Kelterei Elm - Ein Unternehmen auf der Erfolgsspur

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Kelterei Elm - Ein Unternehmen auf der Erfolgsspur
Aus der Praxis Schwerpunkt 1

          Kelterei Elm –
          Ein Unternehmen auf der Erfolgsspur
          Von Elke Dührßen und Karin Drube

          1991 wurde das Biosphärenreservat Rhön mit dem Ziel ausgewiesen, Konzepte für eine
          nachhaltige Nutzung natürlicher Lebensgrundlagen zu entwickeln und umzusetzen. In dieser
          Region, die lange Zeit als „Armenhaus“ galt, sollten Ökonomie und Naturschutz in Einklang
          gebracht werden, um neue Einkommensperspektiven für die Bevölkerung zu schaffen.
          Dass dieser Ansatz erfolgreich sein kann, zeigt die Kelterei Elm im hessischen Flieden.

          D    ie Kelterei Elm gibt es bereits seit
               1958. Zunächst war das Unternehmen
          ein kleiner Familienbetrieb, der in Lohn-
                                                       Aus alt mach neu
                                                       Die „Rhöner Apfelinitiative“, zu deren
                                                                                                      täten und Räumlichkeiten zu klein gewor-
                                                                                                      den waren. Elm entschloss sich, für die
                                                                                                      geplanten Investitionen einen Antrag auf
          mosterei Apfelsaft und Apfelwein herstell-   Mitbegründern Harald Elm zählt, ist eine       Förderung aus dem Programm „Verbesse-
          te. 1982 übernahm Harald Elm die Kelterei    wichtige Stütze der Kelterei. Dieser           rung der Verarbeitung und Vermarktung
          von seinem Vater und entwickelte daraus      Zusammenschluss von Streuobsterzeu-            landwirtschaftlicher Erzeugnisse“ bei der
          zwei sehr erfolgreiche Unternehmen: den      gern, Naturschutzverbänden und Wirt-           Bewilligungsstelle Regierungspräsidium
          Produktionsbetrieb „Kelterei Elm GmbH“       schaftspartnern der Region wurde 1995          Gießen zu stellen. Über die „Fördergrund-
          und als Vertriebsunternehmen die „Vita       gegründet, um gemeinsam Aktivitäten            sätze zur Marktstrukturverbesserung“
          Verde GmbH“.                                 zum Erhalt der Streuobstwiesen und der         können Investitionen zur Erhöhung der
                                                       Rhöner Kulturlandschaft zu entwickeln und      Wertschöpfung von landwirtschaftlichen
          Erfolgreiche Partnersuche                    umzusetzen. Seit 2003 wird beispielsweise      Erzeugnissen gefördert werden. Die För-
                                                       die Pflanzaktion „Bio-Apfel-Projekt“ umge-     derung ist gedacht für Unternehmen der
          Seit 1993 verarbeitet die Kelterei Elm die   setzt, um der Überalterung von Streuobst-      Ernährungswirtschaft sowie für Zusam-
          Produkte der Beerenobstgemeinschaft          beständen durch Neuanpflanzungen zu            menschlüsse von Erzeugern und ist Be-
          Rhön-Vogelsberg. Diese Kooperative           begegnen.                                      standteil des Entwicklungsplans für den
          wurde 1989 von acht Landwirten gegrün-                                                      ländlichen Raum des Landes Hessen.
          det. Auf der Suche nach Alternativen         Bio-Siegel: Aus der Region
          zum Getreideanbau und neuen Einkom-                                                         Moderner, rationeller,
          mensmöglichkeiten wollten die Landwirte
                                                       für die Region
          ursprünglich schwarze Johannisbeeren für                                                    umweltfreundlicher
                                                       Im Zuge dieser Aktivitäten wurde die Kel-
          den Frischmarkt erzeugen. Doch als 1993      terei Elm 1996 die erste zertifizierte Kel-    Mit Hilfe dieser Förderung hat der Unter-
          aufgrund von Angeboten aus Osteuropa         terei mit dem „Bio-Siegel aus der Rhön“.       nehmer zahlreiche Modernisierungs- und
          die Preise drastisch sanken, musste eine     Gemeinsam mit zirka 2.800 Obstbauern           Erweiterungsmaßnahmen durchgeführt. So
          andere Lösung her. Dies war der Beginn       und dem regionalen Lebensmittelhandel          wurde eine neue Produktionshalle für die
          einer äußerst erfolgreichen Kooperation:     vermarktet sie unter diesem Qualitätssie-      Saftzubereitung errichtet und eine Anlage
          Während die Kelterei Elm zunächst nur        gel eine vielfältige Produktpalette von Saft   zur Verarbeitung von neuen Rohstoffen
          Johannisbeeren im Lohn verarbeitete,         über Cidre bis zum Wein. Die Ertrags-          wie Minze, Brennnessel und Löwenzahn
          kamen nach und nach zusätzliche Beeren       kraft der beteiligten Partner bleibt zu 100    installiert. Mit der wachsenden Rohstoffan-
          und Kräuter und neue Produkte wie Säfte,     Prozent in der Region. Der Bio-Anteil der      lieferung und der Fertigproduktverladung
          Weine und Liköre hinzu. Sämtliche Erzeug-    Produkte wird nach und nach gesteigert,        musste Elm „zwangsweise“ die logistische
          nisse werden übrigens von der Beeren-        unter anderem dadurch, dass potenzielle        Abwicklung rationeller gestalten. Die-
          obstgemeinschaft selbst vermarktet.          Lieferanten, zum Beispiel regionale Direkt-    sem Ziel diente auch die Neuanlage der
                                                       vermarkter, gezielt angesprochen werden.       Hoffläche.
                                                       Derzeit liegt dieser Anteil bei 80 Prozent.    Mit einer neu in Betrieb genommenen Mi-
                                                       Aus Holunderbeeren stellt die Kelterei         krogasturbine stellte Elm die Energiever-
                                                       außerdem seit 2003 einen Extrakt her, der      sorgung umweltfreundlich auf Gas um.
                                                       als Aroma für das Kultgetränk „Bionade“        Mittels moderner und zeitgemäßer Pro-
                                                       dient. Der Hersteller der „Bionade“ hat        duktionstechnik wurde außerdem der
                                                       seinen Sitz ebenfalls in der Rhön. Auch die    Wasser- und Energieverbrauch spürbar
                                                       Basis für die Geschmacksrichtung „Ingwer-      reduziert.
                                                       Orange“ der „Bionade“ kommt aus dem            Die ebenfalls neu erworbene Weichverpa-
                                                       Hause Elm.                                     ckungsabfüllanlage eignet sich insbesonde-
                                                                                                      re für hochwertige Biosäfte. Verbraucher
                                                       Wie wachsen? Investitions-                     und Lebensmitteleinzelhandel akzeptierten
                                                                                                      die Umstellung der Verpackung sofort. So
                                                       förderung hilft                                werden die Biosäfte, die bislang lediglich
                                                       2004 zeigte sich, dass durch die Erweite-      regional vertrieben wurden, jetzt unter
                                                       rung der Produktion und die Verarbeitung       dem Markennamen Vita Verde sogar über-
                                                       neuer Rohstoffe die vorhandenen Kapazi-        regional vermarktet.

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Kelterei Elm - Ein Unternehmen auf der Erfolgsspur
Schwerpunkt 1 Aus der Praxis

Nicht zuletzt wurde auch die Laboraus-
stattung angepasst. Jetzt kann die Kelterei
die anspruchsvollen Qualitätskontrollen
selbst durchführen und damit die Produkt-
qualitäten regelmäßig überprüfen. Positiver
Nebeneffekt: Ein zusätzlicher Arbeitsplatz
wurde geschaffen. Die Gesamtkosten der
Investitionsmaßnahmen beliefen sich auf
gut 1,2 Millionen Euro, die zu 30 Prozent
aus Mitteln der Europäischen Union, des
Bundes und des Landes Hessen bezu-
schusst wurden.

Langfristige Lieferverträge
bieten Planungssicherheit
Mit der Erweiterung hat das Unternehmen
ein System zur Sicherung der heimischen                                                    Alle Bilder: Kelterei Elm
Rohstoffe etabliert: Die regionalen Erzeu-
ger sind durch Liefer- und Abnahmeverträ-     Apfelweinkultur zu setzen. Hintergrund
ge an die Kelterei gebunden. Auf fünf Jahre   ist der stetig rückläufige Konsum von          Die Kelterei Elm in Zahlen
abgeschlossene Lieferverträge garantieren     Apfelwein. Der „KultApfel“ wird in einer       In der Kelterei Elm werden neben 6.000
den Partnern eine verbindliche Rohstoff-      hellen Bordeaux-Flasche abgefüllt. Damit       Tonnen Äpfeln etwa 1.000 Tonnen Beeren
versorgung. Für die Kelterei – und für die    sollen neue Kundenkreise, insbesondere         und Steinobst, 300 Tonnen Holunder und
Landwirte – bedeutet dies Planungssicher-     die jungen Verbraucher, angesprochen           Holunderblüten sowie Minze, Löwenzahn,
heit. Jährlich werden 75 bis 80 Prozent der   werden. Das Konzept ist ein voller Erfolg:     Brennnesseln und Ingwer verarbeitet.
Rohware als Vertragsware bezogen.             Der „KultApfel“ wird mittlerweile nicht        Mit einem Angebot von über 600 ver-
                                              nur in der Gastronomie, sondern auch im        schiedenen Produkten, rund 16 Millionen
„KultApfel“ soll junge                        ausgewählten Einzelhandel angeboten.           Füllungen im Jahr und einem Umsatz von
Verbraucher binden                                                                           etwa 10 Millionen Euro hat sich die Kel-
                                              Mehr Informationen:                            terei regional, national und international
Seit 2005 produziert die Kelterei Elm den     Dr. Elke Dührßen                               als Hersteller und Vertriebspartner von
„KultApfel“ aus hessischem Streuobst          Karin Drube                                    ökologischen Saftprodukten einen Namen
und in Bioqualität. Dabei handelt es sich     Regierungspäsidium Gießen                      gemacht. Zum Kundenkreis gehören der
um ein Projekt der hessischen Wirtshaus-      Dezernat 51.1 - Landwirtschaft,                Getränkehandel in einem Umkreis von
kelterer. Diese Gemeinschaft aus selbst       Marktstruktur                                  100 Kilometern, Lebensmittelketten, der
kelternden Gastronomen hat sich zum Ziel      Telefon: 06 41 / 30 35 12 0                    Naturkosthandel, Getränkehersteller,
gesetzt, neue Akzente in der hessischen       E-Mail: Elke.Duehrssen@rpgi.hessen.de          Direktvermarkter und sogar Arzneimittel-
                                                                                             hersteller.
                                                                                             Zusammen beschäftigen die beiden Firmen
                                                                                             heute 40 fest angestellte Arbeitskräfte,
                                                                                             die saisonal durch Aushilfskräfte verstärkt
                                                                                             werden. 2007 überreichte der Hessische
                                                                                             Staatsminister Wilhelm Dietzel Unter-
                                                                                             nehmer Harald Elm die Ehrenplakette in
                                                                                             Silber für besondere Verdienste um die
                                                                                             Landwirtschaft, den Erhalt des Streu-
                                                                                             obstanbaus und der Qualitätserzeugung
                                                                                             von Fruchtsäften.

                                                                                                                                           37
Kelterei Elm - Ein Unternehmen auf der Erfolgsspur
Aus der Praxis Schwerpunkt 2

          Vermittler in Sachen
          Landschaftsschutz
          Von Alexander Becker

          In landwirtschaftlich weniger begünstigten Regionen hat die Kooperation zwischen Land-
          wirtschaft und Naturschutz bereits Tradition. Doch auch in intensiv genutzten Ackerbau-
          regionen lassen sich entsprechende Projekte erfolgreich umsetzen. Dabei gilt es, die ver-
          schiedensten Interessen geschickt unter einen Hut zu bringen und Konflikte zu minimieren.
          Wie das gelingen kann, zeigen die Projekte der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft.

          W        elche Punkte beim Schutz der Kul-
                   turlandschaft entscheidend sind,
          hat der Sachverständigenrat für Umwelt-
                                                             Die Stiftung Rheinische
                                                             Kulturlandschaft –
                                                                                                               gen und bei Exkursionen über die Themen-
                                                                                                               felder Landwirtschaft und Naturschutz.

          fragen – das Beratungsgremium der Bun-             Naturschutz in Börderegionen                      Naturschutz in Ballungs-
          desregierung – unter dem Schlagwort
          „Naturschutz durch Nutzung“ zusammen-
                                                             Eine solche Institution ist die Stiftung Rhei-    räumen: Konflikte vorpro-
                                                             nische Kulturlandschaft. Sie wurde 2003           grammiert
          gefasst: Kulturlandschaftsschutz ist dauer-
                                                             als Ergebnis des Projektes „Naturschutz
          haft nur in Kooperation mit der Landwirt-
                                                             in Börde-Landschaften durch Strukturele-          Die Köln-Aachener Bucht ist eine typische
          schaft umsetzbar und er ist nur dann
                                                             mente am Beispiel der Kölner Bucht“ vom           Börde-Landschaft: Gekennzeichnet durch
          effizient, wenn die Pflege der Biotope in
                                                             Rheinischen Landwirtschafts-Verband und           fruchtbare Lössböden, wird sie landwirt-
          bestehende Betriebsabläufe integrierbar
                                                             der damaligen Landwirtschaftskammer               schaftlich intensiv und lukrativ bewirtschaf-
          ist. Das Prinzip der Freiwilligkeit ist dabei
                                                             Rheinland gegründet. Seitdem hat sie ge-          tet, doch mangelt es ihr an landschaftlichen
          ein weiterer, ganz zentraler Erfolgsfak-
                                                             meinsam mit Kreisen, Städten und Gemein-          Strukturelementen. Damit Landwirte im
          tor. In der Praxis hat sich zudem gezeigt,
                                                             den sowie anderen Naturschutzstiftungen           Rahmen ihrer Produktion auf ihren Flächen
          dass für den langfristigen Erfolg solcher
                                                             zahlreiche kooperative Naturschutzprojek-         ökologische Leistungen erbringen, die über
          Vorhaben eine Institution vorhanden sein
                                                             te mit der Landwirtschaft vor Ort umge-           das Maß der gesetzlichen Bestimmungen
          muss, welche die Maßnahmen abstimmt
                                                             setzt. Die Mitarbeiter der Stiftung beraten       hinausgehen, müssen die entstandenen Er-
          und die Beratung der Landwirte sowie die
                                                             außerdem zu verschiedenen Themen des              tragsverluste gerade hier in ausreichendem
          Öffentlichkeitsarbeit übernimmt.
                                                             Naturschutzes und informieren in Vorträ-          Maße kompensiert werden.

          Betriebsintegrierte Kompensationsmaßnahmen: die Stiftung als Schnittstelle
          zwischen Vorhabenträger und Landwirt. Quelle: Stiftung Rheinische Kulturlandschaft

                      Genehmigungs-/
                       Fachbehörde                                                               betreut und             Landwirt
                                                       dokumentiert
                                                                                                 honoriert
                        stimmt zu

                                                                        Flächenmanagement
                                                                        s jährliche Kontrolle
                                                                        s Berichterstattung
                                                                        s Pflegemanagement
                                                                        s Vertragsverlängerung

                                                                                                                    Bewirtschaftungsvertrag
                    Kompensationsvertrag
                                                                                                                    s Fläche
                    s Umfang
                                                                                                                    s Maßnahme
                    s Maßnahme
                                                                                                                    s Herstellung
                    s Bewertung
                                                                                                                    s Pflege
                    s Laufzeit                      Vorhabenträger                                                  s Laufzeit
                    s Kapital
                                                          Planungsbüro                                              s Entschädigung

38
Kelterei Elm - Ein Unternehmen auf der Erfolgsspur
Schwerpunkt 2 Aus der Praxis

                                                                                                       Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
                                                                                                       gewährleistet, dass diese Kompensations-
                                                                                                       maßnahmen ihre naturschutzfachliche
                                                                                                       Funktion dauerhaft erfüllen. Sie übernimmt
                                                                                                       für den Eingriffsverursacher per Vertrag
                                                                                                       die Umsetzung der Kompensationsver-
                                                                                                       pflichtung. Dies geschieht auf eigenen
                                                                                                       Flächen der Stiftung, auf Flächen im öffent-
                                                                                                       lichen Eigentum oder auf grundbuchlich
                                                                                                       gesicherten Flächen.

                                                                                                       Erfolg durch Zusammen-
                                                                                                       arbeit
                                                                                                       Vermehrt erwirbt die Stiftung auch selbst
                                                                                                       Flächen, um darauf in Abstimmung mit den
                                                                                                       Landwirten vor Ort produktionsintegrier-
Extensives Grünland als Lebensgrundlage für Blüten besuchende Insekten – finanziert mit                te Kompensationsmaßnahmen umzusetzen.
Geldern aus der Eingriffsregelung. Bilder: Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, Montage Kuhl-Design   Dazu schließt sie mit Land- und Forstwir-
                                                                                                       ten Verträge ab, in denen diese sich ver-
Doch treten in solch landwirtschaftlich              Naturschutzmaßnahmen orts- und funkti-            pflichten, Bewirtschaftungsauflagen einzu-
hochproduktiven Regionen verstärkt auch              onsnah ausgeglichen werden. Ist dies nicht        halten, die unter ökologischen Gesichts-
andere Flächennutzer auf. Dies verstärkt             möglich, muss an anderer Stelle Ersatz ge-        punkten entwickelt wurden. Dabei steht
den Druck auf die Fläche und erhöht deren            schaffen werden. So sind für flächeninten-        neben der ökologischen Wirksamkeit
Wert zusätzlich. So ist die Nachfrage nach           sive Bauvorhaben (z.B. Gewerbegebiete,            der Maßnahmen auch deren Eignung zur
Flächen für Gewerbeansiedlung und Woh-               Straßenbau) in der Regel weitere Flächen          Integration in landwirtschaftliche Be-
nungsbau, zur Gewinnung von Bodenschät-              nötig, um den erforderlichen ökologischen         triebsabläufe im Vordergrund. Die Stiftung
zen sowie für den Straßen- und Leitungs-             Ausgleich zu schaffen.                            übernimmt die Beratung der Landwirte,
trassenbau enorm, was sich im ganzen                 Da die Bewertungsverfahren für die Flä-           das Flächenmanagement, die regelmäßige
Bundesland Nordrhein-Westfalen in einem              chen kompliziert sind und die Eingriffsver-       Kontrolle der umgesetzten Maßnahmen
Verlust von etwa 20 Hektar landwirt-                 ursacher nach möglichst kostengünstigen           und die Auszahlung der Bewirtschaftungs-
schaftlicher Nutzfläche pro Tag wider-               Ausgleichsmaßnahmen suchen, werden als            prämien. In typischen strukturarmen
spiegelt. Diese verschiedenen Flächenan-             Ausgleich für Baumaßnahmen überdurch-             Börde-Landschaften können dadurch wich-
sprüche sind ein Hauptgrund dafür, dass              schnittlich häufig Ackerflächen mit Ge-           tige Offenlandbiotope, z.B. Feldraine und
in diesen Regionen die Umsetzung von                 hölzen bepflanzt. Diese Flächen sind dann         Säume, geschaffen und langfristig erhalten
Naturschutzmaßnahmen so schwierig war                aber nicht nur einer landwirtschaftlichen         werden.
und ist. Nicht zuletzt aufgrund der hohen            Produktion vollständig entzogen, sondern
Bodenpreise ist die ausschließliche Nut-             es findet auf ihnen auch keine andere
zung der Fläche zu Naturschutzzwecken in             Wertschöpfung mehr statt.                         Ein Beispiel: ökologische
der Regel zu teuer.                                                                                    Grünlandbewirtschaftung
                                                     Es geht auch anders                               So wurde etwa für die naturschutzrecht-
Eingriffsregelung verschärft                                                                           liche Kompensation eines Bebauungs-
                                                     Doch kann als Kompensationsmaßnahme
den Konflikt                                         auch eine langfristige naturverträgliche          vorhabens im Rhein-Sieg-Kreis für eine
                                                     Bewirtschaftung bzw. eine in den landwirt-        bestehende Grünlandfläche ein Bewirt-
Mit dem Bau- und Siedlungsdruck ist ein                                                                schaftungskonzept unter ökologischen
weiterer Umstand verbunden, der die                  schaftlichen Produktionsablauf integrierte
                                                     Biotoppflege zu relativ geringen Kosten           Gesichtspunkten erarbeitet. Die Nutzung
Flächenknappheit in diesen Regionen noch                                                               der Fläche als Kompensationsmaßnahme
weiter verschärft. Wird in Deutschland ein           umgesetzt werden. Dies zeigt die Stiftung
                                                     Rheinische Kulturlandschaft etwa auf den          ist grundbuchlich gesichert, die Bewirt-
Bauvorhaben realisiert, das im Vorfeld die                                                             schaftung erfolgt durch einen ortsansässi-
Genehmigung durch eine Fachbehörde be-               rund 60 Hektar Ausgleichsfläche, deren
                                                     langfristige Pflege sie für unterschiedliche      gen Landwirt, der den Aufwuchs in seinem
nötigt, ist der Eingriffsverursacher gesetz-                                                           Betrieb als Futter verwenden kann. Da
lich verpflichtet, Beeinträchtigungen der            Eingriffsverursacher verantwortet. Dabei
                                                     muss der naturschutzfachliche Wert der            die Erträge geringer sind und die Qualität
ökologischen Lebensraumfunktionen zu                                                                   des gewonnenen Futters schlechter ist als
vermeiden. Nicht vermeidbare Beeinträch-             Fläche natürlich den auszugleichenden Be-
                                                     einträchtigungen entsprechen.                     auf intensiv genutzten Wiesen, zahlt die
tigungen müssen durch entsprechende                                                                    Stiftung dem Bewirtschafter jährlich einen
                                                                                                       angemessenen Ausgleich.
Die Auswahl der Flächen erfolgt in enger Abstimmung zwischen den Landwirten
und den Umweltbeauftragten der Gemeinde (bzw. der Naturschutzbehörde).                                 Mehr Informationen:
Bilder: Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
                                                                                                       Alexander Becker
                                                                                                       Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
                                                                                                       Telefon: 02 28 / 6 19 96 56
                                                                                                       E-Mail:
                                                                                                       a.becker@rheinische-kulturlandschaft.de
                                                                                                       Internet:
                                                                                                       www.rheinische-kulturlandschaft.de

                                                                                                                                                      39
Kelterei Elm - Ein Unternehmen auf der Erfolgsspur
Aus der Praxis Schwerpunkt 3

 Bild: Otter-Zentrum, Hankensbüttel   Bild: LEB Bildungswerk Kronsberghof, Hannover                            Bild: Regionale Umweltbildung Agrarwirtschaft RUBA e.V.,
                                                                                                               Vechta

              Wie kommt die Milch
              in die Flasche?
              Von Horst Brockhoff

              Kinder und Jugendliche sind die Verbraucher der Zukunft. Ein Verständnis dafür, wie und vor
              allem wo Lebensmittel entstehen, legt schon früh den Grundstein zu einem selbstbestimm-
              ten, verantwortlichen Lebensmittelkonsum. Ein Bildungsprojekt in Niedersachsen und
              Bremen will dieses Verständnis fördern und gleichzeitig neue Einkommensquellen für die
              Landwirtschaft erschließen.

              D    as Projekt „Transparenz schaffen –
                   von der Ladentheke bis zum Erzeu-
              ger“ soll die Etablierung von Netzwerken
                                                                 stattfinden. Die zentrale Koordinierung
                                                                 liegt beim Bildungs- und Tagungszentrum
                                                                 Ostheide (BTO) in Barendorf bei Lüne-
                                                                                                              punkte angepasst werden. Schon im Kita-
                                                                                                              und Grundschulalter können die jungen
                                                                                                              und jüngsten Konsumenten somit lernen,
              zwischen jungen Lebensmittelkonsumen-              burg. Dieses führt die Einzelveranstaltun-   wie und wo Lebensmittel entstehen.
              ten und regionalen Wirtschaftsakteuren             gen zusammen und sorgt für gemeinsame        Dabei werden ihnen die Zusammenhänge
              fördern. Hauptaktivität des Projektes ist          Standards bei Pädagogik und praktischer      zwischen landwirtschaftlichem Anbau,
              die Vorbereitung, Durchführung und Aus-            Abwicklung. Das Bildungszentrum über-        Weiterverarbeitung der Rohstoffe, der
              wertung von Bildungs- und Informationsan-          nimmt auch die Fortbildung der regionalen    Kulturlandschaft und nicht zuletzt auch der
              geboten zu Landwirtschaft und Ernährung.           Multiplikatoren und wertet gemeinsam mit     eigenen Ernährung und Gesundheit durch
              Gefördert wird das Projekt aus dem                 den Akteuren vor Ort die Ergebnisse des      die direkte Begegnung mit der Land- und
              „Programm zur Förderung im ländlichen              Gesamtprojektes aus.                         Ernährungswirtschaft deutlich gemacht.
              Raum Niedersachsen und Bremen 2007                 Bis auf kleine Beiträge für Sachausgaben
              bis 2013“ (PROFIL), Schwerpunkt 3:                 sind die Bildungsveranstaltungen für die     Nicht nur zugucken –
              Entwicklung der Lebensqualität im ländli-          Kinder und Jugendlichen in der Regel
              chen Raum und Diversifizierung der länd-           kostenlos; Personal- und Reisekosten         mitmachen!
              lichen Wirtschaft. Die regionalen Netz-            bestreiten die regionalen Bildungsträger,    Bei allen Bildungsangeboten geht es stets
              werkstrukturen zwischen Akteuren aus               an die auch die Förderung geht.              um aktives Handeln und das direkte Miter-
              Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung                                                        leben der Produktion, um die gemeinsame
              und Bildung in Kombination mit einer               Je früher, desto besser                      Zubereitung schmackhafter Mahlzeiten
              zentralen Koordinierungsstelle sind in                                                          sowie den unmittelbaren Kontakt mit den
              Deutschland einzigartig.                           In ganz Niedersachsen und in Bremen          verschiedenen Berufen aus Landwirtschaft
                                                                 werden seit Projektbeginn im Frühjahr        und Lebensmittelsektor. Die Herkunft und
              Eng vernetzt                                       2008 vielfältige Erkundungsmöglichkeiten     der Herstellungsweg von Lebensmitteln
                                                                 zum Anbau und zur Verarbeitung von           sollen sichtbar und verständlich werden –
              Insgesamt 40 regionale Bildungsträger aus          Lebensmitteln angeboten, und zwar direkt     in einer Perspektive, die vom fertigen Pro-
              Landwirtschaft und Umweltbildung ko-               vor Ort – auf Bauernhöfen und in anderen     dukt ausgeht und dieses bis zu seinem Aus-
              ordinieren und organisieren die Bildungs-          Betrieben der Lebensmittelwirtschaft.        gangspunkt auf dem Acker zurückverfolgt:
              angebote im Projekt. Sie haben jeweils             Für die Kinder und Jugendlichen werden       von der Ladentheke bis zum Erzeuger.
              Netzwerke aus landwirtschaftlichen Part-           Projekttage und spezielle Lerneinheiten      Neben den Tagesangeboten und Projekt-
              nerbetrieben und anderen Lernorten zur             vorbereitet, die an ihr Alter, ihre Schul-   wochen für Schulen und Kindergärten
              Verfügung, in denen die Veranstaltungen            form und individuelle Interessenschwer-      werden auch Aktionstage durchgeführt

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Kelterei Elm - Ein Unternehmen auf der Erfolgsspur
Schwerpunkt 3 Aus der Praxis

Bild: ackern&rackern e.V.                                  Bild: R. Rantzau

und Angebote bereitgestellt, die sich an      Arbeitsstrukturen finden. Hierbei war            Zur Bildreihe oben: Mitmachen ist angesagt!
ein breiteres Publikum, etwa an Familien,     die Koordinationsarbeit der regionalen           Mit vielseitigen Bildungsaktionen direkt am
                                                                                               Ort der Produktion können die Kinder und
wenden. So beteiligen sich die regiona-       Bildungsträger besonders wertvoll, da dort       Jugendlichen erfahren, wie Nahrungsmittel
len Anbieter an den im ländlichen Raum        pädagogisches und organisatorisches Wis-         erzeugt und weiterverarbeitet werden.
bereits etablierten Veranstaltungen zum       sen zusammenfließen und weitervermittelt
„Tag des offenen Hofes“ oder dem „Tag         werden können. Landwirte und Landfrauen
der Regionen“.                                finden in ihren regionalen Koordinatoren
                                              eine Anlaufstelle, mit deren Hilfe sie
Verständnis füreinander                       Anfangsprobleme frühzeitig aus dem Weg
                                              räumen können.
fördern
Das Vorhaben vermittelt nicht nur Wissen,     Mehr Informationen:
sondern fördert zugleich das gegenseitige     Horst Brockhoff
Verständnis von landwirtschaftlicher und      Bildungs- und Tagungszentrum Ostheide
nicht-landwirtschaftlicher Bevölkerung im     (BTO)
ländlichen Raum. Menschen aus der Land-       Telefon: 0 41 37 / 81 25 28
und Lebensmittelwirtschaft sind, wo           E-Mail: brockhoff@bto-barendorf.de
immer es möglich ist, als Experten und        Internet: www.transparenz-schaffen.de
Anleitende in die Bildungsaktivitäten ein-
bezogen. Die im Projekt tätigen Landwirte
und Landfrauen vermitteln also nicht nur
Fachwissen, sondern geben unmittelbare                                                         Von den Anfängen bis zur
Einblicke in die Lebens- und Arbeitswelt                                                       aktuellen Förderperiode
der heutigen Landwirtschaft. Das ist
wichtig, wird doch das aktuelle Bild der                                                        Das Projekt „Transparenz schaffen –
Landwirtschaft von kritischen Medien-                                                           von der Ladentheke bis zum Erzeu-
berichten ebenso bestimmt wie von den                                                           ger“ ist innerhalb der PROFIL-Förderperi-
idyllisierenden Postkartenbildern der Le-                                                       ode in mehrere Förderabschnitte unterteilt;
bensmittelwerbung. Nur in den seltensten                                                        der nächste Abschnitt beginnt mit dem Juli
Fällen gründet es jedoch auf eigener An-                                                        2009. Voraussichtlich Anfang 2009 wird
schauung und Erfahrung. Der unmittelbare                                                        es somit für juristische und natürliche
Kontakt zwischen Lebensmittelanbauern,         Personen mit Sitz in Niedersachsen und Bremen erneut möglich sein, sich als „regionaler
Lebensmittelverarbeitern und jungen Ver-       Bildungsträger“ zu bewerben. Die notwendigen fachlichen, administrativen und organisato-
brauchern bietet allen beteiligten Partnern    rischen Mindestqualifikationen sind auf der Internetseite des niedersächsischen Landwirt-
die Möglichkeit zu Austausch, Diskussion,      schaftsministeriums unter www.ml.niedersachsen.de / Themen / Landwirtschaft & Ernährung /
neuen Erfahrungen und Denkanstößen.            Transparenz schaffen – von der Ladentheke bis zum Erzeuger einsehbar.
Ein Dialog, der für alle Beteiligten einen
                                               Unter dem Internetauftritt www.transparenz-schaffen.de findet man weitere Erläuterungen
Gewinn darstellt.
                                               zum Projekt. Hier steht auch die Broschüre „Was esse ich da eigentlich?“ zum Download
                                               bereit, die zur Pilotphase des Projektes erschienen ist und in der jeder regionale Bildungs-
Eine gemeinsame Sprache                        träger eines seiner Bildungsangebote vorstellt. Während dieser Pilotphase (2002-2005) ist
finden                                         bereits ein Netzwerk regionaler Bildungsträger mit gemeinsamen pädagogischen Leitlinien
                                               entstanden, die in ihren Regionen jeweils die Zusammenarbeit von Akteuren aus Landwirt-
Gerade die umfangreichen Netzwerke in          schaft, Bildung und Umwelt- und Verbraucherinitiativen stärken konnten.
den Regionen haben es ermöglicht, bei
den oft recht unterschiedlichen Akteu-         Mit der in 2007 begonnenen Förderung aus dem PROFIL-Programm konnte die Anzahl
ren eine Akzeptanz der Projektziele zu         der Bildungsträger nahezu verdoppelt werden. Viele regionale Gliederungen des nieder-
entwickeln – bisweilen bedarf es doch          sächsischen Bauernverbandes (Landvolk) haben nun ebenfalls die Funktion von regionalen
einiger Vorbereitungszeit und Koordinati-      Bildungsträgern übernommen, so dass die unmittelbare Verknüpfung von Bildungsarbeit und
on, bis Vertreter von Landwirtschaft und       Landwirtschaft weiter vertieft werden konnte. Auch die Zahl der eingebundenen landwirt-
Schule eine gemeinsame Sprache gefunden        schaftlichen Betriebe hat mit der aktuellen Förderperiode erheblich zugenommen.
haben und zu nachhaltig funktionsfähigen

                                                                                                                                              41
Kelterei Elm - Ein Unternehmen auf der Erfolgsspur
Aus der Praxis Schwerpunkt 4

          Die spannende Spur der Steine
          Von Claudia Eckhardt

          Die Besonderheiten von Geologie und Landschaftsgeschichte spielerisch und spannend zu
          vermitteln, zählt zu den Hauptaufgaben von Geoparks. Um dabei das Rad nicht jedes Mal
          neu erfinden zu müssen, haben sich im Rahmen von LEADER+ Lokale Aktionsgruppen aus
          Geoparks in vier Ländern zu einem Kooperationsprojekt zusammengeschlossen. Ihr Ziel:
          Pfiffige Konzepte für Umweltbildung und Tourismus entwickeln und dabei jede Menge
          Synergieeffekte nutzen.

          D     ie Partner des transnationalen Koope-
                rationsprojektes „Geoparks als ideale
          Destinationen für sanften Tourismus und
                                                        „Geo und Genuss“ –
                                                        Kooperation mit der regio-
                                                                                                        Was Geoparks bieten, zeigen
                                                                                                        Internet ...
          Umweltbildung in ländlichen Regionen          nalen Wirtschaft                                Die landschaftlichen Besonderheiten und
          Europas“ (siehe Info-Kasten) arbeiten schon                                                   touristischen Angebote der Projektpartner
                                                        Auch die regionale Wirtschaft wird mit ge-
          seit Jahren zusammen. In trockenen Tü-                                                        sind auf den Internet-Seiten der Geoparks
                                                        zielten Aktionen gefördert. So sind regio-
          chern ist das Projekt der Interessenge-                                                       zusammengestellt. Im Touristikzentrum
                                                        nale Produkte aus den Partner-Geoparks
          meinschaft Odenwald (IGO), des Geo-                                                           Odenwald im hessischen Erbach können
                                                        im „Geopark-Präsentkorb“ zusammenge-
          parks Bergstraße-Odenwald (Abb. 1) und                                                        Besucher direkt über einen Infoterminal
                                                        stellt, der gleichzeitig auch die regionalen
          sechs weiterer Lokaler Aktionsgruppen                                                         auf die Geopark-Homepage und alle aktu-
                                                        Anbieter bewirbt. Den Leitfaden für die
          aus Geoparks in Großbritannien, Italien                                                       ellen Erlebnisangebote zugreifen. Dieser
                                                        Kombination von Produkten zu unter-
          und Griechenland aber erst seit dem ver-                                                      „Geopark-Informationspunkt“, den alle
                                                        schiedlichen landschaftsbezogenen Themen
          gangenen Jahr – als die Spezialisten für                                                      Projektpartner anbieten, begeistert die
                                                        hat der Geopark Bergstraße-Odenwald
          Erdgeschichte ihre Erfahrungen zu prakti-                                                     Gäste und stärkt die Zusammenarbeit mit
                                                        erarbeitet. Zur Nachahmung empfohlen
          schen und „schlüsselfertigen“ umweltpä-                                                       der Tourismusbranche. Neben der Einla-
                                                        ist auch der Beitrag der Vulkaneifel: Unter
          dagogischen Konzepten zusammengeführt                                                         dung, die eigene Region zu entdecken, soll
                                                        dem Stichwort „Geo-Gastgeber“ wurden
          haben. Diese Konzepte bereiten die jeweils                                                    die gegenseitige Bewerbung auch zu Reisen
                                                        im Rahmen des Kooperationsprojektes
          besonderen Aspekte des Landschaftser-                                                         in die Partner-Regionen anregen.
                                                        Gastronomiebetriebe sowie andere touris-
          lebens so auf, dass sie direkt vor Ort mit
                                                        tische Dienstleister geschult und in einem
          einfachen Mitteln umgesetzt werden kön-
          nen. So können etwa die Ranger des Geo-
                                                        regionalen Netzwerk miteinander verbun-         ... Bildband ...
                                                        den. Das Ausbildungskonzept, eine Kombi-
          parks Bergstraße-Odenwald ebenso wie                                                          Sich ganz gemütlich zu Hause inspirieren
                                                        nation aus praktischem Geopark-Know-
          die „Geopark-Botschafter“ in den Partner-                                                     lassen zu einer Reise in die ländlichen
                                                        how und Grundlagen zur Entwicklung und
          Regionen ihr Umweltbildungsprogramm                                                           Regionen der Geoparks: Das „Geoparks
                                                        zum Marketing von touristischen Produk-
          erweitern, indem sie aus einer reichhalti-
                                                        ten, steht allen Projektpartnern zur Verfü-
          gen europäischen Angebotspalette genau
                                                        gung.
          die Bausteine auswählen, die ihr eigenes
          Angebot sinnvoll ergänzen.                    Das Gebiet des Geoparkes Bergstraße-
                                                        Odenwald. Quelle: Geopark Bergstraße-Odenwald
          Kreative Konzepte im
          Austausch
          So präsentieren die britischen North Pen-
          nines mit ihren „rock boxes“ die Geologie
          der Region anschaulich in Holzkisten,
          während „Willi Basalt“, der kleine Vulkan-
          experte aus der Vulkaneifel, sein Anschau-
          ungsmaterial zu den dramatischen Vorgän-
          gen rund um den Vulkanismus in seinem
          Geo-Rucksack bei sich trägt. Geländespie-
          le und Quizfragen rund um den Wasser-
          kreislauf hat der Geopark Psiloritis auf
          Kreta zusammengestellt, und der Geopark
          Bergstraße-Odenwald liefert Bauanleitun-
          gen für eine interaktive geologische Tisch-
          ausstellung. Diese und alle weiteren Bau-
          steine des Konzeptes sind so gestaltet,
          dass sie in allen Partner-Regionen und da-
          rüber hinaus ein- und umgesetzt werden
          können. Zudem wird die Landwirtschaft
          als wichtiger Partner einbezogen, wie im
          Erlebniskonzept zur Entwicklung der Land-
          nutzung, das vom Geopark Bergstraße-
          Odenwald erarbeitet wurde.

42
Kelterei Elm - Ein Unternehmen auf der Erfolgsspur
Schwerpunkt 4 Aus der Praxis

                                                                                              Links: Wissensaustausch während des
                                                                                              Geopark-Intensiv-Kurses auf der griechi-
                                                                                              schen Insel Lesbos.

                                                                                              Unten: Ideenaustausch auf dem ersten Vor-
                                                                                              bereitungstreffen 2007 zur Gründung des
                                                                                              Kooperationsprojektes. Bilder: Claudia Eckhardt

Coffee Table Book“ macht es möglich. Der       Erfolg motiviert zum                            Das Kooperationsprojekt
umfangreiche Bildband stellt alle europäi-
schen Geoparks mit professionellen Fotos
                                               Weitermachen
                                                                                                                    Der Globale und
und informativen Kurztexten vor. Neben         Die Zusammenarbeit im Kooperationspro-                               Europäische Geo-
der Begeisterung für das faszinierende geo-    jekt hat bestätigt, dass sich das gemeinsa-                          park Bergstraße-
logische Erbe Europas wird dabei auch das      me geologische Erbe Europas besonders                                Odenwald erstreckt
Bewusstsein für die Potenziale geweckt,        gut für die Entwicklung touristischer Ange-                          sich auf 3.500 km²
die durch Zusammenarbeit europäischer          bote im ländlichen Raum eignet. Im Rah-                              zwischen Rhein,
Regionen in Wert gesetzt werden.               men des Projektes hatten die Partner                                 Main und Neckar
                                               Gelegenheit, ihre bestehende Zusammen-          und umfasst auch die LEADER+Region.
... und Geopark Intensiv-                      arbeit weiter zu vertiefen und ganz kon-        Der Geopark ist seit 2002 Mitglied im
                                               krete gemeinsame Projekte zu entwickeln         Europäischen Geopark-Netzwerk und seit
Kurse                                                                                          2004 zudem als Globaler Geopark in dem
                                               und umzusetzen. Auf den gesammelten
Mehr als 30 Teilnehmer aus ganz Europa         positiven Erfahrungen soll nun auch bei der     von der UNESCO ins Leben gerufenen
besuchten im September 2007 den ersten         Umsetzung des neuen Regionalen Entwick-         Netzwerk Globaler Geoparks ausgezeich-
„Intensive Course on Geoparks Manage-          lungskonzepts Odenwald aufgebaut wer-           net.
ment“, der vom Museum für Naturge-             den – mit einer Fortführung der Koopera-
schichte und der Universität von Mytilene      tion und vielen neuen Projektideen.             Im Rahmen des Europäischen Geopark-
                                               Auch nach Abschluss des Kooperations-           Netzwerkes haben die Interessengemein-
auf der Insel Lesbos organisiert wurde. In
                                               projektes werden die Partner weiterhin          schaft Odenwald (IGO), der Geopark
diesem Workshop haben die Teilnehmer
                                               ihre langjährige Erfahrung zur Regional-        Bergstraße-Odenwald und sechs weitere
verschiedene Methoden zum Management
                                               entwicklung im Geopark-Kontext für die          Lokale Aktionsgruppen aus Geoparks aus
von Geoparks kennengelernt. Ein Schwer-
                                               Ausbildung junger Menschen aus ganz             vier europäischen Ländern im vergangenen
punkt lag dabei auf der Kombination von
                                               Europa zusammenführen.                          Jahr das transnationale Kooperationspro-
Geotourismus und regionaler Entwicklung
                                                                                               jekt „Geoparks als ideale Destinationen
als Möglichkeit zum Erhalt dieses ländli-
                                                                                               für sanften Tourismus und Umweltbil-
chen Erbes. Die zukünftigen Akteure            Mehr Informationen:
                                                                                               dung in ländlichen Regionen Europas“
waren begeistert über die Fülle von direkt     Claudia Eckhardt
                                                                                               entwickelt. Das Amt für den Ländlichen
umsetzbaren Informationen und die Mög-         Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
                                                                                               Raum des Odenwaldkreises begleitet und
lichkeit, die Inhalte des Kurses vor Ort mit   Telefon: 0 62 51 / 7 07 99 24
                                                                                               unterstützt dieses internationale Projekt.
Geopark-Praktikern zu diskutieren (Abb. 3).    E-Mail: c.eckhardt@geo-naturpark.de
                                                                                               Die Interessengemeinschaft Odenwald hat
Weitere Kurse werden folgen.                   Internet: www.geo-naturpark.de
                                                                                               die federführende Funktion auf nationaler
                                               www.europeangeoparks.org
                                                                                               Ebene inne.

                                                                                               International wird das Projekt durch das
                                                                                               Museum für Naturgeschichte der Insel
                                                                                               Lesbos (Griechenland) koordiniert, das
                                                                                               den Europäischen Geopark „Versteinerter
                                                                                               Wald von Lesbos“ vertritt.
 Das Europäische Geopark-Netzwerk
                                                                                               Die weiteren Partner sind die Europäi-
 Das Europäische Geopark-Netzwerk (EGN)umfasst gegenwärtig 33 Regionen zwischen                schen Geoparks North Pennines AONB
 Norwegen und Griechenland, Irland und Rumänien, die sich verpflichtet haben, ihr geologi-     (Großbritannien), Psiloritis (Griechen-
 sches und kulturlandschaftliches Erbe zu schützen und mit der Entwicklung von nachhaltigen    land), Beigua (Italien) und Vulkaneifel
 Tourismusangeboten in Wert zu setzen. Dabei spielen die jeweils von der Landschaft, ihrer     sowie der Geopark Rocca di Cerrere
 Kultur und ihren Produkten geprägte regionale Identität und die Zusammenarbeit mit der        (Italien).
 regionalen Wirtschaft eine entscheidende Rolle.

                                                                                                                                                43
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