Mai 2020: Neues von den Märkten - Asset Standard

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Mai 2020: Neues von den Märkten - Asset Standard
„Erste Erfolge in der Bekämpfung
                        des Coronavirus eröffnen Spielräume
                        für vorsichtige Lockerungsmaßnahmen.
                        Hiervon sollten insbesondere die
                        Aktienmärkte profitieren.“
                        Max Holzer, Leiter Relative Return

Mai 2020:
Neues von den Märkten

                                       Wir arbeiten für Ihr Investment
Mai 2020: Neues von den Märkten

Die Märkte im Überblick

Zusammenfassung                                                                                           Konjunktur, Wachstum, Inflation

Wir sehen erste Fortschritte im weltweiten Kampf ge­gen die Aus­                                          Die wirtschaftlichen Folgeschäden der Pandemie zeigen sich
breitung des Coronavirus. Insbesondere in den ent­wickelten                                               immer mehr. In der vergangenen Woche hat mit China das erste
Ländern Europas und Nordamerikas scheinen die Neu­infek­tions­                                            größere betroffene Land die Zahlen seines Bruttoinlandsprodukts
zahlen zu sinken. Bestätigt sich dieser Trend, dürften zusätzliche                                        (BIP) für das erste Quartal 2020 bekannt gegeben. Mit einem
Spielräume zur weiteren Öffnung dieser für die Welt­wirtschaft                                            Einbruch um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr war der Wert
sehr wichtigen Ökonomien entstehen. Erst diese Ver­bes­serung legt                                        ernüchternd und lag sogar noch unter den Erwartungen. Es steht
den Grundstein für eine nachhaltige konjunkturelle Erholung und                                           zu befürchten, dass auch in anderen Regionen die Wachstumsein­
damit eine Verstetigung der Kurssteigerungen bei Risikoanlagen.                                           bußen größer als ursprünglich errech­net ausfallen werden.
Wir werten die jüngsten Zahlen als ermutigendes Zeichen auf dem
Weg dahin, schätzen die weitere Entwicklung aber nach wie vor                                             Daher haben unsere Volkswirte ihre Schätzungen nach unten kor­
als anfällig ein.                                                                                         rigiert. Grund dafür sind im Wesentlichen zwei Effekte: Erstens
                                                                                                          hat der Lockdown schon in den vergangenen drei Monaten die
Vor diesem Hintergrund haben wir unsere neutrale Risikoausrich­                                           wirtschaftliche Entwicklung stärker als erwartet belastet. Ob­wohl
tung („RoRo“-Meter 3) bestätigt, aber Anpassungen innerhalb und                                           in den USA die harten Eindämmungsmaßnahmen erst seit Mitte
zwischen den einzelnen Asset-Klassen vorgenommen. Histo­risch                                             März gelten, verzeichneten sowohl die Industrieproduktion als
verlief die Krisenerholung an den Kapitalmärkten meist nach einem                                         auch die Einzelhandelsumsätze im vergangenen Monat scharfe
bestimmten Muster: Zunächst profitierten die weniger riskanten                                            Einbrüche. Bei der Produktion wurde sogar das größte Minus in­
Risikoanlagen wie Unternehmensanleihen von Schuld­nern guter                                              nerhalb eines Monats seit Februar 1946 verzeichnet. Zweitens
Bonität, dann Aktien und erst in einem späteren Stadium Roh­                                              dürften die graduellen Lockerungen erst später beginnen als bis­
stoffe. Diese Blaupause trifft nach bisherigen Analy­sen auch auf                                         lang angenommen.
die Corona-Krise zu. Unternehmensanleihen schä­­t­­z­en wir deshalb
noch ein Stück attraktiver ein. Im Gegenzug neh­men wir Staats­                                           Im Ergebnis wird 2020 für die USA ein Rückgang des BIP von
anleihen der Euro-Peripherie auf neutral zurück. Die entsprechen­                                         6,0 Prozent erwartet. Im Euroraum rechnen unsere Volkswirte mit
den Länder profitieren zwar von den Maßnahmen der Europä­i­                                               einem Rückgang um 6,5 Prozent, in Deutschland um 5,4 Prozent.
schen Zentralbank (EZB), sind aber bei geringen fis­­kal­­politischen                                     Diese Schät­­z­ungen decken sich im Großen und Ganzen mit dem
Möglich­keiten zum Teil erheblich von der Pandemie betroffen.                                             Konsens. Allerdings dürfte sich die Erholung nach unseren Be­
                                                                                                          rechnungen länger hinziehen, als im Branchenmittel erwartet.
Auf der Aktienseite favorisieren wir nun auch Titel aus den Schwel­-                                      Diese Entwick­lung wird auch an der Teuerung nicht vorbeigehen.
­le­ nländern. Sowohl die regionale (hoher Anteil asiatischer Titel) als                                  Daher wurden auch unsere Inflationsschätzungen für die beiden
 auch die sektorale (großes Gewicht von IT-Firmen) Zusammen­set­-                                         kommenden Jahre nach unten korrigiert.
 z­ung war ausschlaggebend für diese Maßnahme, zumal die entspre­
 chenden Märkte bislang wenig von der Erholung profitiert haben.

USA setzen auf direkte Staatsausgaben, Deutschland                                                        Kurzfristig höhere Einbußen, aber auch bessere
auf Kreditgarantien                                                                                       Perspektiven für 2021
In Prozent des BIP                                                                                        Veränderung des realen BIP gegenüber Vorjahr, in Prozent
20                                                                                                        12

16                                                                                                         8
                                                          17,7

                                                                                                                                                                                                        8,9
                                                             15,4

                                                                           15,2
                                        14,2

12                                                                                                         4
                                                                                                                                                                                                  5,4
                                                                                                                                              2,5

                                                                                                                                                                                2,5

                                                                                                                                                                                            1,9
                                                                                             12,7
                                                                              12,4
                                           12,1

                                                                                                                                                                                      4,0
                                                                                           11,5
                       11,1

                                                                                                                                        0,4

                                                                                                                                                                          0,1
      10,5

 8                                                                                                         0
                          8,0
             6,7

                                                                                                          –4
                                                                                                                  – 1,9

 4
                                                                                                                          – 6,0

                                                                                                                                                                  – 6,5
                                                                                                                                                          – 3,6
                                               2,1
               1,5

                                                                                  1,4
                                                                                  1,4
                                                                 1,2
                                                                 1,1

                                                                                                    0,8
         2,3

                              3,1

                                                                                                   0,4

 0                                                                                                        –8
         USA             Japan          Deutsch-           Groß-             Frank-         Italien                2020                  2021              2020           2021        2020            2021
                                          land           britannien           reich
                                                                                                                                  USA                             Eurozone                    China
n Gesamt      n Davon Kreditgarantien             n Davon Staatsausgaben
n Sonstige Maßnahmen                                                                                      n Alte Prognose               n Neue Prognose

Quelle: Center for Strategic and International Studies, Union Investment. Stand: 21. April 2020.          Quelle: Union Investment. Stand: 21. April 2020.

                                                                                                                                                                                                              2
Mai 2020: Neues von den Märkten

Die Märkte im Überblick

Geldpolitik: Notenbanken kaufen                                                       Renten: Unternehmensanleihen bleiben favorisiert

Nach den Beschlüssen im März haben die wichtigsten Noten­                             Nach dem starken Anstieg der Renditen in allen Rentensegmen­ten
banken der Welt begonnen, durch Käufe von Anleihen die Märkte                         Mitte März hat sich die Lage in den letzten Wochen auch durch
zu stützen, und in diesem Zuge ihre Bilanzen massiv vergrößert.                       die Maßnahmen der Notenbanken etwas beruhigt. Die Renditen
So hat die US-Notenbank Fed bereits innerhalb eines Monats ihre                       der sicheren Häfen sind wieder rückläufig, ebenso wie die Risiko­
Bilanz um 50 Prozent ausgeweitet. Das ist bereits mehr, als sie                       auf­schläge von Unternehmensanleihen. Die durch die Corona-Pan­
über Monate hinweg während der Finanzkrise erworben hat. Kurz                         demie ausgelöste schwere Rezession in Italien und Spanien wird
vor Ostern hat sie ihre Programme um hochverzinsliche Anleihen                        die Staatsschulden deutlicher steigen lassen, als dies noch vor
und Kredite von kleineren und mittleren Unternehmen erweitert.                        wenigen Wochen allge­mein erwartet wurde. Dies lastet auf den
                                                                                      Anleihen aus den Peripherieländern. Europa hat darauf bislang
Von der EZB gab es nach den umfang­reichen Beschlüssen im                             keine Antwort liefern können und sprach nicht mit einer Stimme,
März keine neuen Maßnahmen. Auch sie hat ihre Käufe deutlich                          was die Unsicherheit zuletzt erhöhte.
ausgedehnt und damit dem weiteren Steigen der Risikoaufschläge
zunächst Einhalt geboten. Für Unterneh­mensanleihen setzt sich                        Die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellen­
dieser Trend, also sinkende Risikoauf­schläge, seither fort. Mit der                  länder (G20) haben ein Schuldenmoratorium auf bilaterale Kredite
aufkommenden Diskussion um die Finanzierung der staatlichen                           an Länder, die staatliche Entwicklungshilfe erhalten, beschlossen.
Hilfen in den Peripherieländern und der Absage der Nordländer an                      Die Gruppe fordert ähnliches für Staatsanleihen dieser weltweit
eine Vergemeinschaftung der Schulden auf EU-Ebene (Stichwort:                         ärmsten Länder. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen der
Corona-Bonds) stiegen die Risikoaufschläge von Peripheriean­                          Schwel­lenländer in Hartwährung sind insgesamt gestiegen, da
leihen in den letzten Wochen wieder an. Die Notenbanken haben                         die Zah­lungs­probleme der sehr schwachen Staaten den Gesamt­
insgesamt schnell und um­fangreich auf die Marktturbulenzen                           markt in Mitleidenschaft ziehen. Für einige Länder ergeben sich
reagiert und den Stresslevel im Finanzsystem gemindert. Dies ist                      mit einem Schulden­erlass auch Chancen, sodass es hier auf die
im Verbund mit den beträch­tlichen fiskalischen Sonderprogram­                        genaue Titelauswahl ankommt. Die meisten der betroffenen
men zahlreicher Länder eine große Unterstützung für den Fi­nanz­                      Länder kommen für uns für eine Investition jedoch nicht infrage.
sektor und die Realwirtschaft, aber beides ist nicht hinrei­chend
für eine nachhaltige Überwin­dung der Krise.                                          • Entscheidung: Unternehmensanleihen guter Bonität bewer­-
                                                                                          ten wir noch besser als zuvor, Staatsanleihen der Euro-Periphe-
                                                                                          rieländer hingegen neutral
                                                                                      •   Positionierung: In Summe bleiben wir gegenüber Renten­
                                                                                          anlagen im Portfoliokontext etwas zurückhaltend. Staatsanlei­
                                                                                          hen aus den Euro-Kernländern finden wir wenig, Pfandbriefe
                                                                                          sehr unattraktiv. Bei Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie,
                                                                                          High-Yield-Unternehmensanleihen und Staatsanleihen aus den
                                                                                          Schwellenländern stellen wir uns an die Seitenlinie. Unter­neh­
                                                                                          mensanleihen sind unser klarer Favorit

Wertpapierbestand in der Bilanz der US-Notenbank                                      Anstieg der Risikoaufschläge gestoppt
nimmt kräftig zu                                                                      Renditeaufschläge über Swap, in Basispunkten
Bestand in Milliarden US-Dollar
                                                                                      800                             350                                                  800
6.000                                                                                 700                             250                                                  700
                                                                                                                                                                           600
                                                                                                                      150                                                  500
5.000                                                                                 600
                                                                                                                       50                                                  400
                                                                                      500                                   9. März   23. März      6. April   20. April
4.000
                                                                                      400
3.000                                                                                 300
                                                                                      200
2.000
                                                                                      100
1.000                                                                                     0
                                                                                          2018                                        2019                                       2020
     0
     2002      2004      2006     2008      2010   2012   2014   2016   2018   2020   n Investment Grade        n Nachranganleihen        n High-Yield

Quelle: Bloomberg. Stand: 21. April 2020.                                             Quelle: Bloomberg, Refinitiv, Union Investment. Stand: 21. April 2020.

                                                                                                                                                                                        3
Mai 2020: Neues von den Märkten

 Die Märkte im Überblick

 Aktien: Schwellenländertitel leicht favorisiert                                                                                             Rohstoffe: Risiko insgesamt reduziert

 Die Aktienmärkte schauen durch die volkswirtschaftlichen Daten­                                                                             Die letzten Tage haben am Ölmarkt zu historischen Preisreak­
 punkte durch und haben eine Erholungsbewegung gestartet.                                                                                    tionen geführt. Kurzfristig fiel der Preis für Öl der Sorte WTI sogar
 Insbesondere der Rückgang der Neuinfektionszahlen nährt die                                                                                 deutlich in den negativen Bereich. In den kommenden Wochen
 Hoffnung auf weitere Lockerungen. Gleichwohl leiden viele Firmen                                                                            dürfte der Ölmarkt turbulent bleiben. Die Förderkürzungen der
 unter dem Lockdown, es ist ein beispielloser Rückgang bei den                                                                               OPEC+ konnten die Investoren nicht beruhigen, denn sie kön­nen
 Gewinnerwartungen zu verzeichnen. Hier und in der Kursent­                                                                                  dem enormen Nachfrageausfall kaum etwas entgegensetzen.
 wicklung gibt es eine hohe Dispersion zwischen den Sektoren.                                                                                Vielen Produzenten bleibt nichts anderes übrig, als die Lager auf­
 Unter Druck stehen unverändert der Energiesektor und Aktien                                                                                 zufüllen. Die Kapazitäten dafür stoßen aber zunehmend an ihre
 aus der Reisebranche. Werte aus dem Gesundheitssektor gehören                                                                               Grenzen. Wir rechnen damit, dass die Lager in den nächsten
 hingegen zu den Profiteuren der Krise. Darüber hinaus gibt es                                                                               Wochen voll sein werden. Aufgrund der begrenzten Lagerkapa-
 Aktien mit bestimmten Geschäftsmodellen (Lieferservice, Video-                                                                              ­­zi­tät ist der enorme Marktüberschuss aber nicht dauerhaft. In
 Telefonie, Onlineversand und so weiter), die momentan sehr                                                                                  den nächsten Wochen wird der Markt in die Balance kommen –
 gefragt sind. Die Aktie von Amazon etwa erreichte kürzlich ein                                                                              ob über weitere Kürzungen und/oder eine höhere Nachfrage.
 Allzeithoch.                                                                                                                                Die Preis­volatilität wird in den nächsten Wochen außerordentlich
                                                                                                                                             hoch bleiben. Dabei kommt es nun mehr denn je darauf an,
 Wir gehen davon aus, dass die Aktienmärkte aufgrund der Lock­e­                                                                             welche Öl­sorte an welchem Ort lieferbar ist. Wir halten die US-
 rungen kurzfristig unterstützt bleiben. Daher steigt in unseren                                                                             Ölpreise kurz­fristig weiter für besonders gefährdet, da aufgrund
 Augen die Attraktivität von Aktienanlagen. Neben Titeln aus                                                                                 der markt­wirt­schaftlichen Organisation die Anpassungslast
 den Industrieländern favorisieren wir nun auch Werte aus den                                                                                vornehmlich über den Preismechanismus stattfindet. Der Brent-
 Schwel­le­nländern. China, Taiwan und Südkorea, die in der                                                                                  Markt scheint besser gestützt zu sein, da er auf einer breiteren
 Krisenbe­wältigung schon weiter sind, sind im Index MSCI                                                                                    (physischen) Basis steht und die Kürzungen der OPEC+ hier
 Emerging Markets stark vertreten. Zudem ist der IT-Sektor der                                                                               direkter wirken. Für das zweite Halbjahr kündigt sich sogar ein
 Krisenge­winner. Ein Sektor, der im Schwellenländerindex pro­                                                                               Defizit an.
 minent ge­wichtet ist.
                                                                                                                                             Industriemetalle profitieren weiter vom Anlaufen der wirtschaft­
 • Entscheidung: Wir favorisieren nun auch Aktien aus den                                                                                    lichen Aktivitäten in China. Gold ist zwar von den sinkenden
       Schwellenländern                                                                                                                      Realzinsen unterstützt, hat sich aber schon sehr gut entwickelt.
 • Positionierung: Aktien sind damit weiter attraktiv. Dies
       betrifft sowohl Werte aus den Industrie- als auch den                                                                                 • Entscheidung: Die Attraktivität von Edel- und Industrie­
       Schwellenländern                                                                                                                         metallen nimmt ebenso ab wie die von Energierohstoffen
                                                                                                                                             • Positionierung: Wir sind bei Rohstoffen insgesamt zurück­hal-
                                                                                                                                                tend. Für den Sektor insgesamt gehen wir davon aus, dass sich
                                                                                                                                                Industriemetalle besser entwickeln sollten als Energieroh­stoffe

 Aktienmärkte mit Erholung nach Corona-Schock                                                                                                Historische Preisentwicklung beim US-Öl
 Wertentwicklung ausgewählter Aktienmärkte, in Prozent                                                                                       In US-Dollar pro Fass der Sorte WTI
 30                                                                                                                                            80
 20
                                                                                                                                               60
                                                                     22,3
                        21,4

                                                                                                                 7,9

 10
                                              17,0

                                                                                           16,5
                                                      4,8
         4,1

                                                                                                                                      15,3
                               3,2

                                                                                                  1,3
                                                                            0,9

                                                                                                                       0,8

  0                                                                                                                                            40
                                                                                                        – 14,9

– 10                                                                                                                                           20
                                                                                                                             – 27,8

– 20
                                                                                  – 30,7
                                                            – 33,9

                                                                                                                                                0
                                     – 38,3
               – 38,8

– 30
– 40                                                                                                                                         –20
         Deutsch-              Euroraum                     USA               Japan                 China              Schwellen-
                                                                                                                                             – 40
           land                                                                                                          länder
                                                                                                                                                Jan.           März          Mai         Sept.   Nov.   Jan.   März
 n 1. Januar bis „Februar-Hoch“                      n Korrektur             n „März-Tief“ bis 21. April                                        2019           2019          2019        2019    2019   2020   2020

 Quelle: Refinitiv. Stand: 21. April 2020.                                                                                                   Quelle: Bloomberg. Stand: 22. April 2020.

                                                                                                                                                                                                                      4
Mai 2020: Neues von den Märkten

Die Märkte im Überblick

Währungen: US-Dollar verliert Rückenwind                                 Büromarkt Deutschland

Auch an den Währungsmärkten hat in den letzten Wochen die                In den vergangenen zwölf Monaten verzeichneten die fünf
Volatilität nachgelassen. Die umfangreichen Maßnahmenpakete              deutschen Immobilienhochburgen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/
der Regierungen zur Stabilisierung der Wirtschaft belasten überall       Main, Hamburg und München noch immer eine hohe Nachfrage
die Staatshaushalte. Der US-Dollar hat durch die Zinssenkungen           nach Büroflächen. Gegenüber dem Vorjahr war zwar ein leichter
der Fed den Rückenwind durch die vergleichsweise hohe Verzin­            Rückgang der Vermietungsleistung zu beobachten, dies war
sung verloren. Der Euro wird hingegen von der politischen Dis­           aber vor allem auf das sehr geringe Angebot an freien Flächen
kussion rund um Corona-Bonds belastet. Während die Peripherie­           zurück­zuführen. Die Leerstandsrate lag am Ende des ersten
länder darauf drängen, um ihre ohnehin schon hohe Verschuldung           Quartals 2020 im Durchschnitt der fünf deutschen Standorte bei
nicht noch weiter ausdehnen zu müssen, stehen die Nordländer             nur 3,7 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Wert seit
(unter anderem Deutschland und die Niederlande) dem Konzept              Ende 2001. Die geringste Leerstandsrate wurde mit 1,9 Prozent
der ge­mein­sa­ men Anleihen wie schon in der Eurokrise weiterhin        in Berlin registriert. Aufgrund der hohen Nachfrage und des ge­
skeptisch gegenüber. Eine schnelle Einigung zwischen den Euro­           ringen Angebots sind die Büromieten auf den fünf größten deut­
ländern ist daher unwahrscheinlich.                                      schen Büromärkten im Jahresvergleich im Schnitt um 4,4 Prozent
                                                                         gestie­gen. Mit einem Anstieg um 8,8 Prozent verzeichnete Berlin
Der generelle Abwertungstrend der Währungen aus den Schwel­              das höchste Mietpreiswachstum.
len­ländern konnte gestoppt werden. Unter Druck standen wei­
terhin die Währungen von rohstoffproduzierenden Staaten und              Zum Ende des ersten Quartals 2020 führte die globale Ausbrei­
jenen mit einem Trend zu einer schlechteren Bonität. Die Herab­          tung des Coronavirus zu deutlichen Einschnitten der wirtschaf­t­
stufung der Kreditwürdigkeit von Südafrika ließ etwa den Rand            lichen Aktivität. Derzeit sind die humanitären und wirtschaftlichen
abwerten. Andere Schwellenländer erholten sich jedoch auch               Effekte und Folgen noch nicht vollständig abschätzbar. Gerade
wieder. So konnten insbesondere einige asiatische Währungen              die Immobilienmärkte reagieren erfahrungsgemäß erst mit
aufwerten. Dort ist man in der Bekämpfung des Virus bereits ei­          zeit­licher Verzögerung. Folglich ist es für eine verlässliche
nen Schritt weiter und lockert die zuvor getroffenen Maßnahmen           Prognose zur Entwicklung der Investment- und Mietmärkte
zur Eindämmung.                                                          noch zu früh.

• Positionierung: Unverändert neutral                                    Der Markt für Büroimmobilien reagiert in der Regel auf konjunk­
                                                                         turelle Schwankungen. Die zu erwartende Rezession wird auch
                                                                         in diesem Segment zeitverzögert vereinzelt zu Miet- beziehungs­
                                                                         weise Mieter­ausfällen führen. Die Flächennachfrage wird generell
                                                                         etwas schwächer ausfallen, da Anmietungsentscheidungen wegen
Südafrikanischer Rand wertet ab                                          der Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung
Südafrikanischer Rand für einen Euro in den letzten zwölf Monaten        vertagt werden und bereits geplante Expansionen temporär aus­
                                                                         ge­setzt werden. Dieser Entwicklung stehen allerdings die der­-
21
                                                                         zeit hohen Vermietungsquoten und eine überschaubare Neubau­
20                                                                       tätigkeit positiv gegenüber.
19
                                                                         Das Büro-Segment profitiert außerdem von der Möglichkeit,
18
                                                                         dass zurzeit ein Großteil der Belegschaften im Homeoffice den
17                                                                       Betrieb fortführen kann. Die meisten Büroflächen sind nach
                                                                         wie vor ge­öffnet und zugänglich. Vielfach werden sie aber zur
16
                                                                         Sicherheit nur von den Mitarbeitern genutzt, die dort wichtige
15                                                                       technische und organisatorische Aufgaben erfüllen müssen.
 April           Juni           Aug.        Okt.   Dez.   Feb.   April   Der derzeit verstärkte Einsatz von digitaler Infrastruktur könnte
 2019            2019           2019        2019   2019   2020   2020
                                                                         den Digitalisierungstrend beschleunigen und insbesondere bei
Quelle: Bloomberg. Stand: 22. April 2020.                                Unternehmen aus dem IT-Sektor zu einem Aufschwung führen.

                                                                                                                                               5
Mai 2020: Neues von den Märkten

Unsere Einschätzung im Überblick

Unsere aktuelle Risikoeinschätzung                                               „RoRo“-Meter

• Im Kampf gegen das Coronavirus sind erste Fort­schritte                                                                       3
    erkennbar                                                                                                       2                          4
•   Bestätigt sich dieser Trend, dürften Spielräume für Lockerungs­
    maßnahmen entstehen. Dies ist für eine konjunkturelle Er­
                                                                                                              1                                       5
    holung unumgänglich
•   Die kürzlich verlängerten Eindämmungsmaßnahmen in Europa                                                      Risk                         Risk
    und den USA führen zunächst aber zu einem deutlich BIP-                                                       Off                          On
                                                                                                                         R o Ro            r
    Rückgang von mindestens 6 Prozent                                                                                             - Mete
•   Als stützend erweisen sich die umfangreichen Kaufprogram­-
    me der großen Notenbanken                                                    Quelle: Union Investment. Stand: 21. April 2020. Letzte Änderung von 4 auf 3 am 27. Januar 2020.

•   Unsere allgemeine Risikoeinschätzung „(RoRo“-Meter)                          Erläuterung: Zur Festlegung der Anlagestrategie wird zunächst das Marktumfeld genau
    verbleibt auf Stufe 3 (neutral)                                              analysiert. Das Ergebnis schlägt sich in einer Risikoeinschätzung nieder. Dazu formuliert
                                                                                 das Union Investment Committee (UIC) eine Risk-on- / Risk-off-Entscheidung in fünf Stufen
                                                                                 (1, 2, 3, 4, 5). Sie ist wie folgt zu interpretieren: Eine „5“ steht für eine hohe Risikoneigung,
                                                                                 eine „1“ für einen weitgehenden Rückzug aus Risikoanlagen.

Unsere Sicht auf die Anlageklassen                                               Attraktivität der Anlageklassen

• Renten: Unternehmensanleihen bleiben durch die Kaufpro­                         Renten

    gramme der Notenbanken gut unterstützt. Die Debatte um                           Staatsanleihen Kerneuropa

    eine höhere Staatsverschuldung in Italien und um Corona-                         Covered Bonds
    Bonds lässt uns bei Papieren aus den Peripherieländern etwas                     Staatsanleihen Euro-Peripherie
    vorsichtiger werden                                                              Unternehmensanleihen (Euro Investment Grade)
•   Aktien: Die Aktienmärkte sollten von den zunehmenden
                                                                                     Unternehmensanleihen (Euro High Yield)
    Lockerungsmaßnahmen profitieren. Asien ist hier am weites­
                                                                                     Staatsanleihen Schwellenländer
    ten fortgeschritten, weshalb auch die Attraktivität von Aktien
                                                                                  Aktien
    aus den Schwellenländern zunimmt
•   Währungen: Die Auswirkungen des Virus lassen sich auch                           Industrieländer

    an den jeweiligen Währungspaaren ablesen. Aufgrund der                           Schwellenländer
    zum Teil komplexen Wechselwirkungen raten wir von einer                       Rohstoffe
    konkreten Position ab                                                         Währungen
•   Rohstoffe: Der Ölmarkt bleibt trotz der Produktionskür­zun­                      US-Dollar
    gen stark überversorgt. Der Preis bleibt kurzfristig unter
                                                                                     Britisches Pfund
    Druck. Industriemetalle sollten vom Anlaufen der Wirtschaft
                                                                                     Japanischer Yen
    in Asien profitieren
•   Am Geldmarkt bleibt das Bild unverändert. Die Zinssätze sind                     Währungen Schwellenländer

    weiterhin im negativen Bereich, sodass das Halten von Kasse                   Absolute Return

    nicht sinnvoll ist                                                            Kasse
•   Absolute-Return-Strategien werden im Multi-Asset-                            Quelle: Union Investment. Stand: 21. April 2020.
    Kontext neutral eingeschätzt
                                                                                 Erläuterung: Bei der obigen Darstellung handelt es sich um eine relative Sichtweise
•   Für Immobilien ist aktuell aufgrund der Corona-Krise kein                    eines Multi-Asset-Portfolios (ohne Immobilien). Wird eine Anlageklasse stärker
    regional differenzierter Ausblick möglich                                    favorisiert, bedingt dies im Gegenzug einen niedrigeren Investitionsgrad in einer anderen
                                                                                 Anlageklasse. Diese würde dann als weniger favorisiert eingestuft – oder umgekehrt.
                                                                                 Immobilien bleiben bei dieser Betrachtung außen vor.

Die Zeichen         zeigen die Veränderung zur vorherigen UIC-Entscheidung an.
                                                                                  Immobilien

Nicht favorisiert                         Stark favorisiert                          Deutschland
                      Neutral
                                                                                     Europa (ohne Deutschland)

                                                                                     USA

                                                                                     Asien-Pazifik

                                                                                 Quelle: Union Investment. Stand: 21. April 2020.

                                                                                 Erläuterung: Bei der obigen Darstellung handelt es sich um eine relative Sichtweise
                                                                                 der Büroimmobilienmärkte vor dem Hintergrund der aktuellen Marktperspektiven.
                                                                                 Aufgrund der Datenverfügbarkeit erfolgt eine halbjährliche Aktualisierung.

                                                                                                                                                                                    6
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                                            mögen erstellt und herausgegeben. Eigene Darstellungen
                                            und Erläuterungen beruhen auf der jeweiligen Einschät­
                                            zung des Verfassers zum Zeitpunkt ihrer Erstellung, auch
                                            im Hinblick auf die gegenwärtige Rechts- und Steuerlage,
                                            die sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern
                                            kann.

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                                            öffentlich zugänglichen Quellen, die für zuverlässig gehal­
                                            ten werden. Für ihre Aktualität, Richtigkeit und Voll­
                                            ständigkeit steht der jeweilige Verfasser jedoch nicht
                                            ein. Alle Index- beziehungsweise Produktbezeichnungen
                                            anderer Unternehmen als Union Investment werden
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                                            entwicklung in der Zukunft. Tatsächliche Wertentwick­
                                            lungen können von den Prognosen je nach Marktent­
                                            wicklung deutlich abweichen. Es wird keinerlei Haftung
                                            für Nachteile, die direkt oder indirekt aus der Verteilung,
                                            der Verwendung oder Veränderung und Zusammenfas­
                                            sung dieses Dokuments oder seiner Inhalte entstehen,
                                            übernommen.

                                            Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen:
                                            24. April 2020, soweit nicht anders angegeben.

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