Herzzentrum - HZG aktuell - Herzzentrum Göttingen
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HZG
aktuell
Das Magazin des Herzzentrums
2| 2021
der Universitätsmedizin Göttingen
Jahre
Herzzentrum
der Universitätsmedizin Göttingen3
Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
20 Jahre sind seit der Gründung des Herzzentrums später berichten die jungen Erwachsenen über ihre Hö-
der Universitätsmedizin Göttingen vergangen. Zwei hen und Tiefen.
Jahrzehnte, in denen sich das heute älteste interdiszi-
plinäre Schwerpunktzentrum der Universitätsmedizin Zahlreiche Aufs und Abs durchleben auch viele Paare.
Göttingen zu einer der ersten Adressen für Menschen Zwei von ihnen erzählen uns ihre Geschichte und wie
mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelt hat und sie sich durch ihre Arbeit im Herzzentrum kennen- und
auch im Bereich der Forschung zahlreiche international lieben gelernt haben (Seite 28). Zum Liebhaben ist
sichtbare Zeichen setzen konnte. auch das neue Maskottchen „Pauli“ der Kinderherz-
klinik. Im Rahmen unseres Jubiläums stellen wir den
Vor dem Hintergrund der überaus erfolgreichen Ent- Plüschbären vor, der die jungen Herzpatient*innen auf
wicklung des Herzzentrums Göttingen seit 2001 denken den kinderkardiologischen Stationen zukünftig beglei-
wir, dass es sich lohnt, auf unsere Meilensteine zurück- ten wird (Seite 22).
zublicken sowie auf Veränderungen und Fortschritte,
die das HZG maßgeblich geprägt haben (ab Seite 11). Das und noch viel mehr lesen Sie im neuen HZGaktuell.
Noch wichtiger ist aber der Blick nach vorn, denn: Her-
vorragende Medizin und Stillstand sind nicht vereinbar. Im Namen des Herzzentrums
Wie wichtig Pioniergeist und das stetige Streben nach
Optimierung sind, zeigt die Historie der Herzchirurgie
(Seite 30). Noch vor 125 Jahren scheuten sich Chirur-
gen vor der Operation am Herzen, heute wird sie täg- Ihr Prof. Dr. Gerd Hasenfuß
lich hochpräzise und risikoarm praktiziert. Das ist nicht Direktor der Klinik für Kardiologie und
zuletzt der engen Zusammenarbeit im Herzteam ge- Pneumologie und Vorsitzender des
schuldet – Herzchirurgie, Kardiologie, Bildgebung und Herzzentrums der Universitätsmedizin
Göttingen
Anästhesie. Welche Bedeutung die Anästhesie in der
Herzmedizin und insbesondere im Herzzentrum Göt-
tingen hat, haben wir Prof. Dr. Dr. h.c. Dietrich Kettler,
Gründungsmitglied des Herzzentrums und damaliger
20 Jahre Herzzentrum
geschäftsführender Leiter des Zentrums Anästhesio- 4
logie, Rettungs- und Intensivmedizin, und den heuti- Grußworte und Glückwünsche
gen Direktor der Klinik für Anästhesie, Prof. Dr. Konrad
Meissner, gefragt (Seite 34). Über Wachstum und Weiterentwicklung
11
Meilensteine und Erfolge
Vieles wurde am Herzzentrum im Lauf der letzten Jahre
gemeinsam auf den Weg gebracht und findet nun seine Im Gespräch mit dem Vorsitzenden Prof. Dr. Gerd Hasenfuß
16
Fortsetzung in zukunftsweisenden Weichenstellungen Andere schauen zurück, wir blicken nach vorn
für die Herz-Kreislauf-Medizin von morgen. Über die
Medizin der Zukunft spricht auch Oberarzt Prof. Dr. Tim Maskottchen für die Kinderherzklinik
22
Seidler im Interview ab Seite 38, denn das Gesundheits- Pauli stellt sich vor
wesen steht vor großen Herausforderungen. Er sieht
großes Potenzial in der Digitalisierung der Medizin, um Die jungen Patient*innen des Herzzentrums
24
Prozesse optimieren und Therapieoptionen effizienter 20 Jahre später
gestalten zu können, aber auch die Schwierigkeiten der
neuen Technologien. Prof. Seidler kritisiert den lang- Liebesgeschichten aus dem Herzzentrum
29
samen Fortschritt und fordert seine Kolleg*innen auf, Zwei Herzen
sich mit den technologischen Möglichkeiten auseinan-
derzusetzen und den Wandel aktiv mitzugestalten. Von offener Herzoperation zur Schlüssellochtechnik
30
Herzchirurgie im Wandel — eine Erfolgsgeschichte
Gewandelt haben sich auch unsere Patient*innen. Es
gibt viele, die mit einem angeborenen Herzfehler auf Vier Fragen an Prof. Dr. Kettler und Prof. Dr. Meissner
34
die Welt kommen und zeit ihres Lebens in unserer Kin- Die Bedeutung der Anästhesiologie
derherzklinik behandelt werden. Wir haben drei ehema-
lige Herzkinder gefragt, wie es ihnen heute geht und Im Gespräch mit Prof. Dr. Tim Seidler
38
was sie mit der Klinik verbinden (Seite 24). 20 Jahre Medizin der Zukunft4
20 Jahre Herzzentrum
Grußworte und Glückwünsche
Mit dem Herzzentrum sind viele Menschen verbunden: Patient*innen, die in den Abteilungen des Herzzentrums
behandelt wurden, ärztliches und pflegerisches Personal, das im HZG ausgebildet wurde, das hier tätig war und ist.
Kooperationspartner*innen, die in stetiger Verbindung mit dem HZG stehen, die sich austauschen oder gemein-
sam mit dem HZG forschen, sowie Unterstützer*innen, die die Arbeit fördern. Anlässlich des 20-jährigen Jubilä-
ums haben wir 20 Personen gefragt, was sie mit dem HZG verbinden und was sie ihm für die Zukunft wünschen.
Ehemalige
“ Liebes Herzzentrum,
herzlichen Glückwunsch zum
20-jährigen Bestehen. Ich habe als
Pflegedienstleitung der Kardiolo-
gie mit großer Freude viele Jahre
die erfolgreiche und kompetente
Arbeit im Vorstand begleiten dür-
fen. Dabei habe ich erlebt, dass die
interdisziplinäre Zusammenarbeit
“ Der herausragende Stellenwert
des Herzzentrums ist das Ergebnis
zwischen den einzelnen Kliniken,
aber auch mit Forschung und Leh-
re, stets zu einer ausgezeichneten
der Realisation seines Konzeptes Kooperation mit dem Anspruch
der engen Kooperation und Kom- einer stetigen Verbesserung der
munikation aller beteiligten Einrich- Patientenversorgung gedient hat.
tungen. Dies betrifft nicht nur die
Patientenversorgung, sondern auch
die Forschung und hier insbesonde-
“
re die intensive und erfolgreiche
Einbeziehung der Grundlagenfor-
Das Herzzentrum hat Geburts- schung in klinische Fragestellungen.
tag. Ich freue mich über die erfolg- Zu den universitären Aufgaben ge-
reiche Entwicklung, die ich auch hört — nicht als letztes — auch die
nach meiner Emeritierung verfolgt Lehre, worauf ich als ehemaliger
habe. Anlässlich dieses Jubiläums Studiendekan kurz eingehen möch-
erinnere ich mich gerne an die ge- te. Hier hat das Herzzentrum ent-
meinsame aktive Zusammenarbeit scheidend daran mitgewirkt, den
im Herzzentrum mit unserem Fach Unterricht vom traditionellen Fä-
der Anästhesiologie, insbesonde- cherbezug in die modulare Lehr-
re auch der präklinischen Notfall- form umzubauen. Dabei stehen die Besonders hat mich gefreut, dass
und Rettungsmedizin. Meine guten Krankheiten im Vordergrund und die Pflege in diesem Prozess, sofern
Wünsche begleiten die weiteren Ak- werden gemeinsam von Dozen- erforderlich, immer Gehör fand. Ich
tivitäten des Herzzentrums auch in ten verschiedener Fächer gelehrt. bin Prof. Hasenfuß für die Unter-
der Zukunft. Ohne die Ideen und die Aktivität der stützung und die erfahrene Wert-
Dozenten des Herzzentrums hätte schätzung außerordentlich dankbar
Prof. Dr. Dr. h. c. Dietrich Kettler die erfolgreiche Reform des klini- und wünsche dem Herzzentrum,
Gründungsmitglied, schen Studiums an unserer Fakul- das in den Jahren ständig gewach-
ehem. Direktor der Abteilung tät damals kaum umgesetzt werden sen ist, für die Zukunft alles erdenk-
Anästhesie I können. lich Gute und weiterhin viel Erfolg
für die weitere Arbeit.
Prof. Dr. Gerhard Hellige
Gründungsmitglied, Gudrun Borchers
Bilder: privat
ehem. Direktor der Abteilung Gründungsmitglied,
Anästhesiologische Forschung ehem. Pflegedienstleitung5
“ Als ehemaliger Vorstand für
Forschung und Lehre und Dekan
schaftler der Kardiologie und der
Neurowissenschaften zukünftig un-
der Medizinischen Fakultät fühle ich ter einem neuen Dach gemeinsam,
mich der Göttinger Universitätsme- organübergreifend an den Ursa-
dizin und besonders dem Herzzen- chen für Herz-Kreislauf-Erkrankun-
trum sehr eng verbunden und freue gen forschen werden – vielleicht
mich sehr, dass ich dieses Jahr be- werden wir diese Krankheitsbilder
reits zum 20-jährigen Bestehen gra- dann bald ganz anders benennen
tulieren kann. Mit den 14 Kliniken, müssen. Diese Forschungsinfra-
die im Herzzentrum zusammen- struktur hat Pioniercharakter und
arbeiten, wurde ein hervorragendes zeichnet die Universitätsmedizin
Beispiel für interdisziplinäre Medi- Göttingen und das Herzzentrum
zin geschaffen. Ich möchte beson- wirklich aus. Ich wünsche allen Be- Prof. Dr. Heyo Kroemer
ders die Einzigartigkeit des neuen teiligten auf diesem Wege weiterhin Ehem. Sprecher des Vorstands der
Herz- und Hirnzentrums (Heart & viel Erfolg für die Behandlung und UMG und Dekan der Med. Fakul-
Brain Center Göttingen – HBCG) Erforschung der kardiovaskulären tät der Universität Göttingen, jetzt
hervorheben, wo ganz neue Wege Erkrankungen und insbesondere Vorstandsvorsitzender der Charité,
beschritten werden, indem Wissen- einen guten Start für das HBCG. Universitätsmedizin Berlin
gab nicht einmal ein eingerichtetes tientenversorgung, Forschung und
Chefarztbüro, sodass Gäste nicht Lehre auf höchstem Niveau garan-
auf Stühlen, sondern auf Umzugs- tiert. Im Herzzentrum tragen 14
kisten sitzen mussten. Kliniken und Institute, die Pflegebe-
reiche, Funktionsbereiche, Service-
Unter Gerd Hasenfuß hat sich die bereiche und Verwaltung gemein-
Göttinger Kardiologie klinisch wie sam zu diesem Erfolg bei. Es wurde
wissenschaftlich enorm entwickelt. ein Herzforschungsgebäude errich-
Es wurden Pläne geschmiedet, ein tet, und der wohl größte Erfolg ist
Förderverein gegründet, Drittmit- der Baubeginn für das Heart & Brain
telprojekte eingeworben, ein hoch- Center im Jahr 2020. Wer hätte sich
modernes Elektrophysiologielabor all das 1998 vorstellen können?
eingerichtet und vieles mehr. Die
Prof. Dr. Burkert Pieske Herzmedizin in Göttingen hat so Gerd Hasenfuß selber ist uns Bei-
Ehem. Gastprofessor in der Klinik einen raschen Aufstieg genommen, spiel und Vorbild für unaufgeregte
für Kardiologie und Pneumologie, dass die Gründung des interdiszipli- und rationale Beständigkeit. Mit
jetzt u. a. Direktor der Medizinischen nären Herzzentrums 2001 unaus- nunmehr 20 Jahren an der Spitze
Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie, weichlich wurde. Als erstes sicht- des Herzzentrums Göttingen stellt
Charité, Universitätsmedizin Berlin bares Zeichen wurde der „Infopilz“, er selbst die Amtszeit der derzeit
eingerichtet, der bis heute unver- noch mächtigsten Frau der Welt in
wüstlich dort steht, wo er aufgebaut den Schatten.
“ Als ich im April 1998 mit Herrn
Professor Hasenfuß aus Freiburg
wurde.
Heute ist das Herzzentrum Göttin-
Ich wünsche dem gesamten Team
des Herzzentrums Göttingen für die
nach Göttingen kam, gab es noch gen eine national und international Zukunft von Herzen weiterhin viel
kein Herzzentrum in Göttingen. Es renommierte Einrichtung, die Pa- Erfolg!6
Ehemalige
“ Ich verbinde viel mit dem Herz-
zentrum in Göttingen. Es war das
“ Meine herzlichsten Glückwün-
sche zum 20-jährigen Bestehen des
“ Sprungbrett für mich aus der Inne- Herzzentrums Göttingen!
ren Medizin in die Kardiologie und
Ganz herzliche Glückwünsche Das Gründungsjahr des Herzzent-
dann weiter auf den Lehrstuhl für
zum Jubiläum! Aus meiner Zeit an rums fällt mit meinem ersten Jahr
Prävention und Sportmedizin an
der Universitätsmedizin Göttingen als Wissenschaftlerin in der Ab-
der TU München. Vor 18 Jahren hat
verbinde ich mit dem Herzzentrum teilung für Kardiologie und Pneu-
keiner absehen können, dass prä-
besonders engagierte Kolleginnen mologie der UMG zusammen. Die
ventive Kardiologie und Sportkar-
und Kollegen, Spitzenmedizin mit 15-jährige Zugehörigkeit zu diesem
diologie heute so einen wichtigen
einem sehr großen Radius um Göt- exzellenten und zugleich lebendi-
Teil innerhalb der Kardiologie ein-
tingen herum und eine ungemein gen Zentrum mit internationaler
nehmen würden. Erfahrungen bei
gelungene Verbindung von Wissen- Ausstrahlung hat nicht nur meine
Prof. Hasenfuß und der Abteilung
schaft mit klinischer Medizin. Ich Arbeit als translationale Wissen-
sind das Fundament für mein heuti-
durfte mit vielen Mitgliedern des schaftlerin geprägt, sondern auch
ges Tun im Bereich der präventiven
Herzzentrums – vom dynamischen produktive Kooperationen sowie
Kardiologie und Sportkardiologie.
Ordinarius über international bes- langjährige Freundschaften be-
Zudem sind die vielfältigen Vernet-
tens vernetzte Kolleginnen und gründet. Wissenschaftlich hatte ich
zungen mit ehemaligen Kollegen
Kollegen bis hin zu etlichen Dokto- das große Glück, Teil der Konsor-
vom Herzzentrum heute noch Basis
randinnen und Doktoranden mit be- tien NGFN-Plus, FOR 155, SFB 1002,
für wissenschaftliche Kooperatio-
sonderem Potenzial – eng zusam- IRTG 1816 und DZHK zu sein. Per-
nen in Multicenterstudien. Ich freue
menarbeiten, im SFB 1002 genauso sönlich hatte ich das große Glück,
mich, zu der Herzzentrumsfamilie
wie im Exzellenzcluster „Multiscale Prof. Hasenfuß als Mentor zu ha-
dazuzugehören!
Bioimaging“. Diese Interaktionen ben. Das Herzzentrum wurde so für
haben mich geprägt, inspiriert und mich zu einer echten wissenschaft-
mir Rückenwind für meine jetzige lichen Heimat.
Rolle als Dekanin einer medizini-
schen Fakultät und Vorstandsmit-
Prof. Dr. Kaomei Guan
glied der Universitätsmedizin Ham-
Ehem. Leiterin der Stem Cell Unit,
burg gegeben.
jetzt stv. Direktorin des Instituts für
Pharmakologie und Toxikologie,
Prof. Dr. Blanche Schwappach TU Dresden
Ehem. Direktorin des Instituts für
Molekularmedizin, jetzt Dekanin und
Vorstandsmitglied des Universitäts-
klinikums Hamburg-Eppendorf
Prof. Dr. Martin Halle
Ehem. Oberarzt der Klinik für
Kardiologie und Pneumologie, jetzt
u. a. ärztlicher Direktor der Klinik
für Präventive und Rehabilitative
Bilder: privat
Sportmedizin am Klinikum rechts
der Isar, TU München“
7
Aktive
Für mich macht ein echtes und erlaubt, sich gegenseitig kritisch zu
gelungenes Herzzentrum aus, dass begleiten und sich selbst stets zu
sich eine große Zahl verschiedener hinterfragen. So ist an der UMG in
Fachdisziplinen gegenseitig ergänzt den letzten 20 Jahren ein interdis-
und besser macht. Durch die direk- ziplinäres Team „Herz“ entstanden.
te Zusammenarbeit mit meinen Dieses Team genießt weit über die
Kolleginnen und Kollegen der Herz- Region hinaus das Vertrauen vieler
chirurgie, Anästhesie, Radiologie, Patientinnen und Patienten. Dazu
Gefäßchirurgie und vieler anderer gratuliere ich uns!
Bereiche des Herzzentrums können
“ 20 Jahre Herzzentrum: herz-
lichen Glückwunsch! Das Zentrum
wir zum Beispiel im Herzkatheter-
labor und Hybrid-OP heute verant-
wortungsvoll Eingriffe durchführen,
stimuliert Interdisziplinarität in viel- die bis vor wenigen Jahren noch
facher Weise zum Wohl in der Kran- unmöglich schienen. Vielfach kön-
kenversorgung, Forschung und Lehre. nen wir heute auch solchen Patien-
tinnen und Patienten helfen, denen
Besonderer Dank von meiner Seite anderswo nicht mehr zu helfen ist.
für die Möglichkeit, die exzellenten Ob bei gemeinsam durchgeführten
Forschungsbedingungen zu nutzen Eingriffen, interdisziplinären Lehr-
und die nächste Generation von veranstaltungen oder in der Spit-
kardiovaskulären Forscherpersön- zenforschung – die eingespielte und
lichkeiten in Cardiovascular-Science- vertrauensvolle Zusammenarbeit
Programmen M. Sc. und PhD auszu- auf vielen Fachebenen macht den
bilden. Unterschied zwischen Spezialklinik
und wirklichem Zentrum. Die lang-
Prof. Dr. Dörte Katschinski fristig angelegte und alltägliche Zu- Prof. Dr. Tim Seidler
Stv. Vorsitzende des Herzzentrums, sammenarbeit erzeugt zudem eine Leitender Oberarzt und stv. Direktor
Direktorin des Instituts für Herz- Selbstverständlichkeit der Interak- der Klinik für Kardiologie und Pneu-
Kreislauf-Forschung tion, die es benachbarten Fächern mologie
Fortschritte erzielt. Nur durch die Herzzentrum Göttingen gelingen
enge kollegiale Zusammenarbeit kann. Die aktuelle klinische Studie
unterschiedlicher Fachrichtungen im zum bioartifiziellen Herzmuskeler-
Herzzentrum gelingt es uns, jeder satz („Herzpflaster“) ermöglicht so
Patientin/jedem Patienten eine indi- unseren Patient*innen den Zugang
vidualisierte, speziell auf sie/ihn zu- zu einer komplett neuen Therapie
geschnittene Therapie anzubieten. der Herzinsuffizienz.
So können wir z. B. gemeinsam mit Unserem Herzzentrum wünsche ich,
Kolleg*innen der Geriatrie und Psy- dass die hervorragende interdiszi-
chokardiologie postoperative Durch- plinäre Zusammenarbeit zum Woh-
gangssyndrome und Delirzustände le unserer Patient*innen erhalten
nach Herzoperationen gezielter er- bleibt und dass es uns auch weiter-
kennen und erfolgreich behandeln. hin gelingt, Innovationen in Wissen-
Die aktuelle Herzmedizin zeich- Auch die effektive Umsetzung von schaft und Klinik erfolgreich voran-
net sich durch eine Vielzahl neuer bedeutenden wissenschaftlichen zutreiben.
interventioneller und minimalinvasi- Innovationen in die erstmalige kli-
ver Therapieverfahren aus. Auch in nische Anwendung ist eine sehr Prof. Dr. Hassina Baraki
der Diagnostik und der medikamen- komplexe Aufgabe, die nur durch Leitende Oberärztin und stv. Direk-
tösen Behandlung von Herzkrank- eine besonders enge Verzahnung torin der Klinik für Herz-, Thorax-
heiten wurden in letzter Zeit große verschiedener Spezialist*innen im und Gefäßchirurgie8
Aktive
“ Das Herzzentrum ist für mich
eine richtig gut gelungene klinik-
übergreifende Struktur innerhalb
der UMG. Es bildet ein enges Binde-
glied zwischen den beteiligten Ins-
titutionen in allen drei Bereichen –
Forschung, Lehre und auch Klinik.
“
Durch seine schlanke und gleich-
zeitig sehr effektive Leitungs- und 20 Jahre Herzzentrum bedeutet
Verwaltungsstruktur hat es sich Die Mitglieder des Herzzentrums für mich 20 Jahre rasanter techni-
seit der Gründung vor 20 Jahren zu Göttingen verbindet das gemeinsa- scher Fortschritt auf dem Gebiet der
einem echten Gewinn für Mitarbei- me Ziel, die Herzmedizin im Sinne kardiovaskulären Bildgebung. Die
ter und Patienten entwickelt. des Patienten heute und in Zukunft kardiale MRT und CT stellen in die-
optimal zu gestalten. Interdisziplinä- sem Zusammenhang vergleichswei-
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH
re Zusammenarbeit vom Labor bis se junge Disziplinen dar, sind jedoch
und weiter so!
an das Krankenbett wird im Herz- bereits heute im klinischen Alltag
zentrum Göttingen auf einzigartige zur Diagnosestellung, vor Einleitung
Weise unter Einbindung exzellenter einer Therapie und zur Abschätzung
Forscher und Kliniker täglich ge- der Prognose nicht mehr wegzu-
lebt. Stellvertretend für das Institut denken. Im Herzzentrum Göttingen
für Pharmakologie und Toxikologie werden die kardiale MRT und CT
der Universitätsmedizin Göttingen gemeinschaftlich durch Ärzte der
darf ich Glückwünsche ausrichten Radiologie und Kardiologie durch-
und den Wunsch auf Fortführung geführt, sodass täglich die Kompe-
der erfolgreichen Zusammenarbeit tenzen aus beiden Fachbereichen
äußern. Wir sind gerne und aus vereint werden. Und genau das wün-
voller Überzeugung Mitglied des sche ich dem Herzzentrum auch für
Herzforschungszentrums, in dem die Zukunft: eine moderne kardiale
Spitzenforschung in Spitzenmedi- Bildgebung auf höchstem Niveau,
zin überführt wird. Ein Beispiel ist geprägt durch eine interdisziplinä-
Prof. Dr. Matthias Sigler die weltweit erste Anwendung von re radiologische und kardiologische
Oberarzt und stv. Direktor der Klinik Herzpflastern aus Stammzellen in Zusammenarbeit.
für Pädiatrische Kardiologie, Inten- Patienten mit Herzmuskelschwäche.
sivmedizin und Neonatologie PD Dr. Johannes Kowallick
Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Oberarzt, Bereichsleitung Kardio-
Zimmermann vaskuläre Bildgebung im Institut für
Direktor des Instituts für Pharma- Diagnostische und Interventionelle
kologie und Toxikologie Radiologie
“ Seit der Wiedereinrichtung des
Lehrstuhls für Nuklearmedizin an
dem Gebiet der kardiovaskulären
Medizin würdig zu vertreten und
der Universitätsmedizin Göttingen unseren Teil dazu beizutragen,
zum 01.09.2019 ist die Klinik für Nu- dass die nächsten 20 Jahre ge-
klearmedizin Bestandteil des Herz- nauso erfolgreich werden, wie es
zentrums der UMG. die vergangenen waren. Wenn wir
dabei das ein oder andere Herz
Es erfüllt uns mit Stolz, nun Teil „zum Strahlen“ bringen dürfen –
einer so international angesehenen umso besser! Herzlichen Glück-
Institution sein zu dürfen, gleich- wunsch zum Geburtstag!
zeitig aber auch mit Respekt und
Ansporn, die Nuklearmedizin in Prof. Dr. Jan-A. Bucerius
Klinik, Forschung und Lehre auf Direktor der Klinik für Nuklearmedizin9
“ Mit der Altersmedizin (Geriat-
rie) sind wir seit 2019 das jüngste
Herzzentrum macht nicht nur jeden
Tag aufs Neue Spaß, sondern kommt
Mitglied im Herzzentrum. Unser insbesondere unseren gemeinsam
Schwerpunkt sind Erkrankungen von behandelten Patienten zugute.
„Herz und Hirn“. Wir haben uns von 20 Jahre Herzzentrum sind ein
Anfang an von allen Seiten herzlich großartiger Grund zum Feiern: herz-
aufgenommen gefühlt und konnten lichen Glückwunsch und weiter so!
schnell gemeinsame Forschungspro-
jekte starten. Die Zusammenarbeit Prof. Dr. Christine von Arnim
mit den Kolleginnen und Kollegen im Leiterin der Abteilung Geriatrie
penersatz mit dem Tendyne-Verfah-
ren oder die Mitralklappenchirurgie
mit 3D-TEE-Unterstützung durch die
Anästhesie sind Beispiele für eine
erfolgreiche Teamarbeit der unter-
schiedlichen Disziplinen. Bei all die-
sen Eingriffen ist die Anästhesie als
integraler Bestandteil des Teams
involviert und leistet einen wichti-
gen Beitrag zur erfolgreichen Be- “ Als ich vor sechs Jahren die
“ Das Herzzentrum eröffnet die
Möglichkeit, spezialisierte The-
rapieoptionen für unsere Patient*in-
handlung. Neben der Überwachung
der Vitalparameter (Atmung, Herz-
frequenz, Blutdruck, Urinausschei-
Leitung des Instituts für Humange-
netik übernommen habe, stellte die
Zusammenarbeit mit dem Herzzent-
nen auf qualitativ höchstem Niveau dung) steuert die Anästhesie die rum von Beginn an für mich die zen-
anzubieten. Durch das Zusammen- Narkosetiefe mittels prozessierten trale Säule für die Neuausrichtung
spiel von Anästhesie, Kardiologie, EEG und kontrolliert die zerebrale und Weiterentwicklung des Instituts
Kinderkardiologie, Herzchirurgie Durchblutung und Sauerstoffsätti- dar. Die Synergie zwischen Kardio-
und Radiologie entsteht ein Umfeld, gung mittels Nahinfrarotspektro- logie und Humangenetik hat schnell
in dem alle Disziplinen auf Augen- skopie (NIRS). Früchte getragen – in spannenden
höhe miteinander kommunizieren gemeinsamen Projekten der Spit-
und arbeiten zum Wohle unserer Die Anästhesie als Querschnittsfach zenforschung ebenso wie in der ver-
Patient*innen. Dies gilt für klinische ist geradezu prädestiniert, die un- besserten Krankenversorgung durch
wie wissenschaftliche Aufgabenstel- terschiedlichen Anforderungen der unsere gemeinsame interdisziplinä-
lungen gleichermaßen. beteiligten Disziplinen zu erkennen re Sprechstunde sowie die Etablie-
und ihnen zu ermöglichen, die ge- rung einer modernen NGS-basierten
Neue und neueste Verfahren und wünschten Maßnahmen erfolgreich Diagnostik für erbliche Herzerkran-
Techniken kommen hier zum Ein- durchzuführen. Wir hoffen, dass wir kungen. Mit einer Kombination aus
satz oder werden hier sogar entwi- diese erfolgreiche Zusammenarbeit Genentschlüsselung und Genome-
ckelt und weltweit das erste Mal ein- auch in Zukunft fortführen und in- ditierung für genetisch bedingte
gesetzt. Hierzu zählt die Therapie tensivieren können, um weiterhin Herzerkrankungen sind wir bereits
mit dem „Herzpflaster“ als heraus- für unsere Patienten die bestmög- in Richtung der personalisierten
ragendes, innovatives und in Göt- liche Therapie in höchster Qualität Medizin aufgebrochen. Ich gratulie-
tingen entwickeltes Verfahren. Aber anbieten zu können. re dem Herzzentrum zu seiner bis-
auch der interventionelle Klappen- herigen herausragenden Arbeit und
ersatz (TAVI, MitraClip, Melody-Pul- freue mich auf die gemeinsame Zu-
monalklappe) oder das CardioBand PD Dr. Ivo Brandes kunft!
sind Beispiele für eine erfolgreiche Oberarzt der Klinik für Anästhesiolo-
Zusammenarbeit im Herzkatheter- gie, Bereich Herz-, Thorax- und Gefäß- Prof. Dr. Bernd Wollnik
labor. Ebenso im OP der Mitralklap- chirurgie Direktor des Instituts für Humangenetik10
Aktive
bisherigen klinischen und wissen- Massachusetts General Hospital in
schaftlichen Weg an der Schnitt- Boston, USA.
stelle zwischen kardiologischen und
psychischen Erkrankungen sehr ver- Für die Zukunft wünsche ich mir vom
bunden. Ich bin insbesondere für HZG eine exzellente Patientenver-
die Inspiration, Unterstützung und sorgung und Forschung, Interdiszi-
Motivation seitens Herrn Prof. Herr- plinarität, Mentoring von jungen und
mann-Lingen im Bereich der Psy- ambitionierten Nachwuchswissen-
chokardiologie, für die zahlreichen schaftlern und insbesondere Alter-
Möglichkeiten und das Vertrauen nativmodelle für eine akademische
bei der Etablierung von Psychoso- Karriere von Ärztinnen und Ärzten,
matik im Bereich der Herzchirurgie im Sinne einer guten Vereinbarkeit
seitens Herrn Prof. Kutschka und für von klinischen und wissenschaftli-
die klinischen Erfahrungen im Be- chen Tätigkeiten.
reich der Kardiologie seitens Herrn
Hiermit möchte ich dem Herzzen- Prof. Hasenfuß sehr dankbar. Meine
trum Göttingen zur hervorragenden Arbeit im HZG bildet eine wichtige Dr. Monika Sadlonova
klinischen, wissenschaftlichen und Grundlage für meine aktuelle wis- Fachärztin für Psychosomatische
öffentlichen Arbeit in den letzten 20 senschaftliche Tätigkeit im Cardiac Medizin und Psychotherapie,
Jahren herzlich gratulieren. Ich füh- Psychiatry Research Program an aktuell u. a. tätig an der Harvard
le mich mit dem HZG durch meinen der Harvard Medical School und am Medical School
“ Sehr geehrter Herr Prof. Hasen-
fuß, wertes Team des Herzzentrums
für die fachübergreifende akute
Frührehabilitation für überwiegend
Aber nun sollte auch Zeit sein, dass
Sie sich als gesamtes Team Zeit zum
der UMG, ältere Patienten nach Herzklappen- Feiern und auch einen zufriedenen
eingriffen, Bypassoperationen und Rückblick auf Ihre großen Anstren-
im Namen von Direktorium und un- Herzinsuffizienz mit Ihnen und den gungen und Erfolge gönnen. Sie
serer Klinikmannschaft gratuliere Kostenträgern etabliert werden haben es sich sehr verdient. Glück-
ich Ihnen herzlich zum zwanzigjäh- konnte. Diese Versorgungsmodelle wunsch und viel Erfolg für die Zu-
rigen Bestehen des UMG Herzzen- sind zukunftsfähig und unterstützen kunft Ihres Herzzentrums!
trums. Besonders danken wir Ihnen die von Politik, Kassen und Patien-
für die jederzeit kollegiale fachliche ten geforderte Spezialisierung und
Kooperation, die schon mit dem En- Qualitätsorientierung in länder- und
gagement von Prof. Creutzfeldt be- Sektorenübergreifenden Strukturen.
gonnen hatte und mit Ihnen, Herr Wir sind daher ebenso stolz wie ins-
Bild: Klinik- und Rehabilitationszentrum Lippoldsberg GmbH
Prof. Hasenfuß, und Ihren Teams piriert, dass das HZG-Team der UMG
dynamisch fortgesetzt und weiter- mit uns als kleinerem Partner immer
entwickelt wurde. ansprechbar ist für die arbeitsall-
tägliche Behandlung der regionalen
In den 20 Jahren haben viele Ärz- Patienten und sich gleichzeitig an
te des Herzzentrums der UMG an der Entwicklung der überregiona-
einem Austausch in Lippoldsberg len Versorgung der kardiologischen
teilgenommen. Die Behandlung der Frührehabilitation beteiligt.
kardiologischen Patienten unserer
Region erfolgt seitdem gemeinsam Wir sind davon überzeugt – und dür-
und aktuelle neue Verfahren wer- fen ein aktiver Teil hiervon sein –,
den im klinischen Alltag angewen- dass die große Bandbreite Ihrer uni- Dr. Michael Don
det und weiterentwickelt. Wir freuen versitären Forschung und klinischen Ärztlicher Direktor/Chefarzt Innere
uns sehr, dass aus dieser Zusam- Kardiologie bei den Patienten an- Medizin, Klinik- und Rehabilitations-
menarbeit ein Versorgungsangebot kommt. zentrum Lippoldsberg GmbH11 Über Wachstum und Weiterentwicklung Meilensteine und Erfolge 20 Jahre Herzzentrum stehen für 20 Jahre Forschung auf höchstem Niveau, 20 Jahre exzellente Krankenversor- gung und innovative Ausbildung des medizinischen und naturwissenschaftlichen Nachwuchses. Seit der Gründung am 26. September 2001 hat das HZG eine Vorreiterrolle im Bereich der Herz-Kreislauf-Medizin inne: Die Kinder- kardiolog*innen waren die ersten weltweit, die ein Doppelschirmsystem bei einem Kind einsetzten, die Pharma- kolog*innen züchteten erstmals stammzellbasiertes Herzreparaturgewebe, das in diesem Jahr als Herzpflaster bei Patient*innen eingesetzt wird, und auch die Echtzeit-MRT wurde weltweit erstmals im Herzzentrum klinisch eingesetzt. Viele Erfolge hat das HZG bereits verzeichnet, viele Projekte beginnen erst jetzt.
12
Gründungsmitglieder, 2001:
Geschäftseinheit Pflegedienst (R.
Müller, G. Borchers), Anästhesie I
2005
(Prof. Kettler), Anästhesiologische Infarktnetz
Forschung (Prof. Hellige), Kardiolo- Göttingen, 2005:
gie und Pneumologie (Prof. Hasen- Im Rahmen des Infarkt-
fuß), Herz- und Kreislaufphysio- netzwerkes Göttingen ver-
logie (Prof. Hecker), Pädiatrische sorgt das HZG gemeinsam
Kardiologie und Intensivmedizin mit kooperierenden Klini-
(Prof. Wessel), Schwerpunktpro- ken in Südniedersachsen
fessur Kinderherzchirurgie (Prof. Herzinfarktpatient*innen.
Ruschewski), Thorax-, Herz- und Das Gebiet erstreckt sich
Gefäßchirurgie (Prof. Schöndube) vom Harz bis nach Nord-
hessen und von der Weser
26. September 2001: bis ins Eichsfeld.
Gründung des Herzzentrums Weitere Mitglieder, 2003:
(HZG) der Universitätsmedizin Diagnostische Radiologie
Göttingen (Prof. Grabbe), Anästhesie II –
Operative Intensivmedizin
(Prof. Quintel)
2001
2003
2002 2006
20. Dezember 2001:
Eröffnung des HZG als erstes
2004
interdisziplinäres Schwerpunkt- Erfolg bei der Stamm-
zentrum der UMG zellforschung, 2006:
Göttinger Forscherteam um
die Professor*innen Kaomei
Guan, Gerd Hasenfuß und
Weitere Mitglieder, 2004: Wolfgang Engel präsentiert
Humangenetik (Prof. Engel), revolutionäre Möglichkeit
Wintersemester 2001/02: Psychosomatik – Psychokardio- für den Einsatz von Stamm-
Interdisziplinäre Lehrveranstaltung „Kardio- logie (Prof. Rüger) zellen in der Medizin in der
pulmonale Lehre“ als erstes reformiertes Zeitschrift Nature.
Lehrmodul an der Medizinischen Fakultät
Göttingen eingerichtet. Das für die Göttinger
Herzmedizin entwickelte Studierenden-
Curriculum wurde bald allgemein auf die Medi-
zin der UMG übertragen. Erste Chest Pain Unit
(CPU) in Nieder-
sachsen, 2006:
Die Chest Pain Unit (CPU,
Brustschmerzeinheit) ver-
bessert Überlebens- und
Heilungschancen von
Patient*innen mit Brust-
schmerz und Luftnot.13
Weiteres Mitglied, 2009:
Pharmakologie
(Prof. Zimmermann)
Aortenklappe, 2009:
2007
Erstmals wird einem
86-Jährigen im HZG eine
neue Aortenklappe per 10 Jahre HZG:
Katheter implantiert. Das Herzzentrum feiert 2011
Psychokard. sein 10-jähriges Bestehen.
Station, 2009:
Doppelschirmsystem, Neue Station für Psycho-
DZHK, 2011:
2007: kardiologie bietet als eine
Göttingen wird einer von sieben
Göttinger Kinderkardiolog*in- der bundesweit ersten
Standorten des Deutschen
nen setzen selbstauflösendes Einrichtungen stationäre
Zentrums für Herz-Kreislauf-
Doppelschirmsystem weltweit Hilfe für psychisch belas-
Forschung (DZHK).
erstmals bei einem Kind ein. tete Herzpatient*innen.
DGK-Siegel, 2009:
2011
CPU erhält als erste
geprüfte Brustschmerz-
einheit das DGK-Siegel in
Niedersachsen.
2009
2012
2008 2010
Innovationspreis, 2008: Gründung des Heart
Bundesministerium für Bildung Research Centers Weiteres Mitglied,
und Forschung verleiht Inno- Göttingen (HRCG), 2012:
vationspreis Medizintechnik an Zellbiochemie (Prof.
2010:
Forscher*innen des HZG und des Rehling)
HZG, Max-Planck-Institute
MPI Dynamik und Selbstorgani-
und das Deutsche Prima-
sation für schonende Therapie
tenzentrum bündeln wis- Sonderforschungs-
bei Kammerflimmern.
senschaftliche Expertise bereich 1002, 2012:
in der Herzforschung am Neuer Sonderforschungs-
Standort Göttingen. bereich (SFB) sucht auf
Zellebene nach neuen
Erkenntnissen für eine
noch bessere Behand-
lung. Die DFG fördert
SFB 1002 unter der
Leitung des HZG mit über
10 Mio. Euro für zunächst
vier Jahre.
Studie: EUTrigTreat, 2009 – 2015
Studie: EUGeneHeart, 2006 – 201014
EMAH-Zentrum, 2015:
2013
Die UMG erhält das Zertifikat Herzpflaster, 2017:
„Überregionales EMAH-Zen- Erstmals Herzpflaster aus
trum“. Die UMG gehört damit zu Stammzellen für die klini-
den 16 überregionalen EMAH- sche Prüfung hergestellt.
Zentren in Deutschland. Herzforschungs-
CVS, 2015: gebäude, 2017:
Herzreparaturgewebe, Internationaler Masterstudien- Das Herzforschungsge-
2013: gang Cardiovascular Science bäude wird eröffnet (Bau-
Erstmals weltweit: For- bildet in Göttingen junge Wissen- kosten: 11,3 Mio. Euro)
scherteam der UMG züch- schaftler*innen für die Herz- Forschergruppen des
tet Herzreparaturgewebe Kreislauf-Forschung aus. HRCG und des DZHK for-
mithilfe von Stammzellen schen gemeinsam unter
aus unbefruchteten Ei- Echtzeit-MRT, 2015: einem Dach.
zellen. Weltweit einzigartig: Im HZG ist
die Echtzeit-MRT in klinischer CardioBand, 2017:
Anwendung. Als erstes Uniklinikum in
Niedersachsen versorgt
IRTG 1816, 2013: das HZG Patient*innen
2015
Die DFG fördert neues Inter- mit einer Mitralklappen-
nationales Graduiertenkol- insuffizienz mit dem
leg 1816 mit 4,5 Mio. Euro. innovativen CardioBand.
Wissenschaftler*innen
erforschen molekulare
2017
Mechanismen der
Herzschwäche.
2014 2016 2018
Station 0132, 2014:
Neue Intermediate-Care-
Station für Frühgeborene SFB 1002 verlängert, 2016: MBExC, 2018:
geht in Betrieb. Die Förderung des Sonderfor- „Microscale Bioimaging“
schungsbereichs wird um weitere wird als Exzellenzcluster
vier Jahre verlängert. Die Förder- von Bund und Ländern
MRT-Gebäude, 2014: summe beträgt 11,8 Mio. Euro. gefördert. Das MBExC
Forschungsgebäude „kardiovas- konzentriert sich auf die
kuläre MRT“ wird errichtet und Kardiogenetik, 2016: Erforschung von Herz
eröffnet. Institut für Humangenetik im HZG und Hirn. Mitglieder des
bietet bundesweit erstmals die HZG sind Teil des Clus-
kardiogenetische Sprechstunde ters.
an.
Heart Failure Unit,
Blick in Herzmuskelzellen, 2018:
Das HZG wird als über-
2016: regionales HFU-Zentrum
Weltweit erstmals gelingt am HZG zertifiziert.
der molekulare Blick in atriale
Herzmuskelzellen. Bildgebung, 2018:
Am HZG wird ein neues,
vielversprechendes Herz-
bildgebungsverfahren bei
Herzrhythmusstörungen
entwickelt.
Studie: EUTrigTreat, 2009 – 2015
Studie: EUCERT-ICD, 2013 – 201815
Mitralklappenzentrum, 2019:
Das HZG wird als Mitralklappenzent-
rum zertifiziert.
20 Jahre HZG:
CardioBand, 2019: Das Herzzentrum feiert 2021
Mit über 500 katheterinterventionel- sein 20-jähriges Bestehen.
len Herzklappeneingriffen gehört das
HZG europaweit zu den erfahrens-
ten Einrichtungen. Als erste Klinik
TAVI-Studie, 2021:
Aus den gewonnenen Erkenntnis-
in Niedersachsen setzt das HZG das
sen der Studie im vorausgegan-
CardioBand bei Trikuspidalklappenin-
genen Jahr wird eine neue medi-
suffizienz-Patient*innen ein.
kamentöse Therapiemöglichkeit
Cardiac Arrest Center, 2019: entwickelt, um die Fibrotisierung
Das HZG erhält die Zertifizierung als des Herzens zu hemmen.
Cardiac Arrest Center.
Echtzeit-MRT, 2021:
Lippoldsberg, 2019: HZG-Forscher*innen zeigen,
Etablierung der kardiologischen Früh-
dass die diastolische Herzin-
Reha mit dem Klinik- und Rehabilita-
suffizienz durch die Echtzeit-
tionszentrum Lippoldsberg
MRT sicher erkannt werden
Weitere Mitglieder, 2019: kann.
Nuklearmedizin (Prof. Bucerius),
Geriatrie (Prof. von Arnim)
2019
2020
Genschere, 2020:
Forscher*innen des HZG finden
2021
neuen Therapieansatz mithilfe der
Genschere bei angeborenen Herz-
fehlern. Herzpflaster, 2021:
Nach 25 Jahren Forschung wird
Heart & Brain Center, 2020: das Herzpflaster für die klini-
Der Grundstein für das Heart & sche Studie an Patient*innen
Brain Center wird gelegt (Baukosten: zugelassen und implantiert.
38 Mio. Euro).
Bildgebung, 2020:
Die Herzbildgebungseinheit wird im
HZG zentral etabliert.
SFB 1002 wird weitere vier
Jahre gefördert
TAVI-Studie, 2020: Newsweek, 2020:
Forscher*innen des HZG gewinnen Die Klinik für Kardiologie und Pneumo-
neue Erkenntnisse über die Über- logie erreicht im Newsweek-Ranking 2021
lebenswahrscheinlichkeit bei Pa- den 47. Platz der weltweit besten Spezial-
tient*innen mit Fibrose nach einer kliniken.
TAVI-Prozedur.16
17 Im Gespräch mit dem Vorsitzenden Prof. Dr. Gerd Hasenfuß Andere schauen zurück, wir blicken nach vorn 2001 wurde das Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen (HZG) gegründet. Jährlich werden hier über 7.000 stationäre und 13.500 ambulante Patient*innen mit Herz- und Gefäßerkrankungen nach neuesten Stan- dards behandelt. Dabei war die enge Verzahnung von fächerübergreifender Krankenversorgung, international sichtbarer Herz-Kreislauf-Forschung und innovativer universitätsmedizinischer Lehre von Anfang an wegweisend. Heute gehört das HZG zu den bedeutendsten Einrichtungen seiner Art.
18 Lieber Herr Professor Hasenfuß. Sie haben vor 20 Jahren das Herzzentrum gegründet. Welche Idee stand dahinter? Ich habe damals erkannt, dass sich viele verschiedene Fächer um Herzpatient*innen bemühen – in der Pra- xis oder in der Theorie. Dabei gab es unterschiedliche Ansätze und Argumente. Richtig bewusst geworden ist mir das, als in der Lehre ein Pathologe Student*innen die Bypassoperation als adäquate Therapie bei Herz- infarkt vermittelte. Das war mein Schlüsselerlebnis und ich habe beschlossen, dass es so nicht geht. Wir müssen alle gemeinsam in die gleiche Richtung gehen. Natür- lich gibt es unterschiedliche Ansätze und Meinungen, aber die sollten sich nicht widersprechen. Zu diesem Zeitpunkt ist mir auch klargeworden, dass wir, um wis- senschaftlich international kompetitiv sein zu können, zusammenarbeiten müssen. Es reicht nicht, ein guter Kardiologe zu sein. Wir müssen über den Tellerrand schauen und die Grenzen der Kardiologe öffnen. In unserem Sonderforschungsbereich1 überwiegen zum Beispiel andere Fachbereiche. Um unseren Patient*in- nen eine gute Herzmedizin bieten zu können, darf nicht die Kardiologie im Vordergrund stehen. Deswegen ha- ben wir im Herzzentrum die Aufgaben auf verschiede- nen Schultern verteilt: Professor Wolfram-Hubertus Zimmermann, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie, ist Sprecher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Professorin Dörte Katschinski, Direktorin des Instituts für Herz- und Kreis- laufphysiologie, koordiniert das erfolgreiche interna- tionale Graduiertenkolleg. Ich selbst bin Sprecher des Sonderforschungsbereiches. Und weitere Wissenschaft- ler*innen haben andere Aufgaben übernommen. Mei- nes Erachtens geht es nur so. Und der Erfolg gibt uns recht. Sie haben also alle Ihre Ziele erreicht? Unser wichtigstes Ziel ist und bleibt auch in Zukunft, neue Diagnostik- und Therapieverfahren in der Klinik zu entwickeln. Deswegen brauchen wir gute Ärzt*innen, die Patient*innen behandeln und darauf aufbauend Thera- pieideen und -verfahren entwickeln. Das wiederum geht nur in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*in- nen aus anderen Bereichen wie zum Beispiel Biologie, Physik und Chemie. Nur wenn wir kreativ sind und Mo- delle entwickeln, mit denen wir Aufmerksamkeit erzeu- 1 Der Sonderforschungsbereich (SFB) 1002 „Modulatorische Einhei- ten bei Herzinsuffizienz“ will Details und Zusammenhänge bei der Volkskrankheit Herzschwäche („Herzinsuffizienz“) noch besser ver- stehen. Das Ziel der SFB-Forscher*innen sind neue Verfahren für eine wirksamere Behandlung der Herzschwäche. Dazu untersuchen sie ausgesuchte Signalwege, die die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Zellen im Herzen und kleinsten Funktionseinheiten in Herzzellen, sogenannten funktionellen Mikrodomänen, herstellen und bei der Entstehung der Herzschwäche eine Rolle spielen.
19
Drei Beispiele interdisziplinärer Zusammenarbeit: Eine Studie zeigte erstmals, dass die neue, nicht invasive Echtzeit-MRT-Technologie die
diastolische Herzinsuffizienz präzise feststellen kann und damit invasive Herzkatheteruntersuchungen zukünftig ablösen könnte (links). Nach
jahrelanger Forschung wurde das Herzpflaster für die klinische Studie an Patient*innen zugelassen. Mithilfe des im Labor gezüchteten Herzge-
webes sollen kranke Herzen unterstützt werden (Mitte). Forscher*innen im HZG fanden heraus, dass das Ausmaß der Bindegewebsvermehrung
eine entscheidende Rolle für die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einer TAVI-Prozedur spielt. Nun werden die betroffenen Patient*innen mit
einem individualisierten Therapieverfahren behandelt, das in den Laboren des HZG entstanden ist.
gen, sind wir erfolgreich und können unsere Patient*in- fessorin Miriam Puls und Professorin Elisabeth Zeis-
nen bestmöglich versorgen. berg. Aus dem Labor von Prof. Zeisberg kamen dazu die
Grundlagenforschung und erste Behandlungsansätze.
Und wie schaffen Sie das? Von Prof. Puls folgten die klinischen Daten zur Bedeu-
tung der Fibrose bei unseren Patient*innen. Dann ha-
Dafür gibt es heute, nach 15 bis 20 Jahren Arbeit, tat- ben wir herausgefunden, dass Patient*innen mit viel
sächlich drei exzellente Beispiele: Zum Thema Echt- Fibrose eine schlechtere Prognose haben. Nun behan-
zeit-Magnetresonanztherapie haben wir eine wissen- deln wir diese Patient*innen in einem individualisierten
schaftliche Arbeit publiziert, die international große Ansatz mit einem neuen Therapieverfahren, das wir in
Aufmerksamkeit erregt hat. Für die diastolische Herz- unserem Labor entwickelt haben.
insuffizienz wurde ein neues diagnostisches Verfahren
entwickelt, das wir jetzt in einer großen Studie validie- Dies alles ist möglich, weil wir im Herzzentrum für die
ren. Grundlagenforschung den Sonderforschungsbereich
haben und bei klinischen Studien mit dem DZHK eng zu-
Zudem ist im Herzzentrum die weltweit einzigartige sammenarbeiten.
BioVAT-Studie mit dem Ziel der stammzellbasierten
Herzzellenregeneration entstanden: Bisher wurden Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?
drei Patient*innen in die Studie eingeschlossen und mit
unserem Herzpflaster versorgt. Dieses wissenschaftli- Jetzt sprechen wir über das Herzzentrum 2.0. Wir müs-
che Projekt wurde seit 2001 sukzessive aufgebaut, in- sen die Versorgung unserer Patient*innen neu struktu-
dem zunächst die chinesische Wissenschaftlerin Prof. rieren und transsektoral organisieren. Das gemeinsame
Kaomei Guan nach Göttingen kam und schließlich der Ziel muss sein, die Zusammenarbeit zwischen ambulan-
Stammzellforscher Prof. Wolfram-Hubertus Zimmer- ten Praxen, Rehabilitationsbereich und Maximalversor-
mann, der das Projekt heute leitet. ger besser zu strukturieren und die Finanzierung neu
aufzustellen. Wir entwickeln unter Berücksichtigung
Das dritte Beispiel ist die individualisierte Therapie der des demografischen Wandels Versorgungsmodelle und
Fibrose, einer krankhaften Vermehrung des Bindegewe- technische Verfahren für immer älter werdende Pa-
bes, bei Patient*innen mit Aortenstenose. Dazu startet tient*innen. Diese Modelle müssen auch ökonomisch
aktuell eine weitere Studie unter der Leitung von Pro- sein, damit sie im Gesundheitssystem funktionieren.20 Das Heart & Brain Center hat vier Geschosse und eine Nutzfläche von 3.450 Quadratmetern. Auf etwa 1.000 Quadratmetern werden 26 Labore unter- gebracht. Für die Untersuchung und Behandlung von Patient*innen stehen 700 Quadratmeter zur Verfügung. Im Erdgeschoss wird es einen eigenen For- schungs-MRT sowie innovative höchstauflösende Mikroskope geben.
21
Außerdem brauchen wir noch mehr Individualisierung. da es Interaktionen zwischen Herz und Hirn gibt. Nur
Ein gutes Beispiel dafür ist die Erweiterung unserer Be- wenn wir beide Organe wirklich interaktiv betrachten,
handlungsziele durch den Ansatz „Heart & Brain“. Wir haben wir eine Chance, neue Dinge herauszufinden. Das
möchten nicht nur die Leistungsfähigkeit des Herzens ist unser Ansatz.
verbessern, sondern auch die kognitive Funktion der Pa-
tient*innen erhalten. Das geht nur mit einem guten Netzwerk.
Welche Rolle spielt dabei die Herzbildgebung?
Unser Ziel ist es, allen Patient*innen ba-
Die Bildgebung spielt dabei eine ganz entscheidende
sierend auf spezifischen Befunden die Rolle. Hier haben sich in der Herzmedizin zwei entschei-
bestmögliche Behandlung zu bieten — dende Dinge geändert:
unter Einbeziehung aller wichtigen Pa- Wir können jetzt mit Magnetresonanztomografie (MRT)
rameter für die Lebensqualität. Myokardstrukturen analysieren. Das ging bisher mit
der Echokardiografie nur eingeschränkt. Nun sehen
Ein weiteres Beispiel der Translation von Wissenschaft wir, wie sich das Gewebe zusammensetzt und ob es bei-
in die Krankenversorgung ist die Genschere: Wir entwi- spielsweise Fibroseanteile hat. Die MRT liefert uns viele
ckeln neue Möglichkeiten der Genschere-Therapie auf wichtige Informationen, die wir brauchen, um unsere
DNA- und RNA-Ebene und möchten diese unseren Pa- Patient*innen bestmöglich behandeln zu können.
tient*innen anbieten. Die Vorarbeiten dafür laufen gut.
Konkret möchten wir angeborene Herzkrankheiten, also Außerdem können wir mit der Computertomografie (CT)
genetische Veränderungen am Herzen, mit der Gen- zum Beispiel Herzkranzgefäße und Herzklappen visuali-
schere korrigieren und damit Mutationen ausschalten. sieren und erhalten dadurch wichtige Informationen zur
Auch für die COVID-19-Therapie ist dies ein vielverspre- Anatomie des Herzens und der Herzkranzgefäße.
chender Ansatz. Im Experiment gelingt es der Arbeits-
gruppe von Frau Prof. Zeisberg bereits, mehr als 99 Pro- Diese beiden Möglichkeiten führen dazu, dass wir in Zu-
zent der COVID-19-RNA in infizierten Lungenepithelien kunft auf Herzkatheteruntersuchungen aus diagnosti-
durch Genschere-Therapie zu eliminieren. In diesem schen Zwecken weitgehend verzichten können. Damit
Bereich laufen weitere Versuche, mit dem Ziel, spezi- können wir uns im Herzkatheterlabor auf die Behand-
fische Therapieverfahren für COVID-19-Patient*innen lung von Herzerkrankungen fokussieren. Das beste
zu entwickeln. Dies ließe sich dann auf andere virale Er- Beispiel hierfür ist der Herzinfarkt: Die Mortalität nach
krankungen, für die es bisher kein Therapiekonzept gibt, Herzinfarkt ist in den letzten Jahren von 30 auf deut-
übertragen. lich unter 10 Prozent gesunken durch die sofortige Wie-
dereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes
Sie sprachen über „Heart & Brain“. Das „Heart & mittels Herzkatheter. Ein anderer wichtiger Behand-
Brain Center“ neben dem Herzforschungsgebäude lungsschwerpunkt im Herzkatheterlabor ist die Herz-
wird nächstes Jahr bezogen. Was steckt hinter die- klappentherapie.
sem Projekt?
Was wünschen Sie dem Herzzentrum für die nächs-
Dahinter steht die Philosophie, dass Herz und Hirn vie- ten 20 Jahre?
les gemeinsam haben: Beide Organe sind elektrisch
aktiv. Bei Unterbrechung des Blutflusses und damit der Entwicklung findet nur statt, wenn man Ideen und Krea-
Sauerstoffzufuhr kommt es zu einem Herzinfarkt bzw. tivität zulässt. Alle Bereiche, die sich um das Herz dre-
Schlaganfall. Ein gutes Beispiel dafür ist auch die Herz- hen, sollten mit ihren Ideen und Vorschlägen zu Wort
insuffizienz: Patient*innen mit Herzinsuffizienz haben kommen — das gilt auch für die nächsten 20 Jahre. Uns
in hohem Maße kognitive Defizite. Die pathophysiolo- geht es allen gemeinsam um die Verbesserung und Neu-
gischen Mechanismen dahinter sind weitgehend unver- entwicklung von Diagnose- und Behandlungsverfahren
standen. Wir glauben, dass viele neue Behandlungsver- für unsere Patient*innen mit Herzerkrankungen.
fahren nur entwickelt werden können, wenn man die
Grundproblematik gemeinsam erforscht. Bei einer Fo-
kussierung auf eines der Organe stößt man an Grenzen, Vielen Dank, Herr Professor Hasenfuß.22
Maskottchen für die Kinderherzklinik
Pauli stellt sich vor
Endlich ist die Speziallieferung für die Kinderherzklinik
eingetroffen: 1.000 Teddybären mit rotem Halstuch.
Prof. Dr. Thomas Paul, Direktor der Klinik für Pädiatri-
sche Kardiologie, Intensivmedizin und Neonatologie,
hatte sich einen Plüschbären für seine Patient*innen
gewünscht. Bei einem Malwettbewerb hatten Herzkin-
der die Möglichkeit, ihre Vorschläge für das Maskott-
chen einzureichen. Gewonnen hat der 11 Jahre alte Tho-
mas. Er malte mit Spieltherapeutin Maja Steinsiek die
Vorlage für den Kuschelbären und gewann damit den
Malwettbewerb (Bild unten).
„Als ich Thomas' Bild gesehen habe, war ich begeis-
tert! Das Besondere an dem Bären ist die Narbe auf der
Brust. Diese hat jedes operierte Herzkind, da darf sie
natürlich auch bei Pauli nicht fehlen“, sagt Steinsiek.
Unterstützung gibt es von Intensivpflegefachkraft Linda
Wilhelm mit ihrem Nähteam und Karin Welker aus dem
Infocenter des Herzzentrums. Sie sorgen dafür, dass je-
des Bärchen eine individuelle Narbe erhält.
„Ich danke Thomas für die großartige Idee und dem
Nähteam für die tolle Unterstützung. Ich freue mich,
dass von nun an jedes Herzkind auf unserer Station
einen kleinen Begleiter an seiner Seite hat. Dieser wird
sie während des Krankenhausaufenthalts begleiten und
ihnen auch zu Hause unterstützend zur Seite stehen“,
sagt Prof. Dr. Thomas Paul, der Namenspate des Ku-
scheltiers ist (Bilder rechte Seite).23
Steckbrief
Name: Pauli
Geburtsort: Göttingen
Eltern: Bärbel und Norbärt
Haarfarbe: Beige/Hellbraun
Augenfarbe: Schwarz
Besonderes Merkmal: meine Narbe und
Herznase
Lieblings...
-farbe: Rot (wie mein Halstuch)
Himbeeren, Erdbeeren
-essen: Himbären, Erdbären & Pizza!
-reiseziel: Bä...Berlin
-musik: alles mit 100 Schlägen pro Mi-
nute, z.B. Sweet Home Alabama, Just
Dance, Suddenly I see, You can‘t hurry
love
Das kann ich besonders gut:
erklären, zuhören,
trösten
Beste Freundin/bester
Freund: Pati Ente24 Die jungen Patient*innen des Herzzentrums 20 Jahre später Das Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen gibt es seit 20 Jahren. In Göttingen entstand bereits 1962 der erste Lehrstuhl für Kinderkardiologie. Es gibt viele Patient*innen mit einem angeborenen Herzfehler, die schon ihr ganzes Leben in der Kinderherzklinik in Behandlung sind. Wir haben drei von ihnen gefragt, wie es ihnen heute geht. Sie haben uns von den Höhen und Tiefen der letzten 20 Jahre erzählt.
25
Sophie Teubener war vor 21 Jahren, kurz nach ihrer
Sophie Teubener
Geburt, das erste Mal in der Kinderherzklinik in Be-
handlung. Heute studiert sie Medizin, mit dem Ziel,
Kinderkardiologin zu werden. Im Interview verrät sie
uns, wie es dazu gekommen ist.
Wann waren Sie das erste Mal bei uns in Behandlung?
Ich bin mit der Kinderherzklinik groß geworden. Im Ok-
tober 2000 war ich das erste Mal hier, da war ich un-
gefähr einen Monat alt. Nach meiner Geburt in Datteln
hat man festgestellt, dass ich ein univentrikuläres Herz
habe (Double Inlet Left Ventricle). Ich habe also nur
eine Herzkammer, das ist sehr selten. In zwei oder drei
großen Schritten muss dann das Herz-Kreislauf-System
komplett umgestellt werden. Bei mir fand nach einem
halben Jahr die erste Operation statt und kurz bevor
ich zwei Jahre alt wurde, die zweite. Zudem habe ich ei-
nen angeborenen AV-Block dritten Grades, das ist eine
Reizweiterleitungsstörung im Herzen. Deswegen habe
ich schon zwei Wochen nach meiner Geburt meinen
ersten Herzschrittmacher bekommen. Heute bin ich
jedes halbe Jahr zur Kontrolle hier, hatte bisher zwei
Herzoperationen, vier Schrittmacheroperationen und
viele Herzkathetereingriffe. Mein Herzschrittmacher
muss alle zehn bis zwölf Jahre gewechselt werden. Mir
geht es gut und ich fühle mich wohl.
Was bedeutet Ihnen die Kinderherzklinik?
Eigentlich sollte man meinen, dass ich so viel Schlimmes
erlebt habe und deswegen nicht gerne herkomme. Aber
schon als Kind bin ich immer gerne nach Göttingen ge-
fahren, weil ich die Ärzte immer so toll fand. Schon mit
zehn Jahren habe ich in ein Freundebuch geschrieben,
dass ich Ärztin werden möchte. Das hat bestimmt auch
damit zu tun, dass ich schon früh im Krankenhaus war
und mich meine Erkrankung sehr interessiert hat. Jetzt
studiere ich im siebten Semester Medizin und schreibe
meine Doktorarbeit bei Herrn PD Dr. Krause über ein
kinderkardiologisches Thema. Die Idee kam mir wäh-
rend eines Praktikums in der Ambulanz. Später möchte
ich im Bereich Kinderkardiologie arbeiten.
Ich habe mich immer gut aufgehoben gefühlt — sowohl
menschlich als auch fachlich. Wenn ich Probleme hat-
te, konnte ich anrufen oder vorbeikommen und hatte
immer feste Ansprechpartner. Frau Dr. Gravenhorst ist
zum Beispiel genauso lange hier wie ich. Sie hat kurz
vor meiner Geburt in der Kinderherzklinik angefangen.
Ich vertraue dem Team vollkommen und schaue dank
ihnen optimistisch in die Zukunft
Was wünschen Sie dem Team zum 20. Geburtstag?
Ich wünsche dem Team Patient*innen, die ihr Enga-
gement wertschätzen, und allen viel Gesundheit und
Freude an der Arbeit. Das strahlen die Kolleg*innen
nämlich aus und geben es an die Patient*innen weiter.
Bilder: privat
Mir hat das immer sehr geholfen und dafür möchte ich
Danke sagen.Sie können auch lesen