Einblicke 2020 - Zusammenrücken Offene Jugendarbeit während der Pandemie - Jugend.win

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Einblicke 2020 - Zusammenrücken Offene Jugendarbeit während der Pandemie - Jugend.win
Einblicke
OFFENE
JUGENDARBEIT           2020
WINTERTHUR

Zusammenrücken
Offene Jugendarbeit
während der Pandemie
Inhalt                                            Vorwort
                                                  Die Corona-Pandemie überraschte uns im           In der Krise zeigte sich, wie wertvoll eine gute
4    Vorwort                                      letzten Jahr alle und forderte uns tüchtig he-   Vernetzung aller Akteure und die Zusammen-
                                                  raus. Auch die OJA war davon nicht ausge-        arbeit mit Gremien auf kantonaler und natio-
6    MOJAWI                                       nommen. Ihre Struktur mit zehn ehrenamtli-       naler Ebene ist. Die professionelle Koordination
                                                  chen Trägerschaften für insgesamt fünfzehn       zwischen den Beteiligten durch die städtische
8    Jugendzentrum Gleis 1B Oberwinterthur        Teams schien für den Krisenmodus nicht be-       Kinder- und Jugendbeauftragte spielte dabei
                                                  sonders geeignet. Doch während viele ehren-      eine zentrale Rolle. Und nicht zuletzt möchte
10   Jugendinfo Winterthur                        amtlich geführte Vereine und Jugendver-          ich die Arbeit der professionellen OJA-Teams
                                                  bände ihre Angebote aussetzten, zeigten die      würdigen: Ihre Fachlichkeit, Kreativität und
12   Jugendtreff Gutschick                        Teams der OJA Winterthur eine grosse Flexi-      Motivation ermöglichte es, die Winterthurer
                                                  bilität und passten ihre Angebote immer wie-     Kinder und Jugendlichen so gut wie möglich
14   FC Tössfeld                                  der den neuen Anforderungen und Einschrän-       durch die schwierige Zeit zu begleiten.
                                                  kungen sowie den Bedürfnissen der Kinder
16   Jugendarbeit Wülflingen                      und Jugendlichen an.                             Es ist mir ein Anliegen, mich bei all jenen zu
                                                                                                   bedanken, die im vergangenen Jahr unzähli-
18   Midnight Sport in Töss und Gutschick         Möglich wurde dies dank der guten Vernet-        ge Stunden in die Erstellung und Überarbei-
     Open Sunday in Töss, Gutschick und Sennhof   zung und Zusammenarbeit zwischen der             tung von corona-konformen Angeboten und
                                                  OJA, den Schulen, den Verantwortlichen für       Schutzkonzepten gesteckt haben, die sich
20   Jugendhaus Steinberggasse (Juhu)             Sport- und Freizeitanlagen und der Stadt-        flexibel und engagiert zum Wohl der Jugend
                                                  polizei. Zudem war der Dachverband offene        eingesetzt haben. Dank den Teams, den Trä-
22   Jugendtreff High Five Veltheim               Kinder- und Jugendarbeit Schweiz während         gerschaften und den städtischen, kantonalen
                                                  der ganzen Zeit sehr aktiv: Er handelte im       und nationalen Kooperationspartnern stand
23   Jugendarbeit St. Urban - Filmbrugg           Lockdown im Frühling und nach jedem Lo-          das Angebot der OJA Winterthur auch in die-
                                                  ckerungsschritt mit den Verantwortlichen         ser unsicheren Zeit auf einer stabilen Basis.
24   Jugendtreff Sternen Seen                     des BAG die Rahmenbedingungen im Inte-           Vielen Dank dafür!
                                                  resse der Jugendlichen aus und publizierte
26   Mädchenangebot Jugendtreff Töss              jeweils sehr rasch neue Schutzkonzepte. Die      Nicolas Galladé
                                                  Okaj Zürich als kantonaler Dachverband be-       Stadtrat, Vorsteher Departement Soziales
                                                  sprach die Vorgaben jeweils mit den Zürcher
                                                  Behörden und publizierte Musterkonzepte, die
                                                  den Teams in Zusammenarbeit mit der Kin-
                                                  der- und Jugendbeauftragten ermöglichten,
                                                  auf ihre Verhältnisse angepasste Schutzkon-
                                                  zepte zu erarbeiten.

                                                  Die Bedeutung der Offenen Jugendarbeit
                                                  wurde offiziell anerkannt, als sie im Novem-
                                                  ber vom Bundesamt für Gesundheit und den
                                                  kantonalen Behörden als soziale Institution
                                                  eingestuft wurde, was ihre Möglichkeiten in
                                                  der Begleitung von Kindern und Jugendlichen
                                                  deutlich ausweitete.
Zusammenrücken
Das OJA-Jahr 2020 begann mit vielen Plänen       Die darauffolgende Woche war geprägt von           Untereinander vernetzt durch einen Whats-
und so wuselig, wie es sich für die Offene Ju-   Absprachen mit den zwölf Trägerschaften.           App Chat, schwärmten Mitarbeitende aller              Die Teams sind
gendarbeit gehört. In den offenen Turnhallen
tummelten sich an den Wochenenden Kinder
                                                 Durch die Schliessung der Trefflokale wurden
                                                 die operativen Konzepte hinfällig. Für viele der
                                                                                                    Teams aus, um ihre Schützlinge im öffentli-
                                                                                                    chen Raum zu treffen. So konnten sie in der
                                                                                                                                                        zusammengerückt,
und Jugendliche, die Treffs waren gut be-        ehrenamtlichen Vorstände wurde die Füh-            ersten Phase grosse Ansammlungen von Ju-            haben Verständnis
sucht und das Juhu glich einem Bienenhaus.       rungsaufgabe zur Überforderung, zumal sie          gendlichen auflösen, damit Orte wie der Ska-
Die Vorbereitungen für den Meitliaktionstag      selbst oft im Rentenalter und von der Pande-       tepark und Schulhausanlagen nicht geschlos-            entwickelt für
Anfang März, den Spielkiosk im Eulachpark
und das Kuba 21 Projekt Kuba Stylez liefen
                                                 mie verunsichert waren und ihre sehr partizi-
                                                 pative Führung in der Krise weniger geeignet
                                                                                                    sen werden mussten. Einmal mehr wurden sie
                                                                                                    zudem zu Pulsnehmerinnen und Pulsnehmern
                                                                                                                                                         aufsuchende und
auf Hochtouren.                                  war. Einige Trägerschaften fanden mit ihren        in der jugendlichen Lebenswelt, konnten die        digitale Jugendarbeit
Als wir den Meitliaktionstag vom 7. März
                                                 Teams sehr kreative Wege, die Kinder und Ju-
                                                 gendlichen in ihren Quartieren zu begleiten.
                                                                                                    Jugendlichen weiterhin begleiten und auf ihre
                                                                                                    Bedürfnisse eingehen. So lösten die Teams
                                                                                                                                                          und sich besser
zwei Tage davor absagten, befürchteten wir       Viele delegierten jedoch die operative Füh-        Online-Schooling-Probleme, boten ruhige Ar-        kennen und schätzen
noch, überreagiert zu haben. Schliesslich sa-    rung an die Kinder- und Jugendbeauftragte          beitsplätze in leeren Trefflokalen an, halfen
hen wir uns mit 130 enttäuschten Mädchen         und gaben den OJA-Teams damit die Mög-             bei Konflikten im Elternhaus und bei der Lehr-            gelernt.
und verärgerten Eltern konfrontiert. Als aber    lichkeit, sich gemeinsam auf den grundsätz-        stellensuche.
der Bundesrat am 13. März die Schliessung        lichen Auftrag zu besinnen und die Aufgaben
der Volksschule verkündete, waren sich alle      im Kontext der Pandemie zu definieren.             Ab Ende März folgte eine anspruchsvolle            Als Organisation hat die OJA von der Pande-
Teams und Trägerschaften einig:                                                                     Öffnungsphase in kleinen, von immer wieder         mie profitiert. Die Teams sind zusammenge-
                                                 Die altbekannten OJA-Fragen wurden einmal          angepassten Schutzkonzepten begleiteten            rückt, haben Verständnis entwickelt für auf-
1.   Wir werden unsere Angebote schliessen,      mehr ganz bewusst gestellt:                        Schritten. Um in jeder Phase allen Spielraum       suchende und digitale Jugendarbeit und sich
     solange die Schulen geschlossen sind.                                                          auszunutzen, sich zu koordinieren, Sicherheit      besser kennen und schätzen gelernt.
                                                 •   Was heisst es nun, die Kinder,                 zu gewinnen sowie Ideen und Erfahrungen
2.   Wir werden Wege finden, Kinder,                 Jugendlichen und jungen Erwachsenen            auszutauschen, wurde der regelmässige OJA-         Die folgenden Texte zeigen: Die OJA Winter-
     Jugendliche und junge Erwachsene                zu begleiten?                                  Video-Austausch eingeführt.                        thur ist so bunt und vielfältig wie eh und je.
     weiter zu begleiten.                                                                                                                              Sie ist aber auch besser vernetzt und gerüs-
                                                 •   Wie sieht nun ihre Lebenswelt aus?             Damit hat es die OJA geschafft, in der Pan-        tet, um ihre Gäste aus der Pandemie heraus
Und so empfingen am Wochenende vor dem                                                              demie eine klare Linie und eine gemeinsame         in die wohl veränderte Normalität zu beglei-
Lockdown fünfzehn Teams ihre Gäste vor den       •   Wie erreichen wir sie?                         Strategie zu entwickeln, ohne die Individualität   ten. Einmal mehr werden die Teams dabei
Jugendlokalen, erklärten die Situation, be-                                                         der einzelnen Angebote zu verlieren. Entstan-      Pulsnehmer sein, damit die Stadt so schnell
sprachen, wie sie in Kontakt bleiben können      •   Wie erfahren wir, wie es ihnen geht,           den sind digitale Kleingruppenspiele im Wald,      wie möglich ein Bild davon hat, was Kinder,
und tauschten Telefonnummern und Links               was sie brauchen oder ob sie gar               ein gemeinsames Sommerferienprogramm               Jugendliche und junge Erwachsene nun brau-
aus. Ihre Hauptbotschaft: Wir sind weiterhin         gefährdet sind?                                inklusive Beratungs- und Bewerbungscoa-            chen, um die Auswirkungen der Pandemie zu
für euch da!                                                                                        ching sowie ein gemeinsamer Webauftritt.           überwinden und aus ihr zu lernen.
                                                 •   Was brauchen sie, um aktiv, kreativ und
                                                     gesund zu bleiben?                                                                                Mireille Stauffer
                                                                                                                                                       Kinder- und Jugendbeauftragte
                                                 •   Was brauchen sie, um dem Unterricht
                                                     zu folgen und den Berufswahlprozess
                                                     trotzdem zu meistern?

                                                 •   Was braucht ihr Umfeld, um diese Krise
                                                     zu meistern?

                                                                                              4     5
MOJAWI

Mojawi koordiniert die
Aufsuchende Jugendarbeit
Nach dem ersten Lockdown wurde schnell           Eine klare Kennzeichnung sollte hier Abhilfe
klar, dass die aufsuchende Jugendarbeit die      schaffen. Ein Jugendarbeiter mit grafischem
einzige Methode war, um mit den Jugendli-        Talent zeichnete eine «Ausweis-Vorlage» mit
chen real in Kontakt treten zu können. Unter     dem OJA-Logo, jemand laminierte die «Aus-
Beachtung wichtiger Vorsichtsmassnahmen          weise» und eine dritte Person organisierte die
wie dem Abstandhalten (damals waren noch         Umhänger. Ein weiteres gemeinsames Projekt
keine Schutzmasken erhältlich!) empfahl          waren kleine Desinfektionsmittel-Flaschen
auch der DOJ (schweizerischer Dachverband        mit OJA-Kennzeichnung als «Give-Away» für
Offene Jugendarbeit) das Aufsuchen (bzw.         Jugendliche.
die Streetwork).
                                                 Rückblickend war dieses Enger-Zusammen-
                                                 rücken in der Krise eine sehr positive Erfah-
   Zu Beginn ging es                             rung. Wo sonst im Alltag jeder zuerst sein

  oft um die Haltung,                            eigenes Gärtchen bzw. den einen Jugend-
                                                 treff beackert, zwang uns die Pandemie zur
     mit der wir den                             engen Zusammenarbeit. Im Alltag und auch
                                                 an den Wochenenden waren wir durch einen
    Jugendlichen im                              rege genutzten Chat verbunden. So halfen

  öffentlichen Raum

                                                                                                             A
                                                 wir uns gegenseitig auf den Rundgängen aus,
                                                 tauschten uns aus über Erlebtes und Gesprä-

                                                                                                            J
   gegenübertraten.

                                                                                                  OJA
                                                 che mit den Jugendlichen und koordinierten

                                                                                                           O
                                                 die Einsätze. Wir waren stets informiert, wel-
                                                 cher Treff gerade was anbot, wo die Jugend-
Nun standen die Winterthurer Jugendtreffs        lichen Unterstützung bei Bewerbungen holen
auf einmal vor der Herausforderung, ihre Kli-    konnten oder wo ein Graffitiworkshop statt-
entel draussen im öffentlichen Raum, also in     fand. Durch den intensiven Informationsfluss
ihrer eigenen Welt, zu besuchen. Die jahrelan-   untereinander konnten wir die Kinder und Ju-
ge Erfahrung der Mojawi in diesem Bereich        gendlichen optimal informieren und gemein-
war gefragt und daher übernahmen wir ger-        sam begleiten - auf der Strasse und in den

                                                                                                         OJA
ne die Koordination und fachliche Begleitung.    Parks statt im Jugendtreff.

Durch regelmässige Zoom-Meetings ent-            Beat Sutter

                                                                                                   OJ
stand ein Fachaustausch rund um die Aufsu-       Mobile Jugendarbeit Winterthur
chende Jugendarbeit, eine On-the-Job-Wei-
terbildung oder vielleicht eher ein Crashkurs.
Zu Beginn ging es oft um die Haltung, mit
der wir den Jugendlichen im öffentlichen
                                                                                                     A
Raum gegenübertraten. Wie konnten wir die
Jugendlichen auf die Corona-Regeln sensi-
bilisieren, ohne als (polizeilicher) Ordnungs-
dienst wahrgenommen zu werden?

                                                                                            6
Jugendzentrum Gleis 1B Oberwinterthur

Ein anspruchsvolles,
aber auch lehrreiches Jahr
Unsere Corona-Geschichte beginnt mit Dra-         Im April meldeten sich plötzlich viele arbeits-   Anfang Juni konnten wir endlich den Jugend-       Das Jahr 2020 war für unser Team ein an-
gan. Der Oberstufenschüler sprach uns Mitte       lose junge Erwachsene bei uns. Sie brauchten      treff wieder öffnen. Ebenfalls mit Schutz-        spruchsvolles, intensives, aber auch lehrrei-
Februar 2020 auf eine gefährliche Krankheit       Hilfe. Die Schalter der Ämter waren geschlos-     konzept und zum Bedauern der Gäste ohne           ches Jahr. Wir haben gelernt, dass ein Team
aus China an. Er habe Angst, dass die Seu-        sen. Wer eine Dienstleistung brauchte, muss-      Hot-Dogs und Süssigkeiten. Es kamen weni-         mit guter Teamkultur auch schwierige Situati-
che auch in die Schweiz komme. Unser Team         te am Onlineschalter mit Kreditkarte bezahlen     ger Jugendliche als erwartet, denn die be-        onen meistern kann. In der Arbeit mit Kindern,
reagierte, wie Erwachsene reagieren, wenn         oder sich mit mehrseitigen Papierformularen       hördlich vorgeschriebene Kontaktdatenerfas-       Jugendlichen und jungen Erwachsenen ha-
Jugendliche sich fürchten: Bestimmt bleiben       herumschlagen. Das überforderte unsere Kli-       sung war bei den Jugendlichen nicht beliebt.      ben wir mehr Zeit für persönliche Gespräche
wir verschont. China ist ja weit weg und die      entinnen und Klienten. Wir vereinbarten per-      Trotzdem nutzten rund zwanzig Jugendliche         gewonnen, weil Veranstaltungen annulliert
Krankheit ist sicher nicht so ansteckend, wie     sönliche Einzeltermine im Jugendzentrum.          regelmässig die Möglichkeit, sich ausserhalb      wurden. Und obwohl die digitalen Medien für
man meint. Wenige Wochen später wurden in         Insgesamt setzten wir im Jahr 2020 drei Mal       von Schule und Familie zu treffen, Billard zu     Jugendliche nach wie vor wichtig sind, haben
der Schweiz alle Schulen, Läden und Freizeit-     so viel Arbeitszeit für Beratungsgespräche        spielen und Musik zu hören.                       wir in diesem Jahr auch gelernt, dass Whats-
einrichtungen geschlossen, die Armee wurde        ein wie im Vorjahr.                                                                                 App, Instagram und TikTok echte Begegnun-
mobilisiert, in Italien starben Tausende und                                                        Mitte Juni begannen wir mit den Vorberei-         gen nicht ersetzen können.
auch unser Team hatte nun Angst.                                                                    tungsarbeiten zur Eröffnung des Spielkiosks
                                                      Im Jahr 2020                                  im Eulachpark. Eine anspruchsvolle Aufgabe!       Wie die Zukunft unserer Offenen Kinder- und
In der ersten Phase des sogenannten «Lock-
downs» trafen wir uns regelmässig zu Team-
                                                   setzten wir drei Mal                             Wie organisiert man einen Betrieb mit Hun-
                                                                                                    derten von Gästen im Alter von drei bis neun-
                                                                                                                                                      Jugendarbeit nach Corona aussieht, wissen
                                                                                                                                                      wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Wir
sitzungen. Es war uns wichtig, in der Krise         so viel Arbeitszeit                             zig Jahren und hält alle vorgeschriebenen         möchten nicht so schnell wie möglich zu den
handlungsfähig zu bleiben. Wir erarbeiteten                                                         Schutzmassnahmen ein? Wir planten, bauten         bisherigen Formen zurückkehren, sondern ge-
ein Notfallkonzept und organisierten Stellver-       für Beratungs-                                 um, kauften Material und schrieben Schutz-        meinsam mit den Kindern und Jugendlichen
tretungen bei krankheitsbedingten Ausfällen.
Mit kurzen Instagram-Clips informierten wir
                                                    gespräche ein wie                               konzepte. Nach einer kurzen Sommerferi-
                                                                                                    enpause öffnete der Spielkiosk Eulachpark
                                                                                                                                                      aus dem Quartier herausfinden, was es nun
                                                                                                                                                      braucht. Die Welt und die Gesellschaft haben
die Jugendlichen über den aktuellen Stand               im Vorjahr.                                 am 19. August 2020 seine Türen. Trotz vieler      sich in den vergangenen Monaten stark ver-
der Dinge. Im Jugendarbeitsteam entstand                                                            neuer Regeln verlief der Betrieb fast wie frü-    ändert. Wenn wir den professionellen Ansatz
in dieser Zeit eine Kultur der Achtsamkeit. Wir                                                     her. Fröhliche Kinder, zufriedene Eltern, coole   einer «lebensweltorientierten Jugendarbeit»
standen in telefonischem Kontakt und schau-       Ende April fand mitten im «Lockdown» unse-        Teenager – und ja, man stand jetzt halt ein-      ernst nehmen, müssen wir die veränderte
ten gut darauf, dass die Sorgen der einzel-       re traditionelle Frühlingsputzwoche statt. Ein    fach hinter gelben Bodenmarkierungen oder         Welt in unsere Konzepte einbeziehen.
nen Teammitglieder ernst genommen wer-            Stück Normalität, das unserem Team, aber          Plexiglasscheiben. Und man desinfizierte sich
den. Forderungen nach medienwirksamem             auch den teilnehmenden Jugendlichen, wohl         die Hände. Einen kleinen Dämpfer gab es für       Peter Marti
«Krisenaktivismus» widersetzten wir uns so        tat. Als am 11. Mai 2020 die Schulen wieder       Team und Gäste mit der Einführung der Mas-        Jugendarbeiter, Gleis 1B
gut wie möglich. Uns war es wichtig, zuerst       öffneten, organisierten wir zwei Mal in der       kenpflicht. Aber auch diese Hürde meisterten
hinzuhören und dort Hilfe anzubieten, wo sie      Woche einen Mittagstisch. Unser Ziel war es,      wir ohne grössere Probleme. Fast alle Gäste
wirklich gebraucht wird.                          die Familien im Quartier zu entlasten. Um den     hielten sich gut an die Schutzmassnahmen
                                                  Mittagstisch durchzuführen, brauchten wir ein     und wir mussten nicht – wie anfänglich be-
                                                  Schutzkonzept und so begann im Jugendzen-         fürchtet – «Coronapolizei» spielen. Weil es
                                                  trum die Phase der Gummihandschuhe, Ple-          so gut klappte, verlängerten wir die Spielki-
                                                  xiglasscheiben und Desinfektionsmittel. Bald      osksaison bis Ende Oktober.
                                                  hingen auch bei uns an allen Wänden bunte
                                                  Plakate in wöchentlich wechselnden Farben
                                                  mit ausgeklügelten Piktogrammen.

                                                                                              8     9
Jugendinfo Winterthur

Digitalisierte Jugendarbeit
während der Pandemie
Wir haben einen Plan                             Lockdown!                                        Folgendes ist entstanden:                         OJA-Kommunikation
Im Januar 2020 hatten wir bei der Jugendinfo     Covid-19 hat diese Pläne vereitelt. Der Virus                                                      Die Jugendinfo sammelte fortlaufend die ak-
einen Plan für das neue Jahr: digitale Kommu-    hat das gewohnte Wechselspiel zwischen           Telefonberatung und physische                     tuellen Öffnungszeiten und Angebote der OJA
nikation nutzen, um Menschen zu vernetzen.       digitaler Kommunikation und physischen           Präsenz an der Wartstrasse                        und publizierte diese auf der Website, in der
Kulturstifter bringt Jugendliche und Kultur-     Begegnungen jäh unterbrochen. Was nun?           Die Jugendinfo hat die Telefonpräsenz stark       Jugendapp und in den Sozialen Medien. Ins-
betriebe zusammen. IT-Kurse für Seniorinnen      Während des Lockdowns hat die Jugendinfo         erhöht. Seniorinnen und Senioren erreichten       besondere in den Sommerferien 2020 hat die
und Senioren durchgeführt von Jugendlichen       intensiv mit anderen Jugendarbeitenden di-       Claudia Reyes im Home-Office nach Möglich-        Jugendinfo eine Kampagne für das Sommer-
fördern den Generationendialog. Jugendliche      gital nach Lösungen gesucht. Täglich trafen      keit von Montag bis Freitag per Telefon an-       programm der OJA durchgeführt für die Ju-
und Politikerinnen und Politiker tauschen sich   wir uns per Telefon, Zoom, Jitsi-Meet, Big-      statt nur am Mittwoch und Donnerstag. Vor         gendlichen, deren ursprüngliche Ferienpläne
via Jugendapp und an persönlichen Treffen        BlueButton, Whatsapp-Konferenzen, Skype          allem für viele der Seniorinnen und Senioren      ins Wasser fielen.
aus. In den Jugendtreffs verknüpfen wir Be-      usw. Entstanden sind Challenges, digitale        war die Beratung per Telefon eine wichtige
ziehungsarbeit mit Medienpädagogik. Ju-          Beratung, Live-Streams und Treffen mit Ju-       Stütze. Die Jugendlichen schätzten es zu-         Waldspiel
gendberatung findet per Chat statt und bei       gendlichen per Video-Call. Die Jugendarbeit      dem sehr, unter Einhaltung des Schutzkon-         Der Wald hat in der aktuellen Situation bei
komplexeren Problemen beraten wir Jugend-        hat Flexibilität und Kreativität bewiesen.       zepts auch persönlich bei uns vorbeikommen        der Freizeitgestaltung von Jugendlichen an
liche an der Wartstrasse.                                                                         zu können. 2020 hatte die Jugendinfo daher        Bedeutung gewonnen. Wie sollten sich Ju-
                                                 Das grosse digitale Gähnen                       mehr Besucher*innen als in anderen Jahren.        gendliche im Wald richtig verhalten? Wo sind
                                                 Gefolgt ist aber bald Ernüchterung. Rein di-                                                       die schönsten Ecken? In der smartphone-ge-
    Während des                                  gitale Treffen sind ein armseliger Ersatz für    Nachbarschaftshilfe                               steuerten Schnitzeljagd lernten die Spielen-

 Lockdowns hat die                               persönliche Begegnungen. Nachhaltig Be-
                                                 ziehungen zu pflegen ist digital anstrengend
                                                                                                  Ergänzend zur Jobbörse hat die Jugendinfo
                                                                                                  im Frühling in Kooperation mit der Pro Senec-
                                                                                                                                                    den in Gruppen auf unterhaltsame Weise den
                                                                                                                                                    Winterthurer Wald kennen. Sie konnten dank
 Jugendinfo intensiv                             und meist nicht nachhaltig. Erst in der Wech-    tute eine Vermittlungsplattform für freiwilli-    Smartphone selbstständig die Spielstationen
                                                 selwirkung mit dem «echten» Leben kann di-       ge Jugendliche lanciert. Jugendliche erledig-     im Lindberg-Wald besuchen. Vor Ort lernten sie
    mit anderen                                  gitale Kommunikation ihr Potenzial entfalten.    ten für Seniorinnen und Senioren und andere       spielerisch den Wald, die Pflanzen und die Tiere

 Jugendarbeitenden                               Digitalisiert physische
                                                                                                  Angehörige von Risikogruppen kostenlos die
                                                                                                  Einkäufe. Dies war insbesondere vor der Ein-
                                                                                                                                                    und ihre Gewohnheiten und Beürfnisse kennen.
                                                                                                                                                    Für Schulklassen bot die Jugendinfo Begleitung
    digital nach                                 Begegnungen ermöglichen                          führung der Maskenpflicht in den Lebensmit-       an. 18 Klassen haben davon profitiert.

 Lösungen gesucht.                               Bald fand daher ein Umdenken statt. Wir
                                                 setzten digitale Mittel nicht mehr als Ersatz
                                                                                                  telgeschäften ausserordentlich wichtig. Hier
                                                                                                  zeigte sich eindrücklich, dass viele Jugendli-    Rafael Freuler
                                                 für reale Treffen ein. Stattdessen nutzten wir   che während der Pandemie etwas Nützliches         Jugendinfo Winterthur
                                                 digitale Formate für Covid-19-kompatible         beitragen und sich für die Risikogruppe im
                                                 reale Begegnungen sowie für Angebote, die        freiwilligen Rahmen engagieren wollten. Nor-
                                                 auf die sozialen Herausforderungen der Pan-      male Sackgeldjobs waren mit Schutzkonzept
                                                 demie reagieren.                                 ebenfalls möglich.

                                                                                            10    11                       Illustration:
                                                                                                                           Waldspiel im Jugendapp
Jugendtreff Gutschick

Raus aus dem Quartier
Das Gutschick-Team hat in dieser schwieri-       Das Projekt ist eine wertvolle Art, die Lebens-
gen Zeit aus der Not eine Tugend gemacht.        welt der Kinder, Jugendlichen und Familien zu
Eigentlich entstand die Idee des Projekts        erweitern und die Eltern mit ins Boot zu neh-
«Raus aus dem Quartier» schon vor der Pan-       men. Über einen WhatsApp-Gruppenchat
demie. In einem von der Stadtentwicklung ge-     werden die Eltern mit Infos und Bildern in das
leiteten Analyseprozess wurde uns allen klar,    Projekt einbezogen, manchmal begleiten sie
dass viele Kinder, Jugendliche und Familien      uns auch.
die Stadt, den Kanton und die Schweiz kaum
kennen. Der Gutschick ist ihre Lebenswelt, da-
rüber hinaus ist ihnen die Schweiz so fremd,       Wie im Winter der
dass schon eine Lehrstelle in einem anderen
Stadtkreis nur zögernd angenommen wird.
                                                  kürzeste Tag einmal
Um den Kindern, Jugendlichen und Familien         zu Ende gehen muss
Perspektiven ausserhalb des Quartiers auf-
zuzeigen, sammelten wir Ideen unter dem Titel        und die Sonne
«Raus aus dem Quartier». Als wir nach dem
Lockdown im Mai zunächst nur mit Kleingrup-
                                                    einen neuen Weg
pen bis fünf Kinder oder Jugendliche arbeiten         einschlägt, so
durften, bekam «Raus aus dem Quartier»
plötzlich Flügel.
                                                  müssen auch unsere
                                                    Wege manchmal
Wir machten es uns zur Aufgabe, den Kin-
dern aus der Unter- und Mittelstufe mit Akti-     die Richtung ändern.
vitäten im Aussenbereich und weg von ihrem
gewohnten Umfeld Abstand zu ihrem Alltag
und Erfahrungen ausserhalb ihres Quartiers       «Raus aus dem Quartier» ist keine klassische
zu ermöglichen. In Zusammenarbeit mit einer      Offene Jugendarbeit, sondern eine gezielte
Naturheilpädagogin und ihren Eseln konnte        Intervention mit enormem Potenzial. Wie im
ein buntes Programm für die Kinder auf die       Winter der kürzeste Tag einmal zu Ende ge-
Beine gestellt werden. Mit den Eseln ergrün-     hen muss und die Sonne einen neuen Weg
den die Kinder die Wälder und die Natur auf      einschlägt, so müssen auch unsere Wege
eine andere Art. Jeweils einmal pro Woche        manchmal die Richtung ändern.
am Mittwochnachmittag machen wir mit den
Kindern und Jugendlichen mit unterschied-        Mehmet Dagli
lichsten Fortbewegungsmitteln Ausflüge, sei      Jugendtreff Gutschick
es mit den Velos in den Eulachpark, zu Fuss
den Eschenbergwald entdecken oder mit dem
Zug an den Rheinfall. Auch in Zürich waren
die Kinder, um im WOW-Museum von Illusio-
nen verzaubert zu werden und an der Limmat
zu picknicken.

                                                                                             12    Illustration:
                                                                                                   WOW-Museum, Zürich
FC Tössfeld

Zeit und Präsenz
neu denken
Der FC Tössfeld wurde im letzten Jahr, wie        Zunächst versuchten wir es mit einer Whats-        Seit sich nun die Coronaregeln eingespielt       Mitten in der Krise hat der FC Tössfeld im
alle anderen im Freizeitbereich, von der Coro-    App-Gruppe mit mit allen Trainerinnen, Trai-       haben und nicht mehr wöchentlich neue            Sommer 2020 einen neuen Präsidenten erhal-
nakrise überrascht. Damit entstanden neue         nern und Vorstandsmitgliedern. Immer wieder        Vorgaben auf uns zukommen, nutzen wir            ten. Martin Zgraggen löste den langjährigen
Aufgaben und andere Ansprüche. Für einen          wechselnde Schutzkonzepte brauchten ein            die Zoomsitzungen, um Themen zu bespre-          Präsidenten Thomas Dürsteler ab und über-
nur durch Freiwillige geführten Verein war        engmaschigeres Controlling. Die Trainerin-         chen, die schon vor Corona unter den Nägeln      nahm mitten im Lockdown das Zepter. Gleich-
das eine enorme Herausforderung, zumal die        nen und Trainer mussten die Tracing-Listen         brannten. Der Vereinsvorstand, die Trainerin-    zeitig zitterten wir alle und waren erleichtert,
Kommunikation ohne physische Treffen funk-        und Meldungen von Coronafällen weiterge-           nen und Trainer und ich als Troubleshooter       als der Gemeinderat den Bau unseres neuen
tionieren musste. Wir hätten nun einfach alles    ben. Das bewährte sich aber nicht, denn die        sind dadurch näher zusammengerückt. Wir          Garderobengebäudes bewilligte.
absagen können, wie es viele Freiwilligenor-      Verantwortlichen konnten den Frust, die Wut        besprechen Probleme und Unsicherheiten,
ganisationen aus Überforderung taten, aber        und die Verständnisfragen der Trainings-           helfen einander aus, verstehen die Sichtwei-
das kam für uns nicht in Frage.                   leitenden auf diesem Weg nicht genügend            sen der anderen und wie Regeln zustande             Wir alle waren
Die Corona-Massnahmen haben sich in ge-
                                                  abfangen.                                          kommen. Allen ist klar, welche Aufträge wer
                                                                                                     gerade für den FC Tössfeld bearbeitet, jede
                                                                                                                                                       erleichtert, als der
wissen Phasen wöchentlich geändert, die           Also begann ich, eine wöchentliche Zoomsit-        und jeder kann mir schnell sagen, wo Hilfe         Gemeinderat den
freiwillige Arbeit, aber auch das Privatleben     zung einzuberufen. Schnell bürgerte es sich        gebraucht wird: Kinder und Jugendliche, die
beanspruchten viel mehr Aufmerksamkeit,           ein, dass sich alle ganz selbstverständlich        plötzlich nicht mehr ins Training kommen, El-     Bau unseres neuen
weil überall die gewohnten Abläufe fehlten.
Die Krise musste zuerst verstanden und täg-
                                                  einloggten, einfach von da, wo sie sich gera-
                                                  de befanden: die einen daheim beim Kochen
                                                                                                     tern, welche die Beiträge nicht bezahlen kön-
                                                                                                     nen, Mannschaften, die eine ungute Dynamik
                                                                                                                                                      Garderobengebäudes
lich bewältigt und die Corona-Massnahmen          oder beim Kinder hüten, auf der Heimfahrt          entwickeln und Trainingsleitende, die aus per-         bewilligte.
und die neuen Regelungen an die zuständigen       von der Arbeit im Stau, im parkierten Auto         sönlichen Gründen ausfallen oder weniger
Trainer, Trainerinnen und Eltern weitergeleitet   oder beim Einkaufen... Alle nahmen an diesen       leistungsfähig sind. Eine fortlaufende und in-
werden. Wir standen neuen Zeitdimensionen         Zoomsitzungen teil.                                tensive Kommunikation ist der Schlüssel für      Es war eine intensive Zeit, die wir meisterten,
gegenüber und alle anderen Themen ausser                                                             so manches Problem.                              weil wir alle zusammen den Kindern unbe-
Corona bekamen eine tiefere Priorität. Wir                                                                                                            dingt weiterhin Trainings ermöglichen woll-
mussten Wege finden, um rasch und effizient         Eine fortlaufende                                                                                 ten und weil der Austausch im Verein nun für
zu kommunizieren und allen neuen Herausfor-
derungen gerecht zu werden.
                                                      und intensive                                                                                   alle Parteien besser funktioniert. Neben allen
                                                                                                                                                      Einschränkungen hat uns Corona mit den
                                                   Kommunikation ist                                                                                  Zoom-Meetings eine neue Perspektive eröff-
                                                                                                                                                      net, um Zeit und Präsenz neu zu denken und
                                                   der Schlüssel für so                                                                               zu definieren.

                                                    manches Problem.                                                                                  Mehmet Dagli
                                                                                                                                                      Projekt FC Support
                                                  So schafften wir es durch all die Restriktionen
                                                  und Lockerungsschritte, den Jugendlichen und
                                                  Kindern weiterhin einen Trainingsbetrieb anzu-
                                                  bieten. Wir konnten die Trainerinnen und Trai-
                                                  ner dabei dicht begleiten, ihnen Sicherheit ver-
                                                  mitteln und fortlaufend von den Erfahrungen
                                                  aller profitieren.

                                                                                               14    15
Jugendarbeit Wülflingen

Kleine Lichtblicke
per Briefpost
Regen tropft auf meinen mit Briefen vollge-
packten Rucksack. Ob der Inhalt wohl schon
                                                  Social Distancing                             «Alle Angebote der Villa YoYo, der reformier-
                                                                                                ten Kirche und des Familienvereins fallen in
                                                                                                                                                       Mit diesem an
aufgeweicht und die Druckertinte verschmiert        ist Pflicht und                             nächster Zeit aus. Und da ihr nicht zu uns            und für sich sehr
ist? Weiter geht die Fahrt rund um Wülflin-
gen und Veltheim, denn noch heute müssen
                                                   doch müssen wir                              kommen könnt, kommen wir, in Form eines
                                                                                                Überraschungsbriefs, jede Woche zu euch.»
                                                                                                                                                     altmodischen und
alle Briefe bei den Kindern und Jugendlichen      zusammenrücken.                               So heisst es im ersten Schreiben an die jungen         völlig analogen
ankommen. In diesem Moment bemerke ich,                                                         Menschen aus Wülflingen und Umgebung.
dass ich schon zum zweiten Mal an der glei-                                                     Über hundert Briefe sind es, die wöchentlich        Konzept treffen wir
chen Strassenecke vorbeifahre. Es ist doch
nicht so leicht, den Fahrradkurier in einem
                                               Ich starre auf das Mosaik im Bildschirm, be-
                                               stehend aus vier hellen Köpfen, die mir alle
                                                                                                zusammengestellt werden. Jeder Brief ent-
                                                                                                hält jeweils eine Geschichte, eine Bastel- und
                                                                                                                                                     den Nerv der Zeit.
fremden Quartier zu spielen.                   etwas ratlos erscheinen. Trotzdem sind nun       Kochidee, ein Rätsel und eine Spielidee, die
                                               Ideen gefragt an dieser ersten Onlinesitzung     aber dem jeweiligen Alter der Kinder und Ju-      Die Post aus Wülflingen geht nach sechs Brie-
Vier Wochen zuvor: Der Bundesrat verhängte     der Jugendarbeit in Wülflingen. Social Dis-      gendlichen angepasst sind. Uns ist es wichtig,    fen zu Ende. Was als spontaner Versuch be-
die Notlage und verkündete den Lockdown.       tancing ist Pflicht und doch müssen wir zu-      dass der Inhalt der Briefe nicht nur konsumiert   ginnt, mit den jungen Menschen der Gemein-
Wir erinnern uns wohl alle an den März des     sammenrücken. Welch ein Widerspruch und          wird, sondern dass er vor allem Kreatives und     de in Kontakt zu bleiben, entwickelt sich zu
letzten Jahres, als sich das Leben in weiten   was für eine Herkulesaufgabe! Gilt es doch,      Interaktionelles beinhaltet. So können uns die    einem erfolgreichen Projekt. Ein Projekt, das
Teilen des Okzidents grundlegend veränderte.   das Herzstück unserer Arbeit, nämlich den di-    Kinder beispielsweise Zeichnungen und Briefe      nur in der Gemeinschaft entstehen konnte.
                                               rekten und persönlichen Kontakt mit den Ju-      zukommen lassen, die dann an Senioren ge-         Allein deshalb erreichte es die Beweglichkeit,
                                               gendlichen, zu ersetzen. Verschiedene Ansät-     schickt werden – als kleiner Lichtblick, wenn     um in diesen Zeiten den Spagat zwischen
                                               ze werden diskutiert und wieder verworfen.       man zuhause bleiben soll. Die knapp zwei-         physischer Distanz und menschlicher Nähe
                                               Doch gemeinsam entsteht aus der Ratlosig-        hundert Kinder und Jugendliche bekommen           zu schaffen.
                                               keit ein Projekt, das stetig wächst und später   Handfestes und nicht noch mehr digitalen
                                               Früchte tragen wird.                             Überfluss. Ich, als Praktikant der Jugendar-      Janosch Keller
                                                                                                beit, werde zum Velokurier, der jeden Brief bei   Praktikant, Jugendarbeit Wülflingen
                                                                                                jedem Wetter austrägt. Mit diesem an und für
                                                                                                sich sehr altmodischen und völlig analogen
                                                                                                Konzept treffen wir den Nerv der Zeit. Kinder
                                                                                                schreiben uns zurück, Eltern rufen an, um uns
                                                                                                zu danken und auf den Rundgängen im öf-
                                                                                                fentlichen Raum treffen wir Jugendliche, die
                                                                                                sich schon freuen auf die nächste Jugi-Post.

                                                                                          16    17
Midnight Sport in Töss und Gutschick
Open Sunday in Töss, Gutschick und Sennhof

Offene Turnhallen
Das Jahr 2020 startete gut und wir hatten        Die Teams, bestehend aus ein bis zwei Pro-
bis zum 7. März 2020 Normalbetrieb. Danach       jektleitenden, einem Senior Coach und fünf
erreichte Covid-19 auch uns und wir waren        bis sieben Junior Coaches, rückten in dieser
gezwungen, die Türen zu schliessen. Was da-      Zeit näher zusammen und stellten sich fle-
nach kam, war stetiges Abtasten… Was dür-        xibel und zuverlässig den stetig wechseln-
fen wir? Wann dürfen wir, zu welchen Bedin-      den Arbeitsverhältnissen vor Ort: Altersbe-
gungen und für welche Zielgruppe dürfen wir      schränkung unter 16 Jahre, Durchsetzen der
aufmachen? Dies war dann Woche für Wo-           Maskentragepflicht, Hygienemassnahmen in
che unsere Herausforderung: Schutzkonzept        der Halle, fortlaufende Schutzkonzeptanpas-
überprüfen, überarbeiten, alle Junior Coaches    sungen und reduzierter Einlass von maximal
und Teilnehmende wieder neu instruieren...       vierzig Personen von Mai bis Juli.

                                                 Wegen der Pandemie mussten wir Speziale-
  Wir waren stetig                               vents, beispielsweise das Tössemer Fussball-

bemüht, den Kindern                              turnier, die Schulung der Junior Coach Teams
                                                 oder auch alle Teamanlässe, absagen oder
 und Jugendlichen                                verschieben. Dieses spezielle und anspruchs-
                                                 volle Jahr 2020 war deshalb sehr ruhig, die
  so viel Raum für                               Anzahl Teilnehmer und Teilnehmerinnen be-

    Bewegung,                                    stimmt durch die zahlenmässige Beschrän-
                                                 kung erlaubter Personen in der Halle und nicht
  Begegnung und                                  durch das Interesse der Teilnehmenden. Die

Sport zu bieten, wie                             Kinder und Jugendlichen, denen wir Einlass
                                                 gewähren konnten, freuten sich und schätz-
    wir durften.                                 ten es sehr, einen Platz zum Spielen und
                                                 Verweilen zu haben. So war die Stimmung
                                                 friedlich und es kam zu keinen nennenswer-
Wir, also die Projektleitenden, Senior Coa-      ten Zwischenfällen unter den Kindern und Ju-
ches und Junior Coaches, waren stetig be-        gendlichen.
müht, den Kindern und Jugendlichen so viel
Raum für Bewegung, Begegnung und Sport           Die Midnight- und Open-Sunday-Teams freu-
zu bieten, wie wir durften. Wir passten unsere   en sich auf die nächste hoffentlich unbe-
Schutzkonzepte immer wieder an und auch          schwerte Saison.
die Jüngsten oder die Rebellischsten unserer
Junior Coaches trugen konsequent und ohne        Besnik Karakushi
Murren Masken. So schafften wir es, trotz der    Midnight Sport Töss
beiden Lockdowns in Töss an 16 statt wie
normalerweise an 24 Abenden zu öffnen und
in Gutschick und in Sennhof an 15 statt 18
Nachmittagen oder Abenden.

                                                                                            18    Illustration:
                                                                                                  Coaches, Midnight Sports Töss
Jugendhaus Steinberggasse (Juhu)

«Wir sind nun alle Farbige»
«Was ist los? Wo sind die Jugendlichen?»           Wir hingegen setzten um, was uns der Juhu-        Wir hielten telefonischen Kontakt zu den Ju-    Kurz: Wie alle passten auch wir uns immer
Natürlich war es dem guten alten Juhu-             Geist in seiner Weisheit empfohlen hatte. Und     gendlichen. Fragten nach, wie es ihnen geht     wieder an, so gut es eben ging. Doch es gibt
Geist aufgefallen, dass seit Tagen was nicht       dies mit dem Ziel, möglichst den Kontakt mit      und ob sie Unterstützung bräuchten. Und im      nichts Schlimmeres als ein Jugendhaus ohne
stimmte. So lebt er doch seit über fünfzig         den Jugendlichen zu halten. Wir machten           Sinne des Juhu-Geistes passten wir auch un-     oder mit nur wenigen Jugendlichen. So möge
Jahren in den altehrwürdigen Mauern der            Rundgänge in der Innenstadt. So kam es, dass      sere Angebote an. So schufen wir «Büroplät-     doch der Berg bald wieder zum Propheten
Steinberggasse 31. Er war besorgt. Das merk-       wir in der Nähe des Bahnhofs eine kleine Grup-    ze». Dies im Wissen, dass nicht alle Jugend-    kommen.
ten wir an seiner Stimme. «Covid-19, lieber        pe Juhu-Stammgäste gemütlich beim Feier-          lichen zu Hause über eine gute technische
Juhu-Geist. Die Pandemie macht uns Men-            abendbier trafen. Sie sind alle in einer Lehre.   Infrastruktur für Homeoffice verfügen. Ein      Team
schen das Leben verdammt schwer im Mo-                                                               Jugendlicher nutzte das Angebot, um an den      Jugendhaus Winterthur
ment.» «Zum Glück bin ich kein Mensch.»                                                              Schulstunden der Berufsschule per Videochat
Falsche Antwort im falschen Moment. «Spar             «Mein Betrieb ist                              teilnehmen zu können. Er hatte im Juhu eine
dir bitte deine zynischen Bemerkungen. Hilf
uns lieber beim Nachdenken, was wir tun
                                                      geschlossen. Ich                               viel bessere Verbindung als zu Hause.

sollen», fordern wir ihn auf. «Kennt ihr Fran-       habe einen Tag pro                              Wir boten auf Wunsch Einzelgespräche an
cis Bacon?», fragt der Geist. Bacon? Speck?                                                          und konkrete Unterstützung, zum Beispiel
Grübeln im Team. «Er war ein englischer Jurist       Woche Schule über                               bei den Hausaufgaben. Und wir schufen eine
und Philosoph. Im Jahr 1625 schrieb er den
Essay ‹Of Boldness›.» Der Juhu-Geist macht
                                                     Videokonferenz.»                                «Jobbörse» für Arbeiten, die im Haus zu er-
                                                                                                     ledigen waren. Ein beliebtes Angebot, um sich
es immer gerne spannend. «Es ist wirklich                                                            ein Sackgeld zu verdienen.
nicht der geeignete Moment für so Spielchen,
lieber Geist.» «Gut, ich sage es euch, ich bin     Ahmed als Koch: «Mein Betrieb ist geschlos-
ja nett. Im Essay ist zu lesen: ‹If the mountain   sen. Ich habe einen Tag pro Woche Schule           Doch es gibt nichts
will not come to Mohammed, Mohammed will
go to the mountain›. Denkt darüber nach und
                                                   über Videokonferenz.» Valon hingegen arbei-
                                                   tet auf dem Bau. Er lernt den Beruf als Hei-
                                                                                                     Schlimmeres als ein
lasst den Kopf nicht hängen. Ich melde mich        zungsinstallateur: «Bei uns ist es gar nicht        Jugendhaus ohne
wieder.» Und weg war er.                           möglich, den Sicherheitsabstand einzuhal-
                                                   ten», beklagt er sich. Valon ist verunsichert.    oder mit nur wenigen
 «Kennt ihr Francis
                                                   Es steht in seinem Gesicht geschrieben. Si-
                                                   mon macht seine Lehre in einer Metallbear-
                                                                                                         Jugendlichen.
 Bacon?», fragt der                                beitungsfirma. Die ganze Belegschaft ist in
                                                   feste Teams eingeteilt worden, um die Kon-
Geist. Bacon? Speck?                               takte zu reduzieren. Und jede Gruppe ist mit
                                                   verschiedenfarbigen Badges versehen wor-
  Grübeln im Team.                                 den. «Alle dürfen nur mit Gleichfarbigen zu-
                                                   sammen sein, alle Andersfarbigen sind strikt
                                                   zu meiden», erzählt uns der junge Mann und
                                                   grinst breit über sein stark pigmentiertes Ge-
                                                   sicht. Lachend fügt er hinzu: «Wir sind jetzt
                                                   alle Farbige.»

                                                                                               20    21
Jugendtreff High Five Veltheim                                                                     Jugendarbeit St. Urban - Filmbrugg

Jugendarbeit im Gärtli                                                                             Hungrig nach Begegnung
Nach einer zweimonatigen Zwangspause            Besagtes Gärtli hat einiges zu bieten: Pizza-      Soll ein Feuerzeug, eine alte Fotokamera oder     Dass wir das Treffen per Zoom geplant hat-
durften wir im Juni endlich wieder analog und   Ofen, Grillstelle, Hängematte usw. Und zu un-      eine Sekte eine wichtige Rolle im Film spielen?   ten, bedauerte eine Mutter sehr. Sie fragte uns
live Jugendarbeit betreiben.                    serem Vorteil finden die Corona-Viren keine        Rund fünfzig Jugendliche und junge Erwach-        an, ob es nicht möglich wäre, in Kleingruppen
                                                guten Bedingungen, um sich zu verbreiten.          sene suchten in Gruppen je fünf Gegenstände       in separaten Räumen zusammenzukommen
                                                                                                   oder Personen, und dies waren die drei Favo-      und dann die Ergebnisse online zu teilen. Denn
       Durch einen                              So verbrachten wir die Sommersaison mit            riten, die nach der ersten Abstimmung vorne       die Jugendlichen seien sehr hungrig nach Be-

   glücklichen Zufall                           Meitli- und Ladiestreff die erste Zeit vor allem
                                                im Gärtli. Die Girls waren alle happy, dass sie
                                                                                                   lagen. Schlussendlich machte die alte Fotoka-
                                                                                                   mera das Rennen. Drei Filmteams begannen
                                                                                                                                                     gegnungen und lebhaftem Austausch. Doch
                                                                                                                                                     weil das erste Vorbereitungstreffen davon
   konnten wir in ein                           sich wieder treffen durften. Wir hatten auch       nun, den roten Faden ihrer Geschichte rund        lebt, dass sich Teilnehmende und Leitende
                                                immer etwas zu tun: Gärtnern, grillieren, spie-    um die alte Kamera zu spinnen. Eigentlich ein     mischen und gemeinsam die Weichen für die
     schönes Gärtli                             len, quatschen… Nach zwei Monaten ohne             ganz normaler Start für unser Videoprojekt        Drehbücher stellen, waren uns leider die Hän-

    direkt neben der                            Schule gab es für die Girls schliesslich auch
                                                einiges zu besprechen und aufzuarbeiten. Am
                                                                                                   Filmbrugg, doch etwas war anders: Alles ge-
                                                                                                   schah online.
                                                                                                                                                     de gebunden. Gruppen mit Teilnehmenden
                                                                                                                                                     über der Altersgrenze von fünfzehn Jahren
   Villa Erb auf dem                            Feuer mit Schlangenbrot kamen die Gesprä-                                                            liessen die damaligen Schutzmassnahmen

      Wolfensberg                               che immer schnell in Gang.
                                                                                                          Dass wir das
                                                                                                                                                     nicht zu.

      ausweichen.                               Das Gärtli entpuppte sich als super Ort, um
                                                                                                        Treffen per Zoom                             Die zum Teil im Wochentakt ändernden Re-
                                                wieder in die analoge Arbeit mit den Jugend-                                                         geln forderten eine hohe Flexibilität bei der
                                                lichen einzusteigen. Sogar nach den Herbstfe-            geplant hatten,                             Gestaltung der weiteren Anlässe und kurzfris-
Doch zu Beginn herrschte noch eine gewisse      rien konnten wir es noch ein bisschen nutzen,                                                        tiges Umorganisieren. Das Leitungsteam traf
Unsicherheit. Inwieweit sollten wir uns über-   da die Temperaturen ein Weilchen angenehm                bedauerte eine                              sich mehrmals mit unterschiedlichen Online-
haupt in Innenräumen aufhalten? Was wäre
ein geeigneter Ort, um wieder anzufangen?
                                                blieben.
                                                                                                          Mutter sehr.                               Tools. Den Regiekurs konnten wir dank einer
                                                                                                                                                     kleineren Gruppe und grösseren Räumen in
Durch einen glücklichen Zufall konnten wir in   Pamela Blöchliger                                                                                    Präsenz durchführen. Die Lockerung für das
ein schönes Gärtli direkt neben der Villa Erb   Jugendtreff High Five Veltheim                                                                       Alter bis zwanzig Jahre ermöglichte einen
auf dem Wolfensberg ausweichen.                                                                                                                      Filmabend zum Thema «alte Fotokamera»
                                                                                                                                                     mit Begegnungen vor Ort. Und am zweiten
Das Gärtli wird von der Kirchgemeinde ge-                                                                                                            Vorbereitungstreffen besprachen die drei
pachtet und durch eine Gruppe junger Er-                                                                                                             Filmteams in getrennten Räumen mit separa-
wachsener betrieben. Wir von der Jugendar-                                                                                                           ten Zugängen ihre Drehbücher und Kostüme.
beit dürfen es mitbenutzen, was sich immer                                                                                                           Doch die grosse Frage ist noch offen: Dür-
sehr unkompliziert gestaltet.                                                                                                                        fen wir über die Auffahrtsbrücke in Stäfa die
                                                                                                                                                     Dreharbeiten durchführen und übernachten?
                                                                                                                                                     Sind endlich wieder die intensiven Begegnun-
                                                                                                                                                     gen möglich, die ein Lager bietet? Falls nicht,
                                                                                                                                                     werden wir eine Lösung finden, die das Beste
                                                                                                                                                     aus der Situation macht. Es bleibt spannend
                                                                                                                                                     – im realen Leben wie auch im Film.

                                                                                                                                                     Armin Soliva
                                                                                                                                                     Jugendtreff Oase Seen

                                                                                             22    23
Jugendtreff Sternen Seen

Auf geänderte Bedürfnisse
schnell reagiert
Januar und Februar                                 Durchschnittlich          Herbst – Zwischenzeitlicher                             Die Stimmung
Ja, es gab auch im Jahr 2020 Zeiten, in de-                                  Normalbetrieb nach erstem Lockdown
nen wir noch nichts von Corona wussten. In          besuchten über           Ziemlich rasch lief der Betrieb nach dem Lock-        kippte an einigen
den ersten zweieinhalb Monaten wies noch
nicht viel auf die kommenden ausserordentli-
                                                  vierzig Jugendliche        down und den schrittweisen Öffnungen im
                                                                             Frühling wieder zum gewohnten Szenario an.
                                                                                                                                       Tagen von
chen Herausforderungen hin. Durchschnittlich       den Jugendtreff           Erfreulich war, dass sich unsere Besuchenden          ausgelassen und
besuchten über vierzig Jugendliche den Ju-
gendtreff – der Sternen pulsierte, und wie! Die
                                                     – der Sternen           vielfältig zusammensetzten. Von ganz klein
                                                                             (frühes Primarschulalter) bis zu den Älteren
                                                                                                                                   fröhlich zu hitzig
zeigte sich nicht nur an den hohen Besucher-      pulsierte, und wie!        (Berufslehre) suchte uns eine durchmischte             und überdreht.
zahlen, sondern auch in der Besuchsintensität                                Gruppe von Mädchen und Jungen auf. Die
und in den Ansprüchen der Jugendlichen an                                    Jugendlichen zeigten sich sehr erfreut, dass
den Treff. Wir kochten, backten und assen mit                                mit der Offenen Jugendarbeit ein Angebot          Im Verlaufe des Herbsts nahm diese Intensi-
den Jugendlichen Mittag- und Abendessen                                      besteht, welches sie trotz der vielen Ein-        tät zu. Die Stimmung kippte an einigen Tagen
und führten Mittwochnachmittag-Program-                                      schränkungen doch noch nutzen dürfen. Das         von ausgelassen und fröhlich zu hitzig und
me durch. Die Jugendlichen sprachen mit uns                                  führte zu einem vollen, teils übervollen Treff.   überdreht. Intervenieren ist in solchen Situa-
über ihre Probleme, ihre Wünsche an den Ju-                                  Die Lebendigkeit forderte uns als Team na-        tionen nicht ganz einfach: Auf der einen Seite
gendtreff, ihre Vorstellungen. Sie vertrauten                                türlich auch heraus. So zeigt sich bald nach      wollen wir den Freiraum bieten, der Jugend-
sich uns an und wir konnten mit ihnen Lösun-                                 Wiederaufnahme des Normalbetriebs, dass           liche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung för-
gen suchen, sie in Konflikten unterstützen,                                  vor allem die Freitagabende nicht mehr allei-     dert und wir freuen uns, wenn Jugendliche
indem wir vermittelten. Auch einige Projekte                                 ne zu stemmen sind.                               gemeinsam tanzen, rappen, ihre Zeit verbrin-
waren in Planung.                                                                                                              gen. Dass dabei Reibung und Spannung ent-
                                                                                                                               steht, ist normal und gut so. Auf der anderen
Nur – wie wir alle wissen – sollte es anders                                                                                   Seite ist es unsere Aufgabe, dysfunktionales
kommen als geplant. Aber Offene Jugendar-                                                                                      Verhalten von eben diesen natürlichen Aus-
beit zeichnet sich aus durch Flexibilität und                                                                                  einandersetzungen zu trennen. So mussten
die Fähigkeit, auf besondere Ereignisse und                                                                                    wir immer öfters eingreifen, indem wir Ju-
ändernde Bedürfnisse schnell zu reagieren.                                                                                     gendliche voneinander trennten, Treffverbote
                                                                                                                               verhängten und notfalls sogar die Polizei ein-
                                                                                                                               schalteten. Denn zu den harmlosen Neckerei-
                                                                                                                               en kamen leider auch unerwünschte Handlun-
                                                                                                                               gen wie Gewalt gegen Mensch und Mobiliar,
                                                                                                                               Littering, Mobbing, Alkohol- oder Drogenkon-
                                                                                                                               sum. Ob diese Geister im Zusammenhang
                                                                                                                               mit Covid-19 geweckt wurden, ist schwer zu
                                                                                                                               sagen. Was wir aber aus der Perspektive des
                                                                                                                               Jugendtreffs feststellen konnten: Die Stim-
                                                                                                                               mung unter den Jugendlichen ist ausser-
                                                                                                                               gewöhnlich angespannt.

                                                                                                                               Manuel Reutimann
                                                                                                                               Jugendtreff Sternen Seen

                                                                        24   25
Mädchenangebot Jugendtreff Töss

Töss tanzt weiter
Nach dem ersten Lockdown im März 2020             Der geschützte Rahmen dieses reinen Mäd-
lagen alle Kinder- und Jugendangebote auf         chenangebots unterstützt Mädchen und
Eis. Im Mai 2020 hielten wir dies in Töss nicht   junge Frauen in ihrer Einzigartigkeit und gibt
mehr aus. Glücklicherweise konnte das Tanz/       der Tanz- und Bewegungspädagogin Maria
Yoga/Hip-Hop-Angebot für Mädchen sehr             Rommel die Möglichkeit, mädchen- und frau-
schnell wieder aufgenommen und fast wie           enspezifische Themen aufzugreifen. In einer
gewohnt weitergeführt werden. Da der Ju-          lockeren freudigen Atmosphäre entstehen
gendtreff Töss genug gross ist und über viele     tragende und vertrauensvolle Verbindungen
Räume verfügt, konnten im Tanztraining die        unter den Mädchen und zur Tanzlehrerin, die
Covid-Massnahmen mit der Abstandsrege-            auch im gemischten Jugendtreff arbeitet.
lung eingehalten und pflichtbewusst umge-
setzt werden. Die Mädchen füllten statt des
Tanzraums einfach alle Räume mit Tanz, Be-           Tanzend in allen
wegung und Lebensfreude. Herzlichen Dank
an die Kirchenpflege der Reformierten Kirche
                                                       Jugi-Räumen
Töss, die ihnen das ermöglich hat.                 hielten sich die Girls
Damit das Training auf allen Ebenen seine             fit, stärkten ihr
Wirkung entfalten kann, muss es regelmä-
                                                    Immunsystem und

                                                                                                    Druck: mattenbach.ch
ssig stattfinden. Die Mädchen müssen weder
dafür bezahlen noch irgendwelche anderen             Selbstvertrauen,
Aufnahmebedingungen oder Verpflichtungen
erfüllen. Jede Woche heisst es «Hereinspa-
                                                   fanden Halt und ein
ziert!» für alle Tössemer Girls zwischen acht           offenes Ohr.
und vierzehn Jahren. Nach einem Warm-up
mit Yogaübungen und Stretching können sie
sich mit Krafttraining richtig auspowern, da-     Vor allem in dieser unsicheren und chaoti-
nach folgt das Tanzen als Kernelement. Die        schen Zeit war diese Oase aus Bewegung

                                                                                                    Gestaltung: resortstudio.ch
Mädchen lernen Hip-Hop-Moves, Freestyle           und Begegnung, diese Mischung aus Spass
und Streetdance, kreieren mit oder ohne           und Vertrauen der beste Weg, die Mädchen
Unterstützungen spielerisch und ohne Leis-        in Töss zu begleiten. Tanzend in allen Jugi-
tungsdruck ihre eigenen Choreografien und         Räumen hielten sich die Girls fit, stärkten ihr
bekommen den Raum, um sie zu präsentieren.        Immunsystem und Selbstvertrauen, fanden
                                                  Halt und ein offenes Ohr. Unser Schutzkon-
                                                  zept beinhaltet eben nicht nur Distanz, Mas-
                                                  ken, Tracinglisten und Hygiene, sondern auch
                                                  die erweiterten Coronaregeln wie soziale
                                                  Kontakte, Sorgfalt füreinander, Lebensfreun-
                                                  de und Humor.
                                                                                                    © OJA Winterthur

                                                  Christian Rigling
                                                  Jugendtreff Töss

                                                                                              26
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