Modulstandards im Vergleich - Möglichkeiten und technische Limits der verschiedenen Aufsteck-Boards - HEITEC Elektronik

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Modulstandards im Vergleich - Möglichkeiten und technische Limits der verschiedenen Aufsteck-Boards - HEITEC Elektronik
Modulstandards im Vergleich
Möglichkeiten und technische Limits der
verschiedenen Aufsteck-Boards

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Seit knapp 2 Jahrzehnten sind Aufsteckmodule
verfügbar, die über standardisierte Schnittstellen an ein      Doch was bedeuten diese Abkürzungen,
Base-Board kontaktiert werden können. Die eindeu-              welche Schnittstellen verbergen sich
tigen Vorteile bescheren diesen Modulen eine immer
                                                               dahinter und wo haben diese Konzepte
stärker wachsende Nachfrage: Geringere Entwick-
lungszeit und -kosten, Verfügbarkeit, Skalierbarkeit von
                                                               Ihre Vorteile im Vergleich zu anderen?
Performance und Preis, die Austauschbarkeit zwischen
unterschiedlichen Anbietern und die Reduzierung von
Risiken durch das Verwenden von zertifizierten Modulen      Nachfolgend werden die geläufigen Abkürzungen rund
sind Gründe, sich für Plug-On Boards zu entscheiden.        um das Thema Plug-On Modul-Lösungen und Begriffe
                                                            inkl. deren Schnittstellen und deren Möglichkeiten
Die Anforderungen hinsichtlich Größe, Preis, Verfüg-        näher erklärt.
barkeit und die rasch voranschreitenden Chip-Tech-
nologien stellen die Anbieter von Systemlösungen vor        Package on a Package (PoP)
Herausforderungen, die jedoch durch die Verwendung
von Aufsteck-Modulen sehr gut managebar sind. Sind          Ein „Package on a Package“ stapelt Einzel-Packages
während der Designphase Anforderungen an Perfor-            in Form von kleinen bestückten Platinen vertikal über-
mance, Schnittstellen, Abmessungen, aber auch z.B.          einander, welche durch Ball-Grid-Arrays miteinander
Temperaturbereich und Störaussendung definiert, kann        verbunden werden. Sozusagen wird eine komplexe
meist sehr unkompliziert eine passende Board-Lösung         Schaltung flächentechnisch in kleinere Bereiche unter-
und der damit verbundene Standard-Formfaktor für            teilt, übereinander angebracht und miteinander verlötet,
das Trägerboard gewählt werden.                             um eine möglichst kleine Baugröße zu erreichen.
                                                            Packages können diskrete Komponenten (Speicher, CPU
Das Wissen, welche Vorteile die jeweiligen Standards        usw.) oder ein „System in a Package“ sein, das mit einem
aufweisen, um den geeignetsten für die Kundenan-            anderen Package verbunden wird, um zusätzliche
forderung zu wählen, hilft HEITEC bereits in der Kon-       Funktionen zu ermöglichen. PoP gewährleistet mehr
zeptphase einer Kundenanfrage. Bei Projektanfragen          Packungsdichte und vereinfacht Leiterplattendesigns.
beschreiben Kunden häufig lediglich die Funktionen          Die kurzen Verbindungen zwischen den Komponenten
und Randbedingungen wie max. Größe, Temperaturbe-           können zudem die Signalausbreitung verbessern.
reich des Einsatzgebietes usw., die Umsetzung obliegt
dann jedoch dem beauftragten Unternehmen. Hier              System on a Chip (SoC)
kann HEITEC auf ein großes Repertoire an Standards,
Anwendungsbeispielen und langjährige Erfahrungen im         Ein System on a Chip vereint alle erforderlichen
Embedded Markt zurückgreifen, um die bestmögliche           Komponenten eines Computers zu einem einzigen
Lösung auch hinsichtlich Langzeitverfügbarkeit und          Chip oder einer integrierten Schaltung. Allgemein kann
Traceability für den Kunden zu bieten.                      ein SoC um einen Mikrocontroller (bestehend aus CPU,
                                                            RAM, ROM & Peripherie) oder einen Mikroprozessor
PoP, SiP, SoM, SoC, CoM sind Akronyme und                   (CPU) herum aufgebaut sein.
Initialismen, mit denen man im Bereich der Aufsteck-
Lösungen regelmäßig konfrontiert wird.                      Software für einen SoC abstrahiert gewöhnlich die
                                                            Funktionalität, so dass sie einfach programmiert und
                                                            mit ihr verbunden werden kann.

                                                            Der Vorteil eines SoC ist, dass diese Lösung
                                                            kostengünstig und energieeffizient ist. Nachteilig
                                                            ist die fehlende Erweiterbarkeit in ihrer Konfiguration
                                                            einer SoC-Lösung im Gegensatz zu einem Full-Size-
                                                            Computer.

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System on a Module (SoM)                                  (VDC) geprägt und erschienen erstmals im Bericht des
                                                          VDC über „The Global Market for Merchant Computer
Ein System on a Module (SoM) ist eine Schaltung auf       Boards in Real Time and Embedded Applications“ vom
Leiterplattenebene, die eine Systemfunktion in einem      November 2001. Ab dem Beginn der Industrialisierung
einzigen Modul integriert. Es kann digitale und analoge   des COM Express-Formats im Jahr 2005 wurden die
Funktionen auf einer einzigen Karte integrieren. Eine     Begriffe immer präsenter.
typische Anwendung liegt im Bereich der Embedded
Systeme. Im Gegensatz zu einem Full-Size-Computer         Durch die Standardisierung von Schnittstellen wurden
erfüllt ein SoM eine spezielle Funktion, ähnlich wie      die bis zu diesem Zeitpunkt bereits existierenden zahl-
ein SoC, jedoch nicht auf Chip-, sondern auf Leiter-      reichen Vorteile weiter erweitert, boten den Herstellern
plattenebene.                                             unter anderem die Flexibilität zum Einsatz von CoMs
                                                          desselben Schnittstellenstandards verschiedener
Computer on a Module (CoM)                                Hersteller und zudem eine Reduzierung der Time-to-
                                                          Market (TTM).
Computer on Module Lösungen sind komplette
Embedded-Computer, die auf einer einzigen Leiter-         Weitere Vorteile des Einsatzes von CoM-Produkten
platte aufgebaut sind. Das Design basiert auf einem       anstelle von aufwändigen Neu-Entwicklungen sind die
Mikroprozessor mit RAM, Ein-/Ausgabesteuerung und         Risikoreduktion, Kosteneinsparung, die Auswahl aus
allen weiteren Eigenschaften die ein funktionsfähiger     einer Vielzahl von CPUs aktueller Technologie bzw.
Computer auf einer Leiterplatte benötigt. Im              Generation, reduzierte Aufwände für das Kundendesign
Gegensatz zu einem Full-Size-Computer fehlen dem          sowie die Möglichkeit, sowohl Hard- als auch
CoM jedoch in der Regel die Standardanschlüsse für        Softwareentwicklung parallel durchzuführen.
Ein-/Ausgabeperipheriegeräte, die direkt an das Board
angeschlossen werden können.                              Rückblickend gibt es kein klares „Erstes Computer
                                                          on Module“ Produkt, da eine Vielzahl kleiner kompo-
Die Module müssen in der Regel auf einem Baseboard        nentenartiger Single Board Computer bereits auf dem
kontaktiert werden, das den Bus und die I/O-Signale zu    Markt vertreten waren, als VDC den Begriff einführte.
Standard-Peripheriesteckern führt.

Eine Lösung auf CoM-Basis bietet ein Computersystem
für den Einsatz in kleinen oder speziellen Anwendungen,      Welche standardisierten Computer on
die einen geringen Stromverbrauch oder eine geringe          Module-Formate existieren, wodurch
physikalische Größe erfordern, wie sie in Embedded-
                                                             unterscheiden sich diese und wo finden
Systemen benötigt wird. Da eine CoM Lösung sehr
kompakt und hochintegriert ist, können auch komplexe
                                                             diese Verwendung?
CPUs, einschließlich Multicore-Technologie, auf einem
CoM realisiert werden.
                                                          Ein bekannter CoM-Standard ist COM Express.
Einige CoMs basieren auf FPGA (Field Programmable         Daneben sind weitere offene CoM-Standards wie
Gate Array)-Lösungen, deren Funktionen als IP-Cores       SMARC, Qseven, ESM, ETX, XTX, PMC, FMC und
auf dem CoM selbst oder auf der Trägerkarte hinzu-        XMC zu nennen.
gefügt werden können. Die Verwendung von FPGA IP
Cores erhöht die Modularität eines CoM Konzeptes,         Weiter sind proprietäre CoM-Formate verfügbar, die z. B.
da I/O-Funktionen ohne aufwändige Umverdrahtung           das Design von SODIMM- und MXM-Steckverbindern
auf der Leiterplatte an spezielle Bedürfnisse angepasst   modifizieren, während andere Formate beliebige
werden können.                                            Board-Größen und verschiedene Arten von Leiter-
                                                          plattensteckverbindern (z.B. für hohe Datenraten)
Die Begriffe Computer on Module bzw. CoM wurden           aufweisen.
vom Marktforscher „Venture Development Corporation“
                                                                                                                     3
1997 – PC/104-Plus       2003 – PCI/104                    2010 – FMC                    2021 – COM-HPC

                                  2001 – PMC         2005 – COM Express               2013 – ESMexpress
                                                             2006 – XMC

                                                    2005 – XTX                        2013 – SMARC

                             2000 – ETX        2003 – PPMC                  2010 – Qseven
                                                                                             2015 – PCI/104-Express
                                                                   2008 – PCIe/104            OneBank & PCIe/104
                  1992 – PC/104        2002 – ESM                 & PCI/104-Express                 OneBank

Abb. Entwicklungsgeschichte der CoMs                                 Standards wie PCI, IDE und ATA nicht mehr in der Lage
                                                                     sind, das volle Potenzial moderner CPUs, Grafikpro-
ETX (Embedded Technology eXtended)                                   zessoren (GPUs) und schneller Speicher auszureizen.

ETX ist ein integrierter und kompakter Computer on                   XTX (extended lifecycle for ETX)
Module Formfaktor (95x114mm), der in einem Layout
für integrierte Schaltungen verwendet werden kann.                   XTX ist eine Erweiterung und Fortsetzung des
ETX integriert Kern-CPU und Speicherfunktionalität                   ursprünglich sehr erfolgreichen ETX-Standards. Da der
sowie die gemeinsame I/O, USB, Audio, Grafik und                     ISA-Bus in modernen Embedded-Anwendungen immer
Ethernet eines PCs.                                                  weniger eingesetzt wird, bietet XTX eine Reihe von neuen
                                                                     Features. Zu diesen Merkmalen gehören neue serielle
ETX Boards sind mit Prozessoren der x86 Architektur                  Hochgeschwindigkeitsbusse wie PCI Express und Serial
wie AMD Geode, BIA, Intel Atom, Pentium, Celeron und                 ATA. Alle anderen Signale bleiben nach dem ETX-
Core Duo Prozessoren erhältlich. Alle I/O-Signale sowie              Standard identisch und sind somit vollständig
eine vollständige Implementierung von ISA- und PCI-                  kompatibel. Wenn die Embedded-PC-Anwendung
Bus werden durch vier Steckverbinder abgedeckt. Über                 weiterhin den ISA-Bus benötigt, kann eine ISA-Brücke
die Steckverbinder werden der PCI-Bus, der ISA-Bus                   auf dem anwendungsspezifischen Baseboard
sowie die PC-Schnittstellen wie z.B. USB, der IDE-Bus                implementiert werden, oder ein entsprechend
usw. auf das Baseboard geführt.                                      verfügbarer LPC-Bus auf dem Modul verwendet werden.

Der Standard spielt heute im CoM-Bereich keine große                 Die größere I/O-Bandbreite von XTX bietet ETX-Ent-
Rolle mehr, da die von ETX unterstützten Legacy-I/O-                 wicklern eine kostengünstige Upgrade-Möglichkeit auf
                                                                                                                                4
leistungsstärkere Prozessoren ohne Redesign des            einen Unterschied z.B. zu PC/104 Modulen darstellt.
Baseboards. Im Verhältnis zu den Anforderungen             Anders als klassische CoM-Konzepte unterstützen
aktueller Anwendungen ist der reale Performancean-         ESMs nicht nur eine Standard-Bus-Architektur, sondern
stieg eher beschränkt. Z.B. können XTX-Module mit          auch programmierbare Peripheriesignale wie UARTs,
den vorhandenen 4 PCI-Express-Lanes die x16-PCI-           Feldbus oder Ethernet. ESMs sind mit dem PCI-
Express-Graphics-Verbindungen für externe High             Standard kompatibel und unterstützen 32 und 64Bit-
Performance GPUs nicht bedienen. Ebenfalls bietet          Datenbusse mit Frequenzen von 33MHz und 66MHz.
XTX kein „on Board Gb Ethernet“ und die spezifizierten     Dies garantiert Kompatibilität mit PMCs, PC-MIPs und
Anschlüsse sind nicht für PCIe und SATA höherer            anderen. ESMs werden typischerweise auf Baseboards
Generationen ausgelegt. Der Support von Legacy-            für CompactPCI und VMEbus eingesetzt.
Peripherieschnittstellen ist darüber hinaus nicht mehr
zeitgemäß, da neue Peripheriegeräte diese Standards        Für den Einsatz in besonders rauen Umgebungsbedin-
kaum mehr unterstützen. Obwohl XTX versucht, die           gungen wurde der ESMexpress-Formfaktor definiert
Lücken zu schnelleren und höher performanten CoM           (95x125mm). Neben einer CPU beinhaltet jedes Modul
Modulen zu schließen, reichen die Möglichkeiten mit        auch Speicher, eine Reihe von seriellen Schnittstellen
dem Standard nicht an die zukünftigen Bedürfnisse der      wie PCI Express, Gb Ethernet, USB, SATA, SDVO
Anwender heran.                                            usw. Diese Schnittstellen sind in der Spezifikation des
                                                           Formfaktors definiert und werden zwei 120-poligen
Zusammenfassung ETX/XTX                                    Steckverbindern zugeordnet. Einzige Einschränkung
                                                           des Formfaktors ist die Verlustleistung, die 35W nicht
Sowohl der ETX als auch der XTX „Standard“ sind im         überschreiten darf. So können Lösungen auf Basis von
Grunde proprietäre Definitionen, die mittlerweile von      Multi Core Power PC- oder Atom-Prozessoren realisiert
Zusammenschlüssen von Firmengruppen gepflegt               werden.
werden. Bei Markteinführung von ETX existierten noch
keine Standards für CoMs, so dass die Entscheidung         Um Lösungen mit mehr I/O-Flexibilität zu gewährleisten,
der Anwender hinsichtlich einzusetzenden CoM               bietet das Format ESMini eine passende proprietäre
leichtfiel.                                                Möglichkeit, da die Pinbelegung zwar nicht definiert ist,
                                                           jedoch können identische Stecker z.B. für FPGA-
Aus den genannten Gründen wurde es Zeit, einen             Lösungen verwendet werden.
Standard zu kreieren, welcher ein CoM-Format
beschreibt, das mit den technologischen Fortschritten      Hinsichtlich Performance und Kompatibilität zu neuen
und Marktanforderungen mithalten kann.                     Technologien und immer weiter voranschreitenden
                                                           Anforderungen an Skalierbarkeit und Modularität haben
ESM und ESMexpress (Embedded System Module)                ESMs keinen großen Anteil mehr im CoM-Segment.

Die ESM-Technologie ist ein variabler Standard für         PC/104
Plug On Boards bei Industrie Computern und findet
bevorzugt Anwendung in der Implementierung auf             PC/104 ist ein Embedded Computer Standard, der
Baseboards im Europakartenformat (160x100mm). Der          durch seine kompakte Größe und seine stapelbare
Form-Faktor beträgt 71x149mm, wobei die Boardtiefe         Busstruktur definiert ist. Im Wesentlichen ist der
die Einstecktiefe einer Europakarte nutzt. Das komplette   PC/104-Standard eine modulare, robuste Version des
Embedded System mit Prozessor, Speicher, I/O               PCs. Anstatt einer Backplane werden die PC104-
Schnittstellen befindet sich auf dem Modul und ist         Module über ISA-, PCI- und PCIe-Steckverbinder
mit Funktionen durch die Anbindung an den PCI Bus          miteinander verbunden. PC/104 nutzt große PC
erweiterbar. Funktional gibt es bei ESM-Modulen            Hard- und Software-Märkte, indem es die Mainstream
nahezu keine Grenzen, beginnend vom einfachen              PC Bus-Entwicklung verfolgt.
Baseboard bis hin zum kompletten Computermodul.
Für einen Teil der Peripherie können die Steckverbinder    Vollständig definierte Bus-Pinbelegungen ermöglichen
auf dem Modul selbst implementiert werden – was            Austauschbarkeit und Interoperabilität. Das bedeutet,
                                                                                                                       5
dass Anwender und Systemdesigner aus einer                   Anwendungen mit höherer Leistung und eignen sich
Vielzahl von spezialisierten PC/104-Modulen wählen           besonders für zukünftige Upgrades.
können, um ein System an ihre Projektanforderungen
anzupassen.                                                  Militär, Transport und Energie sind drei der größten
                                                             Märkte für PC/104. Die Produkte finden sich jedoch
Der PC104 Standard beschreibt mehrere Varianten:             auch in vielen anderen Anwendungen auf der ganzen
                                                             Welt wieder, die einen kleinen, robusten und kosten-
Bei der herkömmlichen PC/104-Struktur werden Signale         günstigen Formfaktor erfordern. Beispiele dafür sind in
via ISA Bus verbunden, welcher durch PC/104-Plus             Remote-Plattformen, Verkehrsüberwachung, Bergbau
durch einen PCI-Steckverbinder und entsprechende             und industriellen Steuerungen zu finden.
Signale erweitert wurde. Das Pendant zur PC/104-
Ausführung bildet Variante PCI-104, bei der das Board        PMC (PCI Mezzanine Card)
nur mit einen PCI-Steckverbinder versehen ist. Um eine
Schnittstelle zwischen PCI und PCIe zu gewährleisten,        PMC ist ein von IEEE unter P386.1 standardisiertes
wurde die PCI/104-Express-Variante eingeführt, welche        Modulformat (74x149mm) für Aufsteckmodule, welche
mit einem PCI- und einem PCIe-Steckverbinder ausge-          für Baseboards mit Multibus II, VMEbus oder
stattet ist. Die 5. Variante bildet PCIe/104 mit lediglich   CompactPCI ausgelegt wurden.
einem PCIe Steckverbinder. Die letzte Variante
wurde durch das PC104-Konsortium 2015 mit der                Die Standard-Version eines PMC-Moduls weist zwei
Bezeichnung PCIe/104 OneBank bestimmt. Hier findet           64-polige Stecker auf, welche für den PCI Bus und
eine kostengünstigere Version des PCIe/104-Steckver-         I/O´s verwendet werden. Eine Erweiterung sieht einen
binders Verwendung, der nur eine 52-polige Bank              weiteren 64-poligen Steckverbinder vor, der weitere
umfasst, die jedoch für die vorgesehenen Anwen-              I/O´s zur Verfügung stellt.
dungsbereiche wie industrielle Sensorik ausreichend
Leistung und Funktionalität gewährleistet.                   Der Standard definiert an dieser Stelle die PCI-
                                                             Signalbelegung der Stecker. Um mehrere Module
Boards nach PC/- und PCI/104 können mit standardi-           übereinander stapeln zu können, besitzen PMC-
sierten Baseboards kombiniert werden, um weitere I/          Module Durchkontaktierungen.
O´s zu realisieren oder Funktionen abzudecken, die
nur mit Kombination mehrerer übereinandergestapelter         Als IEEE-Standard garantiert PMC den Benutzern,
PC/- PCI/104-Module möglich wären. Eine Möglichkeit          dass jeder Host oder jedes Modul, das dem Standard
PC/- und PCI/104-Module auf ein Baseboard mit                entspricht, in jedem Modul oder Host funktioniert, das
weiteren Peripheriefunktionen zu integrieren, bietet das     nach den Spezifikationen entwickelt wurde. Dies gibt
EBX Mainboard (Embedded Board, eXpandable) mit               den Anwendern zwar die Flexibilität, verschiedene
146 x 203mm. Dies ist groß genug, um alle Funktionen         Hostkarten mit verschiedenen Optionsmodulen zu
eines vollständigen Embedded Computersystems                 kombinieren, es gibt den Anbietern aber auch die
abzubilden.                                                  Möglichkeit, grundlegende Hostkarten ohne besondere
                                                             Berücksichtigung von Schnittstellen-I/O´s zu entwickeln.
Ein EBX Mainboard kann mit allen stapelbaren                 Die Tatsache, dass PMC ein offener Standard ist,
PC104-Varianten erweitert werden, was es sehr                ermöglicht es OEMs, mit nicht standardisierten Bussen
anpassungsfähig macht. Eine Kombination mit einem            die gleiche Hebelwirkung wie Hersteller von Standard-
PC104-Plus Modul führt z.B. zu einer Prozessorunab-          bussen zu nutzen.
hängigkeit für den Entwickler.
                                                             Der zweite Vorteil der Verwendung von PMC ist, dass
Der zweite verwendbare Mainboard-Standard ist EPIC           es ein hohes Maß an Stabilität bietet. PMC bietet einen
mit den Maßen 115 x 165mm. Mit diesem Formfaktor             standardisierten, leistungsstarken lokalen Bus, der von
stehen in der Regel mehrere I/O´s zu Verfügung und er        Prozessor zu Prozessor unverändert bleibt. Lediglich
ist für den Einsatz im erweiterten Temperaturbereich         der Prozessor-zu-Speicher-Bus muss geändert werden.
geeignet. Diese Boards finden oft Platz in industriellen
                                                                                                                        6
Leistung ist natürlich ein weiteres Schlüsselelement      Anwendungsbereich, in dem häufig Mezzanine-Karten
von PMCs. Neue Grafiken und GUIs, umfangreicher           wie XMC eingesetzt werden. Darüber hinaus basiert ein
Einsatz von Imaging, Video und schnellere Kommuni-        zunehmender Anteil der I/O-Funktionen auf seriellen
kation haben eine große Anforderung an Prozessor-,        und nicht auf parallelen Schnittstellen, was genau der
I/O- und Systembandbreite gestellt. Mit einer Bandbrei-   Grund für die Entwicklung der XMC-Spezifikation ist.
te von 132 Mbytes/sec für eine 32-Bit-Implementierung     Sehr viele Hosts der neuen Generation im VME- oder
und 264 Mbytes/sec für eine 64-Bit-Version ist PMC        VPX-CPU- oder DSP-Format verfügen über einen oder
in der Lage, fast alles bis hin zu ATM (Asynchronous      mehrere XMC-Mezzanine-Sites.
Transfer Mode) und Full-Motion-Video zu verarbeiten.
                                                          FMC (FPGA Mezzanine Card)
PPMC (Processor PMC)
                                                          FPGA Mezzanine Cards (VITA57) sind I/O Mezzanine-
Prozessor PMC-Module stellen eine Erweiterung der         Module, die unter anderem zu Karten im 3HE(100 x
PMC-Module zur Unterstützung von CPU basierten            100/160/220mm)- & 6HE(233,35 x 100/160/220mm)-
Karten dar.                                               Format kompatibel sind.

Die Aufgabe der Prozessor PMC-Schnittstelle ist es,       Die PMC/XMC-Formfaktoren wurden im Bereich
die Funktionalität der PMC-Tochterkarten zu erweitern     Embedded Computing intensiv eingesetzt, sind aber
und Prozessorfunktionen höherer Ordnung zu ermög-         nicht die optimale Lösung für modulare FPGA-Designs.
lichen.                                                   PMCs sind viel größer als ein FPGA I/O-Mezzanine sein
                                                          muss, sie haben zu viele Anschlüsse und die Schnitt-
Die Protokollstruktur zwischen PMC- und PPMC-             stelle zwischen dem PMC/XMC und dem Baseboard
Modulen bleibt identisch. Der verbesserte PPMC-           (PCI, PCI-X, PCIe, Serial RapidIO, etc.) ist viel komplexer
Standard ermöglicht es der Mezzanine Karte, entweder      und ressourcenintensiver als es für ein FPGA I/O-
mit 44MHz oder mit 66MHz zu arbeiten. Wird eine           Mezzanine zur Anbindung an ein FPGA erforderlich ist.
PPMC-Karte in ein Baseboard gesteckt, welches mit
einer PMC-Karte arbeitet, wird die PPMC-Karte             Der FMC-Standard definiert ein I/O-Mezzanine-
standardmäßig in den PMC-Betrieb versetzt. Wenn das       Modul, das eng mit einem FPGA zusammenarbei-
Baseboard jedoch für die Aufnahme eines PPMC aus-         tet. Die Norm definiert zwei Breiten – einfache (69 x
gelegt ist, funktioniert die Mezzanine Karte bei 66MHz.   76,5mm) und doppelte (139 x 76,5mm) Breite. Die
                                                          einfache Modulbreite entspricht etwa der Hälfte der
XMC (Switch Mezzanine Card)                               Größe eines PMC-Moduls und hat einen einzelnen
                                                          Stecker zum Baseboard. Das doppeltbreite Modul
Switch Mezzanine Cards sind im Grunde PM- Module          kann einen oder zwei Steckverbinder zum Baseboard
mit einer „High Speed Serial Fabric“-Schnittstelle,       aufweisen. Die doppeltbreite FMC ist für Anwendungen
welche nach VITA 42 definiert ist.                        gedacht, die zusätzlichen Datendurchsatz, mehr Platz
                                                          auf der Vorderseite oder eine größere Leiterplatten-
XMC hat sich als sehr erfolgreich erwiesen und            fläche erfordern. Wie bei den meisten kommerziellen
erweitert sich über die Basis-Spezifikation VITA 42.0     PMC/XMC-Modulen sind die meisten kommerziellen
hinaus um Technologien wie parallel RapidIO (ANSI/        FMCs einfach breit.
VITA 42.1), Serial RapidIO (ANSI/VITA42.2) und PCI
Express (ANSI/VITA 42.3), um nur die ersten drei aus      SMARC small / SMARC large
einer wachsenden Liste zu nennen. Die PCI-Express-        (Smart Mobility ARChitecture)
Variante des XMC ist bei weitem die häufigste.
                                                          SMARC beschreibt vielseitige Computer-Module mit
Einer der Schlüsselfaktoren, die heute zur Popularität    kleinem Formfaktor und richtet sich an Anwendungen,
von XMC beitragen, ist die weite Verbreitung              die wenig Strom, niedrige Kosten und hohe Leistung
anspruchsvollerer Funktionen wie FPGA-basierter           erfordern. Die Module verwenden typischerweise
Prozessoren für periphere I/O-Funktionen, einem           ARM SoCs, die den in Geräten wie Tablet-Computern
                                                                                                                        7
und Smartphones verwendeten Prozessoren ähneln.         Qseven /µQseven
Alternative Low-Power-SoCs und CPUs, wie z.B.
Tablet-orientierte x86-Chips können ebenfalls verwen-   Das Qseven-Konzept basiert auf der Idee eines
det werden. Die Leistungsaufnahme des Moduls liegt      handelsüblichen, herstellerunabhängigen Single-
typischerweise unter 6W, obwohl Designs bis zu etwa     Board-Computers, der alle Kernkomponenten eines
15W möglich sind.                                       gemeinsamen PCs integriert und auf einem anwen-
                                                        dungsspezifischen Baseboard vereint. Qseven-Module
Der Standard definiert im Grunde zwei Größen:           haben einen standardisierten Formfaktor von 70mm x
SMARC small (82mm x 50mm) und SMARC large               70mm bzw. 40mm x 70mm (bei µQseven) und spezifi-
mit 82mm x 80mm.                                        zierte Pinbelegungen auf Basis des Hochgeschwindig-
                                                        keits-MXM-Systemsteckverbinders – unabhängig vom
                                                        Steckerhersteller.

                      SMARC small
                       82 x 50 mm

                                                                                µQseven
                                                                               70 x 40 mm

                          SMARC large
                           82 x 80 mm

                                                                                    µQseven
                                                                                   70 x 70 mm

Die Module werden bevorzugt für tragbare und
stationäre Embedded-Systeme eingesetzt. Die
Core-CPU und deren Beschaltung, einschließlich          Das Qseven-Modul stellt die funktionalen Anforderungen
DRAM, Boot-Flash, Power Sequencing, CPU-Netzteile,      an eine Embedded-Anwendung. Diese Funktionen um-
Gb-Ethernet und zweikanaliger LVDS-Display-Sender       fassen unter anderem Grafik, Sound, Massenspeicher,
sind auf dem Modul implementiert. Die Module werden     Netzwerk und mehrere USB-Ports. Ein einzelner
mit anwendungsspezifischen Carrier Boards verwendet,    MXM-Stecker stellt die Baseboard-Schnittstelle zur
die weitere Funktionen wie Audio-CODECs, Touch-         Verfügung, um alle I/O-Signale zum und vom Qseven
Controller, drahtlose Geräte usw. implementieren.       Modul zu übertragen. Dieser MXM-Stecker ist ein
Der modulare Ansatz ermöglicht Skalierbarkeit,          bekannter und bewährter Hochgeschwindigkeitssignal-
schnelle Time-to-Market und Upgrades bei gleichzeitig   Schnittstellenstecker, der häufig für Highspeed
niedrigen Kosten, geringem Stromverbrauch und           PCIe-Grafikkarten in Notebooks verwendet wird. Das
geringer physikalischer Größe.                          Baseboard kann somit alle erforderlichen Schnitt-
                                                        stellenanschlüsse für die Anbindung des Systems an
                                                        die anwendungsspezifische Peripherie bereitstellen.
                                                        Diese Vielseitigkeit ermöglicht eine nahezu unbegrenzte
                                                        Flexibilität beim Design des Trägerboards und auch des
                                                        Gehäuses. Dies führt zu einem zuverlässigeren Produkt
                                                        und vereinfacht gleichzeitig die Systemintegration. Am
                                                        wichtigsten ist, dass Qseven-Anwendungen skalierbar
                                                        sind. Das bedeutet, dass nach der Entwicklung eines
                                                        Produkts die Möglichkeit besteht, die Produktpalette
                                                        durch den Einsatz verschiedener Qseven-Module der
                                                        gleichen Leistungsklasse zu diversifizieren.
                                                                                                                  8
Qseven-Module sind so ausgelegt, dass sie CPU-           da der Anwender die oft komplexen Details der Hoch-
und Chipsatz-Lösungen mit extrem niedriger „Thermal      geschwindigkeitssignalisierung oder der neuesten
Design Power“ (TDP) unterstützen. Darüber hinaus         Chipsätze nicht verstehen muss. Die Produktlebens-
sollte die Leistungsaufnahme der Module 12W nicht        dauer für den Kunden wird verlängert, da neuere COM
überschreiten.                                           Express-Module einfach auf das Baseboard gesteckt
                                                         werden können, um die Leistung zu verbessern oder
Zusammenfassung SMARC / Qseven                           die Kosten zu senken. Diese „Zukunftssicherheit“ von
                                                         COM Express ist einzigartig auf dem SFF-Markt.
SMARC ist zwar der aktuellere Standard, jedoch ersetzt
dieser nicht Qseven. Mit 230 Pins und somit 84 Pins      Im COM Express-Standard werden aktuell acht Typen
weniger als SMARC ist Qseven die geeignetere Wahl        (Type 1-7 und Typ10) mit unterschiedlichen Signalver-
für kleine Low-power-Lösungen; daher stellt Qseven       fügbarkeiten an den Steckerverbindern beschrieben,
eine preisgünstigere Option zu den SMARC-Modulen         welche sich stark nach der Anforderung der Applikation
dar. Des Weiteren ist Qseven ein bewährter Standard      richten.
im Embedded Bereich und ist weiterhin der bessere
Kandidat für kostengünstigere Embedded-                  Die Pin-out-Typen 1, 3, 4 und 5 sind veraltet und sind
Anwendungen.                                             für neue Board-Designs nicht mehr relevant. Die
                                                         aktuelle COM Express-Spezifikation 3.0 beschreibt vier
SMARC eignet sich im Vergleich zum Einsatz aufgrund      unterschiedliche Modulgrößen und drei Pin-outs.
seiner Fläche für leistungsfähigere Prozessoren und
immer dann, wenn besonders viel Peripherie bzw. Add      Die Realisierung der Pin-out-Typen kann mit den vier
On´s wie WLAN angebunden werden sollen. Außerdem         definierten Modulgrößen umgesetzt werden. Mit dem
bietet SMARC weitere Schnittstellen, die Qseven nicht    sogenannten Mini (84x55mm) Formfaktor können
bieten kann. Dazu gehören Kamera-Schnittstellen,         Designs hinsichtlich Typ 10 umgesetzt werden, Compact
SDIO, parallel LCD usw.                                  (95x95mm) findet bevorzugt bei Typ 6 Anwendung,
                                                         Basic (95x125mm) kann für Typ 6 und Typ 7 als Basis
COM Express                                              dienen. Der vierte Formfaktor Extended (110x155mm)
                                                         hatte in der Vergangenheit kaum signifikante Markt-
COM Express definiert eine Familie von „Small Form       relevanz, was sich jedoch mit dem Einsatz des server-
Factor“ (SFF) und Computer On Module (COM) Single        orientierten Pin-out Typ 7 (spezifiziert in COM Express
Board Computern, die für eine Vielzahl von kommer-       Rev 3.0) ändern kann. Server-Anwendungen benötigen
ziellen, aber auch anspruchsvolleren Anwendungen         beträchtlich mehr DRAM-Speicherkapazität und deren
für Militär und Luftfahrt geeignet sind. COM Express     Chips weisen erfahrungsgemäß - bedingt durch extrem
wurde für die neuesten Chipsätze und seriellen           leistungsfähige CPU Performance - ebenfalls eine
Signalisierungsprotokolle entwickelt und schließt auch   höhere Verlustleistung und Leistungsaufnahme auf.
PCI Express Gen 3, 10GbE, SATA, USB 3.0 sowie
hochauflösende Videoschnittstellen mit ein.

COM Express-Module bieten nicht nur die höchs-
te Leistungsvielfalt der verfügbaren Standards und                  COM Express (mini)
                                                                       84 x 55 mm

Produkte mit kleinem Formfaktor, sondern sind auch
                                                                                                COM Express (basic)
                                                                                                   125 x 95 mm

einzigartig, da diese Module einerseits als eigenstän-
                                                                                                                      COM Express (extended)

dige Einplatinencomputer (SBC), andererseits auch
                                                                                                                          155 x 110 mm

                                                                        COM Express (compact)
als Prozessor Mezzanine (gesteckt auf ein Baseboard)                         95 x 95 mm

implementiert werden können.

Die Möglichkeit, ein COM Express-Modul auf ein
Baseboard zu stecken, reduziert den Zeit- und
Kostenaufwand für die Entwicklung eines Produkts,
                                                                                                                                               9
COM-HPC (High Performance Computing)

Als Ergänzung für High Performance Computing-
Anwendungen betritt der kommende COM High
Performance Computing-Standard die Bühne der                                      COM-HPC Client Size A
                                                                                      120 x 95 mm
CoM-Module.

                                                                                                            COM-HPC Client Size C
                                                                                                               160 x 120 mm
Dieser wird den etablierten COM Express-Standard
keinesfalls ersetzen. Viel mehr deckt dieser den                                    COM-HPC Client Size B

Anwendungsbereich ab, bei dem der COM Express-                                         120 x 120 mm

Standard an seine Grenzen hinsichtlich Übertragungs-
leistung, Anzahl von High Speed-Schnittstellen und
Netzwerkanbindung stößt.

Im Vergleich bietet der COM Express-Standard 440 Pins,            Diese unterscheiden sich im Wesentlichen in Größe
während der COM-HPC-Standard 800 Pins vorsieht.                   und Anzahl bzw. Art der Schnittstellen. So bietet die
Dadurch wird beispielsweise eine Verdoppelung der                 „Client“-Ausführung Video/embedded Display Inter-
PCIe-Lanes von 32 auf 64 erzielt, die darüber hinaus              faces, worauf die „Server“-Variante verzichtet. Diese
durch PCIe Gen5 bis zu 32 Gb/s je Lane unterstützen –             bietet jedoch 10Gb Ethernet Interfaces, die für Server-
somit eine um Faktor 4 höhere Datenrate als die                   anwendungen essentiell sind. Entscheidet man sich
PCIe Lanes bei COM Express, welche PCIe Gen3                      für den Einsatz eines von der Grundfläche größeren
gewährleisten.                                                    COM-HPC/Server-Moduls, bietet dieses bis zu 8
                                                                  DIMM-Sockel für Arbeitsspeicher und 64PCIe Lanes
Der COM-HPC-Standard sieht bislang fünf Formate                   für zusätzliche GPUs und NVMe-Speicher.
vor – COM-HPC/Server mit Size E (160 x 200mm) bzw.
Size D (160 x 160mm) und COM-HPC/Client mit Size A                Einen enormen Performanceanstieg bietet COM-HPC
(95 x 120mm), Size B (120 x 120mm) und Size C (120 x              ebenfalls bei Netzwerkverbindungen, welche bei Edge
160mm).                                                           Server-Lösungen im Telekommunikationsbereich immer
                                                                  höhere Anforderungen hinsichtlich Übertragungsraten
                                                                  erfüllen müssen. Die aktuell mit COM Express
                                                                  erreichbaren 10Gb/s werden durch theoretische Über-
                                                                  tragungsraten von bis zu 200Gb/s bei COM-HPC
                                                                  übertroffen und bietet dadurch ein erweitertes
                                                                  Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten.
                                          COM-HPC Server Size E

                  COM-HPC Server Size D

                                                                  Für die Standardisierung ist die Standardisierungsorga-
                                             200 x 160 mm

                     160 x 160 mm

                                                                  nisation PICMG (PCI Industrial Computer Manufacturers
                                                                  Group) verantwortlich, in der ca. 150 Unternehmen
                                                                  organisiert sind, um an „Open Standards“-Spezifikationen
                                                                  für Telekommunikations- und Industrieanwendungen zu
                                                                  arbeiten.

                                                                  Die Arbeitsgruppe PCIMG COM-HPC setzt sich aktuell
                                                                  aus 20 Mitgliedsunternehmen zusammen, die sich seit
                                                                  Gründung des Komitees wöchentlich abstimmen, über
                                                                  Details des Standards diskutieren und Festlegungen
                                                                  treffen.

                                                                                                                                    10
HEITEC wirkt als Mitglied des Komitees einerseits

                                                                                            Hoch
sowie als Anbieter von kundenorientierten System-
lösungen andererseits bei der Definition des neuen
Standards mit und vertritt Aspekte, welche vor allem

                                                                                           Signalvielfalt
aus Kundensicht relevant sind, um damit eine Vielzahl                                                       COM Express
von künftigen Bedürfnissen bedienen zu können, ohne                               SMARC
auf proprietäre Lösungen zurückgreifen zu müssen.
                                                                     Low Power                                High Performance
Welches Board-Format ist das Richtige?                                 solution
                                                                                         Performance
                                                                                                                   solution

Der Markt der CoMs wird im Wesentlich von drei

                                                                                            Reduziert
Standards dominiert. Diese decken alle Bedürfnisse und                        Qseven
Anforderungen der Anwendungen ab. Neben High-
Performance-Anwendungen mit bis zu 116W (Type 6/7;
58W Type 10), die mit einem COM Express-Modul ein-         Abb. Performance/Signalvielfalt – Platzierung von Qseven, SMARC und COM

fach realisiert werden können, bieten Low Power-           Express

Module (bis 15W) wie SMARC oder Qseven (bis 12W)
die Möglichkeit, einfachere Anwendungen umzusetzen.        Eine weitere Entscheidungshilfe hinsichtlich des
                                                           Moduls kann die Frage nach der Architektur bieten.
Um die bestmögliche Lösung für den Kunden zu bieten,       Möchte man eine x86-Architektur, die auf einer
müssen bereits in der Konzeptphase die Anforderungen       CISC-Struktur (Complex Instruction Set Computing)
genau bewertet werden, um auch langfristig alle            basiert, oder setzt man auf die Eigenschaften einer
notwendigen Schnittstellen gewährleisten zu können         RISC (Reduced Instruction Set Computing)-basierten
und auch hinsichtlich performanterer Prozessoren           ARM(Advanced RISC Machine)-Architektur? Stabile
weiterhin die definierte Technologie nutzen zu können.     und bewährte x86-Chipsätze bieten die Möglichkeit,
Ist man beispielsweise bereits jetzt am oberen Limit der   I/O-Schnittstellen direkt anzusprechen, wobei das
Schnittstellen oder der möglichen Performance eines        RISC-Prinzip über keine Befehle verfügt, die direkt mit
SMARC- oder Qseven-Moduls angelangt, sollte besser         I/O-Funktionen arbeiten können. Hier wird haupt-
eine COM Express-Lösung in Betracht gezogen werden,        sächlich mit Registern gearbeitet, und für das Lesen/
da diese auch langfristig die bessere Wahl wäre.           Schreiben von Flash-Chips gibt es nur eine begrenzte
                                                           Anzahl von Befehlen.
Eine höhere Modulleistung geht mit einer höheren
Wärmeentwicklung einher. Auch hier gilt es, bereits in     Vereinfacht dargestellt sind RISC-Befehlssätze kleiner
der Konzeptphase alle Parameter zu betrachten und          und granularer, während CISC-Befehlssätze größer
sich ein geeignetes Kühlkonzept zu überlegen, um           und komplexer sind. Bei der ARM-Architektur wird z.B.
nicht in einem späten Entwicklungsstatus womöglich         jede Anweisung in eine einzige Operation übersetzt,
das ganze Konzept drehen zu müssen. Muss ein Design        die die CPU ausführen kann, etwa den Inhalt von zwei
aufgrund des Einbauplatzes oder der Anforderungen in       Registern zusammenzuführen. Ein CISC-Befehl drückt
verschiedenen Märkten mit passiver Kühlung auskommen,      eine einzelne Operation aus, die CPU muss jedoch drei
sind Abstriche hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der     oder vier vereinfachte Befehle tätigen, um sie auszu-
CPU unumgänglich. Gibt es jedoch die Möglichkeit, ein      führen. Beispielsweise kann eine CISC-CPU ange-
Design mit aktiver Belüftung umzusetzen, steigen auch      wiesen werden, zwei im Hauptspeicher gespeicherte
die Optionen hinsichtlich des Prozessors, des Layouts      Zahlen zu addieren. Dazu muss die CPU die Nummer
und des mechanischen Designs.                              von Adresse-1 holen (eine Operation), die Nummer von
                                                           Adresse-2 holen (zweite Operation), die beiden Zahlen
                                                           hinzufügen (dritte Operation) und so weiter.

                                                                                                                                     11
ARM-Prozessoren überzeugen durch Effizienz, was             Marktanalyse / Marktanteile der Modulstandards
z.B. für mobile Geräte oder Geräte mit geringeren
Performanceanforderungen prädestiniert ist. Als             Aus einer von HEITEC durchgeführten empirischen
Vorteile gegenüber einer x86-Architektur ist der            Marktanalyse ergibt sich folgende Marktaufteilung der
geringere Energieverbrauch des Prozessors und die           Standards. Grundlage bildet Verfügbarkeit, Angebot
Sicherheit zu nennen, die das System vor unbeab-            der Modulvarianten und zukünftige Neuentwicklungen
sichtigter Veränderung schützt. Jedoch schränkt dies        (Roadmap) der betrachteten Hersteller.
den Benutzer auch ein, da die Erweiterbarkeit und die
Berechnungskapazität der Prozessoren begrenzt ist.
                                                               Markt-Übersicht
ARM-Prozessoren sind aufgrund der Funktionalität
und Energieeffizienz bei SMARC- und Qseven-CoMs
                                                                                                          COM Express
anzutreffen.                                                                                              Qseven
                                                                       11%                                SMARC
x86-Prozessoren, die von Intel oder AMD produziert                                             62%        Others
                                                                                                          (ETX, XTX, PMC,
werden, eignen sich für komplexere Lösungen mit                        11%
                                                                                                          XMC, PC/104)

höheren Performanceansprüchen und einer Realisierung                         16%
vieler Schnittstellen, welche für die immer weiter voran-
schreitende Digitali- und Virtualisierung notwendig sind.
x86-Architekturen bieten eine große Systemkonfigurier-
und Erweiterbarkeit auch bei leistungsstärkeren
Prozessoren. Dies bedeutet natürlich auch einen
höheren Energieverbrauch und eine größere                   Die Anteile der „sonstigen“ Standards unterteilen sich
Wärmeentwicklung als bei ARM-Prozessoren.                   wie folgt:

x86-Architekturen finden in großer Bandbreite bei
COM Express-Modulen Anwendung. Leistungsärmere                 Aufteilung der „sonstigen“ Standards
Prozessoren wie ein Intel Atom/Celeron oder Pentium
mit max. 12W können jedoch auch auf SMARC- und
                                                                                                          ETX
Qseven-Modulen realisiert werden und sind bereits am                                                      XTX
Markt verfügbar.                                                                         40%
                                                                      13%                                 PMC

                                                                                                          XMC
                                                                     5%
Softwaretechnisch sind beide Architekturen nicht                                                          PC/104
                                                                                                     8%
miteinander kompatibel. Deshalb sollte die Prozes-                     11%                                PC/104-Express
                                                                                               5%
sor-Architektur ebenfalls in der frühen Konzeptphase                               18%                    PC/104-Plus

des Projektes definiert werden, da ein Wechsel zu der
anderen Technologie nicht direkt möglich ist.

                                                                                                                            12
Anteile der jeweiligen COM Express Formate

  COM Express

                                     COMe Basic

                                     COMe Compact

         COMe Mini     COMe Basic    COMe Mini
           13%            49%

             COMe Compact
                 38%

Verhältnis von x86 und ARM Architektur der am Markt
verfügbaren SMARC Modulen.

  SMARC

                                        -x86

                                        -ARM
                            39%

                            61%

Verhältnis von x86 und ARM Architektur der am Markt
verfügbaren Qseven Modulen.

  Qseven

                                        -x86

                                        -ARM

                 28%           72%
                                                      Autor: Alexander Jäger
                                                      Portfolio-Solution Manager
                                                      Geschäftsgebiet Elektronik, HEITEC AG
                                                      Stand 03/2021

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HEITEC AG
Geschäftsbereich Elektronik

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