Von null auf hundert? - Deutsche Forschungsgemeinschaft
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infobrief
Zahlen und Fakten
zur Forschungsförderung
2.21
Von null auf hundert?
Personalaufbau in Exzellenzclustern
In den Clustern, die im Rahmen der Exzellenzstrategie gefördert werden, forschen viele dutzend bis
einige hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam an einem übergreifenden For-
schungsthema. Bisher kaum betrachtet wurde der „Lebenszyklus“ und die interne Dynamik solcher
Projekte. Wie zügig die Exzellenzcluster bislang gewachsen sind und wie ihre personelle Struktur im
Jahr 2020 aussieht, ist daher Thema dieses Infobriefs. Anhand von Personen- und Beteiligungsdaten
wird die Zusammensetzung der Cluster nach Karrierestufe, Geschlecht, Fachrichtung sowie der Inter-
nationalität der beteiligten Forschenden differenziert.
1 Fragestellung • M it Blick auf das im Jahr 2018 ausgelaufe-
ne Vorgänger-Programm Exzellenzinitiative:
Im Rahmen des Förderbeginns der Exzellenz- Sind die Exzellenzcluster beider Förderpro-
strategie (ExStra) des Bundes und der Länder gramme in ihrer personellen Struktur ver-
nahmen 57 Exzellenzcluster im Januar 2019 ihre gleichbar bzw. wo liegen die Unterschiede?
Arbeit auf. Um das übergeordnete und langfris- • Was lässt sich auf Basis der vorliegenden Da-
tige Ziel dieses Förderprogramms – die Stärkung ten über Gender und Vielfältigkeit der For-
exzellenter und international wettbewerbsfähi- schenden in den Exzellenzclustern aussagen?
ger Forschung – zu erreichen, muss zu Anfang Seit ihrer Einrichtung befragt die DFG die Ex-
das Fundament gelegt werden: Die Rekrutie- zellenzcluster im Rahmen der jährlich durch-
rung fachlich ausgewiesener Personen. Dazu geführten Erhebung in Koordinierten Pro-
sind die verantwortlichen Wissenschaftlerinnen grammen (Abschnitt 2). Auf Basis dieser Daten
und Wissenschaftler herausgefordert in kurzer wird in Abschnitt 3 die personelle Entwicklung
Zeit Forschende zusammenzubringen, die sich der Exzellenzcluster beschrieben. Die fachliche
in Hinsicht auf Vorerfahrungen, Karrierestufe, Verteilung der Forschenden, die Beteiligung
Internationalität, fachlichem Hintergrund und von Wissenschaftlerinnen und jene von For-
anderen Parametern als Team ergänzen. schenden internationaler Herkunft sind Gegen-
Im Fokus dieses Infobriefs steht die Aufbau- stand von Abschnitt 4. In Abschnitt 5 werden
phase der Exzellenzcluster. Dabei werden fol- die Ergebnisse zusammengefasst.
gende Fragestellungen adressiert:
• Wie entwickelt sich der personelle Aufbau
der Cluster? 2 Hintergrund und Datenbasis
• Unterscheidet sich dieser zwischen Clustern
mit und ohne Vorgängerprojekt in der Exzel- Das Ziel der Exzellenzstrategie ist es, den Wis-
lenzinitiative? senschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu2 DFG infobrief 2.21
stärken und seine internationale Wettbewerbs- fasst. Anders als Abschlussberichte, die erst nach
fähigkeit weiter zu verbessern. Die ExStra um- Projektende eingereicht werden, geben die Er-
fasst neben der Förderlinie Exzellenzcluster gebnisse der Erhebung bereits ab dem Zeitpunkt
(ExStra-EXC) auch die Förderlinie Exzellenzu- der Bewilligung jährlich Auskunft zur personel-
niversitäten (EXU). Damit wird die Zielsetzung len Situation. Mit Hilfe der jährlichen Erhebungs-
der Exzellenzinitiative (2006 – 2019) in einem daten lässt sich daher zeitnah beobachten, wie
ähnlichen Format, jedoch ohne die Förderlinie sich die Repräsentation aller Geschlechter, die
Graduiertenschulen, fortgeführt. Die durch die Internationalität durch Beteiligung ausländischer
Exzellenzinitiative geförderten Cluster (ExIn- Forschender oder die Dauer von Promotionen in
EXC) endeten im Dezember 2018 (Cluster mit den Koordinierten Programmen entwickelt.
einem ExStra-Nachfolgeprojekt) bzw. im Okto- Für die Analysen werden drei Erhebungs-
ber 2019 (Cluster ohne ExStra-Nachfolgepro- wellen herangezogen. Die Erhebung des Jah-
jekt). Von den 57 in der Exzellenzstrategie ge- res 2019 umfasst den Berichtszeitraum Janu-
förderten Exzellenzclustern bauen 28 auf einem ar (Start der Förderung) bis August 2019. Der
Vorgängerprojekt der Exzellenzinitiative auf Datensatz der Erhebung 2020 beschreibt den
(DFG, 2018). Berichtszeitraum September 2019 bis August
Die für diesen Infobrief herangezogenen Da- 2020. Die zu Vergleichszwecken hinzu genom-
ten stammen aus der jährlichen Erhebung in Ko- mene Erhebung bei Clustern der Exzellenziniti-
ordinierten Programmen. Hierin erfragt die DFG ative (ExIn-EXC) berichtet über den Zeitraum
Daten zu den Wissenschaftlerinnen und Wis- September 2017 bis August 2018, also über die
senschaftlern, die an Verbünden beteiligt sind, Endphase dieser Forschungsverbünde der ExIn.
die im Rahmen der Programme Exzellenzstra-
tegie, Sonderforschungsbereiche und Graduier-
tenkollegs gefördert werden1. Als Vollerhebung 3 Personalaufbau im Verlauf
konzipiert, liefern die jährlichen Erhebungen der Zeit
eine umfassende Datenbasis. So wurden im Jahr
2020 Daten zu genau 45.393 an den Koordinier- Die Dynamik des Aufbaus von wissenschaft-
ten Programmen beteiligten Personen erhoben, lichem Personal in ExStra-Clustern wird im
davon 10.363 Wissenschaftlerinnen und Wis- Folgenden anhand des Verlaufs der Rekrutie-
senschaftler, die im Verlauf der Berichtsperiode rungen, der Größe der Cluster und ihrer Zu-
2020 in ExStra-Clustern arbeiteten. sammensetzung mit Wissenschaftlerinnen und
Gemeinsam mit Abschlussberichten und Nach- Wissenschaftlern unterschiedlicher Karriere-
weisen zur Verwendung der erhaltenen finanziel- stufen untersucht. Dabei zeigen sich Unter-
len Mittel ist die Erhebung Teil der Berichtspflicht schiede zwischen Clustern mit und ohne ExIn-
der Geförderten gegenüber der DFG. Im Unter- Vorgängerclustern. Der betrachtete Zeitraum
schied zu den Statistiken über die Verwendung Januar 2019 bis August 2020 umfasst auch die
der finanziellen Mittel werden in der Erhebung erste Welle der Coronavirus-Pandemie.
Informationen zu den beteiligten Personen er-
3.1 Verlauf der Personalzu- und -abgänge
1 Erfasst werden Daten zu allen Personen, die im jeweiligen Berichts-
zeitraum mindestens einen Monat am Verbund beteiligt waren und
substanziell an der Forschung mitwirkten, unabhängig von der Die Cluster starteten im Januar 2019 bereits
Finanzierungsquelle. Zu diesen Personen gehören Doktorandinnen
und Doktoranden, Postdoktorandinnen und Postdoktoranden, mit einem großen Personalbestand von gut
Nachwuchsgruppenleiterinnen und -leiter, Juniorprofessorinnen
und -professoren, Professorinnen und Professoren sowie weiteres 6.600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft-
wissenschaftliches Personal. Ebenfalls erhoben werden Informatio-
nen zu Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern, deren
lern (Abbildung 1).
Aufenthalt durch Projektmittel, die die DFG dem Verbund zur Ver- Die Anzahl der Wissenschaftlerinnen und
fügung gestellt hat, finanziert wurde und die ebenfalls mindestens
einen Monat im Verbund tätig waren. Wissenschaftler, die in den Folgemonaten in denVon null auf hundert? Personalaufbau in Exzellenzclustern 3
Abbildung 1:
Zeitlicher Ablauf der Personalzu- und -abgänge in ExStra-Clustern (Januar 2019 bis August 2020)
6.619
600
500
400
Anzahl Personen
300
200
100
0
Jan. Feb. Mrz. Apr. Mai Juni Juli Aug. Sep. Okt. Nov. Dez. Jan. Feb. Mrz. Apr. Mai Juni Juli Aug
19 19 19 19 19 19 19 19 19 19 19 19 20 20 20 20 20 20 20 20
Eintritt ins Cluster Austritt aus dem Cluster
Datenbasis und Quelle:
Jährliche Erhebung in Koordinierten Programmen 2020 (N=10.784 Personen, die 2019 oder 2020 in ExStra-Clustern beteiligt waren).
Verbund eingetreten sind, entwickelt sich nicht Peaks im September 2019, also vor Beginn des
gleichmäßig. Zwei große Einstellungswellen Wintersemesters und zum Jahresende im De-
sind markant: Die erste findet im Herbst 2019 zember 2019. Bis August 2020 sind 1.385 Per-
statt, eine weitere im Januar 2020. Zwei klei- sonen ausgeschieden. Dies entspricht 13 Prozent
nere Peaks sind im April und Juli 2019 zu er- aller Personen, die seit Januar 2019 zumindest
kennen. Zwei der Peaks fallen mit dem Beginn zeitweise beteiligt waren. Unter den Ausgeschie-
der Semester (Wintersemester im Oktober und denen sind 243 Doktorandinnen und Dokto-
Sommersemester im April) zusammen. Ab Feb- randen, die ihre Promotion in den Jahren 2019
ruar 2020 wird weiter Personal aufgebaut, aber oder 2020 beendet haben, sowie 232 Gastwis-
auf niedrigerem Niveau im Vergleich zum Vor- senschaftlerinnen und Gastwissenschaftler.
jahr. Seit Auftreten der Coronavirus-Pandemie
sind keine weiteren markanten Einstellungs- 3.2 Zeitliche Entwicklung der Größe
peaks zu beobachten. Aber auch unter diesen der Cluster
erschwerten Bedingungen forschen im Monat
August 2020 bereits 9.397 Wissenschaftlerinnen Durch den Vergleich des Berichtszeitraums
und Wissenschaftler in Exzellenzclustern. 2019 mit dem Berichtszeitraum 2020 kann die
Neben den Zugängen sind auch Abgänge zu Entwicklung der Clustergrößen nachgezeich-
verzeichnen. Deren Verlauf zeigt nur kleinere net werden (Abbildung 2). Die Zahl der an den4 DFG infobrief 2.21
Clustern beteiligten Wissenschaftlerinnen und ter liegt die Anzahl der beteiligten Wissenschaft-
Wissenschaftler wuchs innerhalb eines Jahres lerinnen und Wissenschaftler damit im Bereich
stark an: Von durchschnittlich 93 Forschenden dazwischen. Im Berichtszeitraum 2020 wachsen
2019 auf 145 Forschende im Jahr 2020 (jeweils die Cluster weiter an, die Unterschiedlichkeit in
Median). Damit haben die Cluster die Größe der Clustergröße bleibt dabei aber bestehen: Das
mittelständischer Unternehmen erreicht. untere Quartil liegt bei 99, das obere Quartil bei
Im Boxplot werden Median, Quartilsabstän- 230 Forschenden je Cluster.
de und Spannbreite dargestellt. Unterhalb des Eine Ursache für die große Spannbreite liegt
unteren Quartils liegen 25 Prozent und entspre- in der Vorgeschichte der Cluster. ExStra-Clus-
chend oberhalb des oberen Quartils 25 Prozent ter, die auf einem Vorgängerprojekt der Exzel-
der Cluster. Im Quartilsabstand zwischen dem lenzinitiative aufbauen und somit auch wissen-
unteren und dem oberen Quartil liegen somit schaftliches Personal mitbringen konnten, sind
50 Prozent der Cluster. Der Quartilsabstand von Beginn an deutlich größer: Sie haben mit
wird durch den Kasten markiert. Der Median 150 Forschenden im Berichtszeitraum 2019
teilt den Kasten als vertikale Linie. Die horizon- schon doppelt so viel Personal an Bord wie die
tale Linie zeigt die Spannbreite der Ergebnisse neu gegründeten Cluster mit 75 Forschenden
an (minimaler bis maximaler Wert). (jeweils Median). Ein Jahr später besteht der
Die Cluster untereinander unterscheiden sich Abstand in den Personalzahlen weiterhin: In
von Anfang an deutlich in ihrer Personalstärke. Clustern mit einem ExIn-Vorgängerprojekt sind
Im ersten Berichtszeitraum 2019 liegt das unte- 205 Forschende und in Clustern ohne ExIn-
re Quartil bei 64 und das obere Quartil bei 186 Vorgängerprojekt 115 Forschende beteiligt (je-
Forschenden je Cluster. Für 50 Prozent der Clus- weils Median).
Abbildung 2:
Anzahl der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler je Cluster und Berichtszeitraum (Boxplot)
ExStra-EXC 2020
ExStra-EXC 2019
ExIn-EXC 2018
0 100 200 300 400 500 600 700 800
Anzahl beteiligter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler je EXC
Datenbasis und Quelle:
Jährliche Erhebung in Koordinierten Programmen 2018, 2019 und 2020 (N=11.521 Personen in ExIn-Clustern 2018, N=7.895 Personen in ExStra-Clustern 2019 und
N=10.363 Personen in ExStra-Clustern 2020). Median, unteres und oberes Quartil sowie Spannweite.Von null auf hundert? Personalaufbau in Exzellenzclustern 5
Ein Blick auf die ExIn-Cluster im letzten Jahr Bei den Clustern der Exzellenzstrategie hingegen
der Exzellenzinitiative 2018 – also in deren End- wurden die hier dargestellten Daten 20 Monate
phase – zeigt, dass auch hier die Spreizung der nach Start der Förderung erhoben.
Personalzahlen vergleichbar groß ist. Das 50
Prozent-Intervall reicht von 182 bis zu 322 For- 3.3 Zeitliche Entwicklung der Cluster nach
schenden je Cluster. Die unterschiedliche An- Karrierestufen der Forschenden
zahl der an den Forschungsprojekten beteiligten
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hängt Hinter den bisher diskutierten Gesamtzahlen
also nicht nur von der Schnelligkeit der Personal- stehen Forschende unterschiedlicher Karrierestu-
rekrutierung ab. Sie ist vor allem Ausdruck der fen. Typischerweise werden Forschungsprojekte
bearbeiteten wissenschaftlichen Fragestellungen von einem Kern erfahrener Wissenschaftlerinnen
und der damit verbundenen unterschiedlichen und Wissenschaftler höherer Karrierestufen ini-
Bedarfe des jeweiligen Forschungsprojekts. In tiiert, den Principal Investigators. Im Verlauf der
der Gegenüberstellung der Personalzahlen von Projekte werden dann zunehmend Forschende
ExStra- zu ExIn-Clustern ist zudem zu berück- anderer Karrierestufen rekrutiert.
sichtigen, dass es sich bei den Clustern der Exzel- Im Januar 2019 bilden die den Cluster ini
lenzinitiative um das letzte Förderjahr handelt. tiierenden Professorinnen und Professoren
Abbildung 3:
Entwicklung des wissenschaftlichen Personals der ExStra-Cluster nach Karrierestufen und ExIn-Vorgänger
4.000
3.500
3.000
1.379
2.500
Anzahl Personen
2.000
958
536 808
619
1.500
2.080 264
1.000
422
1.500 1.434
1.300 1.342 226
500 983
690 119 224
550
282 291
0
Jan. Aug. Jan. Aug. Jan. Aug. Jan. Aug. Jan. Aug.
2019 2020 2019 2020 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Doktorand/in Postdoktorand/in Professor/in Weiteres wiss. Andere (NWG-Leiter/in,
Personal Juniorprof., Gastwiss.)
Ohne ExIn-Vorgänger Mit ExIn-Vorgänger
Datenbasis und Quelle:
Jährliche Erhebung in Koordinierten Programmen 2020 (N=6.610 im Januar 2019 und N=9.397 im August 2020 in ExStra-Clustern beteiligte Personen).6 DFG infobrief 2.21
die größte Gruppe (N=2.150), unmittelbar ge- tenkollegs – halbjährlich neue Projekte bewil-
folgt von Doktorandinnen und Doktoranden ligt bzw. beendet werden, sind die strukturellen
(N=2.036, Abbildung 3). Die personelle Aus- Veränderungen im Laufe der Zeit fließend. Da-
gangslage von ExStra-Clustern mit einem ExIn- gegen gibt es zwischen der Exzellenzinitiative
Vorgänger (N=28) unterscheidet sich deutlich und der Exzellenzstrategie einen harten „Cut“:
von denen ohne ein Vorgängercluster (N=29): Die Projekte der ExIn wurden 2018 bzw. 2019
In Ersteren arbeiten von Beginn an im Mittel alle abgeschlossen und die Projekte der ExStra
fast dreimal so viele Doktorandinnen und Dok- nahmen im Jahr 2019 ihre Arbeit auf. Abge-
toranden und fast viermal so viele Postdoktoran- schwächt wurde dieser Einschnitt nur durch
dinnen und -doktoranden mit wie in Clustern die Möglichkeit, dass Cluster der ExIn Anträ-
ohne Vorgänger. ge für die ExStra stellen konnten. Insofern sind
Die Doktorandinnen und Doktoranden der zwar die Förderlinien formal weitgehend iden-
„ersten Stunde“, die seit Januar 2019 in ExStra- tisch gestaltet, die Verbünde und die sie charak-
Clustern beteiligt sind, traten mehrheitlich (81 terisierenden Strukturen sind es jedoch nicht.
Prozent) mit einer bereits laufenden Promotion
in den Cluster ein. Dieser Anteil ist für Cluster 4.1 Forschende nach Wissenschaftsbereich
mit und ohne ExIn-Vorgänger etwa gleich groß
(80 Prozent zu 85 Prozent). Bei der Rekrutie- Ein wesentlicher Unterschied zwischen den
rung von Promovierenden zum Clusterstart Clustern der Exzellenzinitiative und denen der
haben also sowohl Cluster mit als auch Cluster Exzellenzstrategie besteht in der jeweiligen
ohne ExIn-Vorgänger auf Personen mit bereits fachlichen Zusammensetzung2. Dies hat inso-
laufenden Dissertationsprojekten gesetzt. fern Bedeutung, als die Personalstrukturen der
Von Januar 2019 bis August 2020 steigt die Förderlinie Exzellenzcluster sehr stark von der
Zahl der Doktorandinnen und Doktoranden fachlichen Herkunft der beteiligten Forschenden
um ca. 70 Prozent, so dass sie nun die personell geprägt werden.
stärkste Gruppe bilden. Auch Postdoktorandin- In der Gegenüberstellung der beiden Förder-
nen und -doktoranden stoßen in großer Zahl linien werden die Unterschiede sichtbar (Abbil-
zu den Clustern (plus 54 Prozent) – die Beteili- dung 4).
gung des wissenschaftlichen Nachwuchses hat Während die Zusammensetzung nach Karri-
Fahrt aufgenommen. Demgegenüber ist die erestufen in der Aufbauphase der Cluster eine
Zahl der Professorinnen und Professoren mit dynamische Entwicklung zeigt, ist die Vertei-
einem Wachstum von nur 11 Prozent weitge- lung der Fächer, in denen die Wissenschaftle-
hend stabil. Insgesamt verringern sich im Jahr rinnen und Wissenschaftler forschen, vorran-
2020 die Unterschiede in der Personalstruktur gig vom festgelegten Forschungsschwerpunkt
zwischen den ExStra-Clustern mit und den abhängig und damit über die Zeit relativ stabil.
Clustern ohne ExIn-Vorgänger. Daher wird hier nur auf die fachliche Vertei-
lung der Forschenden in Exzellenzclustern im
Jahr 2020 eingegangen.
4 Personelle Struktur der Forschende in naturwissenschaftlichen Fä-
ExStra-Cluster chern bilden mit 44 Prozent die größte Gruppe
unter den Wissenschaftlerinnen und Wissen-
Das Programm Exzellenzcluster in der ExStra schaftlern in ExStra-EXC. Die Lebenswissen-
wird oftmals als gleitende Fortsetzung der ExIn
wahrgenommen. In anderen Förderprogram- 2 Für jede Person wird individuell das Fach, in dem sie forschend tätig
men, in denen laufend oder - wie zum Beispiel ist, erhoben. Dabei wird die Fachsystematik des Statistischen Bun-
desamtes (sogenannte Lehr- und Forschungsbereiche) verwendet
bei Sonderforschungsbereichen und Graduier- und auf die DFG-Fachsystematik übertragen.Von null auf hundert? Personalaufbau in Exzellenzclustern 7
Abbildung 4:
Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Wissenschaftsbereichen (in Prozent)
2,2
ExStra-EXC 2020
(N=10.363) 12,8 27,3 43,8 13,9
davon:
3,1
ExStra-EXC 2020
ohne Vorgänger 18,1 11,0 49,1 18,6
(N=3.845)
1,7
ExStra-EXC 2020
mit Vorgänger 9,6 36,9 40,7 11,1
(N=6.518)
0,6
ExIn-EXC 2018
12,3 39,5 34,0 13,5
(N=11.521)
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%
Geistes- und Sozialwissenschaften Lebenswissenschaften
Naturwissenschaften Ingenieurwissenschaften
keine Angabe
Datenbasis und Quelle:
Jährliche Erhebung in Koordinierten Programmen 2018 und 2020 (N=11.521 Personen in ExIn-Clustern und N=10.363 Personen in ExStra-Clustern).
schaftlerinnen und Lebenswissenschaftler stel- einem ExIn-Vorgänger ist das Verhältnis ausge-
len mit 27 Prozent die zweitgrößte Gruppe. glichener und ähnlich zur fachlichen Zusam-
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mensetzung der ExIn-EXC.
ingenieurwissenschaftlichen Fächern sind mit
14 Prozent etwa gleich stark wie jene aus geis- 4.2 Forschende nach Geschlecht
tes- und sozialwissenschaftliche Fächern mit 13
Prozent vertreten. Damit unterscheidet sich die Chancengleichheit ist in den Förderkriterien
fachliche Verteilung der beteiligten Forschen- der Exzellenzstrategie explizit verankert. Auf Ba-
den in ExStra-Clustern deutlich von denen der sis der vorhandenen Daten kann hier über einen
ExIn-Cluster. Dort arbeiteten die meisten For- Aspekt dieser Chancengleichheit, die Beteiligung
schenden mit einem lebenswissenschaftlichen von Wissenschaftlerinnen, Auskunft gegeben
Schwerpunkt (40 Prozent), gefolgt von den Na- werden. Die Exzellenzinitiative als vorangegan-
turwissenschaften (34 Prozent). genes Förderprogramm mit vergleichbaren För-
Eine Differenzierung zwischen ExStra-Clus- derzielen eignet sich zur Gegenüberstellung.
tern mit bzw. ohne Cluster-Vorgänger aus der Im Jahr 2020 sind 32 Prozent der Forschen-
Exzellenzinitiative zeigt große Unterschiede: den in Clustern der Exzellenzstrategie weiblich.
In Clustern ohne Vorgänger arbeitet fast je- Im Vergleich zur Exzellenzinitiative mit 36 Pro-
der zweite Forschende in einem naturwissen- zent ist dies ein niedrigerer Anteil. Da der Anteil
schaftlichen Fach und nur gut jeder Zehnte in der Wissenschaftlerinnen in der Regel deutlich
den Lebenswissenschaften. In den Clustern mit zwischen den Fächern variiert (siehe z. B. DFG8 DFG infobrief 2.21
Abbildung 5:
Anteil Wissenschaftlerinnen nach Wissenschaftsbereich in der ExStra 2020 (in Prozent)
Geistes- Doktorandinnen 52,8 60,1
und Sozial- Postdoktorandinnen 45,2 52,4
wissenschaften Professorinnen 32,8 29,3
Doktorandinnen 57,5 57,4
Lebens-
Postdoktorandinnen 50,4 50,2
wissenschaften
Professorinnen 26,1 19,7
Doktorandinnen 24,9 29,6
Natur-
Postdoktorandinnen 23,4 26,4
wissenschaften
Professorinnen 15,6 13,3
Doktorandinnen 21,0 19,1
Ingenieur-
Postdoktorandinnen 17,9 19,1
wissenschaften
Professorinnen 14,6 9,8
Doktorandinnen 34,2 40,9
Insgesamt Postdoktorandinnen 35,0 39,9
Professorinnen 21,6 18,0
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70%
Vergleichswert: Frauenanteil in der ExIn 2018
Datenbasis und Quelle:
Jährliche Erhebung in Koordinierten Programmen 2018 und 2020 (N=11.521 Personen in ExIn-Clustern und N=10.363 Personen in ExStra-Clustern).
2020 a, DFG 2020 b, DFG 2020 c) und die Fächer wissenschaften und Ingenieurwissenschaften.
in der ExStra unterschiedlich zur ExIn repräsen- Der Anteil der Professorinnen liegt unter dem
tiert sind, muss die Geschlechterverteilung vor der Postdoktorandinnen und Doktorandinnen
dem fachlichen Hintergrund der Forschenden (Abbildung 5). Gegenüber der Exzellenziniti-
betrachtet werden. Außerdem ist bekannt, dass ative hat sich die Verteilung auf den einzelnen
der Frauenanteil auf höheren Karrierestufen Karrierestufen jedoch etwas verändert.
abnimmt (siehe z. B. DFG-Chancengleichheits- Bei den Professorinnen und Professoren liegt
Monitoring 2020). Daher werden im Folgenden der Anteil der Frauen in den ExStra-Clustern
die Geschlechterverteilungen sowohl nach Kar- mit 22 Prozent höher als in ExIn-Clustern (18
rierestufen als auch nach Wissenschaftsberei- Prozent) – auf unterschiedlichem Niveau, aber
chen differenziert. Dort, wo die Fallzahlen auch mit gleichem Vorzeichen gilt dies in allen Wis-
auf Ebene der detaillierteren DFG-Fachgebiete senschaftsbereichen. Anders sieht die Beteili-
ausreichen und Unterschiede zu beobachten gung von Wissenschaftlerinnen hingegen auf
sind, werden diese zusätzlich benannt. den anderen Karrierestufen aus.
Die bekannten fachlichen und karrierespe- Unter den Promovierenden sind Frauen über
zifischen Muster in der Geschlechterverteilung alle Wissenschaftsbereiche betrachtet mit 34
finden sich auch unter den Forschenden der Prozent deutlich geringer vertreten als sie es in
Exzellenzcluster: In den Geistes- und Sozialwis- ExIn-Clustern (41 Prozent) waren. Dieser Un-
senschaften sowie den Lebenswissenschaften terschied im Gesamtwert lässt sich zum Teil auf
sind Frauen stärker beteiligt als in den Natur- den höheren Anteil von Forschenden aus denVon null auf hundert? Personalaufbau in Exzellenzclustern 9 Naturwissenschaften zurückführen. Daher wer- Frauen (ExIn-EXC: 40 Prozent). Eine Ausnah- den die Ergebnisse im Folgenden nach Wissen- me bilden hier nur die Lebenswissenschaften, schaftsbereichen und, wo aussagekräftig, nach in denen Frauen und Männer zu gleichen An- Fachgebieten differenziert. teilen in der Gruppe der Postdoktorandinnen In den Geistes- und Sozialwissenschaften und -doktoranden vertreten sind (ExStra-EXC stellen Frauen 53 Prozent (ExIn-EXC: 60 Pro- und ExIn-EXC jeweils 50 Prozent Frauen). Eine zent) aller Promovierenden. Damit liegt ihre weitere Differenzierung nach DFG-Fachgebie- Beteiligung in den ExStra-Clustern einige Pro- ten zeigt Unterschiede bei den naturwissen- zentpunkte hinter der in den ExIn-Clustern. schaftlichen Fachgebieten: Während in der Ma- In den Naturwissenschaften sind 25 Prozent thematik (ExStra-EXC: 20 Prozent, ExIn-EXC (ExIn-EXC: 30 Prozent) der Doktorandinnen 23 Prozent) der Anteil der Postdoktorandinnen und Doktoranden Frauen. Die zu diesem Wis- relativ zur ExIn niedriger liegt, bleibt er in der senschaftsbereich gehörenden und personen- Chemie (ExStra-EXC: 32 Prozent, ExIn-EXC: starken DFG-Fachgebiete unterscheiden sich 31 Prozent) und Physik (ExStra-EXC: 19 Pro- allerdings: Während in der Mathematik der zent, ExIn-EXC: 20 Prozent) auf gleichem Ni- Anteil der Doktorandinnen (ExStra-EXC: 26 veau wie in den ExIn-Clustern. Prozent, ExIn-EXC: 19 Prozent) gestiegen ist, liegt er in den Fachgebieten Physik (ExStra- 4.3 Internationaler Hintergrund EXC: 20 Prozent, ExIn-EXC: 24 Prozent) und der Forschenden Chemie (ExStra-EXC: 32 Prozent, ExIn-EXC: 35 Prozent) im Vergleich zur ExIn niedriger. Internationale Zusammenarbeit in der Wis- In den Lebenswissenschaften stellen Dok- senschaft ist eine wesentliche Voraussetzung torandinnen unter den Promovierenden die wettbewerbsfähiger Forschung. Um sie zu för- Mehrheit (ExStra-EXC: 58 Prozent, ExIn-EXC: dern, können z. B. Forschende aus dem Ausland 57 Prozent). Eine Differenzierung nach DFG- für eine Zusammenarbeit an Exzellenzclustern Wissenschaftsgebieten zeigt einen Anstieg der gewonnen oder Gastwissenschaftlerinnen und Beteiligung von Doktorandinnen in der Me- Gastwissenschaftler für eine kurze Zeit des Er- dizin (ExStra-EXC: 58 Prozent, ExIn-EXC: 54 fahrungsaustausches eingeladen werden. Für Prozent), während in der Biologie die Beteili- die Exzellenzcluster stellen sich dabei zurzeit gung weiblicher Promovierender weiterhin auf besondere Herausforderungen, da die Corona- hohem Niveau bleibt (ExStra-EXC und ExIn- virus-Pandemie die internationale Mobilität er- EXC jeweils 58 Prozent). schwert (DFG, 2021). Mit 21 Prozent sind Doktorandinnen in den Die Internationalität der Cluster wird im Fol- Ingenieurwissenschaften in ExStra-Clustern so- genden anhand verschiedener Indikatoren be- gar etwas stärker beteiligt als sie es in den ExIn- trachtet: Es werden sowohl die Staatsangehörig- Clustern (19 Prozent) waren. Dieser Anstieg ist keit als auch das Land, in dem die Forschenden vor allem auf ein Fachgebiet zurückzuführen: vor Eintritt in den Cluster arbeiteten, in der jähr- In Maschinenbau und Produktionstechnik sind lichen Erhebung in Koordinierten Programmen 22 Prozent der Promovierenden Frauen (ExIn- erfasst. So können z. B. deutsche Staatsangehö- EXC: 17 Prozent). rige aus dem Ausland zurückkommen. Anderer- Auch unter den Postdoktorandinnen und seits können Forschende ausländischer Staats- -doktoranden in den ExStra-Clustern ist der angehörigkeit bereits in Deutschland leben und Anteil der Frauen niedriger als er in den ExIn- arbeiten, weil sie entweder hier geboren sind Clustern war: Über alle Wissenschaftsbereiche oder sie bereits vorher für ein anderes For- hinweg sind 35 Prozent der Postdoktorandin- schungsprojekt nach Deutschland kamen. Die nen und -doktoranden in den ExStra-Clustern Beteiligung von Gastwissenschaftlerinnen und
10 DFG infobrief 2.21
Abbildung 6:
Staatsangehörigkeit der in ExStra-Clustern beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (in Prozent)
Italien: 3,2%
China: 3,1%
Indien: 2,6%
USA: 1,6%
Spanien: 1,6%
Deutschland: 67,9% Weitere Länder: 17,8%
Keine Angabe: 2,2%
Datenbasis und Quelle:
Jährliche Erhebung in Koordinierten Programmen 2020 (N=10.159 Personen in ExStra-Clustern, ohne Gastwissenschaftler/innen).
Gastwissenschaftlern gibt zusätzliche Hinweise Unmittelbar vor ihrem Eintritt in den Cluster
auf die internationale Ausrichtung der Cluster. haben 16 Prozent der Forschenden im Ausland
Im Jahr 2020 haben 30 Prozent der Forschen- gearbeitet (Abbildung 7). Im Vergleich zum
den eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit (Ab- vorhergehenden Berichtsjahr ist dieser Anteil
bildung 6). Dieser Wert liegt auf gleichem Niveau um 3 Prozent gestiegen (ExStra 2019: 13 Pro-
mit dem in den ExIn-Clustern im Jahr 2018 (29 zent). Er liegt aber immer noch merklich nied-
Prozent, jeweils ohne Gastwissenschaftlerinnen riger als dies in den Clustern der ExIn (2018)
und Gastwissenschaftler). Jede und jeder Zweite mit 22 Prozent der Fall war.
der Forschenden mit ausländischer Staatsange- Eine Ursache für diesen niedrigeren Anteil ist
hörigkeit arbeitete bereits vor dem Eintritt in ein die Vorgeschichte der Cluster: ExStra-Cluster mit
Cluster in Deutschland. einem ExIn-Vorgänger konnten stärker als neue
Die Staatsangehörigkeiten der Forschenden Verbünde auf vorhandenem, bereits in Deutsch-
verteilen sich auf eine große Vielfalt von 118 land tätigem Personal aufbauen. Damit wird als
Ländern. Nach Deutschland führen Italien, Land vor Eintritt in den Verbund dieser Personen
China und Indien mit jeweils etwa 3 Prozent automatisch Deutschland gezählt. Dementspre-
die Liste der Staatsangehörigkeiten an. chend haben ExStra-Cluster mit einem ExIn-
Zusätzlich zu den mittel- und längerfristig an Vorgänger mit 15 Prozent einen niedrigeren
den Clustern Beteiligten wirken 204 Gastwis- Anteil aus dem Ausland kommender Personen
senschaftlerinnen und Gastwissenschaftler an als Cluster ohne ExIn-Vorgänger (18 Prozent).
den Exzellenzclustern mit, von denen 157 eine Zwar fällt in dieser zweiten Gruppe die Rekrutie-
ausländische Staatsangehörigkeit haben. Hier rung aus dem Ausland ebenfalls geringer aus als
unter bilden Staatsangehörige aus den USA in den Clustern der Exzellenzinitiative (2018),
(N=27) die größte Gruppe. aber auch diese Cluster ohne ExIn-VorgängerVon null auf hundert? Personalaufbau in Exzellenzclustern 11
Abbildung 7: Land, in dem die in ExStra-Clustern beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor ihrem Eintritt
in den Cluster tätig waren (in Prozent)
USA: 2,2%
Großbritannien: 1,6%
China: 1,4%
Italien: 1,1%
Frankreich: 1,0%
Weitere Länder: 9,1%
Keine Angabe: 2,6%
Deutschland: 80,9%
Datenbasis und Quelle:
Jährliche Erhebung in Koordinierten Programmen 2020 (N=10.159 Personen in ExStra-Clustern, ohne Gastwissenschaftler/innen).
bauen – wie bereits dargestellt – auf vorhergehen Postdoktoranden rekrutiert (N=61), gleich ge-
den Forschungstätigkeiten auf (vgl. Abschnitt 3). folgt von Doktorandinnen und Doktoranden
Inwiefern der niedrigere Anteil von aus dem (N=56). Aus China kommen vor allem Dokto-
Ausland kommenden Wissenschaftlerinnen randinnen und Doktoranden (N=72). Postdok-
und Wissenschaftlern auf die Aufbauphase be- torandinnen und -doktoranden stellen erst die
schränkt bleibt und die internationale Rekrutie- zweitgrößte Gruppe dar (N=54).
rung in den Folgejahren zunimmt, kann mittels Eine besondere Gruppe bilden die Rückkeh-
der kommenden Erhebungen in Koordinierten rer: Jede fünfte Person (N=347 Personen), die
Programmen beobachtet werden. vor dem Eintritt in den Exzellenzcluster im
Die drei häufigsten Länder, aus denen Wis- Ausland arbeitete, besitzt die deutsche Staats-
senschaftlerinnen und Wissenschaftler nach angehörigkeit. Diese Forschenden waren zu-
Deutschland kommen, sind die USA, Großbri- vor in 39 verschiedenen Ländern tätig, davon
tannien und China. Die Exzellenzcluster ziehen knapp ein Viertel in den USA und knapp ein
Forschende unterschiedlicher Erfahrungsstu- Fünftel in Großbritannien.
fen aus dem Ausland an, wobei es Unterschiede
zwischen den einzelnen Ländern gibt. Die größ-
te Gruppe innerhalb der aus den USA kommen- 5 Zusammenfassung
den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Ausblick
bilden Postdoktorandinnen und -doktoranden
(N=91), gefolgt von Professorinnen und Profes- In diesem Infobrief wird die personelle Ent-
soren (N=43) sowie Doktorandinnen und Dok- wicklung der 57 Exzellenzcluster von Januar
toranden (N=38). Aus Großbritannien werden 2019 bis August 2020 dargestellt. Nach einem
ebenfalls vorwiegend Postdoktorandinnen und schnellen Start mit ersten großen Einstellungs-12 DFG infobrief 2.21
wellen verlangsamt sich 2020 das Wachstum, Abschließend kann die Ausgangsfrage die-
setzt sich aber fort. Vor dem Hintergrund der ses Infobriefs „Von null auf hundert?“ verneint
Coronavirus-Pandemie wird die internationa- werden. Weder startet ein Exzellenzcluster von
le Rekrutierung von Wissenschaftlerinnen und null: Bereits im ersten Monat haben die Prin-
Wissenschaftlern zwar erschwert, findet aber cipal Investigator einen großen Anteil des wis-
dennoch statt, wie die steigende Zahl von For- senschaftlichen Personals rekrutiert, und die
schenden zeigt, die vor ihrem Eintritt in den überwiegende Zahl der Doktorandinnen und
Cluster im Ausland tätig waren. Doktoranden tritt mit einer bereits laufenden
Gut die Hälfte der Cluster baut auf einem Vor- Promotion in den Cluster ein. Noch ist der
gängerprojekt der Exzellenzinitiative auf. Diese Aufbau der Teams abgeschlossen: Die Zahl der
Cluster sind von Beginn an größer und setzen Beteiligten steigt weiter, insbesondere die der
sich sowohl absolut als auch anteilig aus mehr Doktorandinnen und Doktoranden sowie die
Doktorandinnen und Doktoranden sowie Post- der Postdoktorandinnen und -doktoranden.
doktorandinnen und -doktoranden zusammen. Inwieweit das gebremste Wachstum durch die
Auch in der fachlichen Ausrichtung differie- Coronavirus-Pandemie in den nächsten Jahren
ren die Cluster mit und ohne Vorgängercluster nachgeholt wird, kann mit Hilfe der jährlichen
deutlich. Ob bzw. wie schnell sich die unter- Erhebungen in Koordinierten Programmen be-
schiedliche personelle Ausgangslage der Clus- obachtet werden. Gleiches gilt für die Themen-
ter mit und ohne ExIn-Vorgänger ausgleichen felder internationale Mobilität und Beteiligung
wird, kann in Zukunft nachverfolgt werden. von Wissenschaftlerinnen an Exzellenzclus-
Die Cluster der Exzellenzstrategie unterschei- tern. In beiden Bereichen besteht noch Ent-
den sich von denen der Exzellenzinitiative unter wicklungspotenzial.
anderem in der Verteilung der Fächer der betei-
ligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft-
ler und in der jeweiligen Zahl der Beteiligten.
Letzteres ist im Kontext des „Lebenszyklus“ der
Verbünde zu sehen: Die ExIn-Cluster befin-
den sich 2018 in ihrem letzten Förderjahr; die
ExStra-Cluster haben erst 2019 ihre Arbeit auf-
genommen.
Auffällig ist eine Verschiebung der Geschlech-
terverteilung in den Karrierestufen: Einerseits
liegt unabhängig vom Wissenschaftsbereich in
den ExStra-Clustern der Anteil von Professo-
rinnen gegenüber den Clustern der Exzellen-
zinitiative höher. Andererseits steht dem ein
niedrigerer Anteil an Doktorandinnen und Post-
doktorandinnen in Geistes- und Sozialwissen-
schaften sowie Naturwissenschaften gegenüber.
Insgesamt schlägt sich die stärkere Präsenz von
Frauen auf der Ebene der Professorinnen und
Professoren also (noch) nicht in allen Wissen-
schaftsbereichen in einem höheren Anteil von
Forscherinnen auf jüngeren Karrierestufen nie-
der. Zu beobachten bleibt, inwiefern sich dies im
Laufe der Zeit verändern wird.Von null auf hundert? Personalaufbau in Exzellenzclustern 13
Literatur
DFG (2018): Statistische Übersichten zu den För-
derentscheidungen zu Exzellenzclustern 2018,
Bonn.
https://doi.org/10.5281/zenodo.2682218
DFG (2020 a): Chancengleichheits-Monitoring
2020, Bonn.
https://doi.org/10.5281/zenodo.4486372
DFG (2020 b): Bericht zur Personalstruktur in
Sonderforschungsbereichen 2020, Bonn.
https://doi.org/10.5281/zenodo.3973065
DFG (2020 c): Bericht zur Personalstruktur in
Graduiertenkollegs 2020, Bonn.
https://doi.org/10.5281/zenodo.3972901
DFG (2021): Corona, Gender und Forschungsför-
derung 2021, Bonn.
www.dfg.de/infobrief
(Stand: 09.07.2021) infobrief
Impressum
Ausgabe 2.21
Der DFG infobrief wird herausgegeben von der
Gruppe Informationsmanagement der
Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Bonn.
Ansprechpartnerin
Dr. Ursula Maur
ursula.maur@dfg.de
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Mitwirkende
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anke.reinhardt@dfg.de
Downloadadresse
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Grundlayout: besscom, Berlin; Tim Wübben, DFG
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