Bachelorarbeit HOCHSCHULE WEIHENSTEPHAN-TRIESDORF - Der Wildapfel (Malus sylvestris) im Allacher Forst - LBV

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Bachelorarbeit HOCHSCHULE WEIHENSTEPHAN-TRIESDORF - Der Wildapfel (Malus sylvestris) im Allacher Forst - LBV
HOCHSCHULE WEIHENSTEPHAN-TRIESDORF
                     Fakultät Wald und Forstwirtschaft

                          Bachelorarbeit

   Der Wildapfel (Malus sylvestris) im Allacher Forst
           Vorkommen und Pflegekonzepte

Verfasser:               Nathalie Kolb

Betreuer:                Prof. Dr. Jörg Ewald

Ort, Abgabetermin:       Freising, 08.07.2020
Bachelorarbeit HOCHSCHULE WEIHENSTEPHAN-TRIESDORF - Der Wildapfel (Malus sylvestris) im Allacher Forst - LBV
Eidesstattliche Erklärung/Zugänglichkeitserklärung

Eidesstattliche Erklärung/Zugänglichkeitserklärung

Name der Verfasserin/des Verfassers: Nathalie Kolb

Name der Betreuerin/des Betreuers: Prof. Dr. Ewald

Thema der Bachelorarbeit: Der Wildapfel (Malus sylvestris) im Allacher Forst – Vorkommen und
                           Pflegekonzepte

1.     Ich erkläre hiermit, dass ich die Bachelorarbeit selbständig verfasst, noch nicht anderweitig für
       Prüfungszwecke vorgelegt, keine anderen als die angegebenen Quellen oder Hilfsmittel
       benützt sowie wörtliche und sinngemäße Zitate als solche gekennzeichnet habe.

 Weihenstephan, den
                            Datum                          Unterschrift Verfasser(in)

2.     Ich bin einverstanden, dass die von mir angefertigte Bachelorarbeit über die Fakultät Wald und
       Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf einer breiteren Öffentlichkeit
       zugänglich gemacht wird.

           Nein

         X Ja, nach Abschluss des Prüfungsverfahrens

           Ja, nach Ablauf einer Sperrfrist von       Jahren

Ich erkläre und stehe dafür ein, dass ich der alleinige Inhaber aller Rechte an der Bachelorarbeit bin
und dass durch deren öffentliche Zugänglichmachung weder Rechte und Ansprüche Dritter noch
gesetzliche Bestimmungen verletzt werden.

 Weihenstephan, den
                            Datum                          Unterschrift Verfasser(in)

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Bachelorarbeit HOCHSCHULE WEIHENSTEPHAN-TRIESDORF - Der Wildapfel (Malus sylvestris) im Allacher Forst - LBV
Vorwort und Danksagung

Vorwort und Danksagung
Diese Bachelorarbeit entstand in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten, Ebersberg auf dem Gelände rund um den Rangierbahnhof Allach. Auf dem Grundstück der
Deutschen Bahn wurde das Vorkommen der Baumart Malus sylvestris untersucht. Durch das Kartieren
des Wildapfels, die Feststellung seiner Vitalität und dem entworfenen Pflegekonzept kann die
Erhaltung der seltenen Baumart im Allacher Forst gewährleistet werden. Nach dem Einschicken von
genetischen Blattproben kann das Vorkommen genau einer Art zugeordnet werden. Bei genetischer
Übereinstimmung mit dem Wildapfel wird durch das Gewinnen von Saatgut ein Fortbestehen der
seltenen Baumart auch an anderen Orten ermöglicht.
Für das Erstellen der Bachelorarbeit habe ich Unterstützung von verschiedensten Seiten erhalten,
dafür bedanke ich mich recht herzlich bei…

… Herrn Prof. Dr. Ewald, Dozent für Botanik und Vegetationskunde an der Hochschule
Weihenstephan in Freising, für die Unterstützung bei meiner Bachelorarbeit. Herr Prof. Dr. Ewald
beantwortete mir trotz der Corona-Pandemie schnell und zuverlässig alle meine Fragen. So konnte
ich meine Bachelorarbeit ohne ein Hindernis erarbeiten.

… Herrn Martin Holzäpfel, Leiter des Forstreviers Aschheim beim Amt für Ernährung, Ladwirtschaft
und Forsten Ebersberg, für das Zusenden von Informationen und Hilfsmitteln beim Kartieren und
auch für das Unterstützen beim Suchen der Baumbestände. Dank auch für das Zusenden von GIS-
Karten, die mir beim Kartieren sehr geholfen haben.

… Frau Katharina Spannraft, Co-Projektleitung Biotoppflege, Landesbund für Vogelschutz in Bayern
e. V. (LBV), Kreisgruppe München, für die Informationen zur Pflege der Fläche und dem
geschichtlichen Hintergrund.

… Herrn Daniel Lentsch, Eigentums- und Bestandsmanagement Süd, Management von Ausgleichs-
und Ersatzflächen, Deutsche Bahn AG für ein offenes Ohr bei Fragen und das Weiterleiten von
nützlichen Kontakten.

… Frau Julia Borasch, Leiterin des Forstreviers Aschheim beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten Ebersberg, für die schnellen Antworten und das Zusenden von Bodeninformationskarten.

… Herrn Prof. Dr. Hanno Schaefer, Technische Universität München, Professur für Biodiversität der
Pflanzen, für das genetische Untersuchen der Blattproben.

… Herrn Rene Bartsch, für die tatkräftige Hilfe bei allen meinen Fragen zum Thema GIS! Ohne ihn
hätte ich die Komplikationen mit dem Programm nicht beheben können.

… meiner Familie und meinem Freund, weil ihr mich immer und überall unterstützt und ich mich auf
euch verlassen kann.

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Inhalt

Inhalt

Eidesstattliche Erklärung/Zugänglichkeitserklärung ............................................................................... 2
Vorwort und Danksagung ........................................................................................................................ 3
Inhalt........................................................................................................................................................ 4
Abbildungsverzeichnis ............................................................................................................................. 6
Tabellenverzeichnis ................................................................................................................................. 8
Abkürzungsverzeichnis ............................................................................................................................ 9
1 Einleitung ............................................................................................................................................ 10
   1.1 Ziele und Aufgabenstellung ......................................................................................................... 10
   1.2 Steckbrief des Wildapfels ............................................................................................................ 10
   1.3 Das Untersuchungsgebiet............................................................................................................ 14
       1.3.1 Lage ...................................................................................................................................... 14
       1.3.2 Klima ..................................................................................................................................... 14
       1.3.3 Geologie................................................................................................................................ 15
       1.3.4 Bodenkundliche Untersuchung ............................................................................................ 16
       1.3.4.1 Basenausstattung .............................................................................................................. 16
       1.3.4.2 Bodenarten ........................................................................................................................ 17
       1.3.4.3 Wasserhaushalt ................................................................................................................. 18
       1.3.4.4 Mittlere nutzbare Feldkapazität ........................................................................................ 19
       1.3.5 Natürliche Waldgesellschaft................................................................................................. 19
       1.3.6 Eigentümer ........................................................................................................................... 19
       1.3.7 Nutzungsart vom 16. Jahrhundert bis heute ........................................................................ 19
       1.3.8 Geschichte des Wildapfels im Allacher Forst ....................................................................... 21
2 Material und Methoden ..................................................................................................................... 22
   2.1 Datenrecherche ........................................................................................................................... 22
   2.2 Kartierung .................................................................................................................................... 23
   2.3 Dauerhafte Markierung ............................................................................................................... 24
   2.4 Datenbank ................................................................................................................................... 25
   2.5 Datenauswertung ........................................................................................................................ 26
       2.5.1 Dimensionierung Wildapfel .................................................................................................. 26
       2.5.2. Vitalität ................................................................................................................................ 26
       2.5.3 Pflegedringlichkeit ................................................................................................................ 27
       2.5.4 Baumkronenvolumen ........................................................................................................... 28

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Inhalt

       2.5.5 Genetische Untersuchung .................................................................................................... 28
       2.5.6 Naturverjüngung .................................................................................................................. 29
       2.5.7 Altersbestimmung ................................................................................................................ 29
3 Ergebnisse........................................................................................................................................... 29
   3.1 Anzahl und Lage der Wildäpfel .................................................................................................... 29
   3.2 Durchmesser und Höhenstruktur ................................................................................................ 30
   3.3 Vitalitätsstruktur.......................................................................................................................... 34
   3.4 Pflegedringlichkeit ....................................................................................................................... 36
   3.5 Baumkronenvolumen .................................................................................................................. 38
   3.6 Naturverjüngung ......................................................................................................................... 40
   3.7 Altersbestimmung ....................................................................................................................... 41
4 Diskussion ........................................................................................................................................... 42
   4.1 Standortseigenschaften des Wildapfels im Allacher Forst .......................................................... 42
   4.2 Anzahl und Lage der Wildäpfel .................................................................................................... 42
   4.3 Vitalitätsstruktur.......................................................................................................................... 42
   4.4 Baumkronenvolumen .................................................................................................................. 43
   4.5 Gefährdung und Pflegedringlichkeit des Wildapfels ................................................................... 44
5 Pflegekonzept waldbaulich................................................................................................................. 46
6 Pflege des Einzelbaums ...................................................................................................................... 48
   6.1 Allgemeines ................................................................................................................................. 48
   6.2 Schnittzeitpunkt .......................................................................................................................... 49
   6.3 Erziehungsschnitt und Abhilfe bei häufigen Schäden ................................................................. 50
       6.3.1 Erziehungsschnitt bei jungen Bäumen ................................................................................. 50
       6.3.2 Wundversorgung .................................................................................................................. 51
       6.3.3 Fegeschaden ......................................................................................................................... 51
       6.3.4 Frostrisse .............................................................................................................................. 52
7 Ausblick und weiterer Projektverlauf ................................................................................................. 52
8 Zusammenfassung .............................................................................................................................. 53
References ............................................................................................................................................. 55
Verwendete Software ........................................................................................................................... 58
Abstract ................................................................................................................................................. 59

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Abbildungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Weltweites Verbreitungsgebiet Malus sylvstris blau dargestellt nach EUFORGEN (2009)
mit Grenze des natürlichen Vorkommens (orange) .............................................................................. 12
Abbildung 2: Deutschlandweite Verbreitung Malus sylvestris nach Floraweb.de (Schneider et al.,
2013)...................................................................................................................................................... 13
Abbildung 3: Bayernweite Verbreitung des Malus sylvestris nach Bayernflora.de (2019) ................... 13
Abbildung 4: Geologische Karte von Bayern (Bayerisches Landesamt für Umwelt, o. J.) und rot
markiertes Aufnahmegebiet ................................................................................................................. 15
Abbildung 5: Basenangebot um den Rangierbahnhof nach Basis-Viewer (o. J.) .................................. 17
Abbildung 6: Wildapfelanzahl pro Hektar, Hauptschicht ...................................................................... 18
Abbildung 7: Wildapfelanzahl pro Hektar, Deckschicht ........................................................................ 18
Abbildung 8: Malus sylvestris im Münchner Raum nach floramuenchen.recorder-d.de (2017) ........ 22
Abbildung 9: Rot umrandet: Kernzone des abgesuchten Gebietes, orange umrandet:
Flurstücksgrenzen nach OSM (2020) ..................................................................................................... 23
Abbildung 10: Volumen eines Ellipsoid nach geometrybasic.com (o. J.) .............................................. 28
Abbildung 11: Punkte: Gekennzeichnete Lage der Wildäpfel nach OSM (2020) ................................. 30
Abbildung 12: Box-Plot-Grafik mit Darstellung von Mittelwert, Median, Minimum, Maximum, Q1 und
Q3 zur Darstellung der Verteilung des BHD aller Wildäpfel .................................................................. 31
Abbildung 13: Box-Plot-Grafik mit Darstellung von Mittelwert, Median, Minimum, Maximum, Q1 und
Q3 zur Darstellung der Verteilung der Höhen aller Wildäpfel .............................................................. 31
Abbildung 14: Box-Plot-Grafik mit Darstellung von Mittelwert, Median, Minimum, Maximum, Q1 und
Q3 zum Vergleich der BHD von Bestand und Rand ............................................................................... 32
Abbildung 15: Box-Plot-Grafik mit Darstellung von Mittelwert, Median, Minimum, Maximum, Q1 und
Q3 zum Vergleich der Höhen im Bestand und am Rand ....................................................................... 32
Abbildung 17: Verteilung der Durchmesserklassen .............................................................................. 33
Abbildung 16: Häufigkeitsverteilung der BHD-Klassen des Wildapfels ................................................. 33
Abbildung 18: Häufigkeitsverteilung der Höhen-Klassen des Wildapfels ............................................. 34
Abbildung 19: Anzahl der Vitalitätsklassen ........................................................................................... 35
Abbildung 20: Anzahl der Vitalitätsklassen im Bestand und am Rand .................................................. 35
Abbildung 21: Korrelation Vitalitätsklasse und Grundfläche ................................................................ 36
Abbildung 22: Anzahl der Pflegedringlichkeitsklassen .......................................................................... 37
Abbildung 23: Häufigkeit der Pflegedringlichkeitsklassen am Rand ..................................................... 37
Abbildung 24: Häufigkeit Pflegedringlichkeitsklassen im Bestand........................................................ 38
Abbildung 25: Verteilung des Kronenvolumens in Klassen ................................................................... 39
Abbildung 26: Korrelationsmatrix, grün: höchste Korrelation, rot: keine Korrelation ......................... 39

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Abbildungsverzeichnis

Abbildung 27: Korrelation BHD/Kronenvolumen, rot: lineare Trendlinie ............................................. 40
Abbildung 28: Verteilung der Verjüngung nach OSM (2020) ................................................................ 41
Abbildung 29: Relative Häufigkeit der Verjüngung ............................................................................... 41
Abbildung 30: Auf schräge Zapfen entfernen nach Spornberger (2013) .............................................. 50
Abbildung 31: Frostrisse und Behandlung nach Schmid (1992) ............................................................ 52

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Tabellenverzeichnis

Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Aufnahmekriterien des Wildapfels ....................................................................................... 24
Tabelle 2: Vitalitätsklassen nach Roloff ( 2001), leicht verändert, übernommen von Hackl (2014) .... 26
Tabelle 3: Punktesystem zur Berechnung der Pflegedringlichkeit nach Hackl (2014) ......................... 27
Tabelle 4: Pflegedringlichkeitsstufen nach Hackl (2014)....................................................................... 27
Tabelle 5: Erziehungsschnitt nach Spornberger (2013) ........................................................................ 50

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Abkürzungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis
BHD           Brusthöhendurchmesser

BW            Baden-Württemberg

FFH           Fauna-Flora-Habitatrichtlinie

GIS           Geo-Informations-System

GPS            Global Positioning System

LWF           Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

LBV           Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V.

m             Meter

NN            Normalnull

NSG           Naturschutz-Gebiet

OSM           Open Street Maps

v. Chr.       Vor Christus

VJ            Verjüngung

Abkürzungen in Esri ArcMap
BeFk           Beerntungsfähigkeit

Be/Wa         Bestand/Waldrand

Bo_De         Boden Deckschicht

Bo_Ha         Boden Hauptschicht

BsAu          Basenausstattung

BS1           Baumschicht 1

KrVl          Kronenvolumen

KS            Krautschicht

MS            Moosschicht

Nat_WaG       natürliche Waldgesellschaft

Pfl_H         Pflegedringlichkeit nach Hackl (2014)

SeitDr        Seitendruck

StaQ          Stammqualität

Soz_Stel      soziale Stellung

SS            Strauchschicht

ViKl_R        Vitalitätsklasse nach Roloff (2001)

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1 Einleitung

1 Einleitung
Malus sylvestris ist eine Laubbaumart, welche eurasiatisch-submediterran verbreitet ist.
Der Wildapfel (Malus sylvestris) zählt zu den seltensten einheimischen Baumarten (Aas, o. J.). Er ist in
der Kategorie 3 der Roten Liste aufgezeigt (Aas, o. J.). Man findet ihn vor allem in lichten Laub- und
Kiefernwäldern und in Auwäldern. Über Jahrtausende hinweg vermischte sich die autochthone
Baumart mit dem in Mitteleuropa eingeführten Kulturapfel (Aas, o. J.), was eine Unterscheidung der
Arten erschwert. Aber nicht nur der einfache Erhalt der Art, sondern auch deren Betrachtung als
Lieferant für edles Holz, ihre Funktion im Artenschutz durch die Blüte und die Integration in der
Waldästhetik (Rahm, 2005) sind Gründe, die in Vergessenheit geratene Baumart aus einem neuen
Blickwinkel zu betrachten.

1.1 Ziele und Aufgabenstellung
Da es nur wenige genetisch untersuchte Vorkommen des Wildapfels in Bayern gibt, ist es das Ziel dieser
Bachelorarbeit, die gefährdete Baumart auf dem Gelände der Deutschen Bahn zu kartieren, die
Verbreitung auf der Fläche mit Hilfe von GIS graphisch festzuhalten und schließlich einen
Bewertungsbogen über Vitalität und Stabilität zu erstellen, um ein Pflegekonzept zu erarbeiten.
Während dem Einmessen der GPS-Punkte der einzelnen Exemplare wird an 40 Bäumen eine Blattprobe
entnommen. So kann später im Labor nachgewiesen werden, ob es sich bei den Bäumen tatsächlich
um ein artreines Wildapfel-Vorkommen handelt.
Eine Plakettierung der Bäume dient der Markierung und dem leichten Wiederfinden der Bäume ohne
GPS-Gerät. So können die Auswirkungen einer Pflege über Jahre hinweg kontrolliert werden. Die
Kartierung und Untersuchung des Wildapfels erfolgt in den Monaten März/April, da zu dieser
Jahreszeit der Apfelbaum anfängt zu blühen und die Konkurrenzvegetation teilweise noch unbelaubt
ist. Durch den Farbkontrast und die Apfelblüte wird die Suche erleichtert.
Auf diese Weise wird der Wildapfel als konkurrenzschwache Baumart gepflegt und sein Fortbestehen
gesichert. So kann in Zukunft wertvolles Saatgut vom Wildapfel auf diesem Gelände geerntet werden.

1.2 Steckbrief des Wildapfels
Malus sylvestris ist eine einheimische Laubbaumart, welche der Familie der Rosengewächse
(Rosaceen) angehört. Innerhalb der Rosaceen gehört sie zur Gruppe der Kernobstgewächse oder
Apfelartigen (Subtribus Pyrinae, früher Unterfamilie Maloideae (Potter et. al., 2007)). Der Wildapfel
bildet als Frucht einen Kernapfel, dessen pergamentartiges Fruchtgehäuse            umgeben ist vom
fleischfarbigen Blütenbecher (Aas, o. J.).
Der sommergrüne Baum kann bis zu 10 Meter hoch werden. Er besitzt aufsteigende oder abstehende
Äste mit nicht blühenden Seitentrieben, welche oft in Dornen enden (Pirc, 2015). Der Kronenausbau

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1 Einleitung

erfolgt meist rundlich (Albrecht, 2018). Die Blätter von der Baumart Malus sylvestris sind
wechselständig, eiförmig, zugespitzt, 6-9 cm lang, stumpf dunkelgrün und zu Beginn der
Vegetationsperiode oft behaart (Pirc, 2015). Sie sitzen an 1-2,5 cm langen Stielen, welche kahl oder
spärlich behaart sind (Roloff, 2010). Die Blüten sind weiß und außen leicht rosa. Sie entwickeln sich in
endständigen, wenigblütigen Doldentrauben und sind von April bis Mai geöffnet (Pirc, 2015). Für den
Wildapfel wird ein längerer Blühzeitraum angegeben als für den Kultur-Apfel (Roloff, 2010). Die Äpfel
des Wildapfels sind 2,5-3 cm große, gelbgrüne, säuerlich schmeckende Früchte (Pirc, 2015). Der Malus
sylvestris ist auf Fremdbefruchtung angewiesen. Diese geschieht durch Fremdbestäubung vor allem
durch Bienen und Hummeln (Albrecht, 2018).
Sein heutiges Verbreitungsgebiet ist als Relikt einer früheren, wahrscheinlich weiteren Verbreitung
aufzufassen. Das lässt sich aus Großresten des Wildapfels in neolithischen Ablagerungen z. B. in
Pfahlbauten am Bodensee erschließen, da dort die Art heute fehlt (Türk, 1999). Die europaweite
Verbreitung der Baumart lässt jedoch keine genaue Grenzziehung zu. Das liegt vor allem daran, dass
es Abgrenzungsschwierigkeiten gegenüber dem weit verbreiteten Kulturapfel gibt (Türk, 1999).
Aufgrund der Kulturgeschichte, welche ins Jahr 3000 v. Chr. zurückverfolgt werden kann und der
daraus resultierenden Hybridisierung ist es fraglich, ob heute überhaupt noch echte Wildäpfel
aufzufinden sind. Untersuchungen zeigten jedoch, dass auch der Hybridenkomplex durchaus den
reinrassigen Wildapfel beinhalten kann (Rudolf, 2005). Erste Untersuchungen zeigen sogar, dass eine
vollständige Vermischung zwischen Malus sylvestris und Malus x Domestica in der Vergangenheit nicht
stattgefunden hat (Roloff, 2010).
Auf Grundlage dieser genetischen Ergebnisse lässt sich eine lückenhafte europaweite Verbreitung der
Baumart feststellen. Das Verbreitungsgebiet des Wildapfels reicht im Norden bis Großbritannien,
Mittelnorwegen, Mittelschweden und von den Seen Ladoga und Onega bis zum Oberlauf der Wolga.
Alle über 66° 12´ (im Sexagesimalsystem 66 Grad und 12 Minuten, Abbildung 1) nördliche Breite
angegebenen Vorkommen können als Adventivbäume verzeichnet werden. Östlich folgt der Verlauf
der Verbreitung der Wolga – die Kaspische Senke ausgeschlossen. Im Süden wächst der Malus
sylvestris bis ans Mittelmeer, wobei die Azoren, Balearen und Kreta von ihm nicht besiedelt werden.
Auf Sardinien ist sein natürliches Vorkommen nicht bewiesen und den südwestlichen Teil der
Iberischen Halbinsel besiedelt er nicht mehr (Roloff, 2010).

                                                                                                     11
1 Einleitung

Abbildung 1: Weltweites Verbreitungsgebiet Malus sylvstris blau dargestellt nach EUFORGEN (2009) mit Grenze des
natürlichen Vorkommens (orange)

Die deutschland- und bayernweite Verbreitung zeigt ein lückenhaftes Vorkommen, welches durch
ausgedehnte zusammenhängende Funde in den Hartholzauen des Oberrheins und an der mittleren
Elbe zusammengehalten wird (Roloff, 2010). Alle anderen bisher registrierten Vorkommen sind kleiner
(Roloff, 2010). In den Abbildungen 1-3 sieht man die Verbreitung der Baumart, welche bevorzugt auf
frischen, nährstoff- und basenreichen, oft kalkfreien und meist tiefgründigen Lehm- und Steinböden
wächst (Roloff, 2010).

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1 Einleitung

 Abbildung 2: Deutschlandweite Verbreitung Malus sylvestris nach Floraweb.de (Schneider et al., 2013)

Abbildung 3: Bayernweite Verbreitung des Malus sylvestris nach Bayernflora.de (2019)

 Malus sylvestris kommt in den Tieflangen und Höhenlagen bis 1.100 m in den Alpen vor (Pirc, 2015).
 Er gilt als Halbschattenbaumart, welche sich am besten auf sommerwarmen, planaren bis
 submontanen Lagen entwickelt (Roloff, 2010).

                                                                                                        13
1 Einleitung

1.3 Das Untersuchungsgebiet
Um die Verbreitung des Wildapfels auf dem untersuchten Gelände verstehen zu können, werden im
Folgenden grundlegende Wuchsbedingungen wie die Lage des Untersuchungsgebietes, das Klima, die
Geologie, die bodenkundliche Untersuchungen und die natürliche Waldgesellschaft erläutert.
Anschließend wird die Geschichte des Wildapfels im Allacher Forst und die Nutzungsart des
untersuchten Geländes dargestellt.

1.3.1 Lage
Das Gebiet, in welchem die Kartierung vorgenommen wird, liegt in Bayern. Nördlich von München liegt
der Bestand in Allach-Untermenzing im Natur- und Landschaftsschutzgebiet Allacher Lohe. Die
Koordinaten 48°12'20.7"N Breitengrad und 11°28'18.2"E Längengrad befinden sich direkt auf der ca.
10 ha großen Fläche.
Das Gebiet liegt direkt im Wuchsgebiet 13, schwäbisch-bayerische Schotterplatten und
Altmoränenlandschaft; Wuchsbezirk 2, Münchner Schotterebene; Teilwuchsbezirk 2, nördliche
Münchner Schotterebene (Walentowski, 2006).

1.3.2 Klima
Der untersuchte Bestand befindet sich ca. 500 m über NN in der Schotterebene und gehört somit einer
kollin submontanen bis submontanen Höhenstufe und einer subkontinentalen bis präalpiden
Klimatönung an (Walentowski, 2006).
In München liegt die Jahresdurchschnittstemperatur bei 13,0°C (Wachtel, 2020). Da sich die
untersuchte Fläche etwas nördlich außerhalb der Stadt befindet, ist die Temperatur dort um ungefähr
1,5°C kälter. Jährlich fallen hier ca. 930 mm Niederschlag, was ein überwiegend humides Klima
bedeutet. Lediglich die Monate September und Oktober fallen im Durchschnitt arid aus (Merkel, 1989-
2012).
Der Wildapfel als eine Art, welche gerne frei steht und sonnige Lagen bevorzugt (Albrecht, 2018),
kommt im Allacher Forst mit niedrigen jährlichen Niederschlägen und einem trockenen Boden gut
zurecht, da die Baumart als Generalist gilt (Strauß, 1986). Auch die notwendigen Sonnenstunden
begünstigen das Wachstum der lichtliebenden Baumart in einer der sonnigsten Regionen Deutschlands
(Süddeutsche Zeitung, 2020).
Durch den Klimawandel wird in den Jahren 2021 bis 2050 ganzjährig eine Temperaturerhöhung von
ungefähr 2,4°C erwartet (Sebald, 2019). Dieser drastische Anstieg der Temperatur wird auch am
Wildapfel nicht spurlos vorbeiziehen. Sogar die Kiefer, welche als trockentolerante Baumart gilt,
kämpft bereits jetzt mit den Folgen des Klimawandels (Sebald, 2019). So wird nicht nur die Trockenheit

                                                                                                   14
1 Einleitung

ein Problem für viele Baumarten darstellen, auch Schädlinge können vermehrt bereits angeschlagene
Exemplare befallen (Sebald, 2019).

 1.3.3 Geologie

                                                                     Legende

                                                                                  Schotter, würmzeitlich
                                                                                  (Niederterrasse), Kies, sandig; in
                                                                                  Nordbayern auch Sand

Abbildung 4: Geologische Karte von Bayern (Bayerisches Landesamt für Umwelt, o. J.) und rot markiertes Aufnahmegebiet

Die zu untersuchende Fläche befindet sich in der geologischen Haupteinheit: hochwürmzeitlicher
Schmelzwasserschotter (Bayerisches Landesamt für Umwelt, o. J.). Durch einen Abfluss des
Schmelzwassers bei Gletschern entstanden vor der Moräne große Ablagerungen von Sanden und
Schotter (Grotzinger et. al, 2017). Das Bodenausgangsgestein ist auf der untersuchten Fläche Schotter,
sowie Flussmergel, Hochflutlehm, Alm und anmoorige Bildungen, meist auf carbonatreichem Schotter
sowie carbonatfreien Talsedimenten (Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2011) . Die standörtliche
Bodenkarte des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zeigt, dass der Boden vor allem aus jüngeren
(holozänen      und     jungpleistozänen)       Schottern      besteht.     Die      flach-   bis    mittelgründigen
Schotterverwitterungsböden in dem Gebiet setzen sich aus Parabraunerden und verbreitet Braunerde-
Parabraunerde aus carbonatreichem würmzeitlichen hochglazialem Schotter mit flacher bis mittlerer
Hochflutlehmüberdeckung zusammen (Bayerisches Landesamt für Umwelt, o. J.).

                                                                                                                       15
1 Einleitung

Allgemein gilt der Wildapfel als Generalist. Seine Verbreitung ist durch die Anpassungsfähigkeit und
Vielfalt der Sorten relativ groß (Strauß, 1986). Bevorzugt wächst er jedoch auf nährstoff- und
basenreichen Böden, welche hier gegeben sind. Staunässe und sehr saure Böden gelten als ungünstige
Faktoren für das Wachstum der Baumart (Roloff, 2010). Letzteres kommt im untersuchten Bestand
allerdings nicht vor. Aus diesem Grund herrschen in dem Gebiet der Deutschen Bahn annähernd
optimale Bedingungen für den Wuchs von Malus sylvestris.

1.3.4 Bodenkundliche Untersuchung
Neben der Kartierung und dem Vermessen des Malus sylvestris wurde zusätzlich eine bodenkundliche
Untersuchung im Allacher Forst durchgeführt. Diese geschah auf dem Gebiet der abgesuchten
Kernzone (beschrieben unter: 2.2 Kartierung). Hierbei wird untersucht, welche Kennwerte des Bodens
auf dem Gelände um den Rangierbahnhof vorkommen.
Folgende Merkmale wurden untersucht:

• Basenausstattung

• Bodenart

• Wasserhaushalt

• Nutzbare Feldkapazität

Die Merkmale konnten aus dem Basis-Viewer des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten,
Ebersberg entnommen werden und wurden durch Informationen aus dem Buch „Auf dem Kiesberg
wächst ein Wald“ von Wolfgang Losert (1982) ergänzt. Das untersuchte Gebiet umfasst ca. 10 ha.

1.3.4.1 Basenausstattung
Wie in Abbildung 5 zu erkennen, ist die Basenausstattung um das Gelände am Rangierbahnhof Typ 2
(basenreich) zuzuordnen. Die meisten Exemplare des Malus sylvestris gehören in der abgesuchten
Kernzone jeweils der gleichen Basenausstattung, nämlich Typ 2, an. Ein kleiner Flächenanteil von nur
8 % der gesamten untersuchten Fläche ist sehr basenreich. Auf dieser Fläche von Typ 1+ wurden 3
Wildäpfel gefunden. Die Veränderung in der Basenausstattung wird durch eine künstlichen Böschung
begründet, welche teilweise um den See in der Allacher Lohe angelegt wurde.

                                                                                                 16
1 Einleitung

Abbildung 5: Basenangebot um den Rangierbahnhof nach Basis-Viewer (o. J.)

1.3.4.2 Bodenarten
Um die Bodenarten genauer zu untersuchen, wurden diese in Haupt- und Deckschicht eingeteilt und
gesondert ausgewertet. Die Deckschicht ist hierbei die direkte Bodenschicht über der Hauptschicht.
Bei der Auswertung des Bodens ist zu berücksichtigen, dass einige Exemplare aufgrund fehlender
Bodeninformationen nicht zugeordnet werden konnten.
Insgesamt befinden sich 0,96 Wildäpfel pro Hektar auf der Hauptschicht Lehm. Sogar ein Exemplar pro
Hektar ist es bei der Hauptschicht lehmiger Sand und nur 0,5 Bäume pro Hektar gehören der
Hauptbodenschicht sandiger Lehm an. Die höchste Anzahl der Wildäpfel wächst auf der Deckschicht
Feinlehm. Hier sind es 1,5 Bäume pro Hektar, welche untersucht wurden. Die Schicht Lehm hat mit
0,96 Exemplaren pro Hektar die geringste Baumanzahl in der Deckschicht. Die Haupt- und Deckschicht
Lehm bedeckt insgesamt 51 % der untersuchten Fläche. Somit ist Lehm die am häufigsten
vorkommende Bodenart in der Haupt- und Deckschicht auf dem untersuchten Gebiet.
Die Messungen zur Größe der Flächen fanden mit Hilfe der Application Map Plus statt.

                                                                                                17
1 Einleitung

                       1,2               1,13

                                                             1
                        1    0,96
   Baumanzahl pro ha

                       0,8

                       0,6
                                                                             0,5

                       0,4

                       0,2

                        0
                             Lehm   ohne Zuordnung      lehmiger Sand   sandiger Lehm

Abbildung 6: Wildapfelanzahl pro Hektar, Hauptschicht

                       1,6                                   1,5

                       1,4

                       1,2               1,12                               1,11
   Baumanzahl pro ha

                             0,96
                        1

                       0,8

                       0,6

                       0,4

                       0,2

                        0
                             Lehm   ohne Zuordnung        Feinlehm       milder Ton

Abbildung 7: Wildapfelanzahl pro Hektar, Deckschicht

1.3.4.3 Wasserhaushalt
Wolfgang Losert beschreibt die Wasserhaltefähigkeit auf dem Rangierbahnhofgelände in seinem Buch
„Auf dem Kiesberg wächst ein Wald“ als gering. Das liegt vor allem am sandigen und feinteilarmen Kies
auf dem Gelände. Durch das grobporige Substrat wird eine kapillare Wassernachlieferung verhindert.
So kommt es an der Bodenoberfläche auf Freiflächen, welche vom licht- und wärmeliebenden
Wildapfel gerne bewachsen werden, zu extremer Hitze, weil keine Verdunstungskanäle die Oberfläche
durchziehen. Große Temperaturunterschiede zwischen den Tageszeiten sind die Folge. Allein die
organische Auflage und deren langsame Vermischung mit dem Kies ermöglichen eine mäßige
Wasserkapazität. Allerdings ist durch den hohen Skelettanteil das Wasser im Boden ungebunden und
                                                                                                  18
1 Einleitung

verfügbar. Bäume mit ansatzweiser weit- und tiefreichender Bewurzelung haben unter
Berücksichtigung des Niederschlagsmaximums in der Vegetationsperiode (Losert, 1982) „kaum eine
ernsthaft erschwerte Wasserversorgung“ (Losert, 1982) auf dem Gelände um den Rangierbahnhof.

1.3.4.4 Mittlere nutzbare Feldkapazität
Die nutzbare Feldkapazität gibt an, wie viel pflanzenverfügbares Wasser von den Wurzeln
zurückgehalten werden kann, also für die Pflanzen nutzbar ist. Das Mittelporenvolumen der jeweiligen
Bodenart bestimmt die nutzbare Feldkapazität mit. Da es sich bei der Bodenart um den
Rangierbahnhof hauptsächlich um Lehm handelt, weist die gesamte Fläche eine ungefähr gleiche
Feldkapazität auf. Nach einer Recherche auf proplanta.de (proplanta.de, 2020) ist eine nutzbare
Feldkapazität von 50-80 % im Großraum um München herum zu verzeichnen. Das entspricht einer
mittleren nutzbaren Feldkapazität. Diese Verfügbarkeit des Wassers ist in Deutschland keine
Besonderheit.

1.3.5 Natürliche Waldgesellschaft
Die natürliche Baumartenzusammensetzung in diesem Gebiet liegt bei Eiche bzw. bei Hainbuche und
Buche bei einem hohen Basenangebot und einer subkontinental bis präalpiden Klimatönung. Die
natürliche Waldgesellschaft ist ein Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio sylvatici-Carpinetum)
(Walentowski, 2006). Durch die verminderte Konkurrenzkraft der Buche schaffen es immer wieder
lichtbedürftige Baumarten wie die Eiche (Walentowski, 2006) oder der Wildapfel an die Herrschaft.
Die vorkommende waldunspezifische Vegetation wächst unter anderem auf den Teillebensräumen
Kiesdämmen, Böschungen, Trichtern (Losert, 1982) und Grashaide (Losert, 1982). Auf südexponierten
Böschungen kommen beispielsweise der Wiesensalbei (Salvia pratensis) und Wiesenknautie (Knautia
arvensis) vor (Losert, 1982). Auf der Grashaide am Gelände um den Rangierbahnhof wächst die
Charakterart Aufrechte Trespe (Bromus erectus) und Fiederzwenke (Brachypodium pinnatum) (Losert,
1982).

1.3.6 Eigentümer
Eigentümer der untersuchten Fläche ist zum größten Teil die Deutsche Bahn AG. Die Bestände werden
vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Ebersberg und dem LBV betreut. Kleine Teile des
untersuchten Geländes gehören den Bayerischen Staatsforsten, der Autobahndirektion und
Privatpersonen.

1.3.7 Nutzungsart vom 16. Jahrhundert bis heute
Vom Ende des 16. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das untersuchte Gelände als
Mittelwald bewirtschaftet (Nazet, 2004). Eichen-Überhälter in der Oberschicht des Bestandes weisen
                                                                                                19
1 Einleitung

auch heute noch darauf hin, dass es sich bei dem zu untersuchenden Gebiet um einen ursprünglichen
Mittelwald handelt. Der aus der Bewirtschaftung eines Mittelwaldes resultierende Stockausschlag
entwickelte sich aus einer 10-40-jährigen Umtriebszeit im Unter- und Zwischenstand. Hierbei wurde
ursprünglich das geerntete Holz als Brennholz verwendet. Im Gegensatz dazu verwendetet man die
obere Baumschicht als Bau- und Werkholz und für die Mast der Waldweide. So entwickelte sich ein
zweischichtiges Waldbild mit gleichaltrigem Stockausschlag bei den Baumarten Hainbuche und
Stieleiche und ungleichalten Kernwüchsen, den Eichen-Überhältern (Rohnstein, 2005).
Ab dem 18. Jahrhundert wurden im Allacher Forst oft Fichtenbestände begründet, da der Boden
aufgrund von Streunutzung und Waldweide ausgelaugt war. Laubholzbestände hatten auf diesem
Standort nur noch geringe Zuwächse. Erst ca. 1850 konnten erneut Eichen- und Edellaubholzbestände
begründet werden, da eine Übernutzung des Bodens unterlassen wurde. Ab diesem Zeitpunkt wurde
eine Hochwaldbewirtschaftung betrieben. Laubholzbestände wurden mit Hilfe von Reinigungshieben
zu Gunsten der Laubholzverjüngung gefördert (Eckhardt, 1999).
Erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden durch Brennholzeinschlag und Stammholzentnahme
ohne Konzepte wieder mittelwaldähnliche Strukturen geschaffen. Stockausschlag war das Ergebnis aus
der hohen Entnahmemenge und den daraus resultierenden guten Lichtverhältnissen (Rohnstein,
2005). Bis heute sind diese Strukturen aufgrund unterlassener Pflegeeingriffe erkennbar. Lediglich die
Pflege von vereinzelten, bereits untersuchten Wildäpfeln, stellt einen Eingriff in den Bestand mit
lohwaldähnlichem Charakter dar. Die Eichen-Hainbuchenwälder in den untersuchten Beständen bilden
heutzutage den Repräsentanz-Schwerpunkt dieses Lebensraumtyps im gesamten Naturraum
Münchener Ebene (Janker et al., o. J.) . Dieser bietet der Baumart Malus sylvestris optimale
Lichtverhältnisse, welche sich durch das ehemalige Bewirtschaften als Mittelwald entwickelten. Als
wirtschaftliche Komponente ist dieser Bestand aufgrund des Stockausschlags folglich weniger wertvoll
(Beinhofer, 2010). Für den Wildapfel allerdings, welcher meist einzeln oder in kleinen Gruppen wächst,
bilden lichte eichenreiche Laub- und Kiefernwälder auf frischen, nährstoff- und basenreichen Lehm-
und Steinböden ideale Wuchsbedingungen (Kutzelnigg, 1995). Lichtökologische und morphologische
Untersuchungen bestätigen die These, dass es bei Malus sylvestris einen strengen Zusammenhang
zwischen Blütenbildung und Strahlungsgenuss gibt. Eine konsequente Freistellung der Exemplare
fördert demnach eine Blütenbildung (Wagner, 2011).
Der Allacher Forst wurde als FFH- und Naturschutzgebiet ausgeschrieben, um seltene Arten zu fördern.
Durch das breite Blüten- und Fruchtangebot des Wildapfels lockt der Baum außerdem viele
Phytophagen an, welche nicht nur den vegetativen Teil des Baumes fressen, sondern auch dessen
generative Organe als Nahrungsquelle nutzen. Untersuchungen der LWF zeigen, dass Malus sylvestris
im Vergleich mit Nadel- und anderen Laubhölzern eine hohe Anzahl an Phytophagen aufweist (Mody,

                                                                                                   20
1 Einleitung

o. J.). Auch aus diesem Grund spielt diese Baumart eine große Rolle in der Erhaltung der Artenvielfalt
im FFH- und Naturschutzgebiet Allacher Forst.
Die untersuchte Fläche ist jedoch heutzutage nicht komplett bewaldet. Unbewaldete Strukturen auf
den Flächen des Rangierbahnhofs sind so genannte Heideflächen. Dort sind heckenartige Strukturen
mit guten Lichtverhältnissen vorzufinden, welche das Wachstum des Wildapfels fördern. Die heutige
Nutzung der Heideflächen im Allacher Forst ist gekennzeichnet durch den Artenschutz. Ziel ist der
Erhalt der früher im Münchner Norden weit verbreiteten Grasheiden, auf welchen Magerrasen wächst.
Hier finden Biotoppflegemaßnahmen statt, die diese Vegetationsstruktur und darin lebende Tier- und
Pflanzenarten mit besonderen Standortanforderungen fördern sollen. Diese Maßnahmen werden
nicht von der Deutschen Bahn, sondern im Rahmen eines Förderprojektes der Landeshauptstadt
München finanziert. Fördergeber hierfür ist das Referat für Gesundheit und Umwelt. In diesem
Rahmen wird zweimal jährlich eine Mahd durchgeführt, alle zwei Jahre Altgras ausgerecht, regelmäßig
Gebüschränder aufgelichtet und partiell Neophyten wie Indisches Springkraut oder Kanadische/Späte
Goldrute entfernt. Als Ergebnis entstehen daraus Flächen, welchen gezielt Nährstoffe entzogen
werden, um die Heidevegetation zu fördern. Auch das Ausdünnen der Heckenstrukturen dient dem
Erhalt der lichten Verhältnisse (Spannraft, 12.03.20).
Gemeinsam mit dem Wald gehören diese Heideflächen zum NSG Allacher Lohe, auch FFH-Gebiet
(Janker et al., o. J.).

1.3.8 Geschichte des Wildapfels im Allacher Forst
Eine Darstellung des Vorkommens vom Wildapfel im Allacher Forst auf floramuenchen.recorder-d.de
(2017) zeigt, dass bereits 1984 einige Exemplare auf dem Gelände um den Rangierbahnhof festgestellt
wurden. Nach einem Gespräch mit Herrn Dr. Heinz Sedlmeier, Geschäftsführung/Leitung der
Geschäftsstelle München des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern e. V., stellte sich heraus, dass
Herr Schwab 2015 bei Kartierarbeiten für den LBV durch einen Passanten auf das Vorkommen
aufmerksam gemacht wurde. So wurde die seltene einheimische Baumart (Aas, o. J.) wieder in
Erinnerung gerufen.
Auf dieser Grundlage wurden fünf Bäume mit Hilfe von entnommenen Proben gentechnisch überprüft.
Es stellte sich heraus, dass es sich tatsächlich um gefundene Exemplare des Malus sylvestris handelt.
Einer Recherche auf floramuenchen.recorder-d.de zeigte, dass das Gebiet um den Rangierbahnhof im
Allacher Forst bereits kartierte Wildapfelvorkommen aufweist. Im Münchner Raum ist dieses
Vorkommen sogar das größte aufgezeichnete Vorkommen. Wie in der Legende zu sehen, wurden hier
bereits im Jahr 1984 Proben genetisch verifiziert. Diese Belege wurden mit Hilfe einer
Herbarbelegnummer, einer Belegnummer in der botanischen Staatssammlung gespeichert und sind
auf dieser Website mit dem Namen des Finders und dem zugehörigen Jahr einsehbar.

                                                                                                   21
2 Material und Methoden

Abbildung 8: Malus sylvestris im Münchner Raum nach floramuenchen.recorder-d.de (2017)

Um sicherzustellen, dass es sich bei allen Apfelbäumen auf dem Gelände um den Wildapfel handelt,
werden nun alle Bäume kartiert und insgesamt 40 Blattproben von 40 Bäumen entnommen und
genetisch untersucht (genauer unter Punkt 2.5.5).

2 Material und Methoden
Ziel der Kartierung ist die Aufnahme umfassender Baumparameter für jedes Exemplar. Durch die
statistische Auswertung der Parameter lässt sich schlussendlich eine Aussage über die
Pflegedringlichkeit, die Vitalität und die laufende Verjüngung von Malus sylvestris auf dem Gelände
um den Rangierbahnhof treffen.

2.1 Datenrecherche
Vor der Kartierung der Exemplare wurde ein Fragebogen nach dem Vorbild von Hackl (2014) erstellt.
Dieser geht auf die Pflegedringlichkeit und Vitalität des Baumes an Ort und Stelle ein.
Eine Datenrecherche über floramuenchen.recorder-d.de (2017) zeigte schon vor den ersten
Aufnahmen vor Ort, dass bereits einige Exemplare von Malus sylvestris im Allacher Forst kartiert
wurden. Bevor der Bestand abgesucht wurde, erfolgte zusätzlich die Befragung von Experten und
Gebietskennern, also Personen, welche bereits Standorte von Malus sylvestris in der Nähe des
Rangierbahnhofs kennen. Dieses Wissen wurde genutzt, um Wildapfelvorkommen gezielt aufsuchen
zu können.
Die tatsächliche Datengewinnung erfolgte vor Ort beim Absuchen der Flächen der Deutschen Bahn am
Rangierbahnhof. Hier wurde nicht nur die Fläche nach der Baumart systematisch durchsucht, sondern

                                                                                                22
2 Material und Methoden

jedes gefundene Exemplar wurde umfassenden Parametern zugeordnet. Dabei wurde das gesamte
Gelände in eine Kern- und Nebenzone eingeteilt und in der Kernzone mit Hilfe eines Tracklockers
abgesucht (Beschreibung des Systems unter 3.1). So kann zurückverfolgt werden, wo im Gelände
bereits gesucht wurde. Da die Nebenzone nur grob untersucht wurde, wurde dort kein Tracklocker
verwendet.

2.2 Kartierung

                                                                                                               ±

  0     0,25 0,5                     1 Kilometer

Abbildung 9: Rot umrandet: Kernzone des abgesuchten Gebietes, orange umrandet: Flurstücksgrenzen nach OSM (2020)

Die Georeferenzierung der Wildäpfel wird mit Hilfe des GPS-Geräts Nautitz X8 vorgenommen. Wenn
Schwankungen im GPS-Signal auftreten, wird so lange an Ort und Stelle gewartet, bis ein
kontinuierliches Signal auf das Gerät trifft. An den Stellen, wo trotz Wartens kein Signal empfangen
wird, weil der Kronenbereich zu dicht steht, wird minimalst ausgewichen bis ein dauerhaftes Signal
empfangen wird, um so genau wie möglich arbeiten zu können. Eingemessen wird in diesem Fall mit
Hilfe eines Einmessprotokolls. Darin wird in Schrittmaß, in Metern, verzeichnet, wie weit und in welche
Himmelsrichtung entfernt der eigentliche Standort des Wildapfels ist.
Aufgenommen werden alle Exemplare von Malus sylvestris mit einer Mindesthöhe von 1 m. Lediglich
Verjüngung im Umkreis von 5 m von einem Exemplar über 1 m wird nicht gesondert aufgenommen,
sondern wird bei diesem unter dem Parameter „Verjüngung“ in der Excel-Tabelle aufgeführt.

                                                                                                                   23
2 Material und Methoden

Im Umkreis von 5 m wird um jeden kartierten Wildapfel untersucht, ob sich bereits Verjüngung der
Baumart etabliert hat. Falls Verjüngung vorhanden ist, wird deren Stückzahl, Dichte und Zustand
erhoben. Parameter für den Zustand sind Schäden an der Pflanze.
Abgesucht wird die gesamte Kernzone des Rangierbahnhofs. In Nachbarbeständen wird grob in den
umliegenden 1-2 ha gesucht und mit Hilfe von Experten gezielt verzeichnet. So können auch Nachbarn
auf das Vorkommen der Baumart hingewiesen werden und dieses bei Bedarf fördern.
Erfasst werden die in Tabelle 1 dargestellten Merkmale.

Tabelle 1: Aufnahmekriterien des Wildapfels

 Lage der Bäume, Bestimmung der          Brusthöhendurchmesser [cm]           Höhe [m] mittels Vertex,
 Position [Latitude/Longitude]           in 1,3 m Höhe mittels Kluppe         mindestens 1 m
 mittels GPS-Gerät (Nautitz X8)          2 x gemessen, anschließend Wert
                                         gemittelt

 Seitendruck, [keiner/leicht             Beerntungsfähigkeit, [Blüte/ keine   Vitalität [in Klassen] nach
 bedrängt/stark bedrängt]                Blüte]                               Rolof (2001)

 Stammform                               Radius [m] der Baumkrone in alle     Exposition und Hangneigung
 [Qualität]                              vier Himmelrichtungen mittels        [in % und Himmelsrichtung]
                                         Maßband, daraus wird das             mittels Kompass
                                         Baumkronenvolumen
                                         [m³] errechnet

 Lage des Wildapfels                     Begleitbaumarten Oberschicht         Schäden
 [Bestand oder Waldrand]                 (Umkreis 7 m), Baumart, Deckung      [Art des Schadens]
                                         [%] nach Braun-Blanqet und
                                         soziale Stellung sind die
                                         Parameter hierfür

 Begleitbaumarten Unterschicht           Verjüngung [ja/nein], falls ja,      Beschirmung [Krone frei, leicht
 (Umkreis 7m), Baumart, Deckung          [Samen oder Wurzelbrut;              überschirmt, stark überschirmt]
 [%] nach Braun-Blanqet und              üppige oder spärliche Verjüngung]
 soziale Stellung

2.3 Dauerhafte Markierung
Um die kartierten Wildäpfel in Zukunft ohne GPS-Gerät auf der Fläche finden zu können, wurden
verschiedene Markierungsmöglichkeiten bedacht. Diese sollen helfen, den Baum schnell und einfach
wiederaufzufinden.
Die einfachste und kostengünstigste Methode wäre es, jeden Baum mit einem farbigen Band oder mit
Hilfe einer Sprühdose zu kennzeichnen. Auf diese Weise wäre aber die Farbmarkierung mit der Zeit
verwittert und ein Auffinden der Bäume ohne GPS-Gerät unmöglich. Außerdem fungiert der Allacher
Forst als Erholungsgebiet für viele Anwohner in und um München herum. Farblich markierte Bäume

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2 Material und Methoden

würden zu einer Missgunst der erholungssuchenden Bevölkerung gegenüber der Forstwirtschaft
führen, da markierte Bäume häufig mit lauten Maschinen bei der Holzernte assoziiert werden. Eine
farblich auffällige Markierung stört zusätzlich das Waldbild.
Magnete zu vergraben und später mit einem Metalldetektor zu suchen, wäre eine andere Option,
welche allerdings aufgrund des Aufwands beim Finden der Plättchen verworfen wurde.
Die einzig gut sichtbare und kostengünstige Lösung einer dauerhaften Markierung ist es, jeden
Wildapfel mit einer nummerierten Metallplakettierung vorzusehen. Diese wird mit Hilfe eines Nagels
am Stamm angebracht. Um den Stamm möglichst wenig zu verletzen, wurden kurze, dünne Nägel
ausgewählt und nur so weit in den Stamm eingeschlagen, dass die Plakettierung hält. Das Anbringen
der Plaketten erfolgt auf der wegabgewandten Seite, um möglichst wenig Aufsehen bei den
Spaziergängern und Erholungssuchenden im Allacher Forst zu erwecken. Diese Art der Markierung
erfolgte gleichzeitig beim Einmessen der Bäume mit einem GPS-Gerät. Mit ihrer Hilfe können einzelne
Exemplare nach Betrachten der Verbreitungskarte gezielt gefunden werden. Zusätzlich dient sie dem
Unterscheiden von Bäumen. Nur mit Hilfe der Plaketten können sie differenziert betrachtet werden,
da die GPS-Einmessung meist nur auf 3-5 m genau erfolgt. Teilweise stehen die Wildäpfel jedoch
dichter beieinander. Aus diesem Grund ist eine dauerhafte Markierung vor Ort essenziell, um
Exemplare unterscheiden zu können.
Die Bereitstellung und Finanzierung der Zahlenplättchen erfolgte durch das Amt für Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten, Ebersberg.

2.4 Datenbank
Einzelne Exemplare des Malus sylvestris wurden auf dem GPS-Gerät mit der Software Microsoft
Windows Embedded Handheld 6.5.3 Pro und dem Geoinformations-System ArcMap georeferenziert.
Um mit dem Programm eine Karte vom Gelände abrufen zu können, wurde zuerst am Computer die
direkt verfügbare Grundkarte des Dienstes Open Street Map als TIFF-Datei mit Geo-Tracklocks
exportiert. Um eine Kernzone der Suche nach dem Wildapfel einzurichten, wurden Layer mit
Grundstücksgrenzen verwendet. Diese stellte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten,
Ebersberg, zur Verfügung. Zur Darstellung der kartierten Wildäpfel auf einer Karte wird kein Orthofoto
verwendet, weil aufgrund der dichten Vegetation im Bestand einzelne Wege nicht mehr erkennbar
wären und diese einer Orientierung im Bestand vor Ort dienen.
Alle Parameter der Bäume wurden auf Excel 2013 eingegeben. Um diese Datei mit den GPS-Punkten
auf GIS abrufen zu können, wurden die Parameter in eine shp.-Datei umgewandelt und dann
verknüpft.
Mit Hilfe von Basis-Viewer Layern konnten die Geobasisdaten zur Analyse der Standorteigenschaften
ausgewertet werden. Diese Layer, welche über das georeferenzierte Vorkommen auf dem

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2 Material und Methoden

untersuchten Gelände gelegt werden, zeigen standörtliche Eigenschaften auf dem Gebiet um den
Rangierbahnhof an. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Ebersberg stellte die Layer
zur Verfügung.

2.5 Datenauswertung
2.5.1 Dimensionierung Wildapfel
Um das Wildapfelvorkommen im Allacher Forst genauer beschreiben zu können, wurde die Verteilung
der gemessenen Brusthöhendurchmesser und den Baumhöhen als Boxplot dargestellt. Eine solche
Grafik zeigt den maximalen und minimalen Wert einer Datenreihe an. Zusätzlich wurden Varianz und
Standardabweichung als Streuungsparameter für den Mittelwert angegeben. Außerdem wurde der
Median (Zentralwert), Q1 (25%-Quantil) und Q3 (75%-Quantil) - Wert in der Grafik dargestellt. So kann
das Lagemaß der Verteilung der Werte veranschaulicht werden.

2.5.2. Vitalität
Die Vitalität des Wildapfels wurde im Gelände in der Umgebung um den Rangierbahnhof mit Hilfe
einer Tabelle ausgewertet und als Parameter aufgenommen. Sie dient der Einschätzung des
Gesundheitszustandes des Baumes und zusätzlich einer Anzeige der Pflegedringlichkeit (beschrieben
unter Punkt 2.5.3).

Tabelle 2: Vitalitätsklassen nach Roloff ( 2001), leicht verändert, übernommen von Hackl (2014)

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