Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) - Kurzfassung

 
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Fünfte Deutsche
Mundgesundheitsstudie
(DMS V) – Kurzfassung
Institut der Deutschen Zahnärzte
im Auftrag von Bundeszahnärztekammer
und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung
Fünfte Deutsche
Mundgesundheitsstudie
(DMS V) – Kurzfassung
Institut der Deutschen Zahnärzte
im Auftrag von Bundeszahnärztekammer
und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung

                 DMS V
       FÜNFTE DEUTSCHE
 MUNDGESUNDHEITSSTUDIE
 vom Institut der Deutschen Zahnärzte
4   Vorwort

 6   DMS V kompakt Ergebnisse im Fokus

 8   Karies Gesündere Zähne in allen Altersgruppen

14   Parodontalerkrankungen Weiterer Handlungsbedarf

18   Zahnverluste und prothetische Versorgung
     Zahnlosigkeit halbiert – Trend zu festsitzendem Zahnersatz

21   Menschen mit Pflegebedarf
     Besondere Herausforderung für die zahnmedizinische Versorgung

24   Mundgesundheitsverhalten Eigenverantwortung für gesunde Zähne unverzichtbar

27   Morbiditätskompression
     Munderkrankungen verschieben sich immer mehr in das höhere Alter

30   Vergleiche Deutschland weltweit in Spitzenpositionen

33   Vergleiche Angleichung der Mundgesundheit in Ost- und Westdeutschland

36   Anhang

36   Über die Methodik der Studie

37   Autoren

38   Über das IDZ

39   Glossar und Abkürzungsverzeichnis

44   Impressum
4

Vorwort

Wie steht es um die Mundgesundheit in           Seit fast 25 Jahren liefern die Deutschen
Deutschland? Wie entwickeln sich Karies und     Mund­
                                                    gesundheitsstudien regelmäßig wichti-
Parodontalerkrankungen? Zeigen sich Er­         ge Erkenntnisse für und über die zahnmedi-
folge bisheriger Therapiekonzepte? Welche       zinische Versorgung. Zugleich sind sie eine
­Einflüsse haben soziale Faktoren? Seit der     solide Datenbasis für evidenzbasierte Grund-
Ersten   Deutschen    Mundgesundheitsstudie     satzentscheidungen in der gesundheitspoli-
(DMS I) im Jahr 1989 erforscht das Institut     tischen Diskussion und für die Gestaltung
der Deutschen Zahnärzte (IDZ) im Auftrag        künftiger Versorgungskonzepte.
von Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung
(KZBV) und Bundeszahnärztekammer (BZÄK)         Die vorliegende Broschüre fasst die zentra-
die Mundgesundheit der Bevölkerung. In der      len Ergebnisse und die wichtigsten Aussagen
mittlerweile fünften Auflage der DMS-­Studien   der mehr als 600 Seiten umfassenden Studie
hat das IDZ von Oktober 2013 bis Juli 2014      zusammen. Erfreulich ist, dass sich die Zahn-
in insgesamt 90 Untersuchungsgemeinden          und Mundgesundheit der Bevölkerung in al-
etwa 4.600 Menschen aus allen sozialen          len Bereichen und über alle sozialen Schich-
Schichten und Altersgruppen in einer reprä-     ten hinweg noch einmal verbessert hat, was
sentativen Erhebung befragt und zahnmedi-       für die zahnärztliche Prävention spricht.
zinisch-klinisch untersucht. Die Fünfte Deut-   Auch im internationalen Vergleich ist die
sche Mundgesundheitsstudie (DMS V) ist da­-     zahnmedizinische Versorgung in Deutsch-
mit die größte repräsentative Erhebung ihrer    land vorbildlich: Kinder freuen sich hierzu-
Art in Deutschland.                             lande über die gesündesten Zähne und deut-
                                                sche Senioren leiden nur noch selten unter
                                                völliger Zahnlosigkeit – ein Ergebnis von ­ver-
                                                stetigter Prophylaxe, Aufklärung und verbes-
                                                serter Mundhygiene. Die Prävalenz schwerer
                                                Paro­
                                                    dontalerkrankungen hat sich zwischen
                                                2005 (DMS IV) und 2014 (DMS V) praktisch
5                                                                                  Vorwort

halbiert. Prognostisch ist jedoch aufgrund     Zugleich bestätigt diese Einsicht den bereits
des demografischen Wandels zu vermuten,        vor Jahren eingeschlagenen Weg der Zahn-
dass der Behandlungsbedarf künftig steigt.     ärzteschaft in diesen Bereichen. Der Berufs-
                                               stand ist aufgefordert, sich weiter mit Nach-
Mit diesen und anderen Ergebnissen geht        druck dem politischen, gesellschaftlichen und
aber auch eine wichtige Erkenntnis einher:     fachlichen Diskurs im Bereich der Pflege und
Infolge der demografischen Entwicklung ver­-   Betreuung zu stellen. Nur so werden wir un-
lagern sich Zahnerkrankungen ins hohe ­Alter   serem Anspruch gerecht, die Mundgesundheit
und dabei hauptsächlich auf Menschen mit       aller Menschen über den gesamten Lebens-
Pflegebedarf. Diese Verlagerung bringt un-     bogen hinweg zu fördern und zu verbessern.
weigerlich neue Herausforderungen für zahn­-
ärztliche Therapie- und ­Versorgungskonzepte   Berlin/Köln, im August 2016
mit sich.

Dr. Peter Engel                                Dr. Wolfgang Eßer
Präsident der Bundeszahnärztekammer            Vorsitzender des Vorstandes der
                                               Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung
6

DMS V kompakt
Ergebnisse im Fokus

  Karies                                        Zahnverluste und
• Acht von zehn der 12-jährigen Kinder          prothetische ­Versorgung
  (81 Prozent) sind heute kariesfrei. Die     • Heute ist nur noch jeder achte jüngere
  Zahl der kariesfreien Gebisse hat sich in     Senior (65- bis 74-Jährige) zahnlos,
  den Jahren von 1997 bis 2014 verdoppelt.      im Jahr 1997 war es noch jeder vierte.
• Bei den jüngeren Erwachsenen (35- bis       • Jüngere Senioren (65- bis 74-Jährige)
  44-Jährige) ist die Anzahl der Zähne mit      besitzen im Durchschnitt fünf eigene
  Karieserfahrung seit 1997 um 30 Prozent       Zähne mehr als noch im Jahr 1997.
  zurückgegangen (4,9 Zähne).                 • Weil immer mehr jüngere Senioren
• Nur noch halb so viele jüngere Erwach­        (65- bis 74-Jährige) ihre eigenen
  sene (35- bis 44-Jährige) weisen im           Zähne länger behalten, besteht für
  ­Vergleich zum Jahr 1997 noch eine            Zahnärzt­innen und Zahnärzte häufiger
  ­Karieserkrankung der Zahnwurzel auf.         die ­Möglichkeit, festsitzenden
                                                Zahnersatz zu verankern.
  Parodontalerkrankungen
• Die schweren Parodontalerkrankungen           Menschen mit Pflegebedarf
  haben sich bei den jüngeren Erwachsenen     • Ältere Menschen mit Pflegebedarf
  (35- bis 44-Jährige) halbiert.                haben eine höhere Karieserfahrung,
• Bei den jüngeren Senioren (65- bis            weniger eigene Zähne und häufiger
  74-Jährige) gibt es einen rückläufigen        herausnehmbaren Zahnersatz als die
  Trend bei der Parodontitis trotz mehr         gesamte Altersgruppe der älteren
  erhaltener Zähne.                             Senioren (75- bis 100-Jährige).
• Insgesamt steigt der Behandlungsbedarf      • Knapp 30 Prozent der Menschen mit
  bei der Parodontitis aufgrund der demo-       Pflegebedarf sind nicht mehr selbst in
  grafischen Entwicklung prognostisch an.       der Lage, ihre Zähne und Zahnprothesen
                                                eigenständig zu reinigen und zu pflegen.
                                                Sie benötigen Unterstützung bei der
7                                                                          DMS V kompakt

    täglichen Mundhygiene. Mit zunehmen-       • Das bedeutet gleichzeitig mehr mund­
    dem Pflegebedarf steigt dieser Anteil        gesunde Lebensjahre: Jüngere Senioren
    deutlich an.                                 (65- bis 74-Jährige) haben im Jahr 2014
• 60 Prozent der Menschen mit Pflegebedarf       eine bessere Mundgesundheit als ihre
    sind nicht mehr in der Lage, einen Zahn-     Altersgruppe im Jahr 2005.
    arzttermin zu organisieren und dann die
    Praxis auch aufzusuchen.                     Vergleiche
                                               • Deutschland erreicht bei der Mundge-
    Mundgesundheitsverhalten                     sundheit in den Bereichen Karieserfah-
• Jedes zweite Kind (45 Prozent) und jeder       rung, Parodontitis und völlige Zahnlosig-
    dritte Erwachsene (31 Prozent) kennen        keit im internationalen Vergleich
    die Empfehlungen zur Zahnpflege und          Spitzenpositionen.
    geben ein gutes Zahnputzverhalten an.      • Die Mundgesundheit sowohl von Kindern
• Im Vergleich zum Jahr 1997 geben               (12-Jährige) als auch jüngeren Erwachse-
    dreimal mehr jüngere Senioren (65-           nen (35- bis 44-Jährige) hat sich in Ost-
    bis 74-Jährige) an, eine gute Mund­          und Westdeutschland in den vergangenen
    hygiene zu haben.                            25 Jahren angeglichen.

    Morbiditätskompression
• Krankheitslasten verschieben sich in
    das höhere Lebensalter: Ältere Senioren
    (75- bis 100-Jährige) haben im Jahr 2014
    einen Mundgesundheitszustand wie die
    jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige)
    im Jahr 2005.
8

Karies
Gesündere Zähne
in allen Altersgruppen

Karies ist eine der häufigsten chronischen     stiegene Zahl der gesunden, eigenen Zähne
­Erkrankungen. Nach einem Ranking der Welt­-   verdeutlicht diese Entwicklung und bringt ei-
gesundheitsorganisation   (WHO)    zu   den    nen Gewinn an Lebensqualität für alle Bevöl-
Behandlungskosten für chronische Erkran-
­                                              kerungsgruppen mit sich.
kungen steht die Karies weltweit an vierter
Stelle. Die Verbreitung von Karies in der      Kinder
­Bevölkerung wird nach dem international ge-   Die Mundgesundheit von Kindern hat sich im
bräuchlichen DMFT-Index gemessen. DMFT         Vergleich zur DMS IV (2005) noch einmal
steht für die Anzahl der kariösen (Decayed),   weiter verbessert. Acht von zehn 12-jährigen
fehlenden (Missing) und gefüllten (Filled)     Kindern (81,3 Prozent) sind heute vollkom-
Zähne (Teeth). Der Index beschreibt das        men kariesfrei. Die Zahl der kariesfreien
Ausmaß der sogenannten Karieserfahrung,        ­Gebisse hat sich damit in den Jahren 1997
in dem akut kariös erkrankte Zähne und die     bis 2014 praktisch verdoppelt. Die durch-
möglichen Folgen (Zahnfüllungen, Zahnver-      schnittliche Karieserfahrung beträgt in dieser
luste) zusammengefasst werden.                 Altersgruppe 0,5 DMF-Zähne. Damit steht
   Die Ergebnisse der DMS V zeigen – vom       Deutschland an der Weltspitze.
Kindesalter an bis zu den mobilen Senioren –      Als Ursachen für den weiteren Karies-
eindrucksvoll die Erfolge eines grundlegen-    rückgang   können    regelmäßige,    kontroll­
den Paradigmenwechsels („vorsorgen statt       orientierte Besuche in Zahnarztpraxen und
versorgen“) in der zahnmedizinischen Ge-       die Versiegelung der Backenzähne ausge-
sundheitsversorgung in Deutschland. Dem-       macht werden: 70,3 Prozent der 12-Jährigen
nach konnte die Karieslast in der Bevölke-     in Deutschland weisen Fissurenversiegelun-
rung zudem über alle sozialen Schichten        gen auf und Kinder ohne Fissurenversiege-
hinweg gesenkt werden. Die Zahnärzteschaft     lungen haben eine dreifach erhöhte Karies­
hat damit einen wichtigen Grundstein gelegt,   erfahrung (0,3 vs. 0,9 DMF-Zähne).
um mit Vorsorge möglichst alle sozialen           Besonders erfreulich ist, dass die Ent-
Milieus zu erreichen. Insbesondere die ge-
­                                              wicklung über alle sozialen Schichten hinweg
9                                                                                                       Karies

positiv verläuft. Auch Kinder mit einem ver-               Kinder und andere Risikogruppen. Flächen-
gleichsweise niedrigen Sozialstatus haben                  deckende, früh einsetzende Präventions-
heute wesentlich gesündere Zähne als noch                  maßnahmen, solidarisch finanziert durch die
vor 20 Jahren. Die Zahnmedizin zeigt damit                 gesetzlichen Krankenkassen, zahlen sich für
beispielhaft, dass Prävention, die früh greift,            alle Menschen aus, unabhängig von sozialen
gesundheitliche Ungleichheiten reduzieren                  Schichten. Dennoch haben Angehörige der
kann. Die engmaschige Gruppen- und Indivi-                 verschiedenen Sozialschichten weiterhin eine
dualprophylaxe erfasst auch benachteiligte                 sehr unterschiedliche Karieserfahrung. Die

    Entwicklung der Karieserfahrung (DMFT)1 bei Kindern

        DMS I/II2            DMS III              DMS IV               DMS V               Sozialschicht-
        (1989/92)            (1997)               (2005)               (2014)              abhängigkeit

                                                                                           hoher
          4,9
                                                                                           Sozialstatus

                                                                            0,3
                                                                                           mittlerer
                                                                            0,4            Sozialstatus
                               1,7                                          0,7
                                                    0,7                                    niedriger
                                                                        0,5                Sozialstatus

    1
        DMFT: Anzahl der kariösen (Decayed), fehlenden (Missing) und gefüllten (Filled) Zähne (Teeth)
    2
        13-/14-Jährige

      Sinkende
    Sinkende     Karieserfahrung
              Karieserfahrung        bei Kindern
                               bei Kindern        (12-Jährige):
                                           (12-Jährige):         Sozialschichtabhängigkeit
                                                         Sozialschichtabhängigkeit  der        der
      Karieserfahrung,
    Karieserfahrung, aberaber   alle sozialen
                          alle sozialen       Schichten
                                        Schichten         haben
                                                   haben von der von  der Prävention
                                                                 Prävention profitiert profitiert
Karies                                                                                              10

Kariespolarisation (Schieflage der Kariesver-         der zahnärztlichen Prävention. In der DMS IV
teilung) zeigt, dass das Drittel mit der höchs-       aus dem Jahr 2005 wurde bei dieser Alters-
ten Karieserfahrung dreimal mehr erkrankte            gruppe erstmalig ein Rückgang der Karies­
Zähne aufweist (1,4 DMF-Zähne).                       erfahrung festgestellt. Dieser Trend hat sich
                                                      nun verstärkt, sodass heute durchschnittlich
Jüngere Erwachsene                                    11,2 Zähne eine Karieserfahrung aufweisen.
Auch bei den jüngeren Erwachsenen (35- bis            Im Jahr 1997 (DMS III) waren dies noch
44-Jährige) zeigen sich die positiven Effekte         16,1 Zähne. Außerdem hat sich der Anteil

   Entwicklung der kariesfreien Gebisse bei Kindern

       DMS I/II1         DMS III          DMS IV            DMS V                    Sozialschicht-
       (1989/92)         (1997)           (2005)            (2014)                   abhängigkeit

                                                                                     hoher
                                                          81,3 %                     Sozialstatus
                                         70,1 %
                                                                  88 %
                        41,8 %                                                       mittlerer
                                                                  82 %               Sozialstatus
                                                                  75 %
       13,3 %
                                                                                     niedriger
                                                                                     Sozialstatus

   1
       13-/14-Jährige

       Zunahme
        Zunahme  kariesfreier Gebisse
                   kariesfreier        bei Kindern
                                  Gebisse           (12-Jährige):
                                            bei Kindern           Sozialschichtabhängigkeit
                                                         (12-Jährige):                      der
                                                                         Sozialschichtabhängigkeit
       Karieserfahrung,  aber alle
        der Karieserfahrung,       sozialen
                                aber         SchichtenSchichten
                                      alle sozialen    haben vonhaben
                                                                  der Prävention
                                                                         von der profitiert
                                                                                 Prävention profitiert
11                                                                                                  Karies

der kariesfreien jüngeren Erwachsenen seit                bei der Karieslast sowohl durch weniger Fül-
1997 verdreifacht.                                        lungen als auch durch einen Rückgang von
     Interessant ist in diesem Zusammen-                  Zahnverlusten bedingt ist.
hang, dass diese jetzt untersuchte Alters-                      Der Kariessanierungsgrad zeigt bei jün-
gruppe erstmalig in ihrer Kindheit und im                 geren Erwachsenen ein außerordentlich hohes
Jugendalter nachhaltig in die Gruppen- und                Niveau. Durchschnittlich 93,7 Prozent der an
Individualprophylaxe eingebunden war. Da-                 Karies erkrankten Zähne sind in Deutschland
bei ist bemerkenswert, dass der Rückgang                  zahnmedizinisch versorgt. Damit verfügen

     Entwicklung der Karieserfahrung (DMFT)1 bei jüngeren
     Erwachsenen
         DMS III (1997):     16,1          DMS IV (2005):       14,6           DMS V (2014):   11,2

                11,7
                                                          11,7
                                                                                         8,6

                3,9                                       2,4                            2,1
                0,5                                       0,5                            0,5
     1
         DMFT: Anzahl der kariösen (Decayed), fehlenden          kariöse    fehlende     gefüllte
         (Missing) und gefüllten (Filled) Zähne (Teeth)          Zähne      Zähne        Zähne

         Sinkende
          Sinkende Karieserfahrung  beijüngeren
                   Karieserfahrung bei   jüngeren Erwachsenen
                                                Erwachsenen (35-(35-  bis 44-Jährige)
                                                                 bis 44-Jährige)
Karies                                                                                          12

die jüngeren Erwachsenen über 23,6 primär          Jüngere Senioren
gesunde oder restaurierte, funktionstüchtige       Wie in den anderen Altersgruppen verstetigt
eigene Zähne.                                      sich der Kariesrückgang auch bei den jünge-
   Die Erhebungen zur Mundgesundheit der           ren Senioren (65- bis 74-Jährige): Während
jüngeren Erwachsenen belegen zudem, dass           der Kariesindex im Jahr 1997 noch bei 23,6
die Prävention alle sozialen Schichten erreicht.   Zähnen lag, beträgt er nun 17,7 Zähne. Hier
Die 35- bis 44-Jährigen haben heute über           liegt die Ursache vor allem darin, dass heute
alle Schichten hinweg eine deutlich geringere      deutlich weniger Zähne wegen Karies verlo-
Karieserfahrung.                                   ren gehen und somit die zahnerhaltenden
   Erfreulich ist darüber hinaus, dass die         professionellen Maßnahmen greifen: In den
Karieserkrankungen der Zahnwurzel um die           Jahren 1997 bis 2014 ist eine deutliche Zu-
Hälfte zurückgegangen sind – von 22,1 Pro-         nahme eigener Zähne um mehr als sechs
zent der Altersgruppe im Jahr 1997 (DMS III)       Zähne zu verzeichnen. Diese Steigerung der
auf 11,8 Prozent.                                  Mundgesundheit kann über alle sozialen
                                                   Schichten hinweg festgestellt werden.
                                                      Bei den jüngeren Senioren zeigt sich
                                                   ebenfalls ein sehr hoher Kariessanierungs-
                                                   grad von 90,6 Prozent. Sie verfügen über 16,4
                                                   primär gesunde oder restaurierte eigene
                                                   Zähne. Trotz mehr erhaltener Zähne ist der
                                                   Anteil in der Bevölkerung mit einer Wurzel-
                                                   karies im Vergleich zur DMS IV (2005) wieder
                                                   stark rückläufig und liegt nun bei 28,0 Prozent.
13                                                                                               Karies

     Entwicklung der Karieserfahrung (DMFT)1 bei jüngeren
     Senioren

         DMS III (1997):     23,6          DMS IV (2005):       22,1         DMS V (2014):   17,7

                5,8
                                                          7,7
                                                                                      6,1
                17,6
                                                          14,1
                                                                                      11,1

                0,3                                       0,3                         0,5
     1   DMFT: Anzahl der kariösen (Decayed), fehlenden          kariöse   fehlende   gefüllte
         (Missing) und gefüllten (Filled) Zähne (Teeth)          Zähne     Zähne      Zähne

         Sinkende Karieserfahrung bei jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige)
          Sinkende Karieserfahrung bei jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige)
14

Parodontalerkrankungen
Weiterer Handlungsbedarf

Ein besonders erfreuliches Ergebnis der           erkrankungen in ein höheres Lebensalter ein
DMS V: Die Zahl der Menschen mit Parodon-         steigender Behandlungsbedarf zu prognosti-
talerkrankungen nimmt in Deutschland ab.          zieren.
Mithilfe eines neuen methodischen Messver-
fahrens kann auf der anderen Seite die tat-       Jüngere Erwachsene
sächliche Krankheitslast in der Bevölkerung       Der Anteil der 35- bis 44-Jährigen mit schwe-
besser abgeschätzt werden. Für die Zukunft        rer Parodontitis hat sich seit dem Jahr 2005
ist aufgrund der demografischen Entwick-          halbiert (DMS IV: 17,4 Prozent; DMS V: 8,2
lung und der Verlagerung chronischer Mund­        Prozent). Auch das Ausmaß der Erkrankungen

   Parodontalerkrankungen1 bei jüngeren Erwachsenen

                             keine/milde
            29,0 %           Parodontitis
                                                48,4 %
                                                                 2,7
                                                                 Zähne sind in der
            53,6 %            moderate                           DMS V durchschnittlich
                             Parodontitis                        parodontal erkrankt
                                                43,4 %

                               schwere
            17,4 %                               8,2 %
                             Parodontitis
             DMS IV                               DMS V
             (2005)                               (2014)
   1
       CDC/AAP-Fallklassifikation

       Schwere
        SchwereParodontalerkrankungen bei jüngeren
                 Parodontalerkrankungen            Erwachsenen
                                            bei jüngeren       (35- bis (35-
                                                         Erwachsenen    44-Jährige) halbiert
                                                                             bis 44-Jährige)
        halbiert
15                                                                      Parodontalerkrankungen

(Anzahl der betroffenen Zähne) ist bei den            Senioren
jüngeren       Erwachsenen     leicht   rückläufig.   Obwohl ältere Menschen immer länger eigene
­Dennoch ist jeder zweite jüngere Erwachse-           Zähne haben, ergibt sich ein deutlich rück­
ne (52 Prozent) von einer parodontalen                läufiger Trend beim Auftreten der schweren
Erkrankung betroffen, davon weisen 43,4
­                                                     Parodontitis in der Gruppe der 65- bis
Prozent eine moderate Parodontitis und rund           74-Jährigen (DMS IV: 44,1 Prozent; DMS V:
jeder Zehnte eine schwere Parodontitis auf.           19,8 Prozent). Zudem geht auch bei den
                                                      ­jüngeren Senioren das Ausmaß der modera-
                                                      ten und schweren Parodontalerkrankungen

     Parodontalerkrankungen1 bei jüngeren Senioren

               8,0 %            keine/milde
                                Parodontitis          35,3 %
              47,9 %                                                 3,1
                                 moderate                            Zähne sind in der
                                Parodontitis                         DMS V durchschnittlich
                                                      44,8 %
                                                                     parodontal erkrankt

              44,1 %
                                  schwere             19,8 %
                                Parodontitis
               DMS IV                                 DMS V
               (2005)                                 (2014)
     1
         CDC/AAP-Fallklassifikation

         Schwere
          SchwereParodontalerkrankungen bei jüngeren
                   Parodontalerkrankungen            Senioren
                                              bei jüngeren    (65- bis (65-
                                                           Senioren     74-Jährige) halbiert
                                                                             bis 74-Jährige)
          halbiert
Parodontalerkrankungen                                                                         16

zurück. Dennoch weist jeder zweite jüngere          Bei den älteren Senioren – also den 75- bis
Senior (65 Prozent) eine ­parodontale Erkran-       100-Jährigen – verstärkt sich dieser Trend.
kung auf. Insgesamt hat fast jeder Zweite in        Hier weisen sogar neun von zehn Menschen
dieser Altersgruppe eine moderate (44,8             eine moderate bzw. schwere Parodontitis auf.
Prozent) und jeder Fünfte eine schwere Paro­              Die nach aktuellen, internationalen Emp-
dontitis.                                           fehlungen in der DMS V durchgeführten Un-
                                                    tersuchungen zur Parodontitis legen nahe,

   Prognostizierter parodontaler Behandlungsbedarf
   durch demografischen Wandel

    2014        Männer          Frauen              2030       Männer          Frauen
    100                                             100
    Alter

                                                     Alter

      0               Einwohner                       0              Einwohner

       Parodontalerkrankungen sind altersassoziiert. Moderate und schwere Parodontalerkrankungen
       bei jüngeren Erwachsenen (35- bis 44-Jährige) heute: 51,6 Prozent und bei jüngeren Senioren
       (65-  bis 74-Jährige) heute: 64,6
        Parodontalerkrankungen       sindProzent  Im Jahr 2030
                                          altersassoziiert.     wird der und
                                                              Moderate    Großteil der Bevölkerung
                                                                               schwere
       Senioren   sein. Trotz abnehmender
        Parodontalerkrankungen             Prävalenzen
                                     bei jüngeren       ist daher derzeit
                                                    Erwachsenen     (35- mit
                                                                           bis einer Zunahme
                                                                               44-Jährige)    des
                                                                                            heute:
       parodontalen
        51,6 % undBehandlungsbedarfs      zu rechnen.
                        bei jüngeren Senioren    (65- bis 74-Jährige) heute: 64,6 %. Im Jahr
            2030 werden der Großteil der Bevölkerung Senioren sein. Trotz abnehmender
            Prävalenzen ist daher derzeit mit einer Zunahme des parodontalen
            Behandlungsbedarfs zu rechnen
17                                                                   Parodontalerkrankungen

dass die Erkrankung in der Bevölkerung so-     Um der grundsätzlich hohen Erkrankungslast
gar eher weiter verbreitet ist, als bislang    von     Parodontalerkrankungen               in     der
­angenommen: Demzufolge ist davon auszu-       Bevölkerung entgegenzuwirken, bedarf es
gehen, dass die bisherigen Schätzungen zur     Maßnahmen der primären und besonders der
parodontalen Erkrankungslast in der Bevöl-     sekundären Prävention, die in der gesamten
kerung – methodisch bedingt – eher auf zu      Breite der Bevölkerung verstärkt eingesetzt
niedrigen Werten basiert haben.                werden.      Neben      der     kontroll­
                                                                                       orientierten
                                               Inanspruchnahme             zahnärztlicher    Dienst­
Prävention von Parodontitis                    leistungen      ist   die    Profes­
                                                                                  sionelle       Zahn­
Die Ergebnisse der DMS V legen des Weite-      reinigung (PZR) eine seit Jahren bewährte
ren nahe, dass sich präventive Maßnahmen       präventive Maßnahme. Für die Zahnärzte­
positiv auf parodontale Erkrankungen aus-      schaft gilt es nun, ein zeitgemäßes, dem
wirken können. Demnach sind Menschen, die      Stand     der    Wissenschaft       entsprechendes
regelmäßig Präventionsangebote in der Zahn­-   Therapiekonzept zu entwickeln und in der
arztpraxis in Anspruch nehmen, seltener von    Versorgung umzusetzen. Für die nachhaltige
Parodontitis betroffen. Bei diesen Patienten   Sicherung von Behandlungserfolgen ist in
sind die Parodontalerkrankungen zugleich       diesem Zusammenhang unter anderem eine
auch weniger schwer. Dabei kommt der Rei-      Unterstützende Parodontitistherapie (UPT)
nigung der Zahnzwischenräume eine positive     unverzichtbar.
präventive Bedeutung zu.
18

Zahnverluste und
prothetische Versorgung
Zahnlosigkeit halbiert –
Trend zu festsitzendem
Zahnersatz

Immer mehr jüngere Senioren (65- bis 74-          Jahr 1997 (DMS III: 10,4 vs. DMS V: 16,9
Jäh­
   rige) behalten ihre eigenen Zähne. War         Zähne). Zahnerhaltende Therapien und die
noch im Jahr 1997 (DMS III) jeder vierte jünge­   konsequente Präventionsorientierung in der
re Senior zahnlos (24,8 Prozent), so ist es
­                                                 zahnmedizinischen Versorgung haben in den
heute nur noch jeder achte (12,4 Prozent).        vergangenen 17 Jahren deutliche Erfolge ge-
   Eine vergleichbar positive Entwicklung         zeigt. Mit dieser überaus positiven Entwick-
gibt es auch bei den Zahnverlusten: Jüngere       lung nimmt Deutschland im internationalen
Senioren besitzen heute im Durchschnitt min­      Vergleich derzeit eine Spitzenposition ein.
­destens fünf eigene Zähne mehr als noch im

   Zahnverluste und Zahnersatz bei jüngeren Senioren
        völlige Zahnlosigkeit

        24,8 %
          DMS III                                                           12,4 %
                                          22,6 %                            DMS V
           (1997)
                                           DMS IV                           (2014)
                                           (2005)

                       Sozialschichtabhängigkeit bei der Zahnlosigkeit

               16,4 %                        6,7 %                     3,8 %

         niedriger Sozialstatus       mittlerer Sozialstatus     hoher Sozialstatus

     Halbierung der Zahnlosigkeit bei jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige):
     Sozialschichtabhängigkeit bei Zahnverlusten
      Halbierung der Zahnlosigkeit     bei jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige):
      Sozialschichtabhängigkeit bei Zahnverlusten
19                                               Zahnverluste und prothetische Versorgung

Keine soziale Ungleichheit                        zahnprothetische Versorgung zu Lasten der
bei der Versorgung mit Zahnersatz                 gesetzlichen Krankenversicherung über ein
Die steigende Anzahl eigener Zähne bis ins        seit Jahren akzeptiertes und bewährtes Fest-
hohe Alter ermöglicht immer mehr Patien-          zuschusssystem in Anspruch zu nehmen.
ten, sich für einen festsitzenden Zahnersatz      Das ist im internationalen Vergleich außerge-
wie Brücken, Kronen oder Implantate zu ent-       wöhnlich.
scheiden. Unabhängig von der Art des Zahn­            So zeigen die Ergebnisse der DMS V, dass
ersatzes und dem Sozialstatus hat jeder Ver-      der Anteil prothetisch ersetzter Zähne in al-
sicherte in Deutschland die Möglichkeit, eine     len sozialen Schichten vergleichbar hoch ist.

     Eigene Zähne und Zahnersatz bei jüngeren Senioren
       Anzahl eigener Zähne

                                                                              16,9
          10,4                                                                DMS V
         DMS III                             13,8                             (2014)
         (1997)                        DMS IV (2005)

                    keine Sozialschichtabhängigkeit beim Zahnersatz
                                  (Anteil prothetisch ersetzter Zähne)

               85,9 %                       81,1 %                      79,7 %

        niedriger Sozialstatus       mittlerer Sozialstatus        hoher Sozialstatus

     Steigende Anzahl eigener Zähne bei jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige), keine sozialen
     Ungleichheiten bei der
      Steigende Anzahl      Versorgung
                          eigener      mitbei
                                   Zähne   Zahnersatz
                                              jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige),
      keine sozialen Ungleichheiten bei der Versorgung mit Zahnersatz
Zahnverluste und prothetische Versorgung        20

Wie in keinem anderen Land der Welt lässt
sich für Deutschland eine besonders bemer-
kenswerte Feststellung treffen: Der soziale
Sta­tus des Menschen lässt sich nicht an der
Zahl der Zahnlücken erkennen.

Immer mehr Patienten
mit festsitzendem Zahnersatz
Nach den Ergebnissen der DMS V verfügen
Patienten heute zehnmal häufiger über Im-
plantate als noch im Jahr 1997. Auch diese
Entwicklung unterstreicht den Trend zum
festsitzenden Zahnersatz. 86,7 Prozent der
jüngeren Senioren geben an, sehr zufrieden
oder zufrieden mit ihrem eigenen Zahnersatz
zu sein. Diese Ergebnisse stehen in direktem
Zusammenhang mit der Abnahme der völli-
gen Zahnlosigkeit. Da immer mehr Men-
schen ihre eigenen Zähne behalten, verbes-
sern sich die Voraussetzungen dafür, dass
Zahnersatz fest verankert werden kann.
   Eine der zentralen Schlussfolgerungen
der DMS V lautet daher: Je früher und
präven­
      tionsorientierter   die   zahnärztliche
Versor­gung stattfindet, desto langfristiger
kann die Mundgesundheit im Alter erhalten
werden.
21

Menschen mit Pflegebedarf
Besondere Herausforderung
für die zahnmedizinische
Versorgung

Ältere Menschen mit Pflegebedarf weisen            Schlechtere Mundgesundheit
eine schlechtere Zahn- und Mundgesundheit          bei Menschen mit Pflegebedarf
auf als die gesamte Altersgruppe der älteren       Ältere Menschen mit Pflegebedarf haben eine
Senioren (75- bis 100-Jährige). Dieses wich-       höhere Karieserfahrung (24,5 vs. 21,6 DMF-­
tige Ergebnis der DMS V bedeutet, dass             Zähne) und weniger eigene Zähne (22,4 vs.
künftig ein besonderes Augenmerk der zahn-         17,8 fehlende Zähne) als die gesamte Alters-
ärztlichen Prävention und Therapie auf Men-        gruppe der älteren Senioren. Während ledig-
schen mit Pflegebedarf gelegt werden muss.         lich ein Drittel der 75- bis 100-Jährigen keine

     Mundgesundheit von älteren Senioren mit Pflegebedarf
                                                                         83,0 %
               Kariessanierungsgrad
                                                                     69,2 %
                                                               46,5 %
                   Zahnfleischbluten
                                                                    64,3 %
                völlige Zahnlosigkeit
                                                         32,8 %
                                                               53,7 %
     Kontrollorientierte Inanspruch-                               68,2 %
      nahme zahnärztlicher Dienste                        38,8 %
                 Hilfe bei der Mund-         6,7 %
                hygiene erforderlich                   29,8 %

              Mundgesundheit                      Mundgesundheit ältere Senioren
              ältere Senioren                     mit Pflegebedarf

      Ältere
       ÄltereSenioren
              Seniorenmitmit
                         Pflegebedarf (75- bis
                             Pflegebedarf  (75-100-Jährige) weisen eine
                                                 bis 100-Jährige)       schlechtere
                                                                   weisen   eine schlechtere
      Mundgesundheit auf und benötigen mehr Hilfe bei der Mundhygiene
       Mundgesundheit auf und benötigen mehr Hilfe bei der Mundhygiene
Menschen mit Pflegebedarf                                                                   22

eigenen Zähne mehr hat, ist heute bei den         schränkt zahnmedizinisch behandelt werden.
Menschen mit Pflegebedarf in dieser Alters-       Dagegen kann noch jeder zweite ältere Seni-
gruppe jeder Zweite zahnlos. Die verbleiben-      or der gesamten Altersgruppe uneinge-
den eigenen Zähne sind weniger funktions-         schränkt zahnmedizinisch behandelt werden.
tüchtig und weisen auch einen höheren Be­­-
handlungsbedarf auf.                              Verminderte Therapiefähigkeit
   Auffällig ist zudem, dass pflegebedürftige     Bei Pflegebedürftigkeit steigt der Behand-
ältere Senioren zwar prothetisch versorgt sind,   lungsbedarf, die Therapiefähigkeit nimmt
im Vergleich aber häufiger über einen heraus-     ­zugleich ab. Jeder zweite Mensch mit Pflege-
nehmbaren Zahnersatz verfügen. Dies ist           bedarf ist in seiner Therapiefähigkeit in der
beim Betreuungsaufwand für pflegende Ange-        Regel eingeschränkt. Teilweise kann eine
hörige und Pflegende besonders zu beachten.       zahnmedizinische Behandlung unter ambu-
                                                  lanten Bedingungen nicht mehr stattfinden.
Eingeschränkte Handlungsfähigkeit                 Deshalb müssen zahnärzt­liche Behandlungs-
von Menschen mit Pflegebedarf                     strategien entsprech­end angepasst werden.
Mit zunehmender Pflegebedürftigkeit sind äl-      Durch kürzere Dauer der Zahnarzttermine,
tere Menschen weniger belastbar – das gilt        durch besondere zahnmedizinische Ver­
                                                                                      sor­
auch für die zahnmedizinische Versorgung.         gungs­
                                                       konzepte und durch Zahnpro­
                                                                                 thesen,
Die drei Kriterien, die die sogenannte zahn-      die auch von den Pflegenden korrekt heraus-
medizinisch funktionelle Kapazität ausma-         genommen werden können.
chen, nehmen stark ab: Die Therapiefähig-
keit sinkt, die Mundhygienefähigkeit nimmt        Verminderte Mundhygienefähigkeit
ab und die Eigenverantwortung – zum Bei-          29,8 Prozent der Menschen mit Pflegebedarf
spiel bei der Vereinbarung und der Einhal-        können sich nicht mehr selbst um die Pflege
tung eines Zahnarzttermins – ist in hohem         ihrer Zähne und Zahn­
                                                                      prothesen kümmern
Maße eingeschränkt. Nur 17,5 Prozent der          und benötigen Hilfe bei der täglichen Mund-
Menschen mit Pflegebedarf können uneinge-         hygiene. ­
23                                                           Menschen mit Pflegebedarf

Verminderte Eigenverantwortung                  Verbesserung der aufsuchenden Betreuung
60 Prozent der Menschen mit Pflege­bedarf       und das Präventionsmanagement genannt.
sind nicht mehr in der Lage, eigenständig
einen Zahnarzttermin zu organisieren und
­
selbstständig eine Praxis aufzusuchen. Sie
benötigen dafür Unterstützung.

Mit dem Anstieg der Pflegebedürftigkeit
wächst die Anforderung an eine zahnmedizi-
nische Therapiestrategie, die den besonde-
ren Ansprüchen der Menschen mit Pflegebe-
darf bei der präventiven und zahnärztlichen
Versorgung sowie der Unterstützung beim
Erhalt der Mundgesundheit durch die pfle-
genden Personen Rechnung trägt.
     Auf diese Aufgabe für den gesamten
­Berufsstand weisen die zahnärztlichen Insti-
tutionen bereits seit einigen Jahren hin und
haben mit ihrem Konzept „Mundgesund trotz
Handicap und hohem Alter“ ein entsprechen-
des Maßnahmenpaket entwickelt. Die Ergeb-
nisse der DMS V bestätigen, dass die Zahn-
ärzteschaft in diesem Bereich die Weichen
richtig gestellt hat: Das sogenannte AuB-
Konzept   adressiert   die   entscheidenden,
durch den Gesetzgeber zum Teil bereits auf-
gegriffen Aspekte. Als Beispiele seien die
24

Mundgesundheitsverhalten
Eigenverantwortung für
gesunde Zähne unverzichtbar

Die Zahn- und Mundgesundheit ist den be-         davon überzeugt, viel oder sehr viel für
                                                 ­
fragten   Menschen    in   Deutschland   sehr    die Gesundheit der eigenen Zähne tun zu
­wichtig. Ihnen ist in der Regel bewusst, dass   können. Dazu gehören auch Mundgesund-
gesunde Zähne auch das Ergebnis von              heits-Checkups: Mehr als drei von vier
eigenverantwortlichem
­                           Handeln      sind:   Befragten gaben an, den Zahnarzt regel­
                                                 ­
Immerhin zwischen 70 und 85 Prozent der
­                                                mäßig zur Kontrolle aufzusuchen. Demnach
Befragten sind – je nach Altersgruppe –
­                                                liegt   der   Anteil   der   kontroll­
                                                                                      orientierten

   Selbstwirksamkeitsüberzeugung zur eigenen Zahngesundheit

                                                                        85,5 %
      „Wie viel kann man                     86,0 %                     jüngere
      selbst tun, um die                     Kinder                     Erwachsene
      Gesundheit seiner
      Zähne zu erhalten                                                           „sehr viel“
      oder zu verbessern?“                                                        oder „viel“

          ?                       75,6 %
                                  jüngere
                                  Senioren
                                                               70,3 %
                                                               ältere
                                                               Senioren
                                                                                  !
     Selbstwirksamkeitsüberzeugung (Grundüberzeugung, selbst wirkungsvoll Einfluss
     auf die eigene Zahngesundheit nehmen
      Selbstwirksamkeitsüberzeugung       zu können): bis ins hohe
                                        (Grundüberzeugung,         Alter
                                                               selbst    sehr hoch
                                                                       wirkungsvoll Einfluss
      auf die eigene Zahngesundheit nehmen zu können): bis ins hohe Alter sehr hoch
25                                                                 Mundgesundheitsverhalten

­Inanspruchnahme von Vorsorge­unter­such­          Positiver Trend
ungen bei Kindern bei 82 Prozent, bei              Das Mundgesundheitsverhalten ist nach An-
­Erwachsenen bei 72 Prozent und bei ­Senioren      gaben der Befragten gut und hat sich in
sogar bei 90 Prozent. Mit einer Z
                                ­ unahme der       Teilen sogar verbessert. Jedes zweite Kind
                                                   ­
Zahnzahl    geht   offensichtlich   auch   eine    (45 Prozent) und jeder dritte Erwachsene
stärkere Ausbildung der „dentalen Aware-
­                                                  (31 Prozent) kennt die Empfehlungen zur
ness“ einher.                                      Mundpflege und gibt ein gutes Zahnputzver-

     Positiver Trend bei der häuslichen Mundhygiene

      DMS III                                DMS IV                               DMS V
      (1997)                                 (2005)                               (2014)

      Positive Entwicklungen bei der häuslichen Mundhygiene bei jüngeren Erwachsenen (35- bis
       Positive Entwicklungen
      44-Jährige)                bei der häuslichen
                  und jüngeren Senioren               Mundhygiene
                                         (65- bis 74-Jährige)       beibis
                                                              von 1997  jüngeren   Erwachsenen
                                                                           2014: mehr  Benutzung
      von Zahnseide,
       (35-           Zahnzwischenraumbürsten,
             bis 44-Jährige) und jüngeren SeniorenMundspüllösungen  und elektrischen
                                                        (65- bis 74-Jährige)         Zahnbürsten
                                                                              von 1997   bis
      2014: mehr Benutzung von Zahnseide, Zahnzwischenraumbürsten, Mundspül-
      lösungen und elektrischen Zahnbürsten
Mundgesundheitsverhalten                                                                    26

halten an. Die Ergebnisse in diesen Alters-        Gesundheit im Fokus
gruppen sind stabil. Ein deutlich positiver        In diesem Zusammenhang ist ein neuer,
Trend lässt sich bei den jüngeren Senioren         wert­
                                                       voller Ansatz, die sogenannte Saluto­
erkennen: Im Vergleich zum Jahr 1997 hat           genese, zu nennen. Diese Neuausrichtung
sich die Zahl der Personen mit einer guten         erlaubt dem Zahnarztteam eine bessere Ein-
Mundhygiene bei den 65- bis 74-Jährigen            schätzung seiner Patienten sowie eine ad­
                                                                                           -
fast verdreifacht (32 Prozent). Dies hängt ins­-   äquate Kommunikation entsprechend der
besondere damit zusammen, dass jüngere             persönlichen Haltung des Patienten zur eige-
Senioren heutzutage mehr eigene Zähne be-          nen Mundgesundheit. Die Ermittlung und
sitzen als früher.                                 Einschätzung der Selbstwirksamkeitserwar-
   Generell lässt sich in dieser Altersgruppe      tung der Patienten bieten sowohl für die
ein deutlich gestiegenes Bewusstsein für           zahnmedizinische Prävention als auch für die
die eigene Mundgesundheit konstatieren. So         Risikokommunikation neue Ansätze und er-
gibt zum Beispiel jeder vierte jüngere Senior      lauben es, Versorgungsziele adäquat zu be-
an, regelmäßig eine Professionelle Zahnreini-      stimmen. Die mögliche Neuausrichtung er-
gung (PZR) in Anspruch zu nehmen. Zudem            laubt     auch      dem      zahnärztlichen
geht diese Gruppe der Befragten nicht nur          Be­hand­lungsteam, spezifisch zu kommuni-
bei Beschwerden zum Zahnarzt, sondern              zieren und individuell mit den Patientinnen
nutzt zunehmend die Möglichkeiten der regel­-      und Patienten Präventions- und Therapiezie-
mäßigen zahnärztlichen Kontrolluntersuch­ung       le festzulegen.
(90 Prozent). Präventionsorientierung und
Aufklärung sowie damit verbunden die Ver-
besserung der „dentalen Awareness“ und
des Mundgesundheitswissens in der Bevöl-
kerung zahlen sich also offensichtlich aus.
27

Morbiditätskompression
Munderkrankungen
verschieben sich immer
mehr in das höhere Alter

Bei der Mundgesundheit in Deutschland ist           Dieser Trend zieht sich im Erhebungszeit-
ein wichtiger Trend in bemerkenswertem              raum der Jahre 2005 (DMS IV) bis 2014
Ausmaß zu erkennen: Sowohl bei der Karies           (DMS V) durch sämtliche untersuchte Bevöl-
als auch bei der Parodontitis zeigt sich in den     kerungsgruppen, alle Altersgruppen und alle
vergangenen neun Jahren ein erheblicher             sozialen Schichten. Allerdings scheint sich
Rückgang gleichermaßen in der Anzahl der            künftig die Hauptlast dieser beiden oralen
Erkrankungen wie auch in ihrer Schwere.             Haupterkrankungen in das höhere Alter zu

     Mundgesundheit bleibt länger erhalten
     (Morbiditätskompression)

                    92,0 %

                    moderat:                                       64,6 %
                    47,9 %                                          moderat:
                                                                    44,8 %
       22,1          schwer:       22,6 %              17,7
                    44,1 %                                                       12,4 %
                                                                    schwer:
                                                                    19,8 %
     jüngere Senioren der DMS IV (2005)             jüngere Senioren der DMS V (2014)

         Karieserfahrung             moderate und schwere                   völlige
         (DMFT)                      Parodontalerkrankungen                 Zahnlosigkeit

      Morbiditätskompression zeigt sich einerseits darin, dass jüngere Senioren (65- bis 74-Jährige)
       Morbiditätskompression zeigt sich einerseits darin, dass jüngere Senioren (65-
      im Jahr 2014 in vielen Bereichen eine bessere Mundgesundheit haben als im Jahr 2005:
       bis 74-Jährige) im Jahr 2014 in vielen Bereichen eine bessere Mundgesundheit
      mehr mundgesunde Lebensjahre
      haben als im Jahr 2005: mehr mundgesunde Lebensjahre
Morbiditätskompression                                                                  28

verschieben, wodurch der Behandlungsbedarf      denen Menschen ihr Leben lang an chroni-
infolge des demografischen Wandels pro­         schen Erkrankungen und Behinderung leiden,
gnostisch steigt. Dieser Effekt nennt sich      kontinuierlich abnehmen werden. Die Grün-
„Morbiditätskompression“ und bedeutet vor       de sind Veränderungen des Lebensstils, die
allen Dingen, dass dem Erkrankungsbeginn        der Gesundheit förderlich sind. Dazu zählen
mehr gesunde Lebensjahre vorausgehen.           zum Beispiel Veränderungen in der Ernäh-
   Konkrete Hinweise auf die Morbiditäts-       rungsweise, bei der Fluoridzufuhr oder dem
kompression gibt das Erkrankungsprofil der      Tabakkonsum – Faktoren, die für die Mund-
heute 75- bis 100-Jährigen: Es entspricht in    gesundheit eine wesentliche Rolle spielen.
etwa dem der 65- bis 74-Jährigen im Jahr        Die Morbiditätskompression ist also in der
2005. Bei der Zahnkaries von Kindern und        Zahnmedizin ein deutlicher Effekt der stark
Jugendlichen setzt sich der Rückgang schon      verbesserten Prävention auf allen Inter­
seit Anfang der 1980er-Jahre unverändert        ventionsebenen.
fort, entsprechend dem internationalen Trend       Aus der DMS V ergeben sich weitere Ver-
in anderen Industrienationen. Demgegen-         änderungen des Lebensstils, die sich auch
über lagen die Parodontalerkrankungen bei       spezifisch auf die Verbesserung der Mund­
jüngeren Erwachsenen lange auf konstant         gesundheit beziehen lassen. Immerhin sind
hohem Niveau. Ein rückläufiger Trend zeigt      75 bis 85 Prozent der Menschen in Deutsch-
sich in diesem Bereich erst für die vergange-   land der Überzeugung, selbst etwas für ihre
nen neun Jahre von 2005 bis 2014.               Mundgesundheit tun zu können (Selbstwirk-
                                                samkeitsprinzip). Dazu zählen die regelmä-
Befund und Verhalten                            ßige Mundpflege (Häufigkeit, Zeitpunkt und
Die Tendenzen bei den beiden Hauptkrank-        Dauer), der vermehrte Einsatz von Hilfsmit-
heiten der Zahnmedizin sprechen deutlich für    teln bei der Mundhygiene wie Zahnseide, re-
das vor 30 Jahren aufgesetzte Konzept der       gelmäßige Zahnarztbesuche „zur Kontrolle“
Morbiditätskompression. Es besagt, dass seit    und zur frühzeitigen Intervention sowie die
Anfang des 19. Jahrhunderts die Zeiten, in      steigende Nachfrage nach Professioneller
29                                                                      Morbiditätskompression

Zahnreinigung (PZR). Dies alles trägt zu e
                                         ­ iner     Parodontitis zu erkranken, sinkt für einen
                                                    ­
deutlichen Senkung des Risikos einer oralen         Menschen      zwischen    dem   65.    und    74.
Erkrankung bei.                                     Lebensjahr rechnerisch um den Faktor 3,4,
                                                    ­
     Der enge Zusammenhang von „Verhalten           wenn     er   Kontrolluntersuchungen     in   der
und Befund“ lässt sich anhand der Daten zur         Zahnarztpraxis     wahrnimmt,    nicht   raucht
Parodontitis bei jüngeren Senioren illus­           und seine Zahnzwischenräume regelmäßig
trieren.   Das   Risiko,   an   einer   schweren    pflegt und reinigt.

     Munderkrankungen verschieben sich in das höhere Lebensalter
     (Morbiditätskompression)

                    92,0 %                                          90,0 %
                    moderat:                                        moderat:
                     47,9 %                                         45,7 %
       22,1                          22,6 %                                      32,8 %
                     schwer:                             21,6       schwer:
                     44,1 %                                         44,3 %

     jüngere Senioren der DMS IV (2005)                 ältere Senioren der DMS V (2014)

     Alter 65                   70                 75                   80

           Karieserfahrung              moderate und schwere                 völlige
           (DMFT)                       Parodontalerkrankungen               Zahnlosigkeit

      Morbiditätskompression zeigt sich andererseits darin, dass ältere Senioren (75- bis
       Morbiditätskompression zeigt sich andererseits darin, dass ältere Senioren (75- bis
      100-Jährige) im Jahr 2014 in vielen Bereichen einen Mundgesundheitszustand wie die
       100-Jährige) im Jahr 2014 in vielen Bereichen einen Mundgesundheitszustand wie
      jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige) im Jahr 2005 haben: Verschiebung der
       die jüngeren Senioren
      Krankheitslasten          (65- Lebensalter
                       in das höhere  bis 74-Jährige) im Jahr 2005 haben: Verschiebung der
       Krankheitslasten in das höhere Lebensalter
30

Vergleiche
Deutschland weltweit
in Spitzenpositionen

Der internationale Vergleich von Mundge-        geringere Karieserfahrung als Kinder in ande-
sundheit ist aufgrund der Heterogenität der     ren    Ländern.    Bereits   das   drittplatzierte
verschiedenen Länder nicht einfach. Die         ­Kanada weist mit 1,0 einen doppelt so hohen
Unterschiede liegen unter anderem in der
­                                               DMFT-Wert aus wie Deutschland.
Verfügbarkeit und ­Aktualität der Daten, den          Bezüglich der Karieserfahrung bei jünge-
Strukturen der jeweiligen Gesundheitssys­       ren Erwachsenen (35- bis 44-Jährige) nimmt
teme und in den unterschiedlichen sozio­        Deutschland       mit   einem   DMFT-Wert    von
demografischen Verhältnissen. Die DMS V         11,2 einen guten Mittelplatz ein. Über diese
hat dennoch eine Gegenüberstellung zu sol-      Altersgruppe gibt es weltweit weniger ein-
                                                ­
chen Ländern vorgenommen, die einen mit         heitliches und aktuelles Datenmaterial als
Deutschland vergleichbaren soziodemogra­        über die der Kinder. Lediglich Spanien weist
fischen Hintergrund haben. Aus den kontras-     bei jüngeren Erwachsenen mit 6,8 einen
tiven Daten ergeben sich auch ­Erkenntnisse     ­einstelligen ­DMFT-Wert auf.
über die Leistungsfähigkeit von Gesundheits-          Auch die aktuelle Datenlage zur Karies­
systemen – mit einem klar erkennbaren           erfahrung bei jüngeren Senioren (65- bis 74-
Ergebnis: Die Mundgesundheit in Deutsch-
­                                               Jährige) ist weltweit geringer als die für die
land hat sich in den letzten Jahrzehnten        Gruppe der Kinder. Im internationalen Ver-
deutlich verbessert und nimmt in wichtigen      gleich teilt sich Deutschland mit einem
Bereichen die führende Rolle ein.               DMFT-Wert von 17,7 einen der vorderen
                                                ­
   Im Folgenden wird ein Vergleich der G7-      Plätze mit den USA. ­
                                                                    Bemerkenswert: Die
Staaten dargestellt.                            USA weisen in dieser ­Altersgruppe bei glei-
                                                chem Karieswert deutlich weniger fehlende
Karies im internationalen Vergleich             Zähne aus: USA 8,3 – Deutschland 11,1.
International liegt Deutschland beim Ver-             International zählt Deutschland mit deut-
gleich der Karies bei Kindern vorn: Mit einem   lich weniger Karieserfahrungen als in den
DMFT-Wert von 0,5 haben Kinder im Alter         meisten anderen vergleichbaren Ländern
von 12 Jahren hierzulande eine deutlich­        also zu den Spitzenreitern. Dies ist umso
31                                                                                                     Vergleiche

mehr eine positive Nachricht, da Karies als                            Parodontitis im
die weltweit ­häufigste Krankheit gilt. Global                         internationalen Vergleich
leiden mehr als 2,4 Milliarden Menschen an                             Zum internationalen Vergleich der Parodon-
unbehandelter Karies.                                                  talerkrankungen fokussiert die DMS V auf die
                                                                       Altersgruppen der 35- bis 44-Jährigen und

     Internationale Vergleiche (G7-Staaten)
                      Karieserfahrung                    moderate      schwere            völlige
                      (DMFT)1                            Parodontitis2 Parodontitis2      Zahnlosigkeit
                                 0,5                              48 %      10 %               12 %
                                 1,0                              52 %  3   21 %   3
                                                                                               22 %
                                 1,2                              13 %  3
                                                                            10 %   3
                                                                                               16 %
                                 1,1                              36 %      12 %               13 %
                                 1,4                              23 %      4%                    –
                                 0,7                              62 %      13 %               15 %
                                 1,2                               –           –               26 %
                               Kinder                         jüngere Erwachsene            jüngere Senioren
     1
       DMFT: Anzahl der kariösen (Decayed), fehlenden (Missing) und gefüllten (Filled) Zähne (Teeth)
     2 CPI - Fallklassifikation
     3
       Regionaldaten

         Deutschland erreicht im internationalen Vergleich Spitzenpositionen
         bei der Karieserfahrung und der Zahnlosigkeit
         Quelle: WHO, CAPP (Country/Area Profile Project), 2014
Vergleiche                                                                                  32

der 65- bis 74-Jährigen. Bei Kindern sind Pa-   Bei den jüngeren Senioren (65- bis 74-
rodontalerkrankungen zu selten und für die      Jährige) platziert sich Deutschland im inter-
Altersgruppe der 75- bis 100-Jährigen ist die   nationalen Vergleich mit 25 Prozent schwerer
Datenlage international nicht ausreichend       Parodontitis und 51 Prozent moderater Paro­-
für eine vergleichende Betrachtung.             dontitis nur auf den hinteren Plätzen. Hier
   Mehr als die Hälfte der jüngeren Erwach-     muss allerdings berücksichtigt werden, dass
senen leiden unter Parodontitis; allerdings     zu   diesem   Krankheitsbild    weltweit   nur
nur 10 Prozent unter schwerer Parodontitis      ­wenige aktuelle Vergleichsdaten vorliegen.
(Sondierungstiefen der Zahnfleischtaschen
ab 6 mm). Bei den schweren Parodontaler-        Zahnlosigkeit im
krankungen liegt Deutschland gemeinsam          internationalen Vergleich
mit Frankreich damit auf dem zweiten Platz      Erfreulicher ist ein anderes Ergebnis in dieser
hinter Japan mit lediglich 4 Prozent schweren   Altersgruppe: Lediglich 12 Prozent der jün-
Parodontalerkrankungen. Bei der moderaten       geren deutschen Senioren (65- bis 74-Jährige)
Parodontitis (Sondierungstiefen der Zahn-       haben keine eigenen Zähne mehr. Insbeson-
fleischtaschen von 4 bis 5 mm) nimmt der        dere für die Versorgung mit Zahnersatz spielt
Wert bei den jüngeren Erwachsenen dann          das insofern eine Rolle, als bei diesen Patien-
allerdings rapide zu (48 Prozent) und weist     ten nur noch herausnehmbarer Zahnersatz
Deutschland damit einen Platz im hinteren       (Vollprothesen) verwendet werden kann. Mit
Drittel zu. Spitzenreiter sind Frankreich,      diesem Wert führt Deutschland im interna­
­Japan und Italien.                             tionalen Vergleich vor Italien und Groß­
                                                britannien.
33

Vergleiche
Angleichung der Mundgesundheit
in Ost- und Westdeutschland

Unterschiede in der                                         Untersuchungen zeigte das zahnmedizini-
                                                            ­
Mundgesundheit in Ost und West                              sche Leistungsvermögen der unterschied­
Die Erste Deutsche Mundgesundheitsstudie                    lichen Gesundheitssysteme und die mögliche
(DMS I) aus dem Jahr 1989 wurde nach der                    Bedeutung von Risikofaktoren.
deutschen Einheit um eine Querschnitts­                         Die staatlich organisierte Gesundheits-
studie zum Mundgesundheitszustand und                       fürsorge – insbesondere durch die Kindersto-
-verhalten in Ostdeutschland (DMS II) im                    matologie – in der DDR zeigte bei den Kindern
Jahr 1992 ergänzt. Der Vergleich beider                     (12-Jährige) gute Erfolge: Durchschnittlich wie­-

                                                                                            West
     Ost-West-Vergleich der Mundgesundheit in
                                                                                              Ost
     Deutschland bei jüngeren Erwachsenen
                 DMS I/II (1989/92)         DMS III (1997)         DMS IV (2005)          DMS V (2014)
         Karies-       16,7                       16,1                   15,0
      erfahrung                                                                                     12,2
       (DMFT)1         13,4                       16,0                   14,4                       11,1
                         4,7                       5,2
         fehlende                                                        3,3                        2,1
           Zähne         3,8
                                                   3,9                   2,6                        1,7
                                                  58,3                   50,3
       ersetzte        60,5                                                                         41,8
     Zähne (%)
                       38,3                       53,8                   42,5                       38,1
     1
         DMFT: Anzahl der kariösen (Decayed), fehlenden (Missing) und gefüllten (Filled) Zähne (Teeth)

         Seit der deutschen Einheit ist es bei jüngeren Erwachsenen (35- bis 44-Jährige)
          Seit der deutschen Einheit ist es bei jüngeren Erwachsenen (35- bis 44-Jährige)
         zu einer Angleichung der Mundgesundheit gekommen
          zu einer Angleichung der Mundgesundheit gekommen
Vergleiche                                                                                                34

sen die Kinder in Ostdeutschland fast einen               führen. Auch die jüngeren Erwachsenen (35-
Zahn weniger mit Karieserfahrung auf. Auch                bis 44-Jährige) wiesen drei Zähne mehr ohne
der Anteil der 12-Jährigen mit kariesfreien               Karieserfahrung auf als in Westdeutschland.
Gebissen war damals höher als in West-                         Auf der anderen Seite waren bei der
deutschland. Diese Entwicklung ist unter an-              ­prothetischen Versorgung erhebliche Unter-
derem auf den verbreiteten Einsatz von Fluo­              schiede festzustellen. Der Anteil prothetisch
riden in Form von Tabletten oder zum Teil auch            ersetzter Zähne lag in Westdeutschland um
auf die Trinkwasserfluoridierung zurückzu-                22 Prozentpunkte höher. Hinzu kam, dass im

   Ost-West-Vergleich der Mundgesundheit in                                               West
   Deutschland bei Kindern                                                                 Ost

             DMS I/II1 (1989/92)          DMS III (1997)          DMS IV (2005)           DMS V (2014)

                    5,1                         2,6
     Karies-
  erfahrung         4,3                                                 1,1
                                                                                                   0,6
   (DMFT)2
                                                1,4                     0,7                        0,4

                                                                       72,4                        82,3
                                               48,4
   kariesfrei                                                                                      76,1
                  16,0
        (%)
                  12,4                                                 52,5
                                               23,2
   1
       13-/14-Jährige
   2
       DMFT: Anzahl der kariösen (Decayed), fehlenden (Missing) und gefüllten (Filled) Zähne (Teeth)

       Seit der deutschen Einheit ist es bei Kindern (12-Jährige) zu einer Angleichung
        Seit der deutschen Einheit ist es bei Kindern (12-Jährige) zu einer Angleichung
       der Mundgesundheit gekommen
        der Mundgesundheit gekommen
35                                                                                 Vergleiche

Alter von 35 bis 44 Jahren den Ostdeutschen      tausendwende deutlich. Die völlige Neuaus-
durchschnittlich bereits ein Zahn mehr fehlte    richtung des medizinischen Versorgungs­
als den Menschen im Westen.                      systems in den neuen Bundesländern könnte
                                                 dafür ein Grund sein.
Entwicklung der Mundgesundheit                      Mittlerweile ist aber doch eine nachhaltige
in Ost und West                                  Entwicklung hin zu einem West-Ost-Angleich
Seit den ersten beiden DMS-Studien ist es        bei der Mundgesundheit zu erkennen, sodass
aufgrund der Wiedervereinigung zu tiefgrei-      sich Kariesfreiheit und Karieserfahrung bei
fenden Veränderungen der wirtschaftlichen        Kindern in Deutschland nur noch geringfügig
und gesundheitspolitischen Situation in den      unterscheiden. Bei Erwachsenen zeigt sich
sogenannten neuen Bundesländern, aber            eine klare Angleichung bei der Karieserfah-
auch in Westdeutschland gekommen. Mit der        rung und bei der Anzahl fehlender Zähne.
Einführung der Individual- und Gruppenpro-       Auch das Bild bei der zahnprothetischen Ver-
phylaxe für Kinder und Jugendliche sowie         sorgung ist annähernd gleich.
durch die breitere Verfügbarkeit von Fluori-
den in den Zahnpasten trat ein dramatischer
Rückgang bei den Karieserkrankungen ein.
Dieser hat sich 1997 in der Dritten ­Deutschen
Mund­gesundheitsstudie (DMS III) sowohl bei
der ­
    Karieserfahrung als auch beim Anteil
karies­
      freier Gebisse gezeigt – und zwar in
West- wie in Ostdeutschland.
      Dennoch kann man an den DMS-III-­
Ergebnissen erkennen, dass die Mundge-
sundheit in Ost und West nicht unmittelbar
auf    einen   West-Ost-Angleich   zusteuerte,
vielmehr wird dieser Trend erst ab der Jahr-
Anhang                                                                                          36

Über die Methodik
der Studie

Die Deutschen Mundgesundheitsstudien des           Haupterkrankungen wurden Karies und Paro­
IDZ liegen aktuell in der fünften Auflage vor      dontitis detailliert erfasst. Daneben finden
(DMS V). Als sozialepidemiologische Groß-          sich andere nichtkariöse Zahnhartsubstanz-
studien erlauben die Untersuchungen als            defekte wie beispielsweise Erosionen oder
einzige eine repräsentative Beschreibung der       die Versorgung mit Zahnersatz in der Studie
Mundgesundheit der gesamten Bevölkerung            wieder. Schließlich sind auch Mundschleim-
in Deutschland.                                    hauterkrankungen erfasst, womit klinische
    Die Feldphase mit den zahnmedizinisch-         Untersuchungsaspekte zurückliegender DMS-
klinischen Untersuchungen und sozialwissen­        Studien aufgegriffen wurden.
schaftlichen Befragungen wurde im S
                                  ­ ommer             Weil sich die DMS-Studien als sozialepide­
2014      erfolgreich   abgeschlossen.   Befragt   miologische Surveys verstehen, werden die
wurden insgesamt 4.600 Teilnehmer per Zu-          zahnmedizinischen Erhebungen immer auch
fallsauswahl aus den Einwohner­meldeämtern         von einem Fragebogen begleitet. Dadurch
von 90 Untersuchungs­
                    gemeinden. Die Un-             können wichtige Aussagen zu verhaltensbe-
tersuchungen wie die E
                     ­ rhebungen zum Ge-           zogenen und krankheitsbedingten Zusam-
sundheitsverhalten waren freiwillig und ha-        menhängen herausgearbeitet werden. Die
ben die Daten­
             schutzvorgaben des Bundes­
                                      -            reprä­sentativen   versorgungsepidemiologi-
datenschutz­gesetzes erfüllt.                      schen Erkenntnisse aus der DMS V liefern
    Im Anschluss an die Interpretation der         wesentliche Informationen, um bestehende
Daten durch das IDZ und einen zahn­
                                  medi­            Behandlungsbedarfe    zu   identifizieren,   zu
zinischen Expertenkreis wurde die Studie im        fokus­
                                                        sieren und den Präventionsgedanken,
August 2016 in einer umfang­
                           reichen For­            der in den vergangenen Jahrzehnten durch
schungsmonografie der Öffent­lichkeit vorge­       Individual- und Gruppenprophylaxe vor a
                                                                                         ­ llem
stellt.                                            bei Kindern und Jugendlichen zu sehr guten
    Die DMS V orientiert sich methodisch an        Ergebnissen bei der Mundgesundheit geführt
den Vorgängerstudien und ermöglicht damit          hat, auf den gesamten Lebensbogen auszu-
Vergleiche über längere Zeiträume. Als orale       weiten.
37                                                                                Anhang

Autoren

Gesamtbearbeitung                           Prof. Dr. Thomas Kocher, Greifswald

PD Dr. A. Rainer Jordan, MSc.               Dr. Wolfgang Micheelis, Köln
Wissenschaftlicher Direktor des IDZ, Köln
                                            Prof. Dr. Ina Nitschke, Zürich
Dr. Wolfgang Micheelis, Dipl.-Sozw.
Sozialwissenschaftlicher Berater des IDZ,   Sarah Noffz, München
Köln
                                            Linda Scharf, München

Autoren                                     Prof. Dr. Ulrich Schiffner, Hamburg

Dr. Constanze Cholmakow-Bodechtel,          Dr. Svenja Schützhold, Greifswald
München
                                            Prof. Dr. Helmut Stark, Bonn
Elisabeth Füßl-Grünig, München
                                            Prof. Dr. Stefan Zimmer, Witten
Prof. Dr. Siegfried Geyer, Hannover

Prof. Dr. Katrin Hertrampf, Kiel

Prof. Dr. Thomas Hoffmann, Dresden

Dr. Birte Holtfreter, Greifswald

PD Dr. A. Rainer Jordan, Köln
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