Kein "Fluch der Götter": Lepra und Tuberkulose - Deutsch ...
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Kostenlos, wir freuen uns über Spenden! Nr. 77 • 4. Quartal 2017 • www.diz-ev.de
Das Magazin der Deutsch-Indischen Zusammenarbeit e. V.
Kein „Fluch der Götter“:
Lepra und Tuberkulose
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
fördert Aufklärungsprojekt des Ecumenical Sangam
Seite 42 DIZ aktuell • Nr. 77 • 4. Quartal 2017
Liebe Freunde und Unterstützende,
sondieren Sie noch oder haben Sie sich
schon entschieden, wohin die Weih-
nachtsspende in diesem Jahr gehen soll?
Der Begriff Sondierung steht allgemein
für Untersuchungen zur Beurteilung
und Abschätzung bestimmter Verhält-
nisse. Hierzu möchten wir Ihnen gerne
eine Entscheidungshilfe geben. In diesem
Herbst hat das Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent-
wicklung (BMZ) uns gemeinsam mit dem
Ecumenical Sangam ein Projekt zur Auf-
klärung hinsichtlich der sogenannten ver-
gessenen Krankheiten (Lepra und Tuber-
Auf gute Zusammenarbeit: Dr. Herbert Flath und Dr. Jona A. Dohrmann. Foto: Caroline Link
kulose) bewilligt. Bis Ende 2020 wird der
Sangam nicht nur die Bevölkerung in sei-
nem Arbeitsgebiet über die vorgenannten ren und aufklären, sondern auch Mittler, Shenbakkam – Deutsch-Indische Zusam-
nicht eradizierten Krankheiten informie- das heißt Personen, die in ihrem Berufsle- menarbeit e. V. Der Vorstandsvorsitzen-
ben mit diesen Krankheiten zu tun haben de des Zweigvereins, Dr. Herbert Flath,
könnten, fortbilden und dazu anregen, die ist vielen schon als gewandter Modera-
Impressum Zusammenarbeit mit den staatlichen indi- tor vieler unserer entwicklungspoliti-
Herausgeber: schen Gesundheitsbehörden zu suchen. scher Veranstaltungen bekannt. Geplant
Deutsch-Indische Zusammenarbeit e. V.
Odrellstraße 43, 60486 Frankfurt am Main
Überhaupt ist dies die neue Qualität ist, die inhaltliche Zusammenarbeit zu
Tel . 069 - 7940 3920 der (deutschen) Entwicklungszusammen- stärken und vor allem jungen Menschen,
E-Mail : info@diz-ev.de arbeit mit Indien: Ressourcen und staat- die zum Studieren nach Dresden gehen –
www.diz-ev.de
liche Ansätze zur Bekämpfung von Miss- das sind einige – dort eine Anlaufstelle zu
Redaktion: ständen und Defiziten wie etwa in diesem geben. Weiterhin entsenden wir regelmä-
Jona Aravind Dohrmann Fall im Gesundheitswesen werden aufge- ßig Freiwillige in das von Gyan geförder-
Sybille Franck nommen und durch Engagement von zi- te Bildungsprojekt nach Shenbakkam. Die
Caroline Link
Grafisches Gesamtkonzept, vilgesellschaftlichen Organisationen wie Kinder in diesem dörflich geprägten Vor-
Layout, Satz: Stefan Berndt, dem Sangam unterstützt. Dadurch sollen ort der Großstadt Vellore (Tamil Nadu)
www.fototypo.de einerseits vorhandene indische Mittel in kommen aus bildungsfernen Schichten.
Anspruch genommen und andererseits Ihre Eltern sind zum Teil nie zur Schule
Alle Rechte vorbehalten von Deutsch-
Indische Zusammenarbeit e. V., 2017 vermieden werden, staatliche Strukturen gegangen und können ihre Kinder beim
zu duplizieren. Diesen Ansatz unterstüt- Lernen nicht unterstützen. Der Unter-
Spendenkonten: zen wir vollständig, damit die Unterstüt- richt in staatlichen Schulen bringt vielen
Hauptverein:
Evangelische Bank zung aus Deutschland eine möglichst gro- Schülern wenig: überfüllte Klassen, zu we-
IBAN: DE84520604100004004108 ße Hebelwirkung hat. Daher freuen wir nige Lehrer, schlechte Ausstattung. Wir
BIC: GENODEF1EK1 uns, wenn Sie sich in diesem Jahr für eine freuen uns auf die Zusammenarbeit und
Spende für die DIZ zur Förderung des darüber, dass Sondierungen auch sehr po-
DIZ Baden-Württemberg e. V.:
Evangelische Bank Aufklärungsprojekts im Hinblick auf Le- sitiv verlaufen können!
IBAN: DE50 5206 0410 0003 6904 40 pra und Tuberkulose durch den Sangam Der Vorstand und die Geschäftsstel-
BIC: GENODEF1EK1 entscheiden. le der DIZ wünschen allen eine geseg-
DIZ Berlin e. V.: Außerdem freuen wir uns, dass wei- nete Weihnachtszeit und hoffen, dass Sie
Evangelische Bank tere Sondierungsgespräche zum Erfolg sich bei der Weihnachtsspende zugunsten
IBAN: DE88 5206 0410 0004 0042 30 geführt haben. Der ohnehin eng mit uns der Arbeit in Indien entscheiden,
BIC: GENODEF1EK1
kooperierende Dresdner Verein „Gyan
Shenbakkam Schoolproject“ ist seit Au- Ihr
gust 2017 ein Zweigverein der DIZ. Der
Mit finanzieller Unterstützung des BMZ
Zweigverein firmiert fortan als Gyan
Der Herausgeber ist für den Inhalt allein verantwortlich— Das Magazin der Deutsch-Indischen Zusammenarbeit e. V. — 3
Schauplätze in Indien
Nagpur
Sitz unseres Ankerpartners Ecumenical Sangam. Der Sangam unterstützt die Bevölkerung
in den Slums und Dörfern in und um Nagpur mit verschiedenen Entwicklungsprogram-
men, darunter Lepra- und Tuberkuloseaufklärung (Seite 4) Frauenberatung, nach-
haltige Landwirtschaft, die Ausbildung von Dorfkrankenschwestern (Seite 12) sowie
Kindergärten (Seite 15). In Nagpur veranstalteten der Sangam und die DIZ im Sep-
tember die weltwärts-Partnerkonferenz für Asien(Seite 6). Und natürlich führt auch
die DIZ-Studienreise unter anderem nach Nagpur. (Seite 16) Mohorli
In diesem Dorf gibt es fließendes Was-
ser und Toiletten in fast jedem Haus:
Mohorli entwickelt sich dank eines von
der DIZ und vom BMZ unterstützten
Projekts zum Modellorf in Sachen Hygi-
ene. (Seite 13)
Nagpur
Pune
Heimatort unserer Süd-Nord-
Freiwilligen Ambika Upadhy-
aya, die in einem Wuppertaler
Gymnasium arbeitet und auf
Seite 9 von ihrem Einsatz in
der Schule berichtet. Tiruvallur
In diesem Städtchen nahe Chennai in Tamil Nadu hat unsere
Freiwillige Athina Topali die Integrated Rural Community Deve-
lopment Society (IRCDS) unterstützt. Vom Leben außerhalb der
Komfortzone erzählt sie auf Seite 10.
Kottayam
Anitha K. Andrews stammt aus diesem
Ort im Bundesstaat Kerala. Sie ist als
Süd-Nord-Freiwillige in einer Schule in
Alsfeld sowie beim Evangelischen Deka-
nat in Alsfeld tätig (Seite 8).
Lesen Sie außerdem in dieser Ausgabe ...
von der Ankunft weiterer Süd-Nord-Freiwilliger in Deutschland und unseren neuen Mitgliedern im Team der DIZ-Geschäftsstelle
(Seite 14). Von den Möglichkeiten, das Schenken und Einkaufen – nicht nur zu Weihnachten – mit einem guten Zweck zu verbinden,
berichten wir auf Seite 15. Nicht zuletzt informieren wir Sie über aktuelle Termine der DIZ und geben einen Ausblick auf die Schwer-
punkte unserer entwicklungspolitischen Bildungsarbeit im Jahr 2018 (Seite 16).4 DIZ aktuell • Nr. 77 • 4. Quartal 2017
Kein „Fluch der Götter“: Lepra und Tuberkulose
Der Ecumenical Sangam informiert Dorf- und Slumbevölkerung sowie medizinisches Personal über
„vergessene“ Krankheiten – Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
fördert das Projekt in Zentralindien für drei Jahre
cl. Lepra und Tuberkulose gelten oftmals
als bereits überwunden. Dennoch halten
sich diese Krankheiten trotz erheblicher
sozio-ökonomischer Fortschritte Indiens
in den vergangenen Jahrzehnten immer
noch hartnäckig. Dies liegt daran, dass
vor allem die dörfliche Bevölkerung Indi-
ens faktisch vom Gesundheitssystem, gu-
ter (Allgemein-)Bildung und hygienischen
Sanitäreinrichtungen ausgeschlossen ist.
Befördert werden diese Krankheiten in
Indien zudem durch mangelndes Wissen
in der Bevölkerung und auch bei medi-
zinischem Personal sowie Aberglauben.
Zusammen mit unserem Projektpartner
Ecumenical Sangam setzen wir daher eine
breite Aufklärungskampagne bei denen
um, die am häufigsten von diesen schwe-
ren Krankheiten betroffen sind: Dorf-
und Slumbewohnerinnen und -bewohner.
Das Projekt wird vom Bundesministeri-
um für wirtschaftliche Zusammenarbeit
Auch Schülerinnen und Schüler werden vom Ecumenical Sangam über die in Indien noch weitverbreiteten
und Entwicklung (BMZ) für drei Jahre mit Infektionskrankheiten aufgeklärt. Foto: Awadhut Kukadkar
mit rund 220.000 Euro unterstützt. Für
den Eigenanteil der DIZ von rund 73.000
Euro Euro benötigen wir dringend Spen-
den. Das Projekt ist im Oktober 2017 ge-
startet und läuft bis Ende 2020.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbei-
ter des Sangam klären die Bevölkerung
in den Slums der zentralindischen Stadt
Projektkoordinator Naresh Kolhe organisiert beim Aufklärungsveranstaltung des Ecumenical Sangam zu Lepra und Tuberkulose im Sewanagar Slum.
Ecumenical Sangam die Veranstaltungen in den Foto: Chaya Sheware
Dörfern und Slums zur Lepra- und Tuberkulose-
Aufklärung. Foto: Nikhil Pedhekar.— Das Magazin der Deutsch-Indischen Zusammenarbeit e. V. — 5
die Betroffenen an die staatlichen Ge-
sundheitseinrichtungen verwiesen, wo
sie eine kostenfreie Behandlung erhalten.
Unser Ziel ist es, die Bevölkerung
hinsichtlich dieser Krankheiten zu sen-
sibilisieren, Vorurteilen und Aberglauben
zu begegnen, Fachpersonal zu schulen
und langfristig Ausgrenzung von Erkrank-
ten und schwere Krankheitsverläufe zu
verhindern. Bitte unterstützen Sie diese
wichtige Arbeit durch Ihre Spende!
Evangelische Bank eG
IBAN: DE84 5206 0410 0004 0041 08
Stichwort: Lepra
„Vergessene“ Krankheiten
Geben ihr Wissen über Lepra und Tuberkulose weiter: Die Dorfkrankenschwestern, die der Ecumenical
Sangam ausbildet. Foto: Awadhut Kukadkar Lepra und Tuberkulose gehören zu den
vernachlässigten bzw. armutsbegünstig-
ten Krankheiten, in deren Erforschung bzw.
Behandlung nur unzureichend investiert wird.
Sie betreffen vor allem Menschen in ärmeren
Ländern. Die Folgen dieser Vernachlässigung
sind fehlende oder mangelhafte Präventions-,
Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.
Lepra ist eine der ältesten Infektionskrank-
heiten, die in Indien noch sehr verbreitet ist.
Die Krankheit ist zwar mit Antibiotika heil-
bar, doch das Stigma und die Krankheitsfol-
gen hindern Betroffene am normalen Leben.
Lepra wird oft als als eine Krankheit begrif-
fen, mit der einen die Götter strafen möch-
ten für im früheren Leben begangene Sünden.
Der bakterielle Erreger befällt vorzugs-
weise die Haut und die Nerven der kälteren
Zur Aufklärung gehören auch Untersuchungen. Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung, werden die
Betroffenen an die staatlichen Gesundheitseinrichtungen verwiesen, wo sie eine kostenfreie Behandlung Körperteile (Hände, Füße, Nase) und kann
erhalten. Foto: Awadhut Kukadkar schwere Schäden bis hin zu Verstümmelung
verursachen.
Nagpur und den umliegenden Dörfern Lepra nicht, sind nicht ausreichend infor-
über diese Krankheiten auf, informieren miert oder nicht auf dem neuesten Stand. Tuberkulose ist eine bakterielle Infekti-
über Symptome und Behandlungsmög- So ist es beispielsweise bei Tuberkulose onskrankheit, die am häufigsten die Lunge
lichkeiten. Sie wirken damit auch einer wichtig, die langwierige Behandlung kom- betrifft; das Hauptsymptom ist dann Hus-
Stigmatisierung der Betroffenen entge- plett durchzuführen. Sonst drohen Resis- ten. Die Therapie langwierig und fordert Dis-
gen, denn die lebenslangen Folgen einer tenzen des bakteriellen Erregers, Antibio- ziplin bei der Medikamenteneinnahme. Es
Lepra-Erkrankung führen häufig zu Aus- tika wirken dann nicht mehr. gibt vielschichtige Gründe, die das Risiko
grenzung. Die Aufklärungsarbeit umfasst Geplant sind unter anderem Aus- einer Erkrankung erhöhen: Armut, schlechte
auch medizinisches Personal. Denn selbst stellungen, Präsentationen, Schulwettbe- Lebens- und Hygienebedingungen, fehlende
viele Medizinerinnen und Mediziner so- werbe, Fortbildungen und Hausbesuche, medizinische Versorgung, das Zusammenle-
wie medizinische Hilfskräfte kennen die bei denen über diese Krankheiten aufge- ben vieler Menschen auf engem Raum sowie
grundlegenden Gegebenheiten der „ver- klärt wird. Sollte eine Infektion mit den ein geschwächtes Immunsystem zum Beispiel
gessenen“ Krankheiten Tuberkulose und Krankheiten vermutet werden, werden aufgrund einer HIV-Infektion.6 DIZ aktuell • Nr. 77 • 4. Quartal 2017
DIZ richtet zum dritten Mal
weltwärts-Partnerkonferenz aus
Teilnehmende aus Indien, den Philippinen, Kambodscha, Thailand, China und Deutschland treffen sich
in Nagpur – lebhafte Diskussionen über Süd-Nord-Entsendungen, UN-Nachhaltigkeitsziele und den
guten Umgang mit Freiwilligen
sf. Die DIZ richtete vom 18. bis 21. Sep-
tember 2017 zum dritten Mal eine welt-
wärts-Partnerkonferenz aus. Nach zwei
erfolgreichen Konferenzen in den Jahren
2012 und 2014 kooperierte die DIZ er-
neut mit den indischen Partnern Ecume-
nical Sangam und CFSD sowie den bei-
den deutschen Entsendeorgansiationen
bezev e. V. und Volunta. Diesmal richte-
te sich die Einladung an Partnerorganisa-
tionen aus dem asiatischen Raum und es
kamen rund 70 Vertreterinnen und Ver-
treter aus Indien, den Philippinen, Kam-
bodscha, Thailand, China und Deutschland
zusammen. Vier Tage lang beschäftigten
sie sich im Rainbow Guesthouse in Nag-
pur mit unterschiedlichen Aspekten des
weltwärts-Freiwilligendienstes: Das Not-
fall-Management für den Krisenfall wur-
de ebenso debattiert wie die Süd-Nord-
Charlotta Saul von der Koordinierungsstelle weltwärts eröffnet die Partnerkonferenz mit dem traditio-
Komponente des weltwärts-Programms, nellen Entzünden der Lampe. Foto: Sybille Franck
aber auch inhaltlich weiterführende The-
men wie etwa die entwicklungspolitische
Ausrichtung des Freiwilligendienstes und
der Bezug zu den UN-Nachhaltigkeitszie-
len.
Christoph Gille und Leena Buddhe
führten als deutsch-indisches Moderati-
onsteam durch die Konferenz und sorg-
ten gekonnt dafür, dass jeder und jede
Teilnehmende zu Wort kam. Gruppenar-
beiten ermöglichten einen intensiven Er-
fahrungsaustausch – nicht selten wurden
die begonnenen Diskussionen in Chai-
oder Mittagspause fortgeführt.
Mukut Bodra, einer der ersten indi-
schen weltwärts-Freiwilligen der DIZ, be-
richtete von seinen Erfahrungen in Ber-
lin – im Anschluss an seinen lebendigen
Vortrag waren zahlreiche Partnerorga-
nisationen hoch motiviert, selbst welt-
wärts-Freiwillige nach Deutschland zu
Mukut Bodra, ehemaliger weltwärts-Süd-Nord-Freiwilliger, informiert über die Reverse-Komponente
entsenden. und warb bei den asiatischen Partnerorganisationen dafür, weltwärts-Freiwillige nach Deutschland zu
entsenden. Foto: Sybille Franck— Das Magazin der Deutsch-Indischen Zusammenarbeit e. V. — 7
Anette Schwitzke vom Qualitäts- sich über weltwärts und andere wichtige Akteurinnen und Akteure kennen zu ler-
verbund ventao berichtete über regiona- Themen austauschen. nen, die tagtäglich mit den weltwärts-
le Netzwerke von Partnerorganisationen. Mit Charlotta Saul nahm auch eine Freiwilligen zusammen arbeiten.
Dieser Input bildete den Auftakt für die Vertreterin der Koordinierungsstelle Die DIZ bedankt sich sehr herzlich
Gründung des Netzwerks WIN – welt- weltwärts an der diesjährigen Partner- bei allen Teilnehmenden, bei den mitaus-
wärts India Network. Mehrere indische konferenz teil. Sie informierte über ak- richtenden Organisationen und vor allem
Partner, darunter auch die DIZ-Partner tuelle Entwicklungen, beantwortete ge- beim Team des Ecumenical Sangam für die
Sangam, CFSD, DSF und Mure Memorial duldig alle aufkommenden Fragen zum gelungene Partnerkonferenz!
Hospital möchten enger kooperieren und Programm und genoss es ihrerseits, die
Der große Saal im Rainbow Gästehaus bot den geeigneten Rahmen für die Partnerkonferenz. Karen D’Souza, Leiterin des Ecumenical Sangam,
Foto: Sybille Franck begrüßt alle Teilnehmenden. Foto: Sybille Franck
Auf dem Marktplatz im Rainbow Guesthouse prä- Zum guten Schluss bildeten die Teilnehmenden ein alle verbindendes Netzwerk – wir freuen uns über
sentierten teilnehmende Organisationen ihr Infor- eine gelungene Konferenz und auf die weitere gute Zusammenarbeit mit den Partnern!
mationsmaterial und ihre Produkte. Foto: Sybille Franck
Foto: Sybille Franck8 DIZ aktuell • Nr. 77 • 4. Quartal 2017
Schnee und ungewohnte Freiheiten
Die erste Süd-Nord-Freiwillige des Evangelischen Dekanats Alsfeld stammt aus Kerala und war neben
dem Dekanat in einer Schule tätig
Von Anitha K. Andrews Verantwortung. Nie zuvor war ich allein
Ich komme aus einem Land der Diversi- in einem Flugzeug gewesen und fand es
tät. In Indien sprechen die Menschen un- schwierig, einzuchecken. Meine Schwes-
terschiedliche Sprachen und gehören un- ter ist Flugbegleiterin und hat mir mit
terschiedlichen Religionen an, leben aber den offiziellen Prozeduren am Flugha-
dennoch harmonisch zusammen. Die Viel- fen geholfen. Mittlerweile bin ich unab-
falt an Sprachen, Kulturen, Lebensstilen, hängig, offen und selbstbewusst gewor-
Küchen, klimatischen Bedingungen, Land- den. Ich hatte die Möglichkeit, Dinge zu
schaft, Architektur und Traditionen führt tun und zu sehen, die ich mir nie hät-
dazu, dass Indien ein pulsierendes Land te träumen lassen. So habe ich zum ers-
ist, in dem sehr viel Unterschiedliches ko- ten Mal in meinem Leben Schnee gese-
existiert. hen. Ich habe Freunde aus verschiedenen
Nach Deutschland kam ich erst- Teilen der Erde gewonnen, zum Beispiel
mals im Jahr 2014 über einen College- aus Syrien, Afghanistan, Iran, aus afrikani-
Austausch. Dabei lernte ich meine Gast- schen Ländern, Mexiko und natürlich aus
mutter kennen. Bei meinem jetzigen Deutschland.
Aufenthalt arbeite ich in der Albert- Ich habe gelernt, was es heißt, allein
Schweitzer-Schule (ASS) in Alsfeld so- zu sein und pünktlich. Rassismus – ein
wie beim Evangelischen Dekanat in Als- viel diskutiertes Thema, aber ich wurde
feld, meiner Einsatzstelle. Ich habe eine nur selten anders behandelt, weil ich aus
wunderbare Gastfamilie und tolle Kol- einem anderen Land komme. Ja, ich be-
leginnen und Kollegen. Sie machen mein kam missbilligende Blicke in der Bäcke-
Die DIZ-Freiwillige Anitha K. Andrews ist im
Leben hier sehr viel einfacher und außer- rei, aber das lag daran, dass ich anfangs Evangelischen Dekanat Alsfeld und in der Albert-
dem abwechslungsreicher. nicht gut Deutsch sprach. Ich vermute, Schweitzer-Schule in Alsfeld tätig.
Foto: Ralf Müller
In Deutschland zu leben bedeutet der Grund für diese Missbilligung waren
für mich Freiheit, Unabhängigkeit und eher die Kommunikationsschwierigkei- Die Schülerinnen und Schüler haben
ten als eine Abwehr gegenüber Fremden. mehr Freiheiten als in Indien. Die meisten
Die Süd-Nord-Komponente Aber ich habe schnell Deutsch gelernt. nutzen Smartphones in der Schule. In in-
von weltwärts Das lag an meiner Gastfamilie: Meine dischen Schulen und auch in vielen Col-
Gasteltern sprechen zwar gut Englisch, leges sind Smartphones verboten. Inso-
Interkultureller Austausch sollte keine Ein- hatten aber beschlossen, dass wir zuhau- fern war das ein richtiger Kulturschock
bahnstraße sein. Daher wurde im Jahr 2013 se nur Deutsch sprechen, damit ich es für mich. Auch dass die Schülerinnen
die Süd-Nord Komponente der weltwärts- lerne. Das hat mir sehr geholfen. Außer- und Schüler vor der Schule rauchen, war
Freiwilligendienste eingeführt. Freiwillige dem hat mein Kollege Ralf Müller mich schwer für mich zu akzeptieren. Gefallen
aus dem Globalen Süden können auf diesem sehr ermuntert, Deutsch zu sprechen hat mir die große Auswahl an Fächern,
Wege einen entwicklungspolitischen Freiwil- und auch einen Deutschkurs für mich unter denen die Schülerinnen und Schü-
ligendienst in Deutschland leisten. So wird arrangiert. ler wählen können. Auch die Lehrmetho-
der Austausch zwischen Partnern des Globa- Schwer verdaulich war für mich zu- den sind sehr interessant.
len Südens und des Globalen Nordens inten- nächst die Tatsache, die meisten Läden Ansonsten: Das Müllrecycling hier
siviert und die Vernetzung aller Freiwilligen schon um 20 Uhr schließen. Manche klei- ist sehr umweltfreundlich und hygienisch.
gefördert. Über die DIZ sind bereits rund ein nere Stadt wirkt sonntags wie eine Geis- Das Klima ist meistens kalt. Meine Lieb-
Dutzend Süd-Nord-Freiwillige nach Deutsch- terstadt. Ich habe viele größere Städte lingsgerichte sind Bratwurst und Schnit-
land gekommen, drei von ihnen waren in der in Deutschland besucht. Die Städte sind zel. Als Ausländerin könnte ich noch so
DIZ-Geschäftsstelle eingesetzt. schön und sauber und es ist sehr bequem, viele Dinge über Deutschland schrei-
mit dem Zug zu reisen. Direkte Gesprä- ben… Ich danke Gott für mein wunder-
www.diz-ev.de/weltwaerts-south-north- che statt Smalltalk, kein Klatsch und völ- bares Leben!
volunteering-germany lige Offenheit – das gefällt mir. Übersetzung: Caroline Link— Das Magazin der Deutsch-Indischen Zusammenarbeit e. V. — 9
Aus Pune nach Wuppertal: Die DIZ-Freiwillige Ambika Upadhyaya unterrichtet internationale Schülerinnen und Schüler am Carl-Duisberg-Gymnasium. Foto: Stähle
Herausforderung Heterogenität
Eine Süd-Nord-Freiwillige aus Pune unterrichtet internationale Schülerinnen und Schüler an einem
Wuppertaler Gymnasium
Von Ambika Upadhyaya denen, die meine indischen Schülerinnen Billabong High International School Noi-
Ich komme aus Pune und bin über die und Schüler haben. Die Sek-II-Schülerin- da in Indien für einen zweiwöchigen Aus-
DIZ im Mai 2017 nach Deutschland ge- nen und Schüler haben individuelle Termi- tausch in Wuppertal ankamen. Die deut-
kommen. Hier arbeite ich seitdem im ne bei mir. Ich unterstütze sie darin, ihre schen Schülerinnen und Schüler waren
Carl-Duisberg-Gymnasium (CDG) in Zweifel zu überwinden und helfe ihnen bereits im November 2016 in Noida ge-
Wuppertal. Es macht mir Spaß, meine bei ihren Hausaufgaben in Englisch. Daher wesen und nun, zwei Wochen vor den
zwei internationalen Sekundarstufe-I-För- kostet die Vorbereitung der beiden Sek-I- Sommerferien, stand der Gegenbesuch
derklassen zu unterrichten. Die Schüle- Klassen viel Zeit. Um Unterrichtsmateri- an. Meine Hauptaufgabe während des
rinnen und Schüler in diesen Klassen sind al zu finden, nutze ich häufig das Internet. Austauschs war es, Herrn Stähle zu un-
aus Ländern wie Syrien, Irak, Griechen- Dass ich mich immer so gut aufge- terstützen, der den Austausch koordi-
land, Bosnien-Herzegowina, Kamerun, Sri nommen fühlte vom Kollegium des CDG niert, insbesondere bei den interkultu-
Lanka, Serbien und Polen nach Deutsch- hat mir sehr geholfen, mich an das deut- rellen Aktivitäten. Ich hatte daher das
land gekommen. Außerdem helfe ich beim sche Schulsystem zu gewöhnen, das so Privileg, an fast allen Aktivitäten teilzu-
Unterrichten von internationalen Schüle- anders ist als das in Indien. Ich genieße nehmen.
rinnen und Schülern der Sekundarstufe II, sehr, so viele Freiheiten bei meiner Arbeit Ein großer Vorteil von Wuppertal ist
vor allem in Klasse 10. zu haben. Ich verbringe sehr viel mehr die Nähe zur Natur. Es ist eine schöne
Die Herausforderung dieser Tä- Stunden in der Schule als ich unterrich- Stadt, in der man gut leben kann. Man
tigkeit ist die Heterogenität der Schü- te. Aber nicht acht Stunden pro Tag in der muss nur kurz mit dem Fahrrad oder mit
lerschaft: Die Schülerinnen und Schü- Schule sein zu müssen wie in Pune, ist ein öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und
ler sprechen unterschiedliche Sprachen, großer Vorteil. Andererseits bedeutet es findet sich dann in einer bergigen Region
kommen aus unterschiedliche Kulturen, für mich Stress, dass das Lehren so an- wieder. Ich habe es genossen, in der Um-
sind unterschiedlich alt und haben un- ders ist als in Indien und weniger struk- gebung zu wandern oder Rad zu fahren.
terschiedliche Probleme. Wenn ich mei- turiert. Oft erscheinen die Schülerinnen Da ich bereits vor meinem Freiwil-
ne beiden Schülergruppen vergleiche, ist und Schüler nicht in der Schule, weil sie ligendienst einmal in Deutschland war,
das Unterrichten der jüngeren anstren- andere Termine haben beim Arzt oder habe ich jetzt keinen Kulturschock be-
gender. Die meisten von ihnen sind nicht im Job-Center. Nichtsdestotrotz machen kommen. Ich wusste, was auf mich zu-
so diszipliniert, wie ich es von meinem mir die Assistenz beim Unterricht und kommt. Allerdings hat es mich überrascht,
Unterrichten in Indien kenne. Auch zol- das Unterrichten dieser speziellen Schü- dass nicht alle Klischees stimmen. Zum
len sie den Lehrerinnen und Lehrern viel lergruppe Spaß. Beispiel sind die Züge nicht immer pünkt-
weniger Respekt als die Schülerinnen und Eine ganz andere Herausforderung lich. Kleidergeschäfte und Supermärkte
Schüler in Indien. Doch ohne Zweifel un- während meines Freiwilligendienstes am haben sonntags geschlossen – auch et-
terscheiden sich die Probleme, die diese CDG begann am 28. Juli, als elf Schüle- was, an das ich mich gewöhnen musste!
Schülerinnen und Schüler haben, sehr von rinnen und Schüler und zwei Lehrer der Übersetzung: Caroline Link10 DIZ aktuell • Nr. 77 • 4. Quartal 2017
Leben außerhalb der Komfortzone
Über Gemeinsamkeiten und den Wunsch, etwas zu „bewegen“
Von Athina Topali Neugierig, mehr über diese Art des raum war bereits meine Strohmatte auf
Autohupen, Menschengetümmel, grel- Lebens zu erfahren, bat ich darum, einmal dem Boden ausgelegt, doch ich konnte
le Farben, Gemüsestände am Straßen- in einem Dorf übernachten zu dürfen. nicht schlafen. Die Hitze und die Moski-
rand, Staub, Hitze, Fahrtwind im Gesicht, Im Schatten der Häuser standen tos machten mir zu schaffen. Am Morgen
fremde Gerüche, karge Wüstenlandschaft hölzerne Pritschen, auf denen sich die darauf gab es weiche Reispuffs mit Ko-
– in etwa so prasselten die ersten Ein- Menschen von der Mittagshitze ausruh- kosnusschutney zum Frühstück. Gestärkt
drücke bei meiner Ankunft in Indien auf ten. Aus den Fenstern der Nachbarhäu- ging ich mit den Frauen des Dorfes zum
mich ein. Ungeordnet und unretouchiert. ser schauten Kinder. „Wer ist dieses Wasserbrunnen, um Wäsche zu waschen.
Am Anfang war die Umstellung schwierig. Mädchen?“, flüsterten sie auf Tamil, als Die Kinder waren bereits in der Schule
Würde ich es schaffen etwas zu „bewe- sie mich sahen. Sie hatten gerade Schul- und die Männer auf den Reisfeldern. Auf
gen“? Doch schon bald legten sich mei- schluss und liefen noch in ihren Unifor- dem Rückweg hielten wir noch an einem
ne Zweifel, denn ich merkte, dass ich gut men herum. Sie winkten mir schüchtern Tempel, um die Gunst der Götter zu er-
aufgehoben war. Meine Einsatzorganisa- zu und als ich zurückwinkte, lachten sie. bitten. Zu Hause angekommen, ruhten
tion war die Integrated Rural Communi- Schnell bildete sich eine Traube erwar- wir uns aus. Das Wäschewaschen mit der
ty Development Society (IRCDS) in Ti- tungsvoller Kinder um mich herum. Also Hand war anstrengend. Die Frauen frag-
ruvallur, einem Städtchen nahe Chennai spielten wir voller Freude auf der Stra- ten mich interessiert, ob ich verheiratet
in Tamil Nadu. ße, bis ihre Mütter sie zum Abendessen sei. Als ich verneinte, waren sie erstaunt.
Ich begleitete meine Kolleginnen nach Hause riefen. Es gab Reis mit Gemü- Einige von ihnen wurden bereits vor ih-
und Kollegen bei ihren Besuchen in den sesoße auf einem Bananenblatt serviert. rem 18. Lebensjahr verheiratet und ha-
Dörfern. Die Dorfbewohnerinnen und Wir saßen auf Strohmatten auf dem Bo- ben nicht einmal die Schule beendet. Als
-bewohner begrüßten mich herzlich und den und aßen mit den Händen. ich mich von ihnen verabschiedete, ba-
zeigten mir begeistert ihr Zuhause: Bunt Danach wollte ich mich waschen ten sie mich darum, über Facebook Kon-
angemalte Häuser, Lehmhäuschen, Feu- und schlafen gehen. Doch in diesem Mo- takt zu halten.
erkochstellen vor der Tür, Toiletten mit ment fiel der Strom aus, genauso wie die Im Büro erzählte ich meinen Kolle-
Blechplatten abgedeckt, Gemüsegärten, Wasserversorgung. Ich wusch mich mit ginnen und Kollegen von meinen Erleb-
Kühe und Ziegen auf den Straßen, kleine dem Regenwasser in den Eimern, die ne- nissen im Dorf und von den Frauen, die
Kioske mit Snacks und Chai. ben dem Plumpsklo standen. Im Schlaf- minderjährig verheiratet wurden. Ihnen
Die DIZ-Freiwillige Athina Topali beim Spielen mit den Dorfkindern auf der Straße. Foto: Ebenesar Easa— Das Magazin der Deutsch-Indischen Zusammenarbeit e. V. — 11
Treffen der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Pilotprojekts „Child-friendly Accountability Mechanism“ mit CCFC-Mitarbeiter Mr. C. Ramu.
Foto: Ebenesar Easa
waren diese Vorfälle bekannt und sie hat- perliche Unversehrtheit. Dies löste vie- Integrated Rural Community
ten deshalb ein neues Projekt zur Aufklä- le Emotionen in den Kindern aus, sodass Development Society (IRCDS)
rung über Kinderrechte aufgesetzt. Das sie verstärkt den Bedarf hatten sich un-
Projekt befand sich in der Pilotphase, tereinander auszutauschen. Sie brauchten IRCDS wurde 1986 in Tiruvallur, Tamil Nadu,
wurde von Christian Children´s Fund of zudem einen erwachsenen, außenstehen- von Mr. P. Titus gegründet. Die Organisation
Canada (CCFC), als Teil der Child-Fund- den Ansprechpartner, da sie manchmal arbeitet unabhängig von politischen oder reli-
Gruppe finanziert und zusammen mit sogar bei ihren Eltern oder Lehrkräften giösen Institutionen. Ihre Arbeit richtet sich
IRCDS organisiert. Parallel liefen Pilot- auf Unverständnis stießen. Das Interesse vor allem an Kinder, Frauen und Menschen
projekte in sieben weiteren Ländern. Das der Kinder war unglaublich groß. Daher mit Behinderung im Tiruvallur-Distrikt. Die
Konzept ist einfach: 40 freiwillige Kinder arbeiten IRCDS und CCFC momentan Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten vor
aus unterschiedlichen Klassen und Schu- an einer dauerhaften Implementierung allem Hilfe zur Selbsthilfe, indem sie Selbst-
len wurden über zwei Monate von einem des Projekts. hilfegruppen initiieren, sie über ihre Rechte
CCFC-Mitarbeiter zweimal pro Woche Ich bin sehr froh ein Teil dieses Pro- aufklären, Trainings zur Erweiterung von Fer-
außerschulisch über ihre Rechte aufge- jekts und von IRCDS gewesen zu sein tigkeiten anbieten und ihnen den Zugang zu
klärt und motiviert, dieses Wissen wei- und „etwas bewegt“ zu haben. Zunächst staatlichen Förderungen sowie Mikrofinanzie-
terzugeben: an ihre Schulkameradinnen einmal musste ich mich jedoch aus mei- rungen verschaffen. IRCDS arbeitet mit den
und -kameraden, an Nachbarn, Freundin- ner eigenen Komfortzone „bewegen“, örtlichen Behörden und Entwicklungsorgani-
nen und Freunde oder Geschwister. Sie lernen und nicht belehren und die Ge- sationen zusammen, aber auch mit internatio-
wurden also Multiplikatoren. Besprochen gebenheiten und Meinungen so akzeptie- nalen Partnern. Seit dem Jahr 2015 nimmt die
wurden vor allem das Recht auf Überle- ren, wie sie sind. Auf diese Weise begriff Organisation weltwärts-Freiwillige auf.
ben, auf Entwicklung und Bildung, auf Teil- ich, dass es auf die Gemeinsamkeiten an-
habe und auf Schutz – insbesondere im kommt, die wir teilen: den Wunsch nach
Hinblick auf die Eheschließung und kör- Fortschritt und Freundschaft.12 DIZ aktuell • Nr. 77 • 4. Quartal 2017
Vielfältige Entwicklungsprogramme für Dorf- und Slumbevölkerung
Gesundheit, Bildung und nachhaltige Landwirtschaft im Fokus der Projekte des Ecumenical Sangam
in Nagpur – Wir bitten herzlich um Unterstützung durch Spenden
Unser Ankerpartner in Indien ist der Ecu-
menical Sangam in Nagpur. Die 1993 ge-
gründete Nichtregierungsorganisation
arbeitet unabhängig von Glaubensrich-
tungen oder anderen Organisationen.
Der Sangam unterstützt die Bevölke-
rung in den Slums und Dörfern in und
um Nagpur mit verschiedenen Entwick-
lungsprogrammen. Im Fokus seiner Ar-
beit steht eine umfassende Sensibilisie-
rung der Land- und Slumbevölkerung in
den Bereichen Gesundheit (siehe Bericht
zum Aufklärungsprojekt zu Lepra und Tu-
berkulose auf Seite 4), Ernährung, Hygie-
ne, Bildung, Familienplanung sowie nach-
haltiges Wassermanagement.
Von seinem ländlichen Basiszentrum
in der Nähe des Dorfes Bamhani sowie
drei weiteren Subzentren aus fördert der
Sangam die Menschen in 45 Dörfern im
Süden von Nagpur.
Wir stellen Ihnen einige Projekte
genauer vor und bitten Sie, die nachhal-
tige Arbeit des Ecumenical Sangam mit
Ihrer Spende zu unterstützen. Wenn Sie
Informationsveranstaltung der Frauenberatungsstelle in Butibori. Foto: Ecumenical Sangam
bei Ihrer Überweisung ein Stichwort an-
geben, kommt das Geld Ihrem Wunsch- fliktlösungsmechanismen, das Aufzeigen Projekts des Ecumenical Sangam. Denn
projekt zugute. von Wegen in die finanzielle Unabhängig- (Dorf-)Krankenschwestern können einen
keit sowie die Etablierung von Selbsthil- großen Beitrag dazu leisten, die gesund-
Auswege aus der Gewalt – fegruppen. heitliche Situation der Menschen in Ge-
Beratungsstelle für Frauen Neben der Konfliktberatung infor- bieten mit unzureichender medizinischer
Der Sangam betreibt eine Frauenbera- miert die Beratungsstelle mit Veranstal- Versorgung zu verbessern und die Müt-
tungsstelle in dem nahe Nagpur gelege- tungen zu den Themen Frauengesund- ter- und Kindersterblichkeit zu reduzie-
nen Ort Butibori. Dies ist ein nachge- heit, Mitgift, Auswirkungen von Alkohol ren. Die jungen Frauen, die zu Kranken-
fragter Anlaufpunkt für Frauen, die unter und Tabak, Rechte von Frauen und Kin- schwestern ausgebildet werden, erfahren
häuslicher Gewalt und anderen familiä- dern sowie Verantwortung von Eltern für zudem durch Reduzierung sozialer und
ren Problemen leiden. Denn viele Frauen eine gesunde Familie. wirtschaftlicher Abhängigkeiten eine Stär-
in Indien sind Schlägen, sexuellen Über- kung ihres Selbstbewusstseins und ihrer
griffen, Morddrohungen durch den Ehe- Evangelische Bank eG Rolle. Während der zweistufigen Ausbil-
mann oder Schikanen durch andere Fa- IBAN: DE84 5206 0410 0004 0041 08 dung werden die Frauen zunächst Dorf-
milienmitglieder ausgesetzt. Durch die Stichwort: Frauenberatung gesundheitshelferinnen. Anschließend
Beratung sollen sie in die Lage versetzt haben sie die Möglichkeit einer Kran-
werden, in diesen Situationen adäquat Ausbildung von kenschwesternausbildung (Trained Birth
agieren zu können. Im Mittelpunkt stehen Krankenschwestern für Attendants).
die Beratung zu rechtlichen Fragen, die Dörfer und Slums Neben dem Angebot gesundheitli-
voreheliche Beratung und Eheberatung, Junge Frauen zu Krankenschwestern cher Dienste in den Dörfern und Slums
die Information über innerfamiliäre Kon- auszubilden, ist das Ziel eines weiteren sollen die Krankenschwestern AufklärungAnzeige
— Das Magazin der Deutsch-Indischen Zusammenarbeit e. V. — 13
auf dem Gebiet der Gesundheit sowie Modellfarm baut das Team Reis, Papaya, südlich von Nagpur leben. Da ein Haus-
der Ernährung leisten. Sojabohnen, Tomaten, Gurken und vie- halt durchschnittlich vier bis fünf Per-
Das Land Baden-Württemberg för- les mehr an. Die Landwirte und Land- sonen umfasst, können mehr als 28.000
dert dieses Projekt über die Stiftung Ent- wirtinnen zu motivieren, ihre Betriebe Menschen von diesem Projekt profitie-
wicklungs-Zusammenarbeit im Jahr 2017 auf nachhaltige Landwirtschaft umzu- ren. Der Sangam selbst nutzt die ange-
mit mehr als 13.000 Euro. Weitere Spen- stellen, ist das Ziel des Sangam-Projekts bauten Produkte für die Kindergärten;
den sind nötig, um dieses Ausbildungspro- „Nachhaltige Landwirtschaft und Re- doch läuft die Ernte so erfolgreich, dass
jekt aufrechtzuerhalten. genwasserrückgewinnung“. Jeden Mo- die Produkte zusätzlich auf den Märkten
nat lädt die Organisation die Zielgruppe in Nagpur verkauft werden können – die
DIZ Baden-Württemberg zu abendlichen Treffen ein; Projektkoor- Erträge fließen wiederum in das Projekt
Evangelische Bank eG dinator Awaduth Kukadkar informiert zur nachhaltigen Landwirtschaft.
IBAN: DE50 5206 0410 0003 6904 40 dann über nachhaltige Bewässerungs- Neben der Förderung durch die Er-
Stichwort: systeme oder ökologischen Anbau, aber bacher Stiftung sind weitere Spenden not-
Krankenschwesternausbildung auch der Austausch der Kleinbäuerinnen wendig, um die nachhaltige Landwirtschaft
und Kleinbauern steht im Fokus. Mit der in Bamhani weiterhin zu betreiben.
Förderung für n
achhaltige Förderung soll im kommenden Jahr un-
Landwirtschaft und ter anderem erneut eine große „Far-
Regenwasserrückgewinnung mers‘ Mela“, eine Fortbildungsveranstal-
Die Erbacher Stiftung unterstützt die tung für bis zu 100 Personen, stattfinden. Evangelische Bank eG
nachhaltige Landwirtschaft, die der Ecu- Das Projekt richtet sich insgesamt IBAN: DE84 5206 0410 0004 0041 08
menical Sangam in Bamhani betreibt, im an rund 4.000 Kleinbauern- und Tage- Stichwort:
kommenden Jahr mit 7500 Euro. Auf der löhnerfamilien, die in etwa 45 Dörfern Nachhaltige Landwirtschaft
Bereits im zweiten Jahr baut der Ecumenical Sangam in Bamhani erfolgreich Reis an. Foto: Awadhut Kukadkar14 DIZ aktuell • Nr. 77 • 4. Quartal 2017
DIZ begrüßt neue Süd-Nord-Freiwillige Neu in der
Herzliches Willkommen am Frankfurter Flughafen – DIZ-Geschäftsstelle
Weitere F
reiwillige aus Indien werden erwartet
Ulrike Schoppet-Fender unterstützt
das Team der DIZ-Geschäftsstelle seit
Mai 2017 in allen Verwaltungstätigkeiten.
Zuvor war sie beim DRK-Landesver-
band Hessen im Controlling tätig, ange-
fangen hatte sie dort im Bereich Gesund-
heit und Soziales. Zu ihren Tätigkeiten bei
Nichtregierungsorganisationen kam sie
über ihre Kirchengemeinde. Bei der DIZ
schätzt sie die Arbeit im internationalen
Kontext und die Einblicke, die sie dabei in
das facettenreiche Land Indien bekommt.
Kontakt: schoppet-fender@diz-ev.de
Die DIZ freut sich über zwei neue Süd-Nord-Freiwillige aus Indien, die über das
weltwärts-Programm nach Deutschland gekommen sind: Jyoti Deogam (rechts) wur-
de von Simone und Gunnar Härtter begrüßt; sie arbeitet nun im Kindergarten KiTa
Kids in Frankfurt am Main.
David Sabau ist seit Oktober 2017 bei
der DIZ für die Freiwilligendienste zu-
ständig: „Ich bin begeistert von entwick-
lungspolitischen Zusammenhängen und
motiviert junge Menschen ein Stück auf
ihrem Lebensweg zu begleiten. An Indi-
en fasziniert mich die kulturelle Traditi-
on, die Vielfalt der Sprachen und Religio-
nen und das leckere Essen. Seit ich 2010
ein Praktikum bei der DIZ gemacht habe,
verfolge ich die Arbeit mit großem Inte-
resse. Umso größer ist jetzt meine Freu-
de, fester Bestandteil des Teams zu sein.
Anurag Minj ist der erste indische weltwärts-Süd-Nord-Freiwillige, der seinen Meine Aufgaben sind die Betreuung der
Dienst bei der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bad Salzuflen antritt. Uwe Freiwilligen, die Leitung von Seminaren
und Hella Wiemann haben ihn willkommen geheißen. und die Weiterentwicklung des weltwärts-
Weitere Süd-Nord-Freiwillige aus Indien werden in Kürze nach Deutschland Programms.“
kommen. Kontakt: sabau@diz-ev.de
Fotos: Sybille Franck Fotos: Caroline Link— Das Magazin der Deutsch-Indischen Zusammenarbeit e. V. — 15
Schenken und Gutes tun
Mit einem Kalender für 2018 und Spenden-Wertscheinen bietet die Deutsch-Indische Zusammenarbeit
(DIZ) nachhaltige Geschenkideen an – nicht nur zu Weihnachten
cl. In diesem Jahr bietet die DIZ gleich Und sollten Sie Ihre Weihnachtsge- nen Teil des Einkaufswertes automa-
mehrere Ideen zum nachhaltigen Schen- schenke nicht ausschließlich bei der DIZ tisch an die DIZ zu spenden – ganz ohne
ken an. Da ist zum einen der DIZ-Ka- bestellen sondern auch bei Online-Shops: Mehrkosten! Dazu gehen Sie auf www.
lender für 2018: Er zeigt typisch indische Denken Sie daran, dies zum Beispiel über gooding.de und wählen unter „Projekte
Einkaufsmöglichkeiten wie Gemüsestän- das Portal Gooding zu tun und damit ei- & Vereine“ die DIZ aus.
de und Snackshops, Bilder von Teeernte
und Fischtrocknung, indische Tänzerinnen,
Menschen, die ihren Berufen nachgehen
oder ihre Religion ausüben und Alltagssze-
nen wie das Cricketspiel von Jugendlichen.
Bilder und Texte stammen von Lieselotte
Lehmann und Jonathan Stein, die als DIZ-
Freiwillige über das weltwärts-Programm
das Child Learning Center der DIZ-Part-
nerorganisation NIWCYD in der indi-
ro
schen Metropole Bhopal unterstützten. er 15 Eu
hein üllebn in Nagpur, Indien
e nd e n -Wertsc ngsste
Sp von Frau
en be ra tu
Der Kalender im DIN-A4-Format kostet für die Ar
beit
10 Euro.
Eine weitere Möglichkeit zum sinn-
vollen Schenken ist der hochwertig ge-
staltete DIZ-Spenden-Wertschein für 25
Euro. Die Spende wird ausschließlich für
Spend
die Arbeit des Kindergartens unseres indi- für die en -Wert
sc
s Sangam hein übe
Arbeit de
r
ar tens in 25 Euro
schen Projektpartners Ecumenical Sangam
-K inderg
Nagpur,
Indien
in Nagpur verwendet. Denn Bildung ist
der Schlüssel zu Entwicklung – persönlich
wie wirtschaftlich. Im Kindergarten des
Sangam werden die Kinder gut betreut.
Dort spielen sie, lernen aber auch schon
Zahlen, das Hindi-Abc und erste englische
Begriffe, während ihre Eltern zum Beispiel
als Tagelöhner auf dem Feld arbeiten. Die
Kinder werden im Kindergarten auch me-
dizinisch betreut, erhalten gesundes Essen
und Informationen über ausgewogene Er-
nährung und hygienische Grundregeln.
Der Kalender und die Spenden-Wert-
scheine können per E-Mail (info@diz-ev.
de) oder telefonisch (069 – 79403920) in
der DIZ-Geschäftsstelle bestellt werden.
Beim Versand von Kalendern kommen
Versandkosten hinzu in Höhe von 1,45
Euro (bei bis zu drei Kalendern) bzw. 2,60
Euro ab vier Kalendern.16 DIZ aktuell • Nr. 77 • 4. Quartal 2017
Studienreise 2018 Im Anschluss an die Einblicke in die
Entwicklungszusammenarbeit unseres
Projektbesuche in Nagpur – Partners folgt der touristische Teil der
Studienreise führt nach Studienreise: Die Teilnehmenden besu-
Hyderabad und Hampi chen die Millionenstadt Hyderabad, von
dort geht es weiter zu den beeindru-
sf. Die nächste DIZ-Studienreise führt ckenden Tempelanlagen in Hampi. Die in
die Reisegruppe zuerst nach Nagpur. den Feld getriebenen Tempel von Bada-
Dort verbringt die Gruppe einige Tage mi, wie Hampi im Bundesstaat Karnata-
und lernt verschiedene Projekte unse- ka gelegen, erlauben weitere Einblicke
res Projektpartners Ecumenical San- in die hinduistische Tradition. Den Ab-
gam kennen: Besuche im Basiszentrum schluss der Reise vom 10. bis 24. Feb-
in Bamhani stehen ebenso auf dem ruar bildet die Stadt Bangalore.
Programm wie Einblicke in die Slum Einige wenige Plätze sind noch
entwicklungsarbeit und das aktuelle frei! Wer sich für die Studienreise in-
Projekt zur Lepra- und Tuberkulose- teressiert, möge sich direkt bei Jona
Die Narasimha-Statue, die vierte Inkarnation von
Aufklärung. Ein weiterer Ausflug führt Vishnu, ist in Hampi zu sehen. Dohrmann, dohrmann@diz-ev.de oder
zum Sevagram-Ashram. Foto: Jona Dohrmann 069 / 79 40 39 20, melden.
Themen der Bildungsarbeit 2018:
Die „vergessenen“ Krankheiten und das Engagement von Frauen in Indien
sf. Im kommenden Jahr wird sich die DIZ rechter Medizin-Tourismus in die guten dien diskutiert. Die Proteste nach meh-
in ihrer entwicklungspolitischen Bildungs- Krankenhäuser des Landes - diejenigen, reren Vergewaltigungen, die das Aufsehen
arbeit zwei Themen widmen: Einerseits die es sich finanziell leisten können, sind der Medien und dann der Öffentlichkeit
möchten wir uns passend zum BMZ-Pro- bestens versorgt. Über diese bestehende erregten, sind nicht abgeebbt. Diese ge-
jekt des Ecumenical Sangam zur Aufklä- und sich immer mehr öffnende Schere in sellschaftliche Entwicklung wollen wir
rung bezüglich Lepra und Tuberkulose der medizinischen Versorgung möchten nachvollziehen und mehr darüber erfah-
auch hier mit den „vergessenen“ Krank- wir ebenfalls diskutieren. ren, ob die Proteste nach den Vergewal-
heiten beschäftigen (siehe Seite 4). Lep- Die Situation der indischen Frau- tigungen in den Jahren 2012 und 2013
ra und Tuberkulose gehören zu den ver- en ist ein Thema, das sowohl uns in der Änderungen hervorgebracht haben. Zu-
nachlässigten bzw. armutsbegünstigten Projektzusammenarbeit, viel mehr aber dem richten wir unser Augenmerk auf
Krankheiten, in deren Erforschung und noch unseren indischen Partnern tagtäg- das Gefälle zwischen Stadt und Land –
Behandlung nur unzureichend investiert lich begegnet. Die Stärkung der Frauen die Situation der Frauen in Großstäd-
wird. Lepra beispielsweise ist eine der äl- ist ein wichtiges Anliegen unserer Pro- ten stellt sich ganz anders dar als die
testen Infektionskrankheiten, die in Indi- jektpartner, einerseits um die Entwick- der Frauen im ruralen Indien. Auf dem
en noch sehr verbreitet ist. Wir möchten lung der Gesellschaft voranzutreiben, Land wissen viele Frauen oft kaum um
zeigen, wie viele Menschen noch immer andererseits um den Frauen zu mehr ihre Rechte, die fortschrittliche indische
unter diesen vergessenen Krankheiten Selbstbestimmung zu verhelfen und ihre Verfassung, die ihnen nahezu Gleichbe-
leiden, die hierzulande längst keine Rol- Lebenssituation zu verbessern. Seit meh- rechtigung zugesteht, nützt ihnen im All-
le mehr spielen. Andererseits existiert reren Jahren werden die sexuelle Gewalt tag nichts.
gerade in Indien auch eine florierende gegen Frauen, ihre Ausbeutung und die Die Termine unserer Bildungsveran-
High-Tech-Medizin mit besten Behand- Misshandlungen, die viele von ihnen er- staltungen finden Sie unter:
lungsmöglichkeiten, es besteht ein regel- leben, in der breiten Öffentlichkeit in In- www.diz-ev.de/termine.
Aktuelle Termine finden Sie immer auf:
www.diz-ev.de/termine
www.facebook.com/deutschindischezusammenarbeitev twitter.com/diz_ffmSie können auch lesen