Respekt - der Kitt unserer Gesellschaft. Für Vielfalt. Gegen Ausgrenzung 1

Die Seite wird erstellt Heinz Kellner
 
WEITER LESEN
Respekt - der Kitt unserer Gesellschaft. Für Vielfalt. Gegen Ausgrenzung 1
1 | 2021

Respekt – der Kitt unserer Gesellschaft.
Für Vielfalt. Gegen Ausgrenzung.

                      QUO VADIS, BOLIVIEN?
                      Ein Land in der demokratischen Krise

                      Unternehmerpreis 2020
                      Wenn Elektroautos weniger in
                      die Werkstatt müssen …
Respekt - der Kitt unserer Gesellschaft. Für Vielfalt. Gegen Ausgrenzung 1
14:25
                                     E-Mail aus Jerusalem, 17. Mai,

            lieber herr klasvogt                                                         - es ist jetzt nur zu
                                                 r ist die lage noch immer schlecht
            danke fuer ihre guten wor te. leide                             zers toer ung ein ende zu setzen.
                                                   nverstand um dieser
            hoffen auf den gesunden mensche                                                   in vielen orten in
                                                       koexistenz von juden und muslime
             das aergste ist dass es die friedliche
             israel mit in den abgrund reisst....                                              neugeborenen –
                                                     tel aviv mit ihren kindern – auch dem
             gestern war meine enkeltochter aus                                           tzkeller fliehen...
                                                rmal mitten in der nacht in den schu
             hier. sie mussten bereits ein paa                                             ige waffenruhe....
                                                      in israel.und gaza – auf eine bald
              so hoffen wir alle – d h. die buerger
              in verbundenheit
              ihre
              eveline goodman-thau

                                                              Eine Nachricht aus Jerusalem, abgeschickt während einer Feuerpause,
                                                              zwischen Raketenalarm und Vergeltungsschlägen, dem Ausbruch der
                                                              Gewalt mitten auf den Straßen in Israel und dem Westjordanland.

                                                              Ich hatte mit der Rabbinerin und Religionsphilosophin Eveline Goodman-
                                                              Thau, einer Holocaust-Überlebenden, kurz zuvor noch in einem Podcast
                                                              über Ethik in Krisenzeiten diskutiert – aus Anlass des Kriegsendes in
                                                              Deutschland vor 76 Jahren. Nun war in ihrem eigenen Land der lang
                                                              schwelende Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern erneut ausge-
                                                              brochen, diesmal mit voller Wucht. Es ist das Ergebnis einer langen Kette
                                                              von gegenseitigen Provokationen und Demütigungen, von Misstrauen und
                                                              gegenseitigen Verdächtigungen. Wo bleibt der „gesunde Menschenver-
                                                              stand“, der begreift, dass alle Menschen sich im letzten doch danach
                                                              sehnen, in Sicherheit zu wohnen, in guter Nachbarschaft und gegenseiti-
                                                              gem Respekt. Mir ist von unserem live geführten Gespräch noch im Ohr,
                                                              wie die Rabbinerin ihren Vater zitierte: „Wenn Gott uns das Land ohne
                                                              Palästinenser hätte geben wollen, dann hätte er es gegeben. Aber Gott
                                                              wollte, dass wir mit ihnen in diesem Land leben, in friedlicher Koexistenz.“
Impressum                                                     Erschütternd, wenn dann wechselseitig aus religiöser und nationalistischer
                                                              Verblendung dem jeweils anderen das Existenzrecht abgesprochen wird!
Herausgeber
Sozialinstitut Kommende Dortmund
Prälat Dr. Peter Klasvogt                                     Lernen, miteinander zu leben: das heißt auch, Unterschiede zu akzeptieren,
                                                              die Andersartigkeit des anderen zu ertragen, den Nächsten zu respektieren:
Redaktion 					                                               „er ist dir gleich”, wie Martin Buber das Liebesgebot übersetzt. Wenn wir in
Detlef Herbers
                                                              diesem Jahr auf 1700 Jahre Jüdischen Lebens in Deutschland zurückschau-
Redaktionsanschrift                                           en, dann kommt uns jene wechselvolle Geschichte zu Bewusstsein, die
Sozialinstitut Kommende Dortmund                              gezeichnet war vom friedlichen Zusammenleben, aber auch von Ghettos
Redaktion K·PUNKT                                             und Pogromen, von der Shoa, dem organisierten Völkermord an über sechs
Brackeler Hellweg 144                                         Millionen Juden. Da reicht es nicht, irgendwann einen Schlussstrich zu
44309 Dortmund
                                                              ziehen, um mit der Vergangenheit abzuschließen. Wer vergisst und
Erscheinungsweise 2 x pro Jahr als                            verdrängt, beschwört die Geister der Vergangenheit wieder herauf. Die
Beilage der Ruhr Nachrichten                                  fremdenfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Pöbeleien und
Konzept/Gestaltung                                            Gewaltausbrüche machen auf beschämende Weise deutlich, wie dünn das
labor b designbüro                                            „Eis“ zivilisatorischer Werte auch hierzulande ist. Da braucht es gerade die
                                                              heilende und versöhnende Kraft der Religion(en) – und natürlich auch den
Realisation                                                   „gesunden Menschenverstand“, der mir gebietet, jedweden anderen zu
freistil*/Werl
                                                              achten – einfach weil er/sie ein Mensch ist, mir gleich.
Fotos
Kommende Dortmund, Olaf Eberth,
Besim Mazhiqi/Erzbistum Paderborn, pixabay,
pradeepthundiyil/Adobe Stock, ArbeiterKind.de/
Anne-Kathrin Weber, mezzotint_fotolia/Adobe
Stock
Druck 					                                                   				                                      Ihr
Lensing-Wolff GmbH & Co. KG, Dortmund

                                                              				                                      Peter Klasvogt
                                                              					                                     Direktor des Sozialinstituts
                                                              					                                     Kommende Dortmund

2
Respekt - der Kitt unserer Gesellschaft. Für Vielfalt. Gegen Ausgrenzung 1
Die Wahrheit bewähren.
                 Den Bruch der
                 Kultur heilen.
                                              Miteinander im Gespräch bleiben,
                                              auch in Krisenzeiten

Mit insgesamt 60-70 Millionen
Toten, darunter mehr als die
Hälfte Zivilisten, steht der Zweite
Weltkrieg für die Tragödie des
20. Jahrhunderts.                             Link zum YouTube Video: https://www.youtube.com/watch?v=F94YJyxeqsE

Als nationalsozialistischer, rasseideo-       einsetzen, damit eine Kultur des Respekts
logischer Vernichtungskrieg hatte er          entsteht, ein gesellschaftliches Klima
Millionen Menschen das Leben gekostet:        gegenseitiger Achtung und Akzeptanz, in
6 Millionen europäische Juden fielen dem      dem Andersdenkende und Andersgläubige
Rassenwahn der Nationalsozialisten zum        nicht diskriminiert und marginalisiert,
Opfer, in weiten Teilen Europas war jüdi-     in dem Vielfalt und Diversität nicht als
sches Leben ausgelöscht. Auch 76 Jahre        Bedrohung, sondern als Bereicherung
nach Ende des Zweiten Weltkriegs fragt        erfahren und positiv konnotiert werden –
man sich: Wie konnte es dazu kommen,          in Israel und Palästina wie hier bei uns in      gute nachbarschaftliche Beziehungen
dass eine – wie man meinte – zivilisierte     Deutschland.                                     einsetzen. Eben so, wie es Tony Karram,
Nation („das Land der Dichter und Den-                                                         ein christlich-palästinensischer Arzt an
ker“) so unendlich großes Leid über den       Seit seinem Studienjahr 1978/79 in Jeru-         einem jüdischen Krankenhaus geschrie-
ganzen Kontinent bringen konnte, Gewalt       salem ist Peter Klasvogt, der Direktor der       ben hat, am Ende einer Woche, in der jede
und Terror, Tod und Vernichtung?              Kommende Dortmund, mit Menschen                  Nacht Krankenhäuser der Stadt Verletzte
                                              wie Eveline Goodman-Thau befreundet,             aufnehmen, die durch Blendgranaten,
Es sind die Fragen, die sich ganz grund-      mit Juden und Christen, Palästinensern           Tränengas, Polizeischläge oder Angriffe
sätzlich auch heute, in anderen Konstella-    und Israelis, die auf die versöhnende und        jüdisch-rechtsextremer Mobs verletzt
tionen und Konflikten, wieder stellen. Was    verbindende Kraft der Religion vertrauen         wurden: „Beten wir, dass die Liebe alles
muss getan werden, wofür muss man sich        und sich für gute mitmenschliche und             besiegt!“

                          E-Mail aus Haifa, 14. Mai, 19:44

   Lieber Peter,
   Es geht uns allen gut, aber der tiefe Schmerz der Situation hat uns das Herz
   gebrochen.
   Es ist nicht zu leugnen, dass es viele Probleme gibt, aber trotz der schrecklichen
   Dinge, die geschehen, möchte ich weiterhin daran glauben, dass es eines Tages
   einen gerechten und dauerhaften Frieden geben wird und wir als gleichberechtigte
   Menschen leben können. Jesus gab sein Leben dafür.
   Hoffen und beten wir für das Ende aller Gewalttaten zugunsten von gegenseitigem
   Respekt, Koexistenz und Brüderlichkeit in der Überzeugung, dass ... die Liebe alles
   besiegt.
                                                                                                           Dr. Tony Karram, Director,
   Tony                                                                                                    Department of Vascular Surgery &
                                                                                                           Transplantation, Rambam Health
   (übersetzt aus dem Italienischen)                                                                       Care Campus, Haifa

                                                                                                                                              3
Respekt - der Kitt unserer Gesellschaft. Für Vielfalt. Gegen Ausgrenzung 1
Steuergerechtigkeit
und fairer Wettbewerb
14. Unternehmertag mit Erzbischof Hans-Josef Becker und
Dr. Norbert Walter-Borjans
Dortmund (pdp). Für eine zuver-
sichtliche Haltung im Umgang
mit Veränderungen sprach sich
der Paderborner Erzbischof
Hans-Josef Becker beim 14. Tag
für Unternehmerinnen und
Unternehmer der Kommende
Dortmund, dem Sozialinstitut
des Erzbistums Paderborn, aus.
Im Eingangsreferat sprach
Dr. Norbert Walter-Borjans,
Co-Bundesvorsitzender der SPD
und früherer Finanzminister des
Landes Nordrhein-Westfalen zum
Thema „Steuergerechtigkeit und              Erzbischof Hans-Josef Becker sprach sich beim 14. Tag für Unternehmerinnen und Unternehmer
fairer Wettbewerb“.                         der Kommende Dortmund für eine zuversichtliche Haltung im Umgang mit Veränderungen aus.

Zu Beginn wies Erzbischof Hans-Josef        könnten nicht wie große Unternehmen                  innerhalb der EU einige kleine europä-
Becker auf ein Grundproblem im globalen     von den internationalen Vernetzungen                 ische Länder von legalen Steuertricks
Wettbewerb hin: „Es wird schwieriger,       und Steuerschlupflöchern Gebrauch                    profitieren. Das dürfe so nicht länger
Steuern dort zu erheben, wo Güter tat-      machen. „Steuern sind kein Selbstzweck,              akzeptiert werden. Bei den anwesenden
sächlich produziert, wo tatsächlich Um-     sondern ein Teil der Finanzierung dessen,            Unternehmerinnen und Unternehmern
satz und Gewinn erwirtschaftet werden       was wir an staatlichen Voraussetzungen               fand der frühere NRW-Finanzminister mit
und wo ein tatsächlicher und nicht nur      für unser Leben brauchen“, so Walter-                dieser Forderung Unterstützung.
virtuell verschobener Firmensitz aufzu-     Borjans.
finden ist.“                                                                                     Erzbischof Becker zitiert im Umgang mit
                                            Das zeige sich einmal mehr unter den                 Veränderungen Charles Darwin: „Es ist
Diese Situation sei zum Nachteil der mit-   Bedingungen der Corona-Pandemie.                     nicht die stärkste Spezies, die überlebt,
telständischen Wirtschaft, stimmte Dr.      Das Prinzip, dass starke Schultern auch              auch nicht die intelligenteste. Es ist die-
Norbert Walter-Borjans dem Erzbischof       mehr Lasten tragen müssten, sei derzeit              jenige, die anpassungsfähig auf Verände-
zu. Kleine und mittelständische Betriebe    deformiert. Ein Problem sei, dass auch               rung reagiert.“ Gefordert sind jetzt nicht
                                                                                                 diejenigen Akteure im Markt, die Steuer-
                                                                                                 schlupflöcher finden, sondern eine Politik,
                                                                                                 die Steuerpolitik über die eigene Nation
                                                                                                 und ihren Vorteil hinaus denken muss.
                                                                                                 Denn nur so lassen sich Rahmenbedin-
                                                                                                 gungen für das Gemeinwohl aller schaf-
                                                                                                 fen, durch einen fairen Wettbewerb ohne
                                                                                                 Verzerrungen auf Kosten Dritter.

                                                                                                 Prälat Dr. Peter Klasvogt zeigte sich am
                                                                                                 Ende der digitalen Veranstaltung zu-
                                                                                                 versichtlich, dass der nächste Tag für
                                                                                                 Unternehmerinnen und Unternehmer
                                                                                                 2022 wieder als persönliche Begegnung
                                                                                                 stattfinden kann. Diskutiert werden soll
                                                                                                 dann der sozial-ökologische Umbau der
                                                                                                 Wirtschaft.

                                                                                                 Norbert Walter-Borjans, Co-Bundesvorsitzender der
                                                                                                 SPD und früherer NRW-Finanzminister, forderte in
                                                                                                 seinem Vortrag steuerpolitische Reformen für mehr
                                                                                                 Fairness im internationalen Wettbewerb.

4
Respekt - der Kitt unserer Gesellschaft. Für Vielfalt. Gegen Ausgrenzung 1
Unternehmerpreis „erfolgreich nachhaltig“ 2020
Wenn Elektroautos weniger in die Werkstatt müssen …
Autohaus Rüschkamp für Innovationen ausgezeichnet

Joan Hendrik Rüschkamp, Inhaber des
Familienunternehmens „Autohaus
Rüschkamp“ in Dortmund, Lünen,
Lüdinghausen, Selm und Werne, ist
der Preis für Unternehmerinnen und
Unternehmer „erfolgreich nachhaltig“
verliehen worden.

In seiner Laudatio hob Staatssekretär
Christoph Dammermann die Kreativität,
Durchsetzungsstärke und die Eigeninitia-
tive von Joan Hendrik Rüschkamp hervor:
„Die Bezeichnung Pionier hat er wirklich
verdient.“ Gewürdigt wird besonders das
ausdauernde Engagement für Elektro-
mobilität und das werbende und über-
zeugende Auftreten gegenüber Kunden,
aber auch im Betrieb. Innovativ seien die   Joan Hendrik Rüschkamp (rechts im Bild), Inhaber des Familienunternehmens „Autohaus Rüschkamp“ in
kreativen Ideen, wie etwa ein Elektroauto   Dortmund, Lünen, Lüdinghausen, Selm und Werne, mit der Skulptur „Gerechtigkeit“ des Künstlers Johannes
als Carsharing-Konzept für alle Bewohner    Dörflinger. Hinter dem Lenkrad Kfz-Meister Klaus Hüser.
eines Wohnblocks anzubieten. Damit werde
so mancher, meist ungenutzter, Zweit-       gut ein Drittel günstiger. Doch was für den          handelnde Unternehmerinnen und
wagen überflüssig.                          Kunden erfreulich ist, bereitet Autowerk-            Unternehmer einer breiteren Öffentlich-
                                            stätten wegen Umsatzrückgängen Sorgen.               keit vor.
Mit dem unternehmerischen Konzept,          Mit seinen zukunftsweisenden, innovati-
nicht nur Autos zu verkaufen, sondern       ven Konzepten habe Rüschkamp unter-                  Verliehen wurde der Preis beim 14. Tag
auch bei Errichtung von Ladepunkten         nehmerisch zukunftsfähige Antworten                  für Unternehmerinnen und Unternehmer,
und der intelligenten Einbindung von        gefunden.                                            der dieses Jahr digital durchgeführt wurde.
Erneuerbaren Energien und stationären                                                            Dort hielten der Co-Bundesvorsitzende
Speichern zu unterstützen, erschließe       Zum siebten Mal verliehen die Kommende               der SPD Dr. Norbert Walter-Borjans und
das Autohaus Rüschkamp neue Ge-             Dortmund, Sozialinstitut des Erzbistum               der Erzbischof von Paderborn Hans-Josef
schäftsbereiche für sich und seine Mit-     Paderborn, und die Bank für Kirche und               Becker inspirierende Ansprachen.
arbeitenden. Und diese Innovationen         Caritas diesen Unternehmerpreis „er-                 Die Laudatio und weitere Informationen
sind nötig, denn Elektroautos haben         folgreich nachhaltig“, symbolisiert in               zum Preisträger und der Veranstaltung
viel weniger Verschleißteile und landen     der Figur „Gerechtigkeit“ des Künstlers              finden Sie auf
damit viel seltener zur Reparatur in der    Johannes Dörflinger. Mit dieser Würdi-               https://erfolgreich-nachhaltig.de/ sowie
Werkstatt. Auch die Inspektionen sind       gung stellen die Ausrichter vorbildlich              www.kommende-dortmund.de.

                                            Wie wollen wir als Kirche in Zukunft leben?
                                            Wie gelingt Glaubensgemeinschaft in immer
                                            größeren pastoralen Räumen? Wie befreien
                                            wir uns aus überkommenen Strukturen –
                                            und woraus beziehen wir visionäre Kraft?
                                                                                                                    Das Buch
                                            Diese Fragen begleiten den Aufbruch der                                 ist hier erhältlich:
                                            Kirche in eine neue Zeit.                                                  bonifatius@azb.de
                                                                                                                       www.bonifatius-verlag.de
                                                                                                                      02832 929291

                                            Peter Klasvogt entwickelt in seinem Buch das                               Buchhandlung Dortmund
                                                                                                                       dortmund@bonifatius.de
                                            Bild einer Kirche, die sich geistlich erneuert,
                                                                                                                       0231 148046
                                            offen ist für inspirierende Erfahrungen und
                                                                                                                       Buchhandlung Paderborn
                                            bereit, auch unkonventionelle Wege zu gehen.                               paderborn@bonifatius.de
                                                                                                                       05251 153142

                                                                                                                    und überall
                                                                                                                    wo es Bücher gibt
                                            ISBN 978-3-89710-883-7 | 34,00 €

                                                                                                                                                     5
Respekt - der Kitt unserer Gesellschaft. Für Vielfalt. Gegen Ausgrenzung 1
QUO VADIS, BOLIVIEN? EIN LAND
IN DER DEMOKRATISCHEN KRISE
Digitale Studienabende im Rahmen der MISEREOR-Fastenaktion 2021
                                                                                                  Bolivien verfügt über eines der größten Lithium-
                                                                                                  Vorkommen der Welt. Um den Abbau des Roh-
                                                                                                  stoffes wird strittig verhandelt, unter anderem um
                                                                                                  ökologische und soziale Kriterien.

                                                                                                  tuellen Probleme Boliviens. Pablo Solón,
                                                                                                  ehemaliger Botschafter bei den Verein-
                                                                                                  ten Nationen, forderte, dass der Abbau
                                                                                                  der Lithiumschätze nicht dem freien
                                                                                                  Markt überlassen werden dürfe, sondern
                                                                                                  entsprechende Abbaulizenzen ökologi-
                                                                                                  sche und soziale Belange berücksichtigen
                                                                                                  müssen. Die indigene Abgeordnete Toribia
                                                                                                  Lero Quispe, schilderte die Probleme
                                                                                                  der indigenen Bevölkerung, die von der
                                                                                                  Zerstörung der natürlichen Lebensgrund-
                                                                                                  lagen und den sozialen Verwerfungen
                                                                                                  besonders betroffen sind. Der Soziologe
                                                                                                  Juan Carlos Núñez ergänzte, dass Boli-
Bolivien gehört immer noch zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas –                                vien vor allem auch die grundsätzliche
trotz reichhaltiger Bodenschätze. Das Land leidet unter sozialer und                              Frage der Menschenrechte beantworten
ökologischer Ausbeutung. Das überwiegend katholische Land ist von                                 und sich mit der Garantie dieser Rechte
zahlreichen Ethnien mit eigenen Kulturen und Sprachen geprägt. Doch                               intensiver auseinandersetzen muss. Der
                                                                                                  Politikwissenschaftler Fernando Mayorga
viele indigene Gemeinschaften sind vom Aussterben bedroht – nicht
                                                                                                  warb um Verständnis für den umstritte-
zuletzt durch die unverminderten Brandrodungen im Amazonasgebiet                                  nen Regierungsstil der MAS-Partei unter
und die rücksichtslose Ausbeutung der Bodenschätze.                                               dem früheren Präsidenten Evo Morales.
                                                                                                  Dr. Georg Duffner, Leiter des Auslands-
Bolivien ist mit Deutschland wirtschaft-             die Frage: „Welche Chancen bieten sich       büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in
lich enger verbunden als zu vermuten                 für eine ökologisch nachhaltige Entwick-     La Paz, analysierte die durch die Corona-
ist. Das Land verfügt über große Vorräte             lung unter besonderer Berücksichtigung       Pandemie verschärfte soziale Lage in
an Lithium, unverzichtbarer Rohstoff                 von Aspekten der sozialen Gerechtigkeit      Bolivien. Insbesondere der wichtige infor-
für die Batterieproduktion. Der deutsche             und Interkulturalität?“                      melle Arbeitssektor ist in der Pandemie
Mittelstand setzt auf entsprechende                                                               fast gänzlich zum Erliegen gekommen.
Wirtschaftsabkommen, ist vor Ort aktiv               Fünf prominente Vertreter*innen aus          Viele Bolivianer leiden unter akuten Exis-
tätig. Die aktuelle Herausforderung lautet,          Bolivien diskutieren unter der Moderation    tenznöten.
einen umweltschonenden und für die                   von Dr. Bettina Schorr, FU Berlin, die ak-
betroffene Bevölkerung sozial gerechten                                                           Die spannende Diskussion zeigte, wie
Abbau der Lithiumschätze zu vereinba-                                                             komplex und vielfältig die Herausfor-
ren. Die politischen Verhältnisse vor Ort                                                         derungen der Zukunft Boliviens sind.
spielen dabei eine große Rolle.                                                                   Deutlich wurde dabei, welche Bedeutung
                                                                                                  für eine verantwortliche, umweltfreund-
Um die politische Situation in Bolivien                                                           liche und sozial gerechte Gestaltung des
besser zu verstehen, hat die Kommende                                                             Welthandels die politische Situation in
Dortmund zwei digitale Studientage                                                                den Ländern vor Ort hat.
im Rahmen der Misereor Fastenaktion
„Es geht! Anders.“ angeboten. Nach den
heftigen politischen Konflikten wurde
im Oktober 2020 Luis Arce, Kandidat der
MAS-Partei von Ex-Präsident Evo Morales,
neuer Präsident Boliviens. In Europa
wenig beachtet, fanden im März 2021
wichtige Regionalwahlen statt. Die Stu-
dientage informierten über die politische
Entwicklung. Im Vordergrund stand dabei

Das hochkarätig besetzte digitale Podium des zwei-
ten Studienabends „Quo vadis, Bolivien?“ mit fünf
Teilnehmer*innen aus Bolivien unter der Moderation
von Bettina Schorr von der FU Berlin.

6
Respekt - der Kitt unserer Gesellschaft. Für Vielfalt. Gegen Ausgrenzung 1
BLACK LIVES MATTER! – RASSISMUS GEHT UNS ALLE AN
Diplomverleihung an der Katholischen Hauptschule Husen

Was haben die amerikanischen „Black          Das Soziale Seminar ist ein Angebot der
Lives Matter“-Proteste mit dem Leben         außerschulischen politischen Jugend-
eines Dortmunder Hauptschülers zu tun?       bildung. Ein Jahr lang setzen sich die
Eine ganze Menge, wie die Diplomprü-         Jugendlichen im wöchentlichen Seminar
fungen des Sozialen Seminars zeigten –       mit gesellschaftlichen Themen auseinan-
denn: Rassismus geht uns alle an!            der. Im Zuge der Coronavirus-Pandemie
                                             stellten sich in diesem Jahr besondere
Die Jugendlichen stellten in ihrer Diplom-   Herausforderungen für die Schüler*innen
prüfung am Ende des Sozialen Seminars        (siehe das untenstehende Interview), die
in beeindruckender Art und Weise dar,        sie in beeindruckender Art und Weise
dass alle Menschen die gleiche Würde         meisterten. Das Engagement der Jugend-
besitzen und damit den gleichen Respekt      lichen wurde am Ende mit der Verleihung
verdienen. Der erste Schritt gegen Rassis-   des Diploms der Sozialen Seminare belohnt.
mus beginnt folglich bei jedem von uns,
indem wir den Menschen vorurteilsfrei        Robert Kläsener, Dozent der Kommende Dortmund,
begegnen und uns aktiv gegen Rassismus       überreichte die Diplome – dieses Jahr mit Abstand
positionieren.                               und Maske.

Interview zum Lernen in Corona-Zeiten
                                                                                                 Die Lerntherapeutin
Robert Kläsener (Kommende Dortmund):         Wie bist Du dieser Herausforderung
                                                                                                 Sophia Scherer beglei-
Liebe Sophia, Du begleitest das Soziale      begegnet?                                           tet für die Kommende-
Seminar an der Heinrich-Heine-Realschule     Wir haben zu Beginn jeder Stunde eine               Stiftung beneVolens
in Hagen. Das vergangene Schuljahr           „Befindlichkeitsrunde“ gemacht, aus der             das Soziale Seminar an
war geprägt von ständigen Wechseln           sich vielfach interessante Diskussionen             der Heinrich-Heine-
                                                                                                 Realschule Hagen.
zwischen Präsenz und digitalen Forma-        ergaben. Die Schülerinnen und Schüler
ten. Was war aus Deiner Sicht die größte     konnten ihren Frust loswerden, Ratschläge
Herausforderung für die Schülerinnen         untereinander austauschen und über                  gen Quarantäne regelmäßig Überraschun-
und Schüler?                                 Dinge sprechen, die während des digitalen           gen vor die Haustür stellten oder auch mal
Sophia Scherer: Es gab viele Herausforde-    Regelunterrichts einfach verloren gehen.            draußen am Fenster standen und gewun-
rungen, wie beispielsweise ausgeschaltete    Da die meisten Schülerinnen und Schüler             ken haben.
Videokameras oder nicht ausreichende         mit dem Handy am Unterricht teilnehmen,
technische Voraussetzungen. Die größte       war kollaboratives Arbeiten im Seminar              „Was hat Dich im letzten Jahr positiv
Herausforderung war allerdings, die Schü-    nur schwer umsetzbar. Besonders lange               überrascht?“
lerinnen und Schüler motiviert zu halten.    haben wir hier über die Frage diskutiert:           Vor allem hat mich das Durchhaltevermö-
Die vielen Stunden vor dem PC, teilweise     „Was sind Freunde?“. Die Schülerinnen und           gen der Schülerinnen und Schüler über-
zu viele Hausaufgaben und die fehlende       Schüler stellten hier besonders heraus,             rascht. Auch wenn schlechte Tage dabei
Abwechslung durch Freizeitaktivitäten        dass Freunde in dieser Zeit besonders               waren, haben sie immer versucht, positiv
schlauchen. Die Schülerinnen und Schüler     wichtig sind. Gerade weil man sich sel-             zu bleiben und sich mit der Situation
berichteten immer wieder, dass es ihnen      tener sieht, werden Freunde bedeutend.              zu arrangieren. Ein Mädchen sagte im
zwar gut gehe, aber dass sie einfach keine   Eine Schülerin berichtete davon, dass sie           Seminar: „Diese Sache geht auch vorbei,
Lust mehr haben, weil vieles einfach zu      gemerkt habe, dass ihre wahren Freunde              wir müssen einfach durchhalten und die
anstrengend werde.                           diejenigen waren, die in ihrer mehrwöchi-           Situation akzeptieren wie sie ist.“

                                             www.benevolens.de

    Die Stiftung fördert:
    • Soziale Seminare                       beneVolens freut sich über Ihre
    • Berufliche Integration von Haupt-      Unterstützung:
      schüler*innen                          Kommende-Stiftung beneVolens
    • Wirtschaftsethik an Schulen            Stichwort Stiftung
    • Seminare zur Suchtprävention           Bank für Kirche und Caritas Paderborn
    • Jugendprojektwochen in Mittel-         IBAN: DE25 4726 0307 0017 8503 00
      & Osteuropa                            BIC: GENODEM1BKC

                                                                                                                                            7
Respekt - der Kitt unserer Gesellschaft. Für Vielfalt. Gegen Ausgrenzung 1
In die
Wiege gelegt?
Gleiche Bildungs-Chancen für alle!

Student*innen aus Arbeiter-
familien trifft die Pandemie
besonders hart. Schon unabhän-
gig von Corona stolpern junge
Menschen aus „bildungsfernem
Milieu“ beim Studienbeginn
über Hürden: Sie studieren oft
als erste in der Familie und haben
keine oder kaum Kontakte zu
Akademikern.

Das neue Umfeld fühlt sich für sie fremd
an. Es fehlt ihnen ein „Handbuch“ für die-
se unbekannte neue Welt, um Herausfor-
derungen bewältigen zu können. Andere
Student*innen und Professor*innen sind
ihnen in normalen Zeiten eine Hilfe. Ein-
fach mal in die Sprechstunde gehen oder
den Sitznachbarn in der Vorlesung etwas
fragen – durch COVID-19 fehlt dieser
persönliche Kontakt und die Studienan-
                                               Auf Jobmessen beraten Ehrenamtliche von Arbeiterkind.de Schüler*innen, die als erste in der Familie
fänger sind völlig auf sich allein gestellt.   studieren wollen.
Weitere Schwierigkeiten kommen hinzu:
Klassische Nebenjobs wie in der Gastro-
                                               beeinflussen immer schon die eigenen                   heit. Wegen erschwerter Startbedin-
nomie fallen weg und einige müssen ihr
                                               Bildungs- und Aufstiegschancen. Drei                   gungen benötigen Student*innen aus
Studium wegen finanzieller Probleme
                                               Viertel der Kinder aus Akademikerfamilien              Arbeiterfamilien möglichst früh stär-
abbrechen.
                                               studieren. Bei Kindern aus Nicht-Akade-                kere Unterstützung als andere. Deshalb
                                               mikerfamilien sind es nur 20 Prozent.                  gehen zum Beispiel Ehrenamtliche von
Der Hochschulbildungsreport 2020 zeigt
                                               Einen Masterabschluss macht fast die                   Arbeiterkind.de in Schulen und ermutigen
deutlich, wie dramatisch die Lage auch
                                               Hälfte aller Akademikerkinder, doch nur                Schüler*innen, als erste in der Familie zu
ohne COVID-19 schon war: Die soziale
                                               acht Prozent der Nicht-Akademikerkinder.               studieren. Darüber hinaus klären sie über
Herkunft und die Bildung der Eltern
                                               Diese ohnehin schon existierende Kluft                 Möglichkeiten der Finanzierung auf. Nur
                                               zwischen beiden Gruppen wird durch die                 durch solche konkreten Hilfen entsteht
                                               Corona-Pandemie nun noch größer.                       wirkliche Chancengleichheit – und höhere
                                               Darum müssen Verhältnisse geschaffen                   Bildung ist für alle zugänglich, nicht nur
                                               werden, in denen die soziale Herkunft                  für diejenigen, denen dieser Weg „in die
                                               nicht entscheidend ist für das Gelingen                Wiege gelegt“ worden ist.
                                               des eigenen Bildungswegs. Als Voraus-
    Hinter dem Stand•PUNKT verbirgt            setzung dafür braucht es Gleichberech-                 Claudia Schwarz, 26. Februar 2021
                                               tigung, nicht zu verwechseln mit Gleich-
    sich der wöchentliche sozialethische
    Kommentar der Kommende Dort-
    mund. Abwechselnd nehmen die
    Dozent*innen der Kommende
                                               Weitere Informationen zu diesem Thema:
    Dortmund Stellung zu aktuellen
    gesellschaftlichen Themen.

    Sie finden den Stand-
    punkt auf der Website
    www.kommende-dortmund.de                                     https://arbeiterkind.de/

                                                                 https://www.hochschulbildungsreport2020.de/
                                                                 chancen-fuer-nichtakademikerkinder

8
Respekt - der Kitt unserer Gesellschaft. Für Vielfalt. Gegen Ausgrenzung 1
SocioMovens trotzt Corona

Allen Einschränkungen durch die
Corona-Pandemie zum Trotz: Die

                                                                                                                     sociomovens
Kommende-Initiative socioMovens zur
Förderung des sozialen Engagements
junger Menschen in Mittel- und Ost-                                                                                                   giving europe a soul
europa kam nicht zum Erliegen.
Und der solidarische Einsatz der                                                                                       Seit 2013 fördert und beglei-
Jugendlichen ist gerade in diesen                                                                                      tet socioMovens e.V. jugend-
Zeiten wichtig.
                                                                                                                       soziales Engagement in Ost-
So berichten Jugendliche aus Poznań/                                                                                   und Südosteuropa.
Polen: „Jeden Samstag unterstützen wir                                                                                 Junge Menschen werden zum
die Essensausgabe für bedürftige Men-
                                                                                                                       gemeinsamen Engagement
schen, kommen mit ihnen ins Gespräch.
Die Menschen sind sehr dankbar und                                                                                     für eine soziale europäische
freuen sich über unser Engagement, ge-                                                                                 Zivilgesellschaft ermutigt.
rade jetzt in der Pandemie.“ Ein weiteres
Beispiel: Die Gruppe aus Lipova/Rumänien                                                                               www.sociomovens.de
schreibt: „Wir haben Lebensmittel für
arme Menschen gesammelt, Osterpakete                                                                                   Sie können die Arbeit durch
gepackt und sie an Kinder in den Dörfern                                                                               Ihre Spende unterstützen:
verteilt. Diese praktischen Zeichen der                                                                                socioMovens e.V.
Solidarität sind sehr wichtig in dieser
schweren Zeit.“                             in sozialen Projektwochen und Fortbil-                                     Stichwort sociomovens
                                            dungen vertieft und weiter ausgebaut                                       Bank für Kirche und Caritas
Der ländergreifende Austausch war in den    werden.                                                                    Paderborn
vergangenen Monaten nur per Videokon-
                                                                                                                       IBAN:
ferenzen möglich. Die jungen Menschen       Informationen und
hoffen daher sehr, dass ab dem Spätsom-     Impressionen aus der                                                       DE62 4726 0307 0023 9003 00
mer wieder persönliche Begegnungen          Arbeit von socioMovens:                                                    BIC: GENODEM1BKC
möglich sind. Dann soll das Engagement      www.sociomovens.de

Die soziale Idee                               Meine Unterstützung
                                               (bitte ankreuzen und an die Kommende Dortmund, Brackeler Hellweg 144,
braucht                                        44309 Dortmund, Fax 0231 20605-80, sozialinstitut@kommende-dortmund.de, schicken.)
Freundinnen und                                      Ja, ich werde Mitglied im Verein der Freunde und Förderer der Kommende e.V.
Freunde!                                             und verpflichte mich zu einer Jahresspende von

Engagieren Sie Sich                                       20 €,              50 €,                ………..... € (Betrag bitte einfügen)

im Verein der Freunde
                                                     Ich bin einverstanden, dass der Mitgliedsbeitrag per Lastschriftverfahren
und Förderer der                                     eingezogen wird.
Kommende e.V.                                        Unterschrift: ………………………………................................. Datum: ....................................

Im Engagement für die Kommende und                   Geldinstitut: ...........................................................................................................................
ihre christlich-sozialethischen Ziele
sucht der Förderverein stets neue Mit-               IBAN: 		                                                                                     BIC:
streiter und Mitstreiterinnen. Denn um
ein soziales Miteinander in der Gesell-
schaft, Wirtschaft und Politik voranzu-              Ja, ich unterstütze das Engagement der Kommende mit einer Spende
treiben, bedarf es der Anstrengung von               in Höhe von             ......................... € (Betrag bitte einfügen)
vielen Menschen. Wenn es darum geht,
mitzuhelfen, die Zukunftsvisionen und                Bitte informieren Sie mich regelmäßig über Veranstaltungen
konkreten Projekte der Kommende um-                  im Sozialinstitut Kommende Dortmund
zusetzen, dann sind neue Mitglieder im
Förderverein, Sponsoren und Abonnen-                 Vorname /Name: ………………………………………… E-Mail: .................................................
ten der Zeitschriften der Kommende
herzlich willkommen.                                 Firma: ………………………………………….................. Telefon: ................................................

              https://www.kommende-                  Straße: …………………………………………................. Datum: .................................................
              dortmund.de/institut/
              gremien/foerderverein                  PLZ/Ort: …………………………………………............... Unterschrift: .......................................
                                                                                                                                                                                         9
Respekt - der Kitt unserer Gesellschaft. Für Vielfalt. Gegen Ausgrenzung 1
Grundrente – und jetzt?
Ein Fachgespräch mit Interessierten aus Kirchen und Gewerkschaften

„Grundrente wie hoch?“ war die zweithäufigste bei Google eingege-                         demografische Wandel mit steigender
                                                                                          Lebenserwartung und dem Rentenein-
bene Wie-Frage im Jahr 2019. Die Frage stand noch vor „Wie heißt das
                                                                                          tritt geburtenstarker Jahrgänge sowie
Baby von Prinz Harry?“ Am 1. Januar 2021 trat die Regelung zur Grund-                     der Wandel in der Arbeitswelt durch
rente schließlich in Kraft. Doch viele Fragen blieben offen.                              Digitalisierung bildeten den Nährboden
                                                                                          für steigende Altersarmut in der Zukunft.
In einem Online-Fachgespräch mit dem         net werde. Weiterhin ging er in seinem       Eine effiziente Bekämpfung der Altersar-
Titel „Grundrente – und jetzt?“ diskutier-   Vortrag auf allgemeine Herausforderun-       mut biete die Grundrente nicht, da nur ein
ten am 3. Februar Vertreter*innen aus        gen des jetzigen Rentensystems ein. Das      geringer Teil aller Rentner*innen davon
Kirchen, Gewerkschaften und Wohl-            Rentenniveau sei bereits gesunken und        profitiere. Van Acken plädierte für eine
fahrtsverbänden über die Grundrente,         sinke ab 2026 weiter, wenn sich nichts       grundlegende und nachhaltige Reform
deren Effekte und Kosten sowie über die      ändere. Es gehe nun darum, u.a. die ge-      der Alterssicherung in Deutschland und
Chance auf grundlegende Korrekturen          setzliche Rente zu stärken, den heutigen     stellte das dreistufige Rentenmodell der
im Rentensystem zur Vermeidung von           Arbeitsmarkt auf gute Arbeit auszurichten    Katholischen Verbände zur Zukunfts-
Altersarmut. Dabei ging es auch um die       sowie mehr Gelder in Gesundheits- und        sicherung der Altersversorgung vor.
aktuelle Situation: Besonders die Corona-    Arbeitsschutz zu investieren.
Pandemie wirkt sich, zum Beispiel durch                                                   Anschließend moderierte Manfred Sträter
Kurzarbeit, auf die spätere Rente aus.       Von Seiten der Kirchen und Wohl-             vom Netzwerk Rente in Dortmund einen
                                             fahrtsverbände referierte Benedikt van       Austausch zwischen Referenten und Pu-
Von gewerkschaftlicher Seite war Ingo        Acken zur Haltung der Katholischen           blikum, bei dem Unterschiede aber auch
Schäfer eingeladen. Seit 2016 ist er Refe-   Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Van             viele Schnittpunkte und Gemeinsamkei-
ratsleiter für Alterssicherung und Rehabi-   Acken ist hauptamtlich pädagogischer         ten zum Ausdruck kamen.
litation beim DGB Bundesvorstand. Darü-      Mitarbeiter bei der HVHS der KAB im
ber hinaus ist er ehrenamtliches Mitglied    Erzbistum Paderborn. Er ging bei seinem      Das Online-Fachgespräch war eine Koope-
in einem Widerspruchsausschuss bei der       Vortrag insbesondere auf das Thema           ration der Kommende Dortmund, des DGB
Rentenversicherung und Versicherten-         Altersarmut ein. Das klassische Sozialver-   und des Netzwerks Rente. Es bildete den
ältester. Schäfer referierte zum Thema       sicherungsmodell in Deutschland biete        Auftakt des Fachbereichs „Kirche und
„Gesetzliche Rente stärken. Für ein Leben    keine Antworten auf prekäre Beschäf-         Gewerkschaft“, der sich im Neu-Aufbau
in Würde im Alter.“ Er erklärte zunächst     tigungsverhältnisse (Minijobs, Niedrig-      befindet.
das Grundrenten-Modell und erläuterte an     lohnarbeit) und berücksichtige Formen
einigen Beispielen, wer Anspruch auf eine    von Arbeit wie Familien- und Sorgearbeit
Grundrente habe und wie diese berech-        oder Ehrenamt nur unzureichend. Der
10
Amosinternational                                                                         Amosinternational
Ausgabe 2/2021 ZU LANDWIRTSCHAFTSPOLITIK                                                  auf Twitter
                                             und entwirft Konzepte einer zukunftsfähi-
                                             gen Landwirtschaft.
                                             Bernd Hansjürgens (Leipzig) warnt vor
                                             einem immer schnelleren Artensterben und
                                             der Abnahme von Biodiversität weltweit.
                                             Markus Vogt (München) problematisiert
                                             die industrielle Tierhaltung und fordert
                                             eine Achtung der Tiere als Mitgeschöpfe.
                                             Charlotte Cremer (Berlin) untersucht das
                                             Verhältnis von strukturellen Reformen der
                                             Agrarpolitik und der Verantwortung von
                                             Konsumenten*innen in ihren alltäglichen
                                             Kaufentscheidungen. Sebastian Kistler
                                             (München) beschäftigt sich mit genetischen
                                             Veränderungen in der Landwirtschaft.
                                             Schließlich widmet sich Gotthard Dobmeier    Wir machen Gerechtigkeit nun noch ver-
Landwirtschaftliche Betriebe produzieren     (Erdweg) den theologischen Grundlagen        ständlicher, in 280 Zeichen: Seit Anfang des
immer mehr. Das hat auch viele negative      christlichen Engagements für die Umwelt      Jahres twittert Amosinternational.
Folgen – für Tierwohl, Biodiversität und     und dem Beitrag der Kirche für nachhalti-
Klima. Das neue Heft Amosinternational       gere Formen der Landwirtschaft.              Unter @journal_amosin gibt es News zu
2/2021 beleuchtet das Thema aus verschie-                                                 sozialethischen Themen sowie zum aktuel-
denen agrarökonomischen, sozialethischen     Weitere Infos und Heftbestellung:            len Heft. Folgen Sie uns und werden Sie Teil
und volkswirtschaftlichen Perspektiven       www.amosinternational.de                     unseres Netzwerks!

Gesellschaftliche Erneuerung nach der Corona-Krise
Die digitale Frühjahrstagung des Sozial-    sich gegen COVID-19 impfen zu lassen.“
wissenschaftlichen Arbeitskreises der       Der Epidemiologie Prof. Dr. André Karch
Kommende Dortmund diskutierte Ende          stimmte dem Kardinal zu: „Die globale
Mai 2021 die Folgen der Corona-Pandemie.    Pandemie lässt sich nur global lösen. Der
Aus interdisziplinärer Perspektive formu-   internationale Impffortschritt ist ent-
lierten die Wissenschaftler Erwartungen,    scheidend.“
wie aus der Krise eine gesellschaftliche
Erneuerung möglich ist.                     Eine Lehre der Krise sei es, dass der Staat
                                            deutlicher seine ordnungspolitische Auf-
Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef       gabe wahrnehmen und sich auf zukünftige
Becker wies in seiner Einleitung auf die    Katastrophenfälle vorbereiten müsse. Aus
Opfer der Pandemie hin. In sensibler        soziologischer Sicht habe die Pandemie
Wahrnehmung dieser vielfältigen Leiden,     offengelegt, wie wichtig Institutionen vor
                                                                                          Der Kurienkardinal und Präfekt Peter Turkson ist einer
müsse die Krise produktiv genutzt werden.   Ort für den sozialen Zusammenhalt seien.
                                                                                          der Leiter der päpstlichen Corona-Kommission. Er
Kardinal Peter Turkson, Vatikan/Rom,        Die Kirchen mit ihren Sozialverbänden         berichtete in der wissenschaftlichen Tagung über
betonte: „Alle Menschen auf der Welt        seien dabei wichtige Akteure für eine         die vielfältigen sozialen und politischen Aktivitäten
müssen die Möglichkeit bekommen,            solidarische Gesellschaft.                    des Vatikans zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.

Das k . Punkt Quiz                          1.   Luis Arce ist der Präsident von:         Unter den richtigen Antworten
                                                                                          verlosen wir als
                                            A Bolivien
Mitmachen 			                               B    Kolumbien
                                                                                          1. Preis: Buchgutschein über 100,- €
                                                                                          2. Preis: Buchgutschein über 50,- €
und Gewinnen!                               C Venezuela
                                                                                          3. Preis: Buchgutschein über 25,- €

                                            2. Das Thema der neuen Ausgabe von
                                                                                          Senden Sie den ausgefüllten Coupon an:
                                               Amosinternational ist:
Name                                                                                      Sozialinstitut Kommende Dortmund
                                            A Die Grundrente                              Redaktion k•punkt
Alter                                            Die Energiewende                         Brackeler Hellweg 144, 44309 Dortmund
                                            B

                                            C Die Landwirtschaftspolitik
Straße                                                                                    Mitmachen können alle Personen außer Mitar-
                                                                                          beiter der Kommende Dortmund und deren
                                            3. Preisträger 2020 des Unternehmerpreises
                                                                                          Angehörige. Alle Gewinner werden telefonisch
PLZ                                            „erfolgreich nachhaltig“ ist:
                                                                                          oder schriftlich benachrichtigt. Eine Auszah-
                                            A Dr. Andreas Fisch                           lung der Gewinne in bar ist nicht möglich. Der
Ort                                                                                       Rechts­weg ist ausgeschlossen. Nur vollständig
                                            B    Dr. Norbert Walter-Borjans
                                                                                          ausgefüllte Coupons nehmen an der Verlosung
Telefon                                     C Joan Hendrik Rüschkamp                      teil. Einsendeschluss: 31. Juli 2021
                                                                                                                                               11
Twitter
                                                                  Zwitschern Sie mit

                                                                                            Profil bearbeiten

    Veranstaltungen

    Studientag Sozialrecht                                        Grundkurs in Katholischer Soziallehre
    „U 25“ – Arbeitslosengeld II für                              für Lehrer*innen
    unter 25jährige                                               Klimagerechtigkeit. Bildung für den Erhalt
    Referent:   Helmut Szymanski, Dortmund                        der Lebensgrundlagen
    Wo:         Kommende Dortmund                                 Referenten: Melanie Gehenzig und Stefan Rostock,
                                                                              Germanwatch, Bonn
    Wann:       15. September 2021, 9:15 - 16:00 Uhr
                                                                  Wo:         Katholische Akademie Schwerte
                                                                  Wann:       07. - 08. Oktober 2021
    Dienstgemeinschaftstag im Erzbistum
    Paderborn
    „Systemrelevanz von Kirche und                                InfoRmationstag für MAVen
    Caritas in der Krise. Die Gemeinwohl-                         MaSSnahmen zur Gesundheitsprävention:
    orientierung erhalten!“                                       Burn-Out
    Referenten: Erzbischof Hans-Josef Becker, Paderborn           Referent:   Markus Lingenauber-Engelsiepen, Lünen
                Prof. Dr. Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung)   Wo:         Kommende Dortmund
    Wo:         Online-Veranstaltung                              Wann:       30. September 2021, 9:00 - 16:00 Uhr
    Wann:       29. September 2021, 9:45 - 15:00 Uhr

                                                                  Studientag Politik
                                                                  in Kooperation mit der Auslandsgesellschaft, Dortmund,
                                                                  und der Konrad-Adenauer-Stiftung, Regionalbüro Westfalen

                                                                  ARMENIEN. Ein Land zwischen russischen
                                                                  und türkischen Interessen
                                                                  Wo:         Kommende Dortmund
                                                                  Wann:       4. Oktober 2021, 10:00 - 18:00 Uhr

                                                                  UNGARN. Vom Musterschüler der EU
                                                                  zum Sorgenkind?
                                                                  Wo:         Kommende Dortmund
                                                                  Wann:       2. November 2021, 10:00 - 18:00 Uhr

K·PUNKT dankt für die freundliche Unterstützung

                                                     Verein der Freunde und
                                                  Förderer der Kommende e. V.
Sie können auch lesen