Vortreffliche, ungemein auf-schlussreiche Sonderschau über die Krim-Halbinsel als Schmelztiegel der Kulturen

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Vortreffliche, ungemein auf-schlussreiche Sonderschau über die Krim-Halbinsel als Schmelztiegel der Kulturen
Vortreffliche, ungemein auf-
schlussreiche Sonderschau
über die Krim-Halbinsel als
Schmelztiegel der Kulturen
Das LVR-LandesMuseum in Bonn zeigt die
Sonderschau „Die Krim – Goldene Insel im
Schwarzen Meer. Griechen – Skythen – Go-
ten“/ Hervorragende Grundkonzeption/ Sehr
überzeugende Vermittlungsstrategien/ Exzel-
lente Präsentationsform/ ca. 550 Objekte auf
1.000 Quadratmetern Grundfläche/ Zahlrei-
che hochkarätige, zum Teil noch nie zuvor
außerhalb der Ukraine gezeigte Exponate
Das LVR-LandesMuseum in Bonn ist vom 4. Juli 2013 bis zum 19. Januar 2014
Schauplatz einer überaus hochkarätigen archäologischen Sonderschau zur Ge-
schichte der Krim, der von vielen Völkern von der Antike bis in die Neuzeit hinein
begehrten und beherrschten Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer.
Der Name „Krim“ ist wohl der mongolisch-tatarischen Sprache entsprungen und leitet
sich demnach nach „kerim“ für „Festung“ oder vom krimtatarischen „qrım“ für „Fel-
sen“ ab. Die Halbinsel, die am Rand des eurasischen Steppengürtels liegt, der sich
bis in die ferne Mongolei erstreckt, blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück,
wobei für die Krim keine indigene Bevölkerung oder Urbevölkerung im eigentlichen
Sinne nachweisbar ist. Umso mehr strebten stets zahlreiche Völker und Zivilisationen
nach der Herrschaft über die militärisch wie wirtschaftlich strategisch bedeutende
Halbinsel. So stand die Krim nacheinander unter kimmerischer, taurischer, skythi-
scher, griechischer, römischer, gotischer, sarmatischer, byzantinischer, hunnischer,
chasarischer, kyptschakischer, mongolisch-tatarischer, venezianischer, genuesi-
scher, osmanischer und schließlich russischer Herrschaft.
Heute ist die Krim eine autonome Republik der Ukraine, in der rund zwei Millionen
Menschen leben. Die Krim war über viele Jahrtausende und bis heute eine einzig-
artige kulturelle Drehscheibe zwischen Asien und Europa. Die Halbinsel birgt daher
                          viele Spuren der wechselvollen Geschichte, die von der
                          griechischen Antike bis zur Weltpolitik des 20. Jahrhun-
                          derts reicht. Diese spiegeln sich heute in vielen Bau- und
                          Kulturdenkmalen verschiedener Epochen, Kulturen, Völker
                          und Religionen wider. Die Großausstellung „Die Krim –
                          Goldene Insel im Schwarzen Meer. Griechen – Skythen –
                          Goten“ im LandesMuseum Bonn widmet sich nun dieser so
                          facettenreichen Geschichte der Krim.
                          Exponate, Fläche, Konzept, Katalog, Kuratoren
                          Die Archäologie-Schau präsentiert eine Vielzahl an außer-
                          gewöhnlichen Kunstwerken, die im Spannungsfeld zwi-
                          schen den städtischen Zentren der Griechen und den rei-
                          ternomadischen Völkern der Steppe im Zeitraum vom 5.
                          Jahrhundert vor Christus bis zum 5. nachchristlichen Jahr-
                          hundert entstanden sind. Griechische Architektur, chine-
                          sische Lackkästchen, filigraner sarmatischer Goldschmuck,
                         Großaufnahme eines filigran gestalteten Ohrrings mit dreieckigem
                                                                                               1
                         Zierfeld, Glaseinlagen und einem anthropomorphem Anhänger aus
                         Ust‘-Al’ma, Gruft 620. 1. Jahrhundert n. Chr. L 7,7 cm © Bakhchisa-
                         rai, Geschichts- und Kulturreservat. (A. Chuguj)
Vortreffliche, ungemein auf-schlussreiche Sonderschau über die Krim-Halbinsel als Schmelztiegel der Kulturen
Die drei rekonstruierten Lackkästchen aus den Gräbern Nr.
                                                                                            620 und 720 von Ust‘-Al’ma und die angefertigte Replik
                                                                                            des Kastens Nr. 720. 1. Jahrhundert n. Chr. © Bakhchisarai,
                                                                                            Geschichts- und Kulturreservat. (S. Kitamura)

                römische Bronzen, ägyptische Skarabäen, pracht-
                voller hunnischer Zierrat und gotische Adlerknopf-
                schnallen spiegeln unter anderem den ungeheuren
                kulturellen Reichtum und die vielfältigen Kontakte
                wider. Dem LVR-LandesMuseum Bonn ist es ge-
                lungen, die bedeutendsten Museen auf der Krim
                für die Ausstellung zu gewinnen. Zahlreiche Ob-
                jekte werden erstmals überhaupt außerhalb der
                Ukraine gezeigt. Besonders die in einem außerge-
                wöhnlichen Projekt in Japan aufwendig restaurier-
                ten, aus China stammenden Lackkästchen aus dem Gräberfeld von Ust’-Al’ma, an
                der Westküste der Krim gelegen, die zum ersten Mal in Deutschland gezeigt werden,
                beleuchten die überaus bemerkenswerten Handelsbeziehungen und Kontakte der
                Krim. Insgesamt können die Besucher auf einer Grundfläche von 1.000 Quadratme-
                tern rund 550 Exponate bewundern. Besonders herauszustellen sind die wirklich
                ausgezeichneten, ausführlichen und sehr informativen Objektbeschreibungen sowie
                die Ausstattung der in drei Jahren vorbereiteten Exposition mit ebenso lobenswerten,
                sehr aufschlussreichen und dabei laiengerecht aufgearbeiteten 44 Wandtexten, aber
                auch die immer wieder in den Rundgang integrierten veranschaulichenden Zitate.
                                                                            Überaus nützlich ist auch die Untertei-
                                                                            lung der im Übrigen vorzüglich gestalte-
                                                                            ten Ausstellung in deutlich abgestufte
                                                                            farblich gekennzeichnete Bereiche, wo-
                                                                            bei die Farbe Blau jeweils für griechi-
                                                                            sche und die Farbe Grün für reiternoma-
                                                                            dische Einflüsse steht.
                                                                            Der Ausstellungsumlauf beginnt im Erd-
                                                                            geschoss mit einem beeindruckenden,
                                                                            ja genial konzipierten einleitenden Ab-
                                                                            schnitt im Erdgeschoss, der anhand ei-
                                                                            ner großen Karte, mehrerer Texte und
                                                                            sehr aussagekräftiger Exponate erste,
                                                                            Neugierde hervorrufende Einblicke in
Blick in den ersten Hauptbereich mit der farblich deutlich gekennzeichneten
Gegenüberstellung der Entwicklung der zeitweise parallel verlaufenden grie- die Thematik gewährt und die Anfänge
chischen und reiternomadischen bzw. hier skythischen Besiedlung der Krim-   der griechischen Kolonisation um 750 v.
Halbinsel © LVR-LandesMuseum, Bonn, Foto: historischeausstellungen.de       Chr. visualisiert. Die anderen Hauptbe-
                reiche der Ausstellung befinden sich im ersten Stockwerk des weitestgehend
                barrierefrei gestalteten und unter anderem mit einem Aufzug ausgestatteten Hauses,
                beginnend direkt im Anschluss an den Treppenaufgang. Der erste Raum ist dabei in
                zwei Schaubereiche geteilt, die zugleich Anfang und Ende des Ausstellungs-
                parcours im ersten Obergeschoss darstel-
                len. Nach dem ersten rechter Hand begin-
                nenden und gegen den Uhrzeigersinn zu
                begehenden Themenbereich dieses ersten
                Raums führt der von da an mit dem Uhr-
                zeigersinn zu begehende Rundgang zu-
                nächst durch zwei weitere Räume und ei-
                ne diese beiden wiederum verbindende
                längliche, flurartige Ausstellungsräumlich-
                keit, ehe der Parcours dann im zweiten
                linker Hand gelegenen Teil des ersten
                Raums seinen Abschluss findet.
       Blick in den ersten räumlich und thematisch zweigeteilten Raum der ersten Etage: rechter Hand sieht man den nach              2
       hinten führenden Bereich zur griechischen und skythischen Besiedlung, der hier noch gegen den Uhrzeigersinn
       verlaufend den Rundgang im ersten Obergeschoss einleitet; linker Hand einsehbar ist der abschließende rot ge-
       kennzeichnete Bereich zu den Goten, der, wieder im ersten Raum angekommen, den Rundgang beschließt. © LVR-
       LandesMuseum, Bonn, Foto: historischeausstellungen.de
Vortreffliche, ungemein auf-schlussreiche Sonderschau über die Krim-Halbinsel als Schmelztiegel der Kulturen
Diese fantastische Fibel gehört wohl zu den beeindruckend-
                                                                                            sten Kostbarkeiten der Krim-Schau: Fibel in Form eines Del-
                                                                                            phins aus Gold und Bergkristall aus dem Grabhügel von
                                                                                            Nogajčik. 1. Jht. v. Chr. - 1. Jht. n. Chr. © Kiew, Museum
                                                                                            der historischen Schätze der Ukraine, D. Klochko.
              Zur Bonner Sonderschau ist ein im Pri-
              mus Verlag publizierter, reich bebilder-
              ter 460-seitiger Begleitband mit zahl-
              reichen Karten, Grafiken und Plänen er-
              schienen, der als Museumsausgabe für
              19,90 Euro, als Buchhandelsausgabe
              bis zum 1. Februar 2014 für 39,90 Euro
              erhältlich ist. Die sehr empfehlenswerte
              Publikation erweist sich als echter Aus-
              stellungskatalog mit Exponatsberück-
              sichtigung, was heutzutage allein schon
              erwähnenswert ist und als Lob zu gel-
              ten hat. Denn in letzter Zeit ist leider
              festzustellen, dass immer mehr Begleit-
              veröffentlichungen derartiger Großex-
              positionen zu wissenschaftlichen Hand-
              büchern allein und eben ohne Objekteberücksichtigung mutieren und dadurch ihre
              ureigenste Aufgabe als Ausstellungsdokumentation verlieren sowie den Besuchern
              die Möglichkeit nehmen, einzelne Exponate oder Exponatsgruppen im Nachhinein
              noch einmal genauer zu betrachten. Umso mehr darf man sich freuen, dass die Bon-
              ner Publikation nach einem Aufsatzteil mit 15 überaus informativen und thematisch
              sehr interessanten Fachbeiträgen, die das in der Ausstellung Dargebotene vertiefen,
              dann einen Katalogteil bietet, in dem die Einzelobjekte zwar nicht separat nach Ka-
              talognummern sortiert dargestellt werden, aber selbige immerhin innerhalb der jewei-
              ligen Themenbereiche mit Abbildungen und Erläuterungen innerhalb des Textes vor-
              gestellt werden. Für den Rundgang selbst steht den Besuchern ein exzellenter Au-
              dioguide zum Preis von nur einem Euro zur Verfügung.
              Als Kuratoren der in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Institut der National-
              akademie der Wissenschaften der Ukraine in Simferopol und der Vor- und Frühge-
              schichtlichen Archäologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ent-
              standenen historisch-archäologischen Sonderschau zeichnen Prof. Dr. Michael
              Schmauder, Lothar Altringer und Stephanie Müller M.A. verantwortlich. Die herausra-
              gende Bedeutung der Ausstellung bezeugt die Übernahme der Schirmherrschaft
              durch Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, und
              Pavlo Klimkin, Botschafter der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland.
              Blicke in die Ausstellung
              Die Großexposition beginnt mit einem großartigen einleitenden Abschnitt im Erdge-
              schoss, der durch eine riesige auf dem Boden abgedruckte Karte, fünf sehr infor-
                                                                       mative Texte und erste,
                                                                       sehr kostbare und nicht zu-
                                                                       letzt überaus aufschlussrei-
                                                                       che Exponate in die Grund-
                                                                       thematik einführt und die
                                                                       Anfänge der griechischen
                                                                        Kolonisationsbestrebungen
                                                                       und die Ursachen der Be-
                                                                       siedlung der Krim-Halbinsel
                                                                       visualisiert.
                                                                       Eine stetig wachsende Be-
                                                                       völkerung bei gleichzeitig
                                                                       zunehmendem begrenzten
                                                                       Lebensraum für die Men-
                                                                                                                                     3
Blick in den ersten, einleitenden Bereich im Erdgeschoss mit der riesigen auf dem Boden
abgedruckten Karte, insgesamt fünf einführenden Texten und bereits vielen beeindruckenden
Exponaten. © LVR-LandesMuseum, Bonn, Foto: historischeausstellungen.de
Vortreffliche, ungemein auf-schlussreiche Sonderschau über die Krim-Halbinsel als Schmelztiegel der Kulturen
Ein Mischwesen aus halb Frau uns halb Fisch begrüßt die Be-
                                                                               sucher im einleitenden Bereich: Mischwesen, Pantikapaion,
                                                                               1.-2. Jahrhundert n.Chr., Kalkstein © Kertsch, Geschichts-
                                                                               und Kulturreservat, Foto: historischeausstellungen.de

                schen waren Ursachen für die im achten vorchristlichen Jahr-
                hundert beginnende griechische Kolonisation, die sich in zwei
                Schüben ereignete. Die erste Kolonisationswelle ab 750 v.
                Chr. bewegte sich nach Westen in Richtung Unteritalien, Si-
                zilien, Adria und Südfrankreich, während sich die zweite nach
                Norden hin in den Raum des Schwarzen Meeres und damit
                auch auf die Krim zu orientierte. Die Kolonisation der bereits
                                                                  zuvor durch Seeraub-
                                                                  züge und Handel er-
                                                                  kundeten und damit
                                                                  bekannten Regionen
                                                                  geschah in großem
                                                                  Ausmaß: über 150
                                                                  Stadtgründungen aus
                                                                  der Zeit bis zum sech-
                                                                  sten     vorchristlichen
                                                                  Jahrhundert sind heu-
                                                                  te bekannt; aber es
                                                                  waren sicherlich um
                                                                  ein Vielfaches mehr.
                                                                  Eindrucksvolle Expo-
                                                                  nate aus der fernen
                                                                  Epoche begrüßen die
                                                                  Besucher in diesem höchst sehenswerten
                                                                  und interessant gestalteten einführenden Ab-
So genannte „Augenschale“, Tarquinia, um 520 v. Chr., Ton. Die    schnitt. Zu sehen sind vor allem auch Objek-
Augenschale wurde benannt nach den auf der Rückseite oder viel-
mehr der äußeren Wandung abgebildeten Augen. Auf der Innenseite   te, die die Verbundenheit der Griechen mit
prangt ein Gorgoneiopn, der Kopf eines Gorgo, einer einer         der Schifffahrt widerspiegeln. Erwähnens-
geflügelten Schreckensgestalt mit Schlangenhaaren. Am Rand sind   wert sind etwa ein steinernes Mischwesen
vier Schiffe abgebildet, die durch ihren Rammsporn in Form eines
Eberkopfes und den Schilden am Heck als Kriegsschiffe zu          aus Frau und Fisch und eine so genannte
identifizieren sind. © Würzburg, Martin von Wagner-Museum, der    „Augenschale“, die auf
Universität Würzburg, Dauerleihgabe der Neurus-Stiftung (Lugano), der Vorderseite vier
Foto: historischeausstellungen.de
                                                                  Schiffe zeigt, die durch
                ihre Charakterisierung mit Rammsporn am Bug und Schild am
                Heck als Kriegsschiffe zu identifizieren sind.
                Wie bereits erwähnt, setzt sich der Rundgang danach im
                ersten Obergeschoss fort, wo zunächst die Topographie der
                Krim-Halbinsel im Vordergrund steht. Obwohl der Schifffahrt
                eine große Bedeutung zukam, war es doch die Landwirtschaft,
                die die Grundlage des griechischen Gemeinwesen bildete. So
                waren Fischreichtum und die Existenz fruchtbaren Ackerlan-
                des bei der Wahl neuer Kolonien wichtige Grundkriterien.
                Durch die zu Beginn des Rundgangs im ersten Obergeschoss
                geschilderten günstigen klimatischen Voraussetzungen der
                Krim mit ihrem Fischreichtum und dem im Sommer medi-
                teranen und im Winter kontinental kühlen Klima, bei gleichzei-
                tigem mediteranen Klima der geschützten Küsten auch im Win-
                ter, bot die Halbinsel sowohl seefahrenden Völkern wie Grie-
                chen und später Byzantinern, Genuesern und Venezianern als
                auch Steppenbewohnern wie Skythen, Sarmaten, Hunnen,
                Chasaren und anderen eine überaus günstige Lebensgrund-
                lage.
                                                                                                                         4
                                                Grabstein des Hermodoros, Chersonesos, Ende des 4. – 3. Jahrhun-
                                                dert v. Chr., Kalkstein, polychrome Bemalung © Sewastopol, Natio-
                                                nalreservat Chersonesos Taurica, Foto: historischeausstellungen.de
Vortreffliche, ungemein auf-schlussreiche Sonderschau über die Krim-Halbinsel als Schmelztiegel der Kulturen
Prunkhelm, Donetsk Region, Grabhügel „Prederieva Mogila“
                                                                              beim Dorfe Zrubne, 4. Jahrhundert v. Chr., Gold © Kiew, Mu-
                                                                              seum der historischen Schätze der Ukraine

                                  Der folgende erste Themenbereich schil-
                                  dert im Rahmen einer gelungenen paral-
                                  lelen Darbietung das Nebeneinander der
                                  Griechen und Skythen auf der Krim. Noch-
                                  mals erwähnt sei an dieser Stelle die sehr
                                  nützliche farbliche Kennzeichnung in der
                                  Ausstellung: Blau steht für Griechen und
                                  für griechisch geprägte Städte und Grün
                                  für Reiternomaden und andere Steppen-
                                  bewohner. Einzigartige Zeugnisse der
                                  Griechen sowie der Skythen und Sarma-
                                  ten bezeugen nicht nur die jeweilige Le-
                                  bensweise, auf der einen Seite die städti-
                                  sche, auf der anderen die reiternomadi-
                                  sche Kultur, darunter Aspekte wie Klei-
                                  dung, Bewaffnung und Bestattungsart,
                                  sondern auch einen regen Handel und Kulturaustausch zwischen den
                                  Völkern. So fanden die landwirtschaftlichen Produkte der Skythen
                                  insbesondere Getreide rei-
                                  ßenden Absatz bei den
                                  Griechen, die nicht zuletzt
                                  für die antike Metropole
                                  Athen dauerhaft Vorräte be-
                                  nötigten. Die Skythen wie-
                                  derum ließen sich ihre Pro-
                                  dukte gut bezahlen, vor al-
                                  lem in Gold.
                                  Im nächsten, thematisch
Grabstein des Megakles, Cher-
sonesos, Südwestlicher Stadtbe-
                                  zweigeteilten Raum erwar-
reich, Zenon-Turm 17, Ende des    tet die Ausstellungsgäste Die Scheide dieses eisernen Schwertes ist kunstvoll mit Kampfszenen zwi-
4./Anfang 3. Jahrhundert v. Chr., gleich eine ganze Reihe schen Löwen, Greifen und anderen Tieren verziert.Eisernes Schwert mit
Kalkstein, polychrome Bema-                                      goldenem Griff und goldener Scheide, Grabhügel „Tovsta Mogila" bei
lung © Sewastopol, National-
                                  von ganz außergewöhnli- Ordžinikidze, Dnipropetrivs'k Region. 4. Jahrhundert v. Chr.© Kiew, Mu-
reservat Chersonesos Taurica,     chen Fundstücken, aber seum der historischen Schätze der Ukraine, Dmitro Klochko
Foto: historischeausstellungen.de eben auch ein einzigartiger
                 Fundort und ein ebenso Aufsehen erregender Befund, der nicht nur den Austausch
                 zwischen den Kulturen, sondern auch die gegenseitigen Einflüsse belegt bzw. in
                 diesem konkreten Fall, die feststellbaren Einflüsse der sesshaften, urbanen Griechen
                 auf die reiternomadischen Steppenbewohner der Krim, die Skythen. Im Mittelpunkt
                 des ersten Teils dieses Ausstellungssaals stehen zwei feste Siedlungsplätze der
                                                                    Spätskythen: zum einen die Stadt
                                                                    „Neapolis Skythike“ zum anderen
                                                                    die so genannte „Ust‘-Al‘ma-Sied-
                                                                    lung“ mit Nekropole. „Neapolis Sky-
                                                                    thike“ war eine echte Stadtgründung
                                                                    der Spätskythen, die sich an den
                                                                    Städten der Griechen orientierte, je-
                                                                    doch ohne deren charakteristische
                                                                    dichte Innenbebauung ausgeführt
                                                                    war. Vielmehr dominierten in der
                                                                    skythischen Stadt ein monumentaler
                                                                    Palast und ein ebenso großes Mau-
                                                                    soleum als zentrale Bauwerke. Die
                                                                                                                   5
  Blick in eine der Vitrinen zur spätskythischen Stadt „Neapolis Skythike“
  © Simferopol, Tavrida Zentralmuseum, Foto: historischeausstellungen.de
Vortreffliche, ungemein auf-schlussreiche Sonderschau über die Krim-Halbinsel als Schmelztiegel der Kulturen
Grabinventar, Ust‘-Al’ma, Nekropole, Gruft 603, 1. Jahrhun-
                                                                                  dert n. Chr. © Bakhchisarai, Geschichts- und Kulturreservat,
                                                                                  Foto: historischeausstellungen.de

              an dieser Stelle folgende Darbietung der
              staunenswerten und mit vielen kleinen Kost-
              barkeiten gespickten Fundkomplexe aus den
              spätskythischen Siedlungen und der Nekro-
              pole samt der exzellenten Erläuterungen
              durch Wandtexte, aber auch durch die her-
              vorragenden, ausführlich kommentierenden
              Exponatsbeschreibungen, darf man zu den
                                                                    ab-
                                                                    so-
                                                                   luten Höhepunkten des Rundgangs zählen.
                                                                   Man sollte sich hier nicht nur wegen der sehr
                                                                   sehenswerten Objekte, sondern auch und
                                                                   vor allem ob der Einmaligkeit der Sied-
                                                                   lungsfunde und der Belege für den Kultur-
                                                                   austausch dieser Epoche Zeit gönnen bei
                                                                   der Besichtigung. Im Anschluss daran folgt
                                                                   mit der Prä-
                                                                   sentation der
                                                                    chinesischen
Blick auf die Präsentation zur spätskythischen Siedlung und Nekro- Lackkästchen
pole Ust‘-Al’ma mit einmaligen Grabinventaren und Grabsteinen.     ein weiteres
© LVR-LandesMuseum, Bonn, Foto: historischeausstellungen.de
                                                                   Glanzlicht der
              Ausstellung. Aber auch die im Anschluss folgenden
              Räumlichkeiten und nicht zuletzt der abschließende
              Bereich zu den Goten strotzen nur so vor großartigen
              sehr sehenswerten Schaustücken, die den Besuchern Schmuckensemble, Dzurg-Oba, Nekropole, Gruft 40,
              allesamt mit erkenntnisreichen Erläuterungen nahe um 400 - erste Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr.
                                                                                      © Kertsch, Geschichts- und Kulturreservat, Foto:
              gebracht werden.                                                        historischeausstellungen.de
              Fazit
              Die Großexposition „Die Krim – Goldene Insel im Schwarzen Meer. Griechen – Sky-
              then – Goten“ im LVR-LandesMuseum Bonn gehört zweifellos zu den historisch-
              archäologischen Ausstellungshighlights dieses Jahres. Sie gibt beeindruckende Ein-
              blicke in die facettenreiche Geschichte der berühmten Halbinsel im Schwarzen Meer.
              Die Archäologie-Schau präsentiert den Besuchern in eindrucksvoller und überaus
                                                                                   informativer Weise kostbar-
                                                                                   ste Zeugnisse unterschied-
                                                                                   lichster Kulturen und vermit-
                                                                                   telt im Rahmen der sehr
                                                                                   überzeugenden                Präsenta-
                                                                                   tionsform samt der exzellen-
                                                                                   ten und vor allem auch funk-
                                                                                   tionalen Ausstellungsgestal-
                                                                                   tung einen unvergesslichen
                                                                                   Rundgang durch die Ge-
                                                                                   schichte eines einzigartigen
                                                                                   Schmelztiegels der Kultu-
                                                                                   ren. Man sollte diese mu-
                                                                                   seale Darbietung höchster
                                                                                   Qualität nicht verpassen.
Im letzten Hauptbereich der Exposition zu den Goten kann man überaus kostbare
Adlerkopfgürtelschnallen und Schnallen der Krimgoten bewundern © Köln, Römisch-
Germani-sches Museum, Sammlung Diergardt, und Mainz, Römisch-Germansiches                                                      6
Zentralmuseum, Foto: historischeausstellungen.de
Vortreffliche, ungemein auf-schlussreiche Sonderschau über die Krim-Halbinsel als Schmelztiegel der Kulturen
Die Ausstellung kompakt
Titel:                 Die Krim – Goldene Insel im Schwarzen Meer. Griechen – Skythen – Goten
Ort und Dauer:         LVR-LandesMuseum, Bonn, Colmantstraße 14-16, 53115 Bonn
                       4. Juli 2013 bis 19. Januar 2014
Veranstalter:          LandesMuseum, Bonn in Kooperation mit dem Archäologischen Institut
                       der Ukrainischen Akademie der Wissenschaft in Simferopol und der Vor- und
                       Frühgeschichtlichen Archäologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Univer-
                       sität Bonn
Schirmherrschaft:      Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, und
                       Pavlo Klimkin, Botschafter der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland
Vorbereitungszeit:     3 Jahre
Ausstellungstyp:       Sonderausstellung
Ausstellungskurator:   Prof. Dr. Michael Schmauder, Lothar Altringer und Stephanie Müller M.A.
Exponate:              ca. 550 Exponate
Leihgeber:             15 Leihgeber aus der Ukraine, Deutschland
Ausstellungsfläche:    1.000 m²
Wandtexte:             44 Wandtexte
Öffnungszeiten:        Di.-Fr. u.So: 11-18 Uhr, Sa: 13-18 Uhr
                       montags geschlossen
Eintritt:              8 €, ermäßigt: 6 €
                       Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhalten freien Eintritt
Audioguide:            in deutscher Sprache: 1 €
Publikation:           Begleitband: 460 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Karten, Grafiken und
                       Pläne, Museumsausgabe: 19,90 €, Buchhandelsausgabe 39,90 € (Einfüh-
                       rungspreis, ab 1.2.2014 danach: 49,90 €), Primus Verlag
                       (ISBN: 978-3-86312-060-3)
Allgemeine Infos:      Tel.: 0228 20700, Fax: 0228 2070299
Internet:              www.rlmb.lvr.de/ausstellungen/sonderausstellungen/
eMail:                 info.landesmuseum-bonn@lvr.de

(© Dr. Martin Große Burlage, historischeausstellungen.de, www.historischeausstellungen.de ,
 eMail: info@historischeausstellungen.de, Tel.: 0049 (0)2572 959496)

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Vortreffliche, ungemein auf-schlussreiche Sonderschau über die Krim-Halbinsel als Schmelztiegel der Kulturen Vortreffliche, ungemein auf-schlussreiche Sonderschau über die Krim-Halbinsel als Schmelztiegel der Kulturen Vortreffliche, ungemein auf-schlussreiche Sonderschau über die Krim-Halbinsel als Schmelztiegel der Kulturen
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