WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe

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WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
H 11235 E
                                          „„
WESTFALISCHES
 „„
ARZTEBLATT 1/05
Mitteilungsblatt der Ärztekammer Westfalen-Lippe und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe

 INTERVIEW MIT DEM KVWL-VORSTAND

„Wir werden den
                                                               KVWL FEIERTE JUBILÄUM
Wettbewerb annehmen“

 BERUFSPOLITIK

Abschied aus der
Vertreterversammlung

 KAMMERVERSAMMLUNG

Neue Gremien der
Ärzteversorgung gewählt

 FORTBILDUNG

Neue Satzung regelt Fortbildung
und Fortbildungszertifikat

                                                              Borkum-
                                                              Fortbildungswoche 2oo5:
                                                              ausführliches Programm
                                                                                      ab S. 44
WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
2   Westfälisches Ärzteblatt 1/2005
WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
INHALT
                              EDITORIAL
       Wertschätzung statt Miesmacherei                                     Interview
                                                                            „Wir werden den Wettbewerb
                                                                            annehmen“                           7

L      andauf, landab herrscht ein Kli-
       ma kollektiven Klagens und all-
       gemeiner depressiver Verstim-
mung. Auch in unserem Gesundheits-
wesen haben Negativmeldungen stets
                                                                            Jubiläum
                                                                            Ein halbes Jahrhundert KVWL       10

                                                                            Vertreterversammlung
Konjunktur. Da macht sich fast ver-                                         Abschied aus der VV               12
dächtig, wer positive Botschaften
                                           Prof. Dr.      Dr. Hans-Jürgen
aussendet. Gewiss, wir stehen in der                                        Kammerversammlung
                                           Ingo Flenker,  Thomas,
Patientenversorgung vor vielen He-         Präsident      Vizepräsident
                                                                            Neue Gremien der
rausforderungen und auch Problemen. der ÄKWL              der ÄKWL          Ärzteversorgung gewählt           14
Das soll keineswegs schön geredet
werden. Doch die Stärken unseres Ge-                                        Fortbildung
sundheitswesens, seine Entwicklungs-                                        Neue Satzung regelt Fortbildung und
potenziale und Innovationskräfte, ver-                                      Fortbildungszertifikat            16
dienen mindestens genauso viel Be-
achtung. Diese Stärken gilt es heraus-                                      Krankenhaus
zustellen.                                                                  20 bis 30 Minuten Dokumentations-

    Der Perspektivenwechsel in der po- Dr. Ulrich                           aufwand pro DRG-Fall              18
                                                          Dr. Wolfgang-
litischen Wahrnehmung gibt uns Auf- Thamer,               Axel Dryden,
                                                                            Häusliche Gewalt
trieb: Dort ist endlich Schluss mit der 1. Vorsitzender   2. Vorsitzender
                                           der KVWL       der KVWL          Den Kreislauf durchbrechen        19
Miesmacherei! Das Gesundheitswesen
wird nicht mehr nur als Kostenfaktor
                                                                            Landesgesundheitskonferenz
gebrandmarkt, sondern vielmehr als ein wesentlicher Motor des wirt-
                                                                            Landesgesundheitskonferenz
schaftlichen Aufschwungs gesehen. Gerade erst hat die Landesgesund-
                                                                            setzt auf Gesundheitswirtschaft   20
heitskonferenz die Gesundheitswirtschaft als bedeutenden Standort-
faktor für das Land NRW in den Blickpunkt gerückt. Mit Recht,               Dialog
denn das Gesundheitswesen schafft die so dringend benötigten Ar-            AOK und Niedergelassene:
beitsplätze und ist eine „Jobmaschine“ ersten Ranges. Mehr als eine         Dialog ist das Ziel               21
Million Menschen arbeiten in der Gesundheitswirtschaft unseres
Bundeslandes. Hohe Versorgungsqualität und dynamische Wirtschafts-
kraft sind Pfunde, mit denen unser Gesundheitswesen wuchern kann.           Magazin
    Voraussetzung dafür ist die fachliche und persönliche Kompetenz         Informationen aktuell              4
unserer Ärztinnen und Ärzte, die täglich in Praxis und Krankenhaus          Leserbriefe                       21
unter Beweis gestellt wird. Unsere Leistungsfähigkeit und Einsatzbe-        Persönliches                      23
reitschaft sind „Ressourcen“, die immerzu angezapft, aber kaum be-          Ankündigungen der Akademie
wusst wahrgenommen werden. Kehren wir diese Kompetenzen offen-              für ärztliche Fortbildung der
siver heraus. Halten wir sie den Miesmachern entgegen. Unsere ärzt-         ÄKWL und KVWL                     25
liche Kompetenz ist ein Stück gemeinsamer Identität von Praxis und          Fortbildung in den
Krankenhaus. Wir besitzen hier einen Wert, der gar nicht hoch ge-           Verwaltungsbezirken               65
nug veranschlagt werden kann. Ohne diese Kompetenz finge der                Ankündigungen des Instituts
Wirtschaftsmotor Gesundheitswesen schnell zu stottern an.                   für ärztliches Management         54
    Wertschöpfung setzt aber Wertschätzung voraus. Wertschätzung            Bekanntmachungen der ÄKWL         55
bedeutet: Anerkennung unserer Kompetenz durch faire und verlässli-          Bekanntmachungen der KVWL         61
che wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen für die Leis-
tungsträger im Gesundheitswesen. Dann klappt es auch mit dem                Impressum                         64
Aufschwung.
Westfälisches Ärzteblatt 1/2005
WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
INFORMATIONEN AKTUELL

                                                                      FORTBILDUNG ARZTFACHHELFERIN

  Wir sind die Selbstverwaltungskörperschaft für ca. 12.000 Ver-
  tragsärzte und psychologische Psychotherapeuten in Westfalen-
  Lippe. Unsere Aufgaben bestehen im Wesentlichen in der
  Interessenvertretung, der Abrechnung der Vertragsleistungen
  mit den Krankenkassen und der Honorierung unserer Mitglie-
  der.
  Wir suchen für unsere Hauptabteilung „Verordnungsmanage-
  ment“ zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/n

  Mediziner/-in
  Folgende Aufgaben sind zu erfüllen:

  • Sie arbeiten in einem Team von Ärzten und Pharmazeuten,
    dessen Aufgabe die Organisation und Steuerung des gesam-
    ten Verordnungsbereiches ist, dazu gehören: Arzneimittelbe-       Gruppenbild zum Start: 32 Frauen begannen jetzt in Soest mit der Fortbildung
    reich, Heil- und Hilfsmittel, Sprechstundenbedarf, Häusliche
    Krankenpflege usw.,                                               zur Arztfachhelferin.                                             Foto: privat
  • Sie sind eingebunden in die Pharmakotherapieberatung
    niedergelassener Ärzte, einschließlich der Telefonbereitschaft
    für medizinische und pharmazeutische Fragen,
  • Sie beraten in Zusammenarbeit mit den Kollegen des medizi-
    nisch-pharmazeutischen Beratungsteams die anderen Berei-         Arztfachhelferinnen-Kurs in               mögen mit. Der Inhalt der Fortbil-
    che der KVWL. Dabei ist jedem Mitarbeiter ein Schwerpunkt        Soest hat begonnen                        dung ist so ausgerichtet, dass dem
    zugeordnet,
  • Sie sind Ansprechpartner für die Beratung im Bereich des                                                   Arzt eine Führungskraft mit Kompe-
    Zulassungswesens/Abrechnung.
                                                                       32 Arzthelferinnen, die die Voraus-     tenzen für alle administrativen, perso-
  Hierzu benötigen wir eine/n Mitarbeiter/in, die/der                setzung einer mindestens einjährigen      nal- und ausbildungsbezogenen Auf-
                                                                     beruflichen Tätigkeit als Arzthelferin    gaben einer Arztpraxis einschließlich
  • das Studium der Medizin absolviert hat, evtl. mit Facharzt-
    ausbildung im internistischen, hausärztlichen Bereich und        nach bestandener Prüfung erfüllt hat-     Qualitätssicherung, Gesundheitsbera-
    möglichst mit Promotion.
                                                                     ten, haben im November am Huber-          tung, Hygiene und Arbeitsschutz so-
  Wir wünschen uns eine/-n Mitarbeiter/-in, die/der ein hohes        tus-Schwartz-Berufskolleg in Soest        wie Notfallmanagement erwächst.
  Maß an Einsatzbereitschaft zeigt, äußerst flexibel ist und die
  Fähigkeit zu verantwortlichem, selbständigem Handeln im            die Fortbildung zur Arztfachhelferin      Das Fortbildungskonzept greift die
  Team besitzt. Wir bieten Ihnen einen abwechslungsreichen Ar-
  beitsplatz, eine leistungsgerechte Vergütung nach dem Bundes-      begonnen.                                 für die Praxis relevanten Neuerungen
  Angestelltentarifvertrag sowie die Sozialleistungen des öffent-
  lichen Dienstes.                                                     Wer sich für diese Fortbildungs-        im Gesundheitswesen auf. Die Fort-
                                                                     maßnahme entscheidet, ist an einem        bildung zur Arztfachhelferin gibt es
  Wenn Sie sich angesprochen fühlen, freuen wir uns darauf, Sie
  kennen zu lernen. Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen       beruflichen Aufstieg interessiert und     in Westfalen-Lippe seit 1992. Seither
  richten Sie bitte bis zum 31.01.2005 schriftlich unter Angabe
  des frühesten Einstellungstermins und Ihrer Gehaltsvorstellung     bringt mit Sicherheit Einsatzbereit-      hat die Ärztekammer 342 Arztfach-
  an die                                                             schaft, Interesse und Durchhaltever-      helferinnen-Urkunden ausgestellt.

  KVWL-Landesstelle
  Personalentwicklung
  Robert-Schimrigk-Str. 4– 6
  44141 Dortmund

  Mehr Informationen über uns finden Sie im Internet unter
  www.kvwl.de

                                                                      Häusliche Gewalt war das Thema einer Veranstaltung mit dem Verein Frauen
                                                                      helfen Frauen im Haus der KVWL in Dortmund am 25. November 2004. Ziel
                                                                      war es, Ärzte für die Anzeichen von körperlicher und physischer Gewalt an
                                                                      Frauen zu sensibilisieren und Hilfsangebote transparent zu machen. Dazu
                                                                      standen als Ansprechpartner bereit: Angelika Barlog (Opferschutzbeauftragte
                                                                      der Polizei Dortmund), Dr. Iris Veit (niedergelassene Ärztin), Dipl.-Psych.
                                                                      Susanne Behling (Verein Frauen helfen Frauen), Dr. Andreas Geissler (Bezirks-
                                                                      stellenleiter), Petra Bühler und Norbert von Dülmen (Versorgungsamt Dort-
                                                                      mund) und Dr. Monika Wiegand-Träbing (Ärztin).               Foto: Hambrock

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INFORMATIONEN AKTUELL

 ADVENTS-DÄMMERSCHOPPEN DER ÄRZTEKAMMER
Ausnahmsweise Lob für die
Gesundheitspolitik

   „Ich will die Politik heute nicht
schelten, ich will sie lieber loben“:
Den Vertretern der Politik, allen voran
Landesgesundheitsministerin Birgit
Fischer, mochten die Worte von Ärz-
tekammer-Präsident Prof. Ingo Flen-
ker beim traditionellen Dämmer-
schoppen der Kammer süß wie
Weihnachtsglocken klingen. Ansätze
für Kritik, gab Flenker zu, hätten sich
angesichts des abgelaufenen Jahres in
der Gesundheitspolitik sicherlich zu
Genüge finden lassen. Prof. Flenker
richtete aber lieber den Blick nach
vorn: „Das Gesundheitswesen wird in
der Politik endlich nicht mehr nur als     Zu den Gästen beim Advents-Dämmerschoppen der Ärztekammer zählte auch Landesgesund-
Kostenfaktor gesehen, sondern als ein      heitsministerin Birgit Fischer, hier im Gespräch mit den Kammerpräsidenten Prof. Dr. Ingo Flen-
wesentlicher Motor des wirtschaft-         ker und Dr. Hans-Jürgen Thomas (l.) und ÄKWL-Hauptgeschäftsführer Jörg-Erich Speth (r.).
lichen Aufschwungs.“                                                                                                           Foto: Dercks
   So sehr diese überfällige Einsicht
vom Nutzen des Gesundheitswesens          schaftsfaktor sprechen“, forderte               Atmen zu lassen. „Marode Kranken-
als Jobmaschine – immerhin eine           Prof. Flenker, „dann muss der Kern-             häuser, Pleite gegangene Praxen, aus-
Million Menschen arbeiten allein in       bereich der Patientenversorgung frei            gebeutete und ausgebrannte Ärzte
NRW in diesem Bereich – den Kam-          von wirtschaftlichen Interessen blei-           und Pflegepersonal sind keine tragfä-
merpräsidenten auch freute: „Wenn         ben.“ Dazu gehöre, den Einrichtun-              higen Pfeiler eines zukunftsweisen-
wir vom Gesundheitswesen als Wirt-        gen des Gesundheitswesens Luft zum              den Gesundheitssystems.“

 AUSSTELLUNG IM ÄRZTEHAUS
                                                              Kooperative
Minimenschen im Kasten                                        Versorgungsformen
                                                              Chancen für die ärztliche
   „Kunst im Kasten“ zeigt derzeit Heinz-Günther              Berufsausübung
Dachrodt im Ärztehaus in Münster. Unter dem Titel
                                                              Mittwoch, 19.01.2005,
„frameworks“ präsentiert Dachrodt noch bis Ende Ja-           15.00 –19.00 Uhr                                 •   Kooperative Versorgungsformen aus Sicht
nuar Objekte. Die handwerkliche Grundlage für seine           Kassenärztliche Vereinigung                          der niedergelassenen Hausärzte
                                                                                                                   Dr. med. Norbert Hartmann, 2. Vorsitzen-
„frameworks“ ist jeweils ein Bildkasten, dessen Szene-        Westfalen-Lippe,                                     der des Hausärzteverbandes Westfalen-
rie Dachrodt mit Minimenschen bevölkert. Heinz-               Robert-Schimrigk-Straße 4 – 6                        Lippe
                                                                                                               •   Kooperative Versorgungsformen aus Sicht
                                                              44141 Dortmund
Günther Dachrodt will neben dem Spiel mit Formen,                                                                  der Krankenhausträger
                                                                                                                   Günter Nierhoff, Geschäftsführer der Ka-
Farben und Fi-                                                Die Versorgungslandschaft befindet sich der-         tholischen St.-Johannes-Gesellschaft Dort-
                                                              zeit in einem tief greifenden Umbruch. Die           mund
guren vor al-                                                 durch das GMG auf den Weg gebrachte An-          •   Kooperative Versorgungsformen aus Sicht
lem sein positi-                                              schubfinanzierung für die Integrierte Versor-        der Krankenkassen
                                                              gung soll zu einer besseren Verzahnung von           Dr. Matthias Geck, Geschäftsbereichsleiter
ves Lebensge-                                                 ambulantem und stationärem Sektor führen.            Vertragspartnerservice der AOK Westfa-
                                                              Zudem sind mit der Verabschiedung der neuen          len-Lippe
fühl    vermit-                                               Berufsordnung auf dem Deutschen Ärztetag         •   Rechtliche Grundlagen von kooperativen
teln.   Bereits                                               2004 neue, kooperative Formen der ärztlichen         Versorgungsformen
                                                              Berufsausübung möglich geworden.                     PD Dr. jur. Ute Walter, Rechtsanwältin
seit 20 Jahren
                                                              Auf der Grundlage dieser neuen gesetzlichen      Schriftliche Anmeldung an
schafft     der                                               Regelungen werden sich neue ärztliche Ver-       Institut für ärztliches Management der Ärzte-
                                                              sorgungsformen herausbilden und das tradier-     kammer Westfalen-Lippe
Künstler Aqua-                                                te Berufsbild des in Einzelpraxis tätigen Arz-   Postfach 40 67, 48022 Münster
relle und Kera-                                               tes zunehmend abgelöst. Die Veranstaltung        Fax: 02 51/929-22 49
                                                              will einen Überblick über den aktuellen Sach-    E-Mail: management@aekwl.de
miken. Mit sei-                                               stand zu den kooperativen Versorgungsformen
                                                              geben und die Erwartungen der verschiedenen      Auskunft
nen „frameworks“ hat Heinz-Günther Dachrodt jedoch            „Player“ im Gesundheitswesen an diesen Pro-      Susanne Jiresch, Tel.: 02 51/929-22 11
einen ganz persönlichen Stil gefunden.                        zess verdeutlichen.
                                                                                                               Teilnehmergebühr
   Die Ausstellung ist zu sehen von montags bis frei-         •   Kooperative Versorgungsformen aus Sicht      20,00 Euro
                                                                  der Krankenhausärzte
tags zwischen 8.00 und 17.00 Uhr im Ärztehaus, Gar-               Prof. Dr. med. Ingo Flenker, Präsident der
                                                                  Ärztekammer Westfalen-Lippe
tenstraße 210-214, 48147 Münster.

Westfälisches Ärzteblatt 1/2005                                                                                                                                5
WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
INFORMATIONEN AKTUELL

                  DIABETES 2005 ZWEITER FACHKONGRESS AM 11. UND 12. FEBRUAR IN MÜNSTER

                Kongress nimmt große                      dung für Ärzte, Apotheker, Diabetes-      widmen: Ärzte, Apotheker, Diabetes-
                Herausforderung an                        berater und -assistenten DDG, und         berater und -assistenten, Diätassisten-
                                                          Diätassistenten. Die Veranstaltung ist    ten, Podologen, Orthopädieschuhma-
                   Die erste Gesundheitsmesse rund        im Rahmen der „Zer-                                            cher und Pflege-
                um das Thema Diabetes in Münster          tifizierung der ärzt-                                          kräfte. Sie alle
                übertraf im Februar 2004 alle Erwar-      lichen Fortbildung“                                            gewinnen wäh-
                tungen der Veranstalter: Fast 7000        der      Ärztekammer                                           rend des zweitä-
                Fachleute, Betroffene und Interessier-    Westfalen-Lippe mit insgesamt 3           gigen Fachkongresses in Münster ge-
                te strömten in die Halle Münsterland.     Punkten (Kategorie B) für Freitag,        treu dem Kongress-Leitgedanken „In-
                Alleine 1134 Teilnehmer besuchten         11.02., und 6 Punkten (Kategorie B)       formieren, denken, handeln“ neueste
                den fachübergreifenden Kongress.          für Samstag, 12.02., anrechenbar.         Erkenntnisse über Aufklärung, Vor-
                Vom 11. bis 12. Februar 2005 findet          Im Jahre 2010 wird es Experten-        beugung, Fortschritte bei der inte-
                die zweite Auflage statt – dann jedoch    schätzungen zu Folge zehn Millionen       grierten Versorgung des Diabetes
                als reiner Fachkongress mit begleiten-    Diabetiker in Deutschland geben. Ei-      Mellitus.
                der Ausstellung ausschließlich für        ne alarmierende Prognose und gleich-         Nähere Informationen unter Tel.
                medizinisches Personal. Erneut erfül-     zeitig eine Herausforderung an alle       02 51/66 00-118 oder im Internet un-
                len die Angebote die Anforderungen        Berufsgruppen, die sich dem Thema         ter www.diabetes-messe.com.
                an eine zertifizierte Diabetesfortbil-    Diabetes mittelbar oder unmittelbar

  3. Kooperationstag „Sucht und Drogen“ NRW 2005
  Seit 2001 findet – initiiert durch das Lan-   Nach Eröffnung der Veranstaltung durch         Menschen in Münster“
  desprogramm gegen Sucht – alle zwei           die Staatssekretärin Cornelia Prüfer-        • Glückspielsucht
  Jahre der nordrhein-westfälische Koope-       Storcks wird Prof. Dr. Karl Mann, Inhaber    • Projekt „MUT“ – Mütter-Unterstützungs-
  rationstag „Sucht und Drogen“ statt. Ziel     des einzigen Lehrstuhls für Suchtfor-          Training
  dieser zentralen Veranstaltung ist es, Ex-    schung in Deutschland, ein Grundsatzre-      • Gesundheitsversorgung im Strafvollzug
  pertinnen und Experten verschiedener          ferat zu dem Thema „Alte Süchte, neue        • Hartz IV und die Folgen für die Sucht-
  Professionen und Institutionen zu-            Sichten – Sucht im Span-                                        hilfe – eine Einfüh-
  sammenzubringen. Davon soll ein Impuls        nungsfeld zwischen For-                                         rung
  ausgehen, das in Theorie und Praxis ver-      schung, Praxis und Indivi-                                      • Kinder aus suchtbe-
  sammelte Wissen miteinander zu vernet-        duum“ halten. Hier wird                                           lasteten Lebensge-
  zen. Diese Absicht spiegelt sich auch in      der Bogen vom aktuellen                                           meinschaften
  den Institutionen wieder, die den Koope-      Forschungsstand zum Nut-                                        • Drogen-Sucht &
  rationstag organisatorisch und inhaltlich     zen möglicher Kooperatio-                                         Rechtsmedizin
  vorbereiten und tragen: die Ärztekam-         nen für Betroffene gespannt.
  mern Nordrhein und Westfalen-Lippe, die                                                    Ein Markt der Möglichkeiten, auf dem
  Apothekerkammern Nordrhein und West-          Im Rahmen von zweistündigen Works-           viele Fachinstitutionen vertreten sein wer-
  falen-Lippe, die Freien Wohlfahrtsverbän-     hops und Seminaren werden im Anschluss       den, lädt ein zum persönlichen Meinungs-,
  de, die Landschaftsverbände Westfalen-        an den Hauptvortrag folgende Themen          Erfahrungs- und Informationsaustausch.
  Lippe und Rheinland, die Landeskoordi-        vorgestellt, bearbeitet und diskutiert:      Im wahrsten Sinne des Wortes ausklingen
  nierungsstelle Suchtvorbeugung NRW            • Raucherentwöhnung – Hilfe aus der          wird der Kooperationstag mit dem Orche-
  (GINKO), die Landesfachstelle Frauen &          Apotheke                                   ster „Die Lunas“ und Ferdinand Feilchen-
  Sucht (Bella Donna) sowie die Landesko-       • Implementierung von Qualitätsmanage-       grün, Frankfurt.
  ordination Integration NRW.                     ment in der Substitutionstherapie Opiat-
                                                  abhängiger – Projekt ASTO                  Weitere Informationen und das ausführli-
  3. Kooperationstag                            • Kurzintervention und motivierende Ge-      che Programm erhalten Sie unter:
  „Sucht und Drogen“,                             sprächsführung in der Arztpraxis           www.wissensuchtwege.de
                                                • Medikamentenabhängigkeit bei Frauen
  Mittwoch 13. April 2005,                      • Zweiradwerkstatt 180 – Ein Modellpro-      Fragen richten Sie bitte an:
  13.00 –19.00 Uhr,                               jekt zur Arbeitsintegration für Drogen-    Landschaftsverband Westfalen-Lippe
  Horion-Haus, Köln                               abhängige stellt sich vor                  Koordinationsstelle Sucht, Ruth Langer
  (Termin jetzt schon vormerken)                • Hilfen für suchtkranke Kinder und Ju-      (Koordination), Tel. 02 51/591-54 94
                                                  gendliche                                  Fax: 02 51/591-54 84,
                                                • Modellprojekt „SeM – Sekundäre Sucht-      E-Mail: ruth.langer@lwl.org
                                                  prävention für spätausgesiedelte junge     www.wissensuchtwege.de

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WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
INTERVIEW

„Wir werden den
Wettbewerb annehmen“
Mit dem ersten Januar hat für die ärztliche Selbstverwaltung eine neue Zeitrechnung begonnen: Erstmals steht ein hauptamt-
licher Vorstand an der Spitze der Kassenärztlichen Vereinigung. Dr. Ulrich Thamer (1. Vorsitzender), Dr. Wolfgang-Axel Dryden
(2. Vorsitzender) und Dr. Thomas Kriedel sprachen mit dem Westfälischen Ärzteblatt über den Wandel der KV zum Dienstleister,
über das Kreuz der Auftragsverwaltung, Supertanker und den Kontakt zur Basis.

  WÄB: Die KVWL ist im Wandel von        strategische Weichenstellung wird es       der KV hergestellt würde – wie das
der Behörde zum Dienstleister, vom       zudem sein, in Bereichen, in denen         einige Krankenkassen ja auch tun.
Kollektivvertragspartner zu einem        wir nicht mehr kraft Gesetzes zustän-         Dr. Dryden: Vor allem im Bereich der
von vielen Anbietern im Wettbewerb.      dig sind, als Partner aufzutreten. Das     Integrierten Versorgung müssen die
Welche Rolle wird die Kassenärztli-      heißt zum Beispiel: Wir dürfen zwar        Krankenkassen Kompetenzen erst
che Vereinigung in Zukunft spielen?      kein Vertragspartner im Rahmen des         noch erwerben, die wir ohne weiteres
  Dr. Thamer: Die Stärke der KV wird     § 140 SGB V sein.
weiterhin die kollektive Abdeckung       Aber wir dürfen
einer Grundversorgung sein, die auch     Dienstleistungen an-
die Hauptversorgung sein wird. Dazu      bieten, die sowohl
gibt es keine Alternative. Die KV        Krankenkassen       als
macht das bisher gut und verbessert      auch Ärzte brauchen
die Qualität der Versorgung ständig.     können.
Natürlich werden wir zulassen, eine         Dr. Dryden: Wir müs-
zusätzliche, integrierte Versorgung      sen die Kompetenzen,
aufzubauen, Sonderverträge dort ab-      die wir in der KV ha-
zuschließen, wo es sinnvoll ist. Wir     ben, für alle Kollegin-
werden allerdings Entwicklungen be-      nen und Kollegen
kämpfen, die nur zum Vorteil Einzel-     nutzbar machen und
ner sind, die Versorgung aber nicht      so auch einen Bin-
                                                                     Dr. Ulrich Thamer: „Wir müssen heraus aus der
verbessern. Wichtig ist, dass für die    dungseffekt erzielen.
                                                                     Misere, dass der Wert der ärztlichen Leistung immer
Grundversorgung immer genügend           Ich kann mir sehr gut
                                                                     mehr verkommt.“
Geld zur Verfügung bleibt.               vorstellen, die KV
  Dr. Kriedel: Ich sehe als Ziel, alle   dort als Berater auf-
niedergelassenen Ärzte und Psycho-       treten zu lassen, wo sie heute eher als    anbieten können. Ohnehin hat sich
therapeuten zu vertreten, damit wir      Kontrolleur tätig ist. So kann die KV      schon durch das GKV-Modernisie-
diese Verhandlungsmacht bündeln          von der Kontrollinstanz zu einer inte-     rungsgesetz das Verhältnis zu den
können. Andererseits müssen wir un-      grativen Struktur werden, die Ärzten       Krankenkassen verändert. Man denke
sere Aufgaben so wahrnehmen, dass        Sicherheit und Rückhalt gibt und           nur an das Prüfwesen, das früher eine
Mitglieder erkennen: Es macht Sinn,      gegenüber Dritten unterstützt.             gemeinsame Einrichtung mit den
bei der KV zu bleiben. Wir müssen           WÄB: Sehen Sie in diesem Zu-            Kassen war und heute eigenständig
dem Arzt den Service bieten, seine       sammenhang auch eine Änderung im           ist.
Arbeit, die immer bürokratischer und     Verhältnis zu den Krankenkassen?              Dr. Kriedel: Unser Ziel ist es, Kollek-
schwieriger wird, ein Stück weit ab-        Dr. Thamer: Im Bereich der Grund-       tivverträge zu erhalten. Wenn die Po-
zunehmen und zu vereinfachen. Eine       versorgung werden die Beziehungen          litik uns jetzt in Teilbereichen in Kon-
                                         ähnlich bleiben. Bislang haben wir in      kurrenz zu anderen stellt, dann wer-
                                         der Regel mit Krankenkassenverbän-         den wir diesen Wettbewerb auch an-
            Wir m    ssen                den verhandelt. In Zukunft werden
                                         wir aber auch schwerpunktmäßig mit
                                                                                    nehmen. Wir werden unser Wissen
                                                                                    verstärkt unseren Mitgliedern zur
      unsere Aufgaben so                 einzelnen Krankenkassen Bedingun-          Verfügung stellen, wenn sie gezwun-
       wahrnehmen, dass                  gen aushandeln, um auch von uns aus        gen sind, selbst zu verhandeln. Eine
      Mitglieder erkennen:               im eigenen Interesse einen Wettbe-         weitere Aufgabe ist die als externer
                                         werb anzustoßen. Im Bereich der In-        Dienstleister. Viele Krankenkassen
     Es macht Sinn, bei der              tegrierten Versorgung ist die KV au-       haben ja bereits erkannt, dass die
       KV zu bleiben                     ßen vor. Wir bedauern das sehr. Da         Kassenärztliche Vereinigung als Ord-
                                         wäre es gut, wenn ein Benehmen mit         nungsfaktor nicht ein Verhinderer ist,

Westfälisches Ärzteblatt 1/2005                                                                                                         7
WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
INTERVIEW

            sondern mit gestaltet. Insofern ist mir       keiten nimmt, was sehr weh tut. Zum
            vor einem Wettbewerb nicht Bange.
            Sorge habe ich nur, dass uns die Poli-
                                                          anderen aus dem Bundesgesundheits-
                                                          ministerium, das sehr viel aus den
                                                                                                                   D     a ist die KV
            tik wieder Knüppel zwischen die Bei-          Landes-KVen auf die Bundesebene                      wie ein Supertanker:
            ne wirft.                                                         heben will, erst                Er bewegt sich relativ
               WÄB:     Ist die                                               jetzt wieder zum
                                                                                                                 langsam, aber das
            KVWL schon gut                                                    Beispiel in Sachen
            gerüstet, die Kurve                                               Qualitätssicherung.             Ruder ist schon gelegt
            von der Behörde                                                   Diesem Trend müs-               und die Kurs nderung
            zum Dienstleister                                                 sen wir uns ver-
                                                                                                                    erkennbar.
            zu kriegen?                                                       weigern.
               Dr. Thamer: Wir                                                   WÄB: Ein Bei-
            haben rechtzeitig                                                 spiel für Entwick-        kungen dann komplett sichtbar
            mit den Vorberei-                                                 lungen der Bun-           sein.
            tungen angefangen                                                 desebene, die bis           WÄB: Die niedergelassenen Kolle-
            und uns den strate-                                               in die Regionen           ginnen und Kollegen ächzen unter ei-
            gischen Fragen ge-                                                durchschlagen, ist        nem Übermaß an Bürokratie, auch
            stellt. Mit unserem                                               der EBM 2000-             die KV steht dabei in der Kritik. Kann
            KVWL-Leitbild ha-                                                 plus...                   die KVWL auch hier steuernd eingrei-
            ben wir uns die                                                      Dr. Thamer: Der        fen?
            Identität als Dienst-      Dr. Thomas Kriedel: „Professio-
                                                                              mag   ja  im  Moment        Dr. Thamer: Nur ein Beispiel: Gerade
            leister selbst aufge-      nalisierung wird auch dadurch          zwar     lästig  sein.    heute  habe ich bei den Krankenkas-
            geben.                     erreicht, dass wir in Zukunft          Aber       strategisch    senverbänden    angemahnt, bei der Da-
               Dr. Kriedel: Da ist     schneller bei Entscheidungen           betrachtet ist eine       tenannahmestelle für die Disease-Ma-
            die KV wie ein             sind.“                                 betriebswirtschaft-       nagement-Programme auf eine Ver-
            Supertanker: Er be-                                               lich       kalkulierte    besserung der Qualität zu drängen.
            wegt sich relativ langsam, aber das           Gebührenordnung unbedingt notwen-             Nach einer so langen Vorlaufzeit
            Ruder ist gelegt und die Kursände-            dig. Wenn Preise für eine Leistung so         muss die Bearbeitung der Dokumen-
            rung schon erkennbar.                         kalkuliert      sind,                                             tationsbögen ein-
               WÄB: Ist eine KV auf Landesebene           kann man diese                                                    fach besser laufen.
            denn noch Gestalter oder nur noch             Preise auch for-                                                     WÄB: Drei statt
            Erfüllungsgehilfe für die Bundesebe-          dern. Und das wer-                                                bisher acht Vor-
            ne?                                           den wir als Ärzte                                                 standsmitglieder,
               Dr. Thamer: Die Gefahr ist sicher          tun, denn wir müs-                                                Hauptamt       statt
            groß. Wir sind als Landesteil-KV si-          sen herauskommen                                                  Ehrenamt: Welche
            cherlich eingeengt. Mit vielem, was           aus der Misere,                                                   Chancen sehen Sie
            die KBV in den letzten Monaten über           dass der Wert der                                                 in der neuen Struk-
            uns gebracht hat, bin ich auch nicht          ärztlichen Leistung                                               tur der KVWL?
            einverstanden. Und diese kritische            immer mehr ver-                                                      Dr. Thamer: Die
            Haltung werden wir uns bewahren.              kommt.                                                            neue Struktur stellt
               Dr. Dryden: Die KBV ist ja keine              Dr. Dryden: Was                                                eine Professionali-
            Einbahnstraße. Wir haben gerade aus           die     Kolleginnen                                               sierung dar. Wir
            der KVWL in den letzten Jahren vie-           und Kollegen am                                                   sind bislang Ärzte
            les auf Bundesebene angestoßen. An-           neuen EBM so ver-                                                 und keine Verwal-
            dererseits muss man sehen, dass bei-          unsichert, sind doch       Dr. Wolfgang Dryden: „Realpoli-
                                                                                                                            tungsleute – und
            spielsweise der auf Bundesebene im-           nicht die neuen,           tisch würde ich mir eine struk-        wir wollen es auch
            mer wieder thematisierte Hausarzt-            fünfstelligen Ge-          turierte Versorgung wünschen,          nicht ganz werden.
            Facharzt-Konflikt hier in Westfalen           bührennummern.             in der sich Haus- und Fachärzte        Wir werden uns in
            keine unlösbaren Probleme aufwirft.           Der      springende        gegenseitig akzeptieren.“              der     Verwaltung
            Das macht uns als KV Westfalen-Lip-           Punkt sind die Aus-                                               noch mehr Kom-
            pe stark.                                     wirkungen auf den                                                 petenz erwerben
               Dr. Kriedel: Wir sind in der KVWL          Einzelnen, und da sind die Regellei-          müssen. Aber natürlich steht jetzt
            zudem sehr gut in der Zusammenar-             stungsvolumina ganz entscheidend.             auch mehr Zeit für die KV-Arbeit zur
            beit zwischen ehren- und hauptamt-            Es wird unser Ziel sein, eine gleiten-        Verfügung.
            lichen Kräften. Dennoch bedrohen              de Übergangsphase einzurichten, da-             Dr. Kriedel: Die Professionalisierung
            zwei Trends unsere Eigenständigkeit:          mit der Arzt eine Chance hat, sich auf        wird auch dadurch erreicht, dass wir
            Zum einen aus der Politik, die uns per        die neuen Verhältnisse einzustellen.          in Zukunft schneller in den Entschei-
            Gesetz einen Teil unserer Zuständig-          Ende des Jahres sollten die Auswir-           dungen sind. Die Aufgabenteilung ist

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WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
INTERVIEW

dabei klar: Die Vertreterversammlung       Leistungen in Westfalen-Lippe immer        wünschen,
gibt die politische Ausrichtung und
Strategie vor, der Vorstand setzt sie
                                           wieder neu in der Öffentlichkeit dar-
                                           zustellen. Im Verordnungsmanage-
                                                                                      in der sich
                                                                                      Haus- und
                                                                                                            S     elbst wenn er
stringent und schnell um. Damit kön-       ment sehe ich die Aufgabe, kollegial       Fachärzte             wollte, k nnte der
nen wir den Wünschen unserer Mit-          zu beraten, bevor einzelne Ärzte in        gegensei-            Vorstand sich nicht
glieder besser entgegen kommen.            Schwierigkeiten geraten. Auch im           tig akzep-
                                                                                                            von der Basis ent-
   WÄB: Geht durch das Hauptamt            Abrechnungs- und Prüfwesen müssen          tieren.
nicht der notwendige Kontakt zur Ba-       wir Kollegen unterstützen. Es pas-         Aber ich                   fernen.
sis verloren, den das Ehrenamt ja bis-     siert, dass Kollegen in Problemsitua-      will gern
lang gesichert hat?                        tionen kommen, die sie in keinster         etwas idea-
   Dr. Kriedel: Verwaltungs- und Be-       Weise verschuldet haben.                   listischer sein: Dann wünsche ich mir,
zirksstellenleiter sind nach wie vor          Dr. Kriedel: Das Ressort 3, die zen-    dass Ärzte mehr Zeit für ihre Patien-
ehrenamtlich besetzt. Das ist ganz be-     tralen Dienste, wird die ganze KV auf      ten haben. Und dass sie aus dem Kon-
wusst in der Satzung vorgesehen.           Dienstleistung einstellen. Wir wollen      flikt herauskommen zwischen dem
Und die Vertreterversammlung, die          uns als Organisa-                                              SGB V, nach dem
die politische Ausrichtung der             tion schnell, flexi-                                           sie eine ausrei-
KVWL steuert, ist auch ein ehrenamt-       bel und kostengün-                                             chende, notwendi-
liches Gremium. Selbst wenn er woll-       stig aufstellen. Ganz                                          ge, zweckmäßige
te, könnte der Vorstand sich nicht von     wichtig ist mir, auf                                           und wirtschaftliche
der Basis entfernen.                       die Präferenzen der                                            Versorgung anbie-
   Dr. Dryden: Die Basis hat sogar an      „Kunden“ einzuge-                                              ten sollen und dem
Einfluss gewonnen, indem die bera-         hen: Entscheidend                                              Bürgerlichen Ge-
                                           ist, dass wir mit un-                                          setzbuch, nach dem
                                           serer Arbeit bei der                                           der Patient einen
                                           KV dem Arzt in sei-                                            Anspruch hat auf
                                           ner Praxis Komple-                                             optimale Versor-
                                           xität abnehmen und                                             gung.
                                           Bürokratie abbau-                                                 Dr. Kriedel: Ich
                                           en. Das ist leichter                                           habe zwei Wün-
                                           gesagt als getan, aber ich stelle mir      sche. Erstens wünsche ich mir eine
                                           vor, dass wir als eine Art Filter Infor-   Umkehr des derzeitigen Trends zur
                                           mationen für unsere Mitglieder so          Bürokratisierung. Und zweitens, dass
                                           aufbereiten, dass sie handhabbar           sich der Patient mit seinen Wünschen
                                           wird. Dann muss der Arzt eben nicht        stärker einbringen kann. Alle Welt re-
                                           mehr 100 Prozent Information auf-          det zwar davon, aber de facto kann
                                           nehmen, sondern nur die, die er wirk-      der einzelne wenig entscheiden,
                                           lich braucht. Will er mehr wissen,         selbst wenn er bereit wäre, sich ein
                                           unterstützen wir ihn natürlich.            Stück weit selbst zu versorgen. Da er-
tenden Fachausschüsse in ihrer Funk-          WÄB: Zum Schluss der Blick über         warte ich mir mehr Freiheit für den
tion deutlich aufgewertet worden           den westfälischen Tellerrand hinaus:       Patienten.
sind.                                      Was ist Ihr dringendster Wunsch für
   WÄB: Wie würden Sie in den einzel-      das deutsche Gesundheitswesen?
nen Ressorts die Schwerpunkte Ihrer           Dr. Thamer: Ich wünsche mir wieder
Arbeit in den kommenden sechs Jah-         mehr Beteiligung ärztlicher Kompe-
ren beschreiben?                           tenz. Die Politik sollte bei ihren Ent-
   Dr. Thamer: Ich will Öffentlichkeits-   scheidungen die Leistungserbringer
arbeit noch stärker betreiben als bis-     einbeziehen. Natürlich haben wir die
her und dabei herausstellen, dass die      Aufgabe, die Begrenztheit der finan-
KV keine sterbende Behörde ist, son-       ziellen Mittel zu sehen. Damit lässt
dern eine Zukunft hat. Im Vertragsbe-      sich die Versorgung nur aufrecht er-
reich kann ich nur immer wiederho-         halten, wenn wir eine geregelte Zu-
len, dass wir von kollektiven Verträ-      sammenarbeit zwischen Haus- und
gen mit unseren Ärzten leben. Daran        Fachärzten, zwischen Psychothera-
werden wir festhalten.                     peuten und Krankenhäusern bekom-
   Dr. Dryden: Qualitätssicherung heißt    men und auch heute noch hinderliche
für mich nicht nur die Entwicklung         Budgetbarrieren fallen.
ihrer Umsetzung, sondern auch, die            Dr. Dryden: Realpolitisch würde ich
nachweislich hohe Qualität ärztlicher      mir eine strukturierte Versorgung

Westfälisches Ärzteblatt 1/2005                                                                                                          9
WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
JUBILÄUM

Ein halbes Jahrhundert KVWL
Im besten Alter von 50 Jahren präsentierte sich die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe am 4. Dezember ihren Partnern
aus Politik und Gesundheitswesen. Mit einem Festakt im Harenberg-City-Center in Dortmund feierte die KV in großem Kreis
ein halbes Jahrhundert ärztlicher Selbstverwaltung. Das Jubiläum fiel zusammen mit einem Start in eine neue Zukunft: Am glei-
chen Tag trat zum letzten Mal die Vertreterversammlung alter Provenienz zusammen.

                 V
                            or 50 Jahren begann die Ge-
                            schichte der Kassenärzt-
                            lichen Vereinigung Westfa-
                 len-Lippe als Selbstverwaltungskör-
                 perschaft der niedergelassenen Ärz-
                 tinnen und Ärzte im Landesteil. Ärz-
                 te, die ihre Interessen in einer starken
                 Gemeinschaft vertreten und als Kas-
                 senärzte das Fundament eines moder-
                 nen, sozialen Gesundheitswesen bil-
                 den: Das war die Idee, die vor fünf
                 Jahrzehnten die ersten 46 Abgeordne-
                 ten der westfälisch-lippischen Ärzte-
                 schaft bei ihrer Gründungsversamm-
                 lung bewegte.

                 Start mit 6169 Ärzten
                                                               Die KVWL-Vorsitzenden Dr. Ulrich Thamer (2. v. r.) und Dr. Wolfgang Aubke (l.)
                                                               freuten sich über den Besuch von Landesgesundheitsministerin Birgit Fischer,
                    1954 vereinte die KVWL noch
                                                               KBV-Vorsitzendem Dr. Manfred Richter-Reichhelm (r.) und Dr. Leonhard Hansen,
                 6.169 Ärztinnen und Ärzte aller Fach-
                                                               1. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein.
                 gebiete zwischen Bochum und Biele-
                 feld, Siegen und Ibbenbüren. Heute
                 ist die KV Westfalen-Lippe mit rund         Kassenärztlichen Vereinigungen.               che Versorgung an jedem Ort und zu
                 13.000 Mitgliedern – darunter seit             Vieles hat sich seit den Anfängen          jeder Zeit,
                 1999 auch die niedergelassenen              verändert, die grundlegenden Aufga-         • die Gewährleistung gegenüber den
                 psychologischen Psychotherapeuten           ben jedoch haben bis heute Bestand:           Krankenkassen, dass die Versorgung
                 – eine der größten der 17 deutschen         • die Sicherstellung der kassenärztli-        des gesetzlichen und vertraglichen

 1                                                                                  2

 Dr. Siegfried Treichel (l.) und KBV-Vorsitzender Dr. Manfred Richter-Reichhelm trugen sich ins Gästebuch ein (1). Kabarettist und Arzt Dr.
 Ludger Stratmann gratulierte als ehemaliges KVWL-Mitglied auf ganz spezielle Weise (2).

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JUBILÄUM

                                                                                     2

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                                  6                                                  4

                                      Impressionen vom Festakt
                                      zum 50. Geburtstag der KVWL:
                                      Gastgeber KV-Vorsitzender Dr. Ulrich
                                      Thamer (2), Landesgesundheitsminis-
                                      terin Birgit Fischer (3), Vertreterver-
                                      sammlungs-Vorsitzender Dr. Bernhard
                                      Schiepe, KVWL-Justiziar Dr. Gernot
                                      Steinhilper und Eike Hovermann MdB
                                      in der Diskussion mit Wolfgang van
                                      den Bergh (6, v. l. n. r.), ein aufmerk-
                                      sames Auditorium (1, 4) und erste
                                      Leser der Broschüre zum KVWL-
                                      Jubiläum (5).
                                  5

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ABSCHIED AUS DER VV

                 Erfordernissen entspricht,              den Standorten Dortmund und Müns-          stand und einer Vertreterversamm-
               • die Vertretung der Rechte der Ärzte     ter.                                       lung mit Aufsichtsratcharakter. „Es
                 und Psychotherapeuten gegenüber            50 Jahre lang hat die KVWL im           liegt an uns allen“, betonte der 1. Vor-
                 den Krankenkassen,                      Interesse ihrer Mitglieder gearbeitet      sitzende, Dr. Ulrich Thamer, „Mit-
               • die Verteilung der von den Kranken-     und dabei ihre Aufgabe gut gelöst.         gliedern, ehrenamtlichen Vertretern
                 kassen gezahlten Honorare an die        Das will und wird sie auch in Zukunft      dieser Mitglieder in der Vertreterver-
                 Mitglieder.                             tun. Allerdings nicht mehr in der bis-     sammlung und hauptamtlichem Vor-
                  Diese Arbeit erledigen rund 730        herigen Struktur, sondern mit einem        stand, dass auch die nächsten 50 Jah-
               Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an       kompetenten hauptamtlichen Vor-            re KV ein Erfolg werden.“

Abschied aus der VV
Ende der Legislatur, Ende der Arbeit für die Vertreterversammlung (VV): Für einige langjährige Delegierte der
Vertreterversammlung war die zurückliegende Amtsperiode auch die letzte im Parlament der westfälischen Vertragsärzte und
-psychotherapeuten. Was bleibt von teilweise jahrzehntelanger Arbeit in den ärztlichen Gremien hängen? Das Westfälische Ärz-
teblatt fragte nach.

               Dr. Friedhelm Heinrich:                   zierungsrahmen jedesmal eingehalten         sieht Heinrich auch als vordringlich-
               „Nicht alles gefallen lassen“             wurde.                                      stes Ziel für die Mitglieder der neuen
                                                            Positiv bewertet Heinrich die Kom-       VV. „Die Kollegen sollen sich nicht
                  Dr. med. Friedhelm Heinrich, Au-       promisse, die er als Sprecher der           alles gefallen lassen; weder innerärzt-
               genarzt aus Gütersloh, wurde erst-        Fachärzte zwischen Haus- und Fach-          lich, noch vom Gesetzgeber. Sie sol-
               mals 1992 in die Vertreterversamm-        ärzten ausgehandelt hat. Die Ge-            len versuchen, auch mal ‚Nein!' zu sa-
               lung der KVWL gewählt. Zwölf Jah-         schlossenheit aller Ärzte                            gen“, bilanziert Dr. Heinrich
               ren gehörte er dem Bauausschuss an        sei durch die Gesetzgebung                           seine Zeit in der VV, die er
               und war in den letzten acht Jahren        oft verhindert worden, ge-                           nicht missen möchte. Er rät
               dessen Vorsitzender. Darüber hinaus       rade weil die Ärzteschaft in                         jedem Kollegen, sich poli-
               war Dr. Heinrich seit sieben Jahren       Haus- und Fachärzte ge-                              tisch zu engagieren. „Das er-
               im Zulassungsausschuss und stellver-      trennt worden sei. Dennoch                           weitert nicht nur den Hori-
               tretendes Mitglied im Disziplinaraus-     könne man in Westfalen-                              zont und schult die Kompro-
               schuss. Friedhelm Heinrich war fe-        Lippe stolz darauf sein,                             missfähigkeit, sondern man
               derführend bei der Finanzierung der       sich immer wieder angenä-                            erhält auch fortwährend
                                                                                          Dr. Friedhelm
               Neubauten in Münster und Dortmund         hert zu haben. Die inner-                            wichtige Informationen rund
                                                                                          Heinrich
               und ist sehr zufrieden, dass der Finan-   ärztliche Geschlossenheit                            um das Gesundheitswesen.“

               Dr. Frank-Eugen Skrotzki:                Funktionären auf Augenhöhe reden            Dr. Wolfgang Bangen:
               „Vom Saulus zum Paulus“                  konnte“, lobt Skrotzki auch die Ge-         „Zufrieden nach Hause“
                                                        schäftsführung und ärztliche Spitze
                  Seit acht Jahren hat Frank-Eugen      der KVWL. Gerade im Konflikt zwi-              28 Jahre lang war Dr. Wolfgang
               Skrotzki aktiv in der VV gearbeitet.     schen Haus- und Fachärzten konnten          Bangen, Allgemeinarzt aus Münster,
               Der Augenarzt aus Dülmen                           immer wieder Kompromisse          für die ärztliche Selbstverwaltung tä-
               war im HVM-Ausschuss                               geschlossen werden. Er ist        tig. Bangen war
               und ist weiterhin im Be-                           froh, dass er viele Dinge         20 Jahre lang
               schwerdeausschuss der KV                           mitgestalten konnte und for-      Mitglied im Fi-
               tätig. Skrotzki hatte eigent-                      dert vor allem auch die Kri-      nanzausschuss
               lich das Vertrauen in die KV                       tiker der KV auf, den Kon-        und hatte 16 Jah-
               verloren, bevor er sich auf-                       takt zur Selbstverwaltung         re dessen Vorsitz
               stellen ließ: „Aber ich habe                       mehr denn je zu suchen, sie       inne.     Darüber
               mich vom Saulus zum Pau-                           nicht nur zu unterstützen,        hinaus war er
               lus gewandelt“, bilanziert er  Dr. Frank-Eu-       sondern sie auch zu fordern.      acht Jahre stell-      Dr. Wolfgang
               seine Zeit in der VV. Be-      gen Skrotzki        Die KV solle als Partnerin        vertretender Lei-      Bangen
               sonders durch einen neuen                          verstanden werden: „Die           ter der Verwal-
               Führungsstil fanden auch die kleine-     KV ist eine hervorragende Notwen-           tungsstelle Münster.
               ren Gruppen innerhalb der VV Gehör:      digkeit, um die man kämpfen sollte!“,          Herausragend in dieser Zeit war für
               „Positiv war, dass man immer mit den     rät Frank-Eugen Skrotzki.                   Wolfgang Bangen als Vorsitzender

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ABSCHIED AUS DER VV

des Finanzausschusses vor allem der        Dr. Manfred Schultz:                     sen, aber es seien immer wieder
Neubau des Ärztehauses an der Gar-         „Genau auf die                           Kompromisse gefunden worden.
tenstraße. Alle Abteilungen wurden         Finger sehen“                            „Das“, so Schultz, „habe ich in den
unter einem Dach zusammengeführt,                                                   vielen Jahren der VV-Arbeit gelernt:
die Arbeitsplatzsituation der Ange-           Der als praktischer Arzt in Hamm      Man muss eigene Positionen aufge-
stellten erheblich verbessert. Gleiches    tätige Dr. med. Manfred Schultz ge-      ben, um dann wieder eigene durchzu-
galt für den Neubau des IT-Gebäudes        hörte bereits seit 1986 der                         setzen.“ Besonders für die
in Dortmund. Positiv hat Bangen die        Vertreterversammlung der                            Ausschussarbeit sei es un-
Verhandlungen mit den Krankenkas-          KVWL an. Er war 16 Jahre                            gemein wichtig, Kompro-
sen in Erinnerung. In Westfalen sei        im Disziplinarausschuss tä-                         misse zu finden. Schultz be-
die Honorarverteilung immer fair ge-       tig und 14 Jahre lang Vorsit-                       mängelt allerdings, dass
wesen. Als negativ sieht er die Polari-    zender dieses Ausschusses.                          durch die neue Wahlord-
sierung in Haus- und Fachärzte.            Auch für den Satzungsaus-                           nung das regionale Verhält-
   „Ich gehe zufrieden nach Hause“,        schuss stellte Schultz sich                         nis nicht mehr ausgewogen
zieht Bangen Bilanz. Er habe aus Ide-      zwölf Jahre zur Verfügung                           sei. Für Städter sei es einfa-
alismus als junger Mensch begonnen,        und war stellvertretender        Dr. Manfred        cher, in die VV gewählt zu
berufspolitisch für die KVWL zu ar-        Vorsitzender. Als herausra-      Schultz            werden.
beiten und sei dankbar, dass er habe       gende Ereignisse dieser Zeit                           Er persönlich habe viel
mitgestalten können. Es sei zwar viel      sind Manfred Schultz vor allem die       gelernt in dieser Zeit und mehr er-
Arbeit und wenig Ehre gewesen, aber        verschiedenen Kostendämpfungsge-         reicht, als er zu Beginn gedacht habe.
wenn man als Arzt die Fähigkeit und        setze in Erinnerung. Der EBM 1996        Er rät den jetzt aktiven VV-Delegier-
Möglichkeit habe mitzuwirken, dann         und die daraus entstehende Budgetie-     ten, einen möglichst guten Einblick in
müsse man diese Chance nutzen.             rung war das größte Schreckgespenst      alles zu erhalten und diesen Einblick
Bangen ist überzeugt, dass die             für ihn.                                 auch einzufordern und mit einem Au-
KVWL auch in der neuen Konstella-             Positiv bewertet Schultz, dass sich   genzwinkern fügt Manfred Schultz
tion gut aufgestellt ist. „Wenn alles so   in der VV die Haus- und Fachärzte        noch hinzu: „Den Vorstandsmitglie-
bleiben soll, muss sich verdammt viel      immer wieder zusammengerauft ha-         dern muss man immer genau auf die
ändern!“                                   ben. Der Konflikt sei zwar da gewe-      Finger sehen.“

                                                                                                       Dr. Michael-Alexander
   Dr. Jürgen Niesen:             Wirtschaftlichkeitsprüfung        damals 2. Vorsitzender der         Reinke:
   „Nicht maulen,                 und der Berufungsinstan-          KVWL und Vorsitzender              „Einigkeit macht stark“
   handeln!“                      zen Sonographie und Ra-           der Vertreterversammlung
                                  diologie. Darüber hinaus          der KBV war, habe die                 Dr. Michael-Alexander Reinke,
      Seine Arbeit in der         war er u. a. zuständig für        KVWL großen Einfluss auf           Facharzt für Chirurgie aus Pletten-
   KVWL begann Dr. med.           die Bezirksstellen Münster        die Gestaltung der Politik         berg, war acht Jahre lang Mitglied der
   Jürgen Niesen, Allgemein-      und Detmold. Nach erneu-          für die Vertragsärzte ge-          Vertreterver-
   mediziner aus Ochtrup, be-     ter Wahl in den Vorstand          nommen . Die Arbeit in der         sammlung.       Er
   reits 1977 als ordentliches    der KVWL war Niesen               Verwaltung der KVWL ha-            war Vorsitzender
   Mitglied im Prü-                        außerdem Dele-           be reibungslos funktioniert        des Ausschusses
   fungsausschuss.                         gierter der Vertre-      – nicht zuletzt ein Verdienst      Prüfwesen,      im
   Von 1980 bis                            terversammlung           des viel zu früh verstorbe-        Beschwerdeaus-
   1984 war er Vor-                        der KBV. Jürgen          nen Hauptgeschäftsführers          schuss und im
   sitzender     der                       Niesen war bis           Dr. Rüdiger Balthasar.             Ausschuss      für
   RVO-II und stell-                       1996 im KVWL-               Jürgen Niesen ist zufrie-       Radiologie tätig.
   vertretendes Mit-                       Vorstand und bis         den mit dem, was in seiner         Außerdem war Dr. Michael-Ale-
   glied in der VV.                        2004 Mitglied der        Zeit als Vertreter geleistet       Reinke 1. Stell- xander Reinke
   1989 wurde Nie-                         VV.                      wurde. Nur der Streit zwi-         vertretender Vor-
                       Dr. Jürgen Niesen
   sen dann zum or-                           Rückblickend          schen Haus- und Facharzt           sitzender der VV.
   dentlichen Mitglied der        begann für Niesen die             auf KBV-Ebene ist ihm ein             Für Reinke war es in seiner VV-
   VV, war stellvertretendes      schönste Zeit seiner politi-      Dorn im Auge, die Einheit          Zeit frustrierend zu versuchen, das
   Mitglied in der Beschwer-      schen Arbeit, als Dr. Ulrich      unter den Ärzten ein wich-         Verhältnis zwischen Haus- und Fach-
   dekommission und für den       Oesingmann als erster All-        tiges Anliegen. Er appel-          ärzten zu entkrampfen. „Ich bin ein
   Notfalldienst tätig. 1988      gemeinarzt zum Vorsitzen-         liert an seine Kollegen, sich      Mann des Ausgleichs“, so Reinke.
   wurde er in den Vorstand       den der KBV gewählt wur-          politisch zu engagieren:           Nur wenn die Ärzteschaft zusammen-
   der KVWL gewählt. Er be-       de. Gemeinsam mit ihm             „Man darf nicht nur mau-           halte, könne viel erreicht werden.
   treute die Ressorts der        und Dr. Horst Kohne, der          len, man muss handeln!“            „Einigkeit gegenüber der Politik ist
                                                                                                       das, was die Ärzteschaft stark macht!“

Westfälisches Ärzteblatt 1/2005                                                                                                          13
KAMMERVERSAMMLUNG

Neue Gremien
der Ärzteversorgung gewählt
Prall gefüllt war die Tagesordnung der letzten Kammerversammlung des Jahres 2004 am 27. November. Die Delegierten
beschlossen eine neue Berufsordnung und eine geänderte Satzung für das Fortbildungszertifikat, der Haushalt für 2005 wurde
verabschiedet und die Satzung der Ärzteversorgung erneut gesetzlichen Vorgaben angepasst. Gewählt wurden zudem die künf-
tigen Mitglieder für die beiden Selbstverwaltungsgremien der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe, Verwaltungsausschuss und
Aufsichtsausschuss.

               I
                     n seinem Bericht zur Lage war      Behauptungen, Un-
                     Kammerpräsident Prof. Dr. Ingo     terstellungen, Verfäl-
                     Flenker noch einmal auf die Vor-   schungen und fal-
               würfe des mittlerweile zurückgetrete-    schen Zitaten gehal-
               nen Vorsitzenden des Verwaltungs-        ten zu haben, kurz
               ausschusses der Ärzteversorgung          „eine demagogische
               Westfalen-Lippe, Dr. Klaus-Peter         Rede“.      Öffentlich
               Schlingmann, eingegangen (siehe Be-      mochte Flenker auf
               richt über die Kammerversammlung         die Angriffe des ehe-
               vom 18. September im WÄB 11/             maligen       Verwal-
               2004). Der Präsident warf Schling-       tungsausschuss-Vor-
               mann vor, eine Rede voll unrichtiger     sitzenden nicht ein-
                                                        gehen, nicht zuletzt,
                                                        um Schaden für das
                  Neue Gremien                          Versorgungswerk
                  der Ärzteversorgung                   und eine mögliche          Auch Wahlen standen bei der letzten Sitzung der
                                                        Verunsicherung der         Kammerversammlung im Jahr 2004 auf der
                  Ab 1. April 2005 führen und           Mitglieder zu ver-         Tagesordnung.                         Foto: Dercks
                  kontrollieren sie die Ärztever-       hindern. Er betonte
                  sorgung Westfalen-Lippe:              jedoch, dass er die wirklichen Fakten     Staatshaftung für das Tätigwerden
                                                        und Hintergründe ausführlich in ei-       der Ethikkommission. Meine Damen
                  Verwaltungsausschuss                  nem Gespräch mit den Fraktionsvor-        und Herren, ich glaube, so macht man
                  Dr. Burkhardt Budde, Müns-            sitzenden aller Fraktionen der Kam-       Politik! Wer hier Gefahren an die
                  ter, Dr. Anne Bunte, Güters-          merversammlung dargelegt und seine        Wand malt und als einzige Lösung ei-
                  loh, Prof. Dr. Ingo Flenker,          Darlegungen auch durch Zitate aus         ne Teilselbstständigkeit des Versor-
                  Sprockhövel, Dr. Rudolf Kai-          Briefen und Protokollen untermauert       gungswerkes darstellt, der sagt
                  ser, Münster, Dr. Günter              habe.                                     schlicht und einfach die Unwahrheit.“
                  Kloos, Gelsenkirchen                     Vor der Kammerversammlung                 Turnusgemäß waren die Gremien
                                                        wollte der Präsident aber eines ganz      der Ärzteversorgung neu zu besetzen.
                  Aufsichtsausschuss                    klarstellen: Für das Vermögen der         Die Amtszeit beider Organe läuft im
                  Karl-Heinz Müller, Detmold,           Ärzteversorgung Westfalen-Lippe be-       kommenden März aus. Der zwölfköp-
                  Dr. Hans-Ulrich Schröder, Gü-         steht durch das mögliche zukünftige       fige Aufsichtsausschuss war bereits
                  tersloh, Dr. Peter Czeschinski,       Tätigwerden      der   Gemeinsamen        im September gewählt worden. Die
                  Telgte, Peter Bussmann, Arns-         Ethikkommission mit der Universität       fünf ärztlichen Mitglieder des Ver-
                  berg, Dr. Arnold Greitemeier,         Münster im Sinne des § 42 des Arz-        waltungsausschusses konnten seiner-
                  Gelsenkirchen, Dr. Claudia            neimittelgesetzes und einer damit         zeit nicht mehr gewählt werden, da
                  Kramer, Bielefeld, Dr. Klaus          verbundenen Haftung keine Gefahr.         die Fraktionen Gemeinschaft nieder-
                  Reinhardt, Bielefeld, Dr. Hel-        „Der Kammervorstand wird eine Ver-        gelassener Ärzte (GNÄ) und Initiati-
                  mut Stodollick, Dortmund,             einbarung mit der Landesregierung         ve unabhängiger Fachärzte (IUF) die
                  Dr. Paul Weyand, Bochum,              treffen, die nicht nur das Vermögen       Kammerversammlung aus Protest
                  Dr. Frank-Eugen Skrotzki,             des Versorgungswerkes, sondern auch       verlassen und beschlussunfähig ge-
                  Dülmen, Dr. Ingeborg Wolf,            das Vermögen der Kammer schützt“,         macht hatten. Diese Wahl wurde nun
                  Münster, Dr. Beate Nölle,             erläuterte Prof. Flenker. „Das Land       nachgeholt. Gewählt wurden Prof. Dr.
                  Dortmund                              NRW übernimmt – und zwar als er-          Ingo Flenker, Dr. Günter Kloos, Dr.
                                                        stes Land in dieser Republik – eine       Rudolf Kaiser, Dr. Burkhard Budde

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KAMMERVERSAMMLUNG

und Dr. Anne Bunte. Dr. Martin Bo-
lay und Detelf Merchel hatten eben-
                                            Ärzteversorgung: Sterbegeld bleibt unangetastet
falls kandidiert, konnten sich aber
nicht durchsetzen. Ihre Vorsitzenden        In Reaktion auf das Alterseinkünftegesetz mussten Satzungsbestimmun-
werden die beiden Gremien nach ih-          gen der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe angepasst werden, um den
rem Amtsantritt im April nächsten           Mitgliedern weiterhin möglichst alle Vorteile der berufsständischen Al-
Jahres bestimmen.                           tersversorgung zur Verfügung stellen zu können (wir berichteten in Heft
                                            11/2004, Seite 6f.). Zwei Dinge waren bei der Kammerversammlung am
Berufsordnung geändert                      18. September 2004 noch nicht durch das Bundesfinanzministerium ge-
                                            klärt gewesen: Die steuerliche Behandlung einer Kapitalabfindung im
   Über eine Novellierung der Berufs-       Falle der Wiederheirat einer Witwe oder eines Witwers sowie das Ster-
ordnung und eine damit verbundene           begeld.
beabsichtigte Weiterentwicklung der
Kooperationen und der Strukturen der        Dazu gibt es jetzt eine klare Aussage des Bundesfinanzministeriums: In
ärztlichen Berufsausübung hatte die         beiden Fällen kann die alte Satzungsregelung der Ärzteversorgung bei-
Kammerversammlung im Jahr 2004              behalten werden. Sowohl am Sterbegeld als an der Kaptialabfindung für
schon einmal diskutiert: Das Thema          Witwen ändert sich nichts. Entsprechende vorsorgliche Beschlüsse der
stand im März auf der Tagesordnung          Kammerversammlung vom 18. September konnten nun wieder entfallen.
– und zwar in Vorbereitung des 107.
Deutschen Ärztetages. Schon damals
hatten die Delegierten den Planungen
des Berufsordnungsausschusses der          praxis findet nicht mehr statt (§§ 17,   Signal an den Gesetzgeber, hier ent-
Bundesärztekammer unter dem Vor-           18).                                     sprechend zu handeln und seine Ge-
sitz von Prof. Ingo Flenker zuge-        • Die bisherige Regelung, nur einer        setze anzupassen. Zum Teil wird auf
stimmt. Auch der Deutsche Ärztetag         einzigen Berufsausübungsgemein-          Anregung der Ärztekammer schon
hatte die vorgeschlagene Weiterent-        schaft anzugehören, wird aufgege-        gehandelt: Mit der Formulierung in
wicklung des Berufsrechts mit großer       ben (§ 18).                              § 18 Absatz 2 („Ärzte dürfen ihren
Mehrheit angenommen.                     • Die Möglichkeit, überörtliche Be-        Beruf einzeln oder gemeinsam in al-
   Nahezu einstimmig – bei nur einer       rufsausübungsgemeinschaften auch         len für den Arztberuf zulässigen Ge-
Gegenstimme – verabschiedete das           bei patientenbezogener Tätigkeit zu      sellschaftsformen ausüben...“) ist der
Westfälische Ärzteparlament nun die        bilden, wird geschaffen (§ 18).          Weg für eine Ärzte-GmbH eröffnet.
modifizierte Berufsordnung. „Alle        • Es können Kooperationen auch be-         „In diesem Punkt“, erläuterte Kam-
Kolleginnen und Kollegen, insbeson-        schränkt auf einzelne Leistungen         merpräsident Prof. Flenker den Dele-
dere aber die niedergelassenen Ärzte,      gebildet werden (§ 18).                  gierten, „ist in NRW – wie auch in ei-
sollen in die Lage versetzt werden,      • Die Möglichkeit, fachgebietsfremde       nigen anderen Bundesländern – zu-
auch zukünftig in ihrer Berufsaus-         Ärztinnen und Ärzte anzustellen,         sätzlich eine Änderung des Heilbe-
übung flexibel und konkurrenzfähig         wird geschaffen (§ 19).                  rufsgesetzes notwendig. Ich persön-
zu bleiben“, erläuterte Kammerpräsi-     • Ebenso wird die Erweiterung der          lich habe mit dafür gesorgt, dass die-
dent Flenker den Sinn der Änderun-         Zusammenarbeit mit Leistungser-          ser Punkt in der zur Zeit im Landtag
gen.                                       bringern der medizinischen Fachbe-       beratenen       Heilberufsgesetznovelle
   Durch die Beseitigung bislang be-       rufe in allen Kooperationsformen         bereits aufgegriffen worden ist und
stehender Hindernisse hilft die neue       ermöglicht (§ 23b).                      entsprechend geregelt werden wird.“
Berufsordnung, die Strukturen ambu-      • Die Möglichkeit, Ärztegesellschaf-
lanter ärztlicher Berufsausübung           ten als juristische Personen des Pri-    Neues Statut für die
weiterzuentwickeln und die Koopera-        vatrechts zu gründen, wird geschaf-      Gutachterkommission
tion untereinander, aber auch mit an-      fen (§ 23a).
deren Gesundheitsberufen zu stärken.     Die Berufsordnung bedarf nun noch            Die Kammerversammlung be-
Dies alles vor dem Hintergrund der       der Zustimmung durch das Lan-              schloss noch zwei weitere grundle-
Neuerungen, die das Anfang 2004 in       desgesundheitsministerium. Hiermit         gende Rechtsordnungen: Das „Statut
Kraft getretene GKV-Modernisie-          ist voraussichtlich im Frühjahr 2005       der Gutachterkommission für ärztli-
rungsgesetz mit sich gebracht hatte.     zu rechnen.                                che Haftpflichtfragen“ wurde in eini-
Neu ist:                                    Vertragsärztinnen und -ärzte wer-       gen Details gegenüber der alten Fas-
• Die strikte Bindung an einen Praxis-   den nicht alle neuen Regelungen so-        sung von 1977 geändert und eine Sat-
  sitz wird aufgegeben; Tätigkeiten an   fort für sich umsetzen können: Sie         zung für das Fortbildungszertifikat
  bis zu zwei weiteren Orten sind zu-    unterliegen zusätzlichen Regelungen        eingeführt (vgl. den folgenden Arti-
  lässig (§§ 17, 18).                    des Sozialgesetzbuches V und der Zu-       kel). Statut und Satzung sind in den
• Eine Unterscheidung zwischen aus-      lassungsverordnung. Die neue Be-           amtlichen Bekanntmachungen in die-
  gelagerter Praxisstätte und Zweig-     rufsordnung ist aber ein deutliches        sem Heft ab S. 56 veröffentlicht.

Westfälisches Ärzteblatt 1/2005                                                                                                15
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