NAHRUNGSFETTE UND IHR EINFLUSS AUF DAS KARDIOVASKULÄRE RISIKO

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NAHRUNGSFETTE UND IHR EINFLUSS AUF DAS KARDIOVASKULÄRE RISIKO
Schwerpunkt

                                                                            DFP

            NAHRUNGSFETTE UND
            IHR EINFLUSS AUF DAS
            KARDIOVASKULÄRE RISIKO

                                                    N
            Die Ernährung beeinflusst das kardio-               ahrungsfette wirken nicht nur über die Beeinflussung der
            vaskuläre Risiko über verschiedenste                Serumlipide mit den Subfraktionen Low-density-Lipopro-
                                                                tein(LDL)- und High-density-Lipoprotein(HDL)-Cholesterin,
            Mechanismen, wobei insbesondere                     Triglyceride sowie in geringerem Ausmaß auch Lipoprotein
            Nahrungs-fette eine bedeutende          (a). Bei ungünstiger Qualität werden weitere kardiovaskulär relevante
            Rolle spielen. Dies betrifft sowohl     Parameter wie Blutdruck, Thrombophilie, endotheliale Funktion, Herz-
            quantitative Aspekte, da Nahrungs-      rhythmus, Insulinsensitivität und oxidativer Stress im Sinne einer Erhö-
                                                    hung des kardiovaskulären Risikos auch bei insgesamt nicht erhöhter
            fette als energiereichste Nahrungs-     Fettaufnahme modifiziert. Ebenfalls von diätetischen Einflüssen geprägt
            mittelkomponenten ein wesentlicher      ist die chronische subklinische Entzündungsreaktion als kardiovaskulärer
            Treiber in Richtung Übergewicht         Risikofaktor, der nicht nur bei Adipositas auftritt und bei der Entstehung
                                                    von Diabetes mellitus Typ 2 eine bedeutende Rolle spielt.
            und Adipositas mit all ihren Folge-
                                                                                                                                 © Foto: iStock

            erkrankungen sind, als auch             Fettgewebe ist als komplexes endokrines Organ zu betrachten. Zahlrei-
            vielfältige qualitative Aspekte.        che von Adipozyten sezernierte pro-entzündliche Adipokine verbreiten

6 | JEM September 2019
NAHRUNGSFETTE UND IHR EINFLUSS AUF DAS KARDIOVASKULÄRE RISIKO
Schwerpunkt

die Adipositas-assoziierte Fettgewebsent-       die über die Zwischenstufe der IDL-Partikel          von Triglyceriden, die Gesamt-C/HDL-C-
zündung in den gesamten Organismus.             (intermediate density lipoprotein) zu gro-           Ratio und die LDL-/HDL-C-Ratio. Eine er-
Zu den wichtigsten zählen TNF-Alpha,            ßen LDL-Partikeln umgesetzt werden. Bei              höhte Zufuhr von n-6 PUFAs senkt die
Interleukin(IL)-1 und -6, Monozyten-che-        erhöhten Triglycerid-Konzentrationen wer-            Plasma-Triglyceride, allerdings nur im
moattrahierendes Protein(MCP)-1 und             den Triglyceride aus besonders Triglyce-             Austausch gegen Kohlenhydrate, nicht
Osteopontin. Doch auch unabhängig von           rid-reichen VLDL unter anderem auf LDL-              aber im Austausch gegen andere Fett-
Adipositas können Entzündungsvorgänge           und HDL-Partikel übertragen. Vermittelt              säuren. Langkettige Omega-3-Fettsäu-
im viszeralen Fettgewebe die Atherosk-          durch das Enzym Cholesterinester-Trans-              ren senken eine Hypertriglyceridämie
lerose fördern (Öhmann MK et al. Circula-       fer-Protein (CETP) geschieht dies im Aus-            mit überzeugender Evidenz, ein Zusam-
tion 2008; 117: 798–805).                       tausch gegen Cholesterin. Die nunmehr                menhang mit Hypercholesterinämie ist
Am intensivsten untersucht wurde der Ein-       Triglycerid-reichen LDL- und HDL-Partikel            unwahrscheinlich.
fluss der Ernährung auf das kardiovasku-        werden durch die hepatische Lipase abge-
läre Risiko bisher anhand der Serumlipide       baut, was zu einem Anstieg kleiner, dich-            Transfettsäuren erhöhen mit überzeugen-
als Surrogatparameter. Veränderungen bei        ter HDL-Partikel – manifestiert als niedri-          der Evidenz das Risiko für Dyslipoprotein-
Serumlipiden müssen jedoch vom kardio-          ger HDL-Cholesterin-Spiegel – und einem              ämien und das Risiko für koronare Herz-
vaskulären Risiko, wie es in prospektiven       Anstieg kleiner, dichter LDL-Partikel führt.         krankheit. Ein gesundheitliches Risiko wird
Studien bestimmt wurde, klar unterschie-        Nun ergibt die Messung des LDL-Choles-               vor allem mit jenen Transfettsäuren in Ver-
den werden.                                     terins dieselben Werte unabhängig davon,             bindung gebracht, die in gehärteten Fetten
                                                ob große LDL-Partikel mit mehr Choleste-             oder bei länger verwendetem Frittierfett
DYSLIPIDÄMIE                                    rin je Partikel oder kleine, dichte – und we-        enthalten sind. Natürliche Transfettsäuren
Bei der atherogenen Dyslipidämie handelt        sentlich stärker atherogene – LDL-Partikel           wie sie in Milch und Milchprodukten oder
es sich um eine spezifische Zusammen-           vorliegen.                                           im Fleisch von Wiederkäuern vorkommen,
setzung von Blutlipiden, die auch als di-                                                            gelten – nicht zuletzt aufgrund des gerin-
abetische Dyslipidämie bezeichnet wird.         SPEISEFETTE UND                                      gen Gehalts – als nicht gesundheitsgefähr-
Sie ist jedoch nicht nur bei Typ-2-Diabetes     DYSLIPOPROTEINÄMIE                                   dend. Aufgrund von Beschränkungen der
anzutreffen, sondern generell beim meta-        Blutspiegel und Zusammensetzung der                  zulässigen Mengen in der Lebensmittel-
bolischen Syndrom, abdomineller Fettver-        Nahrungsfette sind auseinanderzuhalten.              produktion und der insgesamt geringen
teilung, Übergewicht und Adipositas. Ge-        Die Qualität der Speisefette ist hinsicht-           Aufnahme wird in Europa derzeit keine
fördert wird die atherogene Dyslipidämie        lich der Prävention der Dyslipoproteinämie           generelle Gefährdung von dieser Seite
durch kohlenhydratreiche Ernährung und          hochrelevant – je nach Qualität der Spei-            angenommen. Risikogruppen bilden Per-
Insulinresistenz.                               sefette werden Serumlipide unterschiedlich           sonen mit einem sehr hohen Verzehr ent-
                                                beeinflusst. Laut der Leitlinie der Deut-            sprechender Fertigprodukte und frittierter
Die atherogene Dyslipidämie ist durch           schen Gesellschaft für Ernährung (DGE)               Speisen.
erhöhte Triglyceride (TG), niedriges            zur Fettzufuhr und Prävention ausgewähl-
HDL-Cholesterin (HDL-C) und erhöhtes            ter ernährungsmitbedingter Erkrankungen              FETTANTEIL UND -QUALITÄT
Auftreten kleiner und dichter LDL-Parti-        2015 führt zum Beispiel der Austausch                IM ÜBERBLICK
kel (small dense LDL) charakterisiert – das     von gesättigten Fettsäuren (SFA) durch               Eine Reduktion des Gesamtfettanteils in der
Cholesterin ist also auf mehr und kleinere      mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA)              Nahrung geht zwar mit einer Verringerung
Partikel verteilt. Die besondere Athero-        zu einer Verringerung von Gesamt- und                der Adipositas einher, ein direkter Zusam-
genität kleiner, dichter LDL-Partikel wird      LDL-Cholesterin im Plasma, hat aber wahr-            menhang mit dem kardiovaskulären Risiko
auf verschiedene Faktoren zurückgeführt.        scheinlich keinen Einfluss auf HDL-Choles-           hat sich aber nicht gezeigt. Fettarme Diä-
Zum einen können sie aufgrund des klei-         terin und Triglyceride. Einfach ungesättigte         ten alleine reduzieren das kardiovaskuläre
nen Durchmessers relativ leicht durch das       Fettsäuren (MUFA) senken im Austausch                Risiko nicht (Hu FB & Willett WC, JAMA
Endothel in die Gefäßwand gelangen, zum         gegen Kohlenhydrate die Konzentration                2001; 288: 2569–2578). Dabei kommt
anderen werden sie relativ leicht oxidiert,
und sie werden relativ schlecht und damit
verzögert über LDL-Rezeptoren entsorgt.

Zum Entstehungsmechanismus: Aufgrund                  Fette                      Biologische Mechanismen
                                                                                 Serumlipide
der gesteigerten Lipolyse in insulinresisten-
                                                                                     LDL-C
ten Adipozyten sezernierter freier Fettsäu-
                                                                                     HDL-C
ren und der Lipogenese aus Glucose in der                                            Triglyceride Lipoprotein (a)
Leber bei Hyperinsulinämie kommt es zu                                           Blutdruck
einer vermehrten Bildung von VLDL-Parti-                                                                                       koronares
                                                                                 Thrombophilie
keln und damit einem Anstieg des Trigly-               Diät                                                                      Risiko
                                                                                 Herzrhythmus
cerid-Spiegels. Der Triglycerid-Spiegel wird                                     Endotheliale Funktion
insbesondere bei diabetischer Stoffwech-                                         Systemische Entzündung
sellage darüber hinaus noch durch den                                            Insulinsensitivität
beeinträchtigten Abbau Triglycerid-reicher                                       Oxidativer Stress

Lipoproteine in die Höhe getrieben.

Bei nicht erhöhten Triglyceriden erfolgt
eine Übertragung auf kleine VLDL-Partikel,      Abb. 1: Effekte der Ernährung auf das kardiovaskuläre Risiko

                                                                                                                                      7 | JEM September 2019
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                                                                                                          Viel Kritik war auch die PURE-Studie ausge-
              •   Atherogene Lipoproteine VLDL, IDL, LDL, Lp(a) ≈ Non-HDL-C                               setzt, eine multinationale prospektive Ko-
              •   Non-HDL-C = Gesamt-Cholesterin – HDL-C                                                  hortenstudie mit 135.335 Teilnehmern aus
              •   VLDL, IDL, LDL, Lp(a) enthalten je 1 Molekül Apolipoprotein B (Apo B)                   18 Ländern und 5 Kontinenten und einer
              •   Apo B ≈ Gesamtzahl atherogener Lipoproteine                                             medianen Beobachtungszeit von 7,4 Jahren,
                                                                                                          die den Zusammenhang zwischen der Auf-
              Tab. 1: Atherogene Lipoproteine                                                             nahme von Fetten beziehungsweise Koh-
                                                                                                          lenhydraten mit kardiovaskulärer Morbidi-
                                                                                                          tät und Mortalität untersuchte (Dehghan M
            es vielmehr auf die Zusammensetzung            wurde daraufhin zurückgezogen. Bei einer       et al. Lancet 2017; 390: 2050–2062). Die
            der Speisefette und -öle an, also auf die      Neuauswertung 2018 wurden 1.588 nicht          Ergebnisse wurden – nicht nur in der Lai-
            Qualität der Nahrungsfette. So ist zur Prä-    korrekt randomisierte Teilnehmer der ur-       enpresse – dahingehend interpretiert, dass
            vention der koronaren Herzkrankheit laut       sprünglich 7.447 Teilnehmer ausgeschlos-       eine deutliche Erhöhung des Fettanteils als
            DGE-Leitlinie 2015 der Austausch gesät-        sen (Estruch R et al. NEJM 2018; e34). Die     bisher empfohlen und eine Reduktion von
            tigter Fettsäuren gegen eine Kombination       Ergebnisse zeigten lediglich geringfügige      Kohlenhydraten sinnvoll wäre. Dementspre-
            von Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren            Abweichungen von den ursprünglich pu-          chend groß war das Aufsehen.
            sowie die Zufuhr langkettiger n-3-Fettsäu-     blizierten Daten. In der Neuauswertung
            ren wahrscheinlich wirksam. Langkettige        wurde im Vergleich zu einer fettreduzier-      Diese Schlussfolgerung wird jedoch auf-
            Omega-3-Fettsäuren senken wahrschein-          ten Ernährung für eine mit Olivenöl (50        grund methodischer Schwächen der Stu-
            lich auch das Hypertonie-Risiko. Zum Er-       g/Tag) angereicherte Mittelmeer-Diät ein       die breit abgelehnt. Zu den wichtigsten
            scheinen der DGE-Leitlinie zur Fettzufuhr      Risikoquotient für den primären Endpunkt       Kritikpunkten gehört der Einschluss von
            im Jahr 2015 wurde die Datenlage zum           (Myokardinfarkt, Schlaganfall, kardiovas-      Probanden mit nicht adäquater Energie-
            Austausch von Fett bzw. Fettsäuren als im-     kulärer Tod) von 0,69 errechnet (95% CI        zufuhr, der Vergleich mit Referenzgruppen
            mer noch unzureichend bezeichnet.              0,53 bis 0,91), was einer Risikoreduktion      mit unzureichender Nährstoffzufuhr, die
                                                           um 31 Prozent entspricht. In der Gruppe        Nichtbeachtung der Kohlenhydratqualität,
            ERNÄHRUNGSFORMEN &                             mit täglich 30 Gramm Nüssen (15g Wal-          der Ballaststoffzufuhr sowie der Substitu-
            FETTQUELLEN                                    nüsse, 7,5g Haselnüsse, 7,5g Mandeln)          tion einfacher Kohlenhydrate durch Fett
            Der Einfluss von Ernährungsformen auf die      betrug der Risikoquotient 0,72 (95% CI         bzw. gesättigte Fettsäuren und die fehlen-
            Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen       0,54 bis 0,95), die Risikoreduktion lag bei    de Stratifizierung der Daten nach Einkom-
            wird seit vielen Jahren untersucht. Eine der   28 Prozent.                                    men und Region (Akt Ernährungsmedizin
            ersten Arbeiten, die auf die Bedeutung der                                                    2018; 43: 173). De facto decken sich die
            Ernährungsform und der Fettqualität hin-       Eine Subgruppenanalyse zeigt mit einem         zentralen Ergebnisse der PURE-Studie je-
            wiesen, ist die 2013 erstmals publizierte      Risikoquotienten von 0,51 den weitaus          denfalls mit den aktuellen Empfehlungen
            PREDIMED-Studie, bei der eine durch Oli-       stärksten Effekt bei Personen mit einem        für die Nährstoffzusammensetzung großer
            venöl oder Nüsse angereicherte mediterra-      BMI >30 (95% CI 0,37 bis 0,71). Weiters        wissenschaftlicher Gesellschaften.
            ne Ernährung mit einer fettreduzierten, im     waren die Effekte bei Vorliegen einer Dys-
            Prinzip mediterranen Ernährung für Perso-      lipidämie wesentlich stärker ausgeprägt.       HERAUSRAGEND: PUFAS -
            nen mit einem erhöhten kardiovaskulären        Bemerkenswert bei dieser Studie ist der        OMEGA-3-FETTSÄUREN
            Risiko verglichen wurden.                      hohe Fettanteil in den Interventionsgrup-      Ein Bestandteil der Nahrungsfette sticht
                                                           pen. Bei Anreicherung mit Olivenöl stieg er    hinsichtlich seines kardiopräventiven Po-
            Die multizentrische, randomisierte Primär-     von durchschnittlich 39,2 auf 41,2 Prozent,    tenzials hervor: die mehrfach ungesät-
            präventionsstudie in Spanien mit einem         bei zusätzlichem Verzehr von Nüssen von        tigten Fettsäuren und dabei die Ome-
            medianen Beobachtungszeitraum von              39,4 auf 41,5 Prozent. In der Kontrollgrup-    ga-3-Fettsäuren. Eine Analyse zahlreicher
            4,8 Jahren geriet jedoch wegen Fehlern         pe ist er von durchschnittlich 39,0 auf 37,0   klinischer und prospektiver Studien sowie
            bei der Randomisierung in die Kritik und       gesunken.                                      Metaanalysen 2006 kommt zum Beispiel
                                                                                                          zu dem Schluss, dass ein moderater Kon-
                                                                                                          sum von Omega-3-Fettsäure-reichem
                                            OMEGA-3-FETTSÄUREN                                            Fisch von ein bis zwei Mahlzeiten pro
                                                                                                          Woche mit einer um 17 Prozent (95% CI
              Bei Omega-3-Fettsäuren handelt es sich um langkettige, mehrfach ungesättigte und            0 bis 32%) reduzierten Gesamtmortalität
              essentielle Fettsäuren. Dazu gehören in erster Linie die pflanzlichen Omega-3-Fett-         assoziiert ist (Mozaffarian D & Rimm EB.
              säuren Linolsäure, Arachidonsäure und Alpha-Linolensäure (ALA) sowie die vor allem          JAMA 2006; 296: 1885–1899). Die koron-
              in Fischöl enthaltenen Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA).                are Mortalität ist um 36 Prozent verringert
              Letztlich stammen aber alle Omega-3-Fettsäuren aus pflanzlichen Quellen, da der             (95% CI 20 bis 50%).
              Gehalt in fettreichen Kaltwasserfischen auf den Verzehr von Mikroalgen zurückgeht.
                                                                                                          Eine weitere Meta-Analyse einer Reihe
              ALA an sich bringt hinsichtlich der kardiovaskulären Prävention zwar teilweise Vor-         randomisierter Studien hat gezeigt, dass
              teile, insgesamt aber keinen signifikanten Benefit. (Del Gobbo LC et al. JAMA 2017;         eine um 10 Energieprozent erhöhte Auf-
              176: 1155–1166) Die größte Bedeutung in Hinblick auf die Herz-Kreislauf-Gesund-             nahme von PUFAs mit einer 19-prozenti-
                                                                                                                                                        © Foto: iStock

              heit haben EPA und DHA, die abgesehen davon eine Reihe weiterer günstiger klini-            gen Risikoreduktion für die koronare Herz-
              scher Effekte aufweisen.                                                                    krankheit einhergeht (Mozaffarian D et al.
                                                                                                          PLosMed 2010; 7: e1000252).

8 | JEM September 2019
NAHRUNGSFETTE UND IHR EINFLUSS AUF DAS KARDIOVASKULÄRE RISIKO
Schwerpunkt

                                                                                                                                  Indem Omega-3-Fettsäuren die Arachi-
                                •   Anti-inflammatorisch / Immunmodulatorisch                                                     donsäure in Zellmembranen zumindest
                                    - Zytokinproduktion (↑: IL1, -2, 6, IFN- γ; ↓: TNF-α)                                         teilweise ersetzen, drosseln sie die Produk-
                                    - Antigen-Präsentation/T-Zell-Aktivierung und -Proliferation                                  tion pro-inflammatorischer Arachidonsäu-
                                    - Shift weg von Th1-Immunantwort                                                              re-Abkömmlinge. Darüber hinaus fördern
                                •   Lipidsenkend                                                                                  sie die Produktion spezifischer anti-ent-
                                •   Anti-arrhythmisch                                                                             zündlicher, „resolving“ Lipidmediatoren,
                                                                                                                                  wie im Mausmodell gezeigt werden konn-
                                Tab. 2: Klinische Wirkungen von Omega-3-Fettsäuren mit kardioprotektivem Potenzial.
                                                                                                                                  te (Neuhofer A et al. Diabetes 2013; 62:
                                                                                                                                  1945–1956).

                              Allerdings tritt der risikosenkende Effekt      MOLEKULARE WIRKMECHANIS-                            Zu den anti-inflammatorischen und im-
                              nur in Zusammenhang mit Omega-3-Fett-           MEN VON OMEGA-3-FETTSÄUREN                          munmodulatorischen Wirkungen von
                              säuren ein, alleinige Erhöhungen der Ome-       Die den physiologischen Effekten und kli-           Omega-3-Fettäuren gehört die Modu-
                              ga-6-Fettsäuren sind offensichtlich nicht       nischen Wirkungen von Omega-3-Fett-                 lation der Zytokinproduktion mit einer
                              protektiv (Ramsden CE et al. Br J Nutr          säuren zugrunde liegenden molekula-                 Förderung anti-entzündlicher Mediatoren
                              2010;104:1586–1600; Calder PC. Br J Nutr        ren Mechanismen betreffen zahlreiche                wie Interleukin(IL)-1, -2-, -6 und Interfe-
                              2010;104:1575–1576).                            Stoffwechselwege und wurden vor allem               ron(IFN)-γ einerseits und der Reduktion
                                                                              anhand von EPA und DHA untersucht                   pro-inflammatorischer Mediatoren wie
                              Ein gezielter Austausch von Fett bzw. Fett-     (Mozaffarian D et al. JACC 2011; 58:                Tumornekrosefaktor(TNF)-α andererseits.
                              säuren bei isokalorischer Kost sollte daher     2047–2067)                                          Immunologische Vorgänge wie die Anti-
                              einen bedeutenden Beitrag zur Präven-                                                               gen-Präsentation, die T-Zell-Aktivierung
                              tion kardiovaskulärer Erkrankungen leis-        Die Integration von Omega-3-Fettsäuren              und die T-Zell-Proliferation werden in die-
                              ten können. Dabei geht es einerseits um         in Zellmembranen beeinflusst deren phy-             sem Sinn beeinflusst. Ein Shift weg von der
                              den optimalen Anteil von Omega-3- und           sikalische und biochemische Eigenschaften           Th1-Immunreaktion ist zu beobachten.
                              Omega-6-Fettsäuren in der Ernährung             wie die Membranfluidität und die Funktion
                              und andererseits um die erforderliche Do-       von Membranproteinen. Unter anderem                 Die Reduktion der Fettgewebsentzündung
                              sierung von Supplementen.                       wird die Dimerisation des Toll-like Rezep-          durch täglich 3,6 g Omega-3-Fettsäuren
                                                                              tors 4 (TLR 4) hintangehalten, was über die         im Vergleich zu Butterfett wurde zum Bei-
                              Es ist allerdings davon auszugehen, dass        Downregulierung des Transkriptionsfaktors           spiel in einer randomisierten kontrollier-
                              einige wesentliche gesundheitsfördernde         NF-κB zum anti-entzündlichen Effekt bei-            ten Studie bei adipösen Patienten ohne
                              Effekte von Omega-3-Fettsäuren wie zum          tragen könnte. Cholesterinreiche Mikro-             Diabetes gezeigt (n=55) (Itariu BK et al.
                              Beispiel die Blutdruck- oder Triglycerid-sen-   domänen (lipid rafts) in der Zellmembran            Am J Clin Nutr 2012; 96: 1137–1149). In
                              kende Wirkung mit den über die Ernährung        werden modifiziert, wodurch die Bildung             der Omega-3-Fettsäure-Gruppe war die
                              üblicherweise zugeführten Mengen nicht          der vor allem bei Adipozyten und glatten            Genexpression der meisten pro-entzünd-
                              zu erzielen sind (DGE 2015). Zwischenzeit-      Muskelzellen zahlreichen Caveolen beein-            lichen Mediatoren im subkutanen Fettge-
                              lich ist eine Reihe von Publikationen zu den    flusst wird. Als Liganden wichtiger nukleä-         webe nach acht Wochen im Vergleich zur
                              kardioprotektiven Wirkungen mehrfach            rer Rezeptoren und Transkriptionsfaktoren           Kontrollgruppe signifikant verringert. Die
                              ungesättigter Fettsäuren, insbesondere          wirken Omega-3-Fettsäuren auch unmit-               Serumspiegel von Interleukin-6 und Trig-
                              Omega-3-FS, erschienen. Die kritische Be-       telbar auf die Genexpression. Diese Effekte         lyceriden ebenso. Anti-inflammatorische
                              leuchtung der publizierten Studien erlaubt      stehen u.a. mit dem Lipidstoffwechsel und           Eicosanoide waren unter Omega-3-Be-
                              trotz widersprüchlicher Aussagen dennoch        der Signaltransduktion im Zug inflammato-           handlung im analogen Mausmodell im
                              relevante Schlussfolgerungen.                   rischer Prozesse in Zusammenhang.                   subkutanen als auch im viszeralen Fett-
                   © Yakult

                                                                                 Darmgesundheit

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NAHRUNGSFETTE UND IHR EINFLUSS AUF DAS KARDIOVASKULÄRE RISIKO
Schwerpunkt

            gewebe erhöht. Ebenfalls im Mausmodell        von Omega-3-Fettsäuren von Aufnahme-              Bei der placebo-kontrollierten randomi-
            wurde durch Omega-3-Fettsäuren auch           dauer und Dosis abhängt, geht zum Bei-            sierten VITAL-Studie mit 25.871 Teilneh-
            eine Verbesserung der Insulinsensitivität     spiel schon aus einer zusammenfassenden           mern wurde die Effektivität von Vitamin
            beobachtet (Neuhofer A et al. Diabetes        Analyse aus dem Jahr 2006 hervor (Mo-             D3 (2000IU/d) und Omega-3-Fettsäuren
            2013; 62: 1945–1956.)                         zaffarian D & Rimm EB. JAMA 2006; 296:            (1g/d) in der Primärprävention von kar-
                                                          1885–1899). Siehe Abb. 3 und 4.                   diovaskulären und Krebserkrankungen
            OMEGA-3-INDEX &                                                                                 bei Männern über 50 und Frauen über
            KARDIOVASKULÄRE EREIGNISSE                    Eine zusammenfassende Analyse aus dem             55 Jahren untersucht (Manson JE et al.
            Der Zusammenhang zwischen Serum-              Jahr 2011 von Metaanalysen randomi-               NEJM 2019; 380: 23–32). Das mediane
            spiegeln von Omega-3-Fettsäuren und           sierter kontrollierter Studien und Beob-          Follow-up der US-amerikanischen Studie
            kardiovaskulären Ereignissen wurde viel-      achtungsstudien zur diätetischen oder             betrug 5,3 Jahre. Primäre Endpunkte wa-
            fach belegt. So wurde der Zusammenhang        supplementären Aufnahme von marinen               ren Myokardinfarkt, Schlaganfall und ko-
            zwischen dem Spiegel von Omega-3-Fett-        Omega-3-Fettsäuren zeigt jedenfalls               ronare Mortalität beziehungsweise eine
            säuren und verschiedenen Biomarkern mit       eine daraus resultierende Reduktion der           Krebserkrankung. Zum primären End-
            dem kardiovaskulären Risiko in einer Ana-     Herz-Kreislauf-Mortalität insgesamt um            punkt konnte für die Gabe von 1g Ome-
            lyse von 19 retrospektiven und prospek-       13 Prozent. Herz-Kreislauf-Erkrankungen           ga-3-Fettsäuren keine Verringerung der
            tiven Studien aus 16 Ländern mit 45.637       waren um 17 Prozent und die koronare              Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse fest-
            Teilnehmern ohne Vorgeschichte kardio-        Mortalität um 37 Prozent reduziert (Mo-           gestellt werden. Die Subgruppen-Analyse
            vaskulärer Erkrankungen untersucht (Del       zaffarian & Wu, JACC 2011; 58: 2047–              zeigt, dass auf Grund der geringen Do-
            Gobbo LC et al. JAMA 2017; 176: 1155–         2067).                                            sierung ein Vorteil nur bei den Patienten
            1166). Erfasst wurden ALA, EPA, DPA                                                             zu verzeichnen ist, die einen niedrigeren
            und DHA aus marinen beziehungsweise           Eine der kontroversiellen Studien ist die         Fischkonsum (≤1,5 Fischmahlzeiten pro
            pflanzlichen Quellen. Insgesamt war das       japanische JELIS-Studie (randomisiert,            Woche) aufwiesen.
            relative Risiko für koronare Herzkrankheit    open-label), in der der Effekt einer Lang-
            insgesamt, tödliche koronare Herzkrank-       zeitgabe von EPA hinsichtlich der Präventi-       In die britische randomisierte kontrollierte
            heit und nicht tödlichen Myokardinfarkt       on der koronaren Herzkrankheit bei Patien-        ASCEND-Studie wurden diagnostizierte
            bei allen Omega-3-Fettsäuren mit Werten       ten mit Hypercholesterinämie untersucht           Diabetiker über 40 Jahren ohne kardio-
            zwischen 0,91 und 0,90 reduziert. Was         wurde (Statin ± 1.800mg EPA) (Yokoyama            vaskuläre Vorerkrankung aufgenommen,
            EPA und DHA betrifft, so betrug die RRR       M et al. Lancet 2007; 369: 1090–1098).            um die Wirksamkeit von Omega-3-Fett-
            für nicht tödlichen Myokardinfarkt in der     An der Studie mit einem Beobachtungs-             säuren zur Primärprävention kardiovas-
            obersten Quintile verglichen mit der un-      zeitraum von fünf Jahren haben 18.645             kulärer Erkrankungen bei Diabetikern zu
            tersten 0,71 (95% CI 0,56 bis 0,90).          Patienten mit Gesamtcholesterinwerten             untersuchen. (The ASCEND Study Coll
                                                          ≥250mg/dL teilgenommen. Der primäre               Group. NEJM 2018; 379: 1549–1550) Die
            Aus Daten von 2.500 Teilnehmern der           Endpunkt war kombiniert und umfasste              15.480 Teilnehmer erhielten entweder 1g
            Framingham-Studie wurde der Zusam-            plötzlichen Herztod, tödlichen und nicht          EPA/DHA (46%/38%) oder Olivenöl pro
            menhang zwischen dem Omega-3-Index            tödlichen Myokardinfarkt, instabile Angi-         Tag. Primärer Endpunkt war das Auftreten
            und dem kardiovaskulären Risiko unter-        na, Angioplastie/Stent, CABG. In der Pri-         eines ersten schweren kardiovaskulären
            sucht (Harris WS et al. J Clin Lipid 2018;    märprävention konnte kein signifikanter           Events (Myokardinfarkt, Schlaganfall, TIA,
            12: 718–727). Als Omega-3-Index wird          Effekt der EPA-Gabe festgestellt werden           vaskulärer Tod). Das mediane Follow-up
            der anteilige Gehalt von EPA und DHA in       – es waren auch kaum Events aufgetreten.          betrug 7,4 Jahre. Auch hier wurde bei
            Erythrozyten bezeichnet. Ein hoher Ome-       Dies kann auf den reichen Fischkonsum in          geringer Dosierung des Omega-3-Prä-
            ga-3-Index war mit einem signifikant nied-    Japan zurückgeführt werden. Auf die Ge-           parates kein signifikanter Unterschied im
            rigeren kardiovaskulären Risiko assoziiert.   samtpopulation bezogen wurde sehr wohl            Auftreten nicht tödlicher kardiovaskulärer
            Die Gesamtsterblichkeit und das Risiko für    eine Risikoreduktion registriert, nämlich         Ereignisse zwischen der Interventions- und
            kardiovaskuläre Erkrankungen waren in der     eine signifikante Verbesserung um 19 Pro-         der Placebo-Gruppe registriert. Bei bei-
            Quintile mit dem höchsten Omega-3-In-         zent durch die EPA-Gabe.                          den genannten Studien wurden die Plas-
            dex um 34 Prozent geringer als in derjeni-
            gen mit dem niedrigsten Omega-3-Index.

            OMEGA-3-FETTSÄUREN                              •   Hintergrundaufnahme über die Ernährung
            ALS SUPPLEMENT                                  •   Dosierung des Omega-3-Präparates
            Die Wirkung einer Supplementierung mit          •   Inhalt des Omega-3-Präparates (EPA und DHA können
            Fischölpräparaten bzw. Omega-3-Fettsäu-             unterschiedliche Wirkungen entfalten)
            ren wurde vielfach untersucht, wobei die        •   Präparation (Konzentration; Triglyzeride, Ethylester u.a.)
            Ergebnisse bis heute kontroversiell sind.       •   Einnahme in Abhängigkeit von Mahlzeiten
            Allerdings gehen die im Einzelnen wider-        •   Erreichter Konzentrationsunterschied im Körper (Plasma-Phospholipide oder
            sprüchlichen Ergebnisse zum präventiven             Membranlipide (Omega-3-Index)
            Effekt von Omega-3-Fettsäuren in Inter-         •   Dauer des Follow-up
            ventionsstudien auf verschiedene Para-          •   Statistische Power
                                                                                                                                                           © Foto: iStock

            meter zurück, die oft nicht ausreichend         Tab. 3: Einflussfaktoren auf die in Studien beobachteten klinischen Wirkungen
            kontrolliert sind (Siehe Tabelle 3). Dass       einer Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren.
            der Eintritt positiver klinischer Wirkungen

10 | JEM September 2019
NAHRUNGSFETTE UND IHR EINFLUSS AUF DAS KARDIOVASKULÄRE RISIKO
Schwerpunkt

ma-Spiegel der Omega-3-Fettsäuren und
ihre Veränderung durch die Therapie nicht                                                                   LDL-C          Remnant-C                  LDL-C               Remnant-C
untersucht.
                                                                                                          70 mg/dl             30 mg/dl              70 mg/dl                 60 mg/dl

In der US-amerikanischen REDUCE-IT-Stu-                                                                  Non-HDL-C 100 mg/dl                            Non-HDL-C 130 mg/dl
die wurden die klinischen Auswirkungen                                                                           TG 150 mg/dl                                 TG 300 mg/dl
einer Triglycerid-Senkung durch einen
hochdosierten EPA-Ethylester untersucht                                                                          ApoB 0,6 g/l                    ApoB 0,9 g/l             ApoB 1,2 g/l
(Bhatt DL et al. NEJM 2019;380: 11–22).
In die randomisierte placebokontrollierte
Multicenter-Studie wurden Patienten mit
kardiovaskulärer Erkrankung (Sekundär-
prävention) und Patienten mit Diabetes
und anderen Risikofaktoren (Primärprä-
vention), alle mit Statin-Vorbehandlung
und Triglycerid-Werten zwischen 135 und
                                                                                                                   Patient 1                      Patient 2                   Patient 3
499mg/dl und LDL-C zwischen 41 und
100mg/dl, eingeschlossen. Die 8.179 Teil-
                                                 Abb. 2: Bei Patienten mit small dense LDL unterschätzen die LDL-Cholesterin-Werte die Menge
nehmer erhielten 2x pro Tag 2g EPA-Ethyl-        der stark atherogenen LDL-Partikel (Langlois MR et al. Clin Chem 2018; 64: 1006–1033).
ester bzw. Steinöl als Placebo. Das media-
ne Follow-up betrug 4,9 Jahre.
                                                                                                  Typische                                                                                  Zeit bis zum
Der primäre, kombinierte Endpunkt um-                                                         alimentäre Dosis      Typische supplementäre Dosis          Klinischer Effekt          Eintritt von Änderungen

fasste kardiovaskuläre Mortalität, nicht
tödlicher Myokardinfarkt, koronare Re-
vaskularisation oder instabile Angina. Die                                                                                                                Anti-arrhythmisch                   Wochen

Gabe der Omega-3-Fettsäure führte zu
                                                  Relative Effektstärke

einer relativen Risikoreduktion von 25
Prozent (HR 0,75; 95% CI 0,68 bis 0,83;
NNT=21) über 5 Jahre. Als sekundärer                                                                                                                      Triglycerid-Senkung             Monate bis Jahre
Endpunkt wurden kardiovaskuläre Mor-                                                                                                                      Herzfrequenz-Senkung                Monate
talität, nicht tödlicher Myokardinfarkt und                                                                                                               Blutdruck-Senkung               Monate bis Jahre
nicht tödlicher Insult geführt. In diesem Fall
erreichte die Omega-3-Fettsäure eine re-                                                                                                                  Anti-thrombotisch                   Wochen
lative Risikoreduktion von 26 Prozent (HR
0,74; 95% CI 0,65 bis 0,83). Die Studien-                                                 0           500          1000        1500       2000     2500
ergebnisse ähneln damit jenen der JELIS                                                                 EAP- + DHA-Aufnahme (mg/Tag)
Studie, die ebenfalls hochdosiert EPA ein-
setzte. Damit kann das kardiovaskuläre
Risiko mit Omega-3-Fettsäuren auch in            Abb. 3: Der Eintritt positiver klinischer Wirkungen von Omega-3-Fettsäuren hängt unter anderem
                                                 von Aufnahmedauer und Dosis ab (Mozaffarian D & Rimm EB. JAMA 2006; 296: 1885–1899).
der Sekundärprävention und unter Statin-
therapie signifikant gesenkt werden – eine
adäquate Dosierung vorausgesetzt.                                                                   EPA+DHA (g/Tag)

Univ.-Prof. Dr. Thomas Stulnig,
                                                        Änderungen bei Triglyceridwerten (mg/dl)

                                                                                                                                                                        Die Dauer der Einnahme betrug
Medizinische Universität Wien, Klinik für
                                                                                                                                                                        mindestens zwei Wochen, die
Innere Medizin III, Klinische Abteilung für                                                                                                                             Mindestmenge 1g EPA+DHA
Endokrinologie und Stoffwechsel,                                                                                                                                        pro Tag. Insgesamt wurde je
Währinger Gürtel 18–20, 1090 Wien                                                                                                                                       g EPA+DHA pro Tag eine
                                                                                                                                                                        Reduktion der Triglyceridwerte
                                                                                                                                                                        um 5,9mg/dl errechnet (95%
Lecture Board                                                                                                                                                           CI: -2,5 bis -9,3). Höhere Aus-
Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Föger,                                                                                                                                   gangswerte gingen mit einer
LKH Bregenz, Innere Medizin und Inten-                                                                                                                                  stärkeren Reduktion einher.
sivstation, Carl-Pedenz-Straße 2, 6900
Bregenz; Univ.-Prof. Dr. Günter Steurer,
Medizinische Universität Wien, Klinik für
Innere Medizin III, Abteilung für Kardiolo-
gie, Währinger Gürtel 18–20, 1090 Wien

Ärztlicher Fortbildungsanbieter                  Abb. 4: Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren aus Fisch
Medizinische Universität Wien,                   oder Supplementen und Triglyceridwerten aus 58 randomisierten kontrollierten Studien.
Klinik für Innere Medizin III                    (Mozaffarian & Wu, JACC 2011; 58: 2047–2067).

                                                                                                                                                                                                  11 | JEM September 2019
NAHRUNGSFETTE UND IHR EINFLUSS AUF DAS KARDIOVASKULÄRE RISIKO
Schwerpunkt

            DFP-LITERATURSTUDIUM:
            NAHRUNGSFETTE UND IHR EINFLUSS
            AUF DAS KARDIOVASKULÄRE RISIKO

            Im Rahmen des Diplom-Fortbildungs-Programms der                1.) Bei isokalorischer Ernährung ist die Fettqualität für
            Österreichischen Ärztekammer ist es möglich,                   das kardiovaskuläre Risiko (2 Antworten richtig)
            durch das Literaturstudium im Journal für                           a) Unbedeutend
            Ernährungsmedizin in diesem Fall zwei                               b) Hochrelevant
            Punkte für das DFP zu erwerben.
                                                                                c) Nur bei bedarfsgemäßer Energiezufuhr wesentlich

            Für eine positive Bewertung ist es erforderlich, vier               d) Auch bei übermäßiger Energiezufuhr wesentlich
            der sechs Multiple-Choice-Fragen mit allen                     2.) Veränderungen in Nahrungsfetten beeinflussen die
            Möglichkeiten richtig zu beantworten.                          Serumlipide in folgender Hinsicht: (2 Antworten richtig)
                                                                                a) Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA) statt gesättig-
            Dieser Artikel steht ab sofort online zur Verfügung:                ter Fettsäuren verringern Gesamt- und LDL-Cholesterin
            www.jem-online.at                                                   b) Ungesättigte Fettsäuren statt Kohlenhydrate verringern
                                                                                die Serum-Triglyzeride.
            Bei einer Teilnahme per Post, Fax oder E-Mail                       c) Langkettige Omega-3-FS reduzieren das LDL-Cholesterin
            retournieren Sie diese Seite bitte bis 25. November.                d) Transfettsäuren verringern das kardiovaskuläre Risiko
                                                                           3.) Wodurch ist die atherogene Dyslipidämie bei identem
            Postadresse:                                                   LDL-C-Spiegel gekennzeichnet? (3 Antworten richtig)
            Verlagshaus der Ärzte,                                              a) Kleine, dichte LDL-C-Partikel
            Redaktion Journal für Ernährungsmedizin,                            b) Hohe Apo-B-Konzentration
            Nibelungengasse 13, 1010 Wien                                       c) Hohe Triglyzeridkonzentrationen
            Faxnummer: 01 / 512 44 86 – 64
                                                                                d) Triglyceridarme VLDL-Partikel
            E-Mail: jem@aerzteverlagshaus.at
                                                                           4.) Die von diätetischen Einflüssen mitgeprägte chronische
                                                                           subklinische Entzündungsreaktion als kardiovaskulärer Risi-
            Zutreffendes bitte ankreuzen:                                  kofaktor wird durch zahlreiche von Adipozyten sezernierte
                                                                           pro-entzündliche Adipokine verbreitet. Dazu gehören
            oo Ich nutze mein DFP-Fortbildungskonto.
                                                                           (3 Antworten richtig)
            Wir buchen Ihre DFP-Punkte gerne automatisch – bitte
                                                                                a) TNF-alpha
            um Angabe Ihrer ÖÄK-Arztnummer
                                                                                b) Adiponectin
            ÖÄK-Arztnummer:                                                     c) MCP-1
                                                                                d) Osteopontin
            oo Ich möchte meine Teilnahmebestätigung                       5.) Die kürzlich publizierte REDUCE-IT Studie, zeigte einen
               per Post erhalten                                           signifikanten Effekt von Omega- 3-Fettsäuren, einer besonde-
                                                                           ren Präparation von Eicosapentaensäure (EPA), auf den kom-
            Name:                                                          binierten primären Endpunkt wobei folgende Informationen
                                                                           korrekt sind. (3 Antworten richtig)
                                                                                a) Die Studienpopulation bestand aus Patienten in der
            Adresse:
                                                                                Primär- und Sekundärprävention
                                                                                b) Der kombinierte primäre und auch der sekundäre End-
            E-Mail:                                                             punkt (3-MACE) wurde im Vergleich zu Plazebo um 25%
                                                                                bzw. 26% reduziert.
            oo Arzt/Ärztin für Allgemeinmedizin                                 c) Die Dosierung war niedrig (1 x 1 g pro Tag)
                                                                                d) Die Patienten waren alle mit Statinen vorbehandelt
            oo Facharzt/Fachärztin für                                     6.) Die kardioprotektive Wirkung von Omega-3-Fettsäuren in
                                                                           Studien hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab.
                                                                           (3 Antworten richtig)
                                                                                a) Ausgangswert des Omega-3-Index
                                                                                                                                                        iStock / Kilroy79

            oo Ich besitze ein gültiges DFP-Diplom                              b) Verringerung des LDL-Cholesterins
                                                                                c) Dosierung des Präparats
                                                                                                                                               Grafik:iStock

            Altersgruppe:                                                       d) Erreichter Omega-3 Spiegel im Serumlipiden
                                                                                                                                             © Foto:

            o 60        oder Zellmembranen

12 | JEM September 2019
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