Nord-westfälische Wirtschaft fest im Griff der Corona-Pandemie - Konjunkturbericht Frühjahr 2020 - IHK Nord Westfalen

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Nord-westfälische Wirtschaft fest im Griff der Corona-Pandemie - Konjunkturbericht Frühjahr 2020 - IHK Nord Westfalen
Nord-westfälische Wirtschaft fest im Griff der Corona-
Pandemie – Konjunkturbericht Frühjahr 2020
Zusammenfassung

 IHK-Wirtschaftsklima Im Frühjahr 2020 fällt die Konjunktur in Nord-Westfalen auf einen his-
                      torischen Tiefpunkt. Durch die Corona-Pandemie wird die wirtschaftli-
                      che Aktivität massiv gedämpft. Stärke und auch die Dauer des wirt-
                      schaftlichen Einbruchs dürften über das Ausmaß der Finanzkrise
                      2008/2009 hinausgehen. Eine tiefgreifende Rezession im Jahr 2020 ist
                      unausweichlich.

 Geschäftslage                        Die aktuelle Lage ist so schlecht wie nie. Vier von fünf Unternehmen
                                      verspüren negative Auswirkungen durch die Corona-Pandemie und die
                                      damit verbundenen Einschränkungen auf ihre Geschäfte. Trotz zwi-
                                      schenzeitlicher Lockerungsmaßnahmen arbeiten Teile der Wirtschaft
                                      nur mit reduzierter Kraft. Zentrales Problem ist der dramatische Nach-
                                      fragerückgang bei über 80 Prozent der Unternehmen, in der Industrie
                                      liegt der Anteil sogar bei 90 Prozent.

 Geschäftsaussichten Dass die konjunkturelle Talfahrt in einen schnellen und steilen Wieder-
                     aufschwung münden wird, damit rechnen die Unternehmen nicht - viel-
                     mehr wird eine länger anhaltende Talsohle erwartet. Über das Jahr be-
                     trachtet rechnen die meisten Unternehmen mit deutlichen Umsatzrück-
                     gängen.

 Export                               Bereits im ersten Quartal 2020 sind die Auslandsumsätze der nord-
                                      westfälischen Industrie massiv um 14,4 Prozent gegenüber dem Vor-
                                      jahreszeitraum eingebrochen, noch stärkere Einschnitte drohen in der
                                      Exportbilanz für die nächsten Monate. 59 Prozent der befragten Unter-
                                      nehmen rechnen mit rückläufigen Ausfuhren.

 Investitionen                        Die wirtschaftliche Schockstarre dämpft unmittelbar die Investitionsnei-
                                      gung. Jeder zweite Betrieb in Nord-Westfalen legt die Investitionen auf
                                      Eis oder streicht die Budgets zusammen.

 Beschäftigung                        Dem Arbeitsmarkt droht ein herber Rückschlag. Beschäftigungssi-
                                      chernde Maßnahmen wie Abbau von Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit
                                      dürften dafür sorgen, dass der größere Teil des Personalbestands ge-
                                      halten werden kann. Doch die eigentliche Bewährungsprobe für den
                                      Arbeitsmarkt steht noch bevor.

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Region: Kreisfreie Städte Bottrop, Gelsenkirchen, Münster und Kreise Borken, Coesfeld, Recklinghausen, Steinfurt, Warendorf
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IHK-Wirtschaftsklima

Im Frühjahr 2020 fällt die Konjunktur in Nord-Westfalen auf einen historischen Tiefpunkt.
Durch die Corona-Pandemie wird die wirtschaftliche Aktivität massiv gedämpft. Stärke und
auch die Dauer des wirtschaftlichen Einbruchs dürften nach den Ergebnissen der repräsen-
tativen IHK-Befragung (von Ende April bis Mitte Mai) über das Ausmaß der Finanzkrise
2008/2009 hinausgehen. Das bis vor kurzem noch als sicher geglaubte wirtschaftliche
Wachstum mit steigenden Steuereinnahmen und zunehmender Beschäftigung ist ausge-
bremst. Eine tiefgreifende Rezession im Jahr 2020 ist unausweichlich.

Die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen wirken sich in der nord-westfäli-
schen Wirtschaft schockartig sowohl auf die Angebotsseite als auch auf die Nachfrageseite
aus. Zum einen sind wichtige Wertschöpfungs- und Lieferketten durch Produktionsausfälle
oder logistische Schwierigkeiten beeinträchtigt, die Belegschaften dezimiert oder nur bedingt
einsatzbereit und staatliche Beschränkungen für das Angebot von Unternehmen in Kraft.
Zum anderen bricht die Nachfrage im Inland und im Ausland stark ein. Privater Konsum, Ex-
port, Investitionen – die wichtigsten Wachstumstreiber sind blockiert oder gefährdet.

Im Ergebnis stürzt der Konjunkturklimaindikator für Nord-Westfalen ab. Der aus aktueller
Geschäftslage und Zukunftserwartungen zusammen gefasste Wert fällt von 111 zu Beginn
des Jahres auf nunmehr 74 Punkte. Das sind noch einmal fünf Punkte weniger als zum Jah-
resbeginn 2009. Dass die konjunkturelle Talfahrt in einen schnellen und steilen Wiederauf-
schwung münden wird, damit rechnen die Unternehmen nicht - vielmehr wird eine länger an-
haltende Talsohle erwartet. Nord-Westfalen muss sich auf deutliche Wertschöpfungsverluste
einstellen.

Aktuelle Geschäftslage

Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft bis ins Mark und in ihrer gesamten Breite getroffen.
Trotz zwischenzeitlicher Lockerungsmaßnahmen arbeiten Teile der Wirtschaft nur mit redu-
zierter Kraft. Vier von fünf Unternehmen verspüren negative Auswirkungen durch die
Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen auf ihre Geschäfte.

Mit Ausnahme der Bauwirtschaft, die noch von einem hohen Auftragsbestand profitiert, se-
hen sich fast alle Branchen gleichermaßen betroffen. Erfreuliche Positivbeispiele sind zu-
dem einzelne Branchen des Verarbeitenden Gewerbes mit vorübergehend höherer inländi-
scher Nachfrage wie Ernährungs- und Pharmaindustrie sowie Lebensmittel- und Fahrradein-
zelhandel.

Insgesamt ist die Lage so schlecht wie nie: 38 Prozent berichten von einem schlechten Ge-
schäftsergebnis, in der Industrie ist es sogar fast jeder zweite Betrieb. Handel und Dienst-
leistungen liegen im Branchendurchschnitt. Demzufolge sinkt der Lagesaldo (aus positiven
und negativen Nennungen) von 28 Prozentpunkten zum Jahresbeginn auf minus 16.
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Zentrales Problem ist der dramatische Nachfragerückgang bei über 80 Prozent der Unter-
nehmen, in der Industrie liegt der Anteil sogar bei 90 Prozent. Zudem fallen bei etlichen Un-
ternehmen komplette Aufträge weg. Der Stillstand der geschäftlichen Tätigkeit (komplett o-
der zu großen Teilen) beeinträchtigt jedes vierte Unternehmen, im Handel ist es mindestens
jedes dritte. Lieferketten sind unterbrochen, was bei 22 Prozent der Unternehmen zu fehlen-
den Waren und Dienstleistungen führt.

Aufgrund fehlender oder geringerer Einnahmen sinkt die Liquidität bei nicht wenigen Unter-
nehmen. So melden 22 Prozent der Firmen Liquiditätsengpässe, etwas höher liegt der Anteil
im Handel (27 Prozent) sowie bei Kleinbetrieben mit weniger als 20 Beschäftigten (28 Pro-
zent).

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage kann positiv gewertet werden: bislang zeichnet sich
keine starke Ausfallgefährdung ab. Insolvenzgefährdet sehen sich lediglich zwei Prozent der
antwortenden Unternehmen. Dies spricht für die Krisenfestigkeit unseres heimischen Mittel-
stands, wozu unter anderem eine gute Eigenkapitalausstattung beigetragen haben dürfte.
So hat das Institut für Mittelstandsforschung Bonn ermittelt, dass die Eigenkapitalquote der
KMU aufgrund der guten Gewinnsituation in den vergangenen Jahren höher ist als zu Be-
ginn der Finanzkrise 2008/2009.

Geschäftsaussichten und Konjunkturrisiken

Die Erwartungen für den weiteren Jahresverlauf sind so pessimistisch wie nie. Gut die Hälfte
der Betriebe rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in
den nächsten Monaten. Nur noch 17 Prozent blicken mit Zuversicht in die Zukunft, für 31
Prozent erscheint zumindest eine Stabilisierung möglich.

Dass die Erwartungen noch stärker einbrechen als die Lageeinschätzung, muss als Indiz für
einen besonders langwierigen Erholungsprozess gewertet werden. Die wirtschaftliche Aktivi-
tät dürfte demnach noch lange merklich unter dem Niveau liegen, das sich ohne den Effekt
der Corona-Pandemie ergeben hätte.

In einigen Bereichen lassen sich die ausgefallenen Umsätze zumindest in Teilen nach Ab-
flauen der Krise nachholen, in anderen, z.B. der Gastronomie, jedoch nicht. Über das Jahr
betrachtet rechnen die meisten Unternehmen mit deutlichen Umsatzrückgängen, jedes
Dritte in der Größenordnung von über zehn bis 25 Prozent. Jeder Vierte beziffert das Minus
auf bis zu zehn Prozent.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Blitzumfrage im Gastgewerbe: Fast alle Gaststät-
ten, Cafés und Restaurants im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region haben die Mög-
lichkeit zur Wiedereröffnung ab dem 11. Mai genutzt. Jedes zweite Unternehmen erreicht
nur bis zu 25 Prozent des normalen Umsatzes.
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Hinzu kommt, dass sich nun auch die schon langanhaltende Hochkonjunktur in der Bauwirt-
schaft dem Ende zuneigt. Mindestens jeder dritte Betrieb stellt sich auf eine Verschlechte-
rung der wirtschaftlichen Situation ein, rund die Hälfte erwartet Umsatzrückgänge in der Jah-
resbilanz.

Die größten Sorgen bereiten die Nachfragerückgänge, die sowohl im Inland als auch im
Ausland erwartet werden (75 beziehungsweise 70 Prozent der Industriebetriebe sehen hier
das größte Konjunkturrisiko). Vor dem Hintergrund dieser schwerwiegenden Sorgen tritt der
Fachkräftemangel als Konjunkturrisiko deutlich in den Hintergrund (nur noch 21 Prozent ge-
genüber 60 Prozent zu Beginn des Jahres). Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen
folgen mit 55 Prozent aller Nennungen.

Außenwirtschaft

Bereits im ersten Quartal 2020 sind die Auslandsumsätze der nord-westfälischen Industrie
massiv um 14,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen, noch stärkere
Einschnitte drohen in der Exportbilanz für die nächsten Monate. 59 Prozent der befragten
Unternehmen rechnen mit rückläufigen Ausfuhren. Damit sinkt der Exportsaldo auf den his-
torischen Tiefstand von minus 52 Punkten. Besonders pessimistisch sind die Großunterneh-
men mit mehr als 500 Beschäftigten, die stärker außerhalb Europas engagiert sind.

Durch die vielfältigen Verflechtungen mit dem Ausland über Absatz- und Wertschöpfungs-
ketten drohen große Verwerfungen. Denn die Corona-Krise hat nicht nur Nord-Westfalen
und Deutschland, sondern auch wichtige Handelspartner in Europa wie die Niederlande,
Frankreich, Belgien, aber auch die USA und zum Teil noch China im Griff. Die nord-westfäli-
schen Absatzmärkte leiden stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, was de-
ren Nachfrage drückt.

Auch in der Finanzkrise 2009 war das Auslandsgeschäft massiv eingebrochen (Aus-
landsumsatz minus 27 Prozent). Erst zwei Jahre später konnte das Vorkrisenniveau wieder
erreicht werden.

Still gelegte Produktionen in anderen Ländern, Grenzschließungen und logistische Schwie-
rigkeiten können zudem für unterbrochene Lieferketten und somit für fehlende Güter und
Vorprodukte in der heimischen Herstellung sorgen. So klagen aktuell 26 Prozent der Indust-
riebetriebe über fehlende Waren und Dienstleistungen in der Wertschöpfungskette. Gerade
aber ein freier Warenverkehr innerhalb Europas ist für den wirtschaftlichen Neustart
Deutschlands und auch Nord-Westfalens besonders wichtig. Denn in Deutschland finden
mindestens 17 Prozent der Produktion über internationale Wertschöpfungsketten statt.

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Investitionen im Inland

Die wirtschaftliche Schockstarre dämpft unmittelbar die Investitionsneigung, besonders in
der Industrie und bei den Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten. Jeder zweite
Betrieb in Nord-Westfalen legt die Investitionen auf Eis oder streicht die Budgets zusammen.
Auch hier zeigt ein Vergleich mit der Finanzkrise einmal mehr das ganze Ausmaß der Wirt-
schaftskrise: Der aktuelle Saldo liegt bei minus 40 und damit 16 Punkte niedriger als zu Be-
ginn des Jahres 2009.

Investitionen hängen von Markterwartungen ab. Dafür bedarf es verlässlicher Perspektiven,
die offenbar in weite Ferne gerückt sind. Zudem ist zu erwarten, dass die betrieblichen Kapi-
talreserven für Investitionen stark abschmelzen werden.

Beschäftigung

Dem Arbeitsmarkt droht durch die Corona-Krise ein herber Rückschlag. Kurzfristig ist von
einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen auszugehen. Noch scheuen - gerade an-
gesichts der in den letzten Jahren gestiegenen Knappheit von Fachkräften - viele Betriebe
davor zurück, Personal abzubauen. Mehrheitlich planen die Unternehmen (56 Prozent), die
Zahl der Mitarbeiter konstant zu halten

Dennoch ist mit Verschlechterungen bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit zu rechnen –
von einem sehr guten Ausgangswert kommend. So hatte die Zahl der sozialversicherungs-
pflichtig Beschäftigten im September letzten Jahres (aktuellster Wert) mit rd. 953.000 den
höchsten Stand seit dem Jahr 2005 erreicht. Die Zahl der Arbeitslosen war mit 83.300 im
Jahresdurchschnitt 2019 so niedrig wie seit der deutschen Wiedervereinigung nicht mehr.

Beschäftigungssichernde Maßnahmen dürften dafür sorgen, dass der größere Teil des Per-
sonalbestands gehalten werden kann. Flexible Arbeitszeitmodelle helfen dabei. So ist in die-
sem Jahr ein drastischer Rückgang der Arbeitszeit zu erwarten: durch den Abbau von Ar-
beitszeitkonten und Überstunden, versetzte Arbeitszeiten bzw. Schichten (Industrie) und
auch durch Urlaub für die Belegschaft oder zumindest Teile davon. Das schmälert die Jah-
resarbeitszeit/das gesamte Arbeitsvolumen und somit die Wirtschaftsleistung, hilft aber bei
der Fachkräftesicherung. 73 Prozent der Betriebe berichten, davon Gebrauch zu machen
(Arbeitszeit, Urlaub: 51 Prozent).

Für fast 60 Prozent der befragten Unternehmen ist Kurzarbeit ein weiteres zentrales Instru-
ment, um durch die Krise zu kommen. Der hohe Anteil könnte auch ein Hinweis darauf sein,
dass Unternehmen Kurzarbeit auch vorsorglich anzeigen, um sie im Bedarfsfall schnell um-
setzen zu können. Kurzarbeitergeld ist sogar für 86 Prozent die wichtigste staatliche Unter-
stützungsmaßnahme.

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Klar ist aber auch: Kurzarbeit kann kein Dauerzustand sein - die eigentliche Bewährungs-
probe für den Arbeitsmarkt steht noch bevor. Arbeitsplatzabbau wird nicht vermieden wer-
den können: 38 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, Mitarbeiter freistellen zu müs-
sen, in der Industrie sind es sogar 48 Prozent. Zudem ist damit zu rechnen, dass sich Unter-
nehmen mit Neueinstellungen stark zurückhalten.

Digitalisierung: hilft in der Krise und bleibt auf der Agenda

Die Corona-Krise beschleunigt Digitalisierung, das belegt auch die IHK-Umfrage. Digitale
Lösungen werden nicht nur „notgedrungen“ erstmalig oder deutlich mehr als vorher einge-
setzt, sondern tatsächlich auch längerfristig stärker in den Blick genommen.

Präsenz weicht „Social Distancing“ – das zeigt sich insbesondere bei der Nutzung von
Home-Office sowie Telefon- und Videokonferenzen. Telefon- und Videokonferenzen werden
aktuell von fast allen befragten Betrieben eingesetzt (96 Prozent), 90 Prozent wollen auch in
Zukunft daran festhalten.

Bis zur Corona-Krise wurde das Potenzial von Home-Office noch nicht voll genutzt, bei-
spielsweise in administrativen Berufen, wo es vergleichsweise gut möglich ist. Um Kontakte
zu vermeiden und die Kinderbetreuung zu gewährleisten, sind aktuell zahlreiche Arbeits-
plätze nach Hause verlegt worden. Dies bestätigen immerhin 85 Prozent der antwortenden
Unternehmen. 72 Prozent sehen hier auch ein Zukunftsmodell. Allerdings dürften dort, wo
viel mit Maschinen gearbeitet wird oder persönliche Dienstleistungen im Vordergrund ste-
hen, die Hürden hoch bleiben.

Zudem hat auch das Thema „E-Commerce“ durch die Krise deutlich an Relevanz gewon-
nen. Jeder zweite Händler will zukünftig digitale Vertriebswege nutzen. Aktuell engagiert
sich fast jeder Dritte über diesen Weg.

Auch digitale Transformation und Industrie 4.0 nehmen Fahrt auf. Mindestens jeder fünfte
Industriebetrieb sieht in Cloud Computing, Big Data und Künstlicher Intelligenz wichtige Zu-
kunftslösungen.

Fazit

Die Corona-Krise hat die gesamte Wirtschaft schwer getroffen. Eine tiefgreifende Rezession
im Jahr 2020 ist sicher. Zahlreiche Unternehmen und Branchen sind unverschuldet in akuter
Existenznot. Eine möglichst schnelle wirtschaftliche Erholung kann die Schäden begrenzen.

Diese außergewöhnliche Situation erfordert es, dass schnellstens umfangreiche wirtschafts-
politische Maßnahmen ergriffen werden, um den Fortbestand der erfolgreichen Wirtschafts-
struktur in Deutschland und in Nord-Westfalen zu sichern. Neben den bisher schon von der
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Politik ergriffenen Hilfspaketen müssen dringend noch weitere Maßnahmen hinzukommen.
Besonders wichtig sind für die Unternehmen Liquiditätssicherung, Hilfen zum Neustart und
Wachstumsimpulse.

Die Vollversammlung der IHK hat auf ihrer Sitzung am 4. Juni das Positionspapier „Wirt-
schaft erhalten – Wachstum fördern“ beschlossen – wohl wissend, dass fast jede Rezession
nicht nur vorübergehend Wachstum kostet, sondern auch den langfristigen Wachstumstrend
dämpft.

Krise ist kein Untergang, in jeder Krise steckt auch ein Neuanfang: Der Ökonom Joseph
Schumpeter hat in seinem Konzept der „kreativen Zerstörung“ den schöpferischen Aspekt
von Krisen hervorgehoben. Die Lösung liegt nun darin, Unternehmen den Neuanfang und
die Suche nach neuen Wegen zu erleichtern.

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