Kirchenführer Pfarrkirche Christkönig Nordendorf
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Ein Kirchenführer durch die Christkönigkirche Nordendorf
2. überarbeitete Auflage, 2021
Herzliches Vergelt´s Gott an Renate und Werner Ihm, aus deren Hand
die erste Auflage des Kirchenführers stammt und die im Wesentlichen
die Grundlage für diese 2. Auflage ist; aufgelegt zum 60. Weihetag des
Gotteshauses am 3. Juni 2021.
2Grüß Gott,
unsere Pfarrkirche „Christkönig
Nordendorf“ feiert in diesem Jahr
das 60. Jahr ihres Bestehens - ein
Anlass, Gott zu danken.
Die ehemalige an der Schmutter
gebaute Jakobuskirche vermochte
bis dahin den geistigen Bedürfnis-
sen der Gläubigen unseres Ortes
Nordendorf zu dienen. Die stetig
wachsende Zahl der Katholiken
stellte aber eine neue Herausfor-
derung dar. Die Pfarrkirche Sankt Eine Jakobskirche weist auf den
Georg Westendorf, fungierte seit Weg hin, den einst Sankt Jakob
jeher bis zum Jahr 1972 als Mut- gegangen ist, um das Wort Gottes
terkirche für die religiösen Belan- zu verkünden. Die Kirche ist ihrem
ge der umgebenden Kirchen samt Wesen nach Pilgerin. Die „kleine“
Kapellen. Jakobskirche mündet durch den
Unsere Kirche wurde am 3. Juni Erbau der neuen Kirche in die „gro-
1961 von Bischof Dr. Josef Freun- ße“ Christkönigskirche und be-
dorfer feierlich eingeweiht. We- zeichnet dadurch, wozu Kirche als
gen der Corona-Pandemie wird „pilgerndes Volk Gottes“ (Schrei-
das Jubiläumsfest am Patrozini- ben von Papst Franziskus, Juni
umstag, dem 21. November 2021, 2019) auf dem Weg ist. Das Ziel
feierlich begangen. Ich bin Hochw. der Kirche auf Erden ist es „Keim
Herrn Weihbischof Florian Wörner und Anfang des Reiches auf Erden
von Herzen dankbar für seine Zu- zu sein bis sie mit ihrem König in
sage, dem Festgottesdienst als Herrlichkeit vereint wird.“ (Lumen
Hauptzelebrant vorzustehen. Gentium 5).
„Seid meine Zeugen“ (Mt 28, 19a), Christus als König - an seinem Amt
in anderen Worten „macht alle sind wir in der Taufe teilhaftig ge-
Menschen zu meinen Jüngern!“ worden. Christus als König ruft uns
Mit diesen Worten ergeht die Sen- ins Gewissen, dass er am Ende der
dung Jesu an seine Kirche. Der Zeiten Rechenschaft von uns ver-
Vater hat den Sohn gesandt, der langt (Mt 25, 31-46).
wiederum seine Jünger aussendet Es ist schön, dass unsere Vorfahren
(Joh 20,21), bekräftigt durch den unsere Kirche dem König Christus
Heiligen Geist (Joh 14, 26). geweiht haben.
3Christus, der König begleitet uns Priester, Wohltäter, Förderer und
vom Anfang unseres Lebens bis zu Unterstützer unserer Pfarrkirche
dessen Vollendung. Wir sind auf und alle Gläubigen segnen und ih-
dem Weg, dessen Ziel Er selbst nen ihre Wohltaten vergelten.
ist. Möge Christus, der König alle
Sehr geehrte, liebe Besucherinnen
und Besucher der Christkönigs-Kirche
in Nordendorf,
Christkönigsfest, das das Kirchen-
jahr beschließt und unmittelbar
zum Advent, dem Beginn des neu-
en Kirchenjahres überleitet, ist, li-
turgisch gesehen, ein recht junges
Fest. Es wurde vor knapp 100 Jah-
ren, am 11. Dezember 1925, von
Papst Pius XI. eingeführt. Während
damals in den europäischen Län-
dern die Staatsform der Monarchie
nach und nach von der der Demo-
kratie abgelöst wurde, stellte die
Kirche den Gläubigen Christus als
den wahren König vor Augen. Auf
ihn sollen sie ihre Hoffnung set-
zen, auf ihn, dem Fundament ihres
Lebens, dürfen sie bauen, denn er
bleibt bei allem gesellschaftlichen
Wandel der feste Grund, auf dem
wir stehen (vgl. 2 Tim 2,19).
Aber was ist das für ein König-
tum, das Königtum Christi? Jesus
im Jahr 1961, also vor 60 Jahren, selbst sagt vor Pilatus: „Mein Kö-
wurde die Nordendorfer Pfarr- nigtum ist nicht von dieser Welt!“
kirche geweiht und dem Patronat (Joh 18,33.36). Als kleines Kind
Christi, des Königs, anvertraut. Das kommt er in der Armut der Krippe
4von Betlehem zur Welt; von den zu mir, die ihr mühselig und beladen
üblichen Zeichen königlicher Wür- seid!“ (Mt 11,28) Ich gebe euch
de wie Krone, Zepter o. Ä. keine eure königliche Würde wieder zu-
Spur. Später wird man ihm eine rück! Denn so ist es uns in der Of-
Dornenkrone aufsetzen und über fenbarung des Johannes verspro-
sein Kreuz zum Spott schreiben: chen worden: „Er (Jesus Christus)
„Jesus von Nazaret, der König der ist der treue Zeuge, der Erstgebore-
Juden“ (Joh 19,19). In Demut trägt ne der Toten, der Herrscher über die
er unsere Lasten bis hin zur Last Könige der Erde. Ihm, der uns liebt
der Sünde der ganzen Menschheit; und uns von unseren Sünden er-
und er nimmt sie nicht nur auf sich, löst hat durch sein Blut, der uns zu
sondern tilgt sie durch seinen Tod einem Königreich gemacht hat und
am Kreuz, um uns so mit Gott zu zu Priestern vor Gott, seinem Va-
versöhnen. ter: Ihm sei die Herrlichkeit und die
In der Nordendorfer Pfarrkirche Macht in alle Ewigkeit. Amen“ (Offb
wird das Königtum Christi durch 1,5-6).
ein beeindruckendes Kreuz über Alle, die die Nordendorfer Pfarr-
dem Altar dargestellt: Mit einem kirche besuchen, dort beten und
roten Gewand angetan – Hinweis Gottesdienst feiern, mögen er-
auf das Opfer Jesu am Kreuz, an fahren, dass das Königreich Chris-
dem wir ja in jeder Eucharistiefeier ti schon unter uns ist und wir hier
teilhaben – breitet Jesus die Arme und heute schon als Königskinder
aus, als wolle er sagen: „Kommt alle leben dürfen.
Kirchengeschichte
Der Name Nordendorf stammt von Herren von Nordendorf, ein Nor-
den Franken, die den Ort wahr- dendorfer als Sigfrid II. zum Bi-
scheinlich auch christianisiert ha- schof von Augsburg gewählt.
ben. Seit ältester Zeit gehörte Von 1301 bis Ende des 13. Jahr-
Nordendorf kirchenrechtlich zur hunderts übten die Herren von
Pfarrei Westendorf. Im Jahre 1077 Dornsperch, bzw. Dornsberg, das
wurde aus dem Geschlecht der Marschall- und Truchsessamt der
Marschalle von Dornsberg, der Bischöfe von Augsburg aus.
5alte Kirche um 1950
Marquard von Dornsberg gründe- Inschrift: „ULRICH MAYSCHPERGER
te infolge eines Gelübdes im Jahre AUGSBURG GOS MICH 1548“ so-
1152 das Benediktiner- Mönchs- wie die Lage der alten Kirche im
und Frauenkloster Holzen. ursprünglichen Ortskern an der
Ein Nachteil für Nordendorf war Schmutter (an der Stelle des An-
es, dass die Burg Dornsberg zur wesens Kaiser Schmutterstr. 5) las-
Pfarrei Ehingen gehörte. So kam sen vermuten, dass sich an dieser
es, dass das kirchliche Leben in Stelle schon im 14. oder 15. Jahr-
Nordendorf von den Grundherren hundert ein Gotteshaus befand.
wenig gefördert wurde, während Diese „alte“ Kirche stammte über-
in Ehingen zwei Kirchen erbaut wiegend (Chor, Sakristei, vorderes
wurden und das Kloster Holzen Kirchenschiff) aus der zweiten
aufblühte. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Er-
Es ist nicht bekannt, wann in Nor- baut nach dem 30-jährigen Krieg
dendorf erstmals eine Kirche wurde sie 1922 durch einen Anbau
stand. Eine spätgotische Madonna verlängert.
mit Kind und eine Glocke mit der
6Das Fuggerschloss hatte eine eige-
ne Hauskapelle, die 1675 erbaut
Zwischen dem 24. und 26. April wurde und 1862 dem Schlossbrand
1972 wurde sie abgebrochen, zum Opfer fiel. 1868 wurde sie neu
nachdem sie durch den Neubau errichtet und ab 1876 wurde dort
der Pfarrkirche Christkönig jahre- einmal im Monat die heilige Messe
lang ungenutzt und dem Verfall gefeiert.
preisgegeben war. Die Altäre der Um die Mitte des 19. Jahrhunderts
Kirche stehen als Leihgabe seither war in Nordendorf ein „Schulbene-
in der Pfarrkirche Laimering bei fizium“ errichtet. Das erste Schul-
Friedberg. und gleichzeitig Benefiziatenhaus
Die Kirche war dem Hl. Jakobus ge- stand an der Stelle des heutigen
weiht, ein im Hochmittelalter sehr Pfarrhofs. Gegen Ende des 19.
beliebtes Patrozinium, das – wie Jahrhunderts war die Benefizi-
die Jakobuskirchen in Biberbach atenstelle wieder verwaist; den
und Gersthofen – darauf schlie- Schuldienst übernahm ein Lehrer.
ßen lässt, dass unser Dorf auch an Um diese Zeit stand es um die
einem Pilgerweg zum Grab des Hl. Seelsorge in Nordendorf nicht ge-
Apostels im spanischen Santiago rade rosig. Bis 1906 wurden ledig-
de Campostela lag. lich zwei Sonntagsgottesdienste
Eine Gedenkplatte im Durchgang im Jahr in unserer Gemeinde ab-
zwischen Pfarrkirche und Pfarr- gehalten. Einer am Sonntag vor
heim, sowie die renovierte Jako- Jakobi (Patrozinium) und einer am
bus-Statue aus dem 18. Jahrhun- Sonntag vor Mariä Namen. Dazu
dert am Mittelpfeiler der neuen kam einmal pro Woche eine Werk-
Kirche, die ebenfalls aus der alten tagsmesse. Sämtliche Taufen, Erst-
Kirche stammt, erinnern noch an kommunionen, Hochzeiten und
das alte Patrozinium. Beerdigungen fanden in Westen-
Seit dem Erwerb des Norden- dorf statt.
dorfer Schlosses 1580 prägten 1907 wurde in Westendorf eine
die Fugger als Herren des Ortes Kaplanstelle errichtet, die für Nor-
auch das kirchliche Leben der Ge- dendorf den Vorteil von regelmä-
meinde mit. So stiftete Gräfin Eva ßigen Sonntagsgottesdiensten
Maria Dorothea Fugger, geb. vom und zweier Werktagmessen in der
Pappenheim, im 18. Jahrhundert eigenen Kirche mit sich brachte.
die Altäre für die alte Kirche und Ab 1926 wurde Nordendorf dann
ließ sich auf dem Hochaltarbild vom jeweiligen Kuraten von Ellgau
als Stifterin darstellen. Die Gruft- seelsorglich mit betreut.
kapelle der Nordendorfer Fugger 1927 folgte die Anlage des eignen
befindet sich in der Frauenkirche Gemeindefriedhofes in der Orts-
zu Ehingen. mitte. Die große Wiese zwischen
8dem Friedhof und der damaligen Kirche ausersehen. Dieser konnte
Schule wurde wohl schon damals allerdings erst von 1959 bis 1961
für den eventuellen Neubau einer erfolgen.
Auf dem Weg zur selbständigen Pfarrei
Am 1. Juli 1963 zog mit Pfarrer unabhängig wurde. Bedingt durch
Zimmerer erstmals ein eigener den ständig wachsenden Priester-
Seelsorger in dem neu errichteten mangel wurde Nordendorf 2016
Nordendorfer Pfarrhof ein. in die Pfarreiengemeinschaft Nor-
Es dauerte allerdings noch bis zum dendorf/Westendorf eingebunden.
1. Juli 1976, bis Nordendorf zur Längst war die alte Jakobus-Kirche
selbstständigen Pfarrei erhoben an der Schmutter zu klein gewor-
wurde und damit endgültig von den. So wie viele andere Orte war
der „Mutterpfarrei“ Westendorf das Dorf nach dem Krieg sehr stark
9gewachsen und es wuchs noch im- Kreutzer und Robert Gerum gefer-
mer. tigten Baupläne genehmigt und
Aus diesem Grund hatte der dama- am 12. Dezember 1959 konnte der
lige Seesorger von Ellgau und Nor- erste Spatenstich erfolgen.
dendorf, Kurat Paul Regner, im Mai Am Palmsonntag, 10. April 1960,
1957 ein Gesuch zum Bau einer fand die feierliche Grundsteinle-
neuen Kirche beim Bischöflichen gung statt und bereits am 29. Juli
Ordinariat in Augsburg eingereicht konnte das Richtfest gefeiert wer-
– jedoch ohne Erfolg. Nicht nur die den. Bei der Weihe durch Bischof
Notwendigkeit einer größeren Kir- Dr. Josef Freundorfer am 3. Juni
che war nachzuweisen, sondern 1961 war die Kirche bis zum letz-
vor allem das Interesse der Bevöl- ten Handgriff vollendet. Ein gro-
kerung an einem Gotteshaus! ßer Verdienst vor allem der Familie
Um dies zu bewerkstelligen grün- Dr. Eberle.
deten die Nordendorfer am 16. Auch für die finanzielle Versor-
November 1958 im Gasthaus Sei- gung des Baus sorgte der Kirchen-
ler einen Kirchenbauverein, be- bauverein. Die gesamte Innenaus-
stehend aus: stattung hatte beispielsweise die
Dr. Tim. Eberle (1. Vorsitzender), Kirchengemeinde selbst zu finan-
Karl Buchschuster (2. Vorsitzen- zieren.
der), Beisitzer: Bgm. Wilhelm Kott- Große Spendenaktionen in der Ge-
mair, Barbara Winkler, Johann Bil- meinde und darüber hinaus wur-
ler, Kaspar Gärtner, Eugen Hurler, den organisiert – und der Erfolg
Jakob Jung, Anton Lunzner, Paul blieb nicht aus. So konnte die Kir-
Stiglmair. che auch künstlerisch wertvoll aus-
Kurat Paul Regner wurde Ehren- gestattet werden.
vorsitzender. Der in feuchten Beton geritzte
In kurzer Zeit wuchs die Mitglie- Kreuzweg auf der Südseite sowie
derzahl von 132 Gründungsmit- das Tafelbild in der Seitenapsis
gliedern auf 450 an. Die Gemeinde stammen aus der Hand des Augs-
stellte den Baugrund kostenlos burger Künstlers Wolfgang Lettl.
zur Verfügung. Die fünf Glasfenster an der Nord-
Bereits Mitte Dezember ging er- seite mit überlebensgroßen Dar-
neut ein Baugesuch an die Diöze- stellungen der Propheten Jesaja,
se. Der Bischof persönlich empfing Ezechiel, Jeremias, Daniel und Sa-
am 7. Januar 1959 eine Abordnung charja sind ebenfalls von ihm ent-
des Vereins mit Kurat Regner, Dr. worfen. Der holzgeschnitzte Ambo
Eberle und Bgm. Kottmair und gab und das große Christkönigs-Kreuz
die Zusicherung zum Kirchenbau. über dem Altar sind Werke des
Im Mai 1959 waren die von den Münchner Bildhauers Karl Heme-
Augsburger Architekten Adolf ter.
102005 wurde eine neue Orgel einge- modernisiert. Eine neue Heizungs-
baut. In den Jahren 2019 bis 2020 und Lüftungsanlage wurde einge-
wurde eine umfassende Sanierung baut.
der Kirche vorgenommen. Im Au- Die Gesamtkosten für alle die-
ßenbereich wurden die Betonteile se Maßnahme beliefen sich auf
und der Außenanstrich erneuert. ca. 750.000 €. Von diesem Betrag
Ebenso wurden die Abwasser- und musste die Kirchengemeinde ca.
Dachrinnenabflüsse saniert. Der 270.000 € selbst aufbringen, was
Zugang zum Gemeindefriedhof Dank großzügiger Spenden in
über die Gedächtnishalle wurde Höhe von circa 30.000 € und finan-
behindertengerecht gestaltet. ziellen Rücklagen gut gelang.
Im Innenbereich der Kirche wurde So ist unsere Kirche jetzt auf einem
die gesamte Elektroanlage sowie bautechnisch zeitgemäßen Stand.
die Beleuchtung im Altarraum
1112
13
Umgeben vom Raum
Dämmerlicht, fast wie in einer Ansonsten erhält der Kirchenraum
alten gotischen Kathedrale, um- sein Licht durch die fünf „Prophe-
fängt den Besucher, der vom Vor- tenfenster“, die praktisch die ge-
hof, vom Atrium aus unsere Kirche samte Nordseite einnehmen. An
betritt. Verstärkt wird der Ein- seltenen Tagen, wenn sie gegen
druck noch durch die Höhe des Abend von der Sonne durchleuch-
Kirchenraumes mit den schlanken, tet werden, zaubern sie Licht-Kas-
aufstrebenden Stahlbeton-Pfei- kaden an Pfeiler und Wände:
lern, die den Hauptraum des Got- Dann erstrahlt unsere Kirche noch
teshauses vom nördlichen Seiten- schöner.
schiff trennen und sich über die Die je 20 Bankreihen rechts und
Decke in den Außenwänden fort- links des Mittelgangs sind für 450
setzen. Personen ausgelegt. Auch der
Und doch ist die Kirche erst 60 Jah- Altarraum hat beträchtliche Aus-
re alt, errichtet in einem Baustil, maße. Er erstreckt sich über die
wie er in den Fünfziger- und frühen gesamte Breite des Hauptschiffes.
Sechzigerjahren üblich war: Wie eine Bühne baut er sich mit
„Stadelkirchen“ nannte man sie der zentral erhöhten Altarinsel
etwas geringschätzig. Dabei ver- und dem großen holzgeschnitz-
mittelt die Nordendorfer Pfarrkir- ten Christkönigkreuz darüber auf.
che dank ihrer gelungenen Sym- Dieses überlebensgroße Christkö-
biose von Sichtbeton, Holz und nigkreuz sowie der holzgeschnitz-
Glas durchaus einen nobleren, vor te Ambo auf der linken Seite des
allem aber einen wärmeren Ge- Altarraumes sind Werke des Mün-
samteindruck, als so manche ihrer chener Bildhauers Karl Hemmeter
„unterkühlten“ oder rustikalen (1904 – 1986).
Schwesterkirchen. An der Frontseite des Ambo ist der
Wesentlichen Anteil daran hat si- Evangelist Johannes dargestellt,
cherlich die von den Architekten wie er „im Licht Gottes“ nach
konzipierte Lichtführung. Eine na- oben schaut und das Geschaute
hezu geschlossene Südseite, mit in Evangelium und Apokalypse
nur winzigen Fensterchen direkt niederschreibt. Das große Christ-
unter dem Dach, gönnt nur dem königskreuz stellt Christus als Wel-
Altarraum volles Tageslicht. Dies tenkönig dar, wie ihn Johannes in
lässt ihn – besonders an sonnigen seiner Offenbarung (Offb 1, 1-20)
Tagen - richtiggehend „aufleuch- geschaut hat. Hemmeter nutzte
ten“. dieses Motiv ebenfalls für sein
14Werk in der Berliner Kaiser-Wil- tartisch. Ein tonnenschwerer
helm-Gedächtniskirche. Dort ist Block aus dunklem Wallen-
ebenfalls der auferstandene Herr felser Marmor, im ehemaligen
mit ausgestreckten Armen zu se- Nordendorfer Marmorwerk zu-
hen; jedoch ohne Kreuz freischwe-
recht gearbeitet und auf drei
bend über dem Altar.
Säulen aufgestellt.
Das markanteste Element ist
der sehr wuchtig wirkende Al-
Altar und Tabernakel
15In unmittelbarer Nähe zum Altar des Heiligen Geistes. Sieben Berg-
ist auf einem Marmorsockel in die kristalle auf den Fronttüren wollen
Stirnwand der Kirche der Taberna- auf den wertvollen Schatz der Eu-
kel eingelassen. Ursprünglich auf charistie hinweisen, der hier auf-
dem Altartisch stehend, wurde er bewahrt und auch zur Anbetung
im Zuge der nachkonziliaren Litur- ausgestellt wird. Das nachträglich
giereform an die jetzige Stelle ver- über dem Tabernakel angebrach-
legt, um am Altar eine Zelebration te „Vaterauge“, ein Werk des All-
hin zum Volk zu ermöglichen. gäuer Priesters Hans Dodl (1920
Hier handelt es sich um einen – 2018), rundet das Ensemble zu
Bronzeguss des Südtiroler Bild- einer Darstellung der Heiligsten
hauers Siegfried Moroder (1911 – Dreifaltigkeit ab.
1989). Er zeigt im Relief die Taube
16Auf der rechten Seite des Al-
tarraumes finden wir eine ge-
krönte Figur der Gottesmutter
Maria, die der Gemeinde ihren
göttlichen Sohn entgegenhält.
Diese Figur aus dem 16. Jahr-
hundert stammt aus der alten
Jakobuskirche und ist eine von
vier Marien-Darstellungen in
der Kirche.
In der österlichen Zeit wird Die zweite Mariendarstellung
rechts neben den Ambo die ist die vom Augsburger Kunst-
Replik einer Rokoko-Figur des maler Wolfgang Lettl (1919
auferstandenen Christus aufge- – 2008) in feuchten Beton ein-
stellt. geritzte Schmerzensmutter
An der linken Altarraumseite mit ihrem toten Sohn auf dem
links neben dem Eingang zum Schoß. Es ist das Schlussbild des
Treppenhaus, der Loggia und Kreuzweges Jesu an der Süd-
zur Sakristei ist der Grundstein wand der Kirche.
in die Wand der Kirche einge-
mauert.
Tabernakel des Südtiroler Bildhauers Siegfried Moroder
mit „Vaterauge“ des Allgäuer Priesters Hans Dodl
17Wolfgang Lettl hat auch das dritte gebetet durch die weisen Magier.
Marienbild in der Kirche gemalt. Ein Tafelbild in der halbrunden Ap-
Es ist eine Darstellung des neu- sis, die das Seitenschiff der Kirche
geborenen Königs Jesus Christus nach vorne abschließt.
auf dem Schoß seiner Mutter, an-
Schlussbild Kreuzweg des Kunstmalers Wolfgang Lettl
Das vierte Marienbild, das mit Kro-
ne und Zepter versehene Gnaden-
bild der „Dreimal wunderbaren
Mutter und Königin von Schön-
statt“ finden wir im Seitenschiff
gleich links neben dem Seitenein-
gang der Kirche. Dieser Platz ist
der geistliche Sammelpunkt der
örtlichen Schönstatt-Familie und
darüber hinaus ein vielbesuchter
„Ort des stillen Gebetes“.
18Die fünf Glasfenster an der Nord- denden Reparaturen gestalteten
seite der Christkönigskirche mit sich zunehmend schwieriger.
ihren überlebensgroßen Darstel- 2001 waren von den 14 Registern
lungen der Propheten Jesaja, Eze- nur noch 12 bespielbar und des-
chiel, Jeremias, Daniel und Zacha- halb wurde eine Neuanschaffung
rias sind ebenfalls nach den Plänen beschlossen.
von Wolfgang Lettl gefertigt wor-
den.
In der Basis des Glockenturmes be-
findet sich die „Taufkapelle“.
Ein mit Sichtmauerwerk und
Kreuzgewölbe harmonisch gestal-
teter Raum mit einem Taufbecken
in der Mitte, erinnert ein wenig an
die „Baptisterien“ alter Kirchen.
Wegen des ungünstigen Zugangs
zu dieser Taufkapelle, der nicht
vorhandenen Heizmöglichkeiten
und des beschränkten Innenrau-
mes blieb sie für liturgische Zwe-
cke ungenutzt.
Die Empore, traditionell dem Al-
tarraum gegenüber, erstreckt sich
über die gesamte Breite der Kir-
che. Sie bietet Platz für den Kir-
chenchor und die Orgel. Diese
Orgel wurde am 16. Mai 2005 fei-
erlich eingeweiht. Sie besteht aus
22 Registern sowie 1216 Pfeifen
und stammt aus der Werkstatt des
Orgelbaumeisters Franz Schreier
aus Thierhaupten.
Bevor hier diese Orgel aufgestellt
wurde, stand hier die Orgel aus
der alten Kirche. Sie wurde 1957
aus gebrauchten Registern zusam-
mengestellt angeschafft und 1961
für die neue Pfarrkirche Christkö-
nig von 11 auf 14 Registern erwei-
tert. Die nicht mehr gebräuchliche
Technik und die immer mehr wer-
19Über die Empore gelangt man Glocken. Gegossen wurden die
auch in den 30 Meter hohen Kirch- Glocken in der Glockengießerei
turm. Ganz oben im Turm befindet Erding. Das Geläut wurde auf das
sich der Glockenstuhl mit den vier Salve Regine abgestimmt.
Christkönigs-Glocke Jakobus-Glocke
Inschrift: Inschrift: „Heiliger Jakobus be-
„Ich will läuten den Frieden ein und schütze unsere Gemeinde“.
den Gefallenen ein Denkmal sein Gewicht: 9 Zentner;
Christus gestern, heute allezeit“. Stimmung: „as“
Gewicht: 34 Zentner; Stifter: Jakob und Maria Scherer
Stimmung: „des“
Stifter: Ludwig und Dora Miller, Totenglocke
Max und Mathilde Guggenberger Inschrift: „Selig die Toten, die im
Herrn sterben“.
Marien-Glocke Gewicht: 6 Zentner;
(Patronin Bavariae) Stimmung: „b“
Inschrift: „Gegrüßtest seist du Ma- Stifter: Alois und Mathilde Miller
ria, voll der Gnade“.
Gewicht: 16 Zentner;
Stimmung: „f“
Stifter: Jakob und Josefa Jung
Glockenweihe
Unter dem Glockenstuhl ist das weithin sichtbar die Zeit anzeigen.
Uhrwerk der Turmuhr unterge- Gespendet wurde die Uhr seiner-
bracht. Das Werk treibt die Ziffer- zeit von der Gemeinde Norden-
blätter der vier Uhren an, die auf dorf.
allen vier Außenseiten des Turmes
20Seht, euer König
21Christus, dem König, ist die Nor- Schon wenn wir durch dieses Portal
dendorfer Pfarrkirche geweiht. in die Kirche eintreten, fällt unser
Dabei versteht die Bibel unter ei- Blick auf das große, holzgeschnitz-
nem König nicht einen dieser skan- te Altarkreuz, das zusammen mit
dalumwitterten „Repräsentations- dem mächtigen Altar die Stirnsei-
Könige“ unserer Tage, sondern te und den gesamten Kirchenraum
einen, der wirklich Macht hat und beherrscht: Der Christ-König, wie
diese zum Heil der Menschen ge- ihn der Evangelist Johannes in ei-
braucht. ner Vision im ersten Kapitel seiner
Vielfach ist in der Bibel die Rede Apokalypse gesehen hat!
vom König: Gott selbst wird als
König bezeichnet, es wird von
menschlichen Königen berichtet
und auch Jesus Christus tritt uns
als König entgegen: Immer ist
jedoch gemeint, dass ein König
Recht setzt, Recht spricht und (ge)
recht handelt.
Das heißt, dass er alle drei Gewal-
ten in sich vereint: Gewalten, die
in den Demokratien unserer Zeit
aus leidvoller Erfahrung geteilt
sind. Denn wie oft schon in der
Geschichte der Menschheit haben
„Könige“ ihre Macht und Gewalt
missbraucht!
Wir Christen sind davon über-
zeugt, dass allein Gott und seinem
menschgewordenen Sohn diese
„geballte Macht“ zusteht. Beim
„Allmächtigen“ wissen wir unser
Schicksal in besten Händen!
Bereits in der Inschrift über dem
Portal unserer Kirche wird diese
Überzeugung deutlich: „Dem Kö-
nig der Ewigkeit, dem unvergäng-
lichen, unsichtbaren, einzigen Gott
sei Ehre und Herrlichkeit in alle
Ewigkeit“ steht hier in lateinischen
Lettern gemeißelt.
22Der Apostel Paulus, der diesen kleineren, künstlerisch wesentlich
auferstandenen und erhöhten wertvolleren unter der Empore, ist
Christus als „König der Ewigkeit“ auf diesen, sich selbst aus Liebe zu
bekennt, weist uns aber auf eine uns Menschen entäußernden Got-
völlig andere Art darauf hin, wie tessohn hingewiesen. Aber auch in
Jesus seine Königsherrschaft aus- dem von Wolfgang Lettl mit spar-
übt. samsten stilistischen Mitteln an
In den beiden Kreuzen an der der Südwand der Kirche in feuch-
Rückwand der Kirche, dem gro- ten Beton geritzten Kreuzweg
ßen oben auf der Empore und dem zeigt sich dieses Bild des „Leidens-
23Königs“. Er gibt im Gehorsam das In geradezu hymnischer Sprache
Leben hin, um den Menschen aus preist Paulus Jesus als den „Knecht
seiner Schuld zu erlösen. Gottes“ und „Herrn“. Er schreibt an
Das ist Gottes Art, seine Macht die Christengemeinde in Philippi
auszuüben: Er herrscht als der all- (2, 5-11):
gewaltig Liebende und Dienende.
„Er war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave, den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
ER erniedrigte sich
und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz. –
Darum hat Gott ihn erhöht
und ihm den Namen verliehen,
der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel,
auf der Erde und unter der Erde
ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
JESUS CHRISTUS IST DER HERR
zur Ehre Gottes des Vaters.“
Jesus selbst bekennt sich zu sei- du doch ein König?“ Und Jesus ant-
nem Königtum in den Stunden wortet: „Du sagst es, ich bin ein Kö-
seiner größten Erniedrigung, im nig. Ich bin dazu geboren und in die
Verhör vor Pilatus. Auf dessen Fra- Welt gekommen, dass ich für die
ge: „Bist du der König der Juden?“, Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder,
antwortet er: „Mein Königtum ist der aus der Wahrheit ist, hört auf
nicht von dieser Welt.“ – „Also bist meine Stimme“ (Joh. 18, 28-37).
24Wahrheit aber, das ist die frohma- seinem Kommen den Weg und die
chende Botschaft des Gottessoh- Herzen bereitet.
nes über die Realität Gottes: Er ist Es war die Tragik des Volkes Israel,
der allmächtige, allweise, liebende dass es den angekündigten Mes-
VATER, der seinen Sohn hingibt, sias nicht erkannt hat. Und es ist
damit der Mensch ewiges Heil fin- die Tragödie unserer Zeit, dass so
det. viele diesen Christus-König über-
Jahrhunderte zuvor bereits war sehen, missachten, dass sie mei-
der Christus-König vorausgesagt nen, mit ihm und seiner Botschaft
und vorhergeschaut worden von nichts anfangen zu können.
den Propheten. Sie haben ihm und
Die fünf Glasfenster an der Nord- charja (Zacharias), wie der Kreuz-
seite der Christkönigskirche mit ih- weg ein Werk von Wolfgang Lettl,
ren überlebensgroßen Darstellun- wollen auf das erste Kommen des
gen der Propheten Jesaja (Isaias), Messias, des Gott-Königs „als die
Ezechiel, Jeremias, Daniel und Sa- Zeit erfüllt war“, hinweisen.
25des Herrn, ruht auf mir; denn der
Mit JESAJA (Isaias), dem wohl
Herr hat mich gesalbt. Er hat mich
größten „Advents-Propheten“
gesandt, damit ich den armen eine
fängt Lettl vom Eingang her an.
frohe Botschaft bringe und alle hei-
Mehr als siebenhundert Jahre vor
le, deren Herz zerbrochen ist, damit
der Geburt Jesu jubelt der Pro-
ich den Gefangenen die Entlassung
phet: „Das Volk, das im Dunkeln
verkünde und den Gefesselten die
lebt, sieht ein helles Licht […] Denn
Befreiung“ (Jes 61, 1). Ausdrücklich
uns ist ein Kind geboren, ein Sohn
bezieht sich Jesus auf diese Stelle
ist uns geschenkt. Die Herrschaft
des Propheten, als er am Anfang
liegt auf seiner Schuler; man nennt
seines öffentlichen Wirkens in sei-
ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker
ne Heimatstadt Nazareth kommt
Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des
und am Sabbat aus der Schrift des
Friedens. Seine Herrschaft ist groß
Jesaja vorliest. „Heute hat sich das
und der Friede hat kein Ende. Auf
Schriftwort, das ihr eben gehört
dem Thron Davids herrscht er über
habt, erfüllt“ (Lk 4, 16-22).
sein Reich; er festigt und stützt es
durch Recht und Gerechtigkeit, jetzt Der Prophet EZECHIEL macht
und für alle Zeiten“ (Jes 9, 1-6). seinem Volk Mut mit dem Bild vom
Jesaja fordert sein Volk auf: „Guten Hirten“, das Jesus sechs
„Bahnt für den Herrn den Weg Jahrhunderte später wieder auf-
durch die Wüste! Baut in der Steppe nimmt und auf sich bezieht: „Denn,
eine ebene Straße für unseren Gott! so spricht Gott, der Herr: Jetzt will
[…] Seht, Gott der Herr, kommt ich meine Schafe selber suchen und
mit Macht, er herrscht mit starkem mich selber um sie kümmern. […]
Arm“ (Jes 40, 3.10). Die verlorengegangenen Tiere will
Im „ersten Lied vom Gottesknecht“ ich suchen, die vertriebenen zurück-
lässt er Gott sprechen: „Seht, das bringen, die verletzten verbinden,
ist mein Knecht, den ich stütze; das die schwachen kräftigen, die fetten
ist mein Erwählter, an ihm finde ich und starken behüten. Ich will ihr Hirt
Gefallen. Ich habe meinen Geist auf sein und für sie sorgen, wie es recht
ihn gelegt, er bringt den Völkern ist“ (Ez 34, 11.16). Im Johannes-
das Recht. Er schreit nicht und lärmt evangelium spricht Jesus: „Ich
nicht und lässt seine Stimme nicht bin der gute Hirte. Er gibt sein Leben
auf der Straße erschallen. Das ge- hin für die Schafe“ (Joh 10, 11).
knickte Rohr zerbricht er nicht und
Das dritte Fenster stellt den Pro-
den glimmenden Docht löscht er
pheten JEREMIA dar, der im
nicht aus“ (Jes 42, 1-3).
siebenten vorchristlichen Jahrhun-
Und Jesaja legt dem Messias, dem
dert – selber vereinsamt, verfolgt
gottgesandten Retter, diese Wor-
und für sein Volk leidend – den für
te in den Mund: „Der Geist Gottes,
alles Volk Leidenden voraussieht.
26Und er verheißt den „neuen Bund“ Nebukadnezzar zu Amt und Wür-
Gottes mit den Menschen in Jesus den gekommen. In prophetischer
Christus (Lk 22, 20): „Seht, es wer- Weisheit deutet er einen Traum
den Tage kommen, […] in denen ich des Königs über den Verfall der
mit dem Haus Israel und dem Haus Weltreiche, weil sie auf tönernen
Juda einen neuen Bund schließen Füßen stehen. Ihm wird die Vision
werde. […] Ich lege mein Gesetz in über den „Menschensohn“ zuteil,
sie hinein und schreibe es auf ihr der „auf den Wolken des Himmels
Herz. Ich werde ihr Gott sein und kommt und dessen Herrschaft nie
sie werden mein Volk sein“ (Jer 31, zerbricht, sondern ewig dauert“
31.33). (Dan 2, 31-45). Dieses Wort des
Der Prophet DANIEL war am Propheten Daniel aufgreifend
spricht Jesus von sich selbst des
Hof des babylonischen Königs Öfteren als „Menschensohn“: Am
Ende der Zeiten wird man „den
Menschensohn mit großer Macht
und Herrlichkeit kommen sehen“
(Lk 21, 27).
Schließlich ist im fünften Fens-
ter noch der „kleine“ Prophet
SACHARIA (Zacharias) darge-
stellt, der über den kommenden
Friedenskönig verkündet: „Juble
laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter
Jerusalem! Siehe, dein König kommt
zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist
demütig und reitet auf einem Esel.
[…] Er verkündet für die Völker den
Frieden; Seine Herrschaft reicht von
Meer zu Meer und vom Eufrat bis
an die Enden der Erde“ (Sach 9, 9 u.
10). Als Jesus vor seinem Leiden
und Sterben in „seine Stadt“ Jeru-
salem einzieht, jubelt das Volk ihm
in den Worten dieses Propheten
zu als dem Messias und König (vgl.
Joh 12, 13ff).
27Der Seitenaltar 28
Ihre sinnvolle Fortsetzung finden ist gegenwärtig unter ihnen, ja, er
die Glasfenster in dem Tafelbild hält sie gleichsam in der Hand: Im
von Wolfgang Lettl in der Seitenap- Symbol der sieben Sterne, die um
sis: MARIA, die letzte Prophetin, seine Rechte angeordnet sind.
zeigt – nicht nur in prophetischer
Weissagung, sondern wirklich – Der Halbmond um die Linke des
den weisen Sterndeutern aus dem Christkönigs kommt in der Johan-
Osten, die nach dem „neugebore- nesvision nicht vor. Er soll wohl
nen König“ fragen, den von vielen eine Erhabenheit über alle irdi-
ersehnten und schon lange ange- schen Veränderlichkeiten symbo-
kündigten Christkönig. lisieren.
Ihren Höhepunkt finden die Aussa- Karl Hemeter hat seinen Christ-
gen über den Christkönig schließ- könig mit der goldenen Königs-
lich im großen, holzgeschnitzten krone geschmückt. Majestätisch
ALTARKREUZ. Jesus, der erhöhte und doch liebevoll breitet er seine
Herr und Weltenkönig, wie ihn der Arme aus, um alle Menschen zu
Evangelist Johannes in seiner Visi- umfangen.
on im ersten Kapitel seiner Offen- Es ist ein sieghafter, machtvoller
barung geschaut hat (Offb 1, 1-20): König, der da am Ende der Zeiten
Johannes sieht sieben Leuchter. kommen soll. Er macht den Seinen
In ihnen symbolisiert sind letztlich Mut, schon jetzt – mit ihm und in
alle christlichen Gemeinden – auch ihm – über alle Gottwidrigen Kräf-
die Pfarrgemeinde von Norden- te zu siegen.
dorf.
Er sieht Jesus im langen, wallen-
den Gewand des Hohepriesters,
versehen mit allen Zeichen für ei-
nen allmächtigen König:
Strahlenden Lichtglanz um sein
Haupt, Augen wie Feuerflammen,
denen nichts und niemand entge-
hen kann und aus seinem Mund
kommt ein scharfes, zweischnei-
diges Schwert, das Schwert seiner
unsterblichen Gerechtigkeit.
Johannes sieht diesen Ehrfurcht
gebietenden Jesus umherschrei-
ten inmitten seiner Gemeinden. Er
29Ihr sollt meine Zeugen sein
Wir sind am Ende unseres Kirchen- wird – durch Christen, die gemein-
führers angekommen. Er sollte sam eine lebendige Gemeinde bil-
nicht nur eine Aufzählung und Er- den.
läuterung der Christkönigkirche
in Nordendorf sein – ihrer Archi- IHR SOLLT MEINE ZEUGEN SEIN
tekten und ihrer Ausstattung. Viel-
mehr wäre es schön, wenn beim Diese Mahnung und diesen Aufruf
Lesen und Betrachten dieses Heft- des auferstandenen Herrn – des
chens auch die innere Beziehung Christkönigs – hat Pfarrer Zimme-
zu dieser Kirche neu geknüpft und rer an der Stirnwand der Kirche in
verlebendigt werden würde. Denn großen Buchstaben anbringen las-
das schönste Gotteshaus bleibt ein sen.
toter Raum, ein Raum, der allen-
falls als religiöses Museum dient, Gilt dieser Aufruf nicht uns allen?
wenn er nicht mit Leben erfüllt
30Impressum und Bildnachweis:
Verantwortlich: Kirchenstiftung Nordendorf
Bilder: Dieter Herber, Judith Freund, Nicolas Schnall, Privat
Gestaltung: www.gekkoconcept.de
Druck: www.vogldruck.de
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