Nahaufnahmen Naturvielfalt in der Gemeinde - Nachlese Nummer 4 - Bunt und artenreich
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01
Vorwort
03
Gesellschaft
© A. Serra
05 Wer braucht schon Naturvielfalt?
07 Wieviel Natur brauchen Kinder?
09 Naturschutz kann jede und jeder!
11 Brücken bauen für eine artenreiche Landwirtschaft
Jede und jeder Einzelne
kann mithelfen 15
Naturvielfalt in der Gemeinde
Artenvielfalt
Natur- und Lebensraumvielfalt ist eine Existenzgrund- Das Programm „Naturvielfalt in der Gemeinde“ zeigt 17 Langjähriges Engagement lässt Moore aufleben
lage und geht uns alle an. Das Programm „Naturvielfalt auch auf, dass jede und jeder Einzelne mithelfen kann, 19 Im Revier des Neuntöters
in der Gemeinde“ unterstützt Gemeinden darin, ihre eine ökologisch wertvolle Landschaft in der direkten 21 Feldforschung vom Alten Rhein bis zum Staufen
25
Arten-, Lebensraum- und Landschaftsvielfalt auch für Umgebung der Gemeinde zu bewahren oder zu schaf- 23 Renaissance „alter“ Naturwerte
künftige Generationen zu erhalten, Natur als Lebens- fen. Denn das Programm lebt von den Menschen, die
und Erholungsraum zu schützen sowie zu entwickeln sich in den Gemeinden für ihre Naturwerte einsetzen.
und folglich eine hohe Lebensqualität zu bewahren. In Dialogen und Kooperationen mit Akteurinnen und
Akteuren aus verschiedenen Bereichen der Gesell- Siedlungsraum
Der vierte Bericht Nahaufnahmen, eine Nachlese zu schaft werden gute Beispiele entwickelt und gemein-
den Tätigkeiten 2014-2016 von Gemeinden und Land sam umgesetzt. Beratungen, Bildungsangebote, Exkur-
27 Charakterstarke Ruhepole und Schattenspender
im Rahmen des Programms, liegt nun vor und zeigt sionen, Vernetzungs- und Erfahrungsaustauschtreffen
29 Naturoasen auf dem Betriebsgebiet
einen bunten „Blumenstrauß“ an Umsetzungen und unterstützen die Menschen in ihrem Engagement.
31 Baum in der Planung
Projekten in den Gemeinden und auch auf Landesebe-
Inhaltsangabe
33 Wenn Naturvielfalt die Klassenzimmer erobert
ne auf. Christiane Machold (Abteilung Umwelt- und Klima-
37 Von bauökologischen Weltwundern
Vorwort
schutz) und Katrin Löning (Österreichisches Ökolo-
und Dächern wie Kunstobjekten
Mich beeindruckt die Kraft und Ausdauer, mit der gie-Institut) haben gemeinsam mit den selbständigen
39 Öffentliche Grünflächen: „natürlich bunt & artenreich“
sich viele Gemeinden engagieren. Unter der Rubrik Beraterinnen und Beratern, den engagierten Menschen
41 Naturnahes Gärtnern als Ausdruck
Artenvielfalt können Sie viele konkrete Projekte der in den Naturvielfalt-Gemeinden und vielen weite-
1 ökologischen Denkens und Handelns 2
Arten- und Lebensraumvielfalt nachlesen: Beispiele ren Partnerinnen und Partnern das Programm stetig
43 Friedhöfe als lebendige Inseln der Ruhe
47
wie die Gemeinden Nenzing und Frastanz, die sich weiterentwickelt. Dafür wurden die beiden 2015 mit
45 Es geht auch ohne Herbizide: Praxiskurse vermitteln
für schattenseitige Magerwiesen einsetzen oder die einem Binding-Preis ausgezeichnet, „Naturvielfalt in
neues Verständnis von „Unkraut“
Marktgemeinde Götzis, die nicht müde wird, ihre Moo- der Gemeinde“ bekam damit auch eine internationale
re zu renaturieren. Anerkennung.
Programm
Erstaunlich ist auch die Vielfalt an Aktivitäten und
Ideen in den Gemeinden zur Schaffung von Biotopen
47 Ausgezeichnet:
inmitten ihres Siedlungsraums: Vom Erhalt alt-ehr-
„Naturvielfalt in der Gemeinde“
würdiger Bäume, dem ersten naturnah entwickelten
50 Veranstaltungen im Überblick
Betriebsgebiet in Vorarlberg, dem Lebensraum Dach
53 Literaturverzeichnis und
und auch von Friedhöfen als Naturoasen ist in diesen
weiterführende Informationen
Nahaufnahmen zu lesen. Es gibt schon einige Umset- Johannes Rauch
zungen, die sich sehen lassen können. LandesratAngebote für Chaos-m² Zwölf Teilnehmende der Veranstaltung
Eltern-Kind in Vorarlberger „ZwischenZeit nehmen“ 2015 haben
eigene Projekte oder Themen zur Weiter-
Naturerfahrungen Gärten entwicklung eingebracht. Manche davon
konnten schon umgesetzt werden
Im Naturpark Nagelfluhkette Bringen Sie Ihren
(dunkelgrün) bzw. sind in Planung. Stand
Programm 2020 – Naturvielfalt in Gemeinde & Gesellschaft wurden Eltern in die Junior- Igel zum Fliegen
Oktober 2016.
Rangerausbildung miteinbezogen
Wer braucht schon Naturvielfalt? www.nagelfluhkette.info/
junior-ranger
Mit der
Wir merken es daran, dass in Wiesen und an Wegen nur noch selten bunte Blumensträuße gepflückt werden können. Natur Beispiele für
Lehrgang für
Wir erkennen es daran, dass wir im eigenen Garten nur mehr wenige Schmetterlingsarten beobachten oder aber nur
noch wenige Hochstammobstbäume und Flurgehölze rund um unsere Siedlungen entdecken können: Die Artenvielfalt Multiplikatorinnen und Belebungen (halb-)
geht zurück! Multiplikatoren öffentlicher Flächen
„Blühende Landschaft“
zur Förderung
Die Sicherung der Biodiversität zählt neben dem Kraftquelle und Wohlbefinden 25 Teilnehmerinnen und von Integration und
Klima- und Ressourcenschutz weltweit zu den großen Teilnehmer haben diesen Nachbarschaft
Herausforderungen. Doch ist das allen bewusst? Nur Die Teilnehmenden orten insbesondere in der kon- Kurs 2016 besucht, ein schaffen.
allzu häufig hören wir, dass der Naturschutz und die sum- und wirtschaftsorientierten Haltung, in zu wenig weiterer folgt 2017.
Sicherung der Biodiversität schon gut und recht sind, zielführenden Förderungen, im Konkurrenz- und www.bodenseeakademie.at
sich aber im Alltag andere Aufgaben stellen. Und so Ressortdenken sowie in der menschlichen Bequem-
schlimm sei die Situation in Vorarlberg auch nicht. lichkeit die größten Hemmschuhe, um sich diesen
Der Blick auf die „Roten Listen der gefährdeten Arten“ Herausforderungen zu stellen. Dabei steht die Natur
verrät: Die Zahl der bedrohten Tier- und Pflanzenar- den Teilnehmenden zufolge für Regeneration, Kraft-
ten ist in den letzten Jahrzehnten auch in Vorarlberg quelle und Wohlbefinden. Die Natur bietet Schönheit, Die Gemeinde Abenteuer Natur –
deutlich gestiegen. Einfachheit, Geduld und Entschleunigung – in einer als Landwirt Plattform ein Netzwerk von
effizienten und aufgeräumten Welt selten gewor- Naturvielfalt
dene Güter. Junge Menschen sind bereit, abgeholt Landwirtschaftserhaltung Naturvermittlern
Naturvielfalt geht uns alle an zu werden. Viele Trends sprechen dafür wie „Urban durch Kommunen
leben in Feldkirch
Der Verein für Obst- und Gartenkultur
Gardening“, Gemeinschaftsgärten und die spürbare
www.feldkirch.at Vorarlberg hat 2016 mit zehn Gemeinden
Wie aber kommen wir aus dem Kreis der üblichen Sehnsucht, selbst wirksam zu werden.
/naturvielfalt ein Kinderprogramm in der Natur
Aktivistinnen und Aktivisten hinaus? Im Jahre 2014
gestartet, 2017 sind weitere geplant.
starteten wir im Rahmen des Programms „Naturviel- Wenn wir die Natur als Grundbedürfnis aller Menschen
falt in der Gemeinde“ einen Prozess, diskutierten mit verstehen und somit diese Lebensgrundlage erhalten
www.ogv.at
Raumplanenden, Architektinnen und Architekten, Wirt- wollen, müssen – allen voran für Kinder – Möglichkei-
schaftstreibenden und Gemeindeverwaltungen über ten geschaffen werden, die Natur neu zu entdecken,
Biodiversität und Herausforderungen im Alltag. Am 8. Menschen mehr auf der emotionalen Ebene angespro-
Oktober 2015, beim dritten „ZwischenZeit nehmen“, chen und begeistert sowie die Kraft des gemeinsamen
dem Dialogforum des Programms, gingen 60 geladene Tuns genutzt werden – so der Tenor in der Gruppe.
Gäste aus unterschiedlichen Disziplinen und Aufgaben- Naturschutz &
bereichen gemeinsam der Frage nach: „Wer braucht Hochwasserschutz
schon Naturvielfalt?“ Gemeinsame Projekte im Einklang
Glyphosat-Verbot
Ziel der Veranstaltung war es, Chancen und Herausfor- Dialoge und Kooperationen über eigene Handlungs-
derungen im Erhalt der Natur- und Lebensraumvielfalt bereiche hinaus sind wesentliche Werkzeuge des
auf gemeindeeigenen
Gesellschaft
Gesellschaft
für die Gesellschaft, die Gemeinden und den persönli- Gelingens. Gute Beispiele, die Emotionen wecken, Flächen
chen Alltag aus verschiedenen Perspektiven zu beleuch- können Widerständen entgegenwirken. Diese Erkennt-
ten und gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln. nisse und die Ergebnisse der vielen Gespräche und des
Workshops sind in Folge in das Programm 2020 „Na-
Der zuständige Landesrat Johannes Rauch eröffnete turvielfalt in Gemeinde & Gesellschaft“ eingeflossen,
5 den gemeinsamen Workshop, indem er von seinen per- sind aber auch Anknüpfungspunkte für viele weitere 6
sönlichen Erfahrungen im Zuge der Natura-2000-Nach- Dialoge und gemeinsame Projekte.
nominierungen erzählte, den damit einhergehenden
Gesprächen in den Regionen und Gemeinden, von
Ängsten, Einsprüchen aber auch Möglichkeiten. Unsere Christiane Machold und Katrin Löning Biotop-Inwertsetzung
Wertehaltung gegenüber der Natur- und Lebensraum- Programmleitung und Koordination in Partnerschaft mit
vielfalt beeinflusst viele unterschiedliche Lebensbe- Jugendlichen und Schulen
reiche. Sich dessen bewusst zu werden und daraus
gemeinsame Bedürfnisse und Handlungsoptionen Plattform für Die Mittelschule Götzis hilft mit,
abzuleiten, ist gleichzeitig Herausforderung als auch Naturvielfalt Moorlebensräume zu erhalten. Interessentengruppe
Chance. www.vorarlberg.at/naturvielfalt www.moordetektive.at
Ein Think Tank mit Biodiversität &
interessierten Handelnden Auskommen in der
aus allen Bereichen Landwirtschaft
der Gesellschaft.„Es gibt also Hoffnung für ein glückliches Es braucht viel Mut
Verwildern unserer Kinder. Ein perfektes Kinder brauchen die Natur und setzen sich auch gerne
Biotop ist dafür nicht vonnöten. Ein Stück für sie ein. Aber wieviel Natur braucht ein Kind? Die
Naturvielfalt-Teams sind sich einig, dass es in jeder
Brachland um die Ecke reicht.“ Gemeinde möglich ist, Zugänge zur Natur zu erhalten
und neue zu schaffen. Erwachsene brauchen Mut,
Dr. phil. Andreas Weber, 2010 Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen.
Naturvermittlung von Kindern für Kinder in Hard © Heidi Krischke-Blum
Philosoph und Biologe
Botschafter für die Naturschätze
Naturvielfalt trifft Jugend
Die Kinder formulieren ihr Grundbedürfnis aber auch
Wieviel Natur brauchen Kinder? gerne selbst. Auf einem Kinderrechtsseminar in der
Marktgemeinde Hard im Winter 2015 identifizierten
die rund 70 Teilnehmenden den größten Handlungsbe-
INFO
Erlebnisse mit und in der Natur sind wichtige Eckpfeiler in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Die Grund- darf im Bereich Umwelt, Tier- und Naturschutz. Einige Naturräume für Kinder
voraussetzungen sind die Etablierung und Erhaltung von Naturräumen und etwas Mut, Kinder ihre eigenen Erfahrun- Kinder gründeten daraufhin eine Aktivisten-Gruppe tionen,
Grenzräume wie Flussufer, Waldränder, Brückensitua
gen machen zu lassen. namens „Salamander“ und setzen sich seitdem für o Bio-
aber auch Hohl- und Fußwege sind nicht nur in punct
verschiedene Lebensräume in ihrer Gemeinde ein. „Die sprech en
diversität ein Hotspot der (Arten-) Vielfalt, sondern
Kinder haben ihr Ziele demokratisch abgestimmt und
Kinder und Jugendliche gleichermaßen an.
Wenn wir uns an die eigenen Kindheitserfahrungen Natur für die kindliche Entwicklung sich in Folge besonders intensiv mit Bienenlebens-
wie
mit der Natur zurückerinnern, wie wir auf Bäume räumen auseinandergesetzt“, erklärt die Begleiterin Inselräume sind ebenso spannend: Naturnahe Räume
geklettert sind, Tiere gefangen, uns in Wald, Wiesen, Einen besonderen Weg geht hier die Stadt Hohenems, Heidi Krischke-Blum. Die jungen Schülerinnen und Naturg ärten eignen sich
Waldkuppen, Feldgehölze oder
en,
Bächen und Tümpeln wie Zuhause gefühlt und die Zeit die Naturerfahrung als ein wertvolles Kapital betrach- Schüler besuchten den von der Naturvielfalt-Gruppe Kinder und Jugendliche gerne an. Diese sollten erhalt
vergessen haben: Das waren regelrechte Abenteuer. tet und allen Volksschulklassen mindestens einmal im umgesetzten Naturerfahrungs- und Bienengarten eingeplant oder entwickelt werden.
Ob der Aufenthalt in der Natur den Menschen sensi- Jahr einen Walderlebnistag ermöglicht. Basis dafür Hard, lernten diesen lieben und fingen an, die Texte der
Rodel-
bler im Umgang mit derselben macht, sei dahinge- ist ein von Stadträtin Patricia Tschallener erarbeite- dort aufgestellten Tafeln kindgerecht zu übersetzen. Brachen, temporäre Spielräume: Winterbrachen wie
lätze
stellt. Fakt ist: Der Aufenthalt in der Natur ist gesund, tes, integratives Waldpädagogikkonzept (Tschallener Inzwischen sind die Salamander-Kinder begeisterte hügel, abgebrochene Gebäude, Ruinen oder Lagerp
t.
baut Stress ab, fördert die körperliche Fitness und 2015). Dabei geht es nicht rein um die Vermittlung Bienenbotschafter, die seit 2016 auch anderen Kindern werden von Kindern, aber auch von Tieren gern erober
schult die motorischen Fähigkeiten. von Sachwissen, sondern vor allem um die Förde- ihre Naturschätze näherbringen.
rung von Gesundheit, einer authentisch ökologischen
Lebenseinstellung und Stärkung der Persönlichkeit.
Wissen – Spüren – Staunen Ein eigener Waldkindergarten rundet das Angebot der
Stadt ab: „Jeder Regentag ist willkommen, denn erst
Kindern und Jugendlichen einen Zugang zur Natur dann können die Kinder spüren, wie sich die Erde bei
zu belassen mit all ihren Reichtümern und Gefahren, unterschiedlichen Witterungen verändert“, erzählt
scheint eine Herausforderung in einer Zeit der gere- Pädagogin Andrea Mathis-Máté. Die Stadt fördert
gelten Freizeit und überbordender Sicherheitsvorgaben dadurch die motorische, sensitive und psychische
unserer Gesellschaft zu sein. Seit Jahren begleitet die Entwicklung ihrer Kinder.
Landschaftsplanerin Maria-Anna Schneider-Moos-
brugger Gemeinden bei der Entwicklung ihrer Spiel-
Gesellschaft
raumkonzepte und begibt sich dort auch in die Welt
von Kindern und Jugendlichen: Welche Bedürfnisse
und Interessen haben sie? Welchen Freiraum in der
Natur eignen sie sich besonders gerne an? Im Rahmen
7 eines Erfahrungsaustausches mit Teams aus den Na- 8
turvielfalt-Gemeinden fasst sie wichtige Erkenntnisse
daraus zusammen (siehe Infobox). „Oftmals sind es
Rand- und Kleinstrukturen, kleine Wildnisräume und
Aussichtsbereiche, die erobert und entdeckt werden
wollen“, so die Expertin. Sie plädiert dafür, Wildnis-
räume zu erhalten, die Inbesitznahme zuzulassen und
Selbsterfahrungen junger Menschen zu kultivieren.
PROJEKT
AUS DER
GEMEINDE
Waldwichtel Hohenems © Andrea Mathis-Máté Moordetektive aus Alberschwende führen die Workshop-Teilnehmenden © Katrin LöningNaturvielfalt leben in Feldkirch
l t l e be n“ i n Feldkir ch
tur viel fa
Naturschutz kann jede und jeder! Ein Jahr „ Na
au f Nat ur-
lt u ng en m ache n Lust
Wie kann man Vögel im Garten fördern? Wie entstehen Nist- und Nahrungsplätze für Wildbienen? Wie funktioniert Veransta ssbere ich. Hi
er :
ge ne n Ein flu
ein Gemeinschaftsgarten? 120 Bürgerinnen und Bürger tauschten sich in Feldkirch auf dem „Marktplatz der Natur- schu tz im ei inhard W it t m it Tipps
nfac hm an n Re
vielfalt“ mit Umweltvereinen und städtischen Partnern aus. Nat urg ar te
en ei ge ne n Gar te n.
für d
Der „Marktplatz der Naturvielfalt“ markierte den der Stadt eine Internet-Plattform, auf der gute Ideen
Schlusspunkt des Feldkircher Schwerpunktjahres und Praktiken aus dem Alltag vorgestellt werden und
„Naturvielfalt leben“ und fand im Alten Hallenbad in zur Nachahmung animieren. Regelmäßig werden im
“
tur vielfa lt
Feldkirch das richtige Ambiente vor. Rund zehn Veran- Stadtmagazin „Feldkirch aktuell“ Geschichten von
rk tp la tz der Na
Au f dem „M
a eltvereine
staltungen und zahlreiche Natura-2000-Spaziergänge Menschen und ihrem Engagement für die Natur prä-
P r iv a tper sone n, Um w
te n ern
verdeutlichten im Laufe des Jahres, wie Natur- und sentiert. Und: ein digitaler Newsletter der Stadt trägt pr ä se nt ier en Besu ch
S ta d t Fe ldkir ch d
Artenschutz im eigenen Einflussbereich gelingen kann. zum Austausch von Informationen und zur aktiven und die
den Allt ag.
Idee n für
Ob im Garten oder auf dem Balkon, gemeinsam im Vernetzung bei.
Gemeinschafts- oder Schulgarten, im Rahmen von satz
ihre m Ein
Pflegeeinsätzen im Natura-2000-Gebiet Bangs-Mat- vo n M ensche n und in th
Geschicht en u terla r
by
schels oder bei der Unterstützung der frühjährlichen
„Der Spaß am Engagement für die Natur tu r. Hi er : Da s Kr ä
a
Krötenrettung: Die Möglichkeiten sind schier unbe- für die N en.
vor der Haustür ist spürbar.“ ldki r ch- Gising
grenzt. in Fe
Mag. Claudia Hämmerle
Leiterin Umweltamt, Stadt Feldkirch
Menschen für den Artenschutz
begeistern
Vorbild Stadt
Weltweit ist ein Rückgang der biologischen Vielfalt zu
teres-
beobachten. Der Verlust von Tier- und Pflanzenarten Auch das Rathaus macht mit: Stadtgärtner Manfred ik ze ig t in
er M a nf red Brezn nge
wie auch der Gen- und Lebensraumvielfalt gefährdet Breznik sammelt schon seit Jahren Erfahrungen zur Stadtg är tn rn eine ju
r in ne n und Bürge
nachhaltig die Lebens- und Gesundheitsgrundlage Anlage und Pflege von naturnahen Blumenwiesen auf
sier ten Bü
r ge Wildbie-
von Menschen. Aus diesem Grund haben die Vereinten städtischem Grund und verbessert damit das Nah- ne Fu tt er quelle für
e, ei
Blühfläch n.
Nationen die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade der rungsangebot von Wildbienen und anderen Insekten. a nd ere Insekte
nen und
biologischen Vielfalt erklärt. Das Ziel: Die Weltöffent- Auch im Hochbauamt wird vermehrt über Möglich- selbst
haffen mit
lichkeit soll zum Handeln angestoßen werden und sich keiten des Artenschutzes am Bau nachgedacht. „Wir nd J u ge ndliche sc cke
Kinder u llungsstü
aktiv für den Erhalt der Artenvielfalt einsetzen. Das werden dem Thema Dachbegrünung in Zukunft mehr N a tu r fa rben Ausste
gemachten
Gesellschaft
Naturvielfalt-Team in Feldkirch hat diesen Ansatz auf- Aufmerksamkeit schenken“, so der Leiter der Hochbau- arkt.
gegriffen und sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele abteilung, DI (FH) Jürgen Hafner. Der Einsatz für die für den M
Bürgerinnen und Bürger genauso wie städtische Mit- biologische Vielfalt lässt die Stadt auch 2017 nicht los:
arbeitende für das Thema zu gewinnen. Vorbildliches Zahlreiche Veranstaltungen, Exkursionen und Dialoge
Engagement und wegweisende Ideen sollen gestärkt, bieten die Möglichkeit, Ideen auszutauschen, Unter-
9 vernetzt und unterstützt werden. stützung zu holen oder sich zu vernetzen. Das Netz an 10
ld kirc h
begeisterten und engagierten Menschen wächst.
© Stadt Fe
Geschichten aus dem Alltag
e in-
paziergäng
N a tur a -2000- S tz-
Das Naturvielfalt-Team in Feldkirch geht davon aus, Zahlreiche Europa hu
sc
lm ä ßig über das
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formieren
dass die Bereitschaft der Bevölkerung, sich für die
s.
biologische Vielfalt einzusetzen, größer als angenom- B ang s-Matschel
gebiet
men ist. Was benötigt wird? Gute Ideen für den Alltag
und die Möglichkeit mitzumachen. Seit 2016 gibt es in www.feldkirch.at/naturvielfalt
PROJEKT
AUS DER
GEMEINDEPROJEKT
AUS DER
GEMEINDE
Mit Naturvielfalt wirtschaften Gesellschaft
Brücken bauen für eine
artenreiche Landwirtschaft Geschlechterrollen
Die Landwirtschaft hat im historischen Kontext einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Artenvielfalt geleistet. Gesundheit
Durch eine industriell geprägte Lebensmittelproduktion ist diese Leistung vielerorts verloren gegangen. Gemeinden Tradition
sollten daher eine natur- und ressourcenschonende Landwirtschaft als gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachten. Kultur
Soziales
Die Artenvielfalt und die Diversität unserer Land- Lebensraumerhaltung auch bei Produktionsfragen
schaft verdanken wir zu einem großen Teil der nicht aus dem Blickfeld geraten. Sie sind überzeugt,
Landwirtschaft. Denn historisch haben sich durch dass Landwirtschaft als Versorgungswirtschaft lang-
die menschliche Nutzung von Land und Forst klein- fristig nur funktioniert, wenn die Landnutzung im Anbau und Anerkennung von
räumig verschiedenste Lebensräume entwickelt, die Einklang mit der Natur und den Ressourcen betrieben Vermarktung traditioneller und
von Natur aus so nicht entstanden wären. Das beste wird. Als Grundlage dazu dient die Definition der traditioneller diversifizierter
Beispiel sind Wiesen in Tal- und Hanglagen unterhalb Multifunktionalität der Landwirtschaft im Weltagrar- Lebensmittel Landnutzung
der Waldgrenze, die auf einem Quadratmeter Fläche bericht von 2008. Im Globalen Report heißt es dazu:
eine besonders hohe Artenvielfalt aufweisen. Im „Landwirtschaft ist multifunktional und geht weit
Zwischenraum, wo die Wiese in den Wald übergeht, über die Lebensmittelproduktion hinaus. Wichtige Lebensmittel
liegt der Waldrand. In der historischen Nutzung war weitere Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung sind Produktion
das ein sanfter Übergang mit Sträuchern und Saum- Non-Food-Produkte, Umweltdienstleistungen und
gesellschaften, besiedelt von Arten der Wiese und des Umweltschutz, die Förderung von Existenzgrundlagen,
Waldes und eben jenen Arten, die genau dazwischen wirtschaftliche Entwicklung, Schaffung von Arbeits-
vorkommen – bei Fettwiesen ein Hotspot der Arten- plätzen, Lebensmittelsicherheit und -qualität, soziale Böden
vielfalt. Dazu kam eine kleinteilige Ackernutzung, wo Stabilität, Erhalt von Kultur, Tradition und Identität.“ Einkommen Bewertung von Wasser
immer es naturräumlich möglich war. (Zukunftsstiftung Landwirtschaft 2013). Vermarktung Umwelt- Klima
Handel Dienstleistungen Biodiversität
Zudem bedeutet fortschreitende Industrialisierung in
Einseitiges Wirtschaftsverständnis der Landwirtschaft einen Verlust an Arbeitsplätzen,
einen Schwund regionaler wirtschaftlicher Kreisläufe
Solche Bereiche gibt es noch immer, aber durch die und einen Rückgang an Direktvermarktung. Das wirkt
moderne Landwirtschaft sind sie rar geworden. Der sich auf das gesamte ökonomische und soziale Leben
derzeitige Rückgang an Artenvielfalt und Lebens- einer Region aus. Mit dem Rückgang der handwerk-
räumen geht weltweit zu einem großen Teil auf das lichen Verarbeitungsbetriebe und der bäuerlichen
Konto der Landnutzung zur Lebensmittelproduktion. Direktvermarktung schwindet der „soziale Kitt“ des
Dieser Form der Landwirtschaft liegt ein industrielles Dorfes/der Region (Baier et al. 2005).
Wirtschaft Umwelt
Vorbild und ein Wirtschaftsverständnis zugrunde,
Gesellschaft
Gesellschaft
welches einseitig auf Warenproduktion ausgerichtet
ist. Da weichen die echten Wiesen dem vielschnittigen Landwirtschaft zum Wohle aller
Grünland, das intensiv genutzte Grasland reicht bis
an die Stämme des Waldes heran, Ackerflächen sind Deshalb ist es umso wichtiger, neben dem gesetz-
Abbildung: Diese Grafik zeigt das Ineinandergreifen der verschiedenen Bereiche einer
zu Monokulturen geworden. Lagen, die nicht inten- lich festgelegten Natur- und Artenschutz und der
11 siviert werden können, wachsen mit Gehölzen zu. finanziellen Abgeltung für Umweltleistungen die multifunktionalen Landwirtschaft (Zukunftsstiftung Landwirtschaft 2013). 12
Die Ernteprodukte fallen zu „mager“ aus und können landwirtschaftliche Produktion, samt Verarbeitung
wirtschaftlich nicht in Wert gesetzt werden. Kurz: und Vermarktung, im Auge zu behalten. Dies kann
Die Naturvielfalt ist nicht mehr selbstverständlich ein nur gelingen, wenn Landwirtschaft als gesamtgesell-
Teil bzw. ein Nebenprodukt der Landwirtschaft, wie es schaftliche Aufgabe betrachtet wird, die dem Wohle
traditionell der Fall war. aller dient. Einige Gemeinden orientieren sich bereits
an dieser Idee und entwickeln zusammen mit den Na-
turvielfalt-Teams Konzepte, wie Gemeinden Landwirt-
Im Einklang mit Natur und Ressourcen schaft in Hinblick auf Naturvielfalt unterstützen und
fördern können. Beim Erfahrungsaustausch im Herbst Gastautorin: DI Simone König, Bodensee Akademie und Naturvielfalt-Beraterin. Sie ist bei der Bodensee Akademie
Den Naturvielfalt-Beraterinnen und -Beratern ist 2016 in Nenzing gab es hierzu verschiedene Arbeits- im Themenfeld zukunftsfähige Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung in Vorarlberg sowie für das Netzwerk
es ein Anliegen, mitzuhelfen, dass Artenvielfalt und gruppen (siehe Seite 13 und 14). blühendes Vorarlberg tätig. www.blühendes-vorarlberg.atPROJEKT Die hier aufgeführten Projekte und Ideen waren Gegenstand der Diskussion beim
AUS DER
GEMEINDE Erfahrungsaustauschtreffen der Naturvielfalt-Teams im November 2016.
Sinnvolle Wertschöpfung mit Magerheu
Die Erhaltung der artenreichen Trespen- und Streuwiesen ist in der heutigen Massenproduktion
nicht wirtschaftlich. Zu sehr wird auf hohe Milchleistung und damit auf eiweißreiches Futter der
Fokus gelegt. Da können die extensiven Bergwiesen mit den Intensivwiesen in den Tallagen nicht
mithalten. Dabei kann dieses Magerheu etwas anderes, bietet viele wertvolle Inhalts- und Wirk-
stoffe. Diese müssen in Wert gesetzt werden. Direkte und indirekte Produkte aus diesem wertvollen
Fallobst zu eigener Saftmarke verarbeitet Heu müssen als solches vermarktet werden. Die Montafoner Steinschafe von extensiven, kräuter-
reichen Bergwiesen beispielsweise bieten eine exklusive Fleisch- und Woll-Qualität, die auch eine
„Luschnouar Saft“ ist eine Initiative, die einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der ortsbildprä-
Marktnische findet. Gemeinden, Bevölkerung und Landwirte könnten zusammenarbeiten, eventuell
genden Hochstammbäume leistet. Diese sind als „grüne Lunge“ im Ort und auf den angrenzenden
eine Genossenschaft gründen und somit gemeinsam in Magerheuprodukte investieren, sich für das
Feldern Teil der Lebensqualität. Mit der Idee, eine eigene Saftmarke zu entwickeln und damit die
Marketing, den Absatz und die Direktvermarktung engagieren.
sinnvolle Verwertung des ohnedies anfallenden Obstes zu fördern, erfährt auch das kostbare
Landschaftselement Streuobstwiese mehr Wertschätzung. Ergänzend dazu setzt das Gemeinde-
projekt „Verwertung von Fallobst“ auf die Unterstützung der Dornbirner Jugendwerkstätte bei der
Obstlese. Produziert wird der naturreine Saft in der örtlichen Mosterei Krammel, verwendet wer-
den ausschließlich ungespritzte Hochstamm-Äpfel und Birnen. Gefördert wird die Initiative von
der Gemeinde, indem sie für das Obst einen Aufpreis von 0,04 Euro pro Kilogramm ergänzend zum
Marktpreis bezahlt. Innerhalb von zehn Jahren wurden 88.223 Kilogramm Obst zu rund 61.000
Litern Obstsaft verarbeitet.
http://www.lustenau.at/de/umwelt/
Ein Leitbild für die Landwirtschaft
Wie können landwirtschaftliche und ökologische Flächen für die Zukunft gesichert werden? Wie
gelingt eine multifunktionale Nutzung im Einklang mit der landwirtschaftlichen Produktion? Und
welcher Zusammenhang besteht zwischen den Ernährungsgewohnheiten und der regionalen Land-
wirtschaft? Fragen wie diese hat die Marktgemeinde Rankweil im Rahmen eines Leitbildprozesses für
die Landwirtschaft beantwortet. In Zusammenarbeit mit Landwirtinnen und Landwirten, Interessierten,
der Politik und dem Naturvielfalt-Team wurde auf Exkursionen und in Workshops ein gemeinsamer
Weg skizziert – und nun tatkräftig an dessen Umsetzung gearbeitet. Mit Erfolg: Eine steigende
Anzahl an Hofbesuchen, Kochkurse für die Bevölkerung, gut besuchte Veranstaltungen zu Themen
wie Fruchtfolge für die Landwirtinnen und Landwirte oder Homöopathie in der Viehzucht, Aufnahme
der Flächensicherung im neuen Räumlichen Entwicklungskonzept oder Auszeichnungen wie der
13 Pachtverträge an ökologische Maßnahmen gekoppelt Vorarlberger Tierschutzpreis 2015 sind gelungene Beispiele einer erfolgreichen Umsetzung. 14
Mehr dazu unter www.rankweil.at/umwelt
Unversiegelter, funktionsfähiger Boden ist ein besonders wertvolles und rares Gut. Boden stellt die
Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und uns Menschen dar und ermöglicht, neben vielen weiteren
Funktionen, lebensnotwendige landwirtschaftliche Produktion. Grundeigentümerinnen und Grundei-
gentümer sowie Bewirtschaftende tragen eine entsprechende Verantwortung, den Boden in seiner
Funktionsfähigkeit zu erhalten. Wie kann eine Gemeinde ihrer Rolle als Grundeigentümerin gerecht
werden? Dieser Frage widmen sich Gemeinden im Rahmen ihrer Naturvielfalt-Aktivitäten. Im Zuge
dessen wurden Empfehlungen für ökologische Maßnahmen bei der Vergabe von kommunalen Pacht-
flächen entwickelt, die nun in der Umsetzbarkeit erprobt werden.
Mehr dazu bei christiane.machold@vorarlberg.at
Kulturlandschaft und Hägis in Bludesch © Jutta SoraperraPROJEKT
AUS DER
GEMEINDE
Entwicklungskonzepte Götzner Moore
Langjähriges Engagement
lässt Moore aufleben
Die Marktgemeinde Götzis erarbeitete zusammen mit dem Naturschutzbund Vorarlberg Entwicklungskonzepte für
Biotope, um die Naturschönheiten der Kommune für nachfolgende Generationen zu erhalten.
Die Sibirische Schwertlilie und Kiel-Lauch, zarte Schönheiten der Streuwiesen.
Der Rundblättrige Sonnentau, eine faszinierende Moorpflanze mit Appetit auf Insekten.
Die rostrote Kopfbinse, eine besondere Binsenart mit borstigen Blättern.
Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, ein Schmetterling mit außergewöhnlichem
Lebenszyklus: Seine Raupen ernähren sich zuerst ausschließlich vom Großen Wiesenknopf,
Moordetektivinnen im Götzner Moos © Felix Kranzl
dann leben sie in Ameisennestern von deren Larven.
All diese Besonderheiten und viele weitere Tier- und bleibt – sind darauf doch einige seltene Tier- und Pflan- Weiter mit viel Tatendrang Gastautorin: Mag. Bianca Burtscher ist Geschäftsführe-
Pflanzenarten kommen in den Götzner Biotopen vor. zenarten angewiesen. Feucht braucht es auch die Schnei- rin des Vorarlberger Naturschutzbundes und begleitet die
Manche von ihnen sind so selten, dass sie sogar europa- de, die in Vorarlberg nur noch im Mösle und im Euro- Und 2017? Entwicklungskonzepte für den Sonderberg Moorschutzprojekte in der Gemeinde.
weiten Schutz genießen. Für die Marktgemeinde paschutzgebiet Bangs-Matschels (Feldkirch) vorkommt. und den Gasserweiher stehen genauso auf dem Pro- www.naturschutzbund.at/vorarlberg
Götzis ein Schatz, für dessen Erhalt sie sich gemeinsam Auch in den Mationswiesen wurden Maßnahmen gramm wie die weitere Umsetzung von Maßnahmen in
mit ihren Partnerinnen und Partnern einsetzt. gesetzt, erstmals seit vielen Jahren wurden im Herbst den vier bereits aufgearbeiteten Biotopen. Im Mösle wird
2015 einige ehemalige Streuwiesen wieder gemäht. die Späte Goldrute, ein invasiver Neophyt, durch gezielte INFO
Pflegemaßnahmen zurückgedrängt. Die Umsetzung des
Gemeinsames Ziel vor Augen Im Götzner Moos konnte durch die erste Hochmoorre- Entwicklungskonzeptes Schubbas wird vorbereitet. Durch die Renaturierung von 1,3 Hektar
naturierung Vorarlbergs nicht nur der Lebensraum für Hochmoor in Götzis wurden 12,35 Tonnen
Seit 2010 wird an der Erhaltung und Aufwertung der seltene Moorarten – darunter der Rundblättrige Son- Den Schülerinnen und Schülern der Mittelschule Götzis CO2-Äquivalente pro Jahr eingespart.
Biotope und der örtlichen Schutzgebiete gearbeitet. nentau, das Scheidige Wollgras, die Moosbeere und die sollen indes, im Rahmen des Projekts Moordetektive, Diese Menge an Treibhausgas würde ohne
Renaturierung durch Torfmineralisierung
Resultat: Entwicklungskonzepte für vier wertvolle Rosmarinheide – erhalten werden. Wie sich das Götzner die Götzner Biotope und ihre Lebewelt näher gebracht
aus dem entwässerten Hochmoor in die
Lebensräume (Mösle, Götzner Moos, Schubbas und Ma- Moos nach der Hochmoorrenaturierung entwickelt, ist werden. Seit Beginn der Zusammenarbeit wird auch die Atmosphäre entweichen.
tionswiesen). In Zusammenarbeit mit Grundbesitzenden, derzeit Gegenstand von Untersuchungen. Erfreuliches Bevölkerung durch Vorträge, Exkursionen und Gemein-
Bewirtschaftenden, dem Pflegetrupp des Naturschutz- Zwischenergebnis: Trotz der außergewöhnlich trockenen deblatt-Artikel über die Fauna und Flora der Biotope und Zum Vergleich: Diese CO2-Menge ent-
bundes und weiteren Freiwilligen, werden diese nun und heißen Sommer der vergangenen Jahre, lag der Was- die Maßnahmen informiert. spricht dem Ausstoß eines herkömmlichen
schrittweise umgesetzt. Beispiele? serstand in einem Schwankungsbereich, der für intakte Pkw, der eineinhalb Mal die Erde umkreist.
Artenvielfalt
Artenvielfalt
Hochmoore typisch ist.
Das Mösle wurde durch Entbuschungen für die lichtlie-
bende Streuwiesenvegetation aufgewertet. Entscheidend
ist auch, dass der hohe Grundwasserspiegel erhalten
17 18
Iriswiese im Mösle © UMG Umweltbüro Grabher Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling © Bianca Burtscher Wildbiene © Bianca BurtscherNeuntöter Männchen © Shotshop im Bizauer Moos © Marlies Sperandio
Naturvielfalt in Bizau
Im Revier des Neuntöters
In der Bregenzerwälder Gemeinde Bizau erfolgte im sensiblen Naturraum „Unteres Moos“ in den Jahren 2012 bis irgendeinen landwirtschaftlichen Grund, sondern um Über den Neuntöter
2016 eine Güterzusammenlegung. Im Rahmen von Untersuchungen wurde eine unerwartete Entdeckung gemacht: eine Besonderheit handelt. Jetzt gilt es, sich mit den
So ist in Bizau eines der größten und bedeutendsten Vorkommen des Neuntöters in Vorarlberg beheimatet – ein Bewirtschaftern auszutauschen und gemeinsam die Seinen etwas abschreckenden Namen verdankt der
Beweis für eine abwechslungsreiche und artenreiche Kulturlandschaft. Erhaltung des Lebensraums zu sichern. Neuntöter der Tatsache, dass er seine Beutetiere gerne
auf Pflanzendornen aufspießt, bevor er sie frisst. Dass
Wie es um den aktuellen Stand des Projekts bestellt ist? Wir haben bei Bürgermeister Josef Bischofberger nachgefragt. es genau neun an der Zahl sein sollen, ist jedoch ein
Wo sehen Sie bisherige Erfolge und wel- Ammenmärchen. Um seinen Nistplatz- und Nahrungs-
ansprüchen gerecht zu werden, braucht es halboffene,
Herr Bischofberger, welchen persön- Ich denke, das Bewusstsein für diese Einzigartigkeit che Schritte sind als nächstes geplant abwechslungsreiche Kulturlandschaften mit einem
ist in der Bevölkerung größtenteils angekommen. Hilf-
lichen Bezug haben Sie zum Projekt reich dafür waren zum einen der Fotowettbewerb, den Als großen Erfolg würde ich die starke
ausreichenden Angebot an Hecken und Sträuchern.
Obwohl er mit einem Gesamtbestand von insgesamt
„Unteres Moos“ wir im Jahr 2012 bzw. 2013 ausgeschrieben haben – Bewusstseinsbildung in der Gemeinde
90-180 Brutpaaren hierzulande zwar noch vorhanden
und zum anderen die Biotop-Exkursionen. Diese wur- sehen. Im Rahmen der Begleitung
ist, sind die Bestände fast überall deutlich zurückge-
Als ich 2010 als Quereinsteiger das den sowohl von Einheimischen als auch von Gästen wurden viele Zusammenhänge
gangen. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken,
Bürgermeisteramt angetreten habe, gut besucht. Zudem hat die Gemeindevertretung klar des großflächigen Moorkomplexes
braucht es artenreiche Blumenwiesen, eine räumlich
wurde mir von meinem Vorgänger die zum Ausdruck gebracht, dass die Güterzusammenle- aufgezeigt. Es stellte sich heraus, dass durch die
und zeitlich gestaffelte Mahd in der Umgebung von
herausfordernde Aufgabe der Güter- gung und Entbuschung nur unter der Voraussetzung bisherige extensive Bewirtschaftung seltene Pflanzen
Brutplätzen und kiesige Feldwege oder andere vegeta-
zusammenlegung, also die Zusam- stattfinden soll, dass keine zusätzliche Entwässerung und Tierarten erhalten werden konnten. Um ihren Le-
tionsarme Stellen für die Nahrungssuche.
menfassung der kleinteiligen Parzel- und Intensivierung der Nutzungen stattfindet. bensraum auch zukünftig zu sichern, werden von den
Artenvielfalt
Artenvielfalt
lenstruktur zu größeren Einheiten im „Unteren Moos“, Dabei habe ich das Düngeverbot als sehr hilfreiches Fachleuten gewisse Maßnahmen wie die Entbuschung,
überlassen. Schon damals habe ich das „Untere Moos“ Mittel empfunden, um einer möglichen Intensivierung die späte Mahd sowie die regelmäßige aber möglichst Amann, G. et al. (2014):
als wertvollen Naturbereich wahrgenommen, jedoch entgegenzuwirken. extensive Nutzung der Fläche als notwendig erachtet. Ein echter Spießer. Abteilung Umwelt-
nicht mit der gleichen Aufmerksamkeit, die ihm später Jetzt, wo das Zusammenlegungsverfahren offiziell und Klimaschutz, Amt der Vorarlberger
zuteilwurde. Als mir parallel dazu das Angebot der abgeschlossen ist, wäre auch eine gute Gelegenheit, Landesregierung (Hrsg.), Bregenz.
19 Umwelt- und Klimaschutzabteilung des Landes für die Welche Schwierigkeiten sind im nochmal zusammenzufassen, welcher Stellenwert der 20
Naturvielfaltberatung auf den Schreibtisch flatterte, Fläche zuteilwird und welche Rahmenbedingungen
war das der Auslöser, ein Naturvielfalt-Team für diesen
Laufe des Projektes aufgetreten eingehalten werden müssen, damit dieser beibehalten
sensiblen Bereich zu gründen und die Zusammenle- werden kann. Für das Frühjahr ist die Aufstellung einer
Eine Herausforderung ist sicherlich
gung mit den zuständigen Behörden umzusetzen. Informationstafel geplant, die einerseits aufzeigt, was
die Sensibilisierung der Bewirt-
hier passiert ist und andererseits auf die naturräumli-
schafter bzw. Eigentümer für die
chen Besonderheiten hinweist. Das wäre auch für uns
Wertigkeit ihrer Flächen. Aus ihrer
Wie schätzen Sie die Bedeutung dieses Sicht steht die rasche Erledigung
ein Anlass, das Thema wieder stärker unter die Leute
zu bringen (Bischofberger 2016).
Naturjuwels für die Gemeinde ein der Pflegemaßnahmen zu einem
günstigen Zeitpunkt mit möglichst wenig Aufwand
Durch den Bau von Wegen wurde verständlicherweise im Vordergrund. Hier wäre mein
das Gebiet für die Bevölkerung Ziel, dass die Flächen von den Bewirtschaftern nicht
erlebbar gemacht. Dank der guten nur in Hinblick auf Mähzeitpunkt und Ertrag gesehen
Lage hat es sich inzwischen zu einem werden, sondern auch auf das, was den Flächen in PROJEKT
regelmäßig genutzten, attraktiven Bezug auf Flora und Fauna wohltut. Den Eigentümern AUS DER
Naherholungsraum entwickelt. ist mehrheitlich bewusst, dass es sich hier nicht um GEMEINDE
Bizauer Bürgermeister Josef Bischofberger © Land Vorarlberg, A. SerraPROJEKT
AUS DER
GEMEINDE
GEO-Tag der Artenvielfalt in Hohenems
Feldforschung vom
Alten Rhein bis zum Staufen
Welche Naturschätze befinden sich vor der eigenen Haustüre? Der „GEO-Tag der Artenvielfalt“ zeigt versteckte
Naturschönheiten und sorgt, wie in Hohenems 2015, gar für Sensationsfunde. Kleine Königslibelle © Paul Amann Große Artenvielfalt auf kleinem Raum © Bernhard Schneller
Geo-Tag der Artenvielfalt
zum 2. Mal in der Stadt Hohenems (2000, 2015)
Hunderte Orte in ganz Europa beteiligen sich Jahr zugt stehende oder strömungsberuhigte Uferzonen
für Jahr am „GEO-Tag der Artenvielfalt“, der größten und Kleingewässer an Altarmen von Flüssen, See- 11 km²
Feldforschungsaktion in Mitteleuropa. Darunter auch ausflüssen, Sumpfgebieten und Moorbächen. Das Untersuchungsgebiet
die Nibelungenstadt Hohenems, die die Aktion 2015 Vorkommen der Süßwassermoostierchen ist zugleich
zusammen mit zahlreichen Expertinnen und Experten Indiz für eine intakte Süßwasserstruktur. Trotz dieses Vom Alten Rhein bei 410 m Seehöhe bis
sowie interessierten Laien zelebriert hat. Ziel war es, Sensationsfundes – für Taucher Ladstätter hat der zum Staufen bei 1456 m Seehöhe
innerhalb von 24 Stunden entlang eines Transektes GEO-Tag der Artenvielfalt eine übergeordnete Be-
möglichst viele Arten zu bestimmen. Ein Vorhaben, das deutung: „Der tiefere Sinn ist es, den Bewohnerinnen Gefunden:
in Hohenems bereits im Jahre 2000 durchgeführt wur- und Bewohnern einer Region bewusst zu machen, von 1480 Arten (852 Pflanzen inkl.
de und daher spannende Entwicklungsvergleiche zuließ. welchen Naturschätzen sie umgeben sind. Nur was Pilze und Flechten, 628 Tierarten)
man kennt, das schützt man auch“, fasst der Taucher
zusammen (Ladstätter 2016). 55
Zahlreiche Partnerinnen und Partner Expertinnen und Experten aus verschiedenen Spezialgebieten
unterstützen Aktion 23
Kooperationspartnerinnen und -partner
Tauchgang Alter Rhein © Markus Grabher und 300 Besucherinnen und Besucher Moostierechen Alter Rhein © Reinold Amann
55 Expertinnen und Experten unterschiedlichster
Spezialgebiete nahmen sich mit Hilfe interessierter
Laien das Gebiet zwischen Altem Rhein und Schut-
tannen vor und bestimmten die dort aufgefundenen
Tier- und Pflanzenarten. Die Aktion wurde von über
zwanzig Kooperationspartnerinnen und -partnern
fachlich unterstützt und flankiert von Infostationen INFO
mit allerlei Wissenswertem. Hintergrund für die Stadt
ist es, die vielfältigen Landschafts- und Naturräume GEO-Tag der Artenvielfalt
mit unterschiedlichen ökologischen Nischen zu erhal- Der „GEO-Tag der Artenvielfalt“ wird seit 1999
ten und als Potenzial für die Entwicklung zu nutzen. jährlich vom Natur- und Wissensmagazin GEO
veranstaltet. Neben namhaften Expertinnen
und Experten sind auch interessierte Laien zum
Neue Moostierchenart nachgewiesen
Artenvielfalt
Aktionstag eingeladen, innerhalb von 24 Stun-
Die beiden Taucher Günter Ladstätter und Reinold den in einem begrenzten Gebiet möglichst viele
Amann verbrachten den „GEO-Tag der Artenvielfalt“ verschiedene Pflanzen und Tiere zu entdecken.
am Alten Rhein größtenteils unter Wasser, bestimm- Ziel ist eine Bestandsaufnahme der unmittelba-
ren Umwelt. Alle Informationen unter www.geo.
Frauenschuh © Christian Kuehs Blauflügel-Prachtlibelle © Georg Friebe
21 ten Fische, Muscheln und versorgten den Wasser- 22
pflanzen-Experten Dietmar Jäger mit Proben aus der de/artenvielfalt
Unterwasserwelt. Mit Erfolg. So konnte Ladstätter im
Rahmen der Abschlusspräsentation mit einer regel-
rechten Sensation aufwarten. Die beiden Taucher
hatten eine bislang in Hohenems nicht nachgewiesene
Moostierchen-Art entdeckt.
Süßwassermoostierchen sind Bewohner von zumeist
stehenden Gewässern und überziehen Steine oder
Pflanzen. In Europa sind etwa 20 Arten heimisch. Sie
sind ausgesprochen klein und nur als Kolonie gut als https://www.hohenems.at/de/info/natur-
flächige Struktur zu erkennen. Sie bewohnen bevor- erleben/tag-der-artenvielfalt/
Eichblatt-Radnetzspinne © Bernhard Schneller Weiße Seerose © Anna WaibelPROJEKT
AUS DER
GEMEINDE
Bergheimat Nenzing
Renaissance „alter“ Naturwerte
Bereits seit Generationen bewirtschaftet die Familie Peßl einen Teil der Magerheuberge am Beschlingerberg in Nen-
zing. Seltene Pflanzenarten wie Knabenkräuter, Schwarzwurzel oder Wiesensilge sind dort beheimatet, genauso wie
eine Vielzahl von Brutvogelarten. Der Baumpieper beispielsweise ist eine Leitart für intakte Kulturlandschaften. Austausch zwischen Landwirtschaft und Naturschutz © Katrin Löning Entbuschungsaktion der Nachbarschaftshilfe © Marktgemeinde Nenzing
Sein Schwiegervater hat die Wiesen noch mit der Sense zehn Minuten ist der Beschlingerberg vom Ortszentrum Umsetzung als Vorbild Über den Baumpieper
gemäht. Heute ist Markus Peßl mit dem Motormäher Nenzing erreichbar und gehört daher zu den wichtigen
unterwegs. Im Juli werden die Magerheuwiesen gemäht, Naherholungsräumen der Region. Heute ist die Erhaltung der offenen Landschaftsräume Der Baumpieper ernährt sich vorwiegend von den
im September die Riedflächen – kalkreiche Niedermoo- in den Hangzonen von Nenzing ein politisches Ziel, hier zahlreich vorkommenden kleinen Bodeninsekten,
re, die mosaikartig im Gelände eingesprengt sind. Nach Sukzessive Umsetzung festgehalten im aktuellen Räumlichen Entwicklungs- Würmern und Schnecken sowie von anderen wirbellosen
der Mahd wird die Streue in die Ebene zum Trocknen konzept (REK 2015). Der Grund: Die Räume werden als Tieren. Von Baumspitzen aus startet das Männchen den
gebracht. Die ganze Familie hilft mit, auch Freunde sind Das Projekt Bergheimat wurde im Jahre 2002 von der „wichtiger Bestandteil der Wohn- und Lebensqualität“ in markanten Singflug, bei dem er fallschirmartig seine
dabei. 14 Hektar Mager- und Streuwiesen bewirtschaftet Gemeinde Nenzing initiiert. Der Bestand aller Naturwerte Nenzing wahrgenommen. Das Entwicklungskonzept und Flügel ausbreitet und trillernd abwärts gleitet.
die Familie, davon 5,5 Hektar Streue. Letztere haben 35 in Nenzing wurde erhoben und analysiert und Anregungen die partizipative Umsetzung am Beschlingerberg und
Rundballen für das eigene Vieh zum Ergebnis – darunter zur Erhaltung und Entwicklung der Naturräume gemacht. in anderen Gebieten des Projektgebietes „Bergheimat“
15 Zuchtstiere, 10 Milchkühe und ein paar Kälber. „Die Der Biologe Georg Amann und sein Planer-Kollege Georg gelten als Vorbild.
Flächen haben ihren eigenen Charakter, aber wenn man Rauch schufen für den inzwischen verstorbenen Umwel-
sie nicht bewirtschaftet, würde uns der Wald ins Wohn- tausschussobmann Markus Ammann und dessen Team „Es wäre schade, wenn alles wieder zuwachsen würde
zimmer wachsen“, weiß der Landwirt. eine parzellenscharfe Maßnahmen-Grundlage, die in den und die jahrelange Arbeit umsonst gewesen wäre“, ist der
darauffolgenden Jahren sukzessive umgesetzt wurde. Landwirt überzeugt. Daher haben der neue Umwelt-
Landschaft geht verloren Viele Gespräche mit Landwirtinnen und Landwirten und ausschuss und das Naturvielfalt-Team rund um Elfriede
Grundbesitzenden folgten. Vereine, Schulen und auch Ribbers das stagnierende Projekt wiederaufgenommen.
Ein Blick auf den Luftbildvergleich macht das Ausmaß Unternehmen beteiligten sich an der Entholzung vorge- „Wir wollen das Projekt Bergheimat weiterführen und so
deutlich. Nur noch ein Bruchteil der parkähnlichen gebener Bereiche. Mit Unterstützung der „Allianz in den die schönen, artenreichen Gebiete Nenzings auch für die
Landschaft aus den 1950er-Jahren ist heute noch Alpen“ konnten Fördergelder aus Stiftungen, Land, Bund Zukunft erhalten“, so die Obfrau des Umweltausschusses.
vorhanden. Birken, Fichten und Tannen haben das Gebiet und EU lukriert werden. „Das Projekt animierte unter-
erobert und gefährden den Landschaftsraum und damit schiedliche Landwirtinnen und Landwirte die Bewirt-
den Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere, die schaftung wiederaufzunehmen. Und das Bewusstsein in
auf diese offene Landschaft angewiesen sind. In nur der Bevölkerung wurde geschärft“, so Peßl (2016).
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Luftbildvergleich Beschlingerberg 1950 und 2015 © Land Vorarlberg Der Baumpieper © Marek Szczepanek in seinem Lebensraum Beschlingerberg © Georg RauchC SIEDLUNGSRAUM
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Steinskulptur von Ruedi Mösch, am Kirchplatz vor der Pfarrkirche Altach © Conrad AmberBaum im urbanen Raum
Charakterstarke Ruhepole
und Schattenspender
Bäume im dicht besiedelten und urbanen Raum sind weit mehr als eine gestalterische Fleißaufgabe: Die grünen
Riesen verleihen Charakter und sorgen maßgeblich für Erholung und Wohlbefinden.
Die Vorgaben der Stadt Bregenz an das Planungsteam Salzungen im Winter oder aber Schädlinge und Krank-
des Kornmarktplatzes waren klar: Die Menschen sollen heiten. Wenig überraschend also, dass die dynamische
sich am städtischen Marktplatz wohlfühlen, darauf Siedlungsentwicklung einer hohen Lebenserwartung
verweilen können, ein Ort der Begegnung soll ge- der Bäume im Wege steht.
schaffen und urbanes Flair versprüht werden. Und dies
ist durchaus gelungen, nicht nur, aber auch wegen der Kornmarktplatz Bregenz © Land Vorarlberg, Schulmediencenter, I. Mähr, J. Paterno
Bäume. Die neuen Grüninseln verleihen Struktur und
sind Ruhepole, Schattenspender und Rückzugsorte.
„Bäume sind unverzichtbare gestalteri-
Zu gleich setzen sie die Gebäude am Kornmarktplatz sche Elemente und werten den öffentli- Bevölkerung reaktiviert. Ein unschätzbarer Wert für
in Szene: Kleine Bauminseln, verteilt über den ganzen
Platz, beherbergen je eine Baumart mit eigenem
chen Raum maßgeblich auf.“ die Kultur und Natur der Stadt Feldkirch. INFO
Charakter, unterschiedlichen Blütezeiten und Blattver-
Die Dialogreihe „Baum im urbanen Raum“
färbungen. Nimmt die Zeit ihren Lauf, nehmen auch Mag. arch. Marina Hämmerle „Wenn dicht gebaut werden muss, ist
Jungbäume inmitten von Marktständen, Kaffeehäu- Architektin bot die Umwelt- und Klimaschutzab-
sern, Theatern und Museen den Platz in Anspruch.
es besonders wichtig, mit bestehenden teilung im Rahmen „Naturvielfalt in der
landschaftlichen Elementen behutsam Gemeinde“ gemeinsam mit der Raum-
Welche Bedeutung hat der Baum im städtischen und Bäume mit atmosphärischer Wirkung umzugehen.“ planungsabteilung des Landes Vorarlberg,
dicht besiedelten Raum? Welchen Stellenwert geben dem Vorarlberger Architektur Institut,
wir dem Lebewesen und Lebensraum Baum? Mit der Und trotzdem: Das Bewusstsein für Bäume kehrt dem vorarlberg museum, der Markt-
Veranstaltungsreihe „Baum im urbanen Raum“ eröff- zurück. Auf der „Virglar Hoschtat“, einer typischen Univ. Prof. Dipl.-Ing. Lilli Licka, 2014 gemeinde Lustenau, den Städten Bregenz
nete die Umwelt- und Klimaschutzabteilung des Landes Obstbaumwiese inmitten von Lustenau, wurde das Landschaftsarchitektin
und Feldkirch und dem Österreichischen
Vorarlberg gemeinsam mit unterschiedlichen Partnerin- „Feldhotel“ aufgestellt, ein temporär eingerichteter
Ökologie-Institut an.
nen und Partnern einen Dialog mit Architektinnen und Planungsraum, in welchem interessierte Bürgerinnen
Architekten, Landschaftsplanenden, Ökologinnen und und Bürger unter anderem über den Wert von Bäumen
Ökologen sowie Bürgerinnen und Bürgern. debattierten. Fazit der Tour: „Die Obstbaumwiese,
Einzelbäume wie auch Baumgruppen im Zentrum
sind charaktergebend und werten Straßenzüge und
Wert alter Bäume unterschätzt? Wohnsiedlungen wesentlich auf. Baumreihen wie in
Siedlungsraum
der Rathausstraße beim Bauamt oder entlang der
Bäume im Siedlungsraum vermitteln Geborgenheit, Kaiser-Franz-Josef-Straße spenden Schatten, bin-
Schutz sowie Beständigkeit und verleihen jede Menge den Schadstoffe und sind vor allem atmosphärisch
Charakter. So sind Dorflinden in vielen Gemeinden wirksam. Bäume sind unverzichtbare gestalterische
auch heute noch Mittelpunkt gesellschaftlicher Elemente und werten den öffentlichen Raum maß-
Zusammenkünfte. Baumalleen an Straßen wiederum geblich auf“, so Marina Hämmerle, Architektin und
27 helfen mit, unseren Alltag zu entschleunigen. Stadt- Projektleiterin des Masterplans in Lustenau. 28
bäume ihrerseits filtern Feinstaub und Lärm, bieten
Schatten und Kühlung, sind Refugien für zahlreiche
Tier- und Pflanzenarten und Erinnerungsort für uns Feldkirch reaktiviert historischen Park
Menschen. Kurzum: Bäume sind aus unseren Siedlun-
gen nicht wegzudenken. Oder etwa doch? Dabei sind Bäume als Gestaltungselemente längst
Die Sicherung altehrwürdiger Baumriesen oder aber nicht neu: Im 19. Jahrhundert wurde damit in Villen-
auch die Pflege junger Bäume im Siedungsraum sind gegenden und Parkanlagen geradezu Kunst betrieben.
eine Herausforderung. Den Wurzelraum müssen sich Mit Bäumen aus aller Welt wurden Räume und Alleen
Bäume zusehends öfter mit unterirdischen Rohren und geschaffen, Aussichtsplattformen und Sitzrondelle
Leitungen teilen, Bodenverdichtungen ermöglichen kreiert. Sie sorgten für Erholung und Prestige. Die
nur eine geringe Sauerstoff- und Wasserversorgung Stadt Feldkirch hat einen solchen historischen Park,
und Versiegelungen vermindern den Gasaustausch. den Margarethenkapf, ganz im Bewusstsein über die
Hinzu kommen der Trockenstress im Sommer, die Wirkung der Bäume und ihrer Dramaturgie für die
Pavillon am Margarethenkapf Feldkirch © Fotoarchiv Feldkirch Landschaftarchitektonische Führung mit Lilli Licka © R. SteinparzerBetriebsgebiet Römergrund © Darko Todorovic, Reiner Kühnis, Reinhard Witt, Birgit Werle
Blühfläche statt Grauzone
Naturoasen auf dem Betriebsgebiet
Naturnahe Firmenareale können grüne Inseln im Siedlungsraum sein, Rückzugsräume für eine Vielzahl an Tieren und
Pflanzen und attraktiver Freiraum für Mitarbeitende, Kundschaft und Nachbarschaft. Ein Beispiel aus der Marktge-
meinde Rankweil.
Römergrund, Herbst 2015: Bürgermeister Martin Sum- Freiflächen und ein nachhaltiges Energiekonzept sind Österreichisches Ökologie-Institut (2014):
mer steht inmitten einer Gruppe von interessierten gefordert. Rechtlich gesichert wurde dies durch die Blühfläche statt Grauzone. Planungs- und Ge- INFO
Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern und macht Vertragsraumplanung, die die Liegenschaftseigentü- staltungsgrundsätze für naturnahe Gewerbe-
auf die zehn Meter breite Pufferzone zwischen Wohn- merinnen und -eigentümer an bestimmte Nutzungen flächen. Broschüre der Abteilung Umwelt- und
Betriebsgebiet Römergrund
gebiet und Betriebsgelände Römergrund aufmerksam. und Ausführungen bindet. Klimaschutz, Amt der Vorarlberger Landesre-
Der Wall ist mit regionaltypischen Gebüschen und gierung, Bregenz. Ort: Rankweil, zwischen der A14 und der L190
Wildpflanzen aufgewertet, ein alter Wurzelstock direkt Größe: 20 Hektar
Betriebsflächen: 34 zwischen 1.000 und 16.000 m
2
an einem kleinen Tümpel rundet das Lebensraumange- Unternehmen werden beraten Witt, R.; Hilgenstock, F. (2013): Grüngestal-
mit
Im ersten Bauabschnitt werden rund 8.400 m Fläche
2
bot für Vögel, Wildbienen und Amphibien ab. tungselemente Firmenflächen. Natur & Wirt-
g
Siedlungsraum
Siedlungsraum
Die Betriebe werden ihrerseits aktiv unterstützt. Ein schaft. Marktgemeinde Rankweil Betriebsge- heimischen Wildpflanzen begrün t, was in diesem Umfan
Insgesamt wurden von der Gemeinde mehr als zehn eigens ausgearbeitetes Handbuch für Unternehmerin- biet A 14. und Größe könne n
europaweit einzigartig ist. Je nach Fläche
Prozent des neuen, 100.000 Quadratmeter großen nen und Unternehmer gibt einen Überblick über mög- mehrere Gestaltungselemente in die Planung des Außen -
Industriegebietes naturnah gestaltet, Straßenbe- liche naturnahe Maßnahmen auf dem Firmengelände. Unter-
geländes aufgenommen werden. Ebenso wird den
gleitgrün mit heimischen Bäumen und artenreichen Zusätzlich übernimmt die Naturvielfaltgemeinde die ehmer n ein Maßna hmenk atalog
nehmerinnen und Untern
Wiesen bestückt, bestehende Randböschungen mit Kosten eines Beratungsgesprächs. Die Umsetzung eine Verzah nung
29 zur Begrünung vorgelegt. Dadur ch wird 30
heimischen Blühpflanzen angereichert und eine Hecke muss dann innerhalb von fünf Jahren erfolgen. Doch bs-
und den Betrie
sowie Saumgesellschaften auf dem Wall angelegt. im Mittelpunkt steht, die Unternehmerinnen und zwischen naturnahem öffentlichem Grün
Doch damit nicht genug: Auch die Betriebe, die sich Unternehmer von der Idee zu begeistern – ähnlich wie flächen angestrebt.
hier niederlassen, technisches und produzierendes Ge- es der Bürgermeister bei den Seminarteilnehmenden
werbe und Handwerk, Industrie- genauso wie Dienst- bewirkt hat, indem er auf einen Schwarm bunter Dis-
leistungsbetriebe, müssen sich dem Konzept der nach- telfinken in den Wilden Karden aufmerksam machte.
haltigen Gestaltung anschließen. Natürlich begrünte
PROJEKT
AUS DER
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