Lebens Zeit - Caritas St. Pölten
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
Caritas
Mobiler „Wer wir sind, wissen
wir immer erst in
Hospizdienst
unseren extremsten
Lebenssituationen."
Caritas St. Pölten Aktuell, P.b.b. | Erscheinungsort St. Pölten Robert Kratky,
Verlagspostamt 3100 St. Pölten | Nr. 8 | April 2017 Ö3 Weckermoderator
LebensZeit
Hospizzeitung Nr. 8 | April 2017 | Caritas der Diözese St. Pölten, Hasnerstraße 4, 3100 St. Pölten
„Alles wirkliche
Titeloto: Caritas/Franz Gleiss Foto oben: Ö3/RomanPfeiffer
Leben ist
Begegnung”Editorial
Eine herausfordernde
aber schöne Aufgabe
LehrgangsteilnehmerInnen über die
Ausbildung und die Arbeit als BegleiterIn.
„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“.
Ein Zitat von Martin Buber, das mich
seit vielen Jahren bewegt, begleitet und
welches in seiner Essenz durch viele
VON ANITA THÜR
Erfahrungen und Kontakte mit Menschen
– ob privat oder beruflich – zum Leben
erweckt wird. Seit 1997 bietet der Mobile gute Begleitung IN die Welt wollte ich
In dieser Ausgabe widmen wir uns Hospizdienst der Caritas auch in der Zeit des Gehens VON
diesen Begegnungen. Mit Menschen, St. Pölten die Möglichkeit einer dieser Welt fortführen, als Wegbe-
die begleiten, begleitet werden, begleiten Ausbildung zum/zur Lebens-, gleiterin. Denn da schließt sich auch
möchten, aber auch Menschen, die sich Sterbe- und TrauerbegleiterIn. ein Kreis für mich.”
mit dem Thema Endlichkeit, Tod und Trauer In den 39 Lehrgängen haben Aus ganz anderen Beweggründen
auseinandersetzen, neue Sichtweisen seither über 700 TeilnehmerInnen meldete sich das Ehepaar Andrea
einbringen, verschiedenste Perspektiven dieses Angebot angenommen. und Josef Schlögl für den Lehrgang
eröffnen. Ganz unterschiedliche Menschen. an. „Ich bin mit 61 Jahren als
Wie oft erfahren wir in unserem tagtäglichen
Manche mit pflegerischen Vor- Familienrichter in Pension gegangen
Leben und Tun andere – uns auch
kenntnissen, andere hatten in und habe gemeinsam mit meiner
manchmal unverständliche - Betrachtungs-
ihrem Berufsleben noch nie mit Gattin eine Aufgabe gesucht, in der
und Verhaltensweisen, und dennoch können
diesem Thema zu tun. Für einige wir uns einbringen können. Beim
wir in der Begegnung mit diesen Menschen
und Wirkungsweisen lernen, akzeptieren, ist es eine neue sinnstiftende Roten Kreuz haben wir eine Ausbil-
uns diesem Raum öffnen. Spannendes Aufgabe in der Pension, andere dung zur Krisenintervention ge-
über Motivationen, Beweggründe, den wiederum finden darin einen macht und zur Bereicherung bzw.
Reichtum an Gedanken zu erfahren, soll Ziel Ausgleich zum stressigen Ergänzung haben wir uns auch bei
dieser Beiträge sein, die viel mehr „BUNTES Berufsalltag. diesem Lehrgang angemeldet”,
LEBEN“ darstellen, als viele im Hospiz- und Eine Vielfalt, die auch Lehrgangsteil- erzählt Josef Schlögl.
Palliativkontext erahnen. nehmerin Gerti Ziselsberger
Dieses Leben – in all seinen Facetten – auch begeistert: „Der Lehrgang ist für Umfassende Ausbildung
in der letzten Lebensphase und in schweren mich deshalb sehr faszinierend, weil Für diese anspruchsvolle Tätigkeit
Verlustsituationen neu aufzuspüren, ist so unterschiedliche Menschen werden die LehrgangsteilnehmerIn-
eines meiner Anliegen in meiner Funktion dabei sind und trotzdem eine große nen gut vorbereitet. In 8 Seminarblö-
als Leiterin des Mobilen Hospizdienstes. Gemeinschaft entstanden ist. Etwas, cken und insgesamt 160 Stunden
Wir begleiten das Leben und nicht den
wo wir uns gegenseitig tragen, lernen sie Grundlagen aus allen
Tod. Wir haben Vertrauen, Geborgenheit
unterstützen und helfen, trotz der relevanten Fachbereichen. Sie
und – wenn irgendwie möglich – Funken
Unterschiedlichkeit. Es ist schön, setzen sich mit Möglichkeiten und
von Lebensfreude in unserer Begleitung als
dass sich jeder sehr persönlich auf Grenzen in der Begleitung von
Aufgabe. Dasein in einer Zeit, in der Viele
Menschen an ihrer Seite bedürfen, die nicht diesen Weg einlässt. Dabei tun sich sterbenden Menschen und ihren
wegweichen, sich verabschieden, sondern neue Dinge auf und jeder findet Angehörigen auseinander, reflektie-
den Weg, diese Reise begleiten, eine seinen Weg.” ren den persönlichen Umgang mit
wahrhaftige und ehrliche BEGEGNUNG dem Tod, beschäftigen sich mit
ermöglichen. Unterschiedliche Motivationen pflegerischen Grundlagen, rechtli-
Das Interesse, sich für den Lehrgang chen Rahmenbedingungen,
anzumelden, kam, für die ausgebil- ethischen und spirituellen Fragen.
dete Ehe-, Familien- und Lebensbe- Darüberhinaus erhalten sie einen
raterin, aus ihrer beruflichen Erfah- Überblick über unterschiedliche
Edda Kaufmann, rung: „Ich habe einige Zeit in der Trauermodelle und Ideen zur
Fotos: Caritas
Leiterin Mobiler Hospizdienst Beratung viele schwangere Frauen Gestaltung von Trauerritualen.
begleitet. Dieses Augenmerk auf eine Andrea Schlögl erklärt:
2 LebensZeit Mobiler Hospizdienst der Caritas der Diözese St. PöltenBildung
Ausbildung erfolgreich abgeschlossen: Die TeilnehmerInnen des 39. Lehrgangs für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung
erhielten ihre Zertifikate.
„Der Lehrgang ist auch sehr im Auch ich selber kann von Ster-
Alltag präsent. Sichtweisen auf benden und deren Angehörigen viel
s c h a u
Vor
verschiedene Dinge im Alltag mitnehmen. Es ist oft nicht mit
verändern sich, ein anderer Blick- Worten zu beschreiben, was gerade
winkel entsteht." Ihr Gatte ergänzt: in mir selbst vorgeht. Aber eines
„Es wurde mir auch noch viel mehr weiß ich: Es ist eine schöne Aufga-
bewusst, dass nicht Dinge wie be, für andere Menschen da zu
Smalltalk, Oberflächlichkeit und sein. Ihnen Kraft zu geben und sie
materielle Werte wichtig sind, Wärme und Geborgenheit spüren zu Die nächsten Lehrgänge
sondern was im Leben wirklich lassen.” für Lebens-, Sterbe- und Trauer-
wesentlich ist. begleitung:
Weitere Interessenten gesucht
Freiwilliges Engagement Derzeit übernehmen 125 Ehrenamt- St. Pölten:
Nach Abschluss der Ausbildung liche diesen wichtigen Dienst in der Beginn: 9. März 2018
sind einige der TeilnehmerInnen Caritas der Diözese St. Pölten. Infoabend: 29. November 2017
ehrenamtlich für den Mobilen Weitere ehrenamtliche Mitarbeite- Bildungshaus St. Hippolyt,
Hospizdienst tätig. Sie begleiten rInnen und Interessenten für die 3100 St. Pölten
schwerkranke Menschen und ihre Ausbildung werden gesucht.
Angehörigen und sind für sie da. Gerti Ziselsberger meint: „Es wäre Seitenstetten:
Eine verantwortungsvolle Aufgabe, schön, wenn viele Menschen diesen Beginn: Herbst 2018
wie auch Bianca Artner, Lehrgangs- Lehrgang besuchen, da es das Kursort: Bildungshaus St. Benedikt
teilnehmerin und Fachsozialbetreue- eigene Leben bereichert, aber auch Promenade 13, 3353 Seitenstetten
rin für Altenarbeit weiß: „Mir ist klar das Tabuthema Sterben und Tod ins
geworden, dass Sterbebegleitung Leben holt. Es darf Platz haben! Mehr Infos unter:
keine leichte Aufgabe ist, sondern Darüberhinaus ist es tröstlich zu http://hospiz.caritas-stpoelten.at
eine große Herausforderung. Ich wissen, dass es Menschen gibt, die hospiz@stpoelten.caritas.at
kann durch mein Da Sein für auch dann da sind, wenn die Mobil 0676-83 844 635
Angehörige sehr wichtig werden – ja Trauernden und Hinterbliebenen
sogar zu einem sehr guten Freund. nicht weiter wissen.”
April 2017 LebensZeit 3Interview
„Der Tod hat mich immer
nur ans Leben erinnert”
Ö3-Weckermoderator Robert Kratky über seine Vorstellung
vom Tod und seine Wünsche an den letzten Lebensabschnitt.
INTERVIEW VON EDDA KAUFMANN
Ein Leitgedanke in der Perlenkette, die man irgendwann mal weitaus höhere und intensivere
Hospizarbeit nach Cicely in seinen Händen hält, und mit jeder Dimension im Kopf und im Herzen
Saunders ist: „Es geht nicht Perle blickt man zurück, um sich schafft, als jede andere Art von
darum, dem Leben mehr Tage, daran zu erfreuen. Wenn diese Kette Musik. Und ganz, ganz wichtig: Die
sondern den Tagen mehr Leben plötzlich reißt und die Perlen ver- Neunte hat keinen rechten Schluss.
zu geben“. Was bedeutet für Sie schwinden in den Ritzen und Löchern Das Unangenehme bei der Neunten,
Lebensqualität? des Fußbodens - furchtbar, also das wenn man sie zu Lebzeiten hört, ist,
Das Leben selber zu genießen, und sind Dinge, vor denen hab ich sie schließt nicht ab. Es rinnt hinten
zwar soweit es irgendwie geht, sich tatsächlich Angst. Vor dem Tod selber so ein bisschen aus, und geht noch
nichts zu versagen, nichts auf später oder davor, dass mein Leben endet, minutenlang dahin, ohne echtes
zu verschieben, aber natürlich das nicht die Bohne. Highlight. Nachdem ich mir den Tod
Ganze in einem klugen Abwägen der immer vorstelle, als ein langsames
Leistbarkeiten und der Möglichkeiten, Haben Sie Wünsche an den Entschwinden, wäre das ein ideales
ist für mich ein grundsätzliches, letzten Lebensabschnitt, sofern Stück Musik.
sinnstiftendes Lebenskonzept. Ich man diesen bewusst mitgestalten
muss dazu sagen, ich habe meinen kann? Es gibt ein Buch der
Vater schon sehr früh verloren und Aus heutiger Perspektive würde ich Palliativpflegerin Bronnie Ware
habe schon sehr früh begonnen, gerne alleine sterben, weil ich „5 Dinge, die Sterbende am
über solche Dinge, wie den Tod und tatsächlich glaube, dass es besser Meisten bereuen“, kennen Sie
das Sterben, nachzudenken. Daher zu mir passt. Das ist eine Überle- dieses Buch?
sind solche Gedanken für mich gung, die, glaub ich auch, tatsächlich Ich kenne es nicht im Detail, aber ich
weder erschreckend noch überra- halten wird. Ich halte den Tod nicht weiß „mehr Zeit für Familie, weniger
schend. Ich habe sogar Dinge, die für etwas, das noch Jahrzehnte weg Arbeiten, etc. etc“. Ich betrachte es
für den Fall meines Ablebens ist, sondern ich habe mich immer so eher kritisch, denn für mich hat Arbeit
notwendig sind, bei mir komplett damit beschäftigt, als könne es immer einen enormen Teil meines
vorbereitet in einer Schublade. Bis morgen passieren. Aber jeder Lebens ausgemacht. Ich bin sehr
hin zur Todesanzeige ist alles fertig. Mensch sollte individuell das Recht pflichtversessen und ich halte es für
Für mich war es immer ein tröstlicher haben zu entscheiden. Deswegen ein sehr wichtiges Lebensprinzip,
Gedanke zu wissen, wie es endet. halte ich Betreuung für etwas mich meiner Arbeit zu widmen. Ich
Zumindest, soweit es in meiner Hand Wertvolles und die Menschen, die werde es niemals bereuen. Diese
liegt. Der Tod hat mich immer nur ans dafür sorgen, für bewundernswert. Arbeit hat mir mein Leben ermöglicht,
Leben erinnert und daran, wie wichtig Außerdem möchte ich an einem Ort so, wie ich es leben wollte und hat
es ist, es zu nutzen. mit Ausblick sterben, ich möchte mir meine Träume erfüllt. Ich glaube
etwas sehen. Das man dabei im aber, dass es für das Leben und für
Haben Sie Angst vor dem Altern Freien sein kann und vielleicht ein das Ableben wichtig ist, dass man
oder dem Sterben? Stück Himmel sieht, Berge oder beides bewusst tut und sich für beide
Ich habe Angst vor Schmerzen und Wasser. Das ist meine Grundvorstel- Fälle einen Plan zurecht gelegt hat.
vor Demenz. Ich habe das bei der lung davon, wie das Sterben auszu- Ich glaube, es ist wichtig, sich mit
Großmutter meiner Exfreundin sehen hat. Ich überlege auch sehr dem Tod auseinander zu setzen, weil
miterlebt, die ich immer wieder mal oft, was wäre der letzte Song, den ich er zum Leben dazu gehört und das
Foto: Philipp Lipiarski
besucht habe. Wie es ist, wenn alles mir noch anhören würde: Die Neunte Leben erst lebenswert macht. Aber
verloren geht, was eigentlich sinnstif- von Beethoven. Es muss Klassik sein, man sollte das Leben auch tatsäch-
tend hätte sein sollen. Wie bei einer weil ein Orchester nun mal eine lich lebenswert gestalten, sei es mit
4 LebensZeit Mobiler Hospizdienst der Caritas der Diözese St. PöltenInterview
einen sehr schwarzen Humor. Ich
habe noch gesagt „Mutti, das kostet
150 Euro am Tag, je früher, desto
besser.“ Wir haben beide schallend
gelacht. Es war wirklich lustig, aber
zwei Tage später ist sie gestorben.
Können Sie Trauer in einer für
Sie passenden Form Ausdruck
verleihen?
Ich bin niemand, der weint, weil
jemand stirbt. Ich neige nun mal nicht
dazu, mich selber zu bemitleiden.
Diesen Charakterzug habe ich nie
gehabt und habe ihn mir nie oder nur
selten durchgehen lassen.
Ich trauere tief, wenn ich sehe, dass
jemand leidet. Wenn ich sehe, wie
nah der Tod meiner Mutter meinen
Geschwistern geht, dann ist es
etwas, das mich zutiefst traurig
macht. Aber der Tod meiner Mutter
nach einem langen erfüllten Leben –
wo sie dann selbst am Schluss, in
ihren letzten Gesprächen, gesagt hat:
„Ich bin so stolz auf alles, was war,
und froh und dankbar, und ich will
"Ich will nicht ihres Todes gedenken, sondern immer ihres Lebens." Robert Kratky über jetzt einfach nur gehen.” Da denke
seine Mutter, die 2015 an Krebs gestorben ist. ich mir „alles klar”, besser geht es ja
kaum.
kleinen oder großen Dingen. Das Im Hospizbereich hat man das
Leben ist wertvoll, das ist für mich die Gefühl, dass bei Menschen, die Vermissen Sie manchmal Ihre
einzige Botschaft, die der Tod über die Endlichkeit nachdenken Mutter?
hinterlässt. oder sich selbst in der letzten Ich hab nie das Gefühl gehabt, dass
Lebensphase befinden, sehr sie „weg” ist. Manchmal steige ich ins
Man hat den Eindruck, dass Sie Wesentliches hervorkommt: Die Auto und denke mir, Mutti anrufen.
ein sehr intensives und Rollen fallen weg, die Masken Ich bin auch jahrelang, nach dem Tod
bewusstes Leben führen, aber fallen ab. Haben Sie in Ihrem meiner Großmutter an ihrem Haus
gibt es dennoch offene Wünsche Leben das Gefühl, mit Rollen, vorbeigefahren und habe gedacht,
für Sie? Masken konfrontiert zu sein? die Oma noch kurz besuchen, bis mir
Tausende natürlich. Ich würde gerne Wer wir sind, wissen wir immer erst in eingefallen ist, die ist am Friedhof.
noch einmal völlig von vorne begin- unseren extremsten Lebenssituati- Das Begräbnis meiner Mutter war ein
nen, mit etwas völlig anderem und da onen. Meine Mutter hat die Maske Fest. Mit bunten Gewändern, einer
auch erfolgreich sein. Ich hätte oder besser gesagt den Wesenszug Dixieband auf Booten auf der Donau.
gerne, dass Menschen, die mich der schieren, völlig selbstlosen Mit einem Familienessen, alle mit
heute nicht so mögen, sagen, ist ja Mütterlichkeit in dem Augenblick buntem Gewand. Es war ein heißer
eh ein netter Kerl. Es gibt Bücher, die abgelegt, wo sie das Gefühl gehabt Sommertag in kurzen Hosen und
ich noch nicht gelesen habe. Es gibt hat, die Kinder lassen los. Auf einmal T-Shirts. Meine Mutter hat zu Lebzei-
Filme, Länder, Städte, Menschen, konnte sie sie selbst sein. Der ten gesagt, es ist alles erlaubt, außer
usw., die mich noch interessieren. Augenblick als sie gesagt hat: „Es schwarzes Gewand.
Das ist ja leider das Tragische, das reicht, nicht noch eine Chemo. Ich Wir wiederholen dieses Fest jährlich,
man als jemand, der darauf bedacht gehe nicht mehr nach Hause nach ihr zu Ehren in der Wachau. Wir
ist, sein Leben mit möglichst viel Salzburg, sondern in ein Hospiz.” Sie haben gesagt, wir wollen niemals
Inhalt zu füllen, angesichts der ruft mich an und sagt: „Ich will jetzt ihres Todes gedenken, sondern
gebotenen Vielfalt, irgendwie bald gehen.” Wir haben noch immer ihres Lebens, und das ist ein
verzweifeln muss. gescherzt, denn meine Mutter hatte großer Trost.
April 2017 LebensZeit 5TWSCR-Image-Inserat_96x135mm_170405.qxp 05.04.17 12:39 Seite 1
Wir tun,
was wir können.
Ihr kompetenter Ansprechpartner auch
bei allen Fragen und Anliegen rund um die sensiblen Themen
Patientenverfügung und Erbrecht
(wie auch Testamente und Übergabsverträge, etc.)
thum - weinreich - schwarz - chyba - reiter
rechtsanwälte og
3100 St. Pölten, Josefstraße 13
Tel. (02742) 722 22, Fax DW 10
Bürozeiten in St. Pölten:
1070 Wien, Neustiftgasse 3/5
Mo, Di, Mi, 8.00 bis 17.00 Uhr
Tel. (01) 36 12 222, Fax DW 10
Do, 8.00 bis 18.00 Uhr
kanzlei@twscr.at Fr, 8.00 bis 13.00 Uhr
www.thum-weinreich-schwarz-chyba-reiter.at Termine nach Vereinbarung
Jetzt zum Konto mit dem
regionalen Plus wechseln.
Das Konto mit dem Plus für alle
Das Konto mit dem Plus für alle
in der Region St. Pölten.
in Niederösterreich.
Wir helfen Ihrem Geld beim Übersiedeln. Nutzen
Sie den kostenlosen Kontoumzugsservice von
Raiffeisen und sichern Sie sich die vielen Vorteile
des Kontos mit dem regionalen Plus. Beste,
lebensbegleitende Beratung - individueller,
persönlicher Service inklusive! Bankgeschäfte
rund um die Uhr. Regional. Digital. Überall.
www.rbstp.at
Kulturevents.
6 LebensZeit Mobiler Hospizdienst der Caritas der Diözese St. PöltenThema
Scham als
Wächterin der Würde
KOMMENTAR VON CLAUDIA PSOTA
Was ruft Scham hervor – und wer Zeichen, dass eine Entscheidung
beschämt wen im Umgang mit schon ausständig war oder es sie
e t i p p
Les
Menschen in der letzten Lebens- jetzt zu treffen gilt. Ob das eine
phase? Darüber haben bei der missbräuchliche Situation ist oder ein
Hospizenquete des Landesver- subtiler grenzverletzender Umgang
bandes NÖ MitarbeiterInnen aus mit uns. Es kostet Mut, sich zu
Hospiz- und Palliativ Care-Einrich- äußern und klare Linien zu ziehen,
tungen diskutiert. Das Gefühl, auf denn oft wird Autorität und Macht
• U. Baer, G. Frick-Baer
die Hilfe anderer Menschen ausgenutzt und löst bei uns Scham-
Vom Schämen
angewiesen, Situationen ausgelie- gefühle aus. Beschämung ist die
und Beschämtwerden.
fert zu sein: viele Menschen haben Scham, die von außen kommt, uns Beltz Verlagsgruppe, 2015
deshalb Schuldgefühle und es bis ins Innerste trifft, die Persönlich- • C. Bohn
können unterschiedliche Situati- keit und Würde eines Menschen Macht und Scham in der Pflege.
onen der Beschämung entstehen. missachtet oder gar verachtet. Ernst Reinhardt Verlag, 2015
Wie kann aber die Umgebung Wenn Scham zugegeben und • U. Immenschuh, S. Marks
sensibel auf Scham reagieren, mitgeteilt werden darf, es akzeptiert Scham und Würde in der Pflege.
woran kann man diese Scham werden kann, dass Unsicherheit und Mabuse Verlag, 2014
erkennen und die Würde schützen Hilflosigkeit das Leben begleitet,
und bewahren? dann haben Liebe, Zuneigung,
Scham, ob in körperlicher, sozialer Fürsorge, die Freude am Mitmen- Anzeichen wie Erröten oder Verle-
oder moralischer Natur, berührt ins schen und alle anderen lebendigen genheit zeigen uns, da ist etwas
tiefste Innere und stellt in der Gefühle wieder Platz. Kostbares, Schützenswertes in uns.
Situation der Beschämung das Als naher Begleiter von Menschen Es gibt eine Grenze und die wird von
ganze Wesen in Frage. Die Ursachen am Ende ihres Lebens sehen wir der Scham bewacht. Wenn etwas
für Scham sind vielfältig: Man fühlt Zeichen wie erröten, erbleichen, Neues entsteht, das noch nicht ans
sich als Person bloßgestellt oder Augen niederschlagen, Erstarrung, Licht der Öffentlichkeit gebracht
jemand anders dringt in die eigene Teilnahmslosigkeit oder auch wurde, taucht zumindest eine leichte
Intimsphäre ein. aggressives Verhalten. Dies alles Scham, eine Verlegenheit auf. Die
Bei jedem zieht der Schambereich kann auf Schamgrenzen hinweisen. Aufregung, etwa ein neues Buch
eine andere Grenze. Scham macht Die Fähigkeit, die individuellen oder ein Bild zu präsentieren. Ein
uns handlungsunfähig, friert uns ein, Schamgrenzen kranker und pflege- Kind, das seine Bastelei den Eltern
blockiert uns und grenzt uns aus. bedürftiger Menschen zu erkennen, zeigt, beinhaltet Stolz und Vorfreude
Nun ist es mit den Gefühlen so eine sich diesen sensibel und respektvoll aber auch Verlegenheit und Scham.
Sache. Je mehr wir versuchen sie zu unterzuordnen und das eigene „Schaut her etwas Neues ist da! Es
verbergen, umso stärker drängen sie Handeln danach auszurichten, ist überschreitet die Grenzen des
an die Oberfläche. Im Unterschied Schamkompetenz. Wir können intimen Raumes, es zeigt sich – ich
zur Peinlichkeit. Hier findet man unseren Mitmenschen damit ver- zeige mich! Schaut her, aber schaut
eventuell eine gemeinsame Lösung, meidbare und überflüssige Scham bitte ehrlich und wohlwollend!“
erzählt es sich humorig und kann ersparen, sie in ihrer Würde unter- So erleben wir die Scham als
selbst darüber lachen. Die Scham stützen, ihre Werte respektieren und Begleiterin von Veränderungsprozes-
hingegen verletzt unseren intimsten ihnen einen geschützten Raum zur sen, des Übergangs von etwas
Raum. Sie ist die Wächterin unserer Verfügung stellen. Dies ist im Altem zu etwas Neuem. Wir würdigen
Würde, sie sucht Anerkennung, Hospizbereich unabdingbar – ein die Scham als ein weises Gefühl,
Schutz, Integrität, Zugehörigkeit. Ort, ein Raum, eine Zeit, in der wir dessen wir bedürfen - zur Erhaltung
Wenn wir spüren, da ist etwas „im diesen Schutz ermöglichen möchten oder Wiedererlangung unserer
Argen“, dann gibt sie uns das und sollen. Würde!
April 2017 LebensZeit 7Begleitung
Was wirklich zählt,
ist der Mensch
Wie die Besuche eines Hospizbegleiters den schwerkranken
Herrn G. und seine Familie stärken.
VON EDDA KAUFMANN
Ehrenamtliche MitarbeiterInnen Creutzfeld-Jakob-Krankheit ist eine rigkeiten, weil Aufträge nicht mehr
wie Josef sind das Herz jeder sehr seltene Erkrankung – weltweit bewältigt werden konnten.
Hospizarbeit. Menschen in ihrer beträgt die Verbreitung 1 bis 2 Fälle Die Zeit vor der Diagnose war eine
letzten Lebensphase zu begleiten pro 1 Million Einwohner. Eine schwierige, doch Herr G. war vor
heißt, sich berühren lassen von der Therapie ist bislang nicht möglich. Im allem um seine Frau besorgt. Wie es
Krankheit, dem Schmerz und Verlauf der Erkrankung kommt es zu ihr danach ergehen würde, wie sie
Trauer. Es bedeutet aber auch, Symptomen wie Konzentrations- und damit zurechtkommen werde. Dies
wertvolle Begegnungen zu erleben, Merkfähigkeitsstörungen, Schlaflo- berühre sie noch immer, dieses
Zeit zu schenken, mitzuweinen, sigkeit, Kopfschmerzen und Schwin- Denken an andere.
aber auch mitzulachen. del bis zu einem fortschreitenden Ein Zettel mit der Diagnose war in
Es begann langsam, fast unmerklich. Abbau der Hirnleistungen und der jener Zeit vorhanden und in der
Leichte Gedächtnisprobleme, Persönlichkeit (Demenz). Außerdem Geldbörse mitgetragen, in der
Handlungen nicht mehr ausführen treten bei den meisten Patienten Mobilität noch möglich war, bei
können, Dinge nicht mehr benennen, Störungen der Bewegungsvorgänge Spaziergängen, um die Erkrankung
Alltagsgegenstände verlegen, die wie Muskelzuckungen und Gangstö- erklären zu können, auch wenn die
Kontonummer vergessen und rungen auf, und die Erkrankung Worte bei diesen Begegnungen nicht
schlussenendlich auch Menschen, mündet im letzten Stadium in einen mehr auffindbar waren.
Freunde nicht mehr erkennen. Zustand der Bewusst- und Bewe-
Herr G. war früher ein so lebenslu- gungslosigkeit. Sich Zeit nehmen und Stütze sein
stiger Mensch, der „die ganze Welt“ Frau G. und ihre Mutter haben es
kannte, mit großer Freude an Erste Anzeichen verunsichern sich auch zum Ziel gesetzt, ihn zu
Handball und Motorsport, immer zu Herr G. ist von der vererbbaren Hause zu pflegen, da zu sein, auf
Klamauk und Scherzen aufgelegt. Variante dieser Erkrankung betroffen, jeden Fall, in den eigenen vier
Kennengelernt haben sich seine Frau schon seine Mutter und sein Großva- Wänden – daheim. Der Alltag ist
und er schon vor vielen Jahren, man ter sind an dieser Erkrankung organisiert.
verlor sich wieder aus den Augen, verstorben, doch damals war die Und dann gibt es da noch Josef,
auf Facebook „begegnete“ man sich Diagnosestellung nicht so differen- einen Ehrenamtlichen, der sich
wieder - und es wurde die große ziert, wurde die Erkrankung als einmal pro Woche, immer freitags,
Liebe daraus. 2014 wurde geheira- „Gehirnerkrankung“ bezeichnet und Zeit nimmt. Seit fast einem Jahr ist er
tet, ein wunderschönes Paar - die in der Familie verschwiegen. mit und bei Herrn G., hält seine
Fotos im Eingangsbereich zeugen Frau G. war sich bei den ersten Hände, erzählt ihm, hält Augenkon-
von einer tiefen Verbindung, Lebens- Symptomen noch unsicher. takt, spricht mit Frau G., versucht
freude. Doch bald war klar, als sich die Trost und Stütze zu sein.
Die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung ist Umstände häuften, dass irgendetwas Für ihn ist es eine so besondere
eine beim Menschen sehr selten nicht stimmen konnte. Handlungen, Aufgabe: er möchte mitfühlen, aber
auftretende, tödlich verlaufende die sie beobachtete, beunruhigten nicht mitleiden, um eine Stütze zu
neurodegenerative Erkrankung und sie. Kleinigkeiten, die sich häuften, sein. Aber auch Lachen ist noch
kommt beim Menschen als übertra- Müll, den er nicht mehr in die richtige möglich, für alle, auch in dieser
gene, genetische oder sporadische Tonne zuordnen konnte. Wiederhol- Situation. Es bedeutet ihm viel zu
Form vor. Eine Erkrankung, bei der tes Zähneputzen kurz hintereinander, spüren, dass er Freude verbreiten
Fotos: Franz Gleiss
Nervenzellen absterben und sich das ohne sich an die vorangegangenen kann, und eine Begegnung der
Hirngewebe verändert. Die typische Male zu erinnern. Berufliche Schwie- besonderen Art miterleben darf.
8 LebensZeit Mobiler Hospizdienst der Caritas der Diözese St. PöltenBerichte aus denBegleitung
Regionen
Amstetten & Waidhofen/Ybbs
Zeit schenken: Josef arbeitet ehrenamtlich als Hospizbegleiter und ist für Herrn G. und seine Frau eine wertvolle Stütze.
Eine neue große Lebensaufgabe könnte, dann die Aufklärung über wird, wenn Babies in die Welt
Beruflich war er jahrzehntelang eine solche Krankheit, das Weiterge- kommen, ein neuer Lebensabschnitt
Bäcker, doch jetzt möchte er ben ihrer Dankbarkeit über Hospiz- gestaltet wird. Jeder würde sie
Menschen helfen, die sich in und Palliativteams, die Hauskranken- besuchen, aber wenn jemand die
Notlagen befinden. Er möchte sich pflege, über Ehrenamtliche wie Welt verlässt, ist man in diesem
einer Aufgabe widmen, die mit dem Josef, die sich mit dem Tod beschäf- Abschnitt so gut wie alleine.
übereinstimmt, was er als große tigen, sie nicht alleine lassen. Mit ihr Josef hilft ihr schon jetzt in ihrer
Aufgabe in seinem Leben ansieht. lachen und weinen. Dass man sein Trauer. Trauer über so viele Dinge,
Zu Beginn der Begleitung konnte er begrenztes Leben intensiv lebt, die nicht mehr erlebt werden können.
noch Puzzle mit Herrn G. spielen. etwas Positives gestaltet, in dem Sie weiß, es ist Verlass. Er wird sie
Einfache Spiele zum Erhalt der möglichen Rahmen. beide begleiten, bis zum Schluss.
Gedächtnisleistungen. Doch ganz Und sie ist dankbar, dass das Wesen
schnell ging die Sprache verloren, Fehlende Begegnungen ihres Mannes so lange erhalten
nach vielen Stürzen auch die Sie ist in die Aufgabe „reingewach- bleibt: ihm in die Augen zu sehen,
Bewegung, und irgendwann ver- sen“, hätte sich früher diese Zeit lässt noch immer viel Nähe zu. Eines
mochte Herr G. nicht mehr aufzuste- niemals vorstellen können, aber jetzt, ist ihr ganz besonders wichtig:
hen. Wenn Josef ihm die Hand hält, wo sie sieht, dass Herr G. keine lachen, ehrliches, aufrichtiges
diese streichelt, ihm seine Zeit Schmerzen hat, schaffe sie es. Lachen. Wenn man das Haus der
widmet, so kann er auf der Gefühlse- Nur die Sache mit den Begeg- Familie G. verlässt, hallt noch viel in
bene immer noch spüren, dass ihn nungen, den Freunden, die beschäf- einem nach: Eindrücke, die tief
Herr G. wahrnimmt, seine Augen tigt sie sehr. Er hatte so viele bewegen: das so geborgen wirkende
strahlen, wenn es ihm gut geht. Freunde, aber diese haben nun zum Zimmer in diesem warmen Orange,
Manchmal bleibt er aber kürzer im großen Teil Angst, dabei wäre es so die Faschingsgirlanden über dem
Raum, wenn die Augen müde schön, wenn sie ihn noch besuchen Bett, die Gespräche, die Echtheit,
werden, denn dann möchte er ihn würden. Denn man muss keine Angst die Augen von Herrn G., das Lachen
nicht überfordern, aber ja, es haben. Auch in diesem Zustand ist er mit seiner Frau und Josef, die
scheint, als würde er ihn immer noch ein Mensch, der sich freuen könne, Stunden, die man miterleben durfte,
erkennen, sich freuen. und wahrnimmt. Und sie staunt die einen tiefen, stillen Abdruck in
Wenn sich Frau G. etwas wünschen manchmal, wie ernst es genommen der Seele hinterlassen.
April 2017 LebensZeit 9Gespräche - Persönlichkeiten der Palliativ- und Hospizbewegung
„Sich Zeit nehmen für Menschen”
Ein Gespräch mit Gabriele Gunn
VON MARINA SCHMIDT-SCHMIDBERGER
Was war Ihre Motivation, für sie die richtige Entscheidung war,
dass Sie sich für diese Arbeit hierher zu kommen. Außerdem finde
entschieden haben? ich schön, dass wir vor Weihnachten
Mir hat in der Betreuung schwerstkran- immer gemeinsam singen und musi-
ker Menschen das „Zwischenmensch- zieren – mit den PatientInnen, mit den
liche“ gefehlt. Es ging mir darum, mir Angehörigen und mit den KollegInnen.
für diese Menschen „Zeit“ nehmen zu Das ist immer eine schöne Stimmung
können. Ich habe da noch ein Bild vor – es bringt Normalität herein. Es freut
Augen. Es ging um eine Krebspatien- mich, dass die PatientInnen das miter-
tin, die hinaus in die Natur wollte. Nach leben können und der Krankenhausall-
meinem Dienst bin ich dann mit ihr tag ein Stück wegrückt. Wir versuchen
hinausgegangen und wir haben uns an zwar unser Möglichstes, aber wir sind
der Traisen auf ein Bankerl gesetzt und trotzdem immer noch ein Krankenhaus.
sie hat von ihrem Leben erzählt.
Gabriele Gunn ist pflegerische
Eine weitere Motivation ist für mich, Was erfüllt Sie mit Kraft für diese Leiterin der Palliativstation am
dass jeder Mensch das Recht darauf Arbeit? Wie stärken Sie sich? Krankenhaus Lilienfeld.
hat, gut betreut zu werden. Unsere Mich stärkt meine Familie. Mein privater
Medizin ist körperlastig – wir sind aber Rückzugsbereich ist mir wichtig. Ich
nicht nur Körper. Es sind daneben liebe meinen Garten und die Arbeit in Das ist schon schwer. Da hinterfrage
auch ganz viele andere Dinge wichtig. der Erde – ich mag es, meine Hände ich mein eigenes Leben noch mehr.
Genau in diesen Bereichen AUCH eine schmutzig zu machen!
Stütze zu sein, ist für mich eine große Es stärkt mich aber auch, zu wissen, Was bedeutet die Begleitung
Motivation. dass wir uns in der Arbeit danach schwerstkranker Menschen und
richten, was der oder die PatientIn ihrer Angehörigen für Ihr Leben?
Was hat Sie in den letzten Wochen möchte. Was will der Mensch in dieser Was lernen Sie dadurch?
besonders berührt? Was hat Sie Situation, in der Zeit, die er noch hat? Für mein Leben bedeutet es sicherlich,
traurig gemacht und wo gab es Darum geht es uns. Manchmal ist das dass ich Dinge zu einem Zeitpunkt
freudige Momente? eine Herausforderung, diesen Willen zu mache, an dem ich sie machen will.
Erst gestern war eine Situation, die spüren und/oder zu erfragen und das Ich weiß nie, wie lange mein eigenes
besonders traurig war, weil eine junge dann auch der Familie zu vermitteln. Leben dauert. Ich will nicht irgendwann
Frau und Mutter verstorben ist. Ich Wenn zum Beispiel eine PatientIn noch einmal sagen: „ Ach hätt’ ich dieses
glaube, dass das jede trifft, die auch einen Ausflug auf einen Berg machen oder jenes früher gemacht.”
Mutter ist. Das hat sich bei mir schon möchte und die Angehörigen aber mei- Viele Menschen verschieben Dinge,
verändert, seit ich selbst Kinder habe. nen, er solle lieber noch eine Therapie die sie machen möchten, in die Pensi-
Es ist schwierig zu sehen, dass die machen. onszeit – und dann werden sie krank.
Kinder damit fertig werden müssen, Das war sicher auch ein Grund, warum
dass ihre Mama oder ihr Papa nicht Was fällt Ihnen besonders schwer ich mir schon einmal eine Auszeit
mehr da ist. in Ihrer Arbeit? genommen habe. Das hätte ich sicher
Das „Berührt werden“ ist aber auch Ja, auch solche Situationen gibt es. nicht gemacht, wenn ich nicht in
gut so. Es dürfen Tränen kommen. Das Es gibt Menschen, mit denen entsteht diesem Bereich arbeiten würde.
gehört dazu. Es macht mir für mein schnell eine Beziehung. Es ist eine ge- Diese Arbeit macht mir auch sehr
eigenes Leben bewusst, wie wichtig je- meinsame Basis da und es entwickelt bewusst, wie wichtig es ist, die
der Tag ist. Ich bekomme dadurch eine sich daraus etwas sehr Intensives. eigenen Beziehungen zu pflegen.
andere Perspektive auf mein Leben. Wenn diese Basis da ist, fällt es mir Man nimmt sehr viele Dinge als ga-
Ein freudiger Moment ist immer, wenn leichter, gewisse Dinge zu machen, rantiert wahr. Dann gibt es ein Ereignis
Patienten oder Angehörige kommen als wenn diese zwischenmenschliche aus heiterem Himmel und man denkt
Fotos: privat
und uns sagen, dass sie sich gut auf- Basis nicht entsteht. Sehr junge Pati- sich:“ Ach, hätte ich doch nur…!”
gehoben gefühlt haben und dass es entInnen gehen mir immer sehr nahe.
10 LebensZeit Mobiler Hospizdienst der Caritas der Diözese St. PöltenEinblick
„Berührungsängste abbauen”
Barbara Kögl ist neue Hospizkoordinatorin für St. Pölten Land
Barbara Kögl ist seit über 25 Jahren Berührungsängste, Hilflosigkeit und
diplomierte Gesundheits- und Verunsicherung.
Krankenspflegerin. Seit Herbst 2016 Die Auseinandersetzung mit dem
ist sie als Koordinatorin des mobilen nahenden Lebensende als
Hospizdienstes für die Region Betroffene(r), Angehörige(r),
St. Pölten Land zuständig. Pflegende(r), BegleiterIN oder in
„Ich freue mich, meine langjährige einer der anderen möglichen
und vielseitige Erfahrung in medizi- Funktionen, löst in uns allen eine
nischen und psychosozialen Fülle an Emotionen aus.
Bereichen nun konstruktiv im Team Ich glaube, dass es in einer hu-
des mobilen Hospizdienstes manen Gesellschaft mit Herzensbil-
einbringen und nutzen zu können. dung notwendig ist, für diese
Bei verschiedenen Situationen im Situationen – die uns alle betreffen
privaten sowie im beruflichen Umfeld – geeignete Angebote, auch
Barbara Kögl ist die neue
habe ich gesehen, dass der Um- kostenfrei, bereitzustellen. Hospizkoordinatorin für
gang mit Sterben, Tod und lebensbe- Die Koordination der Begleitung der St. Pölten Land.
drohlicher Krankheit immer noch ein betroffenen Menschen durch
großes Tabuthema ist. ehrenamtliche MitarbeiterInnen
Die Betroffenen selbst, aber auch macht für mich wirklich Sinn und
ihre Angehörigen, stoßen hier auf bereitet mir große Freude.”
Wir trauern um...
Prälat Franz Schrittwieser Fritz Lüttgens
Die Caritas der Diözese St. Pölten Die Nachricht vom Ableben unseres
trauert um ihren Geistlichen Assistenten ehrenamtlichen Kollegen Fritz
Prälat Franz Schrittwieser. Er ist in der hat uns sehr getroffen.
Nacht zum 4. Jänner 2017 im 77. Seit 2005 war Fritz für den Mobilen
Lebensjahr verstorben. Hospizdienst im Einsatz. Viele Ge-
Als Geistlicher Assistent hat er die spräche mit kranken und leidenden
spirituelle Ausrichtung der Caritasarbeit Menschen haben ihn selbst bestärkt
geprägt und war auch wesentlich an und beseelt. Nach einer mehrjährigen
der Entstehung des Mobilen Hospiz- Pause kehrte er zum Mobilen Hospiz-
dienstes beteiligt. In den vergangenen dienst zurück und war ab 2015 wieder
Jahren hat er auch viele ehrenamtliche für Begleitungen bereit. Seine offene
Prälat Franz Schrittwieser war ein MitarbeiterInnen im Lehrgang für und lustige Art bereicherten viele
wichtiger Wegbegleiter des Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung Teambesprechungen und von seiner
Mobilen Hospizdienstes.
mitausgebildet und begleitet. langjährigen Erfahrung profitierten wir
Der Hospizdienst war ihm stets ein alle immmer wieder.
großes Anliegen und er hat oft auf die Lieber Fritz, wir danken dir für deinen
Wichtigkeit dieser Arbeit hingewiesen. unermüdlichen Einsatz!
Wir danken ihm sehr für seine große
Verbundenheit! C. UMGEHER / E. RIEGLER
April 2017 LebensZeit 11Lehrgang Region Region Krems
St. Pölten Stadt/Land
Lebens-, Sterbe und Wandertage Landesverband
Trauerbegleitung Trauergruppe für Eltern, für Trauernde Hospiz NÖ
St. Pölten: Frühjahr 2018 die um ihr Kind trauern Fr 2. Juni 2017
Seitenstetten: Herbst 2018 Mo 8. Mai 2017 Fr 22. September 2017 • Mi 4. Oktober 2017
Informationsabend: Wann: jeden ersten Montag Fr 10. November 2017 9:00 – 17:00 Uhr
Do. 8.11.2017 im Bildungs- um 17:30 Uhr Treffpunkt: wird bei Anmel-
haus St. Hippolyt St. Pölten Wo: Caritas Beratungszen- dung bekannt gegeben „Wer sagt, dass
Anmeldung: trum Schulgasse 10, St. Pölten Anmeldung: Claudia Psota, ich anders bin?“
Hospiz und Palliative Care –
0676-83 844 635 Begleitung und Anmeldung: Hospizkoordinatorin
für alle, die es brauchen
Hospizkoordinatorin 0676-83 844 629
Trauerangebote Elisabeth Riegler, Ingrid Walzer, Bestattung
Hospizenquete
0676-83 844 631 Krems 02732-801 630 im Landhaus St. Pölten
Trauertelefon Offene Trauergruppe in Region Amstetten Nähere Informationen:
Unter 0676-83 844 299 ist Traismauer Waidhofen/Ybbs www.hospiz-noe.at
Dienstag und Donnerstag von nächster Termin
18:00 bis 20:00 Uhr eine Fr 5. Mai 2017 Gemeinsames Wandern Hospizförderverein
Hospiz- und Trauerbegleiterin Wann: jeden ersten Freitag im für Trauernde Amstetten
auch für anonyme Gespräche Monat von 16:00 - 17:30 Uhr Sa 30. September 2017
erreichbar. Wo: Tageszentrum Dauer: ca. 2 Stunden Amstettner Kulturwoche
Traismauer, Zur Donau 2 Treffpunkt: wird bei Anmel- 4.-19. November 2017
Trauerstationen Begleitung und Anmeldung: dung bekannt gegeben Film: „Mr. May und das
Diese mobilen Trauerstationen Hospizkoordinatorin Anmeldung: Andrea Hürner Flüstern der Ewigkeit”
- zumeist in den Räumlichkeiten Elisabeth Riegler 0676-83 844 633, Hospizkoor- Mit fast obsessiver Akribie
von Pfarrkirchen - helfen 0676-83 844 631 dinatorin Waidhofen/Ybbs und wahrer Engelsgeduld
trauernden Menschen, ihrem Begleitung: ehrenamtliche bemüht sich John May darum,
Schmerz Ausdruck zu verlei- Trauer-Spaziergang im Trauerbegleiterinnen Angehörige einsam verstor-
hen. Der Trauer - als "Antwort Stadtgebiet St. Pölten bener Menschen ausfindig zu
des Herzens" auf einen Verlust Fr 13. Oktober 2017 machen. Er kümmert sich um
Region Lilienfeld
- kann hier symbolisch begeg- Wann: 14:00 Uhr eine würdevolle Beisetzung
net werden. Wo: Bahnhof St. Pölten – liebevoll wählt er die
An folgenden vier Stationen Dauer: ca. 2 Stunden im „Weiterleben ohne dich“ geeignete Musik aus und
kann innegehalten werden: gemütlichen Tempo Geschlossene schreibt die Ansprache für die
1. Klagemauer – Begleitung und Anmeldung: Trauergruppe Trauerfeier, deren einziger
den Schmerz ausdrücken Hospizkoordinatorin Beginn: Di 24. Oktober 2017 Gast er selbst ist.
2. See der Tränen – Elisabeth Riegler Wann: 6 Abende jeweils von Ein bewegendes Meisterwerk!
den Verlust beweinen 0676-83 844 631 16:00 bis 18:00 Uhr Nähere Informationen
3. Weg der Erinnerung – Wo: Mobiler Hospizdienst, www.hospizfoerderverein.at
noch einmal „Danke“ sagen Trauergruppe Liese Prokop Str. 14, Lilienfeld
4. Die Glücksbohne in der für Erwachsene Begleitung und Anmeldung:
Hosentasche – eine Herbst 2017 Marina Schmidt-Schmidberger
Geschichte zum Mitnehmen Trauergruppe an 6 Abenden Trauerbegleiterin und
und Nachahmen. Wo: Gebetsraum der Pfarre Hopizkoordinatorin
Diese Wanderstationen können Kirchberg/Pielach 0676-83 844 636 Impressum
Medieninhaber und Herausgeber:
gerne bei uns unter: Anmeldung: Caritas der Diözese St. Pölten,
0676-83 844 635 Poldi Reidies 0676-780 55 94 3100 St. Pölten, Hasnerstraße 4
Mobiler Hospizdienst,
hospiz@stpoelten.caritas.at Theres Simmer 0664-734 368 58 3100 St. Pölten, Schulgasse 10
angefragt werden. Tel.: 02742/841-682
www.caritas-stpoelten.at
Österreichische Post AG P.b.b www.hospiz.caritas-stpoelten.at
GZ 11Z038806 M Verlagspostamt St. Pölten
Caritas St. Pölten, Hasnerstraße 4, 3100 St. Pölten Redaktion: Anita Thür,
Edda Kaufmann
Layout: Sigrid Brandl
Druck: NÖ Pressehaus
P.b.b. Erscheinungsort:
Verlagspostamt St. Pölten
12Sie können auch lesen