Walter Borchard Architekt des Rundfunk-gebäudes - Deutschlandradio (Nachlass W. Borchard)
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Walter
Borchard
Architekt
des Rundfunk-
gebäudes
© Deutschlandradio
(Nachlass W. Borchard)Walter Borchard
Die Biographie
Am 31. Dezember 1887
wird Walter Artur Gustav Borchard in
Stettin (heute Szczecin) geboren.
Umzug nach Berlin, wo er die Realschule
besucht.
1903
Beginn einer Maurerlehre, die er am
5. Oktober 1905 mit dem Gesellenbrief
abschließt.
Von 1905 bis 1907
Studium an der Baugewerkschule
Berlin, gleichzeitig Hörer an der Techni-
schen Hochschule in Charlottenburg.
Von 1909 bis 1910 Ab 1944
Militärdienst, danach Eintritt in das lebt die Familie Borchard zeitweise in
Büro der Architekten Paul Mebes und Wilhelmshorst bei Berlin. Das Doppel-
Paul Emmerich. behelfsheim, An den Bergen 16 – 18, ent-
wirft Borchard für sich und den befreun-
Von 1911 bis 1919 deten Bankier Kurt Donath (1899 – 1976).
Architekt der Bauberatungsstelle der Das Haus im reduzierten Schwarzwaldstil
Provinz Brandenburg. steht bis heute, unverputzt im Rohbau.
© Deutschlandradio
(Nachlass W. Borchard)
Von 1914 bis 1918
Soldat an der Front.
Von 1919 bis 1921
Leiter der Bauabteilung des Rittergutes
Milmersdorf bei Templin, Brandenburg.
Danach erneut Mitarbeiter im Büro von
Paul Mebes und Paul Emmerich.
Am 16. Juni 1923
heiratet Walter Borchard die Berlinerin
Selma Hertha Hildebrand (1897 – 1982).
Die Ehe bleibt kinderlos. Schwarzwaldidyll. Das Haus
in Willmershorst, An den Bergen 16 –18.
© A. Stock
© Deutschlandradio
(Nachlass Anfang 1925
W. Borchard)
Borchard gründet sein eigenes Architek- Im August 1945
turbüro in der Potsdamer Straße 134A. zieht die Familie in die Kluckstraße 27
Er ist Mitglied des Bundes Deutscher in Berlin-Tiergarten. Am 29. Dezember
Architekten (BDA). Im Frühjahr 1939 Ein- 1947 erneuter Umzug in die Ahrweiler-
tritt in die Reichskammer der Bildenden straße 34 in Berlin-Wilmersdorf.
Künste (Reichskunstkammer).
Am 1. Oktober 1948
stirbt Walter Borchard in Berlin. Er wird
Arbeitsstätte.
Das Architekturbüro
Borchard in der
Potsdamer Straße.
© Deutschlandradio
am 9. Oktober auf dem Alten St.- Matthäus-
Kirchhof in der Großgörschenstraße in
(Nachlass
W. Borchard)
Berlin- Schöneberg beigesetzt. Das Grab
existiert nicht mehr.Walter
Charakteristisch sind die Doppel-Loggien,
die die Häuserfront prägen. Oft sind sie
verglast, mit filigraner Sprossenführung.
Borchard
Die Loggien erweitern die Wohnung und
sind als Balkon oder Wintergarten nutz-
bar. Entsprechende Loggien finden sich
auch bei Gebäuden von Mebes und
Architekt der
Emmrich, etwa in der Krochsiedlung in
Leipzig Gohlis (1929 – 1930) und an vie-
Neuen Sachlichkeit
len Orten im Berliner Stadtgebiet.
Schlicht modern. Krochsiedlung, Leipzig.
Wohnhaus Sonnenallee, Architekt Paul Mebes (1872 – 1938).
ehemals Kaiser-Friedrich- © Stadtarchiv Leipzig
Straße in Neukölln.
Auch größere Bauaufgaben werden stil-
Weitere Wohn- und Siedlungsbauten sicher bewältigt. Die Wohnanlage an der
folgen im gesamten Stadtgebiet. Auftrag- Prenzlauer Promenade (gemeinsam mit
geber sind Baugenossenschaften, wie Georg Thoféhrn 1930 – 1931) hat spekta-
der Beamten-Wohnungs-Verein Deutscher kuläre Dächer aus vier Zentimeter dicken
Lokomotivführer, die Gemeinnützige Zylinderschalen, die nach dem Zeiss- Sonnenallee/Geigerstraße, Berlin.
© A. Stock
Heimstättengesellschaft der Berliner Dywidag-Verfahren gebaut worden sind.
Straßenbahn, oder die Bau- und Spar- Das Patent war damals erst sechs Jahre
genossenschaft Gross-Berlin. Bis 1933 alt. Im Kissingenviertel finden sich ne-
1924/25 Wohnhof Tempelhofer Feld sind fast zwanzig Wohnanlagen doku- ben den Zeppelinhäusern noch weitere
mentiert, von denen einige, wie die Wohnbauten von Walter Borchard.
Zeppelinhäuser in Pankow oder die Wohn-
anlage Puderstraße in Treptow, heute Grundriss der Siedlung
Tempelhofer Feld
1912 bis 1914 entsteht an der Genter/ 1925 gründet Borchard in der Potsdamer unter Denkmalschutz stehen.
Ecke Luxemburgstraße in Berlin-Wedding Straße 134A sein eigenes Architektur-
Borchards erste Wohnanlage (zusam- büro. 1924/25 entsteht für die Gemein-
men mit Paul Jacob Schallenberger nützige Heimstättengesellschaft der
Expressiver Schwung. Elsen-/Karl-Kungerstraße.
Wohnhof Tempelhofer Feld. © A. Stock
(1882 – 1955). Nach dem Ersten Weltkrieg Berliner Straßenbahn die Wohnanlage
engagiert sich Borchard erneut im Sied- Tempelhofer Feld an der Schöneberger
lungs- und Wohnungsbau. Dudenstraße, die noch ein letztes Mal
dem Expressionismus verpflichtet ist.
Bis Mitte der 20er Jahre ist die Archi-
tektur einer expressiven Formensprache
verpflichtet. Später wandelt sich Bor- 500 Meter Straßenfront.
Zeppelinhäuser an der
Prenzlauer Promenade.
chards Architekturauffassung. Mitte der
20er Jahre wird er zu einem bedeuten-
den Vertreter der Neuen Sachlichkeit.
Von da an baut er in einem schlichten,
Privateigentum. Der öffentlich
nicht zugängliche Innenhof.
zweckbetonten Stil, dem er zeitlebens
treu bleiben wird.
Borchards Mietshäuser und Siedlungs-
bauten sind von Paul Mebes beeinflusst, 1928 nimmt Borchard in der Puder-/Ecke
einem Pionier des sozialen Wohnungs- Stuckstraße die runde Ecke vorweg, die
baus am Anfang des letzten Jahrhunderts. für das heutige Rundfunkgebäude am
Im Büro Mebes und Emmerich war Bor- Hans-Rosenthal-Platz stilprägend ist. Mit
chard mehrere Jahre angestellt. der Wohnanlage Puderstraße und den
Bauten Elsen-/Ecke Karl-Kunger-Straße
gelingt Borchard in Treptow eine unprä-
tentiöse Moderne, die zugleich selbst-
bewusst und bescheiden ist.
Wohnanlage Puderstraße in TreptowDie runde Ecke
Nordsternhaus in Berlin-Schöneberg,
Badensche/Ecke Salzburger Straße (1914).
Architekturbüro Mebes und Emmerich.
© Dirk Ingo Franke, CC BY 3.0
, via Wikimedia Commons
Das Rundfunkgebäude am Hans-Rosen- Nach dem Zweiten Weltkrieg entstehen
thal-Platz hat eine markante runde Ecke. weitere prominente Bauten mit runder
Borchard waren entsprechende Eck- Ecke. 1952 das Hotel Kempinski (heute
lösungen aus dem Büro Mebes und Bristol) an der Ecke Kurfürstendamm/
Emmrich bekannt. Das Haus für die Ver- Fasanenstraße, 1955 das DeFaKa, das Galeries Lafayette
Friedrichstraße/Ecke
waltung der Nordstern Versicherung Deutsche Familienkaufhaus an der Französische Straße
(1996). Architekt Jean
konnte 1914 zeitgleich mit dem benach- Tauentzien-/Ecke Rankestraße und 1956 Nouvel (*1945).
© Yves Sucksdorf
barten Rathaus Schöneberg bezogen das Haus Hardenberg an der Knese-
werden. Der moderne Stahlskelettbau beck-/Ecke Hardenbergstraße. Alle drei
mit der Travertin-Fassade wurde von Gebäude sind von Paul Schwebes.
Zeitgenossen als architektonisches Ge-
samtkunstwerk gelobt, weil vom Tür- Nach der Wende baut Jean Nouvel 1996
schild bis zum Aktenaufzug alles stimmte. die Galeries Lafayette an der Friedrich- Ku’damm-Eck
Kurfürstendamm/
straße/Ecke Französische Straße, und Ecke Joachims-
thaler Straße (2001).
Anfang des letzten Jahrhunderts wird 2001 entsteht das neue Ku’damm-Eck
Architekten Meinhard
von Gerkan (*1935)
und Volkwin Marg
die runde Ecke im Berliner Stadtbild am Kurfürstendamm/Ecke Joachims- (*1936). © Moritz
Schmid/RSG Group
zu einer festen Größe. 1912 baut Franz thaler Straße von den Architekten Ger-
Schwechten das Haus Potsdam (später kan, Marg und Partner. In Berlin hat die
Haus Vaterland) am Potsdamer Platz. runde Ecke Tradition, bis heute finden
In Neu-Tempelhof (am heutigen Platz der sich zahlreiche Beispiele in der Stadt.
Luftbrücke) entstehen 1913 zwei mar-
kante Wohn- und Geschäftsbauten von
Bruno Möhring. 1915 baut Emil Schaudt
an der Ecke Kurfürstendamm/Ranke-
straße das Büro- und Geschäftshaus
Kurfürsteneck (Seidenhaus Michels).
Haus Vaterland am Potsdamer Platz
Köthener/Ecke Stresemannstraße (1912).
Architekt Franz Schwechten (1841 – 1924).
© Bundesarchiv, Bild 183-J1209-500-002/
Fotograf: o. Ang. DeFaKa (Deutsches Familien-
kaufhaus) Tauentzienstraße/
Ecke Rankestraße (1955).
Architekt Paul Schwebes
(1902 – 1978). © Willy Pragher,
CC BY 3.0, https://commons.
wikimedia.org/w/index.php?
curid=36981961
Auch im Wohnungs- und Siedlungs-
bau der 20er Jahre findet sich die runde
Ecke. 1926 baut Paul Mebes im Kissingen-
viertel an der Neumann-/Ecke Stubnitz-
straße ein Siedlungshaus mit runder Ecke.
Im gleichen Jahr entsteht ein G
ebäude
in Lankwitz an der Bruchwitz-/Ecke
Schulstraße von Leberecht Schmidt und
1928 die Eckbebauung an der Puder-/
Ecke Stuckstraße von Walter Borchard.Technische
Innovation:
Schalengewölbe
Zart und fest. Auf dem fertigen Netzwerk lässt sich
ohne weiteres herumklettern. © ZEISS Archiv
Von 1919 bis 1922 wurde von der Der Fortschritt
Firma Carl Zeiss Jena für das Deutsche Dünnwandige Schalengewölbe gehören
Museum in München ein Planetariums- zu den wichtigsten Innovationen des
gerät gebaut. Für die Projektion des letzten Jahrhunderts. Die selbsttragenden
Sternenhimmels benötigte man einen Flächen ergänzen die klassischen Bau-
exakt geformten halbkugelförmigen glieder Säule, Balken, Rahmen und Bogen.
Kuppelbau. Deshalb wurde in Zusam- Galant gewölbt. Die Shedhallen der
Volkswagenwerke 1939. © ZEISS Archiv
menarbeit mit der Baufirma Dyckerhoff Der Ingenieur
& Widmann AG (Dywidag) ein völlig „Ich war zunächst überrascht, dass unser
neues Verfahren entwickelt. eigenartiges Kuppelbauverfahren eine
nützliche Neuerung für den Eisenbeton
Walther Bauersfeld, Chefingenieur von darstellen soll. Aber ich ließ mich über-
Zeiss, ließ aus normierten Eisenstäben zeugen. Und so meldeten wir ein Patent
ein Netzwerk in Form der benötigten Kup an.“ Walther Bauersfeld
pel aufbauen. Auf Vorschlag der Firma
Dywidag wurde auf das mit einer Beweh-
rung versehene Netz nach dem gerade
erst entwickelten Torkret-Verfahren Beton
aufgespritzt. Die Idee hatte Erfolg. Das
Zeiss-Dywidag-Patent DRP 420823 für
freitragende Kuppeln und Schalengewöl-
be wird seitdem weltweit genutzt.
Die Bauten
Das Jenaer Planetarium ist einer der äl-
testen Bauten nach dem neuen Verfahren.
Später kamen weltweit Großmarkt- und
Messehallen, Bahnhöfe, Flugzeughan-
gars, Sportstätten und Fabrikhallen hin-
zu. Heute sind Spannweiten von bis zu
Dünner als eine Eierschale.
300 Metern möglich.
Die Textilfabrik Grafa in
Buenos Aires. © ZEISS Archiv
Die Zeppelinhäuser
1930 hat Walter Borchard in Berlin-Pan-
kow das Zeiss-Dywidag-Verfahren erst-
mals bei den Dächern von Wohnbauten
verwendet. Das Tonnengewölbe ist über
500 Meter lang.
Ein Planetarium für
New York. Das Netzwerk
wird vom Kuppelrand
freitragend aufgebaut.
© ZEISS ArchivDer fünfgeschossige Verwaltungsbau
Der Bau
mit Satteldach und der charakteristischen
runden Ecke hat einen winkelförmigen
Grundriss. Von der Mittelachse mit dem
ovalen Treppenhaus werden die beiden Der Bau für die Bayerischen Stickstoff-
Gebäudeflügel erschlossen. Rechts und werke steht in der Tradition der Neuen
Klassisch. Handzeichnung eines frühen
links der langen Flure reihen sich die Betonarbeiten. © Deutschlandradio Sachlichkeit, wie er für Borchard typisch
(Nachlass W. Borchard)
Entwurfs aus dem Büro Borchard.
Büros und Labore, deren Größe durch ist. Stilistisch gibt es einige Konzessio-
flexible Zwischenwände variiert werden nen an den Zeitgeist des Nationalsozia-
kann. Bemerkenswert ist der Raum lismus, vor allem die wuchtigen Fens-
für den Betriebsappell, der auf einer Flä- ter- und Türlaibungen aus Naturstein. Die
che von fünfzehn mal zwanzig Metern einzelnen Bauphasen hat Borchard mit Verwaltungsgebäude Bayerische
Stickstoffwerke in Berlin mit Haken-
vom vierten Stockwerk bis unter das seiner Kamera umfassend dokumentiert.
kreuzflagge. © Deutschlandradio
(Nachlass W. Borchard)
Dach reichte (heute „Raum Dresden“).
Exkurs
Wie Paul Mebes und Walter Borchard
vertritt auch Otto Rudolf Salvisberg eine
gemäßigte Moderne. Als Mitarbeiter im
Berliner Büro Emil Schaudt und Paul
Zimmereimer kennt er die runde Ecke.
1931 baut er ein Büro- und Geschäfts-
haus für die Schweizerische Unfall-
versicherungsanstalt (SUVA) in Bern. Es
hat auch das Warenhaus von Erich
Mendelsohns in Chemnitz zum Vorbild.
Erst kommen die
Fenster, dann folgen
Grundriss Verwaltungsgebäude.
die Zwischenwände.
© Deutschlandradio (Nachlass W. Borchard)
© Deutschlandradio
(Nachlass W. Borchard)
Konkret. Das Modell im Büro Borchard.
Borchards erster Verwaltungsbau (zu- 1908 werden die Bayerischen Stickstoff- 1939 werden die Produktionsstätten in
sammen mit Hellmuth von Stegemann werke gegründet, um bei der Herstel- Trostberg und Piesteritz zwei unabhängi-
und Stein (1892 – 1929)) ist das Bankhaus lung von Kalkstickstoff, der für Spreng- ge Unternehmen. Das ist wahrscheinlich
Markus Goldschmidt-Rothschild von stoff und als Düngemittel benötigt wird, der Grund für die Planung des Borchard-
1922 in Potsdam. Es ist weder erhalten vom Ausland unabhängig zu sein. Pro- Baus als neue Zentrale der Verwaltung.
noch dokumentiert. duktionsstätte ist Trostberg in Bayern. Nach 1945 kommen die Stickstoffwerke
1915 kommen zwei weitere Standorte in Piesteritz unter sowjetische Verwaltung,
1933 kommt der Siedlungsbau weitge- Oberschlesien und in Piesteritz bei Wit- seit 1953 sind sie ein volkseigener Be-
hend zum Erliegen. Borchard plant jetzt tenberg hinzu. Es folgen weitreichende trieb der DDR. 2006 wird der tschechi-
Verwaltungsbauten, vor allem für die Umstrukturierungen, 1933 wird Pieste- sche Ministerpräsident Andrej Babiš al-
prosperierende Luftfahrtindustrie. Im ritz endgültig Eigentum der Bayerischen leiniger Eigentümer der Stickstoffwerke.
Tiergartenviertel und in der Erfurter Stra- Stickstoffwerke. Zeitgleich entsteht die Das Berliner Verwaltungsgebäude wird
ße, in der Nachbarschaft zum heutigen Werkssiedlung Piesteritz unter Federfüh- 1945 von den Alliierten beschlagnahmt
Deutschlandradio, entstehen Verwal- rung des Schweizer Architekten Otto und kommt in den Besitz der Amerikaner.
tungsbauten, die nicht mehr existieren. Rudolf Salvisberg.
Am Tirpitzufer 86 - 90 (seit 1949 Reich-
pietschufer) baut Borchard die Verwal-
tung für den Reichsverband der Deut-
schen Luftfahrtindustrie.
Ende der dreißiger Jahre erhält er den
Auftrag für ein Verwaltungsgebäude der
Bayerischen Stickstoffwerke AG. Im Juli
1939 ist der Rohbau fertig. Auch während
des Zweiten Weltkriegs wird, mit Sonder-
genehmigung des Generalbauinspektors
für die Reichshauptstadt, Albert Speer,
weitergebaut. Im April 1941 erfolgt die
Gebrauchsabnahme.
Entwurf. Pläne des Verwaltungsneubaus. Firmenlogo Bayerische Stickstoffwerke. Bau des Verwaltungsgebäudes der
© Deutschlandradio (Nachlass W. Borchard) © Deutschlandradio (Nachlass W. Borchard) Bayerischen Stickstoffwerke.
© Deutschlandradio (Nachlass W. Borchard)Das Treppenhaus
Treppenhaus im AOK-Gebäude Kassel.
Architekt Konrad Proll (1957).
© AOK Hessen /Edith Möhle-Oswald
Treppenhaus im Gesundheitsamt
der Stadt Dortmund (1958).
Architekt Will Schwarz (1907 – 1992).
© Alraunenstern – Eigenes Werk,
CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.
org/w/index.php?curid=50938397
Schwungvoll. Das ovale Treppenhaus.
© Deutschlandradio
Das halbrunde Treppenhaus ist fast voll-
ständig im Originalzustand erhalten. Es
ist in der Mittelachse des Gebäudes in
die Hausrückwand gebaut. Vom Haupt-
eingang ist die elegant geschwungene
Treppe durch den Flur und eine kleine
Lobby zu erreichen. Für den von Treppen- Rund im Hof. Das Treppenhaus ragt in den Hof.
© Deutschlandradio (Nachlass W. Borchard)
läufen, Podesten und Geländern um-
schlossene Raum lautet der Fachbegriff
Treppenauge.
Das Treppenhaus steht in der Tradition
der klassischen Moderne. Vorbild war
vielleicht Erich Mendelsohns Verwal-
tungsgebäude der Metallgewerkschaft
in der Alten Jakobstraße von 1930. Aber
auch anderswo, etwa in Hamburger
Kontorhäusern, finden sich entsprechen-
de Treppenanlagen.
Die elliptisch geschwungene Treppe ver-
weist schon auf die Ästhetik der 50er
Jahre, wo entsprechend gestaltete Trep-
penhäuser eine viel beachtete Bauauf-
gabe sind.
Das Treppenhaus im Bau.
© Deutschlandradio (Nachlass W. Borchard)Das Funkhaus
RIAS Funkhaus Luftaufnahme.
© Simon Detel
Metamorphosen. © Deutschlandradio © Deutschlandradio/Anja Schäfer, 2015
Die Kantine im 5. Stock.
© Deutschlandradio
(Nachlass W. Borchard)
Seit dem 1. Januar 1994 sendet Deutsch-
landradio aus dem ehemaligen RIAS-
Gebäude. Der bundesweite Sender ent-
stand aus dem Zusammenschluss von
Deutschlandfunk (Köln), Deutschland-
sender Kultur (DS-Kultur) und RIAS (bei-
de Berlin) und strahlt inzwischen drei
Programme aus: Deutschlandfunk,
Deutschlandfunk Kultur, Deutschland-
funk Nova.
Der Neubeginn fällt in eine Zeit des tech-
nischen Umbruchs. Mit der Digitalisie-
rung des Rundfunks werden technische © Deutschlandradio/
Christian Kruppa
und bauliche Veränderungen notwendig.
Ende der 90er Jahre wird das Haus voll-
ständig renoviert. Studios und Schneide-
räume werden digitalisiert und ein News-
room entsteht, um für den Hörfunk der
Zukunft gerüstet zu sein. Liebevoll. Die Zeichnung aus dem
Büro Oppert + Schnee zeigt das Dach
mit der neuen Leuchtreklame.
2007 wird im Hof des Deutschlandradios
ein neues Hörspielstudio gebaut. Seit
2016 gibt es neue Sendestudios und ei-
nen Newsroom in dem Nachbargebäude
Flagge zeigen. Der neue RIAS. Seit seiner Gründung am 5. September des Borchard-Baus.
© Deutschlandradio
1946 war der RIAS (Rundfunk im amerika-
nischen Sektor) provisorisch im ehema-
ligen Fernamt der Deutschen Reichspost
in der Schöneberger Winterfeldtstraße
untergebracht. Am 6. Juni 1948 zieht der
RIAS in den umgebauten Borchard-Bau.
Bombenschäden werden beseitigt, aus © Deutschlandradio/Willi Scholz. Das
historische Studio 5 steht unter Denkmal-
den ehemaligen Büros und Laboren ent-
schutz: historische Aufnahme und heu-
tiger Zustand mit Schreibtisch aus RIAS-
Zeiten (s. u.).
stehen Studios, Schneideräume und
Redaktionszimmer. Der Raum für den Be-
triebsappell wird ein großes Studio mit
Bühne für Liveauftritte vor Publikum. Die
Möbel kommen per Schiff aus den USA. Seit dem 24. April 1995 steht der Bor-
Reparatur. Bombenschäden
werden beseitigt. chard-Bau unter Denkmalschutz. In der
Begründung heißt es: „Das Interesse
der Allgemeinheit an der Erhaltung des
ehem. Verwaltungsgebäudes der Bay-
Der flexible Grundriss des funktionalen erischen Stickstoffwerke, des späteren
Baus lässt auch größerer Ein- und Um- RIAS-Funkhauses, ergibt sich vor allem
bauten umstandslos zu, etwa den Einbau aus der herausragenden geschichtlichen
der vielen Studios mit den dazugehöri- Bedeutung des Gebäudes in Verbindung
gen Kontrollräumen, die durch Pano- mit seiner wissenschaftlichen, künstleri-
ramascheiben miteinander verbunden schen und städtebaulichen Bedeutung.“
sind. Die Studios sind im Haus-im-Haus- Arbeitsplätze. Studio in den 50er Jahren. Studio im Jahr 2019. Sendestudio auf der
© Deutschlandradio/Karl-Heinz Schubert neuen Newsfläche im Nachbargebäude
Verfahren gebaut, um störende Geräu- des Borchard-Baus. © Deutschlandradio/
Christian Kruppa
sche beim Sendebetrieb zu verhindern.
Das war besonders wichtig, weil der RIAS
Haus im Haus.
Die neuen Studios 1948.
in der Einflugschneise zum Flughafen
Tempelhof lag. Das Studio 5 ist im Origi- © Tobi Bohn
nalzustand fast vollständig erhalten.Impressum
Konzept, Recherche und Text
Adolf Stock
Layout
Deutschlandradio Service GmbH
Projektbetreuung
Marion Schwarzkopf, Fernando Gallegos Eytel
© Deutschlandradio, Kommunikation und Marketing,
August 2021
Dank gilt den folgenden Personen und Institutionen
Deutscher Werkbund Berlin
Landesamt für Denkmalpflege Berlin
Carl-Zeiss-Jena GmbH, Archiv
Architekturbüro Brenne
Architekturbüro Oppert und Schnee
Sebastian Düwelt und Ritz Mollema,
die den Fotonachlass betreuen
Eine erste Fassung der Ausstellung entstand 2002.
Sie ist im Jahr 2021 komplett überarbeitet und
aktualisiert worden.
Trotz Recherche war es nicht möglich, bei allen Abbildungen
die Inhaber von Urheberrechten zu ermitteln. Sollten noch
Rechtsansprüche bestehen, bitten wir die Inhaber der Rechte
um Nachricht an die Abteilung Kommunikation und Marketing
von Deutschlandradio: presse@deutschlandradio.deSie können auch lesen