PRESS REVIEW Thursday, January 28, 2021 - Daniel Barenboim Stiftung Barenboim-Said Akademie & Pierre Boulez Saal

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PRESS REVIEW Thursday, January 28, 2021 - Daniel Barenboim Stiftung Barenboim-Said Akademie & Pierre Boulez Saal
PRESS REVIEW

         Daniel Barenboim Stiftung
Barenboim-Said Akademie & Pierre Boulez Saal

       Thursday, January 28, 2021
PRESS REVIEW Thursday, January 28, 2021 - Daniel Barenboim Stiftung Barenboim-Said Akademie & Pierre Boulez Saal
PRESS REVIEW                                                    Thursday, January 28, 2021

Jura Forum, BSA, DIVAN, DB
Hohe Kunst oder auf Augenhöhe? Musikprojekte in Krisenregionen

Die Zeit
Theater, Museen, Konzerthäuser – alle streamen jetzt wieder, bloß wie. Eine Umfrage zu Chancen und
Risiken

Der Tagesspiegel
Scholz plant Hilfsfonds für Veranstaltungen

Frankfurter Allgemeine Zeitung
Ein Gespräch mit Thomas Ostermeier, dem Intendanten der Berliner Schaubühne, über den
verstobenen schwedischen Dramatiker Lars Norén

Rbb24
„Diaspora Europa“ Digitales Festival an der Volksbühne gegen das Vergessen

Der Tagesspiegel
Transmediale: Das Festival startet mit einem digitalen Almanach

Süddeutsche Zeitung
Die Sanierung der Oper Köln soll erst 2024 abgeschlossen werden

Die Zeit
Beethoven wollte gar nicht so schnell. Ein großes Rätsel der Musikgeschichte ist gelöst

Der Tagesspiegel
Als erste deutsche Landesregierung diskutiert der rot-rot-grüne Senat in diesen Tagen über eine
sogenannte Migrantenquote in der Verwaltung
Internet
Quelle:
Auch in:
           Juraforum.de vom 27.01.2021 (Internet-Publikation, Hannover)
           3 weiteren Quellen »

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                                                                                                                 ♦     JURAFORUM

Visits:    1.388.970                        Reichweite:    46.299          Autor:      k.A.                                   Weblink

                    Hohe Kunst oder auf Augenhöhe? Musikprojekte in
                    Krisenregionen
                   Mit Musik die Welt verändern und zu Frieden und Versöhnung beitragen - zahllose Projekte welt­
                   weit verfolgen solche Ziele, um ein Stück „heile Welt" in Krisengebieten zu schaffen. Doch mit wel­
                   chen Intentionen verfolgen sie dabei welches Verständnis von Musik und Kultur? Lassen sie sich
                   auf die Traditionen und Rahmenbedingungen der jeweiligen Länder ein oder transferieren sie ein
                   westliches Verständnis unverändert in eine andere Gesellschaft? Und welche Effekte haben die
                    Projekte vor Ort?
                   Marion Haak-Schulenburg, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Musikpädagogik
                   und Musikdidaktik der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), untersucht die Wurzeln
                   und Wirkungen des Musikbegriffes am Beispiel zweier Institutionen, die in Palästina tätig sind. Da­
                   mit knüpft sie an den Schwerpunkt „Community Music" der Professur an, der musikalische Projekte
                   mit Fragen von Inklusion, kultureller Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit verbindet. Die KU bietet
                   zudem als europaweit erstes Studienangebot dieser Art den Masterstudiengang „Inklusive Musik­
                   pädagogik/Community Music".
                   Haak-Schulenburg studierte zunächst Musik und Englisch in Berlin an der Universität der Künste
                   sowie der Humbold-Universität, um Lehrerin zu werden. Nach dem ersten Staatsexamen bot sich
                   ihr jedoch die Möglichkeit, für drei Jahre an der Musikschule der Barenboim-Said-Stiftung im paläs­
                   tinensischen Ramallah zu arbeiten. Diese geht zurück auf den berühmten Dirigenten Daniel Baren­
                   boim und den aus Palästina stammenden Literaturwissenschaftler Edward Said, die 1999 das re­
                   nommierte „West-Eastern Divan Orchestra" gründeten. Das Ensemble setzt sich aus arabischen
                   und israelischen Musikerinnen und Musikern zusammen, so dass es als Symbol für die Möglichkeit
                   von Koexistenz und Frieden in der Region fungiert. Ausgangspunkt für Musikschule waren die be­
                   grenzten Möglichkeiten für arabische Musikerinnen und Musiker, sich professionell weiterzubilden.
                   Die Schule richtet sich jedoch auch an Kinder und Jugendliche und bietet diesen Unterricht für Or­
                   chesterinstrumente und Klavier.
                    Parallel zu ihrer Arbeit in der Musikschule kam sie in Kontakt mit der niederländischen Organisation
                   „Musicians without Borders", die weltweit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für die musikalische
                   Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ausbilden. Haak-Schulenburg gründete so Kinderchöre in Ra­
                   mallah und verschiedenen Dörfern sowie dem Balata Flüchtlingslager in Nablus. Wichtiger Be­
                   standteil des Repertoires waren nicht klassische Musik, sondern arabische Lieder, Rhythmen und
                   Tänze. ,,Diese Kinder leben meist in ärmsten Verhältnissen und haben eine schlechte Schulbildung.
                   Sie findet man gerade nicht im klassischen Musikunterricht der Barenboim-Said-Stiftung", berichtet
                   Marion Haak-Schulenburg. Aus dem Kontrast beider Erfahrungen erwuchs für die Wissenschaftle­
                   rin die grundlegende Frage ihrer Doktorarbeit, aus welchen Wurzeln das jeweilige Musikverständnis
                   solcher Initiativen erwächst und welche Wirkung es entfaltet.
                   ,,In Palästina gibt es viele Projekte, die den Menschen in ihrer schwierigen Situation Zugang zu Kul­
                   tur bieten wollen. Das ist jedoch in der Regel europäisch geprägte Kultur - ohne kritische Reflexion
                   darüber, ob das Angebot überhaupt Sinn macht. Blickt man dann ins Publikum, taucht dort meist
                   nur eine bestimmte Schicht der einheimischen Bevölkerung auf, die sich am Westen orientiert, so­
                   wie Europäer oder Amerikaner, die vor Ort tätig sind", so Haak-Schulenburg. Wie sie in Interviews
                   vor Ort feststellte, gilt dies auch für die klassisch ausgerichtete Musikschule der Barenboim-Said­
                   Stiftung, die ihr Angebot nur an Privatschulen bewerbe. Die Schülerinnen und Schüler stammten
                   aus Familien der bildungsorientierten Mittel- und Oberschicht, besuchten überwiegend christliche
                   Schulen und betrieben sogar mehrere Hobbies - undenkbar für Kinder, die staatliche Schulen be­
                   suchen. ,,Die Musikschule setzt sich jedoch den weitreichenden Anspruch, in Palästina zu einer ge­
                   sellschaftlichen Transformation beizutragen. Es genügt aber nicht, zu hoffen, Musik werde es
                   schon richten und Beethovens Fünfte habe es schon immer gerichtet", so Haak-Schulenburg. Es
                   stehe außer Zweifel, dass die Musikschule sinnvolle Arbeit für die Schülerinnen und Schüler leiste.
                   Die Tradition einer Autonomie der Künste beinhalte jedoch auch eine Haltung von Hegemonie.
                   Dieses auf das Werk konzentrierte Musikverständnis habe auch Auswirkungen auf die Förderung
                   entsprechender Projekte: So habe ein Berliner Jugendorchesterprojekt mit geflüchteten Kindern
                   nach einem halben Jahr keine Förderung mehr erhalten, da die Resultate zu wenig künstlerisch
                   seien und zu sozial gearbeitet werde. ,,Klassische Musikpädagogik hat das Ziel, Musik im Hinblick
                   auf einen Lehrplan zu vermitteln - verbunden mit formalen Fähigkeiten, wie etwa dem Notenlesen.
                   Community Music hingegen will zusammen mit Menschen Musik entstehen lassen - frei von Vor-

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        Feuilleton · Ulrich Stock                                                                                        Lesezeit: 5 Min.

        Wenn wir uns verströmen
        Theater, Museen, Konzerthäuser – alle streamen jetzt wieder, bloß wie? Eine Umfrage zu
        Chancen und Risiken VON ULRICH STOCK

        Er hat Pralinés mitgebracht, natürlich warm von Körpernähe, Cognac-Kirsche, Cremehüt-
        chen. Jetzt baden? In die Wanne. Komm! Lauwarmes Wasser. Wie Gewitternacht. Und als
        er ihr Gefieder streicheln will, findet er es von Tränen nass.

        So intim miteinander sind die Gespenster in der gleichnamigen Aufführung der Münchner
        Kammerspiele, die vergangene Woche Premiere hatte. Verführerische Worte in Mannscher
        Diktion, Pardon: in Mannschen Diktionen, denn das Stück kreist um Erika, Klaus und Tho-
        mas Mann und die inzestuösen Niederungen der Hochkultur.

        Aber halt. Wir sehen die Akteure nicht leibhaftig, sitzen nicht im ausverkauften Saal, haben
        nicht vorfreudig auf den Vorhang geschaut, auf dass er sich gleich hebe. Wir lümmeln zu
        Hause vor dem Laptop, bei Bier und Schnittchen, knorpelige Stecker im Ohr, um den Klang
        zu verbessern. Gespenster – Erika, Klaus und der Zauberer ist die erste nur gestreamte Pre-
        miere der Kammerspiele.

        Eigentlich ist es ein Theaterstück, das seine Generalprobe im November hatte, seine Urauf-
        führung vor Publikum dann aber nicht mehr erlebte, weil behördlich verfügte Beschrän-
        kungen im Lauf der Monate die Zahl der Zuschauer im Saal von 690 auf 180 auf 50 auf
        schließlich 0 reduzierten.

        So entschloss sich das kleine Ensemble um das Inszenierungskollektiv raum+zeit, das
        Stück für die Ausstrahlung im Netz zu präparieren. Fünf Kameraleute wurden angeheuert
        und schwarz verhüllt, sodass sie kaum (aber doch!) zu sehen sind, wenn sie zwischen den
        vier Darstellern durch das schwarz-karge Bühnenbild huschen. Mehrere Tage wird Theater
        für und mit und zwischen Kameras geprobt.

        Der Kniff der Münchner ist der Schnitt in Echtzeit. Anders als bei einer Fernsehproduktion
        wird hier nichts nachbearbeitet. Jede Unschärfe der Bildregie wird sichtbar und darf auch
        sichtbar sein als ein gestreamter Reflex jener Unmittelbarkeit, die das Theater seit je aus-
        macht.
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        Egal, wo man sich zurzeit umhört, ob an Schauspielhäusern, Musikhallen oder Museen:
        Streaming ist das Thema, das alle beschäftigt.

        Kurze Rückblende, März 2020: Ein Virus umstellt die Kulturstätten, Lockdown. Fast in-
        stinktiv wird gestreamt, die Musiker sind die Ersten. Smartphone vors Klavier, hallo,
        YouTube. Oder ein Gig aus dem leeren Club mit Spenden-Button. Wir sind noch da, wir ma-
        chen weiter. Das Publikum ist kurz angetan, schnell gelangweilt: Immer Bildschirm! Mit
        den Chancen des digitalen Mediums beschäftigen sich viele zunächst nicht weiter.

        Denn das Wetter ist gut, der Sommer kommt, alle Kunst zieht nach draußen – so sie es
        kann. Der Spuk scheint nachzulassen, der Herbst bringt Hygienekonzepte, abständiges Zu-
        schauen bei gedritteltem Publikum. Geht doch!

        Geht ein paar Wochen lang, dann fegt die zweite Welle die Kulturhäuser leer. Sofort ist das
        Streaming wieder da. Diesmal wissen alle: Über die nahe Zukunft gemeinschaftlich zu erle-
        bender Kunst lässt sich keine verlässliche Aussage mehr treffen. Streaming zählt zu den
        wenigen Möglichkeiten, das ausgesperrte Publikum zu erreichen.

        Einige Beispiele:

        Viele Festivals werden abgesagt, das Jazzfest Berlin im November 2020 findet statt: als
        Stream. So haben immerhin die Musiker Einnahmen. Nicht ein verkauftes Ticket, dafür alle
        vier Abende gratis auf Arte Concert. Erstaunliches Resultat: Statt bis zu 9000 zahlender
        Gäste am Set mehr als 100.000 Zuschauer im Netz, wobei es immer noch mehr werden,
        denn nur wenige sehen die Übertragung live. Der Stream steht ein Jahr lang zum Abruf be-
        reit, sehr bequem, sehr seltsam auch: Die Rezeptionshaltung verändert sich. »Man ist nicht
        gezwungen, sich Dingen auszusetzen, die einem nicht so gefallen«, sagt Patricia Hofmann,
        Sprecherin des Jazzfestes. »Das Kunsterlebnis ist viel stärker abhängig davon, in welcher
        Stimmung ich bin. Ob ich dann sage: Ich mach mir was zu essen und guck das Konzert,
        oder ich bügel nebenher Hemden.«

        Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg transferiert Ende November die seit Jahren er-
        folgreiche Theaterposse Anna Karenina – allerdings mit anderem Text und auch anderer
        Melodie in einen rasanten Live-Stream. 6,50 Euro kostet das digitale Ticket; kein Nach-
        Schauen im Netz! »Theater hat extrem viel damit zu tun, dass es jetzt stattfindet und nicht
        in einer halben Stunde«, erläutert der Dramaturg Ralf Fiedler. »Dass das jetzt passiert, und
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        dann ist es auch vorbei.« Der Moment des Einmaligen müsse erhalten bleiben, deshalb gibt
        es vom Schauspielhaus keine abrufbaren Konserven mehr. Ungewohnt bleibt das Spielen
        vor Kameras: Am Ende von Anna Karenina haben sich die Mitwirkenden nicht verbeugt;
        war ja niemand im Saal. Prompt, sagt Fiedler, hätten sich einige der 2000 (!) Online-Zu-
        schauer beschwert. Auch das Publikum muss seine Erwartungen an das Medium noch jus-
        tieren.

        Heiko Jahnke von der Karsten Jahnke Konzertdirektion in Hamburg steht dem Streaming
        großer Bands eher skeptisch gegenüber. Bislang habe er nur wenig Überzeugendes gese-
        hen, sagt er, um dann von den minimalistisch-kraftvollen Hauskonzerten des New Yorker
        Musikerpaars Dezron Douglas und Brandee Younger zu schwärmen. Ein Kontrabass, eine
        Harfe, ein Mikrofon! Traditionell zugespitzter Lockdown-Jazz, der in Auswahl inzwischen
        auf dem Album Force Majeure erschienen ist, das – hier sei es bestätigt – zu den besten
        Aufnahmen des Virusjahres zählt.

        »Wir sind kein medienproduzierendes Haus«, sagt Florian Schütz, Kurator am Museum für
        Kommunikation in Berlin. »Die Leute sind gewohnt, ins Museum zu gehen, und wenn das
        nicht mehr geht, müssen sie erst merken, dass sie sich einen Stream ansehen können. Da
        bauen wir unser Publikum gerade auf.« Eine erste Erkenntnis laute: »Die Eins-zu-eins-Ab-
        bildung des Besuchs am Ort funktioniert nicht. Videoführungen dürfen nicht länger als
        zehn Minuten sein, das sieht sich sonst keiner an.«

        Vorneweg beim Streaming ist die Hamburger Elbphilharmonie, die des unendlichen An-
        drangs wegen schon immer auf Sendung geht. Weil es nie genug Karten gebe, verspüre
        man eine Bringschuld, sagt ihr Sprecher Tom R. Schulz. Und wie läuft es? »Super.« Eine Er-
        fahrung hier: Die Herkunft eines Künstlers bestimmt mit über die Zusammensetzung des
        Publikums. Singt am Elbufer Youssou N’Dour aus dem Senegal, schaltet sich im Netz Afrika
        zu.

        Noch einmal zurück zu den Münchner Kammerspielen. Der Dramaturg Mehdi Moradpour
        sieht eine Beschränkung des Live-Streamings gerade in seiner Einmaligkeit. Eine Theater-
        aufführung lebe durch ihre Prozessualität (die Entwicklung von Aufführung zu Auffüh-
        rung) und durch die täglich variierende Präsenz (die Gegenwärtigkeit des Ensembles wie
        des Publikums). Jeder Abend ist anders. Eine Aufführung aber Abend um Abend live zu
        streamen, das könne niemand bezahlen.

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        Andererseits, glaubt er, berge das neue Medium Möglichkeiten der Teilhabe und Ver-
        schmelzung, die nun in einer Phase des Experimentierens erschlossen werden müssten,
        »bis hin zum Twittertheater«. Wenn es gut laufe, lasse sich vom Auftritt im Netz sogar et-
        was »fürs Theater im Theater« lernen – für jene schöne Zeit, in der man wieder vor Publi-
        kum spielen kann.

        Foto: Heinz Holzmann
        Spielen hinter Glas: Bernardo Arias Porras in der Münchner »Gespenster«-Premiere

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        Donnerstag, 28.01.2021, Tagesspiegel / Kultur

        Scholz plant Hilfsfonds für Veranstaltungen
        Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will für die Kultur weitere Corona-Hilfen
        schaffen. Geplant sei ein zweiteiliger Hilfsfonds, sagte Scholz in der Februar-Ausgabe
        in der Zeitung „Politik & Kultur“ des Deutschen Kulturrats. „Wir wollen kleinere
        Kulturveranstaltungen finanziell fördern, die aufgrund von Hygienevorgaben mit
        deutlich weniger Publikum stattfinden müssen und sich sonst nicht rechnen würden.
        Das zweite Element ist ein Fonds als eine Art Versicherung für größere
        Kulturveranstaltungen. Die Versicherung soll einspringen für den Fall, dass eine
        Veranstaltung geplant und organisiert wird, wegen Corona dann aber wider Erwarten
        doch abgesagt werden muss“, erklärte Scholz. So sollten Kulturschaffende ermuntert
        werden, früh genug zu planen, „damit nach Ende der Pandemie Konzerte, Lesungen
        und Theater bald wieder stattfinden können.“ Tsp

https://epaper.tagesspiegel.de//webreader-v3/index.html#/474373/18-19                                                     1/1
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        F.A.Z. - Feuilleton                                                                                           Donnerstag, 28.01.2021

                                 Sein Tod muss uns innehalten lassen
              Ein Gespräch mit Thomas Ostermeier, dem Intendanten der Berliner Schaubühne, über den
                                 verstorbenen schwedischen Dramatiker Lars Norén

        Wer war Lars Norén?

        Zuerst einmal war er ein unglaublich produktiver Autor, der die meiste Zeit des Tages mit Schreiben
        verbracht hat. Unabhängig von den unzähligen Stücken und deren Varianten hat er ja auch noch
        Lyrik verfasst und Tagebuch geschrieben. Er hat sich während seiner Laufbahn als Autor sehr stark
        gewandelt. Angefangen hat er in der Tradition von Ibsen, dessen glasklare Dramaturgie er bewun-
        dert hat, mit klassischen Kammerspielen wie „Dämonen“ oder „Nacht, Mutter des Tages“. Ende der
        Neunziger hat er sich dann vom bürgerlichen Interieur abgewandt und eine andere Form des sozial-
        realistischen Schreibens für sich entdeckt, dabei die Ränder der Gesellschaft aufgesucht. Für „Perso-
        nenkreis 3.1“ hat er lange Interviews mit Obdachlosen, Drogenabhängigen, physisch Kranken und
        Prostituierten geführt. Ein tiefer, ich würde sagen traumatisierender Einschnitt in seiner Biographie
        war „Sieben drei“, ein Gefängnisprojekt mit straffällig gewordenen Rechtsradikalen, bei dem zwei
        der Gefangenen die Theaterarbeit zur Flucht nutzten und nach einem Bankraub zwei Polizisten
        erschossen. Das war der Boulevardpressen-Moment in Noréns Leben, aber es wäre schade, wenn
        man ihn auf dieses Unglück reduzieren würde. Denn es gab noch eine dritte, letzte Phase in seinem
        Schaffen, in der er vielstimmige Todesfugen über das Altern und Sterben geschrieben hat.

        Als Sie 2000 an die Berliner Schaubühne kamen, haben Sie Ihre Intendanz mit „Personenkreis 3.1“
        eröffnet. Warum?

        Das war für mich das perfekte Stück, um an das anzuknüpfen, was mich seit meinen Anfängen an
        der „Baracke“ am Deutschen Theater interessiert hat: die Wirklichkeit der sozialen Ungerechtigkeit
        auf der Bühne zu zeigen. Dieses Stück gab jenen eine Stimme, die sonst keine haben. Gleichzeitig
        war es für mich der richtige Stoff, um mich von der Tradition der alten Schaubühne abzusetzen,
        sowohl programmatisch als auch ästhetisch: Wir haben das Stück in einem nackten Betonraum auf
        leerer Bühne gespielt und das Publikum hufeisenförmig angeordnet. Ich wollte allen klarmachen:
        Jetzt beginnt etwas Neues! Aber die Inszenierung wurde ein ziemlicher Misserfolg, wohl auch, weil
        das Stück keine Protagonisten im traditionellen Sinne hat, sondern zwanzig unterschiedliche Figu-
        ren. Ich erinnere mich noch an das schlagende Geräusch der Garderobenschränke in der Pause, als
        viele Zuschauer das Theater erbost verließen.

        Wie haben Sie Lars Norén persönlich erlebt?

        Er war ein unglaublich öffentlichkeitsscheuer Mensch, der den hysterischen Lärm des Betriebs nicht
        ertragen konnte. Seine Abneigung gegen die Adabeis und karrieristischen Meinungsmacher kann
        man ja in seinen kürzlich veröffentlichten Tagebüchern nachlesen. Zum letzten Mal habe ich ihn vor
        ein paar Jahren an der Comédie-Française getroffen, und wir haben lange über das Theater und sein
        Schreiben geredet. Von meiner Seite war unsere Bekanntschaft von großer Bewunderung geprägt.

https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/466325/11                                                                                     1/2
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        In Schweden wird Norén jetzt als „größter Dramatiker nach Strindberg“ gefeiert, bei uns ist er seit
        Ihrer Wiederentdeckung Anfang des Jahrtausends eher in Vergessenheit geraten. Warum?

        In den achtziger Jahren wurde Lars Norén auch bei uns durchaus viel gespielt. Stücke wie „Nachtwa-
        che“ erlebten sehr viele Aufführungen. Peymann hat damals sogar die deutsche Erstaufführung von
        „Dämonen“ mit Kirsten Dene und Gert Voss inszeniert. 2005 gab es eine Premiere von ihm in Bonn
        mit einem Stück über Kriegsheimkehrer, und 2015 hat Köln ihn noch mal gespielt. Meine eigene
        Inszenierung von „Dämonen“, die seit 2010 an der Schaubühne läuft, würden wir im Übrigen gerade
        als Gastspiel in Paris spielen, wenn uns Corona keinen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.
        Aber generell stimmt natürlich, dass Norén nicht mehr an seine breite Wirkung aus den Achtzigern
        anknüpfen konnte. „Personenkreis 3.1“ kam an der Schaubühne etwas zu früh zur Aufführung, einige
        Jahre später hätte man es vielleicht als Parabel über die Auswirkungen von Schröders „Agenda
        2010“ interpretiert.

        Lars Norén ist an den Folgen einer Covid-Erkrankung gestorben. Kommt Ihnen sein Tod zeichenhaft
        vor?

        Uns allen führt sein Tod noch einmal brutal vor Augen, wie furchtbar diese Krankheit in Europa
        wütet. Spätestens jetzt, wo berühmte Menschen sterben, deren Namen wir kennen, sollten wir noch
        einmal innehalten. Insbesondere für uns Theatermacher ist Noréns Tod ein Warnruf: Ja, es ist eine
        Katastrophe, dass Theater gerade nicht öffnen können. Ja, es stimmt, dass allem Anschein nach der
        Aufenthalt in einem Theater nicht zur Ausbreitung der Pandemie beiträgt. Trotzdem ist es jetzt
        wichtiger denn je, keine Werturteile über Altersgruppen zu fällen, sondern die gesamte Gesellschaft
        zu schützen. Dazu werden wir durch den Tod von Lars Norén in Schweden gemahnt: dass der Schutz
        aller Altersgruppen wichtiger ist, als vorschnell Kontaktbeschränkungen zu lockern. Und dass ein
        Absenken der Inzidenz entscheidender ist als eine zu frühe Wiedereröffnung der Theater.

        Das Gespräch führte Simon Strauß.

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Diaspora Europa | Digitales Festival Volksbühne Berlin
Verortungen und Visionen gegen das Vergessen
27.01.21 | 15:34 Uhr

"Diaspora Europa" heißt ein digitales Festival der Berliner Volksbühne. Fünf Tage lang werden dort Performances
und Tanz, Konzerte, Vorträge und Diskussionen von und mit Roma, Sinti und Juden gezeigt. Ute Büsing stellt
einige der Beteiligten vor.

  Beitrag hören

Sie wurden schon einmal an den Rand Europas gedrängt und sie werden es wieder: Juden und Sinti und Roma. In einem
zunehmend rechtspopulistischen Klima will die Volksbühne jetzt mit ihrem Diaspora-Festival ein Gegengewicht setzen.
Intendant Klaus Dörr wollte es eigentlich bereits zum 8. Mai 2020, dem 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus
im letzten Jahr, platzieren. Im Mittelpunkt hätte dann Hans-Werner Kroesingers Inszenierung von Peter Weiss "Die
Ermittlung" gestanden. Die findet Corona-bedingt nicht statt. "Hauptausgangspunkt ist die Verantwortung der Täter",
sagt Dörr.

"Aber wir erzählen aus der Perspektive von Juden und Sinti und Roma."
Digital gebündelt werden in Zusammenarbeit mit dem "European Roma
Institute for Arts and Culture" fünf Tage lang Performances und Tanz,
Konzerte, Vorträge und Diskussionen von und mit Romas, Sinti und Juden.
Mit Erinnerungserzählungen, Verortungen und Visionen blicken sie ab dem
27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz,
weltweit Holocaust-Gedenktag, auf das Zusammenleben in Europa.

Multiethnische Hintergründe im Zusammenspiel

Die Choreografin und Tänzerin Oxana Chi entreißt in ihrem Projekt "Durch
Gärten" die jüdisch-russisch-chinesische Tänzerin Tatjana Barbakoff dem
Vergessen, die in den 1930er Jahren für Furore sorgte, bevor sie in Auschwitz ermordet wurde. Barbakoff war auch
Modell für berühmte Maler wie Otto Dix, Orientierungspunkt und Inspirationsquelle der Boheme. Oxana Chi bezeichnet
sich selbst als "Geschichtenerzählerin ohne Worte". Sie arbeitet sehr viel mit Gesten und Gesichtsausdrücken, stellt
"Stummfilmcharaktere" her. Die Bewegungen schöpft sie aus verschiedenen Tanzstilen "vom Ballett bis hin zu Kung Fu".

"Multiethnische Hintergründe" prägen die Beteiligten des Festivals, wie die Choreografin Chi, Tochter einer Ukrainerin
und eines Nigerianers, im Ruhrgebiet aufgewachsen, gerade wahlbeheimatet in New York. "Ich fand es toll zu sehen,
dass es bereits in den 20er, 30er Jahren multiethnische Stars gab", erzählt sie.

Die Sängerin, Autorin, Regisseurin und politische Aktivistin Tayo Awosusi-Onutor bezeichnet sich selbst als "Afro-
Sintezza". Beim Diaspora-Festival bringt die Deutsch-Nigerianerin jetzt ihren Romnja-Jazz mit dem Rosenberg Trio zum
Klingen. Weitere musikalische Hochkaräter sind das Ferenc Snétberger und das Janko Lauenberger Quartett.

Holocaust-Relativierung und Antiziganismus

Mit populistischen Bewegungen und dem verstärkten Zulauf dazu und dem Weiterleben lange tot geglaubter
"Zigeuner"-Klischees beschäftigt sich die Netzaktivistin Sonja Kosche in ihrem Vortrag über Rassismus gegen Sinti und
Roma im Internet. "Der Hass gegen Sinti und Roma im Internet hat sich hochgeschaukelt, wir finden tausende Hass-
Kommentare", sagt Kosche. "Holocaust-Relativierung geht mit Antiziganismus Hand in Hand."

Wie die meisten Beteiligten des Diaspora-Festivals der Volksbühne hat auch Sonja Kosche eine tiefe persönliche
Verbindung zu dem, worüber sie heute hellsichtig aufklärt. 2015 hat sich ihr Vater umgebracht. Er wurde noch in
Jugoslawien geboren, seine Mutter war aus Rumänien. "Er hat immer versucht, sich zu assimilieren ist aber niemals
wirklich in Deutschland angekommen." Seitdem konzentriert sich Netzaktivistin Sonja Kosche auf die eigene Herkunft,
"weil es kaum Gegenreden zum Antiziganismus gibt."

Sendung: Inforadio, 27.01.2021, 07:55 Uhr

Beitrag von Ute Büsing

https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2021/01/volksbuehne-berlin-roma-sinti-juden-diaspora-europa-menschenrechte.html
28.1.2021                                         https://epaper.tagesspiegel.de//webreader-v3/index.html#/474373/18-19

        Donnerstag, 28.01.2021, Tagesspiegel / Kultur

        Transmediale: Jetzt alle mal schön langsam
        Das Festival startet mit einem digitalen Almanach
        Von Birgit Rieger

                                                                                                           © Transmediale
                                    Wuff. Der Hund Roja aus Micha Cárdenas VR-Spiel „Sin Sol /No Sun“.

        Im digitalen Raum regiert die Schnelligkeit: als Erste den Tweet lesen, zügig reagieren, ad
        hoc in den Live-Talk reinhören, spontan mitreden, schnell eine Konferenz aufsetzen, stets
        den Kalender updaten. Die neue Leiterin der Transmediale, dem Berliner Festival für
        Kunst und digitale Kultur, Nora O Murchú, macht zunächst einmal Schluss mit dem
        Druck. Wenn man sich ansieht, wie sie die Veranstaltung in diesem Jahr geplant hat,
        scheint ihre Devise zu lauten: Prall gefülltes Festival ja, Zeitstress nein.

        Die sonst in Irland lebende und lehrende Wissenschaftlerin, Kuratorin und Interaction
        Designerin hat die Transmediale, die sonst eine mehrtägige Konferenz und eine
        mehrwöchige Ausstellung umfasst, zu einem einjährigen Festivalformat erweitert.
        Natürlich passt das auch besser in die Pandemiezeit, in der volle Konferenzsäle nicht
        möglich sind. Dass es eine entschleunigte Festivalvariante werden sollte, mit mehr Zeit

https://epaper.tagesspiegel.de//webreader-v3/index.html#/474373/18-19                                                       1/2
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        für künstlerische Prozesse und einer nachhaltigeren Beschäftigung mit den Kunstwerken
        und Denkbeiträgen, war aber jenseits der Pandemie bereits O Murchús Anliegen.

        Dieses Ja zum Festival, und Nein zur Hektik passt gut zum inhaltlichen Thema, das die
        künstlerische Leiterin für die Veranstaltung gewählt hat. Die Pandemie und alles was
        man in dem Zusammenhang ablehnen könnte, inspirierte nicht zum Thema „for refusal“,
        wohl aber das Gefühl, dass in der Verweigerung, im Nicht-den-üblichen-Weg-Gehen, eine
        Chance liegt, soziale, politische, kulturelle Strukturen zu verändern. Nicht mit der Keule
        des gewaltvollen Protests soll Wandel herbeigeführt werden. Es geht unter anderem um
        Formen der „sanften Verweigerung“ im Zusammenhang mit digitalen Technologien.

        Was bedeuten die durch neue Technologien veränderten Arbeitsbedingungen, wie viel
        Stunden hat ein Tag, was ist Urlaub? Wie kann man der On-Demand-Logik begegnen,
        ohne von Firmen und deren Abo-Modellen abhängig zu sein? Was bedeutet das
        Einschalten eines Ad Blockers, die Nutzung eines bestimmten Browsers (und eines
        anderen nicht), oder das Löschen des eigenen Facebook-Profils, während man auf
        anderen Plattformen weiterhin aktiv ist? Mit diesen Fragestellungen werden sich
        Künstlerinnen, Wissenschaftler und digitale Vordenkerinnen beschäftigen.

        Am heutigen Donnerstag startet das Festival mit einer digitalen Plattform, die sich
        „Almanac for Refusal“ nennt. Ein Almanach ist eine Chronik des Wissens, geordnet nach
        Jahreszeiten und astrologischen oder meteorologischen Ereignissen. Und so sollen auch
        diesem Almanach jeden Monat, jeweils zum Vollmond (wie an diesem 28. Januar) neue
        Inhalte hinzugefügt werden, etwa Podcasts, Filme, Gespräche, Soundexperimente und
        Daten von vielfältigen Künstlerinnen. Nora O Murchú, die in 33 Jahren die erste Frau ist,
        die die Transmediale leitet, will eine queer-feministische, intersektionale und
        postkolonial Perspektive ein bringen .

        In der Auftaktrunde steht etwa die Marshall McLuhan Lecture des in Kanada lehrenden
        Digital-Poeten, Aktivisten und Software Designers Jason Edward Lewis bereit, in der „Die
        Frage nach KI“ auch aus der Perspektive indigener Communities beleuchtet wird. Die
        nigerianisch-amerikanische Datenspezialistin Mimi Onuoha hat sich mit der an
        schwarzer feministische Praxis und Kulturgeografie interessierten Künstler*in Romi
        Morrison zu einem Video-Essay zusammengetan. Die Ausstellung, die dieses Mal nicht
        wie üblich im Haus der Kulturen der Welt, sondern im Silent Green und im Kunstquartier
        Bethanien stattfindet, wird ab 15. Februar zunächst digital zugänglich sein. Birgit Rieger

        ab 28. Januar auf transmediale.de

        Wuff. Der Hund Roja aus Micha Cárdenas VR-Spiel „Sin Sol /No Sun“.Foto: Transmediale

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28.1.2021                                         https://epaper.sueddeutsche.de/webreader-v3/index.html#/801977/10

        Theater und kein Ende

        Die Sa nie rung der Oper Köln soll erst 2024 ab ge schlos sen wer den

        Die Sa nie rung der Köl ner Oper und des Schau spiel hau ses am Of fen bach platz verlän gert sich voraus -
        sicht lich um ein wei te res hal bes Jahr und wird er neut deut lich teu rer. Ober bür ger meis te rin Hen riet te
        Reker sag te, es ge be bei den Bau ar bei ten „sehr gu te, aber auch we ni ger gu te Nach rich ten“. Zu den we ni-
        ger gu ten ge hört sicherlich, dass die ursprüng lich auf 253 Mil lio nen Eu ro ge schätz ten Ge samt kos ten für
        die Sa nie rung der Köl ner Büh nen sich mehr als verdrei fa chen werden: Die Bau kos ten stei gen auf min -
        des tens 618 Mil lio nen; bei Ein tritt al ler Ri si ken könn ten es auch 644 Mil lio nen werden. Hin zu kom men
        Fi nan zie rungs- sowie Pacht- und Miet kos ten für die provi so ri schen Spiel stät ten von ins ge samt 260 Mil-
        lio nen. Un term Strich werden so mit zwi schen 878 Mil lio nen und 904 Mil lio nen Eu ro ste hen.

        Bernd Streit ber ger, ehe ma li ger Bau de zer nent der Stadt und mitt ler wei le tech ni scher Be triebs lei ter der
        Köl ner Büh nen, möch te das fer tig sa nier te Opern haus nun im März 2024 schlüs sel fer tig über ge ben,
        statt wie zu letzt ge plant im drit ten Quar tal 2023. Die zwei te we ni ger gu te Nach richt lau tet so mit: Die
        Bau zeit ver zö gert sich um ins ge samt neun Jah re.

        Die Sa nie rungs ar bei ten am denk mal ge schütz ten Opern haus be gan nen im Ju ni 2012. Die Neueröff nung
        soll te 2015 statt fin den. Doch im Som mer 2015 ent stand Cha os beim Versuch, die Haus tech nik ein zu bau-
        en. Man ha be da mals „al les auf null stel len und im Prin zip kom plett von vorn be gin nen“ müs sen, er klär-
        te Hen riet te Reker nun. Ein Gut ach ten be nann te un zäh li ge Feh ler bei Pla nung und Bau auf sicht.

        Noch steht die Ab seg nung der neuen Zah len durch den Rat der Stadt aus, sie darf al lerdings als sicher
        gel ten. Die Köl ner Ober bür ger meis te rin ist par tei los, wird je doch von den Frak tio nen von Bünd nis
        90/Die Grü nen und der CDU un terstützt. Die kul tur po li ti sche Spre che rin der SPD-Frak tion, Mia Hel mis,
        sprach an ge sichts der er neu ten Bud get erhö hung von ei nem „Fass oh ne Bo den“. „Die stän di gen Ver zö ge -
        run gen und Kos ten ex plo sio nen be schä di gen das Ver trauen in die Stadt schwer“, so Hel mis. Der In te -
        rims spiel be trieb der Oper im Staa ten haus am Rhein park sowie der des Thea ters im De pot an der Schan -
        zen stra ße ist bis zum De zem ber 2022 durch Rats be schlüs se ab ge sichert. Ei ne Spiel zeit kos tet hier er fah -
        rungs ge mäß zwi schen neun und zehn Mil lio nen Eu ro.

        Alex an der Men den

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        Feuilleton · Christine Lemke-Matwey                                                                              Lesezeit: 2 Min.

        Beet hoven wollte gar nicht so schnell
        Ein großes Rätsel der Musikgeschichte ist gelöst

        Die Bombe kommt aus Spanien und könnte, wenn sie platzt, ein paar viel geliebte Konflikte
        mit großem Knall beenden – und gleichzeitig nicht nur die Beethoven-Rezeption erschüt-
        tern, sondern alles Hören und Begreifen von Musik des 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
        Seit Dezember ist sie in der Welt, und dass Forschung und interessierte Öffentlichkeit sie
        erst jetzt wahrnehmen, wollen wir mal mit Corona begründen und damit, dass auch das
        Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 so gut wie in der Versenkung verschwand.

        Oder ist es doch nur ein Bömbchen, die 1381. Fußnote im immer mal wieder aufflackern-
        den, gern mit großem ideologischem Besteck geführten Dauerstreit um Beethovens Metro-
        nomzahlen? Traditionell stehen sich hier zwei Fraktionen gegenüber: die Zahlengläubigen
        und die Freiheitssüchtigen. Diejenigen, die die Metronomzahlen, die Beethoven nachträg-
        lich in seine Partituren schrieb, für bare Münze halten – und diejenigen, die darin mehr ei-
        ne inspirierende Anregung sehen, eine Art Klaps auf den Popo. Historisch informiert hei-
        ßen die einen, romantisch die anderen. Und natürlich beleben unterschiedliche Interpreta-
        tionen immer das Geschäft.

        Das Problem ist nur: Beethovens Angaben ergeben keinen rechten Sinn, bis heute nicht.
        Die Metronomzahl misst die auf einen bestimmten Notenwert (Achtel, Viertel, Halbe) fest-
        gelegten Schläge pro Minute, sie gibt das Tempo vor. Bei Beethoven sind diese Zahlen in
        den allermeisten Fällen viel zu hoch – und die Tempi entsprechend viel zu schnell. Manche
        Stücke wie der Kopfsatz der Hammerklaviersonate (Halbe = 138!) geraten so an die Grenze
        der Unspielbarkeit, andere wie der Trauermarsch aus der Eroica klingen nach »Als die Bil-
        der laufen lernten«, wieder andere zerreißen den Werkkontext oder unterlaufen jede Intui-
        tion. War das alles so gemeint?

        Beethoven gehörte zu den ersten Musikern, die mit Metronom arbeiteten, seit 1817 (mit
        dessen Erfinder Johann Nepomuk Mälzel war er befreundet). Hat er das Ding einfach nicht
        richtig bedient, waren die mechanischen Apparate, die man aufziehen musste wie eine
        Uhr, per se unzuverlässig, oder lag es an seiner Taubheit? Bei einem Komponisten, der Kla-
        viere zertrümmerte und sich eimerweise mit kaltem Wasser übergoss, um seinen inneren
        Furor zu bändigen, waren und sind der Spekulation naturgemäß keine Grenzen gesetzt.
https://epaper.zeit.de/webreader-v3/index.html#/940345/43                                                                                    1/2
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        Eine junge spanische Mathematikerin und ihr Kollege (beide ausübende Musiker) wollen
        das Rätsel nun gelöst haben. Beethoven, so das Ergebnis ihrer streng wissenschaftlichen
        Studie, habe das Metronom falsch herum abgelesen. Nämlich nicht, wie es sich gehört,
        oberhalb des kleinen verschiebbaren dreieckigen Gewichts am Pendel und seiner Zahlen-
        leiste, sondern unterhalb des Gewichts; nicht am Schenkel des Dreieckchens, sondern an
        dessen Spitze. Den Beweis führen Almudena Martín-Castro und Iñaki Ucar mittels kompli-
        ziertester Modellberechnungen durch, die unter anderem das Mälzelsche Patent, die Foto-
        grafie eines Metronoms aus Beethovens Besitz (das nach einer Wiener Ausstellung anno
        1921 fatalerweise verloren ging) sowie 36 verschiedene Aufnahmen aller neun Beethoven-
        Sinfonien berücksichtigen – von Claudio Abbado bis Günter Wand, von Willem Mengel-
        berg bis Nikolaus Harnoncourt.

        Grob gesagt entspricht die mutmaßliche Größe des Pendelgewichts an Beethovens Metro-
        nom ziemlich genau der Differenz zwischen den als notorisch »zu schnell« und den weithin
        als »angemessen« empfundenen Tempovorgaben. Hätte der Komponist also korrekt abge-
        lesen, wären der Musikgeschichte wenigstens in dieser Frage etliche Weltanschauungsge-
        fechte erspart geblieben. Am Ende, so das aus der Studie zu ziehende Fazit, ist die gängige
        musikalische Praxis so dumm offenbar nicht. Das bedeutet zwar keineswegs, dass sämtli-
        che Debatten gerade der jüngeren Vergangenheit um Aufführungspraxis, Biografieschrei-
        bung oder historisch-kritisches Edieren wie Kartenhäuschen in sich zusammenfallen; aber
        es bedeutet durchaus, dass sich das künstlerische Heil nicht per se aus Buchstabentreue
        speist. Wie sagt Christine Siegert, die weise Leiterin des Bonner Beethoven-Archivs? »Der
        Interpret entscheidet.« CHRISTINE LEMKE-MATWEY

https://epaper.zeit.de/webreader-v3/index.html#/940345/43                                                               2/2
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        Donnerstag, 28.01.2021, Tagesspiegel / Titel

        Migrantenquote

        Schlechter Weg, gutes Ziel
        Von Julius Betschka

        Politik ist, wie die Liebe, oft ein seltsames Spiel. Als erste deutsche Landesregierung
        diskutiert der rot-rot-grüne Senat in diesen Tagen über eine sogenannte
        Migrantenquote in der Verwaltung. Der Anteil von Menschen mit
        Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst soll genauso hoch sein wie in der Stadt.
        Das wären 35 Prozent. So eine massive Erhöhung der Vielfalt im Staatsapparat wäre,
        egal wie, historisch. Das politische Vermächtnis einer Regierung.

        Jede Berliner Schulklasse, jedes Unternehmen ist heute diverser aufgestellt als weite
        Teile des öffentlichen Dienstes. Weil sich das seit Jahren – außer bei der Polizei – kaum
        ändert, holte Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Linke) Mitte Januar die
        Brechstange raus. Die Quote soll es bringen. Verfassungsrechtlich ist das zwar
        umstritten, das ist das Paritätsgesetz aber auch: Natürlich ist es politisch legitim, den
        Versuch zu wagen.

        Doch die Debatte ist heikel. Kritiker beschwören fälschlich den Abschied von der
        Bestenauslese. Rechte verbreiten obskure Verschwörungserzählungen über eine
        Unterwanderung des Staatsapparats. Migrantenverbände dagegen wollen nicht länger
        bitten, nicht mehr vertröstet werden. Menschen, die seit Generationen in Berlin leben,
        fühlen sich nicht repräsentiert. Eine Art Staatsversagen.

        Umso unverständlicher erscheint der heftige Streit, der um die Quote in der rot-rot-
        grünen Koalition entbrannt ist. Erst ein halbes Jahr vor dem Wahltag legte die
        Integrationsverwaltung das Papier vor. Ungewöhnlich spät für ein solches Vorhaben.
        Ungewöhnlich auch, dass rechtliche Bedenken der Innenverwaltung mehrfach
        ignoriert worden sein sollen. So wird nun ein integrativ gedachtes Gesetz ins Gegenteil
        verkehrt: zum identitätspolitischen Marker im Wahlkampf. Denn im Ziel ist sich die
        Koalition zwar weitgehend einig, der Kampf um den richtigen Weg dorthin wird aber
        erbittert geführt. Die Linken wollen die Migrantenquote unbedingt. Die Grünen wollen
        sie auch, nennen sie aber lieber nicht so. Die SPD lehnt die 35-Prozent-Regel
        geschlossen ab, will aber andere verbindliche Maßnahmen festschreiben.

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28.1.2021                                           https://epaper.tagesspiegel.de//webreader-v3/index.html#/474373/1

        Die Linkspartei wirft den Sozialdemokraten deshalb Ideenlosigkeit und Meckerei vor.
        Die Grünen erklären sogar, die SPD würde vom gemeinsamen Ziel abrücken, die
        Vielfalt in der Verwaltung zu erhöhen. Ein politischer Affront, wo Fingerspitzengefühl
        gefragt wäre. Der Streit um die Quote mag auch juristischer Natur sein – und letztlich
        von Verfassungsrechtlern entschieden werden. Er legt aber vor allem eine
        Sollbruchstelle der rot-rot-grünen Koalition frei: Grüne und Linke legen größten Wert
        auf identitätspolitische Fragen. Auch Sprachregelungen wie der Verzicht auf das Wort
        Integration oder das Gendern sind für beide Parteien zentral.

        Lebensweltlich unterscheiden sie sich damit gewaltig von vielen SPD-Parlamentariern,
        die über den Alles-oder-nichts- Kurs mit den Schultern zucken. Wenn die SPD die
        gefühlte Mehrheitsgesellschaft noch sanft in Richtung Vielfalt führen mag, hauen
        Grüne und Linke schon auf den Tisch. Die Sozialdemokraten werden deshalb oft genau
        dort als ideenlos beschimpft, wo sie ihre Stärke als integrative Kraft entfalten könnten.
        Oft steht es in dieser Koalition aber 2:1. Zu gewinnen gibt es in der Rolle als Bremser
        wenig. Eine Liebesheirat, das zeigt der Streit um die Migrantenquote, ist diese Koalition
        längst nicht mehr. Aber die Liebe ist ja auch ein seltsames Spiel.

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