NEWS 13 - Freiburg Institute for Advanced Studies - FRIAS

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NEWS 13 - Freiburg Institute for Advanced Studies - FRIAS
13                                                      NEWS
ALBERT-LUDWIGS-UNIVERSITÄT FREIBURG • FREIBURG INSTITUTE FOR ADVANCED STUDIES

Retreat and dialogue

                                                                  12 /2016
NEWS 13 - Freiburg Institute for Advanced Studies - FRIAS
EDITORIAL      3

                                          Der Höhepunkt des Jahres für mich war die Tagung "Forschungskollegs
                                          und ihre Funktion im deutschen Wissenschaftssystem“ am 2. Mai 2016 in
                                          Berlin. FRIAS und Stifterverband hatten, zum ersten Mal überhaupt, über
                                          30 deutsche Forschungskollegs und Fellowshipprogramme zu Gespräch und
                                          Austausch zusammengebracht. Die Tagung sollte ein Zeichen setzen: In
                                          Deutschland gibt es inzwischen eine stattliche Anzahl von Institutionen, die
                                          durch die Vergabe von Fellowships hervorragende Forschungsmöglichkeiten
                                          bieten und eine internationale Ausstrahlung entwickeln. Zusammen leisten
                                          sie einen kleinen, aber sichtbaren Beitrag zur Attraktivität der deutschen
                                          Wissenschaftslandschaft. Diese Leistung wird anerkannt, das zeigt schon
                                          die Liste der Vortragenden: Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volks-
                                          wagenstiftung, Dr. Enno Aufderheide, Generalsekretär der Alexander von
                                          Humboldt-Stiftung, Prof. Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen
                                          Forschungsgemeinschaft. In ihren Vorträgen hoben sie die Besonderheiten
Editorial    3
                                          der Forschungskollegs innerhalb des deutschen Wissenschaftssystems hervor
Bookmarks in the book of life    5        und betonten deren große Expertise bei der Förderung von Interdisziplina-
                                          rität und Internationalität.
Imagining the future     8                     Ausgehend von dieser Tagung haben die Institute gemeinsam eine Stel-
Measuring Germany’s pulse       12        lungnahme verabschiedet (s.S.23). Diese ist an Politik und Wissenschaftsor-
                                          ganisationen gerichtet, die aufgefordert werden, in ihren Planungen auch die
Wanderin zwischen den Welten         14   Belange dieser Einrichtungen zu berücksichtigen. Eine Tagungsbroschüre ist
Off to new shores   17                    im Druck und kann beim FRIAS bestellt werden. Mein Fazit aus der Tagung:
                                          Langfristig sollte es ein eigenes Förderformat genau für diese Einrichtungen
Freiräume zum Denken und Forschen         geben, das können die Institute ausweislich ihrer immer wieder überprüften,
– dann findet Universität statt! 18       hervorragenden Arbeit mit Recht einfordern.
Research colleges provide                     Den größeren Kontext für alle Überlegungen, wie Wissenschaft in
key impulses 23                           Deutschland optimal gefördert werden kann, beleuchtet in ebenso knapper
Fellows     26                            wie präzisier Weise ein Interview, das wir kürzlich mit dem Vorsitzenden
                                          unseres Steuerungsgremiums, Minister a.D. Prof. Peter Frankenberg, führen
Alumni-Portrait:                          konnten (S.18). Ein bleibender Eindruck aus dem Gespräch: Wir müssen in
Maurus Reinkowski      30                 Deutschland zum Glück nicht permanent begründen, warum Geistes- und
NEWS        31                            Sozialwissenschaften wichtig sind – die Erfahrungen von Kollegen/innen in
                                          anderen Ländern zeigen uns gleichzeitig, dass man dies nicht als selbstver-
Events      39                            ständlich betrachten darf.

                                              Ein Blick ins Ausland: Kürzlich konnte ich an der Feier zum zehnjährigen
                                          Bestehen unseres Partnerinstituts aus dem UBIAS-Netzwerk an der National
                                          Taiwan University in Taipei teilnehmen. In meinem Vortrag habe ich noch
                                          einmal die zwei unterschiedlichen Traditionslinien herausgearbeitet, die sich
                                          in Nordamerika/Europa einerseits, Asien andererseits für Institutes for Ad-
                                          vanced Studies entwickelt haben. Für alle wichtig ist und bleibt der Bezug
                                          auf das erste, „originale“ Institut, das IAS Princeton. Gerade wegen dieser
                                          Mischung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden können die UBIAS-
                                          Institute viel voneinander lernen. Einen sehr spannenden Austausch gibt
                                          es zu der Frage, wie interdisziplinäre Kooperationen bestmöglich gefördert
                                          werden können; und was einzelne Institute über Kooperationen erreichen
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RESEARCH         5

können, wie es das Projekt der Intercontinental Academias für Nachwuchs-
                                                                                                                                             Bookmarks
                                                                                           All of our cells contain our genetic
wissenschaftler/innen erfolgreich vorgemacht hat (www.intercontinental-                    make-up in the form of genetic ma-

                                                                                                                                             in the book of life
academia.ubias.net).                                                                       terial. But how do our cells know
                                                                                           whether to act as a liver cell or a kid-
    Für uns Freiburger war die große Konferenz des UBIAS-Netzwerkes,
die im Juni 2016 in Birmingham stattfand, der Moment, nach sechs Jahren
                                                                                           ney cell? This can be explained by
                                                                                           epigenetics. Still a relatively new field         FRIAS “Chemical
Aufbauarbeit die Koordinationsfunktion weiterzugeben (s.S. 35). Dass das
Netzwerk eine gute Zukunft hat, zeigen weitere Neugründungen der vergan-
                                                                                           of research, epigenetics has a particu-
                                                                                           larly strong presence in Freiburg. Epi-           Epigenetics”
genen Monate an namhaften Universitäten weltweit.                                          genetics investigates the mechanisms
                                                                                           which control whether certain gene                research focus
    Viele internationale Fellows sind dieses Jahr mit Kindern in Freiburg.
Wir sind inzwischen versierte Ratgeber für die Freiburger Kindertagesstät-
                                                                                           sequences are read or not, whether
                                                                                           the activity of some gene strands is              2016/17
ten, Grundschulen und weiterführenden Schulen geworden – und sind jedes                    reinforced, and how this information
Mal gespannt, wie sich die Aufenthalte für die Kleinen entwickeln. Dieses                  is passed on to the next generation
Jahr haben wir Kinder aus den USA, Großbritannien, Ägypten, Argentinien                    of cells. Furthermore, epigenetic re-
und Italien bei uns. Die Wissenschaft hängt vom weltweiten Austausch ab.                   search was able to demonstrate that
Welch ein Privileg das in der heutigen Welt ist, daran werden wir jeden Tag                factors such as diet, physical activity,
in den Nachrichten erinnert und sollten es nicht vergessen.                                and also psychological experiences,
                                                                                           such as fear, violence or stress, have
     Viel Spaß bei der Lektüre der FRIAS News wünscht                                      an impact on which genes are acti-
                                                                                           vated or deactivated. These mecha-
                                                                                           nisms can be handed down over
     Dr. Carsten Dose                                                                      generations. As a consequence, epi-
     (Geschäftsführer)                                                                     genetics is able to explain why some
                                                                                           people tend towards obesity, or why
                                                                                           traumatic experiences can be passed
                                                                                           on to future generations.

                                                                                           The current FRIAS Research Focus            Foto: Siegfrid Gombert
                                                                                           "Chemical Epigenetics" 2016/17 in-
                                                                                           vestigates epigenetic mechanisms on         academics to the Institute over the      For a better understanding of epi-
                                                                                           a biochemical level. The group aims         course of the 2016/17 academic year.     genetic mechanisms, it is necessary
                                                                                           to develop medical agents which can         The research focus is investigating      to turn to genetics: Human genetic
                                                                                           later be used, for example, in curing       whether certain epigenetic proteins      material, deoxyribonucleic acid
                                                                                           cancer. The group is made up of the         play a role in the development and       (DNA), is structured as a so-called
                                                                                           Freiburg-based researchers Bernhard         course of an illness, and which agents   double helix. DNA consists of the
                                                                                           Breit, Professor of Organic Chemis-         can influence epigenetic processes.      four building blocks C, G, A and
                                                                                           try, Oliver Einsle, Professor of Bio-                                                T. These four letters stand for the
                                                                                           chemistry, Stefan Günther, Professor        For a long time, it was believed that    bases adenine, cytosine, thymine and
                                                                                           of Pharmaceutical Bioinformatics,           animals and people were only able to     guanine, which form the thousands
                                                                                           and Manfred Jung, Professor of Phar-        adapt to their environment through       of combinations that build the ‘text’
                                                                                           maceutical and Medicinal Chemis-            genetic mutation. By the same token,     of the human genome. In the form
                                                                                           try. They are joined by two British         it seemed very unlikely that environ-    of the double helix, the DNA is
                                                                                           researchers, Prof. A. ­Ganesan, Profes-     mental influences could be reflected     distributed across 46 chromosomes
                                                                                           sor of Chemical Biology at the Uni-         in our genetic make-up. However,         which are located in the cell nuclei
                                                                                           versity of East Anglia, and Prof. Udo       epigenetics has shown that by rein-      of humans, and also in the nuclei of
                                                                                           Oppermann, Professor of Molecular           forcing or inhibiting certain gene se-   animals, plants and fungi in different
                                                                                           Biology at the University of Oxford.        quences, external influences can alter   numbers. The double helix structure
Translations of all articles can be found online at www.frias.uni-freiburg.de/frias-news   The group is set to invite other guest      the regulation of the genome.            has one particular advantage: when
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RESEARCH          7

                                                                                                                                                       growth of cancer cells. Because when        sity of Freiburg, the University Medi-      Nonetheless, the researcher believes
                                                                                                                                                       epigenetic regulation is disrupted,         cal Center and the Freiburg Max             that clearer patterns will soon be re­
                                                                                                                                                       this may lead to illness – for instance,    Planck Institute of Immunobiology           cognized – which raises the question
                                                                                                                                                       if cell division is erratic due to faulty   and Epigenetics. Whilst Chemical            of how society should handle these
                                                                                                                                                       gene regulation, it can cause cancer.       Epigenetics is busy with the funda-         discoveries. It is still difficult to say
                                                                                                                                                       “Epigenetics is not only fundamental        mental research, Medical Epigenetics        exactly how many generations pass
                                                                                                                                                       research, it is already being used in       focuses more on the concrete possi-         before epigenetic markings in hu-
                                                                                                                                                       medicine to an extent. Seven epigen-        bilities for it's medical application. In   man genetic make-up disappear – in
                                                                                                                                                       etic drugs are already on the market        the process, both fields are in close       part because experiments on people
                                                                                                                                                       and are used particularly in cancer         contact in Freiburg.                        are very difficult to perform. How-
                                                                                                                                                       treatment. And at least 30 other sub-                                                   ever, initial studies show that suscep-
                                                                                                                                                       stances are in the clinical trial phase”,   The collaboration within the                tibility to obesity or illnesses such as
                                                                                                                                                       explains Manfred Jung. At the begin-        “Chemical Epigenetics” group is             diabetes, for instance, are sometimes
Bernhard Breit, Professor of Organic Chemistry; Oliver Einsle, Professor of Biochemistry; Stefan Günther, Professor of Pharmaceutical Bioinformatics   ning of the year, the pharmacist and        particularly effective because the          passed down even to the third gener-
and Manfred Jung, Professor of Pharmaceutical and Medicinal Chemistry
                                                                                                                                                       his team published research results         members were able to get to know            ation. Several studies into the impli-
                                                                                                                                                       showing how the growth of tumour            one another as part of a FRIAS pro­         cations of environmental influences
cells divide, the double helix ‘unrav-             the resulting proteins are created.               which does not function as a mes-                 cells could potentially be inhibited.       ject group in 2015/16. During this          on children in the womb also exist,
els’ and opens down the middle like                DNA is therefore the genetic blue-                senger for protein synthesis, but in-             The researchers investigate pro-            period, FRIAS and the SFB also col-         which show that the mother’s nutri-
a zip. The missing strand is replaced,             print of a person.                                stead is active itself and can activate           teins and agents in test tubes in the       laborated to organize the biennial          tion, physical activity and also expe-
with the result that the daughter cell             The American researcher James                     or deactivate specific, individual                laboratory. Each member of the              “Freiburg Epigenetic Spring Meet-           riences of violence both before and
contains a complete copy of the ge-                Watson and the British researcher                 genes. Micro­RNAs ensure that the                 Research Focus has an individual            ing” in April 2016. The conference          during pregnancy have a direct im-
nome.                                              Francis Crick were awarded a No-                  correct gene is activated depending               subject-specific focus which comple-        concluded with a Freiburger Hori-           pact on her children. For example, a
Inside the chromosomes, the DNA                    bel Prize in 1953 for the discovery               on the cell type and therefore that               ments those of the other members.           zonte public lecture by the scientific      study from the Helmholtz Centre in
strands are wrapped around so-                     of the double helix. In the 1990s,                the correct enzyme is created. DNA                Whilst Oliver Einsle is responsible         journalist Peter Spork on April 13,         Munich and the Technical Univer-
called histones. Much like bobbins                 the ­Human Genome Project was set                 methylation is another mechanism                  for protein purification and sheds          2016, who opened up the secrets of          sity of Munich, which was recently
on a spinning wheel, they ensure                   up to determine how many genes a                  which activates or deactivates, rein-             light on protein structures, Stefan         epigenetics to a wide audience, in a        published in the journal Nature
that the DNA is well wrapped up,                   person has, with the aim of decoding              forces or inhibits, a gene segment. In            Günther subsequently examines               very well-attended lecture.                 Genetics, demonstrated that diet-
like a thread of wool. In addition                 the exact sequence of the bases that              doing so, a methyl group is attached              potential drug candidates. Based on                                                     induced diabetes in mouse moth-
to the 22 of the 46 chromosomes                    make up the human genome. When                    to a certain point on the DNA mol-                the structural information on the           The researchers all agree on one            ers is passed down via the gametes
which occur twice, women have two                  the project ended in 2003, it was                 ecule and either completely disables              protein, he searches for the right          thing: epigenetics holds huge poten-        to their offspring. These discoveries
X chromosomes, while men have one                  clear: the human genome consisted                 or reduces its activity. However, the             “key” to fit the existing “lock”; that      tial for curing illnesses. Currently at-    offer new medical, social and ethical
X and one Y chromosome. At incep-                  of approximately 26,000 genes – far               activity of a ­genetic sequence can               is, the relevant protein structure. The     tempts are also being made to devel-        perspectives on inheritance, open-
tion, the father’s sperm cell fertilizes           fewer than anticipated.                           also be increased – e.g. when acetyl              agents bind themselves to a protein,        op epigenetic diagnostics, where not        ing up interesting points of depar-
the mother’s egg cell. The cells then                                                                groups dock into histone proteins. A              thereby strengthening or weaken-            only genomes, but also epigenomes           ture for an interdisciplinary dialogue
merge together, ensuring that the                  Epigenetic research was required to               quick reminder: Histones package                  ing its effect. Manfred Jung then           are sequenced. However, Manfred             between the social sciences and the
child receives a complete set of 46                understand that the regulation of                 the DNA inside the chromosome.                    uses test procedures and so-called          Jung cautions against unreasonably          life sciences. There is certainly ample
chromosomes. The DNA strands in-                   the genome is far more complex. “If               The interactions between histones                 screens to investigate whether these        high expectations. “Epigenomes are          material for the current academic
side the chromosomes are then ‘read’               DNA is the book of life, then epi-                and DNA modify the transcription                  keys work, and whether the drugs            extremely plastic, that is to say, they     year at FRIAS. (ks)
and converted into proteins which                  genetic mechanisms are bookmarks                  of individual genes or gene strands.              demonstrate the desired effect. Fi-         are constantly changing. They do
determine the person’s appearance, as              in this book”, says Manfred Jung.                 These mechanisms of histone modi-                 nally, Bernhard Breit is responsible        not function like a fixed code, but
well as all their metabolic processes.             The coordinator of the research fo-               fication are precisely what the FRIAS             for optimising the drug candidate.          more like a language”, he explains.
For this purpose, the given order of               cus has been working on epigenetic                Research Focus seeks to address with              The group’s investigations predomi-         “For example, the word ‘draft’ has
C, G, A and T is transcribed as so-                mechanisms at a molecular level for               its research.                                     nantly take place in test tubes. The        two meanings – and it is just the
called messenger RNA (ribonucleic                  many years.                                       For the members of the FRIAS                      cellular, medical application occurs        same with the epigenome. And also
acid). The messenger RNA then                                                                        “Chemical Epigenetics” Research                   at a later stage, for example, in the       conversely, two different words can
transports this information to the                 A distinction is drawn between the                Focus, an understanding of epigen-                collaborative research centre “Medi-        mean the same thing, depending on
protein factory of the cell, the ribo-             mechanisms of the microRNA,                       etic mechanisms is important for re-              cal Epigenetics” (SFB 992, Speaker          the context”. Unlike human DNA, it
some, where the sequences of letters               DNA methylation and histone                       searching how these processes might               R. Schüle) in Freiburg, which brings        is therefore not possible to precisely
transmitted are read like a code, and              modifications. MicroRNA is RNA                    be able, for example, to halt the                 together expertise from the Univer-         decode epigenomes.
NEWS 13 - Freiburg Institute for Advanced Studies - FRIAS
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                                                                                                  Ulrich Bröckling: The proletarian           China. One of the questions here is      women sitting on a tractor in front of
                                                                                                  imagination is unique in that it’s par-     to what extent Russian archetypes        a vast field and the like.
                                                                                                  ticularly loaded with theory and with       were adopted in China after the          Bröckling: That’s right! Ultimately
                                                                                                  the philosophy of history. In Marx-         Revolution, and how both countries       the proletarian imagination revolved
                                                                                                  ist discourse at least, the rhetoric of     developed a very particular model        around work.
                                                                                                  the proletariat didn’t directly focus       of the hero(ine), one whose heroism
                                                                                                  on the empirical living conditions          consisted in achieving especially high  Hake: On the other hand, look at
                                                                                                  of the workers, but rather described        levels of productivity.                 the lyric poetry created by workers
                                                                                                  one side of a fundamental social class                                              in the 19th century, for example –
Imagining                                                                                         division. At the same time, the pro-
                                                                                                  letariat had the historical mission of
                                                                                                                                              Hake: Aha, like the Stakhanov2 prin- work is nowhere to be found! Instead
                                                                                                                                              ciple in the USSR.                      it’s all love, flowers, the sun, the sky,
 the future                                                                                       doing away with this division once
                                                                                                  and for all through revolution. The
                                                                                                                                                                                      mountains, trees, children, animals,
                                                                                                                                              Bröckling: That’s right – and in springtime.
                                                                                                  newer concept of the precariat isn’t        the GDR there was the worker hero
              Bringing together researchers and        the workers’ movements of the time         loaded in the same way. It’s a socio-       Hennecke, and there were similar Bröckling: So when workers sit
              their subjects from all over the world   imagined the future and their own          structural description of precarious,       figures in China too. Interestingly, down at night and write poems...
              is one of FRIAS’ central missions.       role in it. My academic work has in-       i.e. uncertain, living conditions.          these model workers, who were of-
              And it never fails to create interest-   creasingly shown me how crucial it                                                     ten also Party members, frequently Hake: ...they describe the exact op-
              ing encounters between fellows and       is for social movements to imagine         Did the workers’ movement at that           encountered hostile reactions from posite of their everyday life, precisely.
              research scholars at the University of   a different future for themselves –        time have a clear image of itself           their co-workers in the factories, It was a way for them to escape be-
              Freiburg. For this edition of FRIAS      through symbolic practices, cultural       and of its role in history?                 because their record performances ing defined by work. Though it was
              NEWS, we brought together Sabine         self-representation or performative                                                    meant that quotas were then raised. often very kitsch, it also anticipated
              Hake, FRIAS Fellow 2015/16 and           identities. You have to know what          Hake: Absolutely! Suddenly they             But of course there was also a her- a self-determined life – and at the
              Professor of German Literature and       you want to be in order to find the        could write themselves into a dif-          oisation of the workers’ movement, same time borrowed from bourgeois
              Culture at the University of Texas in    motivation to fight for it. The prob-      ferent narrative, one in which they         before the so-called workers’ states lyric poetry.
              Austin, USA, and Ulrich Bröckling,       lem of our age, as I see it, is that al-   were suddenly the hero and saviour          developed. I’m sure you know more
              Professor of Cultural Sociology at       though there’s an incredible build-up      – this was reflected in the songs of        about that than I do, Professor Hake. Professor Hake, you once said that
              the University of Freiburg. Sabine       of resentment, fear, hatred and dis-       the workers' movement, allegorical          The visual portrayals in socialist and during your research you happened
              Hake’s FRIAS project focuses on          appointment, there’s no collective         drawings and so-called Weihespiele1,        anarchist magazines are a perfect ex- to discover that issues of gender and
              imaginaries of the proletariat and the   script to express all of this. At pres-    which were very popular in social de-       ample: athletic male bodies, always religion both played an important
              workers’ movements of the 19th and       ent all we have is the populist script,    mocracy, for example.                       with a tool in hand, drawn or photo- role – more so than you expected.
              20th centuries. Ulrich Bröckling’s       which is of course very dangerous, as                                                  graphed looking up from below – the What did you mean by that?
              research centres on topics such as       we’re seeing right now with Trump,         “Hero” is a good cue – Professor            so-called “hero shot”. These bodily
              social technologies and technologies     the Brexit vote and all of the right-      Bröckling, your research also deals         aesthetics also conveyed a particu- Hake: The more I read into the sub-
              of the self, heroisations, the sociol-   wing groups in Europe.                     with the subject of heroes and he­          lar image of masculinity, defined by ject, the more clearly I saw that so-
              ogy of war and many others. Below        My research has made one thing clear       roisations.                                 physical strength and combat readi- cialism was actually a sort of secula-
              we’ve published an extract from their    to me. Emotions have an incredibly                                                     ness. And of course there’s also the rised religion. Religious metaphors,
              discussion, which took place in July     important role to play in develop-         Bröckling: That’s right – we have           image of the working class as a col- rituals and religious language were
              2016..                                   ing these imaginary communities            a collaborative research centre in          lective hero, in line with Karl Marx, common. I think perhaps this can
                                                       and articulating them politically. It      Freiburg, the SFB 948, which focus-         who charged the proletariat with the only now be understood, with a
              Professor Hake, perhaps you could        became apparent that socialism and         es on “Heroes, Heroisations, Hero-          historic task of bringing world histo- broader understanding of religiosity.
              begin by giving us an overview of        communism, which claimed to be             isms”. It’s an interdisciplinary project    ry to its conclusion. A heroic task in- And something that at first I really
              the areas your research is focused       based solely on rational insight, that     combining various historiographical         deed – and one that lends itself very didn’t want to admit is how strongly
              on at the moment?                        is on class consciousness and theory,      fields from archaeology to contem-          well to visual depictions, I think.     socialism must be defined within a
                                                       were shaped by emotions just as            porary history. It also encompasses                                                 “homosocial” context. Even though
              Sabine Hake: Of course. I’m cur-         much as every other social move-           literature, art and aesthetics as well as   Hake: But women also had a place female workers were everywhere! But
              rently working on imaginaries of         ment of the 19th century.                  sociology. Part of our work involves        in these heroisations – you only need women were completely left out of
              the proletariat in the 19th and 20th                                                a sub-project focusing on worker            to look at the clichéd images propa- this fantasy of the workers’ move-
              centuries. That is, I’m studying how                                                heroes in the Soviet Union and in           gated by socialist realism of men and ment. It was an entirely male world;
NEWS 13 - Freiburg Institute for Advanced Studies - FRIAS
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their male choirs and watering holes        Hake: I agree with you there! In          believe we should reject the idea that     1968. Think of the slogan “Under           nation. In contrast, Bernie Sanders        at the Karlsruhe University of Arts
were a desperately longed-for escape        the course of my work, I’ve noticed       this inevitably leads to the collapse      the cobbles, the beach”, and also the      was calling for greater redistribution     and Design, says quite openly that
from the oppressive conditions they         this enormous discrepancy between         of the whole system – and that too is      significance of radical groups of art-     of economic, social and symbolic re-       German society needs to increase
lived in with their wives and chil-         the optimism people had about the         a religious motif, by the way. A crisis    ists such as the Situationists in the      sources.                                   its supply of “thymos”. Thymos is
dren.                                       future then and the present day. In       isn’t just something that comes to a       build-up to the events of May 1968                                                    an ancient Greek term referring to
                                            contrast to the workers’ movement,        head in dramatic events in a short         in Paris – that was artistic critique.     Let’s talk about the role played by        emotional forces and “gut feeling”.
Bröckling: Allow me to return to the        today we don’t have any real concep-      space of time. As Walter Benjamin          Boltanski and Chiapello assert that        rage. Professor Hake, in your book         Constantly invoking fears is a way of
subject of religion. From a sociologi-      tion of the future! Although we often     says, what defines catastrophe is          this specific form of critique was         you mention John Heartfield’s              mobilising them in order to exploit
cal point of view, we would say that        think in terms of technological ad-       more that it just keeps on going. If       absorbed by what we call neoliberal        “productive rage”, for example.            them. The goal is to be afraid – and
religious practices allow communi-          vances and the like...                    we understand a crisis to be an on-        revolution after 1968. Autonomy,           Why does rage have such negative           to make others afraid. And citing
ties to reinforce their sense of self and                                             going state of emergency, something        creativity, spontaneity – these radical    political connotations these days?         fear provides carte blanche for in-
of community or solidarity, and that        Bröckling: ...I would say that we         that persists, then the choice of bar-     demands, they say, have been robbed                                                   dulging in xenophobia and racism.
is of course exactly what happened          actually imagine the future as a ca-      barism over socialism was made at          of their subversive power and made         Hake: Well, it always depends on           In that respect it’s disastrous when
in the socialist movement too. And          tastrophe and our hopes have been         the latest with National Socialism.        reality in new management con-             what kind of rage it is. I would say       even representatives of democratic
as for the issue of the workers’ move-      reduced to holding it off for as long     There has been a great deal of dis-        cepts, new forms of organising work        that the rage featured in the novels       parties are saying that citizens’ fears
ment being male-oriented – as you           as possible!                              cussion about a work by two French         and changes in what is demanded of         of the workers’ movement is a pure,        must be taken seriously. When they
said, that is certainly related to the                                                sociologists, Luc Boltanski and Ève        the individual. In order to survive        righteous rage – picture it as a blaz-     use this argument they’re letting
fact that family life was a life of close   Hake: Exactly, there are two narra-       Chiapello, called “Le nouvel esprit        in these conditions of generalised         ing candle. It’s not self-interested       themselves be driven by the right-
confines and hardship.                      tives: on the one hand a certain faith    du capitalisme”, or “The New Spirit        competition, all workers need to be        rage, it’s in the service of something     wing movements.
I’d also like to bring up something         in technology, and on the other the       of Capitalism”3 . Their thesis is that     innovative, flexible risk-takers; in       bigger. While in the case of enraged
else that I think is important when         expectation of catastrophe. But there     the development of capitalism was          short, they need to become entre-          citizens today, who tend to be older,      Professor Hake, Professor Bröckling,
dealing with the proletariat as a fan-      is really no narrative of the future in   accompanied throughout by the              preneurs of their own lives. I discuss     wealthier, and more conservative, it’s     many thanks for this interesting con-
tasy. The workers’ movement – both          which we are subjects who create          critique of capitalism. They broadly       how this appeal works and what its         really just a “not in my backyard”         versation.
its social democratic incarnation and       our future ourselves. That has really     differentiate two basic forms of cri-      consequences are in my book “The           attitude; it’s rage at everyone who        (ks)
the later Bolshevik variant – was           struck me during my work. Looking         tique, which they call “social cri-        Entrepreneurial Self ”.                    might take something away from
also a powerful system of instilling        back, you can laugh at the optimism       tique” and “artistic critique”. Social                                                me. That is self-interested rage.
discipline. This was based on the           they had, this naivety and also the       critique criticises the destitution,       Hake: That’s really interesting, I see a                                              1 These were mass events with ex-
conviction that it was necessary to         dogmatism of the workers’ move-           the impoverishment and the exploi-         parallel there. I’m sure you’re familiar   Bröckling: I agree. Especially when        pressionist dancing, chanting and
build up power within the organisa-         ment, but I also realised that I was      tation that come with capitalism.          with the discussion between Nancy          I look at the populist forces in Ger-      movement choirs intended to por-
tion, collect votes and at the same         sometimes a little envious of how         Boltanski and Chiapello link this to       Fraser and Axel Honneth, who make          many – there’s constant talk about         tray the battle between the workers'
time wait for a crisis to emerge, in        hopeful people were back then!            the old workers’ movement and put          a distinction that I think is similar      fear. Fear of being inundated by for-      movement and capitalism. They
order to then be in the right place                                                   forward the thesis that this form of       to what you’ve just described. They        eigners, fear of social decline, fear of   were later continued by the Nazis,
at the right time with mass action.         Professor Bröckling, you have writ­       critique has already been integrated.      distinguish between “redistribution”       everything possible. My belief is that     who layered them with sacred, mys-
Because they were only strong when          ten a book which deals with the fi­       The unions have signed collective          and “recognition”. Nancy Fraser            they might say “fear”, but it’s really     tical and nationalistic elements.
they stood together, individuals had        gure of the “entrepreneurial self ”.      bargaining agreements, the social          talks of the significance of redistribu-   rage and hatred that are at work. If       2 Alexey Grigoryevich Stakhanov
to subordinate themselves. This had         Has the class struggle between ca­        democratic parties are an established      tion, for example through progres-         you talk in terms of fear, you’ve got      was seen as a model Soviet worker
disastrous consequences. Up until           pitalists and workers now been re­        part of the political system, and the      sive tax policies or social spending,      a major advantage. It shields you          after he exceeded his coal production
1914, the discipline of the social-         placed by the phenomenon of indi­         welfare state has gone a long way          while Axel Honneth describes the           from criticism; nobody can contra-         quota by a factor of 13 during a shift
ist workers had drawn them to the           viduals exploiting themselves – and       towards meeting the demands for            need for recognition – a need that         dict you. If I say that I’m afraid, how    in 1935.
May Day demonstrations; in August           does this mark another triumph for        improved living standards. On the          comes from the identity politics of        can anyone tell me that I’m not? In        3 Luc Boltanski, Ève Chiapello
of that year, it sent them marching         capitalism?                               other hand, artistic critique – which      certain social movements. For ex-          this respect, I would differentiate        (2005): “The New Spirit of Capital-
off to war as soldiers. And when vast                                                 is found more within the anarchist         ample, I have the feeling that what’s      between fear as a feeling, and fear        ism”. Verso, London / New York.
swathes of the workers’ movement            Bröckling: Here I should elabo-           movement, but also in artistic avant-      happening with Donald Trump in             as an argument in public discourse.
later joined the Nazis, this inclina-       rate a little. The diagnosis that the     gardes – criticises not so much the        America at the moment is also a sort       Fear can be used to whip people up,
tion towards discipline was in no           capitalist form of socialisation inher-   social injustice of capitalism as alien-   of battle for recognition. There are a     and this can be politically exploited.
small part responsible.                     ently leads to crises, as formulated by   ation, abstraction, rationalisation        group of people who feel that whites       Marc Jongen, who’s a “court philoso-
                                            Marxism and other early critiques of      and bureaucratisation. This form of        have been neglected and that they          pher” of sorts for the right-wing pro-
                                            capitalism, is, I think, something        critique, according to the authors,        too should as a group demand rec-          test party Alternative for Germany
                                            that we should keep hold of. But I        received another enormous boost in         ognition as victims of racial discrimi-    (AfD) as well as a philosophy lecturer
NEWS 13 - Freiburg Institute for Advanced Studies - FRIAS
PORTRAIT       13

                                                             Having spent many years both in           the city of Saalfeld as a suitable        His book, later published in German       of the historical burden borne by the
                                                             larger German cities as well as some      place for his research. Saalfeld, situ-   as Die rätselhafte Stabilität der DDR,    country most closesly associated with
                                                             of the provinces, he speaks fluent        ated in the north of the Thuringian       provided substantial insights into ev-    genocide.
                                                             German and is well connected in           Highland close to Jena and Weimar,        eryday life in the GDR and received       It was especially in the late 1970s
                                                             German academia.                          served as a “case study” for a typical    considerable critical acclaim. He was     that popular consciousness about
                                                             He first came to Germany in 1987          industrial city, with its local steel     able to show that East Germans were       the actual dimensions of World War
                                                             during a so-called junior year abroad     mill, the Maxhütte, and its rather        not simply submissive subjects, but       II and the Holocaust developed, not
Measuring                                                    in Paris, where he got to know Ger-
                                                             man students, visited Berlin, and be-
                                                                                                       provincial setting. The city was nev-
                                                                                                       ertheless also good for a number of
                                                                                                                                                 rather had their own ways of avoiding
                                                                                                                                                 the pressure and demands placed on
                                                                                                                                                                                           least because of the broadcast of the
                                                                                                                                                                                           American television series Holo-
Germany’s                                                    came interested in the country and
                                                             its history. As it happens, he returned
                                                                                                       surprises. As it turned out, the city
                                                                                                       archive and the surviving documents
                                                                                                                                                 them by the regime. In his writings,
                                                                                                                                                 Andrew Port also argues that the sole
                                                                                                                                                                                           caust. “Of course, in all these cases,
                                                                                                                                                                                           the Holocaust is always there in a
     pulse                                                   to Berlin in 1989, three weeks before
                                                             the fall of the Berlin Wall. Already on
                                                                                                       were especially well preserved, and
                                                                                                       during his research there and in more
                                                                                                                                                 reliance on Stasi files by many lead-
                                                                                                                                                 ing historians, as well as an ignorance
                                                                                                                                                                                           subconscious way, but it is not al-
                                                                                                                                                                                           ways dominant”, says Andrew Port.
                                                             the night of November 9, he crossed       than a dozen other archives, Andrew       of regional differences, had led to an    “Yet, it always seems to come up in
     Andrew Port   "Er hört zu!" – "He listens!" said the    the border to East Berlin and later       Port discovered that the town had         incomplete understanding of every-        the context of whether Germany has
                   wife of an interview partner about        visited other parts of East Germany.      already experienced a local uprising      day life in the GDR, especially in        some sort of special obligation to
                   Andrew Port, who was able to get          He spent the next two years studying      of uranium miners in 1951 – long          German academia.                          act.” That said, he shows in the case
                   her husband talk more about his           at the Freie Universität, while at the    before the well-known June 1953           In his FRIAS-project, he deals with       of Cambodia, for example, how the
                   experiences in the former German          same time working as a bartender,         upheaval. This discovery, which he        another major aspect of German his-       reactions of East and West Germany
                   Democratic Republic (GDR) than            waiter, and substitute school teacher     published in the journal Social His-      tory: the reactions of Germans to         were predominantly driven by for-
                   ever before. Andrew Port’s ability        for the U.S. Army in Berlin.              tory, received considerable attention     genocides that took place in other        eign policy concerns. West Germa-
                   to listen and get people talking has      “I fell in love with Germany because      in Germany and further sparked his        parts of the world after the Holo-        ny decided to recognize the Khmer
                   gotten him far: the historian focuses     of the people I met back then”, he        ambition to learn more about every-       caust, with a focus on Cambodia,          Rouge as Cambodia’s official repre-
                   on modern German history and has          says. “Those were young people like       day life during the GDR.                  Bosnia, and Rwanda. Analyzing re-         sentative at the UN following the
                   published a wide range of books and       me, who grew up in the 1960s and          The question that puzzled him most        actions by politicians and diplomats,     fall of the Cambodian communists
                   articles that have received a good deal   1970s, and even though they were          was why the GDR regime was able           the media, human rights groups,           in 1979, largely because of the Fed-
                   of media attention. As an attentive       born long after the Second World          to last for such a long time despite      and intellectuals, as well as conduct-    eral Republic’s diplomatic consider-
                   observer of contemporary Germany,         War, they really tried to deal with       such widespread popular discon-           ing interviews with contemporary          ations towards the US and China,
                   he is interested in the “breaking         their country’s past in a very sincere    tent. While reading documents in          witnesses, he traces the evolution        whereas East Germany opposed the
                   points” of recent German history,         way. It was this seriousness in think-    the archives and doing interviews         of German foreign policy, especially      Khmer Rouge because of their close
                   and especially in “the way Germans        ing about the world around them           with contemporary witnesses, he           the country’s greater willingness         ties to China, which was considered
                   perceive themselves”. For his work,       that really impressed me and it was       not only discovered a large number        to get involved abroad, including         an arch enemy of the Soviet Union
                   he combines diligent archival re-         something that I had not experi-          of local conflicts but also quickly       militarily. Furthermore, he wants to      at the time. Whereas the West Ger-
                   search with extensive interviews with     enced in the same way in the United       realized that many Saalfelders had        show how Germany, in responding           man debate was also characterized by
                   contemporary witnesses. By studying       States before. I really think Germany     not been afraid to voice their com-       to crises elsewhere, has dealt with       a struggle between the left and right
                   recent German history and measur-         has become a much better place as a       plaints to the authorities. In his book   its own past. “When I read Ger-           about their previous positions dur-
                   ing the pulse of German society, he is    result of this.”                          Conflict and Stability in the German      man newspaper articles and follow         ing the war in Vietnam, East Ger-
                   able to gain an understanding of the      After attending graduate school at        Democratic Republic, Andrew Port          Bundestag debates from the time of        mans seemed to be grappling with
                   issues that still move the country. In    Harvard University, he came back          describes how local officials reacted     the Cambodian genocide or the con-        the question of how it was possible
                   order to get a more detailed picture      to Germany in 1994 to carry out re-       to such complaints and conflicts by       flict in the Balkans, I get a sense of    for communists to have committed
                   of recent German history and what         search for his doctoral dissertation.     pursuing negotiations and adopt-          how many of the arguments reflect         such horrible crimes.
                   it means for current society, he has      He was particularly interested in the     ing compromises in order to achieve       on the relationship of the journalists    Andrew Port's research will cul-
                   done extensive research on everyday       daily lives of ordinary people in the     harmony within the town and sur-          and politicians to Germany and the        minate in a book tentatively titled
                   life during the GDR, the foreign pol-     GDR and the issue of how the East         rounding district. At the same time,      fraught history of their country”, he     “What Germans Talk about When
                   icies of divided Germany during the       German regime was able to remain          he shows how official policies creat-     explains. In the reactions to these       They Talk about Genocide”. This
                   Cold War, and German reactions to         stable for such a long time. In order     ed, wittingly or not, social cleavages    genocides, he has found references        will provide, no doubt, an interesting
                   genocide in other parts of the world.     to learn more about everyday life in a    that prevented – even more so than        to humanitarian reasons and political     historical and sociological analysis –
                                                             typical East German town, his host,       repression – the formation of a more      motivations (e.g., anti-communism),       and one that Germans would do well
                                                             Prof. Lutz Niethammer, suggested          united opposition against the regime.     but also a sense of moral duty and        to consider carefully. (ks)
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                                                                                                        zentristische Perspektive weit hinter   und für die Urlaub oder Privatsphäre      nen Autoren-Workshop zum Thema
                                                                                                        sich lässt. Aus ihrem globalen Blick-   unbekannte Konzepte sind.                 Migration, in dessen Rahmen Prof.
                                                                                                        winkel erscheint doch arg eng, was      Weil das Problem ein globales ist,        Sandra Lavenex (Universität Genf )
                                                                                                        sich in Europa migrationspolitisch      setzt die Wissenschaftlerin auf glo-      einen Vortrag zur europäischen Asyl-
                                                                                                        derzeit zusammen braut: wachsende       bal agierende Organisationen wie die      politik halten wird.
                                                                                                        Nationalismen, Brexit, Grenzkon-        UNO oder deren Sonderorganisati-
                                                                                                        trollen und die Angst vor Zuwan-        on ILO (Internationale Arbeitsorga-       Nicola Piper arbeitet mit qualitati-

 Wanderin                                                                                               derern, die dem Staat vermeintlich
                                                                                                        nur auf der Tasche liegen. Dabei
                                                                                                                                                nisation). Beide formulieren denn
                                                                                                                                                auch Konventionen, in denen sie in-
                                                                                                                                                                                          ven Methoden: Interviews führen,
                                                                                                                                                                                          Diskurse verfolgen, bei den Ver-
 zwischen                                                                                               habe Europa mit seiner Freizügig-
                                                                                                        keit lange Modellcharakter gehabt.
                                                                                                                                                ternationale Arbeits- und Menschen-
                                                                                                                                                rechtsstandards festschreiben. „Aber
                                                                                                                                                                                          handlungsprozessen bei der ILO
                                                                                                                                                                                          dabei sein, Berichte und politische
den Welten                                                                                              „Diese ungehinderte Mobilität gab
                                                                                                        es sonst nirgendwo.“ Dem Zusam-
                                                                                                                                                niemand in Europa oder ­Quatar will
                                                                                                                                                sie ratifizieren.“ Also treten sie dort
                                                                                                                                                                                          Erklärungen lesen und auswerten.
                                                                                                                                                                                          Schon die Sprache könne verräte-
                                                                                                        menschluss der ASEAN-Staaten,           auch nicht in Kraft.                      risch sein. Mit „maids“ werden die
      Nicola Piper   Sie kann nachempfinden, wie sich         FRIAS. Das neunmonatige Marie-            die so etwas auch anstrebten, könne                                               in sklavenähnlicher Abhängigkeit
                     das anfühlt: Die Sprache des Landes      Curie-Stipendium muss sie in zwei         Europa nun kaum noch als Vorbild        Immerhin wären sie gar nicht zu-          gehaltenen Hausmädchen etwa in
                     nicht sprechen, in das es einen ver-     Etappen splitten, weil sie für einen so   dienen.                                 stande gekommen, wenn Gewerk-             arabischen Ländern landläufig be-
                     schlagen hat. Die Schrift nicht lesen    langen Zeitraum nicht abkömmlich                                                  schaften, Nichtregierungs- und Mi-        nannt. Die ILO-Konvention für
                     können. Als einzige anders aussehen      ist. Nach Freiburg hat die Migrati-       Migration erkennt Nicola Piper als      grantenorganisationen nicht auf die       Hausarbeiter spricht von „domestic
                     als alle anderen: Ein Gespür dafür hat   onsforscherin nicht nur ihren engli-      ein globales Phänomen: „Es gibt kein    Problematik aufmerksam gemacht            workers“, für die feste Arbeitszeiten,
                     Nicola Piper bei einem Studienauf-       schen Lebensgefährten mitgebracht,        Land, das nicht davon betroffen ist“    und Lobbyarbbeit für die Entrechte-       eine angemessene Bezahlung und die
                     enthalt in Tokio bekommen. Dabei         sondern auch ihre von der angelsäch-      - ob als Entsenderland wie viele af-    ten betrieben hätten, ist Nicola Piper    Wahrung der Privatsphäre vereinbart
                     ist der Japanologin und Soziologin       sischen Kultur geprägte unprätenti-       rikanische Staaten, die Philippinen,    überzeugt. Dass sie sich zu Netzwer-      werden sollen. „Es geht den interna-
                     durchaus bewusst, wie privilegiert       öse Art: Mit der „sehr geehrten Frau      Indonesien oder Sri Lanka, oder als     ken verbünden, gibt ihnen eine grö-       tionalen Organisationen nicht da-
                     sie als weiße Europäerin mit guter       Professorin“ als Anrede braucht man       Empfänger- oder Transitland. Ganz       ßere Schlagkraft. „Ohne die Kam-          rum, generell die Türen für alle zu
                     Ausbildung in ihrer Rolle als Mig-       ihr gar nicht erst zu kommen.             eindeutig verläuft die Grenze zwi-      pagnen der Zivilgesellschaft gäbe es      öffnen“, stellt Piper klar. „Sondern
                     rantin ist. Nicht im Entferntesten zu                                              schen beiden aber häufig nicht, auch    diese Konventionen nicht.“ Etwa           welche Rechte gelten sollen für die,
                     vergleichen mit einem Afrikaner, der     „Ich lebe, was ich erforsche“, sagt       wenn Staaten sich gerne einseitig als   die neue ILO-Konvention für Haus-         die reinkommen.“ (ar)
                     sich übers Mittelmeer nach Europa        sie. Globale Migrationsbewegun-           das eine oder das andere definieren.    arbeiter, die ein Arbeitsverhältnis auf
                     zu retten versucht. Dennoch hat sie      gen: Das ist für sie kein abstrakter      Südafrika, zum Beispiel, nimmt Mi-      Augenhöhe zwischen Arbeitgeber
                     es erlebt, als sie in Tokio ihr Visum    Begriff, sondern er hat zu tun mit        granten auf und entsendet gleichzei-    und -nehmer herbeiführen will.
                     verlängern wollte: die Befragungen,      Menschen, denen elementare Rech-          tig Krankenschwestern nach Groß-
                     das Misstrauen. „Man hat nicht die-      te vorenthalten werden. Davon lässt       britannien. Wohl den ausgebildeten      Während ihres FRIAS Fellowships
                     selben Rechte wie die anderen und        sie sich berühren. „Eine Gesellschaft     philippinischen Krankenschwestern,      bringt Nicola Piper ihre wissen-
                     muss sich immer legitimieren.“ Eine      braucht nicht nur die hochqualifi-        die im Rahmen eines bilateralen Ab-     schaftlichen Erkenntnisse auch ei-
                     Erfahrung, die sie mit Migranten in      zierten Zuwanderer“, ist sie über-        kommens in Deutschland arbeiten         nem größeren Publikum näher. So
                     aller Welt verbindet. 1966 in Mün-       zeugt. „New York würde in einem           zu rechtlichen Rahmenbedingungen        hielt sie, gemeinsam mit FRIAS
                     chen geboren, hat die Kosmopolitin       Riesenchaos versinken, würden alle        auf EU-Niveau. Gewerkschaften           Alumnus Stefan Rother (Universi-
                     selbst mehr als die Hälfte ihres Le-     Ausländer ausgewiesen, die so ge-         und Migrantenselbstorganisationen       tät Freiburg) am 24. Oktober 2016
                     bens im Ausland verbracht: Groß-         nannte niedere Tätigkeiten verrich-       waren an den Verhandlungen be-          einen Freiburger Horizonte-Vortrag
                     britannien, Dänemark, Singapur           ten.“ An der Universität Sydney hat       teiligt. Die Regel ist das nicht. Was   zum Thema „Migration: Globale
                     und zahlreiche weitere Stationen.        sie es sich angewöhnt, grundsätzlich      Nicola Piper mit Sorge beobach-         Herausforderung und Implikationen
                     Seit fünf Jahren als Professorin für     auch die Putzfrauen zu grüßen. Sie        tet, ist die ungeschützte Migration:    für Deutschland“.
                     Migration und Menschenrechte an          will sie „aus ihrer Unsichtbarkeit        Menschen, die rechtlos auf Baustel-     Zudem organisiert sie gemeinsam
                     der Universität von Sydney in Aust-      holen“. Dafür nutzt sie aber auch         len oder in Haushalten schuften, zu     mit Prof. Jürgen Rüland (Universität
                     ralien, seit Anfang Juni als Fellow am   ihre Forschung, mit der sie die euro-     geringen oder gar keinen Löhnen         Freiburg) am 27./28. April 2017 ei-
NEWS 13 - Freiburg Institute for Advanced Studies - FRIAS
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                                                              versitäten und eine größere Attrak-        FRIAS: Sind Universitätsleitun­          Frankenberg: Ja, diese Spannung           Problem sehe ich darin, dass wir
                                                              tivität für internationale Forscher­       gen heute ausreichend in der Lage,       sehe ich durchaus auch. Ich kenne         unterhalb der Professorenebene viel
                                                              innen und Forscher. Diese Ziele            ­solche strategischen Positionierung­    aber auch das Gegenteil, nämlich          zu wenige Karriereoptionen haben.
                                                              wurden in dieser kurzen Zeit bereits        en ihrer Universitäten zu entwer­       die Universität in Mannheim, bei          Zu häufig haben wir das Problem,
  Freiräume zum                                               überraschend gut erreicht – und das
                                                              mit relativ geringen Mitteln, wenn
                                                                                                          fen, zu gestalten und auch durch­
                                                                                                          zuhalten?
                                                                                                                                                  der ich ja Rektor war. Wir haben da-
                                                                                                                                                  mals eine Öffnungsklausel genutzt,
                                                                                                                                                                                            das wirklich hervorragende Leute
                                                                                                                                                                                            gehen müssen, weil ihre Verträge
    Denken und                                                man die Finanzierung mit den Bud-                                                   um einen Universitätsrat zu etablie-      enden. Wenn wir keine langfristigen

     Forschen –
                                                              gets von internationalen Spitzenuni-       Frankenberg: Da sprechen Sie einen       ren – das war im Grunde genommen          Karrieremöglichkeiten unterhalb der
                                                              versitäten vergleicht. Im Ausland          Punkt an, der ja auch im Bericht und     ein Vorgriff auf das dann erste neue      Professorenebene und mehr Tenure-

    dann findet                                               hat man es sehr begrüßt, dass durch
                                                              die Exzellenzinitiative die besonders
                                                                                                         der Empfehlung zur Weiterführung
                                                                                                         des Wissenschaftsrates kritisiert wur-
                                                                                                                                                  Hochschulgesetz aus der Zeit des
                                                                                                                                                  damaligen Wissenschaftsminister
                                                                                                                                                                                            Track Optionen schaffen, wandert
                                                                                                                                                                                            der wissenschaftliche Nachwuchs
Universität statt!                                            starken Universitäten stärker unter-
                                                              stützt und sichtbar gemacht wurden.
                                                                                                         de. Es gibt große Defizite im Hin-
                                                                                                         blick auf die Autonomie und Steue-
                                                                                                                                                  Klaus von Trotha. Damals hat der
                                                                                                                                                  Senat seiner eigenen Verkleinerung
                                                                                                                                                                                            ins Ausland ab.

                                                                                                         rungsfähigkeit der Hochschulen. Es       und der Zuweisung seiner Kom-             FRIAS: Nun gibt es ja in Län­
                     Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden        FRIAS: Die Exzellenzinitiative             muss ein ausgewogenes Verhältnis         petenzen an das Rektorat mit einer        dern wie Großbritannien ein eher
                     des FRIAS Steuerungsgremiums und         bedeutet andererseits auch eine            geben zwischen akademischer Frei-        Zweidrittelmehrheit zugestimmt.           marktorientiertes,   wettbewerb­
                     ehemaligen Wissenschaftsminister Ba-     Differenzierung zwischen erfolg­           heit, etwa repräsentiert durch den       Während meiner Zeit als Rektor ha-        liches Modell der Hochschulen,
                     den-Württembergs, Prof. Dr. Dr. h.c.     reichen und weniger erfolgreichen          Senat, und der Steuerungsfähigkeit       ben wir im Senat sogar eine Fakultät      inklusive hoher Studiengebühren,
                     mult. Peter Frankenberg.                 Universitäten. Stehen die damit            durch das Rektorat und den Uni-          aufgelöst, mit nur zwei Gegenstim-        aber auch mehr Autonomie für die
                     Dr. Carsten Dose, Geschäftsführer des    verbundenen Reputationsverluste            versitätsrat. Die Universitätsspitze     men. Das zeigt, dass eine größere         Hochschulen. Würden Sie diesen
                     FRIAS, und Katharina Seibel tra-         dennoch im Verhältnis zu den an­           muss in der Lage sein, strategische      Steuerungsfähigkeit der Universi-         Weg empfehlen, um die deutschen
                     fen Herrn Frankenberg in den Räu-        gestrebten Zielen?                         Entscheidungen umzusetzen. Dazu          täten funktioniert, wenn es gelingt,      Reformblockaden aufzubrechen?
                     men der Heinrich-Vetter-Stiftung in                                                 kommen weitere Punkte, wie zum           die Professorenschaft und die Stu-
                     Mannheim, deren Vorsitzender er ist.     Frankenberg: Der Wettbewerb hat-           Beispiel eine größere Flexibilität bei   dierenden mitzunehmen. Das ist an         Frankenberg: Diesen Grad an Au-
                                                              te aus meiner Sicht eine andere Kon-       der Personalstruktur und die Bau-        Volluniversitäten sicherlich schwie-      tonomie für die Universitäten gibt
                                                              sequenz: er hat einen Prozess der          herreneigenschaft für Universitäten.     riger als an kleineren, spezialisierten   es ja in den meisten angelsächsischen
                     FRIAS: Herr Frankenberg, als             Selbstbesinnung und Selbstveror-           Ich hielte sogar die Kreditfähigkeit     Hochschulen. Aber es ist auch eine        Systemen, also auch in Australien
                     jemand, der sich auf vielfältige         tung an den Universitäten angesto-         von Universitäten für sinnvoll, denn     Frage des Vertrauens, dass das Rek-       oder Südafrika. Das hat schon Vor-
                     Weise für die Hochschulförderung         ßen. Die Universitäten mussten sich        viele Hochschulen könnten ihre In-       torat das Gesamtwohl im Auge hat.         bildcharakter. Was ich für weniger
                     einsetzt hat: hat sich die Exzellenz­    entscheiden, wo sie ihre Schwer-           frastrukturprobleme momentan auf                                                   vorbildhaft halte, ist die Finanzie-
                     initiative insgesamt bewährt ?           punkte sehen, ob sie bei den Gra-          dem Kapitalmarkt lösen. Diese Au-        FRIAS: Welche weiteren Heraus­            rung. Ich bin selbst nach wie vor ein
                                                              duiertenschulen oder mit Exzellenz-        tonomie haben Rektorate aber nicht,      forderungen sehen Sie für die deut­       Befürworter der Studiengebühren,
                     Frankenberg: Nun war ich selber          clustern erfolgreich sein können, wo       und können nicht zuletzt auch des-       sche Universitätslandschaft?              aber es gibt eine Grenze, ab der Stu-
                     von Anfang an der Entwicklung            ihre Stärken und Schwächen liegen.         wegen bei der internationalen Kon-                                                 dienbeiträge prohibitiv wirken, also
                     der Exzellenzinitiative beteiligt und    Andere Universitäten haben klar ge-        kurrenz nicht mithalten.                 Frankenberg: Die fehlende Flexi-          weiten Teilen der Bevölkerung den
                     kann darum nicht ganz neutral ur-        sehen, dass sie in diesem Wettbewerb                                                bilität der Personalstruktur ist si-      Zugang zu Universitäten unmöglich
                     teilen, aber ich würde sagen, wir wa-    nicht reüssieren können, aber haben        FRIAS: Allerdings muss man sa­           cherlich ein Nachteil für deutsche        machen. Großbritannien hat diese
                     ren erfolgreicher als wir es zu Anfang   dafür stärker die regionale Veranke-       gen, dass die Idee einer stärkeren       Universitäten. Für mich besteht der       Schwelle schon lange überschritten –
                     gehofft hatten. Ich würde sagen, ja,     rung gesucht. Insofern hat die Exzel-      Steuerungsfähigkeit durch die Rek­       Kern des Problems in einer Haltung        was auch zur Folge hat, dass in man-
                     sie hat sich bewährt, das zeigen auch    lenzinitiative zu einem Selbstiden-        torate an den Universitäten weni­        von Fakultäten und Instituten, die        chen Fällen nicht mehr rein nach der
                     die Evaluierungen durch den Wis-         tifikationsprozess geführt, der sehr       ge Freunde hat. In politisch links       ich immer „my chair is my cast-           Qualität der Bewerbungen über eine
                     senschaftsrat und die Deutsche For-      positiv ist. Die Tatsache, dass sich die   orientierten Kreisen argumentiert        le“, also „mein Lehrstuhl ist mein        Aufnahme entschieden wird.
                     schungsgemeinschaft (DFG).               Universitäten intensiv mit sich selber     man für mehr Partizipation, die          Schloss“, nenne. Die Universität          Es gibt einen zweiten Punkt, den ich
                     Die Hauptziele der Initiative waren      beschäftigt haben, ist an sich schon       konservative Seite wirft zusätzlich      soll den Forscherinnen und For-           sehr kritisch sehe. In Großbritanni-
                     ja die Stärkung bestimmter For-          ein sehr großer Erfolg.                    die Wissenschaftsfreiheit in die         schern den notwendigen Freiraum           en liegt mittlerweile die Priorität sehr
                     schungsbereiche an Universitäten,                                                   Waagschale. Welche Möglichkeiten         verschaffen, aber die umgekehrte          stark auf dem „Impact“, also dem
                     mehr Zusammenarbeit mit außer­                                                      sehen Sie, in dieser Gemengelage         Frage, was die Universitätsmitglie-       gesellschaftlichen oder auch wirt-
                     universitären Einrichtungen, eine                                                   eine stärkere Steuerungsfähigkeit        der für ihre Universität tun können,      schaftlichen Nutzen von Forschung.
                     höhere Sichtbarkeit deutscher Uni-                                                  zu erlangen?                             bleibt unbeantwortet. Ein weiteres        Das geschieht zu Lasten der Grund-
NEWS 13 - Freiburg Institute for Advanced Studies - FRIAS
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lagenforschung, was sich langfristig      deutschland vorhanden sind. Diese wollte, was zum Glück verhindert             FRIAS: Wenn wir das noch einmal           Frankenberg: Wenn man die heu-          lanz des FRIAS bei Publikationen,
natürlich auch auf die angewandte         Wissenschaftsfreundlichkeit sehe ich werden konnte.                            für die Geistes- und Sozialwissen­        tigen Wissenschaften sieht, etwa die    Anträgen, Preisen etc. zeigt. In ge-
Forschung auswirkt. Wir können            nicht in allen Bundesländern.         Interessant ist noch die Rolle des       schaften konkretisieren: Für diese        Durchdringung der meisten Fächer        wisser Weise verkörpert eine Institu-
froh sein, dass die Exzellenzinitiative                                         Bundes. Mit der Grundgesetzände-         lässt sich ja sagen, dass sie gerade      mit Informatik, mit Mathematik          tion wie das FRIAS somit die Essenz
keinen Fokus auf bestimmte a pri-         FRIAS: Da schließt sich die Frage rung von Artikel 91b Absatz 1 hat            in Zeiten des gesteigerten Populis­       oder im Falle der Medizin mit den       von gelebter Universität: Konzentra-
ori nützliche Wissenschaftsbereiche       an, wie wissenschaftsförderlich der der Bund nun ja auch erweiterte            mus besonders wichtig sind. Zu­           gesamten Fragen der Genetik, der        tion, Austausch und Neugier getrie-
gelegt hat – in diesem Punkt sollten      Föderalismus letztlich sein kann, Kooperationsmöglichkeiten, d. h.             gleich sehen sie sich weltweit mit        Molekularbiologie, der Funktions-       bene Forschung.
wir dem britischen Beispiel nicht         denn einzelne Bundesländer könn­ er kann nun nicht nur projektori-             starken Kürzungen konfrontiert.           weisen der Zellen bis hin zu Geis-
folgen.                                   ten ja auch darauf spekulieren, entiert, sondern auch institutionell           Sie müssen gewissermaßen ihre             teswissenschaften, die mit nume­        FRIAS: Während Ihrer Zeit als
                                          dass schon die anderen die Wissen­ und zeitlich unbefristet fördern.           „Nützlichkeit“ beweisen.                  rischen Modellen arbeiten, dann ist     Wissenschaftsminister haben Sie
FRIAS: Könnte man dann im                 schaft finanzieren werden.            Damit hat er zum Beispiel die Mög-                                                 Interdisziplinarität absolut essen-     sich ja neben der Exzellenzinitia­
Umkehrschluss sagen, dass in der                                                lichkeit, die Förderung exzellenter      Frankenberg: Das sehe ich skep-           tiell. Natürlich nimmt gleichzeitig     tive auch für die Etablierung von
deutschen Politik ein Konsens der         Frankenberg: Nun, Universitäten Forschungseinrichtungen zu verste-             tisch. Ich frage mich, warum sich         die Spezialisierung in den Fächern      Dualen Hochschulen in Baden-
Wissenschaftsfreundlichkeit be­           haben auch immer einen starken tigen oder Zusammenschlüsse aus                 die Geisteswissenschaften so leicht       stark zu, das heißt, schon in den       Württemberg stark gemacht. Ist
steht?                                    geografischen Bezug. Gerade in Universitäten und außeruniversi-                infrage stellen lassen. Natürlich geht    Fakultäten bedarf es der verstärk-      das die universitäre Landschaft,
                                          Baden-Württemberg gibt es viele tären Forschungseinrichtungen zu               es auch um die Frage, welchen Bei-        ten Kommunikation. Da greife ich        wie sie Ihnen vorschwebt?
Frankenberg: Das stimmt, wo-              lokale Unternehmen. Unsere Absol- erleichtern.                                 trag sie für den Diskurs zum Beispiel     wieder das Bild von „my chair is my
bei das je nach Bundesland un-            venten bleiben zum Großteil in der                                             zwischen Technik und Gesellschaft         castle“ auf: diese Haltung müssen       Frankenberg: In Zeiten, in denen
terschiedlich aussieht. In Baden-         Nähe ihres Studienortes, wovon im FRIAS: Um noch einmal auf das                und ähnliche Bereiche leisten kön-        wir aufbrechen und stattdessen ge-      fast die Hälfte eines Jahrgangs an
Württemberg haben wir eine hohe           Falle Baden-Württembergs natürlich Verhältnis von Wissenschaft und             nen. Aber sich zu legitimieren, zum       wissermaßen Reihenhaussiedlungen        Universitäten studiert, benötigen wir
Wissenschaftsfreundlichkeit von           beide Seiten profitieren. Wir haben Politik zu kommen: gibt es einen           Beispiel indem man Studiengänge           schaffen, mit gemeinsamen Vorgär-       ein hochdifferenziertes Hochschul-
Politik und Gesellschaft, aus der         allein in Baden-Württemberg 60 ausreichenden Dialog zwischen                   mit immer neuen Schwerpunkten             ten. Wir müssen ein Klima an den        system. Das heißt, wir brauchen
Grundhaltung heraus, dass dieses          Hochschulstandorte, das fällt für Wissenschaft und Politik? Reagiert           schafft, halte ich für den falschen       Universitäten schaffen, in dem man      auf der einen Seite exzellente For-
Hightech-Ländle wie kein anderes          mich auch unter Strukturpolitik für Wissenschaft in ausreichendem              Weg. Die Geistes- und Sozialwis-          sich dafür interessiert, was die Kol-   schungsuniversitäten, die attraktiv
von der „Ressource Kopf“ abhängt.         den ländlichen Raum. Das Hoch- Maß auf gesellschaftliche Frage­                senschaften sollten unabhängig von        leginnen und Kollegen forschen,         sind für herausragende Forscher aus
Wir hatten eigentlich immer Minis-        schulsystem in Baden-Württemberg stellungen?                                   direkten Nützlichkeitserwägungen          und auch dafür, was außerhalb der       aller Welt. Daneben brauchen wir
terpräsidenten, denen Forschung,          ist sehr differenziert, wir haben                                              gefördert werden, denn sie sind Teil      Universität geschieht. Dafür kann       aber auch Universitäten mit einem
Entwicklung und Hochschulen ein           klassische Hochschulen, Duale und Frankenberg: Ich glaube, das ist ab-         unserer Kultur. Es gibt so viele Berei-   man gewisse Instrumente schaffen,       stärkeren Regionalbezug, die anwen-
Kernanliegen der Landespolitik war.       Fachhochschulen – dieses System hängig von den Fächern. Zunächst               che, bei denen man noch gar nicht         aber letztlich kann man das nicht       dungsnah lehren und forschen. Eine
Den zweiten Vorteil, den wir in           hat das Bundesland sehr erfolgreich einmal ist in einer Zeit, zu der fast 50   sagen kann, was einmal daraus resul-      durchstrukturieren. Da wären wir        Mehrzahl der Studierenden sucht
Baden-Württemberg haben, ist die          gemacht. Aber ihre Frage zielt na- Prozent eines Altersjahrgangs studie-       tieren könnte. Nehmen wir als Bei-        schnell beim FRIAS, das Räume für       eine akademische Berufsausbildung,
große Kontinuität der Hochschul-          türlich auch auf die spezifischen ren, die gesellschaftliche Partizipati-      spiel die Archäologie, die im Dialog      Begegnungen schafft und Menschen        um anschließend auf dem regiona-
politik. Die großen Brüche wur-           Pro­bleme des Föderalismus ab. Es on natürlich viel breiter als je zuvor.      mit der Biologie und der Anthropo-        zusammenführt, ohne strukturelle        len Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein.
den weitestgehend vermieden. Die          bleibt immer wieder eine Herausfor- Und das kann man auf andere Weise          logie zu ganz neuen Erkenntnissen         Überfrachtung.                          Das können Fachhochschulen und
Universitäten konnten sich entwi-         derung, wie die Bundesländer dazu eigentlich kaum erreichen. Bei der           zum Beispiel über die Besiedlung                                                  Duale Hochschulen zum Teil viel
ckeln, dank des Bekenntnisses zur         angehalten werden können, über Frage, ob die Wissenschaft die Inte-            Europas kommt.                            FRIAS: Sie sind seit dem Juli 2015      besser leisten. Meiner Ansicht nach
Wissenschaft und einer Politik ohne       ihre Grenzen hinweg zu denken. Das ressen von gesellschaftlichen Stake-                                                  Vorsitzender des FRIAS-Steue­           wäre es sinnvoll, wenn wir stärker zu
große Verwerfungen. Aus meiner            wiederum führt zu der Frage, welche holdern genügend einbezieht, wäre          FRIAS: Interdisziplinäre Zusam­           rungsgremiums. Was hat Sie dazu         einer solchen Aufteilung kommen.
Sicht gibt es das sonst nur noch in       Rolle der Bund überhaupt spielt. ich vorsichtiger. Die Frage ist, wie          menarbeit ist ein gutes Stichwort.        bewogen, sich für das Institut ein­     Daran schließt sich ein weiterer
Bayern. Darum ist es für mich auch        Wenn Bundesländer anfangen zu man die Hochschulen öffnen kann                  Es ist ja ein viel diskutiertes The­      zusetzen?                               Punkt an: Die Exzellenzuniversitä-
nicht verwunderlich, dass bei allen       fragen, warum sie Studierende aus- für die Welt außerhalb der Wissen-          ma, ob die Disziplinen mittler­                                                   ten in Deutschland sind nicht ex-
Vergleichen – DFG-Statistiken, Ex-        bilden sollen, die letztlich für den schaft. Da spielen Hochschulräte          weile überspezialisiert sind und          Frankenberg: Das ist etwas Grund-       zellent, was die Lehre betrifft. Wenn
zellenzinitiative, Humboldt-Preise        Arbeitsmarkt in anderen Bundeslän- eine wichtige Rolle, denn sie tragen        der interdisziplinäre Dialog aktiv        sätzliches für mich. Das FRIAS          sich Universitäten ihre Studierenden
usw. – die beiden süddeutschen            dern ausgebildet werden, dann kann eine Außensicht in die Universitäten        gefördert werden muss, oder ob            schafft Freiräume zum Denken            nicht stärker aussuchen können,
Länder weit vor den anderen liegen.       der Föderalismus nicht funktionie- hinein.                                     umgekehrt letztlich doch die Dis­         und Forschen – genau dann findet        wenn die Betreuungsrelationen wei-
Dazu gehören auch außeruniversitä-        ren. Diesen Fall gab es ja beispiels-                                          ziplinen der Ort von Innovationen         Universität statt! Deshalb ist auch     terhin so schlecht bleiben, dann wird
re Forschungseinrichtungen wie die        weise in Schleswig-Holstein, wo                                                bleiben. Was ist ihre Perspektive         die räumliche Nähe wichtig, daraus      sich an den Lehrstrukturen nicht viel
Max-Planck- und die Fraunhofer-           das Land den Fachbereich Medizin                                               darauf?                                   kann dann etwas entstehen – was         ändern.
Institute, die in großer Fülle in Süd-    der Universität zu Lübeck schließen                                                                                      sich ja an der sehr erfolgreichen Bi-
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