AUSSEN WIRTSCHAFT WIRTSCHAFTSBERICHT KOREA, REPUBLIK - WKO
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AUSSENWIRTSCHAFTSBERICHT KOREA, REP. (H1 2021, vorläufige Werte)
• Koreanische Wirtschaft trotzt Pandemie und ist wieder auf solidem Wachstumskurs
• Halbleiter- und Elektronikindustrie bleibt wirtschaftliches Zugpferd
• Korea kehrt 2021 wieder an die Innovations-Weltspitze zurück
• Österreichische Exporte legen im 1. Halbjahr 2021 kräftig zu (+19,4 %)
Wirtschaftskennzahlen
2019 2020 2021* Prognose
für 2022*
Nominales Bruttoinlandsprodukt in Mrd. USD1 1.651 1.638 1.802 1.866
Bruttoinlandsprodukt/Kopf in US-Dollar2 43.254 43.751 46.411 48.682
Bevölkerung in Mio.3 51,2 51,3 51,3 51,3
Reales Wirtschaftswachstum in % 4 2,2 -0,9 3,9 2,7
Inflationsrate in %5 0,7 0,5 2,2 1,8
Arbeitslosenrate in %6 3,8 3,9 3,9 3,5
Wechselkurs der Landeswährung KRW zu Euro7 1.282 1.347 1.359 1.340
Warenexporte des Landes in Mrd. USD8 566,7 516,6 661,9 688,8
Warenimporte des Landes in Mrd. USD9 476,9 434,7 566,8 598,5
Wirtschaftsleistung des Landes, Weltwertung:10 Rang 10
Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich
H1 2020 Veränderung zum H1 2021
Vorjahr in %
Österreichische Warenexporte in Mio. Euro11 572,0 +19,4 % 682,8
Österreichische Warenimporte in Mio. Euro12 341,4 +28,3 % 437,9
Österreichische Dienstleistungsexporte in Mio. 166 -19,8 % 207
Euro13
Österreichische Dienstleistungsimporte in Mio. 72 +13,3 % 83
Euro14
Österreichische Direktinvestitionen in Mio. Euro15 1.048
Beschäftigte bei österr. Direktinvestitionen16: 3.205
Direktinvestitionen aus KR in Österreich17: 442
Beschäftige in Österreich bei Direktinvestitionen aus KR: k.A.
Wichtigster Warenexportmarkt für Österreich H1 2021*: Rang 22
1-6 Quelle: Economist Intelligence Unit
7 Quelle: Europäische Zentralbank
8-9 Quelle: Economist Intelligence Unit
10 Quelle: Weltbank
11-14
Quelle: Statistik Austria
15 -17
Quelle: Österreichische Nationalbank
*vorläufig
Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA4
• COVID-19
Aktuelle Lage Südkorea befindet sich seit August 2021 in der 4. Welle der COVID-19-Pande-
mie. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen beläuft sich auf mehr als 2.000 –
weit mehr als in den drei Wellen davor. In Seoul gilt das höchste Social-Distan-
cing-Level 4, welches unter anderem private Zusammenkünfte von mehr als
vier Personen verbietet.
Zu Lock- oder Shut-Downs im eigentlichen Sinn ist es in Südkorea jedoch zu
keinem Zeitpunkt der Pandemie gekommen. Viele koreanische Unternehmen
haben Home-Office eingeführt. Im Infektionsfall haben einzelne Unternehmen
Werke oder betroffene Abteilungen vorübergehend geschlossen. Teilweise
wurden Angestellte vorübergehend beurlaubt.
In der Öffentlichkeit tragen Koreanerinnen und Koreaner freiwillig eine Maske.
In manchen Gebäuden ist der Zutritt nur mit einer Maske gestattet. Geschäfte,
Restaurants, Bars etc. sind mit Einschränkungen geöffnet.
Verglichen mit anderen Ländern hat Südkorea seine Impfkampagne relativ
Impfkampagne spät in Angriff genommen, nämlich erst Ende Februar 2021. Die Imftätigkeit
hat allerdings zuletzt stark an Fahrt aufgenommen: bis November 2021 soll 70
% der erwachsenen Bevölkerung vollimmunisiert sein und somit „Herdenim-
munität“ erreicht werden. Trotz der im internationalen Vergleich niedrigen
Fallzahlen, bleibt die Einreise nach Korea für Geschäftsreisende weiterhin
schwierig (zweiwöchige Quarantäne; Ausnahmen nur bei Ausstellung eines
Quarantine bzw. Isolation Exemption Certificate). Aktuelle Informationen zu
den geltenden Einreise- und Quarantänebestimmungen finden Sie unter dem
folgenden Link des AußenwirtschaftsCenter Seoul: https://www.wko.at/ser-
vice/aussenwirtschaft/suedkorea-coronavirus.html
Korea überstand die Pandemie in wirtschaftlicher Hinsicht sehr gut und zählt
Wirtschaftliche zu den wirtschaftlichen Top-Performern aller OECD-Länder. Der Erfolg des
Auswirkungen in Landes resultiert aus seinen Bemühungen, die Pandemie aktiv zu bekämpfen
Korea sowie der wirtschaftlichen Struktur, die stark auf die Halbleiterindustrie, Digi-
talisierung, Robotik und Künstliche Intelligenz setzt. Bei der Entwicklung von
Wasserstofftechnologie, die ein weit über die Mobilität hinausgehendes indust-
rielles Anwendungsspektrum bietet, ist Südkorea weltweit führend.
Trotz sinkender Verkaufszahlen zählte auch Koreas Automobilindustrie – ge-
nauer gesagt die Hersteller von Elektrofahrzeugen – zu den „Pandemiegewin-
nern“: 2020 wurden in Korea 53.864 Elektrofahrzeuge verkauft (+251,9 % im
Vergleich zum Jahr davor), zudem konnte in diesem Segment ein Exportplus in
der Höhe von +65,9 % verzeichnet werden. Koreas Wirtschaft bleibt stark ex-
portabhängig. Ein wirtschaftlicher Rebound ist auch mit der Erholung in ande-
ren Ländern (vorwiegend bei den wichtigsten Handelspartnern China und USA)
verknüpft. Derzeit erwarten Experten für das Jahr 2021 ein Wirtschaftswachs-
tum zwischen +3,9 % (Economist) und +4,3 % (IMF).
Seit Beginn der COVID-Pandemie verabschiedete die koreanische Regierung
Staatliche fünf Stimuluspakete mit einem Gesamtvolumen von rund EUR 60,4 Mrd. Das
Unterstützung in der jüngste Hilfspaket (EUR 11,3 Mrd.) wurde im März 2021 verabschiedet und dient
COVID-19 Krise
vorwiegend der Unterstützung koreanischer KMUs bzw. besonders durch die
Pandemie betroffener Personen. Bereits im Dezember 2020 verabschiedete die
koreanische Regierung eine neues Rekord-Haushaltsbudget in der Höhe von
EUR 407,1 Mrd. Euro. Dies stellt eine neuerliche Erhöhung von +8,5 % im Ver-
gleich zum Budget des Jahres davor dar.
Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA5
• 1. Wirtschaftslage
Allgemein Die COVID-Pandemie hat naturgemäß auch in Korea wirtschaftliche Spuren hin-
terlassen. Insgesamt verzeichnete das Land 2020 das erste Mal seit der Asien-
krise 1997/1998 ein negatives Wirtschaftswachstum in der Höhe von -0,9 %. Seit
der zweiten Jahreshälfte 2020 befindet sich die koreanische Wirtschaft in einer
kontinuierlichen Erholungsphase. Dieser Trend wird sich auch 2021 fortsetzen:
Korea wäre damit das erste OECD-Land, dessen Wirtschaftswachstum sich auf
ein Vor-Pandemie-Level erholt. Abgesehen von den Entwicklungen um die Pan-
demie werden andere internationale Faktoren, wie beispielsweise der Handels-
krieg zwischen den USA und China, sowie Koreas Beziehungen zu seinem Nach-
bar Japan (wichtigster Zulieferer für Halbleiter-relevante Materialien) eine wich-
tige Rolle spielen.
Durch die Pandemie und die damit verbundenen Veränderungen des Alltags- und
Pandemie begünstigt Berufslebens (Online-Calls, Home-Office, Online-Unterricht, steigende Smart-
koreanische phone Nutzung, usw.) ist der weltweite Bedarf an Halbleitern beträchtlich ge-
Halbleiterdominanz stiegen. Bereits vor Ausbruch der Pandemie wurde die Nachfrage nach Mikro-
prozessoren durch den weltweiten Aufstieg von 5G, Internet of Things, Künstli-
che Intelligenz und autonomen Fahren angefacht. Spezialisten erwarten, dass
der internationale Halbleitermarkt 2021 um bis zu 10 % wachsen wird. Hiervon
wird auch der koreanische Halbleitersektor profitieren und seine dominante
Stellung auf dem Weltmarkt ausbauen. Viele Branchenkenner gehen davon aus,
dass Korea 2021 im Halbleitersektor ein weiteres Mal die Export-Rekordmarke
von USD 100 Mrd. durchbrechen wird. Der koreanische Wirtschaftsminister er-
klärte Anfang 2021, dass die Halbleiterproduzenten einen entscheidenden Bei-
trag zur „Re-Vitalisierung“ der koreanischen Wirtschaft leisten wird.
Ungeachtet der Pandemie wurden in Korea im Jahr 2020 national mehr als 1,6
Automotivesektor Mio. Fahrzeuge verkauft (+4,8 % y-o-y). Experten führen diesen Anstieg auf redu-
spürt Pandemie, EV zierte Mehrwertsteuersätze und die Einführung neuer Fahrzeugmodelle zurück.
als Pandemiegewinner Gleichzeitig kam es jedoch bei den koreanischen Autoexporten zu einem Rück-
gang: Insgesamt exportierten die fünf wichtigsten Automobilhersteller Koreas
-12,3 % Fahrzeuge weniger als im Jahr davor (insg. 6,9 Mio. Fahrzeuge). Analys-
ten erwarten, dass es 2021 zu einem Export-Rebound kommen wird. Zum „Pan-
demiegewinner“ entwickelte sich der koreanische EV-Sektor: 2020 wurden ins-
gesamt +54 % mehr Elektrofahrzeuge in Korea verkauft als noch im Vorjahr. Die
Exporte von Elektroautomobilen stiegen um satte +65,9 % (USD 3,9 Mrd.). Ob
dieser positive Trend anhält, ist fraglich: Derzeit herrscht hinsichtlich der finan-
ziellen Förderung von Elektrofahrzeugen in Korea Unklarheit bzw. warten viele
potenzielle Käufer noch die Vorstellung neuer EV-Modelle ab.
Insgesamt exportierte Korea 2020 Waren im Wert von USD 512,8 Mrd. - ein
Koreanische Exporte Rückgang von -5,4 % y-o-y. Zu Exportrückgängen kam es vorwiegend in der Au-
rückläufig, Erholungs- tomobilindustrie, dem Maschinenbausektor (-8,8 %), der Stahlindustrie (-14,4 %)
phase seit Juni 2020 und dem petrochemischen Sektor (-40,7 %). Die Erholung bei den Exporten im
Jahr 2021 wird hauptsächlich durch IT-Exporte (Halbleiter, Bildschirme, Compu-
ter, Wireless-Ausstattung, Verbraucherelektronik) angetrieben. Koreas wichtigs-
ter Handelspartner bleibt China, mit einem Exportanteil von 25,8 % gefolgt von
den USA mit rund 14 %. Die EU belegt mit einem Exportanteil von 10,1 % den
dritten Rang. Zu den wichtigsten Handelsgütern Südkoreas zählen Halbleiter,
Fahrzeuge, petrochemische Erzeugnisse, Fahrzeugteile und Schiffe.
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Die koreanischen Importe gingen im Jahr 2020 um -7,2 % auf insgesamt USD
Importe gingen zu- 467,2 Mrd. zurück. Korea verzeichnet damit einen Handelsbilanzüberschuss, der
rück, Handelsbilanz- im Vergleich zu 2019 sogar um +17,3 % gewachsen ist. Zu Zuwächsen kam es le-
überschuss wächst diglich bei Importen aus China (+1,5 %; USD 108,9 Mrd.) und der EU (+6,6 %; USD
59,5 Mrd.). Alle anderen Importdestinationen verzeichneten Rückgänge (USA: -
7,2 %, USD 57,4 Mrd.; ASEAN: -2,5 %, USD 54,8 Mrd.; Japan: -3,5 %; USD 45,9
Mrd.).
2020 kam es zu einem Rückgang der ausländischen Investitionen in Korea um -
FDI-Rückgang um 11,0 % y-o-y auf insgesamt USD 20,7 Mrd. Trotz eines neuerlich zweistelligen
-11 %, Investitionen in Rückgangs blieb die Zahl der Auslandsinvestitionen das sechste Jahr in Folge
Industrie 4.0 über USD 20 Mrd. Im Jahr 2020 waren ausländische Direktinvestitionen in Korea
durch einen Anstieg der Investitionen in die vierte industrielle Revolution -
Künstliche Intelligenz (KI), Big Data, Cloud Computing, umweltfreundliche Autos
und Biotechnologie - geprägt. Hier kam es zu einem Investitionsanstieg in der
Höhe von +9,3 % (insgesamt: USD 8,42 Mrd.) Ebenso kam es zu einem signifikan-
ten Anstieg im Bereich der erneuerbaren Energien (+101,4 %; insgesamt: USD
480 Mio.). Zu den größten ausländischen Investoren in Korea zählten 2020 die
USA (USD 5,3 Mrd.), die EU (USD 4,72 Mrd.) und China (USD 1,99 Mrd.).
Koreas Haushalte geben in Pandemiezeiten weniger aus: Der Privatkonsum ist
Privatkonsum trotz im vergangenen Jahr um -5 % zurückgegangen. Dies ist der größte Rückgang
öffentlicher Anreize seit der Asienkrise 1998 (damals: -11,9 %). Experten erwarten für 2021 wieder
verhalten einen Anstieg (+2,8 %). Trotz öffentlicher Konsumanreize (Konsumschecks,
Steuersenkungen) scheinen die koreanischen Haushalte derzeit lieber sparen zu
wollen: Die Sparquote bei Haushaltseinkommen lag in Korea zwischen Q1 und
Q4 des vergangenen Jahres zwischen 30,4 und 32,9 %. Die 30 % Marke wurde
seit 2003 (Beginn der Aufzeichnungen) nur fünf Mal überschritten. Das durch-
schnittliche Haushaltseinkommen lag 2020 in Korea bei KRW 5,35 Mio. (USD
4.733).
Die COVID-Pandemie führte 2020 in Korea zu einem Anstieg der Arbeitslosen-
Pandemiebedingter zahlen auf knapp 4 % (vgl. 2019: 3,8 %). Dies ist der höchste Stand an Arbeitslo-
Anstieg der sen seit 2001. Im vergangenen Jahre kam es zu den meisten Arbeitsplatzverlus-
Arbeitslosigkeit ten seit der Asienkrise 1997 – 1998. Zu den besonders betroffenen Personen-
gruppen zählen vorwiegend Frauen, Leiharbeitnehmer und persönliche Dienst-
leister. Die Arbeitslosenrate der Frauen (4 %) hat das erste Mal seit 2020 die
Rate der Männer (3,9 %) übertroffen.
Die durchschnittliche Inflationsrate lag 2020 in Korea bei 0,5 %. Für 2021 wird
Für 2021 Anstieg der erwartet, dass diese auf rund 2 % ansteigen wird. Angetrieben wird die Inflation
Inflation erwartet durch den prognostizierten Anstieg des koreanischen Privatkonsums, höhere
Lebensmittelpreise, steigende Preise bei industriellen Inputfaktoren (wie bei-
spielsweise Erdöl) sowie wachsende Frachtkosten, die aufgrund erhöhter Trans-
portnachfrage entstehen.
Leitzins auf 0,75 % er- Um die Inflation etwas abzufedern, hat die koreanische Zentralbank den Leitzins
höht von zuletzt 0,5 % wieder auf 0,75 % angehoben. Experten gehen derzeit davon
aus, dass dieser Wert bis Ende 2021 beibehalten wird.
Für 2021 erwartet die koreanische Regierung einen Anstieg der öffentlichen Ver-
Staatsverschuldung schuldung auf 46,7 % des BIP (vgl. 2020: 39,8 %). Nach Verabschiedung des fünf-
steigt ten Sonderbudgets zur Linderung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pan-
demie im Frühjahr wird die Gesamtstaatsverschuldung zu Ende des Jahres 2021
bei rund USD 850 Mrd. liegen. Die steigende Staatsverschuldung hat bereits die
Aufmerksamkeit internationaler Rating-Agenturen geweckt. Ein weiterer Anstieg
Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA7
könnte längerfristig betrachtet Koreas Kreditrating beeinflussen, welches ge-
mäß Moody’s und S&P derzeit bei AA und laut Fitch bei AA- steht (hierbei handelt
es sich um die besten Ratings seit 1986).
Im Dezember 2020 verabschiedete das koreanische Parlament ein neues Re-
Koreanische kordbudget in der Höhe von USD 493 Mrd. (+8,9 % im Vergleich zum Vorjahr). Die
Regierung öffnet für 2020 budgetierten Mittel sollen vorwiegend der „Re-Vitalisierung“ der korea-
„Geldhahn“ nischen Wirtschaft dienen (Korean New Deal), in innovative Zukunfts-Sektoren
investiert werden, das soziale Netz stärken bzw. erweitern und die Lebensquali-
tät der koreanischen Bevölkerung steigern. Gemäß eines in September 2020 vor-
gestellten Haushaltsführungskonzepts plant die koreanische Regierung bis 2024
eine jährliche Ausgabenerhöhung in der Höhe von +6 %. In Erwartung weiterer
Sonderbudgets prognostiziert die Economist Intelligence Unit für 2021 ein Fis-
kaldefizit in der Höhe von 4,9 % des koreanischen BIP.
Im März 2021 lagen die koreanischen Fremdwährungsreserven bei USD 447,5
Fremdwährungsre- Mrd. und somit auf einem Allzeit-Höchststand. Die Fremdwährungsreserven
serven wachsen brechen bereits seit Juli 2020 monatlich Rekorde. Laut BOK ist der aktuelle An-
weiter an stieg das Resultat eines derzeit schwächeren Dollars und dem dadurch steigen-
den Wert anderer Währungsreserven, über welche die Bank verfügt. Ende Jän-
ner 2021 verfügte Südkorea über die neuntgrößten Fremdwährungsreserven der
Welt (Platz 1: China, Platz 2: Japan, Platz 3: Schweiz).
• 2. Besondere Entwicklungen
Mit dem „Korean New-Deal“ will die koreanische Regierung in den kommenden
Der „Korean New- fünf Jahren USD 133 Mrd. an öffentlichen Mitteln in den Ausbau der digitalen Inf-
Deal“ rastruktur bzw. den Ausbau grüner Energien investieren (deshalb ist diese auch
als „Korean Green-Deal“ – angelehnt an den European Green-Deal – bekannt).
Von dieser Initiative erhofft sich Koreas Regierung die Schaffung neuer Arbeits-
stellen und eine Steigerung der Konkurrenzfähigkeit des koreanischen Produkti-
onssektors. Im Rahmen dieser Initiative erfolgt auch eine Erweiterung der kore-
anischen Arbeitslosenversicherung. Experten erwarten, dass diese Maßnahmen
zur Stabilisierung des koreanischen Arbeitsmarktes bzw. zur Herbeiführung ei-
nes wirtschaftlichen Rebounds nach der COVID-Krise beitragen werden.
Nach einem Jahr auf Rang zwei ist Korea wieder an die Innovations-Weltspitze
Rückkehr an die zurückgekehrt: Seit Jänner 2021 belegt das Land den ersten Platz des Bloomberg
Innovations-Welt- Innovations-Index und hat somit die „Krone“ von Deutschland (nun auf dem vier-
spitze ten Platz) zurückerobert. Rang zwei und drei belegen Singapur und die Schweiz.
Korea erreichte mit seiner Bewertung 90,49 Punkte (auf einer Skala von 0 bis 100)
und somit als einziges Land einen Wert über 90 Punkte. Bloomberg begründete
das neue/alte Ranking mit einer Zunahme an koreanischen Patenten, sowie mit
der starken Performance Koreas im Bereich der Forschung und Entwicklung.
Die „koreanische Welle“ (Hallyu) rollt weiterhin unaufhaltsam um den Globus.
Koreanischer Angetrieben wird dieser Erfolg durch die Smash-Hits koreanischer Boybands
Kulturexport boomt (zB. BTS), den Oscar-Erfolg des Fims „Parasite“ und den steigenden Bekannt-
heitsgrad der K-Drama TV- und Streamingserien. Die koreanische Regierung
fördert diesen Kulturexport gezielt. Im Jahr 2020 stellte das koreanische Kultur-
ministerium das bisher größte Budget zur Förderung Kultur- und Contentschaf-
fender zur Verfügung. Die Strategie generierte bereits erste Früchte: 2020 ver-
zeichnete Korea zum ersten Mal einen Handelsüberschuss bei kunstbezogenem
geistigen Eigentum (USD 160 Mio.).
Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA8
Am 31. März wurde durch das koreanische Ministerium für Land, Infrastruktur
Urban Air Mobility – und Transport eine neue Urban Air Mobility (UAM) Roadmap präsentiert. Diese
Drohnentaxis sollen verfolgt das Ziel der Einführung und Weiterentwicklung des kommerziellen
Wirklichkeit werden Drohnentaxiverkehrs bis zum Jahr 2035. Hierzu sollen in drei Entwicklungspha-
sen die Reichweite, Batteriekapazität, Sicherheit und Fluggeschwindigkeit von
Drohnentaxis verbessert werden. Bis 2035 will Korea mit 50 Vertiports über 200
Flugrouten bedienen. Der durchschnittliche Preis eines Drohnentaxis soll bis
2035 unter KRW 750 Mio. (EUR 554.250) fallen, bzw. soll der Flugtarif weniger als
KRW 1.300 (EUR 0,96) pro Person und Kilometer betragen.
Obwohl die neue koreanische Wasserstoff-Roadmap noch etwas auf sich warten
Korea bleibt lässt, setzt Korea neue Meilensteine bei der Entwicklung der „Hydrogen-Eco-
„Wasserstoffnation“ nomy“. Anfang März erklärten fünf koreanische Konglomerate insgesamt USD
38,3 Mrd. für den Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur in Korea bis 2030 inves-
tieren zu wollen. Einen großen Teil dieser Investments wird die SK Group über-
nehmen, die in den kommenden fünf Jahren einerseits die weltweit größte Pro-
duktionsstätte für flüssigen Wasserstoff (jährliche Produktionskapazität: 30.000
Tonnen) und andererseits eine blue/green-Wasserstoff-Produktionsstätte mit ei-
ner Kapazität von jährlich über 250.000 Tonnen errichten will. Seitens der korea-
nischen Regierung wurden zur Förderung kommerzieller Wasserstoffprojekte
mehr als EUR 600 Mio. für das Jahr 2021 zugesichert (+40 % im Vergleich zum
Vorjahr).
• 3. Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich
Ö. Exporte nach Ko- Im 1. Halbjahr 2021 exportierte Österreich Waren im Wert von EUR 682,8 Mio.
rea legen zu nach Korea, ein erfreuliches Plus von +19,4 % im Vergleich zum 1. Halbjahr 2020.
Im Ranking der wichtigsten Exportpartner liegt Südkorea derzeit auf dem 22. Platz
Fahrzeuge und An der Spitze des Rankings der wichtigsten österreichischen Exportgüter nach Ko-
Fahrzeugteile wieder rea finden sich insbesondere Kraftfahrzeuge und Motoren. Platz zwei belegten
wichtigste Maschinen, gefolgt von elektrischen Erzeugnissen. Weiterhin stark bleiben die ös-
Ausfuhrware terreichischen Lebensmittelexporte nach Korea, insbesondere Schweinefleisch.
Südkorea bleibt - nach China und Japan - Österreichs drittgrößter Export- und
Handelspartner in Asien sowie ausgezeichneter Technologiepartner für österrei-
chische Firmen. Österreich erzielt gegenüber Südkorea traditionell einen deutli-
chen Handelsbilanzüberschuss.
Qualitativ hochwertige Waren sind in Korea auch in diesen Zeiten stark gefragt.
„Made in Austria“ genießen mit ihrem hohen Qualitätsanspruch einen hervorra-
genden Ruf in Korea und setzen sich gegenüber der Konkurrenz durch.
Importe aus Korea Im 1. Halbjahr 2021 importierte Österreich Waren im Wert von EUR 437,9 Mio. –
stiegen ein Zuwachs von beachtlichen +28,3 % im Vergleich zum Jahr davor. Zu den wich-
tigsten Importwaren zählten Fahrzeuge und Güter der Elektronikindustrie.
Österreichische Unternehmen investieren sehr aktiv in Korea. Die Direktinvestitio-
Korea für Österreich nen beliefen sich 2020 auf mehr als EUR 1 Milliarde. Insgesamt beschäftigen ös-
interessantes terreichische Unternehmen dadurch 3.205 Personen in Korea. Derzeit sind knapp
Investitionsland 60 österr. Firmen in Korea mit Niederlassungen vertreten, die fast ausschließlich
den koreanischen Markt betreuen.
Umgekehrt ist auch Österreich für koreanische Unternehmen ein interessanter In-
Österreich bei kor. vestitionsstandort: Bekannte Beispiele für koreanische Investitionen in Österreich
Investoren beliebt sind die Übernahme der Magna Batteriesparte durch Samsung SDI im Jahr 2015
Ein Service der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA9
oder die Übernahme des Lichtsystem-Spezialisten ZKW durch LG im Jahr 2018.
Besonderes Interesse scheinen koreanische Investoren an österreichischen Im-
mobilien zu haben: Insgesamt betrugen die koreanischen Immobilien-Investments
in Österreich 2019 rund EUR 700 Mio. Zu den größten Projekten zählten dabei der
Kauf des Hilton am Stadtpark in Wien (EUR 370 Mio.) sowie des T-Centers (EUR
300 Mio.).
Die Pandemie hat 2020 zu einem markanten Einbruch der Ankunfts- und Nächti-
Einbruch bei kor. gungszahlen koreanischer Touristen in Österreich geführt. Insgesamt besuchten
Touristenzahlen nur noch 36.600 koreanische Touristen Österreich. Das sind um -88,7 % weniger
als noch im Jahr zuvor. Die Nächtigungen koreanischer Touristen gingen um -86,5
% auf insgesamt 69.000 zurück. 2019 konnten noch 324.516 Reisende aus Südko-
rea begrüßt werden, die Zahl der Nächtigungen lag bei 510.695.
Neben den für Korea klassischen Feldern wie Automobil-, Elektronikindustrie so-
Chancen wie Zulieferungen für Kraftwerks- und Maschinenbauer und die Schiffsbauindust-
rie sehen wir besonders gute Geschäftsmöglichkeiten für österreichische Ni-
schen- und Qualitätsanbieter in Zukunftsbranchen wie Erneuerbare Energien /
Umwelttechnologien, Smart Factory, neue Verkehrslösungen (selbstfahrende Au-
tos, Sharing Modelle etc.) sowie innovative Bautechnologien. Der Sicherheitsas-
pekt in allen Lebensbereichen gewinnt in Korea auch zunehmend an Bedeutung.
Dies eröffnet österreichischen Zulieferern in Bereichen wie z.B. Labor- und Analy-
setechnik, Prüf- oder Messtechnik sowie hochwertige Materialien neue Geschäfts-
chancen.
Der auch weiterhin steigende Lebensstandard in Korea öffnet zunehmend Chan-
cen im Konsumgüterbereich z.B. für hochwertiges Design, hochqualitative Le-
bens- und Genussmittel (z.B. die österreichische Braukultur!) sowie im Luxusarti-
kelbereich und dem Tourismus.
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