Magazin - Stiftung Kinderdorf Pestalozzi

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          04|2020
Magazin - Stiftung Kinderdorf Pestalozzi
| MOBILE REPORTER

In dieser                                                                                                  Einblick in einen Workshop
Ausgabe                   Liebe Leserin, lieber Leser                                                      unserer Mobile Reporter
                                                                                                           Manuel Walder

| MOBILE REPORTER         Die Digitalisierung hat einen Wandel                                             Beim Workshop der Mobile Reporter vom powerup_radio schlossen die
                          vom Konsumenten zum Produzenten                                                  Jugendlichen neue Freundschaften und lernten viel Wissenswertes. Um
Einblick in einen         angestossen, dessen Tragweite sich                                               den Tag abzurunden, haben sie gemeinsam eine Radiosendung vorberei-
                          viele nicht bewusst sind. Alles, was                                             tet und sogleich live ausgestrahlt.
Workshop unserer          man online teilt, hat eine Öffentlich­
Mobile Reporter          keit und eine Wirkung. Viele von uns
                          sind zu «Prosumenten» geworden,
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                          also Konsumenten und Produzenten.

                          Genau um die Schärfung dieser
| POWERUP-NACHWUCHS       Wahrnehmung geht es uns im neu­
                          en Projekt «Mobile Reporter»: Kinder
Drei junge                und Jugendliche erlangen durch das
RadiomacherInnen          aktive Gestalten eigener Radiobei­
                          träge das Bewusstsein, dass sie mit
im Porträt                ihren eigenen Themen in der Öffent­
Seite 6                   lichkeit stehen. Und sie erfahren,
                          dass es nicht darum geht, Meinun­
                          gen zu kopieren, sondern darum,          Lernen Sie in der aktuellen Ausgabe
| RADIOPROJEKT            selber zu recherchieren, Blickwinkel     des Magazins drei Teilnehmende der
                          zu öffnen und Horizonte zu erwei­        ersten Stunde kennen und erfahren
Der Radiobus ist          tern – für sich selber und als Mehr­     Sie, was sie antreibt und was die Ra­
                          wert für alle Zuhörenden. Einerseits     dioarbeit mit ihnen macht.
wieder auf Tour           auf der Wissensebene, andererseits
Seite 10                  auf politischer Ebene, bei der es da­
                          rum geht, die Sensibilisierung und       Herzlich, Ihr
                          die Meinungsfindung zu unterstüt­
| LICHTBLICK              zen. Kurz zusammengefasst steht
                          das Projekt «Mobile Reporter» für
Wertvolle Kooperation     gelebte Medienpädagogik und Glo­
                          bal Citizenship Education.               Florian Karrer
in Moldawien                                                       Leiter Radioprojekte
Seite 12                  Zusätzlich will das Projekt erreichen,
                          dass die Mitwirkenden durch ihr Tun
                          einen Beitrag zur Sensibilisierung ih­
| NEUER GESCHÄFTSLEITER   rer Gleichaltrigen leisten. Dank der
                          Digitalisierung sind die ReporterIn­
Wer ist eigentlich        nen nicht ortsgebunden und können
                          als Redaktion selbstständig Sende­
Martin Bachofner?         inhalte und eigene Radiogefässe von
Seite 13                  powerup_radio übernehmen.                                                        Die Mobile Reporter helfen einander bei den Audioschnittübungen.

                          Im November werden unsere mobilen
| TAG DES TESTAMENTS      ReporterInnen erstmals über die eid­                                             Es war wenig los im Kinderdorf im                ständig Beiträge erarbeiten und fürs    der Kids waren ganz neu zur Gruppe
                          genössische Jugendsession in Bern                                                Juni, da wegen der Corona-Pande­                 Radio aufbereiten.                      gestossen und sind seither mit Be­
Wirken über               berichten. Dadurch wird das Projekt                                              mie vieles stillstand. Aber der Work­                                                    geisterung dabei.
                          als Ganzes einen wichtigen Schritt                                               shop mit anschliessender Livesen­                Dafür braucht es Know-how, und
den Tod hinaus            machen, und Kinder und Jugend­                                                   dung der Mobile Reporter fand statt.             dieses Wissen haben die Radiopä­        Bevor es losgehen konnte, mussten
Seite 14                  liche werden von Gleichalterigen                                                 Mobile Reporter sind jugendliche                 dagogInnen acht Jugendlichen an         sich die Jugendlichen erst einmal
                          zur Jugendsession informiert.                                                    RadiomoderatorInnen, die selbst­                 einem intensiven Tag vermittelt. Vier   gegenseitig besser kennenlernen.

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| MOBILE REPORTER

Die Vorbereitungen auf das Interview mit Désirée sind im vollen Gange.

Bei einer Speeddating-ähnlichen                   wie spricht man da rein? Dies konn­              ­ udiospur korrekt schneidet, um stö­
                                                                                                   A                                       ein. Désirée und Barbara stellten       den Weg ins Radiostudio. Alle such­      Zum Abschluss reflektierte die Grup­
Runde kamen sie ins Gespräch und                  ten die Erfahreneren sofort zeigen.              rende Geräusche oder Versprecher        sich und ihr Interviewthema kurz        ten einen Platz mit Mikrofon aus, po­    pe die Sendung gemeinsam – um so
konnten so das Eis brechen. Im Se­                                                                 zu entfernen. Keine leichte Aufgabe,    vor, die Mobile Reporter teilten sich   sitionierten dieses wie am Vormittag     für weitere Radiosendungen zu ler­
minarraum des Kinderdorfes teilten                                                                 welche die RadioreporterInnen aber      in zwei Gruppen auf, begannen zu        besprochen und gingen in Gedan­          nen. Die Mobile Reporter äusserten
sich die Jugendlichen auf die vorbe­                                                               ohne Probleme meisterten. Hier und      recherchieren und arbeiteten ge­        ken noch einmal die Interviewfragen      sich selbstkritisch, waren aber im
                                                   «Ich bin sehr gerne
reiteten Arbeitsplätze auf. Im ersten                                                              da hörte man die Jugendlichen la­       meinsam Interviewfragen aus. Beim       durch. Und schon ging es los. Die        Ganzen sehr zufrieden. Ganz zum
Schritt hörten sie sich ältere Radio-              ein Mobile Reporter.                            chen, da vom Radioteam des power-       ersten Thema drehte sich alles rund     Lampe hinter der leitenden power­        Schluss besprachen sie die Themen
beiträge an und reflektierten die­                 Ich kann es auch allen                          up_radio mit Absicht lustige Geräu­     ums Fahrradfahren, beim anderen         up_radio-Moderatorin Samantha Ku­        für ihre kommenden Radiobeiträ­
se anschliessend gemeinsam. Wo                     weiterempfehlen, man                            sche in die Übung eingebaut worden      Interview um den Tanzstil Lindy Hop.    ster schaltete auf Rot – das Zeichen,    ge. Diese nehmen die Jugendlichen
waren Schwachstellen, was hätte                                                                    waren. Die Stimmung war heiter,         Da die Jugendlichen äusserst neu­       dass man live auf Sendung ist. Wie       selbstständig zu Hause auf. Das
                                                   sollte aber offen für
man noch verbessern können, und                                                                    und von Nervosität über die bevor­      gierig waren, mangelte es nicht an      Profis stellten sie der Interviewpart­   Know-how und die Ausrüstung ha­
was kann man für zukünftige Radio-                 Neues sein.»                                    stehende Livesendung war nichts zu      Interviewfragen für den bevorstehen­    nerin die vorbereiteten Fragen. Rund     ben sie ja nun.
                                                                 Neo, 11 Jahre – Mobile Reporter
beiträge mit auf den Weg nehmen?                                                                   spüren.                                 den Radiobeitrag.                       sieben Minuten waren die Mobile Re­
Alle ReporterInnen brachten sich                                                                                                                                                   porter live auf Sendung. «Ich war vor
aktiv in die Diskussion ein. Und man                                                               Nach dem gemeinsamen Mittages­          Viel Zeit für die Vorbereitung der      der Sendung doch ein wenig nervös,
klärte ganz konkrete Fragen: Wo                   In einem weiteren Schritt trainier­              sen trafen auch schon die angekün­      Livesendung blieb aber nicht. Schon     mit dem Resultat bin ich aber sehr
steht ein Mikrofon am besten, und                 ten die Jugendlichen, wie man eine               digten Gäste für die Livesendung        bald machte sich die erste Gruppe auf   zufrieden», berichtet Neo danach.

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| POWERUP-NACHWUCHS

Realisieren, dass man es kann                                                                                                           Raus aus dem Haus
Christian Possa                                                                                                                         Sereina Meienhofer

Wer kann mit zwölf schon von sich behaupten, eine eigene Radiosendung                                                                   Ist sie die nächste Mona Vetsch? Schon bald ein Jahr ist Jana als
mitzugestalten? Tobias kann. Er ist einer von neun Teilnehmenden im Projekt                                                             Radioreporterin unterwegs und berichtet über verschiedene Themen.
«Mobile Reporter».                                                                                                                      Ihr Juli-Beitrag war besonders abenteuerlustig.

                                                                                            Aktuell erarbeitet Tobias einen zehn­       Sei es über Volleyball, über digita­
                                                                                            minütigen Beitrag für die nächste Sen­      le Bücher oder über Kinderrechte,
                                                                                            dung. Es geht um Computerspiele, ge­        Jana spricht gerne. Am liebsten im
                                                                                            nauer gesagt um die Frage, wie diese        Radio. Im Juli redete die Reporterin
                                                                                            programmiert werden. Keine leichte          über ein ganz besonderes Erlebnis:
                                                                                            Aufgabe. Aber Tobias mag Herausfor­         ihre Sommerferien. Die aktive und
                                                                                            derungen, und er hat an Workshops           naturverbundene Familie verbrachte
                                                                                            im Kinderdorf gelernt, wie er kompli­       den Sommer im Freien. «Wir haben
                                                                                            zierte Sachverhalte vereinfachen kann       abgemacht, dass wir nicht ins Haus
                                                                                            und worauf es bei Interviews zu achten      gehen», erzählt Jana. Der Garten ist
                                                                                            gilt. Dieses Mal soll es aber ein reines    gross. Vom Pool über das Tipi bis
                                                                                            Erklärstück werden. Tobias begrün­          zu einem ausgebauten Zirkuswa­
                                                                                            det dies ganz offen. Es sei schwierig       gen: Die Familie ist ausgerüstet, um
                                                                                            gewesen, in seinem Umfeld eine aus­         die Wochen unter freiem Himmel zu
                                                                                            gewiesene Fachperson zu diesem              verbringen. Esel, Ziegen, Hasen und
                                                                                            Thema zu finden. «Und Firmen anzu­          Hühner freuen sich auf Gesellschaft.
                                                                                            fragen, habe ich mich nicht getraut.»       Auch kulinarisch fehlt es an nichts.
                                                                                            Diese Aussage darf nicht darüber hin­       Mit Feuerstellen, einem Campingherd      Spontan, flexibel, wissensdurstig: Jana in einem Interview als mobile Reporterin.
                                                                                            wegtäuschen, dass der Zwölfjährige in       und einem Pizzaofen lassen sich
                                                                                            seinen knapp neun Monaten als mo­           schmackhafte Menüs zaubern. Den
                                                                                            biler Reporter schon manche Heraus­         Teig für das selbst gebackene Brot       Schule konnten wir uns lange vor­
                                                                                            forderung angenommen hat. Dass er           bereits geknetet, den Schlafsack im      bereiten, als Mobile Reporter hatten                «Die Wertschätzung
                                                                                            sich beispielsweise getraut hat, in einer   Tipi ausgerollt, meint Jana mit einem    wir nach fünf Minuten unsere erste                  gibt enormes
Als mobiler Reporter hat Tobias gelernt, mit wildfremden Menschen Interviews zu führen.     englischsprachigen Livesendung im           Schmunzeln: «Diesen Radiobeitrag         Livesendung.» Den Sprung ins kalte
                                                                                            Kinderdorf ein Interview zu führen, ver­    muss ich wohl im Zelt schneiden.»        Wasser meisterte Jana bestens. «Ich                 Selbstvertrauen.»
                                                                                            setzt die Radiopädagogin Mariel Diez                                                 habe schnell gemerkt, dass es sich
Tobias hat ein breites Spektrum an                Und wie ist der Junge aus dem Hinter-     immer noch in Begeisterung. «Es sind                                                 besser anhört, wenn ich frei spre­
Hobbys. Er mag Karate, Kitesurfen,                thurgau zum Radio gekommen? Über          starke Momente, wenn unsere mobilen         «Wenn ich das                            che.» Ihre Sendungen bereitet Jana                 braucht es manchmal Mumm. Wer
Wassersport im Allgemeinen, er liest              die Technik. Seine Mutter schickte ihn    ReporterInnen Neues ausprobieren,           Aufnahmegerät ein-                       deshalb stichwortartig vor. Akribisch              hat schon mit zwölf Jahren ein Inter­
oft, zockt wie viele in seinem Alter              und seinen Bruder an die Digiweek ins     anstatt zu sagen: ‹Lieber nicht.›»                                                   wiederholt sie ihre Aufnahmen wie­                 view mit einem Mitarbeitenden der
gerne Computerspiele, ist fasziniert              Kinderdorf. Dort kam er mit power-
                                                                                                                                        schalte, konzentriere                    der und wieder, bis sie zufrieden ist.             Kindes- und Erwachsenenschutzbe­
von ferngesteuerten Dingen und lässt              up_radio in Berührung, und der Funke      Susan Hamilton steht voll und ganz          ich mich nur noch                        «Es nervt mich, wenn ich in meinem                 hörde durchgeführt? Nervös sei sie
darum regelmässig seine Drohne in                 sprang über. Es ist aber nicht nur der    hinter dem Projekt und unterstützt          auf das Interview.»                      Beitrag ein Wort habe, das ich ein­                manchmal schon. Das lege sich aber
die Lüfte steigen. Apropos Höhe –                 technische Aspekt, den Tobias mag.        ihren Sohn nach Kräften. «Seit dem                                                   fach nicht richtig rüberbringen kann»,             schnell. «Wenn ich das Aufnahmege­
hoch hinaus will der Zwölfjährige auch            Die Musik ist für ihn fast noch wichti­   Start im November ist Tobias schon                                                   sagt sie selbstkritisch.                           rät einschalte, konzentriere ich mich
beruflich. «Nach dem Gymnasium will               ger. «Wenn man einen Beitrag realisiert   spürbar selbstständiger geworden.»                                                                                                      nur auf das Interview», sagt Jana
                                                                                                                                        Ein Herz fürs Radio
ich einen Master machen. Was da­                  und passende Musik dazu sucht, kann       Zu Beginn habe sie ihn noch bei der                                                  Die eigene Lernkurve zeichnen                      selbstbewusst. Als mobile Reporte­
                                                                                                                                        Letztes Jahr fand in Janas Schule
nach kommt, schauen wir noch, viel­               man viel Neues entdecken.» Und dann       Struktur unterstützt. Aber eigentlich                                                Jana hat vom Radioteam viel pro­                   rin investiert die frische Oberstufen­
                                                                                                                                        eine Radioprojektwoche statt, die
leicht Schauspieler, Herzchirurg oder             ist da noch eine dritte Komponente,       habe er von Anfang an alleine arbei­                                                 fitiert: «Wir haben gelernt, wie man               schülerin viel Zeit. Doch das stört
                                                                                                                                        ihre Leidenschaft für das Radio ent­
Geschäftsmann mit eigener Firma.»                 die ihn am Radiomachen fasziniert: die    ten wollen – mit allen Konsequenzen.                                                 Leute für ein Interview anfragt und                Jana nicht, ganz im Gegenteil: «Das
                                                                                                                                        fachte. Als kurz darauf die Einladung
Sicher ist sich Tobias, dass ihm das              Möglichkeit, anderen in einem Beitrag     «Zum Glück hat er sich gewehrt und                                                   sie davon überzeugt, mitzumachen.»                 Radio gehört zu meiner Freizeit.»
                                                                                                                                        zur mobilen Reporterin ins Haus flat­
Radiomachen auf seinem Weg zugu­                  eigene Interessen näherzubringen und      sich durchgesetzt», findet sie rückbli­                                              Die Eltern unterstützen ihr Vorhaben.
                                                                                                                                        terte, war für Jana klar, dass sie da­
tekommt. «Als Radiomacher habe ich                Zusammenhänge zu erklären. «Ich will,     ckend. «Ich denke, dies ist ein wert­                                                «Die Wertschätzung, die Jana erhält,
                                                                                                                                        bei sein wollte. Anfangs fühlte sich
gelernt, mich so auszudrücken, dass               dass diejenigen, die zuhören, auch        voller Lernerfolg, er merkt, er kann die                                             gibt ihr enormes Selbstvertrauen»,
                                                                                                                                        die Zwölfjährige überrumpelt. «In der
mir die Leute zuhören.»                           verstehen, wie etwas funktioniert.»       Aufgaben alleine bewältigen.»                                                        meint ihre Mutter stolz. Dennoch

6                                                                                                                                                                                                                                                                       7
Magazin - Stiftung Kinderdorf Pestalozzi
| POWERUP-NACHWUCHS

Radiomachen verbindet                                                                                                                             Nachwuchs rockt powerup_radio
Christian Possa                                                                                                                                   Christian Possa

Er programmiert, produziert Musik und baut Roboter. Mobile Reporter                                                                               Sie sind jung, sie lieben Radio und sie investieren ihre Freizeit dafür:
Meo hat definitiv ein Faible für Technik. Dies kommt ihm beim Schnitt                                                                             die mobilen ReporterInnen. Die Radiopädagoginnen Mariel Diez und
seiner Beiträge zugute – und seinen KollegInnen im Projekt, wenn sie im                                                                           Samantha Kuster über ein neues Projekt, das zu einem grossen Teil
Schnittprogramm anstehen.                                                                                                                         von der Begeisterung der Teilnehmenden lebt.

«Er hat schon als Zweijähriger lieber Ra­                                                                                                         Was steckt hinter dem Projekt              Siehst du das ähnlich, Samantha?                   Meeting habe. Ich glaube, dass sich
dios auseinandergeschraubt, anstatt mit                                                                                                           «Mobile Reporter»?                         Total. Zu sehen, wie sich Kinder ent­              die Kids von uns geschätzt fühlen und
Lego zu spielen», erzählt Mutter Kathrin.                                                                                                         Mariel Diez: Wir hatten nach Projekten     wickeln und wie sie aufblühen, das er­             dass sie es mögen, dass sie im Lead
Wo seine Begeisterung herkommt, weiss                                                                                                             immer wieder Kinder und Jugendli­          lebt man auch in einer Projektwoche.               sind und dass sie wichtig sind.
sie nicht. «Von mir hat er es nicht», ergänzt                                                                                                     che, die vom Radiomachen begeistert        Es ist dann aber meist nur ein kurzes              Mariel Diez: Es ist schön, zu beobach­
sie und lacht. Meos Zimmer gibt schon                                                                                                             waren und unbedingt weitermachen           Auf­flackern, und man denkt: «Wow!»                ten, dass sie den Mut haben, Neues
einiges über seine Hobbys preis. Auf dem                                                                                                          wollten. Bisher fehlten uns aber die       Und dann ist es schon wieder vorbei.               auszuprobieren. Die Corona-Sendung
Pult thront ein grosser Bildschirm, das Hin­                                                                                                      Ressourcen, um den Gedanken wei­           In diesem Projekt können wir die Teil­             #powerupverbindet wurde jeweils am
tergrundbild zeigt eine aufwendige Foto­                                                                                                          terzuverfolgen. Dies änderte sich mit      nehmenden noch gezielter fördern.                  Donnerstag auf Englisch geführt, um
montage aus dem Spiel «Minecraft». Um                                                                                                             dem Zugang von Samantha bei power-                                                            auch alle Zuhörenden aus den Aus­
den Screen sind Maus, Tastatur, Misch-                                                                                                            up_radio.                                  Was für Entwicklungen beobachtet                   tauschprogrammen zu involvieren.
pult, Einspielkeyboard, Mikrofon und                                                                                                                                                         ihr bei den mobilen Reportern?                     Tobias hat sich darauf eingelassen
                                                                                                                                                                                                                                                ­
Kopfhörer aufgereiht. Den übrigen Raum                                                                                                            Wie ist das Projekt angelaufen?            Samantha Kuster: Dass sie sehr stolz               und ohne viel Vorbereitungszeit Inter­
bis zum Fenster nimmt mehrheitlich ein                                                                                                            Samantha Kuster: Wir sind vergan­          darauf sind, was sie schaffen. Und                 views mit Jugendlichen aus Serbien
Schlagzeug für sich ein, vor dem Schrank                                                                                                          genen November mit sechs Kindern           dies zu Recht. Im Lockdown hatte ich               und Nordmazedonien geführt. Das
steht ein hüftgrosser Roboter.                                                                                                                    gestartet. Inzwischen sind vier weite­     einmal ein virtuelles Treffen auf Zoom             sind sehr starke Momente, wenn wir
                                                                                                                                                  re Teilnehmende dazugekommen, die          einberufen. Eine Mutter erzählte mir               ihnen neue Herausforderungen geben
Meo selber bezeichnet sich als ziemlich                                                                                                           unseren Radiobus am Kinderrechtstag        später, dass ihr Sohn durchs ganze                 und sie statt «Nein, lieber nicht» sagen:
technikbegeisterten Gesellen. So ver­                                                                                                             auf dem Bundesplatz gesehen hatten.        Haus gelaufen sei und stolz verkün­                «Doch, ich probiere das.»
wundert es kaum, dass ihn die Digiweek          Meo, mobiler Reporter: «Ich will, dass meine Beiträge spannend sind und die Leute                 Mariel Diez: Wichtig ist auch zu beto­     det habe, dass er jetzt dann gleich ein
erstmals ins Kinderdorf Pestalozzi lock­        nicht grad wieder abschalten.»                                                                    nen, dass sie das in ihrer Freizeit ma­
te. Seine Interessen reichen aber weiter.                                                                                                         chen. Wir dachten anfangs, dass die
Gerne hätte er auch die Kinderkonferenz                                                                                                           Euphorie mit der Zeit nachlassen und
besucht. Leider zählte er nicht zu den          nach kurzem Zögern: «Vielleicht, dass               aufzeigen, warum es sich lohnt oder           es Wechsel geben würde. Die Kinder
drei Auserwählten seiner Klasse. «Das           ich jetzt mehr Wert auf die Recherche               eben nicht, das Land am Mittelmeer zu         sind aber immer noch sehr motiviert.
Kinderdorf hält echt, was der Name ver­         lege.» Seinem Umfeld scheint es offen­              besuchen. Ihm ist es wichtig, seinen Pro­     Lediglich ein Schüler, der noch sehr
spricht», schwärmt er. Ein Dorf, wo es          sichtlicher, wie Meo als mobiler Reporter           duktionen stets eine persönliche Note zu      jung und zu Beginn schon unsicher
mehr Kinder als Erwachsene gebe. Und            aufblüht. «Ich finde, dass er offener und           geben. «Und ich möchte, dass es span­         war, hat aufgehört.
in seinen Augen gehört es sich auch,            gesprächiger geworden ist und mehr Mut              nend ist und die Leute nicht gleich wie­
dass Kinder einen Ort haben, wo sie             hat, etwas auszuprobieren», sagt Klas­              der abschalten.» Entsprechend viel Zeit       Was unterscheidet das Projekt
Verantwortung lernen und gleichzeitig           senlehrerin Marina Ehrmann. Sie hat auf­            verbringt er mit dem Schnitt, entfernt        «Mobile Reporter» von anderen
vieles selber entscheiden können.               grund dessen, wie positiv der 13-Jährige            unnötige Räusperer oder kreiert eige­         Radioprojekten?
                                                aufs Radiomachen reagierte, gleich für              ne Hintergrundgeräusche. Spricht er           Mariel Diez: In klassischen Projekten
Für das Projekt Mobile Reporter hat sich        die gesamte Klasse eine Projektwoche                über das Schnittprogramm, klingt alles        ist es manchmal schwierig, eine rich­
der 13-Jährige gemeldet, weil es eine           im Kinderdorf gebucht. Für Mutter Ka­               so einfach und logisch. Das technische        tige Beziehung zu den Kindern aufzu­
echte Möglichkeit biete, in die Rolle e
                                      ­ ines    thrin lässt sich das Projekt nicht nur aufs         Wissen scheint ihm zuzufliegen. Dies          bauen. Man hat mit einer ganzen Klas­
Reporters zu schlüpfen. «Und man kann           Radiomachen reduzieren. Sie sehe, dass              geht nicht allen mobilen ReporterInnen        se oder einem ganzen Schulhaus zu
gleichzeitig sein eigenes Portfolio auf­        Meo hier schulunabhängig Menschen                   so. Darum ist Meo an den dreimonatli­         tun und wenig Zeit. An dem Punkt, an
bauen.» Meo steht mit dem Wechsel in            kennenlerne, die ihm einfach guttun. «Es            chen Treffen ein gefragter Gesprächs­         dem man sie wirklich kennenzulernen
die zweite Sekundarstufe mitten in der          ist die gemeinsame Zeit, in der er ernst            partner für technische Belange. «Es gibt      beginnt und ihre Potenziale erkennt, ist
Berufswahl. Ob er Programmierer oder            genommen wird, die ihm Spass macht.»                mir schon ein gutes Gefühl, wenn ich          es schon wieder vorbei. Zu den mo­
Musikproduzent werden will, lässt er sich                                                           weiss, dass ich gebraucht werde», ge­         bilen ReporterInnen können wir über
noch offen. Auf die Frage, was ihm das          In seinem nächsten Beitrag will Meo den             steht er, bevor er wieder in die Tiefen des   einen längeren Zeitraum eine Bezie­
                                                                                                                                                  ­                                          Ein eingespieltes Team: die Pädagoginnen und «Mobile Reporter»-Projektverantwortlichen
Projekt persönlich bringe, antwortet er         Zuhörenden Italien näherbringen und                 Produktionsprogrammes eintaucht.              hung aufbauen.                             Samantha Kuster und Mariel Diez.

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Magazin - Stiftung Kinderdorf Pestalozzi
| RADIOPROJEKT

Der Radiobus ist wieder auf Tour
Sabrina Schönenberger

Nach einer viermonatigen Zwangspause ist der Radiobus der Stiftung
Kinderdorf Pestalozzi wieder an verschiedenen Schulen unterwegs.
Die sechste Klasse der Primarschule Altendorf SZ durfte als erste wieder
an einem Radioprojekt teilnehmen.

                                                                                                                                                                                          mittel. Die Klassenzimmer werden nun             geistert davon, welche Talente in den
                                                                                                                                             «In dieser Woche habe                        nicht mehr einmal pro Woche geputzt,             Schülerinnen und Schülern schlum­
                                                                                                                                             ich gelernt, wie ich                         sondern jeden Abend gründlich des­               mern. Zuvor eher unscheinbare Kinder
                                                                                                                                                                                          infiziert. «Es wird besonders darauf ge­         blühen richtig auf, sobald sie hinter
                                                                                                                                             sicherer vor Menschen                        achtet, dass die Kinder auch bei klei­           dem Mikrofon sitzen und Aufmerksam­
                                                                                                                                             reden kann und wie                           neren Anzeichen einer Erkrankung zu              keit erhalten. «Die Schülerinnen und
                                                                                                                                             das Radiomachen                              Hause bleiben. Damit können allfällige           Schüler konnten sich voll und ganz auf
                                                                                                                                             funktioniert.»                               Weiteransteckungen weitgehend ein­               das Radiomachen konzentrieren und
                                                                                                                                                                        Maki, Schülerin   gedämmt werden», erklärt Christoph               haben die Woche trotz fehlenden Pu­
                                                                                                                                                                                          Stäuble, Lehrer in Altendorf.                    blikums auf dem Schulhof sehr genos­
                                                                                                                                                                                                                                           sen», so Samantha Kuster.
                                                                                                                                                                                          Versteckte Talente
                                                                                                                                             Veränderungen in Corona-Zeiten               Die drei Nachwuchstalente Luke, Noah
                                                                                                                                             Natürlich geht die Corona-Pandemie           und Julian beschäftigen sich mit dem
                                                                                                                                             auch an den Radioprojekten nicht spur­       Thema «Umwelt- und Tierschutz». Sie               «Die Radiowoche
                                                                                                                                             los vorbei. So wird Hygiene bei den          sitzen im Radiobus, als hätten sie be­            war sehr intensiv,
                                                                                                                                             Projekten gross geschrieben. Obwohl          reits jede Menge Erfahrung. Locker                aber auch sehr
                                                                                                                                             mehr Mikrofone im Bus zur Verfügung          sprechen sie ihren Beitrag deutlich
                                                                                                                                                                                                                                            eindrücklich, denn
                                                                                                                                             stehen, werden nur vier davon genutzt,       ins Mikrofon. «Es ist megacool, selbst
                                                                                                                                             sodass der vorgegebene Sicherheits­          ­einen Beitrag zu erstellen und ihn dann          einige Beiträge haben
                                                                                                                                             abstand zwischen Radioteam und                live zu präsentieren», schwärmt Luke.            mich echt überrascht.»
                                                                                                                                             Schulkindern gewährleistet ist. In der        Die Lehrkräfte der Primarschule Al­                                   Christoph Stäuble, Lehrer
                                                                                                                                             Mitte des Radiomobils hängt neu eine          tendorf und das Radioteam sind be­
                                                                                                                                             Plexiglasscheibe: So wird jedes Risiko
                                                                                                                                             während der Aufzeichnung verhindert,
                                                                                                                                             und die Kinder und die Mitarbeiten­
                                                                                                                                             den werden vor einer Ansteckung ge­
                                                                                                                                             schützt. In jeder Mittagspause und an
                                                                                                                                             jedem Abend wird der Radiobus gründ­
Die Mädchen schütteln die Nervosität vor der bevorstehenden Livesendung ab.                                                                  lich desinfiziert. Die Gäste, welche die
                                                                                                                                             Schülerinnen und Schüler in ihre Sen­
                                                                                                                                             dung eingeladen haben, müssen tele­
Der Radiobus steht auf dem sonnigen               vin nimmt gespannt seinen Platz hinter       «Es ist wirklich cool, selbstständig zu ar­   fonisch zugeschaltet werden. Und auf
Pausenplatz der Primarschule Alten­               einem der Mikrofone ein und setzt sich       beiten», meint Levin. Die Stimmung ist        den persönlichen Besuch der Eltern
dorf. Immer wieder machen sich Kinder             die Kopfhörer auf. Das Licht aussen am       ausgelassen. Alle freuen sich, nach der       musste leider verzichtet werden.
vor dem Bus für ihre Sendung bereit.              Radiobus leuchtet rot, und die Sendung       Corona-Pause endlich wieder Zeit mit­
Aufgeregt wiederholen Levin und seine             beginnt.                                     einander verbringen zu können. Am Ta­         «Die Natürlichkeit der Kinder half mir,
drei Freunde ihren Text, den sie zusam­                                                        tendrang der Schüler merkt man sofort,        sehr schnell wieder locker zu agieren,
men für ihren Beitrag vorbereitet ha­             Die Schülerinnen und Schüler in Alten­       wie wichtig ihnen ihr Beitrag ist und wie     so hat nicht mal die Plexiglasscheibe
ben. Eine Gruppe Mädchen stellt sich              dorf sind begeistert, dass sie einmal live   viel Zeit sie mit dem Schreiben verbracht     gestört», berichtet Samanta Kuster,
im Kreis auf und versucht, ihre Nervo­            im Radio über ihre Hobbys, ihre privaten     haben. Immer wieder bringen sie neue          Pädagogin Radioprojekte.
sität mit schnellen Bewegungen abzu­              Erlebnisse oder den Schulalltag berich­      Ideen für ihren Beitrag ein und fragen
schütteln. Andere Kinder bleiben lieber           ten dürfen. So auch Levin. Er interviewt     nach Verbesserungsvorschlägen, um             Auch in der Primarschule gibt es einige
auf der Seite und üben noch einmal                seine Freunde über deren Herkunft, da        ihren Beitrag noch interessanter und an­      Veränderungen. So stehen an jedem
für sich alleine. Die Türe geht auf, Le­          alle aus einem anderen Land stammen.         sprechender gestalten zu können.              Eingang Spender mit Desinfektions­           Luke und Noah beschäftigen sich mit dem Umwelt- und Tierschutz und tauschen ihre Meinungen aus.

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Magazin - Stiftung Kinderdorf Pestalozzi
| LICHTBLICK                                                                                                                            | NEUER GESCHÄFTSLEITER

                                                                                                                                        Wer ist eigentlich
Wichtige Wertschätzung                                                                                                                  Martin Bachofner?
Christian Possa

Der Bildungsminister von Moldawien hat sich in einem Brief persönlich für das                                                           Der neue Vorsitzende der Geschäftsleitung lässt sich nicht in Schubladen
Engagement der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi während der Corona-Pandemie                                                               pressen. Vielseitig und unternehmerisch denkend, vereint er scheinbare
bedankt. Diese wertschätzende Geste unterstreicht die gute Bezieh­ung zu                                                                Gegensätze seiner Persönlichkeit mit Leichtigkeit: präsent, klar und zu-
der wichtigsten Bildungsbehörde des Landes und zeigt, dass unsere Hilfe am                                                              gänglich ebenso wie visionär, analytisch und kreativ. Diese Vielseitigkeit
richtigen Ort ankommt.                                                                                                                  spiegelt sich in seinem unkonventionellen Werdegang und prädestiniert
                                                                                                                                        ihn für seine neuen Aufgaben bei der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi.

                                                                                                                                        Die Basis für seinen beruflichen Wer­    schiedliche Vorstellungen von einer
                                                                                                                                        degang legte Martin Bachofner mit        Unternehmensstrategie gebe, kom­
                                                                                                                                        dem Jusstudium an der Universität        me in der Arbeitswelt immer wieder
                                                                                                                                        St. Gallen (HSG) und dem darauf­         vor. «Als Geschäftsführer ist man da
                                                                                                                                        folgenden Master in Wirtschafts­         exponiert und in der Regel am kürze­
                                                                                                                                        wissenschaften mit Schwerpunkt           ren Hebel.»
                                                                                                                                        Entrepreneurship an der Universität
                                                                                                                                        in Liechtenstein. «Für das Studium       Martin Bachofner hatte in seinem
                                                                                                                                        an der HSG habe ich neun Jahre ge­       Leben immer wieder verschiedene
                                                                                                                                        braucht», erzählt er lachend. Aber er    Optionen. Dazu gehörten auch An­
                                                                                                                                        habe zwischendrin auch einiges ge­       gebote für eine UNO-Mission oder
                                                                                                                                        macht: Militär, Auslandreisen und ver­   einen Einsatz für die Kosovo-Truppe
                                                                                                                                        schiedene Jobs als Werkstudent. Der      (KFOR), die er damals ausschlug.
                                                                                                                                        gebürtige Berner steigt als Unterneh­    Das Interesse an der Non-Profit-Welt
                                                                                                                                        mensberater und als Dozent in der Er­    begleitet ihn schon lange.
                                                                                                                                        wachsenenbildung in die Berufswelt
                                                                                                                                        ein. Danach führt ihn sein Weg zum       Denker und Macher
                                                                                                                                        Verlagshaus Marquard Media nach          Im Führungsbereich sieht Martin
                                                                                                                                                                                                                          Martin Bachofner, neuer Vorsitzender der
                                                                                                                                        München. Später arbeitet er als lin­     Bachofner Parallelen zwischen e ­ iner
                                                                                                                                                                                                                          Geschäftsleitung der Stiftung Kinderdorf
                                                                                                                                        ke und rechte Hand des Eigentümers       Tourismusorganisation und einer
                                                                                                                                                                                                                          Pestalozzi
                                                                                                                                        eines Finanzdienstleisters im Län­-      Non-Profit-Organisation: «Es ist ein
Die Betreuerin hilft einem Jungen aus dem Kinderheim bei seinen Hausaufgaben.                                                           dle – 270 Mitarbeitende, klassische      People-Business.» Natürlich sei er
                                                                                                                                        und philanthropische Vermögensver­       sich dessen bewusst, dass er weder       bin ich überlegt und rational, auf der
                                                                                                                                        waltung.                                 über Erfahrung in der Entwicklungs­      anderen Seite gibt es den emotio­
In aktuell vier Projekten macht sich die          Corona-Pandemie noch in den Kinder­         besonders prekären Situationen be­                                                 zusammenarbeit noch über einen           nalen und leidenschaftlichen Mar­
Stiftung Kinderdorf Pestalozzi in Molda­          schuhen. Die marode Infrastruktur und       liefert werden. Neben dieser materi­      «Mit der Zeit wuchs der Wunsch in        pädagogischen Hintergrund verfüge.       tin. Ich bin Realist und Pragmatiker
wien gemeinsam mit lokalen Partner­               fehlende Internetzugänge erschwerten        ellen Unterstützung wurde viel darin      mir, mehr Greifbares zu schaffen,        «Aber ich habe ja sehr gute Arbeits­     und gleichzeitig ein Träumer voller
organisationen für die Schwächsten der            den Zugang zur Bildung zusätzlich.          investiert, Kindern und Lehrpersonen      mehr mit Menschen zu tun zu haben        kolleginnen und -kollegen auf jeder      Ideen.» Und er mischt sich ein. Sei
Gesellschaft stark: die Kinder. Egal ob           «Am meisten benachteiligt sind Kinder       unter die Arme zu greifen. So gab es      und konkret auch mehr Führungs­          Stufe, die das viel besser wissen als    dies, wenn er sieht, wie Jugendliche
wir Heimkindern einen unbeschwerten               in prekären Situationen, die keinen Zu­     beispielsweise Online-Schulungen für      funktionen zu übernehmen.» Also          ich.» Und genau das sei sein Ver­        eine ältere Frau anpöbeln, wenn im
Einstieg ins Schulleben ermöglichen,              gang zu Computern und modernen Te­          Lehrkräfte, Online-Nachhilfe für Kinder   kehrt Martin Bachofner dem Finanz­       ständnis von Führung: «Dass man es       Bus Mitfahrende mit kaputten Fla­
Lehrpersonen mit interkultureller Bil­            lefonen haben und dadurch noch mehr         mit erschwerten Lebensbedingungen         sektor den Rücken. Sieben Jahre          schafft, das vorhandene Know-how         schen bedroht werden oder jemand
dung unterstützen, Sozialwaisen inte-             hinter ihren Altersgenossen zurückblei­     oder Online-Aktivitäten ausserhalb des    leitet er die Geschicke von Gstaad-­     und die Talente zum Erfolg des Gan­      die Rettungsgasse auf der Autobahn
grieren oder die Inklusion von Ro­                ben als im regulären Unterricht», bringt    Lehrplanes. In Moldawien erhielten Kin­   Saanenland Tourismus, danach führt       zen zu bringen.»                         nicht frei gibt. In solchen Situationen
ma-Kindern fördern – das Bildungsmi­              es die Länderverantwortliche Natalia        der in den Kinderheimen webbasiert        er die Tourismusorganisation Bern                                                 greift er ein – überlegt und kontrol­
nisterium ist einer unserer wichtigsten           Balta auf den Punkt.                        psychopädagogische Unterstützung.         Welcome. Trotz seines abrupten           Von seiner Persönlichkeit her sieht      liert. «Das darf man nicht zulassen
Kooperationspartner. Gerade in der ak­                                                        Zudem konnten in Zusammenarbeit           Abgangs hat er die Zeit dort in gu­      sich Martin Bachofner bestens für        und einfach aus Angst oder Bequem­
tuell sehr herausfordernden Zeit hat sich         Aus diesem Grund antwortete die             mit dem nationalen psychopädagogi­        ter Erinnerung. «Ich hatte ein tolles    seinen neuen Job gerüstet. Er sei        lichkeit wegschauen, da muss man
die enge Zusammenarbeit bewährt.                  Stiftung mit konkreter IT-Ausrüstung        schen Dienst 300 PsychologInnen be­       Team, das unter meiner Führung et­       sehr analytisch, aber weise gleichzei­   eingreifen und die eigene Komfort­
                                                  auf die Herausforderungen der Krise.        fähigt werden, während und auch nach      was verändern und bewegen wollte.»       tig eine hohe Ausprägung bei Sozial­     zone verlassen.»
In Moldawien steckte der Heimunter­               20 Schulen in Moldawien konnten mit         der Pandemie psychopädagogische           Dass es zwischen dem Verwaltungs­        kompetenzen, Leadership und in der
richt zum Zeitpunkt des Ausbruchs der             PCs und Tablets für etwa 50 Kinder in      ­Online-Hilfe zu leisten.                  rat und dem Geschäftsführer unter­       Kreativität aus. «Auf der einen Seite

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Magazin - Stiftung Kinderdorf Pestalozzi
| TAG DES TESTAMENTS

Wirken über den Tod hinaus
Veronica Gmünder
                                                                                                                                                         | AGENDA                                                                                              Führungen

Vielen Menschen ist es wichtig, dass ihr Vermögen nach ihrem Tod
                                                                                                                                                         Veranstaltungen                                                                                       Das Besucherzentrum öffnet auf Anfrage
                                                                                                                                                                                                                                                               für kleine Gruppen.
sinnstiftend wirkt. So haben 8 Prozent der Schweizer Bevölkerung im                                                                                      im Besucherzentrum
vergangenen Jahr eine Non-Profit-Organisation begünstigt. Um diesen                                                                                                                                                                                            Öffnungszeiten
Menschen zu danken, wird am 13. September der Internationale Tag des                                                                                                                                                                                           Montag bis Freitag    8.00 bis 12.00 Uhr
Testaments begangen.                                                                                                                                                                                                                                                                13.00 bis 17.00 Uhr
                                                                                                                                                              Sonderausstellung:
                                                                                                                                                                                                                                                               Eintrittspreise
                                                                                                                                                                «Das Geranium,                                                                                 Erwachsene CHF 8.–
                                                                                                                                                            Meisterin der Migration                                                                            Gruppen ab 10 Erwachsenen CHF 6.–
                                                                                                                                                                                                                                                               AHV/Studierende/Lernende CHF 6.–
                                                                                                                                                               und Integration»                                                                                Kinder ab 8 Jahren CHF 3.–
                                                                                                                                                                                                                                                               Familien CHF 20.–
                                                                                                                                                                        10. August 2020 bis
                                                                                                                                                                         28. Februar 2021                                                                      Kostenlos für Mitglieder des
                                                                                                                                                                                                                                                               Freundeskreises, für Patinnen
                                                                                                                                                                 Die Ausstellung zeigt auf, wie das                                                            und Paten der Stiftung Kinderdorf
                                                                                                                                                              Geranium, ursprünglich aus Südafrika,
                                                                                                                                                                                                                                                               Pestalozzi, für Reka-, ICOM/VMS und
                                                                                                                                                                in die Schweiz migriert ist und hier
                                                                                                                                                                                                                                                               Raiffeisen-Mitglieder sowie NutzerInnen
                                                                                                                                                                so integriert wurde, dass es heute
                                                                                                                                                                 als Inbegriff der Schweizer Blume                                                             der KulturLegi, des Schweizer
                                                                                                                                                              gilt. Sie vermittelt einen Überblick zur                                                         Museumspasses, von proArte und
                                                                                                                                                            Kulturgeschichte der Pflanze und zu ihrer                                                          Schulklassen im Kanton Appenzell
                                                                                                                                                            Verwendung. Tauchen Sie in die Welt des                                                            Innerrhoden und Ausserrhoden.
                                                                                                                                                             Geraniums ein und lassen Sie sich von
                                                                                                                                                             dieser interessanten Pflanze inspirieren.                                                         Kontakt
                                                                                                                                                               Weitere Infos und Anmeldung unter                                                               www.pestalozzi.ch/besucherzentrum
                                                                                                                                                                    www.pestalozzi.ch/geranium
                                                                                                                                                                                                                                                               Tel. +41 71 343 73 12
                                                                                                                                                                                                                                                               besucherzentrum@pestalozzi.ch

                                                                                                                                                                                                                                                               Veranstaltungen im
                                                                                                                                                                                                                                                               Kinderdorf Pestalozzi
Die Eiche erinnert an alle Menschen, welche die Arbeit der Stiftung mit einer Spende im Testament bedacht haben.                                                                           Ja, ich bestelle unverbindlich ein kostenloses
                                                                                                                                                                                         Exemplar des Nachlassratgebers.
Wo stünden wir heute, wenn sich nicht               nisationen kann nur dank der Unter­                 gene Lebensende hinaus unterstützen.                                                                                                                       Kinderkonferenz,
                                                                                                                                                                                         Viele Menschen bedenken die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi in ihrem
immer wieder Menschen selbstlos für                 stützungen von Menschen geleistet                   Wir sind diesen wohlwollenden Men­
                                                                                                                                                                                         letzten Willen. Dafür sind wir ausserordentlich dankbar.
andere Menschen einsetzen, Armut,                   werden, die mit ihren Spenden die Welt              schen in grossem und tief empfunde­                                                                                                                        18. bis 22. November
Hunger und Krankheiten bekämpfen                    verändern und besser machen wollen.                 nem Dank verbunden.
und die Folgen von Naturkatastrophen                                                                                                                                                                                                                           Kinder der 4. bis 6. Klasse entwickeln
und Kriegen lindern würden? Wie wäre                Im Kinderdorf Pestalozzi steht seit vier            Mit der Vision unseres Gründers Wal­        Vorname                                                                                                     politische Zukunftswünsche für die
es um unseren Planeten bestellt, wenn               Jahren eine Eiche. Sie ist all jenen ge­            ter Robert Corti arbeiten wir täglich an                                                                                                                Kinder in der Schweiz. Gemeinsam
uns nicht Tier- und Umweltschutz­                   widmet, die unsere Arbeit in den letzten            einer Welt, in der Kinder frei und fried­   Name                                                                                                       erarbeiten sie Ideen und präsentieren
organisationen vor Augen führten, wel­              75 Jahren mit einer Spende in ihrem                 lich lernen und lachen. Dass wir uns                                                                                                                   diese am Sonntag, 22. November, um
chen Raubbau wir an ihm üben? Wer                   Testament bedacht haben. Die Eiche                  auch heute noch für das Wohl der Kin­       Strasse, Nr.                                                                                                      10 Uhr der Öffentlichkeit.
würde sich für die Rechte von Kindern,              symbolisiert Unsterblichkeit, Standhaf­             der einsetzen dürfen und einen Beitrag      PLZ, Ort
Minderheiten, Vertriebenen und Aus­                 tigkeit und Treue. Nimmt man noch Lie­              zum friedlichen Zusammenleben leisten
gegrenzten einsetzen, wenn es keine                 be und Empathie dazu, ist das wohl das              können, verdanken wir zu einem we­          Telefon, E-Mail
Menschenrechtsorganisationen gäbe?                  Holz, aus dem Menschen geschnitzt                   sentlichen Teil dem letzten Willen uns
Die Arbeit von gemeinnützigen Orga­                 sind, die eine gute Sache über das ei­              besonders zugewandter Menschen.             Einsenden an: Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, Spenderservice, Kinderdorfstrasse 20, 9043 Trogen

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Magazin - Stiftung Kinderdorf Pestalozzi
| KURZ VOR SCHLUSS

                                                                                                 Während des bald 75-jährigen Bestehens der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi sind viele                     Wortsuchspiel
                                                                                                 Kinderzeichnungen entstanden. Einen dieser Archivschätze stellen wir Ihnen an dieser                     Finden Sie die zehn Wörter und gewinnen
                                                                                                 Stelle vor.                                                                                              Sie mit etwas Glück eine Virtual-Reality-
                                                                                                                                                                                                          Brille der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi.
                                                                                                                                                                                                          Unter allen richtigen Einsendungen
                                                                                                                                                                                                          werden drei Brillen verlost.

                                                                                                                                                                                                          Gesucht sind:
                                                                                                                                                                                                          SOMMER, FREIBAD, RADIO, SCHULE,
                                                                                                                                                                                                          TESTAMENT, REPORTER, PROJEKT,
                                                                                                                                                                                                          MIKROFON, WORTSPIEL, ERDE

                                                                                                                                                                                                           G    S     C    H     U    L    E    R    T     P
                                                                                                                                                                                                           W    O     R    E     P    O    R    T    E     R
                                                                                                                                                                                                           O    B     E    U     A    C    D    U    S     O
                                                                                                                                                                                                           R    A     D    S     D    K    E    C    T     J
                                                                                                                                                                                                           T    D     L    O     D    A    R    H    A     E
                                                                                                                                                                                                           S    L     Z    M     E    T    M    R    M     K
                                                                                                                                                                                                           P    E     E    M     K    U    O    A    E     T
                                                                                                                                                                                                           I    F     R    E     I    B    A    D    N     E
                                                                                                                                                                                                           E    O     M    R     C    F    G    I    T     I
                                                                                                 Stefan                                                                                                    L    M     I    K     R    O    F    O    N     C
                                                                                                 | AUS DEN MEDIEN                                                                                         Teilnahmeschluss ist der 31. Oktober. Einsendungen
                                                                                                                                                                                                          an: Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, Wortsuchspiel,
                                                                                                                                                                                                          Kinderdorfstrasse 20, 9043 Trogen. Der Rechtsweg
                                                                                                                                                                                                          ist ausgeschlossen.
                                                                                                                                          St. Galler Tagblatt, publiziert am 16. Juli
                                                                                                   Sie sprengt Grenzen                                                                                k+a / Kunst+Architektur in der Schweiz, publiziert am 2. Juli
                                                                                                   Die kenianisch-schweizerische Moderatorin Marieta Kiptalam                           Neuer Kunstführer zum Thema Solidarität:
                                                                                                   Chemeli setzt sich für Künstler mit afrikanischem Hintergrund                        «Das Kinderdorf Pestalozzi in Trogen»
                                                                                                   ein und sorgt dabei für Aufsehen. Aufgewachsen im Kinderdorf                         Obwohl die Kunstführer-Vernissage am 30. April wie
                                                                                                   Pestalozzi in Trogen, orientiert sie sich heute an Vorkämpfern wie                   zahlreiche andere Veranstaltungen nicht stattfinden konnte,
                                                                                                   Martin Luther King und Malcolm X.                                                    ist der Kunstführer pünktlich erschienen und kann über den
                                                                                                                                                                                        Webshop der GSK bestellt werden. www.gsk.ch

                                                                                                   Ja, ich übernehme eine Patenschaft für
                                                                                                                                                                                                           | IMPRESSUM
Einsenden an: Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, Patenschaften, Kinderdorfstrasse 20, 9043 Trogen

                                                                                                    das Kinderdorf Pestalozzi                         Südostasien                                           Herausgeberin:
                                                                                                    Ostafrika                                         Südosteuropa                                          Stiftung Kinderdorf Pestalozzi,
                                                                                                                                                                                                            Kinderdorfstrasse 20, 9043 Trogen
                                                                                                    Zentralamerika                                                                                          Telefon: +41 71 343 73 29, info@pestalozzi.ch
                                                                                                                                                                                                            Redaktion: Katharina von Allmen,
                                                                                                 Mit einer Patenschaft übernehmen Sie Verantwortung und schenken Kindern und Jugendlichen die               Veronica Gmünder, Carolin Hofmann,
                                                                                                 Möglichkeit einer besseren und friedlicheren Zukunft. Ihre Hilfe kommt ausschliesslich Kindern             Sereina Meienhofer, Christian Possa,
                                                                                                                                                                                                            Sabrina Schönenberger, Manuel Walder
                                                                                                 in der von Ihnen gewählten Region zugute. Und nicht zuletzt sorgt Ihre Unterstützung dafür,                Bildnachweis: Archiv Stiftung Kinderdorf
                                                                                                 dass wir unsere Projekte langfristig planen und die administrativen Aufwände auf ein Minimum               Pestalozzi
                                                                                                 reduzieren können. Herzlichen Dank!                                                                        Gestaltung und Satz: one marketing, Zürich
                                                                                                                                                                                                            Druck: CH Media Print AG
                                                                                                   Als Patin oder Pate überweise ich jährlich den Betrag von mindestens CHF 180.–                           Ausgabe: 04/2020
                                                                                                                                                                                                            Erscheint: fünfmal jährlich
                                                                                                   Mein freiwillig höherer Beitrag: CHF                                                                     Auflage: 50 000 (geht an alle SpenderInnen)
                                                                                                                                                                                                            Abo-Beitrag: CHF 5.– (wird mit der Spende
                                                                                                                                                                                                            verrechnet)
                                                                                                 Vorname, Name

                                                                                                 Strasse, Nr.

                                                                                                 PLZ, Ort

                                                                                                 Telefon, E-Mail
Magazin - Stiftung Kinderdorf Pestalozzi
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