Generation Smartphone - Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau - Katholische Pfarrei Romanshorn

Die Seite wird erstellt Carolin Ebert
 
WEITER LESEN
Generation Smartphone - Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau - Katholische Pfarrei Romanshorn
Nummer 14
9. bis 29. Juli 2017
3 Wochen
                            Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau

                       Generation Smartphone
Generation Smartphone - Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau - Katholische Pfarrei Romanshorn
Gesellschaft und Kirche

                                                                                      Editorial                                    Wie erreicht man Jugendlic
                                                                                      Sie klicken, liken und kommentieren, sie     Die Kirche will ins Netz
                                                                                      twittern, surfen und posten, sie sind vir-
                                                                                      tuell unterwegs und mehrheitlich online:
                                                                                      die Millennials. Jene Generation, die kurz   Sie heissen JAMES und Generation Smart-        Zwischen Jugendlichen und ihren Smart-
                                                                                      vor oder nach 2000 geboren wurde. Will       phone und geben Auskunft über das Me-          phones bestehe eine geradezu physische
                                                                                      man mit ihnen kommunizieren, erreicht        dienverhalten von Schweizer Jugend-            und emotionale Nähe. Aussagen wie: «Ich
                                                                                      man sie am besten im Netz. Das Familien-     lichen. Zwei Forschungsprojekte zeigen:        und mein Handy sind Best Friends.» oder
                                                                                      leben wird deshalb über den Familienchat     Jugendliche haben quasi eine zweite, eine      «Wir sind ein Team.» kämen in der Erhe-
                                                                                      organisiert, die Hausaufgaben über Whats-    digitale Identität.                            bung mehrmals vor. Aufgrund der bisheri-
                                                                                      app und das Ferienlager über Facebook.                                                      gen, noch nicht offiziellen Erkenntnisse,
                                                                                      Telefon- oder Kursbücher kennen Millenni-    Das Katholische Medienzentrum nahm die         nutzen Jugendliche das Smartphone zur
                                                                                      als bestenfalls vom Hörensagen, eine Te-     Generalversammlung vom 19. Juni zum An-        Pflege sozialer Kontakte und zur Unter-
                                                                                      lefonwählscheibe ist für sie ein Gadget      lass, um gleichsam der Jugend den Puls zu      haltung. Sie organisieren damit aber auch
                                                                                      aus dem letzten Jahrtausend. Dafür ha-       fühlen. Es lud mit Lilian Suter und Gregor     ihren Alltag. So finden sie online Informa-
                                                                                      ben sie moderne Technologien gleichsam       Waller zwei Forschende der ZHAW Zürcher        tionen zu Stundenplan, Fahrplan, Haus-
                                                                                      mit der der Muttermilch eingesogen.          Hochschule für Angewandte Wissenschaft         aufgaben, Wetter und anderem.
                                                                                      Die Generationenkluft, die sich einst in     ein, die direkt an den Projekten beteiligt     Gregor Wanner von der ZHAW öffnete mit
                                                                                      unterschiedlichen Weltanschauungen auf-      sind. Sie gaben Einblick in ihre Untersu-      seinen Ausführungen zur JAMES-Studie (sie-
                                                                                      tat, ist heute primär zu einem digitalen     chungen zum Medienverhalten von Jugend-        he Kasten) den Fokus auf das Freizeit- und
                                                                                      Graben geworden. Auf der einen Seite die     lichen. Das ist ein Thema, das seit länge-     Medienverhalten von Jugendlichen. Aus der
                                                                                      Digital Natives, also die digitalen Urein-   rem auch die Kommission für Kommuni-           Langzeitstudie geht einerseits hervor, dass
                                                                                      wohner, auf der andern die Digital Immi-     kation und Öffentlichkeitsarbeit der Schwei-   der mediale Alltag der Jugendlichen haupt-
                                                                                      grants, wie sie von Soziologen genannt       zer Bischofskonferenz beschäftigt. Sie war     sächlich durch Handynutzung, Internetnut-
                                                                                      werden, die sich in der Welt der «Bits and   am Anlass vertreten durch ihre Leiterin,       zung und Musikhören geprägt ist. Laut Erhe-
                                                                                      Bites» nie ganz heimisch fühlen werden.      Encarnación Berger-Lobato. Für die kirch-      bung von 2016 verfügen 99 Prozent der
                                                                                      Sie nutzen zwar Online-Medien, sie besit-    liche Jugendarbeit referierte Viktor           Zwölf- bis Neunzehnjährigen über ein Smart-
                                                                                      zen ein Smartphone, Computer und Ta-         Diethelm. Die Voten machten klar: Die          phone und 75 Prozent über ein Laptop. Die
                                                                                      blet. Aber sie denken und fühlen nach wie    Vernetzung durch soziale Medien und            Zeit, die sie online verbringen hat seit der
                                                                                      vor analog. Digitale Medien sind ihre        digitale Kommunikationskanäle ist aus          Befragung von 2014 zugenommen. Sie stieg
                                                                                      Werkzeuge – und nicht ihre Welt.             dem Leben von Jugendlichen nicht mehr          werktags um eine halbe Stunde auf zweiein-
                                                                                      Diesen medialen Graben möchte die ka-        wegzudenken. Wer sie erreichen will,           halb Stunden und an Wochenenden um 40
                                                                                      tholische Kirche überbrücken, um in Zei-     muss ins Netz gehen.                           Minuten auf drei Stunden 40 Minuten.
                                                                                      ten von Fake News ein Zeichen zu setzen.                                                    Die Studie gibt auch Auskunft über die Be-
                                                                                      Dass die Zeit überreif ist, machte un-       Handy als «Best Friend»                        liebtheit von sozialen Netzwerken und Web-
                                                                                      längst eine europaweite Online-Befragung     «Das Smartphone hat eine grosse Bedeu-         sites. Demnach sind 2016 Snapchat und
                                                                                      mit dem Namen «Generation What» deut-        tung im Leben der Jugendlichen.» Zu die-       Instagram die grossen Aufsteiger bei den
                                                                                      lich. Über sechs Millionen Menschen im       sem Schluss kommt Lilian Suter, die aktiv      sozialen Netzwerken. Facebook hat dage-
                                                                                      Alter von 16 bis 34 Jahren nahmen daran      am Forschungsprojekt «Generation Smart-        gen an Popularität verloren. Bei den Websi-
                                                                                      teil. Für die Kirchen sieht das Resultat     phone» (siehe Kasten) beteiligt ist.           tes ist Youtube bei Jugendlichen aktuell mit
Titelbild: Für Jugendliche ein ständiger Begleiter: das Handy. Bild: clipdealer.com

                                                                                      bedenklich aus: Auf die Frage, Traust du                                                    Abstand am beliebtesten. Allgemein stellt
                                                                                      religiösen Institutionen?, lautete die                                                      Wanner einen Trend vom Wort zum Bild
                                                                                      dominierende Antwort: Überhaupt nicht.                                                      fest. Das heisst, Jugendliche nutzen Youtu-
                                                                                      In der Schweiz betrug die entsprechende      Inhalt                                         be nicht nur, um Videos zu ihrer Unterhal-
                                                                                      Zustimmung 58 Prozent.                                                                      tung anzusehen, sondern auch um Informa-
                                                                                      Und so stellt sich die Frage: Wie erreicht   500 Jahre Reformation                     6    tionen und Anleitungen zu erhalten. Aus
                                                                                      die Kirche diese Generation? Anlässlich      Wegbereiter und Rebell                         den Ergebnissen kann, so Wanner, der
                                                                                      einer Veranstaltung im Katholischen Me-      Martin Luther                                  Schluss gezogen werden, dass sich Ju-
                                                                                      dienzentrum Zürich referierten Kirchen-                                                     gendliche in ihrem Medienkonsum «noma-
                                                                                      vertreter und Experten über gute Ideen       Kirche ohne Grenzen – Albanisch          10    disierend» verhalten.
                                                                                      und Grundlagenforschung. Jugendliche,        «Heimat in die Schweiz bringen»                Konstant zeigten sich die Jugendlichen da-
                                                                                                                                   Neue Mutter-Teresa-Statue in Wil
                                                                                      wurde festgestellt, sind mediale Noma-                                                      gegen in ihrem nichtmedialen Freizeitver-
                                                                                      den. Im Netz verhalten sie sich volatil.                                                    halten. «Freunde treffen» steht in allen vier
                                                                                                                                   Thurgau                                  12
                                                                                      Aber noch etwas anderes wurde deutlich.      Lagerleben als Lebensschule
                                                                                                                                                                                  bisher erstellten Befragungen an der Spit-
                                                                                      In ihrem nichtmedialen Freizeitverhalten     Suchtprophylaxe im Ferienlager                 ze. 2016 setzten es 76 Prozent an erste
                                                                                      zeigen sich Digital Natives seit Jahren                                                     Stelle. Das zeigt, dass Jugendliche den per-
                                                                                      konstant: «Freunde treffen» ist mit Ab-      Kurse · Tagungen                         14    sönlichen sozialen Kontakt hoch werten.
                                                                                      stand der Spitzenreiter!                                                                    Zudem würden sich die Kriterien «medial»
                                                                                                                                   Gottesdienste an den Wochenenden         15    und «nichtmedial» immer häufiger über-
                                                                                                                                                                                  schneiden. Etwa dann, wenn Jugendliche
                                                                                                                                   Kalenderblatt · Zum Schluss              16    gemeinsam digitale Medien nutzten.

                                                                                      2   forumKirche | 14-2017
Generation Smartphone - Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau - Katholische Pfarrei Romanshorn
Gesellschaft und Kirche

he?                                                                                                                                      News

                                                                                                           Bild: Sibylle Zambon-Akeret
                                                                                                                                         ■ Web-Video-Serie zum Niklaus-Jubiläum
                                                                                                                                         Der Trägerverein «600 Jahre Niklaus von
                                                                                                                                         Flüe» und das Katholische Medienzentrum
                                                                                                                                         produzieren gemeinsam eine Web-Video-
                                                                                                                                         Serie zum Jubiläumsjahr. Diese startet mit
                                                                                                                                         einem Besuch im Museum Bruder Klaus
                                                                                                                                         in Sachseln, zeigt aktuelle Projekte wie
                                                                                                                                         Abt Christian Meyer auf dem Bruderklau-
                                                                                                                                         senweg, «Niklaus von Flüe – Unterwegs»
                                                                                                                                         oder Einblicke in die geplanten Gedenk-
                                                                                                                                         tage im Herbst 2017.

                                                                                                                                         ■ Leistungen grösser als Staatsbeitrag
                                                                                                                                         50 Millionen Franken erhalten die rö-
                                                                                                                                         misch-katholische und die reformierte
                                                                                                                                         Kirche jedes Jahr vom Kanton Zürich. Die-
                                                                                                                                         ser Beitrag ist mehr als gerechtfertigt, wie
                                                                                                                                         eine aktuelle Studie der Universität Zürich
                                                                                                                                         ergeben hat. Denn die gesamtgesellschaft-
 E. Berger, G. Waller, Ch. Martig (Medienzentrum), L. Suter, V. Diethelm (v. l. n. r)
                                                                                                                                         lichen Leistungen der Kirchen betragen in
                                                                                                                                         Geld umgerechnet etwa 62 Millionen
                                                                                                                                         Franken und sind grösser damit als der
 Wanner: «Die Grenzen zwischen online und                Whatsapp verbreitet werden. Und Diethelm
                                                                                                                                         Staatsbeitrag.
 offline sind fliessend.»                                schloss: «Viele kleine Initiativen sollen
                                                         etwas Grosses geben. Es braucht einen                                           ■ Kolumbianische Menschenrechtler
 «Lücke füllen»                                          Auftritt der katholischen Kirche.»                                                  geehrt
 Encarnación Berger-Lobato griff in ihrem                                                                                                Der Prix Caritas 2017 in der Höhe von
 Votum nochmals die Bedeutung persön-                                              Sibylle Zambon-Akeret                                 10’000 Franken geht nach Kolumbien: Die
 licher Kontakte auf: «Das Medienprojekt der                                                                                             Anwältin Luz Estela Romero und ihr Be-
 Kirche soll keinesfalls den direkten Kontakt                                                                                            rufskollege Ricardo Esquivia durften den
 zu den Jugendlichen ersetzen.» Es gehe                   Generation Smartphone                                                          Preis in Luzern entgegennehmen. Romero
 deshalb darum, die Zusammenarbeit mit                    Im Fokus des Projekts steht die Nutzung                                        leitet die feministische Menschenrechts-
 den Jugendlichen zu suchen. Als Beispiele,               des Smartphones durch 13- bis 19-Jähri-                                        organisation «Colemad». Ricardo Esquivia
 wie diese funktionieren könnte, nannte sie               ge. Die Erhebungsphase der qualitativen                                        gehörte dem nationalen Friedensrat an
 das St. Galler Jugendmagazin «d(ich)!» oder              Studie ist bereits abgeschlossen. Dafür                                        und war Koordinator der Menschenrechts-
 Radio Fisherman.FM. Wichtig sei, so Berger,              wurde das Medienverhalten von 30 Ju-                                           kommission der evangelischen Kirchen.
 dass die Medienzentren sich mit den Ju-                  gendlichen untersucht. Diese führten
                                                                                                                                         ■ Vatikan-Finanzchef unter Verdacht
 gendverbänden und der Pastoral vernetzten.               Tagebuch zu ihrem Smartphone-Konsum
                                                                                                                                         Die australische Polizei hat ein Ermitt-
 «Wir möchten Bestehendes aufnehmen und                   und kommunizierten diesen via Whatsapp
                                                                                                                                         lungsverfahren gegen den Finanzchef des
 dort, wo gute Anfänge gemacht wurden,                    an die Studienleitenden. In einem zweiten
                                                                                                                                         Vatikan, Kurienkardinal George Pell, ein-
 verstärkend wirken.»                                     Schritt wurden acht Jugendliche in Inter-
                                                                                                                                         geleitet. Wie die Polizei mitteilte, geht es
 Auch Viktor Diethelm bestätigte, dass es                 views zu ihrem Smartphone-Verhalten be-
                                                                                                                                         um länger zurückliegende Missbrauchs-
 bereits gute Ansätze bei Verbandsseiten                  fragt. Die offizielle Auswertung der Studie
                                                                                                                                         vorwürfe. Es gebe mehrere Kläger. Weitere
 und Jugendorganisationen gebe. Als Leiter                wird auf Herbst 2017 erwartet.
                                                                                                                                         Details nannte sie nicht. Pell soll demnach
 der Deutschschweizer kirchlichen Jugendar-
                                                                                                                                         am 18. Juli vor dem Amtsgericht in Mel-
 beit vertritt er eine Zielgruppe von 350‘000             JAMES
                                                                                                                                         bourne erscheinen. Pell weist alle Vorwürfe
 Jugendlichen. Es gehe nun darum, so                      JAMES steht für Jugend, Aktivitäten, Me-
                                                                                                                                         nachdrücklich zurück.
 Diethelm, «die unterschiedlichen Outputs zu              dien – Erhebung Schweiz und wird seit
 bündeln.» Wichtig sei, dass auch die                     2010 alle zwei Jahre repräsentativ                                             ■ Vatikan bewirbt sich um Oscar
 katholische Kirche in den neuen Medien                   durchgeführt. Dazu werden jeweils über                                         Der Vatikan schickt für die Oscars 2018
 vertreten sei. «Es geht darum, eine Lücke                1'000 Jugendliche im Alter von 12 bis                                          erstmals einen eigenen Beitrag ins Ren-
 zu füllen.» Allerdings betont er, dass dabei             19 Jahren aus den drei grossen Sprach-                                         nen, nämlich den 45-minütigen Dokumen-
 nicht nach dem Top-Down-Prinzip gehandelt                regionen der Schweiz befragt. In diesem                                        tarfilm «Papst Franziskus. Meine Vorstel-
 werden dürfe. Vielmehr müsse von den Be-                 Rahmen wurden auch Schulklassen aus                                            lung von Kunst». Als Produzenten firmieren
 dürfnissen und Kompetenzen der Jugend-                   Kreuzlingen und Romanshorn befragt.                                            die Vatikanischen Museen gemeinsam mit
 lichen ausgegangen werden. «Sie sollen sel-              Da es sich bei JAMES um eine Langzeit-                                         dem Vatikanstaat. Für Papst Franziskus sei
 ber produzieren und darüber berichten, was               studie handelt, geben die Resultate                                            «Kunst mit seiner Botschaft der Barm-
 sie bewegt und inspiriert», sagte Diethelm.              auch Auskunft über Veränderungen im                                            herzigkeit verknüpft», sagte Museums-
 Konkret stellt er sich Youtube-Beiträge zum              Medienverhalten der relevanten Alters-                                         direktorin Barbara Jatta.
 Thema «Firmung» vor, Fotoserien, Anima-                  gruppe.                                                                                                       kath.ch/Red.
 tionsfilme oder auch Besinnungen, die über

                                                                                                                                                           forumKirche | 14-2017        3
Generation Smartphone - Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau - Katholische Pfarrei Romanshorn
Zum Nachdenken

Leichtes Gepäck
Ein Song über eine stille Sehnsucht

                                                                                                Bild: pixabay.com
                                                                                                                    diesen ersten Schritt zu tun. Aber auch be-
                                                                                                                    stehende Kontakte fordern heraus: Wie
                                                                                                                    kann ich meine Bedürfnisse angemessen
                                                                                                                    einbringen? Wie entsteht ein Gleichgewicht
                                                                                                                    zwischen Geben und Nehmen? Wann
                                                                                                                    braucht es auch einmal eine Auseinander-
                                                                                                                    setzung zwischen zwei Freunden? Trag-
                                                                                                                    fähige Beziehungen fordern heraus, kosten
                                                                                                                    ihren Preis, aber sie geben mir auch Zu-
                                                                                                                    spruch und Halt.
                                                                                                                    Da ist es viel einfacher, eine Shopping-Tour
                                                                                                                    zu unternehmen, wenn es einem langweilig
                                                                                                                    ist oder man von jemandem enttäuscht ist.
                                                                                                                    Ein Frustkauf hilft unangenehme Gedanken
                                                                                                                    zu verscheuchen, wenigstens für eine ge-
                                                                                                                    wisse Zeit. Noch einfacher ist es am Lap-
                                                                                                                    top: Nur den Kaufen-Button anklicken und
                                                                                                                    schon bald halte ich das begehrte Objekt in
                                                                                                                    meinen Händen.
                                                                                                                    Und noch eins: Wer viel besitzt, braucht
                                                                                                                    niemanden um etwas bitten. Die Zeiten, als
Es lebt sich leichter mit leichtem Gepäck.                                                                          man beim Nachbarn um etwas Zucker
                                                                                                                    nachgefragt oder ein Gerät ausgeliehen
                                                                                                                    hat, sind vorbei. Alle haben (fast) alles.
Volle Regale, volle Schränke, volle Vorrats-      leisten zu können. Vor allem die Nach-                            Damit fallen aber auch Begegnungen,
räume – grenzenloser Wohlstand kann zur           kriegsgeneration hat es geschätzt, endlich                        Gespräche und das Füreinander-Dasein
Belastung werden, kann erdrückend sein.           nicht mehr sparen zu müssen.                                      weg. Unser Überfluss schwächt unser
Von der Sehnsucht, sich von allem Über-           Und dennoch beschleicht uns ein Unbeha-                           Beziehungsnetz.
flüssigem zu befreien, erzählt das Lied           gen, spüren wir, dass Kaufen und Haben
«Leichtes Gepäck» von der Popband                 nicht wirklich befriedigen, ja dass unsere                        Ruf nach Befreiung
Silbermond. Es regt an, unser Konsum-             Art zu leben sogar krank machen kann:                             Geballt auf einem Haufen kann der eigene
verhalten zu hinterfragen.                        «…die Armee aus Schrott und Neurosen auf                          Besitz zur Belastung werden: Was ziehe
                                                  deiner Seele wächst immer mehr». Es be-                           heute an? Was mache in meiner Freizeit?
Ein Wanderer mittleren Alters keucht              steht die Gefahr, dass wir mit unserem                            Er fordert mich ständig zu Entscheidungen
schwitzend einen Hügel hinauf. Sein Ruck-         Konsum das schnelle Glück suchen, dass                            heraus, besetzt meine Denken, raubt mir
sack zwingt ihn fast in die Knie. Kurzent-        wir damit aber elementare Sehnsüchte in                           Zeit: «Zu viel Spinnweben und zu viel Kram,
schlossen verlässt er seine Gruppe,               uns ignorieren oder gar zum Schweigen                             zu viel Altlast in Tupperwaren». Da wundert
schlägt sich ins Gebüsch und schmeisst            bringen. Zum Beispiel die Sehnsucht da-                           es nicht, wenn eine Gegenbewegung ein-
unbemerkt Dinge aus einem Rucksack:               nach, heil und ganz zu sein, oder von ande-                       setzt, zerstörerische Fantasien auftauchen:
Parfüm, Elektronik, Medikamente…                  ren angenommen zu werden, in beglücken-                           «Wie geil die Vorstellung wär, das alles loszu-
Sichtlich erleichtert eilt er seiner Gruppe       den Beziehungen zu leben, oder eine Spur                          werden, alles auf einen Haufen mit Brenn-
hinterher. Eine Szene aus dem Film                von Sinn zu finden und Antworten auf die                          paste und Zunder und es lodert und brennt
«Pilgern auf Französisch».                        grossen Fragen des Lebens. Die Beachtung                          so schön».
Was dem unerfahrenen Pilger schmerzhaft           dieser seelischen Bedürfnisse ist lebens-                         Aber es ist klar: Mit dem Loswerden des
klar wird, ereignet sich auch im ganz nor-        wichtig, aus ihr wächst Lebensfreude und                          Überflüssigen ist der unselige Kreislauf
malen Leben: Wir stehen vor unserem ma-           neue Kraft.                                                       noch nicht durchbrochen. Es braucht letzt-
teriellen Überfluss und spüren, dass er uns       Für das Bruttoinlandsprodukt mag es gut                           lich eine klare Absage an das «Immer-
nicht gut tut. «Eines Tages fällt dir auf, dass   sein, dass die Binnennachfrage ständig                            mehr»: «Ab heut nur noch die wichtigen Din-
du 99 Prozent nicht brauchst. Du nimmst all       steigt, für unsere persönliche Entwicklung                        ge», heisst es beschwörend. Und was sind
den Ballast und schmeisst ihn weg, denn es        ist es sicherlich kein Segen.                                     die wirklich wichtigen Dinge? Das erfährt
reist sich besser mit leichtem Gepäck»,                                                                             derjenige, der das Wagnis eingeht und
heisst es im Refrain des Silbermond-              Zum Beispiel: Beziehung                                           ernst macht mit «leichtem Gepäck».
Songs.                                            Zugegeben: Es ist nicht einfach, Beziehun-
                                                  gen zu gestalten und am Leben zu erhal-                                                           Detlef Kissner
Ein schmaler Grat                                 ten. Das zeigt sich schon beim Kennenler-
Eigentlich ist es ja nichts Verwerfliches,        nen: Wie gehe ich auf den anderen zu? Wie                         ■   Offizielles Musikvideo zum Lied:
materiell gut gestellt zu sein, sich etwas        spreche ich ihn an? Viele tun sich schwer,                            www.youtube.com/watch?v=ohHJjPSsW8c

4   forumKirche | 14-2017
Generation Smartphone - Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau - Katholische Pfarrei Romanshorn
Guatemala

«Wir müssen die Solidarität globalisieren»
Bischof kämpft für würdige Lebensbedingungen

«Guatemala ist ein reiches Land, die Men-      wollten. Einer der Anführer wurde angeklagt       grieren viele von ihnen in die USA und hof-
schen aber sind dennoch arm.» Das sagt         und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.          fen, dort Geld zu verdienen, nicht zuletzt
Álvaro Ramazzini, Bischof und Menschen-        «Das ist das legale politische System von         um ihre Familien in der Heimat zu unter-
rechtsaktivist, der mit Fastenopfer zu-        Guatemala. Ungerechtigkeit und Einschüch-         stützen. Dazu hat Bischof Ramazzini ganz
sammenarbeitet. Seit 35 Jahren setzt er        terung herrschen vor. Der Bürger darf sich        klare Forderungen. «Wir müssen uns für un-
sich für die Rechte der guatemalteki-          nicht für seine Interessen einsetzen. Die         sere jungen Menschen einsetzen. Es
schen Bevölkerung ein und setzt alles          Wirtschaft hat sämtliche Freiheiten, wäh-         braucht dringend eine Reform des Bil-
daran, dass die Menschen in Würde ein          rend die Bevölkerung leidet.» Dennoch             dungsgesetzes. Zudem müssen die Defizi-
gutes Leben führen können.                     sieht er auch eine vorsichtig positive Ent-       te im Gesundheitswesen behoben werden.
                                               wicklung seit den 30 Jahren, in denen er          Es kann nicht sein, dass die Menschen kei-
Obwohl ein Grossteil des Landes auf der        aktiv ist und sich unermüdlich für die Men-       ne ärztliche Betreuung bekommen und die
Halbinsel Yucatan fruchtbar ist, leiden ins-   schenrechte in seinem Heimatland ein-             Pharmaunternehmen ihre Produkte zu über-
besondere die Maya-Gemeinschaften unter        setzt. Er anerkennt, dass die Regierung et-       teuerten Preisen anbieten, die sich der
grosser Armut. Bergbau- und Wasserkraft-       was durchlässiger geworden ist. Bei der           Grossteil der Bevölkerung nicht leisten
projekte, Monokulturen von Ölpalmen,           Bevölkerung ist die Erkenntnis darüber, was       kann.» Der Bischof und Konrad-Lorenz-
Zuckerrohr oder Gemüse gefährden die           Ungerechtigkeit ist, gewachsen und damit          Preisträger wird nicht müde, auf die unhalt-
Umwelt und verschlechtern ihre Lebens-         auch das Verständnis – oder besser gesagt         baren Zustände in seinem Land aufmerk-
bedingungen zunehmend. Doch gerade             – der Mut, sich dagegen zur Wehr zu set-          sam zu machen. Denn er ist überzeugt,
Land ist für die Maya Dreh- und Angelpunkt     zen. Auch hier arbeitet Fastenopfer aktiv         dass er mit seinen Vorträgen, seinen Tref-
ihrer Kultur.                                  mit und unterstützt Projekte, die unter an-       fen mit Politikern und seinem unermüd-
                                               derem Rechtsberatung und Workshops in             lichen Einsatz Gleichgesinnte erreicht. Und
Lebensgrundlage bedroht                        Menschenrechtsarbeit anbieten.                    kurz vor der Ankunft in Bern fügt er noch
Bischof Álvaro Ramazzini erzählt, um die Si-                                                     hinzu: «Ich bin überzeugt, dass wir die Soli-
tuation im Land zu beschreiben, von einem      Gesundheitssystem verbessern                      darität globalisieren müssen, um der Wirt-
Wasserkraftwerk, das im Norden des Lan-        Dennoch hat sich die Situation Guatemalas         schaftsglobalisierung, die viele negative
des gebaut werden soll. Doch die Bewoh-        in den letzten Jahren erneut verschlechtert.      Auswirkungen hat, gemeinsam etwas
ner des Landstriches werden nicht etwa         Die Menschen sind ärmer geworden, die Ar-         Positives entgegenzusetzen.»
miteinbezogen oder können ihre Bedürf-         beitslosigkeit gestiegen und die Jugend
nisse formulieren, sie werden einfach vor      sieht für sich nur wenige Chancen. So mi-                                     Colette Kalt/Red.
vollendete Tatsachen gestellt. «Die Bau-
firma fährt mit ihren Maschinen auf. Das

                                                                                                                                                 Bild: Colette Kalt
Land haben sie vom Staat erworben. Künf-
tig werden sie das Wasser aus dem Fluss
brauchen und verschmutzen. Das Wasser
aber ist Lebensgrundlage für die Men-
schen, die dort wohnen. Die Bevölkerung
fühlt sich missbraucht, dagegen formiert
sich Widerstand.» Das ist nur eines der
Beispiele die Bischof Ramazzini anlässlich
seines Besuches in der Schweiz erzählt.
Auf der Zugfahrt von Zürich nach Bern, wo
er einen Vortrag zu der Menschenrechtssi-
tuation in Guatemala hält, schaut er immer
wieder aus dem Fenster und ist beein-
druckt von Landschaft, Flüssen und Ber-
gen. «Guatemala ist auch ein reiches Land,
aber im Gegensatz zur Schweiz sind seine
Bewohner arm.»

Eingeschränkte politische Rechte
Ramazzini lächelt sanft und erzählt mit ru-
higer Stimme von den Aktivisten, die in
Santa Cruz Barillias gegen dieses Wasser-
kraftwerk protestiert haben und dass dabei
eine Person starb. Er erwähnt Aktivisten,
die im Justizzentrum von Santa Ulalia auf
die Ungerechtigkeiten aufmerksam machen        Álvaro Ramazzini, Vorsitzender der guatemaltekischen Bischofskonferenz, zu Besuch in Bern.

                                                                                                                    forumKirche | 14-2017    5
Generation Smartphone - Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau - Katholische Pfarrei Romanshorn
Ökumene · 500 Jahre Reformation

Die Kirchen verbindet schon viel                                                                                         Wegbereiter u
Ein Interview mit Kardinal Koch                                                                                          Persönlichkeiten der Reformati

                                                                                                  Bild: Vera Rüttimann
Die Feier «500 Jahre Reformation» des                                                                                    Nur durch einen Zufall verpflichtete sich
Schweizerischen Evangelischen Kirchen-                                                                                   Martin Luther (1483–1546) der Kirche.
bundes (SEK) am 18. Juni in Bern stand im                                                                                Dort liess er keinen Stein auf dem ande-
Zeichen der Ökumene. Auch der Schwei-                                                                                    ren. Er kritisierte den Ablasshandel, legte
zer Kardinal Kurt Koch nahm an dem An-                                                                                   sich mit dem Papst an und schuf die theo-
lass teil. Im Gespräch mit kath.ch zeigt                                                                                 logischen Grundlagen für die Reformation.
er auf, dass trotz aller Unterschiede das                                                                                Luther hatte aber auch eine weniger
Verbindende der Konfessionen viel stärker                                                                                rebellische Seite.
zu betonen ist.
                                                                                                                         Das Werk eines Menschen ist mit seinem
Vor 500 Jahren fand die Reformation statt,                                                                               Lebensweg verknüpft. Für Martin Luther
die auch sehr gewalttätige Folgen hatte.                                                                                 traf dieser Grundsatz in besonderer Weise
Heute ist dies ein Anlass zur Feier. Was gibt                                                                            zu. Sein ungeheures Schriftwerk umfasst
es daran überhaupt zu feiern?                                                                                            127 Bände der Weimarer Ausgabe, beste-
Da gibt es zwei Dinge klar zu unterschei-                                                                                hend aus Bibelübersetzungen, Schriften,
den: Durch die Reformation ist es zu Spal-                                                                               Predigtreihen, Vorlesungsmanuskripten und
tungen und anschliessend zu grausamen            Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen                           Briefen. Luthers Schriften entstanden in
Kriegen gekommen. Dies kann man gewiss           Rates zur Förderung der Einheit der Christen,                           Auseinandersetzungen mit dem damaligen
nicht feiern. Auf der anderen Seite blicken      im Interview                                                            Zeitgeschehen und der geistigen Situation
wir auf fünfzig Jahre des ökumenischen                                                                                   der Kirche. Sein Wirken als Reformator hat
Dialogs zurück, der gezeigt hat, dass der                                                                                die Geschichte Europas entscheidend
Bruch nicht bis ins Fundament des Glau-          bundes eine profilierte Ansprechperson ha-                              geprägt, wie auch er selbst von den Um-
bens ging. Wir haben erkannt, dass uns           ben. Eine solche Stimme ist für den öku-                                brüchen der Zeit geprägt wurde.
mehr eint als uns trennt. Dafür dürfen wir       menischen Dialog wichtig.
dankbar sein.                                                                                                            Einschneidendes Erlebnis
                                                 Wird es in der Ökumene bei der heutigen                                 Am 10. November 1483 wurde Martin
Sie sagen, der Bruch ging nicht in die Tiefe.    gegenseitigen Akzeptanz bleiben oder ist                                Luther im sächsischen Eisleben als Kind
Von aussen schaut das anders aus.                eine Wiedervereinigung denkbar?                                         einfacher, frommer Leute geboren. Sein
Im Ökumenismusdekret des Zweiten Vati-           Im Johannesevangelium betet Jesus, dass                                 Vater arbeitete im Kupferbergwerk in Mans-
kanischen Konzils werden die Gemeinsam-          alle Jünger eins sein sollen. Die Einheit, die                          feld. Er wollte aus dem begabten Jungen
keiten betont: Die christlichen Kirchen ver-     Jesus wünscht, haben wir sicher noch nicht                              einen Rechtsgelehrten machen. Der Plan
bindet der Glaube an den Dreieinen Gott          erreicht. Doch was heute die christlichen                               wurde durch ein einschneidendes Erlebnis
und die gegenseitige Anerkennung der             Kirchen miteinander verbindet, ist schon                                zunichte gemacht, wonach Luther in ein
Taufe. Diese Grundlage ist wesentlich be-        sehr viel. Auf diesem Weg müssen wir vor-                               schweres Gewitter geriet und beinahe von
deutender als die Differenzen.                   angehen.                                                                einem Blitz erschlagen wurde. In Todes-
                                                                                                                         angst rief er die heilige Anna an und gelob-
In der Schweiz muss eigentlich von vielen        Ist das für Sie als «Ökumeneminister» des                               te: «Ich will Mönch werden.» Sich diesem
unterschiedlichen Reformationen ge-              Vatikans nicht frustrierend?                                            Gelübde verpflichtet fühlend, trat er 1505
sprochen werden. Ist das heute noch von          Für meine ökumenische Arbeit habe ich                                   in das Schwarze Kloster der Augustinerere-
Bedeutung?                                       Moses als Patron gewählt: Er führte die Is-                             miten in Erfurt ein. Nach der Priesterweihe
Die Inhalte der Reformation und die refor-       raeliten an, konnte selber aber nicht ins                               im Erfurter Dom wurde Luther durch den
matorischen Kirchen sind sehr unterschied-       Gelobte Land einziehen. Genauso ist es für                              Ordensvikar Staupitz an die Theologische
lich, nicht nur in der Schweiz. Die Kirchen in   mich wichtig, den Weg der Christen auf die                              Fakultät nach Wittenberg geschickt, um
Nordeuropa oder Grossbritannien unter-           Einheit hin zu begleiten, auch wenn ich das                             Theologie zu studieren. Nach der Promo-
scheiden sich stark von den reformierten         Ziel nicht mehr erleben werde.                                          tion zum Doktor der Theologie 1514 hatte
Kirchen hier. Aber in der Schweiz hat die                                                                                Luther 30 Jahre die Professur für Biblische
Reformation mit Zwingli in Zürich und            Gibt es aus Ihrer Sicht ein Ideal für die
Calvin in Genf tatsächlich ein sehr beson-       Ökumene heute?
deres Gesicht erhalten.                          Die Aufgabe ist, sich immer näherkommen,
                                                 indem wir Christus näherkommen. Dabei ist
                                                                                                                                            rn

                                                                                                                                                                              in
                                                                                                                                                                             ad

Macht das die Arbeit in der Ökumene              es wichtig, dass alle Christen den Weg mit-
                                                                                                                                       me

                                                                                                                                                                          Zw
                                                                                                                                                                          mp
                                                                                                                                      Zim

schwieriger?                                     einander gehen und zusammenarbeiten wol-
                                                                                                                                                                       h)
                                                                                                                                                                      ola

                                                                                                                                                                   ryc

Es kommt darauf an, welches der Partner          len. Besonders wichtig ist dabei, dass alle
                                                                                                                                  on

                                                                                                                                                   ec

                                                                                                                                                                    r
                                                                                                                                                                the

                                                                                                                                                               uld
                                                                                                                                 av

                                                                                                                                                 sO

ist! Ich bin dankbar dafür, dass die ver-        Christen in den verschiedenen Kirchen ge-
                                                                                                                                                             Lu

                                                                                                                                                            (H
                                                                                                                                rin

                                                                                                                                             ne

schiedenen reformierten Kirchen in der           meinsam Zeugnis von ihrem Glauben geben.
                                                                                                                                                        rtin

                                                                                                                                                          4
                                                                                                                                                    Ma 3
                                                                                                                          Ka 8

                                                                                                                                       Joh 2

                                                                                                                                                    Ulr 4
                                                                                                                            tha

                                                                                                                                                       ich
                                                                                                                                          an

                                                                                                                                                      48
                                                                                                                                                      48
                                                                                                                           47

                                                                                                                                         48

                                                                                                                                                      48

Schweiz im Präsidenten des Rates des
                                                                                                                                                   *1
                                                                                                                                                   *1
                                                                                                                         *1

                                                                                                                                      *1

                                                                                                                                                   *1

Schweizerischen Evangelischen Kirchen-                                          Martin Spilker

6   forumKirche | 14-2017
Generation Smartphone - Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau - Katholische Pfarrei Romanshorn
500 Jahre Reformation

  nd Rebell

                                                                     Bild: fotolia.com
  on: Martin Luther

            Theologie an der Wittenberger Universität
            inne. Gleichzeitig war er als Mönch Priester
            der Stadtkirche. Das Nachdenken über
            Römer 1,17 – «Der Gerechte wird aus
            Glauben leben» – besänftigte ihn in seiner
            Angst, dereinst vor dem Jüngsten Gericht
            nicht bestehen zu können. Die Einsicht und
            Gewissheit, dass es einen gnädigen Gott
            gibt, der jeden Menschen liebt, war für
            Luther persönliche Befreiung und theo-
            logische Erkenntnis zugleich.

            Kampf gegen Ablasshandel
            Der erste grosse Streit um Luther war ver-
            bunden mit dem Ablasshandel. In Anhalt                                       In Eisleben ist Martin Luther geboren und gestorben. Auf dem Marktplatz erinnert eine Statue an
            und Brandenburg wurden überall Ablass-                                       den Reformator.
            briefe verkauft; für die Gläubigen eine Gele-
            genheit, um den Gefahren des Fegefeuers
            und des ewigen Gerichtes zu entgehen.                                        kenntnis war, dass Gottes Gerechtigkeit           viele Jahre. 1534 erschien die erste voll-
            Der Erlös des Ablasses war eine wichtige                                     nicht Verderben, sondern Heil bedeutete,          ständige Ausgabe der Bibel in deutscher
            Einnahmequelle der römischen Kurie und                                       gerade für den sündigen Menschen.                 Sprache, illustriert von seinem guten
            diente der Finanzierung des Petersdoms in                                                                                      Freund und Künstler Lucas Cranach.
            Rom. Schon vor 1517 sprach sich Luther in                                    Verbannung durch den Papst
            Predigten gegen den Ablasshandel aus. Die                                    Mit den Jahren des Ablassstreites begann          Heirat während Bauernkrieg
            Kritik an der kirchlichen Praxis brachte ihn                                 der Weg der Reformation. Luther definierte        Privat waren Luthers letzten 25 Jahre von
            mehr und mehr in Gegensatz zur Lehre der                                     den Kirchen- und Sakramentsbegriff neu            Liebe erfüllt. 1525 heiratete er, mitten im
            katholischen Kirche und führte schliesslich                                  und bestritt den Unfehlbarkeitsanspruch           Bauernkrieg, die ehemalige Nonne Katharina
            1517 mit dem Anschlag der 95 Thesen an                                       des Papstes. 1520 wurde daraufhin unter           von Bora. Aus der glücklichen Ehe gingen
            der Wittenberger Schlosskirche zum Kon-                                      Papst Leo X. der Ketzerprozess gegen ihn          sechs Kinder hervor. Liebevoll nannte er sie
            flikt zwischen Luther und Rom.                                               aufgenommen. Er sollte seine Lehre wider-         «mein Herr Käthe». Er sah sie «als von Gott
                                                                                         rufen. Luther verbrannte die Bannandro-           zugedacht» und lernte nach vielen Jahren
            Wort Gottes im Zentrum                                                       hung mit dem gesamten päpstlichen Recht           des Zölibats das Eheleben schätzen.
            Ein Programm für eine Reformation war                                        vor dem Elstertor zu Wittenberg und sagte         Problematisch wurde im Alter sein Verhält-
            jedoch nicht sein Ziel. Ihm ging es darum,                                   sich dadurch endgültig von Rom los. Im Ja-        nis zu den Juden. Dennoch, «Luthers religi-
            das Wort Gottes, wie es die Schrift be-                                      nuar 1521 verhängte der Papst den Bann-           ös-eschatologisch begründeter Antisemi-
            zeugt, «sola scriptura» (allein die Schrift),                                fluch über Luther. Von der römischen Kirche       tismus kann nicht mit dem rassistischen
            wieder zur Richtschnur der kirchlichen                                       als Ketzer erklärt, wurde Luther auf Druck        Antisemitismus der Moderne gleichgesetzt
            Verkündigung und des kirchlichen Lebens                                      des deutschen Kaisers vor den Reichstag           werden», schreibt der Historiker Heinz
            werden zu lassen. Zusammen mit «sola                                         zu Worms beordert, seine Lehre zu widerru-        Schilling in seinem Buch «Rebell in einer
            fide» (allein aus Glauben) und «sola gratia»                                 fen. Luther widerrief nicht. Kurfürst             Zeit des Umbruchs». Nicht zu vergessen,
            (allein aus Gnade) bildet das «sola scriptu-                                 Friedrich der Weise von Sachsen liess             Luthers Liebe zur Musik. Seine zahlreichen
            ra» die Grundelemente der reformatori-                                       Luther auf die Wartburg entführen und             Kirchenlieder und Choräle standen im Zei-
            schen Lehre von der Rechtfertigung, wo-                                      brachte ihn so in Sicherheit. Dort begann         chen der Verkündigung des Evangeliums
            nach der Mensch allein durch den Glauben                                     dieser, die Bibel ins Deutsche zu überset-        und zur Stärkung der Seele.
            vor Gott gerecht gemacht wird und nicht                                      zen. Die Übersetzungen aus dem Hebräi-
            durch Werke des Gesetzes. Die neue Er-                                       schen und Griechischen beschäftigten ihn                             Rosemarie Hoffmann/Red.
                                                                                                                                                       r
                                                                                                                                                    ge
                                                                                                                                                  is/

                                                                                                                                            Bu -
                                                                                                                                      in/ nd
                                                                                                                                               llin
                                                                                                                                             Alb
                   n)

                                                                                                                                               is
                                                                                                                                            ers

                                                                                                                                  alv Abe
                                                                                                                                           ion
                  dia
 li

                                                                                                                                         ers
ng

                                                                                                                                          m
                                                                                                                               eo Luth

                                                                                                                                       lig
                (Va

                                                                                                                                     la
                              er

                                                                                                                               s C s:
                                                                                                                                    uth
                                                        on

                                                                                                                                  Re

                                                                                                                            en nu
                             au

                                                                                                                                  pe
                                                                                                                                  X
                                                      hth
            att

                                                                                                                         ps ion
                                                                                         er

                                                                                                                                 gL
                                         r

                                                                                                                         ns uri
                            ch

                                                                                                                        ng Kap
                                          e

                                                                                                                        na tio
                                                                                                     in
                                                                         g
                                      lar
           nW

                                                      nc

                                                                                                                       Pa ikat
                                                                                                                             hla
                        ros

                                                                                                   alv
                                                                    llin

                                                                                                                       ko Tig
                                                                                                                             tL

                                                                                                                     tia itu
                                    sB

                                                 ela

                                                                                                                           lis
                                                                                                                             i
                                                                                                 sC

                                                                                                                d Z be
                                                                                                                          sc
                                                               Bu
                        hF
      vo

                                                                                                                 ris Inst
                                                                                                                          e
                                                                                                                 rch mun

                                                                                                                  hls us
                                                 pM
                                   siu

                                                                                                             an

                                                                                                              To acht

                                                                                                              ma ens
                                                                                                ne
                      top
      im

                                                              ich

                                                                                                                      wi
                                                                                                           en

                                                                                                                     m

                                                                                                                      :
                                bro

                                                                                          Joh 9
Joa 4

                                          Ph 7
                              Am 2
                Ch 0

                                                        He 4

                                                                                             an

                                                                                                                    n
   ch

                                            ilip

                                                                                                                 21

                                                                                                                 49
                                                                                                                 36
                                                                                                        17
                                                          inr

                                                                                                                 31
                  ris

                                                                                            50

                                                                                                                 ns
                                                                                                                 ko
                                            49
                               49
                 49

                                                         50

                                                                                                                 lvi
                                                                                                        es

                                                                                                                 hl
                                                                                                              15

                                                                                                              15
                                                                                                              15

                                                                                                              Co
                                                                                                     15

                                                                                                              15

                                                                                                              Ca
                                                                                                              Ex

                                                                                                              Ch
                                                                                                              du

                                                                                                              Sc
                                                                                         *1

                                                                                                     Th
                                         *1
                             *1
            *1

                                                       *1

                                                                                                                                                               forumKirche | 14-2017       7
Generation Smartphone - Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau - Katholische Pfarrei Romanshorn
Leserbrief · Kirche Schweiz

Leserbrief

                                                                                                                                              Bild: pixabay.com
forumKirche Nr. 12, Seite 2 bis 4: Eine
selbstverständliche Willkommenskultur
Der Bericht betreffend die Ablehnung eines
homosexuellen Seelsorgers als Spitalseel-
sorger (Ostschweiz am Sonntag, 11. Juni
2017) durch Bischof Gmür hat mich nach-
denklich gestimmt. Ich kenne den betroffe-
nen Seelsorger und die genauen Umstände
nicht, aber die Begründung, warum der
Spitalseelsorger seine Stelle nicht antreten
kann, ist für mich mehr als bedenklich.
Wie kann es sein, dass das Kirchenrecht
die Lebensform einer Person höher einstuft
als ihre Fähigkeiten? (Siehe: «Die An-
stellung von Priestern, Diakonen, Laien-
theologen/-innen… Missio canonica –
28.02.2017). Ist ein Mensch, der in einer
kirchlich anerkannten Lebensform lebt (wie
das Zölibat oder die Ehe zwischen Mann
und Frau), wirklich ein besserer Mensch?
Was ist mit den Missbrauchsfällen in den
letzten Jahrzehnten? Was ist mit den Pries-      Was kann aus veralteten Bibeln entstehen?
tern, die in heimlicher Beziehung mit einer
Frau leben und ihren gemeinsamen Kin-
dern? Warum ist die Bistumsleitung nicht
willens, auch andere Lebensformen an-
                                                 Zu schade fürs Altpapier
zuerkennen? Es geht nicht darum alles auf        Kreativer Umgang mit ausrangierten Bibeln
den Kopf zu stellen, sondern dass differen-
zierter entschieden und gehandelt wird.          Weil im vergangenen Jahr eine neue katholische Einheitsübersetzung der Bibel auf den
Hat Jesus nicht viele Menschen an seinen         Markt kam, müssen nach und nach Hunderte von Bibeln in Pfarreien ersetzt werden.
Tisch eingeladen, die nicht dem Denk-Sche-       Das Schweizerische Katholische Bibelwerk (SKB) und das Religionspädagogische Institut
ma der Pharisäer und ihren Gesetzen ent-         Luzern (RPI) wollen nun mit einem Wettbewerb zu einem kreativen Umgang mit
sprochen haben, um mit ihnen als gleich-         ausrangierten Bibeln anregen.
wertige Mitarbeiter am Reich Gottes
weiterzubauen? Hat er nicht die damaligen        Beim Wettbewerb «Bibelwerken» gehe es darum, auf konstruktive und kreative Weise die
teilweise menschenverachtenden Gesetze           Frage auszuloten, was mit «Heiliger Schrift» geschehen kann, wenn sie nicht mehr
angeprangert und neu interpretiert? Wie          gebraucht wird.
kann es sein, dass die Botschaft Jesu von        Religiöse Schriften hätten als besonderes kulturelles Erbe auch bei der Entsorgung
seinen Stellvertretern dem Kirchengesetz         entsprechende Sorgfalt verdient, heisst es auf der Webseite des Wettbewerbs. Die beiden
untergeordnet wird?                              Organisationen weisen dort darauf hin, dass es sowohl im jüdischen als auch im islami-
So verwundert es nicht, dass sich sehr vie-      schen Kontext Empfehlungen gebe, wie sich beschädigte Thora-Rollen oder Ausgaben des
le engagierte Katholiken von der offiziellen     Koran entsorgen lassen. «Für christliche Bibeln gibt es keine Leitlinie, aber gute Ideen.»
Kirche abwenden (teils mental, teils ganz).      Und diese wollen das Bibelwerk und das Religionspädagogische Institut mit Hilfe des
Zum guten Glück setzen sich trotzdem viele       Wettbewerbs sammeln. Der Wettbewerb soll ein Anstoss sein, sich mit der Frage aus-
weiterhin im Sinne Jesu für eine menschen-       einanderzusetzen, «was eigentlich die Heiligkeit einer Schrift ausmacht» und was dies für
gerechtere Kirche ein. Für viele Junge ist       den Umgang mit ihr bedeutet.
die Kirche nicht mehr glaubwürdig. Sie
entfernen sich ganz von der Kirche. Es ist       Mindestens zwölf Bibeln verwerten
höchste Zeit, dass sich die Verantwort-          Am Wettbewerb können Einzelpersonen und Gruppen teilnehmen, etwa Schulklassen,
lichen im Bistum Gedanken machen, wel-           Gruppen von Firmanden oder von Pfarreimitgliedern. Sie sind eingeladen, kreativ nach
che Botschaft sie vertreten wollen, die der      Lösungen zu suchen, «wie überholte Bibeln mehr sein können als Altpapier».
Evangelien oder die eines teils fragwürdi-       Die Projekte der Teilnehmer müssen mindestens zwölf ausrangierte Bibeln verwerten.
gen Kirchenrechtes.                              Eine unabhängige Jury prämiert die drei besten Projekte. Der erste Preis ist mit 500
Ich hoffe sehr, dass sich der betroffene         Franken dotiert. Projekte können bis am 14. Februar 2018 eingereicht werden.
Seelsorger nicht entmutigen lässt, und
seine seelsorgerischen Fähigkeiten weiter-                                                                                     kath.ch/Red.
hin den Mitmenschen angedeihen lassen
kann, auch ausserhalb der «offiziellen»          ■   Nähere Infos: www.bibelwerken.ch
Kirche.

                            Rainer Naeff-Ludin

8   forumKirche | 14-2017
Generation Smartphone - Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau - Katholische Pfarrei Romanshorn
Kinder fragen …

Zeichnung:
Cansel (12)

                     Die 2d-Klasse der Mittelschule Kirchdorf in Lustenau, Vorarlberg, hat das Philosophieren
                     vor einem Jahr kennengelernt. Heute sind die Schülerinnen und Schüler im Alter von 11 bis
                     12 Jahren in zwei Gruppen geteilt. Die eine Hälfte macht sich Gedanken über «Wieso gibt
                     es Propheten?», die anderen sieben wollen folgendes wissen:

Wie wird die Zukunft aussehen?
                     Wir starten, indem wir unseren Gesprächsball reihum         die Welt kommen.» – «Also ich würde das nicht wollen.
                     geben: «In 3 Millionen Jahren wird es Ufos und fliegen-     Mir war das Baby im Bauch schon gross genug.» – «Wie
                     de Autos geben.» – «In 30 Jahren werden Roboter den         soll das überhaupt gehen?» – «Maschinen könnten die
                     ganzen Haushalt machen.» – «Wir werden alle fett            Kinder machen.» – «Nein, das geht nicht.» Den Kindern
                     sein.» – «Die Schiedsrichter beim Fussball werden Ro-       wird bewusst, dass manches möglich ist und anderes
                     boter sein.» – «Roboter werden unsere Hausübung ma-         nicht. Daher fragen wir uns erneut, wie wir die Zukunft
                     chen». Wir einigen uns darauf, die Welt in 100 Jahren       gerne hätten. Auch Vorstellungen wie, dass wir alle
                     in den Blick zu nehmen. Die Roboter aufgreifend frage       reich sind, führen zu Schwierigkeiten. Uns fällt auf,
                     ich: «Wenn die Roboter alles für uns machen, selbst         dass wir uns nicht einig werden. Am Ende der Stunde
                     die Hausaufgaben, wie ist das dann für uns?» – «Lang-       bringt ein Mädchen ihren Beitrag ganz leise. Es wird
                     weilig» – «Ok. Was ist, wenn uns langweilig ist?» –         verstanden, dass in Zukunft alle fliegen können. Sofort
                     «Dann werden wir fett.» – «Wenn alle fett sind, was ist     geht es wieder los, wie das denn möglich sein könnte.
                     dann?» – «Dann sterben wir.» – «Ok. Was ist, wenn es        Aber dann hören die Mitschüler doch, was sie meinte:
                     keine Menschen mehr gibt?» – Kurzes Schweigen. Un-          «Eine Welt, die jeder wollen würde, wäre eine, auf der
                     verständnis. Wie soll das gehen? «Nehmen wir einfach        überall Frieden ist.»
                     mal an, es gäbe keine Menschen mehr. Wie würde die
                     Welt aussehen?» – «Es gäbe auch keine Tiere, weil die                              Maria Rüdisser, Kinderphilosophin
                     Menschen sie nicht mehr füttern könnten.» Obwohl
                     klargestellt wird, dass viele Tiere die Menschen nicht
                     brauchen, bleiben einige dabei: ohne Menschen keine
                     Tiere. Für viele Schülerinnen und Schüler ergibt die Vor-
                     stellung einer Welt ohne Menschen gar keinen Sinn.
                     Daher frage ich: «Eine Welt ohne Menschen ist schwer
                     vorzustellen und auf jeden Fall etwas, das wir nicht wol-
                                                                                  Mitmachen! Wenn Ihnen Ihr Kind oder Enkel schon einmal
                     len. Wie würde Euch die Welt gefallen?» – «Wenn es
                                                                                  eine «grosse Frage» gestellt hat, schicken Sie sie an uns
                     keine kleinen Kinder gäbe. Die sind nämlich lästig.» –       (redaktion@forumkirche.ch). Wir versuchen darauf zu
                     «Was? Dann würde es uns ja gar nicht geben. Wir wa-          antworten. Wir freuen uns auch über Kinderzeichnungen.
                     ren auch mal klein.» – «Wir könnten ja gleich gross auf

                                                                                                                 forumKirche | 14-2017        9
Generation Smartphone - Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau - Katholische Pfarrei Romanshorn
Ethik · Kirche ohne Grenzen – Albanisch

Kirche besser als Hedgefonds                                                                                                     «Heimat in die
Ethische Anlagen bringen mehr ein                                                                                                Neue Mutter-Teresa-Statue in

Gier ist gut. Mit diesem Motto prägte die      nen.» Die Kirche hat ihr Geld auch in Forst-                                      Schon bald ein Jahr ist es her, dass die
«Wall Street»-Filmfigur Gordon Gekko in        gebiete investiert. Dort beträgt das Plus                                         albanische Ordensfrau Mutter Teresa in
den Achtzigern das Image des skrupel-          mehr als 24 Prozent. Über die letzten 30                                          Rom von Papst Franziskus heiliggespro-
losen, aber erfolgreichen Geldmanagers.        Jahre kommt eine beachtliche Rendite von                                          chen wurde. Scharen von Menschen
Eine kirchliche Institution hat nun den        mehr als neun Prozent pro Jahr zusammen.                                          reisten damals nach Rom, um live dabei
Beweis erbracht, dass die Todsünde Gier        Die für ihre riskanten Anlageentscheide be-                                       zu sein. Ein Anlass, der nun auch in Wil
keine Bedingung ist, um erfolgreich Geld       kannten Hedgefonds fuhren 2016 im                                                 Konsequenzen hat.
anzulegen. Denn viele Banken und Ver-          Schnitt eine Performance von 5,5 Prozent
mögensverwalter dürften derzeit neidisch       ein, schreibt die «Basler Zeitung» weiter.                                        Es war die Heiligsprechung in Rom, die die
nach Grossbritannien schauen, schreibt                                                                                           albanischen Gläubigen in Wil auf eine Idee
die «Basler Zeitung».                          Einfluss auf Unternehmen                                                          brachte. Der Missionar Don Albert Demaj
                                               Das gute Anlageergebnis sorgt für volle                                           erinnert sich: «Wir wollten etwas Spezielles
Die Church of England verwaltet ein Vermö-     Kassen. 230 Millionen Pfund schüttete die                                         machen, und fragten uns: Was können wir
gen von rund acht Milliarden Pfund. In Zei-    Kirche letztes Jahr aus. Das sei zwar ein                                         persönlich für das Andenken an die heilige
ten mit rekordtiefen oder gar negativen Zin-   willkommener Zuschuss, entspreche aber                                            Mutter Teresa machen?» Und jetzt, ein
sen hat die englische Landeskirche mit         nur rund 15 % des jährlichen Einkommens,                                          knappes Jahr später, ist das Resultat da:
ihren Anlagen 2016 um mehr als 17 Pro-         heisst es bei der Church of England. Der                                          Am 10. Juni 2017 wurde eine Statue
zent zulegen können. Darüber berichtete        grösste Teil des Kirchenhaushalts würde                                           von Mutter Teresa in Wil, bei der Kirche
«The Guardian». Die englische Kirche über-     nach wie vor von den Spendern kommen.                                             St. Peter aufgestellt. Dies geschah in Zu-
trumpft damit viele professionelle Geld-       Die Church of England verdient mit ihren In-                                      sammenarbeit mit der Pfarrei Wil und der
verwalter. Zum Vergleich: Die grossen          vestments nicht nur gutes Geld. Sie übt                                           Albanermission. Mit einem Gottesdienst
Schweizer Pensionskassen erreichten in         auch ihren Einfluss auf die Geschäfte der                                         und anschliessendem Festakt wurde das
den letzten Jahren eine durchschnittliche      Unternehmen aus, von denen sie Beteili-                                           Ereignis gebührend gefeiert. Unter den
Rendite zwischen zwei und vier Prozent.        gungen hält. Sie setzt sich dafür ein, dass                                       Gästen waren Persönlichkeiten, wie zum
                                               die Firmen mehr auf den Umweltschutz ach-                                         Beispiel Don Lush Gjergji, der Generalvikar
Strenge Kriterien                              ten oder keine exorbitanten Managerlöhne                                          der Diozöse Kosovo, oder Kastriot Tusha,
Die Kirche führt ihre erfolgreiche Anlage-     bezahlen. Zudem habe sie sich dafür einge-                                        der berühmte Sänger aus Albanien.
politik nicht auf den Beistand von ganz        setzt, dass mehr Frauen in die Verwaltungs-
oben zurück. Vielmehr glaubt sie so erfolg-    räte kommen. Die Kritik der Church of Eng-                                        Antrag bewilligt
reich zu sein, weil sie bei ihren Geldent-     land zeigt Wirkung. Die Rohstoffkonzerne                                          Weshalb diese Statue genau in Wil aufge-
scheiden nicht jedem Trend nachrennt und       Glencore und Anglo American legen nach                                            stellt wurde, begründet Demaj folgender-
ihr Geld nach strengen ethischen Kriterien     dem Einsatz der Kirche Klimaberichte vor.                                         massen: «Jede zweite Woche findet in Wil
anlegt. Gegenüber dem «Guardian» sagte                                                                                           ein albanischer Gottesdienst statt. Bei die-
der für die Aktienanlagen zuständige                                                                     Markus Baumgartner      sem Gottesdienst nehmen sehr viele Men-
Richard Saunders: «Wir haben immer ge-                                                                                           schen teil. Die Kirche ist jeden Sonntag
sagt, dass ethische Anlagen kein Nachteil      ■   Nähere Infos www.bazonline.ch/wirt-                                           proppenvoll. In Wil selber, wie auch in der
für uns sind. Ich würde nun nicht bestrei-         schaft/englische-kirche-laesst-hedge-                                         Umgebung, haben wir äusserst viele alba-
ten, dass sie sogar ein Vorteil sein kön-          fonds-alt-aussehen/story/11838446                                             nisch sprechende Gläubige.» Zudem war
                                                                                                                                 Mutter Teresa einmal für ein paar Tage in
                                                                                                                                 der Schweiz zu Besuch gewesen. Die Alban-
                                                                    Bild: Hans Musil/Wikimedia Commons

                                                                                                                                 ermission stellte deshalb einen Antrag an
                                                                                                                                 die Pfarrei. «Wir sind unheimlich froh, dass
                                                                                                                                 Roman Giger diesen Antrag rasch ange-
                                                                                                                                 nommen hat, und wir uns schnell auf das
                                                                                                                                 weitere Vorgehen einigen konnten», führt
                                                                                                                                 Demaj aus.

                                                                                                                                 Erfüllt mit Stolz
                                                                                                                                 «Der albanischen Ordensfrau auf diese Art
                                                                                                                                 die Ehre zu erweisen, erfüllt unsere Mis-
                                                                                                                                 sion mit Stolz», so Demaj weiter, «darum
                                                                                                                                 haben sich unsere Gläubigen sehr über die
                                                                                                         Die Church of England   Verwirklichung dieser Idee gefreut.» Sie ha-
                                                                                                         ist finanziell gut      ben die Bronze-Statue finanziert und auch
                                                                                                         aufgestellt: hier die   die nötigen Umgebungsgestaltungen ehren-
                                                                                                         Kathedrale von          amtlich vorgenommen. «Alles geschah vol-
                                                                                                         Canterbury.             ler Freude und Enthusiasmus. Unseren

10 forumKirche | 14-2017
Kirche ohne Grenzen – Albanisch

Schweiz bringen»
Wil

                                                                                                                                                          Nach der Einweihung
                                                                                                                                                          und Segnung der
                                                                                                                                                          Mutter-Teresa-Statue
                                                                                                                                                          im Garten von
                                                                                                                                                          St. Peter. Don Albert
                                                                                                                                                          Demaj links und Don
                                                                                                                                                          Lush Gjergji rechts von
                                                                                                                                                          der Statue.

                                                                                                                                         Bild: InfoWILplus.ch
      Gläubigen lag sehr viel daran, etwas
      Heimat in die Schweiz zu bringen. Das                       Idejën tonë për statujën e Nënës Terezë
      haben sie nun geschafft», beschreibt
      Demaj die Umstände.                                         Një intervistë me Misionarin Don Albert Demaj
      Bedeutung und Wurzeln                                       Vitin e kaluar, derisa përgatitëshim për të shkuar në Romë, në shenjtërimin e Nënës
      «Die Statue in Wil hat einen enormen Stel-                  Tëreze, menduam, si mund të bëjmë diçka të veçantë edhe ne për të. Dhe kështu na
      lenwert, besonders auch für ältere Men-                     lindi ideja të bëjmë një statujë, pasi që Nëna Tëreze, mund të sjell frymëzim pozitiv tek
      schen der Mission, welche bereits pensio-                   të gjithë njerëzit që e dëgjojnë emrin e saj apo e shohin statujën e saj.
      niert sind. Diese kamen in die Schweiz, um                  Idejën tonë për statujën e Nënës Terezë ia paraqitëm famullisë në Wil për dy arsyena:
      ein besseres Leben für ihre Kinder und En-                  E para: Këtu kemi meshën shqip dy herë në muaj dhe pjesëmarrja e popullit, siç e dini
      kelkinder zu schaffen», erklärt Demaj den                   është shumë e madhe. Pastaj në Wil dhe rrethinë jetojnë shumë shqiptar katolikë.
      hohen Stellenwert. Die Statue sei ein Sym-                  E dyta: kam dëgjuar se Nëna Tëreze ka pas lidhje direkte me Zvicrën. Një shoqatë
      bol der Heimat wie auch des heutigen Le-                    humanitare me seli në Luzern, e ka ndihmuar për shumë vjet me radhë veprimtarinë
      bens in der Schweiz, wo die katholischen                    e Nënë Tërezës. Bile viteve të shtatdhjeta, Nëna Tëreze i ka vizituar dhe ka qëndruar
      Albaner eine zweite Heimat gefunden ha-                     dy tre ditë në Luzern.
      ben. «Die Anwesenheit von Mutter Teresa,
                                                                  Çfarë do të thotë për ju?
      in Form einer Statue, erinnert uns immer
                                                                  Statuja e Nënë Tërezës në Wil, ka domëthënje të madhe. Duke pas parasysh se ne kemi
      an die bedingungslose Liebe und den Hu-
                                                                  shumë besimtar të moshuar në Wil, pensionera, ata tani e tutje mund të vijnë pranë
      manismus eben dieses Vorbildes.» Die
                                                                  stutjës së saj dhe të luten. Prania e Nënës Tëreze, në qytetin tonë të bukur, në formën e
      Menschen würden sich ein Beispiel am Le-
                                                                  statujës, na frymëzon edhe ne, në fytyrën e njëri tjetrit, të dallojmë fytyrën e Jezu Krishtit.
      ben der Heiligen nehmen. Ein Leben, in
                                                                  Nëna jonë Tëreze, na mëson të bëhemi një laps në duar të Zotit, duke e lejuar atë, që
      dem man anderen helfe, füreinander da sei
                                                                  nëpërmes nesh, të shkruaj një histori humanizmi dhe dashurie.
      und in Solidarität miteinander lebe. Für vie-
                                                                  Pastaj Nëna Tëreze, si asnjë personalitet tjetër na mëson si të ruajmë identitetin
      le sei Mutter Teresa nach wie vor die perso-
                                                                  kombëtar dhe fetar edhe këtu në Zvicër. Ajo kur mori çmimin Nobel për paqe në Oslo
      nifizierte Nächstenliebe.
                                                                  (1979) para të pranishmëve pati thënë: Me nënshtetësi jam indiane, me gjak jam
                                                                  shqiptare, jam murgeshë katolike, por zemra ime i përket Jezu Krishtit.
            Text und Übersetzung: Marijeta Cerkini
                                                                  Mesha ne Wil
                                                                  Për inaugurimin e shtatorës kemi ftuar don Lush Gjergjin, vikar gjeneral i ipeshkvisë së
                                                                  Kosovës, biografi më i njohur shqiptar i Nënë Tërezës, pastaj në bashkëpunim me
                                                      Bild: zVg

       Marijeta Cerkini (23)                                      famullitarin e Wil – it, kemi organizuar meshën dhe festën. Pasi që kjo është një ngjarje
       stammt ursprünglich aus                                    e madhe për ne si Mision dhe shqiptar, kemi thirr Ambasadën e Kosovës dhe të
       dem Südosten des Kosovos                                   Shqipërisë, Ministrinë e Diasporës nga Kosova, mediat lokale, kantautorin e njohur
       und studiert in Luzern.                                    shqiptar nga Shqipëria Kastriot Tusha, që një këngë ia ka kushtuar Nënë Tërezës e
                                                                  shumë mysafir të tjerë.

                                                                                                                                       forumKirche | 14-2017 11
Thurgau

Lagerleben als Lebensschule
Suchtprophylaxe im Ferienlager

                                               Bild: zVg
Viele Kinder und Jugendliche besuchen im
Sommer ein Ferienlager. Hinter den Kulis-
sen sorgen Institutionen für die Aus- und
Weiterbildung der Leitenden. So setzt
sich der Thurgauer Verein PROphyl aus-
drücklich für die Suchtprophylaxe ein.

Sommerzeit ist Lagerzeit. Das gilt vor allem
für Kinder und Jugendliche. Beliebt sind
etwa die Angebote von Jungwacht Blauring
(Jubla). Sie stehen allen Kindern und Ju-
gendlichen unabhängig von ihrer Konfes-
sion oder ihrem kulturellen Hintergrund of-
fen. Vorbereitet und geleitet werden die
Jubla-Lager von jungen Erwachsenen in eh-
renamtlicher Tätigkeit. 2016 nahmen im
Kanton Thurgau ungefähr 750 Kinder und
300 Leitende teil. Von 21 Scharen beteili-
gen sich zudem 15 am Programm des Ver-
eins PROphyl. Der Verein engagiert sich für
die Suchtprävention und Gesundheitsförde-
rung in Kinder- und Jugendverbänden des
Kantons. «PROphyl deckt ganzheitliche
Suchtprävention ab», sagt Patrizia Geiges.
Sie ist im Vorstand von PROphyl und dort                   Kinder stärken ihre Persönlichkeit im Spiel.
die Verantwortliche für Jubla.

In Ausbildung investieren                                  problematik. Das heisst pro Lager werden       wahrnehmung», meint die Fachfrau. Also
Die Aufklärungsarbeit von PROphyl beginnt                  fünfmal zwei Stunden direkt oder indirekt      um Fragen wie: Spüre ich meinen Körper,
mit einem eintägigen Grundkurs für Lei-                    der Suchtprävention gewidmet. Oft könnten      wo sind meine Grenzen, wie kann ich
tungspersonen. Zudem stellt der Verein                     sich solche Programmpunkte mit den Inhal-      meinem Körper etwas Gutes tun?
spezielle Coaches zur Verfügung, die bei                   ten eines Sportblocks, wie sie etwa von
der Lagervorbereitung helfen; er stellt The-               Jugend und Sport gefordert werden, über-       Reflexion und Inputs
menideen bereit und überprüft das Pro-                     schneiden. «Spiel und Sport fördern ja die     Negative Rückmeldungen auf die direkte
gramm. «Wer in seinem Lager eine ausge-                    soziale Gesundheit eines Jugendlichen und      Sensibilisierungsarbeit hat Patrizia Geiges
bildete PROphyl-Leitungsperson hat, kann                   dienen damit der Suchtprävention», sagt        in ihrer Zeit als Lagerleiterin selten erlebt.
mit finanzieller Unterstützung rechnen», so                sie. Aber auch das kritische Hinterfragen      Sie findet denn auch die Lager mit Beteili-
Geiges. Ziel aller Massnahmen ist es, Kin-                 des eigenen Freizeitverhaltens könne ein       gung von PROphyl unterschieden sich äus-
der und Jugendliche in Ferienlagern phy-                   Programmpunkt sein. So habe man etwa           serlich kaum von anderen. Der Unterschied
sisch, psychisch und sozial zu stärken.                    schon mit den Kindern ein Freizeitprofil er-   finde eher in den Köpfen der Teammitglie-
Das sind freilich Ziele, die auch die Schule               stellt, auf dem der Zeitanteil von Handy-      der statt. «Sie machen sich bei der Vorbe-
anvisiert. Braucht es diese Suchtprophy-                   und Fernsehkonsum demjenigen vom Spie-         reitung Gedanken dazu, was man mit einem
laxe in den Ferien? «Ja», findet Patrizia                  len im Freien gegenübergestellt wurde.         Block erreichen will.» Bei der Durchführung
Geiges, «im Lager passiert die Prävention                  «Das bietet jeweils guten Gesprächsstoff»,     lege man dann Wert auf eine kurze Refle-
auf spielerische Art.» Oft merkten die Kin-                sagt Geiges.                                   xion und eine Rückmeldung der einzelnen
der gar nicht, dass sie gerade etwas zur                   Als besonders wichtig empfindet Patrizia       Teilnehmenden. «Wir fragen etwa: Wie war
Suchtprävention machen. So sei schon das                   Geiges, «dass die Themen altersgemäss          die Zusammenarbeit, wie hast du dich oder
Ferienlager an sich ein Beitrag zu ihrer so-               vorbereitet sind». Bei den Jüngeren gehe       die Gruppe erlebt?» So fördere man die
zialen Gesundheit. Denn dieses schule ihre                 es dann etwa um die Frage: Was mache           Selbstreflexion und erhalte wertvolle Rück-
Teamfähigkeit und stärke das Bewusstsein                   ich, wenn mir langweilig ist? «Mit den Jün-    meldungen. Rückmeldungen, die auch die
der eigenen Persönlichkeit. Es seien also                  geren kann man ein Spiel machen, zeich-        Leitenden wieder aufgreifen können. Sie
eher die Leitenden, die sich bei der Vorbe-                nen oder Theater spielen.» Die Älteren kön-    haben in regelmässigen Abständen Gele-
reitung der Suchtthematik bewusst seien.                   ne man dagegen direkt auf die eigentliche      genheit, sich in Wiederholungskursen von
                                                           Suchtproblematik ansprechen und mit ih-        PROphyl auszutauschen und wichtige Anre-
Spielerisch und sportlich                                  nen diskutieren. «Dabei geht es nicht nur      gungen und Inputs zu erhalten.
Laut Patrizia Geiges befassen sich die                     um Medienverhalten und Drogensucht, son-
meisten Jubla-Lager intensiv mit der Sucht-                dern auch um Essverhalten und Körper-                                 Sibylle Zambon-Akeret

12 forumKirche | 14-2017
Sie können auch lesen