Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers - Projektdokumentation
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
Projektdokumentation Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers Juli 2017
Projektbeteiligte
Projektleitung/-koordination Untere Stadt GmbH:
Städtebau und Architektur | Maßnahmen im öffentlichen Stadt Ludwigsburg, Fachbereich Liegenschaften
Raum, Begleitung Fassadengestaltung des Marstall-Cen- Bernd Hornung, Thomas Hugger
ters (heute: Marstall), Hotelprojekt Bauhofstraße und Mathildenstraße 21/1
Projekt „Höfe am Kaffeeberg“: 71638 Ludwigsburg
Stadt Ludwigsburg,
Fachbereich Stadtplanung und Vermessung Stadt Ludwigsburg, Fachbereich Finanzen
Dr. Anne Mayer-Dukart, Ulrike Dressler-Uetz, Martin Kurt Ulrich Kiedaisch, Petra Betz
Wilhelmstraße 5 Wilhelmstraße 1
71638 Ludwigsburg 71638 Ludwigsburg
Tiefbaumaßnahmen und Grünplanung: Stadterneuerung:
Stadt Ludwigsburg, Stadt Ludwigsburg,
Fachbereich Tiefbau und Grünflächen Referat für nachhaltige Stadtentwicklung
Martin Renz, Hansjoachim Heck, Achim Leban, Frank Lehmpfuhl
Gerhard Kohler, Ulrike Schmidtgen, Nicole Preussner, Wilhelmstraße 5
Michael Kamps 71638 Ludwigsburg
Mathildenstraße 29/1
71638 Ludwigsburg
Koordination der Tiefbaumaßnahmen im nördlichen und
südlichen Umfeld, Baustellenmanagement:
Gerhard Kurz
Rauschmaier Ingenieure GmbH
Sucystraße 9
74321 Bietigheim-Bissingen
Wirtschaftsförderung und Projektleiter Revitalisierung des
Marstall-Centers:
Stadt Ludwigsburg,
Referat für nachhaltige Stadtentwicklung
Frank Steinert
Wilhelmstraße 1
71638 Ludwigsburg
Begleitung Fassadengestaltung des Marstall-Centers,
Wettbewerb Wohntürme Marstall-Center:
Stadt Ludwigsburg,
Fachbereich Hochbau und Gebäudewirtschaft
Matthias Weißer, Gabriele Barnert, Horst Fischer
Mathildenstraße 21
71638 Ludwigsburg
2 ProjektdokumentationProjektarchitekten Projektstatus
Marstall, Fassaden Sockelgeschosse: Realisierte Projekte:
Kaspar Kraemer Architekten BDA • Neugestaltung der Charlottenstraße, der Bauhofstraße
Am Römerturm 3 und der Bietigheimer Straße, Ausbildung einer neuen
50667 Köln Stadtterrasse und eines kleinen Platzes an der Bietighei-
mer Straße (nördliches Umfeld)
Öffentliche Räume: • Neugestaltung des Reithausplatzes, der Kirchstraße und
Reithausplatz, Kirchstraße, Kronenstraße, Charlottenstraße, der Kronenstraße (südliches Umfeld)
Bauhofstraße und angrenzende Bereiche: • Marstall-Center (heute Marstall), Revitalisierung der
Rosenstiel Architektur und Stadtplanung Sockelzone
Bötzinger Straße 29a
79111 Freiburg Planungen bestehen für die Teilkonzepte:
• Marstall-Center, Fassadensanierung der Wohntürme
Öffentliche Räume: • Hotelneubau in der Bauhofstraße
Lindenstraße • Neugestaltung der Lindenstraße
Architekten: Stadtplaner Zoll BDA • Revitalisierung des Quartiers „Höfe am Kaffeeberg“
Markelsheimer Straße 60
70435 Stuttgart
Dokumentation
Fachliche Bearbeitung:
Bauherr Stadt Ludwigsburg
Maßnahmen im öffentlichen Raum: Fachbereich Stadtplanung und Vermessung
Stadt Ludwigsburg, Dr. Anne Mayer-Dukart, Elena Schulz
Fachbereich Stadtplanung und Vermessung Wilhelmstraße 5
Wilhelmstraße 5 71638 Ludwigsburg
71638 Ludwigsburg
Wick+Partner Architekten Stadtplaner
Stadt Ludwigsburg, Gähkopf 18
Fachbereich Tiefbau und Grünflächen 70192 Stuttgart
Mathildenstraße 29/1
71638 Ludwigsburg Druck:
Hausdruckerei Stadt Ludwigsburg
Marstall, Sockelgeschosse:
ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG, Hamburg
Weitere Projektbeteiligte
Rauschmaier Ingenieure GmbH
Sucystraße 9
74321 Bietigheim-Bissingen
SW Ingenieure
Asperger Straße 8 Titelbild Mitte:
71634 Ludwigsburg ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG, Marstall Ludwigsburg
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 3Lage in der Stadt
Schrägluftbild von Süden.
Die Innenstadt mit ihrem histo-
rischen Grundriss westlich der
Anlagen des Residenzschlosses:
Vom Marktplatz zeichnet sich die
Raumfolge bis zu dem großmaß-
stäblichen Gebäudekomplex des
Marstall-Centers ab.
4 ProjektdokumentationInhalt
Ein Stück Stadt wieder beleben .......................6
Historisches Erbe .......................8
Bruch im städtebaulichen Kontext .....................10
Neue Lösungsansätze der
Stadtentwicklungspolitik .....................13
Chancen für Ludwigsburg .....................14
Umsetzungsstrategie und Kooperation ...................16
Nördliches Umfeld .....................20
Südliches Umfeld .....................26
Neugestaltung der Lindenstraße .....................31
Marstall-Center, Sockelzone .....................32
Marstall-Center,
Fassadensanierung der Wohntürme .....................38
Hotelneubau in der Bauhofstraße .....................40
Geplante Aufwertung des historischen
Quartiers „Höfe am Kaffeeberg“ .....................44
Lageplan mit Fotostandorten .....................46
Fotodokumentation .....................48
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 5Einleitung
Ein Stück Stadt wieder beleben
6
Bauhofstraße
1
A
5 Marstallstraße
Schlossstraße B27
4
2 7
Kaffeeberg
3 Lindenstraße C
Kirchstraße
B
6 Projektdokumentation1 Charlottenstraße, Bauhof- 3 Lindenstraße 6 Hotelneubau in der A Residenzschloss
straße und angrenzende Bauhofstraße
Bereiche („nördliches 4 Marstall-Center, Revitali- B Marktplatz
Umfeld“) sierung der Sockelzone 7 Historisches Quartier
“Höfe am Kaffeeberg“ C Holzmarkt
2 Reithausplatz, Kronen- 5 Marstall-Center,
straße und Kirchstraße Fassadensanierung der
(„südliches Umfeld“) Wohntürme
Die nördliche Innenstadt zwischen der Bauhofstraße, der • Unterstützung privater Modernisierungsvorhaben (z.B. für
Charlottenstraße, der Schlossstraße, dem Kaffeeberg, dem das stadtbildprägende Ensemble „Grafen- und Gesand-
Holzmarkt, der Lindenstraße, der Körnerstraße, der Her- tenbau“)
mannstraße und dem Reithausberg gehört zu den ältesten • Revitalisierung des Marstall-Centers und Belebung
Stadträumen Ludwigsburgs. Das Quartier ist einerseits ge- seines Umfelds
prägt durch vernachlässigte Bausubstanz und die im Osten • Verbesserung der Verkehrszusammenhänge und der
verlaufende B27, andererseits durch attraktive historische Erschließungssituation
Bauten. Es befindet sich in direkter Nähe zum Residenz-
schloss und zu zentralen Innenstadträumen wie etwa dem Das Gesamtprojekt zeichnet sich durch privat-öffentliche Ko-
Marktplatz. operationen und einen integrativen Planungsansatz aus. Es
beinhaltet neben klassischen städtebaulichen Maßnahmen
Dominiert wird der Stadtraum durch das „Marstall-Center“, im öffentlichen Raum auch Maßnahmen für eine Anreiche-
einen gemischt genutzten Gebäudekomplex aus den 1970er rung der Nutzungsmischung, eine Stärkung des Einzelhan-
Jahren, der neben 22.000 m² Verkaufsfläche in 54 Ladenge- dels und eine Stabilisierung der Sozialstruktur.
schäften (zum Zeitpunkt des Planungsbeginns größtenteils
leerstehend) über 200 Eigentumswohnungen (vollständig Folgende Teilprojekte sind wichtige Bausteine des Gesamt-
bewohnt), 900 Tiefgaragenplätze, einen städtischen Kinder- konzepts zur Aufwertung der nördlichen Innenstadt:
garten sowie Büro- und Praxisräume verfügt. • die Neugestaltung der Charlottenstraße, der Bauhofstra-
ße und der Bietigheimer Straße, die Ausbildung einer
Dieser Gebäudekomplex steht als großmaßstäbliche Bau- neuen Stadtterrasse und eines neuen kleinen Platzes
struktur eines überholten Stadtleitbilds aus der Mitte des 20. („nördliches Umfeld“)
Jahrhunderts im Grundriss der historischen Stadt. Mit der • die Neugestaltung des Reithausplatzes, der Kronenstra-
Revitalisierung des Marstall-Centers und der Aufwertung der ße und der Kirchstraße („südliches Umfeld“)
angrenzenden Quartiere soll dem Verlust innerstädtischer • die Neugestaltung der Lindenstraße
Funktionen – verbunden mit einer Abwertung städtischer • die Revitalisierung der Sockelzone des Marstall-Centers
Räume – entgegengewirkt werden. mit den Nutzungsschwerpunkten Einzelhandel, Dienst-
leistung und Gastronomie sowie die Modernisierung des
Dabei werden – im Spannungsfeld zwischen Tradition und städtischen Kindergartens
Moderne – folgende Ziele verfolgt: • die Fassadensanierung der Wohntürme des
• Aufwertung der öffentlichen Räume und Schaffung einer Marstall-Centers
hohen Aufenthaltsqualität • der Hotelneubau in der Bauhofstraße
• Stärkung der stadträumlichen Vernetzung zwischen der • die Aufwertung des historischen Quartiers „Höfe am
nördlichen Innenstadt und der „Unteren Stadt“ Kaffeeberg“ (mit den denkmalgeschützten Gebäuden
• Aufwertung des Wohnumfelds in der nördlichen Innen- des „Grafen-“ und „Gesandtenbaus“)
stadt
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 7Geschichte
Historisches Erbe
Bilder linke Seite,
oben:
Idealstadtgrundriss, Frisoni 1726
unten:
Historischer Stadtplanausschnitt,
1878
Bild rechte Seite:
Der Blick vom Marktplatz nach
Norden wird durch die großmaß-
stäbliche Gebäudestruktur des
Marstall-Centers begrenzt: Sie stellt
einen wesentlichen Eingriff in den
historischen Stadtgrundriss und eine
Überformung des Stadtbildes dar.
8 ProjektdokumentationLudwigsburg zählt neben Karlsruhe und Mannheim zu den Zu Beginn der 1990er Jahre wurden die zahlreichen militä-
prägnantesten Beispielen barocker Stadtanlagen in Deutsch- rischen Liegenschaften frei für neue, zivile Nutzungen. Die
land. Ursprünglich wollte Herzog Eberhard Ludwig von Kasernenkonversionen waren eine gewaltige Aufgabe und
Württemberg hier nur ein Lustschloss zum Jagd- und Som- zugleich eine große Chance der Stadtentwicklung.
meraufenthalt errichten lassen. Nach dem Beispiel anderer
absolutistischer Herrscher entschied er sich jedoch dafür, Heute stellt sich Ludwigsburg als attraktives Mittel-
dem 1704 begonnenen Schloss eine Stadt anzugliedern zentrum dar, das seine Traditionen pflegt und gleichzeitig
und lud 1709 zur Ansiedlung ein. So entstand westlich des neue Akzente setzt. Es profitiert von der Nähe zum Ober-
Schlosses eine barocke Planstadt auf orthogonalem Raster, zentrum Stuttgart und ist Teil eines dynamischen Wirt-
die bis heute die Bebauungsstruktur der Innenstadt prägt. schaftsraums. Als Standort der Filmakademie Baden-Würt-
temberg, des Film- und Medienzentrums Ludwigsburg und
Auch wenn Zerstörungen nach dem Zweiten Weltkrieg zu be- der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg
klagen waren und das Stadtbild in den folgenden Jahrzehn- und mit zahlreichen kulturellen Angeboten (wie etwa den
ten durch den Bau großmaßstäblicher Gebäude – wie etwa Schlossfestspielen) ist Ludwigsburg weit über die Region
des Marstall-Centers – und den Ausbau zur autogerechten hinaus bekannt.
Stadt überformt wurde, ist die historische Identität der baro-
cken Planstadt noch in weiten Bereichen klar zu erkennen.
Neben repräsentativen Bürgerhäusern, Schlössern und
Kirchen gehören auch zahlreiche Kasernenbauten der Ba-
rock- und Gründerzeit zum Stadtbild – denn über 250 Jahre
der 300-jährigen jungen Stadtgeschichte war Ludwigsburg
Militärstadt. Das Militär prägte die Stadt, ihre Architektur,
ihre Kultur, kurz das gesamte Leben. Lange zählte Ludwigs-
burg zu den größten Garnisonen Deutschlands.
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 9Rückblick und Ausgangslage
Bruch im städtebaulichen Kontext
7 5
4
8
6
9
3
9
1
2
9
1 Marstall-Kaserne 6 Kronenstall Luftbildschrägaufnahme der Mar-
stall-Kaserne und Umgebung aus
dem Jahr 1956
2 Reithaus Bauhofstraße 7 Ehemaliger Reithausplatz
3 Mehrfamilienhaus 8 Wegeverbindung Reithausplatz -
Bauhofstraße
4 Marstallreithaus
9 Platzsituation um die ehemalige
5 Reithausstall Marstall-Kaserne
10 ProjektdokumentationRückblick hofstraße als Haupterschließung des neuen Gebäudekom-
plexes ausgebaut. Als erster und einzig realisierter Abschnitt
Der Blick auf das hoch über alle Maßstäblichkeit der Ba- eines damals geplanten großen Innenstadtrings folgten sie
rockstadt aufragende Marstall-Center und der Vergleich mit dem Ziel einer „autogerechten Stadt“.
den sanierten alten Kasernen zeigt eindrücklich, wie sich die Die Straßenräume waren überdimensioniert und verfügten
Auffassungen zur Stadtsanierung hin zu einer erhaltenden über keinerlei Aufenthaltsqualitäten, eine hohe Stützmauer
Sanierung gewandelt haben. zerschnitt den Stadtraum und wirkte als räumliche Barriere
zwischen der Unteren Stadt und der Innenstadt.
Die heutige Kritik an dieser “Bausünde“ vergisst allerdings Auch die Stadträume südlich des Marstall-Centers wurden
oft, dass sich bereits Ende der 1960er Jahre durch den Bau durch den Bau des Gebäudekomplexes stark beeinträch-
eines großen Einkaufszentrums außerhalb der Stadt wirt- tigt. So wurde z. B. der Reithausplatz – ehemals ein großer
schaftliche Schwierigkeiten für den Handel der Innenstadt und gut proportionierten Stadtraum – topographisch stark
und damit verbundene Funktionsverluste abzeichneten, überformt und auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe re-
denen man entgegenwirken wollte. duziert. Auch die Kronen- und die Kirchstraße wurden durch
Da aufgrund der kleinteiligen Grundstücks- und Baustruktur den Bau des Centers und die damit verbundene Zerstörung
der Innenstadt und damit fehlenden Handelsinvestitionen ihrer direkten Anbindung an den Reithausberg beeinträchtigt
keine Entwicklungsmaßnahmen zur Belebung der Innenstadt und überformt.
absehbar waren, sollten mit einem neuen Geschäfts- und
Wohnzentrum notwendige Impulse geschaffen werden.
Voraussetzung hierfür war der Abbruch der historisch ge- Funktionale Zusammenhänge und soziale Aspekte | Eine
wachsenen Strukturen rund um den früheren Marstall des „Dead Mall“ im Herzen der Innenstadt
Herzogs.
Nach einem anfänglichen ökonomischen Erfolg kam es
Funktional hat der Eingriff tatsächlich den erhofften Schub Ende der 1990er Jahre zu einem langsamen Niedergang
für die Einkaufsstadt gebracht – jedoch für einen hohen des Centers. Dringend notwendige Modernisierungsmaßnah-
stadträumlichen und baukulturellen Preis und ohne langfris- men unterblieben aufgrund eines fehlenden gemeinsamen
tige Wirkung. Managements und der äußerst schwierigen, kleinteiligen
Eigentümerstruktur des Centers. Den 21 Ladeneigentümern
(unter ihnen drei internationale Immobilienfonds mit Sitz in
Ausgangslage Großbritannien, den Niederlanden und Luxemburg) und den
irischen Eigentümern der großen Tiefgarage gelang es nicht,
Städtebauliche Aspekte | Eine „Bausünde“ und ihre die dringend notwendige Gebäudesanierung anzugehen.
Folgen Mit der Schließung der Karstadt-Filiale brach im Jahr 2010
der wichtigste Einzelhandelsmagnet weg. Weitere Anker-
Mit dem Abriss der historischen Marstall-Kaserne, des mieter folgten. Schließlich standen fast alle Ladenflächen
Reithauses in der Bauhofstraße, des Marstallreithauses, des leer – das Marstall-Center hatte sich in eine „Dead Mall“
Reithaus- und des Kronenstalls in den 1960er Jahren und verwandelt.
dem darauf folgenden Bau des Marstall-Centers wurden Dies hatte verheerende Folgen für die gesamte nördliche
große Teile der nördlichen Innenstadt gravierend überformt. Innenstadt. Trading-Down-Tendenzen, 1-Euro-Shops und
zahlreiche Spielhallen im Umfeld, über 20.000 m² leer-
Wichtige Raumfolgen und Wegebeziehungen wurden zer- stehende Ladenflächen im Center, 200 in die Jahre gekom-
stört – wie etwa die Platzsituationen rund um die ehemalige mene Wohneinheiten und eine marode technische Infra-
Marstall-Kaserne sowie die direkte Wegeverbindung vom struktur ließen den Gebäudekomplex zu einer „tickenden
Reithausplatz über den Reithausberg zur Bauhof- und Zeitbombe“ werden. Die gesamte nördliche Innenstadt war
Charlottenstraße. Das Marstall-Center selbst stellt einen durch den Niedergang betroffen. Es entstanden überforderte
großen Maßstabssprung gegenüber dem kleinteilig geprägten Nachbarschaften mit einer schwierigen Sozialstruktur.
städtebaulichen Umfeld dar und dominiert die Silhouette der
Innenstadt. Die Stadtentwicklung sah sich mit einer komplexen
Problemakkumulation konfrontiert. Die Folgen für die Innen-
Parallel zur Entwicklung des Marstall-Centers wurden in den stadt waren unabsehbar – wenn diese „Abwärtsspirale“ nicht
1970er Jahren auch die Charlottenstraße und Teile der Bau- innerhalb kürzester Zeit gestoppt werden konnte.
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 11Rückblick und Ausgangslage
Bruch im städtebaulichen Kontext
Bild links:
Lage des Marstall-Centers in
der Stadt
Bilder unten:
Leerstand im Marstall-Center
und Trading-Down in der
Umgebung
12 ProjektdokumentationProaktives Handeln und neue Kooperationen
Neue Lösungsansätze der Stadtentwicklungspolitik
„Abbruch und Neubau“ waren keine Option Dennoch fanden sich keine Investoren oder Projektentwick-
ler, die bereit waren, die komplizierten Verkaufsgespräche
In stadtgestalterischer Hinsicht hätten sich viele Bürgerinnen mit den 22 Eigentümern des brach gefallenen Centers zu
und Bürger einen Abbruch des überdimensionierten Gebäu- führen.
dekomplexes gewünscht. Die 200 Eigentumswohnungen in
den Obergeschossen erlaubten jedoch keinen Abriss des Vor diesem Hintergrund gründete schließlich die Stadtver-
brachgefallenen Sockels. waltung selbst die Tochtergesellschaft „Untere Stadt Lud-
Zudem erschwerten komplexe rechtliche Regelungen wigsburg GmbH“. Durch diese Gesellschaft gelang es – als
zwischen den gewerblichen Einheiten der Sockelzone und eine Art Zwischenhändler ohne eigenes finanzielles Risiko
den darüber liegenden Wohnungen sowie eine gemeinsame – die Einzelhandelsflächen zu erwerben und die schwierigen
technische Infrastruktur (gemeinsam genutzte Aufzüge etc.) Eigentumsverhältnisse zu bereinigen. Parallel dazu konnte
die Planungen für eine Aufwertung des Gebäudekomplexes. mit der ECE Projektmanagement GmbH & Co.KG auch ein
Projektentwickler gefunden werden, der bereit war, das Cen-
So wurde das auch heute noch aktuelle Leitbild der „Nut- ter durch umfangreiche Investitionen zu modernisieren.
zungsmischung“ bei der Revitalisierung des Marstall-Centers
zur „Hypothek“ für die Projektentwicklung. Mit dieser äußerst ungewöhnlichen Herangehensweise wurde
schließlich der Weg für die Revitalisierung frei. Die Stadt
erzielte sogar einen Veräußerungsgewinn in Höhe von rund
Ein integrierter Handlungsansatz und neue 2,6 Millionen Euro, den sie in die Erneuerung der Straßen
Kooperationen und Plätze im Umfeld investierte.
Zusätzlich beteiligte sich die ECE Projektmanagement GmbH
Die Zukunft des Marstall-Centers war lange Zeit ungeklärt. & Co.KG an verschiedenen Maßnahmen im öffentlichen
Dies führte nicht nur zu einer Abwertung des städtebauli- Raum (wie z.B. dem Rückbau der Tiefgaragenzufahrt im
chen Umfelds, sondern auch zu planerischen Entwicklungs- Norden des Gebäudekomplexes und der Integration von
hemmnissen. So war die dringend notwendige Neugestal- Kinderspielgeräten am Reithausplatz).
tung der angrenzenden Straßen und Plätze jahrelang im
Gespräch, wurde aber immer wieder zurückgestellt. Der Schlüssel für die erfolgreiche Projektentwicklung war
eine äußerst enge Kooperation zwischen den privaten und öf-
Dennoch schuf die Stadtverwaltung mit der gezielten Beauf- fentlichen Akteuren – von den bautechnischen Fragestellun-
tragung von Fachgutachten (z.B. zu den Möglichkeiten einer gen bis zum minutiös abgestimmten Baustellenmanagement.
Revitalisierung der gewerblichen Einheiten, zur Optimierung
der verkehrlichen Situation etc.) die Voraussetzungen für Die städtebauliche Aufwertung der Zufahrtssituation zum
eine umfassende Aufwertung des städtebaulichen Umfelds. Center und der direkt angrenzenden Stadträume erfolgte
nach einem sehr ehrgeizigen Zeitplan. In einem ersten
Darüber hinaus wurde die „Untere Stadt“ in das Programm Schritt wurden die Charlottenstraße, die Bauhofstraße, die
„Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ aufgenommen. Es wurden Stadtterrasse und der kleine Platz an der Bietigheimer Stra-
vorbereitende Untersuchungen nach § 141 BauGB durch- ße, in einem zweiten Schritt der Reithausplatz, die Kirchstra-
geführt und ein Sanierungsgebiet nach § 142 Abs. 3 BauGB ße und die Kronenstraße umgestaltet. Diese Maßnahmen im
festgelegt. Damit bot sich die Chance, Städtebaufördermittel öffentlichen Raum waren so zu koordinieren, dass sie bis zur
für die Finanzierung der geplanten Maßnahmen einzusetzen Eröffnung des Centers im Herbst 2015 abgeschlossen waren.
(vgl. S. 17).
Im Anschluss wird seit 2016 als weitere Maßnahme der
geplanten Aufwertung der nördlichen Innenstadt auch die
Lindenstraße zwischen Körnerstraße und Holzmarkt umge-
staltet.
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 13Bezug zum Stadtentwicklugskonzept und bürgerschaftliches Engagement
Chancen für Ludwigsburg
Bilder:
Eindrücke aus der Anliegerveran-
staltung und von der Bürgergruppe
„ZuKo“, die die Revitalisierung des
Marstall-Centers begleitet hat (und
bei der Zukunftskonferenz 2012
gebildet wurde)
Bezug zum Stadtentwicklungskonzept
Die Planung und Umsetzung der städtebaulichen Maß-
nahmen in der nördlichen Innenstadt sind eingebunden
in das gesamtstädtische Stadtentwicklungskonzept (SEK)
und in den Stadtteilentwicklungsplan (STEP Innenstadt)
der Stadt Ludwigsburg. Damit verbunden ist ein umfang-
reiches Beteiligungsverfahren.
Im Rahmen von regelmäßigen Zukunftskonferenzen mit
den Bürgerinnen und Bürgern und den lokalen Akteuren
(u.a. dem Ludwigsburger Innenstadtverein LUIS e.V.,
dem Bürgerverein „Untere Stadt“ etc.) wird das Konzept
immer wieder überprüft und weiterentwickelt.
Masterpläne geben eine Übersicht über die Erkenntnis-
se und Ziele der Beteiligungsprozesse und bündeln die
erforderlichen Maßnahmen.
• Im Masterplan „Lebendige Innenstadt“ wurde als Ziel
formuliert, dass die Innenstadt aktiv gestaltet wird.
Sie soll über eine hohe Aufenthaltsqualität verfügen,
die sich in Ruhe- und Bewegungsräumen, Sicherheit
und Sauberkeit zeigt, und den Anforderungen aller
Generationen gerecht wird. Durch ein harmonisches
Zusammenspiel von Tradition und Moderne sollen
attraktive Stadträume mit einer besonderen urbanen
Atmosphäre geschaffen werden. Die Neugestaltung
der Charlottenstraße, der Bauhofstraße, der neuen
Stadtterrasse, des kleinen Platzes an der Bietighei-
mer Straße, der Kronenstraße, der Kirchstraße, der
Lindenstraße und des Reithausplatzes kann hierzu
einen wichtigen Beitrag leisten.
14 ProjektdokumentationBesondere Bedeutung kommt der Bewahrung des Kul- • Mit dem umfassenden Ausbau des Fernwärmenetzes
turguts „Barockstadt Ludwigsburg“ durch die Sanierung in den neu gestalten Stadträumen (d.h. in der Char-
historischer Gebäude zu (wie etwa des Grafen- und lottenstraße, der Bauhofstraße, der Schlossstraße, der
Gesandtenbaus). Gleichzeitig kann die historische Kirchstraße, der Kronenstraße, der Lindenstraße und
Baustruktur durch eine attraktive moderne Architektur am Reithausplatz) kann ein weiterer wichtiger Beitrag
sensibel ergänzt und konsequent weiterentwickelt wer- zu den Zielen des Themenfelds Energie sowie zu den
den (wie z.B. mit dem Hotelneubau an der Bauhofstraße Handlungsschwerpunkten des Gesamtenergiekonzepts
– vgl. S. 40ff.) geleistet werden.
Einen weiteren wichtigen Beitrag zur Belebung der In- Darüber hinaus soll mit dem geplanten Neubau eines
nenstadt leistet das Gesamtprojekt durch die Anreiche- Hotels auf der Stadtterrasse das erste CO2-neutrale
rung der Nutzungsmischung. Neben der Revitalisierung Gebäude in Ludwigsburg entstehen. Als Holzbau in Sys-
des Marstall-Centers mit Einzelhandel, Gastronomie tembauweise soll es zu einem Vorzeigeprojekt werden
und Dienstleistungen kommt auch der Ansiedlung eines und als modellhafte Lösung für aktuelle und zukünftige
neuen Hotels und der Entwicklung des Areals „Höfe am Fragen in den Bereichen regenerative Energien und
Kaffeeberg“ mit den Nutzungsschwerpunkten Dienst- Verbesserung der Energieeffizienz dienen (vgl. S. 40ff.)
leistungen (Büros) und Wohnen besondere Bedeutung
zu (vgl. S. 44).
Partizipation und bürgerschaftliches Engagement
• Darüber hinaus können mit der Neugestaltung der
Straßen und Plätze wichtige Ziele des Masterplans Zusätzlich zu den Beteiligungsverfahren im Rahmen der
“Mobilität“ umgesetzt werden. Der Fuß- und Radverkehr Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzepts fanden im
kann gestärkt, das Wegenetz attraktiver gestaltet und die Vorfeld der Planungen verschiedene Gesprächsrunden mit
Aufenthaltsfunktion der innerstädtischen Straßenräume den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern, den Einzelhänd-
verbessert werden. Durch den Rückbau der überdimen- lern und Gastronomen statt. So wurde die Entwicklung der
sionierten Verkehrsräume und eine attraktive Gestaltung nördlichen Innenstadt und die Revitalisierung des Mar-
der neuen Stadtterrasse und des neuen Platzes an der stall-Centers z.B. mit Vertretern der Wohnungseigentümer
Bietigheimer Straße werden nicht nur die Zufahrt zum und der Bürgergruppe ZuKo (einer Gruppe, die sich bei der
Marstall-Center, sondern auch das innerstädtische Woh- Zukunftskonferenz 2012 gebildet hat) sowie Vertretern des
numfeld aufgewertet. Vereins „Untere Stadt“ diskutiert.
• Die Ziele des Masterplans „Energieversorgung“ bilden Im Rahmen einer großen Anliegerversammlung wurden
einen weiteren Schwerpunkt bei der Entwicklung der die Entwurfsplanungen der Öffentlichkeit präsentiert und
nördlichen Innenstadt. Mit der Durchführung des gemeinsam mit interessierten Bürgern Vor- und Nachteile
Modellvorhabens „Energetisches Quartierskonzept für die sowie mögliche Konsequenzen erörtert.
Barockstadt Ludwigsburg“ (in Kooperation mit der Hoch- Insgesamt fand der Entwurf große Zustimmung bei den
schule für Technik Stuttgart und dem Bundesinstitut Bürgern. Befürwortet wurden vor allem der möglichst
für Bau-, Stadt- und Raumforschung) konnten im Jahr weitgehende Erhalt der Platanen und die Ausbildung eines
2014 wichtige Rahmenbedingungen für eine erneuer- Wassersprudlerfelds auf dem Reithausplatz sowie die Einbe-
bare Energieversorgung und eine stadtbildverträgliche ziehung des westlichen Platzrands in die Gesamtkonzeption
energetische Sanierung historischer Gebäude in der zur Aufwertung der öffentlichen Räume.
Innenstadt geschaffen werden. Die nördliche Innenstadt
mit dem Quartier „Höfe am Kaffeeberg“ bildete dabei Diese Anregungen aus dem Beteiligungsverfahren dienten
einen Forschungsschwerpunkt. ebenso wie der Wettbewerbsentwurf von Kaspar Kraemer Ar-
chitekten (zur Gestaltung des Centers und seines Umfelds)
als Basis für alle weiteren Planungen.
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 15Finanzieller Rahmen sowie planungs- und baurechtliche Gegebenheiten
Umsetzungsstrategie und Kooperation
Lageplan Gesamtsituation / Eintrag Bebauungspläne
Bauleitplanung
Um die Umsetzung der Planungen im nördlichen Um- Auch für die geplante Revitalisierung des historischen
feld des Marstall-Centers zu ermöglichen, wird zurzeit Quartiers „Höfe am Kaffeeberg“ wird zurzeit ein Bebau-
der Bebauungsplan „Bauhofstraße“ Nr. 010/06 erstellt ungsplan erstellt (Vorhabenbezogener Bebauungsplan
(vgl. S. 40). „Höfe am Kaffeeberg“ Nr. 010/08 – vgl. S. 44).
Für das Planungsgebiet besteht kein rechtsgültiger Be-
Er beinhaltet: bauungsplan. Aufgrund der städtebaulichen Bedeutung
• die Neuordnung der verkehrlichen Erschließung des Areals erfordert die geplante Revitalisierung die
in der Bauhofstraße, der Charlottenstraße und der Schaffung von neuem Planungsrecht.
Bietigheimer Straße, Mit der Aufstellung des Bebauungsplans wird eine städ-
• die Neuordnung der Grün- und Freiflächen, tebauliche Umstrukturierung mit den Nutzungsschwer-
• die Ausbildung einer neuen Anlieferzone sowie punkten Dienstleistungen und Wohnen beabsichtigt.
• die Ausweisung eines Baufensters für das geplante Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören die Sanierung
Hotel auf der neuen Stadtterrasse. des Grafen- und Gesandtenbaus sowie die Rekonstruk-
tion des ehemaligen Kaffeehauses an der Schlossstraße.
Im Planungsbereich sicherte der bisher rechtskräftige Die Neubauten im rückwärtigen Bereich sollen sich in
Bebauungsplan die damalige Zufahrtssituation mit der die Umgebungsbebauung einfügen und ein attraktives
Tiefgaragenzufahrt ins Marstall-Center. System aus lärmgeschützten Höfen bilden.
16 ProjektdokumentationMängel und Missstände im Sanierungsgebiet „Untere Stadt“
Finanzielle Rahmenbedingungen | Städtebaufördermit-
tel aus dem Sanierungsgebiet „Untere Stadt“
ße konnte für die Gesamtkosten von rund 307.000 € ein
Alle im Rahmen des Gesamtprojekts neu gestalteten Straßen Förderrahmen in der Gesamthöhe eingesetzt werden. Dies
und Plätze befinden sich im förmlich festgelegten Sanie- entspricht einem Finanzmitteleinsatz des Bundes und Lan-
rungsgebiet „Untere Stadt“ (Rechtskraft am 22.12.2010/ des in Höhe von ca. 184.000 €.
03.03.2012) und wurden im Rahmen der Vorbereitenden
Untersuchungen als Neuordnungsschwerpunkte ausgewie- Auch für den Umbau der Lindenstraße werden Fördermittel
sen. Damit bestand die Möglichkeit, die Baumaßnahmen mit aus dem Stadterneuerungsprogramm „Aktive Stadt- und
Städtebaufördermitteln aus dem Stadterneuerungsprogramm Ortsteilzentren“ eingesetzt. Hierzu wurde ein Förderrahmen
„Aktive Stadt- und Ortsteilzentren (ASP)“ zu bezuschussen. von nahezu 520.000 € zur Verfügung gestellt, was Finanz-
Mit der Charlottenstraße, der Bauhofstraße und der an- mitteln von über 310.000 € seitens Bund und Land ent-
grenzenden Bereiche, dem Reithausplatz, der Kronen-, spricht.
der Kirch- und der Hermannstraße wurden öffentliche
Flächen mit einer Gesamtgröße von ca. 12.685 m² neu Die umfassende Modernisierung und Instandsetzung der
gestaltet. Hierzu konnte ein Förderrahmen in Höhe von rund Wohntürme des Marstall-Centers kann vom Grundsatz her
1.902.000 € eingesetzt werden, was Finanzhilfen des Bun- auch mit Fördermitteln aus diesem Programm bezuschusst
des und Landes in Höhe von 1.141.300 € entspricht. werden. Eine reine Instandsetzung der Fassade wäre nicht
Für den Rückbau der Tiefgaragenzufahrt in der Bauhofstra- bezuschussbar; wird sie jedoch mit einer Grundsanierung
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 17Finanzieller Rahmen sowie planungs- und baurechtliche Gegebenheiten
Umsetzungsstrategie und Kooperation
Neuordnungsschwerpunkte im Sanierungsgebiet „Untere Stadt“
Neuordnungsschwerpunkte:
•1 Neuordnung des „Walckerparks“ 6 Neugestaltung des Reithausplatzes, der Kronen-
straße, der Kirchstraße und der Hermannstraße
•2 Neugestaltung des Spielplatzes „Talkaserne“
•7 Neuordnung von Blockinnenbereichen
•3 Unterstützung privater Modernisierungsvorhaben
•4 Neugestaltung der Charlottenstraße, der Bauhof-
straße, der Bietigheimer Straße, der Lindenstraße
und der Körnerstraße
•5 Revitalisierung des Marstall-Centers
18 Projektdokumentationder Haustechnik / Installation verbunden, könnten auch Brachfläche der ehemaligen Polizeidirektion sollen bei guter
für diese Privatmaßnahme Städtebaufördermittel eingesetzt städtebaulicher Qualität erheblich Städtebaufördermittel
werden. eingesetzt werden.
Als weiterer Schwerpunkt der Stadterneuerung soll auch die Darüber hinaus wurden fünf private Modernisierungsvorha-
Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude „Grafen-“ und ben im direkten Umfeld des Marstall-Centers mit teilweise
„Gesandtenbau“ durch das Programm „Aktive Stadt- und erheblichen Zuschüssen bedacht.
Ortsteilzentren“ gefördert werden. Für die Revitalisierung der
Finanzielle Rahmenbedingungen | Die Projekte im Überblick
Die finanziellen Rahmenbedingungen der einzelnen Projekte stellen sich wie folgt dar:
Neugestaltung der Charlottenstraße, der Bauhofstraße und Modernisierung des städtischen Kindergartens
der Bietigheimer Straße, Ausbildung einer neuen Stadtter- Kosten der • ca. 200.000 €
rasse und eines neuen kleinen Platzes an der Bietigheimer geplanten
Straße, Neugestaltung des Reithausplatzes, der Kronen- Maßnahmen
straße und der Kirchstraße („nördliches und südliches
Umfeld“)
Fassadensanierung der Wohntürme des Marstall-Centers
Kosten der • 5.310.000 €
Kosten für die • 50.000 €
geplanten
Mehrfachbe-
Maßnahmen
auftragung zur
Einnahmen • 2.580.000 € (beim Verkauf des Neugestaltung
Centers erzielter Erlös) der Fassa-
• ca. 448.000 € (finanzielle Betei- de und zum
ligung der ECE an den Maßnah- zukünftigen
men im nördlichen und südlichen Energiekonzept
Umfeld)
• ca. 1.325.000 € (Städtebauför- Hotelneubau in der Bauhofstraße
derung für das nördliche und das
Kosten für die • 30.000 € (vom Projektentwickler
südliche Umfeld)
Mehrfachbe- getragen)
auftragung
Neugestaltung der Lindenstraße
Kosten für das • Keine zusätzlichen Kosten, da der
Kosten der • ca. 1.050.000 € Bebauungs- Bebauungsplan durch die Stadtver-
geplanten planverfahren waltung im Rahmen der bestehen-
Maßnahmen den Stellensituation bearbeitet wird
Einnahmen • 310.000 € (Städtebauförderung)
Aufwertung des historischen Quartiers „Höfe am Kaffee-
Revitalisierung der Sockelzone des Marstall-Centers berg“
Kosten für die • 36.000 € (von der Stadt und dem Kosten für den • Vom Projektentwickler getragen
Mehrfachbe- Projektentwickler ECE jeweils zur Ideen- und
auftragung zur Hälfte getragen) Realisierungs-
Neugestaltung wettbewerb
der Fassade Kosten für den • ca. 20.000 € (vom Projektentwickler
Kosten der • ca. 100.000.000 € (Investition des vorhabenbezo- getragen)
geplanten Projektentwicklers ECE) genen Bebau-
Maßnahmen ungsplan
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 19Die Projekte
Nördliches Umfeld
Der in den 1970er Jahren geplante Durch den Rückbau des Tunnels
Umbau zur „autogerechten Stadt“ und der großen Stützmauer konnte
hätte zu einem weit reichenden sowohl die verkehrliche Situation
Verlust historischer Bauten geführt optimiert als auch ein Beitrag zur
(z.B. in der Bauhofstraße). Realisiert Aufwertung und Verknüpfung
wurde schließlich nur der erste Ab- der öffentlichen Räume geleistet
schnitt bis zum Marstall-Center. werden.
20 ProjektdokumentationNeugestaltung der Charlottenstraße und der Bauhof-
straße, Ausbildung einer neuen Stadtterrasse und eines
neuen kleinen Platzes an der Bietigheimer Straße
(„nördliches Umfeld“)
Die Charlottenstraße und der östliche Bereich der Bau-
hofstraße waren der erste Teil eines in den 1970er Jahren
geplanten großen Innenstadtrings. Mit ihren überdimensi-
onierten, stadträumlich nicht integrierten Straßenräumen
waren sie geprägt vom Leitbild der „autogerechten Stadt“.
Sie verfügten über keinerlei Aufenthaltsqualitäten. Eine
lange und hohe Stützmauer in der Straßenmitte bildete eine
für Fußgänger und Radfahrer nur schwer zu überwindende
räumliche Barriere zwischen der nördlichen Innenstadt und
Planungen aus den 1970er Jahren für einen großen Innenstadtring
der Unteren Stadt.
Aber auch die verkehrliche Situation, insbesondere die
Zufahrt zum Marstall-Center, war sehr unübersichtlich und
für den auswärtigen Besucher kaum nachzuvollziehen. Die
Einfahrt war nur aus nördlicher und östlicher Richtung durch
einen Tunnel und dann im Parkhaus im “Linksverkehr“ über
Rampen wieder nach oben möglich; die Ausfahrt erfolgte an
anderer Stelle über eine andere Rampe.
Angesichts der unübersichtlichen Zufahrt und ihres schlech-
ten baulichen Zustands wurde die Marstall-Parkgarage trotz
ihrer guten Lage und verschiedener Aktionen (Gratisparken
bei Besuch des Blühenden Barocks etc.) von vielen Besu-
chern gemieden. Die Auslastung entsprach bei Weitem nicht
den anderen Parkgaragen in der Innenstadt.
Auch der bauliche Zustand der Charlottenstraße und der
Bauhofstraße nördlich des Marstall-Centers sowie der
angrenzenden Stadträume war schlecht. Die Anwohner und
anliegenden Geschäftsleute wünschten sich seit Jahren eine
Aufwertung der verkehrlichen und stadträumlichen Situation.
Bilder vor der Neugestaltung:
Die flächengreifenden Verkehrsan-
lagen dominierten den Raum, eine
Stützmauer wirkte als große Barriere
in der Stadt.
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 21Die Projekte
Nördliches Umfeld
22 ProjektdokumentationBilder linke Seite,
oben:
Entwurfsplan nördliches Umfeld
o.M.
unten:
Regelgrundriss Bauhofstraße o.M.
Bild rechte Seite:
Die Reduktion der Verkehrsflächen
ermöglicht die Gestaltung neuer
attraktiver öffentlicher Räume (grün
dargestellt)
Gestaltungskonzept | Verkehrliche Maßnahmen
Die geplanten Maßnahmen sahen neben einer Sanierung
der Straßenräume eine Neuordnung und Optimierung der
verkehrlichen Situation vor:
• Durch den Rückbau der Stützmauer und der überdimen-
sionierten Verkehrsräume in der Charlottenstraße konnte
eine große räumliche Barriere zwischen der Innen-
stadt und der Unteren Stadt überwunden werden. Die
verkehrliche Situation konnte übersichtlicher gestaltet
und die Erschließung des Marstall-Centers durch eine
neue Zufahrt zum Kunden-Parkdeck optimiert werden.
Darüber hinaus bot sich die Chance, den Straßenraum
und den Kreuzungsbereich an der Bietigheimer Straße
aufzuwerten und zu einem neuen „Stadtraum“ zu
gestalten.
• Durch den Bau eines neuen Kreisels und den Rückbau
des Tunnels konnte die Verkehrsführung sowohl für die
Kunden und Bewohner als auch für die Andienung des
Centers optimiert und übersichtlicher gestaltet werden
(Zu- und Abfahrt aus allen Richtungen etc.).
• Eine neue, für den Betrieb des Centers erforderliche
Anlieferzone wurde ebenfalls über den Kreisel erschlos-
sen und nördlich des Gebäudekomplexes angeordnet.
Eine davor liegende Baumreihe bildet einen „optischen
Puffer“ gegenüber den angrenzenden Stadträumen.
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 23Die Projekte
Nördliches Umfeld
24 ProjektdokumentationBilder linke Seite,
oben:
Charlottenstraße,
Blick nach Osten zur Schlossanlage
unten:
Der Platzraum an der Bietigheimer
Straße, Blick zur Unteren Stadt
Gestaltungskonzept | Aufwertung der öffentlichen Räume integriert. Durch das gewählte Straßenprofil können 19
öffentliche Parkplätze ausgebildet werden. Das sind 4
Die verkehrlichen Maßnahmen bildeten die Basis für eine Parkplätze weniger als vor dem Umbau.
umfassende Aufwertung der öffentlichen Räume. Durch die Der Grünstreifen in der Straßenmitte wurde von 2 m auf
Ausbildung neuer Platzsituationen und Fußgängerbereiche rund 3 m verbreitert. Wie im historischen Straßenprofil
verbunden mit einer attraktiven Grüngestaltung konnte die ist hier nun wieder eine Baumreihe aus Silberlinden
Aufenthaltsqualität deutlich gesteigert werden. Um ein attrak- ausgebildet. Darüber hinaus dient der Grünstreifen zum
tives und konsistentes Erscheinungsbild der Innenstadt zu Ausgleich des Quergefälles in Nord-Süd-Richtung und
gewährleisten, knüpft die Gestaltung an prägende Elemente nimmt kleine Treppenanlagen an Fußgängerquerungen
und Materialien im Umfeld an, schafft aber gleichzeitig – auf.
insbesondere mit den kleinen Platzsituationen – identitäts-
stiftende neue räumliche Qualitäten:
• Als nördlicher Abschluss der Gesamtmaßnahme konnte
durch den Rückbau des Tunnels eine neue Stadtterras-
se mit Blick auf die Untere Stadt und einer attraktiven
Anbindung an den bestehenden Spielplatz ausgebildet
werden. Grünelemente in Form eines Baumdachs aus
gefüllt blühender Vogelkirsche und einer Hain-
buchen-Hecke, quaderförmige Stadtmöbel, die als
Sitzgelegenheiten genutzt werden können, sowie eine
besondere Beleuchtung mit Lichtstelen schaffen eine Folgende Ziele konnten erreicht werden:
urbane Atmosphäre mit hoher Aufenthaltsqualität. Aufwertung der Zufahrtssituation im Norden
• Rückbau der stadträumlich nicht integrierten Tiefgaragenein-
• Das geplante Hotel an der Stelle des ehemaligen Reit- fahrt im Norden
• Rückbau der großen Stützmauer
hauses in der Bauhofstraße wird einen wichtigen Ent-
• Ausbildung eines Kreisverkehrs
wicklungsimpuls für die Aufwertung des städtebaulichen
Umfelds leisten. Es bietet die Möglichkeit, den neuen Aufwertung des öffentlichen Raums
Platz an der Stadtterrasse zu fassen, die Achse von der • Rückbau überdimensionierter Verkehrsräume
Charlottenstraße zum Residenzschloss zu betonen und • Steigerung der Aufenthaltsqualität durch eine attraktive
Gestaltung der neuen Freiflächen (neue Platzsituationen und
ein attraktives Gegenüber zum Marstall-Center zu bilden
Fußgängerbereiche)
(vgl. S. 40). • Aufwertung der Charlotten- und der Bauhofstraße
• An der Kreuzung Bietigheimer Straße / Charlottenstraße Neue Stadtterrasse
ist eine weitere kleine Platzsituation entstanden, die mit • Gestaltung eines neuen Platzes mit Sitzelementen und einem
Baumdach aus gefüllt blühender Vogelkirsche (im Zusammen-
einem Baumfeld, einer wassergebunden Fläche und
hang mit dem Hotelneubau noch zu pflanzen)
Sitzgelegenheiten über eine hohe Aufenthaltsqualität
verfügt und räumliche Verknüpfungen zur Unteren Stadt Charlottenstraße
nach Norden wie auch in West-Ost-Richtung zur • Verbreiterung der Fußgängerseitenbereiche von rund 2 m
Schlossanlage schafft. auf 4-5 m
• Schaffung eines Platzbereichs im Übergang zur Bietigheimer
Straße
• Auch die Charlottenstraße konnte als Stadtraum aufge-
• Erweiterung des Grünstreifens in der Straßenmitte von 2 m auf
wertet werden. Hierzu wurde eine Verbreiterung der rund 3 m
Fußgängerseitenbereiche von rund 2 m auf 4-5 m vor- • Ausbildung einer Baumreihe aus Silberlinden analog zum histo-
gesehen. Die Parkierung ist in diesen Seitenbereichen rischen Straßenprofil
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 25Die Projekte
Südliches Umfeld
Bilder vor der Neugestaltung:
Die öffentlichen Räume waren
in einem schlechten bauli-
chen Zustand und wurden
durch die abweisenden und
geschlossenen Fassaden des
Centers dominiert
26 ProjektdokumentationNeugestaltung des Reithausplatzes, der Kronenstraße lem stellte die Tieflage des Haupteingangs des Marstall-Cen-
und der Kirchstraße („südliches Umfeld“) ters dar. Er „versank“ im Gelände und war daher nur wenig
einladend.
Bei dem historischen Reithausplatz handelte es sich um
einen großen und gut proportionierten Stadtraum. Dieser Auch die städtebauliche Gestaltung des Reithausplatzes, der
wurde mit dem Bau des Marstall-Centers stark beeinträchtigt Kronen- und der Kirchstraße war in die Jahre gekommen
und auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe reduziert. Die und entsprach nicht mehr heutigen Qualitätsstandards. Der
direkte Wegeverbindung vom Reithausplatz über den Reit- bauliche Zustand war schlecht und erforderte eine vollstän-
hausberg zur Bauhof- und Charlottenstraße wurde zerstört. dige Neugestaltung.
Aufgrund vieler unterirdischer Bauwerke (Lüftungsanlagen
etc.) wurde der Platz auch stark topographisch überformt.
Dadurch ergab sich ein „zerklüfteter“ und heterogener Gestaltungskonzept | Aufwertung der öffentlichen Räume
Raumeindruck.
Zudem wurde die Anbindung an den westlichen Platzrand Durch eine attraktive Grüngestaltung und die Wahl hochwer-
zwischen Hermann- und Körnerstraße beeinträchtigt. Die Ge- tiger Materialien im Duktus der angrenzenden Straßenräume
bäude (u. a. die Brauerei Rossknecht) wirkten nicht als Teil konnte eine umfassende Aufwertung der öffentlichen Räume
des Platzes. Ihre ursprüngliche stadträumliche Bedeutung und damit eine Steigerung der Aufenthaltsqualität erreicht
als prägende Platzrandbebauung konnte nur noch anhand werden:
der Adresse (Reithausplatz 21 etc.) nachvollzogen werden.
Insgesamt wirkte der Reithausplatz nicht repräsentativ, son- • Der Reithausplatz ist wieder ein attraktiver, urbaner Platz
dern eher wie ein Hinterhof. der nördlichen Innenstadt. Er ist als Stadtraum erlebbar
und wird durch die angrenzenden Nutzungen bespielt.
Auch die Kronenstraße wurde durch den Bau des Mar- In Verbindung mit der Revitalisierung des Marstall-Cen-
stall-Centers überformt und die Platzsituation an der Holz- ters entstand eine großzügige Terrasse mit beleuchteten
marktstraße verkleinert. Der Gebäudekomplex dominierte mit Sitzstufen, die für Außengastronomie genutzt wird.
seiner Größe und seinen abweisenden und geschlossenen Von besonderer Bedeutung für die Aufenthaltsquali-
Fassaden das gesamte Umfeld und stand im Kontrast zur tät, die Atmosphäre und die ökologische Funktion des
kleinteiligen historischen Bebauung im Süden. Durch die Reithausplatzes ist die raumbildende zentrale Gruppe
Gebäudeversprünge war der historische Verlauf der Kronen- von Platanen. Sie wurde erhalten und durch neue Baum-
straße nur noch bedingt nachzuvollziehen, der Bereich an felder bzw. -inseln mit integrierten Sitzelementen zu
der Holzmarktstraße wirkte nicht mehr als „eigenständiger“ einem prägenden Gestaltungselement entwickelt.
Platz und der Raumeindruck war sehr heterogen. Ein weiteres wichtiges Gestaltungselement ist das Thema
„Wasser“. Im Umfeld der historischen Marstallkaserne
Die Kirchstraße entsprach in ihrer stadträumlichen Struktur gab es früher eine Vielzahl von Brunnen, die weitgehend
noch weitgehend ihrer ursprünglichen Prägung – auch wenn aus dem Stadtbild verschwunden sind. Neben dem
in den letzten Jahrzehnten viele historische Bauten durch Erhalt und der Inszenierung des historischen Trog-Brun-
neue Gebäude ersetzt worden sind. Kennzeichnend sind der nens auf dem Reithausplatz konnte im südöstlichen
gerade Straßenverlauf des barocken Stadtgrundrisses und Bereich des Reithausplatzes ein bodengleiches Was-
das nach Norden abfallende Gelände. Die bewegte Topo- ser-Sprudlerfeld ausgebildet werden, das in zeitgenös-
graphie beinhaltete jedoch Probleme für die Gestaltung der sischer Form auf das Thema „Wasser“ verweist. Dieser
öffentlichen Räume. Insbesondere der Übergang von der Gestaltungsvorschlag wurde von der großen Mehrheit
Kronen- zur Kirchstraße war durch ein starkes Gefälle ge- der Bürgerinnen und Bürger unterstützt, weil hierdurch
prägt. In Verbindung mit der beengten räumlichen Situation eine besondere Atmosphäre entstehen kann und ins-
wirkte dieser Bereich wie ein „Nadelöhr“. Ein weiteres Prob- besondere für Kinder ein starker Anziehungspunkt für
Spiel und Aufenthalt geschaffen wird.
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 27Die Projekte
Südliches Umfeld
28 ProjektdokumentationBilder linke Seite:
Der neu gestaltete Reithausplatz,
Blickbezüge nach Osten mit den
erhaltenen Platanen und der neuen
Terrasse mit Sitzstufen
Eine weitere wichtige Anregung aus dem Beteili- Grünkonzept
gungsverfahren war die Einbeziehung des westlichen
Platzrands zwischen Hermann- und Körnerstraße in die Zu den wichtigsten Zielen des Entwurfs zählte die Entwick-
Platzgestaltung und damit eine Erweiterung des Pla- lung eines attraktiven Grünkonzepts verbunden mit einem
nungsgebiets. Die Platzoberfläche wurde über die Straße möglichst weitgehenden Erhalt der Platanen.
hinweg bis zur Brauerei Rossknecht ausgedehnt. Um
einen möglichst nahtlosen Übergang zwischen dem Über den gesamten Planungs- und Ausführungszeitraum
Reithausplatz und der Hermannstraße bzw. der Körner- wurde zum Schutz der bestehenden Platanen Fachexper-
straße zu gewährleisten, wurde die bestehende kleintei- tise hinzugezogen. Hier wurde abgestimmt, unter welchen
lige Terrassierung im Westen des Platzes zurückgebaut. Voraussetzungen ein Baumerhalt möglich ist und welche
Eine Belebung dieses Bereichs kann wieder wie früher Maßnahmen beispielsweise in Bezug auf den Wurzelraum,
durch die Außengastronomie der Brauerei Rossknecht die Erstellung von Wurzelvorhängen, notwendige Schnittmaß-
erfolgen. nahmen etc. erforderlich waren; diese flossen in die weiteren
Insgesamt wurde – ähnlich wie in der historischen Situ- Planungen ein.
ation – eine durchgehende und großzügige Platzfläche So konnte die zentrale, raumprägende Gruppe von Platanen
geschaffen. am Reithausplatz erhalten werden. Dies war jedoch nur
• Die Kirchstraße knüpft an die Gestaltung der Fußgänger- unter erheblichem – auch finanziellem Aufwand – möglich
zone im Süden an und ist in drei Bereiche zoniert: einen (z.B. in Bezug auf die Integration der neu zu verlegenden
Bewegungsraum in der Mitte und zwei seitliche Zonen Fernwärmeleitungen, den Einbau von Kabeltrassen etc.).
für Ladenauslagen. Eine besondere Herausforderung Insgesamt stellt sich das Grünkonzept wie folgt dar: Alle
stellte die Topographie dar. Um auf Starkregenereig- gefällten Bäume wurden durch neue Bäume ersetzt – am
nisse reagieren zu können, wurden in die Gestaltung Reithausplatz durch eine Platane und in der Kronenstraße
mehrere Gitterroste integriert, die das ablaufende Was- durch drei japanische Zelkoven.
ser auffangen können und damit eine Überflutung des
Centers vermeiden. Auch das bestehende unterirdische
Regenrückhaltebecken vor dem Haupteingang wurde in
die neue Planung einbezogen. Folgende Ziele konnten erreicht werden:
Reithausplatz
• In der Kronenstraße wurden die Ecksituationen durch
• Rückbau der kleinteiligen Terrassierung und Überformung der
kleine „Bauminseln“ gegliedert und gestaltet. Sie stellen Platzfläche
eine Variante der großen Bauminseln auf dem Reithaus- • Ausbildung einer durchgehenden und großzügigen Platzfläche
platz dar. Während dort der Raumeindruck durch die • Einbeziehung des westlichen Platzrands (Ausdehnung der
bestehenden großkronigen Platanen geprägt ist, wurden Platzoberfläche bis zur Brauerei Rossknecht)
• Ausbildung einer großzügigen Terrasse mit Sitzstufen
hier kleinkronige Bäume gepflanzt, um den Raum der
• Erhalt der Platanen durch Ausbildung von „Baumfeldern“
Kronenstraße nicht einzuengen. In Verbindung mit einer bzw. „-inseln“
deutlichen Aufwertung und Öffnung der Fassade des • Ausbildung eines Wasserelements in Form eines Sprudlerfelds
Centers entstanden wieder attraktive Stadträume, die • Erhalt und Betonung des historischen Brunnens
auch eine wesentliche Aufwertung für die südlichen
Kirchstraße
Bestandsgebäude darstellen. Ähnlich wie in der Kirch-
• Anknüpfen an die Gestaltung der Fußgängerzone im Süden
straße schließen der Bodenbelag und die Beleuchtung
• Zonierung in drei Bereiche: Bewegungsraum in der Mitte; seitli-
nahtlos an die Gestaltung der angrenzenden öffentli- che Zonen für Ladenauslagen etc.
chen Räume am Holzmarkt an.
Kronenstraße
• Fassung der Ecksituationen durch kleine „Bauminseln“ mit
Sitzgelegenheiten
• Nahtloser Anschluss an die bereits umgestalteten öffentlichen
Räume am Holzmarkt
Stadt Ludwigsburg | Aufwertung der nördlichen Innenstadt und Revitalisierung des Marstall-Centers 29Sie können auch lesen