Mal eben 05| 06|2021 Gemeindebrief der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Karlsruhe - EFG Karlsruhe
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05 | 06 | 2021 Gemeindebrief der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Karlsruhe Baptisten mal eben Thema: Corona — ausgebremst oder entschleunigt, belastet oder befreit 2 Aktueller Impuls: Für die Stummen und das Recht aller Schwachen 5 Christi Himmelfahrt und Pfingsten 6 Corona — ausgebremst oder entschleunigt, belastet oder befreit 18 Veranstaltungskalender Mai / Juni 30 Zukunftsprozess unserer Gemeinde 31 Open Doors Tage kommen in dein Wohnzimmer 32 Kindertreff in Coronazeiten — was geht, wenn nichts geht?! 33 Internetgottesdienste 33 Vorschau 2021 33 Lieblingslied 34 Impressum 35 Geburtstage / Familienanzeigen / Pinnwand
Aktueller Impuls
Für die Stummen und das Recht aller Schwachen
viele Türen öffnen, die dem Normal-
Öffne Deinen Mund für den Stummen, bürger und erst recht den Armen und
für das Recht aller Schwachen! Fremden verschlossen bleiben.
(Sprüche 31,8)
Vielfach ist der Einsatz für einen
Mitmenschen davon abhängig, was er
In diesem Losungstext für den Monat einem selbst nützt oder ob man gar
Mai ermahnt eine Mutter ihren Sohn, einen persönlichen Profit machen kann.
seinen Mund aufzumachen und sich für Oft ist es aber auch mangelnder Mut,
das Recht der Schwachen einzusetzen. Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit,
Dieser Sohn ist nicht irgendjemand, die uns davon abhält, für das Recht der
sondern der König von Massa, also kein Schwachen zu kämpfen.
Kind, sondern ein einflussreicher Mann.
Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Derjenige, der dies rückhaltlos und
Mann an der Spitze eines Volkes oder ohne Rücksicht auf persönliche Verluste
eines Betriebes sich auch für die Schwa- immer getan hat, ist Jesus Christus,
chen, Rechtlosen und somit Unbedeu- auch in gewissem Sinne ein König, der
tenden einsetzt. Vielmehr erfahren wir aber immer seine Macht für Kranke,
auch heute noch in unserer Demokratie, Schwache und Hilfesuchende einge-
dass Beziehungen, Geld und Macht setzt hat und der am Ende sogar sein
Foto: pixabay.com
2Aktueller Impuls
Leben für die Menschen gegeben hat.
Ja, können wir sagen, er war ja Gottes
Sohn, diese innere Größe und Selbst-
losigkeit können wir nie erreichen. Es
gibt aber auch andere Menschen, die
dies gelebt haben und einige davon ha-
ben dies auch mit ihrem Leben bezahlt.
„Tu deinen Mund auf für die Stum-
men“ — unter diesem Motto stand
Dietrich Bonhoeffers Leben im Wider-
stand gegen das nationalsozialistische
Foto: Lotz
Regime. Schon im Jahr 1934 schrieb
er an einen Kollegen: „Es muss auch
endlich mit der theologisch begründe- Diktator, sondern wir leben in einer
ten Zurückhaltung gegenüber dem Tun Demokratie. Dies bedeutet, nicht der
des Staates gebrochen werden — es ist König regiert, sondern das Volk. Des-
ja doch alles nur Angst. Tu den Mund wegen müssen wir diesen Ratschlag an
auf für die Stummen — wer weiß denn einen König direkt auf uns anwenden.
das heute noch in der Kirche, dass dies Hier geht es zum Beispiel um die Ver-
die mindeste Forderung der Bibel in antwortung unserer Wahlstimme bis
solchen Zeiten ist?“ zu unserem persönlichen Einsatz, denn
so gering ist unsere Möglichkeit der
Drei Jahre später wiederholte er diese Einflussnahme und unseres Handelns
Forderung nochmals: „Verweigert die nicht. Es ist auch nicht so, dass ja alles
Welt Gerechtigkeit, so wird der Christ keinen Wert hat, wie man Gott sei Dank
Barmherzigkeit üben, hüllt sich die Welt auch sieht. Auch kleinere Schritte brin-
in Lüge, so wird er seinen Mund für die gen uns ans Ziel, es ist nur mit manchen
Stummen auftun und für die Wahrheit Hürden verbunden und dauert etwas
Zeugnis geben. Um des Bruders willen, länger. Die Stimme erheben muss auch
sei er Jude oder Grieche, Knecht oder nicht immer laut und spektakulär sein,
Freier, stark oder schwach, edel oder auch leise Mahner werden gehört,
unedel, wird er auf alle Gemeinschaft wenn sie wirklich etwas Bedeutendes
der Welt verzichten; denn er dient der zu sagen haben. Manchmal läuft uns
Gemeinschaft des Leibes Christi.“ die Not direkt über den Weg, wie es der
barmherzige Samariter erlebte und wir
Die politischen Verhältnisse haben sich schauen einfach weg, weil uns andere
seit damals geändert. In Deutschland Dinge wichtiger sind oder weil wir mei-
herrscht kein König mehr und auch kein nen, für so etwas keine Zeit zu haben.
3Aktueller Impuls
Vor allem werden wir auch aufgefordert, Diese hat uns Gott unter anderem in
hinzusehen, was unser Leben erhält. den Zehn Geboten gegeben. Sie sind die
Es sind zuallererst die Schöpfungsord- Elementarregeln für das Leben mitei-
nungen, die Leben ermöglichen. Wir nander in jeder Gesellschaftsordnung.
bemerken heute, wo der Mensch sich Sie sind und bleiben die Grundregeln
anschickt, angeblich nur geringfügig die unseres Zusammenlebens, egal, ob man
Schöpfungsordnungen eigennützig zu in unserem Sinne glaubt oder nicht oder
korrigieren oder direkter gesagt zu miss- ob man Einheimischer oder Fremder ist.
achten, wohin solch ein Treiben führt.
Häufiger auftretende Extremwetter- Als der reiche Jüngling Jesus nachfol-
ereignisse wie Dürre und Überschwem- gen will, nennt dieser nur zwei Bedin-
mungen, Klimaveränderung und die gungen: Halte die Gebote und gib, was
Ausbreitung der Wüstenlandschaften in du hast, den Armen. Leider scheiterte
Asien und Afrika sind die Folge. Schwei- der ehrlich gemeinte Versuch eines
gen wir dazu mit dem Hinweis: „Haupt- aufrichtig Suchenden am zweiten Teil
sache, mir geht es dabei wirtschaftlich der Forderung.
gut“? Oder erheben wir unsere Stimme
und handeln in dem uns möglichen Wo bin ich gefordert? Wo gibt es
Rahmen? Menschen, die übersehen werden? Für
welche Menschen soll ich mich einset-
Doch unser Leben ist nicht nur von den zen? Ich denke, da müssen wir nicht
Schöpfungsordnungen abhängig, son- lange suchen. Probleme gibt es mehr als
dern auch von bestimmten Regeln des genug, gerade jetzt, wo viele vereinsa-
zwischenmenschlichen Verhaltens. men, in wirtschaftliche Schwierigkeiten
geraten sind, Familien, die an ihre
Grenzen gestoßen sind und vieles mehr.
Wenn wir die Augen nicht verschlie-
ßen und uns nicht vollkommen in uns
selbst zurückziehen, sondern weiterhin
Anteil an dieser Welt nehmen, zeigt uns
Gott, wo wir uns persönlich einsetzen
können.
Wir können die Welt damit sicher nicht
retten, das kann nur Jesus, aber wir
Foto: Christian Lundbeck
können dazu beitragen, sie ein Stück
menschlicher zu machen.
Ulrich Rimmler
4Feiertage
Christi Himmelfahrt
Biblische Grundlage des Festes ist
neben dem Markus- und dem Lukas-
evangelium die Apostelgeschichte im
Neuen Testament.
Dort steht, dass der nach seiner Kreu-
zigung vom Tod auferstandene Jesus
Foto: Neetz
Christus vor den Augen seiner Jünger
„aufgehoben“ wurde (Apostelgeschich-
te 1,9): „Eine Wolke nahm ihn auf und auferstandene Christus „bei Gott ist“.
entzog ihn ihren Blicken.“ Dies ist auch Himmelfahrt wird so auch als Symbol
ein bevorzugtes Motiv in der Kunst. der Wandlung und spirituellen Ent-
Himmelfahrt wird allerdings in der The- wicklung der Persönlichkeit gedeutet.
ologie kaum noch wörtlich als wirkliche Theologen verweisen zur Erläuterung
Reise verstanden. Der Himmel ist dem- auf den englischen Sprachraum, wo es
nach kein geografischer Ort, sondern für das deutsche Wort Himmel zwei Be-
der Herrschaftsbereich Gottes. Wenn es griffe gibt: „sky“ (profan) und „heaven“
im Glaubensbekenntnis heißt: „aufge- (religiös).
fahren in den Himmel“, bedeutet dies
nach christlichem Verständnis, dass der www.gemeindebrief.de
5Corona
Thema: Corona — ausgebremst oder entschleunigt,
belastet oder befreit
Ein Jahr Corona-Pandemie
Seit über 14 Monaten beschäftigt uns
nun das Thema Corona. Als Schüler
Foto: (c) Gerd Altmann auf pixabay
habe ich schon allerlei Schutzmaß-
nahmen mitgemacht, insbesondere in
Bezug auf den Unterricht.
Wir hatten Homeschooling mit Auf-
gaben, die wir über eine schuleigene
Cloud (zu Beginn sogar noch via E-Mail)
bereitgestellt bekommen haben. Auch
direkter Unterricht war durch das Nut- Momentan stecken wir im Wechselun-
zen von Online-Anwendungen zu Hause terricht, das heißt Online- und Präsenz-
möglich. Im Normalfall wurde eine unterricht finden im wöchentlichen
Hybrid-Lösung (eine Kombination aus Wechsel statt. Von der größeren Anzahl
schriftlich zu erledigenden Aufgaben an Unterrichtsformen hat mir eine be-
und Online-Unterricht) gefunden. sonders gut gefallen: Die Hybrid-Lösung
Zwischenzeitlich, als es das Infektions- des Online-Unterrichts. Man darf länger
geschehen zuließ (und darüber hinaus), schlafen, da der Schulweg wegfällt und
hatten wir auch Präsenzunterricht — man im Unterricht frühstücken kann.
mit verschiedenen Abstufungen der Darüber hinaus kann man in Gruppen-
Maskenpflicht. konferenzen mit Freunden und Mit-
schülern telefonieren, während man
seine Aufgaben erledigt — und manch-
mal auch während des Unterrichts.
Dies hat für mich sogar dazu geführt,
dass ich mit mehr Personen „Kontakt“
hatte als in der Schule, da man durch
die Gruppentelefonate seine persön-
lichen Freundesgruppen erweitern
konnte. Auch zeitlich ist alles etwas
angenehmer: Es gibt zwar feste Zeiten
für Online-Unterricht, wodurch eine
6Corona
gewisse Ordnung entsteht, doch be-
kommt man auch Aufgaben, die man
im eigenen Tempo erledigen kann.
Jetzt bin ich allerdings nicht nur Schü-
Foto: (c) Conny Jahn
ler, sondern auch Jugendlicher in dieser
Zeit. Einfach ist das natürlich nicht.
Man kann sich schlecht mit mehreren
Freunden treffen, um zusammen Essen-
oder ins Kino zu gehen. Vielleicht trifft
man sich nicht einmal alleine mit einem joggen zu gehen oder einen Workout zu
Freund, aus Angst ihn oder (indirekt) machen.
jemanden in seinem Umfeld anzu-
stecken. Da mir physische Begegnungen Das Gemeindeleben ist wahrscheinlich
aber nicht so wichtig sind, kann ich das, was sich für mich am stärksten
vieles auch online erledigen. Man kann geändert hat. Die Online-Gottesdienste
z. B. (Video-)Anrufe tätigen, während finde ich (v. a. auch in Bezug auf die
man über Streaming-Dienste zusam- Technik dahinter) echt gut, obwohl ich
men eine Serie schaut oder zusammen nicht regelmäßig dabei bin. Die Jugend
Computerspiele spielt. Man kann aber trifft sich ebenfalls online. Leider kann
auch einfach nur reden. ich immer weniger daran teilnehmen,
denn ich brauche mittlerweile mehr Zeit
Da man immer nur zu Hause sitzt und zum Lernen (Klausuren werden in der
keine körperlich aktiven Schulwege Oberstufe in jedem Fall geschrieben).
zurückzulegen hat, fällt es mir in die-
ser Zeit leichter, die Motivation zum Alles in allem komme ich mit der Pan-
Sportmachen zu finden — sei es um demie aber gut zurecht. Da mir der
Fernunterricht besser als der Präsenz-
unterricht gefällt, ist die Situation für
mich insgesamt ganz okay. Jedoch kann
ich hier längst nicht für alle, wahr-
scheinlich nicht einmal für die Mehrheit
sprechen. Von dem, was ich außerhalb
meines Dunstkreises so wahrgenom-
men habe, sehen andere Jugendliche
Foto: (c) Conny Jahn
die Pandemie und ihre Maßnahmen in
einem ganz anderen Licht.
Christian S.
7Corona
Der Thomashof in Zeiten der Pandemie
Es war wie ein Donnerschlag! in unzähligen stressigen Situationen
erlebt, wie er mich mit seinen Augen
Freitagvormittag, 13. März 2020, wir geleitet hat, wie er mir immer wieder
waren wieder mit Hochdruck damit die nötige Kraft und Konzentration für
beschäftigt, ein voll ausgebuchtes schnelle, strategische Entscheidungen
Wochenende zu bewältigen. Die Zim- gegeben hat, die notwendig waren, um
mer mussten bis zum Eintreffen der den Schaden in dieser wirtschaftlichen
neuen Gäste rechtzeitig sauber sein, Katastrophe möglichst gering zu halten.
die Essensvorbereitungen liefen auf Noch ist der Sturm nicht vorbei, aber
Hochtouren, in der Rezeption war ein wir haben Jesus im Boot und ihm ver-
Betrieb wie an der Börse, alles lief wie trauen wir. Wie er uns durch den Sturm
am Schnürchen, ein eingespieltes Team, bringt, ist seine Sache, aber am Ende
gesunde und effiziente Betriebsamkeit. werden wir sicher am Ufer ankommen
Dann die erste kurzfristige Stornierung. und dann haben wir wieder festen
Man sprach schon eine Weile von Co- Boden unter den Füßen.
rona in China, aber wir hier im Westen
sind da zuversichtlich, uns kann das Heinz Reichel
in diesem Ausmaß nicht treffen. Dann (Geschäftsführer der Tagungsstätte
die zweite und dritte Stornierung, bis Thomashof, einem mennonitischen
zum Mittagessen war klar — es wird Tagungszentrum in Karlsruhe, mit 128
niemand kommen! Betten, 17.000 Übernachtungen im Jahr
und 25 Mitarbeitern)
Es war und ist immer noch eine un-
wirklich scheinende Situation, wenn
ich durch unser leeres Haus gehe, da,
wo es in den letzten Jahre zu bestimm-
ten Zeiten zuging wie abends auf dem
Karlsruher Weihnachtsmarkt. Wie
mitten aus dem Leben gerissen.
An diesem Freitag im März 2020, als
ich immer wieder gefragt wurde: „Chef,
was sollen wir nun tun, wie geht’s
jetzt weiter?“ da ging es mir wie den
Foto: (c) Lehmann
Jüngern im Sturm auf dem See Ge-
nezareth. Auch ich habe zu Jesus um
Hilfe gerufen. Und ich habe seither
8Corona
(Fast) alles anders
Wie habt ihr in dieser Zeit gelebt?
Beruflich ging alles seine normalen
Wege, so dass ein Großteil des Alltags
festgelegt war.
Die Begegnung mit den Arbeitskolle-
gen wusste man mehr zu schätzen als
Foto: (c) Schultheis
sonst!
Viel mehr (auch wohltuende) Ruhe in
der Freizeit!
Was habt ihr erlebt? Was ist euch schwer gefallen?
Intensive Gespräche am Telefon, auf Zum Beispiel die harten Corona-
Spaziergängen. Einschränkungen einzuhalten (nicht
Schöne Campingurlaube in Deutsch- nur) bei der Beerdigung eines nahen
land! Angehörigen!
Besorgte Zeiten, wenn von positiven Keine Umarmungen, kein lieber Hände-
Testergebnissen im Verwandten- oder druck, wenige Menschen!
Bekanntenkreis die Rede war. Fast alle Bekannten blieben außen vor,
die liebend gern zur Beerdigung gekom-
Was hat euch gefehlt? men wären!
Die Gemeinschaft mit Freunden und
Verwandten hat mir sehr gefehlt! Wie hat euch das fehlende Gemeinde-
Besonders das Gemeindeleben, der leben bewegt?
Austausch vor Ort! Die Gottesdienste sind eine besondere
Spontane Besuche bei anderen oder Wohltat am Sonntag, mit vertrauten
auch das Bewirten von Gästen zu Gesichtern, guten Predigten und Musik!
Hause! Aber wirklich vor Ort zu sein, spontane
Die regelmäßigen Chorstunden, die Gespräche, Austausch, sich zu sehen,...
Gemeinschaft, das Singen! all das fehlt sehr!
Es macht sehr traurig!
Was habt ihr neu entdeckt? Um so mehr weiß man Treffen im
Mehr Telefonate zu führen mit Men- Freien mit einzelnen lieben Freunden
schen, die alleine leben. zu schätzen. Sei es ein Spaziergang oder
Zeit nehmen für Spiele! ein Glühweinabend auf der Terrasse im
Urlaub in Deutschland (wenn über- Dezember.
haupt möglich) an wunderschönen
Plätzen! Verena N.
9Corona
Wunder mitten in der Traurigkeit
Ein Ehepaar, beide um die fünfzig, lag einem Gottesdienst, einem Kranken-
im Krankenhaus mit der Covid-Erkran- haus, auf der Straße, während der Arbeit
kung. Jeden Tag schickte der Mann einfach mal ganz bewusst innezuhalten
seiner Frau, die in einem anderen Zim- und mitzufühlen — mit denen, die es
mer untergebracht war, ein Stückchen meiner Meinung nach in dieser Zeit am
Gebäck aus seiner Verpflegung — einen schwersten haben. Ich denke aber auch
kleinen Gruß, weil man einander nicht an viele Wunder, die wir als Gemeinde
besuchen konnte. Eines Tages saß der und als Familie erlebt haben. Es ist ein
Mann auf seinem Bett mit Tränen in den großes Wunder, dass in unserer Gemein-
Augen. Auf dem Nachttisch der unbe- de, soviel ich weiß, niemand an Corona
rührte Kuchen. erkrankt ist. Unseren Gottesdienst gibt
es mit wenigen Ausnahmen schon ein
Diese Geschichte passierte in Russland Jahr lang online und live — es ist eine
oder auch in Italien, in Brasilien, den USA enorme Leistung von vielen Mitarbeiten-
oder bei uns in Deutschland? Wie viele den! Neulich habe ich von Freunden aus
waren das? Wie viele werden es noch Krefeld gehört, wie froh sie sind, dass es
sein... Das ist es, was mich richtig traurig dort auch eine Online-Übertragung des
macht, wenn ich an die vergangenen Gottesdienstes gibt — seit einem Monat!
zwölf Monate denke. Mit vielen verschie- Wie gut haben wir es.
denen Beschränkungen, mit der Masken-
pflicht, mit geschlossenen Schulen kann Ein vielfaches Wunder ist, dass unsere
ich umgehen, weil ich weiß, warum es so drei großen Kinder im vergangenen Jahr
ist. Das Elend konkreter Menschen, die alle gute Berufsabschlüsse machen konn-
einsam gestorben sind oder ihre Näch- ten und dass jeder eine eigene Wohnung
sten verloren haben, ohne diese ein letz- gefunden hat, nicht weit vom Elternhaus
tes Mal gesehen zu haben, macht mich entfernt und zu fairen Preisen. Wenn
sprachlos. Gott sei Dank kann ich beten. man bedenkt, wie schwierig die Woh-
nungssituation gerade für junge Leute in
Schon lange hat mir ein gemeinsames Karlsruhe ist, kann man nur staunen, wie
Zeichen der Verbundenheit mit den schnell die Umzüge möglich waren!
Opfern dieser Pandemie gefehlt. Ich bin
sehr dankbar, dass unser Bundespräsi- Wirklich sehr fehlt mir die Nähe zwi-
dent zu einem landesweiten Gedenktag schen den Mitmenschen, die früher so
am 18. April aufgerufen hat. Jetzt, wo ich selbstverständlich war: Händeschütteln
diese Zeilen schreibe, liegt dieses Datum bei Begrüßung oder beim Abschied,
noch in der Zukunft. Ich hoffe, dass es einander in den Arm nehmen — vor
an dem Tag wirklich möglich wird, in Freude oder zum Trost. Als Familie haben
10Corona
wir das Privileg, diese Nähe auch weiter Fehlen: Schule und Freunde
zu praktizieren. Ich hoffe und glaube
daran, dass wir es eines Tages in der Ge- Wie habt ihr in dieser Zeit gelebt?
meinde, Verwandtschaft, unter Freun- Wir haben öfters zusammen gegessen
den, Kollegen und Nachbarn wieder tun und mehr zusammen gespielt, aber auch
können — und es richtig feiern werden! mehr Computer gespielt.
Elena H. Was hat euch gefehlt?
Der geplante Ablauf für die Schule hat
mir gefehlt und die Freunde treffen wie
Fehlen: Klassenkameraden wahrscheinlich allen anderen auch.
Wie habt ihr in dieser Zeit gelebt? Was habt ihr neu entdeckt?
Eigentlich habe ich in dieser Zeit gar Jetzt in der Lockdown-Zeit habe ich
nicht anders gelebt. Nur habe ich mich, (wieder) angefangen BMX zu fahren.
in meiner Freizeit, mit keinen Freunden
mehr getroffen. Was ist euch schwer gefallen?
Was ich schwer fand war, sich im Home-
Was hat euch gefehlt? schooling auf die Aufgaben zu konzen-
Mir haben am meisten die Kontakte trieren und wenn es in Meetings techni-
mit den anderen Schülern aus meiner sche Hänger gab, normal mitzukommen.
Klasse gefehlt und der Sport.
Wie hat euch das fehlende Gemeinde-
Was ist euch schwer gefallen? leben bewegt?
Anfangs ist mir der Fernunterricht ziem- Das Gemeindeleben hat sich bei mir
lich schwer gefallen und dass man sich eigentlich gar nicht verändert, nur das
nicht bei den Aufgaben ablenken lässt. ich GU online hatte.
Auch, weil man die ganze Zeit zuhause
mit der Familie war, ist es mir schwerge- Niels T.
fallen, nicht mehr zu streiten als sonst.
Wie hat euch das fehlende Gemeinde-
leben bewegt?
Es war komisch, die ganzen Leute nicht
jede Woche zu treffen und auch in der
Foto: (c) Conny Jahn
Jugend nicht mehr zusammen spielen
und essen zu können.
Julian T.
11Corona
Auf das Wesentliche konzentrieren
Die vergangenen zwölf Monate habe Die Selbstverständlichkeiten sind auf-
ich sehr widersprüchlich erlebt. gehoben. Was mich positiv und kreativ
herausfordert, ist das plötzliche Aus-
Natürlich sind die Einschränkungen be- bleiben von Routine. Ich habe Stimmen
lastend. Keine Frage. Andererseits habe und Kraftquellen entdeckt, die lange
ich mich selbst immer öfter bei dem verschollen waren.
Gedanken ertappt, dass mir dieses Re-
duzierte auch gut tut. Mich auf Wesent- Ich weiß nicht, ob das nachvollziehbar
liches zu konzentrieren, mich und mein ist, was ich hier schreibe. Für mich liegt
Sein zu hinterfragen und mir dabei das begründet in einer Haltung, der ich
bewusst werden zu dürfen, wofür ich mich jeden Tag neu stellen muss:
dankbar sein darf. Statt innerlich gegen Dankbarkeit, Zuversicht, Gelassenheit.
die uns auferlegten Einschränkungen zu Ein kleiner Text zum Jahresbeginn
„wüten“, dürfen wir Hoffnung und Licht drückt das für mich aus:
in eine Welt tragen, die dies meines
Erachtens dringend benötigt. ein weiterer
wetter-trüber Tag
man möchte alle Lichter
einschalten
um der grauen Stimmung
etwas entgegenzusetzen
Foto: (c) Jaro Moravek
in meinem Inneren
ist es hell
das Herz ist
Blick vom Balkon während der Aus- ruhig
gangssperre schlägt gelassen
ich beginne
Ich vermisse vieles, darf jedoch erle- mich mit meinen Morgen
ben, wie manches Selbstverständliche anzufreunden
plötzlich sichtbar wird. Diese „Tren-
nung“ hat mich vielen Menschen viel Die Routine ist unterbrochen und ich
näher gebracht, als ich dies jemals erhasche einen Blick in ein anderes
zuvor war. Und wiederum von anderen Kapitel. Das Erkennen der Zerbrechlich-
entfernt. Es ist wie eine Zäsur. keit des Jetzt lässt Dankbarkeit in mir
12Corona
Beengt
Foto: (c) Jaro Moravek
Das vergangene Jahr war für uns sehr
beengt. In der Erwartung, dass ich für
mein Masterstudium nach Erlangen
ziehen würde, hatten wir eine 1-Zim-
Lichtblick im Frühling 2021 mer-Wohnung angemietet, in der
Michael allein wohnen sollte.
wachsen. Und auch die Möglichkeiten
des Morgen erahnen. Ich schaue nicht Aufgrund von Corona bin ich aber
in den Abgrund der Vergänglichkeit, nie nach Erlangen gezogen und nun
sondern in die leuchtenden Augen eines studieren und arbeiten wir beide in der
neuen, kreativen Werdens. Ich darf kleinen Wohnung. Gleichzeitig sind wir
der werden, der ich gedacht bin. Das sehr dankbar, dass wir Studium und
Geheimnis der Schöpfung wird erst mit Arbeit haben, die uns beiden viel Spaß
dem letzten Atemzug abgeschlossen. machen und dass wir uns weiterhin gut
Der Schöpfer ist immer noch am Werk. verstehen.
Dankbarkeit, Zuversicht, Gelassenheit. Das Gemeindeleben fehlt uns und wir
freuen uns immer auf die Sonntage,
Jaro M. an denen wir am Gottesdienst mitwir-
ken, weil wir so wenigstens ein paar
Geschwister sehen können.
Sarah und Michael S.
Foto: (c) Jaro Moravek
Foto: (c) Jochen Enderle
Frühherbst Italien 2020
13Corona
Ein Jahr Corona-Pandemie:
Ausgebremst oder entschleunigt?
Im Coronajahr 2020 haben wir uns fanden wir sehr gut, allerdings konnten
auf die Geburt von unserem Sohn wir nach langem Überlegen daran lei-
Kilian vorbereitet. Während der der nicht teilnehmen. Uns selbst hätte
Schwangerschaft von Lisa haben wir es nicht viel ausgemacht, draußen eine
die Einschränkungen stark gespürt. Zeit lang zu verweilen, für Kilian wäre
An Umstandsmode zu kommen war es allerdings etwas viel geworden. So-
schwer. Online war vieles ausverkauft mit konnte auch dieses Ereignis für uns
und durch die geschlossenen Läden nicht stattfinden. Generell war es auch
war es kaum möglich, auf normalem bei Familienfesten (Ostern und Weih-
Wege etwas zu bekommen. nachten) schwer, eine Lösung zu finden,
mit der jeder zufrieden sein konnte. Im
Wie viele andere auch hat uns Kurz- großen Kreis feiern ging nicht oder nur
arbeit und Homeoffice erreicht. Neben mit schlechtem Gewissen und Kompro-
Gehaltseinbußen hatte uns dies aber missen.
auch mehr Freizeit eingebracht. Auch
hatte Philipp weitere Sorgen, zum Die Online-Gottesdienste haben da-
Beispiel bei der Geburt dabei sein zu gegen einen guten Ausgleich geschaf-
können. Einerseits durch die Kontakt- fen. So war es insbesondere für Lisa
beschränkungen und andererseits, möglich, während der letzten Zeit der
weil Philipp in der Zeit eine Erkältung Schwangerschaft und im Wochenbett
hatte, die ihm den Zutritt zum Kreißsaal daran teilzunehmen, ohne die Strapa-
verwehrt hätte. zen, aus dem Haus gehen zu müssen.
Für uns war das Kerzenziehen 2019 ein Kurz nach der Geburt von unserem
großes Ereignis. Lisa hat sich Urlaub ge- Sohn Kilian haben wir nicht viel von der
nommen und an vielen Schichten mit- Pandemie und den Einschränkungen
gearbeitet. Philipp konnte es auf Grund mitbekommen, weil wir mit uns selbst
eines Jobwechsels Mitte des Jahres nur beschäftigt waren. Uns ist es also sogar
zu einer Schicht schaffen. Uns beiden zugute gekommen, dass es empfoh-
hat es allerdings viel Spaß gemacht. Die- len war, Besuche einzuschränken und
ses Ereignis und alle damit verbundenen möglichst wenig Kontakt zu haben. So
Emotionen sind leider ausgefallen. hatten wir am Anfang viel Familienzeit
und auch im Krankenhaus Ruhe für uns.
Die Lösung für den Weihnachtsgottes- Ansonsten haben wir in dieser Zeit und
dienst — draußen und in Schichten — auch jetzt noch sehr zurückgezogen
14Corona
gelebt. Im April 2020 wollten wir für spazieren. Und wir haben Freunde und
drei Wochen nach Japan, der letzte Familie, die nicht in Karlsruhe leben,
Urlaub zu zweit. Als die Airline den Flug durch regelmäßige Online-Treffen sogar
gecancelt hatte und Japan schwere häufiger gesehen als normal — was
Einreisebestimmungen auferlegt hatte, sehr erfrischend war.
mussten wir diese Reise schweren
Herzens stornieren. Das hat uns sehr Nach über einem Jahr können wir das
traurig gestimmt. Fazit ziehen, dass die Einschränkungen
in 2020 durch die Pandemie uns
Viele Aktivitäten — die letzten Jahre teilweise zugute gekommen sind. Mit
waren wir oft an zwei Wochenenden im dem Beginn von 2021 fühlen wir uns
Jahr mit Studienfreunden in verschie- allerdings zunehmend eingeschränkt
denen Hauptstädten von Europa — und müde.
konnten wir nicht wahrnehmen. Dafür Wir würden gerne wieder mehr raus
haben wir uns eine eigene „Bubble“ und Kilian die Welt zeigen. Er ist jetzt
aufgemacht, mit Personen, mit denen alt genug, um auch andere Aktivitäten
wir uns ausschließlich treffen. Wir zu machen.
haben noch mehr Zeit als ohnehin mit
der Familie verbracht und waren viel Philipp und Lisa G.
Sommerwege
Barfuß durchs taunasse Gras gehen.
Einmal mit leeren Taschen reisen.
Schlendern durch Fußgängerzone und Park.
Neben einem Kind von Wunder zu Wunder laufen.
Hinter die nächste Kurve schauen.
Das Land der Träume betreten.
Tina Willms
Grafik: (c) Pfeffer
15Corona
Neue Gewohnheiten
Anfang März 2020 besuchten Uli und
ich noch die damals aktuelle Ausstel-
lung im Burda-Museum in Baden-
Baden und ich feierte noch meinen
Geburtstag in etwas größerer Runde
an einem Donnerstagnachmittag im
Gemeindehaus. Am darauffolgenden
Sonntag gab es den ersten Online-
Gottesdienst.
Im ersten Lockdown haben wir neue
Gewohnheiten angefangen, weil alte Ge-
wohnheiten nicht mehr möglich waren,
etwa tägliche größere Spaziergänge.
Im Frühjahr beginne ich normalerweise
mit Fensterputzen und Gardinenwa-
schen und ich versuche das möglichst
schnell zu erledigen, damit ich wieder
Zeit für angenehmere Dinge habe. Letz-
tes Jahr habe ich mir dafür mehr Zeit
Foto: (c) Renate Rimmler
gelassen und das war ganz angenehm.
Bei einem Einkauf auf unserem Wo-
chenmarkt hatte ich mit Verwunderung
beobachtet, dass viele Menschen ganz
Blühender Ginster
interessiert die Auslagen des Blumen-
standes betrachtet haben ohne zu
kaufen, bis ich nach einer Weile gemerkt
habe, dass das die Warteschlange für
den Einlass in den dm-Markt war.
Foto: (c) Renate Rimmler
Als die Tage länger und das Wetter schö-
ner wurde, haben wir Wanderungen
und Radtouren nur in der näheren
16Corona
Umgebung unternommen, teils zu zweit Tasse Kaffee und die beiläufigen Begeg-
und auch in kleineren oder größeren nungen fehlen mir doch sehr.
Gruppen. Wir habe dabei viele uns un- Noch bis November haben wir uns mit
bekannte Ecken entdeckt. Immer wieder unserem Hauskreis getroffen, doch jetzt
waren wir erstaunt, wie schön die Land- schon fast ein halbes Jahr nicht mehr.
schaft um uns herum ist. Kaum ist man Das fehlt mir.
wenige Kilometer aus der Stadt heraus,
erlebt man schon eine andere Welt. Neu entdeckt habe ich das Briefe schrei-
ben. Das tue ich fast lieber als telefonie-
Die erzwungene Pause von vielen Akti- ren. Manchmal schreibe ich aber auch
vitäten habe ich als sehr entspannend einen Brief und telefoniere später mit
erlebt. Ich hatte den Eindruck, dass mein dem Adressaten. So kann ich besser
Leben jetzt langsamer verläuft. Deutlich zuhören und muss nichts mehr von mir
spürbar wurde eine neue Rücksichtnah- erzählen.
me aufeinander. Abstände wurden fast
selbstverständlich eingehalten und das Ich wünsche mir sehr, dass diese lang-
Gedrängel an den Supermarktkassen samere Gangart des Lebens erhalten
entfiel vollständig. Das ist bis heute so bleibt und auch wir als Gemeinde nicht
geblieben und ich hoffe, es etabliert sich wieder unter Termin- und Aktivitäts-
als neue Etikette. Trotzdem habe ich es druck geraten.
genossen, als die Geschäfte wieder ge-
öffnet hatten, in die Stadt zum Bummeln Renate Rimmler
zu gehen.
Überrascht hat mich, wie gut die
Online-Gottesdienste nach anfänglichen
Schwierigkeiten gestaltet wurden und
ich habe relativ selten Gottesdienste
anderer Gemeinden angesehen.
Die Nachmittage auf der Terrasse un-
seres Gemeindehauses und die Abend-
gottesdienste habe ich sehr genossen
und ich sehnte mich danach, dass es
endlich mit den Präsenzgottesdiensten
wieder anfängt. Doch die neuen Prä-
Foto: (c) Renate Rimmler
senzgottesdienste hatten einen anderen
Charakter. Man durfte nicht mitsingen
und sollte nach Ende des Gottesdienstes
möglichst bald nach Hause gehen. Die
17Gemeindekalender
Mai Predigt / Moderation
01 Sa 1. Mai Feiertag
02 So 10:30 Gottesdienst online DK / RB
03 Mo
04 Di
05 Mi
06 Do 19:00 Abendgottesdienst
07 Fr ab 09:00 Fortbildungsveranstaltung OHIO e.V.
08 Sa
09 So 10:30 Gottesdienst online TS / NN
Muttertag
10 Mo 20:00 Online-Treffen der Gemeinde zum Zukunftsprozess
11 Di 20:00 Vorstandssitzung OHIO e.V. (online)
12 Mi
13 Do Christi Himmelfahrt 19:00 Abendgottesdienst
14 Fr
15 Sa
16 So 10:30 Gottesdienst online HK / SS
17 Mo
18 Di 18:30 Ältestenrat
19 Mi 20:00 Jahresmitgliederversammlung OHIO e.V. (online)
20 Do 19:00 Abendgottesdienst
21 Fr
22 Sa
Beginn der Pfingstferien
23 So
10:30 Gottesdienst online HK / EM
Pfingsten
24 Mo Pfingstmontag
25 Di
26 Mi 20:00 Online-Treffen der Gemeinde zum Zukunftsprozess (falls möglich, in Präsenz)
27 Do 19:00 Abendgottesdienst
28 Fr
29 Sa ab 15:00 Workshop für unsere iranischen Geschwister mit Amir Paryari
30 So 10:30 Gottesdienst online HK / JE
ab 12:30 Gottesdienst mit Amir Paryari
31 Mo
Terminänderungen und zusätzliche Termine erscheinen zeitnah auf www.efg-karlsruhe.de.
Für alle Termine gilt zur Zeit: Unter Vorbehalt!
Außerordentliche Termine bitte weitergeben an termine@efg-karlsruhe.de.
18Gemeindekalender
Juni Predigt / Moderation
01 Di 20:00 Online-Treffen der Gemeinde zum Zukunftsprozess (falls möglich, in Präsenz)
02 Mi
03 Do Fronleichnam 19:00 Abendgottesdienst
04 Fr
05 Sa
06 So 10:30 Gottesdienst online HK / MS
Ende der Pfingstferien
07 Mo
08 Di
09 Mi
10 Do 19:00 Abendgottesdienst
11 Fr 11.06 bis 13.06. Wochenende der Jugend (unter Vorbehalt)
12 Sa
13 So 10:30 Gottesdienst online HK / RB
14 Mo
15 Di
18:30 Ältestenrat
16 Mi
20:00 Vorstandssitzung OHIO e.V. (online)
17 Do
19:00 Abendgottesdienst
18 Fr
19 Sa
20 So
10:30 Gottesdienst online HK / MM
Redaktionsschluss für mal eben Juli / August / September
21 Mo Sommeranfang
22 Di 19:30 Treffen der Diakonatsleiter
23 Mi 20:00 Kommunikationsworkshop OHIO e.V. (online)
24 Do 19:00 Abendgottesdienst
25 Fr
26 Sa
27 So 10:30 Gottesdienst online TS / RW
Jahresgemeindeversammlung 2. Teil
28 Mo
29 Di
30 Mi
HK Hans Kolthoff RB Rainer Bräutigam MM Manuela Moravek RW Renate Wittmann
TS Thomas Singer JE Jochen Enderle MS Michael Syring
DK Daria Kraft EM Eckard Marchel SS Sarah Syring
19Corona
Wie ein Statist in einem Science Fiction Film
Letztes Jahr im Frühling während des frankreich Anfang September — stor-
ersten Lockdowns habe ich mich ge- niert. Zu beiden Zielen wären unsere
fühlt wie ein Statist in einem Science Kinder mitgekommen. Ob wir das noch
Fiction Film. Beim Einkaufen kamen nachholen können? Vielleicht wird es
einem lauter Maskierte entgegen. Auf Corona irgendwann wieder zulassen,
dem Weg zur Arbeit waren die Straßen aber ob unsere Kinder dann noch mit-
wie leergefegt. Die Fahrt war ange- kommen wollen?
nehm, weil man gut vorankam, aber
auch gespenstisch. Alle Familienmit- Neu entdeckt habe ich digitale Veran-
glieder waren mehr zuhause, d. h. der staltungen, wie den Gottesdienst oder
Nahrungsbedarf schoss sprunghaft in das Weihnachtskonzert von Christina
die Höhe. Ich war ständig am Einkau- Brudereck, und digitale Kommunika-
fen, Einkäufe verräumen, Kochen, tion, Zoom-Meeting, Webex-Meeting,
Küche aufräumen. Es stellte sich die Jitsi-Meeting, GoToMeeting. In diesem
Frage, wie viel Nudeln und Tomatenso- Bereich habe ich meine Kompetenzen
ße braucht man im Katastrophenfall? stark ausgebaut. Gerade das digitale
Und die tägliche Frage: Was koche ich Kirchenkaffee hat mir geholfen, mich
heute? weiterhin mit der Gemeinde verbunden
zu fühlen. Auch im privaten Rahmen
Lockdown — Ausgangssperre. Um dem war und bin ich froh über diese Mög-
Gefühl des Eingesperrtseins etwas zu lichkeiten. Aber seit Dezember 2020
entgehen, entdeckten wir die nähere merke ich immer mehr, dass diese
Umgebung. Die Flugplatzrunde wurde Formate den persönlichen Kontakt
schnell eintönig und so erforschten wir
den Kraichgau und das Dreieck Karls-
ruhe – Pforzheim – Rastatt bei unseren
wochenendlichen Spaziergängen. Wald,
Wiesen, Weinberge — wunderschön.
Im Sommer konnte man dann sogar
noch einkehren.
Im Sommer haben wir auch spontan
noch kleinere Reisen in Deutschland
unternommen. Das Bedürfnis „raus-
Foto: (c) Schultheis
zukommen“ war groß. Die geplanten
und gebuchten Urlaubsreisen fielen
allerdings aus. Paris an Ostern und Süd-
20Corona
nicht ersetzen können. Da freut man einsamer als 2019 gedacht, aber wir
sich, wenn immerhin jemand an der können uns nicht beschweren. Uns
Tür klingelt und man direkt ein paar geht es gut und wir sind versorgt und
Worte wechseln kann. Vereinzelt finden gesegnet.
ja auch Begegnungen statt. Mit einer
Person / einem Haushalt darf man sich Was habt ihr in dieser Zeit erlebt?
immerhin treffen. Aber immer flüstert Schwer zu sagen. Jasmin hat sich rasant
der kleine Mann im Ohr: „Ist das nicht entwickelt und wir müssen mithalten.
zu gefährlich? Und wenn sich jetzt Da bleibt nicht viel Zeit, über gestern
jemand ansteckt?“ nachzudenken.
Ja, ich fühle mich entschleunigt. Es Was hat euch gefehlt?
macht sich schon bemerkbar, dass Andere Leute, andere Familien, andere
wir kaum noch Termine haben. Aber Kinder, ein Tapetenwechsel und mit
vor allem fühle ich mich mittlerweile anderen Leuten singen.
ausgebremst — mir reicht's. Und ich
bin genervt. Jeden Tag beherrschen die Was habt ihr neu entdeckt?
Corona-Zahlen die Nachrichten. Es gibt Die Spielplätze in Karlsruhe sind richtig
soviele Experten und noch mehr Mei- cool. Das eigene Arbeitszimmer ist echt
nungen, wie man die Infektionszahlen praktisch.
eindämmen kann. Jeder weiß es besser,
aber keiner hat wirklich die Lösung. Was ist euch schwergefallen?
Ich warte auf den Fortschritt der Imp- Viele Kontakte zu pflegen, wenn man
fungen — und hoffe, dass dann alles sich nicht persönlich und spontan tref-
wieder besser wird. fen kann.
Silke S. Wie hat euch das fehlende Gemeinde-
leben bewegt?
Wir finden es super, dass die Gemeinde
so viel Arbeit in die Online-Gottes-
Trotz allem gesegnet dienste steckt. Trotzdem fehlen uns der
direkte Kontakt mit den anderen Ge-
Wie habt ihr in dieser Zeit gelebt? meindemitgliedern sehr, das gemein-
Trotz Corona waren wir immer einer same Singen und einfach das Gemein-
mehr als noch davor. Wir haben das degefühl. Andererseits rückt so der
erste Mal als kleine Familie gelebt und Schwerpunkt auf die eigene, geistige
unsere eigenen Routinen entwickelt, Entwicklung.
da Arbeit und Studium fast normal
weitergingen. Insgesamt war die Zeit Irina und Karim B.
21Corona
Ausgebremst. Dankbar. Wie weiter?
Weil es sehr vielen so geht, will ich Erkenntnis, wenn ich sie nicht mit ande-
nicht reden von fehlenden Besuchen ren teilen kann?“
und Umarmungen durch Kinder und
Enkel. Aber allgemein sei dazu festge- Ja, das Beten ist mehr geworden, d. h.
stellt: Im Rückblick sind die fehlenden vor allem die Fürbitten, weil die Pro-
Treffen und Gespräche mit Menschen bleme der Menschen nah und fern in
das am meisten Vermisste. solchen Zeiten stärker bewusst werden.
Doch sehr fehlt der gelöste Dank und
Es hat Auswirkungen auf die eigene Lobpreis mitten in der Gemeinde. Das
Psyche. Depressive Phasen waren mehr und ebenso das Abendmahl funktio-
und optimistische mit Freude weniger nieren nicht richtig im bequemen
als sonst. Der Elan des Anfangs, sich mit Sessel vor dem Bildschirm. Trotzdem
vielen Dingen zu beschäftigen, sank. bin ich dankbar: für die Möglichkeiten
Wofür mache ich alles? Nur für mich? von ZOOM-Treffen und YouTube-Got-
Wie viel mehr könnte ich mit ande- tesdiensten und vor allem, dass meine
ren zusammen und besser tun! Ihre ganze Familie bisher ohne Ansteckung
Teilnahme und Rückmeldungen fehlen. blieb.
Telefon und Video sind kein vollwer-
tiger Ersatz für persönliche Nähe. Ich arbeite in Landau mit bei Treffen,
die auf der Basis von Evangelischer Alli-
Schlimm ist für mich besonders das anz und ACK stattfinden. Im September
fehlende gemeinsame Singen. Weil ich konnten wir nach einem halben Jahr
beim Online-Gottesdienst merkte, dass mal wieder einen Seminartag durch-
meine Stimme begann, Probleme zu führen. Die ca. 50 Teilnehmerinnen und
machen, ließ ich mich ein auf Chor- Teilnehmer aus verschiedenen Kirchen
Übungen, die Profis im Netz anbieten. und Gemeinden äußerten durchweg
Die Begeisterung sank schnell, weil man ihre Freude darüber, sich wieder
bei den Liedern zwar die eigene Stim- gemeinsam über ihre Erfahrungen im
me lernt, aber den Gesamtklang des Glauben auszutauschen und gestärkt zu
Chores dabei nicht hört, sondern nur werden. Sie brauchten das, um weiter
die Klavierbegleitung. Doch man muss für Jesus tätig zu sein. Das bestätigte
was für die Stimme tun. mich in meiner Frage an Gott, was er
damit bezweckt, dass seine Kinder in
Die Beschäftigung mit dem Wort Gottes der Hinwendung zum Nächsten und
habe ich schon immer gern gemacht. in der Missionierung so eingeschränkt
Es ist nicht mehr geworden. Dazu kam werden. Müssen wir auf neue Möglich-
die Frage: „Was nützt das Anhäufen von keiten und Wege in kommenden Situ-
22Corona
Herr, dein Wille geschehe
ationen vorbereitet werden? Unsere Unsere Goldene Hochzeit hatten wir
Aufgabe bleibt doch bestehen. Das war im Kreise unserer kleinen Familie in
auch bei Paulus so, obwohl er für seine Teheran 2019 mit Kaffee und Kuchen
Behinderung die Antwort erhielt: „Mei- gefeiert. Wir wollten in Deutschland
ne Gnade genügt dir, denn meine Kraft dann ein Jahr später das Fest in etwas
kommt in Schwachheit zur Vollendung.“ größerem Rahmen nachholen. Doch
(2. Kor. 12,9). dann kam Corona.
Trotz Impfungen werden wir lernen So war es 2020 wieder ein kleines Kaf-
müssen, weiter mit dem Virus um- feetrinken, gemeinsam aber mit Ab-
zugehen, privat und öffentlich. Wie? stand auf oberer und unterer Terrasse.
Antworten werden wir gemeinsam Dieses Jahr ist für mich jetzt schon klar,
mit Hilfe des Heiligen Geistes finden. dass unser Hochzeitstag nicht wirklich
Deshalb bin ich auch gespannt, was der etwas Besonderes sein wird, weil es für
Zukunftsprozess unserer Gemeinde an mich immer heißt : „Herr, dein Wille
Konsequenzen aufzeigen wird. geschehe".
Dieter L. Marliese K.
Foto: (c) Khazei
23Corona
Langweilig
Die Coronazeit war und ist für mich hat einige Male geprobt — diejenigen,
am ehesten langweilig. Zum Glück die zur Probe kamen, hatten wenig
kann ich so etwas sagen, da in meinem Angst vor Covid. Musikalisch habe ich
Familien- und Freundeskreis niemand an einigen Corona-Aktionen teilge-
schwer an Covid erkrankt ist. Das Letz- nommen. Auf unserem Balkon war
te, was vor dem Lockdown stattfand, ich leider die Einzige in der Nachbar-
war ein sehr gelungenes Familien- schaft, die gefiedelt hat und ich habe
treffen in Norddeutschland und der bei einem Online-Orchester mitge-
Weltgebetstag in Leopoldshafen. spielt. Auf YouTube bin ich viel un-
terwegs, sehe mir Gottesdienste und
Beruflich bin ich seit meiner Zeit in Konzerte an und habe zehn Lektionen
Norddeutschland nicht weitergekom- Jiddisch absolviert.
men: Ich hatte noch einen Vorschlag
zur Zusammenarbeit per E-Mail an Schön war, dass uns die Reisebeschrän-
eine Praxis geschickt, aber nie etwas kung auch unseren Sohn zuhause be-
daraufhin gehört. Dass meine weiteren schert hat. Er verbrachte ein Urlaubs-
Bewerbungen wegen des Lockdowns semester bei uns und wollte eigentlich
erfolglos blieben, denke ich eher nicht. sechs Monate herumreisen.
Außerdem bekam ich immerhin drei
Monate länger Arbeitslosengeld. Ich habe seit einem Jahr ein neues
Ach ja, das Seniorenorchester Karlsruhe Smartphone und damit die Möglich-
Foto: (c) Hella Weidemann
24Corona
keiten von dessen Kamera ausgelotet. Mehr Arbeit
Sehr stolz bin ich darauf, dass ich damit
am 20. Juli den Kometen Neowise „ein- Als Schulleiterin an einer Grundschule
fangen“ konnte. haben meine Aufgaben pandemiebe-
dingt ziemlich zugenommen.
In den Online Gottesdiensten vermisse
ich am meisten das Abendmahl. Auch Im Moment organisiere ich die Notbe-
wenn dieses sich nicht gut digital ein- treuung der kommenden Woche. Die
nehmen lässt, sollte man es vielleicht Corona-Schnelltests für die Schüle-
trotzdem öfter zum zeitgleichen Feiern rinnen und Schüler habe ich über den
anbieten. Die Begegnungen im Kirchen- Förderverein beschaffen müssen, da das
kaffee vermisse ich zwar auch, aber Land nicht zeitgerecht liefert. Die Vertei-
das virtuelle Treffen ist kein schlechter lung der Tests an die Familien findet am
Ersatz, insbesondere da man sich mit Sonntagvormittag (für Montag) statt.
Geschwistern unterhält, mit denen
man sonst nicht spricht, weil sie teil- Dann müssen noch die Materialpakete
weise einfach nicht in Präsenz in die für das Fernlernen nächste Woche und
Ohiostraße kommen können. den Wechselunterricht erstellt und
Sehr schade finde ich auch, dass unser verteilt werden und noch die Testpflicht
Hauskreis im weiteren Verlauf nicht für Woche 16 umgesetzt werden.
virtuell stattfand. Auf der anderen Seite
habe ich wieder virtuellen Kontakt zu Ich unterstütze die Kolleginnen bei
den Geschwistern in Heide und dem Fragen zu Moodle oder BigBlueButton,
dortigen Hauskreis. konfiguriere virtuelle Klassenräume
nach den Wünschen der Kolleginnen,
Dass Gemeindegesang unter Coronabe- beantworte unzählige Mails verunsi-
dingungen nicht gestattet ist, empfinde cherter Eltern oder reagiere diploma-
ich als sehr starke Einschränkung. Da tisch auf unrealistische Forderungen
müsste ich mir jedes Mal die Zunge realitätsferner Eltern.
abbeißen!
Diese Dinge bestimmen seit einem Jahr
Da die Inzidenz aktuell so hoch ist und mein Denken. Gerade befinden wir uns
trotz aller Maßnahmen irgendwie kein wiedermal in einer pandemiebedingten
Ende abzusehen ist, schätze ich die Umbruchphase, neue Vorgaben des
virtuellen Gemeinde-Veranstaltungen Kultusministeriums müssen umgesetzt
umso mehr und vermeide weiterhin werden. Viel Zeit für angenehmere
Präsenztreffen. Dinge bleiben da nicht.
Hella W. Kirsten K.
25Corona
Ein Jahr Corona-Pandemie
Um es gleich mal voraus zu schicken, Schulterlänge erreicht, bevor es mit
dies wird ein „Jammern auf hohem Ni- dem Friseurtermin geklappt hat. Got-
veau“, wie ich es zu sagen pflege. Denn tesdienst geht nicht persönlich, aber
es gibt wirklich keine Gründe, warum ich freue mich jeden Sonntag auf die
das letzte Jahr für mich persönlich so Online-Übertragung. OHIO-Vorstands-
besonders schwierig gewesen wäre. sitzungen laufen online schon fast nor-
mal — und man spart die Anfahrtszeit.
Wir in der Familie sind alle gesund und Und eine dreistündige Gemeindever-
haben auch keine Existenzängste zu sammlung online — geht doch.
erleiden. Da kenne ich im Bekannten-
kreis Personen, die schwere persön- Die Pandemie ist auch eine große
liche Verluste zu beklagen haben. Ich Chance, nicht einfach so weiterzuma-
bin fast geneigt, Psalm 127 zu zitieren chen. Ich hoffe sehr, dass unser Leben
„Den Seinen gibt's der HERR im Schlaf“, nach der Pandemie nicht wieder in den
denn diesen glücklichen Umstand habe alten Trott zurückfällt, sondern dass wir
ich nicht durch eigene Anstrengungen Verhaltensweisen und neue Umgangs-
erreicht, sondern durch das Wohlwol- formen, da wo sie uns helfen, weiter-
len und die Gnade unseres Herrn Jesu. pflegen. Technische Möglichkeiten dort
nutzen, wo sie uns Vorteile bringen,
Auch ich könnte natürlich viele Dinge jetzt da wir mit dem Umgang dieser
anführen, die ich für das letzte Jahr neuen Technologien zwangsweise so
geplant hatte, aber nicht habe umset- vertraut geworden sind.
zen können. Oder eine Reihe schöner
Gewohnheiten, auf die ich verzichten Aber zum Schluss, um ganz ehrlich zu
musste. Ja, natürlich fehlen mir als sein, da gibt es doch etwas für mich
leidenschaftlicher Kneipengänger die Schwieriges. Vielleicht geht es dem
Gespräche an der Theke oder als ge- einen oder anderen ähnlich. Mir fällt
wohnt Vielreisender die Abwechslung es schwer, mich beim Online-Gottes-
von anderen Menschen, Städten und dienst zu konzentrieren. Da sind die
Ländern. Aber was bringt das? Ablenkmöglichkeiten vielfältig und
Bei mir überwiegt die Dankbarkeit, plötzlich verdaddelt man seine Zeit mit
wie normal mein Leben in den letzten anderen Dingen als dem Gottesdienst.
zwölf Monaten doch weitestgehend Deswegen — und nicht nur deswegen
verlaufen ist. Neue Joggingschuhe kann — sehne ich mich nach dem Präsenz-
ich eben nicht wie üblich im Sportfach- gottesdienst.
geschäft kaufen, sondern da geht man
zum Real, und die Haare hatten schon Matthias G.
26Corona
Begegnungsmensch Alltag auf den Kopf gestellt
AUSGEBREMST Corona hat für uns als Familie den
mal diesen, mal jenen grüßen, kurz Alltag immer wieder auf den Kopf ge-
plaudern. Ich stelle fest, dass ich ein stellt. Und gleichzeitig passt es genau
Begegnungsmensch bin, online Begeg- in unsere aktuelle Familiensituation:
nung mag ich nur fürs „Geschäftliche“. Wir sind dankbar für die Familienzeit,
mehr Zeit in der Schwangerschaft
Arbeitsverbot/Quarantäne oder Krank- zusammen und dann unseren Neu-
heit sind für mich als Selbstständige mit zuwachs alle gemeinsam wachsen zu
direkten finanziellen Einbußen verbun- sehen.
den. Auch deshalb bin ich jeden Tag
dankbar, an dem ich gesund bin und Mein Mann im Homeoffice verschafft
arbeiten kann. mir viel Unterstützung und mehr Frei-
heit. So sind wir weder ausgebremst
ENTSCHLEUNIGT noch entschleunigt.
Weniger Treffen, Termine und To-Do‘s
in der Ohiostraße sparen mir viel Fahr- Die Prioritäten haben sich verschoben,
zeit. Ich habe Raum in mir für Träume das, womit wir unsere Zeit verbringen
und Sehnsuchtsgedanken über meine (dürfen). Denn beruflich geht es im
Gemeinde. gleichen Tempo weiter, wenn nicht gar
etwas schneller.
Inspirierend und berührend sind für
mich kurze Haustür-Kontakte oder Die Kinderbetreuung an die neue sich
Telefonate mit einsamen, kranken Men- ständig ändernde Situation anzupassen
schen. Dafür finde ich mehr Zeit. kostet Energie. Doch haben sich neue
Rituale mit den Großeltern etabliert.
Karin L.-R.
Wir vermissen die Besuche von
Freunden und das Planen von Freizeit-
Aktivitäten. Und auch wenn ich die
Flexibilität der Online-Gottesdienste
sehr zu schätzen weiß, vermisse ich die
Gottesdienste und die Gespräche rund-
herum. Umso mehr genieße ich daher
Foto: (c) Peter Thümmel
die besondere Gemeinschaft, wenn ich
am Gottesdienst beteiligt bin.
Jenna v. H.
27Corona
Vermisst: Möglichkeit zu persönlicher Begegnung
Wie habt ihr in dieser Zeit gelebt? Highlights waren für mich, dass sowohl
Im Frühlingslockdown 2020 und wieder meine Tante wie auch meine Mutter und
seit November 2020 lebte und lebe ich meine Schwiegereltern zwischenzeitlich
ziemlich zurückgezogen und arbeite geimpft sind.
im Home-Office. Eine Woche Fahrrad-
urlaub im Mai an der Schlei und ein Was hat euch gefehlt?
kurzer Sommerurlaub in Kirchzarten Am meisten fehlt mir die Möglichkeit
waren schön und erholsam, und eine zu persönlicher Begegnung und Aus-
willkommene Unterbrechung. Ohne tausch, privat wie auch beruflich. Ge-
Corona hätte ich den Schwarzwald viel- schlossene Restaurants und Läden und
leicht nie zum Urlaubsgebiet erkoren, verwaiste Innenstädte bedrücken mich.
geplant war eigentlich ein Urlaub in
der Provence. Jetzt wollen wir — wenn Was habt ihr neu entdeckt?
möglich — wieder hinfahren... Von Februar 2020 bis Januar 2021 habe
ich eine Weiterbildung zum Business-
Coach gemacht, unfreiwillig teilweise
auch virtuell. Ich konnte feststellen,
dass sowas auch im Online-Modus gut
funktioniert. Meine ersten Coachings
habe ich dann hauptsächlich virtuell
gemacht, auch das funktioniert ziemlich
Foto: (c) Jaro Moravek
gut. Außerdem habe ich neue Facetten
und Kompetenzen bei meinen Mitarbei-
terinnen entdeckt, die ohne hauptsäch-
lich virtuelle Zusammenarbeit vielleicht
Erholung in Kirchzarten 2020 verborgen geblieben wären.
Was habt ihr erlebt? Was ist euch schwer gefallen?
Meine Schwiegereltern sind 2020 voll Die sogenannte „zweite Welle“ im
ins digitale Zeitalter durchgestartet, Herbst 2020 hat sich für mich wie eine
statt persönlicher Treffen verbinden wir Niederlage angefühlt, und ich habe eini-
uns nun über Skype. Sie sind dadurch ge Zeit gebraucht, um mich zu berappeln.
richtig aufgelebt! Ende September ist
mein Onkel verstorben, und ich begleite Wie hat euch das fehlende Gemeinde-
meine alleinstehende Tante seitdem in- leben bewegt?
tensiver, für sie ist die Trauerzeit durch Einerseits freue ich mich, dass wir als
Corona zusätzlich erschwert. Echte Gemeinde den Umstieg auf virtuelle
28Corona
det. Doch andererseits war ich so weni-
ger abgelenkt und ich konnte mich ganz
in Ruhe anderen Themen widmen. Für
mich ist es momentan nicht die Zeit,
viel am kulturellen Leben teilzuneh-
men. Daher habe ich das wahrschein-
lich weniger vermisst als Andere. Aber
private Treffen sind mir wichtig. Da fällt
es mir schwer, dass das nur sehr einge-
schränkt möglich ist und dass sonst so
erfreuliche beiläufige Aufeinandertref-
Foto: (c) Jaro Moravek
fen häufig so gehemmt sind.
Und natürlich schmerzt es, seinem Kind
zu erklären, dass es Abstand halten
Balkonien im Lockdown 2020 soll. Beruflich musste ich weniger
reisen — das war praktisch, doch fehlt
Formate so gut geschafft haben und mir die Schweiz, wo ich arbeite, sehr.
uns immer noch weiter verbessern. Es Kinderbetreuung und Arbeit parallel zu
ist schön zu sehen, wie viele Menschen stemmen, war herausfordernd und oft
sich sonntagmorgens „zuschalten“ und hatte ich das Gefühl, keinem der beiden
mitfeiern. Andererseits ist es schade, gerecht zu werden. Die Notbetreuung
dass unsere wunderbaren Räumlich- hat glücklicherweise einiges aufgefan-
keiten im Gemeindezentrum nur sehr gen.
eingeschränkt genutzt werden können.
Über die OHIO-Kindertagespflege habe
Manuela M. ich viel Zeit im Gemeindehaus verlebt.
Die ungenutzten Räume konnte ich
unter Berücksichtigung von Schutzmaß-
Neuanfang unter nahmen fürs Homeoffice nutzen. Das
erschwerten Bedingungen habe ich als große Chance erlebt und
gleichzeitig fühlte es sich seltsam an,
Mein letztes Jahr war nicht nur durch die Gemeinde plötzlich in so einem ver-
die Pandemie, sondern auch durch den änderten Setting zu erleben — die lee-
Umzug hierher geprägt. Ein Neuanfang ren Räume, aber auch Veränderungen
unter erschwerten Bedingungen also. hin zu einem virtuellen Gemeinderaum
waren sehr eindrücklich.
Gerne hätte ich mehr neue Kontakte
geknüpft und die Region weiter erkun- Deborah L.
29Veranstaltungen
Ihr seid eingeladen, den Zukunftsprozess unserer
Gemeinde mit zu gestalten
Erinnert ihr euch noch daran, als wir Im zweiten Schritt, den wir auf unserem
es gewagt haben zu bauen, als das letzten Diakonatsleitertreffen am 20.
neue Gebäude Formen annahm und April vereinbart haben, möchten wir
wir begonnen haben zu träumen: mit allen in der Gemeinde ins Gespräch
von einem Haus der Begegnung und kommen. Für diesen zweiten Schritt
Gemeinschaft, einem Ort, in dem sind vier Treffen vorgesehen. Für diese
Senioren, Familien, Kinder und Ju- Treffen haben wir drei Fragen vorbe-
gendliche sich wohl fühlen und ein reitet:
Zuhause finden, einem Ort, in dem 1. Wo brennt dein Herz?
Gäste, Freunde und Hausgenossen 2. Wo siehst du die Gemeinde in 2026?
willkommen sind, in dem man auspro- 3. Was ist dir geistlich wichtig?
bieren kann, was in einem steckt und
gemeinsam im Glauben stark werden Diese Fragen sollen in Kleingruppen
und wachsen kann? diskutiert werden. Dabei wird an jedem
der vier Termine an den gleichen Fra-
Wie sehen unsere Träume heute aus? gen gearbeitet. Dadurch ist die Aus-
Wo sehen wir unsere Gemeinde in der gangslage bei jedem Termin gleich. Wer
Zukunft? Wo liegen unsere Aufträge in an einem oder mehreren der Termine
der Stadt, im Land und in der Welt? nicht teilnehmen kann, hat damit trotz-
Das und noch vieles mehr wollen wir dem die Möglichkeit, sich mit seinen
gemeinsam in einem neuen Licht be- Ideen einzubringen.
trachten. Und das braucht uns alle!
Folgende Termine stehen zur Verfü-
Die Gemeindeversammlung vom gung:
26. März liegt schon fast vier Wochen Montag, 30.4., 20:00 Uhr
hinter uns. An diesem Abend haben Zoom-Meeting
wir euch darüber informiert, dass die Montag, 10.5., 20:00 Uhr
erste Phase unseres Zukunftsprozesses Zoom-Meeting
inzwischen abgeschlossen ist. Hier ging Mittwoch, 26.5., 20:00 Uhr
es vor allem darum, Fragen zu stellen falls möglich, Treffen im Gemeindehaus
und Fragen zu beantworten. Ganz Dienstag, 1.6., 20:00 Uhr
herzlichen Dank für die vielen Rückmel- falls möglich, Treffen im Gemeindehaus
dungen und Nachfragen, die wir per
Mail, telefonisch, in unseren Online- Gerne würden wir im Voraus wissen,
Meetings erhalten haben. mit wie vielen Teilnehmern an den je-
30Sie können auch lesen