KLÄNGE DES AUGENBLICKS 23.09. 25.09. 33.TAGE NEUER MUSIK IN WEIMAR - COOLIS

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KLÄNGE DES AUGENBLICKS 23.09. 25.09. 33.TAGE NEUER MUSIK IN WEIMAR - COOLIS
Klänge des
Augenblicks
23.09.
25.09. 2 o 2 1

                  33.Tage
             Neuer Musik
               in Weimar
KLÄNGE DES AUGENBLICKS 23.09. 25.09. 33.TAGE NEUER MUSIK IN WEIMAR - COOLIS
Klänge des Augenblicks

Das Ensemble für Intuitive Musik Weimar (EFIM) wurde vor 40 Jahren
gegründet, um für Werke der musikalischen Avantgarde einzutreten,
die in der DDR als „spätbürgerlich-dekadent“ bezeichnet wurden. Als
Initiator und Leiter fungierte Michael von Hintzenstern (*1956), der
im folgenden Text die Geschichte der Gruppe beleuchtet, die im
ersten Jahrzehnt ihres Bestehens eine wichtige Aufbauarbeit geleistet
hat, auf deren Basis sich das Festival, weitere Konzertreihen und gen-
reübergreifende Projekte entwickeln konnten. Hierzu ist eine über
200 Seiten umfassende Publikation in Vorbereitung.

Seit meinem 14. Lebensjahr stand ich mit Karlheinz Stockhausen
(1928–2007) in postalischem Kontakt, von dem ich bis zu seinem
Tod über 100 handschriftliche Briefe erhielt. 1976 konnte ich ihn
erstmals auf dem Weg in die Schweiz treffen, wo ich einen Kom-
positionspreis gewonnen hatte.

Als „Initialerlebnis“ für die Mitglieder des neu gegründeten Ensem-
bles erwies sich am 13. Februar 1981 ein Auftritt in der Erfurter
„Galerie im Flur“, wo wir es erstmals wagten, drei Stücke aus seinem
Zyklus Intuitiver Musik FÜR KOMMENDE ZEITEN (1968–1970) vor
Publikum aufzuführen: VERKÜRZUNG, INNERHALB und ZUGVOGEL.
Eine Musik, die im Moment der Aufführung entsteht – die sehr frei
ist, aber dennoch durch die verbalen Spielanweisungen des Kom-
ponisten in eine bestimmte Richtung geleitet wird: KLÄNGE DES
AUGENBLICKS.

Stockhausens Vision war es, die Interpreten – wie Radioapparate –
an die schöpferischen Ströme anzuschließen, die er als Komponist
empfängt. Dass EFIM dies in Erfurt beim „ersten Versuch“ gelang,
ist der besonderen Atmosphäre des Ortes und der knisternden Auf-
merksamkeit der Anwesenden zu danken. In unser zunächst vor-
sichtig tastendes Spiel trat eine neue Dimension ein!

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40 Jahre Ensemble für Intuitive Musik                                                                              40 Jahre
Weimar (EFIM)                                                                                  Ensemble für Intuitive Musik

Das Ensemble für Intuitive Musik Weimar (EFIM) begann seine Ak-      Seit 1982 lautete das Motto unserer Konzerte: „Klang-Reise –
tivitäten vor 40 Jahren in Kirchen und privaten Galerien, in denen   Elektronische und instrumentale Musik von Karlheinz Stockhau-
sich die positive Energie eines überaus aufgeschlossenen Publi-      sen“. In jenem Jahr kristallisierte sich ein fester Stamm heraus:
kums als „beflügelnd“ erwies.                                        Mario Peter – Klarinette/ Bassklarinette; Matthias von Hintzen­
Zu den „Zeitzeugen“ in Erfurt gehörte auch IMB „Konrad“, der         stern – Violoncello; Hans Tutschku – EMS-Synthesizer, und
am 3. April 1981 der Abteilung XX/7 übermittelte: „Anwesend ca.      Michael von Hintzenstern – Tasteninstrumente (Klavier/ Orgel/
60 Personen, darunter die Gebrüder von Hintzenstern und zwei         Harmonium). Nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden
weitere Musiker.“                                                    Mario Peters gehört seit 1993 Daniel Hoffmann (Trompete/
                                                                     Flügelhorn) zum Ensemble.
                                                                     Das Jahr 1982 war in vielerlei Hinsicht bestimmend für die wei-
                                                                     tere Entwicklung. Im August besuchte uns Markus Stockhausen
                                                                     (Trompete/ Flügelhorn/ Synthesizer), mit dem ich seit unserer ers-
                                                                     ten Begegnung 1977 in Liège korrespondierte. Hans, Matthias
                                                                     und ich musizierten mit ihm in der nächtlichen Weimarer
                                                                     Jakobskirche VORAHNUNG aus FÜR KOMMENDE ZEITEN. Es
                                                                     gelang wunderbar, wir fanden uns unmittelbar!

EFIM und Markus Stockhausen in Denstedt 1988

Ich berichtete Stockhausen am 13. April 1981 von diesem und
einem weiteren Konzert, das am 27. Februar in der Weimarer Ja-
kobskirche stattfand: „… beim Musizieren waren wir in einer
Gleichgestimmtheit, wie ich sie zuvor in dieser Form
eigentlich noch nie erlebt habe, wir entschwebten im wahr­sten
Sinne des Wortes. Auch die Begrenzungen durch Raum und Zeit
schienen aufgehoben…“ Er antwortete am 2. Mai 1981: „Ihr Brief
erinnert mich an meine Hochstimmung in der Zeit, als ich regelmä-
ßig in unserer Gruppe selbst mitspielte (ca. 1964–1970).“
                                                                     Parkmusik in Bevedere bei Weimar 1988

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So auch bei einem Konzert am 4. August 1982 in der Eisenber-        Die umfangreichste Präsentation des Schaffens von Karlheinz
ger Stadtkirche. Markus Stockhausen kam zwischen 1984 und           Stockhausen auf dem Boden der DDR gelang Markus Stockhausen
1988 jährlich mit einem Privat- bzw. Touristenvisum nach Wei-       und dem EFIM vom 30. August bis 1. September 1988 bei den
mar, um intuitive Stücke seines Vaters und für uns entwickelte      1. Tagen Neuer Musik anlässlich seines 60. Geburts­tages in Den­
neue Konzepte gemeinsam zu realisieren.                             stedt: 22 Werke in sechs Konzerten, darunter sechs DDR-Erstauf-
Am 20. Oktober 1982 gab es den ersten offiziellen Auftritt als      führungen. Es erklangen Solostücke (zum Teil mit Zuspielband),
„Ensemble für Intuitive Musik Weimar“ (EFIM) in der Reihe           nahezu alle elektronischen Werke und eine Reihe intuitiver Kom-
„Neue Musik im Gespräch“ im ausverkauften Studiotheater des         positionen. Diese „Tage Neuer Musik“ lösten einen kaum vor-
Dresdner Kulturpalastes. Neben Solostücken aus AMOUR (1976)         stellbaren Besucheransturm aus allen Teilen der Republik aus.
und TIERKREIS (1975) erklangen VORAHNUNG, INNERHALB und
ZUGVOGEL aus dem Zyklus FÜR KOMMENDE ZEITEN (1968-1970).

                                                                                                              40 Jahre

Als wichtige Nische ungestörten Wirkens erwies sich die Dorf­
kirche im 5 km von Weimar entfernten Denstedt. Sie verfügt über
eine 1860 erbaute und im Originalzustand erhaltene Peternell­
orgel (19 Register, zwei Manuale, Pedal), an der Franz Liszt mit
seinem „legendarischen Kantor“ Alexander Wilhelm Gottschalg
„Orgelconferenzen“ und „Privatkonzerte“ durchführte. Ich hatte
sie 1980 wiederentdeckt und setzte mich seither mit Benefiz-
Aktivitäten für die Restaurierung ein.
1987 fragte ich bei Radio DDR II an, ob ein in Denstedt geplantes
Konzert mit Markus Stockhausen mitgeschnitten und gesendet
werden könne. Nach langem Schweigen gab es eine Zusage! Auch
dieses Mal kam der Solist ohne Auftrittserlaubnis der DDR-Künst-
leragentur!                                                         EFIM in der ACC Galerie Weimar1990

Auf Grund meiner intensiven Öffentlichkeitsarbeit wurden keiner-
lei Zweifel daran gehegt, dass hier etwas nicht in „geordneten
                                                                    Durch die zuvor ausgereizten „Möglichkeiten“ bestärkt, bat ich
Bahnen“ verlaufen könnte!
                                                                    die Künstleragentur der DDR, im Frühjahr 1989 eine DDR-­
                                                                    Tournee des Solisten Markus Stockhausen mit dem EFIM zu orga­
                                                                    nisieren, die ich längst mit den Veranstaltern vor Ort vor­bereitet
                                                                    hatte. Mir war es wichtig, auch in staatlichen Konzerten als
                                                                    deutsch-deutsches Ensemble aufzutreten. Bisher hatte es im
                                                                    DDR-Musikbetrieb beim Zusammenspiel west- und ostdeutscher
                                                                    Künstler eines „Alibi-Ausländers“ bedurft, um als inter­nationale
                                                                    Gruppe durchzukommen.

                                                                    Die Konzertreise führte vom 11. bis 15. April 1989 von Erfurt
                                                                    (Theater im Waidspeicher) über Weimar (Haus Stadt Weimar)
                                                                    nach Dresden (Zentrum für zeitgenössische Musik) und Berlin
                                                                    (Theater im Palast). Im gleichen Jahr gelang es uns schließlich, als
                                                                    Gruppe den „Eisernen Vorgang“ zu durchbrechen und im
                                                                    August 1989 in der Wiener Augustinerkirche mit einem Stock-
EFIM und Karlheinz Stockhausen in Denstedt 1992                     hausen-Programm zu gastieren.

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Unmittelbar nach der Wiedervereinigung gastierten wir vom           Diese fanden in 39 Kirchen bzw. Gemeindehäusern und 24 staat-
2. bis 6. November 1990 mit Markus in Kassel, Köln, Bremen,         lichen Spielstätten (Konzertsäle, Galerien, Jugendclubs, Planeta-
Stuttgart und Alfter bei Bonn, wo uns Karlheinz Stockhausen erst-   rien etc.) sowie in drei Parkanlagen und in vier privaten Galerien
mals im Konzert hörte. Danach schrieb er am 14. November nach       (Wohnungen) statt. Oftmals gab es Versuche, dies zu verhin-
Weimar: „...es war sehr gut, daß ich Euch endlich im Konzert er-    dern, wie zum Beispiel durch die Androhung, GEMA-Gebühren
lebt habe. Euch allen möchte ich danken; Ihr habt die Intuitive     in D-Mark zahlen zu müssen, worauf Stockhausen bereits am 30.
Musik lebendig gehalten. Wir werden gewiß gemeinsam diese           Januar 1983 mit einer Verzichtserklärung reagierte.
eigenartige Musikform weiterentwickeln!“
Im Anschluss an drei intensive Probentage im Mai 1991 in
Kürten schrieb er nach Weimar: „DANKE für die Pfingsttage:
auch für mich waren sie außerordentlich lehrreich, und Ihr
seid einfach 4 Engel! Ich werde helfen, wann immer ich eine         Im ersten Jahrzehnt seines Bestehens spielte EFIM in 83 Kon-
Chance bekomme, dass Ihr weitergeht in der Entdeckung,              zerten Werke des BRD-Komponisten. Ein weiterer Partner war
Klärung der Intuitiven Musik.“                                      der aus Greiz stammende und in Westberlin lebende Oskar Sala
                                                                    (1910–2002), der 1930 mit dem Ingenieur Friedrich Trautwein
                                                                    eines der ersten elektronischen Musikinstrumente entwickelt
                                                                    hatte: das Trautonium. Er war nicht nur dessen einziger Solist,
                                                                    sondern schuf auch über 300 Filmmusiken. Die angsterregen-
                                                                    den Vogelschreie in Alfred Hitchcocks Film „The Birds“ (1963)
                                                                    machten ihn weltberühmt. Für eine „grenzüberschreitende“ Kol-
                                                                    lektivkomposition nahm er in Westberlin fünf Motive mit dem
                                                                    Mixturtrautonium auf, die EFIM unter dem Titel TRAUTOPHO-
                                                                    NIE weiterentwickelte und am 7. Juli 1988 im Konzertsaal des
                                                                    Theaters Gera zur Eröffnung des Geraer Ferienkurses für zeitge-
                                                                    nössische Musik zur Uraufführung brachte.
                                                                    Bei den 2. Tagen Neuer Musik gestaltete der Komponist Micha­el
                                                                    Vetter (Freiburg/Breisgau) unter dem Motto „Obertöne“ vom
                                                                    15. bis 17. September 1989 acht Konzerte in Denstedt,
                                                                    bei denen das EFIM in zwei Veranstaltungen erstmals vokale
EFIM in Valparaiso, Chile, 2008
                                                                    Gesangstechniken erprobte.

1992 hieß es bei den 5. Tagen Neuer Musik in Weimar schließlich:
„Stockhausen in der Stadt der Klassiker“. Vier Konzerte standen
auf dem Programm, das der Komponist mit fünf Solisten vor-
bereitet hatte, darunter zwei Uraufführungen. Doch das Eröff-
nungskonzert fand mit Markus und dem EFIM in Denstedt statt.
Sichtlich bewegt betrat Stockhausen die Dorfkirche, in der seine
Komposition UNBEGRENZT erklang.

Vom 25. bis 27. Mai 2005 bot sich eine weitere Gelegenheit, mit
dem Komponisten an der Interpretation von sechs Texten aus dem
Zyklus FÜR KOMMENDE ZEITEN in Kürten zu arbeiten und diese
am 28. Mai erstmals auf CD einzuspielen. Es waren dies VERKÜR-
ZUNG, WACH, VORAHNUNG, ANHALT, INNERHALB und WELLEN.

Das Ensemble für Intuitive Musik Weimar ist mit geradezu mis­
sionarischem Eifer von 1982 bis 1990 in allen Regionen der DDR
aufgetreten: 119 Aufführungen in 42 Orten (Städten/Dörfern)
von A wie Altenburg bis Z wie Zwickau.
                                                                    Ensemble für Intuitive Musik Weimar und Karlheinz Stockhausen, 2005

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KLÄNGE DES AUGENBLICKS 23.09. 25.09. 33.TAGE NEUER MUSIK IN WEIMAR - COOLIS
Zum Profil des Ensembles gehörten ab 1988 auch Parkmusiken           VOM KLANG DER STERNE – ABSTRAKTE FARB-VARIATIO-
im Dialog mit den Klängen der Natur (Weimar-Belvedere; Park          NEN IM KOSMOS (Uraufführung: 28. April 1989, Planetarium
Georgium, Dessau; Clara-Zetkin-Park, Leipzig) und Wandelkon-         Jena und 2 weitere Aufführungen sowie 6 Aufführungen im
zerte (ACC Weimar, Bauhaus Dessau). Im Film „Wind sei stark“         Groß-Planetarium Berlin: 22.–24.05.1990) und
(DEFA 1989/90) wurde die Filmmusik unmittelbar live an den
Windrädern gestaltet. Zu erwähnen ist auch die frühe Beschäfti-      KLANG – FARBE – BEWEGUNG für Ausdruckstanz, multime­
gung mit DADA und FLUXUS.                                            diale Projektion und Ensemble (Uraufführung: 23. Januar 1990
                                                                     in Berlin, Theater im Palast der Republik; 1990–2003: 10 weite­re
Einen wesentlichen Schwerpunkt bildeten 22 Aufführungen, die         Aufführungen in Deutschland, Spanien und Ungarn).
an in der DDR lange vernachlässigte Traditionslinien des Bauhauses
anknüpften. Dies wurde ab 1987 durch Begegnungen mit dem             Im Rückblick versetzt es mich in Staunen, mit welchem Einfalls-
in Gera lebenden Maler Kurt Schmidt beflügelt, der von 1920 bis      reichtum in den 1980er Jahren alle Möglichkeiten ausgereizt
1924 am Bauhaus in Weimar studierte und von Johannes Itten,          wurden. Doch erst die Friedliche Revolution brachte die über-
Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer gefördert wurde. Uns           fällige Befreiung aus ideologischer Begrenztheit. So gründeten
interessierte dabei besonders sein „Mechanisches Ballett“, das       wir im Dezember 1989 die KLANG PROJEKTE WEIMAR als
am 17. August 1923 im Jenaer Stadttheater uraufgeführt worden        „Unabhängige Vereinigung für Musik der Gegenwart“, die
war. In diesem Werk werden mannshohe geometrische Figurinen          seither 33 Festivals und verschiedene Konzert-Zyklen sowie die
von dahinter verborgenen Tänzern so bewegt, dass durch die           DADA-DEKADE 2012–2022 veranstaltet haben. Unser Ensem-
Choreographie fortwährend ein überaus lebendiges, der konstruk-      ble gastierte inzwischen in 30 Ländern auf vier Kontinenten.
tivistischen Malerei gemäßes Bildgeschehen entsteht.
Ein abstraktes Bild, das in ständiger Veränderung begriffen ist!

An diese Idee wollten wir mit aktuellen Mitteln anknüpfen.
Daraus entwickelten sich drei Programme:

VOM KLANG DER BILDER – ABSTRAKTE DIA-PHONIE für
multimediale Projektion und Ensemble (Uraufführung: 31. Ok­tober     Michael von Hintzenstern
1987 in Weimar; 1988–1990: 17 weitere Aufführungen),                 Künstlerischer Leiter des Festivals

                                                                                                                               40 Jahre
                                                                                                           Ensemble für Intuitive Musik

Ensemble für Intuitive Musik Weimar, 2019 in Göllingen

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KLÄNGE DES AUGENBLICKS 23.09. 25.09. 33.TAGE NEUER MUSIK IN WEIMAR - COOLIS
13   do / 23.09. / 19.30 UHR                        23.09.2021 / 19.30 UHR
     DDR-Super-8-Filme mit Live-Musik               Jugend- und Kulturzentrum „MON AMI“
     Drei Filme (1986, 1990) von Gabriele Stötzer
     Ensemble für Intuitive Musik Weimar (EFIM)
     mon ami, Goetheplatz 11                        DDR-SUPER-8-FILME MIT LIVE-MUSIK
                                                    Drei Filme von Gabriele Stötzer:
                                                    1986: „Spitze“
16   DO / 23.09. / 21.30 UHR                        1986: „Trisal“
     „Wind sei stark“ (1989/90) – DEFA-Film         1990: „Es waren zwei Königskinder“ (Die Überfahrt)
     Regie: Jochen Kraußer, Filmmusik: EFIM
     Aufführung und Gespräch
     mon ami, Goetheplatz 11
                                                    Live-Musik: Ensemble für Intuitive Musik Weimar (EFIM)
                                                    Daniel Hoffmann, Trompete / Flügelhorn
18   fr / 24.09. / 19.30 UHR                        Matthias von Hintzenstern, Violoncello / Obertongesang
     Improvisierte Musik mit Live-Elektronik        Michael von Hintzenstern, Klavier
     Gruppe HARM                                    Hans Tutschku, Live-Elektronik
     mon ami, Goetheplatz 11
                                                    Das „Ensemble für Intuitive Musik Weimar“ (EFIM) gab sein erstes
                                                    Konzert mit Werken Karlheinz Stockhausens am 13. Februar 1981
22   FR / 24.09. / 21.30 UHR                        in der privaten, von Gabriele Stötzer geleiteten, Erfurter „Galerie
     Elektroakustische Raum-Klang-Musik:            im Flur“, die am 1. April 1981 von der Staatssicherheit liquidiert
     „Stimmen des Augenblicks“                      wurde. Seit 2009 gestaltet sie mit der Gruppe gemeinsame Pro-
     16-kanalige Werke von Hans Tutschku            gramme, in denen jeweils neue Texte als „Wort-Klang-Perfor-
     mon ami, Goetheplatz 11                        mance” aufgeführt werden. Unter dem Titel „Das Brennen der
                                                    Worte im Mund“ sind die bisherigen Texte 2017 in Buchform er-
                                                    schienen. Am 20. September 2021 hat das Team im ehemaligen
26   SA / 25.09. / 19.00 UHR                        Erfurter Stasi-Knast sein neustes Projekt „Heimat los“ präsentiert.
     Multimediale Improvisationen                   Gabriele Stötzer gehört zu den aktiven Wegbereiterinnen der
     Natascha Nikeprelevic, Obertongesang           experimentellen Super-8-Film-Szene der 1980er Jahre in der
     Mihail Cunetchi, Akkordeon                     DDR. Sie versuchte konsequent, über Figuren des persönlichen
     Ensemble für Intuitive Musik Weimar (EFIM)     Umfelds zu archaischen Bildstrukturen und damit die Gegenwart
     mon ami, Goetheplatz 11                        erhellenden Inhalten zu gelangen. Ihre Kameraführung zeichnet
                                                    sich durch eine auf den Körper gerichtete Darstellung aus. Dazu
                                                    gehört auch die Einbeziehung ihres eigenen Körpers.
                                                    Es gelang ihr, gegen das proletarisch einfallslose Frauenbild ihrer
                                                    Zeit, aber auch gegen eine modisch konventionelle Darstellung
                                                    ein eigenes Schönheitsideal zu entwickeln, voll sehnsüchtiger
                                                    Tiefe, Humor und selbstbewusster Kraft.

                                                    Gabriele Stötzer und das Ensemble für Intuitive Musik

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KLÄNGE DES AUGENBLICKS 23.09. 25.09. 33.TAGE NEUER MUSIK IN WEIMAR - COOLIS
DDR-SUPER-8-FILME MIT LIVE-MUSIK
Die Autorin zu ihren Filmen:

                                                                          Die Überfahrt (1990)
                                                                          Kamera: Monique Förster

                                                                          Der Film wurde 1990 an drei Orten gedreht:
                                                                          in Basel zu einer DDR-Ausstellung, wo Verena
                                                                          Kyselka (im Antennen-Kleid), die Chemnitzer
Spitze (1986)                                                             Malerin Ute Schmieder (im Sack-Kleid) und Ga-
                                                                          briele Stötzer (im Coca-Cola-Kleid) anwesend
Spitze ist ein Film, in dem Peter Krause architektonische                 waren. Wir fuhren über den Rhein als Ausdruck
Phallus-Symbole Erfurts in waghalsigen Kletteraktionen,                   zwischen Ost- und Westdeutschland, über den
ohne Absicherung und doppelten Boden, besteigt. Im Fokus                  Abgrund, die beiden Königskinder zu versöhnen.
stand die Bezwingung des Steins und der Mauern durch den
menschlichen Körper.                                                      Dann im Café Rapunzel im Kunsthaus Erfurt,
Peter Krause, der eigentlich ein inoffizieller Mitarbeiter der            wo Gabriele Göbel im roten Kleid und Gabriele
Stasi war, ging es um Berichte über jeden Filmvorgang.                    Stötzer im blauen Kleid das Weibliche und das
Er hatte mein Vertrauen und hat sich wie viele andere IM                  Männliche – also ebenso Gegensätzliche –
erst nach der Wende dechiffriert.                                         darstellen. Hier geht es um das über den Tisch
                                                                          ziehen, wie einen Abgrund, bis sich die Anti­
                                                                          poden in der Symmetrie harmonisieren.

Trisal (1986)
mit Monika Andräs und Verena Kyselka

Können Widder fliegen? Zur Zeit der
Griechen schon. Damals sollte ein Widder
zwei bedrohte Königskinder auf ihre Heimat­
insel fliegen. Zum Lohn wurde der Widder
geschlachtet, sein Fell wurde zum Goldenen                                Und dann draußen hinter der Krämerbrücke
Fließ und er selber ein Sternbild im Himmel.                              in Erfurt zeigt sich ein Teil der Frauengruppe
Fragen nach Opferbereitschaft, Tod und                                    in den Kostümen, in denen sie immer Mode-
Wiedergeburt verknüpfen sich zu einem                                     Objekt-Shows machten, sich selbst und eine
körperlichen Spiel.                                                       Welle darstellend.

                                                                          Gabriele Stötzer

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KLÄNGE DES AUGENBLICKS 23.09. 25.09. 33.TAGE NEUER MUSIK IN WEIMAR - COOLIS
23.09.2021 / 21.30 UHR
Jugend- und Kulturzentrum „MON AMI“

DEFA-FILM MIT EFIM-KLÄNGEN
„Wind sei stark“ (1989/90):

Regie/Drehbuch/Konzept: Jochen Kraußer (*1943)
Musik: Ensemble für Intuitive Musik Weimar (EFIM)
Mitwirkender Künstler: Horst Sakulowski (Weida)
Kamera: Christian Lehmann
Schnitt: Angela Wendt
Ton: Peter Pflughaupt
Produktionsleitung: Gerhardt Erdmann
Produktionsfirma: DEFA-Studio für Dokumentarfilme (Berlin)
im Auftrag des Fernsehens der DDR (Berlin)

Deutsche Erstaufführung: April 1990, Oberhausen,
Kurzfilmtage, in der DDR: 14.09.1990, Weimar, Haus Stadt
Weimar (3. Tage Neuer Musik in Weimar)
                                                             Musik für Film und Theater zu schreiben, war für viele Kompo-
                                                             nisten der DDR selbstverständlich, und im Zusammenwirken von
                                                             avancierten Musikern und ebenso ambitionierten Filmemachern
                                                             sind cineastische Kostbarkeiten entstanden. Dazu gehört „Wind
                                                             sei stark“, ein überaus poetischer Dokumentarfilm von Jochen
                                                             Kraußer, der in den letzten Monaten der DDR entstand.
                                                             Drei Außenseiter werden hier portraitiert, die sich allesamt am
                                                             Bau von Windrädern versuchen. Diese Menschen – das sei be-
                                                             hauptet – konnte es so nur in der DDR geben, skurrile Typen, den-
                                                             noch voll Lebensweisheit, die sich mit Eigensinn und Kreativität
                                                             dem verordneten kollektiven Verhalten entzogen.
                                                             Die Musik in diesem Film spielte das Ensemble für Intuitive Musik
                                                             Weimar (EFIM) an den Schauplätzen des Films „vor Ort“ ein –
                                                             „eine der ganz wenigen Formationen, die sich jenseits staatlicher
                                                             Förderung profilieren konnte“, heißt es in der Ankündigung einer
                                                             Aufführung zum „Tag der Deutschen Einheit“ am 3. Oktober
                                                             2021 im Dresdner Kulturpalast.
                                                             Ein surrealer Streifen, der damit endet, dass über die inzwischen
                                                             nicht mehr existierenden Wismut-Halden bei Ronneburg ein
                                                             Wind­rad fliegt, das – für die Zuschauer nicht wahrnehmbar – mit
                                                             einem Stahlseil an einem sowjetischen Militärhubschrauber hängt.

                                                             Im Anschluss: Gespräch mit Regisseur Jochen Kraußer
                                                             (Berlin) und den Musikern über die Idee des Films und die
                                                             außergewöhnlichen Dreharbeiten im „Oktoberfrühling 1989“.

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KLÄNGE DES AUGENBLICKS 23.09. 25.09. 33.TAGE NEUER MUSIK IN WEIMAR - COOLIS
24.09.2021 / 19.30 Uhr                                             Nils Alf – Saxophon, Bassklarinette
Jugend- und Kulturzentrum „MON AMI“
                                                                   Nils Alf (*1980 in Freiburg) ist seit 1984 improvisierender Musiker.
                                                                   In jungen Jahren spielte er Klavier, aber auch Instrumente wie
IMPROVISIERTE MUSIK MIT LIVE-ELEKTRONIK                            Staubsaugerrohre, Zigarrenschachteln und Gummibandharfen.
                                                                   Schließlich entdeckte er das Saxophon und den Jazz, studierte
                                                                   nach einigen Lehrjahren in Berlin in Weimar Saxophon und Kla-
                                                                   rinette und ist seitdem in der Thüringer Szene für improvisierte
                                                                   Musik heimisch. Mit Tim Helbig verbindet ihn schon ein länge-
Gruppe HARM:
                                                                   rer gemeinsamer Weg, nicht nur in der experimentellen Musik,
Tim Helbig – experimentelle Instrumente, Live-Elektronik
                                                                   sondern nebenbei auch im Ska.
Nils Alf – Saxophon, Bassklarinette
Robert Rehnig – Klavier, Live-Elektronik
Markus Markowski – Elektrogitarre, Live-Elektronik

Tim Helbig –
experimentelle Instrumente, Live-Elektronik

Nach seinem Studium der Medienkunst 2012 an der Bauhaus
Universität Weimar absolvierte Tim Helbig bis Juli 2014 das
Masterstudium „Elektroakustische Komposition und Klang­
gestaltung“ bei Prof. Robin Minard an der Hochschule für Musik
„Franz Liszt“ Weimar. Sein künstlerisches Schaffen umfasst die
Konzeption und Realisation vielschichtiger Klanginstallationen,
die Komposition akusmatischer Musik, Kompositionen für
(selbstentwickelte) experimentelle und traditionelle Instru-
men­te mit Live-Elektronik sowie experimentelle Theatermusiken
(Theaterhaus Jena). Er ist außerdem aktiv als Musiker und
Live-Elek­troniker im Rahmen von Improvisationskonzerten (u. a.
Ensemble SYN:KLANG, ZENKER:://HELBIG) sowie vielseitig enga-
giert in Projekten und Konzerten, die zeitgenössische Komposi-
tions- und Aufführungspraktiken erforschen und diskutieren.
Seit 2015 lehrt er als künstlerischer Mitarbeiter am Studio für
elektroakustische Musik der Hochschule für Musik Franz Liszt/
Bauhaus Universität Weimar. 2015 und 2018 erhielt er das Förder-
stipendium für Musik/Komposition der Kulturstiftung Thüringen.
Aktuell ist er PhD-Kandidat an der Bauhaus Universität Weimar.

timhelbig.de        synklang.timhelbig.de
                                                                   Nils Alf

                                                                   Das Ensemble SYN:KLANG führte die langjährigen Klangexperi-
                                                                   mente in einer vorläufigen Synthese zusammen. Außerdem spielt
                                                                   Nils Alf weiterhin mit Begeisterung Jazz, unter anderem mit der
                                                                   Band Roots Up! und nutzte die kreative Unterbrechung der letzten
                                                                   18 Monate, um eine Stelle als Musiktherapeut anzutreten.

                                                                   www.nilsalf.de

Tim Helbig

                              18                                                                    19
Robert Rehnig – Klavier, Live-Elektronik

Robert Rehnig (*1977) studierte zunächst Klavier und später elek-
troakustische Komposition. Im Zentrum seiner Arbeit stehen größ-
tenteils akusmatische Musiken für Theater, Tanztheater, Hörbuch
und Film. In den letzten Jahren waren seine Werke zu hören in der
Baumwollspinnerei Leipzig - Halle 14, Schaubühne Leipzig, dem
Festspielzentrum Hellerau Dresden, dem Hamburger Kunstverein,
dem Schauwerk Schaffhausen, zu den Frühjahrstagen zeitge­
nössischer Musik Weimar, im Spielraum Wien und anderswo. Er
ist Mitbegründer der Theater Compagnie „erweiterte zugeständ-
nisse“ (Leipzig/Wien 2008).

Das elektroakustische Hörbuch „Der heilige Pillendreher“
gewann den Deutschen Hörbuchpreis im Bereich Sachbuch.
Aktuell arbeitet er als Künstlerischer Mitarbeiter am SeaM (Stu-
dio für elektroakustische Musik) in Weimar.

www.robert-rehnig.com

                                                                    Markus Markowski

                                                                    Markus Markowski – Elektrogitarre, Live-Elektronik

                                                                    Markus Markowski bewegt sich in Grenzbereichen von Neuer
                                                                    Musik, Jazz-Avantgarde, Elektronischer Musik, Improvisierter
                                                                    Musik, aber auch internationaler Folklore bis zu moderner Pop-
                                                                    musik. Hierbei bedient sich der Multiinstrumentalist selbstpro-
                                                                    grammierter Software-Instrumente genauso wie gefundener
                                                                    Alltagsgegenstände oder der solchermaßen präparierten Gitarre.
                                                                    Markowski spielte schon mit Hanns-Holger Rutz, Ludger Hennig,
                                                                    Kirk Knuffke, Miles Okazaki, Kenny Wollesen, Cyril Bondi,
                                                                    D´Incise, Christian Weber u.v.m.  

                                                                    Aktuell setzt Markowski seine musikalischen wie performativen
                                                                    Konzepte oft mit dem Bremer MusikAktionsEnsemble KLANK um,
                                                                    gerne auch in Kooperation mit Künstlern wie Phil Minton oder
                                                                    Hans-Joachim Hespos. Resultierend aus einer Hörstückproduktion
                                                                    für den Deutschlandfunk Kultur arbeitete er beim ECLAT Festival
                                                                    Stuttgart 2020 mit großem Chor.
                                                                    Weitere aktuelle Projekte, z. B. MACH mit dem Schlagzeuger Han-
                                                                    nes Clauss, widerspiegeln die eher vom Jazz und der kompromiss-
                                                                    losen Improvisation geprägte Seite Markowskis.

                                                                    www.klank.cc
                                                                    www.mach.click
Robert Rehnig

                               20                                                                 21
24.09.2021 / 21.30 Uhr                                          In meiner Vorstellung wird das Werk eine akustische Reise,
                                                                die die vielen sehr unterschiedlichen Eindrücke kombiniert
Jugend- und Kulturzentrum „MON AMI“
                                                                sowie räumlich und zeitlich unabhängige Klangszenen in
                                                                einen Raum bringt.
ELEKTROAKUSTISCHE RAUM-KLANG-MUSIK                              Die Arbeit kommuniziert deutlich mit der japanischen Kultur, wäh-
                                                                rend zur gleichen Zeit meine eigenen kompositorischen Anliegen
                                                                widergespiegelt werden: Polyphonie, Dichte, Raum und Erinne-
                                                                rung fungieren als strukturierende und formbildende Prinzipien.

„Stimmen des Augenblicks“                                       FIRMAMENT SCHLAFLOS
Kompositionen von Hans Tutschku
Klangregie: Hans Tutschku (Boston)                              16-kanalige elektroakustische Komposition
                                                                Jahr: 2010
                                                                Dauer: 20.25 min
                                                                Studio: Harvard University
                                                                Stimme: Sarah Sun
                                                                Omar Alvarez gewidmet

                                                                Ein Universum von Klängen umgibt uns, ist in uns. Es sind un-
                                                                sere Träume, Ängste, Hoffnungen. Sie existieren nur in unserem
                                                                Körper, unserer Vorstellung. Wir möchten sie mit anderen tei-
                                                                len, aber es gibt keine Worte, keine möglichen Beschreibungen.
                                                                Wir sitzen in einer warmen Nacht in einem Grasfeld – allein,
                                                                die Sterne beobachtend. Niemand unterbricht unsere Ge­
                                                                danken. Niemand begrenzt unseren Raum. Wir müssen
                                                                nirgendwo hineilen; wir haben Zeit, uns hinzugeben und den
                                                                Klang-Kreaturen zu folgen.
                                                                Es ist kein Alptraum – es ist einfach nur das Zusammenspiel
Hans Tutschku                                                   unserer Vorstellungen.

REMEMBERING JAPAN – TEIL 1                                      ISSHO NI

16-kanalige elektroakustische Komposition                       16-kanalige elektroakustische Komposition
Jahr: 2016                                                      Jahr: 2014
Dauer: 9:48 min                                                 Dauer: 31:00 min
Studio: PANaroma/Unesp, Brazil                                  Sylvie Goursaud gewidmet
Flo Menezes gewidmet

                                                                Die menschliche Stimme ist als Klangmaterial elektroakustischer
Dies ist der erste Teil einer abendfüllenden Komposition über   Werke sowie in den meisten meiner Kammermusik- und Vokal-
Japan. Im Jahr 2014 verbrachte ich drei Monate in diesem fas-   kompositionen vertreten.
zinierenden Land, um musikalische Rituale zu erforschen, mit    Seit 2009 komponierte ich Stücke, die Volks- und Kinderlieder
lokalen Musikern zu improvisieren und unzählige Klänge in       sowie Gebetsgesänge verschiedener Kulturen und Religionen
Tempeln, Gärten, Straßen und in der Natur aufzunehmen.          verarbeiten. Diese Aufnahmen wurden verändert und derart

                             22                                                                23
miteinander kombiniert, dass ihre Tonhöhen zusammen passen
und Harmonie entsteht. Ausserdem komponierte ich Vokal­
passagen, die mit Sängern aufgenommen wurden und in einen
Dialog mit den anderen Stimmen treten. Im Zusammenklang
mit Instrumenten- und Orgelaufnahmen sowie Schlagzeug
schuf ich ein utopisches Ritual, in dem all diese Ethnien ge-
meinsam zelebrieren, z. B. Ailleurs-Intérieur, ein zwei-stün-
diges Werk, das 2009 in Montreal als Klanginstallion präsentiert
wurde; und Together, die Musik für eine Choreographie der
Larissa Douglas Koch’s Dance Company Boston.
Issho ni führt diese Idee nun einen Schritt weiter und bringt
das intensive Klangritual in den Konzertsaal. Die Hörer werden
zu Zeugen und passiven Mitstreitern, eingetaucht in eine sich
langsam entwickelnde, illusorische Feier, die weltliche und reli-
giöse Elemente vereint.

Hans Tutschku (*1966) komponiert instrumentale und elek-
troakustische Musik. Er hat außerdem an Film-, Theater- und
Tanzproduktionen mitgewirkt und viele Klanginstallationen
geschaffen. 1982 trat er dem Ensemble für intuitive Musik Wei-
mar (EFIM) bei und studierte später Theater und Komposition
in Berlin, Dresden, Den Haag, Paris und Birmingham. Außerdem
nahm er an Konzertzyklen mit Karlheinz Stockhausen teil. Im-
provisation mit Live-Elektronik bildet seit fast 40 Jahren einen
Hauptschwerpunkt seiner pädagogischen und künstlerischen
Arbeit. Seit 2004 wirkt er als Kompositionsprofessor und Direk-
tor der Elektroakustischen Studios an der Harvard Universität.

Er ist Preisträger vieler internationaler Wettbewerbe, unter
anderem: Hanns-Eisler-Preis (Berlin), Bourges, CIMESP Sao
Paulo, Prix Ars Electronica, Prix Noroit, Prix Musica Nova,
ZKM Giga-Hertz, CIME ICEM und Klang! 2005 erhielt er den
Weimarpreis der Klassikerstadt.

Neben seinen regulären Kursen an der Universität hat er in mehr
als 20 Ländern internationale Workshops für Musiker und Nicht-
musiker gegeben. Die Themen umfassen Aspekte des Kunstver-
ständnisses, Zuhören, Kreativität, Komposition, Improvisation,
Live-Elektronik und Interpretation akusmatischer Musik.

www.tutschku.com                                                    Hans Tutschku

                               24                                                   25
25.09.2021 / 19.00 UHR                                   Natascha Nikeprelevic ist Vokalistin, composer-performer und
                                                         Interpretin zeitgenössischer Musik. Sie studierte sechs Jahre bei
Jugend- und Kulturzentrum „MON AMI“
                                                         Michael Vetter „Intermediale Improvisation – Musik und Theater“
                                                         an der Accademia Capraia, Italien, wofür sie ein Stipendium der
MULTIMEDIALE IMPROVISATIONEn                             Stadt Köln erhielt. Weitere acht Jahre war sie dort als Dozentin
                                                         im Bereich „Experimentelle Vokalistik, Obertongesang und
                                                         erweiterte Vokaltechniken“ tätig. 2019 übernahm sie die Leitung
                                                         und Neugründung des Instituts.
Natascha Nikeprelevic (Köln) –
                                                         Nikeprelevic arbeitet mit den Medien Musik, Sprache, Gestik,
Obertongesang / Composer / Performer
                                                         Ritual, Textur und Grafik. Die Stilvielfalt ihres Schaffens ist in
                                                         über 30 eigenen Videoarbeiten zu sehen. Zu hören ist sie unter
Mihail Cunetchi (Moldawien) – Akkordeon
                                                         anderem in 14 Rundfunkproduktionen des Deutschland Radio
                                                         Kultur und des WDR Köln. Als Kompositionsauftrag des WDR
Ensemble für Intuitive Musik Weimar (EFIM)
                                                         entstand 2020 ihr neuestes Werk: „Atem. Puls“. Das Stück wird
Daniel Hoffmann, Trompete / Flügelhorn
                                                         im Septem­ber 2021 auf WDR3 gesendet.
Matthias von Hintzenstern, Violoncello / Obertongesang
Michael von Hintzenstern, Klavier
                                                         Für den Film-Trailer des von der Nationalen Autonomen Univer-
Hans Tutschku, Live-Elektronik
                                                         sität Mexiko geförderten Dokumentarfilms „La Libertad Fan-
                                                         tasma“ komponierte Natascha den Titelsong. Der Film wird ab
                                                         Herbst 2021 auf internationalen Filmfestivals zu sehen sein. Das
                                                         Chorstück „RESPONS – Reaktion auf Bestimmtes“ komponierte
                                                         sie ebenfalls als Auftragswerk für den WDR Rundfunkchor. Es
                                                         wurde unter ihrer Leitung im Konzerthaus Dortmund uraufge-
                                                         führt. Im Hörspiel „Leckermänner oder Dichten in Fahrtrichtung“,
                                                         (Ginka Steinwachs, DeutschlandRadioKultur) war Nikeprelevic
                                                         gleichermassen als Sprecherin und Komponistin engagiert. Im
                                                         Schlosstheater Moers kam ihr Musiktheater „Nach Strich und
                                                         Faden“ für Stimme und Kontrabass (Achim Tang) auf die Bühne.
                                                         Nikeprelevic führte Regie und übernahm auch den Vokal-Part.

                                                         Als „Artist in Residence“ an der Universität der Künste Taipei hielt
                                                         sie Seminare mit jeweils 60 Studierenden. Als Resultat entstand
                                                         eine DVD zur Didaktik und Methodik im Fachgebiet Oberton-
                                                         gesang. Das Good Magazine (USA) kürte sie 2016 zur „premier
                                                         overtone singer in the world“. Das Buch: „Hardcore, Punk, and
                                                         other Junk: Aggressive Sounds in Contemporary Music“ zerti-
                                                         fiziert sie – gemeinsam mit Henri Chopin, Bob Cobbing, David
                                                         Moss, Gil Joseph Wolman, Luciano Berio – als Künstlerin, die
                                                         herausragende Beiträge zur Erkundung der Möglichkeiten der
                                                         menschlichen Stimme erbracht hat

                                                         Gemeinsam mit Michael Vetter war Nikeprelevic weltweit
                                                         konzertant tätig. Es entstanden im „Duo Transverbal“ 16 CD-
                                                         und sechs Hörspielproduktionen. Sie realisierten 2008 in der
                                                         Tonhalle Zürich als weltweit erstes Duo die Uraufführung von

                                                         POLE FÜR 2 für Stimmen und KW-Radios von Karlheinz Stock-
Natascha Nikeprelevic                                    hausen. Ebenso brachte das Duo EXPO FÜR 3 von Karlheinz
                                                         Stockhausen gemeinsam mit F. X. Randomiz zur Uraufführung.
                                                         Beide Werke erschienen 2013 bzw. 2014 als CD 103 und CD
                                                         104 im Stockhausen-Verlag. 2011 realisierten Natascha Nike-
                                                         prelevic, Michael Vetter und das Ensemble für Intuitive Weimar

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Mihail Cunetchi (24) wurde in der Republik Moldau geboren.
                                                                     Er stammt aus einer Familie von Volksmusikern und begann seine
                                                                     musikalische Ausbildung im Alter von 10 Jahren mit dem Ak-
                                                                     kordeon. In Moldawien nahm er an zahlreichen nationalen und
                                                                     internationalen Wettbewerbe mit Erfolg teil. Dies eröffnete ihm
                                                                     die Möglichkeit, im Ausland zu studieren.

                                                                     Seit 2018 gehört er an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“
                                                                     in Weimar zur Klasse von Prof. Claudia Buder. Er hat ver-
                                                                     schiedene Meisterkurse und Workshops besucht und spielte
                                                                     bei den 31. Tagen Neuer Musik in Weimar im „Intuitiv Music
                                                                     Orchestra“ (IMO) des Trompeters Markus Stockhausen (Köln).
                                                                     Seit 2018 ist er Stipendiat bei „Yehudi Menuhin Live Music Now“
                                                                     in Weimar. 2020/2021 wird seine weitere Ausbildung mit
(EFIM) bei den Stockhausen-Konzerten und -Kursen in Kürten
                                                                     einem Deutschland Stipendium gefördert.
seine intuitive Komposition UNBEGRENZt (aus dem Zyklus AUS
DEN SIEBEN TAGEN, 1968). 2012 wurde in gleicher Besetzung zu
den 25. Tagen Neuer Musik in Weimar Michael Vetters Komposi-
tion „SOLA FIDE (2012) – Martin Luthers Beitrag zu einer neuen
Metaebene musikalischen Meditierens und Kommunizierens“ im
Rahmen der Reformationsdekade uraufgeführt.

In Weimar begann Michael Vetter mit der Niederschrift seiner
KONZEPTE SPIRITUELLER MUSIK (2012/2013), zu deren Wid-
mungsträgern Natascha Nikeprelevic und EFIM gehören. Die
Sammlung umfasst 16 Texte. In der Formation FU ACUNE mit
F. X. Randomiz arbeitet Natascha Nikeprelevic seit jüngster Zeit
an der Schwelle von Neuer Musik zum Pop.

Für den Kinofilm: „Ausgerechnet Sibirien“ (Joachim Krol, Katja
Riemann) komponierte Nikeprelevic den Titelsong „Verzaube-
rung“. Vor ihrem Studium war sie in mehreren Rollen als Schau-
spielerin bzw. Tänzerin engagiert. Sie debütierte am Orangerie
Theater Köln in der Doppelrolle Pausanias/Panthea in Hölderlins
„Tod des Empedokles“. Als Tänzerin (Luzikamel) wirkte sie in
der Stockhausen-Oper MITTWOCH aus LICHT mit. Das Werk
wurde 1998 mit dem SWR Rundfunkchor unter Leitung von
Rupert Huber auf der Biennale in München aufgeführt. Maß-
geblich für ihre künstlerische Entwicklung war zudem ihre ein-
jährige Hospitanz am Tanztheater Pina Bausch.

Natascha Nikeprelevic lehrt an Universitäten in Europa, Kanada
und Asien. Masterclasses und Lehraufträge führten sie u. a. an die   Mihail Cunetchi
Universität Ottawa, Universität der Künste Taipei, Conservatorio
Valencia, HMDK Stuttgart, Mozarteum Salzburg, Humboldt-
Universität Berlin, Musikhochschule Leipzig, Konservatorium
Luzern und Musikhochschule Palermo.
                                                                     EFIM: siehe Seite 4
www.natascha-nikeprelevic.de

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A n z eigen   Unsere Fö rderer

FUSI|:ON:|
                                                                                               Kulturstiftung
                                                                                               des Freistaats Thüringen
                                                                                                                                         weimar
                                                                                                                                        Kulturstadt Europas

  Kunsthalle Erfurt • Fischmarkt 7 • 19:00 Uhr

19.11.2021
ensemble via nova & Diana Syrse
                                    10.12.2021
                     ensemble via nova & MIET+

          WEIMARE
                   R
        FRÜHJAHRSTAGE

                  SISCHE
             FÜR
         ZEITGENÖS
                MUSIK                                                       33. Tage Neuer Musik in Weimar 23.–25.09.2021

19.09.21 Preisträger
           AkusmAtikkonzert                                                 Veranstalter / Klang Projekte Weimar e.V. /
                                                                            Paul-Schneider-Str.       26,     99423      Weimar      /
26.-29.05.22 FrühjAh                                                        Telefon 0162 / 4078024 / michaelvonhintzenstern@gmail.com
                     rs tA ge
                                                                            Ehrenpatrone / Karlheinz Stockhausen † / Henry Pousseur † /
                                                                            Francis Dhomont (Frankreich) / Christian Wolff (USA) ////////////////
                                                                            Künstlerischer Leiter / Michael von Hintzenstern (Weimar) ///
                                                                            Redaktion / Michael von Hintzenstern und Hans Tutschku /////
                                                                            Gestaltung / gudman.de

                                  www.via-nova-ev.de

                      30
.de
                                                                              gu dman

33. Tage Neuer Musik in Weimar – 23.–25.09.2021 ///////////////////////////

Kartenverkauf: Tourist Information Weimar, Markt 10, Tel. 03643 - 745 745
oder immer jeweils 30 Minuten vor Konzertbeginn /// Kartenpreise: 9 Euro
(VVK: 8 Euro), ermäßigt: 7 Euro (VVK 6 Euro) ///////// www.hintzenstern.eu
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