Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald - Leistungsbericht 2018

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5 Im August 2018 wurde der Leiter des Lehrund Versuchsforstamts Arnsberger Wald, Günter Dame, in den Ruhestand verabschiedet. Sein Name und seine Person werden für viele Kolleginnen und Kollegen mit der Gründung des Lehrund Versuchsforstamts verbunden bleiben. Ich freue mich sehr, dass ich Ihnen den ersten Leistungsbericht des Lehrund Versuchsforstamts Arnsberger Wald vorlegen darf.

Beiträge aus unterschiedlichen Fachgebieten reflektieren das vergangene forstliche Jahr und stellen praxisnahe Methoden und Instrumente der naturnahen Bewirtschaftung unserer nordrhein-westfälischen Wälder vor. Ein Fokus unserer Forschung liegt dabei auf der Anpassung der Wälder an den Klimawandel, damit auch für unsere Folgegenerationen alle Leistungen des Ökosystems Wald sichergestellt werden.

Dass die Auswirkungen des Klimawandels nicht ferne Zukunft, sondern harte Realität sind, hat uns das Jahr 2018 eindrucksvoll vorgeführt. Mit dem Sturm „Friederike“ im Frühjahr und der sich anschließenden, bis in den Winter andauernden Dürreperiode wurde der Wald Nordrhein-Westfalens auf eine harte Probe gestellt – und ist dabei vielerorts schwer geschädigt worden. Besonders die Baumart Fichte hat gelitten und war und ist im Widerstand gegen den Borkenkäfer stark geschwächt.

Der Klimawandel hat weitreichende Folgen für unsere Wälder. Strategien, die unsere Wälder aktiv auf die Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten, sind notwendig.

Das neue Waldbaukonzept Nordrhein-Westfalen beinhaltet Empfehlungen, wie die Stabilität und Widerstandsfähigkeit der Wälder im Klimawandel Schritt für Schritt erhöht werden können, um so das Risiko für die Forstbetriebe zu verringern. Wer im Wald wirtschaftet, steht nun vor der Herausforderung, aus geschädigten Fichtenflächen zukunftsfähige Wälder zu erschaffen. Eine in Kürze erscheinende Broschüre zur waldbaulichen Behandlung von Kalamitätsflächen gibt praktische Hilfestellungen, wie mit destabilisierten Beständen umgegangen werden kann und dabei weitere Verluste von Holzerträgen minimiert werden können.

Ziel ist eine standortgerechte und klimaangepasste Wiederbewaldung auf naturnahem, aber dennoch ökonomisch vorteilhaftem Wege. Dies kann vorrangig mit strukturierten Mischbeständen aus überwiegend heimischen Baumarten geschehen. Ergänzend ist eine Anreicherung des heimischen Baumartenspektrums mit nicht-heimischen Baumarten aus Gründen der Klimaanpassung notwendig, soll aber in jedem Fall ökologisch zuträglich sein. Mehrere Forschungsprojekte des Lehrund Versuchsforstamts beschäftigen sich daher mit den sogenannten eingeführten Baumarten, an deren Anbauwürdigkeit strenge Maßstäbe angelegt werden müssen.

Dies soll nur ein Vorgeschmack auf die in diesem Leistungsbericht vorgestellten Projekte und Instrumente sein.

Vorwort 4 Vorwort Die Zeit bleibt nicht stehen, und so gibt es auch im Jahr 2019 zahlreiche interessante forstliche Veranstaltungen und Termine: n Durchführung der Veranstaltungsreihe „Arnsberger Waldforschung für die Praxis“ n 70 Jahre Waldarbeit in NRW im Wandel – durch Innovation in die Zukunft n Durchführung von Fortbildungen zum Waldbaukonzept NRW, zur natürlichen Verjüngung von Kalamitätsflächen, zum Waldumbau und vieles mehr n Mitwirkung an den DLG-Waldtagen in Lichtenau n Beteiligung an der LIGNA in Hannover n Durchführung der Tagung der Sektion Waldbau im Deutschen Verband Forstlicher Forschungsanstalten (DVFFA) im Nationalparkforstamt Eifel zum Schwerpunktthema „Was kann der naturnahe Waldbau von der Naturwaldforschung lernen?“ Mit diesem Ausblick auf das forstliche Jahr 2019 wünsche ich Ihnen eine interessante Lektüre.

Ihr Bertram Leder Arnsberg, im April 2019

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6 7 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 – Inhalt Inhalt Waldplanung, Waldinventuren, Waldbewertung KlimaWIS.NRW-FE startet Produktivbetrieb Berthold Mertens, Schwerpunktaufgabe Waldplanung, Waldinventuren, Waldbewertung 9 Sentinel-2 Satelliten eröffnen neue Möglichkeiten der Baumartenerkennung Berthold Mertens, Schwerpunktaufgabe Waldplanung, Waldinventuren, Waldbewertung 13 Ermittlung der Erholungsfunktion des Waldes Daniel Wagner, Schwerpunktaufgabe Waldplanung, Waldinventuren, Waldbewertung 15 Verbundprojekt: Erhalt bzw. Steigerung der nachhaltigen Holzproduktion unter Nutzung von Baumarten aus anderen biogeografischen Regionen Norbert Asche und Lisa Stange, Schwerpunktaufgabe Waldplanung, Waldinventuren, Waldbewertung 20 Waldbau und Forstvermehrungsgut Industriebrachen im Ruhrgebiet – Entwicklung von Waldbeständen Henning Witt und Bertram Leder, Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut 23 Stand des Projekts „Förderung der Weißtanne in NRW“ Karoline Flume, Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut 25 Saatgutvermarktung in NRW Johannes Jesch und Martin Rogge, Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut 28 Waldbaukonzept Nordrhein-Westfalen Heiner Heile, Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut 30 Floristische Diversität einer ehemaligen Sturmwurffläche – Zusammenfassung Bertram Leder und Henning Witt, Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut 36 Dokumentation und Beurteilung von eingeführten Baumarten im Klimawandel unter besonderer Berücksichtigung waldbaulicher, nutzungsorientierter und naturschutzrelevanter Aspekte Bertram Leder, Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut 39 Genetische Situation von Alteichen in NRW Martin Rogge, Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut 44 Anlage von Demonstrationsflächen (Marteloskopen) für das neue Waldbaukonzept NRW Carolin Stiehl, Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut 47 Nachhaltige Forstwirtschaft ist Klimaschutz Laura Panitz und Nina Grüner, Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald 50 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 – Inhalt Forstliche Dokumentationsstelle Forsthaus Broichen im Spiegel der Bauund Zeitgeschichte Bernward Selter und Michael Lange, Schwerpunktaufgabe Forstliche Dokumentationsstelle 53 Status-quo-Erfassung historischer Basisdaten der Wildnisgebiete in NRW Bernward Selter, Schwerpunktaufgabe Forstliche Dokumentationsstelle 57 Forstliches Bildungszentrum für Waldarbeit und Forsttechnik Zwei Herausforderungen annehmen! Zu den Prüfungen in der Berufsbildung Forstwirt/in im Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald Peter Wiese, Schwerpunktaufgabe Forstliches Bildungszentrum für Waldarbeit und Forsttechnik 63 Im Themenfeld ressourcenschonender Forstmaschineneinsatz rückt der Faktor Kohlenstoff stärker in den Fokus Elke Hübner-Tennhoff und Olaf Müller, Schwerpunktaufgabe Forstliches Bildungszentrum für Waldarbeit und Forsttechnik 67 Industrie 4.0 für den Cluster Wald und Holz – Umsetzung zukunftweisender Innovationen im Kompetenzzentrum Wald und Holz 4.0 Thilo Wagner, Schwerpunktaufgabe Forstliches Bildungszentrum für Waldarbeit und Forsttechnik 71 Lehrund Versuchsreviere Arnsberger Wald Bestandsermittlung beim Sikawild im Arnsberger Wald mithilfe der Scheinwerfertaxation Carsten Arndt, Lehrund Versuchsreviere Arnsberger Wald 77 Monitoring von Wildtierarten Carsten Arndt, Lehrund Versuchsreviere Arnsberger Wald 81

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9 KlimaWIS.NRW-FE startet Produktivbetrieb Berthold Mertens Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen werden vielfältige, oft widerstreitende Ansprüche an den Wald gestellt. Försterinnen und Förster müssen bei der Bewirtschaftung des Waldes und der Beratung der Waldbesitzer unterschiedlichste Informationen und Daten über den Wald berücksichtigen. Eine wichtige Grundlage für ihre Arbeit sind die Ergebnisse der alle zehn Jahre wiederholten detaillierten Inventur der betroffenen Waldbestände sowie die von den Forsteinrichtern formulierten Bewirtschaftungsvorschläge.

Das als Forsteinrichtung bezeichnete Werk liefert genaue Zahlen über vorkommende Baumarten, Holzvorräte und Zuwächse. Dem Kartenteil – der sogenannten Forstbetriebskarte – können die Försterinnen und Förster auf einen Blick entnehmen, welche Baumarten der Waldbestand enthält, wie alt sie etwa sind und welchem Waldbesitzer die konkrete Fläche gehört. Bis diese Datengrundlagen allerdings vorliegen, vergehen viel Arbeit und Zeit. Bisher ist es so, dass die Forsteinrichterinnen und Forsteinrichter mit verschiedensten Messwerkzeugen im Wald unterwegs sind, die erhobenen Daten in Papierbelege eintragen und diese dann im Büro in die EDV übertragen.

Die Forstbetriebskarten werden auch heute noch auf Papierluftbildern im Wald vorskizziert und dann von spezialisierten Kartographen in die EDV übertragen. Bei Medienbrüchen im Arbeitsprozess passieren Fehler, wie sich jeder vorstellen kann. Die Schwerpunktaufgabe Waldplanung, Waldinventuren, Waldbewertung des Lehrund Versuchsforstamts Arnsberger Wald blickt gespannt auf den 2019 startenden Produktivbetrieb des in den letzten drei Jahren neu entwickelten Forsteinrichtungswerkzeugs. Das wird in Zukunft einfacher werden. Im neuen Software-Werkzeug werden alle benötigten Fachund Geodaten konsequent in einer Benutzeroberfläche integriert.

Statt Papierbelege auszufüllen, können die Forsteinrichterinnen und Forsteinrichter demnächst die Daten direkt in einem outdoor-tauglichen Gerät bearbeiten. Wenn sie mit dem neuen Werkzeug KlimaWIS. NRW-FE arbeiten, haben Sie alle benötigten Kartengrundlagen digital dabei (Luftbilder, topographische Karten, die alte Forstkarte, Bodenkarten, Karten zur Befahrbarkeit der Wuchsbezirke, das Geländemodell, das Oberflächenmodell etc.). Möglich macht dies die moderne Datenhaltung bei IT.NRW, dem IT-Dienstleister für die Landesbehörden in NRW. Dort liegen die Walddaten in einer zentralen Datenbank.

Für eine konkrete Inventur werden sie aus dieser Datenbank exportiert und auf die mobilen Geräte geladen. Das gilt genauso für die oben angesprochenen digitalen Kartengrundlagen. Der für das Gebiet relevante Ausschnitt wird aus den von IT.NRW zur Verfügung gestellten WEB-basierten Kartendiensten praktisch ausgestanzt und auf das mobile Gerät kopiert. So sind alle benötigten Daten im Wald auf dem Gerät vorhanden, auch wenn keine Internetverbindung möglich ist. Abb. 1: Logo der neuen Software WALDPLANUNG WALDINVENTUREN WALDBEWERTUNG Abb. 2: Bildschirmansicht der neuen Forsteinrichtungs-Software

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10 11 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Aus dem in NRW im Rahmen der Open-DataStrategie frei verfügbaren Geländemodell (DGM1L) werden in der neuen Software für die Unterabteilung Höhenlage, Hangrichtung und Hangneigung automatisiert abgeleitet. Am Bildschirm kann der Nutzer aus den Daten des DGM1L für eine ausgewählte Profillinie ein Geländeprofil darstellen, bei dem die Steigung durch unterschiedliche Farbtöne visualisiert wird. Da auch das Oberflächenmodell (DOM1L) und das Differenzmodell (nDOM) zur Verfügung stehen, kann neben dem Geländeprofil auch die Höhe des Aufwuchses dargestellt werden.

Mit diesen Werkzeugen kann sich der Forsteinrichter oder die Forsteinrichterin bereits vor der Inventur im Wald einen ersten Überblick über das Gelände und über die Struktur der aufzunehmenden Waldbestände verschaffen. Bei der Inventur im Wald können die Daten dann ebenfalls genutzt werden. Der Forsteinrichter bekommt für die Arbeit mit dem mobilen outdoor-tauglichen Gerät ein sogenanntes „Datenprovider-Paket“. Das Paket enthält neben den Daten der zurückliegenden Forsteinrichtung (sofern vorhanden) auch alle für das entsprechende Gebiet verfügbaren und relevanten sonstigen Daten. Dazu gehören zum Beispiel Informationen über den Stand der Landschaftsplanung, über vorhandene Naturwaldzellen, die ALKIS-Daten, die Daten der forstlichen Bodenkartierung BK5F, die Abgrenzung von Schutzgebieten und geschützten Biotope aus der Landschaftsinformationssammlung des LANUV, die Abgrenzung der Wuchsgebiete und Wuchsbezirke, die Informationen zur Befahrbarkeit, die NavLog-Daten, die topographischen Karten, die Schummerungskarte, die hochauflösenden Orthofotos (RGB und CIR) sowie die bereits genannten Daten des Laserscanning (DGM, DOM und nDOM).

In dem neuen Werkzeug werden viele Arbeitsprozesse der Forsteinrichtung ganz oder teilweise automatisiert. Das geht bereits bei der Besitzstandserfassung los. Durch Verschneidung der ALKIS-Daten mit der Waldeinteilung der bestehenden Forsteinrichtung kann der Forsteinrichter die wahrscheinlich zu berücksichtigenden Flurstücke mit wenigen Mausklicks vorauswählen. Die Software bietet ebenfalls die Möglichkeit, Mitgliederlisten von Forstbetriebsgemeinschaften oder Flurstückslisten einzulesen und darüber den Besitzstand herzuleiten. Das, was bisher mit separaten EDV-Werkzeugen gemacht werden musste, kann nun mit demselben Werkzeug erledigt werden, mit dem auch der restliche Prozess bearbeitet wird.

Die Software bietet mit der Funktion „Geometrieverbesserung“ auch eine Möglichkeit, die bestehende Waldeinteilung an die Flurstücksgrenzen automatisiert anzupassen. Das macht ein Neuzeichnen der Waldeinteilung bei aktualisierten Katasterdaten in manchen Fällen komplett entbehrlich. Wo früher Kartographen mit separaten Programmen Druckvorlagen für die Forstbetriebskarten gezeichnet haben, können heute entsprechende PDF-Dateien direkt aus der Datenbank heraus erstellt werden. Kartenrahmen und Legende werden automatisch erzeugt und die Beschriftung automatisch so intelligent platziert, dass in der Regel keine händische Nachbearbeitung mehr notwendig ist.

Funktionen zur Hiebsatzherleitung, zur Erstellung von Berichten und zum Export der Sachdaten nach MS Excel sind Standardfunktionalitäten eines Forsteinrichtungswerkzeuges und müssen hier nicht gesondert beschrieben werden. Der heute noch vielfach gebrochene Arbeitsprozess der Datenerfassung (Vorkolorit, Datenbögen, EDV-Eingabe, Kartographiearbeiten) kann künftig in einer Software von ein und derselben Person gemacht werden. Damit werden vielfältige Fehlerquellen ausgemerzt. Überspitzt formuliert könnte es zukünftig so sein, dass der Forsteinrichter mit den Arbeiten fertig ist, wenn er den Waldbestand wieder verlässt.

Technisch ist das neue Forsteinrichtungswerkzeug des Landesbetriebes Wald und Holz NRW zentral bei IT.NRW angesiedelt. Kernstück ist die zentrale Forsteinrichtungsdatenbank mit den Forsteinrichtungsdaten aller seit dem Jahr 2008 eingerichteten Betriebe (Staatswald und Betreuungswald). Bei IT.NRW läuft ebenfalls die CITRIX-Version der Software KlimaWIS.NRW-FE auf einem Applikationsserver.

Grundlage für alle Arbeiten mit den Forsteinrichtungsdaten ist das objektorientierte, anwendungsunabhängige Datenschema ForestGML. Im Innendienst haben die Forsteinrichter von Wald und Holz NRW die Möglichkeit, online über das Landesverwaltungsnetz auf die zentrale Forsteinrichtungsdatenbank zuzugreifen, dort bestimmte Datensätze für eine Bearbeitung auszuchecken und nach der Bearbeitung durch den Außendienst wieder einzuchecken. Die Arbeit mit den Forsteinrichtungsdaten wird dabei durch ein Rollenkonzept geregelt. Der Datenaustausch erfolgt in Form von GML-Dateien.

Das Forsteinrichtungswerkzeug wurde vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW in Zusammenarbeit mit einem externen IT-Konsortium, u.

a. mit Beteiligung der RWTH Aachen, entwickelt und umgesetzt. Über eine Projektmanagementgruppe waren alle Fachbereiche von Wald und Holz NRW sowie IT.NRW in die Entwicklung eingebunden. Diese Beteiligung reichte dabei Abb. 3: Darstellung eines Geländeprofils und eines Höhenprofils entlang einer Profillinie Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Abb. 4: Automatisiert erzeugte Forstbetriebskarte

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12 13 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 von der Abstimmung eines Pflichtenheftes über die Entwicklung des Datenmodells bis hin zur Anbindung an die bisherigen EDV-Systeme von Wald und Holz NRW. Im Rahmen einer agilen Softwareentwicklung wurde die Software Schritt für Schritt entwickelt. In regelmäßigen Abständen wurden Prototypen ausgeliefert und von einem Projekt-Kernteam aus der Schwerpunktaufgabe Waldplanung und dem Team IT/ Geodaten getestet. Sachkosten und Fremdleistungen für die Entwicklung wurden vom Umweltministerium durch Sonderzuweisungen an den Landesbetrieb getragen, Personalkosten von Wald und Holz NRW selbst.

Die Projektleitung lag bei der Schwerpunktaufgabe Waldplanung, Waldinventuren, Waldbewertung im Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald. Die Umsetzung erfolgt in fachlichem Austausch mit der Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz, die mit „GRIPS-RLP“ ein vergleichbares Verfahren realisiert hat. Für 2019 stehen Schulungen der Forsteinrichterinnen und Forsteinrichter sowie erste Schritte für eine Weiterentwicklung der Software an.

Sentinel-2 Satelliten eröffnen neue Möglichkeiten der Baumartenerkennung Berthold Mertens Im Rahmen des Pilotprojekts hat die GAF AG 2018 ein Verfahren zur automatisierten Erkennung der Baumarten Fichte, Buche, Eiche, Douglasie und Kiefer aus Fernerkundungsdaten (vor allem aus Satellitenbildern) entwickelt und demonstriert. Testgebiet waren die Forstbetriebsbezirke Aulgasse und Rodder des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft. Anders als in einem bereits laufenden Projekt sollte hier nicht nur die Unterscheidung zwischen Laubwald, Nadelwald, Mischwald und Gehölz getroffen werden, sondern es sollte eine Karte mit dem Vorkommen der oben genannten fünf Hauptbaumarten automatisiert aus den Daten erstellt werden.

Dafür wurde von der GAF AG ein maschinelles Lernverfahren entwickelt, bei dem die erkannten Strukturen in Satellitenbildern mit Strukturen in Referenzflächen verglichen werden. Als Referenzflächen dienten Reinbestände der genannten Baumarten in den Forstbetriebsbezirken Aulgasse und Rodder. Diese wurden von der Schwerpunktaufgabe Waldplanung, Waldinventuren, Waldbewertung anhand der Forsteinrichtungsdaten und anhand einer VorOrt-Prüfung mit den zuständigen Revierleitern ausgewählt und zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Hauptbaumarten mit recht hoher Genauigkeit automatisiert aus Satellitenbildern abgeleitet werden können.

In dem kleinräumigen Testgebiet werden für dichtere Zeitreihen teils sehr hohe Werte erreicht (Douglasie 81 %, Buche 87 %, Eiche 89 %, Kiefer 91 %, Fichte 92 %). Dies war trotz der sorgfältigen Datenauswahl und der guten Abdeckung des Gebietes mit verwertbaren Satellitenbildern nicht unbedingt zu erwarten. Als besonders wichtig für die Erkennung der hier untersuchten Baumarten erwies sich die Auswahl geeigneter Termine. So spielt zum Beispiel der Zeitpunkt des Laubaustriebs für die Unterscheidung zwischen Eiche und Buche eine wichtige Rolle. Wenn zu diesem Zeitpunkt verwertbare Satellitenbilder vorhanden sind, Gemeinsam mit der GAF AG hat die Schwerpunktaufgabe Waldplanung, Waldinventuren, Waldbewertung des Lehrund Versuchsforstamts Arnsberger Wald 2018 ein Pilotprojekt zur satellitengestützen Baumartenerkennung umgesetzt.

können diese beiden Baumarten recht gut unterschieden werden. Die entwickelten Karten können in dem oben beschriebenen Forsteinrichtungswerkzeug KlimaWIS.NRW-FE zur automatisierten Ableitung von Baumartenzeilen im Rahmen der Forsteinrichtung verwendet werden. Das heißt, dass Forsteinrichterinnen und Forsteinrichter bei ihrer Inventur im Wald bereits vom Programm vorgeschlagen bekommen, welche Hauptbaumarten mit welchem Alter, welcher Ertragsklasse und welchem Mischungsanteil in einem Waldbestand vorhanden sind. Diese Angaben können sie dann prüfen, korrigieren oder ganz verwerfen.

In der Darstellung auf der nächsten Seite ist die im herkömmlichen Verfahren erstellte Forstbetriebskarte einmal der aus Satellitenbildern abgeleiteten Karte gegenübergestellt.

Hier wird deutlich, dass eine Forsteinrichtung auch zukünftig nicht nur am Bildschirm gemacht werden kann. Deutlich wird aber auch, dass die Fernerkundung gerade bei der Inventur von bisher nicht eingerichteten Gebieten eine große Hilfe sein kann. Abb. 1: Klassifikation der Waldtypen im Testgebiet, FF-Selektion 2018 (vgl. Abschlussbericht der GAF AG vom 27. November 2018) Abb. 5: IT-Struktur und Anbindung an bisherige EDV-Systeme von Wald und Holz NRW

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14 15 Aktuell beschäftigen sich verschiedene Forschungseinrichtungen mit der Ableitung von Waldstrukturen aus Satellitendaten. Begünstigt wird dies dadurch, dass jetzt die Satellitenbilder der Sentinel 2-Satelliten kostenlos zur Verfügung stehen. NRW stellt zudem im Rahmen der Open-Data-Strategie auch die Daten des Laserscanning kostenlos zur Verfügung. Damit sind gute Voraussetzungen geschaffen, gerade in Nordrhein-Westfalen bei der automatisierten Baumartenerkennung aus Fernerkundungsdaten in den nächsten Jahren einige Schritte weiterzukommen.

Das Projekt wurde durch eine Sonderzuweisung des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums finanziert.

Die Projektleitung lag bei der Schwerpunktaufgabe Waldplanung, Waldinventuren, Waldbewertung des Lehrund Versuchsforstamts Arnsberger Wald. Mitgewirkt haben das Team IT/Geodaten aus Münster sowie die Leiter der Forstbetriebsbezirke Aulgasse und Rodder des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft. Abb. 2: Vergleich der nach dem herkömmlichen Verfahren erstellten Forstbetriebskarte mit der aus Satellitendaten abgeleiteten Karte Ermittlung der Erholungsfunktion des Waldes Daniel Wagner Die Ermittlung der Erholungsfunktion für Nordrhein-Westfalen erfolgte in einem zweistufigen Verfahren. In einem ersten Schritt wurden von 2016 bis 2017 Flächen mit einem Verdacht auf eine besondere Funktion für die Erholung digital abgeleitet.

Dazu wurden 17 verschiedene Kriterien definiert und auf die gesamte Waldfläche des Landes angewandt. Anschließend fand eine Überprüfung und Anpassung der Erholungsfunktion durch die Forstbetriebsbeamtinnen und Forstbetriebsbeamten des Landesbetriebes Wald und Holz statt. Das Verfahren wurde zunächst pilotiert und ab Juni 2018 landesweit angewandt.

Nach den Empfehlungen aus dem bundeseinheitlichen Leitfaden wurde ein Verfahren entwickelt, dass im Wesentlichen auf einer vermuteten Korrelation von definierten Kriterien mit der Waldbesucherzahl in angrenzenden Waldgebieten basiert. Die zugrundeliegenden Daten stammen dabei aus einer Vielzahl von Datensätzen (Abbildung 1), die miteinander kombiniert werden. Insgesamt wurden 17 verschiedene Kriterien definiert, die auf eine Nutzung von Waldgebieten zum Zwecke der Erholung hindeuten oder eine Nutzung zum Zwecke der Erholung attraktiv erscheinen lassen. Im Leitfaden zur Kartierung der Schutzund Erholungsfunktion des Waldes ist die Erholungsfunktion folgendermaßen definiert: „Eine besondere Erholungsfunktion leisten im regionalen Vergleich überdurchschnittlich stark besuchte Wälder (Erholungsfunktionsstufe II).

Eine darüber hinausgehende, außerordentliche Erholungsfunktion haben Wälder und Waldflächen, die so intensiv besucht werden, dass ihr forstliches Management maßgeblich von der Erholung mitbestimmt wird (Erholungsfunktionsstufe I).“ Abb. 1: Datengrundlage zur digitalen Ableitung von Waldflächen mit Verdacht auf eine besondere Funktion für die Erholung der Bevölkerung Amtliches TopographischKartographisches Informationssystem Waldfläche, Wald, Gehölz, Vegetationsmerkmal, Gewässer, Fließgewässer, Stillgewässer, Freizeitanlage, Safaripark, Wildpark, Freizeitpark, Freilichttheater, Freilichtmuseum, Wochenendund Ferienhausfläche, Campingplatz, Grünanlage, Park, Kleingarten, Siedlungsflächen, Wohnbaufläche, Fläche gemischter Nutzung, Straßenachse, Fahrwegsachse, Parkplätze, Ortslage, Tagebau, Grube, Steinbruch, Industrieund Gewerbeflächen, Landwirtschaftliche Nutzfläche, Sonstiges Recht, Truppenübungsplätze Freizeitkataster NRW Wanderwege, Premiumwanderwege, Aussichtspunkte, Aussichtsturm, Kirchenruine/Klosterruine, Schloss/Burg, Schloss/Burgruine, Schutzhütte, Steingrab, Technische Sehenswürdigkeit, Wassermühle, Windmühle OpenStreetMap Gastronomie, Informationstafeln, Mülleimer, Wegekreuze, Schutzhütten, Spielplätze, Bänke, Wege Sonstiges Radwegenetz, Staatlich anerkannte Kurund Erholungsorte, Zensusdaten zur Einwohneranzahl und -verteilung, EU-Badegewässer, Navlog-Wege Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018

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16 17 Die Überprüfung der digital abgeleiteten Waldflächen mit einem Verdacht auf eine besondere Funktion für die Erholung erfolgte durch die Försterinnen und Förster in den jeweiligen Revieren. Zu diesem Zweck wurde eine browserbasierte GIS-Anwendung entwickelt, in der die klassifizierten Waldflächen nach Ihrer vermuteten Bedeutung für die Erholung dargestellt werden. Bei Abweichungen zwischen dem digital abgeleiteten Ergebnis und den Einschätzungen der ortskundigen Personen fand eine Anpassung des Ergebnisses statt. Die Anpassungsprozesse wurden in der Anwendung dokumentiert und durch die Försterinnen und Förster begründet.

Durch das angewandte Verfahren wurde die Erholungsfunktion landesweit nach einheitlichen Kriterien digital abgeleitet. Die ortskundigen Forstbetriebsbeamtinnen und -beamten haben diese Fläche überprüft und an die tatsächlich örtlich vorhandene Frequentierung des Waldes durch Waldbesuchende angepasst. Die Ansprüche an eine möglichst objektive Ermittlung dieser Waldfunktion konnten, ohne die örtliche Expertise in der Fläche außer Acht zu lassen, mit dem Verfahren erfüllt werden.

Digitale Ableitung von Lärmschutzwald Im Rahmen der Neuerstellung der Waldfunktionenkarte wurde ein Verfahren ermittelt, mit dem Lärmschutzwald automatisiert abgeleitet werden kann.

Das Verfahren wird im Folgenden skizziert. Definition: „Wald, der dem Lärmschutz dient, soll negativ empfundene Geräusche von Wohn-, Arbeitsund Erholungsbereichen durch Absenkung des Schalldruckpegels dämpfen oder fernhalten. Neben dieser messbaren Schallminderung besitzen auch schmale Waldstreifen aufgrund der optischen Abschirmung der Lärmquelle eine subjektiv empfundene Dämmwirkung für die Betroffenen.“ (Leitfaden WFK 2015) Lärmschutzwald wird kartiert, wo ein schützenswertes Objekt innerhalb der Grenzen eines Schallpegelbereichs von entweder > 55 dB(A) LDEN oder > 45 dB(A) LNight liegt.

Dies sind auch die Bereiche, die bei der Lärmkartierung gemäß 34. BImSchV (Bundeslärmschutzverordnung) mit Isophonen-Bändern (Kurven gleicher Lautstärkepegel) dargestellt werden. Schützenswerte Objekte liegen unter Anlehnung an § 47a BImSchG insbesondere in: n bebauten Gebieten, n öffentlichen Parks oder anderen ruhigen Gebieten eines Ballungsraums, n der Umgebung von Schulgebäuden, Krankenhäusern und anderen schutzwürdigen Gebäuden und Gebieten, die dem Aufenthalt von Menschen dienen.

Jeder Wald zwischen dem zu schützenden Objekt und der Schallquelle, in der die genannten Zielwerte überschritten werden, wird kartiert. Dazu gehören auch Waldflächen, die angrenzenden Wald mit besonderer Erholungsfunktion (siehe Abschnitt 3) vor Umgebungslärm schützen (vgl. Sondergutachten des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen 1999). Im Leitfaden zur Kartierung der Schutzund Erholungsfunktion des Waldes heißt es zur Ermittlung dieser funktionalen Waldfläche: „Die Abgrenzung vom Lärmschutzwald kann unter Einsatz von GIS-gestützten Verfahren erfolgen. Dabei werden die in der Lärmkartierung festgelegten Isophonen-Bänder mit dem vorhandenen Wald und den Schutzobjekt-Bereichen verschnitten.“ (Leitfaden WFK 2015) Problematisch sind dabei jedoch Waldbereiche, die sich zwar in den Isophonen-Bändern befinden und auch unmittelbar an ein Schutzobjekt angrenzen, jedoch auf der schallabgewandten Seite des Schutzobjektes liegen.

Es wurde daher nach einem Verfahren gesucht, mit dem sich ausschließlich der Wald zwischen Schallquelle und Schutzobjekt ermitteln lässt. Dies erforderte eine umfangreiche Datenanalyse und -bearbeitung in mehreren Schritten: In einem ersten Schritt wurden die Schallquellen herangezogen, um damit Richtungsund Entfernungsraster zu erzeugen. Das Richtungsraster enthält für jede Rasterzelle einen Wert in Grad (0 bis 360). Dieser gibt die Richtung zur nächstgelegenen Schallquelle an. Im Entfernungsraster enthält jede Zelle die Entfernung zur nächstgelegenen Schallquelle in Meter. In Abbildung 3 ist ein Entfernungsund Richtungsraster beispielhaft aufgeführt.

Entsprechende Rasterberechnungen wurden für Bundesautobahnen, sonstige Straßen, Schienenwege des Bundes und sonstige Schienenwege vorgenommen.

Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Abb. 2: Browserbasierte GIS-Anwendung zur Überprüfung der Erholungsfunktion (Erholungsfunktions-APP) Abb. 3: Richtungsund Entfernungsraster zur Ermittlung der relativen Lage von Schutzobjekt und Lärmquelle Richtungsraster Grad 0 - 45 46 - 90 91 - 135 136 - 180 181 - 225 226 - 270 271 - 315 316 - 360 Entfernungsraster Meter bis zur Schallquelle 1 - 710 711 - 1.776 1.777 - 3.197 3.198 - 4.973 4.974 - 7.815 7.816 - 13.143 13.144 - 21.669 21.670 - 36.588 36.589 - 90.582

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18 19 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Daneben wurden alle Schutzobjekte (ATKISObjektartenauswahl) innerhalb der Schallpegelbereiche selektiert und zur weiteren Analyse aufbereitet. Den bearbeiteten Schutzobjekten wurden in einem Abstand von 10 m zusätzliche Stützpunkte hinzugefügt. Die Werte aus dem Richtungsund Entfernungsraster wurden dann auf die Punkte übertragen. Den Punkten wurden weiterhin Angaben zur Lage im Raum (Xund Y-Werte) hinzugefügt.

Aus diesen Punktinformationen der Schutzobjekte konnten dann Linien in Richtung der Schallquelle erzeugt werden.

Die Länge der Linie entspricht der Entfernung des Punktes zur Schallquelle. Auf Basis aller Linien eines Schutzobjektes wurden dann Flächen berechnet, die diese Linien begrenzen. Das Ergebnis des Vorgehens ist beispielhaft in Abbildung 4 aufgeführt. Durch das beschriebene Vorgehen kann der Wald zwischen Lärmquelle und Schutzobjekt ermittelt werden. Im Ergebnis wird dabei jedoch die Leistung von angrenzenden Waldbereichen in Bezug auf eine potenzielle Lärmminderung unterschätzt. Es wurde daher ein zusätzliches Verfahren gesucht, mit dem der Suchbereich für Lärmschutzwald realistischer abgebildet werden kann.

Das ermittelte additive Verfahren geht dabei konzeptionell auf die Methodik zur Ausweisung von Lärmschutzwald im Leitfaden zur Kartierung der Schutzund Erholungsfunktion des Waldes von 2003 zurück. Zur Ermittlung des Lärmschutzwaldes wurden hier ideelle Betrachtungsradien in Abhängigkeit des Straßentyps definiert. So wurde für Bundesautobahnen der Wirkbereich des Straßenlärms auf 1.500 m festgelegt. Für alle übrigen vielbefahrenen Straßen wurden 1.000 m betrachtet. Die konzeptionelle Herangehensweise des im alten Leitfaden beschriebenen Verfahrens lässt sich grundsätzlich in einem Geoinformationssystem automatisiert umsetzen.

Dafür wird zunächst der Wirkbereich des Umgebungslärms für die zu betrachtenden Lärmquellen geschätzt. Als Wirkbereich ist in diesem Zusammenhang die Breite aller Isophonen zu verstehen. Die halbe Breite der Isophonen um eine Bundesautobahn ist in der Regel geringer als 1.000 m. Bei allen übrigen Straßen ist der Wirkbereich selten größer als 500 m. Vom Schutzobjekt ausgehend wird ein ideeller Radius / eine Schenkellänge definiert, welche deutlich unter den Empfehlungen des alten Leitfadens liegen. Es werden folgende Schutzbereiche definiert: n Bundesautobahnen 1.000 m, n Schienen des Bundes 1.000 m, n alle anderen Straßen 500 m, n sonstige Schienenwege 300 m.

Die genannten Radien entsprechen der Schenkellänge eines Dreiecks. Der vom Schutzobjekt ausgehende Winkel ist dabei nicht konstant, sondern wird in Abhängigkeit der Entfernung zur Lärmquelle für jedes Schutzobjekt gesondert berechnet: Der Bereich innerhalb der Isophonen zwischen Schutzobjekt und Lärmquelle dient als Suchraum für Wald mit einer besonderen Funktion für den Schutz vor Umgebungslärm. In Abbildung 5 ist die Berechnung des distanzabhängigen Winkels zur Definition des Suchraums beispielhaft aufgeführt. Dem Wald innerhalb der objektbezogenen Suchräume wird eine besondere Funktion für den Schutz vor Umgebungslärm zugewiesen.

Mit dem skizzierten Verfahren wurden Waldbereiche ermittelt, die eine besondere Leistung in Bezug auf die Absorption von Schallemissionen erfüllen.

Abb. 5: Skizze und Formel zur Berechnung des entfernungsabhängigen Winkels Abb. 4: Beispielhafte Darstellung zur objektbasierten Ermittlung des Suchraums für Wald mit einer besonderen Lärmschutzfunktion

20 21 Ob dies in Zukunft möglich ist, ist ungewiss, weil die Waldzustandserhebung auf erhebliche Beeinträchtigungen der Vitalität der Waldbäume hinweist, bisher unbekannte Pilze zum Absterben wichtiger Waldbaumarten führen und Veränderungen von Standortmerkmalen durch Bodenversauerung und Trockenstress die Produktivität der Wälder beeinflussen. Welche dramatischen Auswirkungen Trockenstress auf unsere Wälder hat, wurde im trocken-heißen Jahr 2018 deutlich.

Insbesondere die Fichte ist auf mehreren Tausend Hektar durch Trocknis und Borkenkäferbefall abgestorben. Und bei dem erwarteten Klimawandel wird das Risiko, mit der Fichte erfolgreich zu wirtschaften, eher zuals abnehmen. Um auch in Zukunft die Holzproduktion zu sichern, ist es erforderlich, vitale, standortgerechte Baumarten aus anderen biogeografischen Regionen am Waldaufbau zu beteiligen und in unsere Wälder zu integrieren. Während die Kenntnisse über den Anbau von Douglasien, Lärchen und Roteichen recht gut sind, ist das Wissen über andere in ihrer Heimat leistungsstarke Baumarten (u.a.

Küstenmammutbaum, Westliche Hemlock, Küstentanne, Atlaszeder, Edelkastanie) noch unzureichend.

Um die Kenntnisse über die Vitalität, Wuchsleistung und waldbauliche Behandlung zu verbessern, wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) ein Projekt im Arnsberger Wald und im Weserbergland gefördert. Projektpartner ist der Landesverband Lippe. Das Fördervolumen beträgt insgesamt 1,2 Mio. Euro für die Projektlaufzeit von drei Jahren. Am 19. April 2018 wurde in Lemgo eine Fachtagung zum Thema mit rund 100 Teilnehmern ausgerichtet.

Im Frühjahr 2018 wurden angepflanzt: Nadelhölzer: Atlaszeder (Cedrus atlantica), Küstentanne (Abies grandis), Hemlocktanne (Tsuga heterophylla), Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens), Gebirgsmammutbaum (Sequoiadendron giganteum), Sicheltanne (Cryptomeria japonica) – aufgrund von Lieferschwierigkeiten Pflanzung im Frühjahr 2019: Araukarie (Araucaria araucana); Laubhölzer: Baumhasel (Corylus colurna), Esskastanie (Castanea sativa), Platane (Platanus acerifolia), Orientbuche (Fagus orientalis).

Ein erstes Ergebnis der Untersuchung ist, dass die im April angelegten Kulturen (26 ha) trotz der extremen Trockenheit gut angewachsen sind, einige Baumarten erstaunliche Höhenzuwächse zeigen und lediglich Küstenmammutbaum, Platane und Baumhasel mit 20–50 % überdurchschnittliche Ausfallraten aufweisen. Über die Ergebnisse der Etablierungsphase der Kulturen dieser Baumarten aus anderen biogeografischen Regionen wird auf einer Tagung im Jahr 2020 ausführlich informiert. Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Verbundprojekt: Erhalt bzw.

Steigerung der nachhaltigen Holzproduktion unter Nutzung von Baumarten aus anderen biogeografischen Regionen Norbert Asche und Lisa Stange Holz ist ein wichtiger nachwachsender Rohstoff, der u.a. in der Bau-, Möbelund Energiewirtschaft Verwendung findet. Der aktuelle Bedarf für die Menschen in NRW kann nur zu ca. 30 % durch die Holzernte in heimischen Wäldern gedeckt werden. Hier ist es sowohl aus ökologischen als auch aus ökonomischen Gründen sinnvoll, die Produktion in den heimischen Wäldern auf diesem Niveau zu halten bzw. zu steigern.

Abb. 1: Anlage der Kulturen bei Temperaturen auf der Fläche von ca. 30°C, 20. April 2018 Abb. 2: Kultur der Edelkastanie in Stemel, 5. Juli 2018 Abb. 4: Vorstellung des Projekts zur Tagung am 19. April 2018 Abb. 3: Atlaszeder, vital mit ca. 12 cm Jahreszuwachs, 13. September 2018

23 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Industriebrachen im Ruhrgebiet – Entwicklung von Waldbeständen Henning Witt, Bertram Leder Nach mehreren Jahren Unterbrechung konnte das Industriewald-Projekt im Sommer 2017 fortgesetzt und in der gleichen Modulaufteilung erneut untersucht werden.

Zu diesen Modulen gehören „Boden“ (Ruhr-Universität Bochum), „Fauna“ (Fa. Hamann und Schulte), „Flora/ Vegetation“ (Biologische Station westliches Ruhrgebiet e.V.) und „Waldstruktur“ (Wald und Holz NRW, Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut).

Für die Projektfortsetzung 2017 mussten zunächst die alten Dauerbeobachtungsflächen wieder eingemessen werden, um allen Modulen den Wiedereinstieg zu ermöglichen. Zu den Zielen des Moduls „Waldstruktur“ gehörten die Erforschung des Entwicklungsgangs von Waldbeständen auf brachgefallenem Industriegelände und die Einschätzung des dort möglichen Wuchspotenzials der Bäume. Hierfür erfolgte dann nach 16 Jahren eine angepasste Wiederholungsaufnahme. Besonderes Augenmerk galt dabei den Gehölzarten mit ihrer Durchmesser-, Stammzahlund Höhenentwicklung. In der weiteren Auswertung wurden auch die Entstehungsart der Gehölze und der Totholzanteil betrachtet.

Neben der Erhebung von Messdaten wurde die Flächenentwicklung zudem mit Fotos (vgl. Abbildungen 1 und 2) dokumentiert.

Mittels der Messungen von 2001 und 2017 konnte insgesamt die Entwicklung einer Vielzahl von Gehölzarten auf den Dauerbeobachtungsflächen erfolgreich beobachtet und bezogen auf die einzelne Art interpretiert werden (vgl. Abbildungen 3 und 4). Dabei wurden anthropogen oder abiotisch verursachte Besonderheiten auf einzelnen Flächen nicht außer Acht gelassen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich einige der betrachteten Versuchsflächen jeweils typischen, aufeinanderfolgenden Stadien der Sukzession zuordnen lassen und auch eine begrenzte Prognose ihrer nächsten Entwicklungsstadien möglich ist. In den anderen Fällen ist eine Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park von 1995 wurde das Projekt „Restflächen in der Industrielandschaft“, später auch „Industriewald-Projekt“ genannt, begonnen.

2001 wurden hierfür sechs verschiedene Dauerbeobachtungsflächen auf dem Gelände der ehemaligen Zechen Alma, Rheinelbe und Zollverein angelegt und getrennt nach verschiedenen Modulthemen erstmalig untersucht.

derart gerichtete Entwicklung jedoch aufgrund menschlicher Einflüsse nicht erkennbar, oder es ist noch unklar, ob die Fläche bedingt durch die anthropogen überformten Bodentypen die dafür notwendigen Voraussetzungen mitbringt. Daher können mit der Fortführung noch ausstehender und dem Beginn weiterer Untersuchungen durch die Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut im Modul „Waldstruktur“ die Erkenntnisse, wie die Wiederbewaldung und Waldentwicklung auf Industriebracheund Haldenstandorten abläuft, in den nächsten Jahren weiter vervollständigt werden.

Abb. 1: Rheinelbe III (2001) – Noch deutlicher Vorsprung der Birke in Zahl und Wuchs Abb.

2: Rheinelbe III (2017) – Erkennbarer Anstieg der Ahorn-Stammzahlen, Höhen und Durchmesser WALDBAU FORSTVERMEHRUNGSGUT UND

24 25 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Abb. 3: Rheinelbe III (2001) – Bestand mit noch geringerem Artenumfang, kleineren Durchmessern und im Wachsen begriffenen Stammzahlen 35 30 25 20 15 10 5 2800 2400 2000 1600 1200 800 400 BHD (cm) Stammzahl / ha Drittes Quartil Erstes Quartil Mittelwert Stammzahl je ha fl 35 30 25 20 15 10 5 2800 2400 2000 1600 1200 800 400 BHD (cm) Stammzahl / ha Drittes Quartil Erstes Quartil Mittelwert Stammzahl je ha fl Stand des Projekts „Förderung der Weißtanne in NRW“ Karoline Flume Die Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut (SPA W&F) betreut bereits seit 2016 das Projekt „Förderung der Weißtanne in Nordrhein-Westfalen“.

Ziel des Projekts ist es, mittels Erkenntnissen aus der Forschung und aus Praxisversuchen die Chancen und Grenzen dieser Baumart in NRW auszuloten und Knowhow zum erfolgreichen Waldbau mit der Weißtanne praxisgerecht zu vermitteln. Das Projekt setzt sich aus den vier ineinander übergehenden Projektzweigen „Grundlagen“, „Waldbau“, „Forstliche Genressourcen“ sowie „Anpassung von Rahmenbedingungen und Wissensvermittlung“ mit unterschiedlichsten Teilaspekten zusammen.

Um herauszufinden, wo in NRW Weißtannen bereits über einen längeren Zeitraum überlebt haben, werden im Projektzweig „Grundlagen“ seit 2016 die Weißtannenvorkommen im landeseigenen Forstbetrieb ab Alter 60 aufgesucht und nach bestimmten Kriterien erfasst. Die Erfassung wurde dieses Jahr in den Regionalforstämtern Hochstift, Siegen-Wittgenstein und Kurkölnisches Sauerland fortgesetzt, sodass sie nun im Landesteil Westfalen kurz vor dem Abschluss steht. Im Zuge der Erfassung wird zudem darauf geachtet, ob die aufgesuchten Weißtannenbestände den Mindestkriterien für eine Erntezulassung genügen.

Bei qualitativ zufriedenstellenden Beständen werden solche formlos der Zulassungskommission gemeldet; diese kann dann potenziell geeignete Bestände gezielt bei einer Zulassungsbereisung in Augenschein nehmen. Dies geschieht quasi als Kollateralnutzen für den Projektzweig „Forstliche Genressourcen“.

Die Weißtanne ist eine mögliche Ersatzbaumart der Fichte im Klimawandel und kann letztere insbesondere dann ersetzen, wenn der Boden feuchter oder das Lokalklima wärmer und trockener ist, als für die Fichte jetzt und in Zukunft geeignet ist. Die Baumart Weißtanne spielt daher eine wichtige Rolle im neu vorgestellten Waldbaukonzept Nordrhein-Westfalens und ist darin als Mischbaumart an fünf Waldentwicklungstypen (WET) beteiligt; schwerpunktmäßig im WET 88 Tannenmischwald.

Im Projektzweig „Wissensvermittlung“ war die SPA W&F auf verschiedenen Ebenen aktiv: Als Kooperationspartner hat Wald und Holz NRW gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) zwei gut besuchte Veranstaltungen im Mai 2018 der durch die FNR geförderten ANW-Weißtannenoffensive vorbereitet und durchgeführt.

In einer Mischung aus Theorie und Praxis wurde Wissenswertes zur Verwendung von Tannenholz, zu Herkunftsfragen und zu waldbaulichen Aspekten vermittelt; im Exkursionsteil wurden schwerpunktmäßig Möglichkeiten vorgestellt, wie die Weißtanne im Bestand durch Saat oder Pflanzung etabliert werden kann. Veranstaltungsorte waren das Regionalforstamt Hochstift und der Forstbetrieb Schloss Neuenhof. Abb. 1: Weißtannennaturverjüngung in Mischung mit Buche und Fichte im Habichtswald (Münsterland) Abb. 4: Rheinelbe III (2017) – Bestand nach zumeist deutlichem Zuwachs der Durchmesser und Stammzahlen einer gewachsenen Zahl von Gehölzarten

26 27 Auch 2018 erreichte die SPA W&F erneut positives Feedback aus der Praxis zum Verfahren der manuellen Plätzesaat der Weißtanne. Das Verfahren war 2016 von der SPA auf der Tagung des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. (KWF) in Roding vorgestellt und 2017 in der Broschüre „Weißtanne – gesät statt gepflanzt – Anleitung zur manuellen Plätzesaat“ in schriftlicher Form veröffentlicht worden. Das Verfahren wurde und wird sowohl außerhalb Nordrhein-Westfalens durch Forstleute und Waldbesitzende anderer Bundesländer angewendet als auch im eigenen Bundesland im Rahmen der Privatund Kommunalwaldbetreuung und der Staatswaldbewirtschaftung von einigen Innovationsfreudigen mit Erfolg umgesetzt.

Wie auch bei anderen neueren Verfahren, bedarf es etwas Gewöhnungszeit und erfolgreicher Vorbilder, bis sich ein Verfahren als gängige Vorgehensweise etabliert hat. Mit der zunehmenden Bedeutung der Weißtanne als Baumart des Klimawandels steigt auch das Interesse der Waldbewirtschaftenden an waldbaulichem Know-how zur Weißtanne. So erhielt das Seminar „Waldumbau durch manuelle Plätzesaat von Weißtanne und Buche unter Fichtenschirm“ eine sehr gute Beurteilung durch die Teilnehmenden und wird im nächsten Jahr wieder im forstlichen Fortbildungsprogramm angeboten.

Um eine erfolgreiche Weißtannensaat durchzuführen, ist eine Bodenverwundung zur Freilegung des Mineralbodens nahezu unumgänglich. Die manuelle Plätzesaat bietet für kleinstflächiges Vorgehen eine gute Lösung. Soll die Weißtanne hingegen streifenoder flächenweise gesät werden, sind die Möglichkeiten menschlicher Muskelkraft schnell begrenzt. Eine flächige Befahrung mittels schwerer Maschinen ist allerdings weder sinnvoll noch in den Zertifizierungssystemen gestattet.

Als Alternative dazu können pferdegezogene Bodenverwundungsgeräte dienen. Die SPA W&F bereitet in Kooperation mit verschiedenen Partnern, die Flächen, Pferde und Technik beisteuern, mehrere Versuche vor, in denen streifenweise oder kleinflächig mit Pferdeund Manpower Weißtannensaaten durchgeführt werden.

Dabei soll zusätzlich noch Weißtannensaatgut zweier bestimmter Herkünfte verwendet werden. So kann später nicht nur die Wuchsleistung einer thüringischen und einer rumänischen Herkunft unter nordrhein-westfälischen Bedingungen verglichen werden, sondern die Wuchsleistung kann auch noch mit den Ergebnissen eines länderübergreifenden Versuchs mit denselben und weiteren Herkünften referenziert werden. So gehen die Aktivitäten der Projektzweige „Waldbau“ und „Forstliche Genressourcen“ fließend ineinander über. Über einen Werkvertrag wurde mittels einer Stammscheibenanalyse exemplarisch der Wachstumsgang zweier alter Weißtannen verglichen, die verschiedenen Standorten im Sauerland entstammen.

Ein ca. 141-jähriger Baum wurde 2012 im Arnsberger Wald gefällt, der andere ca. 138-jährige Baum 2018 in Bredelar vom Sturm „Friederike“ geworfen. Anhand der Durchmesserentwicklung lässt sich die historische Entwicklung beider Bäume in drei Lebensphasen unterteilen (vgl. Abbildung 3): eine wachstumsfreudige Phase in der Jugend, ein nur mäßiger Zuwachs im mittleren Alter und eine sehr beachtliche Zuwachssteigerung im höheren Alter ab etwa den 1980er-Jahren. Die gute Reaktionsfähigkeit und Resilienz auch im hohen Alter sind Artmerkmale der Weißtanne. Für 2019 sind im Rahmen des Projekts weitere Aktivitäten zur Weißtanne in Planung und Vorbereitung: n In den Versuchsflächen der Tannenplätzesaat soll die Überlebensrate der ein-, zwei-, dreiund vierjährigen Jungtannen nach dem diesjährigen Dürrejahr evaluiert werden.

Abb. 2: Weißtannensämlinge aus manueller Plätzesaat zu Beginn ihrer dritten Vegetationsperiode. Zu erkennen ist der Austrieb des ersten Seitenasts.

n Die Evaluationsergebnisse sollen in einen Waldwissen.net-Artikel zur Tannenplätzesaat einfließen, dessen Veröffentlichung für Frühjahr 2019 geplant ist. n Die Durchführung von Saatversuchen mittels pferdegezogener Bodenverwundungsgeräte wird fortgesetzt. n Über die Sektion Waldbau des Deutschen Verbandes Forstlicher Forschungsanstalten (DVFFA) sollen die Möglichkeiten eines Weißtannenverbundversuchs unter der Beteiligung möglichst vieler Forschungsanstalten eruiert werden. Sofern möglich, sollen Fördermittel der FNR genutzt werden. Ziel des Versuchs soll sein, mehr über die Anbaumöglichkeiten der Weißtanne außerhalb ihres nacheiszeitlichen Verbreitungsgebiets herauszufinden.

n Die Erfassung der Weißtannen ab Alter 60 im landeseigenen Forstbetrieb soll im Rheinland stattfinden. Dabei wird weiterhin nach potenziell zulassungsfähigen Erntebeständen Ausschau gehalten. Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Lehrund Versuchsforstamt Arnsberger Wald – Leistungsbericht 2018 Abb. 3: Entwicklungsgang des Brusthöhendurchmessers (BHD) der beiden Weißtannen zeit ihres Lebens 1870 1880 1890 1900 1910 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2020 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Bhd [cm] WTa2018 WTa2012 WTa 2012 und WTa 2018 Durchmesserentwicklung (auf Frischdurchmesser korrigiert mit Rinde)

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