Energieträgern als
wenn es um die Zukunftsfähigkeit steigt und der Effizienz, sowohl in der Puffer zwischenzuspeichern. Hohe
von Elektrofahrzeugen geht. Nicht Technologieentwicklung als auch in Recyclingraten von Lithium-Ionen-
nur in Bezug auf die Reichweite der Nutzung, eine immer wichtigere Batterien sind technisch möglich,
und Kosten, sondern auch für Rolle zukommt. Dementsprechend bislang existieren jedoch erst wenige
die Gesamtumweltbilanz ist er ist eine Weiterverwendung der Akkus geeignete Recyclinganlagen. Ziel muss
entscheidend. Gegenwärtig stellen nach ihrer Nutzung in E-Fahrzeugen sein, Rohstoffgewinnung und Recycling
Lithium-Ionen-Akkus den am sinnvoll („Second Life“), etwa als der Batterien nach ökologischen,
weitesten verbreiteten Typ dar. Klar ist, stationärer Zwischenspeicher sozialen und menschenrechtlichen
dass mit größeren, leistungsfähigeren in Gebäuden, um Strom aus Kriterien zu gestalten.
STEIGENDE ENERGIEDICHTE etwa Kadmium oder Blei. Klar ist jedoch auch,
dass mit größeren, leistungsfähigeren Batterien
Die Batterie ist ein entscheidender Faktor für der Ressourcenbedarf steigt und der Effizienz,
die Entwicklung des Elektroautos. Maßgeblich sowohl in der Technologieentwicklung als auch
dafür sind die Energiedichte und das für immer in der Nutzung, eine immer wichtigere Rolle
größere Reichweiten erforderliche Gewicht. zukommt. Die Lebensdauer von Lithium-
Die Energiedichte beschreibt das Verhältnis von Ionen-Batterien als E-Autobatterie liegt bei
Wattstunden zur Masse. Batterien in E-Autos mindestens 10 Jahren bzw. 4.000 Ladezyklen,
besaßen im Jahr 2016 eine durchschnittliche wobei aktuell eingesetzte Batterien laut Herstel-
Energiedichte von 150 Wattstunden pro lern weit über diesen Zeitraum hinaus halten
Kilogramm Gewicht (Wh/kg). Verglichen mit sollen und für mindestens 150.000 km bzw.
der Energiedichte von Benzin (12.800 Wh/kg) 15 Jahre ausgelegt sind.30 Die Batterien erweisen
nimmt sich dieser Wert sehr gering aus.29 Wenn sich als sehr beständig. Auch die zur Verfügung
ein Elektroauto auf 100 Kilometer etwa 20 kWh stehende Akku-Kapazität sinkt nur geringfügig.
verbraucht, muss es dafür also rund 150 Kilo-
gramm Akkus mitführen. Durch den Trend zu ES GIBT EIN LEBEN NACH DEM
mehr Leistung und höherer Reichweite steigt ELEKTROAUTO
das Akkugewicht. Steigende Energiedichten
in der Batterieentwicklung tragen zu weniger Ältere Batterien können weiterverwendet werden
Gewichtsbedarf bei. („Second Life“), etwa als stationäre Zwischenspei-
cher in Gebäuden, um Strom aus erneuerbaren
HOHE BESTÄNDIGKEIT Energieträgern zu puffern. Für die Elektro-
mobilität bedeutet dies, dass die Batterien von
Gegenwärtig stellen Lithium-Ionen-Akkus E-Autos sinnvoll in ein erneuerbares Stromsystem
den am weitesten verbreiteten Typ dar. Die integriert werden können. Durch die doppelte
rasante Technologieentwicklung trägt zum Nutzung sowie Recycling könnten Batterien
enormen Kostenrückgang sowie der höheren umweltfreundlicher werden, denn ein Großteil
Energiedichte der Batterien bei. Im Vergleich der Rohstoffe lässt sich wiedergewinnen. Hohe
zu anderen Technologien enthalten Lithium- Recyclingraten von Lithium-Ionen-Batterien
16 Ionen-Batterien weniger gefährliche Stoffe wie sind technisch möglich, bislang existieren jedochNutzung der Batterie in unterschiedlichen Phasen35
Recycling
oder
First Life Second Life Remanu-
facturing
End of
100% First Life
80%
End of
Second Life
50%
Batterie-
kapazität
ca. 10 Jahre ca. 20 Jahre Lebens-
4.000 Zyklen 8.000 Zyklen dauer
Grafikquelle: E. Rahimzei/VDE
erst wenige Recyclinganlagen. Die EU fordert ROHSTOFFGEWINNUNG BRAUCHT 2017
eine Rückgewinnungsquote von 50% bezogen NACHHALTIGE KRITERIEN
auf das Batteriegewicht, was nur als erster Schritt
29 Siehe www.stromschnell.de/
anzusehen ist.31 Da die Akkus erst seit kurzen am Ebenso wie andere Elektronikprodukte, technik/batterien-in-
Markt sind und der Bedarf vergleichsweise gering sind auch Akkus von Elektroautos mit elektroautos-aktueller-
stand-und-perspektiven_
ist, beträgt die Recyclingquote von Lithium- Fragestellungen konfrontiert, die Umwelt-, 5123204_5093776.html
Ionen-Akkus aktuell erst etwa 5% (zum Vergleich: soziale und Menschenrechtsfragen betreffen. 30 European Environmental Agency:
Electric vehicles in Europe,
bei Blei-Autobatterien über 90%). Marktexperten Der Andrang auf die für den E-Akku Copenhagen 2016
rechnen jedoch damit, dass die Menge ausgedien- relevanten Rohstoffe hat längst eingesetzt. 31 Directive 2006/66/EC of the Euro-
pean Parliament and the Council
ter Lithium-Akkus bis zum Jahr 2025 so groß Lithium-Ionen-Batterien enthalten rund of 6 September 2006 on batteries
sein wird, dass Recycling für Unternehmen auch 4 kg Lithium. Im Vergleich zu anderen and accumulators and waste
batteries and accumulators and
finanziell interessant wird.32 Rohstoffen ist Lithium allerdings nicht knapp. repealing Directive 91/157/EEC
Die Hauptförderländer Chile, Argentinien 32 Financial Times: The
environmental costs of satisfying
UMWELTASPEKTE DES AKKUS und Australien haben noch gigantische the electric car boom, 07.07.2017
Reserven; die weltweit größten Vorräte (amp.ft.com/content/8342ec6c-
5fde-11e7-91a7-502f7ee26895,
Der Herstellungsprozess und das Recycling in Bolivien werden bislang nur teilweise abgerufen am 08.07.2017)
des Akkus haben erheblichen Einfluss auf die ausgebeutet. Einzelne Rohstoffe wie Grafit 33 Siehe u.a. Nationale Plattform
Elektromobilität: Roadmap integ-
Gesamtumweltbilanz des Elektrofahrzeugs. Vor und insbesondere Kobalt gelten dagegen rierte Zell- und Batterieproduktion
allem in Zukunft wird daher zu berücksichti- als kritisch.33 Kobalt wird in China und vor Deutschland, Berlin, Januar 2016
34 Siehe u.a. Bernd Vasari/Wiener
gen sein: Je größer der Akku, desto schlechter allem im Kongo gewonnen. Insbesondere Zeitung vom 26.08.2017: www.
die Umweltbilanz. Es gilt Ähnliches wie beim die Arbeitsbedingungen im Kongo gelten wienerzeitung.at/nachrichten/
wirtschaft/oesterreich/912965_
Auto mit Verbrennungsmotor: Wer in erster als menschenrechtlich bedenklich.34 Das Hauptsache-Elektro.html,
abgerufen am 27.08.2017
Linie Kurzstrecken fährt und keine umwelt- Elektroauto kann sich zwar nicht von der
35 E. Rahimzei (VDE Verband
freundliche Alternative zur Verfügung hat, gesamten Rohstoffindustrie entkoppeln, der Elektrotechnik Elektronik
sollte beim Akku nicht überdimensionieren. aber Ziel muss sein, auch in diesem Segment Informationstechnik e. V.):
Begleit- und Wirkungsforschung
In der Autoentwicklung wird daran gearbeitet, nachhaltige, also ökologische, soziale und Schaufenster Elektromobilität
(BuW) Ergebnispapier Nr. 37, Si-
den Materialeinsatz zu reduzieren – mit opti- menschenrechtliche Kriterien zu etablieren. cherheit von Elektrofahrzeugen,
mierten Karosserien und Materialien, die für Gearbeitet wird auch an alternative Materialien Berlin 2017
die jeweiligen Anwendungen optimiert sind. mit deutlich geringerem Ressourcenverbrauch.FA K T EN CHE CK E - MOB I LI TÄT
07 KOSTEN
Sind Elektroautos teuer?
KURZ
E-Autos sind insbesondere auf derzeit noch höheren Investitionen Ein wichtiger Kostenfaktor ist die
grund der Batteriekosten in der auszugleichen. Neben den deutlich Batterie: In den vergangenen 5 Jahren
Anschaffung zwar teurer als Autos verringerten Energiekosten fallen auch haben sich die Kosten für einen
mit Verbrennungsmotoren, jedoch andere Betriebsausgaben, etwa für Lithium-Ionen-Akku gedrittelt. Kostete
amortisiert sich der Kauf innerhalb Verschleiß und Wartung, geringer aus. eine Kilowattstunde Batteriespeicher
weniger Jahre dank deutlich E-Autos eignen sich auch besonders im E-Auto im Jahr 2011 noch ca.
geringerer Betriebskosten. gut für Sharing- und Mietmodelle und 750 Euro, liegen die Kosten im Jahr
Finanzielle Anreize helfen in der könnten zum Treiber des Nutzen-statt- 2017 bei 215 Euro. Eine weitere
aktuellen Innovationsphase, die Besitzen-Prinzips werden. Kostenreduktion ist zu erwarten.
Für eine Kalkulation relevant sind die Gesamt- kann sich der Kauf eines Elektroautos inner-
kosten eines Fahrzeugs (Total Cost of Owner- halb relativ kurzer Zeit dank deutlich geringe-
ship, TCO), die sich aus den Anschaffungs- rer Betriebskosten amortisieren. Förderungen
kosten und den Betriebskosten über die gesamte und finanzielle Anreize helfen in der aktuellen
Nutzungszeit zusammensetzen. Mit Hilfe von Innovationsphase, die höheren Investitionen
TCO-Rechnern können die Kosten eines Elektro- auszugleichen, die manche potenziellen Käufer
fahrzeugs relativ einfach mit den Kosten eines noch abhalten. Das Umwelt- und das Infrastruk-
Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor verglichen turministerium fördern in Zusammenarbeit mit
werden.36 Der von unterschiedlichen Variablen den Autoimporteuren aktuell die Anschaffung
abhängige Gesamtkostenvergleich zeigt in den eines reinen Elektroautos für Private mit 4.000
meisten Fällen deutliche Kostenvorteile für die Euro, unter der Voraussetzung, dass der Strom
Nutzung von Elektroautos. Die höheren An- zu 100% aus erneuerbaren Energieträgern
schaffungskosten werden durch Fördermaßnah- stammt.39 Zusätzlich zur Ankaufsprämie (bis
men teilweise kompensiert, maßgeblich fallen Ende 2018) entfallen auch die Normverbrauchs-
jedoch auch die geringeren Versicherungs- so- abgabe (NoVA) sowie die motorbezogene
wie Energiekosten ins Gewicht (siehe Grafik). Versicherungssteuer; weiters gewähren Versiche-
Elektroautos haben sich zudem als durchaus rungen zum Teil hohe Rabatte auf die Prämien
wertstabil erwiesen – nicht zuletzt aufgrund für Elektrofahrzeuge. Bei einer Jahreskilometer-
des Fehlens verschleiß- und wartungsintensiver leistung von 15.000 km, einem Haushaltsstrom-
Komponenten wie Schaltgetriebe, Auspuffan- preis von ca. 22 Cent pro Kilowattstunde (kWh)
lage und Verbrennungsmotor. Ein Restwertver- und einem Verbrauch von 15-20 kWh pro 100
gleich zwischen Elektroautos und Verbrennern km liegen die Energiekosten eines E-Autos bei
zeigt, dass der Wertverlust bei Elektroautos nur 500 bis 650 Euro jährlich. Ein vergleichbares
unwesentlich höher ist.37 Bei einigen Modellen konventionelles Fahrzeug (7 Liter Verbrauch
sogar geringer.38 Zudem fallen Risikofaktoren auf 100 km und 1,20 Euro pro Liter Treibstoff)
wie neue Schadstoffgrenzwerte beim Elektro- würde über 1.200 Euro an Treibstoffkosten
auto weg. verursachen. Die „Treibstoff“-Einsparungen
liegen somit bei etwa 600 bis 750 Euro jährlich.
HÖHERE ANSCHAFFUNGSKOSTEN – Selbstverständlich zahlt sich das E-Auto für
DEUTLICH GERINGE BETRIEBSKOSTEN Vielfahrer im Verhältnis noch mehr aus als für
Wenigfahrer, da neben den geringen Kosten für
E-Autos sind insbesondere aufgrund der die Energiebereitstellung auch andere wieder-
Batteriekosten in der Anschaffung zwar teurer kehrende Ausgaben, etwa für Verschleiß und
18 als Autos mit Verbrennungsmotoren, jedoch Wartung, deutlich geringer ausfallen. Daher sindSie können auch lesen