Ausbildung 2018 Ergebnisse einer DIHK-Online-Unternehmensbefragung - Unternehmen berichten über ihre Ausbildungs
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Ausbildung 2018
Ergebnisse einer DIHK-Online-
Unternehmensbefragung
Unternehmen
berichten über
ihre Ausbildungs
situationDer DIHK hat erneut die Unternehmen zu ihren Ausbildungserfahrungen befragt.
In der Zeit vom 23. April bis 13. Mai 2018 konnten sich Unternehmen online an der Befragung beteiligen.
Die Auswahl und Ansprache der Unternehmen erfolgte über die Industrie- und Handelskammern.
Insgesamt beteiligten sich 10.335 Unternehmen an der Online-Umfrage.
Die Antworten verteilen sich auf die Wirtschaftszweige wie folgt:
Industrie (ohne Bau) 27 Prozent, Baugewerbe fünf Prozent, IT sechs Prozent, Medien drei Prozent, Handel
16 Prozent, Gastgewerbe sieben Prozent, Verkehr (Transport/Logistik) fünf Prozent, Banken/Versicherungen
acht Prozent, Unternehmensorientierte Dienste drei Prozent, Gesundheit/Pflege drei Prozent, Immobilien
drei Prozent, Sonstige Dienstleistungen 15 Prozent.
Nach Größenklassen zeigt sich folgende Verteilung:
Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten 13 Prozent, Unternehmen mit zehn bis 19 Beschäftigten
zwölf Prozent, Unternehmen mit 20 bis 199 Beschäftigten 47 Prozent, Unternehmen mit 200 bis 499 Be-
schäftigten 13 Prozent, Unternehmen mit 500 bis 1.000 Beschäftigten sechs Prozent, Unternehmen mit mehr
als 1.000 Beschäftigten neun Prozent.
Die Regionen wurden wie folgt aufgeteilt:
Dem Norden werden die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, dem Wes-
ten die Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, dem Osten Berlin,
Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie dem Süden die Bun-
desländer Baden-Württemberg und Bayern zugerechnet.
Überwiegend beteiligten sich Ausbildungsbetriebe an der Umfrage, der Anteil der Nichtausbildungsbetriebe
der Vergleichsgruppe beträgt vier Prozent.
Auf Grund der besseren Lesbarkeit wurde in dieser Publikation jeweils die männliche Form für beide Ge-
schlechter bei der Bezeichnung bestimmter Personengruppen verwendet.
Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Bereich Ausbildung – Berlin 2018
Copyright Alle Rechte liegen beim Herausgeber. Ein Nachdruck – auch auszugsweise –
ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Herausgebers gestattet.
Herausgeber © DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V.| Berlin | Brüssel
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Internet: www.ihk.de
Redaktion DIHK – Bereich Ausbildung
Ulrike Friedrich, Jana Kathinka Müller
Stand Juli 2018Die wichtigsten Ergebnisse: • Für Unternehmen wird es immer schwieriger, offene Ausbildungsplätze zu besetzen In mehr als jedem dritten Betrieb (34 Prozent) blieben Ausbildungsplätze unbesetzt. Damit wird es für die Unternehmen eine immer größere Herausforderung, ihre Fachkräfte über die Ausbildung von eige- nem Nachwuchs zu sichern. • Mehr und mehr Unternehmen erhalten gar keine Bewerbungen mehr 17.000 Unternehmen erhielten gar keine Bewerbungen mehr. Das sind noch einmal rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt bekam damit jedes vierte Unternehmen mit unbesetzten Ausbildungs- stellen überhaupt keine Bewerbung. Mehr als zwei Drittel der Betriebe, die Plätze nicht besetzen konnten (70 Prozent), erhielten keine geeigneten Bewerbungen. • Digitalisierung schreitet voran: Wo Planbarkeit sinkt, muss die Beweglichkeit zunehmen Für 72 Prozent der Betriebe sind IT-Kenntnisse der Jugendlichen in Zukunft ein wichtiges Einstel- lungsstellungskriterium. Auch Kommunikationsfertigkeiten, strukturiertes Arbeiten und selbständiges Handeln gewinnen bei der Einstellung von Azubis an Bedeutung. Deshalb fördert bereits mehr als je- der zweite Betrieb interdisziplinäres Arbeiten, z.B. durch Azubi-Projekte. • Immer bessere Chancen auch für lernschwächere Jugendliche und für Flüchtlinge Nahezu 80 Prozent der Betriebe geben lernschwächeren Jugendlichen Ausbildungschancen. Diese Be- reitschaft erfordert von den Unternehmen immer mehr eigene Nachhilfeanstrengungen, um diese Ju- gendlichen zum Berufsabschluss zu führen. Rund 14 Prozent der Unternehmen bilden derzeit Flücht- linge aus und16 Prozent bieten Angebote für Einstiegsqualifizierungen oder Praktika. • Mehrheit der Betriebe sind mit Berufsschulen zufrieden, Verbesserungsbedarf gibt es dennoch 87 Prozent der Betriebe sind mit ihrem dualen Partner, den Berufsschulen, zufrieden oder sehr zufrie- den. Sechs von zehn Unternehmen wünschen sich aber eine verbesserte Kommunikation zwischen Be- trieb und Berufsschule. Zunehmend stufen die Unternehmen wachsende Entfernungen zwischen Be- trieb und Schule als Problem ein. • Unklare Berufsvorstellungen bleiben größtes Ausbildungshemmnis: Berufsorientierung stärken! Ein Viertel aller Umfrageteilnehmer (entspricht 84 Prozent der Unternehmen, die Ausbildungshemm- nisse haben), bemängeln die unklaren Vorstellungen vieler Schulabgänger über Berufsbilder und die Anforderungen an eine Ausbildung. Die Berufsorientierung muss daher ausgebaut und praxisorientier- ter werden, Beschäftigungsperspektiven, Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen der akademi- schen sowie der Beruflichen Bildung aufzeigen– insbesondere an den Gymnasien. • Unternehmen werben um neue Bewerbergruppen wie Studienabbrecher und schaffen neue Anreize Fachkräfte werden benötigt. Die Baby-Boomer-Generation nähert sich der Rente, so dass perspekti- visch viele erfahrene Mitarbeiter in den Betrieben ersetzt werden müssen. Um qualifizierte Bewerber zu finden, erweitern Unternehmen ihren Suchradius. Sie werben aktiv um neue Bewerbergruppen, wie Studienabbrecher. Mit kombinierten Aus- und Weiterbildungen sowie dem Angebot von Zusatzquali- fikationen oder Auslandsaufenthalten machen Betriebe auf ihre guten Perspektiven aufmerksam. 16 Prozent der Unternehmen schaffen neue materielle oder finanzielle Anreize für eigene Ausbildung. Diese „Goodies für Azubis“ können beispielsweise zusätzliche Urlaubstage, eine höhere Ausbildungs- vergütung oder Unterstützung der Mobilität sein.
DIHK-Ausbildungsumfrage 2018 1 Inhalt Ausbildungssituation in Deutschland 2 Lernen und Arbeiten in der digitalen Welt 9 Fachleute gesucht 13 Hemmnisse für die Ausbildung 17 Starker Partner in der Ausbildung – die Berufsschulen 24 Anhang 26 • Fragebogen 27
2 DIHK-Ausbildungsumfrage 2018
Ausbildungssituation in Deutschland
Konsequenzen des Fachkräftemangels sind Die Ausbildung junger Menschen im eigenen
spürbar Betrieb ist das beste Mittel, um dem Fachkräf-
temangel vorzubeugen. Die deutsche Wirtschaft
Nicht nur die Medienberichte über Fachkräfte- investiert daher jedes Jahr in die Ausbildung ih-
mangel häufen sich. Auch jede Privatperson res Nachwuchses rund 23 Milliarden Euro.
spürt den Mangel an qualifizierten Fachkräften
sehr deutlich: So führen beispielsweise Restau- Bereits heute werden mehr Ausbildungsplätze
rants zunehmend Schließtage ein, auf einen angeboten, als nachgefragt werden. Dadurch
Handwerker gilt es mitunter Wochen oder gar eröffnet sich ein neues Wettbewerbsfeld unter
Monate zu warten, und wer häufiger auf der Betrieben: der Run auf den Nachwuchs. Es gilt
Autobahn unterwegs ist, kennt die Plakatierun- in diesem Wettbewerb, die eigene Situation zu
gen an LKWs, über die „Kollegen gesucht“ wer- analysieren. Betriebe müssen Antworten darauf
den. finden, warum leistungsstarke Jugendliche ihre
Zukunft mit einer dualen Ausbildung beginnen
Unternehmen haben den Fachkräftemangel in sollten oder welche Unterstützungsmöglichkeit
einigen Branchen oder Regionen bereits vor dabei hilft, um Leistungsschwächere erfolgreich
Jahren deutlich zu spüren bekommen. Nun zum Berufsabschluss zu führen.
kommen die Auswirkungen des Fachkräfteman-
gels in der breiten Öffentlichkeit an. Für Unter- Um ausbilden zu können, reicht es heute nicht
nehmen wird der Fachkräftemangel mehr und mehr, eine Anzeige zu schalten. Vielmehr gilt es
mehr zum Geschäftsrisiko, das ihre Wettbe- für Betriebe, Hürden zu. Alleine einen geeigne-
werbsfähigkeit zu mindern droht. Zudem wer- ten Azubi zu finden, stellt häufig bereits große
den in den nächsten Jahren langjährige Mitar- Anforderungen an Unternehmen. Zusätzlich
beiter der Baby-Boomer-Generation in den Ru- schreitet die Digitalisierung voran, was Arbeits-
hestand gehen, so dass sich die Nachfrage der weisen im Betrieb und damit Anforderungen an
Unternehmen nach Fachkräften weiterhin ver- Azubis verändert.
stärken wird.
Konnten Sie alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen?
(Angaben beziehen sich jeweils auf das zurückliegende Ausbildungsjahr)
ja nein
100%
15 21 21 24 21 22
80% 29 32 31 31 34
60%
40% 85 79 79 76 79 79 71 68 69 69 66
20%
0%
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017DIHK-Ausbildungsumfrage 2018 3
Azubis einstellen, wird immer schwerer Betriebe mehr Ausbildungsplätze angeboten,
weil sie die Fachkräfte benötigen.
Die Quote der Betriebe, die nicht alle Ausbil-
dungsplätze erfolgreich vergeben konnte, er- In Westdeutschland hat sich der Anteil der Be-
reichte 2017 mit 34 Prozent (2016: 31 Prozent) triebe, der nicht alle Plätze besetzen konnte, um
den höchsten je gemessenen Wert. Mehr als je- vier Prozentpunkte auf 32 Prozent erhöht. In
des dritte Unternehmen konnte nicht alle Aus- Ostdeutschland war im vorangegangenen Jahr
bildungsplätze an Bewerber vergeben. Für die eine leichte Verbesserung der Besetzungssitua-
Betriebe ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt tion zu beobachten. Die positive Entwicklung
weiterhin angespannt. Für die suchenden Ju- des Vorjahres konnte 2017 nicht fortgesetzt
gendlichen war es hingegen in kaum einem Jahr werden. Der Anteil der Betriebe in Ostdeutsch-
zuvor so leicht, einen Ausbildungsplatz zu fin- land, der nicht alle angebotenen Ausbildungs-
den. Hintergrund ist, dass die Anzahl der Be- plätze vergeben konnten, steigt um fünf Pro-
werber um Ausbildung auf vergleichbarem Ni- zentpunkte auf 46 Prozent. Auf weniger Bewer-
veau des Vorjahres lag. Gleichzeitig haben die ber wurden mehr Ausbildungsplätze gemeldet.
Konnten Sie alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen?
(Anteil der Nein-Antworten in %)
Gesamt Ostdeutschland Westdeutschland
50 45 46
44 45
45 41
37 38
40 36
34
35 31 32 31 31
30 29
30
24 32
25 22 30
20 21 28 28
26
20
22
15 19 19 18 19
10 15
5
0
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 20174 DIHK-Ausbildungsumfrage 2018
Herausforderungen variieren nach Branchen • Industrie (ohne Bau) mit 35 Prozent (2017:
28 Prozent) der Betriebe,
Schon seit einigen Jahren ist zu beobachten, • Unternehmensorientierte Dienstleistungen
dass die Schwierigkeiten, Ausbildungsplätze zu mit 31 Prozent (2017: 19 Prozent),
besetzen, in den verschiedenen Branchen unter- • Verkehrsbranche (Transport/Logistik) mit
schiedlich stark ausgeprägt sind. Die Entwick- 40 Prozent (2017: 35 Prozent) der Betriebe,
lungen der vergangenen beiden Jahre zeigen • Baugewerbe (2017: 45 Prozent/2016:
aber auch, dass sich das Engagement von Un- 42 Prozent) und
ternehmen und Verbänden für die Berufliche • Banken/Versicherung (2017: 32 Pro-
Bildung auszahlt. Verstärktes Marketing und ein zent/2016: 32 Prozent) mit jeweils drei Pro-
hohes Maß an Transparenz können zu einem zentpunkten.
besseren Matching von Bewerbern und Ausbil-
dungsplätzen führen. In den Bereich der Unternehmensorientierten
Dienstleistungen fallen unterschiedlichste Bran-
An die positiven Branchenentwicklungen des chen, wie Architektur- und Ingenieurbüros, IT-
Vorjahres konnte das Gastgewerbe anknüpfen: Dienstleister, Gebäudebetreuung sowie Zeitar-
Nachdem sich von 2015 auf 2016 die Beset- beit und die Sicherheitswirtschaft. All diese
zungsquote bereits um drei Prozentpunkte ver- Branche sind überproportional vom Fachkräfte-
bessert hatte, setzte sich dieser Trend fort: mangel betroffen und bieten deshalb verstärkt
57 Prozent (2017: 58 Prozent) der ausbildenden Ausbildungsplätze an, um ihre Fachkräfte selbst
Betriebe konnten nicht alle Ausbildungsplätze auszubilden. Der Bauboom sowie die Digitalisie-
besetzen. Das ist mehr als jeder zweite Betrieb rung sind in den Branchen die stärksten Treiber
im Gastgewerbe und dennoch konnten sich Ho- der Nachfrage nach Fachkräften. In der DIHK-
tel- und Gaststättengewerbe auch in diesem Konjunkturumfrage liegen die Einstellungsab-
Jahr leicht verbessern. Qualitätsoffensiven in sichten der Unternehmensdienstleister deutlich
der Ausbildung, Verbesserungen bei der Plan- höher als im letzten Jahr, genauso wie in den
barkeit von regulären Arbeitszeiten und auch Industriebetrieben. Der Wettbewerb um die
das starke Engagement bei der Integration von Fachkräfte verschärft sich.
Flüchtlingen haben dazu beigetragen.
In der Industrie (ohne Bau) sind insbesondere
die Bereiche Elektrotechnik, Nahrungsmittelin-
Über alle Branchen hat sich der Anteil derer, die dustrie und Metall von einem Anstieg betroffen.
nicht alle Ausbildungsplätze besetzen konnten, Die Entwicklungen in den Branchen spiegeln
um drei Prozentpunkte verschlechtert. Damit den Eingangs skizzierten Fachkräftemangel wi-
zeigen insbesondere folgende Bereiche eine der. In der Metallindustrie wurden mehr Ausbil-
mindestens durchschnittliche oder überpropor- dungsplätze angeboten und auch mehr Ausbil-
tional starke Verschlechterung: dungsverträge abgeschlossen. Das Angebot
überstieg dennoch die Nachfrage. Berufskraft-
fahrer werden inzwischen mit Antrittsprämien
umworben, und das produzierende Gewerbe
sucht vielfach händeringend nach Fachkräften
aus dem EU-Ausland.DIHK-Ausbildungsumfrage 2018 5
Konnten Sie im Jahr 2017 alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen?
(Ergebnisse differenziert nach Branchen, sortiert nach Nein-Antworten 2017)
Nein Nein
Branche
(2017) (2016)
Gastgewerbe 57 % 58 %
Baugewerbe 45 % 42 %
Verkehr (Transport/Logistik) 40 % 35 %
Industrie (ohne Bau) 35 % 28 %
Durchschnitt 34 % 31 %
Handel 33 % 31 %
Banken/Versicherungen 32 % 29 %
Unternehmensorientierte Dienste 31 % 19 %
Sonstige Dienstleistungen 28 % 28 %
Gesundheit/Pflege 27 % 25 %
IT 27 % 24 %
Medien 22 % 21 %
Immobilien 9% 8%6 DIHK-Ausbildungsumfrage 2018
Das macht die Suche nach Azubis so schwer Keine Bewerbungen erhielten insbesondere Un-
ternehmen aus dem Gastronomiebereich (2017:
Der Anteil der Betriebe, die gar keine Bewer- 47 Prozent), der Bauindustrie (2017: 43 Pro-
bungen mehr erhalten, steigt seit Jahren an. zent) und dem Verkehrsbereich (2017: 28 Pro-
Auch die absolute Zahl betroffener Betriebe ist zent). Im Bereich Banken/Versicherungen ver-
2017 erneut gestiegen. Haben im Jahr zuvor festigt sich der höchste Anteil aller Branchen
rund 15.500 Betriebe keine Bewerbungen erhal- von Azubis, die ihren Ausbildungsplatz erst gar
ten, stieg die Anzahl um weitere 1.500 auf rund nicht antreten. 34 Prozent (2017: 38 Prozent)
17.000. der Banken/Versicherungen, die nicht alle Plätze
besetzen konnten, nannten dies als Grund. In
Von den Betrieben, die nicht alle Plätze beset- der Branche werden überproportional viele
zen konnten, waren es 2012 noch knapp acht junge Menschen mit Hochschulzugangsberech-
Prozent, bei denen keine Bewerbung eingegan- tigung ausgebildet. Der eine oder andere hat
gen ist; in den vergangenen beiden Jahren er- nach Abschluss des Ausbildungsvertrags mög-
hielten schon 26 Prozent der Ausbildungsbe- licherweise einen Studienplatz bekommen und
triebe überhaupt keine Bewerbungen mehr – sich für einen anderen Bildungsweg entschie-
eine Verdreifachung innerhalb von sechs Jahren. den.
Die Betriebe, die immerhin noch Bewerbungen Im Gastgewerbe und im Bereich Gesund-
erhalten, aber ihren Platz dennoch nicht beset- heit/Pflege kommt es etwas häufiger als in an-
zen konnten, bemängeln oft die Qualität dieser deren Branchen vor, dass ein Ausbildungsver-
Bewerbungen. Der Anteil der Betriebe, die an- trag nach Ausbildungsbeginn durch die Auszu-
gaben, dass sie keine geeigneten Bewerbungen bildenden gelöst wird. Insgesamt jedoch sinkt
erhalten haben, ist leicht von 68 Prozent auf 70 die Neigung zur Vertragslösung nach Ausbil-
Prozent gestiegen. Damit ist davon auszugehen, dungsbeginn bei Auszubildenden wie bei Betrie-
dass ein Teil der Betriebe in die Gruppe derer ben. Es fällt den Betrieben deutlich schwerer,
gewechselt ist, die im vergangenen Jahr nun gar Azubis zu finden – wer sich aber einmal gefun-
keine Bewerbungen mehr erhalten haben. den hat, bleibt eher beieinander.
Gründe für die Nichtbesetzung von Ausbildungsplätzen bei Betrieben
mit Besetzungsschwierigkeiten
(Angaben der 34 %, die nicht alle Plätze besetzen konnten, in %; Mehrfachantworten
möglich)
2016 2017 2018
71
Es lagen keine geeigneten Bewerbungen vor. 68
70
Die Ausbildungsplätze wurden von den Auszubildenden nicht 21
22
angetreten. 20
24
Es lagen keine Bewerbungen vor. 26
26
Die Ausbildungsverträge wurden von den Auszubildenden nach 19
Beginn der Ausbildung aufgelöst. 17
17
Der Ausbildungsvertrag wurde durch uns nach Beginn der 14
Ausbildung aufgelöst. 13
13
5
andere Gründe 3
3
0 20 40 60 80DIHK-Ausbildungsumfrage 2018 7
Sonderauswertung: Integration von Geflüch- Branchenvorreiter zeigen weiterhin großes
teten braucht langen Atem Engagement: Auswertung nach Branchen und
Betriebsgrößen
Als vor drei Jahren Fernsehbilder fliehender
Menschen um die Welt gingen und Deutschland Die Branchen, die sich bereits im vergangenen
sich besonders hilfsbereit zeigte, wurde die Jahr besonders für Integration einsetzten, ha-
Größe der Integrationsaufgabe von Vielen un- ben ihr Ausbildungsengagement in den vergan-
terschätzt, auch von den Unternehmen. Gleich- genen zwölf Monaten weiter intensiviert: Be-
wohl ist dank staatlicher und ehrenamtlicher sonders im Gastgewerbe mit seinen vielen klei-
Unterstützung und eines enormen Engagements nen und mittelgroßen Betrieben bilden inzwi-
der Betriebe die Integration Geflüchteter in un- schen 28 Prozent (2017: 18 Prozent) der Unter-
serem Land auf einem guten Weg. Bereits zum nehmen Flüchtlinge aus und damit mehr als je-
dritten Mal erläutert die vorliegende Umfrage der vierte Betrieb. Die Baubranche legt um zehn
dieses Engagement sowie die damit verbunde- Prozentpunkte auf 19 Prozent (2017: neun Pro-
nen Erfahrungen und Herausforderungen. zent) zu. Auch 17 Prozent der Industriebetriebe
und 16 Prozent der Betriebe in der Verkehrs-
Derzeit bilden im IHK-Bereich rund 14 Prozent branche integrieren immer mehr Flüchtlinge.
(2017: sieben Prozent) der Unternehmen Branchen, in denen eine hohe Sprachfertigkeit
Flüchtlinge aus. Im Vergleich zum Vorjahr ist zur Ausbildung benötigt wird, sind derzeit noch
das abermals eine Verdoppelung. Hochgerech- unterrepräsentiert, wie zum Beispiel der Immo-
net bedeutet dies, dass sich momentan rund biliensektor, der Medienbereich oder Ban-
20.000 (2017: 15.000) Flüchtlinge in einer IHK- ken/Versicherungen.
Ausbildung befinden. Diese Zahl verteilt sich
dabei über alle drei Ausbildungsjahre. Die Mehrzahl der Unternehmen in Deutschland
sind kleine und mittelgroße Betriebe. Absolut
Bis die jungen Leute eine Ausbildung in den betrachtet, wird deshalb der größte Teil der
IHK-Betrieben begonnen haben, vergingen im Flüchtlinge in kleinen und mittleren Betrieben
Schnitt 19,3 Monate – drei Monate länger als ausgebildet. Relativ betrachtet, steigt das Enga-
im Vorjahr, aber immer noch deutlich kürzer als gement mit der Betriebsgröße.
vor drei Jahren. 2016 belief sich die durch-
schnittliche Dauer, bis junge Flüchtlinge in den Ausbildungsabsichten noch besser
IHK-Betrieben angekommen waren, noch auf
rund 22 Monate. Das spricht dafür, dass ver- Zum zweiten Mal wurden Unternehmen nach
kürzte Asylverfahren, besser abgestimmte In- den geplanten Ausbildungsabsichten für Flücht-
tegrationsmaßnahmen wie Sprach- und Integ- linge gefragt: Rund 16 Prozent der Unterneh-
rationskurse sowie Hilfe bei Wohnungs- und men beabsichtigen, in den nächsten zwei Jah-
Ausbildungssuche die Integrationszeit verkürzt ren Flüchtlinge auszubilden, wenn die Rahmen-
haben. Die Flüchtlinge, die jüngst zu uns kamen, bedingungen stimmen. Damit besteht ein Po-
haben in aller Regel einen niedrigeren Bildungs- tential an Betrieben, das das jetzige Engage-
stand als diejenigen, die in den Jahren zuvor ment bereits mehr als verdoppeln würde.
nach Deutschland kamen. So betrachtet, ist die
gekürzte Übergangsdauer in Ausbildung ein sehr
gutes Ergebnis.8 DIHK-Ausbildungsumfrage 2018
Einstiegsqualifizierung als Eintrittskarte Die Umfrage bestätigt: Die Integration in den
Betrieben kann nicht von heute auf morgen ge-
Rund 16 Prozent (2017: 15 Prozent) der Unter- lingen, sondern ist eine langjährige und an-
nehmen beschäftigen derzeit Flüchtlinge in ei- spruchsvolle Aufgabe. Das Ausbildungsengage-
ner Einstiegsqualifizierung (EQ) oder in einem ment der Unternehmen muss dabei ergänzt
Praktikum. Von Schnupperpraktikum bis EQ bie- werden durch Sprachunterricht und eine mög-
tet das gemeinsame Arbeiten den Betrieben und lichst kontinuierliche Begleitung beim Übergang
den Flüchtlingen bis zu zwölf Monate die in Ausbildung. Der Berufsorientierung in Flücht-
Chance, einander kennenzulernen. Die Betriebe lingsklassen kommt eine besondere Bedeutung
können erste Ausbildungsinhalte vermitteln und zu: So gilt es, den jungen Menschen die Chan-
die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Aus- cen und die Stärken einer dualen Berufsausbil-
bildung schaffen. Weitere 13 Prozent (2017: dung aufzuzeigen. In vielen Herkunftsländern
neun Prozent) der Unternehmen haben schon in ist das duale Ausbildungssystem nicht bekannt.
den letzten zwei Jahren Flüchtlinge in einer EQ Die hohen Standards unserer Ausbildungsberufe
oder in einem Praktikum beschäftigt. Sechs Pro- dürfen jedoch nicht zugunsten verkürzter Son-
zent (2017: acht Prozent) planen in den nächs- derausbildungen für Geflüchtete gesenkt wer-
ten zwei Jahren, Flüchtlinge in EQ oder in ein den. Nur mit einer soliden Ausbildung können
Praktikum aufzunehmen. EQs sind ein guter geflüchtete Menschen eine sichere Zukunft als
Einstieg für Unternehmen sind, Erfahrungen bei Fachkraft in Deutschland oder nach Rückkehr in
der Ausbildung von Flüchtlingen zu sammeln. ihrer Heimat finden. Vor diesem Hintergrund
sollten zweijährige Berufe als guter Weg zu ei-
nem Berufsabschluss für Flüchtlinge weiter be-
worben werden.DIHK-Ausbildungsumfrage 2018 9
Lernen und Arbeiten in der digitalen Welt
Alles wird digital?!
Betriebe haben in der vorliegenden Umfrage
Die Digitalisierung verändert unsere Gesell- Auskunft darüber gegeben, welche Kompeten-
schaft in rasanter Geschwindigkeit und ist in- zen angesichts Wirtschaft 4.0 aus ihrer Sicht
zwischen auch in der dualen Ausbildung ange- besonders wichtig sind. Dabei überrascht es we-
kommen. Jungen Menschen stehen durch die nig, dass für 72 Prozent (2017: 68 Prozent) der
neuen Technologien zahlreiche Wege offen, sich Unternehmen IT-Kompetenzen in Zukunft einen
über geeignete Berufswege frühzeitig zu infor- höheren Stellenwert haben werden. Stärker
mieren. Die Vielzahl der Angebote führt aber noch als die IT-Branche bewerten Banken/Versi-
häufig zu Verunsicherungen, wie das individuell cherungen sowie die Immobilienbranche die Be-
Richtige am Ende zu finden ist. Weiter stellt deutung von IT-Kenntnissen als überdurch-
sich die Frage, ob die hohen digitalen Kompe- schnittlich wichtig.
tenzen junger Menschen bereits ausreichen, um
in der digitalen Arbeitswelt zu bestehen. Neben IT-Kenntnissen schätzen Unternehmen in
Zukunft selbständiges Handeln (58 Prozent),
Andererseits stellen sich die Unternehmen der strukturiertes Arbeiten (53 Prozent) und Verant-
digitalen Transformation und gehen neue Wege, wortungsbewusstsein (52 Prozent) ihrer künfti-
Azubis zu finden und innovativ zu qualifizieren. gen Azubis mit größerer Bedeutung ein. Aus
Die vorliegende Umfrage gibt Antworten, wie Soft Skills werden zunehmend Hard Sills. Die
dies geschieht. Sich auf die digitale Transforma- Umfrage gibt keine Auskunft über die grund-
tion einzulassen und mutig neue Wege zu ge- sätzliche Bedeutung oder Wichtigkeit der auf-
hen, ist keinesfalls eine losgelöste Frage der IT- geführten Kompetenzen. Sie beschreibt das er-
Kenntnisse von Azubis und Fachkräften. wartbare Maß der Veränderung.
In dieser sich rasant ändernden Arbeitswelt Um Jugendliche auf Arbeit 4.0 vorzubereiten,
stellt sich die Frage, welche neuen Kompeten- wird die Vermittlung von Medienkompetenz be-
zen Azubis benötigen und deshalb bereits in der reits in der Schule zur Schlüsselqualifikation. In
Ausbildung erlernen sollten. Die schnellen Ent- den allgemeinbildenden Schulen sollte systema-
wicklungen der Technologien, Veränderungen in tisch ein Grundstein gelegt werden, um in der
der Zusammenarbeit sowie der Digitalisierungs- Berufsschule darauf aufbauen zu können. Mit
grad in den Betrieben geben den Rahmen dieser der Entwicklung dieser Kompetenzen erst in der
Qualifikationsbedarfe vor. Da es keine Lernsche- dualen Ausbildung zu beginnen, wäre zu spät.
mata für die Aneignung neuer Kompetenzen Es gilt daher umso mehr, den angekündigten Di-
gibt, können diese Veränderungen bei Betrieben, gitalPakt#D der Bundesregierung schnellstmög-
Mitarbeitern und Auszubildenden zu Verunsi- lich umzusetzen.
cherungen führen. Bei Azubis haben Unterneh-
men und Berufsschulen aber die Chance, Ak-
zente zu setzen und genau die Kompetenzen zu
vermitteln, auf die Betriebe in Zukunft auf-
bauen können – unabhängig davon, ob die aus-
gebildeten Fachkräfte später in einem kleineren
Betrieb oder in einem Großbetrieb tätig sind.10 DIHK-Ausbildungsumfrage 2018
Digital Native heißt noch nicht „Kann alles“ Nur fünf Prozent der Azubis zeigten zu Ausbil-
dungsbeginn sehr gute Kenntnisse. Mehr als die
Junge Menschen, die sich heute um eine Ausbil- Hälfte brachte nicht das notwendige Know-
dung bewerben, werden häufig als „Digital Na- How mit.
tives“ bezeichnet. Eine Welt ohne Internet ken-
nen sie nicht und ihre Meinung einbringen zu Die Qualität einer Website zu bewerten oder zu
können, haben sie frühzeitig durch Social Me- wissen, wie Suchergebnisse entstehen – das Re-
dia-Angebote gelernt. Medieninhalte sind für flektionsvermögen über digitale Prozesse sahen
sie immer und überall abrufbar. Ihre Offenheit die Betriebe bei nahezu 64 Prozent ihrer Azubis
für den Umgang mit digitalen Angeboten kann nur auf Basisniveau ausgeprägt. Zwölf Prozent
für Unternehmen frischen Wind bedeuten, weil der Azubis glänzen mit „sehr gut“. Im Umgang
sie Prozesse nutzerorientiert betrachten. Diese mit Social Media sind die jungen Menschen bei
Offenheit bedeutet allerdings noch nicht, dass Ausbildungsstart überwiegend topfit: Mehr als
die künftigen Fachkräfte über die Medienkom- jeder Zweite (55 Prozent) erhält ein „sehr gut“
petenz verfügen, die für die Arbeit im Betrieb und weitere 38 Prozent haben Basiskenntnisse.
tatsächlich benötigt wird. Nur 13 Prozent der
Unternehmen geben an, dass die Kenntnisse Für junge Fachkräfte und Unternehmen gilt es,
über IT-Sicherheit ihrer aktuellen Azubis bei aus diesem nutzerorientierten Umgang mit dem
Ausbildungsbeginn „sehr gut“ waren. Ein Viertel Digitalen versierte Kompetenzen zu entwickeln,
hingegen gab an, dass die Azubis mit deutlich um sie sicher in den Arbeitsalltag einbringen zu
zu wenig Kenntnissen gestartet sind. Noch können.
drastischer verhält es sich beim Datenschutz:
Wie schätzen Sie die Medienkompetenz Ihrer gegenwärtigen Azubis
durchschnittlich bei Ausbildungsbeginn ein?
Sehr gut Basisniveau Deutlich zu wenig
IT-Sicherheit 13 % 61 % 26 %
Datenschutz 5% 44 % 51 %
Umgang mit Social
55 % 38 % 7%
Media
Reflektionsvermögen
12 % 64 % 24 %
über digitale InhalteDIHK-Ausbildungsumfrage 2018 11
Neue Lehrmethoden für die Praxis Zusatzqualifikationen für Arbeit 4.0 zielen ins-
besondere auf die Vermittlung von IT-Kenntnis-
Um Azubis auf Arbeit 4.0 vorzubereiten, gehen sen oder die Stärkung von persönlichen Fähig-
Unternehmen neue Wege hinsichtlich der Ge- keiten ab. Mehr als jedes dritte Unternehmen
staltung ihrer Ausbildung. Neue Lehransätze macht von Zusatzqualifikationen Gebrauch, um
sind in diesem Zusammenhang auch wichtig, die Digitalkompetenzen ihrer Azubis zu fördern.
um Bestehendes aufzubrechen und das „Agile“ Jedes vierte Unternehmen pilotiert oder nutzt
zu fördern. Eine Ausbildungsordnung umfasst neue Formen der Wissensvermittlung: Ausbilder
den Mindestumfang der zu vermittelnden, be- werden dabei zum Lernprozessbegleiter. Auszu-
ruflichen Inhalte. Unternehmen haben die Mög- bildende lernen auf diesem Weg selbständiger,
lichkeit, diesen Mindestumfang zu ergänzen sich Inhalte zu erarbeiten. Der Lernprozessbe-
oder Ausbildung anders zu gestalten. So haben gleiter unterstützt sie, wenn sie Hilfe benötigen.
53 Prozent der Unternehmen abteilungsüber- Nahezu ein Viertel der Unternehmen intensi-
greifende Azubi-Projekte aufgesetzt, um das in- viert die – ohnehin recht gute – Zusammenar-
terdisziplinäre Arbeiten und das selbstständige beit mit der Berufsschule. So können Lehrin-
Handeln zu stärken. halte etwa besser aufeinander abgestimmt wer-
den.
Vorbereitung der Azubis auf Arbeit 4.0
(in %, Mehrfachantworten möglich, n = 7.650)
abteilungsübergreifende Azubi-
53
Projekte (Interdisziplinarität)
Zusatzqualifikationen für Arbeit 4.0,
36
z. B. IT-Kenntnisse / persönliche Fähigkeiten
Neue Formen der Wissensvermittlung,
25
z. B. durch Lernprozessbegleiter
Intensivierung der Zusammenarbeit
24
mit der Berufsschule
Sonstiges 812 DIHK-Ausbildungsumfrage 2018
DIHK-Ausbildungsumfrage 2018 13
Fachleute gesucht!
Demografische Entwicklung und der Trend zum nur bei der IHK-Lehrstellenbörse, sondern auch
Studium haben das Bewerberpotential deutlich bei der Jobbörse der Arbeitsagentur melden. Ge-
verringert und die Konkurrenz um den Nach- gebenenfalls können die Unternehmen auch die
wuchs ist groß. Weil in Zukunft mehr und mehr gezielte Vermittlung in Anspruch nehmen. Seit
Arbeitnehmer der Baby-Boomer-Generation in Start der IHK-Ausbildungsumfrage vor 13 Jah-
Rente gehen, verschärft sich der Wettbewerb ren war der Grad der Einschaltung der Ar-
um Fachkräfte zunehmend. beitsagenturen noch nie so hoch wie heute.
69 Prozent der Betriebe meldeten im Jahr 2018
In diesem Umfeld reicht es heute nicht mehr offene Ausbildungsplätze immer den Ar-
aus, eine Stellenanzeige in der Lokalzeitung zu beitsagenturen – eine Steigerung auf hohem
schalten. Darum gilt es für die Ausbildungsbe- Niveau um erneut zwei Prozentpunkte.
triebe, so optimal für sich zu werben, dass sie
von suchenden Jugendlichen auch gefunden Trotz der zunehmenden Meldung von Ausbil-
werden. Beim Matching zwischen Jugendlichen dungsstellen bei der BA werden jedoch nach
und Unternehmen kommt den Arbeitsagenturen wie vor viele Ausbildungsplätze ohne Hilfe der
eine wichtige Rolle zu. Neben den eigenen Ak- Arbeitsagenturen und Jobcenter besetzt. Für su-
quise-Anstrengungen sollten die Unternehmen chende Jugendliche lohnt deshalb auch der
ihre offenen Ausbildungsplätze nicht Blick in andere Quellen, zum Beispiel in die IHK-
Lehrstellenbörse.
Melden Sie Ihre offenen Ausbildungsplätze der Agentur für Arbeit?
(Antwortende = 10.186)
ja, immer nein ja, hin und wieder
100%
90% 19 18 19 17 18 18 17
80%
17 16 15 15 14
70% 17 18
60%
50%
40%
64 65 67 67 67 69
30% 63
20%
10%
0%
2012 2013 2014 2015 2016 2017 201814 DIHK-Ausbildungsumfrage 2018
Bei jungen Menschen punkten Azubi-Marketings forciert: 49 Prozent haben
Maßnahmen ergriffen. Das entspricht einer
Über die Meldung des Ausbildungsplatzes hin- Steigerung von drei Prozentpunkten zum Vor-
aus, ist die Voraussetzung für ein erfolgreiches jahr. Azubi-Marketing heißt nicht, dass jedes
Azubi-Marketing, die eigene Position zu kennen Unternehmen eine großangelegte Kampagne
und sich gut zu platzieren: Was für ein Unter- gestartet hat. Vielmehr gilt es, die eigenen Vor-
nehmen sind wir? Welche Kultur herrscht vor? teile für die Zielgruppe aufzubereiten und zu
Wen suche ich? Und welche Ausbildungsberufe kommunizieren. Das kann auch über eine Ko-
kann ich ausbilden? Je klarer sich ein Unterneh- operation mit einem Jugendzentrum oder dem
men diese Fragen beantworten kann, desto ortsansässigen Sportverein passieren.
leichter fällt auch das Azubi-Marketing. Allein
die Frage, wie eine Stellenanzeige formuliert ist, Angebote für die Leistungsstarken
kann darüber entscheiden, ob sich jemand be-
wirbt oder nicht. Angebot und Nachfrage zu- Andere Maßnahmen, um Azubis zu gewinnen,
sammen zu bringen, wird umso schwieriger, je zielen auf einen spezielleren Personenkreis ab.
spezieller die Anforderungen und Wünsche von Dies gilt es bei der Wahl der Aktivität vorab zu
Betrieben und Jugendlichen sind. Haben sich bedenken. So erhalten leistungsstarke Jugendli-
Jugendliche auf einen in der Region eher selte- che zunehmend zusätzliche Angebote, bei-
nen Berufswunsch festgelegt, sollten sie sich spielsweise Zusatzqualifikationen oder Aus-
mobil und flexibel zeigen. Bieten Unternehmen landspraktika während der Ausbildung; Tendenz
einen eher unbekannten Ausbildungsberuf an, steigend.
empfiehlt es sich, diese Chance umfangreich zu
bewerben. Auch für Studienabbrecher bieten Betriebe gute
Ausbildungschancen und sie intensivieren ihr
Betriebe versuchen auf diese neuen Bedürfnisse Werben um diese Zielgruppe. So hat der Anteil
der jungen Menschen zu reagieren und die Aus- der Betriebe, die diesen Weg gehen, im Ver-
bildung für potenzielle Bewerber attraktiver zu gleich zum Vorjahr noch einmal um zwei Pro-
gestalten und für sie zu werben. Sie agieren da- zentpunkte zugenommen und liegt jetzt bei
bei mit unterschiedlichen Maßnahmen: Sie ma- 44 Prozent. Dieses Ergebnis wird auch durch
chen inhaltliche Zusatzangebote, sie verstärken Studien bestätigt, zum Beispiel durch die
alle Arten der Außendarstellung oder sie ma- DZHW-Studie. Diese zeigt, dass mehr als vier
chen Angebote für spezielle Bewerbergruppen. von zehn Studienaussteigern innerhalb eines
halben Jahres nach Studienabbruch eine duale
Ausbildung beginnen. Die Untersuchung hat je-
Praktika sind oft der Einstieg in Ausbildung doch auch gezeigt, dass die Quote der Studien-
abbrecher nach wie vor viel zu hoch ist. Nahezu
Transparenz, was die Jugendlichen in der Aus- jeder dritte Bachelorstudent bricht sein Studium
bildung erwartet, ist dabei sehr erfolgreich und ab. Diese Erfahrung des Scheiterns und des
wird deshalb von vielen Unternehmen einge- Zeitverlusts können durch eine bessere Berufs-
setzt. Durch Praktika und Kooperationen mit und Studienorientierung, auch an Gymnasien,
Schulen zeigen sie Jugendlichen den betriebli- vermieden werden.
chen Alltag. 57 Prozent der Betriebe nutzen
Praktika, um erfolgreich Azubis zu gewinnen – Der Hauptgrund für die Studienabbrüche sind
zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. „unbewältigte Leistungsanforderungen“. Die
Partner in der Allianz für Aus- und Weiterbil-
Die Außendarstellung ihrer Ausbildung haben dung setzen daher einen Schwerpunkt ihrer Ar-
die Unternehmen über eine Verstärkung ihresDIHK-Ausbildungsumfrage 2018 15
beit auf die Verbesserung der Berufsorientie- Die Integration von Flüchtlingen zeigt sich zu-
rung, insbesondere an den Gymnasien. Die IHK- nehmend auf dem Ausbildungsmarkt und bei
Organisation bietet Studienaussteigern mit der den Aktivitäten der Unternehmen zur Gewin-
Initiative „Mit Praxis zum Erfolg“ attraktive be- nung von Azubis: Mehr als jedes fünfte Unter-
rufliche Qualifizierungs- und Karriereperspekti- nehmen setzt auf Integration von Flüchtlingen,
ven. um seine zukünftigen Fachkräfte selbst auszu-
bilden.
Wie reagieren Sie bei der Gewinnung von Auszubildenden auf
rückläufige Bewerberzahlen?
(in %; Mehrfachantworten möglich; Antwortende = 8.905)
Angebote von Praktika 57
verbessertes Ausbildungsmarketing 49
Erschließung neuer Bewerbergruppen (z. B.
44
Studienabbrecher)
Kooperationen mit Schulen 27
Integration von Flüchtlingen 22
Kooperationen mit Hochschulen
22
(z. B. Angebot von dualen Studiengängen)
verstärkte überregionale Suche nach Auszubildenden 17
finanzielle/materielle Anreize 16
Angebot von Zusatzqualifikationen
16
(z. B. Fremdsprachenunterricht)
Angebot von Ausbildung mit einer
13
Aufstiegsfortbildung
Angebot von Auslandsaufenthalten in der Ausbildung 10
Ich bilde im Verbund aus oder prüfe gerade die
8
Möglichkeit
Angebot von Ausbildung in Teilzeit 7
andere Vorgehensweisen 5
0 10 20 30 40 50 60 7016 DIHK-Ausbildungsumfrage 2018
Finanzielle und materielle Anreize setzen Maßnahmen unterscheiden sich von Branche
zu Branche
16 Prozent (2017: 13 Prozent) der Betriebe
setzt auf materielle oder finanzielle Anreize, um Dabei setzen die Branchen unterschiedliche
Azubis zu gewinnen – Tendenz steigend. Ange- Schwerpunkte. So wollen überdurchschnittlich
boten werden „Goodies für Azubis“ in allen häufig die IT-Betriebe (2017: 63 Prozent), die
Branchen. Überproportional häufig werden sie Banken und Versicherungen (2017: 60 Prozent)
in den Branchen mit den größten Besetzungs- und die unternehmensnahen Dienstleistungen
schwierigkeiten angeboten: im Hotel- und (2017: 51 Prozent) neue Bewerbergruppen, zum
Gaststättenbereich, Verkehr sowie in der Bau- Beispiel Studienabbrecher, erschließen.
branche. Sie können das Zünglein an der Waage
sein, wenn die Konkurrenz unter den Betrieben Banken/Versicherungen (2017: 61 Prozent) und
besonders hoch ist. Sie können aber auch ein die Industrie (2017: 56 Prozent) setzen zudem
Pluspunkt für einen Betrieb sein oder Aufmerk- stark auf ein besseres Ausbildungsmarketing.
samkeit erzeugen, wenn Fachkräfte für weniger Das Gastgewerbe (2017: 28 Prozent) sucht
stark nachgefragte Berufe gesucht werden. deutlich stärker als andere Branchen nach Aus-
Auch eine schlechte Erreichbarkeit kann auf zubildenden über die Region hinaus. Die Indust-
diesem Weg ausgeglichen werden. rie nutzt zudem deutlich häufiger als die ande-
ren Branchen auch Zusatzqualifikationen und
Konstante 55 Prozent der Betriebe, die auf Auslandsaufenthalte zur Attraktivitätssteige-
Goodies zurückgreifen, fördern die Mobilität. rung der Ausbildung.
Weitere 43 Prozent (2017: 40 Prozent) zahlen
eine übertarifliche Vergütung, um das Interesse
von Jugendlichen an bestimmten Berufen zu er-
höhen. 31 Prozent (2017: 29 Prozent) derer, die
Goodies anbieten, gewähren mehr als den ge-
setzlichen Urlaub und greifen damit ein Bedürf-
nis der Generation Y nach mehr Freizeit auf.
Darüber hinaus werden genannt: Bonuszahlun-
gen bei guten Noten, Büchergeld, Klassenfahr-
ten, Business-Outfits oder Mitgliedschaften in
Fitnessstudios.DIHK-Ausbildungsumfrage 2018 17
Hemmnisse für die Ausbildung
Warum Unternehmen sich schwertun auszu- Auch in diesem Jahr am häufigsten als Ausbil-
bilden… dungshemmnis genannt, wurden mit 84 Prozent
die unklaren Vorstellungen vieler Schulabgänger
Erfreulich ist: Rund zwei Drittel (67 Prozent) der über Berufsbilder und die Anforderungen an
Unternehmen, die sich an der Ausbildungsum- eine Ausbildung. Das entspricht 25 Prozent, also
frage beteiligt haben, sehen keinerlei Hinde- einem Viertel der Umfrageteilnehmer. Eine
rungsgründe auszubilden. Umgekehrt benennt mangelnde Berufsorientierung ist aus Sicht der
ein Drittel der Umfrageteilnehmer (33 Prozent) Betriebe damit nach wie vor das größte Ausbil-
konkrete Hemmnisse für die betriebliche Ausbil- dungshemmnis. Im Vorjahr waren es 80 Prozent
dung. der insgesamt 35 Prozent der Unternehmen, die
Ausbildungshemmnisse angeben haben und da-
2017 waren es noch 35 Prozent, 2016 sogar mit 26 Prozent der Gesamtbefragten.
41 Prozent der Unternehmen, die hier Probleme
festgestellt haben. Dank der weiterhin wirt- Die Unsicherheit und Orientierungslosigkeit der
schaftlich guten Lage hat sich die Ausbildungs- Jugendlichen stellt alle vor Herausforderungen
situation gegenüber den Vorjahren also weiter – egal, ob Industrie, Bau, IT, Medien, Handel,
verbessert. Die wenigsten Probleme sieht aktuell Verkehr, Dienstleistungen, Banken und Versi-
die Immobilienbranche (20 Prozent). Besonders cherungen, Immobilien oder Gesundheit/Pflege.
schwierig ist es dagegen für das Gastgewerbe. Besonders ausgeprägt sind die unklaren Berufs-
Hier stellt aktuell rund die Hälfte der Betriebe vorstellungen der Bewerber im Gastgewerbe
(48 Prozent) Schwierigkeiten fest. (90 Prozent), gefolgt von Gesundheits- und
Pflegeberufen (88 Prozent). In diesen Branchen
Zudem regional gibt es Unterschiede. Im Süden sind die Arbeitszeiten oft unregelmäßig, da im
Deutschlands haben in diesem Jahr 40 Prozent Schichtdienst gearbeitet wird und es werden
der Unternehmen angegeben, dass sie Schwie- viele lernschwächere Jugendliche ausgebildet.
rigkeiten haben auszubilden, da sich Auszubil-
dende für andere Unternehmen oder Bildungs- Die in den Lehrplänen verankerte und individu-
wege entscheiden. Durch die vergleichsweise elle Berufs- und Studienorientierung in der Se-
hohe Unternehmensdichte ergeben sich in Ba- kundarstufe I und II der allgemeinbildenden
den-Württemberg und Bayern oft mehr Wahl- Schulen schlägt sich hier bislang also (noch)
möglichkeiten für die Auszubildenden, was die nicht nieder. Viele schulische Angebote, wie das
Ausbildungsbetriebe und -angebote angeht. All- Schulfach Auf dem Weg ins Berufsleben (WiB),
gemein schlägt sich hier auch der anhaltende das seit dem Schuljahr 2017/18 auf freiwilliger
Akademisierungstrend nieder. Umso wichtiger Basis an sächsischen Gymnasien angeboten
ist und bleibt es, die Gleichwertigkeit der Beruf- wird oder das Schulfach Wirtschaft/Berufs- und
lichen und akademischen Bildung herauszustel- Studienorientierung (WBS), das seit dem Schul-
len. jahr 2018/19 in Baden-Württemberg unterrich-
tet wird, sind noch recht neu. Es lassen sich da-
her in der Umfrage noch keine Effekte messen.18 DIHK-Ausbildungsumfrage 2018
… und die Berufsorientierung gestärkt werden Leitfaden für Betriebe zum Schülerpraktikum
muss Unternehmen, die Schülerpraktika anbieten
möchten, finden nützliche Hinweise rund um
Trotzdem ist es richtig und wichtig, die schuli- das Thema - von der Praktikumsvereinbarung
schen und außerschulischen Angebote zur Be- bis zur Bescheinigung- im Leitfaden für Be-
rufs- und Studienorientierung weiter zu stärken triebe. Die kostenlose PDF-Version ist als Down-
und auszubauen – insbesondere an den Gymna- load verfügbar unter: www.dihk.de/themenfel-
sien. der/aus-und-weiterbildung/schule-hoch-
schule/schule/service/schuelerpraktikum
Informationen über unterschiedliche Berufe und Gedruckte Exemplare erhalten Sie über
praxisorientierte Einblicke, z.B. durch Praktika, den DIHK-Verlag.
vermitteln ein realistisches Bild von der Arbeits-
welt und tragen dazu bei, dass Jugendliche ein
konkretes Bild von verschiedenen Berufen be- Die Entscheidung der Auszubildenden für ein
kommen und eine erfahrungsbasierte Berufs- anderes Unternehmen oder einen anderen Bil-
wahlentscheidung treffen. dungsweg wird mit 32 Prozent als zweithäu-
figster Grund angegeben, der die Ausbildung
Eine gute Berufs- und Studienorientierung zeigt aktuell erschwert. Das sind fünf Prozentpunkte
die Beschäftigungsperspektiven, Verdienstmög- mehr als 2017. Besonders stark ausgeprägt,
lichkeiten und Karrierechancen der akademi- zeigt sich dies bei Banken- und Versicherungen
schen sowie der Beruflichen Bildung auf. Sie (41 Prozent). Hier werden überdurchschnittlich
stellt frühzeitig die Weichen für eine tragfähige viele Abiturienten ausbildet, die sich dann oft
Berufswahl und einen erfolgreichen Übergang noch für ein Studium entscheiden. Auch in der
in Ausbildung, Studium und Beruf und reduziert Industrie (37 Prozent) gibt es neben der dualen
so Studien- und Ausbildungsabbrüche. Ausbildung mittlerweile viele attraktive duale
Studienangebote gibt.
Welche Ausbildungshemmnisse wirken sich auf Ihren Betrieb aus?
(in %, Mehrfachantworten möglich)
2017 2018
unklare Berufsvorstellungen vieler Schulabgänger 80
84
Auszubildende entscheiden sich für andere 27
Unternehmen oder Bildungswege 32
Die Entfernung zur Berufsschule ist zu groß 19
23
unsichere wirtschaftliche Perspektive 9
8
Ich kann Auszubildende nicht übernehmen 10
8
Ich bin tariflich gebunden, Azubis zu übernehmen 6
6
Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht 21
21
andere 14
13
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90DIHK-Ausbildungsumfrage 2018 19
Weite Wege zur Berufsschule werden immer Der demografiebedingte Rückgang der Schulab-
mehr zur Hürde… gänger und der anhaltende Trend zum Studium
führen mancherorts zur Zusammenlegung und
Sowohl für den Ausbildungsbetrieb als auch für Schließung von Berufsschulklassen und -stand-
die Auszubildenden sind betriebs- und wohnor- orten. Je nach Ausbildungsberuf wird ein woh-
tsnahe Berufsschulstandorte von großer Bedeu- nortnaher Unterricht dadurch zunehmend
tung, wenn es darum geht, Fachkräfte in der schwieriger. Diese Konzentration auf weniger
Region zu halten. Das gilt insbesondere für Be- Berufsschulen bedeutet für viele Azubis weite
rufsschulangebote im ländlichen Raum. Hier Anfahrtswege, vor allem im ländlichen Raum
wird es für Unternehmen immer schwieriger, und im Osten Deutschlands.
geeignete Auszubildende zu finden.
Welche Ausbildungshemmnisse wirken sich auf Ihren Betrieb
aus? (in %)
2016 2017 2018
15
Die Entfernung zur Berufsschule ist zu groß 19
23
0 5 10 15 20 25
Damit setzt sich die Entwicklung der letzten für den Erfolg der dualen Ausbildung. Berufsbil-
Jahre fort. Dabei ist eine funktionierende Infra- dende Schulen sollten daher länderübergreifend
struktur für die Praxis im Betrieb und die Theo- kooperieren können, um auch in seltenen Aus-
rie in der Berufsschule eine wichtige Grundlage bildungsberufen weiterhin einen betriebs- und
wohnortnahen Unterricht zu ermöglichen.
Welche Hemmnisse wirken sich auf Ihren Betrieb aus?
(in %) Nord Süd Ost West
13
14
Die Entfernung zur Berufsschule ist zu groß 2016 24
13
16
19
Die Entfernung zur Berufsschule ist zu groß 2017 31
14
21
23
Die Entfernung zur Berufsschule ist zu groß 2018 34
18
0 5 10 15 20 25 30 35 4020 DIHK-Ausbildungsumfrage 2018
Verschiebung der Problemlagen - Mangelnde Vorjahr durchweg um drei bis vier Prozent-
Ausbildungsreife der Azubis ist die neue wirt- punkte verschlechtert. Besonders betroffen, ist
schaftliche Unsicherheit auch hier das Gastgewerbe. Hier sind nur rund
zwei Prozent der Unternehmen mit der Ausbil-
Betrachtet man den Zeitverlauf, so lässt sich dungsreife ihrer Bewerber zufrieden. Am zufrie-
eine deutliche Verschiebung der Ausbildungs- densten mit der Ausbildungsfähigkeit ist die
hemmnisse und damit verbundenen Problemla- Medienbranche (17 Prozent).
gen erkennen. Noch vor zehn Jahren waren die
unsichere wirtschaftliche Perspektive (2006: Das größte Manko sehen die Betriebe in der
33 Prozent, 2008: 14 Prozent), fehlende Über- fehlenden Leistungsbereitschaft der Jugendli-
nahmemöglichkeiten für ausgelernte Auszubil- chen. Eine immer größere Herausforderung für
dende (2006: 25 Prozent, 2008: 16 Prozent) und die Ausbildungsbetriebe ist es, dass Jugendliche
die zu hohen Kosten für eine Ausbildung im ei- immer weniger Motivation mitbringen. 63 Pro-
genen Betrieb (2006: 13 Prozent, 2008: sechs zent der Unternehmen vermissen Eigenantrieb
Prozent) die größten Ausbildungshemmnisse. und Einsatzbereitschaft bei ihren Azubis. Das
Heute sorgen vor allem Defizite bei der Ausbil- sind vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und
dungsreife vieler Jugendlicher für Probleme und der schlechteste Wert seit Beginn der Erhebung.
erschweren die Ausbildung. Eng damit verknüpft ist die mangelnde Diszip-
lin, die 54 Prozent der Unternehmen angegeben
Ansprüche der Generation Y und der Betriebe haben, sowie die fehlende Belastbarkeit mit 43
klaffen auseinander Prozent.
Ähnlich mangelhaft werden auch die Umgangs-
Nur rund acht Prozent der Umfrageteilnehmer
formen (ebenfalls 43 Prozent) sowie das Inte-
sehen aktuell keine Mängel bei der Ausbil-
dungsreife ihrer Auszubildenden. Im Umkehr- resse und die Aufgeschlossenheit (35 Prozent)
schluss bedeutet das, dass ein Großteil der Be- der Jugendlichen bewertet. Am besten schnei-
triebe bei der schulischen Vorbildung und den det die Teamfähigkeit ab, mit der nur 13 Pro-
Soft Skills der Ausbildungsbewerber noch Luft zent nicht zufrieden sind.
nach oben sieht. Mit Blick auf die Sozialkompe-
tenzen haben sich die Angaben zu den verschie-
denen Kompetenzbereichen gegenüber dem
Mängel bei den Sozialkompetenzen von Schulabgängern
durch Ausbildungsbetriebe
(in %; Mehrfachantworten möglich, Antwortende = 9.214)
2018 2017
Teamfähigkeit 13
10
Umgangsformen 43
40
Belastbarkeit 59
53
Disziplin 54
50
Interesse 35
32
Leistungsbereitschaft/Motivation 63
59
0 10 20 30 40 50 60 70DIHK-Ausbildungsumfrage 2018 21
Betrachtet man den Zeitverlauf, so haben sich ten der Ausbildungsplatzbewerber sind 50 Pro-
die Sozialkompetenzen der Schulabgänger aus zent unzufrieden, mit dem mündlichen und
Sicht der befragten Betriebe allesamt ver- schriftlichen Ausdrucksvermögen sogar 61 Pro-
schlechtert. Dabei werden Social Skills, wie zent – das sind rund drei Prozentpunkte mehr
Kommunikationsfähigkeit, Kreativität oder selb- als im letzten Jahr. Die aktuelle PISA-Studie aus
ständiges Arbeiten immer wichtiger. dem Jahr 2015 bestätigt das.
Die Welt in der wir leben, lernen und arbeiten Industrie, Handel und Gastgewerbe sehen die
verändert sich. Vor allem durch die Digitalisie- größten Defizite im Bereich Mathe. Hier sind je-
rung wird der Wandel immer schneller. Neue weils über 50 Prozent der Umfrageteilnehmer,
Anforderungen entstehen: Lebenslanges Lernen, die eine fehlende Ausbildungsreife attestiert
Anpassungsfähigkeit, interdisziplinäres Arbeiten haben, unzufrieden mit den Leistungen ihrer
und Kompetenzen wie Kreativität, die sich nicht Azubis.
so einfach durch digitale Prozesse ersetzen las-
sen, werden immer wichtiger. Was das mündliche und schriftliche Ausdrucks-
vermögen angeht, sind IT und Gastgewerbe (je-
Die Komplexität des digitalen Arbeitens lässt weils 70 Prozent) sowie die Gesundheits- und
sich erst durch das Zusammenspiel verschiede- Pflegeberufe (65 Prozent) am stärksten betrof-
ner Kompetenzen erfolgreich bewältigen. Das fen. Ein Erklärungsansatz ist, dass hier vermehrt
allein reicht jedoch nicht aus. Inhalte und Fach- lernschwächere Jugendliche ausgebildet werden
wissen sind und bleiben genauso wichtig. Aber und die Anforderungen an die mündliche und
auch die Schulleistungen und Lernergebnisse schriftliche Kommunikation durch den direkten
der Schulabgänger werden seit 2015 wieder Kundenkontakt in diesen Dienstleistungsberei-
stetig schlechter und die Vorbildung der Auszu- chen vergleichsweise hoch ist.
bildenden von vielen Betrieben als unzureichend
bewertet. Mit den elementaren Rechenfertigkei-
Mängel bei den Sozialkompetenzen von Schulabgängern
durch Ausbildungsbetriebe
(in %; Mehrfachantworten möglich, Antwortende 9.214)
Leistungsbereitschaft/Motivation Interesse
Disziplin Belastbarkeit
Umgangsformen Teamfähigkeit
5
15
25
35
45
55
65
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 201822 DIHK-Ausbildungsumfrage 2018
Schwächere mitnehmen Die Grundlage für eine dauerhafte Beschäfti-
gung ist eine qualifizierte Berufsausbildung und
Aufgrund dieser Defizite in Mathe und Deutsch die damit verbundene Fachlichkeit. Unterneh-
benötigen immer mehr Auszubildende zusätzli- men stehen vor der Herausforderung, Digital-
che Unterstützung von den Betrieben für einen kompetenzen als immer stärker werdenden, in-
erfolgreichen Berufsabschluss. Unternehmen tegrativen Bestandteil der Berufsausbildung zu
bieten daher immer mehr Unterstützungsange- vermitteln. Auf der anderen Seite werden die
bote an. Hürden immer höher, überhaupt Auszubildende
für ihre Ausbildungsangebote zu finden. Für
Im Vergleich zum Vorjahr ist das Engagement leistungsschwächere Jugendliche eröffnete dies
der Betriebe über alle Unterstützungsmaßnah- in den vergangenen Jahren gute Chancen auf
men hinweg ein bis drei Prozent gestiegen. Im- einen Ausbildungsplatz. Die Digitalisierung kann
mer mehr Firmen sind zudem bereit, lernschwä- einerseits dazu führen, dass Leistungsschwä-
chere Jugendliche auszubildenden. Dadurch chere individuelle Unterstützung erfahren kön-
wächst auch das Engagement der Unternehmen nen. Sie kann aber durch eine steigende Kom-
zur Unterstützung dieser Jugendlichen. plexität zu neuen Herausforderungen für Be-
triebe und Azubis werden.
Wie reagieren Sie auf die mangelnde Ausbildungsreife von
Schulabgängern? (in %; Mehrfachantworten möglich)
2017 2018
eigenes Angebot von Nachhilfe im Unternehmen 40
41
Nutzung ausbildungsbegleitender Hilfen der Agentur für 30
Arbeit 32
Chance für lernschwächere Jugendliche auch ohne 29
öffentliche Unterstützung 31
Keine Möglichkeit für den Einsatz von lernschwächeren 21
Jugendlichen 21
Angebote für betriebliche Einstiegsqualifizierung (EQ) 15
16
Angebote für langfristige Schülerpraktika zum Lernen im 12
Betrieb (z. B. Praxisklassen) 13
Bessere Informationen zu Stärken/Schwächen von 11
Jugendlichen 12
Nutzung 2-stufiger Ausbildungsmodelle (2-jähriger Beruf) 10
11
Einsatz ehrenamtlicher Mentoren/Paten 9
11
Einsatz der "Assistierten Ausbildung" 4
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