Augenoptik in Zahlen Branchenbericht 2020/2021 - ZVA

 
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2020/2021

Branchenbericht

Augenoptik
in Zahlen

Foto: iStock / stockfour
Augenoptik in Zahlen Branchenbericht 2020/2021 - ZVA
Für die bessere Lesbarkeit wird in ZVA-Publikationen nicht ausdrücklich in geschlechtsspezifischen Personenbezeichnungen
          differenziert. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung für alle Geschlechter.

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Branchenbericht 2020/2021

Vorwort
Auch für die Augenoptik war 2020 ein lehrreiches          in manchem Bundesland in der Impfpriosierung nach
Jahr. Wir haben gelernt, dass die Davids den Goliaths     vorne rückten, ist vor diesem Hintergrund sinnvoll.
in Krisenzeiten durchaus etwas voraushaben können.        Denn um ihre Arbeit gut machen zu können, müssen
So litten die kleinen und mittelgroßen Augenoptik-        die Kollegen nah an ihre Kunden – nebenbei bemerkt
betriebe unter den Auswirkungen der Corona-Pan-           ist das exakt der Grund, warum der reine Online­
demie und den Lockdowns wirtschaftlich weniger            handel mit Brillen praktisch gescheitert und auch im
als die großen Filialisten. Es gab offenbar eine Migra-   Jahr 2020 nicht überproportional gewachsen ist.
tionsbewegung von den üblicherweise bis zur Kapa­
zitätsgrenze gefüllten Geschäften der Ketten hin zu       Die dritte große Erkenntnis, die das vergangene Jahr
jenen der oftmals noch inhabergeführten Betriebe          brachte: Die Ausläufer des Bebens, das die Subprime-­
oder regionalen Filialunternehmen, in denen das           Krise 2007 in den USA auslöste, sind immer noch
Maß der Dinge nicht nur die Stückzahl ist.                spürbar und in der Lage, selbst die deutsche Augen-
                                                          optik dezent durchzumischen. Denn der Finanzkrise
Sie nahmen diese Kunden mit Migrationshinter-             folgte die bis heute anhaltende Niedrigzinspolitik,
grund natürlich nur allzu gern auf und entdeckten         zuerst wurden dadurch festverzinsliche Geldanlagen
dabei krisenbedingt sogar noch das Termingeschäft         unattraktiv, dann floss alles Geld in Immobilien und
für sich. Vor der Krise orientierte sich das Ressour-     Aktien, bis es auch in diesen Anlageklassen immer
cenmanagement der meisten Augenoptikbetriebe              schwieriger wurde, Investitionsmöglichkeiten zu an-
traditionell mehr oder minder an den Belastungs-          gemessenen Preisen zu finden. Doch irgendwo muss
spitzen: Sofern der Arbeitsmarkt es zuließ, hielt man     das Geld hin … und so haben einige potente Kapital-
einfach so viel Personal vor, wie man erfahrungsge-       geber nunmehr den augenoptischen Einzelhandel
mäß brauchte, wenn „viel los ist“. Das Arbeiten über      für sich entdeckt.
Terminvergabe, zu dem uns die Krise zwang, machte
dieses Vorhalten nun deutlich weniger wichtig. Denn       Dass Optik Meier längst Herrn Müller gehört, der
der Betrieb bestimmt seitdem in höherem Maße              so wenig Augenoptiker ist wie Jeff Bezos gelernter
selbst, wann viel los ist. Als erste Lektion des Jahres   Buchhändler, ist dabei kein vollkommen neues Phä-
2020 nehme ich daher mit, dass Sätze nicht trivial        nomen. Es prägte den Markt jedoch bisher nur sehr
oder falsch sein müssen, nur weil sie einem Glücks-       marginal. Das hat sich 2020 geändert und wird uns
keks entstammen: Krisen können tatsächlich eine           noch beschäftigen.
Chance sein.
                                                          Ich bin daher sehr gespannt, was sich in der Branche
Die zweite Lektion ist, dass die Augenoptik wie auch      in den kommenden Jahren tun wird. So viel ist jeden-
die anderen Gesundheitshandwerke für die Auf-             falls sicher, die Lektüre des ZVA-Branchenberichts
rechterhaltung des gesellschaftlichen Systems, in         wird nicht langweilig.
dem wir leben, eine größere Rolle spielt als uns selbst
vielleicht vorher bewusst war. Es sind die über 11.000
Augenoptikbetriebe in Deutschland, die die Men-           Zentralverband der Augenoptiker
schen, unter ihnen Ärzte, Krankenschwestern und           und Optometristen
viele andere Angehörige systemrelevanter Berufe,
orts- und zeitnah mit individuell angepassten Seh-
hilfen versorgen. Dass diese Betriebe über alle Lock-
downs hinweg geöffnet bleiben und arbeiten durf-          Thomas Heimbach
ten, war daher richtig und wichtig. Und auch, dass sie    Vorsitzender des Betriebswirtschaftlichen Ausschusses

                                                                                                                          ZVA | 3
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Inhalt

          Seite

           5      1 Branche im Überblick

           6		 Gesamtmarkt

           7		 Veränderung der Vertriebsformen

          10		Marktsituation

             2 Die Situation der stationären Augenoptik
          13	

          14		Umsatzstruktur

          15		Kostenstruktur

          17		 Die Fehlsichtigen in Deutschland

          20		Brillenmarkt

          23		Kontaktlinsenmarkt

          24		Sonnenbrillenmarkt

             3	Die Branche in der Corona-Krise
          25	
                   Ergebnisse verschiedener Umfragen

          26		 Situation der Betriebe in der Corona-Krise

          29		Wirtschaftliche Situation
                   Rückblick 2020 und Ausblick 2021

          33		 Umfrageergebnisse zu Krankenkassenthemen

          35      4	Wichtige Ergebnisse der
                   ZVA-Branchenstrukturerhebung

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Branchenbericht 2020/2021

Die Branche im Überblick

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            Foto: Adobe Stock / NDABCREATIVITY

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Der Gesamtmarkt
          Wie die gesamte Wirtschaft war auch die Augenoptik    gangenen Sportmöglichkeiten während der Pande-
          im Jahr 2020 beherrscht von der Corona-Pandemie       mie zurückzuführen sein, da vornehmlich gelegent-
          und von den wirtschaftlichen Einbußen insbesonde-     liche Träger von Kontaktlinsen diese bei sportlichen
          re in den Monaten März, April und Mai 2020, obwohl    Aktivitäten tragen, die im Jahr 2020 nur begrenzt
          die Betriebe auch in Zeiten des Lockdowns geöffnet    möglich waren. Bei den Sonnenbrillen dürfte der viel-
          bleiben durften.                                      fach ausgefallene Urlaub eine Rolle gespielt haben.

          Das Ausmaß der Einbrüche im Frühjahr 2020 ver-        In diesem atypischen Jahr 2020 war auch die Ent-
          deutlichen Zahlen der GfK (Growth from Know-          wicklung der verschiedenen Marktbeteiligten aty-
          ledge, vormals Gesellschaft für Konsumforschung,      pisch. Während in den Jahren vor 2020 die Umsätze
          Nürnberg), die für den März einen Rückgang der        der großen Filialbetriebe stärker gewachsen waren
          Stückzahlen von Korrektionsgläsern von minus 27       als die des augenoptischen Mittelstands, war dies
          Prozent ausweist, im April von minus 61 Prozent und   im Jahr 2020 nicht der Fall. Dies zeigt beispielswei-
          im Mai von minus 19 Prozent, jeweils bezogen auf      se eine Erhebung des Zentralverbandes der Augen­
          den entsprechenden Vorjahresmonat. Der Rückgang       optiker und Optometristen (ZVA), die für die knapp
          der Korrektionsgläser kann direkt auf den Rückgang    300 teilnehmenden mittelständischen Betriebe
          der kompletten Brillen übertragen werden. In den      einen Umsatzrückgang von circa drei Prozent aus-
          Folgemonaten sind Wachstum und Nachholeffekte         weist. Die Umsatzverluste der Filialisten sind im Ver-
          festzustellen. Insbesondere in den Monaten Juli bis   gleich hierzu deutlich höher ausgefallen.
          Oktober 2020 lagen die Brillenstückzahlen über den
          Zahlen der Vorjahresmonate.                           Insgesamt hat die Branche für das Jahr 2020 über
                                                                alle Vertriebskanäle hinweg ein Umsatzminus von
          Durch die Corona-Pandemie haben vor allem die         7,4 Prozent zu verkraften und liegt bei einem Bran-
          Umsatzbereiche Kontaktlinsen inklusive Pflegemit-     chenumsatz von sechs Milliarden Euro (inklusive
          tel sowie Sonnenbrillen (ohne Korrektion) gelitten.   MwSt.) Die Brillenstückzahlen sind um 8,7 Prozent
          Bei den Kontaktlinsen dürfte dies auf die zurückge-   auf 11,8 Millionen Stück gesunken (siehe Tabelle 1).

          Tabelle 1
          Augenoptik gesamt

           Umsätze in Mrd. Euro inkl. MwSt.                        2017          2018          2019          2020

           Branchenumsatz                                          6,12         6,257         6,497         6,017

           Absatz komplette Brillen (Mio. Stück)                   12,74        12,84         12,97         11,84

           Absatz Brillengläser (Mio. Stück)                       38,82        39,61         40,21         36,55

           Brillenoptikumsatz                                      4,924        5,025         5,226         4,875

           Kontaktlinsenumsatz (inkl. Pflegemittel)                0,555        0,574         0,580         0,523

           sonstige Umsätze (Sonnenbrillen, Handelsware etc.)      0,640        0,658         0,691         0,619

          Quelle: ZVA

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Branchenbericht 2020/2021

Auch im Jahr 2020 ist eine fortschreitende Ver­              Alters des Betriebsinhabers verkauft – teilweise an
mischung der Vertriebskanäle (stationär, online)             Filialisten – oder auch geschlossen. Zur horizontalen
festzustellen. Darüber hinaus dauert der bereits seit        Konzentration kommt auch die vertikale Konzen­
mehreren Jahren erkennbare Konzentrationsprozess             tration, wenn z. B. Fassungs- und/oder Glashersteller
in der Augenoptik an. Betriebe werden aufgrund des           eigenständige Filialen betreiben oder übernehmen.

Veränderung der Vertriebsformen
Insbesondere im Bereich des Korrektionsbrillen-              Anhand der Antworten wurden die Brillenkäufe ent-
verkaufs vermischen sich der stationäre und der              sprechend der folgenden Definitionen zugeordnet:
Online-­
       Verkauf zunehmend. Die vormals reinen
Online-­
       Unternehmen gehen vermehrt dazu über,                 •	Stationärer Kauf: Der komplette Kauf von Seh-
mit Partner-Augenoptikbetrieben vor Ort zusam-                 test/Refraktion bis zur Abgabe der fertigen Brille
menzuarbeiten oder eröffnen zusätzlich eigene Ge-              wurde ausschließlich stationär abgewickelt.
schäfte. Bei der Korrektionsbrille gibt es den reinen        •	Online-Kauf: Der komplette Kauf von Sehtest/
Online-Vertrieb fast nicht (mehr). So gut wie bei              Refraktion bis zur Abgabe der fertigen Brille wur-
jedem Brillenkauf sind in der Customer Journey ein             de ausschließlich online abgewickelt.
oder mehrere Berührungspunkte mit einem statio-              •	Multichannel: Beide Bereiche wurden tangiert.
nären Augenoptikbetrieb festzustellen. Dies belegt
sehr eindrücklich die vom ZVA veranlasste Studie der         Die Auswertung der Daten ergab, dass 89,3 Prozent
Firma Kantar aus dem Januar/Februar 2020.                    aller Brillenkäufe rein stationär getätigt werden. Neun
                                                             Prozent der Brillenkäufe sind dem Multichannel-­
Im Rahmen dieser Untersuchung wurden Brillenträ-             Bereich zuzuordnen, das bedeutet, dass im Verlaufe
ger über ihre letzten und vorletzten Brillenkäufe be-        des Kaufes einige Prozessschritte offline und einige
fragt (Stichprobe: 1.729 Brillenträger mit 1.119 Brillen-    online ausgeführt wurden. Lediglich bei 1,7 Prozent
käufen im Jahr 2019).                                        der Käufe wurde der komplette Kaufprozess online

Grafik 1
Kaufkanäle

           89 %                         9%                         2%

     stationäre Käufe           Multichannel-Käufe          reine Online-Käufe

Quelle: ZVA

                                                                                                                         ZVA | 7
abgewickelt (siehe Grafik 1). Das bedeutet, dass in       vorneigung sowie der individuellen Einschleifhöhe
          98,3 Prozent der Fälle die Kunden beim Brillenkauf        unabdingbar. Dies ist nur vor Ort beim stationären
          auf den Besuch eines Geschäfts offen­bar nicht ver-       Betrieb leistbar.
          zichten wollen oder können.
                                                                    Aufgrund der Ergebnisse der Kantar-Studie kann ob-
          Die Ergebnisse der Untersuchung von Kantar zei-           jektiv festgestellt werden, dass der Online-Verkauf
          gen Bereiche auf, in denen die Verkaufskanäle über-       von Brillen gescheitert ist. Die ehemals reinen On-
          bzw. unterproportional genutzt werden. So werden          line-Unternehmen setzen vermehrt auf den Multi-
          Gleitsicht­brillen im Verhältnis häufiger stationär ge-   channel-Verkauf. Auch traditionell stationäre Betrie-
          kauft, während Einstärkenbrillen überproportional         be bauen zunehmend zeitgemäße Online-Elemente
          häufig als reiner Online-Kauf oder als Multichannel-      in ihre Vertriebsstruktur ein. Dieser Bereich ist in den
          Kauf erworben werden. Betrachtet man beispiels-           letzten Jahren unbestreitbar gewachsen und wird in
          weise den reinen Online-Kanal, stellt man fest, dass      Zukunft auch weiter zunehmen.
          es sich bei 83 Prozent dieser Brillenkäufe um Ein­
          stärkenbrillen handelt, während im Gesamtdurch-
          schnitt über alle Verkaufskanäle zu 55 Prozent Ein-       Der stationäre Markt
          stärkenbrillen gekauft werden. Mehrstärkenbrillen
          werden im Gegensatz hierzu überproportional häu-          Die Zahl der augenoptischen (stationären) Fachge-
          fig vor Ort bei den stationären Betrieben erworben.       schäfte nimmt, wie schon in den vergangenen Jah-
                                                                    ren, erneut ab (siehe Tabelle 2). Die Beschäftigten-
          Die fachspezifischen Besonderheiten der Brille ma-        zahl sinkt ebenfalls, jedoch nicht im gleichen Maße
          chen einen reinen Online-Handel schwierig. Es fängt       wie die Zahl der Geschäfte, da die Größe der Be-
          damit an, dass es eine Online-Brillenglasbestim-          triebsstätten und daher die durchschnittliche Mitar-
          mung derzeit nicht gibt. Es stehen allenfalls Online-­    beiterzahl etwas ansteigt. Seit dem Jahr 2013 nimmt
          Sehteste zur Verfügung, die nach Einschätzung des         die Anzahl der Betriebsstätten in der Augenoptik
          ZVA jedoch nicht zu brauchbaren Werten als Basis          kontinuierlich ab.
          zur Herstellung einer Korrektionsbrille führen. Ins-
          besondere Mehrstärken- bzw. Gleitsichtbrillen be-         Der Branchenumsatz bezogen auf die stationäre Au-
          nötigen eine besondere Sorgfalt bei der Anpassung         genoptik geht von 2019 auf 2020 um acht Prozent
          der Brille bzw. der Zentrierung der Korrektionsgläser     auf 5,572 Milliarden Euro zurück. Die Brillenstück-
          vor den Augen. Um eine gute Sicht zu gewährleisten,       zahlen sinken um 9,8 Prozent auf 10,53 Millionen ver-
          ist die Ermittlung von individuellen Daten wie Pu-        kaufte Brillen (siehe Tabelle 3).
          pillendistanz, Hornhautscheitelabstand, Fassungs-

          Tabelle 2
          Stationäre Augenoptik

                                                                        2017            2018        2019          2020

           Anzahl der augenoptischen Fachgeschäfte                    11.700        11.630         11.550       11.370

           Beschäftigte (einschließlich Inhaber)                      48.400        48.400         48.400       48.100

           Auszubildende                                               6.845            7.208      7.645         7.654

          Quelle: ZVA

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Branchenbericht 2020/2021

Tabelle 3
Stationäre Augenoptik

                                                                           2018        2019           2020

 Branchenumsatz (Mrd. Euro inkl. MwSt.)                                   5,894        6,118          5,572

 Absatz komplette Brillen (Mio. Stück)                                    11,57        11,67          10,53

 Absatz Brillengläser (Mio. Stück)                                        37,06        37,61          33,92

Quelle: ZVA

Der Online-/Multichannel-Markt

Der Anteil des Online-/Multichannel-Umsatzes am           bedeutet für das Pandemie-Jahr 2020 ein Wachs-
gesamten Branchenumsatz liegt im Jahr 2020 bei            tum um fünf Prozent. Bezogen auf die Gesamtzahl
7,4 Prozent und ist somit gegenüber 2019 um 1,6 Pro-      der 2020 verkauften Brillen liegt dieser Anteil bei
zentpunkte gestiegen. Die über den Multichannel-          2,2 Prozent und kann daher, trotz Wachstum, wei-
Vertrieb verkauften Korrektionsbrillen belaufen sich      terhin als unbedeutend bezeichnet werden (siehe
auf 1,05 Millionen Stück. Die rein online verkauften      Tabelle 4).
Brillen liegen im Jahr 2020 bei 260.000 Stück. Dies

Tabelle 4
Augenoptik online/multichannel

                                                2019                                   2020

                                  online/        multi­     online        online/       multi­        online
                                multichannel    channel                 multichannel   channel

 Absatz komplette Brillen            1,30        1,05        0,25          1,31         1,05           0,26
 (Mio. Stück)

 Absatz Brillengläser                2,60        2,10        0,50          2,63         2,10           0,53
 (Mio. Stück)

Quelle: ZVA

                                                                                                                      ZVA | 9
Marktsituation – stationäre Augenoptik
           Der Konzentrationsprozess in der Augenoptik geht             um den stationären Markt geht, werden diese Zah-
           auch im Jahr 2020 weiter. Die Anzahl der Geschäf-            len bei den zehn umsatzstärksten Filialunternehmen
           te der größten Filialunternehmen nimmt weiter zu,            nicht berücksichtigt.
           während die Zahl der augenoptischen Fachgeschäf-
           te insgesamt sinkt (siehe Grafik 2). Im Jahr 2020 ge-        Auch im Jahr 2020 wachsen die umsatzstärksten
           hörten circa 2.322 Betriebsstätten zu den zehn um-           Unternehmen im stationären Bereich stärker als die
           satzstärksten Filialunternehmen in der Augenoptik            Branche insgesamt. Dies liegt daran, dass diese Un-
           – bezogen auf die insgesamt etwa 11.370 Betriebs-            ternehmen die Zahl ihrer Filialen durch Zukäufe oder
           stätten bedeutet dies einen Anteil von 20,4 Prozent          durch die Eröffnung neuer Geschäfte erhöhen. Trotz
           (siehe Tabelle 5).                                           erfolgter Umsatzrückgänge im Jahr 2020 konnten
                                                                        sie daher durch ihr Flächenwachstum ihren Markt-
           In die Liste der umsatzstärksten Filialunternehmen           anteil erhöhen. Der Umsatzanteil der zehn größten
           wurde für das Jahr 2020 die Firma Super Vista aufge-         Filialunternehmen liegt im Jahr 2020 erstmals über
           nommen, die vorwiegend im Multichannel-Verkauf               50 Prozent (siehe Grafik 3).
           tätig ist. Da es in der folgenden Betrachtung primär

           Grafik 2
           Augenoptische Fachgeschäfte/Filialisten
                    Anzahl der augenoptischen Fachgeschäfte (stationär)
           2020 11.370
           2019      11.550
           2018      11.630
           2017      11.700

                    Entwicklung der zehn umsatzstärksten Unternehmen (stationär)                      Zunahme der
           2020 2.322                                                                              Betriebsstätten der
                                                                                                  zehn umsatzstärksten
           2019      2.230
                                                                                                 Unternehmen bei gleich-
           2018      2.198                                                                         zeitig abnehmender
           2017      2.083                                                                           Gesamtzahl der
                                                                                                     Betriebsstätten
           Quelle: ZVA/ZDH

           Grafik 3
           Aufteilung des Branchenumsatzes
           2020          49                                        51                                                %
           2019          52                                             48                                           %
           2018          53                                              47                                          %
           2017          55                                                  45                                      %
                     mittelständische Augenoptikbetriebe                          zehn umsatzstärkste Unternehmen

           Quelle: ZVA

10 | ZVA
Branchenbericht 2020/2021

Tabelle 5
Umsatzstärkste (Filial-)Unternehmen

                                                                                  2020                                2019
                                                                       Filialen        Umsatz in           Filialen        Umsatz in
                                                                                       Mio. Euro                           Mio. Euro
                                                                                        (netto)                             (netto)

 ❶ Fielmann Hamburg, Niederlassungen Deutschland                         605            1.124,5              602             1.190,0

 ❷ Apollo Optik Schwabach, inkl. Franchisepartnern                       880             736,0¹             868²             772,3¹

 ❸ Pro Optik Wendlingen, inkl. Franchisepartnern                         144             125,0               145             125,0

     Super Vista (brillen.de) Schönefeld                                  91              91,0                33              87,0
                                                                     eigene Filialen   eigene Filialen   eigene Filialen   eigene Filialen
                                                                        und 528          inkl. Anteil       und 574          inkl. Anteil
                                                                     Partneroptiker    Partneroptiker    Partneroptiker    Partneroptiker

 ❹ Eyes and more Hamburg, inkl. Franchisepartnern                        182              75,9              131²              66,7¹

 ❺ Kind Hörgeräte Großburgwedel                                         100³              69,9¹              76²              57,1¹

 ❻ Optik Matt Regensburg                                                  80              58,5¹               84              66,0¹

 ❼ Optiker Bode Hamburg                                                   77              55,3                77              57,0

 ❽ Brillen Rottler Arnsberg, inkl. Franchisepartnern                      96              54,5                91              52,1

 ❾ Aktiv Optik & Akustik Bad Kreuznach, inkl. Franchisepartnern          74²              51,0¹              72²              53,4¹

 ❿ Krass Optik München                                                    84              49,6¹               84              53,3¹

 Summe der ersten 10 (ohne Super Vista)                                2.322            2.400,2            2.230             2.492,9

Die zehn umsatzstärksten Filialunternehmen besitzen circa 20,4 Prozent aller deutschen augenoptischen Betriebsstätten.
Der von diesen Filialen erzielte Umsatz macht 50,6 Prozent des (stationären) Branchenumsatzes von 4,74 Mrd. Euro netto aus.

 ⓫ Abele Optik Würzburg                                                  76²              42,3¹              76²              45,5¹

 ⓬ Binder Optik Böblingen, Niederlassungen Deutschland                    50              40,9                50              42,0

 ⓭ Optik Hallmann Flensburg                                               85              40,6                65              32,1

 ⓮ Viehoff Gruppe Münster                                                 28              31,6                28              30,2

 ⓯ Ounda „klein, aber fein“ Münster                                       47              24,6                –                 –

 Weitere bedeutende Marktteilnehmer, die im Online-/Multichannel-Vertrieb tätig sind, sind die Firmen Mister Spex
 (Berlin) mit 34 eigenen Geschäften und 500 Partnerbetrieben sowie Brille 24/4 care GmbH (Kiel) mit circa 300 Partner­
 betrieben. Diese Betriebe geben dem ZVA ihre Umsätze nicht bekannt, eine Schätzung ist nicht möglich.

1) eigene Schätzung/Hochrechnung, da erforderliche Angaben nicht übermittelt wurden
2) laut Website des Unternehmens
3) eigene Recherche

Quelle: ZVA

                                                                                                                                             ZVA | 11
Insbesondere mittelständische Betriebe sind Mit-                 bieten zum einen vergünstigte Einkaufskonditionen
           glied in sogenannten Einkaufsgruppen. Der Anteil im              für ihre Mitglieder und zum anderen Unterstützung
           Jahr 2020 beträgt 48 Prozent. Nach einem stetigen                bei Werbemaßnahmen und der allgemeinen Kun-
           Anstieg der Mitgliedschaften bis 2010 sinkt die Zahl             denkommunikation (siehe Tabelle 6).
           der Mitglieder kontinuierlich. Die Einkaufsgruppen

           Tabelle 6
           Einkaufsgruppen

                                                                             Betriebe 2020       Betriebe 2019       Betriebe 2018

            Brillen-Profi-Contact Kaufbeuren                                     1.844               1.858               1.851

            Optic Society Oppenheim                                               832                 873                 966

            IGA Optic Datteln                                                     618                 558                 542

            Opticland Nürnberg                                                    590                 585                 556

            Optik Plus Marketing Ring Celle                                       520                 510                 514

            EGS-Optik Wolnzach                                                    498                 497                 497

            Macoma Ottobrunn                                                      190                 185                 170

            Optiker Gilde Hagen                                                  140¹                 279                 270

            Optic Actuell Neckarsulm                                             127²                127²                 126²

            Optik 1 Rechberghausen                                                106                  65                 364

            Summe Einkaufsgruppen                                                5.465               5.537               5.856

            Summe AO-Branche gesamt                                             11.370              11.550              11.630

           Viele mittelständische Augenoptikbetriebe sind in Einkaufsgruppen organisiert. Aktuell sind es 5.465 Betriebe.
           Das sind 48,1 Prozent aller Augenoptikbetriebe, die sich in dieser Form zusammengeschlossen haben.
           Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass einige Augenoptikbetriebe in verschiedenen Einkaufsgruppen gelistet sind
           und bei der Optiker Gilde seit 2020 nur Hauptbetriebe gezählt werden.
           1) nur Hauptbetriebe berücksichtigt
           2) Angabe der Website entnommen

           Quelle: ZVA

12 | ZVA
Branchenbericht 2020/2021

Die Situation der
stationären Augenoptik

02
            Foto: ZVA / Peter Boettcher

                                                              ZVA | 13
Umsatzstruktur (stationär)
           Die Zusammensetzung des stationären Augenoptik-            85 Prozent, während der Umsatz mit Kontaktlinsen
           umsatzes ist über die Jahre hinweg recht stabil. Die       inklusive Pflegemitteln um zwei Prozentpunkte ver-
           Brillenoptik (Korrektionsgläser, Korrektionsfassun-        lor und im Jahr 2020 bei lediglich fünf Prozent liegt.
           gen, Korrektionssonnenbrillen, Reparaturen, Dienst-        Nach wie vor entfallen zehn Prozent des Umsatzes
           leistungen) ist nach wie vor mit einem Anteil von          auf Bereiche wie vergrößernde Sehhilfen, Sonnen-
           über 80 Prozent des Gesamtumsatzes der Haupt-­             brillen ohne Korrektion, sonstige Handelsware und
           Umsatzträger der stationären Betriebe. Allerdings          ggf. Hörgeräte. Nicht alle Betriebe decken alle Be-
           haben sich die Anteile des Brillenoptik- und Kontakt-      reiche ab. Es gibt auch Betriebe, die sich ausschließ-
           linsenumsatzes (inklusive Pflegemittel) im Jahr 2020       lich auf die Brillenoptik bzw. Kontaktlinsenoptik be-
           etwas verschoben: Der Anteil der Brillenoptik ging         schränken (siehe Grafik 4).
           um zwei Prozentpunkte nach oben und liegt nun bei

           Grafik 4
           Zusammensetzung des Branchenumsatzes

                      85 %                      5%                        10 %

                   Brillenoptik          Kontaktlinsenoptik        Handelsware, Sonstiges
                4,722 Mrd. Euro    (Kontaktlinsen & Pflegemittel)     0,551 Mrd. Euro
                  (inkl. MwSt.)             0,3 Mrd. Euro               (inkl. MwSt.)
           		                                (inkl. MwSt.)

           Quelle: ZVA

14 | ZVA
Branchenbericht 2020/2021

Kostenstruktur der Betriebe (stationär)
Die Durchführung des vom ZVA initiierten Betriebs-   fügig um 0,3 Prozentpunkte, während die Personal-
vergleichs wurde zum Ende des Jahres 2017 von der    kosten (inklusive kalkulatorischer Unternehmerlohn)
DATEV eingestellt. Der ZVA erarbeitete eine neue     unverändert blieben. Auch der Anteil der Sachkosten
Lösung, bei der unter Einschaltung eines Treuhän-    veränderte sich im Vergleich zum Vorjahr nicht. Un-
ders anonymisierte Durchschnittswerte von teilneh-   ter Berücksichtigung sämtlicher relevanter Kosten
menden Betrieben an den ZVA übermittelt werden.      inklusive der kalkulatorischen Kosten ergab sich ein
Bislang konnte für eine Auswertung nach Umsatz-      positives Betriebsergebnis in Höhe von 5,4 Prozent
größe noch keine ausreichende Zahl an Teilnehmern    (siehe Grafik 5).
gewonnen werden, sodass die Auswertung für 2019
nur als Gesamtdurchschnitt der Teilnehmer veröf-     Die Sachkosten machen im Gesamtdurchschnitt
fentlicht werden kann.                               etwa ein Viertel der Gesamtkosten aus. Sie setzen
                                                     sich aus einer Vielzahl einzelner Positionen zusam-
Der durchschnittliche Gesamtumsatz der Teilneh-      men und sollen daher weiter aufgeschlüsselt werden.
merbetriebe betrug 497.114 Euro, was im Vergleich    Tabelle 7 zeigt die Aufteilung der Sachkosten im Ge-
zum Vorjahr einem Umsatzanstieg von 2,8 Prozent      samtdurchschnitt. Die Position Raumkosten enthält
entspricht. Der Materialeinsatz sank 2019 gering-    Miete, Heizungs- und Energiekosten sowie weitere

Grafik 5
Kostenstruktur
         Materialkosten
2019      31,5 %
2018      31,8 %

         Personalkosten
2019      37,3 %
2018      37,3 %

         Sachkosten
2019      25,8 %
2018      25,8 %

         Betriebsergebnis
2019              5,4 %
2018              5,1 %

Quelle: ZVA-Betriebsvergleich 2018/2019
                                                     Foto: ZVA / Heike Skamper

                                                                                                             ZVA | 15
mit den Geschäftsräumen im Zusammenhang ver-              Die am Betriebsvergleich teilnehmenden Betrie-
           buchte Kosten. Bei den im Eigentum befindlichen           be haben im Durchschnitt knapp fünf Beschäftigte.
           Geschäftsräumen ist eine kalkulatorische Miete an-        Es handelt sich hier um eine bereinigte Beschäftig-
           zusetzen, um eine Vergleichbarkeit herzustellen.          tenzahl, die die Arbeitszeit der Mitarbeiter berück-
           Die sonstigen Kosten umfassen allgemeine Verwal-          sichtigt. Im Durchschnitt macht jeder Beschäftigte
           tungsausgaben wie Porto, Telefon, Rechts- und Be-         103.782 Euro Umsatz und erwirtschaftet ein Be-
           ratungsgebühren sowie ggf. auch externe Buchfüh-          triebsergebnis in Höhe von 5.604 Euro (siehe Ta­
           rungskosten.                                              belle 8).

           Tabelle 7
           Aufteilung der Sachkosten

            Kostenart/Anteil                                2019                2018
                                                        Durchschnitt %      Durchschnitt %

            Raumkosten                                       7,1                 7,2

            betriebliche Steuern                             0,3                 0,3

            Versicherungen/Beiträge                          1,2                 1,3

            besondere Kosten                                 0,1                 0,0

            Kfz-Kosten (ohne Steuern)                        1,2                 1,1

            Werbe-/Reisekosten                               3,5                 3,6

            Kosten Warenabgabe                               0,4                 0,4

            Abschreibungen                                   3,2                 3,3

            Reparatur/Instandhaltung                         0,8                 0,7

            sonstige Kosten                                  4,5                 4,3

            Zinsaufwand                                      0,3                 0,3

            sonstige kalkulatorische Kosten                  3,2                 3,3

            Summe Sachkosten                                25,8                 25,8

           Quelle: ZVA-Betriebsvergleich 2018/2019

           Tabelle 8
           Leistungskennzahlen im Gesamtdurchschnitt

            Pro-Kopf-Werte                                                            2019                 2018
                                                                                   Durchschnitt         Durchschnitt

            Anzahl der Beschäftigten                                                     4,79               4,83

            Umsatz je Beschäftigten in Euro                                             103.782           100.119

            Betriebsergebnis je Beschäftigten in Euro                                    5.604             5.106

           Quelle: ZVA-Betriebsvergleich 2018/2019

16 | ZVA
Branchenbericht 2020/2021

Die Fehlsichtigen in Deutschland
Die folgenden Aussagen zu den Fehlsichtigen in                           Circa 5,5 Prozent der Bundesbürger ab 16 Jahre be-
Deutschland basieren auf den Ergebnissen der Bril-                       zeichnen sich aktuell als Kontaktlinsenträger. Dies
lenstudie 2019 des Instituts für Demoskopie, Allens-                     sind in absoluten Zahlen 3,4 Millionen Bundesbürger.
bach. Das Kuratorium Gutes Sehen (KGS) gibt diese                        2,5 Prozent der Bevölkerung tragen ihre Kontaktlin-
Studie seit 1952 in Auftrag. Teile der Studie wurden                     sen regelmäßig, weitere drei Prozent gelegentlich,
vom Zentralverband der Augenoptiker und Opto-                            zum Beispiel im Wechsel mit einer Brille. Der Anteil
metristen sowie von der augenoptischen Industrie                         der Kontaktlinsenträger blieb in den vergangenen
finanziert.                                                              Jahren (seit 2005) recht stabil (siehe Grafik 6). Aller-
                                                                         dings unterscheiden sich die Anteile in West und Ost
In Deutschland tragen 41,1 Millionen Erwachsene (ab                      deutlich: Während sich der Anteil der Kontaktlinsen-
16 Jahren) eine Brille, darunter 23,4 Millionen ständig                  träger im Westen auf 6,1 Prozent beläuft, liegt er im
und weitere 17,7 Millionen gelegentlich. Der Anteil                      Osten lediglich bei 2,6 Prozent.
der Brillenträger ist in Deutschland langfristig deut-
lich gewachsen – im Jahr 1952 lag dieser in West-                        Die meisten Brillenträger besitzen mehr als eine
deutschland bei 43 Prozent. In den vergangenen                           Brille. Im Rahmen der Befragung zur Brillenstudie
Jahren hat sich der Anteil stabilisiert und liegt für das                2019 gaben 59 Prozent der Brillenträger an, mehrere
Jahr 2014 bei 63,5 Prozent. 2019 gab es mit einem                        Brillen zu besitzen. Allerdings verfügen immer noch
Anteil von 66,6 Prozent Brillenträgern einen deut-                       vier von zehn Brillenträgern lediglich über eine ein-
lichen Sprung nach oben. Frauen tragen mit einem                         zige sehtaugliche Brille. Diese Relation blieb über
Anteil von 70 Prozent deutlich häufiger eine Brille als                  die vergangenen acht Jahre relativ stabil. Bezogen
Männer. Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil                           auf 2008 stieg der Anteil jedoch an, damals besaß
der Brillenträger zu: Die Altersgruppe ab 60 Jahre                       nur gut die Hälfte der Brillenträger mehr als eine seh-
trägt zu über 90 Prozent eine Brille (siehe Tabelle 9).                  taugliche Brille (siehe Grafik 7).

Tabelle 9                                                                Grafik 6
Brillenträger in Deutschland                                             Kontaktlinsenträger in Deutschland

                                                2019              2014   2019        2,5                        3,0                          5,5 %
                                                                         2014        2,8                           2,4                     5,2 %
  insgesamt ab 16 Jahre                         67 %              63 %
                                                                         2011        2,9                            2,4                    5,3 %
  Männer ab 16 Jahre                            63 %              59 %
                                                                         2005        2,5                        2,5                       5,0 %
  Frauen ab 16 Jahre                            70 %              67 %
                                                                         1999        2,2                     1,3          3,5 %
  20- bis 29-Jährige                            36 %              32 %              regelmäßig             gelegentlich
  30- bis 44-Jährige                            44 %              38 %
                                                                         Quelle: Brillenstudie 2019, Institut für Demoskopie Allensbach
  45- bis 59-Jährige                            74 %              73 %

  60-Jährige und Ältere                         91 %              92 %

Quelle: Brillenstudie 2019, Institut für Demoskopie, Allensbach

                                                                                                                                                     ZVA | 17
Grafik 7
           Die Mehrheit der Brillenträger besitzt mehr als eine Brille
           2019        41                                                   59                                                         %
           2014        41                                                   59                                                         %
           2011        42                                                   58                                                         %
           2008        47                                                        53                                                    %
                      besitzen eine Brille                                                                  besitzen mehrere Brillen

           Quelle: Brillenstudie 2019, Institut für Demoskopie Allensbach

           Die deutsche Gesamtbevölkerung ab 16 Jahre                                 Die Mehrheit der Brillenträger nutzt beim Sport oder
           nutzt mittlerweile zu 87 Prozent einen Computer,                           bei anderen Freizeitaktivitäten ihre ganz normale
           einen Tablet-­
                        PC, ein Smartphone oder ähnliches.                            Brille. Lediglich fünf Prozent tragen eine spezielle
           Die Gruppe der 16- bis 30-Jährigen nutzt sogar zu                          Sportbrille, zehn Prozent verwenden ihre Sonnen-
           100 Pro­zent solche digitalen Endgeräte. Mittlerwei-                       brille. Beim Sport tragen 37 Prozent der Brillenträger
           le tragen 63 Prozent der Computernutzer gelegent-                          keine Brille (siehe Grafik 10). Der Anteil derjenigen,
           lich oder ständig eine Brille (siehe Grafik 8).                            die beim Sport eine spezielle Sportbrille tragen,
                                                                                      ist seit 2014 um zwei Prozentpunkte angestiegen.
           Der Anteil Brillenträger, die eine spezielle Brille für                    Brillen­
                                                                                             träger, die auch beim Sport und sonstigen
           die Tätigkeit am Bildschirm nutzen, ist 2019 auf                           Freizeitaktivitäten eine Brille tragen, kaufen ihre
           13 Prozent angestiegen – im Jahr 2011 lag der Anteil                       Sportbrille zu 93 Prozent im Augenoptikerfachge-
           noch bei sechs Prozent (siehe Grafik 9). Im gleichen                       schäft.
           Zeitraum verringerte sich der Anteil der Brillenträ-
           ger, die ihre normale Brille am Computer tragen, von                       Der Anteil der Sonnenbrillenträger an der deutschen
           72 auf 65 Prozent. Das bedeutet jedoch, dass immer                         Bevölkerung ab 16 Jahren ist seit vielen Jahren weit-
           noch knapp zwei Drittel der Brillenträger ihre nor­                        gehend stabil auf einem hohen Niveau. Zwischen
           male Brille vor dem Bildschirm tragen.                                     2002 und 2014 schwankte der Anteil zwischen

           Grafik 8
           Computernutzung und Brille tragen

           Von den Computernutzern (privat oder beruflich) tragen:

                       37 %                                     28 %                       35 %

                    keine Brille                     gelegentlich eine Brille         ständig eine Brille

           Quelle: Brillenstudie 2019, Institut für Demoskopie Allensbach

18 | ZVA
Branchenbericht 2020/2021

Grafik 9
Brillennutzung am Computer

           65 %                                       13 %             14 %                            8%

       normale Brille                           spezielle Brille     keine Brille                   keine Angabe

Quelle: Brillenstudie 2019, Institut für Demoskopie Allensbach

74 und 80 Prozent. Im Jahr 2019 trugen vier Fünftel                Betrachtet man die (Korrektions-)brillenträger und
der deutschen Bevölkerung ab 16 Jahren, das heißt                  Nicht-Brillenträger getrennt, so ist festzustellen,
49,1 Millionen Menschen, zumindest selten eine                     dass der Anteil der Sonnenbrillenträger bei den
Sonnen­
      brille. Demgegenüber verzichtet ein Fünf-                    Nicht-Brillen­trägern mit einem Anteil von 85 Pro-
tel der erwachsenen Bevölkerung trotz Gesund-                      zent höher liegt als bei den Brillenträgern, deren
heitsgefahren auf diesen Schutz (siehe Grafik 11).                 Anteil lediglich 77 Prozent ausmacht.

Grafik 10
Brillenträger tragen beim Sport überwiegend ihre normale Brille
normale Brille                    52 %
keine Brille                      37 %
Sonnenbrille                      10 %
spezielle Sportbrille                     5%
anderes                               2%

Quelle: Brillenstudie 2019, Institut für Demoskopie Allensbach

Grafik 11
Sonnenbrillenträger
           Es tragen eine oder mehrere Sonnenbrillen                            Es tragen keine Sonnenbrillen
2019        80                                                                                 20                  %
2014        77                                                                            23                       %
2011        79                                                                                 21                  %
2008        76                                                                            24                       %

Quelle: Brillenstudie 2019, Institut für Demoskopie Allensbach

                                                                                                                               ZVA | 19
Der Brillenmarkt (stationär)
           Im Jahr 2020 wurden in Deutschland insgesamt            mit der Abrechnung von Leistungen mit den gesetz-
           11,84 Millionen komplette Korrektionsbrillen ver-       lichen Krankenkassen gibt es Ausnahmen, auf die
           kauft. Über den rein stationären Vertrieb wurden        an dieser Stelle jedoch nicht weiter eingegangen
           10,53 Millionen Korrektionsbrillen abgegeben. Die       werden soll. Grafik 12 zeigt, dass sich das Verhältnis
           Kunden können beim Brillenkauf aus einer Vielzahl       von augenärztlich verordneten Sehhilfen zu solchen,
           von Fassungsmaterialien bzw. Gläsertypen wählen.        die direkt durch den Augenoptiker veranlasst waren,
                                                                   umgekehrt hat. Noch im Jahr 2000 wurde knapp die
           Die folgenden Aussagen beziehen sich auf die vom        Hälfte der Sehhilfen augenärztlich verordnet – 2020
           ZVA regelmäßig durchgeführte Erfa-Statistik. Hieran     sind dies nur noch 14 Prozent.
           beteiligen sich knapp 300 mittelständische Augen-
           optikbetriebe. Die Ergebnisse betreffen daher Be-       Der Anteil der Kunststofffassungen ist im Jahr 2020
           triebe dieser Größenordnung. Sie können nicht 1 : 1     erneut geringfügig zurückgegangen, macht aber
           auf den stationären Gesamtmarkt übertragen wer-         mit einem Anteil von 30 Prozent weiterhin fast ein
           den, da sich die Situation bei größeren Filialbetrie-   Drittel der gesamten verkauften Fassungen aus. Der
           ben in einigen Punkten unterscheidet.                   Anteil der Metallfassungen ist erneut etwas gestie-
                                                                   gen und liegt nun bei 59 Prozent (siehe Grafik 13).
           Augenoptiker können und dürfen eigenverantwort-         Faden- sowie Bohrfassungen kommen zusammen
           lich und ohne ärztliche Verordnung mit Sehhilfen        auf einen Anteil von drei Prozent. Die sonstigen Fas-
           versorgen. Lediglich im Zusammenhang mit der Ver-       sungen machen einen Anteil von acht Prozent aus.
           sorgung von gesetzlich Krankenversicherten bzw.

           Grafik 12
           Brillenverordnungen
           2020       86                                                                                 14       %
           2016       82                                                                            18            %
           2012       78                                                                     22                   %
           2008       73                                                                27                        %
           2004       60                                                   40                                     %
           2000       51                                           49                                             %
                     Augenoptikerverordnung/vorherige Werte                               ärztliche Verordnung

           Quelle: ZVA-Erfa-Auswertung

20 | ZVA
Branchenbericht 2020/2021

Grafik 13                             Betrachtet man die Stückzahlen der verkauften Fas-
Fassungsmaterial                      sungen, so haben die Preissegmente bis 150 Euro
                                      Rückgänge zu verzeichnen – ihr Anteil ging von
         Kunststofffassungen
                                      56 Prozent im Jahr 2019 auf 53 Prozent zurück. Dem-
2020 30 %
2019      30 %                        gegenüber gab es Zuwächse in allen Preissegmenten

2018      32 %                        über 150 Euro. Betrachtet man die Umsatzanteile
                                      der Preiskategorien, so macht die Preisklasse über
         Metallfassungen              250 Euro mit einem Anteil von 36 Prozent mehr als
2020 59 %                             ein Drittel des gesamten Fassungsumsatzes aus. Dies
2019      58 %                        ist mit Abstand der größte Umsatzanteil. Fassungen
2018      55 %                        bis zu 50 Euro tragen trotz hoher Stückzahlen nur
                                      mit zwei Prozent zum Fassungsumsatz bei (siehe
Quelle: ZVA-Erfa-Auswertung
                                      Grafik 14).

Grafik 14
Fassungsumsatz nach Preiskategorien
         über 250 Euro                       bis 150 Euro
2020 36 %                             2020 18 %
2019      34 %                        2019    19 %
2018      32 %                        2018    19 %

         bis 250 Euro                        bis 100 Euro
2020 13 %                             2020 9 %
2019      12 %                        2019    10 %
2018      13 %                        2018    11 %

         bis 200 Euro                        bis 50 Euro
2020 22 %                             2020          2%
2019      23 %                        2019          2%
2018      22 %                        2018          3%

Quelle: ZVA-Erfa-Auswertung

                                                                                              ZVA | 21
Seit 2017 liegt der Anteil der mineralischen Gläser     nun 1,8 Prozent und kann als nahezu unbedeutend
           unter fünf Prozent und kann inzwischen als quasi un-    bezeichnet werden. Der Anteil der Einstärkengläser
           bedeutend bezeichnet werden. Im Gegensatz hierzu        liegt weiterhin bei 58 Prozent.
           steigt der Anteil der organischen (Kunststoff-)Gläser
           kontinuierlich an und liegt 2020 bei 96 Prozent (sie-   Betrachtet man die Umsatzanteile, so ist es genau
           he Grafik 15).                                          umgekehrt. Der Anteil des mit Mehrstärkengläsern
                                                                   erzielten Umsatzes der Betriebe liegt 2020 bei
           Die Anteile der verkauften Ein- und Mehrstärkenglä-     74 Prozent und hat damit erneut etwas an Bedeu-
           ser haben sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verän-    tung gewonnen. Der Umsatz mit Einstärkengläsern
           dert. Damit liegt der Anteil der verkauften Mehrstär-   macht nur noch gut ein Viertel des gesamten Gläser-
           kengläser (Stück) im Jahr 2020 weiter bei 42 Prozent.   umsatzes aus. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass
           Der darin enthaltene Anteil der Bifokal-/Trifokalglä-   sich diese Zahlen auf die Erfa-Statistik und damit auf
           ser sinkt hingegen von zwei Prozent im Jahr 2019 auf    mittelständische Betriebe beziehen (siehe Grafik 16).

                                                                   Die meisten Gläser werden entspiegelt verkauft
                                                                   – dieser Trend hat sich im Jahr 2020 weiter fortge-
           Grafik 15
                                                                   setzt. Vier Fünftel der Gläser werden mit einer Super-
           Glasmaterial (Stück)
                                                                   entspiegelung abgegeben, acht Prozent sind einfach
                                                                   bzw. mehrfach entspiegelt. Immer noch zwölf Pro-
                                                                   zent der Korrektionsgläser werden ohne Entspiege-
                                                                   lung verkauft.

                     96 %                            4%
                                                                   Bei den organischen Gläsern geht die Entwicklung
                                                                   zu höheren Brechungsindizes weiter. Lag der Anteil
                                                                   der normal brechenden Kunststoffgläser 2019 noch
                                                                   bei 52 Prozent, wurde 2020 mehr als die Hälfte der
               organische Gläser         mineralische Gläser
                                                                   Kunststoffgläser mit einem höheren Brechungsindex
           Quelle: ZVA-Erfa-Auswertung                             als 1,59 verkauft.

           Grafik 16
           Einstärkengläser/Mehrstärkengläser
           2020       58                                                 42                                         %
           2019       58                                                 42                                         %
           2018       59                                                  41                                        %
                     Einstärkengläser (Stück)                                           Mehrstärkengläser (Stück)

           2020       26                        74                                                                  %
           2019       27                         73                                                                 %
           2018       28                         72                                                                 %
                     Einstärkengläser (Umsatz)                                      Mehrstärkengläser (Umsatz)

           Quelle: ZVA-Erfa-Auswertung

22 | ZVA
Branchenbericht 2020/2021

Kontaktlinsenmarkt
Die aktuelle Brillenstudie 2019 des Instituts für         Grafik 17 zeigt die Aufteilung des Kontaktlinsen-
Demo­skopie Allensbach im Auftrag des Kuratoriums         marktes nach Material sowie Austauschintervallen.
Gutes Sehen (KGS) weist 3,4 Millionen erwachsene          Der mit Abstand größte Anteil von 59 Prozent des
Kontaktlinsenträger (ab 16 Jahren) in Deutschland         gesamten Kontaktlinsenumsatzes wird mit weichen
aus. In Prozent ausgedrückt bedeutet dies einen           Kontaktlinsen mit einem wöchentlichen bis monat-
Anteil von 5,5 Prozent Kontaktlinsenträgern bezo-         lichen Austauschintervall erzielt, gefolgt von Tages-
gen auf die deutsche Bevölkerung ab 16 Jahren.            linsen mit einem Anteil von 31 Prozent. Weichlinsen
                                                          mit einem Austauschintervall von drei Monaten und
Der Branchenumsatz für Kontaktlinsen und -pflege­         länger machen wie im Vorjahr einen Anteil von drei
mittel liegt im Jahr 2020 bei 300 Millionen Euro          Prozent aus. Der Marktanteil von konventionellen
(stationär) – gegenüber dem Vorjahr ist ein Minus         formstabilen Kontaktlinsen liegt bei sieben Prozent.
von 16 Prozent zu verzeichnen. Der über das Inter-        Formstabile Kontaktlinsen werden in erster Linie
net generierte Kontaktlinsenumsatz hat stagniert. Er      von stationären Betrieben angepasst und abgege-
liegt im Jahr 2020 bei 223 Millionen Euro. Somit liegt    ben. Betrachtet man den stationären Kontaktlinsen-
der gesamte Kontaktlinsenumsatz 2020 bei 523 Mil-         markt, so liegt der Anteil dieser Linsen mit 15 Prozent
lionen Euro, was einem Rückgang von knapp zehn            überproportional hoch. Er ist gegenüber dem Vorjahr
Prozent entspricht.                                       um zwei Prozentpunkte gestiegen, während der An-
                                                          teil der weichen Tageslinsen um zwei Prozentpunkte
                                                          auf 24 Prozent gesunken ist.

Grafik 17
Kontaktlinsen nach Vertriebswegen – Anteile stationär/online
         stationär
2020          24                  56                                                     5       15               %
2019          26                      56                                                     5    13              %
         online
2020          40                                  59                                                              %
2019          43                                    56                                                            %
         gesamt
2020          31                           59                                                             3   7   %
2019          32                           56                                                         3   9       %
          weiche Kontaktlinsen, Tageslinsen
          weiche Kontaktlinsen, Austausch wöchentlich bis monatlich
          weiche Kontaktlinsen, Austausch drei Monate und länger
          formstabile Kontaktlinsen

Quelle: GfK

                                                                                                                              ZVA | 23
Foto: ZVA / Heike Skamper

           Sonnenbrillenmarkt
           Nach Erhebungen der GfK (Growth from Know-           Der Markt für Sonnenbrillen ist stark umkämpft.
           ledge, vormals Gesellschaft für Konsumforschung,     Nicht nur der Online-Markt, sondern auch andere
           Nürnberg) liegt das Umsatzvolumen der von sta-       stationäre Vertriebswege (Modehäuser, Tankstellen
           tionären Augenoptikern im Jahr 2020 verkauften       etc.) machen dem Augenoptiker Konkurrenz. Die
           Sonnenbrillen (Handelssonnenbrillen ohne Kor-        folgende Grafik zeigt die Aufteilung des Sonnenbril-
           rektionswirkung) bei 171 Millionen Euro und damit    lenumsatzes in Preissegmenten. Grafik 18 zeigt, dass
           23 Prozent unter dem Umsatz des Vorjahres. Bei den   Sonnenbrillen zwischen 100 Euro und 150 Euro mit
           Stück­zahlen ist sogar ein Rückgang von 26 Prozent   30 Prozent den größten Umsatzanteil ausmachen.
           festzustellen. Dies liegt im Pandemie-Jahr 2020
           vermutlich an ausgefallenen Sommerurlauben und
           daran, dass es weniger Gelegenheiten gab, um neue
           Sonnenbrillen zu tragen.

           Grafik 18
           Sonnenbrillen – Umsatzanteile nach Preissegmenten
           bis 50 Euro                 9%
           50 bis 100 Euro             25 %
           100 bis 150 Euro            30 %
           150 bis 200 Euro            18 %
           200 bis 250 Euro            7%
           über 250 Euro               11 %

           Quelle: GfK

24 | ZVA
Branchenbericht 2020/2021

Die Branche in der
Corona-Krise
Ergebnisse verschiedener
Umfragen

03
             Foto: ZVA / Peter Boettcher

                                                               ZVA | 25
Situation der Betriebe in der Krise
           Zur Situation der Betriebe in der Corona-Krise hat                       Im Rahmen des ersten Lockdowns im März/April
           der ZVA im Jahr 2020 drei Online-Befragungen                             2020 hatte die Augenoptik die stärksten Einbußen
           durchgeführt. Diese fanden Ende März, Ende Mai/                          zu verzeichnen. 87 Prozent der befragten Betriebe
           Anfang Juni und Mitte November statt. Eine wei-                          verbuchten Umsatzrückgänge. Grafik 19 zeigt, dass
           tere Umfrage startete im Februar 2021 zur Corona-­                       bei circa einem Drittel dieser Betriebe der Umsatz-
           Situation und zur allgemeinen wirtschaftlichen Lage.                     rückgang zwischen 30 und 50 Prozent ausmachte,
           An der Umfrage im März 2020 nahmen 1500 Betrie-                          bei circa 37 Prozent lag der Umsatzrückgang bei
           be teil, bei den weiteren Befragungen lag die Teil-                      50 Prozent und mehr (bezogen auf den März 2019).
           nehmerzahl zwischen 800 und 950. Alle genannten                          Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass
           Umfragen wendeten sich an die mittelständischen                          sich mehr als ein Viertel der Betriebe in ihrer Existenz
           Innungsbetriebe. Nicht-Innungsmitglieder und gro-                        bedroht sah (siehe Grafik 20). Im März 2020 gaben
           ße Filialbetriebe waren bei diesen Umfragen nicht                        drei Viertel der Betriebe an, Kurzarbeit einführen zu
           dabei.                                                                   wollen, zwei Drittel der Betriebe planten, Soforthilfe

           Grafik 19
           Umsatzrückgang März 2020 im Vergleich zum Vorjahr

                         3%
                                                 26 %                     34 %         22 %              15 %
                      bis 10 %                bis 30 %                   bis 50 %    bis 70 %         über 70 %

           Quelle: ZVA-Blitzumfrage zur Corona-Krise, März 2020

           Grafik 20
           Antworten auf die Frage: „Sehen Sie Ihren Betrieb in seiner Existenz bedroht?“

                      27 %                                   39 %                       34 %

                          ja                                      nein                 weiß nicht

           Quelle: ZVA-Blitzumfrage zur Corona-Krise, März 2020

26 | ZVA
Branchenbericht 2020/2021

zu beantragen. In der ersten Phase des Lockdowns                   eingeführt hatten, gaben an, diese im Juni komplett
hatten fünf Prozent der Betriebe geschlossen, von                  aufheben zu wollen (siehe Grafik 21).
den geöffneten Augenoptikern führten jedoch le-
diglich zwölf Prozent einen normalen Betrieb, die                  Die dritte Umfrage des ZVA zur Corona-Pandemie
anderen hatten eingeschränkte Öffnungszeiten oder                  wurde Mitte November vor dem Hintergrund des
machten Versorgungen bzw. Notfall-Versorgungen                     „Lockdown light“ durchgeführt. Auf die Frage nach
auf Termin.                                                        der Entwicklung der Kundenfrequenz gaben 71 Pro-
                                                                   zent der teilnehmenden Betriebe an, dass sie hier
Ganz so schlimm, wie in der ersten Phase der Pan-                  einen Rückgang feststellen. Dies führte zu der Ein-
demie befürchtet, kam es im weiteren Verlauf dann                  schätzung von zwei Dritteln der Teilnehmer, dass
doch nicht. Nach den Lockerungsmaßnahmen ab                        es im November 2020 einen Stückzahlrückgang im
Mai 2020 nahm auch die Kundenfrequenz in den                       Vergleich zum Vorjahresmonat geben werde.
Geschäften wieder zu und die Umsatzverluste konn-
ten zumindest teilweise wieder aufgeholt werden.                   Seit Januar 2021 verschlechtert sich die Situation für
Ein zentrales Ergebnis der zweiten Corona-Umfrage                  die Augenoptikbetriebe weiter. In der Umfrage aus
Ende Mai/Anfang Juni war, dass die meisten Betrie-                 dem Februar 2021 gaben 36 Prozent der Betriebe an,
be bereits im Mai wieder anfingen, die Kurzarbeit ab-              verkürzte Öffnungszeiten zu haben. Im Monat Okto-
zubauen. Den Höchststand der Kurzarbeit gab es im                  ber 2020 waren dies lediglich elf Prozent der Betrie-
Monat April. Der Anteil der Kurzarbeit mit Reduzie-                be. Insbesondere Betriebe in Innenstadtlagen und in
rung auf weniger als die Hälfte der Arbeitszeit (über              Einkaufszentren arbeiten mit verkürzten Öffnungs-
alle Mitarbeiter gerechnet) lag in diesem Monat bei                zeiten (siehe Grafik 22).
76 Prozent. 43 Prozent der Betriebe, die Kurzarbeit

Grafik 21
Grad der angesetzten bzw. geplanten Kurzarbeit

                 6%                                         5%               2%
                                                                             7%
                                                            9%
                 14 %                       18 %
                                                                             16 %

                                            23 %
                 24 %
                                                            33 %

                                                                             32 %

                 27 %
                                                                                               l 100 % Kurzarbeit
                                            35 %
                                                                                               l 70 bis 99 % Kurzarbeit
                                                            37 %
                                                                                               l 50 bis 69 % Kurzarbeit
                                            22 %                                               l 1 bis 49 % Kurzarbeit
                 29 %                       2%              16 %             43 %              l keine Kurzarbeit
       März                      April                Mai            Juni

Quelle: ZVA-Blitzumfrage zur Corona-Krise, Mai 2020

                                                                                                                               ZVA | 27
Grafik 22
           Anteil der Betriebe mit verkürzten Öffnungszeiten nach Lage
           gesamt                         36 %
           Innenstadtlage                 41 %
           Einkaufszentrum                45 %
           Lage am Stadtrand              26 %

           Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021

           Grafik 23
           Kurzarbeit (seit Januar 2021 bzw. in Planung) nach Umsatzgrößenklasse

                                                                                                    53 %                 51 %
                        60 %                                                 57 %

                                                             70 %
                                                 82 %

                        40 %                     18 %       30 %             43 %                    47 %                49 %
                      gesamt                     bis         bis              bis                     bis                über
           		                             125.000 Euro   250.000 Euro   500.000 Euro          750.000 Euro           750.000 Euro

           l ja         l nein

           Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021

           Auf die Frage, ob sie seit Anfang 2021 Kurzarbeit an-         Grafik 24
           gemeldet hätten bzw. planten, dies in Kürze zu tun,           Inanspruchnahme von staatlichen
           antworteten 40 Prozent der Umfrageteilnehmer mit              Unterstützungen zur Aufrecht­
           „Ja“. Grafik 23 zeigt, dass der Anteil der Betriebe,          erhaltung der Liquidität
           die Kurzarbeit eingeführt haben oder planen, dies
                                                                         gesamt                         12 %
           zu tun, mit der Umsatzgröße steigt. Über alle Mit-
                                                                         bis 125.000 Euro               7%
           arbeiter gerechnet liegt der Grad der Kurzarbeit bei
                                                                         bis 250.000 Euro               15 %
           40 Prozent der Betriebe bei maximal 20 Prozent, bei                                          12 %
                                                                         bis 500.000 Euro
           48 Prozent zwischen 21 und 50 Prozent und bei den             bis 750.000 Euro               12 %
           restlichen zwölf Prozent darüber.                             über 750.000 Euro              10 %

                                                                         Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021
           Lediglich zwölf Prozent der Betriebe gaben an,
           staatliche Leistungen zur Aufrechterhaltung der
           Liqui­dität in Anspruch zu nehmen. Grafik 24 zeigt,
           dass kleine Betriebe mit einem Jahresumsatz bis

28 | ZVA
Branchenbericht 2020/2021

125.000 Euro dies mit einem Anteil von sieben Pro-     Circa ein Viertel der Betriebe (26 Prozent) bietet
zent unterdurchschnittlich häufig tun. Mit einem       Stand Februar 2021 nur ein eingeschränktes Leis-
Anteil von 54 Prozent werden KfW-Kredite am            tungsangebot an. Einschränkungen gibt es vor allem
stärksten in Anspruch genommen, gefolgt von der        bei der Kontaktlinsenanpassung und bei den Haus-
Überbrückungshilfe III (34 Prozent) und der Herab-     besuchen (siehe Grafik 25).
setzung von Steuervorauszahlungen (33 Prozent).
Mehrfachnennungen waren möglich.

Grafik 25
Leistungseinschränkungen
Refraktionsbestimmung                         2%
Low-Vision-Versorgung                       6%
Optometrische Untersuchung                  13 %
Hausbesuche                                 65 %
Kontaktlinsenanpassung                      71 %

Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021

Wirtschaftliche Situation
Rückblick 2020 und Ausblick 2021
Die erwähnte Umfrage aus dem Februar 2021 knüpft       Grafik 26). Bei 15 Prozent der Betriebe lag der Um-
bei einigen Fragen an die Vorjahresumfrage zur wirt-   satzrückgang bei mehr als zehn Prozent des Vorjah-
schaftlichen Situation der Betriebe an. Vergleicht     resumsatzes. Die Umsatzentwicklung variierte in den
man die aktuellen Ergebnisse mit den Antworten aus     verschiedenen Größenklassen. Der Anteil der Betrie-
dem Vorjahr, zeigen sich die durch die Corona-Krise    be, die ein Umsatzwachstum verzeichnen konnte,
hervorgerufenen Auswirkungen deutlich.                 stieg mit zunehmender Größe (siehe Grafik 27).

Wie zu erwarten war das Jahr 2020 aufgrund der         Die Umsatzentwicklung ist zudem auch abhängig
Corona-­Pandemie ein deutlich schlechteres als das     vom Standort des Betriebes. So musste mehr als je-
Vorjahr. Lediglich ein gutes Drittel der an der Um­    der zweite Betrieb in einer Innenstadtlage oder in
frage teilnehmenden Betriebe konnte im Jahr 2020       einem Einkaufszentrum Umsatzrückgänge verkraf-
ein Umsatzwachstum erzielen, bei 16 Prozent sta-       ten. Bei Betrieben mit einer Stadtrandlage lag dieser
gnierte der Umsatz, knapp die Hälfte der Betriebe      Anteil niedriger (siehe Grafik 28).
musste einen Umsatzrückgang verkraften (siehe

                                                                                                                 ZVA | 29
Grafik 26
           Umsatz-/Stückzahlentwicklung
                    Umsatzentwicklung                                         Entwicklung der Brillenstückzahlen
                    Wachstum                                                  Wachstum
           2020 35 %                                                  2020 21 %
           2019      59 %                                             2019    44 %
           2018      54 %                                             2018    38 %

                    Stagnation                                                Stagnation
           2020 16 %                                                  2020 21 %
           2019      25 %                                             2019    33 %
           2018      30 %                                             2018    39 %

                    Rückgang                                                  Rückgang
           2020 49 %                                                  2020 58 %
           2019      16 %                                             2019    23 %
           2018      16 %                                             2018    23 %

           Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021

           Grafik 27
           Umsatzentwicklung 2020 nach Umsatzgrößenklassen
           gesamt                          35               16                49                                   %
           bis 125.000 Euro                31          26                              43                          %
           bis 250.000 Euro                33           16                   51                                    %
           bis 500.000 Euro                36                14              50                                    %
           bis 750.000 Euro                36                16                   48                               %
           über 750.000 Euro               38                    15               47                               %
                                          Wachstum                Stagnation                            Rückgang

           Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021

           Grafik 28
           Umsatzentwicklung 2020 nach Lage des Betriebes
           gesamt                          35               16                49                                   %
           Innenstadtlage                  33           15               52                                        %
           Einkaufszentrum                 34           14               52                                        %
           Lage am Stadtrand               39                     17                   44                          %
                                          Wachstum                Stagnation                            Rückgang

           Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021

30 | ZVA
Branchenbericht 2020/2021

Bei den Brillenstückzahlen ergibt sich ein ähnliches            Die Erwartungen an das Jahr 2021 sind sehr verhal-
Bild. 58 Prozent der Betriebe verzeichneten Stück-              ten. Die Hälfte der Betriebe rechnet für 2021 mit
zahlrückgänge. Eine Stückzahlstagnation bzw. stei-              einer Umsatzstagnation, 28 Prozent mit einem Rück-
gende Stückzahlen im Vergleich zum Vorjahr hatten               gang. Lediglich 22 Prozent gehen von einem Um-
jeweils 21 Prozent der Betriebe vorzuweisen (siehe              satzwachstum aus (siehe Grafik 30).
Grafik 26).
                                                                Auch hier unterscheidet sich die Einschätzung nach
Auf die Frage, ob sich das Betriebsergebnis besser              Umsatzgrößenklassen. Betriebe der höheren Um-
entwickelt habe als der Umsatz, antworteten 40 Pro-             satzgrößenklassen gehen zu einem höheren Anteil
zent mit „Ja“. Etwas mehr als die Hälfte der Betriebe           von einer positiven Entwicklung im Jahr 2021 aus
gab an, das Betriebsergebnis habe sich analog zum               als kleinere Betriebe. In allen Umsatzgrößenklassen
Umsatz entwickelt (siehe Grafik 29).                            geht jedoch der größte Anteil der Umfrageteilneh-
                                                                mer von einer Umsatzstagnation aus.

Grafik 29
Entwicklung des Betriebsergebnisses im Jahr 2020

          40 %                                 52 %                   8%

 Das Betriebsergebnis                  Das Betriebsergebnis   Das Betriebsergebnis
    hat sich besser als                     hat sich analog   hat sich schlechter als
der Umsatz entwickelt                 zum Umsatz entwickelt   der Umsatz entwickelt

Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021

Grafik 30
Erwartete Umsatzentwicklung für das Jahr 2021

           22 %                                50 %                  28 %

         Wachstum                            Stagnation             Rückgang

Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021

                                                                                                                          ZVA | 31
Geplante Investitionen für 2021                           tes Fünftel der Betriebe. Die Investitionsbereitschaft
                                                                     der Betriebe steht in einem deutlichen Zusammen-
           Es liegt auf der Hand, dass die Investitionsbereit-       hang mit der Umsatzgröße: je größer der Betrieb,
           schaft der Betriebe für 2021 aufgrund der weiter          desto höher die Investitionsbereitschaft. Beispiels-
           fortdauernden Krisensituation gesunken ist. Dies          weise planen 37 Prozent der Betriebe mit einem Jah-
           zeigt Grafik 31 eindrücklich. Während noch vor der        resumsatz von mehr als 750.000 Euro, im Jahr 2021
           Corona-Krise knapp die Hälfte der Betriebe für 2020       größere Investitionen vorzunehmen.
           Investitionen plante, plant dies für 2021 nur ein gu-
                                                                     An erster Stelle der geplanten Investitionen steht im
                                                                     Jahr 2021 mit 49 Prozent der Ladenausbau, gefolgt
                                                                     von dem Plan, zusätzliche Geräte im Bereich Re-
           Grafik 31                                                 fraktion/Screening anzuschaffen (46 Prozent, siehe
           Investitionsbereitschaft in den Jahren                    Grafik 32). 31 Prozent haben vor, Refraktions- bzw.
           2020 und 2021                                             Screeninggeräte zu ersetzen (es waren Mehrfach-
                                                                     antworten möglich). Auf die Frage, weshalb keine
                                                                     Investitionen für 2021 geplant seien, antwortete die
                                               58 %
                                                                     Hälfte der Betriebe mit „zu große Unsicherheit über
                  47 %
                                                                     die weitere Entwicklung“.
                                       28 %            25 %
                          21 %                                21 %

                                                                     Geplanter Verkauf/geplante
                                                                     Übergabe des Betriebes
                       ja                  nein        weiß nicht
                                                                     Vor dem Hintergrund der Tatsache (siehe Ausfüh-
           l 2020            l 2021
                                                                     rungen zur Branchenstrukturerhebung), dass das

           Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021
                                                                     Durchschnittsalter der Betriebsinhaber 2018 auf

           Grafik 32
           Welche Investitionen planen die mittelständischen Betriebe?
                    Refraktion/Screeninggeräte (Erweiterung)                Refraktion/Screeninggeräte (Ersatz)
           2021      46 %                                            2021   31 %
           2020 51 %                                                 2020 30 %
           2019      48 %                                            2019   31 %

                    Werkstattausstattung (Erweiterung)                      Werkstattausstattung (Ersatz)
           2021          4%                                          2021   14 %
           2020 8 %                                                  2020 18 %
           2019      8%                                              2019   19 %

                    Ladenumbau/Renovierungsarbeiten                         Sonstiges
           2021      49 %                                            2021   16 %
           2020 47 %                                                 2020 10 %
           2019      51 %                                            2019   10 %

           Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021

32 | ZVA
Branchenbericht 2020/2021

54 Jahre angestiegen ist und jeder vierte Betriebs-             gabe ihres Betriebes planen. Im Gesamtdurchschnitt
inhaber 60 Jahre oder älter ist, wurde im Rahmen                haben 42 Prozent der Betriebe, die verkaufen/über-
der Online-Umfrage nach geplanten Betriebsveräu-                geben wollen, bereits einen Nachfolger gefunden
ßerungen bzw. -übergaben im Jahr 2021 gefragt. Im               (siehe Grafik 33). 22 Prozent der Betriebe möchten
Durchschnitt gaben sieben Prozent der Betriebe an,              mittelfristig, in den Jahren 2022 bis 2025, ihren Be-
dass sie für das Jahr 2021 den Verkauf bzw. die Über-           trieb verkaufen oder übergeben.

Grafik 33
Geplanter Verkauf/geplante Übergabe des Betriebes 2021
		                            „Ja“ (nach Umsatzgrößenklassen)
gesamt                         7%
bis 250.000 Euro               8%
bis 500.000 Euro               8%                                   Bei 42 %
                                                                     der Betriebe
bis 750.000 Euro               6%
                                                                   steht der Nach-
über 750.000 Euro              5%
                                                                      folger fest.

Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021

Umfrageergebnisse
zu Krankenkassenthemen
Durch das im April 2017 in Kraft getretene Heil- und            die Themen Präqualifizierung und Beitritte zu den
Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) wurden die                  neuen Versorgungsverträgen mit den Krankenkas-
Leistungen für Sehhilfen ausgeweitet und die Anfor-             sen erneut in die Umfrage integriert.
derungen an die Betriebe verändert. Daher wurden

Grafik 34
Präqualifizierung der Betriebe
gesamt                          87                                                                       13        %
bis 125.000 Euro                66                                                   34                            %
bis 250.000 Euro                84                                                                  16             %
bis 500.000 Euro                89                                                                        11       %
bis 750.000 Euro                90                                                                            10   %
über 750.000 Euro               97                                                                                 3%
                               präqualifiziert                                            nicht präqualifiziert

Quelle: ZVA-Online-Befragung Februar 2021

                                                                                                                            ZVA | 33
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