135 50 JAHRE Kantonsspital in liestal

 
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135 50 JAHRE Kantonsspital in liestal
135 • 50 JAHRE
Kantonsspital in Liestal

Grusswort von Peter Zwick, Regierungspräsident    5

Vorwort von Heinz Schneider, CEO                  7

Gespräche mit Mitarbeiter/innen                   8

Kurze Chronik von Dominique Spirgi               19

Gespräche mit Mitarbeiter/innen                  25

Bildessay                                        32

Gespräche mit Mitarbeiter/innen                  50

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135 50 JAHRE Kantonsspital in liestal
135 50 JAHRE Kantonsspital in liestal
Grusswort
                    Grusswort                                                       5

Eine Erfolgsgeschichte
Diese Entwicklung ist sagenhaft: Vor 135 Jahren war das heutige Kantonsspital Liestal
das erste Spital im Kanton. 1877 nahm das damalige Kantonale Krankenhaus
(auch «Martin Birmann-Spital» genannt) seinen Betrieb auf. Das Krankenhaus war
auf 75 PatientInnen konzipiert, was sich schon bald als zu wenig erwies, wurden
doch fast doppelt so viele Personen darin untergebracht. Heute stehen rund 400 Betten
bereit und 1700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten mit ganz unterschiedlichen
Aufgaben und verschiedenen Arbeitspensen jeden Tag rund um die Uhr einen
tollen Einsatz zugunsten der Patientinnen und Patienten. Heute werden über 15 000
Menschen jährlich stationär behandelt. Seit dem 1. Januar 2012 ist das Kantonsspital
Liestal nun Teil der selbständigen Organisation Kantonsspital Baselland. Damit
wurde ein wichtiger Schritt in die Zukunft unternommen. Auf diesem nicht immer ein-
fachen Weg in die Zukunft wünsche ich dem Standort Liestal des Kantonsspitals
Baselland alles Gute und gratuliere ganz herzlich zum runden Geburtstag.

Peter Zwick, Regierungspräsident,
Vorsteher Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion Basel-Landschaft
135 50 JAHRE Kantonsspital in liestal
135 50 JAHRE Kantonsspital in liestal
Vorwort
                                         Vorwort                                                       7

Liebe Leserinnen, liebe Leser
135 Jahre Kantonsspital Liestal, 50 Jahre am jetzigen Standort, sich täglich gemeinsam für die
Gesundheit einzusetzen und damit einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft und zur Prosperität
unserer Bevölkerung geleistet zu haben, darf sich sehen lassen. Dieses Buch ermöglicht dem Leser/
der Leserin eine geschichtliche Betrachtung zur Gesundheitsentwicklung des Kantons Basel-Landschaft
aus der Optik des Kantonsspitals Liestal. Persönliche Eindrücke über das Erlebte ergänzen historische
Informationen und ergeben so ein gelebtes Ganzes.
Ein Spital betreiben heisst, sich ständig in einem Veränderungsprozess zu befinden. Es hat keinen Anfang
und kein Ende. Die Bedürfnisse von heute sind nicht mehr die Bedürfnisse von morgen. Die Entwicklung
in der Diagnostik, den Therapien und in der Pflege nimmt der Forschung entsprechend stetig zu. Was auf
der einen Seite für Patienten gut ist und ein hohes Alter ermöglichen kann, verlangt auf der anderen
Seite von allen Mitarbeitern im Gesundheitswesen, sich diesem Wandel zu stellen. Die Anspruchshaltung
unserer Gesellschaft geht zusammen mit der Medizinischen Entwicklung und mit den wachsenden
Kosten im Gesundheitswesen einher. Was dem Wandel getrotzt hat, ist die Art und Weise, wie sich Kranke,
Ärzte und Pflegende erfolgreich begegnen. Mit einem freundschaftlichen und partnerschaftlichen
Verhältnis entsteht zwischen Patient und Behandlungsteam Nähe und Wärme. Man ist verblüfft, welche
Emotionalität die Beziehung so kennzeichnen kann. Diese Sympathie, die zwischen Patienten, Ärzten
und Pflegediensten gewachsen ist, drückt sich immer wieder in den Rückmeldungen der Patienten aus.
So war es früher, so ist es heute noch.
 «Nur in der Bewegung, so schmerzlich sie sei, ist Leben», sagte einmal Jakob Burckhart. So kann sich
auch das Kantonsspital Liestal der Entwicklung im Gesundheitswesen nicht entziehen. Im Verbund
der Baselbieter Kantonsspitäler werden weiterhin grosse Anstrengungen notwendig sein. Die Erfolgs-
geschichte Kantonsspital Liestal kann so auch im Kantonsspital Baselland fortgeschrieben werden. Denn,
moderne Spitalführung geht heute einher mit der unverändert gültigen Mission von der sympathischen
Sorge um unsere Patientinnen und Patienten.

Heinz Schneider, CEO
135 50 JAHRE Kantonsspital in liestal
6   135 • 50 JAHRE Kantonsspital in Liestal

«Ich denke, dass man früher mehr Zeit hatte,
auf die Patienten einzugehen.»

     Marco Müller
     Mitarbeiter Elektrotechnik,
     seit 2008

Marco Müller, wie würden Sie Ihre Aufgabe am
Kantonsspital Liestal beschreiben?
Ich muss Bereiche der elektrischen Installationen
betreuen: die Brandmeldeanlage etwa und viele
weitere Sicherheitsanlagen. Ich muss garantie-
ren, dass diese gewartet und unterhalten werden.
Dazu kommt die Begleitung der Arbeiten, die von
externen Firmen ausgeführt werden. Und natür-
lich der Pikettdienst. Dieser bedeutet auch mal,
ein WC entstopfen oder Probleme bei der Lüftung      Wie sehen Sie Ihre Rolle gegenüber den                Können Sie ein positives Erlebnis oder Ereignis
lösen oder sonst ein Programm, das nicht richtig     Patienten?                                            von Ihrer Berufstätigkeit beschreiben?
funktioniert, wieder in Gang bringen.                Ich kann etwas dazu beitragen, dass sich die Pa-      Sehr positiv ist der Teamgeist, der ist wirklich
Was würden Sie im Kantonsspital als typisch          tienten wohlfühlen. Das können kleine Sachen          gewaltig. Das habe ich so noch nie erlebt. Man
bezeichnen? Worin unterscheidet sich das             sein: Manche sind glücklich, wenn wir rasch zur       kann in allen Situationen auf jemanden zählen,
Spital von anderen Anbietern / Arbeitgebern?         Stelle sind, wenn der Fernseher oder die Be-          auch auf Ärzte, die einem helfen und die man
Das Kantonsspital ist sehr kompakt gebaut, die       leuchtung im WC nicht funktionieren. Manchmal         auch nachts anrufen kann. Jeder ist immer be-
Wege sind kurz, die verschiedenen Abteilungen        reicht es auch, einfach nur zuzuhören. Es kommt       reit, dem anderen zu helfen.
durch die zahlreichen Personenaufzüge schnell,       oft vor, dass die Leute das Bedürfnis haben, et-      Fällt Ihnen ein negatives Erlebnis oder
sicher und gut zu erreichen. Auch die Spontan-       was zu erzählen und sie sich freuen, wenn ihnen       Ereignis ein?
transportanlage STA, also das automatische Trans­    jemand zuhört – das kann auch ich sein, ein           Als ich ganz frisch hier arbeitete, ist jemand ge-
portsystem des Hauses, ist eine grosse Hilfe für     Handwerker.                                           kommen, um die Unterbruchsfreie Stromversor-
schnelle Arbeitsabläufe. Das trägt dazu bei, dass    Was war die Hauptmotivation Ihren Beruf               gung USV zu warten. Ich ging Mittagessen, und
wir hier in Liestal speditiver arbeiten können als   zu erlernen? Wird diese Erwartung hier erfüllt?       um halb eins sagt mir jemand aus dem Büro, das
in anderen Spitälern, wo man viel weitere Wege       Als ich klein war, war klar: Ich werde bei meinem     Telefon funktioniere nicht mehr. Ich schaute mir
zurücklegen muss. Ich habe vorher in der Tele­       Onkel eine Lehre als Maurer machen. Als aber          das Leitsystem an und bemerkte, dass dieses
fonie gearbeitet. Hier im Spital sind andere Auf-    mein Bruder mit einer Lehre als Elektromonteur        ‹abgestürzt› war. Mir wurde mulmig, denn ich
gaben dazugekommen, zum Teil ganz neue Sa-           begann, folgte ich ihm. Grosse Gedanken über die      dachte, dass es zum Stromunterbruch gekommen
chen. Aber hier habe ich die Gelegenheit, das, was   Zukunft machte ich mir damals nicht, ich bin aber     sein müsse, mir kamen die Patienten, Operations­
ich als Instandhaltungsfachmann gelernt habe,        glücklich, dass ich Elektriker gelernt habe. Dieser   säle und weiss was alles sonst noch in den
praktisch umzusetzen.                                Beruf bietet die grössten Perspektiven. Hier im       Sinn... Ich ging zur Leitzentrale, und dort hat jedes
Glauben Sie, die Haltung gegenüber                   Spital haben sich meine Erwartungen vollauf er-       rote Lämpchen geleuchtet. Es war aber schluss-
den Kranken ist heute anders als früher?             füllt. Ich war zunächst natürlich sehr gefordert      endlich nur ein kleiner Fehler, der sich leicht be-
Ich denke, dass man früher mehr Zeit hatte, auf      und bin es auch jetzt immer wieder. Stets kommt       heben liess. Glücklicherweise ist nichts Schlim-
die Patienten einzugehen. Aber die ganze Gesell-     Neues auf einen zu, und das Spital erwartet na-       mes passiert, denn die lebenswichtigen Geräte
schaft hat sich verändert; man redet nicht mehr      türlich, dass wir alles beherrschen, was nicht im-    sind alle mit einer USV bestückt.
so gerne miteinander, man hat ein anderes Ver-       mer einfach ist. Und ich dachte mir, dass ich mehr
hältnis zur Kommunikation als früher. Heute          mit Patienten zu tun haben werde. Ich befürchtete,
kommuniziert man eher über soziale Netzwerke,        dass ich hinzukomme, wenn jemand am Boden
nicht mehr persönlich. Natürlich liegt das teil-     liegt oder so ähnlich; mir wurde aber gleich ge-
weise auch gar nicht mehr drin, weil der admi-       sagt, dass ich da nichts zu befürchten hätte, dass
nistrative Aufwand grösser geworden ist.             das Sache der Pflege sei.
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Gespräch
                                                                                 Gespräch                                                                      7

«Wenn man seine
‹Sache› machte, hatte
man seine Ruhe.»

     Willy Meier                                      Was war die Hauptmotivation Ihren Beruf zu                Fällt Ihnen ein negatives Erlebnis oder Ereignis
     pensionierter Betriebshandwerker,                erlernen? Wurde diese Erwartung im KSL                    ein?
     1962 bis 1996                                    erfüllt?                                                  Ein schlimmes Erlebnis war, als – ich weiss nicht
                                                      Ich habe diesen Beruf gewählt, um eine Lehre zu           mehr wo – bei einer Spülmaschine ein Teil abge-
Willy Meier, Sie arbeiteten 34 Jahre im Spital.       machen. Damals warst du froh, wenn du eine                fallen war und der ganze Boden im Röntgen unter
Was hat sich während dieser Zeit an Ihrer             Lehrstelle hattest. Du gingst zusammen mit dem            warmem Wasser stand – das waren alles Hohl-
Arbeit geändert?                                      Vater zum Lehrmeister. Dort wurde alles abge-             böden! Man rief mich an, der ganze Raum stand
Früher war ich als Elektriker allein tätig, wir wa-   klärt. Dann konnte ich mit meiner Lehre begin-            unter Wasser. Ich fragte: «Warum haben Sie die
ren überhaupt viel weniger Leute, aber man hatte      nen. Hier im Spital gefiel es mir, es war vielseitig.     Spülmaschine denn nicht abgestellt?» Man hätte
trotzdem alles, was anfiel, erledigt.                 Gut war, dass man sich hier in vielerlei Hinsicht         ganz einfach reingehen und die Maschine abstel-
Was würden Sie im Kantonsspital als typisch           weiterbilden konnte. Mir gefiel auch, dass wir in         len können. Das musste ich dann tun. Wir riefen
bezeichnen? Worin unterscheidet sich das              unserer Arbeit frei waren – vielleicht fast etwas         dann die Feuerwehr, die haben alles in Ordnung
Spital von anderen Anbietern / Arbeitgebern?          zu frei. Aber mit unserer Erziehung war das kein          gebracht. Aber das Schlimmste, was ich erlebt
Das Kantonsspital Liestal ist ein sehr guter Ar-      Problem. Wir wurden so erzogen, dass man seine            habe, war, als mein Team-Mitarbeiter Heinz
beitgeber. Wenn man seine ‹Sache› machte, hatte       Sache macht und zwar richtig, dass man ehrlich            starb. Das war schlimm für mich. Es schmerzte
man seine Ruhe. Ob sich das Kantonsspital Lies-       und aufrichtig ist. Sauberkeit und Gründlichkeit:         mich sehr, als Heinz so plötzlich starb.
tal von anderen Spitälern unterscheidet, kann ich     das haben wir daheim gelernt.
nicht beurteilen. In der Privatindustrie aber wird    Können Sie ein positives Erlebnis oder Ereignis
mehr auf das geachtet, was gemacht wird. Man          von Ihrer Berufstätigkeit hier im Spital
steht mehr unter Kontrolle.                           beschreiben?
Glauben Sie, die Haltung gegenüber den Kran-          Positive Erinnerungen habe ich viele, hauptsäch-
ken ist heute anders als früher?                      lich betreffen sie das Personal, von Abteilungs-
Die Beziehung zwischen den Patienten und dem          schwestern bis zu Ärzten. Und wenn wir einmal
Personal war früher einfacher. Erstens waren die      Streit hatten, war das nicht persönlich. Es passie­r-­­
Leute bescheidener, hatten nicht so viele Wün-        ­­te einfach und ging vorüber. Von mir hiess es:
sche. Heute haben alle Autos, Radio, Fernseher,         «‹Meier› wenn man dich anruft, bist du Minuten
haben Computer, und trotzdem sind sie nicht zu-         später hier.» Das haben sie an mir sehr ge-
frieden. Das Pflegepersonal geht heute anders           schätzt. Ich kam auch, wenn ich gerade beschäf-
mit den Patienten um. Sicher geben alle ihr Bes-        tigt war. Ich habe viel Positives erlebt. Auch ein
tes, aber oft hat man das Gefühl, dass sie zuwenig      paar Jahre später nach der Pension, wenn ich
Zeit für die Patienten haben, dass sie viel zu viel     Leute angetroffen habe sagten diese: «Ja, wir
Schreibarbeit und dergleichen erledigen müssen.         denken oft an Sie. Wenn man sie anrief, kamen
                                                        sie, brachten alles in Ordnung, waren immer
                                                        freundlich.» Ja, das waren positive Erlebnisse.
135 50 JAHRE Kantonsspital in liestal
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«Für stationäre Patienten muss die Umgebung
heute wie in einem Hotel sein.»

     Stefan Sick
     Leiter Bauprojekte
     seit 2008

Was würden Sie als typisch bezeichnen
für das Kantonsspital Liestal?
Speziell für das Spital ist, dass es, obwohl es mit                                                                               Stefan Sick bringt mit meist
1700 Mitarbeitern ein relativ grosser Arbeitgeber                                                                                 deutlich sichtbaren
                                                                                                                                  Veränderungen das Spital
ist, ein sehr persönliches Umfeld bietet. Man                                                                                     in die Zukunft.
grüsst sich gegenseitig, geht freundlich mitein-
ander um, hilft einander, und es herrscht eine
gute Stimmung. Ich bin ein wenig ein Exot hier,
weil ich Architekt bin.
Wie kamen Sie zum Kantonsspital Liestal?
Ich wollte als Bauherrenvertretung bei einer
Versi­cherung, einer Bank oder einer anderen          vorfinden und von optimalen Betriebsabläufen          Ein Erlebnis herauszugreifen, ist schwierig. Ich
Branche arbeiten. Dann sah ich das Stelleninse-       profitieren können, zum Beispiel möglichst kurze      kann ganz viele positive Erlebnisse aufzählen.
rat des Kantonsspitals, das mich sehr ansprach.       Wartezeiten haben. Die Pflegenden und Ärzte           Positiv ist es vor allem dann, wenn man Baupro-
Hier kann ich das Spital gegenüber Fachplanern        sind heute mehr Dienstleistende. Sie haben noch       jekte abschliessen kann, wenn man Projekte
und Bauunternehmern oder, sofern wir die Ar-          immer die Aufgabe, die Patienten zu heilen, aber      übergeben kann von denen man weiss, dass sie
beiten nicht selbst erledigen, gegenüber einem        heute geht die Arbeit im Spital weit darüber          funktionieren, den Nutzern dienen und Freude
anderen Architekten vertreten. Zudem hatte ich        hinaus.                                               bereiten. In besonderer Erinnerung ist der Modul­
die Möglichkeit, eine bestehende Abteilung zu         Was war die Hauptmotivation Ihren Beruf zu            bau von 2009. Das war eine ausserordentliche
übernehmen und eine eigene Ausführungs- und           erlernen? Wird diese Erwartung hier im Spital         Geschichte. Es brauchte ein grosses Engagement
Planungsabteilung, ein kleines Architekturbüro        erfüllt?                                              von allen Beteiligten, dass man ein solch grosses
aufzubauen.                                           Meine Hauptmotivation war, einen Beruf zu er-         Projekt so schnell realisieren konnte – ein inno-
Sie bezeichnen sich als Exot im Spital.               lernen, der sichtbare Resultate bringt, bei dem       vatives Projekt, das auch entsprechende Wellen
Meinen Sie gegenüber den Patienten und dem            ich kreativ und analytisch tätig sein und ich sagen   geschlagen hat.
medizinischen Personal?                               kann: ‹Schau, da habe ich mitgearbeitet.› Und ich     Erhalten Sie Feedbacks von Patienten?
Mit Patienten hatte ich in meinem Arbeitsumfeld       wollte einen Beruf ergreifen, der klare Strukturen    Ja, vor allem über die Patientenumfragen. Wir
vorher nichts zu tun, also mit Patienten, die ge-     und Abläufe kennt. Darüber hinaus geht es mir         erhalten ganz unterschiedliche Rückmeldungen,
wissermassen Kunden oder Nutzer sind. Wir sind        darum, menschengerecht bauen zu können; nicht         positive und konstruktive, Vorschläge, was man
Dienstleister und müssen bei der Umsetzung der        in erster Linie schöne Fassaden und schönes De-       noch besser oder anders machen könnte. Positiv
Projekte das Optimum erreichen, das Optimum           sign, sondern Bauten, in denen sich der Mensch        wird zum Beispiel vermerkt, dass das Kantons-
für die Patienten und natürlich die Mitarbeiten-      wohl fühlt und in denen er gut leben und arbeiten     spital zu einer baulichen Einheit geworden ist und
den. Wir müssen die baulichen Voraussetzungen         kann. Das war die Hauptmotivation, Architekt zu       somit Vertrauen vermittelt, keine Pflästerliarchi-
schaffen, dass hier drin eine gute Atmosphäre         lernen. Hier im Spital wurden meine Erwartun-         tektur ist.
herrscht.                                             gen erfüllt, sogar mehr als das. Ich kam hier in
Glauben Sie, die Haltung gegenüber den                ein Team und in ein Umfeld, in dem man äusserst
Kranken ist heute anders als früher?                  erfolgreich zusammenarbeiten kann und Ent-
Ja natürlich. Der Patient kommt heute ins Spital,     scheidungen extrem schnell und auch professi-
um zu genesen, um sich zu erholen, und er will        onell gefällt werden. Hier konnte ich das, was ich
nicht mehr mit diesem Krankenhausgeruch, wie          machen wollte, umsetzen: eine Abteilung auf-
man ihn früher kannte, konfrontiert werden. Für       bauen, Projekte mit Menschen für Menschen
stationäre Patienten muss die Umgebung heute          umsetzen.
wie in einem Hotel sein, Patienten aus dem am-        Können Sie ein positives Erlebnis oder Ereignis
bulanten Bereich sollen schöne Räumlichkeiten         von Ihrer Berufstätigkeit beschreiben?
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Gespräch
                                                                                 Gespräch                                                                    9

                                                                            «Ich hatte immer ein wenig
                                                                            Angst, dass meinem Kind auch
                                                                            so etwas passieren könnte.»

                                                                          Max Grieder, auch an                aufgegangen in meinem Beruf als Krankenwa-
                                                                          Festen ein gern gesehener           genfahrer, wie man damals noch sagte.
                                                                          Unterhalter.
                                                                                                              Fällt Ihnen ein negatives Erlebnis oder Ereignis
                                                                                                              von Ihrer Berufstätigkeit im KSL ein?
                                                                                                              Negative Erlebnisse betrafen zur Hauptsache
                                                                                                              schwere Unfälle mit kleinen Kindern, Unfälle die
                                                                                                              manchmal zum Tode führten. Und weil ich selber
                                                                                                              Kinder hatte, hatte ich immer ein wenig Angst
                                                                                                              davor, dass dem eigenen Kind auch so etwas pas-
      Max Grieder                                       Das ist ein gesellschaftliches Problem heute: Die     sieren könnte. Bei Drogensüchtigen oder Alkohol­
      Rettungssanitäter                                 Erwartungen werden immer grösser, und man             kranken musste ich oft daran denken, was in den
      bis 1995                                          hat immer weniger Zeit für die Patienten.             Familien dieser Süchtigen alles abgeht. Das hat
                                                        Wenn Sie heute vergleichen: Was hat sich in der       mich immer etwas traurig gestimmt und nach-
Wie lange arbeiteten Sie im Kantonsspital               Sanität geändert?                                     denklich gemacht.
Liestal?                                                Die Anforderungen an die Rettungssanitäter sind       Fällt Ihnen ein positives Erlebnis oder Ereignis
Ich habe 25,5 Jahre als Krankenwagenfahrer im           natürlich heute viel höher und intensiver. Es sind    von Ihrer Berufstätigkeit im KSL ein?
KSL gearbeitet. Später habe ich als erster Basel-       immer mehr Transporte. Früher hatte man zwi-          Das positive Erlebnis, das ich noch am besten in
bieter die Sanitäterschule absolviert und 1989          schendurch noch Zeit, um Materialtransport-           Erinnerung habe, war ein 45jähriger Chauffeur,
abgeschlossen. 1995 bin ich dann aus dem Spital         dienste zu erledigen, für das hat man heute keine     der Herzschmerzen bekam und in eine Arztprax­is
ausgetreten.                                            Zeit mehr.                                            ging. Dort «machte» er einen Herzstillstand. Der
Was würden Sie im Kantonsspital als typisch             Ist die Belastung grösser?                            Arzt begann sogleich mit Herzmassage und alar-
bezeichnen? Worin unterscheidet sich das                Sie ist vielleicht etwas grösser heute. Aber früher   mierte uns. Wir sind so schnell es ging hingefah-
Spital von anderen Anbietern / Arbeitgebern?            musste man mit der Belastung selber fertig wer-       ren und haben abwechslungsweise Herzmassa-
Es ist noch immer ein familiärer Arbeitgeber.           den. Heute werden schnell Psychologen oder Psy­­      ge gemacht und mit dem Defibrillator gearbeitet.
Wenn man ein Problem hat, wird man gut beraten.         chiater beigezogen, um den Leuten bei schwie-         Volle 20 Minuten machten wir das, bis das Herz
Der Unterschied zu privaten Arbeitgebern liegt          rigen Fällen beizustehen.                             wieder angefangen hat zu arbeiten. Zu einem
darin, dass bei Privaten Arbeit und Zeit meistens       Was war die Hauptmotivation Ihren Beruf               späteren Zeitpunkt, als dieser Mann im Spital
vorgegeben sind. Bei der Rettung hat man es mit         zu erlernen? Wurde diese Erwartung im Spital          war, habe ich mit ihm geredet, er hatte keinen
Patienten zu tun, da sind die Vorgaben nicht so klar.   erfüllt?                                              psychischen Nachteil davongetragen. Einzig die
Glauben Sie, die Haltung gegenüber den                  Ich habe Autolackierer gelernt. Ich habe gerne        Brust schmerzte ihn wegen der Herzmassage.
Kranken ist heute anders als früher?                    mit Farben gearbeitet und ich habe gerne genau        Ein anderes positives Erlebnis hatte ich nach ei-
Die Wünsche und Erwartungen der Patienten               und vertrauenswürdig gearbeitet – zur Zufrie-         nem schweren Unfall in der Autobahngalerie
sind heute natürlich grösser als früher. Sie stellen    denheit der Kundschaft. Aber in meinem Kopf           Schweizerhalle. Mehrere Autos waren beteiligt,
an die Medizin und Chirurgie höhere Anforderun-         war immer der Wunsch, Menschen zu helfen. Da-         teilweise brannten sie. Es war ein Grosseinsatz
gen – auch in Bezug auf das Essen und alles             rum habe ich mich auf die ausgeschriebene Stel-       mit drei Sanitätswagen, Feuerwehr und Polizei.
andere.                                                 le als Krankenwagenfahrer gemeldet. Ich wurde         Ein Beteiligter an diesem Unfalls lobte danach in
Und wie steht es mit dem Verhalten von uns              angestellt und in Erster Hilfe ausgebildet. Und so    einem Brief an den Regierungsrat, dass wir Not-
als Dienstleister zu den Patienten?                     kam die Freude und Motivation, den Patienten          helfer ruhig und zur vollen Zufriedenheit gear-
Man muss heute viel mehr Papierkram erledigen.          helfen zu können – bei Unfällen und in medizini-      beitet hätten.
Darum hat man nicht mehr so viel Zeit, sich mit         schen Fällen. Das hat mein Leben erfüllt. Hun-
den Patienten näher und persönlich zu befassen.         dertprozentig. Ich war vollauf zufrieden und bin
135 50 JAHRE Kantonsspital in liestal
10   135 • 50 JAHRE Kantonsspital in Liestal

                                                                                                           «Ich versuche
                                                                                                           jeden Tag, ein
                                                                                                           positives Erlebnis
                                                                                                           für mich
                                                                                                           herauszuholen.»
                                                                                                          Katrin Weibel, auch mal als Model beim Werben
                                                                                                          für den Sanitätsnotruf im Einsatz.

       Kathrin Weibel                                ganze Administration. Ich persönlich versuche         Fällt Ihnen ein positives Erlebnis oder Ereignis
       Rettungssanitäterin,                          trotzdem, den Patienten diesen Zeitdruck unter        von Ihrer Berufstätigkeit ein?
       seit 2002                                     keinen Umständen spüren zu lassen.                    Ich versuche jeden Tag, ein positives Erlebnis für
                                                     Und umgekehrt, vom Patienten zum Personal?            mich herauszuholen. Generell gesagt: Wenn ich
Wie lange arbeiten Sie bereits im Kantonsspital      Nicht bei allen, aber im Durchschnitt hat die Er-     spüre, dass ich jemandem die Angst nehmen
Liestal?                                             wartungshaltung der Patienten zugenommen.             konnte, dass jemand froh ist, dass man ihm hel-
Ich arbeite seit zehn Jahren im Rettungsdienst       Vom Rettungsdienst erwartet man stets, dass wir       fen konnte – und sei es auch nur, weil er daheim
und seit Beginn als Rettungssanitäterin. Ich war     noch drei Minuten schneller beim Patienten sind,      nicht mehr alleine aufstehen konnte – das sind
immer im Gesundheitswesen tätig, zuletzt bei ei-     noch bessere Arbeit leisten oder schlicht das Un-     für mich die schönsten Erlebnisse.
nem privaten Rettungsdienst, aber es war die         mögliche möglich machen. Und das gelingt uns          Fällt Ihnen ein negatives Erlebnis oder Ereignis
gleiche Dienstleistung wie hier.                     natürlich nicht immer. Es gibt aber grosse Unter-     ein?
Was würden Sie persönlich als typisch                schiede, wenn ich junge Patienten hole oder äl-       Ich bin ein Mensch, der sich von negativen Sachen
bezeichnen für das Kantonsspital Liestal. Worin      tere. Ältere sind nie so anspruchsvoll wie jüngere    zu distanzieren versucht. Ich versuche, diese zu
unterscheidet sich das KSL von anderen               Patienten.                                            vergessen. Besonders negativ ist natürlich, wenn
Anbietern / Arbeitgebern?                            Was war die Hauptmotivation Ihren Beruf zu            wir draussen im Dienst einen Todesfall haben,
Das Kantonsspital Liestal zeichnet sich durch        erlernen?                                             wenn wir einen Fall haben, bei dem wir uns fra-
seinen Standort aus. Es steht – verglichen mit der   Für mich war es ein Kindheitstraum. Ich wollte        gen müssen, ob wir das Richtige und unsere Ar-
Stadt – in einer ländlichen Gegend. Das Spital ist   das schon immer. Warum, weiss ich nicht mehr          beit gut genug gemacht haben. Aber das sind all-
familiär und freundlich geblieben. Ich glaube, man   genau, die Krankenwagen haben mich einfach            gemeine Bemerkungen; ein spezielles, negatives
spürt hier das Land schon noch.                      fasziniert. Je älter ich wurde, je mehr es auf die    Erlebnis habe ich nicht in Erinnerung.
Glauben Sie, die Haltung des Spitalpersonals         Ausbildung zuging, umso mehr wurde mir be-
gegenüber den Kranken ist heute anders               wusst: Ich will gerne meinen Mitmenschen hel-
als früher?                                          fen können, ich möchte sie ein Stück weit aus
Ich denke schon, dass sie sich verändert hat. Die    ihrer Not herausholen können.
Haltung gegenüber den Patienten ist heute sicher     Sind Ihre Erwartungen in der Praxis erfüllt
von einem grösseren Zeitdruck geprägt, als vor       worden?
zwanzig Jahren, als ich angefangen habe. Da-         Ja, das sind sie. Ich erwartete einen zeitgerech-
mals hatte man mehr Zeit für ein Gespräch. Heu-      ten Rettungsdienst, gutes Material zum Arbeiten,
te sind es klar mehr Einsätze, dazu kommt die        schöne Autos, Kameradschaftlichkeit – das alles
                                                     haben wir.
Gespräch
                                                                              Gespräch                     11

                                    «Innerhalb der letzten zwanzig, dreissig
                                    Jahre hat ein enormer
                                    Technologieschub stattgefunden.»

     Beat Meyer                                       der Haustechnik über 50 Prozent. Wenn man nun
     Architekt, Hochbauamt BL,                        noch die ganze Medizintechnik dazunimmt, dann
     pensioniert                                      stellt man fest, dass sich innerhalb von zwanzig
                                                      Jahren wahnsinnig viel verändert hat.
Sie arbeiteten im Hochbauamt des Kantons              Fällt Ihnen ein positives Erlebnis oder Ereignis
Basel-Landschaft. Wie und was hatten Sie mit          ein im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit mit den
dem Kantonsspital Liestal zu tun?                     Spitalprojekten?
Ich war im Hochbauamt in der Gesamtleitung,           Die Zusammenarbeit mit dem KSL habe ich ei-
dem Projektmanagement für grosse komplexe             gentlich immer als fruchtbare Tätigkeit empfun-
Projekte im Zusammenhang von kantonalen Hoch­­­       den. Sehr geschätzt habe ich, dass die Mitarbei-
bauinvestitionen tätig. Meine wesentliche Funk-       ter des Spitals immer zu einer konstruktiven,
tion lag im Formulieren von Nutzungsabsichten,        positiven Teamarbeit bereit waren und auch häu-
in der Erarbeitung und Entwicklung von Planungs­      fig mit Vorschlägen und Anregungen konstruktiv
grundlagen für die Spitalbauprojekte. Das bein-       zur Projektentwicklung beitrugen.
haltete die Kostenplanung, die Ausarbeitung der       Und ein negatives Erlebnis?
Vorlagen an das Parlament sowie die fachliche         Ich denke da an eines meiner letzten Projekte im
Vertretung der Vorlagen vor den jeweiligen vor-       Zusammenhang mit dem KSL. Die ursprüngliche
beratenden parlamentarischen Kommissionen.            Aufgabenstellung war: Umbau, Entwickeln einer
Was würden Sie als typisch bezeichnen für             Interdisziplinären Notfallstation, inkl. Sanierung
das Kantonsspital Liestal? Worin unterscheidet        der gesamten Haustechnik im Behandlungs-
es sich von anderen Institutionen?                    trakt. Zu Beginn verliefen die Planungsarbeiten
Schwer zu sagen, weil ich während meiner zwan-        im normalen Rahmen. Das Ergebnis entsprach
zigjährigen Tätigkeit im Hochbauamt in dieser         dann aber nicht dem, was sich das Spital ur-
Aus­­­führlichkeit nur mit dem Kantonsspital Lies-    sprünglich vorgestellt hatte. Nach intensiver
tal zu tun hatte.                                     Gutachtertätigkeit kam man zum Schluss, dass
Und wenn Sie Ihre Funktion als Mitarbeiter des        sich die Aufgabe, so wie sie gestellt war, nicht
Hochbauamtes beiseite lassen?                         lösen lässt: Bei laufendem Betrieb ist es in einem
Ich denke schon, dass es Unterschiede gibt – zum      historisch gewachsenen Spital unmöglich, die
Teil wesentliche. In Liestal war ein grosses En-      Haustechnik zu sanieren. Folglich blieb nur die
gagement spürbar, man merkte, dass ein Spital-        Möglichkeit, alles in ein Provisorium auszulagern
körper da ist, der intern sehr gut funktioniert, wo   – mit Kosten in Millionenhöhe – oder, wie eine
man miteinander redet, sich austauscht und wo         Machbarkeitsstudie gezeigt hat, im Prinzip ein
von der fachärztlichen Betreuung über Patien-         Neubau. Am Schluss – und das war das eigentlich
tenpflege bis zum technischen Dienst ein hohes        Frustrierende – stellte der Regierungsrat fest,
Mass an Kompetenz vorhanden ist.                      dass in den Investitionsplänen für solche Lösun-
Glauben Sie, die Haltung gegenüber den                gen keine Mittel vorhanden sind. Ein anderes
Kranken ist heute anders als früher?                  Kantonsspital stand im Fokus ...
Ich kann das nur von meiner Warte aus beurteilen:
Innerhalb der letzten zwanzig, dreissig Jahre hat
ein enormer Technologieschub stattgefunden,
eine Summierung komplexer Anforderungen. Der
Technisierungsgrad hat wesentlich zugenommen.
Das ist bereits im Kostenbild einer Bauabrech-
nung ablesbar: In einem Spital beträgt der Anteil
12   135 • 50 JAHRE Kantonsspital in Liestal

«Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.»

      Michael Scherr
      Systemadministrator IT,
      seit 2009

Für was genau sind Sie zuständig am Kantons-
spital Liestal?
Ich bin als Systemadministrator für den Betrieb
von Servern und PCs zuständig. Dazu gehören neu
auch Mobildevices, also Handys und deren Syn-
chronisation mit dem Mailserver. Das beinhaltet
auch einen 24-Stunden-Pikettdienst.
Was würden Sie persönlich als typisch
bezeichnen für das Kantonsspital Liestal. Worin
unterscheidet sich das KSL von anderen                Fällt Ihnen ein positives Erlebnis oder Ereignis
Anbietern / Arbeitgebern?                             von Ihrer Berufstätigkeit hier im Spital ein?
Die Zusammenarbeit ist sehr gut. Bei uns in der       Ich möchte ein Projekt hervorheben, nämlich den
IT hat zwar jeder seinen Aufgabenbereich, aber        Bildaustausch mit Hausärzten. Da haben wir eine
wir funktionieren auch als Team.                      sehr gute Lösung gefunden. Der Hausarzt schickt
Glauben Sie, die Haltung gegenüber den Kran-          uns einen Patienten zum Röntgen und nach nur
ken ist heute anders als früher?                      drei Minuten kann er das Bild schon auf seinem
Die Grundhaltung ist immer noch die gleiche. Es       Monitor anschauen. Das kam bei den Hausärzten
ist immer noch das Ziel, Patienten zu heilen. Das     sehr gut an. Es ist eigentlich sehr simpel: Der
Gesundheitswesen ist heute aber zu einem Busi-        Hausarzt bekommt von uns einen Weblink, der
ness geworden mit unzähligen Informationsan-          aus dem System generiert wird, und er kann dann
geboten. Wenn man ein kleines Wehwehchen hat,         mit diversen Tools auf sein Bild zugreifen. Die
schaut man im Internet nach und findet in diver-      Hausärzte haben das sehr gut aufgenommen.
sen Foren Informationen, was die Ursache sein         Wir starteten mit 5 bis 10 ausgewählten Haus-
könnte. Die Patienten wissen heute mehr. Früher       ärzten, jetzt sind es um die 20 bis 30 – mit einer
sagte der Arzt, was man hatte, und das war dann       steigenden Tendenz. Wir können diese Dienst-
auch so.                                              leistung auch auf andere Gebiete ausweiten, zum
Was war die Hauptmotivation Ihren Beruf zu            Beispiel auf die Orthopädie.
erlernen?                                             Was gefällt Ihnen weniger an Ihrer Stelle?
Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.                Die Dokumentation der ganzen Projekte, die im-
Wie kamen Sie denn zum Spital?                        mer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Man hat halt
Es hat sich zufällig ergeben. Als ich das Stellen-    sehr viel Schreibkram.
inserat sah, habe ich mich gleich beworben. Das
KSL ist ein sehr grosses Spital mit einem ent-
sprechend grossen Umfeld in der Informatik. Das
hat mich sehr gereizt.
Wurden Ihre Erwartungen weitgehend erfüllt?
Ja. Ich bin in einer Position mit sehr viel Verant-
wortung tätig. Das Integrieren von medizintech-
nischen Geräten ist eine Herausforderung, da
kam viel Neues auf mich zu. Ich muss mich stets
weiterbilden. Aber das macht mir Spass und ist
das Reizvolle an dem Job.
Gespräch
                                                                            Gespräch                                                                           13

                                                                                                         Man trifft sich beim jährlichen Pensioniertenabend.
                                                                                                         Hier Walter Kobelt und Käthy Kampa.

     Walter Kobelt
     pensionierter Buchhalter / Kassier /             «Damals wurde das Geld für
                                                      die Löhne noch eingetütet – alles,
     Leiter Finanzen, 1969 bis 2005

Wie hat sich Ihre Stelle im Kantonsspital Liestal
entwickelt?
Ich war 36 Jahre im KSL tätig. Ich kam sieben Jah­
                                                      inklusive Münzen.»
re nachdem es eröffnet wurde. Wir waren damals
zusammen mit dem Spitalverwalter sechs Leute
auf der Verwaltung. In der Hauptbuchhaltung wa-      Im ländlichen Gebiet waren die Patienten pflege-­    grammgestaltung der Computer und beim Tarif-
ren wir zu zweit. Damals wurde das Geld für die      leichter, anspruchsloser und weniger kritisch.       wesen mitarbeiten und mitreden konnte.
Löhne noch eingetütet – alles, inklusive Münzen.     Heute wissen die Leute mehr über die Behand-         Können Sie uns über ein positives Erlebnis oder
Dazu kam auch noch die Buchhaltung für das           lungsmethoden, entsprechend sind die Ansprü-         Ereignis von Ihrer Tätigkeit im Spital berichten?
Fernheizwerk, die Zentralwäscherei und die Schu-     che gestiegen und die Arbeit mit den Patienten       Das Positivste ist, dass ich mit den Verwaltern
le für Spitalberufe. Ich habe die ganze Ent­wick­    komplizierter geworden. Früher waren die Ärzte       immer ein gutes Verhältnis hatte und wir im gan-
lung von der Handbuchhaltung bis zur totalen         und das Pflegepersonal näher beim Patienten          zen Spital immer gut zusammengearbeitet haben.
Online- und Dialogbuchhaltung mitgemacht.            und was der Herr Professor sagte, hat gegolten,      Positiv ist auch, dass wir im Spital die ganzen Um-
Was würden Sie als typisch bezeichnen für            ganz klar.                                           wälzungen im technischen und administrativen
das Kantonsspital Liestal? Worin unterscheidet       Wie sind Sie eigentlich ans Spital gekommen?         Bereich stets gut bewältigen konnten.
es sich von anderen Institutionen?                   Zum Spital kam ich durch meine Frau, die als         Fällt Ihnen ein negatives Erlebnis oder Ereignis
Die Buchhaltung in einem Spital funktioniert un-     Krankenschwester gearbeitet hat. Nach drei           ein?
gefähr gleich wie an allen anderen Orten. Was mir    Jahren in einem Bezirksspital kam ich hierher.       Ich hatte es sehr gut hier im Spital, das muss ich
gefallen hat, war, dass wir die Buchhaltung im       Mir hat es sehr gut gefallen, es war keine eintö-    immer wieder sagen. Das einzige, was mich ein
Rahmen der kantonalen Gesetzgebung erledi-           nige Arbeit, nicht nur Zahlen biegen und so. Ich     wenig nervte, war, dass man die Abschlüsse dem
gen konnten, wie wir wollten. Es war ein Betrieb     hatte zudem das Glück, dass ich bei der Pro-         Kanton jeweils so rasch abgeben musste. Das hat
mit einem grossen Spielraum. Speziell war auch,                                                           mich ab und zu ein wenig gestresst. Wenn man
dass wir mit sehr vielen anderen Diensten Kon-                                                            den Termin einhalten und doch bis zu fünf Buch-
takt hatten.                                                                                              haltungen nebeneinander abschliessen musste.
Glauben Sie, die Haltung gegenüber den Kran-                                                              Aber nein: Ich hatte es sehr gut.
ken ist heute anders als früher?
Wir hatten es immer ein wenig besser als die im
Bruderholzspital oben.
14   135 • 50 JAHRE Kantonsspital in Liestal

                                                                               «Das war recht lustig, weil
                                                                               die ganze Arbeitsmethodik
                                                                               ständig wieder wechselte.»

                                                                              Freude über die neue Spect-CT-Anlage bei Dr. Thomas Lutz,
                                                                              Ferdinand Thanhofer (Mitte) und Dr. Damien Toia

      Ferdinand Thanhofer                            Glauben Sie, die Haltung gegenüber den Kran-            Können Sie uns von einem positiven Erlebnis
      Leitender Radiologieassistent,                 ken ist heute anders als früher?                        oder Ereignis im KSL erzählen?
      1971 bis 2009                                  Zum Teil vielleicht. Ganz früher gab es keine           Positiv war, als wir einen eigenen Radiologen be-
                                                     obligatorische Krankenversicherung, da war es           kamen und dann nach und nach die neue Technik
Wie hat sich Ihre Arbeit in der Radiologie           mög­lich, dass ein Patient nur dann ins Spital          gekommen ist.
geändert? Am Anfang gab’s ja im Röntgen              ging, wenn es unbedingt sein musste. Mode- oder         Fällt Ihnen ein negatives Erlebnis oder Ereignis
keinen ärztlichen Chef?                              Schicki­­micki-Patienten gab es bei uns im Gegen-       von ein?
Das war ein massgeblicher Unterschied. Bis           satz zum Bruderholzspital nicht. Wir hatten den         Um gleich dabei zu bleiben: Diese Wechsel ver-
1978 waren die Chef- und Oberärzte der Medizin       Oberbaselbieter Patienten, der war bescheiden           liefen für meine Begriffe immer zu langsam. Im-
und Chirurgie auch für die Radiologie zuständig.     und nicht lästig. Der hat nicht gemeckert, wenn         mer lagen wir hinter den Städtern zurück. Was
1978, als die Erweiterung des Behanlungsbaus         ein Salatblatt zuwenig oder eine Kartoffel zuviel       zum Beispiel die CT (Computertomographie) an-
schon in Sicht war, bekamen wir zusammen mit         auf dem Teller war. Und wenn wir ihm nicht              belangt, war das ganze Oberbaselbiet lange Zeit
dem Bruderholz einen gemeinsamen Chefarzt.           Schmerzen zugefügt haben beim Röntgen, dann             nicht damit versorgt.
Vier Radiologen wechselten sich in einem Turnus      war er zufrieden und hat sich bedankt.
von zwei Monaten ab. Das war recht lustig, weil      Und wie sieht es heute aus?
die ganze Arbeitsmethodik ständig wieder wech-       Heute versuchen viele, mit einem Halbwissen
selte. Der eine Radiologe wollte immer helle Bil-    Eindruck zu schinden oder Spezialbehandlungen
der und der andere dunkle. 1982 bekamen wir in       einzufordern, nur weil sie im Internet oder in der
Liestal dann einen eigenen Chefarzt und mit den      Zeitung etwas gelesen haben. Das hat sich sicher
Jahren wurden es dann vier Radiologen – heute        geändert. Früher war der Patient – vereinfacht
sind es fünf.                                        gesagt – zufriedener und bescheidener. Heute
Was würden Sie als typisch bezeichnen für            sind viele überdreht. Ein Beispiel dazu: Nach den
das Kantonsspital Liestal? Worin unterscheidet       Schlagzeilen um Kaiseraugst und Tschernobyl
es sich von anderen Institutionen?                   war es sehr schwierig, Patienten während den
Ganz am Anfang wussten die meisten nicht, ob         radiologischen Untersuchungen ruhig zu halten.
es überhaupt ein Röntgen gibt. Ab den 1980er-        Was war die Hauptmotivation Ihren Beruf zu
Jahren kam es dann zu einer zeitgemässen Ein-        erlernen? Wurde diese Erwartung im
richtung in der Radiologie, die aber dennoch über­   KSL erfüllt?
sichtlich und familiär blieb. Es herrschte eine      Ich war bereits in der Rekrutenschule bei der Sa-
freundliche Betriebskultur, man kannte sich. In      nität, was mich darin bestärkte, einen medizini-
Grossbetrieben besteht die Gefahr, dass diese        schen Beruf zu wählen. Verbunden mit meinem
Kultur ein wenig verloren geht. Auch in unserem      Faible für Technik lag die Radiologie nahe. Ich
Haus, das mit den Jahren sehr gross geworden         habe es nie bereut, dass ich diesen Weg gegangen
ist, haben sich solche Sachen eingeschlichen.        bin.
Gespräch
                                                                              Gespräch                                                                     15

                                                                                                           «Wir sollten unsere
                                                                                                           Leute besser
                                                                                                           aus- und
                                                                                                           weiterbilden.»

     Philipp Schoch                                  nicht eine so grosse Rolle. Ein Riesenunterschied     extrem fordernd ist, sich extrem schwierige Si-
     Leiter Notfallstation,                          zu früher ist natürlich auch durch den medizini-      tuationen ergeben. Doch die meiste Zeit ist es ein
     seit 2006                                       schen Fortschritt bedingt. Wir haben in unserem       sehr toller Beruf; man muss zwar viel geben, be-
                                                     Spital wahnsinnig viele Möglichkeiten in der Di-      kommt aber auch viel zurück.
Wie verlief Ihre Karriere im Kantonsspital           agnostik. Und von der anderen Seite aus gese-         Fällt Ihnen ein positives Erlebnis oder Ereignis
Liestal?                                             hen, haben die Patienten oftmals andere und hö-       von Ihrer Berufstätigkeit im KSL ein?
Ich arbeite seit 2006 hier. Fünfeinhalb Jahre war    here Ansprüche als früher. Wenn man früher ins        Ich habe in verschiedenen Arbeitsgruppen rund
ich Leiter einer medizinischen Bettenstation und     Spital kam, war man vielleicht dankbar, dass man      ums Leitbild mitgearbeitet, das war ein ganz tolles
seit November 2011 arbeite ich auf der Notfall-      überhaupt ins Spital kommen durfte. Heute kom-        Erlebnis. Ich war relativ frisch hier und konnte
station als Abteilungsleiter. Ich habe einen Teil    men Patienten mit sehr klaren Vorstellungen auf       mich und die Pflegeseite schon recht gut einbrin-
meiner Ausbildung schon hier absolviert – mein       die Pflege zu und fragen, ob man hier jetzt nicht     gen. Das ging auch weiter so, als wir ein Pflege-
allererstes Praktikum auf der Privatstation. Dazu    die oder jene Diagnostik machen könne. Die Aus-       leitbild erarbeiteten. Das waren sehr spannende
kamen weitere Stationen, auch die Notfallstation     einandersetzung zwischen Fachperson und Pa-           Prozesse und gute Zeichen für die Unternehmens-
natürlich. Von der Notfallstation war ich bereits    tient ist dadurch, glaube ich, eine ganz andere als   kultur.
während meiner Ausbildung begeistert. Und jetzt      vor fünfzig Jahren.                                   Fällt Ihnen etwas Negatives ein?
bin ich wieder hier gelandet.                        Was war die Hauptmotivation Ihren Beruf               Im Zusammenhang mit der Qualität und auch der
Was würden Sie als typisch bezeichnen für            zu erlernen? Wird diese Erwartung hier erfüllt?       Weiterentwicklung des Pflegeberufs, der Pflege-
das Kantonsspital Liestal? Worin unterscheidet       Ich würde meinen Berufsweg genau gleich wie-          fachleute, aber auch des Assistenzpersonals, ist
es sich von anderen Institutionen?                   der einschlagen. Ich habe zuerst einen hand-          es sehr wichtig – wenn man die Qualität in Zu-
Ich habe bereits in der Ausbildung gespürt, dass     werklichen Beruf gelernt – Möbelschreiner –,          kunft halten will und wir als Unternehmen wei-
die Kultur in diesem Haus aussergewöhnlich ist.      habe dann aber während der Ausbildung bereits         terkommen wollen –, dass wir diese Leute besser
Das hat vielleicht etwas mit der Grösse zu tun.      bemerkt: ich kann mit dem Holz nicht reden. Die       aus- und weiterbilden; hier im Betrieb oder auch
Vielleicht auch ein bisschen mit der regionalen      soziale Komponente fehlte mir. Ich bin dann zur       extern. Ich denke, da wird hier am KSL zu wenig
Verankerung des Liestaler Spitals. Die kurzen        Berufsberaterin gegangen und die hat nach zehn        getan, da müsste man mehr Geld und Zeit zur
Wege, der Umstand, dass man miteinander re-          Minuten bereits gesagt: «Werden Sie doch Kran-        Verfügung stellen. Wir könnten als Unternehmen
det, dass man zum Direktor gehen kann, wenn          kenpfleger.» Ich hatte meine Zweifel, habe dann       sehr viel gewinnen, wenn wir hier mehr investie-
man etwas braucht: das ist das Besondere an der      aber im Rahmen eines Praktikums Einblick er-          ren würden. Wir könnten die Mitarbeiter motivie-
Unternehmenskultur hier.                             halten in diesen Beruf: auf der Geriatrie im Mar-     ren und sie ans Haus binden.
Glauben Sie, die Haltung gegenüber den               tin-Birmann-Spital. Ich kam am ersten Tag total
Kranken ist heute anders als früher?                 geschlaucht heim, aber ich wusste: Das ist es,
Ja. Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens         was ich machen will. Ich will mit Patienten arbei-
ist natürlich ein grosses Problem. Ist jemand pri-   ten, mit den Patienten zusammen ihre schwieri-
vat oder allgemein versichert? Macht man beim        ge Situation zu lindern versuchen, ihnen helfen,
90-jährigen Patienten noch dies und das? Die ge-     sie betreuen und begleiten. Das ist es, was mich
sundheitsökonomischen Fragen spielten früher         heute noch motiviert – auch wenn es manchmal
16   135 • 50 JAHRE Kantonsspital in Liestal

«Damals konnte man auch mal schlafen dazwischen oder auf
der Abteilung oder im Notfall einen Kaffee trinken gehen.»

      Chantal Brülhart
      Leitende Biomedizinische Assistentin,
      seit 1998

Wie sieht Ihre Aufgabe im Zentrallabor aus?
Das Zentrallabor hat verschiedene Fachbereiche,
 zum einen Hämatologie, klinische Chemie und
 Immunologie sowie Mikrobiologie. Ich habe in der
 Hämatologie angefangen: Dort untersuchen wir
hauptsächlich verschiedene Körperflüssigkeiten.
Die meis­ten Analysen sind einmal durch den Not-
 fall abzudecken, um dem Arzt zu helfen, seine
Dia­gno­se zu bestätigen. Oder vor Operationen zu
 schauen, ob grundsätzlich alles in Ordnung ist,       Glauben Sie, die Haltung gegenüber den Kran-          Fällt Ihnen ein negatives Erlebnis oder Ereignis
 ob der Patient nicht ein Gerinnungsproblem hat.       ken ist heute anders als früher?                      aus Ihrer Berufstätigkeit ein?
 Über die Gruppenleitung der klinischen Chemie         Ich denke schon. Der Patient informiert sich bei      Ich finde, dass die Kommunikationswege und
 und die Stellvertretung der Leitung konnte ich        gewissen Symptomen oder bei gewissen Erst­            -abläufe manchmal sehr beschwerlich sind. Das
 2006 die Gesamtleitung der Zentrallabors über-        diagnosen im Internet. Er kommt dann mit einer        ist wahrscheinlich nicht spezifisch für das Kan-
 nehmen – immer in Zusammenarbeit mit der              Erwartungshaltung ins Spital, die natürlich auch      tonsspital Liestal. Man könnte hier einiges schnel­
 akademischen Leitung, die für alle drei Labors in     einen Druck auf die Ärzte ausübt. Diesen Druck        ler und einfacher erledigen. Wenn wir im Labor
 Baselland zuständig ist.                              gibt der Arzt dann vielleicht an seine Schnittstel-   neue Geräte anschaffen möchten – unsere Tech-
 Was würden Sie als typisch bezeichnen für             len weiter. Das heisst, dass wir angehalten wer-      nik ist relativ kurzlebig –, müssen wir oftmals
 das Kantonsspital Liestal? Worin unterscheidet        den, stets noch schneller Resultate zu liefern.       komplizierte Investitionsverfahren durchlaufen,
 es sich von anderen Institutionen?                    Das führt zu einer Belastung unseres 24-Stun­den-     die dann zu grossen Verzögerungen führen. Und
 Ich habe immer in kleineren Häusern gearbeitet,       Dienstes.                                             vielleicht noch eine ganz persönliche Erfahrung:
 weil ich immer ein wenig Respekt hatte vor der        Was war die Hauptmotivation Ihren Beruf zu            Sehr schwergefallen ist mir die erste Kündigung,
Anonymität der grossen Häuser. Liestal ist eigent­     erlernen? Wird diese Erwartung im KSL erfüllt?        die ich aussprechen musste.
lich ein Haus mittlerer Grösse. Trotzdem ist das       Für mich war klar, ich möchte im Gesundheits-
familiäre Verhältnis, das man zu allen Abteilun-       wesen arbeiten. Die Laufbahn in der Paramedizin
gen hat, sehr gut spürbar. Man kennt seine An-         ergab sich, weil ich nicht direkt am Patienten ar-
sprechpartner, und es ist sehr hilfreich und unter-    beiten wollte. Ich schätze den Spitalbetrieb, die
­stützend, dass wir jährlich an die Kaderseminare      spezielle Atmosphäre vor allem im 24-Stunden-
 dürfen, wo explizit das Interdisziplinäre gefördert   Dienst. Heute ist es aber ‹stressiger› als zu mei-
 wird und man seine Ansprechpartner kennen-            ner Anfangszeit. Damals konnte man auch mal
 lernt. Grosszügig und motivierend sind die Apéros,    schlafen dazwischen oder auf der Abteilung oder
 z.B. vor Weihnachten, wo man die Möglichkeit hat,     im Notfall einen Kaffee trinken gehen.
 sich über die Abteilungsgrenzen hinweg auszu-         Können Sie ein positives Erlebnis aus Ihrer
 tauschen. Wir im Labor werden auch massgeblich        Berufstätigkeit schildern?
 darin unterstützt, uns weiter zu entwickeln.          Es ist sehr toll, wie wir hier im Spital gefördert
                                                       werden, dass viel Wert auf das Interdisziplinäre
                                                       und den Zusammenhalt gelegt wird.
Chronik
                                             Chronik                                                           17

Vom ländlichen Spittel
zum Zentrumsspital auf dem Land
«Es ist allgemein anerkannt, dass Gesundheit ein höheres Gut ist denn Geld und Geldeswerth.»
Martin Birmann, Armeninspektor und Ständerat (1872)

Strassennamen können täuschen. Wer an der Spitalgasse im Liestaler Zentrum nach der namensgebenden
Institution sucht, befindet sich weit weg von seinem Ziel. Das Kantonsspital Liestal – oder neu: Kantonsspital
in Liestal – befindet sich gut einen Kilometer weiter nordöstlich davon. An der Rheinstrasse und nicht etwa an
der Spitalstrasse, die es in Liestal ebenfalls gibt. An dieser liegt das Kantonale Altersheim. Aber natürlich tru-
gen beide Strassen ihre Namen einst zurecht. Dies aber vor langer Zeit, noch vor 1877, dem offiziellen Grün-
dungsjahr des neuen Krankenhauses in Liestal. An der Spitalgasse und an der Spitalstrasse befanden sich die
Vorgängerbauten des Kantonsspitals. Mit einem Spital nach den heutigen Vorstellungen hatten die damaligen
Institutionen aber wenig zu tun. Schon gar nicht mit dem zeitgemässen regionalen Zentrumsspital von heute
mit universitären Kliniken, über 1 700 Mitarbeitenden und 15 400 stationären Patienten pro Jahr (2011).

Die Vorgänger-‹Spitäler›
Bis zur Kantonstrennung existierten im Städtchen Liestal zwei Spitäler. Gemäss ihrer geografischen Lage wur-
den sie als das obere und das untere Spital bezeichnet. Das obere Spital, es dürfte wohl bald nach der Gründung
Liestals im 13. Jahrhundert entstanden sein, befand sich in der Nähe des oberen Stadttors. 1834, ein Jahr nach
der Kantonstrennung, wurde es aber sogleich zur Kaserne umfunktioniert, so dass die Patienten oder Insassen
im unteren Spital am Ausgang des Röserentals untergebracht werden mussten. Dieses war zu Beginn des 14.
Jahrhunderts von einem der auf der Landschaft Basel regierenden Herren von Eptingen als Obdach für Aus-
sätzige gestiftet worden, während das obere Spital ursprünglich als so genanntes ‹Spittel› oder Herberge für
arme Durchreisende und gebrechliche Einheimische gedient hatte.
18   135 • 50 JAHRE Kantonsspital in Liestal

                                                                                         1854 wurde der Vorgängerbau des späteren
                                                                                         Kantonsspitals eröffnet für die «andauernde
                                                                                         Versorgung vorzugsweise von armen Ange­
                                                                                         hörigen der Gemeinden des reformirten
                                                                                         Kantonstheils» sowie «die Unterbringung und
                                                                                         Heilung von geistig und körperlich Kranken».
                                                                                         Bereits 23 Jahre später, im Jahre 1877, wurde
                                                                                         das Krankenhaus durch den ersten Neubau
                                                                                         des Kantonsspitals Liestal ersetzt.

Lahme und Irre, Vaganten und Trunksüchtige
Obschon die Infektionskrankheit ‹Aussatz› (Lepra), die von Teilnehmern an den Kreuzzügen nach Jerusalem
auch in die Landschaft Basel verschleppt worden war, damals schon länger keine Rolle gespielt hatte, bliebt
die Bezeichnung ‹Obdach für Aussätzige› oder ‹Siechenhaus› lange bestehen. «Von mancherlei anderen Leiden
befallene Menschen wurden in den Siechenhäusern untergebracht: Lahme, Epileptiker, Blinde, Taubstumme,
Krüppel und Irre», wie sich der ehemalige Baselbieter Staatsarchivar Hans Sutter (1921–1988) in einem Beitrag
über die «Geschichte des basellandschaftlichen Spitalwesens» im 1966 erschienenen Buch «Neubau des Kan-
tonsspitals in Liestal 1957–1964» ausdrückt. Und damit noch nicht genug: «Später, im 17. und 18. Jahrhundert,
wurden auch Arbeitsscheue, Liederliche, Vaganten und Trunksüchtige im Siechenhaus von Liestal versorgt.»
Obschon das Haus seit 1821 die Bezeichnung ‹Spital› trug, dürfte ‹Siechenhaus› also noch einige Zeit der pas-
sendere Begriff gewesen sein. Denn auch Anfang des 19. Jahrhunderts lebten die ‹Irren› zusammengepfercht
mit den anderen Insassen auf engstem Raum zusammen. Erst 1816 wurden sie in speziellen ‹Narrengemäch-
lein› untergebracht, die aber eher den Charakter von Kerkerzellen als von Spitalzimmern hatten. Als «eine
Reihe von Verschlägen, den Schweineställen gleich», beschrieb der Armeninspektor und Ständerat Martin Bir-
mann (1828–1890) die Zustände im damaligen ‹Spital›. Birmann gilt wohl nicht zuletzt aufgrund dieser Eindrü-
cke als massgeblicher Promotor des Baus eines kantonalen Krankenhauses. Bei der Eröffnung des neuen
Krankenhauses 1877 zeichnete er ein wahrhaft düsteres Bild der damals unmittelbaren Vergangenheit: «Wir
haben sie noch gesehen, aber Wenige haben, wie der Sprechende im September 1854, gesehen, wie die Irren
aus diesen Löchern gezogen wurden. Das Essen war ihnen durch einen Schieber hineingestossen worden, der
Unrat war bis zu acht Tage lang nicht entfernt worden, das Lager der Armen zeigte sich als faulender Misthau-
fen, ganz von Würmern durchzogen.»

Über einen Umweg zum neuen Krankenhaus
Dass dies unhaltbare Umstände waren, war allen klar. So beschloss der Landrat 1851 die Errichtung eines
Neubaus neben dem alten Spital. Und man ging mit einem hohen Tempo zugange. 1854 bereits wurde der
228 571 Franken teure Bau, der heute das Kantonale Altersheim beherbergt, bezogen. Sehr bald schon wurde
der Platz im Neubau aber zu knapp. Die engen Raumverhältnisse verunmöglichten eine saubere Trennung der
verschiedenen Abteilungen. Und beim Auftreten ansteckender Krankheiten mussten jeweils Notlösungen ge-
troffen werden. Diese Zustände liessen wiederum vor allem Martin Birmann keine Ruhe. Auf eigene Rechnung
gab er Pläne für den Neubau eines zweckdienlichen oder wie er es selber formulierte, ‹besonderen› Spitals in
Chronik
                                                                     Chronik                                                           19

Das Kantonsspital Liestal befindet sich auf
dem Boden des ehemaligen Villenvororts von
Liestal. Das 1767 erbaute Berrische Gut (links)
und die Villa Gauss aus dem Jahre 1864,
erbaut als Wohnsitz des damaligen Ständerats
Martin Birmann, zeugen heute noch davon. Das
älteste der historischen Gebäude ist die Feld­
mühle aus dem 16. Jahrhundert (Mitte), die bis
ins 20. Jahrhundert hinein als Feldsäge in
Betrieb war.

                         Auftrag. Diese überreichte er sodann dem Regierungsrat als Geschenk. Darüber hinaus suchte er auch Mittel
                         und Wege zur Finanzierung des neuen Spitals. Die Lösung fand er schliesslich in der Verschmelzung der Land­
                         armengüter des reformierten und katholischen Kantonsteils. Sein unermüdlicher und beachtenswerter Einsatz
                         hatte Erfolg: 1875 wurde der Bau des neuen Kantonspitals beschlossen. Am 22. Juli 1877 wurde der 250 000
                         Franken teure Neubau eingeweiht. Es war die eigentliche Geburtsstunde des Kantonsspitals Liestal.
                         Das neue Krankenhaus hatte knapp 100 Betten, war jedoch so geplant worden, dass spätere Erweiterungsbau-
                         ten möglich waren. Solche gab es mit der Zeit viele: 1891/92 wurde ein ‹Absonderungshaus› für die Hospitali-
                         sierung von Patienten mit ansteckenden Krankheiten erstellt, 1897 wurden im Estrich Dienstbotenzimmer
                         eingebaut, 1904/05 folgte der Anbau für den Operationssaal und 1932 die Erweiterung des Empfangsraumes.
                         1934, auch das ein wichtiger Meilenstein in der Baselbieter Spitalgeschichte, wurden die Geisteskranken in der
                         neuen kantonalen Heil- und Pflegeanstalt Hasenbühl untergebracht. 1951 erfolgte schliesslich ein Aufbau für
                         die Schwesternzimmer. Und dennoch hinkte die bauliche Entwicklung dem Bevölkerungszuwachs aber auch
                         dem wachsenden Platzbedarf durch den technischen Fortschritt in der Medizin stetig hinterher. Der rasche
                         Zuwachs an Patienten hatte zur Folge, dass die Sechser-Säle mit zehn Patientinnen und Patienten belegt waren
                         «und dass auch in den Korridoren immer Patienten unter primitivsten Bedingungen liegen mussten», wie Hans
                         Rotzetter, Spitalverwalter von 1961 bis 1981, in der Jubiläumsbroschüre ‹25 Jahre Kantonsspital Liestal› schrieb.
                         «Es fehlten Aufenthalts- und Besprechungszimmer, denn diese waren längst zu Patientenzimmer umfunktio-
                         niert worden. Jedes Stockwerk verfügte nur über je zwei WCs und Badezimmer, und in den Krankenzimmer
                         war kein fliessendes Wasser vorhanden.»
                         Auch sonst vermochte das Krankenhaus die Anforderungen an ein zeitgemässes Spital mit der Zeit nur noch
                         bedingt zu erfüllen. Denn auch personell war das Spital knapp bestückt. Bis 1954 war für die gesamte somati-
                         sche Medizin ein einziger Chefarzt alleine verantwortlich. Zur Betreuung von rund 140 Patientinnen und Pati-
                         enten hatte er lediglich einen Oberarzt und drei Assistenzärzte an seiner Seite. Ende 1954 wurde diese Notlage
                         mit der Wahl eines internistischen Chefarztes und mit dem Bau eines Hilfsspitals mit 53 Betten etwas gemil-
                         dert. Der Ruf nach einer grundlegenden Neuordnung wurde aber immer lauter. Bereits 1951 hatte sich eine
                         Fachkommission für den Neubau eines Spitals ausgesprochen – verknüpft übrigens mit dem Vorschlag, im
                         Unterbaselbiet ein zweites Kantonsspital zu errichten. Die Planung eines neuen Spitalgesetzes und damit auch
                         des Spitalneubaus auf dem Areal der Villa Gauss, einst Wohnsitz von Martin Birmann, und des Berrischen Gu-
                         tes an der Rheinstrasse kam ins Rollen.
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