PALLPAN Nationale Strategie für die Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen in Pandemiezeiten (PallPan) - medidoc
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PALLPAN Nationale Strategie für die Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen in Pandemiezeiten (PallPan) Forschungsverbund Palliativmedizin im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM)
Inhaltsverzeichnis
PALLPAN
I. Palliativversorgung in der Pandemie
Hintergrund..................................................................................... 3
Nationale Strategie.......................................................................... 4
Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen................... 5
PallPan-Projekt................................................................................. 6
National Pandemic Preparedness................................................... 7
II. Handlungsempfehlungen
Patient*innen und Angehörige unterstützen.................................. 8
Mitarbeitende unterstützen........................................................... 26
Strukturen und Angebote der Palliativversorgung
unterstützen und aufrechterhalten................................................ 33
III. Anhang
Übersicht der PallPan-Studien........................................................ 42
Zusammenfassungen der 16 PallPan-Studien................................ 43
Literaturverzeichnis........................................................................ 75
Der PallPan-Verbund...................................................................... 78
Impressum...................................................................................... 81Hintergrund Universitätsmedizin Rostock
Klinik III (Hämatologie/Palliativmedizin)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Sterben und Tod während der Corona-Pandemie II. Medizinische Klinik und Poliklinik
Erfahrungen im Umgang mit Sterben und Tod (Onkologie/Hämatologie/Palliativmedizin)
während der Corona-Pandemie waren geprägt
Universitätsmedizin Düsseldorf
PALLPAN
von Einsamkeit. Schwerstkranke und sterbende
Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin
Menschen, ob infiziert oder nicht, waren von
Besuchseinschränkungen ganz besonders Universitätsklinikum Würzburg
betroffen - viele blieben selbst in der letzten, oft Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin
schwersten Phase ihres Lebens allein. Darunter
litten Patient*innen, ihre Angehörigen, aber auch Universitätsklinikum RWTH Aachen
die Versorgenden. Einige unterstützende Angebote Klinik für Palliativmedizin
für die Behandlung und Begleitung der Menschen
am Lebensende waren durch die ergriffenen Uniklinik Köln
Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nicht Zentrum für Palliativmedizin und
Klinik für Innere Medizin I
mehr umsetzbar.
Universitätsmedizin Göttingen
Nationale Strategie für die Betreuung Klinik für Palliativmedizin
Schwerkranker und Sterbender in Pandemiezeiten
Universitätsklinikum Jena
Damit schwerkranke und sterbende Menschen Abteilung Palliativmedizin
sowie ihre Angehörigen im weiteren Verlauf der
Pandemie und auch in künftigen Pandemien in Universitätsklinikum Bonn
vollem Umfang begleitet und unterstützt werden Klinik für Palliativmedizin
können, braucht es eine nationale, verbindliche
Strategie in Form von Handlungsempfehlungen und LMU Klinikum München
Best Practice-Beispielen für den praktischen Alltag. Klinik für Palliativmedizin
Universitätsklinikum Freiburg
PallPan Klinik für Palliativmedizin
Die Entwicklung dieser Nationalen Strategie ist das
Ziel des Verbundprojekts „Palliativversorgung in Universitätsklinikum Erlangen
Pandemiezeiten“ - kurz PallPan. PallPan ist Teil des Palliativmedizinische Abteilung
Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) und wird
Medizinische Hochschule Hannover
vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Institut für Allgemeinmedizin
(BMBF) gefördert.
Der PallPan-Verbund: 13 universitäre palliativmedizinische Einrichtungen
3Nationale Strategie
Ziel
Die Nationale Strategie für die Betreuung von
Versorgende PALLPAN
schwerkranken und sterbenden Menschen und
ihren Angehörigen in Pandemiezeiten verfolgt das
Ziel, deutschlandweit eine menschenwürdige und Ärzt*innen, Pflegende,
kompetente Begleitung schwerkranker, sterbender Psycholog*innen, Seelsorgende,
und trauernder Menschen unter den erschwerten Sozialarbeiter*innen,
Umständen einer Pandemie zu ermöglichen. Therapeut*innen, Ehrenamtliche
und Weitere
Datengrundlage Leiter*innen von
Die Grundlage für die Entwicklung der Strategie Einrichtungen und
bilden - neben den Studien aus der internationalen Diensten
Literatur - die Ergebnisse aus insgesamt 16 Studien,
die 2020 und 2021 im Verbundprojekt PallPan Menschen in Leitungsfunktionen in
durchgeführt wurden. Die PallPan-Studien haben Krankenhäusern, Alten-/Pflegeheimen,
Betroffene, Versorgende und Verantwortliche im ambulanten Pflegediensten,
Gesundheitssystem und in der Politik nach ihren SAPV (Spezialisierte Ambulante
Erfahrungen während der Corona-Pandemie befragt Palliativversorgung),
und deren Aussagen systematisch untersucht und Bundes-/Landes- Hospizen und Weitere
ausgewertet. regierungen und
kommunale Verwaltungen
Handlungsempfehlungen
Kernstück der Strategie sind konkrete u.a. Gesundheitsämter, RKI,
Handlungsempfehlungen, die sich in drei Kapitel Krisenstäbe von Bund-Land-
untergliedern: Kommunen
• Patient*innen und Angehörige unterstützen
• Mitarbeitende unterstützen
• Strukturen und Angebote der Palliativversorgung
unterstützen und aufrechterhalten
Zielgruppen der Nationalen Strategie für die Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen
und ihren Angehörigen in Pandemiezeiten
4Betreuung schwerkranker
und sterbender Menschen
Bestmögliche
Ziele der Palliativversorgung Lebensqualität bis
zuletzt
Die Hospiz- und Palliativversorgung - die Betreuung schwer- Linderung
kranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen von körperlichen
- ist inzwischen fester Bestandteil des deutschen Gesund- Beschwerden
heitswesens. Ziel ist es, Leiden zu lindern und die Lebens-
Information und
qualität der Betroffenen zu erhalten und zu verbessern. Die Begleitung
Angehörigen werden bis in die Trauerphase unterstützt. von Angehörigen und
Manche sprechen auch von Palliativmedizin oder Palliativ-/ Trauernden
Hospizversorgung oder Palliative Care.
Grundsätze
der Betreuung Unterstützung
Einrichtungen und Beteiligte bei psychosozialen
schwerkranker und und spirituellen
Die Betreuung von schwerkranken und sterbenden Men-
schen ist Aufgabe von allen Haupt- und Ehrenamtlichen im
sterbender Belastungen
Gesundheitswesen, die Menschen am Lebensende behan- Menschen
deln und begleiten. Dies kann zuhause, im Pflegeheim oder Berücksichtigung
im Krankenhaus sein (= allgemeine Palliativversorgung). Bei kultureller
schwierigen und komplexen Situationen können Spezialisten Hintergründe
der Palliativversorgung (= spezialisierte Palliativversorgung)
ergänzend hinzugezogen werden. Diese stehen ambulant Gemeinsame
Entscheidung über
für die häusliche Versorgung oder in Pflegeheimen (z.B. als
Behandlungs-
SAPV-Team) oder stationär im Krankenhaus (z.B. als Palliativ- Begleitung und
maßnahmen
dienste oder Palliativstation) zur Verfügung. Unterstützung in der
Sterbephase
Palliativversorgung in der Pandemie
Die Grundsätze der Palliativversorgung sind in der Charta
zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen
in Deutschland (Link) und in der S3-Leitlinie Palliativmedizin
(Link) ausführlich beschrieben. Die hier vorgestellte Natio-
nale Strategie beschreibt 33 konkrete Handlungsempfehlun-
gen, um die Grundsätze der Palliativmedizin auch unter den Grundsätze zur Palliativversorgung, auch unabhängig von einer Pandemie (S3 Leitlinie Palliativmedizin/
schwierigen Bedingungen während einer Pandemie sicherzu- Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland)
stellen.
5PallPan-Projekt
Erfahrungen von Patient*innen und AP PALLPAN
Die Arbeitspakete des PallPan-Projektes Angehörigen in Pandemiezeiten
1
Erfahrungen, Bedürfnisse, Belastungen von
Das PallPan-Projekt besteht aus zehn gleichzeitig schwerkranken und sterbenden Patient*innen Pandemiepläne und Krisenstäbe auf Bundes-,
laufenden Arbeitspaketen: in verschiedenen Versorgungssettings Landes-, Stadt- und Kreisebene und lokaler
AP Gesundheitseinrichtungen
6
Untersuchung von Pandemie-Krisenstäben und
16 Studien | AP 1-7 Schnittstellen zu Krisenstäben der lokalen Gesund-
In den Arbeitspaketen 1-7 wurden Betroffene, Allgemeine ambulante Palliativversorgung heitseinrichtungen hinsichtlich ethischer und prak-
Versorgende und Verantwortliche im (AAPV)
Erfahrungen, Herausforderungen und
AP tischer Herausforderungen (Priorisierung/Triage),
2
Gesundheitssystem und in der Politik nach ihren Sammlung und Auswertung von Pandemieplänen
Lösungsansätze von Hausärzt*innen,
Erfahrungen während der Corona-Pandemie befragt Fachärzt*innen, ambulanten Pflegediensten,
und deren Aussagen systematisch untersucht und Alten- und Pflegeheimen, Einrichtungen der Evidenzsynthese der nationalen und
ausgewertet. Außerdem wurden Pandemie- und Eingliederungshilfe AP internationalen Literatur zu Palliativversorgung
7
in Pandemiezeiten
Krisenpläne sowie die nationale und internationale Identifikation und Synthese der nationalen und
Literatur ausgewertet. internationalen Literatur und von Empfehlungen
Spezialisierte ambulante Palliativversorgung
(SAPV) und ambulante Hospizdienste
AP für Palliativversorgung in Pandemiesituationen
3
Handlungsempfehlungen | AP 8 Erfahrungen, Herausforderungen und
In Arbeitspaket 8 wurden die Lösungsansätze für die Arbeit von SAPV-Teams Handlungsempfehlungen
und ambulanten Hospizdiensten
Handlungsempfehlungen basierend auf den AP Entwicklung und Konsentierung von
Handlungsempfehlungen für die Nationale
8
Ergebnissen der Arbeitspakete 1-7 entwickelt.
Strategie für die Betreuung von schwerkranken
Die Handlungsempfehlungen wurden im Rahmen und sterbenden Menschen und ihren
eines Delphi-Prozesses mit 120 Expert*innen aus Allgemeine stationäre Palliativversorgung Angehörigen in Pandemiezeiten basierend auf
verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens, (ASPV) AP den Studien aus den Arbeitspaketen AP 1-7
4
Erfahrungen, Herausforderungen und
der Verwaltung und Politik konsentiert. Lösungsansätze in Krankenhäusern Informationsmaterialien für die Praxis und
der Regel-, Schwerpunkt-, sowie der Definition von Merkmalen zur wissenschaftlichen
Informationssammlung | AP 9 Maximalversorgung AP Erfassung der Palliativversorgung in
9
Pandemiezeiten
Arbeitspaket 9 hat Best Practice-Beispiele gesammelt Erstellen von Informations- und
und Merkmale zur Betreuung schwerkranker und Spezialisierte stationäre Palliativversorgung Schulungsmaterialien, Best Practice-
sterbender Menschen für Forschungsprojekte (SSPV)
Erfahrungen, Herausforderungen und
AP Beispiele, digitale Informationsplattform,
5
identifiziert. Forschungsdatenbank
Lösungsansätze von Mitarbeitenden auf
Palliativstationen, in Palliativdiensten und in
Projektkoordination | AP 10 stationären Hospizen in Bezug auf die Betreuung
AP Projektmanagement und Koordination
10
Arbeitspaket 10 beinhaltet die Koordination und sowie Schutz- und Hygienekonzepte Koordination des Forschungsverbund PallPan,
Organisation des ganzen PallPan-Projekts. Kontakt mit Nationaler Task Force und
anderen Konsortien im Forschungsnetzwerk,
Organisation eines Abschlusssymposiums
Die Arbeitspakete des PallPan-Projektes
6PallPan als ein Baustein der
Nationalen Pandemic Preparedness
Webbasierte Weiterentwicklung
PallPan-Plattform und
(in 2021) Aktualisierung
Zielgruppengerechte Bereitstellung
von Informationsmaterial: Kontinuierliche Aktualisierung
der zur Verfügung gestellten
• Schulungsmaterial Informationen und
• Praxisbeispiele Anpassung der
• Angebot für trauernde Handlungsempfehlungen
Angehörige an neue Erkenntnisse
• Weiterführende Links
• Studiendatenbank PALLPAN
Nationale Strategie
für die Betreuung von
schwerkranken und sterbenden Menschen
und ihren Angehörigen
in Pandemiezeiten
733 Handlungsempfehlungen
Handlungsempfehlungen Handlungsempfehlungen Handlungsempfehlungen
1-19 20-25 26-33
Patient*innen Mitarbeitende Strukturen und Angebote
und Angehörige unterstützen der Palliativversorgung
unterstützen unterstützen und
aufrechterhalten
8Handlungsempfehlungen
1-19
Patient*innen
Hintergrund der Handlungsempfehlungen
und Angehörige Welche Herausforderungen wurden durch die
unterstützen PallPan-Studien identifiziert?
●● Die Pandemie führte zu einer medizinischen Unterversor-
gung der schwerkranken und sterbenden Menschen:
•• Infizierten Patient*innen stand oft keine spezialisierte
Palliativversorgung zur Verfügung; Versorgende hatten
z.T. Angst vor einer Infektion.
•• Es fanden weniger Hausbesuche aufgrund bestehen-
Handlungsempfehlungen 1-5 der Unsicherheiten bei Versorgenden und Patient*in-
nen oder aufgrund der Kontaktbeschränkungen statt.
Palliativversorgung bei infizierten und nicht-infizierten •• Symptome konnten oft nicht ausreichend gelindert
Menschen gewährleisten werden aufgrund zu weniger oder zu später eigentlich
notwendiger stationärer Aufenthalte oder zu früher
Die im Rahmen des PallPan-Projektes durchgeführten Erhebungen verdeutlichen, wie die Krankenhaus-Entlassungen. Z.T. wollten die Patien-
Versorgung von Menschen am Lebensende in einer Pandemiesituation herausgefordert ist. ten selbst nicht ins Krankenhaus aus Angst vor einer
Infektion.
Schwerkranken und sterbenden Menschen mit einer Infektionskrankheit drohen in erster
Linie Vereinsamung und palliativmedizinische Unterversorgung. Aber auch nicht-infizierte •• Die Verfügbarkeit von Medikamenten war durch
Menschen sind von den Kontaktbeschränkungen, den z.T. unzureichenden materiellen Lieferengpässe und Mangel an Verschreibungen
Kapazitäten (Impfungen, Schutzausrüstung, Testungen, etc…) und der starken Auslastung des aufgrund reduzierter Arzt-Patienten-Kontakte einge-
Gesundheitssystems betroffen. Doch die Erhebungen haben auch gezeigt, dass der Einsatz und schränkt.
das Engagement vieler Versorgenden es oft ermöglichte, die Einschränkungen in der Versorgung •• Es gab zu wenige Testmöglichkeiten, z.B. bei Entlas-
anderweitig zu kompensieren. sung in den ambulanten Bereich.
Pandemieszenarien, in denen eine generelle intensivmedizinische Ressourcenknappheit herrscht, •• Kontaktbeschränkungen erschwerten die interdiszipli-
sind bisher in Deutschland nicht aufgetreten. Solche Erfahrungen in anderen Ländern machen näre und multiprofessionelle Zusammenarbeit.
dennoch deutlich, wie wichtig eine gute palliativmedizinische Behandlung bei Menschen ist, die ●● Patient*innen vereinsamten oft aufgrund der einge-
lebenserhaltende Therapien nicht (mehr) bekommen können. Insgesamt weisen die Erhebungen schränkten Besuchsmöglichkeiten durch die Angehörigen,
auf die zentrale Rolle der spezialisierten Palliativversorgung hin, deren Expertise durch Beratung aber auch aufgrund seltener Besuche des Pflegepersonals
und (Mit-)Behandlung zur bestmöglichen Betreuung am Lebensende beiträgt. und häufiger Verlegungen am Lebensende. Fehlende
Berührungen/Körperkontakt durch die Isolierung wirkten
sich negativ auf das Wohlbefinden der Patient*innen aus.
PALLPAN
1 9Handlungsempfehlungen 1-5
Palliativversorgung bei infizierten und nicht-infizierten Menschen gewährleisten
1
Versorgende sollen infizierte und nicht-infizierte
1 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
●● Telefonische/digitale palliativmedizinische und seelsorgerische Beratung,
auch der Angehörigen.
schwerkranke und sterbende Menschen und ihre ●● Kontinuierliche Ansprache der Betroffenen durch das multiprofessionelle
Angehörigen palliativmedizinisch bestmöglich Team (inkl. psychosozialer Berufsgruppen) auf informeller Ebene
behandeln: (bspw. Flurgespräche) und auf strukturierter Ebene (bspw. regelmäßige
Telefonkontakte).
●● Eintägiger „Letzte Hilfe Kurs“ für Angehörige von schwerkranken und
●● Sie erfassen und lindern belastende Symptome. sterbenden Patient*innen (Bollig, 2020).
●● Sie erheben psychosoziale und spirituelle Bedürf- ●● Einsatz von Seelsorgenden, Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen in
der Versorgung auch bei Kontaktbeschränkungen.
nisse und bieten bei Bedarf Unterstützung an.
●● Einsatz von ambulanten Hospizkoordinator*innen zur Beratung und
●● Die Einrichtungsleitung hält Medikamente für die Unterstützung Angehöriger.
Linderung der häufigsten Infektionssymptome ●● Freiwillige treffen sich vor Stationen mit Angehörigen.
vor. ●● Zentralapotheken legen Vorrat mit essentiellen Medikamenten (z.B.
Morphin) für 4 Wochen an. (Link)
●● Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin
(DGP) erstellt bei einer Pandemie evidenzbasierte Weitere Informationen:
Empfehlungen zur symptomatischen Linderung ●● Übersicht über verschiedene palliativmedizinische Ansätze für die
der häufigsten Infektionssymptome. Versorgung von Patient*innen mit COVID-19 und ihren Angehörigen
(Fadul, 2020).
2 10Handlungsempfehlungen 1-5
Palliativversorgung bei infizierten und nicht-infizierten Menschen gewährleisten
2 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
●● Palliativdienste und SAPV bieten kurze Praxisempfehlungen,
Schulungen, (konsiliarische) Mitbehandlung, Beratung über
Telefon- und Videosprechstunden.
●● Peer-Learning für Palliativversorgung und -medizin (kollegiale
2
Telefonberatung und palliativmedizinische Schulungen für andere
Abteilungen, ggf. online).
●● Zusammenarbeit von spezialisierten und allgemeinen
Palliativversorgungs-Netzwerken und Landesverbänden.
●● Ethikberatung konsultieren.
●● Entwicklung eines „Palliative Care Pandemic Pack“ für eine
Versorgende sollen bei der Behandlung Palliativversorgung durch nicht-spezialisierte Kollegen (Ferguson,
von infizierten schwerkranken und sterbenden Menschen 2020).
die Expertise und Ressourcen der spezialisierten ●● „Palliative Care Toolkit“ für Pflegende in der Notaufnahme (Dundin,
2020).
Palliativversorgung (z.B. Palliativdienste, Spezialisierte ●● In Ressourcen-limitierten Settings werden für die Reaktion auf die
ambulante Palliativversorgung (SAPV)) einbeziehen: Pandemie drei Schlüsselbereiche vorgeschlagen: 1. Integration
von Palliative Care-Ansätzen in die tägliche Praxis 2. Vereinfachung
●● Indikationen für die Einbeziehung: z.B. bei unzureichen- des biomedizinischen Managements neben multidisziplinärer
Teamarbeit 3. Effektiver Einsatz von Freiwilligen (Knights, 2020).
der Symptomlinderung und zur psychosozialen/spiritu-
ellen Begleitung, inkl. der Begleitung der Angehörigen; Weitere Informationen:
bei komplexen Therapiezielgesprächen und -entschei- ●● Flowchart für mögliches Vorgehen der Palliativversorgung bei
schwerkranken COVID-19 Patient*innen und ihren Familien (Ofosu-
dungen; bei Bedarf nach Sterbe- und Trauerbegleitung. Poku, 2020).
●● Wege der Unterstützung: z.B. durch kurze Praxisemp- ●● Innovationen bei Versorgungsangeboten, Personal, Technologie
fehlungen, Schulungen, (konsiliarische) Mitbehand- und Ausbildung zur Stärkung der Palliativversorgung in der
Notaufnahme (Aaronson, 2020).
lung, Beratung über Telefon/ Videosprechstunden/ ●● Umfassendes Toolkit mit weiteren Referenzen zur
Telemedizin. Herangehensweise an Symptommanagement, Kommunikation,
pflegerische Maßnahmen mit Video und schriftlichen Online-
Protokollen (deLima Thomas, 2020).
3 11Handlungsempfehlungen 1-5
Palliativversorgung bei infizierten und nicht-infizierten Menschen gewährleisten
3 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und
der Literatur
●● Fehlende Sterbebegleitung durch Angehörige
3
4
auf Infizierten-Stationen wird durch Versorgende Versorgende sollen Vereinsamung,
(inkl. Seelsorge, Ehrenamt, Hospizdienste) Stigmatisierung und Unterversorgung
versucht zu kompensieren, falls gewünscht.
der infizierten schwerkranken und
●● Ängste der Versorgenden vor einer
Infektion thematisieren, reflektieren und sterbenden Menschen vermeiden.
Umgangsstrategien entwickeln.
●● Versorgende zur pandemischen Erkrankung
Schwerkranke Menschen, schulen.
die aufgrund einer
Priorisierungsentscheidung keine
lebenserhaltende Therapie erhalten,
sind palliativmedizinisch bestmöglich
zu behandeln.
5
5 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien
und der Literatur
●● Krisenstabsleitungen beziehen
Palliativmediziner*innen in die Entwicklung
4 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien
von Triage-Konzepten ein.
und der Literatur
●● Anbindung von SAPV im ambulanten Bereich Leiter*innen der Einrichtungen/
und Palliativdienste im stationären Bereich. Dienste und Fachgesellschaften sollen
●● Entwicklung von Konzepten, die psychosoziale bei der Entwicklung von lokalen und
Begleitung durch ambulante Hospizdienste,
Seelsorge, Psycholog*innen ermöglichen,
nationalen Priorisierungskonzepten
Begleitung besonders auch den Angehörigen („Triage“-Konzepten) die Anliegen von
anbieten. schwerkranken und sterbenden Menschen
unter Einbeziehung eines Vertretenden der
Palliativversorgung berücksichtigen.
12Hintergrund der Handlungsempfehlungen
Welche Herausforderungen wurden durch die PallPan-Studien
identifiziert?
●● Viele Faktoren schränkten die Patient*innenaufklärung und
Therapieziel-Gespräche ein:
Handlungsempfehlungen 6-7 • Kontakt- oder Besuchsbeschränkungen erschwerten den
Kontakt zwischen Versorgenden und Patient*innen und ihren
Patient*innenwillen erfassen und respektieren Angehörigen.
• Es herrschte Unsicherheit bei den Ärzt*innen bzgl.
Die Entscheidung über eine Therapie oder medizinische Maßnahmen Hausbesuchen, klinischem Verlauf der (möglichen) Infektion,
ist immer in den Kriterien der medizinischen Indikation und der intensivmedizinischen Kapazitäten. Teilweise kam es zu
Patienteneinwilligung zu begründen unter der Voraussetzung, dass suggestiver Kommunikation.
ausreichend Ressourcen für die Behandlung zur Verfügung stehen. • Patient*innen waren verunsichert bzgl. der Infektionsgefahr
beim Arztkontakt oder Hausbesuch durch die SAPV-Teams
Die Erhebungen weisen auf die Gefahr hin, dass die Bedürfnisse und (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung).
Präferenzen vulnerabler, insbesondere schwerkranker und sterbender • Es kam zu Verzögerungen oder Ablehnung von palliativen
Menschen in Pandemiezeiten aus verschiedenen Gründen (u.a. Therapien (bspw. Chemotherapien, Bestrahlung) aufgrund
erschwerter Kontakt zu den Patient*innen und den Angehörigen) der Kontakt- und Besuchseinschränkungen, die eine
übersehen werden können. Der Bedarf an frühzeitigen und gut Einweisung ins Krankenhaus mit sich gebracht hätte.
dokumentierten Gesprächen über Behandlungspräferenzen und • Die fehlenden Gespräche über Therapieziele und
Patientenverfügungen wird deutlich und wiederholt beschrieben. Behandlungspräferenzen führten immer wieder zu einem
Mangel oder Überfluss an intensivmedizinischer Versorgung.
●● Angehörige wurden über Therapiezieländerungen z.T. nicht in
Kenntnis gesetzt.
●● Aufgrund von Schnittstellenproblemen zwischen den
verschiedenen Versorgenden kam es zu Mängeln in der
Patientendokumentation. Auch fehlten häufig (aktuelle)
Vorsorgedokumente wie z.B. eine Patientenverfügung oder es
wurden keine Aussagen zur Therapie im Infektionsfall getroffen.
PALLPAN 6 13Handlungsempfehlungen 6-7
Patient*innenwillen erfassen und respektieren
6
Versorgende sollen Menschen,
6 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
●● Haus- und Fachärzt*innen, SAPV, Palliativdienste und qualifizierte
Gesprächsbegleiter*innen werden bei der Erstellung oder der
Überprüfung und ggf. Überarbeitung von Patientenverfügungen in
Bezug auf die pandemische Erkrankung einbezogen.
die schwerkrank sind oder zur Risikogruppe für einen schweren ●● Einsatz von Berater*innen für die Planung der
Gesundheitsversorgung in Alten- und Pflegeheimen.
Infektionsverlauf gehören, und ihren Angehörigen Gespräche
●● Entwicklung einer App für Videosprechstunde gemäß § 219g Absatz
über Therapieziele und Behandlungspräferenzen (u.a. zu 4 SGB V.
Krankenhauseinweisung, Behandlung auf einer Intensivstation ●● Entwicklung von Gesprächsleitfäden.
und Reanimation) frühzeitig anbieten: ●● Implementierung eines Palliative-Care-Response Teams in der
Notaufnahme zur Durchführung von Therapiezielgesprächen in
●● Leiter*innen der Einrichtungen/Dienste planen Gesprä- zeitkritischen Situationen (Nakagawa, 2020).
che im Pandemieplan ein. ●● Möglichkeiten zur Identifizierung gefährdeter Patient*innen:
Surprise Question, SPICT Kriterien (Indikatoren für eine supportive
●● Im Gespräch nicht suggestiv kommunizieren, um durch und palliative Versorgung).
einen Therapieverzicht knappe Ressourcen freizuhalten. ●● Hinweise zu Aktualisierungen von Patientenverfügungen angesichts
der Pandemie nutzen (Link).
●● Persönliches Gespräch bevorzugen; wenn nicht möglich, ●● Wahrung der Patient*innenwürde durch die „Patient Dignity
dann proaktiv digitale Kommunikationsmittel nutzen. Question“ (PDQ) (Chochinov, 2020).
●● Gespräche dokumentieren und entsprechende Formula- Weitere Informationen:
re nutzen. ●● Vorgaben für Versorgende zur Planung, Durchführung und
Auswertung von Gesprächen über Versorgungsziele: GOOD-
●● Gespräche möglichst präklinisch anbieten. Framework (Petriceks, 2020).
7 14Handlungsempfehlungen 6-7
Patient*innenwillen erfassen und respektieren
7
Versorgende sollen den aktuell erklärten,
vorausverfügten oder mutmaßlichen Willen der infizierten
und nicht-infizierten schwerkranken oder sterbenden
Menschen bezüglich einer indizierten Therapie erfassen
und berücksichtigen:
7 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
●● Aachener Notfallbogen (Link).
●● Prüfen, ob bereits verfasste Patientenverfügungen
und weitere Willensbekundungen aktualisiert
sind, u.a. ob sie auf die Infektionskrankheit
zutreffen.
●● Patientenverfügungen und weitere
Willensbekundungen dokumentieren.
●● Leiter*innen der Einrichtungen/Dienste stellen
sicher, dass die Dokumentation zugänglich bleibt
und beim Setting-Wechsel mitgeben werden.
15Hintergrund der Handlungsempfehlungen
Welche Herausforderungen wurden durch die PallPan-Studien identifiziert?
●● Besuchsverbote hatten zum Teil drastische Folgen:
Handlungsempfehlungen 8-14 •• Patient*innen starben allein.
•• Es war kein Abschiednehmen möglich, häufig auch, weil die Sterbephase zu
Besuche und Nähe zwischen spät erkannt wurde.
•• Die Patient*innenversorgung verschlechterte sich, z.B. weil keine Angehöri-
Patient*innen und Angehörigen ermöglichen gen in der Kommunikation mit den Versorgenden vermitteln konnten.
Besuchseinschränkungen und –verbote haben seit Anfang der •• Angehörige waren traumatisiert, oft auch noch Monate nach dem Tod des*r
Corona-Pandemie viel Leid sowohl bei den schwerkranken und Patient*in (erschwerte Trauer).
sterbenden Patient*innen als auch bei den Angehörigen und •• Die Versorgung durch Hospizmitarbeitende oder Ehrenamtliche wurde an
Trauernden verursacht und wurden auch in der Öffentlichkeit breit vielen Orten eingestellt, weil Ehrenamtliche als Besucher gewertet wurden
thematisiert. und keine Zugang mehr erhielten.
•• Es kam zu einer massiven psychischen Belastung der Patient*innen. Beson-
Es gilt einerseits den Einzelnen vor einer Infektion zu schützen und ders betroffen waren alleinstehende oder körperlich eingeschränkte Pati-
die Ausbreitung des Erregers in der Bevölkerung zu verhindern. ent*innen. Das hatte auch Auswirkungen auf den Krankheitsprogress durch
fehlende Fürsorge, z.B. ein verstärkter kognitiver Abbau bei fortgeschrittener
Andererseits ist das Bedürfnis nach Nähe gerade in schwerer
Demenz oder die Entstehung von neuen Symptomen.
Krankheit und beim Sterben sowohl für die Patient*innen als
●● Besuchseinschränkungen hatten oft auch strukturelle Ursachen, wie Mangel
auch für die Angehörigen so wichtig und existentiell, dass ein
an Schutzausrüstung für Angehörige, an Personal zur Einweisung der Besucher
Nicht-Nachkommen dieses Bedürfnisses nicht vertretbar ist und
oder an Rückzugsräumen.
als Verletzung der Menschenwürde beurteilt wird. Trauernde
●● Differenzierte Konzepte, die auch Besuche ermöglichen, waren oft nicht Teil der
Angehörige, denen der Zugang aufgrund des Infektionsschutzes zu
Pandemiepläne (sofern vorhanden), wurden nicht umgesetzt oder waren unklar
ihren sterbenden Nahestehenden verweigert wurde, berichten auch formuliert und führten zu Verunsicherung bei Patient*innen und Angehörigen.
Monate nach dem Versterben von schweren Traumatisierungen. Es fehlten Konzepte für den Zugang infizierter Angehöriger oder für den Besuch
von mehr als einer Kontaktperson (der Besuch durch Kinder war sonst fast
Andererseits gibt es zahlreiche Berichte von vielfältigen guten unmöglich).
Beispielen und Lösungen im Einzelfall oder auf Einrichtungsebene, ●● Infektionsschutz und Hospizgedanke bzw. würdige Sterbebegleitung waren nur
in denen eine angemessene Begleitung am Lebensende durch schwer zu vereinbaren.
Angehörige auch in Hochphasen der Pandemie ermöglicht wurde. ●● Um persönliche Besuche durch digitale Kommunikation kompensieren zu
können, fehlten die Voraussetzungen: Es mangelte an Endgeräten oder stabi-
lem Internet, das Personal hatte keine Kapazitäten, um bei Schwierigkeiten im
Umgang mit Kommunikationsmitteln zu helfen und es herrschte Unklarheit über
den Datenschutz.
●● Dokumentation. Es fehlten häufig (aktuelle) Vorsorgedokumente wie z.B. eine
Patientenverfügung oder es wurden keine Aussagen zur Therapie im Infektions-
8
fall getroffen.
PALLPAN 16Handlungsempfehlungen 8-14
8
Besuche und Nähe zwischen Patient*innen und Angehörigen ermöglichen
Die individuellen Bedürfnisse
schwerkranker und sterbender
Menschen, insbesondere das
Bedürfnis nach Nähe, sollen in der
Abwägung mit dem Infektionsschutz
der Bevölkerung eine immer größere
9
Gewichtung erhalten, je näher die
Sterbephase rückt.
Leiter*innen der Einrichtungen/Dienste dürfen
den sterbenden Menschen nicht den Besuch
und die Begleitung durch ihre Angehörigen 9 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
verweigern: ●● Einzelzimmer mit guter Lüftungsmöglichkeit und Einhalten der
Hygienemaßnahmen, um gemeinsam Abschied nehmen zu können.
●● Der Zugang ist frühzeitig zu gewährleisten (bei ●● Permanenter Aufenthalt bis zum Versterben ermöglichen (Gebäude/
Zimmer wird nicht verlassen).
Verdacht auf eine nahende Sterbephase und ●● Testung aller Angehörigen, die sich (längere Zeit) in der Einrichtung
möglichst bevor eine Kommunikation mit dem aufhalten und damit z.B. Übernachtungsmöglichkeit aufrechterhalten.
schwerkranken Menschen nicht mehr möglich ●● Ausnahmeregelungen für Besuche für alle Teammitglieder transparent
ist). kommunizieren, im Dokumentationssystem eintragen.
●● Das Feiern von Festen, z.B. letzter Geburtstag, ermöglichen (mit
●● Besuch von mehreren nahen Angehörigen begrenzter Personenanzahl oder draußen) zur Steigerung der
gemeinsam oder gestaffelt ermöglichen. Lebensqualität.
●● Angehörige von hochinfektiösen Patient*innen werden während des
zeitlich begrenzten Besuchs konsequent durch das Personal begleitet;
die dadurch gewährleistete Einhaltung von Hygienemaßnahmen kann
die Verhängung einer anschließenden Quarantäne für Besucher*innen
verhindern.
10 17Handlungsempfehlungen 8-14
10
Besuche und Nähe zwischen Patient*innen und Angehörigen ermöglichen
10 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
●● Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums (Link).
●● Einbeziehung verschiedener Akteur*innen (Ärzt*innen, Gesundheitsamt, Leiter*innen
stationärer Pflegeeinrichtungen/Kliniken, spezialisierte ambulante Palliativversorgung Die Bundes- und Landesregierungen
(SAPV)) bei der Entwicklung von zentralen (kreis-, landes- oder bundesweiten) und kommunalen Verwaltungen
Besuchsregelungen, z. B. für Pflegeeinrichtungen.
sollen bei Anordnungen von
●● Verordnung Niedersachsens, die Sterbebegleitung durch ambulante Hospizdienste erlaubt
(Niedersächsische Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vom 8. Mai 2020)
Kontaktbeschränkungen gesonderte
Regelungen für schwerkranke, sterbende
und trauernde Menschen und ihre
Angehörigen (jeweils für nicht Infizierte
11
und Infizierte) erstellen.
Leiter*innen der Einrichtungen und Krisenstäbe
sollen ein Besuchskonzept für Angehörige von
nicht-infizierten und infizierten schwerkranken und 11 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
sterbenden Menschen erstellen: ●● Lübecker Ampelsystem (LAS) (Link).
●● Regelmäßige Testung von Angehörigen.
●● Einzelfallentscheidungen ermöglichen, wofür ●● „Ganzkörperschutzfolie“, die das gegenseitige Umarmen erlaubt.
Verantwortliche benannt werden müssen (z.B. mehrere ●● Räumliche/bauliche Maßnahmen: Einrichtung von Infektionszimmern und
Angehörige gleichzeitig, längere Besuchszeiten). -stationen unter Berücksichtigung palliativer Bedürfnisse; Ausbau/Nutzung
baulicher Gegebenheiten mit Besucherraum, Schaffung von räumlichen
●● Besuch durch infizierte Angehörige als Sonderfall erwägen Möglichkeiten bereits außerhalb von pandemischen Situationen notwendig;
(Absprache mit Gesundheitsbehörden notwendig). bestehende Abschiedsräume nutzen; Einlass durch den Neben-/ Terrasseneingang.
●● Palliativdienst begleitet aktiv Angehörige von infizierten Patienten in leicht
●● Zur Sicherstellung des Infektionsschutzes Besuche zugänglichen Räumen außerhalb der Klinik (niederschwellige Hygienevorschriften
bei infizierten Menschen möglichst durch Personal und Anwesenheitskontrollen).
begleiten lassen. ●● Möglichkeiten im Freien schaffen, z.B. Balkon-/Fensterbesuche, Spaziergänge,
Terrasse, Garten.
●● Regelungen an alle Beteiligten regelmäßig
Weitere Informationen:
kommunizieren und Ansprechpartner*innen
●● Individuelle Entscheidungshilfe, ob virtuelle oder Präsenzbesuche auf
benennen. verschiedenen Ebenen (Hawkins, 2020).
12 18Handlungsempfehlungen 8-14
12
Besuche und Nähe zwischen Patient*innen und Angehörigen ermöglichen
12 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien Leiter*innen der Einrichtungen sollen
und der Literatur für Besuche der Angehörigen von
●● Anleitungen für Angehörige erstellen, dabei schwerkranken und sterbenden Menschen
mit Piktogrammen arbeiten.
ausreichend Schutzausrüstung sowie
●● Schulungen anbieten, inkl. Videos etc.
geschultes Personal zur sachgerechten
Anleitung der Besucher*innen und
Sicherstellung der Einhaltung der
Regelungen bereitstellen.
13 13 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
●● Einsatz von Ehrenamtlichen zur Begleitung von Angehörigen von schwerkranken
und sterbenden Menschen (auch zu Hause oder digital), sofern das
Infektionsgeschehen dies zulässt; Kriterien für den Einsatz: 1. Freiwilligkeit,
Leiter*innen der Einrichtungen sollen 2. Hygieneschulung, 3. Verpflichtung zur Einhaltung der Hygieneregeln;
Ehrenamtliche haben den gleichen Status wie Mitarbeitende der Einrichtung.
für den Fall, dass persönliche Besuche
●● Ehrenamtliche des Hospizdienstes (Teil der Klinik für Palliativmedizin) unterliegen
nicht oder nur eingeschränkt möglich als Mitarbeitende des Klinikums nicht dem Besuchsverbot und können auch
sind, den schwerkranken und sterbenden außerhalb der Palliativstation im Haus begleiten ohne damit Angehörigen, die in
Menschen und ihren Angehörigen der Sterbephase begleiten dürfen, die Besuchsmöglichkeit zu nehmen.
Alternativen der Begleitung anbieten, z.B. ●● Einrichtungen mit bestehendem Palliativversorgungskonzept gelingt eher eine
Begleitung.
durch Mitarbeitende, Seelsorgende oder
●● Sterbebegleitung auf Infektionsstation (ebenso wie auf anderen Stationen) mit
Ehrenamtliche/Hospizdienst. Unterstützung der spezialisierten Palliativversorgung.
14 19Handlungsempfehlungen 8-14
Besuche und Nähe zwischen Patient*innen und Angehörigen ermöglichen
14 14 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
●● Video-Telefonate der Angehörigen mit Patient*innen möglich
machen.
●● Tablets und Smartphones bereitstellen.
●● Ehrenamt/Hospizdienst einbeziehen.
●● Entwicklung und Implementierung einer Telefon-Hotline für
Versorgende und Leiter*innen der Einrichtungen Fragen zur palliativmedizinischen Versorgung, Gesprächen mit
sollen für den Fall, dass persönliche Besuche durch Angehörigen und Coaching von Mitarbeitenden (Ankuda, 2020).
Angehörige nicht oder nur eingeschränkt möglich
Weitere Informationen:
sind, Kommunikationsmittel für die Herstellung von
●● Hindernisse in der Kommunikation mit Familien und mögliche
Kommunikation und Nähe bereitstellen: Abhilfestrategien sowie Strategien für die Kommunikation mit
und die Einbeziehung von Familien während social distancing/
●● Proaktiv und niederschwellig anbieten. Besuchsverboten (Hart, 2020).
●● Vorbereitung von Videotelefonaten zur bestmöglichen Gestaltung
●● Bei der Nutzung ggf. unterstützen und hierfür von virtueller Kommunikation mit Patienten und Angehörigen am
Mitarbeitende schulen. Lebensende (Frydman, 2020 und Kuntz, 2020).
●● Checkliste zur Organisation und Durchführung von
●● Art der Medien nach Wünschen der Videotelefonaten zwischen Patient*innen und Angehörigen durch
schwerkranken Menschen und ihrer Angehörigen Sozialarbeiter*innen (Anantham, 2020).
richten (Telefon, digitale Medien). ●● Standardarbeitsanweisung für den sicheren Einsatz von
Tablet-Computern für eine stationäre Palliativberatung und
Familienbesuche (Beschaffung, Installation, Schulung für
klinisches Personal und andere Beteiligte) (Ritchey, 2020).
20Hintergrund der Handlungsempfehlungen
Welche Herausforderungen wurden durch die PallPan-Studien identifiziert?
●● Die Kommunikation zwischen Versorgenden und Angehörigen war aus
vielen Gründe eingeschränkt:
• Durch Besuchsverbote, wurden die Angehörigen nicht in die
Kommunikation vor Ort einbezogen, Ansprechpartner*innen fehlten und
Zuständigkeiten waren unklar.
Handlungsempfehlungen 15-16 • Das Personal war überlastet.
• Es fanden weniger Hausarztbesuche statt.
Information und Kommunikation zwischen Behandelnden
• Das Tragen von Masken erschwerte die non- und paraverbale
und Angehörigen sicherstellen Kommunikation.
Die Pandemiesituation hat die Kommunikation zwischen Behandelnden ●● Ein Abbruch des Kontaktes, z. B. bei einer notfallmäßigen Aufnahme, führte
zu belastenden bis hin zu traumatisierenden Erlebnissen bei Angehörigen
und Patient*innen oder Angehörigen erschwert, wie die Erhebungen
und Patient*innen.
zeigen. Besonders die Information der Angehörigen über den Zustand
der schwerkranken und sterbenden Menschen durch die Versorgenden ●● Uneinheitliche Kommunikation (z.B. variierende Aussagen zu
hat sich u.a. durch die Kontaktbeschränkungen und die Arbeitsauslastung Schutzmaßnahmen oder Besuchsregelungen) und fehlende Transparenz
über Ausbruchsgeschehen führten zu Unsicherheiten bei Patient*innen und
als schwierig bis unmöglich erwiesen. Neue bzw. ergänzende Lösungen,
Angehörigen.
insbesondere durch digitale Kommunikationswege, werden teilweise
implementiert und müssen weiterentwickelt werden. ●● Patient*innen und Angehörige waren durch die (ungefilterte) Flut von
Informationen verunsichert.
●● Verunsicherte und beunruhigte Angehörige hatten oft keinen
Toleranzspielraum gegenüber unsensibler Kommunikation von
medizinischem und Sicherheits-Personal und fühlten sich schnell
degradiert, entmächtigt und nicht respektiert. Eine empathische
Kommunikation war unter Pandemiebedingungen noch wichtiger und
wurde gleichzeitig durch die hohe Belastung des Personals, auch durch
einen deutlich erhöhten Informationsbedarf durch Besuchsverbote und
allgemeine Unsicherheit in der Pandemie, erschwert.
●● Digitale Kommunikation konnte die persönliche Begegnung und
Kommunikation nur zum Teil ersetzen. Patient*innen mussten außerdem
häufig dabei unterstützt werden.
PALLPAN 15 21Handlungsempfehlungen 15-16
15 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
Information und Kommunikation zwischen Behandelnden und ●● Ein medizinisch informierter zusätzlicher Mitarbeitender auf der Station (in
Angehörigen sicherstellen Gesprächsführung mit Angehörigen geschult) übernimmt den Kontakt zu Ange-
hörigen.
15
●● Telefonsprechstunde für Angehörige durch Ethik/Psycholog*innen.
●● Mitarbeitende führen Intensivtagebücher zur Dokumentation von Erlebnissen,
wichtigen Gesprächen und Entscheidungen, zur Sicherstellung der Kommunika-
tion zwischen Patient*innen und Angehörigen (MÄA-22-2020online Abschied-
nehmen im Krankenhaus, ÄKBV 2020).
●● Niedrigschwellige Angebote an das Personal mit Hinweisen zur empathischen
Bei Kontaktbeschränkungen sollen Versorgende Kommunikation in schwierigen Situationen, z.B. Postkarten oder „Bierdeckel“
mit typischen Sätzen in kritischen Kommunikationssituationen.
regelmäßig Kontakt mit Angehörigen aufnehmen,
●● Wenn es Pandemie-bedingt nicht möglich ist, in einer Notfallsituation eine opti-
um sie über die Situation der schwerkranken und male Information und Begleitung von Angehörigen zu gewährleisten, sollte dies
sterbenden Menschen zu informieren und sie in zumindest rückblickend adressiert werden, um Angehörigen durch die Benen-
Entscheidungen einzubeziehen: nung des Erlebten eine Einordnung und emotionale Entlastung anzubieten.
●● Telefonseelsorgerische Expertise einbeziehen, um Nähe trotz digitaler Distanz
zu vermitteln.
●● Feste Ansprechpartner*innen, klare Zuständigkeiten
●● „Remote communication liasion program“, hilft Teams von Intensivstationen
und feste Zeiten verabreden. und der Palliativmedizin, Familien von schwerkranken Patient*innen zu betreu-
en. (Lipworth, 2021).
●● Empathische Kommunikation u.a. durch Wertschätzung
und Verständnis zeigen, Sicherheit vermitteln.
16
●● Leiter*innen der Einrichtungen/Dienste stellen
Personalressourcen bereit.
●● Digitale Kommunikationswege proaktiv nutzen und
technische Voraussetzungen hierfür erbringen.
Leiter*innen der Einrichtungen/Dienste
sollen die schwerkranken und sterbenden
Menschen und ihre Angehörigen über die
lokale Pandemielage und die geltenden
Regelungen regelmäßig informieren:
16 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
●● Mögliche Kommunikationswege: Homepage, Newsletter, Aushänge,
●● Kommunikationsverantwortliche in Pan-
Hotline, Pressemitteilung. demieplänen festlegen und benennen.
●● Informationsmaterial für Patient*innen und Angehörige: Flyer, ●● Tagesaktuell Informationen nieder-
Beitrag in gesundheitsspezifischen Medien, Videoclips etc.
schwellig (einfacher Zugang und leichte
●● Bildung von Task Forces, Einsatzleitungen u.a., die
pandemiebezogene Anweisungen tagesaktuell veröffentlichen. Sprache) zur Verfügung stellen.
●● Zentral-regionale Verteiler informieren über sich schnell ändernde
Regelungen.
●● Online-Beratungsangebote auf Krisenplattform.
22Handlungsempfehlungen 17-19 Hintergrund der Handlungsempfehlungen
Welche Herausforderungen wurden durch die PallPan-Studien identifiziert?
Abschied nach dem Versterben ermöglichen ●● Der Abschied von Verstorbenen wurde für Angehörige z.T. eingeschränkt
oder untersagt.
Das Abschiednehmen von einem Verstorbenen ist eine sehr sensible,
vulnerable und individuelle Situation, v.a. für die Angehörigen, die ●● Es herrschte Unklarheit über den Umgang mit der Leiche, vereinzelt kam
zurückbleiben. Die Möglichkeit zum Abschied ist sehr wichtig für den es zu einer Stigmatisierung infizierter Verstorbener.
Umgang mit dem Tod der*des Verstorbenen und hat eine große Bedeutung ●● Bestattungsmöglichkeiten waren eingeschränkt.
für die weitere Trauer der Hinterbliebenen. Durch die Pandemie wird
●● Trauerangebote für Angehörige waren stark eingeschränkt oder brachen
vielerorts das Abschiednehmen am Sterbeort, beim Bestatter oder vollständig weg.
bei der Beerdigung eingeschränkt und beeinträchtigt. Zudem sind die
Trauerangebote oft eingeschränkt. ●● Der Wegfall persönlicher Kontakte in der unmittelbaren Trauerphase
führte möglicherweise zu erschwerter Trauer.
PALLPAN 17 23Handlungsempfehlungen 17-19
Abschied nach dem Versterben ermöglichen
17
Das Abschiednehmen von Verstorbenen (infiziert/ 17 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
nicht-infiziert) soll am Sterbeort oder im nahen ●● Aufbahrungsraum in der Pathologie/Prosektur.
Umfeld des Sterbens ermöglicht werden: ●● Abschiedsraum auf Infektionsstation, in dem der Leichnam
aufgebahrt und hergerichtet wird (letzte Fotos für Angehörige
●● Versorgende und Leiter*innen der Einrichtungen machen, Verabschiedung durch Team).
●● Broschüre mit Anregungen für alternative Abschiedsrituale.
ermöglichen gemeinsames oder gestaffeltes
●● Abschiednehmen von nicht-infizierten Verstorbenen wird auf
Abschiednehmen auch durch mehrere Angehörige Palliativstation und in Hospizen mit einer begrenzten Anzahl an
und informieren Angehörige frühzeitig über Personen im Zimmer oder mit mehreren Personen im Freien (z.B.
bestehende Regelungen. Terrasse) ermöglicht.
●● Bestatter*innen ermöglichen den Abschied.
●● Politik und öffentliche Verwaltung schaffen in
Verordnungen und Gesetzen die notwendigen
Voraussetzungen.
18 24Handlungsempfehlungen 17-19
Abschied nach dem Versterben ermöglichen
18 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien
18
und der Literatur Religionsgemeinschaften und kommunale
●● Trauerfeier/Totengedenken wird ins Freie Verwaltungen ermöglichen die Teilnahme
verlegt oder die Trauernden in Gruppen
aufgeteilt, um allen den Abschied zu
an Bestattungen unter Einhaltung der
ermöglichen. Hygienevorschriften sowie individuelles
●● Kultursensibler Umgang mit unterschiedlichen Totengedenken auf Friedhöfen:
Abschiedsritualen.
●● Als Alternative oder Ergänzung digitale
Übertragungsmöglichkeiten von Bestattungen
bereithalten.
●● Bundes-, Landesregierungen und kommunale
Verwaltungen regeln dies in Verordnungen.
19
Versorgende und Einrichtungen sollen
Hinterbliebene über Angebote zur
Unterstützung in der Trauer proaktiv 19 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
hinweisen und bedarfsorientierte Angebote ●● Ambulante Hospizdienste als Ansprechpartner für Trauerarbeit.
machen: ●● Trauerbank: Zeiten, zu denen Trauernde mit Ehrenamtlichen auf einer Bank
Gespräche führen können.
●● Angehörige von infizierten Verstorbenen erhalten besondere Trauer-/
●● Persönliche Begleitung bevorzugen Beileidskarte mit Ansprechpersonen/Kontaktdaten.
●● wenn nicht möglich, alternative ●● Webbasierte Angebote zur Trauerbewältigung, z.B. Trauergruppe.
Wege anbieten (z.B. Telefon, digitale ●● Trauerhotline.
Kommunikationsmittel, Schriftform). ●● Webseite für Vernetzung/Selbsthilfe ähnlich wie TheGoodGriefTrust (Link).
Weitere Informationen:
●● Evidenzbasierte Empfehlung zur Milderung schlechter Trauer-Outcomes bei
Angehörigen (Selman, 2020) (AP7).
●● Verzeichnis der Trauergruppen in Deutschland (Link).
25Handlungsempfehlungen
20-25
Mitarbeitende
unterstützen
Die Mitarbeitenden aus dem Gesundheitsbereich im Allgemeinen und in der palliativmedizinischen
Versorgung im Speziellen sind während einer Pandemie einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt.
Zum einen wird von ihnen erwartet, die Versorgung der schwerkranken und sterbenden
Menschen und deren Angehörigen auch unter Pandemiebedingungen mit vielen Unsicherheiten,
Ressourcenverschiebungen, Änderungen von Abläufen etc. aufrechtzuerhalten, zum anderen
haben sie auch ganz persönliche, individuelle Sorgen und Ängste bzgl. Infektion und Pandemie.
Zudem stehen die Mitarbeitenden im öffentlichen Fokus in einer Pandemie, was positiv
erlebt werden kann (Anerkennung, Dankbarkeit), aber auch belastend sein kann (vermehrte
Beobachtung).
Die Versorgung von schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen kann auch
in einer Pandemie nur gelingen, wenn die Mitarbeitenden ausreichend Unterstützung, v.a. durch
ihre Vorgesetzten und die Leiter*innen der Einrichtungen bzw. Dienste, angeboten bekommen und
erfahren.
PALLPAN 26PALLPAN
Hintergrund der Handlungsempfehlungen 20-25
Welche Herausforderungen wurden durch die PallPan-Studien identifiziert?
●● Es stand nicht genügend persönliche Schutzausrüstung ●● Verschiedene Faktoren führten zu einer höheren Belastung der
zur Verfügung, da keine Vorräte angelegt wurden oder es Versorgenden:
Schwierigkeiten bei der Verteilung und Priorisierung gab. • Hygienevorgaben führten zu einem größeren
●● Beim Personal bestanden Unsicherheiten im Umgang mit Arbeitsaufwand.
infizierten Patient*innen sowie mit der Schutzausrüstung. • Besuchsverbote führten dazu, dass das Personal die
●● Durch vielfache Kontakte mit Angehörigen (in der Regel Rolle der Angehörigen, z.B. in der Kommunikation oder
unklarer Infektionsstatus) und anderen Versorgenden war das Sterbebegleitung, übernehmen musste.
Personal einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. • Mitarbeitende fielen durch Infektion oder Quarantäne aus.
●● Der Umgang mit Angehörigen, die die vorgeschriebenen • Es kamen private Belastungen hinzu (z.B. Wegfall von
Hygienemaßnahmen ignorierten, war herausfordernd. Kinderbetreuung, Homeschooling).
●● Für spezialisierte ambulante Palliativteams (SAPV-Teams) • Die Angst vor Ansteckung, die Vereinsamung von
war die Refinanzierungsmöglichkeit für persönliche Patient*innen und die fehlende Möglichkeit, sich von
Schutzausrüstung zeitweise unklar. sterbenden Patient*innen zu verabschieden, führten zu
psychischer Belastung.
●● Die (ungefilterte) Flut an Informationen, gerade zu Beginn der
Pandemie, führte auch beim Personal zu großer Unsicherheit. • Die Sterblichkeit vor allem auf den Intensivstationen war
höher als gewohnt.
●● Regelungen wurden nicht einheitlich umgesetzt oder häufig
• Konflikte, Ängste und Sorgen (Nervosität) im Team führten
geändert.
zu mehr Zeit- und Koordinationsaufwand für Leitungen.
●● Mitarbeitende gingen sehr unterschiedlich mit der • Wenn multiprofessionelle Teambesprechungen ausgesetzt
Infektionsgefahr und ihren eigenen Ängsten und Sorgen wurden, fehlte der Austausch und die Zusammenführung
diesbezüglich um. der verschiedenen Perspektiven.
●● Es wurde beklagt, dass Unterstützungsangebote für belastete • Der kollegiale Kontakt und der Austausch waren
Mitarbeitende fehlten. eingeschränkt, teambildende Treffen fielen weg.
20 27Handlungsempfehlungen 20-25
Mitarbeitende unterstützen
20
Leiter*innen der Einrichtungen/Dienste sollen den
20 | Umsetzungsbeispiele aus den PallPan-Studien und der Literatur
bestmöglichen Infektionsschutz für ihre Mitarbeitenden ●● Umfunktionierung von Material: sterile OP-Kittel als Isolationskittel.
in der Versorgung von schwerkranken und sterbenden ●● Bei Ressourcenmangel: Priorisierung bei der Verteilung von
Menschen auf der Basis des Erreger-spezifischen Standards Schutzausrüstung.
(RKI-definiert) gewährleisten: ●● Schutz- und Testkonzept für die Dienste erstellen mit Konzepten
für Hygienemaßnahmen, Einsatz von Schutzausrüstung
und (Schnell-)Tests.
●● Mitarbeitende wiederholt zum Umgang mit infizierten
●● Kassenärztliche Vereinigungen bevorraten Schutzkleidung,
Personen und zum Gebrauch der persönlichen Flächen- und Händedesinfektionsmittel, Sichtschutz/Spuckschutz.
Schutzausrüstung schulen, um Sicherheit zu vermitteln und ●● Home-Office ermöglichen, wo praktikabel.
Ängste zu reduzieren. ●● Praxisöffnungszeiten strecken.
●● Ansprechpartner*innen für Rückfragen benennen. ●● Personalplanung in getrennten Clustern (feste
Mitarbeiterkohorten).
●● Ausreichend Schutzausrüstung und Testmöglichkeiten zur ●● Um potentielle Infektions-Ausbrüche überschaubar zu halten,
Verfügung stellen. werden Mitarbeitende in feste Zimmer/Patienten aufgeteilt.
●● „Infektionsräume“ in Praxen für Patient*innen mit Verdacht auf
●● Abläufe überprüfen und ggf. anpassen, um eigene Infektion eine pandemische Erkrankung, Personal versorgt die Patient*innen
und Verbreitung der Infektion zu verhindern. hier mit persönlicher Schutzausrüstung.
●● Ausreichend Personalressourcen zur Verfügung stellen.
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