Fokus Freizeitverkehr - VCÖ
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mit mehr als 6 Millionen Euro dotiert; das bmvit fördert das Grazer Projekt KombiMo II mit 2,3 Millionen Euro.Mobilität mit Zukunft 2/2016 Fokus Freizeitverkehr 3
Dank Impressum
VCÖ Als Hauptautor zu zitieren:
Publikationen des VCÖ dienen der fachlich
1050 Wien VCÖ, Wien, Österreich
fundierten Aufbereitung beziehungsweise Bräuhausgasse 7–9
Diskussion von Themen aus dem B ereich T +43-(0)1-893 26 97 Medieninhaber, Herausgeber
Mobilität, Transport und Verkehr. Die Art der E vcoe@vcoe.at und Verleger:
www.vcoe.at VCÖ, 1050 Wien
Behandlung der Inhalte und die e rarbeiteten
ZVR-Zahl 674059554
Ergebnisse müssen nicht mit der M einung der VCÖ (Hrsg.):
unterstützenden Institutionen und Personen „Fokus Freizeitverkehr“ Titelbild:
übereinstimmen. VCÖ-Schriftenreihe Projektblatt/Angela Batik
„Mobilität mit Zukunft“ Lektorat:
2/2016 Verena Ahne, Karl Regner
Gedankt sei allen, die die Herausgabe dieser Wien 2016 Übersetzung:
Publikation finanziell unterstützt h
aben. ISBN 3-901204-89-X Sylvi Rennert
Layout:
A BISS Z PRODUCTIONS
Druck:
Donau Forum Druck
Walter-Jurmann-Gasse 9,
1230 Wien
Erstellt unter
Mitarbeit von:
Yvonne
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Vorwort
Wir haben viel frei verfügbare Zeit gewonnen in den letzten Jahr-
zehnten. Die Tages- und Wochenarbeitszeit ist durchschnittlich
gesunken. Doch viel von dem, was wir außerhalb der Arbeits-
oder Ausbildungszeit machen, ist nicht Freizeitaktivität. Denn die
Versorgung von Verwandten oder der Einkauf des täglichen Be-
darfs, die Arztbesuche oder Hol- und Bring-Dienste werden nicht
dadurch zur Freizeit, dass sie nicht bezahlt sind.
Allerdings haben die Möglichkeiten für echte Freizeitaktivitä-
ten, die der Unterhaltung und Entspannung dienen, enorm zu-
genommen. Und diese Aktivitäten verursachen Wege. Bereits ein
Viertel der alltäglichen Wege dient diesen Freizeitaktivitäten und
in vielen Fällen wird dafür das Auto benützt. Damit werden un-
sere Freizeitwege zur echten Herausforderung bei der Erreichung
der im Vertrag von Paris vereinbarten Klimaschutzziele.
Doch unzählige positive Beispiele zeigen, wie Freizeitwege
auch klimafreundlich, umweltschonend und gesundheitsfördernd
zurückgelegt werden können. Selbst Großveranstaltungen des
Sports und der Kultur werden zunehmend umweltfreundlich
organisiert – auch bei der An- und Abreise. Auch im Kleinen wie
etwa bei Gastronomie-Betrieben wird sichtbar, dass mit einfachen
Mitteln wie wettergeschützten Fahrradabstellmöglichkeiten oder
einer gehfreundlichen Straßenraumgestaltung dem veränderten
Bewusstsein der Kundinnen und Kunden entsprochen wird.
Obwohl jährlich Millionen von Besucherinnen und Besuchern
Milliarden von Kilometern zu Freizeitzielen zurücklegen, ist die
Freizeitmobilität noch Stiefkind verkehrspolitischer und verkehrs
planerischer Prozesse. Differenzierte Daten über das Mobilitäts-
verhalten der Bevölkerung in deren Freizeit sind rar, systematische
Erhebungen existieren gar nicht. Es wird Zeit, dass öffentliche
Stellen das Schließen dieser Datenlücke vorantreiben. Das kann
damit beginnen, dass Verkehrserreger wie Einkaufszentren oder
Veranstaltungszentren dazu verpflichtet werden, das An- und Ab-
reiseverhalten ihrer Kundinnen und Kunden zu erheben und in
Richtung einer klimaschonenden Mobilität zu steuern. Nur durch
solche oder ähnliche Maßnahmen wird es gelingen, den ökologi-
schen Fußabdruck des Freizeitverkehrs im Sinn der Klimaschutz-
ziele Österreichs zu vermindern. Die VCÖ-Publikation „Fokus
Freizeitverkehr“ bietet vielfältige Ansatzpunkte dazu.
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Inhaltsverzeichnis
Freizeitaktivitäten verursachen viel
Verkehrsaufwand 11
Schnell, bequem und flexibel zum Freizeitziel 15
Freizeit-Mobilitätsangebote an unterschiedliche
Bedürfnisse anpassen 18
Bewegungsaktive Erreichbarkeit von Sportstätten
ermöglichen 22
Umweltfreundliche Anreise zu Großveranstaltungen 24
Erreichbarkeit von Zielen in der Natur und
von Sehenswürdigkeiten 27
Erreichbarkeit von Gastronomie und
Unterhaltungseinrichtungen 30
Literatur, Quellen, Anmerkungen 32
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nung: über ein Drittel der beim Bremsen anfallenden worauf es ankommt.
siemens.at/gemeinsamFoto: Missoni-Steinbacher Fokus Freizeitverkehr 11
Freizeitaktivitäten verursachen
viel Verkehrsaufwand
In Österreich werden die meisten Freizeitwege mit dem Auto zurück-
gelegt. Angesichts gestiegener Wahlmöglichkeiten der Freizeitgestaltung,
flexibler Arbeitsformen und mehr älterer Menschen mit viel Freizeit ist
der Freizeitverkehr eine besondere Herausforderung für ein erdölfreies
Verkehrssystem.
Der ökonomische und gesellschaftliche Wandel Mit der infrastrukturellen Erschließung von
der vergangenen Jahrzehnte hat auch bei der Tourismuszielen wurden vielerorts auch die ver-
Freizeitmobilität zu deutlichen Veränderungen kehrstechnischen Voraussetzungen für Ausflüge
geführt. Ein Faktor ist die Verkürzung der durch- in der Freizeit geschaffen – großteils für den
schnittlichen Tages- und Wochenarbeitszeit. Seit Kfz-Verkehr, wodurch weite Distanzen auch nur
den 1970er-Jahren steigerte sich die werktägliche innerhalb eines Tages und über Staatsgrenzen
Freizeit von 1,5 auf 4,1 Stunden, die Wochen- hinweg zurückgelegt werden.
endfreizeit von 1,5 auf zwei Tage. Einkommens- Ebenso hat sich in den letzten Jahren das Ver-
steigerungen und die zunehmende Verbreitung hältnis von festgelegten Zeiten für Arbeit und
des Autos seit den 1970er-Jahren führten zu einer Freizeit dramatisch verändert. Flexible Arbeitsver-
Zunahme der zurückgelegten Kilometer, insbe- hältnisse wie Selbstständigkeit oder A
rbeiten von
sondere im Freizeit- und Urlaubsverkehr.28,30 zu Hause werden immer häufiger. 56
Der Pkw-Verkehr
Hoher Pkw-Anteil bei Freizeit- und Versorgungswegen dominiert bei den Frei-
zeit- und Versorgungs-
wegen in Österreich mit
Quelle: Herry/Land Vorarlberg 201466, Land Tirol 201278, Herry/Land Salzburg
Rad Sonstiges*
Ausnahme von Wien. In
100 1 2 1 2 1 2 2 2 Wien werden mehr als
23 23 26 drei Viertel der Freizeit-
Anteil der Wege in Prozent
80 44 wege mit öffentlichen
49 62 57 49 Verkehrsmitteln, zu Fuß
62 50 61 81 58 64 20
60 67 78 43 oder mit dem Rad zu-
9 6 rückgelegt.
201465, Stadt Wien 201564 Grafik: VCÖ 2016
7 6 46
40 16 2 4 7 4 21
22 6 11 3
11 10 9 12 12 12 5 4
15 1 1 31 51
20
31 25 31 24 8 7 10 5
22 16 23 24 23 26
14 11 12 14
0
Frei- Ein- Erledi- Holen/ Frei- Ein- Erledi- Holen/ Frei- Ein- Erledi- Holen/ Frei- Ein- Erledi- Holen/
zeit kauf gung Bringen zeit kauf gung Bringen zeit kauf gung Bringen zeit kauf gung Bringen
Vorarlberg 2013 Tirol 2011 Salzburg 2012 Wien 2010–2014
* Moped, Motorrad, Taxis12 Fokus Freizeitverkehr Mobilität mit Zukunft 2/2016
Unterschiedlichste Wegzwecke geprägt. Viele Menschen möchten sich in der
Bei Wegzwecken kann zwischen Berufsverkehr, Freizeit verwirklichen. Deswegen ist Freizeitver-
Ausbildungsverkehr, Versorgungs- und Erledi- kehr einerseits sehr wichtig und andererseits sehr
gungswegen, touristischen Wegen und Freizeit- schwer zu steuern.54 Zu den Freizeitwegen, die
verkehr unterschieden werden. der Erholung, Entspannung oder Zerstreuung
Versorgungswege finden in der Freizeit statt, dienen, zählen etwa:
dienen aber nicht der Erholung. Dazu zählen • Wege zu öffentlichen Freizeiteinrichtungen
etwa Wege zum Einkaufen für den täglichen wie Schwimmbädern, Spielplätzen, Fitness
Bedarf, Behördenwege, Arztbesuche, private centern oder Sportanlagen, Theater- oder
(Kranken-)Pflege sowie Hol- und Bring-Dienste. Kinobesuche, Spazieren gehen, Besuche
Diese Wege dienen der erforderlichen Erfüllung von Sportveranstaltungen, Museen oder
von Bedürfnissen und können aus der Funktions- Restaurant- und Gastronomiebesuche
verteilung im Raum und der sozialen Situation • Ausflugswege wie Fahrten zu Sehenswürdig-
der Akteurinnen und Akteure einfach abgeleitet keiten, Wanderungen oder Radausflüge
werden.54 • Shopping als Freizeitbeschäftigung im Un-
Freizeitwege hingegen dienen der Erfüllung terschied zum Einkaufen für den täglichen
von Wünschen und sind räumlich dispers, Bedarf. Dazu zählen auch Fahrten in Ein-
Die Freizeitmobilität für
Erholung, Entspannung zeitlich diskontinuierlich und hinsichtlich der kaufszentren für sonstige Einkäufe oder – zu-
und Vergnügen macht Ursachen stark an Motive, Wünsche und Le- meist organisierte – Einkaufsfahrten („Werbe
schon heute einen rele-
vanten Teil der Alltags- bensstile gebunden. Freizeitwege sind teilweise fahrten“). In dieser Kategorie steht der Er-
mobilität aus. von spontanen und irrationalen Entscheidungen lebniswert des Einkaufens, oft sogar rein der
Zeitvertreib, im Vordergrund.
Verkehrsfaktor Freizeit • Besuche bei Verwandten oder im Freundes-
kreis
Wien* Niederösterreich**
• Wege, die nur dem „Herumfahren zum
2 9 44 22 Spaß“ dienen
3 7 5 11
37 7 11 • Wege in Zusammenhang mit unbezahlter
8 3 Arbeit wie Aktivitäten in einem Verein,
17
in Prozent
6 ehrenamtliche und freiwillige Arbeit71
9 24 17 Tourismusmobilität wird nicht zur Freizeit
8 mobilität gerechnet. Zu Urlaubswegen werden
9 17 9 10 Freizeitwege dann, wenn sie sich über mehrere
Tage erstrecken und mindestens eine Übernach-
Freizeitwege (W, NÖ) Versorgungswege (W, NÖ) Arbeits-/Ausbildungswege (W, NÖ)
Restaurant, Kultur Einkauf Arbeit
tung außerhalb des Wohnorts beinhalten.
Sport (aktive Bewegung) private Erledigungen geschäftlich Nicht immer lassen sich Wegzwecke eindeutig
Sonstige Bringen/Holen von Ausbildung/Schule kategorisieren, da häufig mehrere Wegmotive
Spaziergang/-fahrt Personen Sonstige
private Besuche kombiniert werden, etwa wenn die Heimreise
Tirol** Vorarlberg** vom Ausflug auch zum Einkaufen genutzt wird.
23
Quelle: Herry 201167, Omnitrend 201464, Herry 201366, Tirol 201278 Grafik: VCÖ 2016
6 7 13 16 Freizeitaktivitäten und Kilometeraufwand
30 6 Der aktivitätsspezifische Kilometeraufwand ein-
7
in Prozent
zelner Freizeitaktivitäten ergibt sich, wenn die
in Prozent
20
relative Häufigkeit der einzelnen Aktivitäten mit
28 13
der durchschnittlichen Weglänge in Kilometer
7 21
9 11 multipliziert wird.46 Private Besuche haben einen
6 Anteil von rund 32 Prozent an den Freizeitwe-
Freizeitwege (T, V) gen, ihr Kilometeraufwand liegt bei rund 43
Freizeit private Besuche Prozent. Sportveranstaltungen verzeichnen einen
Versorgungswege (T, V) Anteil von drei Prozent und einen Kilometer-
Einkauf private Erledigungen Bringen/Holen von Personen
aufwand von vier Prozent. Gastronomiebesuche
Arbeits-/Ausbildungswege (T, V)
Arbeit geschäftlich Ausbildung/Schule
Verkehrsaufkommen: * Montag bis Sonntag; ** Werktag (Montag bis Freitag)Mobilität mit Zukunft 2/2016 Fokus Freizeitverkehr 13
machen elf Prozent der Wege aus, der Kilometer Allein Vorarlbergs Be-
aufwand liegt aber nur bei fünf Prozent, bei Viel Freizeitverkehr völkerung legt pro Jahr
mehr als 1,3 Milliarden
Spaziergängen sind es 13 Prozent der Wege Freizeitverkehr pro Jahr in pro Per- Kilometer im Freizeitver-
beziehungsweise drei Prozent der Kilometer. Um- kehr zurück. In Öster-
Vorarlberg son/Jahr
reich sind es mehr als
gekehrt ist das Verhältnis bei Tagesausflügen. Sie Anzahl Wege 115,7 Millionen 330 25 Milliarden Kilometer.
machen nur etwa drei Prozent der Wege aus, ver- Kilometer 1,3 Milliarden 3.730
ursachen aber neun Prozent der Kilometer.46
CO2-Emissionen 171.000 Tonnen 490 kg
Quelle: Herry 201466, eigene Berechnungen VCÖ 2016 Grafik: VCÖ 2016
Aufgrund des relativ am Freizeitwegeanteil
gemessenen hohen Kilometeraufwands liegt der Anteil der Verkehrsmittel
Schwerpunkt dieser Publikation auf Ausflügen, an den zurückgelegten Kilometern
Veranstaltungen sowie sportlichen und kulturel-
len Aktivitäten.46
sehr gut 9
Viele Freizeitwege mit dem Auto
15
Im Jahr 1995 wurden in Österreich 49 Prozent
der Freizeit- und Versorgungswege mit dem Pkw 76
gefahren. Der Öffentliche Verkehr hatte einen
Anteil von 12 Prozent. Insgesamt hatte im Jahr
1995 der Freizeitverkehr an Werktagen in Öster-
reich einen Anteil von 21 Prozent, Versorgungs- Bring-Dienste 7 Kilometer aus. An Sonntagen ist
wege beliefen sich auf 30 Prozent. Diverse Mobi die durchschnittliche Weglänge für Freizeitwege
litätserhebungen aus Österreich seit dem Jahr mit 13 Kilometern etwas länger als an Werk
2008 zeigen in der Freizeitmobilität einen Trend tagen.5
hin zum Auto.5,65,66,77 In Vorarlberg zeigt sich bei der Wegdauer, dass
werktags dienstliche Wege und Freizeitwege mit
Freizeitverkehr heute einer durchschnittlichen Dauer von 29 bezie-
Für einzelne Bundesländer Österreichs liegen hungsweise 26 Minuten hervorstechen. Hol- und
aus Mobilitätserhebungen punktuell Daten zum Bring-Wege sowie Einkaufswege verzeichnen eine
Thema Freizeitmobilität vor. In Niederösterreich durchschnittliche Dauer von je 14 Minuten pro
werden unabhängig vom Verkehrsmittel 42 Pro- Weg. Das Einkaufen und das Holen und Bringen
zent aller an einem Werktag unternommenen von Personen, vorwiegend Kindern, erfolgt also
Wege im Berufspendelverkehr, zu dienstlichen im näheren Umfeld. An einem Sonntag beträgt
Zwecken und zur Ausbildung zurückgelegt. die durchschnittliche Wegdauer 33 Minuten und
Versorgungswege für private Erledigungen, Ein- ist wesentlich länger als am Werktag (21 Minu-
kaufen sowie Hol-, Bring- und Begleitwege sind ten). Sonntags werden weniger kurze Wege bis 10 Der Anteil der Freizeit-
wege ist am Sonntag
mit einem Anteil von rund 36 Prozent ebenfalls Minuten zurückgelegt (33 Prozent am Sonntag
dreieinhalbmal so hoch
eine bedeutende Wegzweckgruppe. Die rest im Vergleich zu 42 Prozent am Werktag).66 wie an Werktagen.
lichen werktäglichen Wege sind Freizeitwege mit
einem Anteil von 22 Prozent. Am Sonntag ist Am Sonntag dominieren Freizeitwege
der Anteil der Freizeitwege mit rund 75 Prozent
Freizeit (Erholung) Versorgungswege (private Erledigung, Einkauf, Hol-/Bringwege)
mehr als dreimal so hoch.5 In Wien entfällt der Ausbildung/Schule geschäftlich Arbeit
Quelle: Herry 201466, Land NÖ 20085, bmvit 201529 Grafik: VCÖ 2016
größte Anteil der Wege auf Freizeitwege mit 37 100 5 1 41 16 1
1 1 27
Prozent, gefolgt von Versorgungswegen mit 34 25 28 14 24 1
Anteil der Wege in Prozent
80 22 15
Prozent und schließlich Wegen zu Arbeits- und 5 47 6 7
9 13 11
Ausbildungszwecken mit einem Anteil von 27 60
78 75
Prozent.64 Freizeitwege haben in Niederösterreich 40 39 72 36
30
werktags eine durchschnittliche Länge von 12 46
Kilometern, Einkaufswege von 8 Kilometern, 20
22 23 22
Wege für private Erledigungen machen durch- 0
Werk- Sams- Sonn- Werk- Sonn- Werk- Sonn-
schnittlich 11 Kilometer und Wege für Hol- und tag tag tag tag ohne tag tag ohne tag
Samstag Samstag
Ostregion (Wien, Teile von Vorarlberg Niederösterreich
Niederösterreich und Burgenland)14 Fokus Freizeitverkehr Mobilität mit Zukunft 2/2016
Wege mit einer Gesamtlänge von 2,25 Millionen
Freizeitwege werden umweltfreundlich Kilometer für Freizeitzwecke zurück. Rund drei
zurückgelegt Viertel dieser Distanzen werden mit dem Pkw
zurückgelegt, rund ein Viertel mit dem Öffent
Quelle: Herry/Land Vorarlberg 201466, Land Tirol 201278, Herry/Land
Rad Sonstiges
lichen Verkehr, zu Fuß oder mit dem Rad. Dabei
100 2 2 werden 270 Tonnen CO2 verursacht. Sonntags
23
Salzburg 201465, Stadt Wien 201564 Grafik: VCÖ 2015
30
Anteil der Wege in Prozent
80 62 44 50 werden etwa doppelt so viele Freizeitfahrten
59 durchgeführt wie an Werktagen. Deutlich län-
60
9 51 43 ger als an Werktagen sind die Distanzen. Am
6
40 16 11 Sonntag legt Vorarlbergs Bevölkerung im Schnitt
14 14 3
mehr als 10 Millionen Kilometer für ihre Frei-
20 16 31 13 10
31 31 zeitwege zurück, davon fast 80 Prozent mit dem
8 12 9
0
Arbeit Freizeit Arbeit Freizeit Arbeit Freizeit Auto. Insgesamt verursacht die Freizeitmobilität
Vorarlberg 2013 Tirol 2011 Wien 2010–2014 der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger rund
171.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Auf Basis der
Während Arbeitswege Schweiz: leichter Rückgang der Tagesdistanzen Daten von Vorarlberg ist davon auszugehen, dass
außer in Wien großteils
per Pkw zurückgelegt
seit dem Jahr 1994 Österreichs Bevölkerung mehr als 25 Milliarden
werden, dominieren bei In der Schweiz lässt sich zwischen den Jah- Kilometer pro Jahr zurücklegt, um Freizeitziele
Freizeitwegen umwelt- ren 1984 und 1994 ein deutlicher Anstieg der zu erreichen. Dabei werden mehr als 3,5 Millio-
freundliche Verkehrs-
mittel. Tagesdistanzen im Freizeitverkehri von durch- nen Tonnen klimaschädliches CO2 verursacht.66
schnittlich 12 auf 17 Kilometer erkennen. Bis
zum Jahr 2005 folgte eine Stagnation, danach Informationslücken schließen
sanken die Distanzen auf 15 Kilometer im Jahr Zum Thema Freizeitmobilität ist trotz des hohen
2010.16 Der Anteil von Bahn, Bus und Straßen- Anteils am Gesamtverkehrsaufwand die Datenba-
bahn an den Freizeitwegen war im Jahr 2010 mit sis dünn. Vollständige Zeitreihen und Vergleiche
insgesamt knapp 11 Prozent eher gering. Der sind oftmals nicht möglich. Insbesondere zu Mo-
Anteil beim Arbeitsverkehr lag im Jahr 2008 bei- tiven und Wünschen hinter der Freizeitmobilität
spielsweise bei fast 18 Prozent.5 In Deutschland liegen wenige aktuelle Ergebnisse vor. Es besteht
wurden im Jahr 2008 durchschnittlich 91 Millio Forschungsbedarf beim Thema Freizeitmobilität,
nen Freizeitwege pro Tag mit einer Gesamtlänge um vorhandene Lücken zu schließen und punkt-
von 1,3 Milliarden Personenkilometern, also genaue Maßnahmen für eine gesundheitsfördern-
einer durchschnittlichen Weglänge von etwa 14 de und klimaschonende Mobilität im Freizeitbe-
Kilometern, zurückgelegt.49 reich planen und umsetzen zu können.
Der Anteil der Frei- Klimabelastung durch Freizeitverkehr hoch
zeitwege hat in den
An einem durchschnittlichen Werktag legen die
Freizeitmobilität ist eine klima
vergangenen 20 Jahren
deutlich zugenommen. Vorarlbergerinnen und Vorarlberger fast 260.000 politische Herausforderung
• Das sich verändernde Freizeitverhalten sowie gesell-
Freizeitwege in Österreich nehmen zu schaftliche, technische und wirtschaftliche Entwick-
Vorarlberg Niederösterreich lungen führten in den vergangenen Jahren zu einem
Trend 1995 2013 Trend 1995* 2008 Anstieg der Freizeitmobilität.
Quelle: bmvit 200227, Herry/Land Vorarlberg 201466, Land NÖ 20085
• Freizeitmobilität und Versorgungswege machen be-
Freizeit & 19 23 & 18 22
reits jeweils etwa ein Drittel der täglichen Wege aus.
Einkauf/Erledigungen = 24 24 ( 30 27
• In Österreichs Bundesländern Tirol, Vorarlberg und
Arbeit = 28 28 ( 25 24 Niederösterreich beträgt der Anteil der Wege für
geschäftlich ( 7 6 ( 8 7 Freizeit im Sinne von Erholung und Zerstreuung an
Ausbildung/Schule ( 18 13 ( 15 11 Werktagen zwischen 22 und 30 Prozent.
Bringen/Holen von – 6 – 9 • Bei Ausflugszielen, Einkaufszentren und sonstigen
Personen großen Verkehrserregern braucht es verpflichtende
Tabelle: VCÖ 2016
Sonstige 4 0 ( 3 0 Mobilitätskonzepte, um darauf ein Mobilitätsmanage-
ment aufzubauen. Bislang wird kaum erhoben, wie
Anzahl der Wegzwecke in Prozent
* Aufgrund von Rundungsdifferenzen ergibt die Summe nicht genau 100 Prozent. Besucherinnen und Besucher anreisen.Fokus Freizeitverkehr 15
Foto: Michiel Slütter/Fieserbong
Schnell, bequem und flexibel
zum Freizeitziel
Neben der Reisezeit sind Bequemlichkeit und Flexibilität während
des Weges wichtige Kriterien für die Verkehrsmittelwahl im Bereich
Freizeitmobilität. Bei vielen Freizeitzielen gibt es noch wenige
Alternativen zum Pkw oder es wird zu wenig darüber informiert.
Innerhalb von Städten ist die Erreichbarkeit Gründe für die Verkehrsmittelwahl
der Freizeitziele mittels Öffentlichem Verkehr, In der Schweiz sind die wichtigsten Gründe
mit dem Fahrrad oder zu Fuß großteils gut, in für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im
ländlichen Regionen hingegen gibt es große Un- Freizeitverkehr mangelnde Alternativen, das An-
terschiede zwischen einzelnen Zielen. Die Wahl gebot des Öffentlichen Verkehrs an sich oder die
des Freizeitziels und die Wahl des Verkehrsmittels Verfügbarkeit einer Zeitkarte des Öffentlichen
sind abhängig voneinander und werden sowohl Verkehrs. Wird das Rad oder Gehen als Anreise-
von der Verfügbarkeit attraktiver Freizeitangebote option gewählt, sind die wichtigsten Gründe das
am Zielort als auch vom Vorhandensein von Ver- Ausüben einer sportlichen Aktivität, die Distanz
kehrsangeboten wie Öffentlicher Verkehr, Leihrä- sowie Gesundheitsaspekte.18
dern oder Taxis beeinflusst.
Die jährlichen Ausgaben
Zentral für die Benützung öffentlicher Ver- Tarifangebote machen Öffi-Nutzung attraktiv inländischer Tagesgäste
kehrsmittel zu Freizeitzielen sind die Anzahl der Für Jugendliche sind Schul- und Jugendtickets sind preisbereinigt in
den Jahren 2000 bis
Verbindungen und möglichst lange Betriebszeiten Anreiz zur Nutzung des Öffentlichen Verkehrs 2014 um drei Viertel
am Abend und am Wochenende. Ebenso sind für die Freizeitmobilität, wie beispielsweise das gestiegen.
Zugänglichkeit und Einfachheit für die Nutzung
des Öffentlichen Verkehrs wichtig. So werden Ausgaben der Tagesgäste steigen an
Direktverbindungen gegenüber Umsteigerela- Ausgaben inländischer Tagesgäste
tionen bevorzugt.71 Während das Umsteigen Ausgaben ausländischer Tagesgäste
7
innerhalb des Bahnnetzes meist unproblema-
Quelle: Statistik Austria 2016133, WIFO 2013160
tisch ist, wird ein Wechsel zwischen Bahn und 6
preisbereinigt (Basis 2014)
in Milliarden Euro,
Bus zur Barriere. Das beginnt oft schon bei der 5
Information, wenn etwa in Busfahrplänen Bahn- 4
anschlusszeiten fehlen, selbst wenn Buslinien 3
Bahnhöfe mitbedienen.71 2
Grafik: VCÖ 2016
1
0
2000 2005 2010 201416 Fokus Freizeitverkehr Mobilität mit Freizeitmobilität
Zukunft 2/2016
gen meist Einzelfahrkarten gelöst. Die Kosten für
Gründe für die Freizeit-Verkehrsmittelwahl eine Fahrkarte des Öffentlichen Verkehrs liegen
gewähltes Verkehrsmittel in Prozent
selbst bei vergünstigten Angeboten in der Re-
gel über den reinen Treibstoffkosten beim Pkw.
Grund für Wahl eines Verkehrsmittels Öffentlicher Gehen/ Pkw/
im Freizeitverkehr in der Schweiz Verkehr Rad- Motorrad Reisen mehrere Erwachsene zusammen, fallen
(Mehrfachnennungen möglich) fahren die Ticketkosten mehrfach an, bei gemeinsamer
Mangelnde Alternativen 37 4 15 Pkw-Nutzung steigen die Pkw-Kosten kaum.
Angebot an Öffentlichem Verkehr 16 1 18 Da beim Pkw-Gebrauch die Gesamtkosten
Verfügbarkeit Verkehrsmittel oder 15 – 10 ausgeblendet werden, erscheinen die Kosten der
Zeitkarte des Öffentlichen Verkehrs Anreise mit Bahn oder Bus höher als jene der
Reisezeit 14 – 30
Anreise per Pkw. So kostet eine Zugfahrt im Jahr
2016 von Wien in das 84 Kilometer entfernte
Komfort 11 – 22
Laa an der Thaya mit der ÖBB-VorteilsCard für
Fehlende Parkplätze am Ziel 8 1 –
Erwachsene 7,30 Euro (etwa 9 Cent pro Kilo-
Reisegenuss 6 6 2 meter), die Treibstoffkosten für einen Pkw liegen
Umweltgründe 6 2 – bei 6,60 Euro (etwa 8 Cent pro Kilometer).c
Witterungsverhältnisse 5 – 6 Ein ehrlicher Kostenvergleich berücksichtigt
Gesundheitsgründe 2 18 3 Quelle: BFS 201218 Tabelle: VCÖ 2016 die Pkw-Gesamtkosten, die mit dem amtlichen
Spaziergang/sportliche Aktivität – 49 – Kilometergeld von 42 Cent pro Kilometer19
Kurze Strecke – 26 – bemessen werden können. Damit kommt die
Transport von Gepäck/Waren – - 9 Pkw-Fahrt von Wien nach Laa an der Thaya auf
35,30 Euro.
Sonstiges 24 14 21
Reisezeitvergleich und Verkehrsmittelwahl
Reisezeit und Komfort Top-Jugendticket für Schülerinnen und Schüler Gibt es im Öffentlichen Verkehr keine Direkt-
sowie mangelnde Al-
ternativen legen oft die
sowie Lehrlinge bis 24 Jahre zum Jahrespreis von verbindungen für die gewählte Strecke, fällt der
Nutzung eines Kfz nahe. 60 Euro im gesamten Verbundbereich des VOR Reisezeitvergleich meist zugunsten des Pkw aus.
Der Öffentliche Verkehr (Wien, Niederösterreich, Burgenland). Ähnliche Beim Ausflugsverkehr sinkt die Bedeutung der
wird bei gutem Angebot
jedoch gerne genutzt. Angebote werden in allen Verkehrsverbünden kürzeren Reisezeit, wenn An- und Abreise bereits
angeboten. Erlebnischarakter haben. So hat der Öffentli-
Verbesserungspotenzial gibt es beim Tarifsys- che Verkehr den Vorteil, dass eine Wanderung
tem der Busse. Selbst in den ÖBB-Postbussen nicht an der gleichen Stelle beginnen und enden
berechtigen nur VorteilsCardSenior und Vor- muss. In der Schweiz nennen fast 30 Prozent der
teilsCardSpecial zum Kauf eines ermäßigten Ti- Pkw-Nutzenden die Reisezeit als wichtigstes Ent-
ckets. Ausflugs- beziehungsweise Tourismuskarten scheidungskriterium für die Verkehrsmittelwahl.18
wie die BurgenlandCard oder NÖCard ermögli-
chen zwar an vielen Ausflugszielen freien Eintritt, Parkplatzverfügbarkeit und Gepäck
berechtigen aber nicht zur ermäßigten Nutzung Die Parkplatzverfügbarkeit ist ein wichtiges Kri-
öffentlicher Verkehrsmittel. terium der Verkehrsmittelwahl. Allfällige Park-
Günstige Kombitarife werden häufig im „Ge- gebühren werden bei Ausflügen in Kauf genom-
legenheitsverkehr“ – meist mit dem Bus – ange- men. In manchen Bereichen der Freizeitmobilität
boten. Der Preis für ein Ticket inkludiert in der spielt die Möglichkeit des Gepäcktransports eine
Regel neben der An- und Abreise die Freizeitak- große Rolle, etwa beim Skitag oder beim Einkau-
tivität am Zielort, etwa einen Tagesskipass, den fen.71 Das Ausleihen der Skiausrüstung vor Ort
Eintritt in ein Hallenbad oder ein Museum.71 beziehungsweise Angebote, Einkäufe kostenlos
oder günstig nach Hause zu liefern, erleichtern
Kostenvergleich erfolgt oft nur oberflächlich es, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.
Anders als etwa im Berufspendelverkehr, für den Die Nicht-Verfügbarkeit von Parkplätzen ist für
günstige Zeitkarten des Öffentlichen Verkehrs knapp acht Prozent ein Grund, den Öffentlichen
eine große Rolle spielen, werden bei Tagesausflü- Verkehr zu nutzen.18Mobilität mit Zukunft 2/2016 Fokus Freizeitverkehr 17
Österreichs Einkaufszentren in zentraler Lage besser umweltfreundlich zu erreichen
Einkaufszentrum* Bundes- Parkplätze** Radabstell Anbindung mit Öffentlichem Lage
land plätze** Verkehr
Donau Zentrum Wien W 50 0,8 Straßenbahn, U-Bahn, Bus zentral
Sillpark Innsbruck T 52 27,8 Straßenbahn, Bus zentral
Fischapark Wr. Neustadt NÖ 71 7,9 Bus Stadtrand
Zimbapark Bürs V 82 2,9 Bus zentral
Mariandl Krems NÖ 83 4,5 Bus zentral
Cyta Shoppingwelt Völs T 100 1,5 Bahn, Bus Stadtrand
Q19 Wien W 103 3,0 Straßenbahn, Bus zentral
Shopping City Seiersberg/Graz ST 103 2,0 Bus Stadtrand
max.center Wels OÖ 109 3,6 Bus Stadtrand
Citypark Graz ST 109 18,1 Bahn, Bus zentral
DEZ Innsbruck T 120 8,0 Bahn, Bus Stadtrand
Atrio Villach K 121 9,1 Bahn, Bus Stadtrand
Center West Graz ST 133 7,2 Bus Stadtrand
Quelle: VCÖ 201640 Tabelle: VCÖ 2016
Varena Vöcklabruck OÖ 191 10,1 Bus zentral
Haid Center Linz OÖ 196 2,3 Straßenbahn, Bus Stadtrand
Plus City Pasching OÖ 210 2,5 Straßenbahn, Bus Stadtrand
McArthur Glenn Outlet Parndorf B 216 0,4 Bahn, Bus Stadtrand
* Die Auswahl der Einkaufszentren erfolgte aufgrund der Verfügbarkeit der Daten
** pro 1.000 Besucherinnen und Besuchern pro Tag
Information als Entscheidungskriterium zentraler Lage. Dadurch sind sie ausgezeichnet Am Stadtrand gelegene
Im Freizeitverkehr ist Information wichtiger als mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.1 Einkaufszentren verur-
sachen viel Autoverkehr,
bei Routinewegen wie täglichen Arbeits- oder Auch Salzburg setzte mit der Kampagne zentral gelegene sind
Ausbildungswegen. Ziele wie Einkaufszentren, „G’scheit shoppen, gratis Bus fahren“ im Früh- meist besser mit um-
weltfreundlichen Ver-
Bäder, Skigebiete oder Kinos informieren poten- jahr 2016 eine Initiative, um die Nutzung öf- kehrsmitteln erreichbar.
zielle Besucherinnen und Besucher in der Regel fentlicher Verkehrsmittel in der Stadt Salzburg
über Anreisemöglichkeiten. Vor allem außerhalb zu forcieren. Im Jahr 2016 nutzen bereits 44
der Ballungsräume ist diese Information sehr Prozent der Salzburgerinnen und Salzburger Bus
Pkw-zentriert, etwa mit der Information, dass ge- und Obus, um im Zentrum ihre Einkäufe zu er-
nügend Parkplätze zur Verfügung stünden, oder ledigen oder Freizeiteinrichtungen zu besuchen.3
detaillierter Darstellung der Auto-Anreise.71
Einkaufen oder Shopping? Hindernisse für eine umweltfreundliche Anreise
Auf den ersten Blick scheint mit Einkaufen und
• Schlechte Erreichbarkeit von Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs zu Fuß,
Shopping das Gleiche gemeint zu sein. Shopping
per Fahrrad oder Auto
zählt jedoch zu den Freizeitaktivitäten, da Erleb-
• Mangelhafte Beschilderung der Umsteigebereiche
nis und Wunscherfüllung im Vordergrund stehen
• Überwinden der „First-mile“ und „Last-mile“
und der Erwerb eines Konsumguts beim Shop-
• Mangelhaftes ergänzendes Angebot in der Wegekette durch Shuttlebusse, Taxis,
ping nicht zwingendes Ergebnis ist.120
Rad- oder Carsharing
Liegen Einkaufszentren am Stadtrand oder sind
• Fehlende Wahlmöglichkeiten für spontane Planänderungen, etwa eine spätere
sie nur schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Rückfahrt
erreichbar, werden sie zu Verkehrserregern. Bei-
• Mangelnde Information über eine mögliche Anreise mit Öffentlichem Verkehr
spielsweise befindet sich die Hälfte der Wiener
• Oft nur oberflächlicher Kostenvergleich Pkw – Öffentlicher Verkehr
Shopping Malls und Warenhäuser, 14 von 32, in
• Verbesserungswürdiger Umsteigekomfort und mangelnde Anschlusssicherheit
zwischen unterschiedlichen Verkehrsmitteln im Öffentlichen Verkehr
• Fehlender integrierter Taktfahrplan mit gesicherten Umsteigemöglichkeiten18 Fokus Freizeitverkehr
Foto: fotolia.com
Freizeit-Mobilitätsangebote an
unterschiedliche Bedürfnisse anpassen
Mobilität ist ein Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben. Gerade in
der Freizeit hat die individuelle und anlassbezogene Gestaltung von
Mobilität einen besonderen Stellenwert. Mobilitätsangebote sind an
die unterschiedlichen Bedürfnisse und Möglichkeiten anzupassen.
Das Mobilitätsverhalten in der Freizeit ist sehr zent mehr Versorgungswege zurücklegen als der
individuell und unterscheidet sich deutlich je Gesamtdurchschnitt mit 39 Prozent.138 Kinder,
nach Alter, Geschlecht, Wohnort oder Lebens- Jugendliche und Nicht-Erwerbstätige ohne Pkw
stil. Beispielsweise zeigen Untersuchungen aus legen in Österreich zwischen 75 und 90 Prozent
Deutschland, dass ältere Frauen um 19 Prozent aller Wege zu Fuß, per Rad und im Öffentlichen
und ältere Männer um 27 Prozent mehr an Verkehr zurück, Erwerbstätige, die einen Pkw zur
Wegen zu Freizeit- und Versorgungszwecken Verfügung haben, zwischen 65 bis 80 Prozent
zurücklegen als andere Gesellschaftsgruppen. Im mit dem Auto.9 Im ländlichen oder suburbanen
Vergleich der Geschlechter fällt auf, dass über Raum dominiert grundsätzlich der Pkw.74
alle Altersklassen hinweg Frauen mit 48 Pro-
Freizeitmobilität von Kindern und Jugendlichen
Kinder und Jugendliche sind im Alltag anders
Alle Mobilitätsarten auf einer Karte mobil als Erwachsene. Schul- und Freizeitwege
Besonders in Städten steigt aktuell die Nachfrage nach Mobilitätsdienstleistungen, gehören zu ihren wichtigsten Verkehrszwecken.
um auch ohne eigenes Auto nicht auf individuelle Mobilität verzichten zu müssen. Der Radanteil bei Kindern und Jugendlichen liegt
Eine Lösung dazu ist das Konzept „Mobility as a Service (MaaS)“.112 MaaS-Lösun etwa im Schnitt der Gesamtbevölkerung, dagegen
gen kombinieren private und öffentliche Mobilitätsangebote8 und sind ein flexib- liegt der Mitfahranteil im Pkw deutlich über dem
les, personalisiertes On-demand-Service, das alle Arten von Mobilität integriert. Schnitt der Gesamtbevölkerung. Die wichtigste
MaaS-Lösungen können eine finanziell attraktive, nachhaltige und bequeme Er- Rolle in der Mobilität von Kindern und Jugend
gänzung oder Alternative zum Pkw bieten.62 Umgesetzt werden MaaS-Lösungen lichen spielen der Öffentliche Verkehr, das Mit-
beispielsweise über Apps. Bei der Qixxit-App der Deutschen Bahn werden nach Ein- fahren im Pkw und das Radfahren. 5
gabe von Start- und Zieladresse sämtliche Mobilitätsoptionen mit Kosten, Reisezeit Die Aufteilung der Wege auf die unterschied-
und genauer Route angezeigt.50 Daimler bietet mit der M oovel-App ein ähnliches lichen Wegzwecke spiegelt die jeweilige Lebens-
90
Service an. Ein weiteres Beispiel ist die WienMobil-Karte, die seit Jänner 2015 situation der Gruppe hinsichtlich Alter und
von den Wiener Linien angeboten wird. Eine einzige Karte ermöglicht Nutzen und Erwerbstätigkeit deutlich wider. Bei Kindern
Bezahlen von Öffentlichen Verkehrsmitteln, Garagenplätzen, Taxis, E-Ladestationen
und Citybikes. Für Seniorinnen und Senioren gibt es einen Sondertarif.158Mobilität mit Zukunft 2/2016 Fokus Freizeitverkehr 19
Freizeitwege zur Erho-
Bei Wegzwecken wenige Unterschiede zwischen Stadt und Land lung, Entspannung und
Zerstreuung machen im
Freizeit (Erholung) Versorgungswege (private Erledigung, Einkauf, Hol-/Bringwege) jeweiligen Bundesland in
Schule/Ausbildung geschäftlich Arbeit städtischen und in länd-
100 lichen Bezirken einen
26 26 19 20 27 27 30 ähnlich hohen Anteil von
80 5 6 etwa einem Viertel aller
in Prozent aller Wege
5 6 10 7 6 5 Wege aus.
9 9 7
12 14
Quelle: Herry 201466, bmvit 201529 Grafik: VCÖ 2016
60 15
37 35 37 32
40 37 30 29
20
23 22 31 30 23 24 19
0
zentrale periphere Innsbruck ländlicher Zentralraum Zentralraum periphere
Bezirke Bezirke Raum größere kleinere Gemein-
Gemeinden Gemeinden den
Ostregion Tirol Vorarlberg
(Teile von Niederösterreich und Burgenland)
z wischen 6 und 14 Jahren machen Ausbildungs- Pkw-Nutzenden“ benutzen schwerpunktmäßig
wege 70 bis 75 Prozent ihrer Alltagsmobilität den Pkw, anlassbezogen fahren sie jedoch mit
aus, der Rest sind überwiegend Freizeitwege. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad.
Jugendlichen von 15 bis 17 Jahren dienen 45 bis Sie suchen sich das Verkehrsmittel aus, das für
55 Prozent der Wege ihrer Ausbildung, Arbeits- die jeweilige Situation am besten passt. Die dritte
wege machen bereits 10 bis 25 Prozent aus, die Gruppe sind „Personen ohne Pkw-Verfügbar-
restlichen Wege sind überwiegend Freizeitwege. 9 keit“. Diese benutzen den Öffentlichen Verkehr,
Die Wegzwecke von Kindern, die in zentralen das Rad oder gehen zu Fuß. Sie sind dement-
Lagen wohnen, unterscheiden sich nur gering sprechend auf eine gute Erreichbarkeit der für sie
von jenen in peripherer Lage. Bei Jugendlichen wichtigen Ziele ohne Auto angewiesen.63
sind diese Unterschiede zwischen Zentrum und In naher Zukunft werden ältere Menschen
Peripherie deutlich stärker ausgeprägt.9 noch mobiler sein als bisher, was zu steigendem
Freizeitverkehr führen wird. Schon in den ver-
Freizeitmobilität älterer Menschen gangenen Jahrzehnten nahmen bei Seniorinnen
Viele Aspekte der Mobilität älterer Menschen und Senioren Freizeitaktivitäten außer Haus
sind grundsätzlicher Natur und betreffen nicht deutlich zu. Neben Einkaufsbummeln, Aus-
ausschließlich den Bereich Freizeitmobilität, son- flügen und Besuchen von Ausstellungen und
dern die Gesamtmobilität. Vorträgen wird Geselligkeit in Vereinen oder bei
Lag der Anteil der über 65-Jährigen im Jahr Stammtischen gesucht. Auch Besuche im Ver-
Die Zahl älterer Men-
2015 österreichweit bei 18 Prozent, wird er sich wandtenkreis102 sowie die Versorgung und Pflege schen in Österreich
bis zum Jahr 2030 auf 23 Prozent erhöhen.132 In einer anderen Person, die unter Mobilitätsein- steigt und damit auch
manchen Regionen werden dann doppelt so viele schränkungen leidet,13 nehmen einen größeren die Zahl jener Personen,
die viel Freizeit zur Ver-
über 65-Jährige leben wie heute.160 Heute besit- Stellenwert ein. Spaziergänge und Wandern fügung haben.
zen mehr ältere Personen ein Auto als in früheren
Generationen, womit die Autonutzung auch in Immer mehr ältere Menschen in Österreich
dieser Altersgruppe insgesamt steigt.70 Besonders
im ländlichen Raum spielt für die Erreichung 0–14 Jahre 15–59 Jahre 60–74 Jahre
75–84 Jahre 85 Jahre und älter
von Freizeitzielen das Auto eine große Rolle.74
10
Andererseits ist die Gruppe der Seniorinnen und 0,4 0,6
0,2 0,7 0,3
Bevölkerungszahl in Millionen
0,2 0,6 1,0 1,0
Senioren keine verhaltenshomogene Gruppe.86 8 0,5
Quelle: Statistik Austria131 Grafik: VCÖ 2016
1,3 1,4 1,8 1,7 1,7
Bei Personen im Alter von 55 plus können
6
drei Mobilitätstypen unterschieden werden.
4
5,3 5,4 5,1 5,1 5,0
Die „vorwiegend Pkw-Nutzenden“ machen dies
meist wegen fehlender Alternativen. Die „selektiv 2
1,2 1,3 1,3 1,3 1,3
0
2015 2020 2030 2040 205020 Fokus Freizeitverkehr Mobilität mit Zukunft 2/2016
Durch unseren Lebensstil sagen wir, wer wir sind,
Gehen und Öffentlicher Verkehr sind für als was und als wer wir gesehen werden wollen.
Freizeitwege älterer Menschen am wichtigsten Mobilitätsangebote sind daher individueller und
flexibler zu gestalten. Mobilitätsanbieter sind ge-
Rad fordert, zielgerichtet zu informieren.37
100
Anteil der Wege in Wien in Prozent
19 16 39
31 27 Komfort ist bei der Verkehrsmittelwahl in der
80
34 Freizeit für ältere Personen zentral
46 27
Quelle: Stadt Wien 201564 Grafik: VCÖ 2016
60 81 Barrierefrei gestaltete Haltestellen, genügend Zeit
30 2
3 41 beim Ein- und Aussteigen sowie das Vorhanden-
40 3 1
sein von Sitzmöglichkeiten sind bei der Wahl des
20 9 Verkehrsmittels für ältere Personen oft ausschlag-
36 34 43 48 2 20
0
8 gebend. Unannehmlichkeiten wie weite Wege zur
60–74 75+ 60–74 75+ 60–74 75+
Haltestelle, unregelmäßige Fahrpläne und häufi-
Freizeit Versorgung Holen/Bringen
ges Umsteigen sind grundsätzlich unerwünscht.
Autofahrten werden dann subjektiv als vorteilhaf-
Bei älteren Menschen sind bei Seniorinnen und Senioren eine beliebte ter wahrgenommen, die damit verbundenen Ri-
dominieren in Wien mit
Freizeitaktivität mit positiven Auswirkungen auf siken und Kosten unterschätzt. 10 Die Initiativen
Ausnahme von Hol- und
Bring-Diensten das Ge- die Gesundheit. Radfahren verliert hingegen im „Compagnons du voyage“ aus Frankreich und
hen und der Öffentliche hohen Alter an Bedeutung.12 „travel mentoring service“ aus England setzen
Verkehr bei Freizeit-
und Versorgungswegen. Das Ende des aktiven Berufslebens ist ein auf persönliche Unterstützung für mobilitätsein-
Umbruch, der sich oft auf das Mobilitätsverhal- geschränkte Personen, um eine bessere Orientie-
ten auswirkt. Untersuchungen aus der Schweiz rung und Navigation im Öffentlichen Verkehr zu
und England zeigen, dass ab einem Alter von 65 ermöglichen.80,150
Jahren die Zahl der Wege, die Tagesdistanz und
die Wegzeiten stetig abnehmen. Die Verkehrs- Flexible öffentliche Verkehrsmittel in den
mittelwahl verlagert sich vom Auto vor allem in Gemeinden anbieten
urbanen Gegenden mit entsprechender Infra- Nicht alle können sich flexible und kostspielige
struktur hin zum Öffentlichen Verkehr und auf Angebote wie ein eigenes Auto oder Taxifahrten
das Gehen.18,124 leisten. Daher kommt der Entwicklung von
leistbaren Mobilitätsdienstleistungen eine
Lebensstile älterer Menschen sind heterogen besondere Bedeutung zu, um die selbstständige
Die Bevölkerungsgruppe der Seniorinnen und Mobilität und damit ein selbstbestimmtes Leben
Senioren ist heterogen. Viele unterschiedliche zu unterstützen und sicherzustellen.
Faktoren, Verhaltensweisen und Lebenssituatio Für kleinere Gemeinden im ländlichen Raum
nen spielen eine Rolle: Gesundheit oder Mobili sind Mikro-ÖV-Systeme wie Anrufsammeltaxis,
tätsbeeinträchtigungen, soziale Kontakte, Ein- Rufbusse oder Gemeindebusse sehr gut geeignet.
kommenssituation, Wohnumfeld, Verkehrsange- Sie bieten eine Flexibilisierung des Öffentlichen
bote, Technologienutzung sowie Einstellungen Verkehrs zu attraktiven Preisen.
und Wertorientierungen.110 Menschen, die auf Neben Benutzungsfreundlichkeit und Erreich-
ein einziges Verkehrsmittel fixiert sind, sind be- barkeit spielt das subjektive Sicherheitsgefühl eine
sonders gefährdet, immobil zu werden, wenn sie wichtige Rolle für ältere Personen. Die Anwesen-
es einmal nicht mehr nutzen können. Lebensstile heit eines Schaffners oder einer Schaffnerin, von
sind Formen der individuellen Lebensführung. Sicherheitspersonal und auch Beleuchtung und
gute Sichtbarkeit relevanter Infrastruktur erhöhen
Die Gemeinde Krengl-
Foto: Gerhard Rainer
bach in Oberösterreich den Reisekomfort für ältere Fahrgäste.143
bietet ihrer Bevölke- Individuelle Information zu Wegeketten von
rung ein halbstündlich
verkehrendes Anruf Tür zu Tür ermöglicht neben Komfort außerdem
sammeltaxi an. ein Gefühl der Sicherheit und Selbstgestaltung.
Das Informationsverhalten zum ÖffentlichenMobilität mit Zukunft 2/2016 Fokus Freizeitverkehr 21
Good-Practice-Beispiele
Anrufsammeltaxis: In Ernstbrunn in Niederösterreich
Foto: Deutsche Bahn AG 2016
In Video-Reisezentren
sorgt der Mobilitätsverein „Ernsti-Mobil“ für eine bietet die Deutsche
Steigerung der örtlichen Mobilität mit Elektro-Fahr- Bahn einen persönlichen
zeugen.83 Ticketverkauf per Bild-
schirm und Mikrofon,
„Radeln ohne Alter“: Im Vorarlberger Lustenau auch wenn der Schalter
nicht besetzt ist.
werden ältere Menschen aus Altersheimen mit
Smartphone-basierte Navigationssysteme sind
Fahrradrikschas von Freiwilligen ausgefahren.36
ständig verfügbar und bei der Kombination von
Sicherheitstrainings: In der Stadt Salzburg bietet mehreren Verkehrsmitteln flexibel in der Anwen-
das Projekt „Mobil sein – dabei sein“ Schulungen für dung. 51 Viele Mobilitätsangebote wie Carsharing
ältere Fahrgäste im Öffentlichen Verkehr.121 oder Fahrradverleih sind an die Nutzung von
Smartphones gebunden. Schulungen im Umgang
Verkehr unterscheidet sich je nach Altersgrup- mit neuen Medien und Apps können innova-
pe. Personen ab 60 Jahren bewegen sich häufig tive Mobilitätsdienstleistungen auch für ältere
im Rahmen ihrer Mobilitätsgewohnheiten. Der Menschen attraktiv machen. In der Entwicklung
Mobilitätsverzicht aufgrund von Informations- von Smartphones, Tablets und der Gestaltung
mangel betrifft insbesondere Personen über 75 von Apps ist auf flexible Schriftgrößen, intuitive
Jahren. Ältere nutzen zudem häufiger Fahrpläne Bedienung, ausreichend Information zu Verbin-
und Telefonhotlines, um sich über den Öffent dungen und einfachen Ticketkauf zu achten, um
lichen Verkehr zu informieren.123 Auch Konzepte Älteren deren Nutzung zu erleichtern.53
wie die sogenannten Video-Reisezentren der Zunehmend kommen unmittelbar am Körper
Deutschen Bahn, welche seit April 2013 in acht getragene Geräte („wearable devices“) auf den
Bundesländern Deutschlands einen persönlichen Markt. Auch für Seniorinnen und Senioren kön-
Ticketverkauf über Bildschirm und Mikrofon er- nen solche Uhren, Ringe oder Armbänder künf-
möglichen, zielen auf Seniorinnen und Senioren tig beispielsweise als Navigationsunterstützung
ohne technische Vorkenntnisse ab.39 oder für einfaches Ticketing durch automatische
Identifizierung an Bedeutung gewinnen.45
Digitale Information ist für viele Ältere nützlich Da der Freizeitverkehr älterer Menschen bei
Für ältere Menschen stellt die Online-Suche nach zunehmender Wahlfreiheit des Verkehrsmittels
Informationen teilweise eine Barriere dar. Wenn weiter ansteigen wird, ist diese Zielgruppe gerade
Mobilitätsdienstleistungen für ältere Menschen in Bezug auf die hohe Qualität des Öffentlichen
so gestaltet werden, dass sie attraktiv sind und Verkehrs passend anzusprechen. In ländlich pe-
deren Bedürfnissen gerecht werden, können ripheren Gebieten, in denen der Anteil älterer
sie Informationslücken und ungewollten Mo- Menschen besonders steigt, und in suburbanen
bilitätsverzicht reduzieren.102 Seniorinnen und Gebieten gibt es die signifikant geringste Zufrie-
Senioren haben aktuell die höchste Zuwachsrate denheit mit Informationen zum Öffentlichen
bei der Nutzung des Internets und verfügen Verkehr. Es besteht dort also nicht nur ein Nach-
hinsichtlich der Verwendung von mobilen End- holbedarf an Mobilitätsangeboten, sondern auch
geräten wie Smartphones oder Tablets über große an leicht zugänglicher Information.123
Wachstumspotenziale.4 Im Jahr 2015 nutzten in
Österreich bereits 70 Prozent der 60- bis 69-Jäh-
rigen ein Smartphone.87
Trotz vieler Gemeinsamkeiten finden sich un- Was Freizeitmobilität im Alter erleichtert
ter den älteren Menschen bei der Nutzung von
• Öffentlichen Verkehr seniorengerecht gestalten
digitalen Medien sehr heterogene Gruppen. Das
• In kleineren Gemeinden Mobilitätsangebote wie Anrufsammeltaxis, Ruf- oder
Spektrum reicht von den „Silver Surfern“, die mit
Gemeindebusse einführen
Begeisterung Smartphones verwenden, bis hin zu
• Seniorengerechte Infrastruktur für das Gehen schaffen und erhalten
Seniorinnen und Senioren, die den Kontakt mit
• Objektives und subjektives Sicherheitsgefühl beim Radfahren im Alter fördern
Internettechnologien komplett ablehnen.4
• Spezielle Schulungs- und Begleitangebote für Seniorinnen und Senioren, die ältere
Personen bei der Nutzung neuer Technologien unterstützen
• Verkehrsrelevante Informationen so gestalten, dass sie intuitiv erfassbar sindSie können auch lesen