Rolle der Dokumentations-IT in der Rheumatologie

 
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Rolle der Dokumentations-IT in der Rheumatologie
Klinisches Management

rheuma plus                                   Johannes Pallua1,2 · Michael Schirmer3
https://doi.org/10.1007/s12688-021-00396-0     1
                                                 Univ.-Klinik für Orthopädie und Traumatologie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich
Angenommen: 11. Januar 2021                    2
                                                 FH-Masterstudiengang Qualitäts- und Prozessmanagement im Gesundheitswesen fh gesundheit, health
                                                 university of applied sciences tyrol, Innsbruck, Österreich
© Der/die Autor(en) 2021
                                               3
                                                 Univ.-Klinik für Innere Medizin II, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

                                              Rolle der Dokumentations-IT in
                                              der Rheumatologie

Die Entwicklung der „digitalen Gesund-        tung im Wege der elektronischen Daten-                 Tätigkeit zu unterstützen. Der Formen-
heit“ hat zahlreiche Implikationen für die    fernübertragung zu übermitteln“. Diese                 kreis der rheumatologischen Erkrankun-
moderne Medizin [1], mit vielen Mög-          Qualitätssicherung kann ohne entspre-                  gen betrifft etwa 5–8 % der Patienten in
lichkeiten und Herausforderungen auch         chende IT jedoch nicht, nur sehr schwer                der Bevölkerung [5] und umfasst eine
für die Rheumatologie [2]. Die funda-         oder nur eingeschränkt (zum Beispiel auf               Vielfalt an Diagnosen, sowohl akute als
mentale Voraussetzung für die „digitale       die Strukturqualität) durchgeführt wer-                auch chronische Erkrankungen, sowohl
Gesundheit“ ist die IT-Dokumentation          den. Diese Evaluierung der Qualität kann               organspezifische als auch systemische Er-
der klinischen Daten und Verläufe.            somit erst mittels einer Dokumentations-               krankungen, sichtbare wie unsichtbare
    Die Verpflichtung zur Dokumentati-         IT umgesetzt werden, welche die Ansprü-                (Beispiele in . Abb. 1; . Tab. 1).
on ergibt sich für den Arzt aufgrund der      che einer hochwertigen Qualitätssiche-                     Zudem gewinnen Komorbiditäten
gesetzlichen Vorgaben: „Die Pflicht, ei-       rung (durch Dokumentation der Prozess-                 (z. B. Osteoporose bei 30 % der Pati-
ne ausreichende ärztliche Dokumentati-        und der Outcome-orientierten Qualitäts-                enten mit rheumatoider Arthritis [6])
on vorzunehmen, ergibt sich sowohl aus        parameter) erfüllt.                                    und pharmakologische Aspekte (z. B.
§ 51 Abs. 1 Ärztegesetz als auch aus § 10                                                            Polypharmazie [7]) zunehmend an Be-
Abs. 3 KAKuG . . . “ [3]. In den letzten
Jahren sind die juristischen Anforderun-      »ohneQualitätssicherung kann
                                                    entsprechende IT nicht, nur
                                                                                                     deutung in der klinischen Praxis. Eine
                                                                                                     umfassende Rheuma-Dokumentation
gen an die Dokumentation sogar ange-                                                                 betrifft dann mehrere Gesundheits-
stiegen. Eine Dokumentations-IT kann          sehr schwer oder eingeschränkt                         dienstleister, nicht nur Hausärzte und
derart definiert werden, dass ihre allei-      erfolgen                                               Rheumatologen, sondern auch die Pa-
nige Aufgabe ebendiese Dokumentation                                                                 tienten und Spezialisten anderer Fach-
ist, was die Akzeptanz der Anwender si-                                                              disziplinen – mit gezieltem Augenmerk
cher nicht erhöht. Dokumentation ist so-      Bei den fachspezifischen Anforderungen                  auf die rheumatologische Fragestellung
mit zeitraubend, eine Dokumentations-         an eine Dokumentations-IT imponieren                   (. Tab. 2).
IT ist aber zusätzlich auch eine finanzi-      zahlreiche Merkmale, die technisch ab-                     Damit besteht in der Rheumatolo-
elle Belastung. Erst wenn man die Do-         zubilden sind, um eben nicht nur die                   gie eine Vielzahl an Anforderungen, die
kumentations-IT als Werkzeug versteht,        reine Dokumentationspflicht zu erfüllen,                durcheine gute Dokumentations-IT auch
das neben der gesetzlichen und der admi-      sondern auch die eigentliche ärztliche                 technisch bewältigt werden muss. Es ist
nistrativen Funktion auch andere wichti-
ge ärztliche Aufgaben wie die Qualitäts-
sicherung unterstützt, dann besteht die
Chance, dem zeitlichen und finanziellen
Aufwand der Dokumentation einen un-
mittelbaren Nutzen für die Ärzteschaft
gegenüberzustellen [4].
    Tatsächlich haben Ärzte laut Ärztege-
setz § 49 (2a) „regelmäßig eine umfas-
sende Evaluierung der Qualität durch-
zuführen und die jeweiligen Ergebnisse
nach Maßgabe der technischen Ausstat-         Abb. 1 8 Beispiele zur Sichtbarkeit der rheumatologischen Erkrankungen: sichtbare Manifestationen
                                              wie a Gelenkschwellung bei Gicht =Arthritis urica (häufig), b orale Aphten bei Morbus Adamantiades
Weiterführende Literatur bei den Verfassern   Behçet (selten)

                                                                                                                                        rheuma plus
Klinisches Management

Tab. 1 Beispiele für unsichtbare Manifestationen von rheumatologischen Erkrankungen             Tab. 3 Ärztliche Zielvorgaben für optima-
Symptom                                     Erkrankung                                          le Dokumentations-IT
 Schluckprobleme                              Systemische Sklerose                               Dokumentation
 Glomerulonephritis IV ANA+                   Systemischer Lupus erythematosus                   Subjektive Befunde (PROs)
 Trockene Augen                               Morbus Sjögren                                     Objektive Befunde
 Kauschmerzen                                 Riesenzellarteriitis                               Interventionen
 Unerfüllter Kinderwunsch                     Antiphospholipid-Syndrom                           Funktionelle Aspekte
                                                                                                 Dokumentationsbegleitung
                                                                                                 Administrative Unterstützung
Tab. 2 Fachdisziplinen (in alphabetischer Reihenfolge) und Beispiele von gezielten Fragestel-
lungen an diese Fachdisziplinen im Rahmen einer interdisziplinären Behandlung von Patienten      Kohortenbildung für Qualitätsanalysen
mit Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises                                                 (Vernetzung)
Fachdisziplin             Beispiele der Fragestellung                                            Wissensvermittlung
 Dermatologie               Hautläsion im Rahmen eines systemischen Lupus erythematosus?         Patienteninformationen
 Gastroenterologie          Diarrhoe im Rahmen einer Kolitis?                                    Medizinisch-fachliche Informationen
 Gefäßchirurgie             Stent bei arterieller Aneurysmenbildung?                             Informationen zur Qualitätssicherung
 Hals-Nasen-Ohren           Rhinitis im Rahmen einer granulomatösen Vaskulitis?                  PRO „patient reported outcome“
 Ophthalmologie             Visusstörung im Rahmen einer Uveitis?

davon auszugehen, dass dadurch für die              Notwendige Spezifika einer                  der vielen unterschiedlichen Diagnosen,
Patienten der bestehende Mangel an aus-             Dokumentations-IT für die                   die ein Rheumatologe Tag für Tag sieht,
gebildeten Rheumatologen in Österreich              Rheumatologie                               ist ein einfaches und schnelles Zugreifen
[8], verbunden mit der Einführung des                                                           auf unterschiedlichste Dokumentations-
Arbeitszeitgesetzes im österreichischen             Ziel jedes Mediziners ist die möglichst     unterlagen erforderlich. Die Ziele einer
Krankenhausbereich [9], zumindest an-               frühe Diagnosestellung und eine siche-      Dokumentations-IT aus rheumatolo-
satzweise im Bereich der Rheumatologie              re, effiziente Therapie. Diese Vorgabe        gischer Sicht sind in . Tab. 3 zusam-
abgepuffert werden kann.                             spiegelt sich auch in den Treat-to-Tar-     mengefasst. Die Vielfalt der möglichen
   Die Qualität der Dokumentation ist               get(T2T)-Empfehlungen für einzelne          Erstmanifestationen und der letztlich
für alle weiteren Datenanwendungen                  Erkrankungen des rheumatologischen          diagnostizierten Erkrankungen, zusam-
entscheidend. Weitere Anforderungen                 Formenkreises wider. Wichtig für eine       men mit den oft zahlreich involvierten
an den Rheumatologen sind für die                   Dokumentations-IT ist somit, dass alle      anderen Fachdisziplinen, erfordert nicht
Zukunft abzusehen, wie der zusätzliche              krankheitsspezifischen Befunde (insbe-       nur das fachliche rheumatologische Wis-
Einsatz von unterstützender Befundung               sondere die funktionellen und struk-        sen der alltäglichen Praxis am Patienten,
(Stichwort „künstliche Intelligenz“) und            turellen Outcome-Parameter) auch im         sondern auch eine Dokumentations-
die Herausforderungen einer mehr und                Verlauf dargestellt werden. Dieser Ver-     IT, die flexibel und situationsspezifisch
mehr personalisierten Medizin. Dies                 lauf kann dann mit den durchgeführten       die fachlichen Entwicklungen auf dem
hat unmittelbare Konsequenzen für die               therapeutischen Interventionen auf de-      neuesten Stand abbilden kann.
medizinische Versorgung des einzel-                 ren Effektivität hin analysiert werden.          Die Basis jeglicher Dokumentations-
nen Patienten, wobei auf Basis einer                Auf Allergien und andere Kontraindi-        IT besteht aus den erhobenen Fakten,
umfassenden, der Klinik angepassten                 kationen, Komorbiditäten und frühere        ergänzt durch vorhandenes rheumatolo-
Dokumentations-IT in Zukunft sicher                 Nebenwirkungen von Medikamenten ist         gisches Wissen und weitere Funktionen.
auch die personalisierte Medizin in der             separat zu verweisen, insbesondere bei      Je nach Art der Daten sind damit die tech-
Rheumatologie besser implementiert                  Durchführung oder Umstellung einer          nischen Herausforderungen zu gestalten:
werden kann [10].                                   therapeutischen weiteren Intervention.      Bei den Fakten sind die subjektiven am
   Im Folgenden werden verschiedene                                                             besten direkt von den Patienten zu er-
Aspekte der Dokumentations-IT darge-
stellt und näher diskutiert. Je besser die          »mussEinealleDokumentations-IT
                                                                  krankheitsspezifischen
                                                                                                heben, die objektiven aus bestehenden
                                                                                                Labor-, Krankenhaus- und anderen In-
Dokumentations-IT geplant wird, des-                                                            formationssystemen zu übertragen. Da-
to besser sind die Voraussetzungen für              Befunde auch im Verlauf                     ten zu Interventionen können entweder
jegliche weiterführenden, die Ärzte un-             darstellen können                           ebenfalls über diese Systeme oder auch
terstützenden IT-Funktionen.                                                                    direkt (z. B. vom Ultraschallgerät) in die
                                                                                                Dokumentations-IT eingespielt werden.
                                                    Eine Dokumentations-IT muss alle                Dazu kommt dann eine profunde
                                                    krankheitsspezifischen Befunde auch          rheumatologische Wissensbasis – allei-
                                                    im Verlauf darstellen können. Aufgrund      ne für die Interpretation der Befunde

 rheuma plus
Zusammenfassung · Abstract

bedarf es aktualisierter Normwerte und       rheuma plus https://doi.org/10.1007/s12688-021-00396-0
Interpretationsupdates, dazu kommen          © Der/die Autor(en) 2021
die stets aktuellen Patienteninformatio-
nen in verständlicher Patientensprache       J. Pallua · M. Schirmer
neben der ständig wachsenden Zahl an         Rolle der Dokumentations-IT in der Rheumatologie
medizinischen Informationen, die im-
mer aktuell in der jeweiligen Situation      Zusammenfassung
vorhanden sein sollten (z. B. Warnun-        Die Entwicklung der „digitalen Gesundheit“         neuesten Stand abbilden kann. In Österreich
                                             hat zahlreiche Implikationen für die moderne       ist die elektronische Gesundheitsakte
gen des Bundesministeriums). Neben           Medizin, mit vielen Möglichkeiten und Her-         als Grundlage der Dokumentations-IT
Fakten und Wissen sind spezifische            ausforderungen auch für die Rheumatologie.         zwar zentral verwaltet, ist aber durch
Funktionen sowohl in der Dokumenta-          Fundamentale Voraussetzung dafür ist die IT-       dezentrale Lösungen zu ergänzen. Eine gute
tion (z. B. Anwendung von Scores zur         Dokumentation. Die Verpflichtung zur Doku-          Dokumentations-IT erfüllt in Zukunft sicher
Krankheitsaktivitätsmessung) als auch        mentation zusammen mit einer regelmäßigen          mehr als eine reine Dokumentation von
                                             Qualitätsevaluierung ergibt sich für den Arzt      klinischen Daten und Leistungen. Dadurch
in der Administration (z. B. Meldung von     aufgrund der gesetzlichen Vorgaben. Die            kann sich eine gute Dokumentations-IT
meldepflichtigen Infektionen) und der         Vielzahl an klinischen Anforderungen muss          zu einem wertvollen Werkzeug des Arztes
Qualitätssicherung (z. B. bei Betonung       durch eine gute Dokumentations-IT auch             entwickeln, das diesem hilft, umfassend in
von Outcome-orientierter Qualität) für       technisch bewältigt werden. Die Qualität der       Hinblick auf alle vorliegenden Befunde die
eine gute Dokumentations-IT wichtig.         Dokumentation ist für alle weiteren Daten-         besten Entscheidungen zu treffen.
                                             anwendungen entscheidend. Die Vielfalt der
                                             rheumatologischen Diagnosen, zusammen              Schlüsselwörter
Die elektronische Gesund-                    mit den oft zahlreich involvierten anderen         Elektronische Gesundheitsakte · Kranken-
heitsakte als Grundlage der                  Fachdisziplinen, erfordert eine flexible und        pflege · Klinisches Management · Klinisches
Dokumentations-IT                            situationsspezifische Dokumentations-IT,            Qualitätstool · Rheumatologie
                                             welche die fachlichen Entwicklungen am
Die elektronische Gesundheitsakte (Elec-
tronic Health Record, EHR) wird in
Österreich zentral verwaltet (Stichwort:
                                             Role of IT-based Documentation in Rheumatology
ELGA), und durch dezentrale Lösungen         Abstract
von verschiedenen Firmen für Ordi-           The introduction of “digital health” will          Austria, there is a central administration for
nationen und Krankenhäuser ergänzt.          bring many ramifications and challenges for         the electronic health records, but solutions
Die allgemeinen Voraussetzungen für          modern medicine, including rheumatology.           must be realized for each health care provider
                                             A basis for successful “digital health” is IT-     locally. In the future, clinical documentation
EHRs aus ärztlicher Sicht werden immer                                                          will go further than pure documentation of
                                             based documentation. Physicians are legally
wieder diskutiert und umfassen insbe-        obliged to provide clinical documentation          clinical data and thus has the potential to also
sondere den Schutz der persönlichen          together with regular quality evaluations.         become a valuable tool for physicians. Using
Daten, die Medikamentensicherheit und        The quality of documentation is crucial for        such a tool can support rheumatologists in
die erforderliche Kompatibilität der Da-     all further medical data use. One of the           making high-quality decisions based on all
                                             reasons for the technical challenges of such       available clinical data.
tenübertragung.
                                             a documentation tool is the complexity
   Eine korrekte Erfassung von Daten         of clinical requirements. Most rheumatic           Keywords
und Fakten kann nur durch einen zu-          diseases affect several different sites and          Electronic health record · Health care · Clinical
grundeliegenden konzeptionellen Rah-         organs, which require consultations with           management · Clinical quality support ·
men verstanden und gemessen werden,          numerous other medical disciplines and             Rheumatology
                                             also flexible, state-of-the-art IT solutions. In
der relevante Fakten definiert. Dies soll
im Rahmen der dezentralen IT-Lösun-
gen realisiert werden und könnte einige
entscheidende Vorteile für Kliniker und    4 Vereinfachung und individuelle                      Anwendungen für künstliche Intel-
Qualitätsverantwortliche bringen:            Darstellung von Befunden (Klinik,                   ligenz, Klassifizierungssysteme und
4 Bereitstellung detaillierter Infor-        Bildgebung, Labor), verlinkt mit                    andere Entscheidungshilfen
   mationen, einschließlich klinischer,      Details durch digitale Werkzeuge                  4 Unterstützung von Akkreditierungs-
   funktioneller und radiologischer          wie Anmerkungen, Messungen und                      prozessen
   Details in einem Datensatz als voll-      Zählungen                                         4 Entwicklungsoptionen für neue
   ständige Patientenakte, einfach und     4 Verbesserte Standardisierung und                    Anwendungen einer künstlichen
   schnell verfügbar                         Optimierung der Methoden, mit Un-                   Intelligenz zur Analyse vorhandener
4 Standortunabhängige Beratung mit           terstützung des Bewertungsprozes-                   Daten, Klassifizierungssysteme für
   anderen Rheumatologen – schnellere        ses, zum Beispiel durch zertifizierte                Diagnostik, Forschung, Lehre und
   und einfachere Kommunikation              digitale Quantifizierung von diag-                   andere neuer Entscheidungshilfen
   zwischen Experten                         nostischen und prädiktiven Markern,
                                             Verwendung anderer validierter

                                                                                                                                 rheuma plus
Klinisches Management

Tab. 4 Technische Herausforderungen einer rheumatologischen Dokumentations-IT                     EHRs extrahiert werden [13]. Auch die
Flexibilität                                                                                      Abstraktion unstrukturierter Daten kann
 Diagnosevielfalt 200–400 „Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises“, ca. 5000 geneti-        die strukturiertenKerndatenelemente er-
                  sche Erkrankungen mit Bezug auf den Bewegungsapparat                            gänzen [14].
 User-Variabilität   Anforderungslevels der Datenerfassung durch den Patienten, den Praktischen       Bei der Verwendung von EHR-Da-
                     Arzt, Fachärzte für Innere Medizin und andere Disziplinen, Rheumatologen     ten können methodische Probleme hin-
 Vielfalt der        Disziplinabhängige Pathologien und Normalwerte, mit Verläufen (klinische     sichtlich der Datenqualität auftreten. Die
 Befunde und         Befunde, Laborbefunde, Bildgebung, Funktionsanalysen)                        gesammelten Informationen müssen da-
 Interventionen      Risikoassessment, Präventionsmaßnahmen                                       her sehr genau sein, sonst sind Daten-
                     Medikamente und andere Interventionen unter Berücksichtigung möglicher
                                                                                                  analysen, darauf aufbauende Anwendun-
                     Komplikationen und Nebenwirkungen
                                                                                                  gen oder weitere Prozesse unzuverlässig.
 Interoperabilität
                                                                                                  Etablierte Prozesse sind erforderlich, um
 Intern              IT-Systeme in Ordinationen und Krankenhausinformationssysteme                sicherzustellen, dass qualitativ hochwer-
 Extern              Bestehende IT-Systeme von Fachärzten verschiedener Disziplinen               tige Daten in den Gesundheitsinforma-
                     Elektronische Gesundheitsakte (ELGA)
                                                                                                  tionsmanagement- und Pflegesystemen
                     Patienten-Apps für Patienten-Scores etc.
                                                                                                  eingegeben werden [15].
 Auswertbarkeit
                                                                                                      Diese Aufrechterhaltung und Verbes-
 Patientendaten      Darstellung von einzelnen Krankheitsverläufen
                                                                                                  serung der Datenqualität hängt wesent-
                     Unterstützung bei Diagnose- und Therapieentscheidungen
                                                                                                  lich ab von der verwendeten Dokumen-
 Kohortendaten       Kohortendarstellung durchschnittlicher Krankheitsverläufe
                                                                                                  tations-IT. Derzeit gibt es jedoch keine
                     Kohortenvergleich im Sinne von Benchmarking
                                                                                                  endgültige Einigung über die Kompo-
 Administrationsunterstützung
                                                                                                  nenten der Datenqualität, zu den gängi-
 Patientendaten      Unterstützung in Kommunikation mit Patienten
                                                                                                  gen Datenqualitätszielen gehören Daten-
                     Unterstützung in Kommunikation zwischen Ärzten
                     Unterstützung in Kommunikation mit Versicherungen, Behörden                  genauigkeit, Vollständigkeit, Konsistenz,
 Praktikabilität
                                                                                                  Glaubwürdigkeit und Aktualität [16–20].
                                                                                                  Daher wird Datenqualität als mehrdi-
 Anwendbarkeit       Einfachheit im Gebrauch, Übersichtlichkeit
                     Schnelligkeit der IT, generelle Verfügbarkeit                                mensionales Konzept verstanden [17, 19,
                                                                                                  21–23]. In . Tab. 5 wird ein Überblick
 Kompatibilität      Messgeräte (Fiebermesser, Blutdruckmesser, Laborgeräte ...)
                     Bildverarbeitende Geräte (EKG, Radiologie, Pathologie ...)                   über diese Datenqualitätsbereiche sowie
 Finanzielle         Leistbarkeit der Investitionen
                                                                                                  Ansätze zur Qualitätsbewertung gege-
 Aspekte             Rentabilität des Kosteneinsatzes                                             ben.

                                                                                                  Zukunftsperspektiven
Die technische Umsetzung der rheu-                    bar nicht immer aus, die Ärzte zu EHRs      zur rheumatologischen
matologischen Dokumentations-IT ist                   zu motivieren.                              Dokumentations-IT
sicher eine besondere Herausforderung.
Zuvor aber bedarf es der ärztlichen                   Datenqualität der klinischen                Eine gute Dokumentations-IT erfüllt
Diskussion über fachspezifische An-                    Dokumentation                               in Zukunft sicher mehr als eine reine
forderungen und Konsensbildung [11].                                                              Dokumentation von klinischen Daten
Dann bedarf es jedenfalls einiger zu-                 Die beste Datenqualität von Real-World-     und Leistungen. Die Dokumentations-IT
sätzlicher technischer Entwicklungen                  Daten (RWD) ist dann gegeben, wenn          kann sich zu einem wertvollen Werkzeug
zur Optimierung (. Tab. 4). Diese Ent-                diese Datenim Rahmenderroutinemäßi-         des Arztes entwickeln, das diesem hilft,
wicklungen sind zwar dann auch in                     gen klinischen Versorgung (also im Rah-     umfassend in Hinblick auf alle vorliegen-
anderen Disziplinen einsetzbar, aber in               men eines EHRs) dokumentiert werden.        den Befunde die besten Entscheidungen
ihrer Komplexität sicherlich primär eine              Dies umzusetzen ist die zentrale Auf-       zu treffen.
Herausforderung für jede IT-Technik.                  gabe einer Dokumentations-IT und er-            Die Zukunft einer weit verbreiteten
    Zudem bedarf eine solche Dokumen-                 möglicht auch eine gute Entwicklung von     rheumatologischen Dokumentations-IT
tations-IT der konsequenten laufenden                 umsetzbarer und aussagekräftiger Real-      – und gerade durch die Verbreitung steigt
Weiterentwicklung in Zusammenarbeit                   World-Evidenz.                              der Wert einer solchen IT – liegt in ihrer
der Technik mit den Rheumatologen.                       Standardisierte Leitlinien erleichtern   Anwenderfreundlichkeit, ihrer Interope-
Sollten die Aufwand-Nutzen-Relationen                 derartige Auswertung von RWD und die        rabilität, der diagnosespezifischen Flexi-
der EHRs die Ärzte nicht zufrieden-                   Datenanalyse, um auch das Konfidenz-         bilität und somit dem Gesamtnutzen für
stellen, können EHRs sogar zu Burnout                 niveau einer Real-World-Evidenz zu er-      die Anwender. Anbindungen an Wissen-
führen [12]. Information und Kosten-                  mitteln. Strukturierte Daten wie Diagno-    schaftsinitiativen wie Register und klini-
Nutzen-Analysen alleine reichen offen-                 secodes können mit geeigneten Tech-         sche Studien ergänzen das Repertoire der
                                                      nologie- und Softwarelösungen aus den       möglichen Perspektiven.

 rheuma plus
chem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die
Tab. 5 Datenqualitätsbereiche (Domänen) und Ansätze zur Qualitätsbewertung der Daten.
                                                                                                          ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsge-
(Mod. nach [20])                                                                                          mäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz
 Domäne                  Qualitätsbewertungsansatz                                                        beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenom-
                                                                                                          men wurden.
 Datengenauigkeit        Regeln zur Validierung der Datenqualität
                         Manuelle oder automatisierte Datenüberprüfung                                    Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges
 Datenvollständigkeit    Ersatzdatenabstraktion, Ersatzelemente                                           Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten
                         Alternative Datenquellen                                                         Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbil-
                         Datentriangulation zwischen mehreren Quellen, Datenverteilungs-                  dungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das be-
                                                                                                          treffende Material nicht unter der genannten Creative
                         vergleiche mit anderen Quellen
                                                                                                          Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung
                         Statistische Methoden für fehlende Daten                                         nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für
 Datenkonsistenz         Datentriangulation zwischen mehreren Quellen                                     die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Ma-
                                                                                                          terials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers
 Datenglaubwürdigkeit    Vergleich mit alternativen Datenquellen
                                                                                                          einzuholen.
                         Verwendung von Ersatzelementen
                         Datentriangulation zwischen mehreren Quellen                                     Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der
 Aktualität der Daten    Überprüfen der Informationen mit Zeitangabe in Bezug auf Ereignis                Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/
                         Datentriangulation zwischen mehreren Quellen                                     licenses/by/4.0/deed.de.

   Dazu bedarf es neben dem zugrun-               relevante Anwendungen künstlicher                       Literatur
deliegenden rheumatologischen Spe-                Intelligenz,
zialwissen einer möglichst einfachen,          5. Unterstützung bei gesetzlich vorgese-                    1. Kataria S, Ravindran V (2018) Digital health:
                                                                                                              a new dimension in rheumatology patient care.
strukturierten Bedieneroberfläche und              henen „Post-Authorization“-Studien,                         Rheumatol Int 38:1949–1957
vielfältigen Funktionalitäten – auch zur          Registern und klinischen Studien.                        2. Solomon DH, Rudin RS (2020) Digital health
Qualitätssicherung und -verbesserung.                                                                         technologies: opportunities and challenges in
                                                                                                              rheumatology. Nat Rev Rheumatol 16:525–535
Es ist vorstellbar, dass in der Summe          Fazit                                                       3. Ploier M (2010) Arzt und Recht: Ärztliche Doku-
der Zeitersparnisse für Ärzte und an-                                                                         mentationspflicht: Was ist zu beachten? Aust J
dere involvierte Gesundheitsberufe die         Wenn die Dokumentations-IT die ärztli-                         Hypertens 14:26–28
                                                                                                           4. Hackl WO, Hoerbst A, Ammenwerth E (2011) Why
Dokumentations-IT dann zum uner-               che Tätigkeit, insbesondere die adminis-                       the hell do we need electronic health records?
lässlichen Werkzeug wird, das sowohl           trativen Tätigkeiten und die Qualitäts-                        Methods Inf Med 50:53–61
dem einzelnen Patienten durch seine            sicherung, unterstützt, wird sie in Zu-                     5. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e. V.
                                                                                                              (2018) Betroffene Menschen in Deutschland.
Übersichtlichkeit hilft, als auch dem          kunft von Ärzten und anderen Gesund-                           https://dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Daten-und-
Qualitätsanspruch des behandelnden             heitsdienstleistern ernstgenommen, an-                         Fakten/Rheuma-in-Zahlen.html. Zugegriffen: 2.
Rheumatologen entgegenkommt. Somit             genommen und weiterentwickelt.                                 Aug. 2020
                                                                                                           6. Levytskyi M, Maier S, Schirmer M (2019) Ma-
kann auf der gesetzlichen Verpflichtung                                                                        nagement and comorbidities in Middle-European
aufbauend ein Werkzeug entstehen, das          Korrespondenzadresse                                           patients with rheumatoid arthritis: a retrospective,
individuell beim Patienten das vorhan-                                                                        cross-sectional comparison with COMORA data.
                                               Prof. Dr. Michael Schirmer                                     Open Rheumatol J 13:94–97
dene Wissen der modernen Medizin                                                                           7. Jack JD, McCutchan R, Maier S, Schirmer M (2020)
                                               Univ.-Klinik für Innere Medizin II, Medizinische
mit einbringt und seine Anwendung am           Universität Innsbruck                                          Polypharmacy in Middle-European rheumatoid
Patienten fördert.                                                                                            arthritis-patients: a retrospective longitudinal
                                               Anichstraße 35, 6020 Innsbruck, Österreich
                                                                                                              cohort analysis with systematic literature review.
   Die Kriterien für eine positive Akzep-      michael.schirmer@i-med.ac.at                                   Front Med. https://doi.org/10.3389/fmed.2020.
tanz einer Dokumentations-IT werden                                                                           573542
in Zukunft vielfältig sein, unter anderem      Funding. Open access funding provided by Univer-            8. Puchner R, Vavrovsky A, Pieringer H, Hochreiter R,
                                               sity of Innsbruck and Medical University of Innsbruck.         Machold KP (2020) The supply of rheumatology
aber folgende Punkte berücksichtigen:                                                                         specialist care in real life. Results of a nationwide
1. Darstellung der Befunde nach Rele-                                                                         survey and analysis of supply and needs. Front
   vanz – auch interdisziplinär und im                                                                        Med. https://doi.org/10.3389/fmed.2020.00016
                                               Einhaltung ethischer Richtlinien                            9. Bundesministerium für Arbeit, Familie und
   Verlauf,                                                                                                   Jugend (2020) Krankenanstalten-Arbeitszeitge-
2. situationsgerechte Angebote von Pa-         Interessenkonflikt. M. Schirmer ist Consultant der
                                                                                                              setz – KA-AZG. https://www.arbeitsinspektion.
   tienteninformationen/-aufklärungen,         iterata AG, Graenichen, CH. J. Pallua gibt an, dass kein       gv.at/Arbeitszeit-_Arbeitsruhe/Arbeitszeit/
                                               Interessenskonflikt besteht.                                    Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz_-_KA-AZG.
   Risikoassessment und Präventions-                                                                          html. Zugegriffen: 2. Aug. 2020
   maßnahmen,                                  Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine
                                                                                                          10. Pot M, Brehme M, El-Heliebi A, Gschmeidler B,
3. Entscheidungshilfen bezüglich Po-                                                                          Hofer P, Kroneis T, Schirmer M, Schumann S,
                                               Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt.
                                                                                                              Prainsack B (2020) Personalized medicine in
   lypharmazie, Pharmakovigilanz und           Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort
                                                                                                              Austria: expectations and limitations. Per Med
                                               angegebenen ethischen Richtlinien.
   personalisierter Medizin,                                                                                  17:423–428
4. automatisierte Qualitätserfassung                                                                      11. Veraar C, Hasler P, Schirmer M (2018) A multidisci-
                                               Open Access. Dieser Artikel wird unter der Creative
                                                                                                              plinaryDelphi consensus-basedchecklisttodefine
   und -sicherung ebenso wie andere            Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
                                                                                                              clinical documentation tools for both routine
                                               veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung,
   diagnostisch oder therapeutisch             Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jegli-
                                                                                                              and research purposes. Health Serv Res Manag
                                                                                                              Epidemiol 5:233339281775416

                                                                                                                                                 rheuma plus
Klinisches Management

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Hinweis des Verlags. Der Verlag bleibt in Hinblick
auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeich-
nungen in veröffentlichten Karten und Instituts-
adressen neutral.

  rheuma plus
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