PR0GRAMMZEITUNG 20 JAHRE - Das Kulturmagazin für den Raum Basel - Programmzeitung

Die Seite wird erstellt Paul-Luca Hartung
 
WEITER LESEN
PR0GRAMMZEITUNG 20 JAHRE - Das Kulturmagazin für den Raum Basel - Programmzeitung
PR0GRAMMZEITUNG
Das Kulturmagazin für den Raum Basel
                                                                   20 JAHRE

Januar 2007                                               200 Jahre Allgemeine Bibliotheken ABG
Nr. 214 | 20. Jahrgang | CHF 6.90 | Euro 5 | Abo CHF 69
                                                          Mut zum grossen Casino-Wurf !
                                                          Programm Zukunft: Neues Dreispitz-Areal
PR0GRAMMZEITUNG 20 JAHRE - Das Kulturmagazin für den Raum Basel - Programmzeitung
SKM St u d ien z en t ru m
Uebersetzen, Kopieren,                                                                          Kulturmanagement
Modifizieren in Kunst,                                                                          Universität Basel

Medien und Gesellschaft"
Bachelorstudiengang Medien 8z Kunst /Vertiefung
Neue Medien. Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich
www.snm-hgkz.ch. Tag der offenen Tür: 17. Januar 2007
                                                                               Wo Management wirkt
Anmeldeschluss zum Studienbeginn Winter 07/08: 16. März                       — und Kultur Kultur bleibt.
                                                                      -> Mas t erprogramm Kult urmanagement / MAS UniBS
                                                                        Weit erbildung in Kultur- und St if t ungs management
                                                                         Beratung und Unterstützung kultureller Institutionen

                                                                      Informationsveranstaltung
                                                                     Masterprogramm Kulturmanagement
                                                                     Studiengang 2007-2009: Beginn Oktober 2007

                                                                      Donnerstag, 18. Januar 2007, 18.30 bis ca. 20 Uhr
                                                                     Die Studienleitung in fo rmie rt über das
                                                                     berufsbegleitende Weiterbildungsangebot:
                                                                     Ziele, Studieninhalte, Dozierende, Methoden,
                                                                     Zulassung, Arbeitsaufwand, Zertifizierung usw.
                                                                     Anmeldung nicht erforderlich.

                                                                     SKM, Rheins prung 9, 4051 Basel, T 061 267 34 74
                                                                     www.kulturmanagementorg

Sweet Dreams.                                        W       FacHochschule
                                                                 hhoc hs c hule  Nordvvestschweiz
                                                                            für Gestaltung und Kunst

                                                    Berufsziel
                                                    Designer oder Künstierin?
                                                    W ir bieten auf hohem ges talteris c hem und k üns tleris c hem Niv eau
                                                    Studiengänge in Basel und Aarau z um Bac helor of Arts an in

Eine Sprache so eindringlich lernen,                Vi suel l er Kom m uni k a ti on; I nne na r c hi te k tur und S z enogr afi e;
dass Sie darin sogar träumen?                       Hyper Wer k; Mode -De s i gn; Kuns t; Le hr be r ufe für G e s ta l tung
Bei den Crash-Kursen werden Sie das                 und Kuns t; I ndustr i al De s i gn; Me di e nk uns t.
sowieso - aber auch sonst lassen
                                                    Lernen Sie die HGK FHNW und uns er Aus bildungs angebot
wir Sie nicht los, ob als Einzelkämpfer
                                                    an einer I nf ormat ions v erans t alt ung kennen:
oder in Gruppen von 3 bis 6 Leuten,
hin zu jedem gesteckten Ziel.
                                                    I nf ormat ion z um ganzen Studienangebot
Schön, Sie herauszufordern:                         Mi ttw oc h, 1 7 . J a nua r 2 0 0 7 , 1 9 . 0 0 Uhr oder
weltweit in über 300 Städten, in Basel              Di enstag, 13. Febr uar 2 0 0 7 , 1 9 . 0 0 Uhr
direkt beim Aeschenplatz, an der                    in der Aula, Vogelsangstrasse 15, 4058 Basel.
Dufourstrasse 50, T 061 278 99 33,
                                                    I nf ormat ion f ür die Studiengänge I ndus t rial Des ign und Medienk uns t
www.inlingua.ch
                                                    (Studienort Aarau)

        inlinguä
                                                    Fr ei tag, 9. Febr uar 2 0 0 7 , 1 6 . 0 0 Uhr
                                                    im Seminarraum 3. OG, Bahnhofs tras s e 102, 5000 Aarau.

Die strenge Sprachschule in Basel.                  Eine Anmeldung zu diesen Informations v erans taltungen
Man erreicht einfach mehr.                          is t nic ht notwendig.

                EDU           zertifiziert
                                                    www. f hnw. c h/ hgk
PR0GRAMMZEITUNG 20 JAHRE - Das Kulturmagazin für den Raum Basel - Programmzeitung
Baustelle Zukunft, Foto: Anke Häckell

                                        HAUSKULTUR                                        WAS WERDEN WILL
                                                                                          Editorial

                                        So viel Wert wie heute war die Programm-          Wer heutzutage ein Jubiläum feiert, muss mit Konkurrenz und entsprechend reduzier-
                                        Zeitung noch nie: Auch in unserem Jubi-           ter Aufmerksamkeit rechnen. Im Medienbereich gab es in den letzten Wochen des
                                        läumsjahr 2007 (s. Editorial) werden wir die      Jahres 2006 etliche Feste und Aktionen, Sonderausgaben und Spezialprogramme.
                                        Abopreise nicht anheben, obwohl u.a. die Pa-      Schweizer Radio DRS 2 etwa wurde 75, die ‹Wochenzeitung WoZ› 25, das ‹Radiomaga-
                                        pierpreise steigen und wir Ihnen mittlerweile     zin› 10 Jahre alt. Die reichhaltige internationale Kulturzeitung ‹Lettre International›
                                        deutlich mehr Inhalt bieten als bei der letzten   publizierte ihr 75. Heft und der sozialistische ‹Widerspruch› seine 50. Ausgabe, die
                                        Preiserhöhung vor vier Jahren. ‹Mehr Kultur       mit fundierten Beiträgen dem Thema Alternativen (zu neoliberaler Wirtschaft und
                                        pro Gramm›, könnte man also mit Fug und
                                                                                          Politik) gewidmet war.
                                        Recht behaupten, in Abwandlung eines Slo-
                                                                                          Für die ProgrammZeitung ist das Jahr 2007 ein besonderes Jahr. Denn Ende August
                                        gans, der Ihnen schon bald begegnen wird:
                                        ‹Kultur ist unser Programm› lautet nämlich die
                                                                                          wird unser Unternehmen 20 Jahre alt, und das ist uns nicht nur ein Fest wert. Bereits
                                        Botschaft, die ab Januar von Trams der BVB        der Zeitungskopf deutet an, dass wir dieses Jubiläumsjahr ausgiebig und gehaltvoll
                                        und BLT interkantonal transportiert wird. Wir     gestalten wollen. Freilich sei hier noch nicht allzu viel verraten, lieber möchten wir Sie
                                        freuen uns auf diese umweltfreundliche Ver-       immer wieder überraschen: Einerseits mit besonderen Werbemassnahmen, anderseits
                                        breitung und hoffen natürlich auf eine mar-       mit redaktionellem Mehrwert. Und weil wir dabei vor allem vorwärts schauen wollen,
                                        kante Steigerung des Bekanntheitsgrades.          weil uns das Kommende mehr interessiert als das Gewesene, haben wir die Aktivitäten
                                        Die Ticketverlosung wird diesmal besonders        unter das Motto ‹Zukunft› gestellt.
                                        die FreundInnen klassischer Musik erfreuen        So wird es z.B. in jedem Heft die Jubiläumsseite ‹Programm Zukunft› geben, ein
                                        ÞS. 75. Und damit Sie den Jahreswechsel bes-      Schaufenster für das, was werden will. Hier werden Projekte, Personen und Institu-
                                        ser gestalten können, beginnt die Agenda mit
                                        den aktualisierten Silvesterdaten ÞS. 51.
                                                                                          tionen vorgestellt, die Zukunftspotenzial haben. Dabei sind nicht die Exklusivität, der
                                                                                          journalistische Primeur oder der modische Hype leitend, sondern eine besondere
                                        Im vergangenen Jahr haben wir weniger perso-
                                        nelle Turbulenzen erlebt als 2005, dennoch
                                                                                          Qualität der Betrachtung, die durch den kontinuierlichen, allmonatlichen Blick ent-
                                        können wir infolge verschiedener Wechsel erst     steht. Es geht um das Aufzeigen von wegweisenden, nachhaltigen kulturellen Konzep-
                                        seit kurzem wieder entspannt arbeiten. Dies       ten, Entwicklungen und Prozessen, die sich z.T. bereits bemerkbar machen und an de-
                                        ist einerseits unserem neuen Verlagsleiter        nen Interessierte partizipieren können. Im vorliegenden Heft etwa werden die Pläne
                                        Roland Strub, anderseits unserem ‹Rotstift›       für das Dreispitz-Areal beleuchtet. (Natürlich sind auch in andern Artikeln Zukunfts-
                                        und neuen Redaktionsmitglied Christopher          elemente enthalten; bei einer prospektiven Berichterstattung ist das naheliegend.)
                                        Zimmer zu verdanken. Beide ergänzen das           Abgesehen von dieser Spezialseite ist in jedem Heft als Auftakt der Agenda eine
                                        Team mit wohltuender Unterstützung, Enga-         Illustration des Basler Künstlers Marcel Göhring zu finden. Diese steht ebenfalls unter
                                        gement und Kompetenz. Verlassen wird uns          dem Motto Zukunft und wird jeweils das Thema der Jubiläumsseite aufgreifen.
                                        zu Jahresbeginn hingegen Marketingfachfrau
                                                                                          Die Bilder werden exklusiv als Linolschnitte in kleiner Auflage angefertigt und können
                                        Sandra Toscanelli, die in Zürich ein neues
                                                                                          als Originalgrafik käuflich erworben werden; der Erlös geht vollumfänglich an den
                                        Betätigungsfeld gefunden hat. Ihre versierte,
                                        kollegiale, grosszügige und dynamische Mitar-
                                                                                          Künstler (ÞS. 51).
                                        beit hat vieles erleichtert. Wir danken ihr für   Darüber hinaus planen wir weitere Attraktionen: ein spezielles Geburtstagsheft (Aus-
                                        die gemeinsame Zeit und wünschen ihr für          gabe September), eine zukunftsträchtige Publikation in Kooperation mit verschie-
                                        den Neuanfang herzlich alles Gute.                denen Partnern und last but not least ein lustvolles Fest. Für Letzteres werden wir erst-
                                        Zu danken gilt es schliesslich auch allen, die    mals eine externe Projektleitung beiziehen, deren Festtauglichkeit wir schon
                                        2006 zum Bestehen unserer Zeitung beige-          mehrfach testen konnten.
                                        tragen haben, mit Abos, Inseraten, Partner-       Übrigens durften gleich zwei unserer vier Medienpoolpartner ebenfalls feiern: Die
                                        schaften, freier Mitarbeit und Spenden in         Berner Kulturagenda erschien kürzlich zum 50. Mal, und das Luzerner Kulturmagazin
                                        Form von Ideen, Ratschlägen, Kontakten und        produzierte soeben sein 200. Heft im Goldmantel und mit Porträts der 100 Top-
                                        Finanzen. Wir wissen Ihre Treue zu schätzen
                                                                                          Kulturköpfe der Zentralschweiz. Wir gratulieren den KollegInnen und wünschen
                                        und zählen gerne auch im neuen Jahr auf Sie!
                                                                                          weiterhin einen langen Schnauf! | Dagmar Brunner und das Team der ProgrammZeitung
                                        | Dagmar Brunner
                                                                                          Weitere Jubilare ÞS. 7 (IGNM) und ÞS. 13 (ABG)
                                                                                                                                           JANUAR 2007   | PROGRAMM ZEITUNG | 3
PR0GRAMMZEITUNG 20 JAHRE - Das Kulturmagazin für den Raum Basel - Programmzeitung
IMPRESSUM

                                                          Herausgeberin                                            ProgrammZeitung Nr. 214
                                                          ProgrammZeitung Verlags AG                               Januar 2007, 20. Jahrgang, ISSN 1422-6898
                                                          Gerbergasse 30, Postfach 312, 4001 Basel                 Auflage: 6 500, erscheint 11 Mal pro Jahr
                                                          T 061 262 20 40, F 061 262 20 39
                                                                                                                   Abonnemente
                                                          info@programmzeitung.ch
                                                                                                                   Jahresabo (1 1 Ausgaben inkl. ‹kuppler›):
                                                          www.programmzeitung.ch
                                                                                                                   CHF 69, Ausland CHF 74
                                                          Verlagsleitung                                           Ausbildungsabo: CHF 49 (mit Ausweiskopie)
                                                          Roland Strub, strub@programmzeitung.ch                   Förderabo: ab CHF 169 *
                                                                                                                   abo@programmzeitung.ch
                                                                                                                   Abobestelltalon Þ S. 44
                                                          Redaktionsleitung
                                                          Dagmar Brunner, brunner@programmzeitung.ch
                                                                                                                   Online-Tagesagenda gratis
                                                          Kultur-Szene
                                                                                                                   Redaktionsschluss Ausgabe Februar
                                                          Barbara Helfer, helfer@programmzeitung.ch
                                                                                                                   Veranstalter-Beiträge ‹Kultur-Szene›: Di 2.1.
                                                          Agenda                                                   Redaktionelle Beiträge: Fr 5.1.
                                                          Ursula Correia, agenda@programmzeitung.ch                Agenda: Mi 10.1.
                                                                                                                   Inserate: Fr 12.1.
                                                          Inserate                                                 Erscheinungstermin: Mi 31.1.
                                                          Claudia Schweizer, schweizer@programmzeitung.ch
                                                                                                                   Verkaufsstellen ProgrammZeitung
                                                          Abo | Administration                                     Ausgewählte Kioske, Buchhandlungen und
                                                          Sonja Fritschi, fritschi@programmzeitung.ch              Kulturhäuser im Raum Basel
                                                          Marketing                                                Für unverlangt eingesandte Manuskripte und
Cover: Neues Stadt-Casino (Fotomontage)                   Sandra Toscanelli, toscanelli@programmzeitung.ch         Fotos übernimmt die Redaktion keine Haftung;
db. Architektur hat in Basel einen besonderen                                                                      für Fehlinformationen ist sie nicht verantwort-
                                                          Korrektur | Redaktion
Stellenwert und wird bei anstehenden Neubau-              Christopher Zimmer, zimmer@programmzeitung.ch            lich. Textkürzungen und Bildveränderungen
ten immer wieder zum Stadtgespräch. So auch                                                                        behält sie sich vor. Die AutorInnen verantworten
beim geplanten Neuen Stadt-Casino von Zaha                Gestaltung                                               den Inhalt ihrer Beiträge selbst. Abos verlängern
                                                          Anke Häckell, haeckell@programmzeitung.ch                sich nach Ablauf eines Jahres automatisch.
Hadid. Der elegante Bau der iranischen Archi-
tektin wird u.a. wegen seiner Grösse kritisiert.          Druck                                                    * Die ProgrammZeitung ist als gemeinnützig
Das bisherige Gebäude hat aus Sicht der Kunst-            Schwabe AG, Farnsburgerstrasse 8, Muttenz                anerkannter Kulturbetrieb auf finanzielle
wissenschaft freilich wenig zu bieten, Hadids             T 061 467 85 85, www.schwabe.ch                          Unterstützung angewiesen. Beiträge von mindes-
Wurf dagegen würde den Barfi neu beleben.                                                                          tens CHF 100 über den Abo-Betrag hinaus
                                                          Visuelles Konzept
Mehr dazu ÞS. 15. Abb. Zaha Hadid Architects
                                                                                                                   sind als Spenden vom steuerbaren Einkommen
                                                          Susan Knapp
                                                                                                                   abziehbar. Helfen auch Sie uns durch ein Förder-
                                                                                                                   abo (ab CHF 169).
                              Büchermarkt der Antiquare

     2. – 4. Februar 2007

                                                                 DER GRAND PRIX STUHL IST WIEDER DA

                                                                 In den 50er Jahren hat Arne Jacobsen mehrere
                                                                 Möbelstücke entworfen, die später weltberühmte
     Im Grossen Saal                                             Design-Ikonen wurden. Der Grand Prix Stuhl kam
     des Schmiedenhofes                                          erstmalig im Jahre 1957 auf den Markt und ist
                                                                 seitdem bekannt für seine einzigartige Form und
     am Rümelinsplatz                                            zeitlose Erscheinung. Seit langem vermisst ...
                                                                 - nun endlich wieder da!

     Freitag 17 – 20 Uhr                                         Der Stuhl ist vom 15. November 2006 bis 28.
                                                                 Februar 2007 erhältlich.
     Samstag 11 – 18 Uhr
     Sonntag 11 – 16 Uhr

                                                                                                 www.boutiquedanoise.ch
    Basler
4   | PROGRAMM ZEITUNG | JANUAR 2007
PR0GRAMMZEITUNG 20 JAHRE - Das Kulturmagazin für den Raum Basel - Programmzeitung
Festkarte: Anke Häckell
                          INHALT

                          REDAKTION     Von der Lese-Anstalt zur Mediathek Die Allg. Bibliotheken der GGG (ABG) feiern Jubiläum | Martin Zingg                  13
                                        Mut zum grossen Wurf! Warum der Neubau des Stadtcasinos besser ist als der alte Bau | Matthias Buschle                  15
                                        Programm Zukunft: Stadtgrenzen überwinden. Arbeiten und Wohnen auf dem Dreispitz | Sibylle Ryser                        17

                                        Öffnung nach vielen Seiten Regula Rapp leitet die Schola Cantorum Basiliensis | Alfred Ziltener                         6
                                        Einsatz für Zeitgenössisches Die Internationale Gesellschaft für Neue Musik ist 80 Jahre alt | Alfred Ziltener          7
                                        Notizen Kurzmeldungen und Tipps | Tom Gsteiger (tg), Dagmar Brunner (db), Christopher Zimmer (cz)                   7—19
                                        Gastro.sophie Im Restaurant Berowergut lassen sich derzeit Essen und Eros verbinden | Oliver Lüdi                       8
                                        Bewegendes Leben im Eis Der Film  dokumentiert die Arktis | Michael Lang                             9
                                        Mehr als Kasper und Co Aktuelles Figurentheater von Vagabu und anderen Gruppen | Christopher Zimmer                    10
                                        Ruhelose Heimatsuche Serena Wey, , spielt Zsuzsa Bánks  | Arlette Schnyder                 11
                                        Schuldgefühle Besprechung von Annette Pehnts Roman  | Corina Lanfranchi                         12
                                        Facetten des Urbanen Das Forum für Zeitfragen ist dem Thema  auf der Spur | Martin Dürr                         14
                                        Fremde Verwandte Annette Barcelo zeigt in der Galerie Mäder u.a.  | Dagmar Brunner                        16
                                        Verbarium Kleine Ausflüge ins Wesen der Verben, z.B.  | Adrian Portmann                                     16
                                        Aus Dreck mach Gold Christian Philipp Müller bespielt das St. Alban-Tal | Dominique Spirgi                             18
                                        Nahe am Leben Helen Hirsch zeigt 2007 im Kunsthaus Palazzo drei Ausstellungen | Isabel Zürcher                         19
                                        Rocknews Mitteilungen des Rockfördervereins der Region Basel (RFV) | Ramon Vaca                                   20 | 21

                          KULTURSZENE   Gastseiten der Veranstaltenden             22—50     Kammermusik um halb acht                        31
                                        Plattform.bl                               37—44     Kammermusik Basel                               31
                                                                                             Kammerorchester Basel                           31
                                        Film
                                                                                             Kulturscheune Liestal                          43
                                        Cinema Querfeld                                36
                                                                                             Kuppel                                         28
                                        Kultkino Atelier | Camera | Club | Movie       45
                                                                                             Music Now                                      30
                                        Landkino                                       37
                                                                                             Musikschulen Aesch, Liestal & Pratteln         43
                                        Stadtkino Basel                                36
                                                                                             Musique des lumières 06—07                     42
                                        Theater | Tanz                                       Swiss Chamber Concerts                          31
                                        Basler Marionetten Theater                      41
                                                                                             Kunst
                                        Neokultur                                      25
                                                                                             10 Jahre Fondation Beyeler                     47
                                        Neues Theater am Bahnhof Dornach | NTaB        39
                                                                                             Aargauer Kunsthaus Aarau                       49
                                        Theater Basel                                  22
                                                                                             Birsfelder Museum                              44
                                        Theater Roxy                           40     | 41
                                                                                             Galerie Ursula Huber                           48
                                        Theater im Teufelhof Basel                     25
                                                                                             Kunsthaus Baselland                            48
                                        Figurentheater Vagabu                          23
                                                                                             Kunstmuseum Basel                              47
                                        Vorstadttheater Basel                          23
                                                                                             Museum am Burghof                              50
                                        Literatur                                            Museum Tinguely                                46
                                        Kantonsbibliothek Baselland                    37
                                                                                             Diverse
                                        Lyrik im Od-Theater                            23
                                                                                             Burghof Lörrach                                26
                                        Wintergäste 2007                               38
                                                                                             Feldenkrais — Bewegung — Raum                  35
                                        Musik                                                Forum für Zeitfragen                           33
                                        Baselbieter Konzerte                           43    Kaserne Basel                                  28
                                        The Bird’s Eye Jazz Club                       30    Kulturforum Laufen                             39
                                        Camerata Variabile Basel                       32    Kulturraum Marabu Gelterkinden                 39
                                        Collegium Musicum Basel                        32    Naturhistorisches Museum Basel                 50
                                        Fritz Hauser                                   29    Nellie Nashorn                                 25
                                        Gare du Nord                                   42    Offene Kirche Elisabethen                      33
                                        Heiliggeist Kirche Basel                       32    Theater Palazzo Liestal                        39
                                        Jazzfestival Basel by Off Beat | JSB           30    Théatre La Coupole                             26
                                                                                             Unternehmen Mitte                              27
                                                                                             Volkshochschule beider Basel                   26
                          AGENDA                                                    51—71
                                                                                             Werkraum Warteck pp                       34 | 35
                          SERVICE       Abobestellung                                  44
                                        Verlosung Konzerttickets                       75

                                        Museen | Kunsträume                         72—75                               Mehr Kulturanlässe in der kostenlosen
                                        Veranstalteradressen                       76 | 77                              Tagesagenda
                                        Restaurants, Bars & Cafés                       78                              www.programmzeitung.ch|heute
                                                                                                                          JANUAR 2007    | PROGRAMM ZEITUNG | 5
PR0GRAMMZEITUNG 20 JAHRE - Das Kulturmagazin für den Raum Basel - Programmzeitung
MUSIK

                                                                                                         Regula Rapp (links), Klangsteine von Arthur Schneiter
ÖFFNUNG NACH VIELEN SEITEN
Alte Musik und mehr                                                 Musik umfassend verstehen
                                                                    Einen ersten Schritt zur kontinuierlichen Zusammenarbeit
Seit August 2005 ist Regula Rapp Direktorin der Schola Can-         über die Fachgrenzen hinaus bildet das interdisziplinäre Sym-
torum Basiliensis. Mit einem interdisziplinären Symposion zur       posion ‹Wege zur Klassik›, das die SCB nun gemeinsam mit
Wiener Klassik will sie das Haus nach aussen öffnen.                dem Musikwissenschaftlichen Institut der Universitär Basel
Dezent geliftet ist die alte Dame Schola Cantorum Basiliensis       durchführt. Natürlich ist die Veranstaltung auch eine «Nachlese
( SCB ) aus den Sommerferien zurückgekehrt: Das Studienver-         zum Mozartjahr». Dabei wird es um die Vorgänger der Wiener
zeichnis und die Programme der von der SCB organisierten            Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven gehen, um die Rolle
Konzerte der ‹Freunde Alter Musik in Basel› kommen nun in           der Musik im kulturellen Zusammenhang der Epoche und um
einem neuen, einladenden Design mit warmen, lichten Farben          die Rezeption durch die Romantiker. Doch im Vordergrund
daher. Das ist das Werk von Regula Rapp, die seit anderthalb        steht die Begegnung mit profilierten VertreterInnen anderer
Jahren die SCB leitet. Sie ist mit dem Institut bestens vertraut,   Fachrichtungen und deren wissenschaftlicher Methodik. Den
schliesslich war sie von 1992 bis 1998 hier zunächst wissen-        Einführungsvortrag etwa hält der renommierte Ägyptologe Jan
schaftliche Mitarbeiterin, dann stellvertretende Direktorin.        Assmann, der mit einer Untersuchung über die ägyptische Sym-
1999 bis 2005 arbeitete sie als Chefdramaturgin an der Staats-      bolik in der ‹Zauberflöte› Aufsehen erregt hat. Zu den Referie-
oper Unter den Linden, Berlin, wo sie u.a.den Barock-Zyklus         renden gehören auch die Basler Historikerin Claudia Opitz – sie
von René Jacobs begleitete.                                         wird über Orientfantasien im 18. Jahrhundert sprechen – und
Das neue Outfit der SCB ist aber nicht einfach Kosmetik, son-       der Theaterwissenschaftler Clemens Risi, der die Aufführungs-
dern steht für eine innere Haltung, für die von Regula Rapp         praxis von Opern der Epoche analysiert. Eine Reihe von Konzer-
energisch vorangetriebene Öffnung des Instituts hin zu seinem       ten rundet die öffentliche Veranstaltung ab. ‹Wege zur Klassik›
Umfeld. Dazu gehört die Weiterführung der Zusammenarbeit            ist auch das Motto des Studienjahrs, und dazu gehören die
mit dem Theater Basel auf dem Gebiet der Barockoper. Dazu           ‹Wegmarken›, acht öffentliche Vorträge und Konzerte. In diesem
gehört auch die neue öffentliche Veranstaltungsreihe ‹Kompo-        Rahmen wird sich z.B. die Filmwissenschaftlerin Ursula von
sitionen – Musik zum Bild› in Kooperation mit dem Kunstmu-          Keitz mit der Darstellung der Klassik im Film beschäftigen.
seum. Die Erklärungen des Kurators zu einem bestimmten Bild         Weitere Schwerpunkte für die nächsten Jahre? Regula Rapp
werden von StudentInnen der SCB mit passender Musik ergänzt,        nennt zwei: zum einen die «historisch fundierte Theorie», die
mit Stücken aus der gleichen Epoche oder Kompositionen,             Musiktheorie also, die nicht von vorgegebenen Denksystemen
welche die gleiche Thematik verarbeiten. Für die erste dieser       ausgeht, sondern die Musik jeder Epoche aus ihren eigenen Vor-
musikalischen Führungen Anfang Dezember wurde das Bild              aussetzungen zu verstehen und zu beurteilen versucht, zum
vorgegeben, doch in Zukunft sollen die Studierenden selber          anderen die Improvisation. In den letzten Jahren hat man
Vorschläge machen. «Ich möchte, dass sie ins Museum gehen»,         zunehmend die Bedeutung des Improvisierens in der Alten
hält Rapp, die selbst u.a. Philosophie und Kunstwissenschaft        Musik erkannt, und gerade an der SCB ist in dieser Richtung
studiert hat, dezidiert fest, «und sich auch mit den Schwester-     bereits einiges erprobt worden. Doch das sei, ist Regula Rapp
künsten der Musik auseinandersetzen.» Die gleiche Offenheit         überzeugt, erst ein Anfang. «Die SCB ist als eigenständiges Aus-
fordert sie auf dem Gebiet der Wissenschaft: «Wir haben in der      bildungs- und Forschungsinstitut für Alte Musik weltweit ein
historischen Musikwissenschaft in den letzten Jahren viel zu        Sonderfall», erklärt sie, «wir haben die Möglichkeit, Trends zu
wenig mit den Nachbardisziplinen zusammengearbeitet und so          setzen». Die wird sie nutzen. | Alfred Ziltener
einige wichtige Entwicklungen nicht einmal diskutiert, ge-
                                                                    Symposion ‹Wege zur Klassik›: Do 11. bis So 14.1.07, Musik-Akademie
schweige denn davon profitiert.» Eine der möglichen Chancen         Basel, Neuer Saal. Eintritt frei, Anmeldung erwünscht.
dazu sieht sie in der zukünftigen Einbindung der SCB in die         Infos: www.scb-basel.ch oder T 061 264 57 57
Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW , aus der sich frucht-
bare Kontakte innerhalb des Campus ergeben sollen.
6   | PROGRAMM ZEITUNG | JANUAR 2007
PR0GRAMMZEITUNG 20 JAHRE - Das Kulturmagazin für den Raum Basel - Programmzeitung
MUSIK

                                                                              Kein Mainstream
                                                                              Etwas mehr als 400 Mitglieder hat dieser Verein heute. Sie bil-
                                                                              deten ein treues, neugieriges Publikum, schwärmt der Dirigent
                                                                              Jürg Henneberger, der seit einigen Jahren die IGNM Basel prä-
                                                                              sidiert; selbst beim ersten Konzert dieser Saison in der Kuppel
                                                                              seien die in der Mehrzahl nicht mehr so jugendbewegten Mit-
                                                                              glieder mitgezogen. Das Nachwuchsproblem zeigt sich bei der
                                                                              IGNM deutlicher als bei anderen Veranstaltern. Braucht zeit-
                                                                              genössische Musik mehr Vermittlung als das traditionelle Re-
                                                                              pertoire? Oder wird in den Schulen diese Vermittlung schon gar
                                                                              nicht mehr geleistet? Die IGNM selbst hat vor einigen Jahren ein
                                                                              entsprechendes Konzept ausgearbeitet, das beispielsweise
                                                                              Workshops in Schulen vorsah, und es im Erziehungsdeparte-
                                                                              ment vorgestellt. Leider fand sich niemand, der es finanzieren
                                                                              mochte.
                                                                              Fünf Konzerte und das zweitägige Festival ‹words and music›
                                                                              organisiert die IGNM in dieser Saison. Wo liegt der Fokus der
                                                                              Programmierung? «Unser Schwerpunkt ist die Vielfalt», so
                                                                              Henneberger lakonisch. Dafür garantiert der Vorstand, der auch
                                                                              Programmkommission ist und mehrheitlich aus Musikerper-
                                                                              sönlichkeiten besteht. Die haben allerdings Prinzipien: Die
EINSATZ FÜR ZEITGENÖSSISCHES                                                  Wellness-Moderne eines Arvo Pärt oder Giya Kancheli sucht
80 Jahre IGNM                                                                 man vergebens, ebenso die Minimal Music. «Wir wollen keinen
                                                                              Mainstream», kommentiert Henneberger. Ein wichtiges An-
Der Anstoss kam aus Zürich: 1926 fand dort das vierte Musik-                  liegen ist die Präsentation von jungen Schweizer und vor allem
fest der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik ( IGNM )                 Basler KomponistInnen; so wird etwa am Neujahrstag u.a. ein
statt, die 1922 in Salzburg gegründet worden war. Während in                  Auftragswerk des 1979 in Basel geborenen Lars Werdenberg
Zürich selbst der Anlass lange folgenlos blieb, wurde in Basel                uraufgeführt. Wichtig sind auch die Randbereiche des musika-
im Anschluss daran eine Ortsgruppe Basel der IGNM gegrün-                     lischen Schaffens. Zwar fehlt in dieser Saison das schwierig zu
det, die sich am 26. Januar 1927 mit einem «Programmierungs-                  finanzierende Musiktheater, doch bei ‹words and music› im
konzert» – mit Werken von Alfredo Casella, Igor Strawinsky                    März wird die Beziehung von Musik und Sprache in vielfältiger
und Arnold Schönberg – der Öffentlichkeit präsentierte. Am 24.                Weise ausgelotet. | Alfred Ziltener
Juni 1927 konstituierte sich die Gruppe als Verein.
                                                                              IGNM Basel, Postfach 1646, 4001 Basel, www.ignm-basel.ch
                                                                              Nächste Konzerte: Mo 1.1., 19.00, Musik-Akademie Basel (‹trajets›);
                                                                              Mo 29.1., 20.00, Theater Basel (‹Tetra›)

NOTIZEN

Klingende Steine                                     Jazz-Nachwuchs                                    Klangvolle Kammerkunst
db. Im Rahmen von Fritz Hausers vierwöchi-           tg. 21 Schweizer Bühnen haben sich für den        db. Kammermusik der Klassik und Romantik
gem Festival ‹different beat› (s. Programm-          Monsteranlass ‹Suisse Diagonales› gerüstet,       sowie zeitgenössische Kompositionen sind in
Zeitung 12/06) wird im Keller des Teufelhofs         der alle zwei Jahre das junge, innovative Jazz-   den ‹Swiss Chamber Concerts (SCC)/Kam-
ein Klangstein des Bildhauers Arthur Schnei-         schaffen hierzulande vorstellt. Mit Abstand       merkunst Basel› zu hören. Unter der künstle-
ter in einer Klangstaffette ohne Unterbruch          am meisten Konzerte sind in Basel zu hören.       rischen Leitung des Flötisten Felix Renggli,
bespielt. 684 SpielerInnen ab Schulalter kön-        Hinter dem Event steht ein Verein, der einen      des Bratschisten Jürg Dähler und des Cellisten
nen für eine Stunde Teil der Installation wer-       exorbitanten Organisationsaufwand betreibt,       Daniel Haefliger wurde für diese Saison ein
den; Mitwirkende mit Neugier und Geduld              um diese Werkschau auf die Beine zu stellen.      Programm erarbeitet, das die Musik selbst the-
sind willkommen! Weitere Werke Schneiters            Auch die diesjährige Ausgabe gleicht einem        matisiert, den Rhythmus, die Fantasie, die Im-
sind parallel dazu in der Galerie Die Aussteller     riesigen Wanderzirkus. Den Hauptteil des          provisation, die Klangfarben. Neben versierten
zu sehen: Klangsteine, Skulpturen und Zeich-         Programms bestreiten zehn Gruppen aus der         MusikerInnen treten Nachwuchstalente auf,
nungen. Der Künstler, der soeben den Kultur-         Deutschschweiz, der Romandie und dem Tes-         und bekannte Stücke werden mit Urauf-
preis des Kantons Thurgau erhalten hat, expe-        sin – jede Gruppe macht eine Tournee durch        führungen neuer Werke ergänzt, im nächsten
rimentiert seit vielen Jahren mit Klangsteinen.      die Schweiz (im Bird’s Eye werden acht Bands      Konzert etwa ein Streichquartett von Mischa
Bevor er im Teufelhof die letzte Stunde der          gastieren). Dazu kommen 22 Gruppen, die je-       Käser, an dem u.a. die junge Geigerin Patricia
Klangstaffette übernimmt, wird er in der Gale-       weils nur an einem Ort auftreten (keine davon     Kopatchinskaja mitwirkt. Jedes der insgesamt
rie Die Aussteller einen Abend mit Klangstein-       in Basel). Doch damit nicht genug! Um dem         sechs Konzerte wird in Basel, Zürich, Genf
Improvisationen gestalten.                           Anlass den Glanz grosser Namen zu verleihen,      und Lugano gespielt. Das Generalsekretariat
Klangstaffette: So 31.12., 12.00. bis So 28.1.,      wurde ein spezielles Mentorenprojekt kreiert:     der SCC wird nach Meinrad Schweizer neu von
24.00, Kultur- und Gasthaus Teufelhof ÞS. 25,        Der Gitarrist Harald Haerter und der Schlag-      Pedro Zimmermann betreut, der zuvor viele
Anmeldung unter: www.fritzhauser.ch                  zeuger Daniel Humair, also zwei Tempera-          Jahre das Künstlerhaus Boswil leitete.
Ausstellung Arthur Schneiter/Rebecca Burk-                                                             SCC/Kammerkunst Basel spielt ‹Improvisation
                                                     mentsbündel, werden mit Newcomern ein ex-
halter: Fr 5.1., 18.00 (Vernissage), bis Sa 27.1.,
                                                     klusives Programm erarbeiten.                     is it ...›: Do 11.1., 20.15, Peterskirche ÞS. 31.
Galerie Die Aussteller, St. Alban-Vorstadt 57.                                                         Werke von Beethoven, Käser (UA) und Schön-
                                                     ‹Suisse Diagonales›: Do 11. bis Mi 31.1.,
                                                     The Bird’s Eye Jazz Club ÞS. 30.
Performances von Schneiter: Fr 12.1., 19.30,                                                           berg. Weitere Infos: www.scc-concerts.ch
Die Aussteller; So 28.1., 23.00, Teufelhof
                                                     Programm bis Sa 10.2.: www.diagonales.ch
                                                                                                        JANUAR 2007     | PROGRAMM ZEITUNG | 7
PR0GRAMMZEITUNG 20 JAHRE - Das Kulturmagazin für den Raum Basel - Programmzeitung
GASTRO | FILM

                                                                           Wie auch immer und keine Angst, die Gastro-Sophie glaubt
                                                                           nicht, dass sie sich jetzt auch zur bildenden Kunst äussern
                                                                           muss. Obwohl, vielleicht noch ein letztes Wörtchen, gewisser-
                                                                           massen zur Architektur. Eine wunderschöne Villa ist das näm-
                                                                           lich, wenige Schritte vom Museum entfernt, so rein und fein
                                                                           und herrschaftlich. Sodass man geradezu ein ganz klein wenig
                                                                           enttäuscht ist, wenn man das Restaurant in der Villa Berower
                                                                           betritt, es kann nicht ganz mithalten mit diesem ersten Ein-
                                                                           druck. Ist es der Teppichboden (der sich eigentlich nie gut
                                                                           macht in einem Restaurant)? Egal, kommen wir zum Essen und
                                                                           beginnen mit der Kürbiscrèmesuppe, die uns schön wärmte,
                                                                           war es doch im Museum etwas kühl gewesen (sei aus Sorge um
                                                                           die teure Kunst oder um sich erhitzende BesucherInnen). Nach
                                                                           der Suppe liessen wir uns einen Antipastiteller mit Namen
                                                                           ‹Eros› bringen, der Mensch ist bekanntlich unersättlich. Und es
                                                                           sei, so legt uns die Psychoanalyse nahe, alles ein Phallussymbol,
                                                                           was länger als breit ist. Somit betrachteten wir die diversen Röll-
GASTRO.SOPHIE                                                              chen und Knöllchen aus gegrilltem Gemüse, die Rondini und
Eros essen Eros auf                                                        Involtini und sogar die vortrefflichen Parmesanbröckchen auch
                                                                           unter diesem Aspekt.
Eros und Essen, Essen und Eros – dass die zwei was miteinander             Sozusagen Höhepunkt aber war ein Feigengratin mit Zimtglacé
haben, versteht sich von selbst. Wir müssen hier nicht eigens              zum Dessert. Süss und sinnlich, heiss und kalt – ... (Man stelle
die Forschungen und Resultate von Psychologie und Philoso-                 sich an dieser Stelle Geräusche vor, die in jeder anständigen
phie, Ethnologie und Anthropologie, Biologie und Soziologie                Zeitung der Zensur zum Opfer fallen müssen.) Überhaupt will
zusammenfassen, auch sind so viele ‹-ien› gar nicht gut für den            mir scheinen, dass das Restaurant Berower Park ein sehr guter
Appetit. Kunst ebenso, liesse sich ergänzen, uns jedenfalls hat            Ort ist für Desserts, für Kaffee und Kuchen auch, vor dem Eros,
die Ausstellung ‹Eros› in der Fondation Beyeler die Esslust et-            nach dem Eros oder ganz ohne.
was gedämpft. Das hat jetzt aber nichts mit modischer Entrü-               PS: Zu den vergleichsweise preiswerten Mittagsmenüs, die wir
stung und altmodischer Moral zu tun, sondern einfach nur mit               ausstellungsbedingt links liegen liessen, kann man immerhin
Menge. Nach 250 Kunstwerken der Moderne (eigentlich schon                  feststellen, dass sie schön anzusehen waren und – so unsere Be-
vorher) kann man schon mal genug kriegen von nackter Haut                  obachtung – auch mundeten. | Oliver Lüdi
und rosigem Fleisch, Rückenakten und andren Nackten, von
                                                                           Restaurant Berower Park, Baselstrasse 77, Riehen, T 061 645 97 70,
schwellenden und ragenden Formen. «Erbarmen», mag man da                   täglich 10.00—18.00. Foto: Anke Häckell
flehen, «ich kann keine Brüste mehr sehen.»

NOTIZEN

Interkulturelles Kino                             Filme aus dem Iran                                Heimische Filmschau
db. Über 40 Prozent der Gundeli-BewohnerIn-       db. Im Rahmen der Ausstellung ‹Iran.com›,         db. Alle Jahre wieder treffen sich die Filmpro-
nen sind Eingewanderte aus aller Welt. Ihnen      die derzeit in Freiburg i.Br. Einblicke in eine   fis und -fans in Solothurn, um ausgiebig ihrer
Begegnung und Partizipation zu bieten, sind       wenig bekannte, faszinierende Kultur ver-         Leidenschaft zu frönen. Im Zentrum steht die
Anliegen des Vereins Querfeld, der seit Mai       mittelt, bieten der TV-Sender Arte und das        Vorjahresproduktion (2006) des viersprachi-
2004 die gleichnamige Quartierhalle auf dem       Kommunale Kino im Januar jeden Sonntag            gen helvetischen Filmschaffens sowie der im
Gundeldingerfeld betreibt. Nach der ersten        eine kostenlose Matinée mit aktuellen Doku-       Ausland tätigen Schweizer FilmerInnen. Un-
erfolgreichen Durchführung eines interkultu-      mentarfilmen aus dem Iran an. Gezeigt             ter dem Titel ‹Forum Schweiz› werden ausge-
rellen Kinozyklus’ Anfang 2006, kann nun die      werden vier ganz unterschiedlich erzählte,        wählte Werke aller Genres, Längen und For-
zweite Ausgabe als veritables Wochenend-          sehr persönliche Geschichten; kurze Ein-          mate präsentiert. Neben frei produzierten sind
festival stattfinden. Gemeinsam mit Vertrete-     führungen analysieren jeweils die geopoliti-      auch Auftragsfilme, Arbeiten von Filmschulen
rInnen verschiedener Migrantenvereine wur-        schen Gegebenheiten. Den Auftakt macht die        und internationale Koproduktionen zu sehen.
den neun Filme ausgewählt, die sich auf unter-    Vorabpremiere von ‹City Walls – My Own Pri-       Zum zweiten Mal werden in einem Sonderpro-
schiedliche Art mit dem Thema Migration           vate Teheran› der in der Schweiz lebenden Re-     gramm Musik-Clips vorgestellt. Die Retro-
beschäftigen und Einblicke in andere Lebens-      gisseurin Afsar Sonia Shafie, ein feinfühliges    spektive ist dem Tessiner Kameramann Re-
weisen gewähren. Ergänzend sind Musik,            Porträt der Frauen ihrer Familie. ‹Das andere     nato Berta gewidmet, der den Schweizer Film
Tanz und kulinarische Spezialitäten aus den       Gesicht des Iran› von Thierry Michel schildert    wesentlich mitgeprägt hat. Programmiert sind
beteiligten Ländern zu geniessen – kurdische,     das Leben zwischen Traditionen und Refor-         ferner frisch restaurierte Streifen aus der
italienische, westafrikanische, tamilische und    men. ‹Exile Family Movie – Einmal Mekka und       Frühzeit des Mediums sowie aktuelle Filme
schweizerische Kostproben aus Kultur und          zurück› von Arash ist ein anrührender Film        aus den Schweizer Nachbarregionen. In Dis-
Küche. Das ‹Cinema Querfeld› wird von der         über Exil und Heimat einer Grossfamilie.          kussionen und Filmtalks wird über das Gese-
GGG und der CMS unterstützt und ist für ein       ‹Kino – Made in Iran› schliesslich ist dem ein-   hene gefachsimpelt und gestritten. Bundesrat
breites Publikum gedacht.                         heimischen Filmschaffen und seinen Akteu-         Samuel Schmid wird mit Direktor Ivo Kum-
Cinema Querfeld: Fr 12. bis So 14.1., Querfeld-   ren gewidmet.                                     mer die Filmwoche eröffnen.
Halle, Gundeldingerfeld ÞS. 36                    Iranische Dokumentarfilme: So 7., 14., 21.        42. Solothurner Filmtage: Mo 22.1., 17.30 bis
                                                  und 28.1., 11.00, Kommunales Kino im alten        So 28.1., www.solothurnerfilmtage.ch
                                                  Wiehrebahnhof, Urachstr. 40, Freiburg i.Br.
8   | PROGRAMM ZEITUNG | JANUAR 2007
PR0GRAMMZEITUNG 20 JAHRE - Das Kulturmagazin für den Raum Basel - Programmzeitung
FILM | GASTRO

Dreharbeiten zum Film ‹Der weisse Planet›

                                                                                         NOTIZEN

                                                                                         Nobelherberge
                                                                                         db. Was haben Thomas Mann, Elizabeth Tay-
BEWEGENDES LEBEN IM EIS                                                                  lor und Casanova, Zoë Jenny, Strawinsky und
Dokumentarfilm ‹Der weisse Planet›                                                       die Rolling Stones, James Joyce, Niki de Saint
                                                                                         Phalle und Napoleon, Bob Dylan, Ella Fitzge-
Thierry Piantanidas und Thierry Ragoberts Naturfilm zeigt die Lebensvielfalt in der      rald und Picasso gemeinsam? Sie gastierten
Arktis und warnt vor den Auswirkungen der globalen Erwärmung.                            im Basler Grandhotel Les Trois Rois bzw. Drei
‹Der weisse Planet› ist eine opernhafte Ode an die sprachlos machende Wildnis am         Könige wie viele andere, meist wohlhabende
Nordpol, an die Arktis, eine Parade von meisterlich fotografierten Naturbildern und      Leute in den vergangenen 325 Jahren. Im März
                                                                                         2006 wurde die Nobelherberge nach zwanzig
bewegten Szenen mit fantastischen und faszinierenden Tieraufnahmen. Die Arktis
                                                                                         Monaten Renovationszeit wieder eröffnet, mit
erscheint dem Laien unzugänglich, aber sie präsentiert sich in den wärmeren Monaten
                                                                                         101 Zimmern und Suiten sowie 150 Mitar-
als eine bizarre, magische Landschaft aus gigantischen Eis- und Schneewüsten, mit        beitenden. Und nun liegt eine edel gestaltete
Gletschern und Felskathedralen inmitten von Meeresfluten. Der Film zeigt eine Natur-     Dokumentation vor, die Vergangenheit und
landschaft, die über die Jahreszeiten hinweg dauernd ihr Gesicht ändert. Aber er         Gegenwart dieses Betriebs von verschiedenen
macht sie auch zur eisbarocken Kulisse für ungewohnte und scharfe Blicke auf die         Seiten beleuchtet: Vor- und Baugeschichte,
mannigfaltigen Bewohner eines seltsamen Universums. Man sieht Polarbären auf der         Architektur und Gastronomie, Besitzer, Perso-
Jagd und beim Familienspiel, folgt Wölfen beim Herumstreifen, begleitet Robben und       nal und Gäste. Die erste Monografie des Hau-
Vögel und ist verblüfft über tausende von Karibus, von Rentieren, auf ihrer endlosen     ses erzählt und ergänzt zugleich Stadt- und
Wanderung zu Futterplätzen.                                                              Kulturgeschichte.
                                                                                         Maximilian Triet, Anne Nagel, Michael Leuen-
Drei Jahre lang haben die Filmrealisatoren – dieselben, die auch an populären Filmen
                                                                                         berger: ‹Les Trois Rois›. Einblicke in die Ge-
wie ‹Das Geheimnis der Zugvögel› oder ‹Mikrokosmos› beteiligt waren – mit mehre-         schichte. Schwabe Verlag Basel, 2006. 267 S.
ren Kamerateams gedreht. Das ergab über tausend Stunden Material, das auf kunst-         mit zahlr. Abb., Ln., CH 80, ab 1.1.07 CHF 98).
volle und raffinierte Weise zusammengeschnitten wurde. Recherchiert haben sie im         Weitere Infos: www.lestroisrois.com
hohen Norden Kanadas, in Grönland und in der sibirischen Tundra. Aber auch auf
dem Packeis wurde gedreht und vor allem unter ihm: Selten hat man so eindrückliche,      Faszination Tee
                                                                                         db. Tee ist besonders im Winter ein begehrtes
mitreissende Unterwasserbilder gesehen. Es sind famose Impressionen von Kleinst-
                                                                                         Getränk, mit dem wir Wärme und Ruhe asso-
kreaturen und mächtigen Walrössern mit ihren Babys oder Kraken auf Beutezug.
                                                                                         ziieren. Dem weltweit verbreiteten «flüssigen
Unbekannte Lebensräume                                                                   Kulturgut» ist eine Ausstellung im Forum
In diesem aussergewöhnlichen Film wird sichtbar, dass die Eiswelt am nördlichsten        Schlossplatz gewidmet, die der Schauspieler
Ende unseres wunderbaren und bedrohten Planeten ein unermesslich wertvoller Nähr-        Walter Küng und der Schriftsteller Michel
boden für unterschiedliche Lebewesen ist. Akustisch weitgehend von Natur- und ani-       Mettler zusammen mit dem Gestalter Martin
malischen Geräuschen orchestriert, nur sparsam mit Kommentaren ergänzt, entsteht         Birrer als sinnliche Installation inszeniert
                                                                                         haben. In vier Stimmungsräumen kann der
ein verblüffendes Schauspiel über das harte Leben- und vor allem Überleben auf einer
                                                                                         Weg des Teeblatts von der Pflückung bis in die
gigantischen Bühne aus Eis und Schnee. Dort, wo garstige Stürme tosen und extreme
                                                                                         Tassen nachvollzogen werden. Abschliessend
Temperaturen den Rhythmus des Werdens und Vergehens prägen. Man taucht in                kann man einige der porträtierten Sorten
unbekannte Lebensräume von Walen oder Delphinen ein. Oder nimmt staunend und             kosten und dazu eine «literarische Teekarte»
bewegt an einem archaischen, unerbittlichen Duell zweier Moschusochsen teil, die um      studieren. Als Begleitveranstaltungen werden
die Vorherrschaft in der Herde buhlen.                                                   Tea-Times mit einem Teefachmann angebo-
Dieser radikale Streit um tierische Macht hat tiefe Symbolik und führt letztlich zum     ten, bei denen neben Tee-Literatur aus aller
Kern der Sache. ‹Der weisse Planet› ist schliesslich nichts anderes, als ein Appell an   Welt auch Ausschnitte aus Mettlers noch un-
uns alle: das ökologische Gleichgewicht auf dem Globus nicht durch noch mehr Fehl-       veröffentlichtem Tee-Roman zu hören sind.
                                                                                         ‹Tee. Ein Phänomen›: bis So 4.2., Forum
leistungen zu ruinieren und das globale Problem der Erderwärmung konsequenter
                                                                                         Schlossplatz, Aarau. Tea-Times: Do 11.1. und Do
und solidarisch anzugehen. Ein Appell aber nicht mit dem ideologischen Zeigefinger,      25.1., 20.00, www.forumschlossplatz.ch
sondern durch das ästhetische Sichtbarmachen einer lebenserfüllten Wildnis, die          Ausserdem: Chinesische Teeprodukte und Tee-
buchstäblich wegzuschmelzen droht. | Michael Lang                                        zeremonien bietet in Basel u,a, Olaf Sprenger
                                                                                         an: www.aachina-sz.com
Der Film läuft derzeit im Kultkino Movie
                                                                                          JANUAR 2007    | PROGRAMM ZEITUNG | 9
PR0GRAMMZEITUNG 20 JAHRE - Das Kulturmagazin für den Raum Basel - Programmzeitung
THEATER | DIVERSES

                                                                                                                                                   ‹Die Rückkehr des Mauerseglers›, Foto: Cédric G. Schwab (links); Alexander Hagmann (Mitte)
                                                                                               NOTIZEN

                                                                                               Orient meets Okzident
                                                                                               db. Wer sich in verschiedenen Kulturen be-
MEHR ALS KASPER UND CO.                                                                        wegt, hat u.U. eine differenzierte Sicht auf die
Figuren machen Theater                                                                         Welt und kann zur Vermittlung, Verständi-
                                                                                               gung und Horizonterweiterung beitragen. Vor
Das Figurentheater Vagabu und das Vier-Städte-Festival ‹Von hier nach dort: Figu-              etwas über einem Jahr organisierte Annette
rentheater bewegt!› pflegen eine junge alte Kunst.                                             Rommel vom Vorstadttheater erstmals die
«Seid ihr alle da?» – «Jaaaa!» Für viele ist dieser Ruf die früheste Theatererinnerung.        Veranstaltungsreihe ‹Orient meets Okzident›,
Kasper, der freche Zipfelmützenmann mit der Hakennase und dem losen Mundwerk,                  nun folgt die zweite Auflage. Sie lädt zu Begeg-
hat Generationen begeistert und geprägt – und damit auch unser Bild vom Figu-                  nungen mit Kulturschaffenden ein, die islami-
rentheater. Aber so alterslos und liebenswert die Schar der Handpuppen auch ist, Figu-         sche und europäische Werte kreativ verbinden
rentheater kann mehr und ist mehr: Es ist eine traditionsreiche, in zahlreichen Kultu-         und damit neue Perspektiven für Kunst und
ren beheimatete Kunstform, die darstellende, bildnerische, musikalische und                    Politik eröffnen. Sechs Ausflüge in fremd-
literarische Elemente in sich vereint.                                                         vertraute Gebiete werden angeboten, mit
                                                                                               Theater, Musik, Poesie und Kindergeschichten
Eine der zahlreichen Truppen, die sich dieser Kunst verschrieben haben, ist das 1978
                                                                                               in Deutsch, Französisch, Arabisch. Gäste sind
von Maya und Christian Schuppli gegründete Figurentheater Vagabu. Als freies Thea-
                                                                                               u.a. die Schauspielerin Malika Khatir, die Oud-
terunternehmen ohne festes Haus, aber mit Werkstatt und Probenraum in Riehen,                  Spielerin und Sängerin Kamilya Jubran, der
schöpft es immer wieder unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten und sparten-                 Verleger des in Basel domizilierten Lisan-
übergreifende Spielweisen aus. So ist eine grosse Anzahl von Stücken für Alt und Jung          Verlags für arabische Literatur, Hassan Ham-
entstanden, mit denen Vagabu auf Bühnen, Festivals und in Schulen tourt.                       mad, die Autoren Gamil Atiya Ibrahim und
Extreme Ausgangslagen                                                                          Salim Alafenisch sowie eine multikulturelle
                                                                                               Schulklasse des Sandgrubenschulhauses.
Mit seiner neuen Produktion ‹Die Rückkehr des Mauerseglers – eine ornithologische
                                                                                               Orient meets Okzident: Do 25.1. bis So 4.2.,
Fantasie› knüpft das Figurentheater Vagabu an die erfolgreiche Zusammenarbeit                  Vorstadttheater ÞS. 23
mit dem Autor, Musiker und Schauspieler Pierre Cleitman und dem Theater- und
Filmregisseur Marc Feld an, aus der schon das letzte Stück ‹Kratochvil – eine panische         Multikulti-Silvester
Reise› nach dem gleichnamigen Comic von Nicolas Mahler entstanden ist. Doch                    db. Menschen aus rund 150 verschiedenen
beschränken sich die Gemeinsamkeiten nicht nur auf das Team, auch inhaltlich gibt              Kulturen leben im Kleinbasel; eine ‹multikul-
es Berührungspunkte: War es in ‹Kratochvil› der kleine Büroangestellte, der sich statt         turelle Silvesternacht› liegt also auf der Hand.
in der vertrauten Fabrik in einer ihm fremden, unwirtlichen Welt wiederfand, was               Nach der geglückten Erstausgabe vor einem
zu einer tragikomischen Antisinnsuche führte – kongenial wurde der Strich des Zeich-           Jahr, die rund 350 Gäste zählte, wird sie erneut
                                                                                               durchgeführt – wobei eine höhere Teilnahme
ners in bewegte Drahtgewebe übersetzt –, ist es diesmal der Stammgast Monsieur
                                                                                               von Nicht-SchweizerInnen angestrebt wird,
Louis, der unversehens zu einem Mauersegler wird. Ein Jahr lang wird er ein Feder-
                                                                                               d.h. die Hälfte statt ein Drittel. Das Konzept
kleid tragen, und werden wir mit ihm aus grossen Höhen die Welt neu und anders                 dazu stammt vom kurdischen Deutschlehrer
erkunden. In beiden Stücken öffnen also extreme Ausgangslagen der Fantasie                     und Betreuer Atilla Toptas und dem Schweizer
neue Räume. Zum Team dazugekommen sind der Tongestalter Michi Studer und                       Theaterregisseur und Kulturmanager Dieter
der Filmer Alexander Hagmann – ein Crossover, das einen spannenden Theaterabend                Zimmer. Als fester Kooperationspartner wur-
verspricht.                                                                                    de das Kulturhaus Union gewonnen, dessen
                                                                                               künstlerisches Programm neu die Ethnologin
Vielfältiges Figurentheater
                                                                                               Barbara Lüem verantwortet. Zahlreiche sozio-
Wer sich ein umfassendes Bild davon machen möchte, was Figurentheater kann, erhält
                                                                                               kulturelle Vereine aus Basel-Stadt und ver-
weitere Gelegenheiten dazu. Zum zweiten Mal findet die Reihe ‹Von hier nach dort:              mehrt auch aus dem Baselbiet werden mit
Figurentheater bewegt!› in vier Häusern in Basel, Bern, St. Gallen und Winterthur              Tanz, Musik, Animation und Gastronomie zu
statt. Vier Stücke im Familienprogramm und drei Stücke im Abendprogramm wurden                 einem bunten, lebendigen Event beitragen.
ausgewählt, um eine möglichst breite Palette des aktuellen Figurentheater-Schaffens            Das Highlight dürfte auch diesmal die Wahl
zu präsentieren. Durchaus möglich, dass dann auch wieder so ein guter, alter Kasper            von Miss und Mister Kleinbasel 2007 sein.
rufen wird: «Seid ihr alle da?» Und dass wir dann die Lungen füllen und herzlauthals           Eine professionelle Moderation führt durch
antworten ... | Christopher Zimmer                                                             den Abend, den eine Party mit verschiedenen

Vagabu spielt ‹Die Rückkehr des Mauerseglers›: Mi 10.1., 20.00, Vorstadttheater Basel ÞS. 23
                                                                                               DJ’s abrundet.
‹Von hier nach dort›: Sa 6.1. bis Sa 10.2., Basler Marionettentheater ÞS. 41
                                                                                               Multikulturelle Silvesternacht: So 31.12., 19.00,
                                                                                               bis Mo 1.1., 2.30, Union

10   | PROGRAMM ZEITUNG | JANUAR 2007
THEATER

                                                                                      Serena Wey und Andreas Marti, Foto: ßßHeini Dalcher
                                                                                                                                            NOTIZ
                                                                                                                                            Theaterpassion
                                                                                                                                            db. Er habe eine «unerbittliche Forderung
                                                                                                                                            nach Wahrhaftigkeit in der Arbeit», sagte der
                                                                                                                                            Schauspieler Peter Brogle 1987 über den
                                                                                                                                            Regisseur Werner Düggelin, dessen Theater-
                                                                                                                                            leitung in Basel (1968–75) bis heute unver-
                                                                                                                                            gessen ist. Was diesen Menschen ausserdem
                                                                                                                                            auszeichnet, ist nun in einem von grosser
                                                                                                                                            Sachkenntnis und klugem Einfühlungsvermö-
                                                                                                                                            gen zeugenden Band nachzulesen. Verfasst
                                                                                                                                            hat ihn die Publizistin und Kritikerin Beatrice
                                                                                                                                            von Matt, die Düggelins Theaterarbeit von
                                                                                                                                            nahem erlebt hat. Das Buch enthält neben
                                                                                                                                            Gesprächen mit Düggelin und vier seiner
                                                                                                                                            langjährigen Kollegen ein fundiertes ‹Porträt
                                                                                                                                            in Fragmenten› sowie einen Anhang mit Zeug-
                                                                                                                                            nissen und Dokumenten. Es vermittelt leben-
                                                                                                                                            dige Einblicke in die Theatergeschichte seit
                                                                                                                                            den Fünfzigerjahren und weist der ‹Ära Düg-
                                                                                                                                            gelin› in Basel den gebührenden Platz zu. Ein
                                                                                                                                            Muss für Theaterfans und dank Beatrice von
                                                                                                                                            Matts Formulierkunst ein Lesegenuss.
RUHELOSE HEIMATSUCHE                                                                                                                        Beatrice von Matt, ‹Werner Düggelin. Porträt
‹Der Schwimmer› im Theater Roxy                                                                                                             und Gespräche›. Verlag Neue Zürcher Zeitung.
                                                                                                                                            344 S., gb., Abb., CHF 44
Serena Wey, ‹theater etc.›, bringt einen Roman von Zsuzsa
Bánk auf die Bühne.                                                   Aufgehoben am Wasser
«Ich glaube an die Sprache, die Sprache ist Musik», sagt Serena       Der Bruder schützt sich in einer eigenen Welt und Sprache und
Wey und lacht. Seit 1986 realisiert sie regelmässig freie Theater-    zieht sich ganz in sich zurück. Andreas Marti, der Schweizer
und Musikprojekte, in denen sie als präzise Erzählerin und aus-       Posaunist, der so sensibel auf seinem Instrument spielen kann,
drucksstarke Schauspielerin glänzt. Mit der Umsetzung des Ro-         hat die Musik zum ‹Schwimmer› komponiert und steht mit auf
mans ‹Der Schwimmer› von Zsuzsa Bánk (geb. 1965 in Frank-             der Bühne, als Figur des Isti, um die es Serena Wey zentral geht.
furt) hat sie sich einem knapp 300 Seiten starken Prosatext           Kata versucht mit aller Kraft, den Bruder in der Welt zu halten,
verschrieben. «Es ist wie bei der Liebe. Plötzlich bist du verliebt   sie haftet auf dem Boden. Serena Wey als Kata gibt sich in den
in einen Text, den willst du zum Reden bringen. Die Musikalität       Fluss der Sprache, der in Bánks Buch üppig ist, Isti verweigert
der Sprache ist dabei zentral.» Die Liebe muss denn auch gross        sich den Worten. Marti, der schon wiederholt mit Wey zusam-
sein, betont Wey. Mit ihrer Bühnenversion der Erzählung ‹Das          mengearbeitet hat, gibt Isti seine Sprache. Die Höhen und die
Muschelessen› von Birgit Vanderbeke war sie über drei Jahre           Tiefen seiner Welt, drückt er durch Musik aus. Die Geschwister
unterwegs, und die tragikomische Geschichte Aglaja Vete-              kommunizieren in unterschiedlichen Sprachen und verstehen
ranyis, ‹Warum das Kind in der Polenta kocht›, führte sie rund        sich doch. Ihre Verbindung ist eng, sie haben nur sich, denn der
sechzig Mal auf. Wey schneidet den Text selbst mit grosser Sorg-      Vater ist im übertragenen Sinne (und auf der Bühne tatsächlich)
falt zu. «Ich ändere nichts, ich kürze nur. Ganz selten, dass ich     abwesend.
mal ein Wort einfüge.»                                                Das Stück, so empfinden es Wey und Harbeke, ist fliessend und
Für die Regie des neuen Stoffes konnte die Zürcher Theaterau-         geometrisch zugleich. Wie Wasser, das Element der Figuren.
torin und Filmemacherin Sabine Harbeke gewonnen werden.               Der Vater, Isti und Kata, die mit einem Abschied, der keiner ist,
Die Arbeit mit Harbeke, deren Stück ‹nachts ist es anders› der-       zu leben versuchen, sind im Wasser aufgehoben. Der Blick der
zeit am Theater Basel gespielt wird, ist ein Glücksfall. Auch sie     Kinder trifft auf eine Welt, die sie nicht verstehen. Nur wenn
geht vom Text aus, bleibt eng an der Sprache der Autorin. Aus         sie am Wasser sind, wenn sie dem Vater zusehen, wie er seine
der Textmasse des Romans wurden für die Bühne die drei                weiten Bahnen zieht, und wenn sie selbst schwimmen, erleben
Hauptfiguren herausgeschält: Der Vater und die Geschwister            sie Momente der Leichtigkeit und des Glücks. | Arlette Schnyder
Isti und Kata, die, nachdem die Mutter ohne Abschied in den
                                                                      Serena Wey | theater etc. spielt ‹Der Schwimmer›: Mi 17.1., 20.00 (Pre-
Westen geflüchtet ist, sich selbst überlassen bleiben. Der Vater      miere), Theater Roxy, Birsfelden. Weitere Daten ÞS. 40
verkauft Haus und Hof und beginnt mit seinen Kindern von Ort
                                                                      Buch: Zsuzsa Bánk, ‹Der Schwimmer›, Roman, Fischer Verlag. TB, 285 S.,
zu Ort zu ziehen. Verwandte und Bekannte nehmen die ruhelos           CHF 16.50
Reisenden auf. Es beginnt eine lange Geschichte der Heimat-
                                                                      Sabine Harbeke, ‹nachts ist es anders› (Regie Alexander Nerlich):
losigkeit, die aus der Sicht der Kinder erzählt wird. Schulbücher
                                                                      Fr 29.12., 20.15, und Mo 1.1., 19.15, Theater Basel, Kleine Bühne. 6 weitere
abholen in einer neuen Schule, in einer neuen Klasse einen            Aufführungen im Januar, www.theater-basel.ch
Platz suchen, anders sein und bald wieder Abschied nehmen,
ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen. Jemandem lästig werden,
zu viel sein, weiter müssen. Isti und Kata haben unterschied-
liche Strategien, wie sie mit dieser ziellosen, sehnsuchtsvollen
Lebensreise umgehen.

                                                                                                                                            JANUAR 2007     | PROGRAMM ZEITUNG | 11
LI TERATUR

SCHULDGEFÜHLE
Buchbesprechung

 Das Wort war verloren gegangen. Der Professor wollte seinem Sohn einen Sherry an-
bieten, doch der Name f ür dieses süsse Zeug fiel ihm einfach nic ht mehr ein. Ist ja
 auch nicht mehr so wichtig, immer das passende Wort zu finden. Der alte Herr Sander
lebt in seiner Welt mit eigenen Gesetzen. Damit hat die Enk elin Lili, die f ür den
 Professor unwiderruflich seine verstorbene Frau Anna ist, wenig Mühe. Wenn sie ihn
besucht, lässt sich der betagte Herr auch mal zum Tanz verführen. Anders ergeht es
 Sohn Ernst, der sich schwer tut mit den Irrungen und Wirrungen seines einst so lebens-
                                                                                                                    Annette
tüchtigen Vaters. Da kann es passieren, dass der geduldige Ernst sich dazu hinreissen
lässt, seinen Vater als Gemüse zu betiteln. Und der Professor, wie aus tiefem Schlaf
                                                                                                                    Pehnt
 erweckt, antwortet heiter: «Nicht schlecht. Gemüse.»
                                                                                                                    Haus der Schildkröten
Jeden Dienstag k ommt Ernst, von Beruf Lehrer und verlassener Ehemann, ins Haus
                                                                                                                    Roman
Ulmen. Ein Pflichtprogramm, das ihn mit Regina verbindet, die ebenfalls am Dienstag
Frau von Kanter, ihre grimmig-v ers t ummt e Mut t er besucht. Der Zuf all will es, dass
sich die beiden im Altersheim begegnen, dort, wo das Leben Endstation, in ihrem Fall
jedoch Neuanfang bedeutet - oder bedeuten könnte. Die ritualisierten Visiten von
Ernst und Regina legen den Boden, auf dem sich die scheue Annäherung zwischen ih-
nen anbahnt. Die Elternbesuche, geprägt von emotionaler Unsicherheit in Anbetracht
des nahen Todes und dem Schuldgefühl, leben zu dürfen, werden für die erwachsenen
Kinder zu einem unverhofften Spielraum der Gefühle. Und die Urlaubsdestination                                    LITERA-PUR
Malaysia schliesslich z um zweiwöchigen Ausbruchsversuch. Denn dort is t Haus
Ulmen fern und das eigene Leben greifbar nah.
In ihrem dritten Roman  erzählt Annette Pehnt Geschichten                                  Der dreiz ehnt e Monat
                                                                                                                  Wie säh er aus, wenn er sich wünschen ließe?
vom Abschied: Jener der Eltern von ihrem Leben und jener der Kinder von ihren
                                                                                                                  Schaltmonat wär? Vielleicht Elfember hieße?
Eltern. Aus der Optik der Aussenstehenden verfolgt die Erzählerin das Leben der vier
                                                                                                                  Wem z wölf genügen, dem ist nicht zu helfen.
Hauptfiguren, die allesamt miteinander verwoben sind. Während Professor Sander                                    Wie säh er aus, der dreizehnte von zwölfen?
und Frau von Kanter auf den Tod warten, warten Regine und Ernst auf das Leben. Klug
gebaut, mit jener gesunden Distanz erzählt, die den Kindern Vater und Mutter gegen-
über abgeht, beschreibt Pehnt diese «Schicksalsgemeinschaft». Es ist ein sachlicher                               Du schweigst? Er schweigt.
Ton, den die 1967 geborene Autorin anschlägt, und gleichwohl schwingen Wärme und                                  Es tickt die Zeit. Das fahr dreht sich im Kreise.
Respekt für die alten Heiminsassen mit. Wenn etwa die Erzählerin die wilden Eskapa-                               Und werden kann nur, was schon immer war.
den der Frau Hint beschreibt, die allabendlich zu Herrn Lukan schleicht und so die ihr                            Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise.
verbleibende Zeit glücklich zu verbringen weiss. Eindringlich, tiefgründig und sehr                               Und dem Dezember folgt der Januar.
lebensnah umkreist Annette Pehnt so schwergewichtige Themen wie naher Tod, ferne
                                                                                                                  I Er ich Kä st n e r
Zukunft und das Leben dazwischen. Und sie tut dies mit einer Unaufgeregtheit, die                                 aus (D e r d re ize h n t e M o n a t )
vielleicht in der Gewissheit liegt: Leben-Können bedeutet Abschiednehmen.
I Co rin a L a n f ra n ch l

An n e tte Pe h n t ,
LITERATUR

                                                                                        Allgemeine Lesegesellschaft Basel. Foto: Friedel Ammann
                                                                                                                                                  NOTIZEN

                                                                                                                                                  Rund ums Buch
                                                                                                                                                  db. Die Literaturvermittler in Basel sind in
                                                                                                                                                  Bewegung: Mitte Oktober rief Matthyas Jenny
                                                                                                                                                  zusammen mit seiner Partnerin, der Buch-
                                                                                                                                                  händlerin Ursula Wernle, das Kleine Literatur-
                                                                                                                                                  haus Basel ins Leben, das gar nicht so klein ist
                                                                                                                                                  und bei seinen ersten Lesungen im Dezember
                                                                                                                                                  sehr gut besucht war. Die 220 Jahre alte Lese-
                                                                                                                                                  gesellschaft hat mit Albert M. Debrunner
                                                                                                                                                  einen neuen Präsidenten und macht mit
                                                                                                                                                  attraktivem Werbematerial auf ihre Angebote
                                                                                                                                                  aufmerksam, neue Mitglieder sind willkom-
                                                                                                                                                  men! Das Literarische Forum, bis Ende 2006
                                                                                                                                                  von Anna Wegelin und Sibylle Mauli geleitet
                                                                                                                                                  und im Vorstadttheater zu Gast, wird sich
                                                                                                                                                  im Frühjahr mit einem neuen Konzept prä-
VON DER LESE-ANSTALT ZUR MEDIATHEK                                                                                                                sentieren. Die Antiquarin Patricia Schiess und
200 Jahre ABG
                                                                                                                                                  der Buchhändler Urs Heinz Aerni (Buchhand-
Die grösste öffentliche Bibliothek in Basel feiert ihr Jubiläumsjahr 2007 mit einer                                                               lung D’Souza) schlossen ihre Läden, Letzterer
Fülle von speziellen Angeboten und Aktivitäten.                                                                                                   bietet nun online diverse literarische Dienst-
                                                                                                                                                  leistungen an, ab 2007 auch eine ‹Störbuch-
Als ‹Leseanstalt für die Jugend› hat sie einst begonnen, auf dem Münsterplatz, heute
                                                                                                                                                  handlung›: Zusammen mit André Wigger
umfassen die Allgemeinen Bibliotheken der GGG ( ABG ) eine Haupt- und sieben Ne-
                                                                                                                                                  stellt er an beliebigem Ort und in der Manier
benstellen. Die Gründung der Bibliothek stand 1807 noch unter dem Zeichen der Ab-
                                                                                                                                                  einer Tupperwareparty, Bücher vor.
schreckung: die Jugend sollte vor «ungesunder Lesewuth» bewahrt, die Lektüre «abge-                                                               www.literaturhausbasel.ch
schmackter oder schlüpfriger Romane» erschwert werden. Die «Lesewuth» hat seither                                                                 www.lesegesellschaft-basel.ch
ziemlich nachgelassen, heute haben Bibliotheken längst andere Sorgen, auch die ABG .                                                              www.litforum.ch
Heute geht es darum, die Leselust aufrecht zu erhalten, sie zu fördern, sie mit ver-                                                              www.buchservice.page.ms

schiedenen Mitteln zu bedienen. Gelesen wird ja immer noch, aber die jüngere Gene-
                                                                                                                                                  Russische Gäste
ration hat andere Lesegewohnheiten – und liest anderes. Das Sortiment der ABG um-
                                                                                                                                                  db. Die Literatur Russlands prägt den dies-
fasst denn auch nicht nur Bücher und Zeitschriften. Hier können CD s, Videos, Spiele,
                                                                                                                                                  jährigen Zyklus ‹Wintergäste›, der von der
DVD s ausgeliehen werden, und inzwischen machen diese Medien auch gut ein Drittel                                                                 Baselbieter Kulturabteilung und dem Burghof
des Angebotes aus. In die acht Standorte lockt aber noch mehr, denn ausgeliehen wer-                                                              Lörrach in Kooperation mit anderen Veranstal-
den auch Landkarten, Musiknoten, Dias, Sprachkurse, Playstation-Games. In Basel                                                                   tern realisiert wird. Die szenischen Lesungen
und Umgebung sind die ABG die grösste Mediathek – und längst ein unverzichtbarer                                                                  mit bekannten Theaterleuten finden jeweils in
Bestandteil des kulturellen Lebens unserer Stadt.                                                                                                 Liestal und Lörrach statt und haben ein treues
                                                                                                                                                  Publikum. Eine besondere Attraktion ist dies-
Vielfältige Leseförderung
                                                                                                                                                  mal die integrale Darbietung des ‹Doktor Schi-
Ein rundes Jahr lang wird nun der 200. Geburtstag gefeiert. Das grosszügigste Ange-
                                                                                                                                                  wago› von Boris Pasternak; man kann sie an
bot erwartet die 16- bis 25-Jährigen; sie bekommen ein Gratis-Jahresabo für die ABG .                                                             einem freien Sonntag in drei Etappen im
Gesucht werden, in zwei Wettbewerben, die schönsten Lesezeichen und die besten Fo-                                                                Kloster Schönthal geniessen, bei passender
tos von Bibliotheksräumen und -menschen. Während der Museumsnacht werden Le-                                                                      Kost aus der Klosterschenke. An weiteren vier
seratten oder Bücherwürmer ausgiebig verwöhnt, die Palette reicht von erotischen                                                                  Sonntagen kommen Texte von zwei Gegen-
Kurzhörspielen bis zu Krimi-Cocktails. Auf dem Jubiläumsprogramm stehen ferner                                                                    wartsautorinnen und zwei Klassikern zu Ge-
Torten zum Weltbuchtag, eine Filmnacht für Kinder, ein Lese-Tram, Spiele und eine                                                                 hör. Parallel dazu zeigt das Landkino fünf
Ausstellung von Bestsellern aus den letzten 200 Jahren. Diese sind zugleich Gegen-                                                                Filme nach russischen Literaturvorlagen. –
stand einer Vortragsreihe in Kooperation mit der Volkshochschule beider Basel. Mitte                                                              Die aktuelle Menschenrechtslage in Russland
                                                                                                                                                  beschäftigt u.a. das Deutschschweizer Pen-
Februar wird in der Barfüsserkirche mit einem Festakt gefeiert, und eine veritable
                                                                                                                                                  Zentrum. Zu seiner Unterstützung präsentie-
Festschrift gibt es auch schon.
                                                                                                                                                  ren zwei seiner Mitglieder eine Hommage an
Mit ihren Jubiläumsaktivitäten wenden sich die ABG besonders an die junge Genera-
                                                                                                                                                  die russische Lyrikerin Mascha Kaléko.
tion. Die wirkungsvollste Leseförderung betreiben die Bibliotheken allerdings schon                                                               ‹Wintergäste›: So 7.1. bis So 11.2., ÞS. 38,
längst, und zwar mit der Vielfalt ihres Angebots. Der heutigen Jugend ist der Umgang                                                              Landkino im Sputnik, Liestal ÞS. 37
mit digitalen Medien selbstverständlich, zwischen Büchern, Zeitschriften und elektro-                                                             Duo Kernbeisser mit Mascha Kaléko: Do 18.1.,
nischen Medien wird kaum ein Unterschied gemacht. Die verschiedenen Gefässse                                                                      19.30, Hotel Merian. www.pen-dschweiz.ch

werden gleichzeitig und nebeneinander genutzt, und viele Jugendliche bewegen sich
in der Überfülle an Informationen wie in einem Einkaufszentrum. Hier setzen die
ABG ein, indem sie die diversen Medien gleichzeitig anbieten – und deren Bedeutung
und Vorzüge deutlich machen. | Martin Zingg
Jubiläumsprogramm ABG: www.abg.ch

Festschrift: Robert Barth (Hg.), «Ungesunde Lesewuth» in Basel. Allgemeine Bibliotheken der
GGG 1807 bis 2007. 185. Neujahrsblatt der GGG. Schwabe Verlag, Basel 2006, 156 S., zahlr. Abb.,
br., CHF 35

Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG): www.ggg-basel.ch
                                                                                                                                                  JANUAR 2007     | PROGRAMM ZEITUNG | 13
Sie können auch lesen