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Radfahren verbindet Anregungen für Organisationen und Personen der Bereiche Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Mobilität, Integration & Frauen- und Gesundheitsförderung, die radinteressierte Frauen unterstützen wollen. Wien, Oktober 2017
Inhalt Vorwort ................................................................................................................................................... 2 Latente Radfahrbedürfnisse .................................................................................................................... 3 Nachhaltiger Bedarf an Radkursen für Frauen ........................................................................................ 4 Modell: Modulares Fördersystem für radinteressierte Frauen .............................................................. 5 Bewusstseinsarbeit: Warum sollen Migrantinnen (mehr) Fahrrad fahren? ........................................... 6 Radfahren – Mythen und Fakten ............................................................................................................ 7 Gestaltung von Informationsveranstaltungen zu Gesundheit und Radfahren ....................................... 9 Radfahrende Migrantinnen stärker öffentlich sichtbar machen .......................................................... 11 Migrantinnen sichtbar machen und Raderlebnisse verbinden ............................................................. 12 Implementierung von Radkursen mit unterschiedlichen Lernniveaus ........................................................ 13 Übungsmodul „Leihrad-Nutzung“ für leichteren Radzugang ................................................................ 18 Was wissen radinteressierte Migrantinnen über „Citybike Wien“? ..................................................... 20 Was wünschen sich Radkursteilnehmerinnen, um Radsicherheit zu gewinnen? ................................. 21 Internationale Good Practices Radförderung radinteressierter Frauen ............................................... 22 Fazit ....................................................................................................................................................... 26 AutorInnen ............................................................................................................................................ 27 Literatur ................................................................................................................................................. 28 Impressum ............................................................................................................................................. 29 1
Vorwort
Seit 2010 ist der Klima- und Energiefonds für österreichische Städte und Stadtregionen ein wichtiger
Partner und Wegbegleiter auf ihrem Weg zur intelligenten, nachhaltigen Stadtentwicklung. Die
österreichischen Städte und Regionen haben in den vergangenen Jahren bei vielen Gelegenheiten
bewiesen, dass sie bereit sind, klimarelevante intelligente Lösungen zu entwickeln.
Die Gestaltung umweltverträglicher und bedürfnisorientierter Mobilitätslösungen ist für die
Umsetzung der Vorhaben der Pariser Klimakonferenz essentiell: Bis 2050 sollen die
Treibhausgasemissionen in den Industrieländern und damit auch in Österreich um mindestens
80 Prozent reduziert werden.
Um diese ambitionierten Ziele erreichen zu können ist es notwendig, im Bereich Mobilität den Umstieg
stärker als bisher voranzutreiben. Die gezielte Förderung emissionsloser Mobilitätsformen wie zu Fuß
gehen und Radfahren gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung. Gezielte Förderung heißt in diesem
Zusammenhang, alle sozialen Gruppen in einer zielgruppenadäquaten Form für nachhaltige Mobilität
zu adressieren. Dabei sollten auch bisher weniger beachtete Zielgruppen in den Fokus gerückt werden.
Um diese zu erreichen, ist es von großer Bedeutung, Erkenntnisse über diese sozialen Gruppen zu
gewinnen. Eine solche Gruppe sind beispielsweise Frauen mit Migrationshintergrund.
Es ist dem Klima- und Energiefonds in den vergangenen Jahren durch seine aktive Netzwerkarbeit
gelungen, eine entscheidende Brücke zwischen Forschung und Umsetzung innovativer Lösungen zu
schlagen. Wir unterstützen daher die Verbreitung der Forschungsergebnisse zur Mobilität von Frauen
mit Migrationshintergrund, die das Konsortium um das Institut für Höhere Studien erarbeitet hat. Mit
der vorliegenden Broschüre soll aktuelles Wissen über ungenutzte Mobilitätspotenziale bei
Migrantinnen sowie Wissen über überwindbare Barrieren, vor allem aber über nachahmenswerte
Good Practices zeitnah verbreitet werden.
Interessierte Städte und Organisationen können diese Forschungsergebnisse zur Radmobilität von
Migrantinnen für die Entwicklung und Umsetzung örtlicher Maßnahmen nutzen, ohne dass das Rad im
wahrsten Sinn des Wortes überall neu erfunden werden muss: Der weitere Ausbau der Vernetzung
zwischen ForscherInnen und VertreterInnen in Städten und Stadtregionen ist dabei durchaus
erwünscht!
Theresia Vogel
Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds
2Latente Radfahrbedürfnisse
Über die Alltagsmobilität von Frauen mit Migrationshintergrund wissen wir bisher sehr wenig. Daher ging
das Forschungsprojekt „MigRad – Migrantinnen erobern das Fahrrad“ der Frage nach, ob Frauen mit
Migrationshintergrund Interesse am Radfahren haben und welche Rahmenbedingungen sie brauchen (vgl.
Segert et al. 2015).
Abbildung 1: Chancen und Barrieren für radinteressierte Migrantinnen, Quelle: Segert et al. 2015, 65
Zentrales Ergebnis der Studie Vielfalt an Barrieren erfordert modulares
„MigRad – Migrantinnen erobern Fördersystem:
das Fahrrad“
1. Erwachsenenradkurse mit
Viele Frauen mit Migrationshintergrund würden unterschiedlichen Lernniveaus speziell
gern Radfahren, sie werden aber daran durch für Frauen
vielfältige Barrieren teils ein Leben lang
2. Hilfe beim Zugang zu einem
gehindert.
fahrtüchtigen Fahrrad
Wichtige Barrieren: 3. Bewusstseinsbildende und
Das Radfahren wurde in der Kindheit nicht motivationsfördernde Events, um Ängste
erlernt. Die Frauen haben kein eigenes Rad und abzubauen und die Motivation, Rad zu
oft auch keinen Zugang zu einem Leihrad. Wenn fahren, zu stärken.
sich das Umfeld aber ändert, werden bisher
blockierte latente Bedürfnisse geweckt, und viele
Frauen werden aktiv. .
3Nachhaltiger Bedarf an
Radkursen für Frauen
Forschungsergebnisse der Befragung von Teilnehmerinnen an Radkursen im
Zeitraum 2012 bis 2017 [N=119]
Dreiviertel der Teilnehmerinnen können nach dem Besuch eines Erwachsenenradkurses für Anfängerinnen
eigenständig Fahrrad fahren. Wirklich sicher fühlen sich die meisten aber erst nach der Teilnahme an einem
Fortgeschrittenenkurs.
Selbsteinschätzung erworbener
Radfahrfähigkeiten nach Kursart
Fortgeschrittenenkurs 10% 51% 31% 8%
Anfängerinnenkurs 12% 21% 30% 37%
Ich fahre gut überall
Ich fahre gut auf Radwegen/ ruhigen Straßen
Ich fahre gut im Schonraum
Ich kann nicht/traue mich nicht außerhalb des Kurses zu fahren
Abbildung 2: Selbsteinschätzung erworbener Radfahrfähigkeiten, Quelle: Segert et al. 2017, 47
Nachhaltige Lernmotivation Grundidee des Modells:
Temporäre Einzelmaßnahmen reichen nicht.
35% der Teilnehmerinnen wünschen sich nach Es braucht ein aufeinander abgestimmtes
Abschluss des Anfängerinnenkurses eine weitere System mit 3 Förderschwerpunkten:
Teilnahme an einem Fortgeschrittenenkurs. 40%
wünschen sich geführte Ausflüge. Zielgruppenadäquate Bewusstseinsarbeit
Damit mehr radinteressierte Frauen mit Radkurse unterschiedlicher Lernstufen
Migrationshintergrund ihren latenten
Radfahrwunsch realisieren, haben wir ein Hilfe beim Radzugang
modulares Fördermodell entwickelt.
4Modell: Modulares Fördersystem für radinteressierte Frauen Abbildung 3: Modell „Modulares Fördersystem für radinteressierte Frauen“, Quelle: Segert et al. 2015, 69 Auf den folgenden Seiten wird die Arbeit an diesem Modell dargestellt. 5
Bewusstseinsarbeit: Warum
sollen Migrantinnen (mehr)
Fahrrad fahren?
Forschungsergebnis Bundesministerium für Gesundheit und Frauen,
Migrantinnen, die gern Radfahren würden, sind 2011).
nicht selten unschlüssig, ob das gut für ihre
Gesundheit ist. Im Detail leiden Migrantinnen vergleichsweise
häufiger unter:
Daher ist Aufklärungsarbeit wichtig:
Diabetes
Radfahren hält gesund –
das gilt für alle, auch für Migrantinnen. Bluthochdruck
Radfahren hat aber noch mehr Wirkungen: Es Adipositas
kann helfen, gesundheitliche Belastungen zu
Schilddrüsenerkrankungen
lindern oder zu überwinden.
orthopädischen Erkrankungen
Migration ist per se kein Gesundheitsrisiko. psychischen Erkrankungen.
Traumatische Migrationserfahrungen sowie damit
verbundene soziale und psychische
Alle diese Erkrankungen können durch mehr und
Mehrfachbelastungen bringen jedoch
gezielte Bewegung positiv beeinflusst werden.
gesundheitliche Risiken mit sich. Doch dieser Sachverhalt muss vielen Frauen erst
bewusst gemacht werden.
Mit dem Gesundheitszustand in Österreich
lebender MigrantInnen befasste sich 2015
detailliert ein von der Arbeiterkammer Wien und
dem Bundesministerium für Gesundheit in
Auftrag gegebener Bericht (vgl. Anzenberger et
al. 2015). Dabei wurde festgestellt, dass
Personen mit Migrationshintergrund in Österreich
seltener einen sehr guten oder guten
Gesundheitszustand angeben als Personen ohne
Migrationshintergrund.
Dies trifft in besonderem Ausmaß auf Personen
aus der Türkei sowie aus dem ehemaligen
Jugoslawien zu. Auch ihren psychischen
Gesundheitszustand beschreiben Menschen mit
Migrationshintergrund als schlechter im Vergleich
zu jenen ohne Migrationshintergrund. Hinzu
kommen noch frauenspezifische
Mehrfachbelastungen. Diese führen laut
österreichischem Frauengesundheitsbericht zu
einer statistisch nachweisbaren Potenzierung von
Gesundheitsrisiken bei Migrantinnen (vgl.
6Radfahren – Mythen und Fakten
Erwachsene Frauen könnten Radfahren
nicht mehr erlernen;
Erwachsene Frauen, die Radfahren zu
lernen versuchen, würden stürzen. Daher sei
das Risiko eines zusätzlichen
gesundheitlichen Problems sehr hoch.
Frauen würden nicht genug Kondition bzw.
Fitness besitzen, um mit dem Radfahren
noch als Erwachsene zu beginnen.
Solche und andere Vorurteile bzw. Ängste
hindern einen Teil der Migrantinnen, die
eigentlich Lust haben, Rad zu fahren, daran,
damit auch tatsächlich zu beginnen.
Diese gesundheitsbezogenen Irrtümer und
Frau am Rad mit Spaß und ohne Angst. Ängste werden durch soziale Ängste und
Foto: Eliza Brunmayr, Radlobby Wien negative Erfahrungen verstärkt:
Angst, von der eigenen Familie oder anderen
Oft erschwert eine Vielzahl von Ängsten bei MuslimInnen abgelehnt zu werden;
Migrantinnen die Bereitschaft dieser Frauen,
Ängste im Straßenverkehr, vor allem vor
Radfahren im Erwachsenenalter nachholend zu
dem Autoverkehr;
erlernen oder an verschütteten Fähigkeiten
Verletzungsängste beim Erlernen sowie beim
anzuknüpfen und diese wieder aufzufrischen.
Fahren.
Diese Ängste wurzeln oft in verbreiteten
Irrtümern und Unwissenheit über den Manche Kopftuchträgerinnen haben Angst
Zusammenhang von Radfahren und Gesundheit vor Gerede in ihrer Community, aber auch
bzw. Krankheiten. auf der Straße ganz allgemein.
Folgende Mythen sind unter Migrantinnen Viele Gesundheitsargumente
verbreitet: sprechen für das Radfahren
Frauen dürften während der Menstruation
nicht Radfahren; Regelmäßiges Radfahren stärkt die Gesundheit
Frauen, die einen Kaiserschnitt hinter sich von:
haben, dürften nicht Radfahren; - Herz-Kreislauf-System:
Bei Frauen nach einer weiblichen Radfahren regt den Blutkreislauf an, steigert
Genitalverstümmelung sei Radfahren das Schlagvolumen des Herzens und
unmöglich; vergrößert dabei das Blutvolumen. So wird
Beim Radfahren könnte das das Herz mit der Zeit effektiver und
Jungfernhäutchen reißen; leistungsfähiger. Regelmäßiges Radfahren
Arthrose würde Radfahren unmöglich verringert das Risiko einer im mittleren
machen; Lebensalter häufig auftretenden Herz-
Radfahren würde die Wirbelsäule kaputt Kreislauf-Erkrankung um das Vielfache.
machen;
7- Atemwege: - Immunsystem:
Durch Radfahren wird die Lunge gleichmäßig Was viele nicht wissen: Radfahren ist eine
mit Sauerstoff versorgt und die sehr vorteilhafte Bewegungsmethode zur
Atemmuskulatur gekräftigt. Stärkung des Immunsystems.
- Gelenke: - Überschüssige Fettpolster:
Radfahren ermöglicht eine gelenkschonende Beim Radfahren können unliebsame
Bewegung, weil der Sattel das Fettpölsterchen abgebaut werden, was
Körpergewicht trägt. Somit eignet sich Frauen jeden Alters anspricht.
Radfahren auch für Menschen mit
Übergewicht oder Gelenksproblemen. - Wohlfühleffekt:
Radfahren hat für alle einen enormen
- Durchblutung: Wohlfühleffekt, der bei psychischen
Durch die regelmäßige Bewegung werden Belastungen besonders positiv wirkt. Anders
Muskulatur und Gelenke bestens durchblutet gesagt: Radfahren macht glücklich. Bei
und versorgt. Somit eignet sich Radfahren psychischen Erkrankungen kann sich
auch für Menschen mit vielfältigen zusätzlich der soziale Kontakt beim
gesundheitlichen Problemen. Radfahren sehr positiv auswirken.
- Rücken: Fazit
Radfahren kräftig die Rückenmuskulatur.
Dadurch wird die Wirbelsäule stabilisiert und Radfahren ist für jede Frau geeignet, die ihr
die Bandscheiben werden geschont. Die Herz-Kreislauf-System trainieren, dabei aber
Beweglichkeit verbessert sich, und die auch die Gelenke schonen möchte. Von
Koordination wird gestärkt. Übergewicht Betroffene profitieren ebenso wie
Diabetikerinnen, Menschen mit Herz-Kreislauf-
- Ausdauer: Erkrankungen oder Gelenksabnützungen sowie
Regelmäßiges Radfahren trainiert die an Depressionen Erkrankte. Durch den
Ausdauer, was vielfältige positive Effekte hat. Wohlfühleffekt kann nicht selten die Einnahme
von Medikamenten reduziert werden.
- Muskulatur:
Radfahren trainiert nicht nur die
Beinmuskulatur, sondern auch die Rücken-
und Bauchmuskulatur sowie die Schulter- und
Armmuskulatur.
8Gestaltung von Informationsver-
anstaltungen zu Gesundheit und
Radfahren
Die vielfältigen Wissenslücken und Zum einen sind manche Frauen mit
verbreiteten Mythen erfordern eine Migrationshintergrund mit starken Vorbehalten,
systematische Aufklärungsarbeit unter insbesondere in ihren Familien und in ihren
Migrantinnen über die Vorteile des ethnischen Communities, konfrontiert. Zudem
Radfahrens. entwickeln sie selbst Ängste aufgrund ihrer
Migrationserfahrungen.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich
Gesundheitsveranstaltungen aller Art, aber auch Zum anderen gibt es aber Tendenzen zu einem
Basisbildungskurse, Sprachkurse, Vereins- und neu entwickelten Bewusstsein für
Nachbarschaftstreffen oder -feste sehr gut dafür umweltfreundliche Transportmittel. In den letzten
eignen. Jahren findet das Fahrradfahren auch bei
Migrantinnen immer mehr Aufmerksamkeit und
das Interesse, selbst Radfahren zu erlernen oder
Anleitung zur Gestaltung von wieder zu praktizieren, wird geweckt. Es bedarf
Informationsveranstaltungen jedoch einiger Hilfsmittel, um Migrantinnen zu
erreichen und sie zu motivieren.
Die Zahl der Menschen, die das Rad in der Stadt
häufig nutzen, nimmt zu. Das Fahrrad vereinfacht Bewährt haben sich in unserer Arbeit:
den komplexen Alltag enorm, denn es lässt sich ✓ Präsentationen bei Infoveranstaltungen;
überall schnell, einfach und direkt vor der Tür
✓ Gestaltung von Plakaten mit Testimonials;
abstellen. Es verbraucht dadurch wenig Platz.
Gleichzeitig ist ein Fahrrad kostensparend im ✓ Mehrsprachige Broschüren.
Gebrauch, egal, ob es zum Einkaufen oder in die
Arbeit, privat oder beruflich genutzt wird. Das Radfahren lernen die meisten Menschen in der
Fahrrad ist ein Transportmittel, das in unserer Kindheit. Daher gehört für Frauen, denen dies
heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken ist. verwehrt bleib, Mut dazu, sich im
Erwachsenenalter als Radfahranfängerin in der
Es wäre schön, wenn möglichst viele Menschen Öffentlichkeit zu zeigen, insbesondere als
unterschiedlicher Herkunft, Geschlecht, Religion kopftuchtragende Muslimin. Aus diesem Grund
und Sprache die unzähligen Vorteile, die das ist es umso wichtiger, dass die praktische
Radfahren bereitet, erkennen und daran Wissensvermittlung in einem „geschützten“
partizipieren. Raum stattfindet.
Das Bewusstsein für das Radfahren bei
Migrantinnen zu wecken, sie zu motivieren und
zu informieren, stellt jedoch eine
Herausforderung dar. Denn Migrantinnen sind mit
vielfältigen Barrieren konfrontiert, die es ihnen
erschweren, ihre latenten Radfahrbedürfnisse
„zum Leben zu erwecken“.
9Vorträge zum Thema Radfahren sollten … Frauenförderung, Kulturvereine, Moscheen
✓ wenn möglich, in der jeweiligen Erstsprache usw. sein.
abgehalten werden; ✓ Der zielgruppenadäquaten Gestaltung von
✓ von sprach- und kulturkompetenten Informationen über den niederschwelligen
Vortragenden, die das Thema gut und kostenfreien Zugang zu Radfahrkursen
beherrschen (um auf Fragen kompetent sollte genügend Aufmerksamkeit gewidmet
antworten zu können) gehalten werden; werden.
✓ in einfacher Sprache/in kurzen Sätzen ✓ Muttersprachliche Begleiterinnen sollten die
vorgetragen werden; Aufgabe der Wissensübermittlung,
Aktvierung und Sensibilisierung
✓ für leichte Verständlichkeit auch viele
übernehmen.
Bilder/Illustrationen beinhalten;
✓ Es ist wichtig, immer eine Kontaktperson, die
✓ interaktive Sequenzen enthalten;
Zugang zu den Frauen hat, zu finden!
✓ nicht zu lang sein; (Vereinsobfrauen, Vereins-Frauenkomitee-
✓ viel Raum für Fragen und Diskussion lassen. Vorsitzende, Vereins-Kulturbeauftragte,
usw.)
Inhaltlich ist wichtig, dass interessierte ✓ Gruppen sind besser zu erreichen und zu
Frauen … motivieren als Einzelpersonen!
✓ vieles über die vielfältigen gesundheitlichen
Vorteile des Radfahrens erfahren; Man muss das Rad nicht immer wieder neu
erfinden. Im Internet gibt es Materialien in
✓ über die vielen Mythen und Fakten, die das
vielen Sprachen, die man nutzen kann, um
Erlernen erschweren, aufgeklärt werden;
Radfahren zu erlernen.
✓ Grundkenntnisse in Verkehrskunde vermittelt
bekommen; Bei der Verwendung ausländischer Materialien,
✓ Informationen zu Rechten und Pflichten beim die Informationen zu Verkehrszeichen und
Radfahren bekommen; Straßenverkehrsordnung enthalten, sollten bei
✓ Wissen erlangen, wo sie ein günstiges den Verkehrsregeln die Unterschiede zu
Fahrrad erwerben können; Österreich beachtet werden.
✓ notwendige Begrifflichkeiten (z.B.
Links zu mehrsprachigen Materialien:
Mehrzweckstreifen, Radweg, etc.) sprachlich http://www.germanroadsafety.de/
erlernen;
https://www.adfc-radfahrschule.de/kurse-fuer-
✓ erkennen, dass Radfahren emanzipatorische fluechtlinge.html
Freiheit bedeutet;
http://hamburg.adfc.de/verkehr/themen-a-
✓ ein belastbares Selbstbewusstsein als z/verhalten/verkehrsregeln-mehrsprachig/
Radfahrerin gegenüber dem motorisierten
Individualverkehr durch Motivation http://www.schulterblick.at/portfolio/flyer-
verkehrsregeln-in-arabisch-und-farsi
entwickeln können.
https://www.klimaaktiv.at/mobilitaet/mobilitaetsmanag
em/bildung/Literaturtipps/Mat_Radfahrpruefung.html
Folgendes sollte im Vorfeld bei der
Durchführung von Informations- http://sghanstedt.elbnetz.com/ueber-uns/
veranstaltungen für Migrantinnen beachtet
http://www.sportintegration.de/fahrradfahren-fuer-
werden: fluechtlinge/
✓ Die Zielgruppe sollte in ihrem geschützten
http://www.jugendrotkreuz.at/oesterreich/angebote/ra
sozialen Umfeld kontaktiert werden. Dies dfahrpruefung/englisch-farsi-arabisch/
können Frauenvereine bzw. Projekte zur
10Radfahrende Migrantinnen
stärker öffentlich sichtbar
machen
Eine unserer wichtigsten Erfahrungen: Das Plakat ist online abrufbar unter:
Radfahrende Migrantinnen müssen stärker http://www.fem.at/FEM_Sued/fraueninfahrt.html
öffentlich sichtbar gemacht werden:
Zum einen für Frauen, die Fahrrad fahren
wollen, sich aber noch nicht trauen;
Zum anderen für alle Menschen in
Österreich, die glauben, es gäbe keine
radinteressierten Migrantinnen.
Was tun?
Warum nicht in der Gemeinde gemeinsam mit
Migrantinnen ein Plakat entwickeln, um Rad
fahrende Migrantinnen sichtbar zu machen?
Sie können auch das Plakat nutzen, welches im
Rahmen des Projekts „Frauen in Fahrt“
entstanden ist. Wir nutzen es nicht nur für
Informationsstände über Gesundheit und
Radfahren bei Veranstaltungen, sondern auch
als Grundlage für Flyer, die wir für die Information
einsetzen.
Abbildung 4: Dieses Plakat entstand gemeinsam mit
radinteressierten Migrantinnen. Die beteiligten
Migrantinnen hatten viel Spaß beim Shooting, und sie
sind stolz, Testimonials für das Radfahren zu sein.
Quelle: Hilde Wolf, FEM Süd.
11Migrantinnen sichtbar machen
und Raderlebnisse verbinden
30 Migrantinnen nahmen im April 2017 erstmals Migrantinnen bei der Radparade
gemeinsam an der RadpaRADe in Wien teil. Weil viele von diesen Migrantinnen kein eigenes
Obwohl ein Teil von ihnen Anfängerinnen oder Rad besitzen, hatte „Citybike Wien“
lange nicht Rad gefahren waren, sind fast alle unbürokratisch ein Rad zur Verfügung gestellt.
Teilnehmerinnen die gesamte Strecke Außerdem wurde die Aktion durch eine
mitgeradelt. Nur bei wenigen reichte die gemeinschaftsstiftende Schirmmütze unterstützt.
Fahrroutine oder die Kraft noch nicht ganz aus. Die Frauen waren begeistert.
Teilnehmerinnen mit Migrationshintergrund bei der Radparade 2017, Foto: Christian Fürthner, Mobilitätsagentur Wien
12Implementierung von Radkursen
mit unterschiedlichen Lernniveaus
Zwei unserer wichtigen Erfahrungen bei der Bei der Organisation des ersten Radfahrkurses
Implementierung von Radkursen für Frauen für Frauen 2011/2012 wurde insbesondere auf
sind: den leichten, niederschwelligen und kostenfreien
✓ OrganisatorInnen sollten stets offen für die Zugang geachtet. Um den Erfolg des Radkurses
Bedürfnisse von Frauen sein – so entstehen sicherzustellen wurde ein professioneller
neue Maßnahmen und Initiativen. Kursanbieter gesucht und in der Radlobby Wien
gefunden, mit der eine gute Zusammenarbeit
✓ Für so komplexe Initiativen wie „Radkurse für
entwickelt wurde und bis heute ein regelmäßiger
erwachsene Frauen“ ist eine vertrauensvolle
Austausch stattfindet.
Kooperation zwischen Organisationen
unterschiedlicher Bereiche (Mobilität,
Frauenförderung, Integration usw.)
unabdingbar. Das zeigt die
Implementierungsgeschichte der Radkurse in
Wien.
Wie die Radkurse in Wien begannen
Ausgangspunkt der Erfolgsgeschichte der Wiener
Radkurse für Frauen waren die Wünsche von
Frauen mit Migrationshintergrund. Sie wurden
zunächst vom Frauenzentrum Piramidops
aufgenommen, ein erster Kurs wurde organisiert.
Durch die Kooperation mit der Radlobby Wien
und der Mobilitätsagentur Wien konnte das
Kursangebot bis 2017 verstetigt, ausgebaut
sowie professionalisiert werden.
Abbildung 5: Der erste Radkurs für Migrantinnen wurde
Eine Organisatorin erzählt den Anfang einer mit dem „Integrationspreis Sport 2012“ des
Erfolgsgeschichte, die auf einem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) ausgezeichnet.
Nachbarschaftsfest begann: Quelle: Gül Lüle, Piramidops, 2012
„Als einige türkische Frauen auf einem
Straßenfest gefragt wurden, ob sie gerne
Radfahren lernen würden, lachten sie und sagten
‚Ja!‘ Es sei aber eher ein ‚Traum aus ihrer
Kindheit‘. Diesen Frauen wurde der Traum vom
Radfahren durch die Organisation der ersten
Frauen-Radfahrkurse im Frühling 2012 durch den
Verein Piramidops Frauentreff wahr.“
13Eine wichtige Unterstützung wurde der Wiener Entwicklung der Frauenradkurse
Radkursinitiative durch die Mobilitätsagentur in Wien
Wien zuteil. Von ihr wurden Räder und Roller
zum Üben gekauft, die jederzeit für die Kurse 2012: 1 Radkurs für Anfängerinnen (finanziert
ausgeliehen werden können. Zudem werden die durch die WIG);
Radkurse finanziell gefördert, sodass sie im
2013: 3 Radkurse für Anfängerinnen (2 davon
Unterschied zu Kursen in anderen europäischen
finanziert durch die Mobilitätsagentur Wien, 1
Städten gratis angeboten werden können. In
durch die Österreichische Energieagentur), 1.
anderen Städten erheben die OrganisatorInnen
Trainerinnenausbildung;
einen Unkostenbeitrag von etwa 4 Euro pro
Trainingseinheit. Die Mobilitätsagentur Wien 2014: 5 Radkurse für Anfängerinnen + 1 Kurs für
unterstützt zudem die Vernetzung verschiedener Fortgeschrittene (4 Kurse finanziert durch die
Akteure, die sich für Radkurse engagieren oder Mobilitätsagentur Wien & Charity-Projekt
die neu dafür gewonnen werden sollen. Bike2Help; 2 Kurse finanziert durch den
ÖAMTC);
Seit 2012 wurden 23 Kurse vom Trainerinnen- 2015: 4 Radkurse für Anfängerinnen + 1 Kurs für
Team der Radlobby IG Fahrrad durchgeführt. Die Fortgeschrittene (3 Kurse finanziert durch die
öffentliche Anerkennung der Wiener Radkurse Mobilitätsagentur Wien & Charity-Projekt
zeigt sich auch darin, dass die Organisation dafür Bike2Help; 1 Kurs finanziert durch die
2015 mit dem VCÖ-Mobilitätspreis 2015 in der Crowdfunding-Plattform „respekt.net“);
Kategorie „Gesellschaftlicher Wandel und
2016: 2 Radkurse für Anfängerinnen, 2 für
Mobilität“ ausgezeichnet worden ist.
Fortgeschrittene (3 Kurse finanziert durch die
Mobilitätsagentur Wien, 1 Kurs finanziert durch
die Caritas);
2017: 3 Radkurse für Anfängerinnen, 2 für
Fortgeschrittene (finanziert durch die
Mobilitätsagentur Wien); weitere Kurse möglich;
2. Trainerinnenausbildung.
Entwicklung der Frauenradkurse in Wien
6
5
Anzahl der Kurse
4
Anfängerinnen
3 Fortgeschrittene
2
1
0
2012 2013 2014 2015 2016 2017
Abbildung 6: Entwicklung der Radkurse, durchgeführt durch die Radlobby Wien, Quelle: Radlobby Wien 2017
14Sie wollen in Ihrer Gemeinde einen
Radkurs für AnfängerInnen
organisieren?
Die Radlobby IG Fahrrad gibt ihre Erfahrung bei
der Organisation von Radkursen weiter und
bietet Schulungen an, in welchen zukünftige
RadtrainerInnen in der Methode des angstfreien
und selbstermächtigenden Radfahren-Lernens
unterrichtet werden.
Kontakt: wien@radlobby.at
Radanfängerinnen im Frühling 2017 mit der Trainerin
Somia Babiker (Mitte), die selbst als Erwachsene in
einem Kurs der Radlobby Radfahren gelernt hat.
Foto: Peter Provaznik
Als Erwachsene ist es gar nicht so einfach,
Radfahren zu lernen. Die Erfahrung zeigt, dass
unter behutsamer und professioneller Begleitung
durch Trainerinnen jedoch schnell überraschende
Fortschritte erzielt werden können. Benefits
daraus sind Bewegung, Gesundheit und Freude.
Aber auch zu Selbstbewusstsein,
Erklärungen der Radtrainerin bei einem Mobilitätsverbesserung, Unabhängigkeit und
Anfängerinnenkurs in Simmering: Die Pause wird für das Integration tragen die Kurse bei!
Erlernen von Verkehrsregeln genützt.
Foto: Eliza Brunmayr, Radlobby Wien Häufig äußern sich Radkursteilnehmerinnen sehr
positiv über ihre Erfahrungen in den Kursen. Wie
die Aussage einer Teilnehmerin zeigt:
Bedeutung der Radkurse und
Organisation „Jede Woche habe ich etwas geschafft, von dem
ich dachte, ich könnte das nie tun.“
Radfahren ist für viele Frauen keine
Selbstverständlichkeit. Kulturelle Regeln oder der
mangelnde Zugang zu einem Rad
verunmöglichen es Frauen aus manchen
Herkunftsländern, selbst Radfahren zu lernen
oder es als erwachsene Frauen weiter betreiben
zu können. Durch das neue Lebensumfeld
können sich diese kulturellen Regeln verändern.
Übungen im Anfängerinnen-Kurs 2015,
Foto: Eliza Brunmayr, Radlobby Wien
15Neue Medien unterstützen die
Weitere Lernstufe nach oder parallel Organisation von Radkursen und
zu den Radkursen: die Kommunikation
Geführte Radausflüge
Forschungsergebnis der Befragung:
Neben den Anfängerinnen- und 87% der Radkursteilnehmerinnen haben ein
Fortgeschrittenenkursen werden in Wien in eigenes Handy. 40% davon nutzen eine
unregelmäßigen Abständen Radausflüge Mobilitäts-App. Das ist eine gute Basis für die
durchgeführt. Sie werden in der Regel durch eine Nutzung von WhatsApp, um radinteressierte
erfahrene Radtrainerin geführt. Frauen über Kurse und andere Events zu
informieren. Einige Radtrainerinnen nutzen daher
WhatsApp in ihrer Arbeit.
XXXXXXXXX
Beim Radausflug. Foto: Aysel Kilic, Piramidops
Erfahrungen aus den Radkursen –
Radfahren lernen braucht regelmäßige Übung
– auch nach erfolgreichem Radkurs!
Die Organisation solcher Übungen kann von den
Trainerinnen der Radkurse an erfahrene
Radlerinnen aus anderen Vereinen übergehen
werden.
XXXXXXXXX
WhatsApp-Nachricht einer Radgruppe.
Foto: Aysel Kilic, Piramidops
16Anhaltendes Problem: Daraus resultierend: Unsicherheit, ob sich
Häufig kein eigenes Fahrrad auch die Investition bereits lohnt;
nach der Kursteilnahme Unzureichende Radfahrfähigkeiten;
Gesundheitliche Probleme;
Forschungsergebnis der Befragung:
Selbst nach erfolgreichem Abschluss eines Keine sichere Abstellmöglichkeit für ein
Radkurses kaufen viele Frauen kein eigenes eigenes Rad in Wohnnähe;
Rad. Unzureichende Radwegestrukturen in
Wohnnähe;
Aus den Fokusgruppen ergeben sich vielfältige
Fehlende Zeit, um häufig Radfahren üben zu
Gründe, warum radinteressierte Frauen kein Rad
können („Ein Kauf lohnt sich scheinbar
kaufen, obwohl sie es erfolgreich erlernt haben.
nicht.“);
Zu diesen Gründen gehören: Spezifische biografische Belastungen.
Fehlende finanzielle Mittel;
Unsicherheit in der Einschätzung der
eigenen Radfahrfähigkeiten;
Zugang zu fahrtüchtigem Fahrrad nach
Teilnahme an einem Radkurs
37% Eigenes Fahrrad
45%
55% Kann Rad eines Familienmitgliedes leihen
Kein eigenes Rad
18%
Abbildung 7: Zugang von radinteressierten Migrantinnen zu fahrtüchtigem Rad.
Quelle: Segert et al. 2017, 46
17Übungsmodul „Leihrad-Nutzung“
für leichteren Radzugang
Das Leihrad-Übungsmodul wurde als Teil der 2. Wie funktionieren Leihräder?
„Frauen in Fahrt-Radkurse“ der Radlobby IG Erklären der Funktionsweise von
Fahrrad entwickelt, um die Funktionsweise des Citybike Wien.
Leihradsystems „Citybike Wien“ zu vermitteln.
Leihräder sind eine kostenlose bis ✓ Entlehn- und Rückgabevorgang erläutern;
kostengünstige Möglichkeit, auch ohne Radbesitz ✓ Tarifgestaltung erklären;
ein Rad zu nutzen. Damit die öffentlichen ✓ Konzept von Bike-Sharing erklären (etwa,
Leihräder als Option wahrgenommen werden, dass ein Rad an einer Station entlehnt wird
bieten wir in den Kursen Gelegenheit, den und an einer beliebigen anderen Station
Ausleih- und Rückgabevorgang, die Handhabung zurückgegeben werden kann);
und das Fahrverhalten der Citybikes unter
✓ Beispiel bringen für eine typische Leihrad-
Begleitung praktisch kennenzulernen.
Fahrt (etwa in multimodaler Kombination mit
zu Fuß gehen und U-Bahn);
Erfahrungen mit dem Leihrad-Übungsmodul sind
sehr positiv, die Hemmschwelle nach dem Kurs ✓ Einfache Sprache verwenden!
eigenständig ein Leihrad zu nutzen wird dadurch ✓ Auf Fragen eingehen, Fragen klären. Gibt es
wesentlich herabgesetzt. Verständnisschwierigkeiten aufgrund von
sprachlichen Barrieren?
Vielleicht kann eine andere Teilnehmerin
Ablauf des Leihrad-Übungsmoduls übersetzen.
Vorab Checkliste für notwendige 3. Wie kann man sich anmelden?
Materialien:
✓ Mitbringen: Radkarten, Citybike-Wien- ✓ Erklären, was es für die Anmeldung braucht
Anmeldeformulare & Citybike-Wien-Karten und wo bzw. wie diese stattfinden kann.
zur Entlehnung der Räder; ✓ Möglichkeit von Citybike-Wien-Karten (und
Partnerkarten) vorstellen.
Vermittlung von praktischem
Wissen: 4. Wie findet man Citybike-Stationen?
1. Einstieg: Schon von Citybikes
gehört? ✓ Am Beispiel der Radkarte Wien zeigen und
gemeinsam Stationen suchen: Wo ist die
✓ Gesprächsrunde und Wissensstand nächstgelegene Station? Wo sind Stationen
ermitteln, mögliche Einstiegsfragen sind: in der Nähe von Wohnorten der
- Wer hat Citybikes in der Stadt schon Teilnehmerinnen?
wahrgenommen? ✓ Vorzeigen: Stationssuche per Citybike-Wien-
- Wer kennt „Citybike Wien“? App.
- Wer weiß, wie das Ausleihen von ✓ Erwähnen und vorzeigen: Suche von
einem Leihrad funktioniert? weiteren Stationen beim Terminal.
- Wer ist selbst schon einmal mit
einem Leihrad gefahren?
18Praktische Übung bei einer Citybike- Die Teilnehmerinnen müssen aktiv
Wien-Station aufgefordert werden, das Leihrad
auszuprobieren, da sie ansonsten bevorzugt
1. Gemeinsames Anmelden und zu den (gewohnten) Übungsrädern greifen.
Entlehnen an einer Citybike-Wien- Wenig erfahrene Radfahrerinnen brauchen
Station: ausreichend Eingewöhnungszeit, bis sie das
Leihrad gut kontrollieren können.
Wie funktioniert der Entlehn- und
Rückgabevorgang (Wenn man bereits als Bei Radkursen für Fortgeschrittene, wo mit
Nutzerin angemeldet ist)? der Gruppe im Verkehr gefahren wird,
ermöglicht die Mitnahme und Nutzung von
Eine Leihradstation in einer
einem bzw. einigen Citybikes eine höhere
verkehrsberuhigten Zone bietet sich als
Flexibilität bei der Gruppengröße: Wenn
entspannter Übungsort an.
mehr Teilnehmerinnen kommen als
Mit einer Testkarte bzw. Citybike-Karte des Kursräder vorhanden sind, ermöglichen die
Kursanbieters vorzeigen, wie man ein Citybikes eine Teilnahme für alle. Für den
Leihrad entlehnt, aus der Station entnimmt Fall, dass eine Teilnehmerin schon eine
und wieder korrekt zurückgibt. halbe Stunde früher gehen muss, kann eine
Die Teilnehmerinnen das Entlehnen, Leihrad Leihrad-Station mit gutem ÖV-Anschluss
entnehmen und Zurückgeben aktiv angefahren und das Rad dort abgegeben
ausprobieren lassen. werden.
Hilfreich ist, wenn die Teilnehmerinnen
bereits bei „Citybike Wien“ angemeldet sind. Bisherige Erfahrungen &
Das kann ermöglicht werden, indem bereits Adaptierungen
in der ersten Kurseinheit eine gemeinsame
Bestellung von Citybike-Karten organisiert Anmeldevorgang:
wird.
Ursprünglich war das Konzept so ausgelegt, dass
Teilnehmerinnen, die noch nicht angemeldet
der Anmelde-Vorgang am Terminal gemeinsam
sind, erhalten eine Citybike-Karte des
durchgeführt wird. Das hat sich nicht bewährt,
Kursanbieters.
weil es eine lange Wartezeit für die anderen
Teilnehmerinnen bedeutet. Der Anmeldevorgang
2. Mit einem Leihrad fahren kann sich etwa durch die Wahl eines bereits
vergebenen Benutzernamens oder Probleme bei
Vorurteile und Hemmnisse abbauen
der Bezahlung der Anmeldegebühr noch weiter
(Citybikes sind zu schwer bzw. schwer zu
verzögern.
fahren), Rücktrittbremse kennenlernen und
anhand von Bremsübungen sicheres Stattdessen wurde erprobt, dass interessierte
Anhalten erlernen, Fahren mit Gepäck im Teilnehmerinnen ein Formular für die Bestellung
Lenkerkorb – Kurven- und Bremsübungen, einer Citybike-Karte ausfüllen. Die ausgefüllten
einhändig Fahren. Bestellformulare werden von der Kursleiterin
Die Rücktrittbremse beim Leihrad erschwert gesammelt an „Citybike Wien“ gesendet. Das hat
zunächst das Losfahren mit dem Rad, da es den Vorteil, dass die Teilnehmerinnen zugleich
nicht so leicht möglich ist, das Pedal wie auch eine Partnerkarte bestellen können, was
gewohnt (und mit den Übungsrädern gelehrt) von den meisten in Anspruch genommen worden
vor dem Losfahren in die optimale ist. Wartezeiten während der Kurseinheit werden
Startposition zu bringen. mit diesem Vorgehen vermieden.
19Was wissen radinteressierte
Migrantinnen über „Citybike
Wien“?
Wissen über Leihräder sowie Leihradnutzung
88% 91%
77%
39%
29% 33%
20% 25%
Allgemeines Wissen Praktisches Wissen Eigenständige Citybike- Interesse an
Nutzung Citybikenutzung
Radkurs ohne Leihrad-Training Radkurs mit Leihradtraining
Abbildung 8: Wissen und Leihradnutzung bei Radkursteilnehmerinnen mit Migrationshintergrund.
Quelle: Segert et al. 2017, 47.
Forschungsergebnis der Befragung Gleichzeitig sinkt:
der Anteil der Frauen, die sich die
Durch das Übungsmodul zur Leihradnutzung Anmeldung in ihrer Muttersprache
steigt: wünschen.
der Anteil der Frauen, die sich praktisch mit
der Nutzung von „Citybike Wien“ auskennen; Daher lohnt es sich, ein Leihradtraining in die
der Anteil der Frauen, die Leihräder Radkurse für Erwachsene zu integrieren.
eigenständig nutzen.
20Was wünschen sich
Radkursteilnehmerinnen, um
Radsicherheit zu gewinnen?
Forschungsergebnisse der Es ist allerdings auf Kinder zugeschnitten.
Befragung Aus Sicht von Wiener RadexpertInnen könnten
dem Übungsbedürfnis von radlosen
Radkursteilnehmerinnen haben vielfältige Anfängerinnen auch Gutscheine für
Wünsche. Jede zweite wünscht sich ein eigenes Radkursabsolventinnen für die Nutzung eines
Rad. Leihräder kommen für einige von ihnen in Leihrades an privaten Radleihstationen
Frage, wenn sie sich beim Radfahren etwas entgegenkommen. Solche Gutscheine könnten
sicherer fühlen (zum Beispiel nach Abschluss von der Stadt oder von Sponsoren gefördert
eines Fortgeschrittenenkurses). Dann wünschen werden. Probiert wurde das aber noch nicht.
sie sich (mehr) Leihradstationen in der Nähe ihrer
Wohnungen. Die gerechte Verteilung von Befund aus den Radkursen:
Leihradstationen in allen Stadtbezirken ist ein
wichtiger Faktor, um Migrantinnen bei ihrem In Radkurse integrierte Beratungen beim
Wunsch, Rad zu fahren, effektiv zu unterstützen. Radkauf, gemeinsame Besuche von
Flohmärkten und Radwerkstätten werden
Weitere Wünsche beziehen sich auf von den Frauen sehr gut angenommen und
anfängerinnenfreundlichere Radwege im helfen jenen radinteressierten Migrantinnen,
Wohnbezirk. Eine gerechte Verteilung von für die Leihräder keine Option sind.
baulich getrennten und breiten Radwegen in
allen Stadtbezirken ist daher ein weiterer Faktor,
damit mehr radinteressierte Migrantinnen
tatsächlich im Alltag das Rad benutzen.
In den Befragungsergebnissen fällt auf, dass sich
29% der befragten Migrantinnen eine spezielle
Gratisausleihe von Leihrädern in einer
verkehrsberuhigten Zone in Wohnnähe
wünschen, wo sie eigenständig Radfahren üben
können, ohne dass sie (schon) ein eigenes Rad
besitzen müssen (Segert 2017 et al., 51).
Das Pariser Angebot „P’tit Vélib“ kommt in der
Organisationsstruktur diesen Wünschen
radinteressierter Anfängerinnen weitgehend
entgegen (siehe unten Seite 25).
21Internationale Good Practices
Radförderung radinteressierter
Frauen
Radkurse für Migrantinnen oder Flüchtlinge gibt
es in vielen europäischen Städten. Nachfolgend
einige Beispiele für Good Practices der
Radförderung in anderen europäischen Städten:
Radschule Montreuil
http://www.veloecoledemontreuil.com/
Beim Radkurs in Hamburg,
Foto: Christian Burmeister
Radschule Clichy
Übungen in der Radschule Montreuil, http://mdb-idf.org/category/nos-relais-
Foto: Eliza Brunmayr, Radlobby locaux/clichy/
Viel Erfahrung mit Radkursen hat die Radschule
Montreuil (siehe Bild), am Rande von Paris. Sie Die Radschule des MDB in Clichy bietet seit
bietet seit 2002 ehrenamtlich Radkurse für 2010 Radkurse für Frauen an. Auf einem
Erwachsene an, die sie von absoluten Anfängen stadtnahen ruhigen Gelände erlernen sie
bis hin zum Meistern komplexer städtischer zunächst die Grundtechniken des Radfahrens,
Verkehrssituationen begleitet. An einem bei Regen findet das Training in einer Halle statt.
Wochenende nehmen bis zu 200 Die Trainerinnen arbeiten ehrenamtlich im
RadschülerInnen verschiedenster Niveaus teil. Rahmen des Vereins MDB.
„moveo ergo sum“ – Radfahrkurse für Frauen
Hamburg
Die Initiative hat sich der Qualitätssicherung für
Radkurse verschrieben. Es werden daher nicht
nur Kurse angeboten, sondern auch Prinzipien
des Radtrainings und neue Übungsformen
entwickelt. Teilnehmerinnen und Trainerinnen der Velo Ecole Clichy
Foto: Patrick Roland, MDB Clichy
22Mädchenfahrradwerkstatt des Vereins kidbike
Radwerkstatt „Solicycle Clichy“ organisiert e.V. im Mädchenzentrum Alia
von „etudes et chantiers“ http://kidbike.de/mfw
http://solicycle.org/
http://etudesetchantiers.org/ In Berlin Kreuzberg, einem Bezirk, wo viele
MigrantInnen leben, bietet der Verein KidBike
e.V. eine Radwerkstatt nur für Mädchen an. Dort
können Mädchen und junge Frauen unter
fachgerechter Anleitung lernen, das eigene
Fahrrad zu reparieren. Wer keines hat, kann
auch aus gespendeten Rädern ein eigenes
Fahrrad zusammenbauen. Um radinteressierte
Mädchen anzusprechen, arbeitet der Verein mit
anliegenden Schulen zusammen.
Da unter den beteiligten Mädchen viele Kinder
mit Migrationshintergrund sind, von denen
manche die deutschen Worte für die
Radbestandteile nicht kennen, wird die
Werkstattzeit auch zum Lernen der deutschen
Sprache genutzt.
2016 hat der Verein erstmalig ein Projekt
angeboten, bei dem Mädchen Fahrräder für
Kinder von Flüchtlingen reparieren bzw.
aufbauen. Die fertigen Räder wurden an
Unterkünfte für Geflüchtete übergeben, mit
denen die OrganisatorInnen von KidBike e.V.
zusammenarbeiten.
Die Radwerkstatt Clichy ist sehr innovativ und arbeitet
u.a. alte Posträder zu Lastenrädern um.
Fotos: Patrick Roland, MDB Clichy Gratis Velo Verleih und Radwerkstatt
„Züri rollt“ des AOZ Zürich
Die Sozialorganisation „Etudes et chantiers Île de https://www.stadt-
France“ organisiert in Clichy und anderen zuerich.ch/aoz/de/index/shop/veloverleih.html
französischen Städten eine Radwerkstatt.
Arbeitslose MigrantInnen erhalten für ein Jahr Das AOZ Zürich organisiert seit 1994 im Rahmen
eine Stelle als RadmonteurInnen und reparieren von gemeinnützigen Arbeitsplätzen (GEP) einen
unter professioneller Anleitung Fahrräder für Radverleih sowie die technische Wartung dieser
AnwohnerInnen mit kleinem Geldbeutel. So wie Räder in eigener Werkstatt.
in Österreich viele TürkInnen an Radinitiativen
beteiligt sind, sind es in Frankreich Frauen und An den Ausleihstationen und in der Radwerkstatt
Männer aus diversen afrikanischen Ländern werden SozialhilfebezieherInnen unabhängig
(siehe Bild oben). vom Aufenthaltsstatus eingesetzt. An den
Ausleihstationen sind sie auch im unmittelbaren
Regelmäßig kommen ehemalige KundInnenkontakt tätig. Sie bedienen selbständig
Radkursteilnehmerinnen von Clichy a vélo MDB, bei der Ausleihe das Computersystem.
um ihr Rad zu reparieren oder ein eigenes Rad
zu erwerben.
23Auch wenn zu Beginn der Maßnahme keine
Deutschkenntnisse verlangt werden, sind sie
dennoch willkommen und werden in parallel
angebotenen Sprachkursen gefördert. Durch
diese soziale und mobilitätsfördernde Maßnahme
profitieren alle ZüricherInnen und Gäste.
Recycelte Räder und Radkurse für Flüchtlinge
Radlobby, Rotes Kreuz und SOS Mitmensch
Korneuburg.
http://www.radlobby.org/noe/korneuburg-
radkurse-fuer-gefluechtete-als-schritt-in-die-
unabhaengigkeit/
https://www1.meinbezirk.at/korneuburg/c-
lokales/radl-fuer-fluechtlinge_a1691073
Abbildung 9: Plakat einer Radaktion der Radlobby
Korneuburg.
Außerdem erscheinen die Sammlung von
Radspenden und ihre Reparatur dort leichter als
die Organisation der Nutzung von Leihrädern von
„nextbike Niederösterreich“ für Flüchtlinge.
#BIKEYGEES e.V. Berlin
http://bikeygees-berlin.org/de/
Einer der aktiven „Schrauber“ in der Flüchtlingswerkstatt
in Korneuburg.
Foto: Richard Stawa, Radlobby Korneuburg
Radkurse werden nicht nur in Großstädten
organisiert. „Radl für Flüchtlinge“ in Korneuburg
Bei der Auszeichnung mit dem Hatun-Sürücü-Preis.
ist ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit Foto: Annette Krüger, #BIKEYGEES e.V. Berlin
eines Radvereins mit einer Sozialorganisation.
Das Beispiel zeigt: In kleineren Städten
Die Radkurse von #Bikeygees e.V. sind eine
funktioniert die Kommunikation zwischen
Initiative zweier Frauen, die inzwischen mit mehr
unterschiedlichen Organisationen oft informeller.
als 50 Helferinnen zusammenarbeiten. Sie alle
Das erleichtert die sektorübergreifende
unterstützen in ihrer Freizeit Flüchtlinge, das
Kooperation.
Radfahren zu lernen.
24Das Besondere an dieser Initiative ist zum einen, So können Kinder kostengünstig Radfahren
dass sie sich der Förderung des Radfahrens üben, ohne dass ihre Eltern für sie (vorerst) ein
einer der schwächsten gesellschaftlichen eigenes Rad kaufen müssen.
Gruppen widmet. Zum anderen, bietet #bikeyjees
gemischte „offene Kurse“ für Frauen und Männer Es ist nicht sicher, ob dieses Angebot auch nach
an. Das heißt, die Kurse finden nicht an dem Betreiberwechsel von Velib’ Paris
festgelegten Kurstagen, sondern an weitergeführt werden wird. Als Good Practice
Wochenenden statt, die kurzfristig vorher kann es jedoch als Anregung dafür dienen, nicht
bekannt gegeben werden. Es gibt keinen nur die vorhandenen Leihradsysteme auf ihre
Kurszwang, kommen kann, wer Lust dazu hat. Tauglichkeit für verschiedene
Diese Angebotsform verlangt den NutzerInnengruppen hin zu hinterfragen.
Organisatorinnen viel Kommunikations- und
Organisationsarbeit ab – sowohl mit den vielen Hier wurden Leihrad Points als stationäre
ehrenamtlichen HelferInnen, als auch in der Anlaufpunkte für radinteressierte Anfängerinnen
Zusammenarbeit mit Flüchtlingsheimen und organisiert. Diese Idee geht davon aus, dass
Vereinen. Radfahren auch für Menschen, die (noch) kein
eigenes Rad besitzen, praktische Übung
2017 wurde die Initiative mit dem Hatun-Sürücü- erfordert.
Preis ausgezeichnet.
P’tit Velib’ Paris LESE-TIPP:
http://blog.velib.paris.fr/ptit-velib/
„SCHWUPPDIWUPP – Spielerische Übungen mit
P’tit Velib’ – das „kleine Rad-Verleihsystem“ in und auf dem Fahrrad“ von Christian Burmeister,
Paris – ist ein saisonales Angebot der Stadt in erschienen im R.G. Fischer Verlag.
Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen. An vier
punktuellen Radausleihstationen werden in den
Sommermonaten an drei Tagen pro Woche
Leihräder für Kinder unterschiedlichen Alters
angeboten. Vor Ort werden vier Euro Aufwands-
entschädigung eingehoben.
Weitere LINKS zu internationalen Good Practices
Radangebote von Integra
http://www.integra.or.at/fahrradservice/
Social Center „Second Home“
https://www.facebook.com/secondhomeljubljana/
Radkurse von DONNA Mobile München
https://www.donnamobile.org/info1
https://docs.wixstatic.com/ugd/c2311b_40f74c92cb324cdf88c663e8320af4cb.pdf
Radkurse für Frauen bei Vrouw en Vaart Amsterdam, New West
http://www.vrouwenvaart.nl/
Radwerkstatt des Vereins Rückenwind e.V.
http://rueckenwind.berlin/
Fietsvriendinnen – Radkurse von Mobycon
http://www.mobycon.com/action/news/item/1272/presenting-in-stockholm-on-cycling-for-women-and-ethnic-groups.html
25Fazit
Es gibt unter MigrantInnen ein verstecktes Erfahrungen in Amsterdam, Paris, München
Bedürfnis, Rad zu fahren. und Wien zeigen, ist es hilfreich,
Trainerinnen mit Migrationshintergrund
Radkurse für Erwachsene bieten eine gute auszubilden. Sie wirken gleichzeitig als
Chance, solche Frauen auf’s Rad zu bringen. Vorbilder und Kommunikatorinnen.
Radkurse sollten in verschiedenen Nicht jede Gemeinde muss das Rad neu
Lernstufen angeboten werden. erfinden, gute Ideen und Materialien finden
sich im Netz. Die Entwicklung vor Ort braucht
Radausflüge und Events mit aber intensive Kommunikation von
Radinformationen oder Probiermöglichkeiten OrganisatorInnen unterschiedlicher
ergänzen das Angebot sinnvoll. Institutionen.
Die Organisation von Radkursen und ihren Der Österreichische Radgipfel, der seit 2007
Begleitmaßnahmen kann auf ehrenamtlicher durch das Lebensministerium organisiert
oder (teil-)geförderter Basis von NGOs aus wird, könnte einmal alle nationalen
unterschiedlichen Feldern wie Mobilität, Radlinitiativen zu einem Treffen mit
Integration, Nachbarschaftshilfe, internationalen VorreiterInnen einladen. Es
Gesundheits- oder Frauenförderung gibt viele Themen, die gemeinsam beraten
übernommen werden. werden könnten.
Eine Förderung durch die Gemeinden bei der
Suche von Lernräumen, bei der Finanzierung
von passenden Rädern, bei der Vernetzung
und der Öffentlichkeitsarbeit ist hilfreich und
notwendig.
Dabei ist die sektorübergreifende
Zusammenarbeit von Verwaltungseinheiten
der Integration, der Gesundheit, der Mobilität
und der Frauenförderung unabdingbar. Nur
so kann ein nachhaltiges Finanzierungs-
modell gesichert werden, das dem
nachgewiesenen nachhaltigen Bedürfnis von
Migrantinnen am Radfahren entspricht.
Gute Beispiele der Radförderung profitieren
in hohem Maße von einem starken
politischen Commitment der
Gemeindevertretung, am besten beginnend
mit der/dem Bürgermeister/in.
Eine entsprechende Schulung der
Trainerinnen ist wichtig und kann unter
info@radlobby.at angefragt werden. Wie die
26AutorInnen Eliza Brunmayr Studierte Kultur- und Sozialanthropologie sowie Geographie an der Universität Wien und arbeitet seit 2013 für die Radlobby Wien in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und Radkurse. Die leidenschaftliche Alltagsradfahrerin möchte einen Beitrag für ein zukunftsfähiges Verkehrssystem leisten und als Radtrainerin und Leiterin der „FahrSicherRad“-Radfahrschule der Radlobby andere Menschen unterstützen, die Freude am Radfahren zu entdecken und sicher unterwegs zu sein. Kontakt: eliza.brunmayr@radlobby.at Figen Ibrahimoglu Diplomierte Sozialarbeiterin und seit 2010 Mitarbeiterin des Frauengesundheitszentrums FEM Süd im Kaiser Franz Josef-Spital. Arbeitsschwerpunkte in der Sozialberatung für Frauen mit Migrationshintergrund, vor allem in Türkisch sowie in der Gesundheitsförderung und -vorsorge. Kontakt: femsued.post@wienkav.at Gül Lüle Geschäftsführerin des Frauenvereins Piramidops „Frauentreff“. Ausbildungen in Management, Beratung und Training. Kompetenzen und langjährige Erfahrung in Gender-und Diversitätsarbeit; entwickelt Empowerment-Projekte mit und für Migrantinnen. Kontakt: piramidops@tele2.at Aysel Kilic Ausgebildete Diplomsozialbetreuerin. Arbeitet mit körperlich und geistlich behinderten Menschen. Langjährige Erfahrung als Radfahrtrainerin und Wanderführerin. Großes Interesse an der Entwicklung von Radfahrkursen und Mobilität von Frauen. Kontakt: aysel60@yahoo.com Astrid Segert Promovierte Soziologin am Institut für Höhere Studien in der Forschungsgruppe „Sozialökologische Transformationsforschung“ (SET). Sie arbeitet in den Themenfeldern „Theorien sozialer Praktiken“ und „Milieuforschung“. Ihr besonderes Interesse gilt der Erforschung von Innovationen für eine nachhaltige Entwicklung der Mobilität und hier insbesondere der Erforschung gleicher Mobilitätschancen auch für Frauen mit Migrationshintergrund sowie der Vernetzung unterschiedlicher sozialer und ökologischer AkteurInnen. Kontakt: segert@ihs.ac.at Hilde Wolf Klinische und Gesundheitspsychologin und Arbeitspsychologin. Seit 1999 Geschäftsführerin des Frauengesundheitszentrum FEM Süd im Kaiser Franz Josef-Spital in Wien, davor wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Frauengesundheitsforschung. Ausbildungen in Gesundheitsförderung und Sozialmanagement mit MBA-Abschluss. Kontakt: hilde.wolf@wienkav.at 27
Literatur
ADFC. Die Effekte des Radfahrens. [Online] abrufbar unter:
https://www.adfc.de/Gesundheit/Gesund-bleiben/Die-Effekte-regelmaessigen-Radfahrens/Seite-6-Herz-
Kreislaufsystem.
Anzenberger, J., Bodenwinkler, A., Breyer, E. (2015): Migration und Gesundheit. Literaturbericht zur
Situation in Österreich. Im Auftrag der Arbeiterkammer Wien und des Bundesministeriums für Gesundheit.
Wien: Gesundheit Österreich GmbH.
Bundesministerium für Gesundheit. (2011): Österreichischer Frauengesundheitsbericht 2010/2011. Wien.
Grancy, Alice. (2017): Wenn das Fahrrad die Freiheit bringt. Presse am 29.06.2017. [online] abrufbar unter:
http://diepresse.com/home/science/5240154/Wenn-das-Fahrrad-die-Freiheit-bringt (04.09.2017).
Radlobby Korneuburg. Mittwoch ist Schraubtag. [online] abrufbar unter:
https://www.radlobby.at/sites/default/files/atoms/files/20160901_news_0.pdf. (04.09.2017).
Segert, A., Brunmayr, E., Ibrahimoglu, F. und Sarikaya, N. 2015. Migrantinnen erobern das Fahrrad.
Forschungsbericht. Endbericht. IHS Wien. [online] abrufbar unter:
http://irihs.ihs.ac.at/3238/1/IHSPR6661164.pdf. (07.07.2017).
Segert, A., Brunmayr, E., Ibrahimoglu, F., Kilic, A., Lüle, G., Sarikaya, N., Wolf, H. (2017): Frauen in Fahrt.
Research Report. Endbericht. IHS Wien. [i. E.]
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