Welle Wahnsinn wogt auch in Würzburg weiter: SG 99 siegt mit 2:0

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Welle Wahnsinn wogt auch in Würzburg weiter: SG 99 siegt mit 2:0
Welle Wahnsinn wogt auch in
Würzburg weiter: SG 99 siegt mit
2:0

Ganz ehrlich: Wer hätte das gedacht? Nach sechs absolvierten Spielen und
gesammelten 15 Punkten stehen die Fußballfrauen der SG 99 Andernach an der
Tabellenspitze der 2. Frauen-Bundesliga Süd. Und das aufgrund der deutlich
besseren Tordifferenz, aber mit einer Begegnung mehr vor dem renommierten
Top-Titelfavoriten 1. FC Köln, der dem Vernehmen nach mit dem zehnfachen Etat
des zurzeit härtesten Konkurrenten den Wiederaufstieg in die Eliteklasse anpeilt.
Auf ihrem märchenhaften Weg spielen die Bäckermädchen nun am Ostersonntag
um 14 Uhr auf dem Rasenplatz des Andernacher Stadions gegen den Fünften
Eintracht Frankfurt II.

Video-Highlights des Spiels in Würzburg gibt es HIER !

Zwei Wochen zuvor unterlag die SG 99 an gleicher Stelle im DFB-
Pokalviertelfinale der ersten Garnitur aus der Mainmetropole. Nun aber geht es
gegen die zweite Mannschaft der Adlerträgerinnen, die sich am Donnerstag zu
Hause gegen den FC Ingolstadt nach Pausenführung noch mit 1:2 geschlagen
geben musste. Trainiert werden die Gäste von der ehemaligen Nationalspielerin
Kim Kulig, die sich aber im Sommer dem VfL Wolfsburg anschließen wird.

„Super“ war das am häufigsten verwendete Attribut unmittelbar nach dem 2:0-
Sieg des neuen Spitzenreiters in Würzburg. Ein neues Spielsystem, die Moral, der
unbändige Siegeswille, die gute Physis in der Schlussphase – alles passte an
diesem sonnigen Spätnachmittag. Fast alles, bis auf das Problem bei der Anreise.
Der Privat-Pkw des Trainerteams, das wie alle anderen auch am Abend vor der
Abfahrt negativ schnellgetestet wurde, verlor bei einer Pause etwas den
Welle Wahnsinn wogt auch in Würzburg weiter: SG 99 siegt mit 2:0
Anschluss an den übrigen Reisetross. Und stand bei der Weiterfahrt urplötzlich in
einer Vollsperrung der A3 wegen eines schweren Unfalls, während die Kleinbusse
mit der Mannschaft bereits knapp zwei Stunden vor Spielbeginn im Würzburger
Sportpark Heuchelhof eintrafen.

Die Führung: Kathrin Schermuly (mit der 35
auf dem Rücken) trifft per Kopf zum 1:0 für
die SG 99 in Würzburg. Foto: picsahr.de

Nicht gut: Der Trikotkoffer befand sich im Fahrzeug der Trainer. Keine
Spielkleidung? Klingt zunächst mal wie eine schlechte Provinzposse. Vorsorglich
wurde das Team in der Kabine per Zoom-Meeting aufs Spiel eingestimmt, der
heutigen Technik sei Dank. Der Gastgeber hatte überdies seinen gelben
Ausweichsatz für die 18-köpfige Bäckermädchenschar zur Verfügung gestellt, als
fünf Minuten vor dem eigentlichen Anpfiff das reguläre Outfit nebst Trainerschaft
endlich eintrudelte. Mit leichter Verspätung ging es los, am Ende war die ganze
Aufregung nicht von Nachteil. In Andernach bleiben sie trotz der ordentlichen
Siegesserie schön auf dem Teppich. Vordergründiges Ziel ist nach wie vor der
Klassenverbleib, momentan liegen die Schützlinge des sportlichen Führungsduos
Isabelle Hawel und Florian Stein schon stattliche zehn Zähler über der
Abstiegszone. Co-Trainer Armin Grauel spekuliert ein wenig: „24 Punkte sollten
am Ende reichen, um drin zu bleiben.“ Platz fünf ist dafür nötig, bei zehn noch
auszutragenden Begegnungen ein machbares Unterfangen. Der Sprung in die
Welle Wahnsinn wogt auch in Würzburg weiter: SG 99 siegt mit 2:0
Bundesliga, von dem viele im Umfeld fabulieren, ist indes kein Thema. Dafür wäre
auch eine Bewerbung bis zum 15. März vonnöten gewesen. Die SG 99 hat sich
jedoch lediglich dem für sie leistbaren Zulassungsverfahren für die zweithöchste
Klasse der Republik unterworfen.

Hauptgrund für diesen wohl durchdachten Schritt ist die Infrastruktur, das in die
Jahre gekommene Oval um den Rasenplatz erfüllt nicht die erforderlichen
Bedingungen. „Für die Bundesliga brauchen wir 300 Sitzplätze, davon 150
überdacht“, nennt Geschäftsführer Bodo Heinemann ein Beispiel. Vorhanden ist
nicht ein einziger, für die Zweite Liga ist dieser Zustand gerade noch in Ordnung.
Die Holztribüne stand in dieser Form bereits 1956 beim Eröffnungsspiel der
damaligen Spvgg Andernach gegen die ruhmreiche Elf des 1. FC Kaiserslautern
auf dem Gelände, seinerzeit siegten die Bäckerjungen fast sensationell mit 3:1
gegen die Elf um Fritz Walter.

Seit der Inbetriebnahme des neuen Funktionsgebäudes im Stadionwall vor mehr
als zehn Jahren ist die Tribüne aus Sicherheitsgründen jedoch für die
Öffentlichkeit gesperrt. Zudem fehlt es seit eh und je an Flutlicht, der natürliche
Rasenplatz bereitet zu Beginn und am Ende eines Jahres witterungsbedingt auch
immer wieder erhebliche Probleme. Die Platzwart-Kolonne leistet stets ihr Bestes,
zaubern können sie nicht. Und so gibt sich die SG 99 demütig mit dem zufrieden,
was derzeit möglich erscheint. Immer in der Hoffnung, dass sich die (finanzielle)
Situation mal bessert, um hier und da Abhilfe zu schaffen. Eine neue Tribüne,
Rollrasen, LED-Flutlicht – das wäre schon was. Zunächst jedoch geht der Blick in
die allernächste Zukunft, am Sonntag wollen die Bäckermädchen ihren
sportlichen Lauf fortsetzen. Und den 1. FC Köln bis zum gemeinsamen Duell am
18. April in Andernach noch ein bisschen aus der Ferne ärgern.
Welle Wahnsinn wogt auch in Würzburg weiter: SG 99 siegt mit 2:0
Was für ein Tor ! „Flying“ Toni Hornberg trifft nach Maßflanke von Alina Wagner
per spektakulärem Flugkopfball zum 2:0 für ihre SG 99 ins Würzburger Gehäuse.
Foto: picsahr.de

Mit etwas Dusel: SG 99 schlägt
Hoffenheim II nach Rückstand
noch mit 3:2

Zunächst die Fakten: Mit dem 3:2 (1:2) gegen die TSG 1899 Hoffenheim II
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landeten die Fußballfrauen unserer SG 99 Andernach in der 2. Bundesliga Süd
den vierten Liga-Sieg in Serie und bleiben dem Spitzenreiter 1. FC Köln auf den
Fersen. Klingt gut, begann auch ähnlich: Nach zähem Beginn nutzte Lisa Umbach
die erste Gelegenheit für die Bäckermädchen, ihr strammer Schuss von der
Strafraumgrenze schlug im langen Eck des Kraichgauer Gehäuses ein (12.). Doch
davon ließ sich die zuvor schon starke TSG nicht die Bohne beeindrucken: Karla
Görlitz nach Schnitzer der SG 99 im Abwehrzentrum stellte schnell den
Gleichstand wieder her (16.), kaum 180 Sekunden später überlistete Selina
Vobian die Andernacher Schlussfrau Jana Theisen bei einem wohl mehr als Flanke
gedachten Schuss von der rechten Außenbahn – 1:2 (19.).

Was dem Gastgeber trefflich in die Karten spielte: Celina Degen ließ sich nach
einer halben Stunde zu einer Tätlichkeit hinreißen, zwei Drittel der Begegnung
spielte Hoffenheim nach der Roten Karte somit in Unterzahl. Das sollte sich für
die SG 99 aber erst ab der Mitte der zweiten Halbzeit bezahlt machen. Zwei
Standardsituationen mussten schließlich herhalten, um die Begegnung noch zu
drehen. Erst verlängerte Vanessa Zilligen einen Freistoß per Kopf
schulbuchmäßig zum 2:2 ins anvisierte Ziel (67.). Magdalena Schumacher
schaffte mit dem gleichen Körperteil kurz vor Schluss unter Mithilfe des
Innenpfostens und des Schienbeins der TSG-Spielern Amelie Bohnen den
umjubelten Siegtreffer (89.).

Das Andernacher Trainergespann bewertete den Sieg wie folgt: „Absolut
glücklich“ nannte Isabelle Hawel den Dreier in einer ersten Reaktion, ehe ihr
Kollege Florian Stein ergänzte: „So ein Spiel musst du erst mal gewinnen.“ Es
gibt für den Tabellenzweiten keine verdiente Verschnaufpause, schon am
Mittwoch um 17.45 Uhr geht es weiter mit dem Auswärtsspiel bei den
Würzburger Kickers.
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Da ist das Ding: In der 89. Minute landete der Ball zum glücklichen 3:2-Erfolg der
SG 99 im Hoffenheimer Tor. Foto: Tobias Jenatschek
#hierentstehtwas

Kostenloser     Download:   Das
digitale Bäckermädchen-Magazin –
Ausgabe 5

Die fünfte Ausgabe des digitalen Bäckermädchen-Magazins in dieser Saison zum
Heimspiel unserer 1. Frauenmannschaft gegen die TSG 1899 Hoffenheim II
(Sonntag, 28. März, 14 Uhr) gibt’s HIER als digitale Version (16 Seiten / 6,52
MB) zur Ansicht und/oder zum Download:
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Welle Wahnsinn wogt auch in Würzburg weiter: SG 99 siegt mit 2:0
Perfekter Re-Start: SG 99 siegt mit
2:1 beim FC Bayern München II

Einen Einstand nach Maß feierten die Fußballfrauen der SG 99 Andernach in
ihrem ersten Punktspiel der 2. Bundesliga Süd im neuen Jahr: Beim FC Bayern
München II siegten die Bäckermädchen nach frühem Rückstand noch mit 2:1
(1:1) und festigten so ihren zweiten Tabellenplatz hinter dem 1. FC Köln. Es war
im vierten Vergleich mit der Reserve des FCB nach zuvor drei Niederlagen (1:4,
0:3, 0:1) der erste zählbare Erfolg für die SG 99.

Mit einer achtstündigen Busfahrt in den Beinen brauchten die Bäckermädchen
zunächst eine Weile, um im übertragenen Sinn auf dem Rasenplatz im Sportpark
Aschheim anzukommen. Denn schon mit dem ersten Torschuss der Begegnung
ging der bayrische Talentschuppen in Führung. Ein Eckball von rechts war
bereits mehr oder weniger geklärt, als Lilian Huber von hinten heranrauschte und
das Spielgerät von der Strafraumgrenze per Bogenlampe ins Andernacher
Gehäuse beförderte. Jana Theisen zwischen den Pfosten der Gäste blieb da früh
nur das Nachsehen (5.).

Im weiteren Verlauf entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel mit wenigen
Höhepunkten. Das änderte sich in den Minuten vor dem Pausenpfiff. Zunächst
konnte die SG 99 von Glück reden, dass Amelie Schuster mit einem Kopfball
freistehend das anvisierte Ziel verfehlte. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit
trat wiederum Huber in Erscheinung trat – diesmal allerdings auf der für sie
Welle Wahnsinn wogt auch in Würzburg weiter: SG 99 siegt mit 2:0
falschen Seite. Andernachs Innenverteidigerin Marie Schäfer beförderte einen
Ball kurz hinter der Mittellinie lang und hoch in den gegnerischen Strafraum, im
hautnahen Zweikampf mit Vanessa Zilligen schaufelte die Nummer fünf der
Münchenerinnen den aufspringenden Ball beim Klärungsversuch über ihre
herauseilende Torfrau Juliane Schmid hinweg ins eigene Netz (45.+1).

Die SG 99 kam ohne Maren Weingarz aus der Kabine, die mit Kreislaufproblemen
zu kämpfen hatte. Für sie spielte fortan Magdalena Lang. Nach 68 Minuten
wechselte das Andernacher Trainergespann Isabelle Hawel und Florian Stein ein
zweites Mal, Carolin Dillenburg besetzte die Position der Rechtsverteidigerin für
Karla Engels. Nur wenig später gelang den Gästen die Führung: Lisa Umbach
brachte einen Ecke gefährlich vors Münchner Gehäuse. Erst verlängerte
Magdalena Schumacher vorn mit dem Kopf, dann Lang in der Mitte auf den
hinteren Pfosten, dort stand Antonia Hornberg und drückte den Ball zur
umjubelten Führung ebenfalls mit dem obersten Körperteil über die Linie – 1:2
(74.). Es war bereits der vierte Saisontreffer für die Andernacherin mit der
Nummer 31, die ja drei Tage zuvor auch im DFB-Pokalspiel gegen Eintracht
Frankfurt ein persönliches Erfolgserlebnis feiern durfte.

Damit trug sie nun entscheidend zu den Saisonpunkten sieben bis neun bei. Am
Ende schaukelte die SG 99 das Ergebnis souverän über die Zeit, drei weitere
Personalwechsel passten nahtlos ins Gefüge. Keine Frage, dass Isabelle Hawel
nach der strapaziösen Anreise und vor der nicht minder schlauchigen, aber sicher
feucht-fröhlichen Rückfahrt erleichtert wirkte: „Am Ende war es aufgrund der
zweiten Halbzeit ein verdienter Sieg gegen sehr junge, dynamische und technisch
starke Münchnerinnen.“ Gut gerüstet gehen die Bäckermädchen nun ins erste
Heimspiel nach dem Wiederbeginn, am Sonntag um 14 Uhr erwarten sie auf dem
Rasenplatz des Andernacher Stadions die TSG Hoffenheim II.

SG 99 Andernach: Theisen – Engels (68. Dillenburg), Schäfer, Schumacher,
Wagner – Zilligen, Kathrin Schermuly – Asteroth (89. Hisenaj), Umbach (89.
Weinel), Weingarz (46. Lang) – Hornberg (79. Poppe).
Welle Wahnsinn wogt auch in Würzburg weiter: SG 99 siegt mit 2:0
Jubel nach dem Abpfiff: Die Bäckermädchen freuen sich über einen 2:1-Erfolg
beim FC Bayern München II. Foto: Roland Schäfges

Firma Brohlburg spendet der SG
99 einen neuen Ballständer

Im festen Glauben an bald wieder bessere (Fußball-)Zeiten hat die Firma
Brohlburg – seit Jahren einer der Hauptsponsoren unseres Vereins – der SG 99
einen formschönen Ballständer spendiert, der künftig überwiegend vor den
Spielen unserer 1. Frauen- und 1. Männermannschaft zum Einsatz kommen soll.
Welle Wahnsinn wogt auch in Würzburg weiter: SG 99 siegt mit 2:0
Parallele Entwicklung verbindet: Die Firma wurde 1999 – also im Gründungsjahr
unserer Sportgemeinschaft – mit Sitz in Andernach gegründet. Seitdem erfolgte
ein kontinuierlicher Aufbau zu einer der modernsten Produktionsstätten der
Dämmstoff-Branche (hochwertige Systeme aus Styropor und Neopor) in
Deutschland.
Das Bild unten zeigt Geschäftsinhaber Guido Brohlburg (Zweiter von links) bei
der Übergabe mit unseren Trainer/innen Isabelle Hawel, Florian Stein und Kim
Kossmann (ganz links). Noch ruht der Ball in den allermeisten Spielklassen der
Republik, aber spätestens im Sommer hoffen wir auf einen Re-Start des
Spielbetriebs all unserer Mannschaften. Erstmals zum Einsatz kommt der
Ballständer aber schon am morgigen Sonntag, 21. März (15 Uhr), beim DFB-
Pokalviertelfinale unserer Zweitliga-Frauen gegen Eintracht Frankfurt. Seid live
dabei auf tv.dfb.de !

Foto: Tobias Jenatschek/picsahr.de
#hierentstehtwas

Talent                in         der            Wiege:                 Die
Schermuly-Schwestern spielen mit
Herz und Leidenschaft für die SG
99

                                  Sieben der aktuell neun besten Teams der
                                  deutschen Eliteklasse stehen im Viertelfinale
                                  um den DFB-Pokal der Frauen, das komplett am
                                  vorletzten Wochenende des Monats ausgespielt
                                  wird. Der achte, im Vergleich eher namenlose
Teilnehmer ist der einzige noch im Wettbewerb verbliebene Zweitligist: die SG 99
Andernach. Die sogenannten „Bäckermädchen“ messen sich am Sonntag, 21.
März (15 Uhr), auf dem Rasenplatz des altehrwürdigen Stadions mit Eintracht
Frankfurt.
Seit Sommer 2019 spielen Julia Schermuly
(vorn mit der Nummer zehn auf der Hose)
und ihre ältere Schwester Kathrin (rechts
dahinter) für die blauen Farben der
Bäckermädchen. In dieser Saison läuft es
bisher recht gut für ihre SG 99 – auch am
21. März im DFB-Pokalviertelfinale? Foto:
Norbert J. Becker

Seit dem 2. Februar bereiten sich die Schützlinge des Trainergespanns Isabelle
Hawel und Florian Stein intensiv auf diesen wohl einmaligen Höhepunkt in der
erst 15-jährigen Abteilungshistorie vor. Noch nie ist eine Mannschaft aus
Andernach derart weit gekommen. Die bisherigen Vergleiche mit einer Elf aus der
Mainmetropole sind schon eine Weile her. Am 28. September 2014 verlor die SG
99 als frischgebackener Regionalliga-Aufsteiger gegen den späteren Champions-
League-Sieger 1. FFC Frankfurt mit 1:15. Das eher ernüchternde Ergebnis konnte
die aufstrebenden Bäckermädchen in ihrer Entwicklung aber nicht bremsen. Zwei
freundschaftliche Testspiele gegen die Eintracht, damals noch in der Regionalliga
Süd beheimatet, gewann Andernach in den Jahren 2015 und 2017 jeweils mit 3:0.
Im Vorjahr landete der ruhmreiche 1. FFC um Manager Siegfried Dietrich nach
erfolgreichen Fusionsgesprächen und -verhandlungen im Nest der
Adlerträgerinnen.

Die beiden Schwestern Kathrin und Julia Schermuly – für die SG 99 seit dem
Sommer 2019 im Einsatz – haben in jüngerer Vergangenheit ebenfalls Erfahrung
gesammelt gegen ein Ensemble aus Frankfurt. Nur knapp mit 0:1 unterlagen sie
mit dem FSV Hessen Wetzlar am 9. September 2018 nach einem Gegentreffer per
Foulelfmeter dem von Niko Arnautis trainierten 1. FFC, auch aktuell der sportlich
Verantwortliche in Frankfurt. Vater Rainer, ständiger Begleiter seiner kickenden
Töchter, erinnert sich noch recht gut an diese Begegnung: „Ein enges Spiel. Da
hat nicht viel gefehlt.“

                                      Ein wenig ungläubig schaut Claudia
                                      Hill (später Schermuly) – hier umarmt
                                      von ihrer Mitspielerin mit der Nummer
                                      fünf – da schon nach ihrem 1:1-
                                      Ausgleich        per      Kopf     im
                                      Hessenpokalfinale 1987 gegen den
                                      FSV Frankfurt. Am Ende verlor der SV
                                      Niedermeilingen         aber     nach
                                      Verlängerung knapp mit 1:2. Rund 34
                                      Jahre später wollen es die Töchter
                                      Kathrin und Julia ähnlich gut richten
                                      im DFB-Pokalviertelfinale gegen
                                      Eintracht Frankfurt. Foto: Helmut
                                      Griesand

Ganz nah dran an einem Erfolg gegen eine Frankfurter Mannschaft war auch
Mutter Claudia, damals trug sie noch den Mädchennamen Hill. Im
Hessenpokalfinale 1987 bot sie mit ihrem SV Hintermeilingen dem damals recht
erfolgreichen FSV, deutscher Meister des Vorjahres, die Stirn. Ihr Treffer mit
dem Kopf sorgte dafür, dass der Favorit in die Verlängerung musste, dort zog das
Team aus dem kleinen Ort im hessischen Landkreis Limburg-Weilburg letztlich
aber mit 1:2 den Kürzeren. Kopfballspiel – eine ihrer Stärken, die sie bei Kathrin
und Julia vermisst: „Das müssen sie noch üben“, sagt sie schmunzelnd. Die
Karriere gab sie Anfang der 90-er Jahre der Familie zuliebe auf. Nicole (1994) ist
die Erstgeborene der drei Töchter, es folgten Kathrin (1995) und Julia (1999). Der
älteste Spross der Schermulys suchte die sportliche Erfüllung in der
Leichtathletik.

Bei Kathrin war schon früh klar, wohin die Reise gehen würde. Mit fünf Jahren
gab‘s das erste Trikot mit der Rückennummer fünf – ihre Lieblingszahl, die sie
fortan durchs bewegte Fußballleben begleiten sollte. In Andernach trägt sie die
35. Die Jugendzeit war geprägt vom doppelten Spielrecht, zum einen bei den
Mädchen, zum anderen bei den Jungs. 2014, als die Bäckermädchen im Mai als
ungeschlagener Rheinlandmeister in die Regionalliga Südwest aufgestiegen
waren, folgte für die damals noch 18-jährige Kathrin die Teilnahme an der U20-
Weltmeisterschaft in Kanada. Kurios: Nach einem vorangegangenen Lehrgang an
der Sportschule in Kaiserau hatte sie mit dem Thema „Nationalmannschaft“ fast
schon abgeschlossen. „Wir wären nicht gut genug“, sagte Kathrin in Erinnerung
an das eher vernichtende Urteil für sie und ihre Mitstreiterinnen von Anouschka
Bernhard, damals die zuständige Trainerin der U 17.

Es kam aber alles anders. Viermal spielte sie dann doch für die U19, sogar
achtmal (ohne Niederlage) für die U20. Höhepunkt war das WM-Endspiel in
Montreal. Nach einem 5:1 gegen Brasilien im Viertelfinale und einem
umkämpften 2:1 in der Vorschlussrunde gegen starke Französinnen ging es zum
(krönenden) Abschluss gegen Nigeria. Zum Team von Trainerin Maren Meinert
zählten damals beispielsweise Sara Däbritz (jetzt bei Paris Saint-Germain),
Rebecca Knaak (aktuelle Spielführerin des SC Freiburg) und Lina Magull
(mittlerweile für den FC Bayern München im Einsatz). Das entscheidende 1:0
gegen die Afrikanerinnen erzielte Kathrins Zimmerkollegin Lena Petermann,
momentan beim französischen Erstligisten HSC Montpellier unter Vertrag. Noch
heute leuchten die Augen, wenn Kathrin an diese Momente zurückdenkt: „Wir
waren überglücklich. Unvergessen, eine tolle Zeit.“

Den Sprung zu einem Bundesligisten wollte Kathrin in dieser Lebensphase nicht
wagen, zu bodenständig war ihre Ausprägung. „Als kleines Kind wollte ich mal
Polizistin werden, später dann Bäuerin. Unser Hof liegt mir am Herzen.“ Weit
vom letzten Wunsch entfernt ist sie nicht. Sie schloss zunächst eine Lehre zur
Steuerfachangestellten erfolgreich ab. Neben dem Job begann sie das Studium
der Agrarwissenschaften, das sie im Dezember vergangenen Jahres als „Bachelor“
beendete. Der „Master“ soll bis 2022 folgen.

Im landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Niederbrechen (in der Nähe
Limburgs) hilft sie seit eh und je mit, erst kürzlich kümmerte sie sich zusätzlich
um den Hofladen im Dorf, als ihre Mutter das mit einem Leistenbruch
gesundheitlich mal nicht leisten konnte. Ob sie jetzt im besten Fußballalter noch
ab und zu an die Bundesliga denkt? „Nein, jetzt eigentlich nicht mehr“, sagt sie.
Als sie von Wetzlar nach Andernach gewechselt war, absolvierte sie im Übergang
noch zwei, drei Probetrainings beim 1. FFC Frankfurt. Letztlich blieb sie der SG
99 aber treu. Augenzwinkernd fügt sie hinzu: „Wenn Andernach aufsteigen
könnte, würde ich es mir das mit der Bundesliga noch mal überlegen.“ Worte, die
das Trainergespann sicher gerne hört.

Kathrins dreieinhalb Jahre jüngere Schwester Julia durchlief in ihrer Jugendzeit
eine ähnliche Entwicklung, der Sprung in ein U-Nationalteam blieb der flinken
Angreiferin allerdings verwehrt. Sie spielte in der U17-Bundesliga mit dem FSV
Hessen Wetzlar, zudem in der Regionalauswahl Wiesbadens mit Besarta Hisenaj.
Die 22-jährige kosovarische Nationalspielerin folgte im Vorjahr dem Weg der
beiden Schwestern nach Andernach. Julia war übrigens schon vor ihrem
Engagement bei der SG 99 ein waschechtes Bäckermädchen, sie absolvierte eine
dreijährige Lehre zur Bäckergesellin. Nach dem Abschluss packte sie eine
Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement obendrauf, im Sommer steht die
Prüfung auf dem Programm. Neben dem Fußball hält sie sich mit ihrem Enduro-
Bike in unwegsamem Gelände fit.

Die Vorzüge der Nummer zehn auf dem Fußballfeld: „Sie ist ein echter Giftzwerg,
vom Gegner kaum zu bremsen“, hält die ältere Schwester große Stücke auf das
Nesthäkchen der Familie. Ein Kompliment, dass die Jüngste der Schermulys
gerne zurückgibt: „Kathrin hat eine überragende Spielübersicht.“ Eine
Eigenschaft, die sie im zentralen Mittelfeld als treibende Kraft gut gebrauchen
kann.

Zurück in die nahe Zukunft: In etwas mehr als einer Woche geht also das Duell
mit den klar favorisierten Frankfurterinnen über die Bühne. 1026 Zuschauer
wollten 2014 das seinerzeit recht ungleiche Spiel in der zweiten Runde des DFB-
Pokals vor Ort sehen, dieser Rekordbesuch wird bis auf Weiteres noch Bestand im
Andernacher Fußball-Geschichtsbuch haben. Denn zum Leidwesen der
Bäckermädchen findet das Spiel in der Corona-Zeit unter Ausschluss der
Öffentlichkeit statt. Das Geschehen wird aber live auf DFB-TV übertragen. Sollten
die Schermuly-Schwestern spielen können – Julia laboriert derzeit an einer
lästigen Oberschenkel-Verletzung -, wollen beide „wirklich alles geben“. Auf
keinen Fall weniger.

FFussball-Magazin präsentiert die
Bäckermädchen in der März-
Ausgabe auf zwei Seiten
Vor dem DFB-Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt (Sonntag, 21. März, 15 Uhr)
rückt unsere SG 99 Andernach mehr und mehr in den Fokus. Das lesenswerte
Frauenfußball-Magazin beispielsweise widmete der erfolgreichen Mannschaft
in seiner zweiten Ausgabe des Jahres (ab dem 11. März im Handel erhältlich) eine
zweiseitige Reportage, die unsere Heimatstadt ein wenig ins rechte Licht rückt
und auch erklärt, wie die „Bäckermädchen“ überhaupt zu ihrer geflügelten
Bezeichnung gekommen sind. HIER geht es zum Artikel.
Re-Start am 21. März: 2. Frauen-
Bundesliga       nimmt      den
Spielbetrieb wieder auf

Der Deutsche Fußballbund (DFB) hat sich positioniert und die insgesamt 18
Vereine der 2. Frauen-Bundesliga, unter anderem die SG 99 Andernach, am
Donnerstagnachmittag offiziell per E-Mail darüber in Kenntnis gesetzt, dass der
Spielbetrieb am 21. März nach dann knapp fünfmonatiger Pause wieder
aufgenommen werden soll. Ein entsprechendes 50-seitiges Hygienekonzept wurde
vom DFB-Präsidium abgesegnet und in § 20a der Durchführungsbestimmungen
zur Spielordnung verankert. Alle Mannschaften der Nord- und Südstaffel sind
mittlerweile per Ausnahmegenehmigung wieder im Trainingsbetrieb. Hilfreich
war dabei ein Unterstützungsschreiben des DFB, das die Vereine neben dem
umfangreichen Hygienekonzept den lokalen Behörden vorgelegt haben.

Vor dem Wiederbeginn hatte jede Mannschaft zwei Antigen-Schnelltests im
Abstand von mindestens 48 Stunden und maximal fünf Tagen vorzunehmen. Erst
bei durchgängig negativem Befund erfolgte der Startschuss. Der ist bei der SG 99
bereits am 2. Februar ertönt, bei einigen anderen (zum Beispiel 1. FC Köln und
RB Leipzig) sogar früher. Das Hygienekonzept ist deutlich schärfer als
beispielsweise das für die Regionalliga Südwest der Männer. So sind im
Spielbetrieb gleich zwei Schnelltests pro Woche erforderlich. Isabelle Hawel und
Florian Stein, Trainergespann der SG 99, sehen der Entwicklung mit gemischten
Gefühlen entgegen: „Wir sind maximal dankbar und freuen uns einerseits über
das Privileg, wieder spielen zu dürfen. Andererseits sind wir uns aber auch
unserer gesellschaftlichen Verantwortung und der Vorbildfunktion bewusst.
Unter den vorgegebenen Bedingungen verhalten wir uns so professionell wie
möglich.“
Bis zum 6. Juni sollen nun
                                                       laut      angepasstem
                                                       Terminplan die jeweils 13,
                                                       teilweise     14     noch
                                                       ausstehenden Spiele der
                                                       einzelnen Teams unter
                                                       Dach und Fach sein.
                                                       Damit aber nicht genug:
                                                       An      den        beiden
                                                       darauffolgenden
                                                       Wochenenden ermitteln
                                                       die               jeweils
Tabellensechsten der beiden Neunerstaffeln in Hin- und Rückspiel noch den
siebten Absteiger. Dahinter steckt die Absicht, die momentan erneut zweigeteilte
Klasse mit 18 Mannschaften in einem Rutsch wieder auf das eingleisige 14er-
Format für die Saison 2021/22 zu bringen. Die sieben Absteiger reduzieren das
Feld im ersten Schritt auf elf Teilnehmer, hinzu kommen im Anschluss drei Plätze
für die Relegationsrunde der aufstiegswilligen Regionalligisten – sofern die bei
immer noch ungeklärter Lage sportlich überhaupt ermittelt werden können.

Für die SG 99 Andernach birgt die vorgesehene Terminierung einige Tücken und
wirft laut Hawel und Stein „ganz, ganz viele Fragezeichen“ auf. Gleich vier
englische Wochen sieht der Spielplan für die Bäckermädchen vor, jedes Mal muss
die Mannschaft dabei an einem Mittwoch auswärts in minimal 170 bis maximal
520 Kilometer Entfernung antreten. Die Auftaktpartie, vorgesehen beim FC
Bayern München II, kann nicht am 21. März stattfinden, weil die SG 99 an diesem
Wochenende im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt antritt. Was gleich die
erste englische Woche verursacht, gefolgt von einer zweiten. Das Andernacher
Trainergespann sieht auch das recht zwiespältig: „Eine sehr unglückliche
Konstellation. Da werden wir ja schon fast dafür bestraft, dass wir im Pokal so
weit gekommen sind. Aber wir nehmen die Herausforderung natürlich an.“

Inklusive der Pokalpartie müssen die Andernacherinnen bis Ostern
voraussichtlich gleich fünfmal innerhalb von nur zwei Wochen ran. Die Abfolge im
Zeitraffer: Eintracht Frankfurt (20./21. März), FC Bayern München II (24. März),
TSG Hoffenheim II (28. März), Würzburger Kickers (31. März), Eintracht
Frankfurt II (3./4. April). Sollte sich die SG 99 überraschend fürs DFB-
Pokalhalbfinale qualifizieren: Das steht ebenfalls an Ostern auf dem Programm,
letztgenannte Zweitliga-Partie müsste verlegt werden und würde dann eine
weitere englische Woche verursachen. Noch alles Theorie, kommen wir zur
Praxis: Vor dem möglichen Re-Start gehen drei Testspiele über die Bühne. Am
Sonntag, 28. Februar (14 Uhr), messen sich die Bäckermädchen zunächst mit
dem Bundesliga-Dritten TSG 1899 Hoffenheim, die Begegnung mit dem
Champions-League-Aspiranten findet auf dem Rasenplatz in St. Leon-Rot statt.

Gabor Gallai, Trainer des Gastgebers, wird voraussichtlich nicht mit voller
Kapelle antreten, weil sich gleich acht Spielerinnen in den vergangenen Tagen im
Länderspiel-Einsatz befanden. Die deutschen Nationalspielerinnen Lena Lattwein
und Tabea Waßmuth – beide wechseln im Sommer zum VfL Wolfsburg – werden
nach den Länderspielen gegen Belgien (2:0) und am Mittwoch gegen die
Niederlande (1:2) jetzt womöglich geschont oder nur phasenweise eingesetzt. Das
könnte auch für Nicole Billa gelten, die österreichische Top-Stürmerin führt mit
17 Treffen derzeit die Bundesliga-Schützenliste an. Im Anschluss trifft die SG 99
auf zwei renommierte Teams der 2. Bundesliga Nord: Am Sonntag, 7. März (14
Uhr) kommt Arminia Bielefeld ins Andernacher Stadion, exakt eine Woche später
die Borussia aus Mönchengladbach. Beide Spiele finden unter Ausschluss der
Öffentlichkeit auf dem Kunstrasenplatz statt.
Ein Spiel der Andernacher Fußballfrauen (hier mit Lisa Umbach im blauen Trikot)
im eigenen Stadion – und das auch noch vor interessiertem Publikum. So
letztmals geschehen am 31. Oktober des Vorjahres. Die DFB-Pokalpartie gegen
den 1. FC Saarbrücken (3:1) bildete den Beginn einer langen Corona-Pause, die
mit dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am 20. oder 21. März endet. Am
gleichen Wochenende wird auch wieder die 2. Bundesliga fortgeführt. Nach
jetzigem Stand allerdings ohne Zuschauer. Foto: Andreas Walz
Trainingsbeginn am 2. Februar:
SG 99 startet mit Schnelltest in
die Vorbereitung aufs DFB-
Pokalspiel

                                          Viel Zeit ist seit dem 6:1-Sieg im
                                          DFB-Pokal am Nikolaustag gegen
                                          den Zweitligakonkurrenten FSV
                                          Gütersloh ins Land gegangen. Jetzt
                                          starten die Fußballfrauen der SG 99
                                          Andernach nach achtwöchiger
Abstinenz mit einer behördlichen Ausnahmegenehmigung in die Vorbereitung auf
die nächste Runde in diesem Wettbewerb. Am Dienstag, 2. Februar, steht das
erste offizielle Freilufttraining des Jahres auf dem Programm mit Blick auf das
Viertelfinale (voraussichtlich am 21. März) gegen den Bundesligisten Eintracht
Frankfurt.

Die Mannschaft aus der Mainmetropole um die deutschen Nationalspielerinnen
Laura Freigang, Merle Frohms, Sophia Kleinherne und Sjoeke Nüsken absolviert
ihre erste Punktpartie bereits am 7. Februar gegen den MSV Duisburg, bis zur
Pokalbegegnung stehen dann noch drei weitere Aufgaben im Spielplan bis zum
Vergleich „Bäckermädchen“ gegen „Adlerinnen“. Ungleiche Voraussetzungen?
„Natürlich, aber das ist ja gerade der Reiz in solchen Pokalspielen. Die Mädels
und auch wir Trainer freuen uns auf diese Herausforderung. Wir nehmen es, wie
es kommt“, erklärt das Andernacher Trainergespann Isabelle Hawel und Florian
Stein: „Wir ziehen unseren Plan durch und wollen uns gegen Frankfurt am Tag X
so teuer wie möglich verkaufen und weiter positiv auf uns aufmerksam machen.“
Zurück zum Trainingsbeginn in der kommenden Woche: Statt Leistungsdiagnostik
ganz am Anfang erwartet die SG 99 etwas für sie völlig Neues in Zeiten des
Corona-Lockdowns. „Antigen-Schnelltestung“ heißt die Aufgabe, mit der sich die
Mannschaft plus Trainerstab ab sofort intensiv und vor allem regelmäßig in
Kooperation mit dem Unternehmensverbund MEDI – CENTER | MEDI –
HAUS | THILLMANN beschäftigen wird. Freiwillig übrigens, da gibt es seitens
                                    des Deutschen Fußball-Bunds oder
                                          der Politik aktuell (noch) keine
                                          konkreten Vorgaben. Einmal
                                          wöchentlich direkt vor der ersten
                                          Übungseinheit, einmal zusätzlich vor
                                          Testspielen müssen sich Spielerinnen
                                          und auch das Funktionsteam dieser
                                          Prozedur unterwerfen. Nach etwa 15
                                          bis 20 Minuten liegen die Ergebnisse
                                          schon vor. Abgenommen werden die
                                          Tests von ehrenamtlichen, aber
                                          eigens geschulten Personen aus dem
                                     medizinischen Bereich. Das alte
Umkleidegebäude auf dem Stadiongelände mit seinen drei Kabinen und dem
geräumigen Flur dient dabei sozusagen als Vereinspraxis. Teamarzt Bernhard
Butzmann als Hygienebeauftragter hält die Hand über das Geschehen.

Der erste, momentan einzige sportliche Test auf dem Platz steht am 28. Februar
bei der TSG 1899 Hoffenheim auf dem Programm. „Ein schweres Kaliber, laut
Tabelle sogar besser als Frankfurt“, beurteilen Hawel und Stein die Qualität des
Champions-League-Aspiranten. Weitere Spiele vor dem Schlagabtausch mit der
Eintracht sind nur schwer bis gar nicht möglich. Die Bundesliga befindet sich
demnächst im Spielbetrieb (zweiwöchige Pause Ende Februar), eine Etage
darunter darf nach derzeitigem Stand bei den meisten Vereinen maximal trainiert
werden. Auch hier eine Ausnahme von der Regel: Der 1. FC Köln gewann den
Vergleich zweier nordrhein-westfälischer Zweitligisten am vergangenen Sonntag
mit 3:0 gegen Borussia Bocholt. Beide Teams unterzogen sich vorab einem
Schnelltest.

Gar nicht mal unwahrscheinlich, dass auch die Punkterunde der 2. Bundesliga
nach bisher nur drei absolvierten Spieltagen bald eine Fortsetzung erfährt. Der
DFB unternimmt derzeit den Versuch, seine semi-professionellen Klassen (2.
Frauen-Bundesliga, Bundesliga und DFB-Pokal der Junioren, optional B-
Juniorinnen-Bundesliga) wieder ins Laufen zu bringen. Das wird frühestens am
ersten März-Wochenende der Fall sein, tendenziell eher Mitte oder Ende des
Monats. Einen dreiwöchigen Trainingsvorlauf erachtet der DFB dabei als
ausreichend. Am Freitag tagt das Präsidium, um einen entsprechenden Beschluss
auf den Weg zu bringen. Als unabdingbare Basis dient ein 50-seitiges
Hygienekonzept in enger Anlehnung an die für die Fußball-Profiligen geltenden
Vorgaben. Über eine erste Fassung wurde bereits am 21. Januar im Rahmen einer
virtuellen Tagung aller Zweitliga-Klubs ausgiebig diskutiert.

Die SG 99 sieht dem Fall der Fälle entspannt entgegen. Geschäftsführer Bodo
Heinemann sagt: „Das ist alles für uns leistbar. Infrastrukturell bietet das
Andernacher Stadion in vielerlei Hinsicht beste Bedingungen. Wir bleiben
demütig, sind aber gewappnet.“ Finanziell müssen sich die Frauen-Zweitligisten
in diesem Zusammenhang nicht sonderlich sorgen: Der DFB hat mehr als nur
angedeutet, die Kosten für alle Testungen ab Re-Start übernehmen zu wollen
(rund 150 Euro pro Reihe bei 30 Personen). Das gilt im Übrigen schon definitiv
für die beiden unmittelbar vor dem Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt
erforderlichen Testreihen. Der große Unterschied: Hier sind die weitaus
umfangreicheren und bis zu zwölfmal teureren PCR-Testungen notwendig. Bis zu
diesem Zeitpunkt ist aber noch viel Wasser im Rhein an Andernach
vorbeigeflossen.
Trainingsbeginn: Ab dem 2. Februar bereiten sich die Bäckermädchen gezielt und
konzentriert auf das DFB-Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt vor. Foto: Tobias
Jenatschek/picsahr.de

Knallerlos im DFB-Pokal: SG 99
darf sich im Viertelfinale mit
Eintracht Frankfurt messen

Verfrühte Frühlingsgefühle bei den Fußballfrauen der SG 99 Andernach: Zum
Beginn dieser Jahreszeit trifft der letzte im Wettbewerb verbliebene Zweitligist im
Viertelfinale um den DFB-Pokal am 20. oder 21. März auf keinen Geringeren als
den Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Das ergab die Auslosung am Sonntag in
der ARD-Sportschau. Der frühere Skisprung-Weltmeister Sven Hannawald zog
sozusagen als „fliegende Losfee“ diesen attraktiven Gegner für die
„Bäckermädchen“. Das Andernacher Trainergespann Isabelle Hawel und Florian
Stein freut sich über diese Knallerpaarung, auch wenn Frankfurt
zugegebenermaßen nicht unbedingt der Wunschgegner ist: „Es ist in jedem Fall
ein Bonusspiel und die einmalige Chance, uns weiter über die regionalen Grenzen
hinaus bekannt zu machen. Wir verspüren als Außenseiter keinerlei Druck und
werden uns so teuer wie möglich verkaufen. In drei Pokalpartien haben wir schon
elf Tore erzielt. Wir versuchen, es auch Frankfurt so unangenehm wie möglich zu
machen.“

Gegen die Eintracht, erst im Sommer aus dem berühmten 1. FFC Frankfurt
hervorgegangen, spielte die SG 99 schon testweise am 23. August. Während sich
der von Niko Arnautis trainierte Bundesligist in der Hochphase der Vorbereitung
auf die zwei Wochen später startende Eliteklasse befand, stand Andernach erst
ganz am Anfang der neuen Saison (Start: 4. Oktober) – insofern war das
ernüchternde 1:10 im Stadion am Brentanobad in Frankfurt-Rödelheim auch nicht
mehr als ein Muster mit geringem Wert. Im Achtelfinale setzte sich der
Tabellensechste der Bundesliga übrigens bequem mit 4:0 bei RB Leipzig durch,
immerhin der Spitzenreiter der 2. Bundesliga Nord. Ganz im Gegensatz zu dieser
Runde, als sich die SG 99 gegen Gütersloh parallel auf Kunstrasen mit 6:1
glänzend durchsetzte, wird die Begegnung mit Frankfurt laut DFB-Vorgabe
definitiv auf natürlichem Grün über die Bühne gehen. Die Platzwartkolonne der
Andernacher Stadtverwaltung hat signalisiert, alles zu geben, um den Untergrund
im altehrwürdigen Stadion entsprechend vorzubereiten.

Gespielt wird voraussichtlich am Sonntag, 21. März, weil der Gastgeber das
Gelände tags zuvor für einen dann eventuell wieder möglichen Jugendspieltag
freihalten möchte. Aber gesichert ist das keinesfalls. Aufgrund der räumlich
überschaubaren Entfernung (rund 125 Kilometer) werden die Frankfurterinnen
wohl mit ziemlicher Sicherheit nicht in regionaler Nähe übernachten und
demzufolge erst am Spieltag anreisen. Für diesen Fall ist üblicherweise eine
Anstoßzeit um 14 Uhr vorgesehen. Ob zu diesem Zeitpunkt wieder Zuschauer –
zumindest in begrenztem Umfang – zugelassen sind, steht noch in den Sternen.
Wann die dem Amateursport zugeordnete 2. Bundesliga ihren Spielbetrieb im
neuen Jahr aufnehmen wird, ist derweil aufgrund der ungeklärten Verfügungslage
ebenfalls unklar. Die SG 99 wird aber in Vorbereitung auf den dem Profisport
zugeordneten Pokalwettbewerb mit einer neuerlichen Ausnahmegenehmigung
wieder frühzeitig trainieren dürfen. Auf „Ende Januar“ haben Hawel und Stein
nach derzeitigem Stand den Start taxiert – der Kader hält sich bis dahin mit
individuellen Lauf- und Athletikplänen weitgehend fit.

Dieser zeitliche Ablauf gilt aber nicht, wenn schon am 7. März das aktuell dort
noch anberaumte Zweitliga-Heimspiel gegen den 1. FC Köln über die Bühne
gehen wird. Aber davon ist nicht auszugehen. Eher ist es wahrscheinlich, dass
erst nach dem Pokalspiel die Liga ihren Betrieb wieder aufnehmen wird. Für die
Andernacherinnen stünden dann insgesamt noch 13 Punktspiele bis zum 13. Juni
auf dem Programm – terminlich ohne allzu große Probleme zu stemmen. Personell
unverändert geht der in der Tabelle am besten positionierte Frauenfußballverein
des Südwestens ins neue Jahr. Lediglich auf der Trainerposition der in der
höchsten Verbandsklasse auf Platz zwei liegenden zweiten Mannschaft hat sich
etwas getan. Daniel Kohns, seit Januar 2019 im Amt, ist nicht mehr für die
Reserve der Bäckermädchen verantwortlich. Dessen Funktion nimmt fortan Karl-
Peter Stümper wahr, in der Szene besser bekannt als „Kappy“ und langjähriger
Coach der ersten Garde der SG 99. Ihm zur Seite steht Sarah Krumscheid, die
ihre Karriere als Spielerin des Zweitligaensembles unlängst aufgrund eines
irreparablen Knieschadens hat beenden müssen. Das Ziel des neuen Duos ist klar
umrissen: Aufstieg in die Regionalliga.
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