FORTBILDUNG BMHS JOUR NAL - KPH Wien/Krems

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FORTBILDUNG BMHS JOUR NAL - KPH Wien/Krems
STUDIENJAHR
2 017/ 2 018
               JOURNAL

               FORTBILDUNG
               BMHS

                                                                                KIRCHLICHE PÄDAGOGISCHE HOCHSCHULE WIEN/KREMS
                                                                     ild   en
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FORTBILDUNG BMHS JOUR NAL - KPH Wien/Krems
FORTBILDUNG BMHS JOUR NAL - KPH Wien/Krems
LEHREN UND LERNEN MIT PERSPEKTIVE

    KIRCHLICHE
    PÄDAGOGISCHE
    HOCHSCHULE
    WIEN/KREMS

    FORTBILDUNG

    BMHS

    PROGRAMM 2017/18
FORTBILDUNG BMHS JOUR NAL - KPH Wien/Krems
INHALT

                                                                                     LEHRER/INNEN-FORTBILDUNG
         Andrea PINZ, Vorsitzende des Hochschulrates; Rektor Christoph BERGER, Vizerektor Andreas WEISSENBÄCK            6
         Vorwort
         Dr. Sonja HAMMERSCHMID                                                                                          7
         Entrepreneurship Education im österreichischen Schulsystem und das Erasmus+-policy-
         experimentation-Projekt „Youth Start Entrepreneurial Challenges“
         Dr. Wolfgang WIELAND                                                                                             8
         Fortbildung: Welchen Return on Investment dürfen wir erwarten?
                                                                                           PROGRAMM-ÜBERSICHT
                                                                       Fachbereich Leadership und Schulentwicklung       9
         ao.Univ.Prof. Dr. Erna NAIRZ-WIRTH                                                                             10
         Vertrauen

                                                  Fachbereich Entrepreneurship und wertebasierte Wirtschaftsdidaktik    12
         Siegfried MENZ                                                                                                 12
         Das Demokratiegetriebe knirscht!
         Mag. Stefan LAMPRECHTER, Mag. Johannes LINDNER                                                                 14
         Misch dich ein – der Debattierclub
         Nadine DIMMEL                                                                                                  16
         Misch dich ein: Das Seil zwischen zwei Ländern
         Wolf LOTTER                                                                                                    18
         VWL-Perspektiven: Plädoyer für Zivilkapitalismus
         Ralf FÜCKS                                                                                                     20
         VWL-Perspektiven: Werte und Wertschöpfung
         Mag. Herbert PICHLER, Dr. Felix BERGMEISTER, Dr. Christiane HINTERMANN                                         22
         55 Jahre Geografie und Wirtschaftskunde
         Mag. Susanne HUEBER, Mag. Eva JAMBOR, Mag. Susanne SPANGL                                                      24
         Youth Start Entrepreneurial Challenge oder jeder kann Entrepreneur werden
         Univ.-Prof. Dr. Günther FALTIN                                                                                 26
         Die Konkurrenz hat sich totgelacht
         Mag. Stephan KARDOS, MMag. Gerald FRÖHLICH                                                                     28
         Changemaker: Eine Auseinandersetzung mit den globalen Herausforderungen unserer Zeit
         Roswitha M. REISINGER                                                                                          30
         Starte dein Projekt „Speiseplan: 2 Milliarden Menschen essen Insekten – wir noch nicht“
         Mag. Heidi HUBER, MMag. Gerald FRÖHLICH                                                                        32
         15. Entrepreneurship Summit: Global Goals
         Univ.-Prof. Dr. Michael BRAUNGART                                                                              34
         Cradle to Cradle® – Innovation, Qualität und gutes Design
         MMag. Gerald FRÖHLICH, Mag. Johannes LINDNER                                                                   36
         „Etwas erreichen“ ist das Resultat von „etwas wagen“.
         Richard MEISEL                                                                                                 38
         Berufsorientierung (BO) und Bildungswahl an der BMHS?
         Dr. Michaela MAYRUS                                                                                            40
         Entrepreneurship Education – Ideen in die Tat umsetzen
         MR Mag. Andrea GINTENSTORFER                                                                                   42
         Jahr der Übungsfirma
                                                                      Fachbereich Nachhaltigkeit und Ökologisierung     48
         Mag. Alfred PALATIN                                                                                            48
         Schule als Impulsgeber zur Nachhaltigen Entwicklung
                                                                        Fachbereich Sprache, Kultur und Gesellschaft    50
         Mag. Dr. Robert RIEGLER                                                                                        50
         Mehrsprachigkeit und sprachbewusster Unterricht
                                                                         Fachbereich Geschichte | Geographie | IWK      56

4                                                                                           www.kphvie.ac.at/fort-weiterbilden
FORTBILDUNG BMHS JOUR NAL - KPH Wien/Krems
INHALT

                                                                Kunst und Kultur an humanberuflichen Schulen        60
                                Soziale Kompetenz, Peofessionalisierung, Seminare für LehrerInnen aller Fächer      61
 Mag. Andrea MOTAMEDI, Andre BLAU                                                                                   62
 (Inter-)Kulturelles Lernen
                                                           Individuelle Lernbegleitung – anrechenbare Module        66
                                                                                    Zentrum für Weiterbildung       67
                                                           Beratungszentrum Schulentwicklung und Leadership         68
                                                                                            Fachbereich Sport       72
                                                                                              Sommercampus          80
                                                                                                  BMHS-Team         82

Es wird darauf hingewiesen, dass bei Fortbildungsveranstaltungen der KPH Wien/Krems Foto-/Videoaufnahmen ge-
macht werden. Mit der Anmeldung erkläre ich mich einverstanden, dass in diesem Kontext Aufnahmen von mir ge-
macht werden und diese für Veröffentlichungen der KPH Wien/Krems genutzt werden dürfen. Diese Erklärung kann
jederzeit widerrufen werden.

   MATURAVORBEREITUNG
   Deutsch, Englisch, Angewandte Mathematik und
   Vorwissenschaftliche Arbeit/Diplomarbeit

   Effiziente Vorbereitung führt zum Erfolg.
   Mit dieser Reihe können Schülerinnen und Schüler
   » sich mit den neuen Rahmenbedingungen und Prüfungsformaten vertraut machen,
   » sich auf die Bewertungskriterien einstellen und wissen, was erwartet wird,
   » den Stoff fokussiert und komprimiert anhand von Checklisten wiederholen,
   » Kompetenzen durch die Schritt-für-Schritt-Bearbeitung von kommentierten Reifeprüfungsaufgaben aktualisieren,
   » den Lernfortschritt anhand von Musterreifeprüfungen und Lösungen bzw. authentischen Schülerarbeiten
     überprüfen.

   » www.wissenistmanz.at/maturavorbereitung

www.kphvie.ac.at/fort-weiterbilden                                                                                          5
FORTBILDUNG BMHS JOUR NAL - KPH Wien/Krems
LEHRER/INNEN-FORTBILDUNG

                           Sehr geehrte Damen und Herren!
                           Im österreichischen Schulwesen werden aktuell Weichenstellungen vorgenommen, um eine
                           weitere Etappe in der Bildungsreform umzusetzen. Die Pläne, das Vorhaben werden unter-
                           schiedlich eingeschätzt und auch kritisch betrachtet.
                           Ein zentrales Thema war, ist und bleibt die Bildungsgerechtigkeit. Allen Kindern soll „die
                           gleiche Chance auf beste Bildung“ zukommen.
                           Vieles kann zu dieser Gerechtigkeit beitragen: der Ausbau ganztägiger Schulformen, mehr
                           Autonomie der Schulen, zeitgemäße Organisationsstrukturen und eine verbesserte Ausbil-
                           dung der LehrerInnen. Lehre und Forschung, Verwaltung und Aufsicht, Politik und Behörden
     Andrea Pinz           sind auf ein Ziel ausgerichtet: Wie soll eine Schule sein, die sich des ganzen jungen Men-
                           schen mit seinen Potenzialen, Talenten und Schwächen annimmt, ihn fordert und fördert, ihn
                           bildet und dabei auch im messbaren Leistungsvergleich, nicht nur bei PISA, gute Ergebnisse
                           erzielt?
                           Die Differenzen zwischen Aufwand und Erfolg, zwischen Absicht und Ergebnis präsentieren
                           sich als Dauerthema. Bei allen Bemühungen um das Aggiornamento, das „Heutigmachen“
                           von Schule, sind sich Politik, Wissenschaft, InteressensvertreterInnen und PädagogInnen einig:
                           Den Angelpunkt für das Gelingen von Schule bilden die LehrerInnen. Sie sind verantwortlich
                           für das persönliche Wachstum und die individuelle Entwicklung der jungen Menschen, an
                           ihnen liegt es, Schule zu einem Lern- und Lebensraum zu machen, in dem differenzierte Zu-
                           gänge und Verhaltensweisen zur Wirklichkeit, Erfahrungen und Einsichten möglich werden.
     Christoph Berger
                           Die Reformprozesse bergen vielfältige Implikationen für die Fort- und Weiterbildung der Pä-
                           dagogInnen und rücken die Pädagogischen Hochschulen in den Fokus künftiger Entwicklun-
                           gen. Die Zusammenarbeit von Schulen und Hochschulen wird so umfassendere Bedeutung
                           erlangen.
                             ƒƒ Schulen, die Autonomie leben, werden durch PHs noch stärkere Unterstützung erfah-
                                ren. Das erfordert innovative bildungstheoretische Impulse, aber auch maßgeschnei-
                                derte Programme der Beratung in der Schulentwicklung.
                             ƒƒ Standort- und ClusterleiterInnen werden mit neuen Verantwortlichkeiten und Kompe-
                                tenzen ausgestattet. Dabei bieten sich die Hochschulen als strategische BegleiterInnen
                                an, die eine fundierte Aus- und Weiterbildung gewährleisten.
     Andreas Weissenbäck     ƒƒ Wenn der Fokus auf schulinterner, standortbezogener Fortbildung liegt, werden die
                                PHs entsprechende Formate konzipieren und in intensiverer Form auf den Bedarf zu
                                reagieren haben, den Schulaufsicht und Direktionen melden.
                           Die KPH Wien/Krems versteht sich seit ihrer Gründung als Motor für Qualitätsfortschritt in
                           der Pädagogik und Innovationsschub in der Forschung. Insofern sind wir gut auf die neuen
                           Herausforderungen vorbereitet, haben viele der künftigen Agenden mitentwickelt und schon
                           modellhaft umgesetzt. Das vorliegende Programmheft gibt davon Zeugnis.
                           So finden Sie Angebote zur fachlichen Professionalisierung, Reihen zur Sprachförderung, Se-
                           minare für Führungskräfte, Angebote zur Demokratieerziehung (Politische Bildung), Arbeiten
                           in professionellen Lerngruppen, Beratung und Begleitung bei Schulentwicklungsprozessen,
                           Seminare zur Gesundheitsförderung (inkl. Gruppensupervision) und vieles mehr. Maßge-
                           schneiderte SCHILF- und SCHÜLF-Angebote runden unser Programm ab.
                           Im Oktober 2017 feiert die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems ihr zehnjäh-
                           riges Gründungsjubiläum. Von Anfang an hat sich die KPH in der Bildungslandschaft ihren
                           Platz gesichert. Wir stellen uns den gesellschaftlichen Herausforderungen und sind uns unse-
                           rer Verantwortung gegenüber Gesellschaft, Schulen, LehrerInnen und SchülerInnen bewusst.
                           Wir freuen uns, wenn das Fortbildungsangebot der KPH Wien/Krems Sie in Ihrer Unterrichts-
                           arbeit bereichert, in Ihrer Professionsentwicklung fördert und in Ihrer persönlichen Entfaltung
                           als LehrerIn stärkt.

                                                                                                   HR Mag. Andrea PINZ
                                                                            Hochschulratsvorsitzende der KPH Wien/Krems
                                                                                         Prof. Mag. Dr. Christoph BERGER
                                                                                               Rektor der KPH Wien/Krems
                                                                                    Prof. Mag. Dr. Andreas WEISSENBÄCK
                                                                               Vizerektor Fortbildung der KPH Wien/Krems

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LEHRER/INNEN-FORTBILDUNG

                                                                                                                    © BKA/Andy Wenzel

Entrepreneurship Education im österreichischen
Schulsystem und das Erasmus+-policy-experimentation-
Projekt „Youth Start Entrepreneurial Challenges“

                                                                                                      Sonja Hammerschmid

1. Warum Entrepreneurship? – strategische Dimension           von der Volksschule bis zur Matura. Die Erkenntnisse aus
                                                              dem wissenschaftlich begleiteten Youth Start-Feldversuch
Entrepreneurship Education ist uns ein wichtiges An-          werden uns dabei eine wichtige Hilfe sein.
liegen, da es für eine Verknüpfung von Emanzipation,
Chancengerechtigkeit, Eigeninitative, Ermutigung und          3. Entrepreneurship-Schule und Schulautonomie
„start up“-Kultur steht.
                                                              In Österreich gibt es seit einigen Jahren einen Zertifizie-
2. Wie ist Entrepreneurship im Unterricht verankert? –        rungsprozess zur Entrepreneurship Schule, der als best
   Curriculare Dimension                                      practise für die Schulentwicklung im Rahmen der Stär-
                                                              kung der Schulautonomie gelten kann. Es freut mich, dass
Die Einbettung von Entrepreneurship im regulären Un-          dieser Ansatz in ein weiteres EU-Projekt eingebracht wird,
terricht ist uns wichtig: der Referenzrahmen für Entrepre-    an dem sich wieder das BMB mit anderen europäischen
neurship Kompetenzen hat den Teams, die die Lehrpläne         Bildungsministerien beteiligt.
in Österreich ausarbeiten, dabei eine wichtige Grund­
lage geboten.                                                 4. institutionelle Verankerung von Entrepreneurship

Von allen österreichischen SchülerInnen der Sekundar­         In Österreich besteht mit dem eesi-Impulszentrum des
stufe II besuchen 80 % berufsbildende Schulen. An die-        BMB eine Struktur zur Koordination von Entrepreneurship
sen ist Entrepreneurship Teil des regulären Lehrplanes.       Education in allen Bundesländern, das wir weiter stärken
40 kaufmännische Schulen haben einen eigenen Ausbil-          werden. Wichtige weitere Netzwerkpartner sind
dungsschwerpunkt „Entrepreneurship“. Es freut uns sehr,
dass unsere langjährige Expertise damit in das Youth          ƒƒ Initiative for Teaching Entrepreneurship (ifte) – als
Start Entrepreneurial Challenges Programm Eingang ge-            Partner des BMB im EU-policy experimentation Projekt
funden hat.                                                      „Youth Start Entrepreneurial Challenges“,

Ein wichtiges Detail im europäischen Aktionsplan für          ƒƒ für die Fortbildung von LehrerInnen und die wissen-
Entrepreneurship Education ist, dass jede/r Schülerin            schaftliche Begleitung (des Feldversuchs) in Entre-
bzw. Schüler mindestens ein Teamprojekt während der              preneurship Education die Kirchliche Pädagogische
Schulzeit durchführt. Im Rahmen der österreichischen             Hochschule Wien/Krems,
Maturaordnung ist ein Teamprojekt (als Diplomarbeit)
fixer Bestandteil der abschließenden Prüfung. Die EU-         ƒƒ für die weitere Entwicklungsarbeit insbesondere im Be-
Kommission hat das Konzept des „Teamprojekts“ als best           reich der Volksschulen und Sekundarstufe I der Stadt-
practice ausgewählt, weil die Kompetenzen der SchülerIn-         schulrat für Wien.
nen dabei umfassend rückgemeldet werden.

Das Projekt „Youth Start Entrepreneurial Challenges“ bie-
tet mit bisher 71 beteiligten österreichischen Schulen eine
gute Basis dafür, Entrepreneurship in weiteren Schulen zu                                      Dr. Sonja HAMMERSCHMID
verankern: wir planen das in einem Progressions-Ansatz                                         Bundesministerin für Bildung

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LEHRER/INNEN-FORTBILDUNG

                                   Fortbildung:
                                   Welchen Return on Investment
                                   dürfen wir erwarten?

          Wolfgang Wieland

     BildungsforscherInnen mögen sich aufgerufen fühlen:          Vor diesem Hintergrund und als direkte Schlussfolgerung
     Wenn wir in die Fortbildung von LehrerInnen investieren,     aus den MitarbeiterInnengesprächen melden sich die
     mit welchem ROI dürfen wir rechnen?                          LehrerInnen zu den Fortbildungsveranstaltungen an.

     ROI auf Euro-Basis – schwierig!                              In weiterer Folge sind wieder die Führungskräfte in der
                                                                  Verantwortung. Wie oft haben Sie als Führungskraft
     Andere Frage: In welchem Ausmaß trägt die Fortbildung        schon eine LehrerIn gefragt:
     zum Erfolg von Schulen bei?
                                                                    ƒƒ Welche Kompetenz hast du im Besonderen aus die-
     Fragen Sie zehn LehrerInnen, was sie unter Schulerfolg            ser Fortbildung mitgebracht?
     verstehen, und Sie erhalten zehn verschiedene Antwor-          ƒƒ Wann wirst du sie erstmalig in deinem Unterricht
     ten – Schulnoten, Drop-out-Raten, SchülerInnenzahlen,             einsetzen?
     durchschnittliche Dauer von Schulkarrieren, Job-Aussich-       ƒƒ Was werden deine SchülerInnen davon merken?
     ten der AbsolventInnen, Arbeitszufriedenheit der Lehre-        ƒƒ Wie werden sie davon profitieren?
     rInnen, Vernetzung mit der Wirtschaft, etc.                    ƒƒ Wenn die Auswirkungen deines Verhaltens im Un-
                                                                       terricht positiv sind: Was wird das wiederum für dich
     Wir kommen immer wieder zu unseren Kernfragen zurück:             und deine Arbeit bedeuten?
     Wenn unsere LehrerInnen an Fortbildung teilnehmen:             ƒƒ Wie können auch andere KollegInnen davon pro-
     Welche Kompetenzen haben sie dort konkret erworben?               fitieren?
     Was davon kommt im Klassenzimmer an? In welcher Art
     und Weise profitieren unsere SchülerInnen davon?             Zu aufwendig? Ist Fortbildung insgesamt zu aufwendig?
                                                                  Dann: Wie teuer ist Inkompetenz? Es geht ums Steuer-
     Wer trägt Verantwortung? Personalentwicklung und da-         geld. Es geht um einen Return on Investment. Machen wir
     mit Fortbildung ist Chefsache. Im Idealfall laden die Füh-   mehr daraus!
     rungskräfte ihre Teams zu Schuljahresbeginn zu einem
     Strategiemeeting, in welchem es auch um die folgenden        Wenn wir als Team der KPH Fortbildung Sie ein Stück
     Fragen geht:                                                 weit am Weg zur Erfüllung Ihrer Mission begleiten dürfen,
                                                                  erfüllt uns das mit Stolz. Gestatten Sie uns, einen kleinen
     Welche Kompetenzen brauchen wir im Team, um unsere           Beitrag auch zu Ihrem Schulerfolg zu leisten.
     Mission zu erfüllen und unsere Schulentwicklung in eine
     gewünschte Richtung treiben zu können? Wie sieht dies-
     bezüglich z.Zt. unser Qualifikationsniveau aus? Wo sind
     wir gut? Wo fehlt uns etwas?                                                                     Dr. Wolfgang WIELAND

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LEADERSHIP UND SCHULENTWICKLUNG

                                                                                                                           Fortbildung BMHS
 8730.001             MAG: MitarbeiterInnengespräche erfolgreich führen – Gruppe 1
 Termin/e             Mo., 13.11.2017, 10:00 Uhr – Di., 14.11.2017, 17:00 Uhr, Abendeinheit am Montag
 Ort/e                Seminarhotel im Burgenland
 ReferentIn/nen       Dr. Wolfgang Wieland und Managementexpertin
 Inhalt               Das MAG als 4-Augen-Gespräch zwischen Führungskräften und MitarbeiterInnen – eine Ge-
                      legenheit, in einem offenen, wertschätzenden Klima über gemeinsame und individuelle Ziele,
                      über Leistung und auch Persönliches, über Vergangenes und auch Zukünftiges zu sprechen;
                      Vorstellung der Toolbox des MAG
 Zielgruppe/n         BMHS-Führungskräfte
 Hinweis              Das MAG gilt als anerkannter Bestandteil der BMHS-Führungsphilosophie. Die MAG-Toolbox
                      enthält in der Praxis bewährte Instrumente der MitarbeiterInnenführung. Sie ermöglicht Raum
                      für individuelle Zugänge und die Verwirklichung persönlicher Anliegen von Führungskräften
                      und MitarbeiterInnen. Sie fördert die Balance von Fordern und Fördern in der Führungsarbeit.

 8730.010             MAG: MitarbeiterInnengespräche erfolgreich führen – Gruppe 2
 Termin/e             Mo., 16.04.2018, 10:00 Uhr – Di., 17.04.2018, 17:00 Uhr, Abendeinheit am Montag
 Ort/e                Seminarhotel in Salzburg
 ReferentIn/nen       Dr. Wolfgang Wieland und Managementexpertin
 Inhalt               siehe Gruppe 1
 Zielgruppe/n         BMHS-Führungskräfte
 Hinweis              siehe Gruppe 1

 8730.005             Die Führungskraft als Coach
 Termin/e             Mo., 15.01.2018, 10:00 Uhr – Di., 16.01.2018, 17:00 Uhr, Abendeinheit am Montag
 Ort/e                Seminarhotel im Großraum Wien
 ReferentIn/nen       Prof. Nairz-Wirth und Dr. Wolfgang Wieland
 Inhalt               Förderliche Kompetenzen für einen coaching-orientierten Führungsstil; Feedback-Gespräche
                      als Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit; Anerkennungsgespräche und Konfrontations-
                      gespräche als Führungsinstrumente; Leistung und Verhalten von MitarbeiterInnen; Coaching-
                      Tools anwenden; Motivieren gegenüber Motivation
 Zielgruppe/n         BMHS-Führungskräfte

 8730.002             Change Management – Instrumente für die Schulentwicklung
 Termin/e             Mo., 27.11.2017, 10:00 Uhr – Di., 28.11.2017, 17:00 Uhr
 Ort/e                Salzburg
 ReferentIn/nen       Dirk Pfeiffer – BMW München
 Inhalt               Schulische Entwicklungsprozesse und ihre Anforderungen an die Führungskräfte; Theoretische
                      Grundlagen: Grundzüge des professionellen Change Management, die Prozessschritte und ihre
                      Instrumente; die Dynamik von Entwicklungsprozessen
 Zielgruppe/n         BMHS-Führungskräfte und QPMs

 8730.006             WerkstättenleiterInnenausbildung – Modul 2 – Leadership, Recht und Sicherheit
 Termin/e             Mo., 25.09.2017, 10:00 Uhr – Di., 26.09.2017, 17:00 Uhr
 Ort/e                Salzburg
 ReferentIn/nen       Wolfgang Wieland, Walter Csuvala, Sicherheits- und RechtsexpertInnen
 Inhalt               Leadership: Feedbackkultur in der Werkstätte, Ziele vereinbaren, Führen durch Interaktion; Si-
                      cherheit von und mit AUVA; Schulrecht
 Zielgruppe/n         WerkstättenleiterInnen und Personen mit Führungsaufgaben in der Werkstätte
 Hinweis              Dieses Seminar stellt die Fortsetzung von Modul 1 aus dem Sommersemester 2017 dar.

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LEADERSHIP UND SCHULENTWICKLUNG
Fortbildung BMHS

                                                          Vertrauen

                        Erna Nairz-Wirth

                        Die Entwicklung eines Zugehörigkeitsgefühls           von Kapital für alle Mitglieder in der Schulgemeinde. Förderliche
                        und die Schaffung stabiler und vertrauensvoller       soziale Beziehungen (Netzwerke) werden über Vertrauen quasi
                        Beziehungen sind von entscheidender Bedeu-            gespeist und werden so zu sozialem Kapital (P. Bourdieu).
                        tung für die Bildungslaufbahn und Entwicklung
                        von Schülerinnen. Doch das Gefühl „Vertrau-           Handford und Leithwood (2013) analysierten in einer Metastudie,
                        en zu können“, ist für Eltern, Lehrpersonen und       über welche Eigenschaften Führungskräfte verfügen müssen, da-
                        Führungskräfte ebenso bedeutsam. Denn die             mit Lehrpersonen ihnen vertrauen. Aus einer Vielzahl in den Stu-
                        Schule ist ein Lernort, der vor allem durch die       dien identifizierten Eigenschaften extrahierten die Autoren sechs
                        Qualität seiner Beziehungen geprägt ist. Bezie-       übergreifende Dimensionen:
                        hungen beruhen immer auf Reziprozität (Gegen-
                        seitigkeit), weshalb sie umso besser gelingen je
                        stärker das (schrittweise aufgebaute) Vertrauen                                               Konsistenz
                                                                                                                                                                  Persönliche                   Persönliche
                        ist. Mit jeder neuen Beziehung geht aber auch                     Kompetenz                       und
                                                                                                                     Verlässlichkeit
                                                                                                                                       Offenheit        Respekt
                                                                                                                                                                   Integrität                  Wertschätzung

                        das Risiko enttäuschter Erwartungen einher. Typi-
                        sche Fragen im Kontext der Schule sind: Kann ich
                        meiner Lehrperson vertrauen? Kann ich meiner
                        KollegIn vertrauen? Ist die Schulleitung, sind die    Für N. Luhmann ist Vertrauen ein Mechanismus zur Reduktion
                        Lehrpersonen, denen ich mein Kind anvertraue,         sozialer Komplexität. Vertrauen in Beziehungen entlastet in der
                        kompetent? An diesen Fragen erkennt man, dass         täglichen Arbeit und ist gleichzeitig der Schlüssel zum Führungs-
                        der soziale Wert des Vertrauens auf der Möglich-      erfolg. Im Seminar „Die Führungskraft als Coach“ lernen die Teil-
                        keit seines Gegenteils, nämlich des Misstrauens,      nehmenden, wie sie mit einem coaching-orientierten Führungsstil
                                                                              © Abteilung für Bildungswissenschaft                                                  Quellen: Bryk und Schneider 2003; Handford und Leithwood 2013

                        basiert (N. Luhmann).                                 eine Schulkultur des Vertrauens aufbauen können. In diesem Se-
                                                                              minar werden auch die Probleme und Hindernisse besprochen:
                        Bryk und Schneider (2003), zwei führende
                        SchulforscherInnen aus den USA, haben auf             Vertrauen wird durch persönliche Beziehungen und die tatsäch-
                        die entscheidende Bedeutung von „Relational           liche Hilfe bei persönlichen Problemen aufgebaut. Wie soll eine
                        Trust“ (Vertrauen in Beziehungen) für Schulent-       SchulleiterIn beispielsweise zu mehr als 100 Lehrpersonen, 2000
                        wicklungsprozesse hingewiesen. Sie konnten            SchülerInnen und ihren Eltern persönliche Beziehungen aufbauen,
                        nachweisen, dass Schulen weniger SchülerInnen         wenn auch nur 50 von diesen Personen jährlich in große Schwie-
                        (und auch Lehrpersonen!) verlieren, dass sich die     rigkeiten geraten, ihnen kompetent helfen?
                        Leistungen der SchülerInnen steigern und dass
                        Reformen und neue Lehr- und Lernkonzepte von          Möglichst alle Lehrpersonen sollen die SchulleiterIn für kompetent
                        Eltern und SchülerInnen mitgetragen werden,           halten. Welches Wunder an Kompetenzansammlungen muss da
                        WENN ein Klima des gegenseitigen Vertrauens           in einer Person zusammengekommen sein?
                        die Schulkultur prägt. Brennpunktschulen wurden
                        innerhalb weniger Jahre zu nachgefragten Schu-        Er/Sie soll ein Vorbild für alle sein. Wie soll die SchulleiterIn al-
                        len, nachdem sie „Relational Trust“ aufgebaut         len oft genug „erscheinen“, damit sie ihn/sie zum Vorbild nehmen
                        und kultiviert hatten. Vertrauen ist also eine Form   können?

                                                                                                                                                   ao.Univ.Prof. Dr. Erna NAIRZ-WIRTH

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LEADERSHIP UND SCHULENTWICKLUNG

                                                                                                                                Fortbildung BMHS
 8730.007             WerkstättenleiterInnenausbildung: Modul 3 – Leadership und Betriebsführung
 Termin/e             Mo., 05.03.2018, 10:00 Uhr – Di., 06.03.2018, 17:00 Uhr
 Ort/e                Salzburg
 ReferentIn/nen       Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Wieland, Mag. Walter Csuvala und ExpertInnen
 Inhalt               Betriebsführung, Beschaffung, Materialkosten, Budget;
                      Personalentwicklung und Delegieren in der Werkstätte
 Zielgruppe/n         WerkstättenleiterInnen, HTL-LehrerInnen
 Hinweis              Dieses Seminar stellt die Fortsetzung von Modul 2 aus dem Wintersemester 2017/18 dar.

                      Schulabsentismus –Schulschwänzen – Dropout – Prävention und Intervention – Aufbruch zu einer neuen
 8730.009             Schulkultur – Krisensituationen bewältigen
 Termin/e             Mo., 26.02.2018, 10:00 Uhr – Di., 27.02.2018, 17:00 Uhr
 Ort/e                Salzburg
 ReferentIn/nen       Prof. Dr. Erna Nairz-Wirth und Mag. Marie Gitschthaler
 Inhalt               Kontroll- und Strafdiskussionen bringen oft nicht die gewünschten Erfolge beim Versuch, Proble-
                      men wie Schulschwänzen, Schulabsentismus und Drop-Out zu begegnen. Im Workshop werden
                      neueste Forschungsergebnisse zu den Ursachen dieser Phänomene vorgestellt und Handlungs-
                      empfehlungen zur Prävention und Intervention gegeben. Diskutiert und bearbeitet werden in-
                      ternationale und nationale Best-Practices. Die SchulleiterInnen erarbeiten Umsetzungsmöglich-
                      keiten für ihren Schulstandort. Im Zentrum steht die Entwicklung einer neuen – auf Vertrauen
                      basierenden – Schulkultur, die Drop-Out reduzieren hilft.
 Zielgruppe/n         BMHS-DirektorInnen, LeiterInnen, AbteilungsvorständInnen, WerkstättenleiterInnen, Fachvor-
                      ständInnen, LernbegleiterInnen, QPMs, BeraterInnen

 8730.004             Workshop Leadership für BMHS-Führungskräfte – Gruppe 1
 Termin/e             Mo., 04.12.2017, 10:00 Uhr – Di., 05.12.2017, 17:00 Uhr, Abendeinheit am Montag
 Ort/e                Großraum Wien
 ReferentIn/nen       Dr. Wolfgang Wieland und eine Management-ExpertIn
 Inhalt               Austausch unter Führungskräften in angeleiteter Form; Anwendung bewährter Führungsinstru-
                      mente und der dafür notwendigen Einstellungen und Haltungen auf der Basis von konkreten –
                      von den Führungskräften eingebrachten – Szenarien; ein Prozess kollegialer Begleitung mit dem
                      Anspruch nach Lösungsorientierung statt Problemorientierung
 Zielgruppe/n         BMHS-Führungskräfte

 8730.013             Workshop Leadership für BMHS-Führungskräfte – Gruppe 2
 Termin/e             Mo., 09.04.2018, 10:00 Uhr – Di., 10.04.2018, 17:00 Uhr, Abendeinheit am Montag
 Ort/e                Salzburg
 ReferentIn/nen       Dr. Wolfgang Wieland und eine Management-ExpertIn
 Inhalt               siehe Gruppe 1
 Zielgruppe/n         BMHS-Führungskräfte

 8730.014             Workshop Leadership für Führungskräfte in der Berufsschule und in der Polytechnischen Schule
 Termin/e             Mo., 07.05.2018, 10:00 Uhr – Di., 08.05.2018, 17:00 Uhr, Abendeinheit am Montag
 Ort/e                Salzburg
 ReferentIn/nen       Dr. Wolfgang Wieland und eine Management-ExpertIn
 Inhalt               Austausch unter Führungskräften in angeleiteter Form; Anwendung bewährter Führungsinstru-
                      mente und der dafür notwendigen Einstellungen und Haltungen auf der Basis von konkreten –
                      von den Führungskräften eingebrachten – Szenarien; ein Prozess kollegialer Begleitung mit dem
                      Anspruch nach Lösungsorientierung statt Problemorientierung
 Zielgruppe/n         Führungskräfte aus der Berufsschule und der Polytechnischen Schule

www.kphvie.ac.at/fort-weiterbilden                                                                                         11
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      Das Demokratiegetriebe knirscht
      Die anrollende „Jobs-Revolution 4.0“ birgt enorme Chan-        Arbeitende Programme: Bisher lagerten westeuropäische
      cen – und Risiken. Hunderttausende Arbeitsplätze stehen        Unternehmen, wenn sie Lohnkosten sparen wollten, Jobs
      auf dem Spiel. Und mit ihnen die soziale sowie politische      nach Osteuropa, China, Indien oder in Entwicklungslän-
      Stabilität Österreichs. Was wir derzeit in der westlichen      der aus. Künftig werden sie sie in die digitale Welt ausla-
      Welt erleben, von der Erodierung traditioneller Parteien bis   gern. Die dort „„arbeitenden“ Programme haben neben
      zum Wiedererwachen von Populismus und Nationalismus,           den geringeren Kosten eine Reihe weiterer Wettbewerbs-
      ist nichts Geringeres als der Beginn einer gesellschaftspo-    vorteile gegenüber ihren menschlichen „KollegInnen“: Sie
      litischen Umwälzung von zeithistorischer Bedeutung.            werden niemals müde, nie krank, kennen keine schlechte
                                                                     Laune, keine schwankende Arbeitsmoral, sie brauchen
      Deren wichtigster Dreh- und Angelpunkt ist die wirt-           auch keinen Urlaub, gehen nicht in Krankenstand und
      schaftssoziale Ungleichheit. Mittlerweile ist die Wut der      kommen gewiss nicht auf die Idee zu streiken. Und an-
      Menschen so groß, dass viele bereit sind, auf weite Teile      statt teuren Weiterbildungsprogrammen reicht ihnen ein
      zivilisatorischer und demokratischer Errungenschaften zu       kleines Update.
      verzichten, wenn nur, wie sie sagen, endlich „etwas anders
      wird“, endlich „„jemand ordentlich auf den Tisch haut“.        Keine Grenzen: Aber was bleibt dann noch übrig an kon-
      Und so erleben wir also jenes Phänomen, vor dem schon          kurrenzfähiger menschlicher Arbeit? ExpertInnen sagen:
      die Philosophen der Antike warnten: dass in unserer De-        „Je weniger wiederholbar und je kreativer die Aufgaben,
      mokratie die WutbürgerInnen nicht mehr unterscheiden           desto sicherer sind die Jobs der Zukunft.“ Im Grunde je-
      zwischen unfähigen, gehassten PolitikerInnen und den           doch kennt die Technik keine Grenzen. Der Mensch la-
      demokratischen Institutionen. Erschreckend viele Bürge-        gert sich selbst aus, rationalisiert, optimiert und digitali-
      rInnen sind mittlerweile bereit, unser Gesellschaftsmodell     siert sich selbst ins Out. Die „digitale Dividende“, heißt es
      samt seinen demokratischen Errungenschaften zu entsor-         vielerorts, dürfe nicht nur der Wirtschaft zugutekommen,
      gen.                                                           sondern allen Menschen.

      Zwei Faktoren: Wie sich die Lage entwickeln wird, hängt        Sechs plus zwei Maßnahmen: Was also ist nötig? Auf nationaler
      vorwiegend von zwei Themenfeldern ab: der Arbeitslo-           Ebene sind es sechs Hauptmaßnahmen:
      sigkeit sowie der empfundenen Gerechtigkeit oder Unge-           ƒƒ Steuern und Abgaben auf Arbeit runter, um den be-
      rechtigkeit des Staates. In den Industrienationen, warnte            stehenden Unternehmen zu helfen, die Jobs schaf-
      jüngst die OECD, gehen aktuell 15 Prozent aller 15- bis              fen und sichern
      29-Jährigen weder einer Beschäftigung nach, noch stehen          ƒƒ Optimale Startbedingungen auch für Unternehmen
      sie in einem Ausbildungsverhältnis. Allein in unserem Land           der neuen Art ermöglichen. Bürokratievereinfa-
      sind derzeit mehr als 400.000 Menschen auf der Suche                 chung und Verwaltungseinsparung
      nach Arbeit. Und selbst jene, die Arbeit haben, können           ƒƒ Flexibilisierung der Arbeitszeit
      sich – und das nicht nur gefühlt – immer weniger leisten:        ƒƒ Stärkung der gemeinsamen Gestaltungsmöglichkei-
      7,8 Prozent der EU-Bürger sind (trotz Vollzeitjobs!) von Ar-         ten von ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen
      mut bedroht. Auch diese „Working Poor“ werden mehr                   auf Betriebsebene
      und mehr. Denn neben der laufenden Anstrengung der               ƒƒ Und: Bildung, Bildung, Bildung!
      Unternehmen, noch kostensparender zu agieren, nimmt
      ein anderer Megatrend gerade erst Fahrt auf: die Industrie     Auf EU-Ebene kommen noch zwei Maßnahmen hinzu:
      4.0 samt Digitalisierung und damit Revolutionierung der          ƒƒ Den (legalen) Steuervermeidungstricks der internati-
      Arbeitswelt. Bis 2040, haben UnternehmensberaterInnen               onalen Multis und deren EigentümerInnen muss viel
      von A. T. Kearney berechnet, könnten in Österreich bis              konsequenter der Riegel vorgeschoben werden.
      zu 44 (!) Prozent aller derzeitigen Jobs von Robotern und        ƒƒ Und als letzter Punkt – selbst wenn es illusionär an-
      Computerprogrammen erledigt werden. Berechnungen                    mutet – ist die Erarbeitung eines europaweiten, am
      anderer ExpertInnen für andere Länder kamen zu ähnli-               besten weltweiten Steuermodells nötig, das der digi-
      chen Ergebnissen. Und selbst wenn es nicht so dramatisch            talen Revolution und ihrer enormen Auswirkung auf
      kommt, werden die Effekte der Job-Digitalisierung enorm             den Arbeitsmarkt Rechnung trägt.
      sein. Manche wenden ein, dass jeder Modernisierungs-
      schub zwar Jobs kostet, aber in anderen Bereichen für          Die Zeit drängt. Revolutionen warten bekanntlich nicht.
      neue Jobs sorgt. Ja, das wird so sein, allerdings spricht
      vieles dafür, dass der Saldo diesmal zum ersten Mal tief
      negativ ausfällt. Der US-Software-Unternehmer Martin
      Ford bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Fast jeder                                 Siegfried MENZ, Chef des Familien-
      Job, bei dem jemand vor einem Bildschirm sitzt und In-                                   konzerns Ottakringer, Obmann des
                                                                                          Österreichischen Brauereiverbandes und
      formationen verarbeitet, ist bedroht.“ Künftig, so scheint                         Spartenobmann Industrie WKÖ (gekürzte
      es, wird die „Arbeitskraft“ nicht mehr vor dem Computer                             Version des Erstabdruck Kommentar der
      sitzen, sondern als Algorithmus im Computer.                                               anderen, Der Standard 23.12.16)

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= Politische Bildung
                                          ENTREPRENEURSHIP UND WERTEBASIERTE WIRTSCHAFTSDIDAKTIK
                                                                                   Aktionstage Politische Bildung 2017

                                                                                                                                              Fortbildung BMHS
                                                                                   Aktionstage Politische Bildung 2017

                       Ehrenschutz: Präsidentin des Österreichischen Nationalrates Doris Bures

                      Ideen für Österreich debattieren
 LV.-Nr./Termin/      8740.032 Di., 09.05.2017, 17:00 Uhr – 20:00 Uhr: Politische Beteiligung (31),
 Speaker              Veranstaltung des Sommersemesters 2017                    Aktionstage Politische Bildung 2017

                      Dr. Irmgard Griss, Juristin, langjährig Präsidentin des Obersten Gerichtshofes. Bei der Bundes-
                      präsidentenwahl 2016 trat Dr. Griss als unabhängige Kandidatin an.
                      8740.033 Di., 23.05.2017, 17:00 Uhr – 20:00 Uhr: Gibt es genug Jobs für ALLE?! (32),
                      Andreas Sator, Wirtschaftsredakteur DER STANDARD
                      Veranstaltung des Sommersemesters 2017                                       Aktionstage Politische Bildung 2017

 Ort                  TGA Wien, Plößlgasse 13, 1040 Wien, Audi Max, B307, B308, B311 und B312
 ReferentIn/nen       Ingo Bandhauer, Marvin Grünthal, Stefan Lamprechter, Johannes Lindner, Andreas Prischl,
                      Madlen Stottmeyer u.a.
 Inhalt               „Ideen für Österreich debattieren“ bietet eine Einführung und Vertiefung in das Debattieren. Pro
                      Termin wird ein Thema durch einen Speaker eingeführt und anschließend die Möglichkeit               zu Bildung 2017
                                                                                                             Aktionstage Politische

                      Debatten in Kleingruppen geboten. Es werden bis zu fünf Debatten zeitgleich durchgeführt. Der
                      09.05. ist Teil der Integrationswoche und der Aktionstage Politische Bildung.
 Zielgruppen/         Anmeldung für LehrerInnen bis eine Woche vor dem Termin bei claudia.muell@kphvie.ac.at
 Anmeldung            und SchülerInnen bei johannes.lindner@kphvie.ac.at

                      Demokratie mit Zukunft
 8740.035             Teil der SuSY Sustainability and Solidarity Economy Filmtage 2017
 Termin               Do., 01.06.2017, 16:00 Uhr – 20:00 Uhr, Veranstaltung des SS 2017
 Ort                  TGA Wien, Plößlgasse 13, 1040 Wien, Audi Max
 ReferentIn/nen       Changemaker, Stefan Lamprechter, Johannes Lindner
 Inhalt               Die Filmtage vermitteln Einblicke in die Vielfalt und positive Kraft von Projekten vor Ort. Sie
                      machen Mut, neue Wege zu gehen und auszuprobieren. Geschichten von Menschen zeigen die
                      Möglichkeiten von Veränderungsprozessen auf: Komplementärwährungen, lokale Wirtschafts-
                      systeme, regional-saisonaler Anbau von Gemüse bis hin zu kreativen Gemeinschaften. Die
                      Filme zeigen soziale Experimente mit Lösungen für eine nachhaltige und sinnerfüllte Zukunft und
                      bewegen die Menschen nicht nur im Herzen, sondern auch dazu, Dinge selbst auszuprobieren
                      und aktiv zu werden. In den Filmgesprächen wird der Wandel in uns und um uns herum vertieft.
                      Die Filmreihe wird in Kooperation mit Südwind, normale.at und der AK-Wien, mit finanzieller
                      Unterstützung der EU organisiert und ist verbunden mit der Staatsmeisterschaft: SchülerInnen
                      debattieren „Demokratie mit Zukunft“. Details: www.soliaroekonomie.at.
 Zielgruppen          Anmeldung für LehrerInnen bis eine Woche vor dem Termin bei claudia.muell@kphvie.ac.at
                      und SchülerInnen bei johannes.lindner@kphvie.ac.at

                      Misch dich ein – Staatsmeisterschaft: SchülerInnen debattieren
 8730.064             Das Globalthema lautet „Demokratie mit Zukunft“ (33)
 Termin               Fr., 02.06.2017, 10:00 Uhr – 16:30 Uhr, Veranstaltung des SS 2017
 Ort                  TGA Wien, Plößlgasse 13, 1040 Wien, Audi Max u.a.
 ReferentIn/nen       Rudi Kaske, Präsident der AK Wien und der Bundesarbeitskammer; Stefan Lamprechter,
                      Johannes Lindner, Madlen Stottmeyer, Debattierklub Wien
 Inhalt               Das Debattierturnier verknüpft die Staatsmeisterschaft „SchülerInnen debattieren“ mit einer
                      Fortbildung für LehrerInnen. Als Speaker sind die TrägerInnen des Changemaker Award ein-
                      geladen.
 Zielgruppen          Anmeldung LehrerInnen (bundesweit) bis 24.05. bei claudia.muell@kphvie.ac.at, Debattier-
                      teams bei johannes.lindner@kphvie.ac.at

www.kphvie.ac.at/fort-weiterbilden                                                                                                       13
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      Misch dich ein – der Debattierclub
      Demokratie lebt von der Debatte über die Themen, die           ƒƒ Debattierclub-Workshops an deiner Schule durch Team-
      uns bewegen, es gilt die unterschiedlichen Blickwinkel            mitglieder des Debattierklub Wiens, insbesondere in
      und Überzeugungen zu hinterfragen und die eigene Po-              der Gründungsphase eines Debattierclubs.
      sition zu vertreten. Das sind zentrale Punkte jedes Schul-
      lehrplans, sie bleiben leider nur allzu oft ein Wunsch auf     ƒƒ Debattierclub Handbuch und Filme. Das Debattierclub
      dem Papier. Im angelsächsischen Raum gibt es schon seit           Handbuch kann unter office@ifte.at gegen eine
      Jahrzehnten die Möglichkeit, dass SchüleriInnen gegen-            Schutzgebühr (10 EUR) bestellt werden. Unterlagen
      einander im „Wettstreit der Worte“ antreten.                      finden Sie unter www.youthstart.eu „Debate Challan-
                                                                        ge“ zum downloaden.
      Demokratische Prozesse und Werte kann man nicht aus-
      wendig lernen. Ihre Entfaltung benötigt eine Mischung          ƒƒ Schreibwettbewerb. In Kooperation mit „Zeitung in die
      aus Zuhören, überzeugender Argumentation und der Be-              Schule“ (ZIS) wird zu den Themen der Staatsmeister-
      reitschaft, aufeinander einzugehen. Debattierclubs bieten         schaft ein Schreibwettbewerb ausgerichtet.
      dafür ein gutes Podium. Seit ein paar Jahren werden De-
      battierclubs auch in Österreich etabliert und rund 25 De-      ƒƒ Staatsmeisterschaft „SchülerInnen debattieren“. Einmal
      battierclubs sind an Berufsbildenden und Allgemeinbil-            jährlich wird ein Debattierturnier für Schülerinnen und
      denden Schulen aktiv, weitere befinden sich in Gründung.          Schüler organisiert.
      Ein Höhepunkt für die Mitglieder eines Debattierclubs ist
      die Teilnahme an Debattierturnieren.                           ƒƒ Debattierclub-Schule. Vernetzung der Debattierclub-Com-
                                                                        munity, nach der Gründung eines Debattierclubs und der
      Mach‘ auch mit!                                                   Durchführung von regelmäßigen Debatten kann die Aus-
      Wir unterstützen Sie durch:                                       zeichnung als „Debattierclub-Schule“ erreicht werden.
      ƒƒ Den Debattiertag, der am Beginn des Schuljahres statt-
         findet und Workshops für AnfängerInnen, erfahrene           KooperationspartnInnen sind das Kompetenzzentrum für
         DebattantInnen und LehrerInnen bietet.                      wertebasierte Wirtschaftsdidaktik der KPH Wien/Krems,
                                                                     eesi-Impulszentrum des BMB, ifte.at, der Debattierklub
      ƒƒ Ideen für Österreich debattieren, mit zwei Terminen pro     Wien, das Kindermuseum ZOOM, Zeitung in die Schule
         Semester zu einem jeweils anderen aktuellen Thema.          (ZiS), die VHS Wien, der Wiener Stadtschulrat und die
         Bei den Debatten werden inspirierende Speaker und           Arbeiterkammer Wien.
         erfahrene DebattantInnen eingebunden. Zielgruppe                                              Mag. Stefan LAMPRECHTER
         sind Jugendliche und LehrerInnen von Debattier-                                                 Mag. Johannes LINDNER
         clubs und all jene, die sich für das Debattieren in-                                   Kompetenzzentrum für wertebasierte
         teressieren.                                                                          ­ irtschaftsdidaktik KPH Wien/Krems
                                                                                               W

                                     Bestellung Handbuch unter www.ifte.at.at
                                     Spot und Lehrfilm „Misch dich ein – der Debattierclub“
                                     siehe „Youthstart TV“ unter www.youtube.com

      Debate Challenge: Im Rahmen von „YouthStart Entrepreneurial Challenges“ (eine Ko-
      operation von fünf Bildungsministerien) wurden für LehrerInnen Methodenblätter und
      SchülerInnen-Unterlagen erarbeitet, die Sie unter w
                                                         ­ ww.youthstart.eu downladen können.

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ENTREPRENEURSHIP UND WERTEBASIERTE WIRTSCHAFTSDIDAKTIK

                                                                                                                              Fortbildung BMHS
                      Misch dich ein – Debattiertag.
                      Globalthema: „Digitalisierung der Arbeitswelt“ (34 + 35)
 LV.- Nr./ Ter min/ 8730.027 (Westösterreich) Fr., 22.09.2017, 10:00 Uhr – 16:00 Uhr (34):
 Impulsspeaker      Bernhard Bachofner, Vertriebsleiter Fiegl & Spielberger Solution GmbH, Vorsitzender der Jun-
                    gen Industrie Salzburg
                    8730.028 (Ostösterreich) Fr., 29.09.2017, 10:00 Uhr – 16:00 Uhr (35):
                    Mag. Muna Duzdar, MA, Staatssekretärin für Diversität, Öffentlichen Dienst und Digitalisierung,
                    Bundeskanzleramt
 Ort/e                West: WIFI der Wirtschaftskammer Salzburg, Julius Raab Platz 2, 5027 Salzburg, in den Räu-
                      men: Saal 1 im EG und vier Seminarräume im 3. sowie 4. Stock
                      Ost: TGA Wien, Plößlgasse 13, 1040 Wien, in den Räumen: Audi Max/B402, A304, A306,
                      A405, A406 und B310
 ReferentIn/nen       Johannes Lindner, Ingo Bandhauer, Marvin Grünthal, Stefan Lamprechter, Andreas Prischl,
                      Madlen Stottmeyer, Elisabeth Vikydal, Elke Austerhuber, PH-Salzburg, u.a.
 Inhalt               Das Debattierseminar bietet eine Einführung und Vertiefung in das Debattieren und das Grün-
                      den eines Debattierworkshops. Es werden Debatten zum Thema in Kleingruppen durchgeführt.
                      Der „Misch dich ein – Debattiertag“ Salzburg ist Teil der „Salzburger Entrepreneurship Initiati-
                      ven“ und wird in Kooperation mit der PH-Salzburg durchgeführt.
 Zielgruppen/         LehrerInnen (bundesweit): claudia.muell@kphvie.ac.at
 Anmeldung            SchülerInnen Ostösterreich (10:00-14:30 Uhr): johannes.lindner@kphvie.ac.at
                      SchülerInnen Westösterreich: elke.Austerhuber@phsalzburg.at

                      Ideen für Österreich debattieren
 LV.-Nr./             8740.005 Di., 07.11.2017, 17:00 Uhr – 20:00 Uhr: „Glauben wir alles, was Zeitungen schrei-
 4 Termine/           ben?“ (36) Dr. Eva Dichand, Herausgeberin „heute“
 Impulsspeaker        8740.006 Mi., 06.12.2017, 17:00 Uhr – 20:00 Uhr: „Mit Ungehorsamkeit zur persönlichen
                      Verantwortung“(37) Gerhard Haderer, österreichischer Karikaturist
                      8740.007 Mi., 04.04.2018, 17:00 Uhr – 20:00 Uhr: „Politik mit der Angst“ (38)
                      Univ.-Prof. Dr. Ruth Wodak, Autorin des Wissenschaftsbuch des Jahres
                      8740.008 Di., 15.05.2018, 17:00 Uhr – 20:00 Uhr: „Verleitung zur Unruhe“(39)
                      Bernhard Heinzlmaier, Sozialwissenschaftler und Jugendforscher
 Ort                  TGA Wien, Plößlgasse 13, 1040 Wien, Audi Max, B307, B308, B311 und B312
 ReferentIn/nen       Ingo Bandhauer, Marvin Grünthal, Stefan Lamprechter, Johannes Lindner, Andreas Prischl,
                      Madlen Stottmeyer u.a.
 Inhalt               Die Veranstaltung bietet eine Einführung & Vertiefung in das Debattieren. Pro Termin wird ein
                      Thema eingeführt und die Möglichkeit zu Debatten in Kleingruppen geboten. Es werden bis zu
                      5 Debatten zeitgleich durchgeführt.
 Zielgruppen          LehrerInnen: claudia.muell@kphvie.ac.at
                      SchülerInnen: johannes.lindner@kphvie.ac.at

                      Staatsmeisterschaft: SchülerInnen debattieren
 8730.029             Das Globalthema lautet „Gesellschaft im Wandel“ (40)
 Termin               Mo., 28.05.2018, 10:00 Uhr – 17:00 Uhr
 Ort                  TGA Wien, Plößlgasse 13, 1040 Wien, Audi Max u.a.
 ReferentIn/nen       Johannes Lindner, Ingo Bandhauer, Marvin Grünthal, Stefan Lamprechter, Andreas Prischl,
                      Madlen Stottmeyer, Elisabeth Vikydal
 Inhalt               Das Debattierturnier verknüpft einen SchülerInnen-Wettbewerb mit einer Fortbildung für Leh-
                      rerInnen.
 Zielgruppen/         LehrerInnen (bundesweit): claudia.muell@kphvie.ac.at
 Anmeldung            Debattierteams: johannes.lindner@kphvie.ac.at

www.kphvie.ac.at/fort-weiterbilden                                                                                       15
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      Misch dich ein: Das Seil zwischen zwei Ländern
      Was mir schon sehr früh während meiner Kindheit auffiel,       angewiesen. Auch durch die Flüchtlingskrise wird weiter
      war, dass meine Eltern das Geld, das sie verdienten, meist     Umsatz gemacht: in der Türkei und auf der Balkanroute
      sofort wieder in ihre Herkunftsländer schickten. Anfangs       verzeichnete Western Union zahlreiche Neueröffnungen
      hielt ich das für eine Eigenschaft meiner eigenen Familie,     von Filialen.
      ich wusste nicht, dass das viele genauso machen. Aber in
      Gesprächen mit anderen MigrantInnen wurde mir schnell          Verantwortung tragen
      klar: meine Eltern sind nicht die einzigen. Laut der Welt-     Doch dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass die Wirt-
      bank von 2015 geht es um eine Summe von 440 Mil-               schaft in diesen Ländern auf diese Gelder irgendwie an-
      liarden Euro, die MigrantInnen und Flüchtlinge jährlich        gewiesen ist – Vor allem Eltern und Großeltern, bei denen
      wieder zurück in ihre Heimat schicken. Das muss man            die Pension (falls es überhaupt eine gibt) nicht mehr reicht
      sich einmal auf der Zunge zergehen lassen! Diese Milli-        und daheimgebliebene Frauen mit Kindern. Somit tragen
      arden erhalten Millionen Familien in Entwicklungsländern       MigrantInnen und Flüchtlinge nicht nur Verantwortung für
      am Leben und springen dort ein, wo Entwicklungsgelder          sich selbst in einem neuen und meist fremden Land, son-
      durch Korruption und Versagen von Regierungen nicht            dern auch noch für die Familie, die weit entfernt ist. Es
      mehr hinkommen. Durchschnittlich senden MigrantInnen           spannt sich ein Seil zwischen zwei Ländern und ich frage
      300 EUR pro Transfer, schreibt Spiegel online, zu Feierta-     mich: Was wäre, wenn MigrantInnen nicht diese Aufga-
      gen und besonderen Anlässen wird zusätzlich noch etwas         be hätten? Wären sie wohlhabender? Hätten sie weniger
      draufgelegt.                                                   finanzielle „Kopfschmerzen“? Was würden sie mit dem
                                                                     Geld machen, das ihnen in der Tasche bleibt? Es spannt
      Wer profitiert davon?                                          sich ein Seil zwischen zwei Ländern. Hoffen wir, dass es
      Einerseits natürlich die Familien, die das Geld erhalten.      nicht reißt.
      Doch die Art und Weise, wie sie das Geld erhalten, spielt                                                    Nadine DIMMEL
      gewissen Finanzdienstleitern und Transferunternehmen in
      die Hände. Das beste Beispiel ist Western Union, die mit
      hohen Gebühren Gewinn macht. Würde man beispiels-                    Der Verein Zeitung in der Schule (ZiS) stärkt die Lese-
      weise aus den USA nach Mazedonien 100 Dollar über-                   fertigkeit, die Medienkompetenz und das Demokratie-
      weisen, würden dort nur 87,45 EUR ankommen. Zusätz-                  verständnis junger Menschen in ganz Österreich. Unter
      lich fallen 12 Dollar Spesen an. Für eine Einzahlung von             dem Titel „Geld und Werte“ hat ZiS in Kooperation mit
      112 Dollar (nach Kurs vom 18. November 2016 104,51                   „Misch dich ein – der Debattierclub“ einen Schreibwett-
      €), erhält der Empfänger also nur 87,45 EUR – über 16 %              bewerb initiiert. Der Text von Nadine Dimmel (Schum-
      gehen als Spesen an Western Union, zeigt deren Website.              peter Handelsakadmie) hat die Jury überzeugt und holte
                                                                           sich den ersten Platz. Ihr Beitrag „Das Seil zwischen zwei
                                                                           Ländern“ wurde bei der Siegerehrung am Entrepreneur-
      Der Vorteil an Western Union ist, dass es überall Aus-               ship Summit im Haus der Industrie prämiert und in Ös-
      zahlungsstellen gibt. Trafik- und Postbesitzer, Einzelunter-         terreichischen Zeitungen (z.B. Der Standard, Der Kurier,
      nehmerInnen: sie alle können recht einfach eine Filiale              Die Salzburger Nachrichten, Kirchen-Zeitung Diözese
      eröffnen und erhalten eine Provision pro Überweisung.                Linz, OÖ Nachrichten, Die Presse, Neues Volksblatt,
      In Regionen mit wenig Infrastruktur gibt es meist keine              NÖN, Kleine Zeitung) abgedruckt. Machen Sie bei den
      andere Option und man ist auf solche Transferbanken                  nächsten „Misch dich ein – Schreibwettbewerben“ mit!

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ENTREPRENEURSHIP UND WERTEBASIERTE WIRTSCHAFTSDIDAKTIK

                                                                                                                                Fortbildung BMHS
 Angebot              ZIS-„Misch dich ein – Schreibwettbewerb“
 Machen Sie mit!      In Kooperation mit Zeitung in die Schule (ZIS) orientiert am Thema der dritten Staatsmeister-
                      schaft. Wir freuen uns auf Artikel mit vielen Argumenten zum Thema: „Der Wert von Informati-
                      onen oder wie Fake News uns manipulieren“
 Ziel                 Förderung von Zeitungen im Unterricht mit themenspezifischen Ansätzen
 Beitrag              Bericht, Kommentar oder LeserInnenbrief zu einem Wirtschafts-/Finanzthema
 Kriterien            ƒƒ Es wird ein Problem zum Thema aufgezeigt.
                      ƒƒ Vorschlag der Problemlösung
                      ƒƒ Argumente, ob der Vorschlag gut ist.
                      ƒƒ Der Beitrag muss von einer/m SchülerIn alleine und selbst verfasst sein.
 Textlänge            2.000 – 3.000 Zeichen
 Zielgruppe           SchülerInnen ab der 9. Schulstufe
 Einsendeschluss      Einreichfrist Ende April
 Siegerehrung         02.06.2017 im Rahmen der Staatsmeisterschaft „SchülerInnen debattieren“
 Kontakt              office@zis.at

 Angebot              Debattierclub-Schilf und Debattierclub-Workshops
 für LehrerInnen      Ihre Schule möchte das Debattieren an der Schule stärken und dafür ein Debattierclub-Schilf
                      für LehrerInnen organisieren? Die KPH Wien/Krems unterstützt Sie dabei. Kontakt: johannes.
                      lindner@kphvie.ac.at
 für SchülerInnen     Sie planen die Gründung eines Debattierclubs an der Schule und die regelmäßige Integration in den
                      Unterricht? Holen Sie sich einen Debattierclub-Workshop für die SchülerInnen in der Gründungspha-
                      se oder zur Stärkung der Jury-Leistung. Der studentische Debattierklub Wien unterstützt Sie dabei.
                      Kontakt: schule@debattierklubwien.at

                      Interkulturelles Konflikt- und Kommunikationstraining Teil 1
                      Umgang mit Scham und Tabus bei SchülerInnen aus modernen Traditionsgesellschaften
 8730.025             (bitte zusammen mit Teil 2 buchen)
 Termine              Fr., 12.01.2018, 10:00 Uhr – Sa., 13.01.2018, 16:30 Uhr
 Ort                  KPH Wien/Krems, Bildungszentrum Stephansplatz, Stephansplatz 3, 1010 Wien
 Referenten           Dr. Philipp Holtmann und Karim Rihan, IKEB – Interkulturelle
 Inhalte              Ziel des Seminars ist es, Ängste, Unsicherheiten, Vorurteile, Blockaden und Schranken im Um-
                      gang mit und bei Jugendlichen aus vornehmlich muslimischen Traditionsgesellschaften abzu-
                      bauen.
                      Es werden vielfältige didaktische Ansätze zum Umgang mit Scham, Tabus und typischen Tabu-
                      brüchen in modernen Traditionskulturen besprochen sowie nützliche Informationen und Tipps
                      zum Umgang damit vermittelt. Dies geschieht vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Nahost-
                      konflikts; in diesem Rahmen werden die Themen Flucht, Migration, Integration und Ablehnung
                      westlicher Werte und westlichen Lebensstils diskutiert.
 Zielgruppe           LehrerInnen aller Fächer, die in Flüchtlingsklassen unterrichten (bundesweit)

                      Interkulturelles Konflikt- und Kommunikationstraining Teil 2
 8730.026             Radikalisierung und Deradikalisierung von SchülerInnen
 Termine              Fr., 02.03.2018, 10:00 Uhr - Sa., 03.03.2018, 16:30 Uhr,
 Ort                  KPH Wien/Krems, Bildungszentrum Stephansplatz, Singerstraße 7/Stiege 4, 1010 Wien
 Referenten           Amr EL Hadad, M.A. und Karim Rihan, IKEB – Interkulturelle
 Inhalte              Die TeilnehmerInnen bekommen einen umfassenden Überblick zum Thema Salafismus/Jihadis-
                      mus und unterschiedlichen konservativen Ausprägungen des Islams. Folgende Fragen werden
                      bearbeitet: Wie geht man als Lehrkraft mit solchen SchülerInnen und deren Familien um? Wie
                      und wo kann er/sie Hilfe und Unterstützung in Bezug auf Prävention und Deradikalisierung
                      bekommen?
 Zielgruppe           LehrerInnen aller Fächer, die in Flüchtlingsklassen unterrichten (bundesweit)

www.kphvie.ac.at/fort-weiterbilden                                                                                         17
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      VWL-Perspektiven: Plädoyer für Zivilkapitalismus
      Statt den Kapitalismus zu verdammen, sollten wir besser lernen, wie wir mit ihm umgehen wollen.
      Kommentar: Wer einen besseren Kapitalismus will, muss sich bewegen.

      Für den großen Ökonomen Joseph Schumpeter war der              nen, ihre eigene Ökonomie zu bestimmen? Wo bleibt
      Fall schon zu Ende der 1930er Jahre klar: Dem Kapita-          die Einlösung dieses alten Versprechens der Aufklärung?
      lismus würde der Prozess gemacht – und der Ausgang             Kann ein Mensch, der seine eigene Ökonomie nicht im
      des Verfahrens stünde natürlich fest: schuldig. Vielleicht     Griff hat, frei sein? Können Menschen, die materiell ab-
      könne man noch mit ein paar mildernden Umständen               hängig sind, gleichsam sonst freier BürgerInnen sein? Wir
      rechnen, ein paar Anklagepunkte abändern, hoffte               betrügen uns vielfach selbst.
      Schumpeter damals. Aber sehr wahrscheinlich wäre das
      nicht. Hier machten sich die Kinder daran, die Revoluti-       Die intellektuellen Eliten haben von Wirtschaft keine Ah-
      on zu fressen. Das war Mainstream. Jeder fand das gut,         nung, kein Interesse, sie rechnen nicht gern, eine Gesin-
      zumal es der Politik gelungen war, die Schuld für die gro-     nung muss genügen. Das Inumerantentum wird natürlich
      ße systemische Krise der Zwischenkriegsjahre fast allein       von den alten Politikstrukturen begrüßt. Nichts besser, als
      dem Kapitalismus, also einem ökonomischen Werkzeug,            wenn sich ein „Wirtschaftssprecher“ um die Ökonomie
      „in die Schuhe zu schieben“. Die Marktwirtschaft schien        „kümmern“ muss. Parteien und ihre Vorfeldorganisati-
      gegenüber der Planwirtschaft, auf die Faschisten und           onen können sich so in eine Welt hinüberetten, die so
      Stalinisten gleichermaßen setzten, hoffnungslos unter-         tut, als sei sie zivilgesellschaftlich verfasst. Das aber ist
      legen zu sein. Das führte wieder in den Krieg oder in          nur dann der Fall, wenn die Einflussnahme und die Ent-
      die anhaltende Diktatur, und die, die Glück hatten, leb-       scheidungsfähigkeit möglichst vieler möglichst hoch sind.
      ten seither mit einer Politik, die sich auf John Maynard       Da geht es nicht um Absichtserklärungen, sondern um
      Keynes beruft, weil sie dessen temporären Vorschlag, im        Bildungsfragen. Was will man mit antikapitalistischen De-
      Krisenfall die Märkte auch durch politische Maßnahmen          monstrantInnen, die, wie bei Blockupy in Frankfurt am
      zu steuern, als Dauerzustand etabliert hat – um die eige-      Main geschehen, ausgerechnet vor einer Notenbank de-
      ne Macht zu sichern. Die meisten Intellektuellen finden        monstrieren – und zwar deshalb, weil sie den Unterschied
      das großartig, weil sie selbst längst Teil eines staatswirt-   zwischen einer solchen Behörde und einem Kreditinstitut
      schaftlichen Systems sind oder so wenig über die Märkte        nicht kennen? Selten war das Wort von den nützlichen Idi-
      wissen, dass sie für sie die Ursache allen Übels sein kön-     oten handgreiflicher, die sich von einer Politik instrumen-
      nen. Das ist zwar falsch, aber Mehrheitsmeinung. „Ka-          talisieren lassen, die all ihre Fehler und Mauscheleien nun
      pitalismus ist Scheiße.“ Mehr muss man über Wirtschaft         pauschal den „Banken“ und „Kapitalisten“ in die Schuhe
      nicht wissen. Und wenn der Hut brennt, kann man immer          schiebt, ein Vorgang, der sich schon in den 1930er Jah-
      noch die Politik rufen.                                        ren „bewährt“ hat. Muss man denn wirklich immer wieder
                                                                     ausgerechnet den Leuten die Lösung der Probleme über-
      Fast alles, was wir über den Kapitalismus wissen, erfah-       lassen, die sie selbst verursacht haben?
      ren wir von Antikapitalisten. Wo das Wort fällt, wo man
      über Märkte redet, dann ist damit ein krimineller Vorgang      Ist der antikapitalistische Common Sense in den Bil-
      gemeint. Es ist eine Form intellektueller Xenophobie – ein     dungseliten echt eine Lösung für die Frage, welche Rolle
      Wahnsinn mit Methode, der zuverlässig jede Form ech-           Wachstum und Wohlstand spielen, wie Teilhabe aus-
      ter Veränderung verhindert. Denn was man nicht kennt,          sieht, welcher Kapitalismus – welche Kapitalismen – zu
      kann man nicht entwickeln, verändern, beeinflussen. So         welchen Umständen passen? Kann die Zivilgesellschaft,
      malt man den Teufel an die Wand. Den Kapitalismus als          der große Schritt in der Emanzipation der BürgerInnen
      Werkzeug nutzen? Als Instrument? Ah geh. Viel zu an-           gelingen? Man wird fragen müssen, wie das gehen soll.
      strengend. Man geht aus Faulheit und Trägheit dem al-          Es geht nicht darum, dass man so weitermacht wie bisher.
      ten politischen Taschenziehertrick auf den Leim, dass das      Es geht um das Missing Link der Aufklärung, der Eman-
      Ökonomische am besten in den Händen einer starken              zipation, die Fähigkeit, seine eigene Ökonomie gestalten
      Politik, eines machtvollen Staates aufgehoben sei. Es ist      und beeinflussen zu können – um eben, wie Rudi Dutsch-
      merkwürdig: Seit der Aufklärung sind die meisten Basti-        ke das so richtig sagte, nicht zum „hilflosen Idioten der
      onen der alten Fremdbestimmung gefallen oder wenigs-           Geschichte“ zu werden. Über den Kapitalismus kann man
      tens bewusst infrage gestellt worden. Aber was ist denn        sich streiten. Ihn einfach abzulehnen, ist schlicht die be-
      eigentlich heute, zu Beginn dessen, was wir leichtfertig       quemste, die verbreitetste, die lächerlichste und dümmste
      Zivilgesellschaft nennen, mit der Fähigkeit der BürgerIn-      Art, mit der Zukunft umzugehen.

                                                                                         Wolf LOTTER, Co-Gründer und Leitartikler
                                                                                               des Wirtschaftsmagazins brand eins.
                                                                                 Autor der Streitschrift für ökonomische Emanzipati-
                                                                                   on „Zivilkapitalismus. Wir können auch anders“.

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