BIODIVERSITÄTSLEITFADEN NIEDERDÜRENBACH - Landschaftsökologie, Umweltschutz 3. Semester, Prof. Dr. Elke Hietel, TH Bingen

 
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BIODIVERSITÄTSLEITFADEN NIEDERDÜRENBACH - Landschaftsökologie, Umweltschutz 3. Semester, Prof. Dr. Elke Hietel, TH Bingen
BIODIVERSITÄTSLEITFADEN
NIEDERDÜRENBACH
Landschaftsökologie, Umweltschutz 3. Semester,
                Prof. Dr. Elke Hietel, TH Bingen

  Moritz Beck, Gabriel Exner, Friederike Gabriel, Aaron Göhry,
                                                  Susanne Ruhl
BIODIVERSITÄTSLEITFADEN NIEDERDÜRENBACH - Landschaftsökologie, Umweltschutz 3. Semester, Prof. Dr. Elke Hietel, TH Bingen
IMPRESSUM

Biodiversitätsleitfaden Niederdürenbach

Herausgeber: Technische Hochschule Bingen
             Berlinstraße 109
             55411 Bingen
             www.th-bingen.de

Veröffentlicht: Januar 2022

Autoren: M.Beck, G.Exner, F.Gabriel, A.Göhry, S.Ruhl

Wir danken besonders Prof. Dr. E. Hietel, der Leiterin des Moduls „Landschaftsökologie“, sowie
Fabian Küdde für ihre fachkundige Unterstützung bei der Erarbeitung dieses Leitfadens.

Herzlichen Dank an Sebastian Schmitt und Jutta Dietz für die umfassende Betreu ung und
unkomplizierte Kommunikation!

Die Erstellung des Leitfadens wurde unterstützt durch:

Abbildung 1 Wappen von Niederdürenbach

Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Niederd%C3%BCrenbach&oldid=203941469

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INHALT

Inhalt .................................................................................................................................................................. 2
Abbildungsverzeichnis........................................................................................................................................ 3
1.      Einleitung ................................................................................................................................................... 5
2.      Blumenbeete im Ort ................................................................................................................................... 6
     Wichtigkeit von Naturgärten .......................................................................................................................... 6
     Was versteht man unter heimisch? ................................................................................................................. 7
     Wildstauden ................................................................................................................................................... 7
     Nachteil Konventioneller Pflanzen ................................................................................................................. 7
     Wichtig bei Naturbeeten ................................................................................................................................ 8
     Biodiversität der Tiere .................................................................................................................................... 8
     Bepflanzungsvorschläge für Wildstaudenbeete.............................................................................................. 9
3.      Dorfplatz in Hain bei der Burghalle ............................................................................................................13
     Trockensteinmauer .......................................................................................................................................13
        Tipps für den Bau einer Trockensteinmauer: ............................................................................................ 14
     Insektenhotels .............................................................................................................................................. 14
        Tipps für den Bau eines Insektenhotels (s. Abb. 10 dunkelbraun).............................................................. 14
     Dorfbaum ..................................................................................................................................................... 14
4.      Spielplätze .................................................................................................................................................15
     Spielplatz Dorfplatz .......................................................................................................................................15
     Spielplatz Wiesenweg....................................................................................................................................15
        Dachbegrünung ........................................................................................................................................ 16
        Spielgeräte ................................................................................................................................................ 17
     Spielplatz Waldweg ....................................................................................................................................... 17
5.      Wegrandstreifen Wirtschaftsweg ............................................................................................................. 19
     Blühstreifen .................................................................................................................................................. 19
     Trittpflanzengesellschaften .......................................................................................................................... 19
     Benjeshecke ................................................................................................................................................. 21
6.      Gebäudebrüter - Burg Olbrück.................................................................................................................. 22
     Was sind Gebäudebrüter?............................................................................................................................. 22
     Mehlschwalbe (Delichon urbicum)................................................................................................................ 22
     Rauchschwalbe (Hirundo Rustica) ................................................................................................................ 23
     Haussperling (Passer domesticus) ................................................................................................................ 23
     Mauersegler (Apus apus) .............................................................................................................................. 24
     Fledermäuse (Microchiroptera) .................................................................................................................... 25
     Fazit .............................................................................................................................................................. 26
7.      Schlusswort .............................................................................................................................................. 27

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8.      Literaturverzeichnis .................................................................................................................................. 28
9.      Anhang ......................................................................................................................................................31
     Anhang 1: Wildstauden - Pflanzenliste ..........................................................................................................31
     Anhang 2: Beispielbeet nordstraße .............................................................................................................. 32
     Anhang 3: Beetvorschlag 13 ...................................................................... Fehler! Textmarke nicht definiert.
     Anhang 2: Beispielbeet nordstraße .......................................................... Fehler! Textmarke nicht definiert.
     Anhang 3: Beetvorschlag 13 .......................................................................................................................... 32
     Anhang 4: Mauerpflanzen ............................................................................................................................ 34
     Anhang 5 Klimawandelbäume ...................................................................................................................... 35
     Anhang 6: Pflanzenliste Wirtschaftswege - Blühstreifen ............................................................................... 37
     Anhang 7: Pflanzenliste Wirtschaftswege - Trittpflanzengesellschaft ........................................................... 37

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1 Wappen von Niederdürenbach ....................................................................................................... 1
Abbildung 2 Vielfältiges und buntes Staudenbeet .............................................................................................. 6
Abbildung 3 Beispielbeet Nordstraße ................................................................................................................. 9
Abbildung 4 Dolden-Milchstern ........................................................................................................................ 10
Abbildung 5 Zwerg-Frauenmantel .................................................................................................................... 10
Abbildung 6 Storchenschnabel ......................................................................................................................... 10
Abbildung 7 Prächtiges Fettblatt .......................................................................................................................11
Abbildung 8 Beispielbeet Verkehrsinsel ........................................................................................................... 12
Abbildung 9 Übersicht Dorfplatz Ortsteil Hain ..................................................................................................13
Abbildung 10 Trockensteinmauer mit Tonsteinen für Insekten .........................................................................13
Abbildung 11 Spielplatz Dorfplatz .....................................................................................................................15
Abbildung 12 Spielplatz Wiesenweg ................................................................................................................. 16
Abbildung 13 Betonröhre Spielplatz Wiesenweg ............................................................................................... 17
Abbildung 14 Spielplatz Waldweg ..................................................................................................................... 17
Abbildung 15 Beispielfläche mehrjährige Blühstreifen Wirtschaftsweg Olbrückhalle ....................................... 19
Abbildung 16 Beispielfläche Trittpflanzengesellschaft Kreuzung Dorfstraße – Sonnenstraße ......................... 20
Abbildung 17 Benjeshecke ................................................................................................................................ 21
Abbildung 18 Schema Benjeshecke .................................................................................................................. 21
Abbildung 19 Mehlschwalbennester ................................................................................................................. 22
Abbildung 20 Mehlschwalbe im Flug ................................................................................................................ 22
Abbildung 22 Rauchschwalbennest .................................................................................................................. 23
Abbildung 21 Rauchschwalbe ........................................................................................................................... 23
Abbildung 24 Nistkasten für Haussperlinge ...................................................................................................... 23
Abbildung 25 Haussperling (Männchen) ........................................................................................................... 23

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Abbildung 26 Traufkasten (unterm Dach, zwischen Regenrinne und Hauswand) ............................................. 24
Abbildung 27 Niststein für Mauersegler............................................................................................................ 24
Abbildung 28 Mauersegler................................................................................................................................ 24
Abbildung 29 Niststein für Fledermäuse........................................................................................................... 25
Abbildung 30 Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) ................................................................................. 25
Abbildung 31 Kotbrett angepasst für Schwalben .......................................... Fehler! Textmarke nicht definiert.

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1.      EINLEITUNG

Wir, die Projektgruppe Niederdürenbach des Moduls Landschaftsökologie an der Technischen Hochschule
Bingen, freuen uns, Ihnen den für die Gemeinde Niederdürenbach erstellten Biodiversitätsleitfaden vorstellen
zu dürfen.

Im Rahmen des Moduls Landschaftsökologie unseres Umweltschutz-Studiums waren wir beauftragt, einen
Leitfaden über die Entwicklung von biodiverseren Flächen in einer von uns gewählten Gemeinde zu erstellen.
Zwei Ortstermine und der stete Austausch mit den Vertretern der Gemeinde für dieses Projekt halfen uns, uns
ein Bild von den Gegebenheiten in Niederdürenbach zu machen. Im weiteren Verlauf des Projekts betrieben
wir Literaturrecherche, um unser bestehendes Wissen zum Thema Biodiversität zu erweitern. Schlussendlich
zeigen wir Ihnen in diesem Leitfaden nun Ideen und konkrete Handlungsansätze, mit denen Sie
Niederdürenbach zu einer Gemeinde mit mehr biologischer Vielfalt machen können.

Was ist Biodiversität?

Biodiversität, auch biologische Vielfalt, „[…] bedeutet die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher
Herkunft, darunter unter anderem Land-, Meeres- und sonstige aquatische Ökosysteme und die ökologischen
Komplexe, zu denen sie gehören: dies umfasst die Vielfalt innerhalb der Arten und zwischen den Arten und die
Vielfalt der Ökosysteme.“ (CBD; Artikel 2, www.cbd.int) [1]

Welche Rolle spielt Biodiversität in Siedlungsgebieten?

Vielfältige und intakte Ökosysteme in Siedlungsgebieten sind notwendig für eine gute Klimaregulation, die
Bestäubung von Blütenpflanzen und den Abbau oder die Filterung von Schadstoffen in Luft, Boden und
Wasser. Des Weiteren bieten biodivers gestaltete, naturnahe Flächen einen effektiven Erholungsraum für den
Menschen. [1]

Was Sie in der Gemeinde Niederdürenbach nun konkret tun können, um mehr Biodiversität zu erhalten,
zeigen wir Ihnen in diesem Leitfaden.

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2.        BLUMENBEETE IM ORT

In Niederdürenbach befinden sich entlang der Straßen zahlreiche Blumenbeete, die neu bepflanzt werden
sollen. Ziel der Gemeinde ist es, dass die Beete einen Wiedererkennungswert besitzen und mit wenig
                                                            Pflegeaufwand von Anwohnern als Beetpaten
                                                            gepflegt werden. Diese Beetpaten können aus
                                                            einem Pool an Pflanzen wählen und damit frei die
                                                            Beete gestalten.

                                                                        Wir möchten Ihnen in diesem Kapitel Naturgärten
                                                                        und ihre Vorteile für die Biodiversität
                                                                        Niederdürenbachs näherbringen. Außerdem
                                                                        haben wir einige Pflanzvorschläge
                                                                        zusammengetragen, sowie ein konkretes
                                                                        Bepflanzungsbeispiel eines Beetes in der
                                                                        Nordstraße angefertigt.

Abbildung 2 Vielfältiges und buntes Staudenbeet

Quelle: „Heimische Wildstauden als Blütenpracht“, lbv.de. https://www.lbv.de/ratgeber/lebensraum-garten/pflanzen/stauden/ (zugegriffen
4. Januar 2022).

WICHTIGKEIT VON NATURGÄRTEN

Viele nicht einheimische Pflanzen, haben heimische Wildpflanzen verdrängt und somit auch die Tierarten, die
auf diese angewiesen sind. Vorteil dieser fremden Arten: Sie haben kaum bis keine Feinde.

Nicht heimische Arten sind zum Beispiel die Neophyten Herkulesstaude und Indisches Springkraut.

Mit dem Pflanzen einheimischer Flora wird auch die heimische Fauna gefördert und Tierarten kehren wieder
zurück. Denn auf eine einheimische Pflanzenart sind oft über zehn Insektenarten lebenswichtig angewiesen.
Das stärkt die Biodiversität.

Private Gärten und Beete übersteigen flächenmäßig die Naturschutzgebiete in Deutschland. Aus dem Grund
ist es wichtig, die Anwohner zu inspirieren, heimische Vielfalt in den Garten zurückzuholen. [3]

Die Beete entlang der Straßen in Niederdürenbach eignen sich also sehr gut als Vorbildfunktion, sowie
Ideenanregung der Anwohner, diese Pflanzen auch im eigenen Garten anzupflanzen.

Hier können Hinweisschilder aufgestellt und eine Beschriftung der Pflanzen vorgenommen werden. Dies kann einen
Lerneffekt bei Jung und Alt erzielen.

Am besten bei Wildstauden-Gärtnereien einkaufen, da diese die Herkunft der Ware angeben. [3]

Ein Beispiel dafür, dass heimische Pflanzen die Biodiversität im Garten fördern, ist der heimische Weißdorn
und der nicht-heimische Scharlachdorn. Die beiden Sträucher sind nahverwandt. Doch der Weißdorn wird von
32 Vogelarten angeflogen und als Nahrungsquelle genutzt, während es beim Scharlachdorn nur 2 Arten von
Vögeln sind. Heimische Arten sind außerdem widerstandsfähiger und anspruchsloser, da sie an die natürlichen
Umgebungsbedingungen angepasst sind. [15] Sie benötigen weniger Pflegeaufwand, auch was den
Winterschutz angeht. [3]

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WAS VERSTEHT MAN UNTER HEIMISCH?

  Heimische Arten sind alle Indigenen Arten und einige Archäophyten. Indigene Arten haben sich ohne
  menschlichen Einfluss in einem Gebiet ausgebreitet. Dort kommen sie weiterhin vor und reproduzieren sich.
  Man zieht im Jahr 1492 durch Christoph Columbus Entdeckung Amerikas eine Grenze. Alle vor 1492 durch
  Menschen eingebrachte Arten heißen Archäophyten und alle nach 1492 eingebrachte Arten nennt man
  Neophyten.

  Archäophyten: viele Obst- und Getreidearten und Begleitarten – z.B. Klatschmohn, Kornrade

  Neophyten: z.B. Kartoffel, Tomate – da sie sich kaum von selbst ausbreiten, sind sie kein Problem. [3]

  WILDSTAUDEN

  Stauden = nicht verholzte Blütenpflanzen, wie auch Gräser und blühende Farne.

  Wildstauden = Stauden, die natürlich vorkommen und vorher nicht durch Züchtung verändert wurden.

  Die Naturgartenbewegung versteht unter „Wildstauden“ einheimische Stauden. In Gärtnereien werden
  allerdings auch einige nicht heimische Wildstauden aus anderen gemäßigten Zonen verkauft. An diese haben
  sich allerdings einige der hier beheimateten Insektenarten noch nicht angepasst. [3]

Deswegen ist beim Einkauf darauf zu achten, ob die Wildstaude auch heimisch ist oder bereits angepasst genug ist,
um zahlreiche heimische Insekten und Tiere anzulocken.

  Aber auch nicht heimische Pflanzen haben Vorteile und können als „Lückenfüller“ genutzt werden und die
  heimische Staudengemeinschaft ergänzen. Krokusse blühen im Frühling zum Beispiel verfrüht und verlängern,
  wie die Herbstastern im Herbst, eine Blühsaison. Auch die meisten Obstbaumsorten sind eingewandert und
  nicht mehr wegzudenken. Die Fragen, die man sich also zunächst stellen sollte: Haben sich die nicht
  heimischen Arten bereits integriert und werden von Tieren gefressen oder bestäubt? Sind sie auch nicht
  invasiv und verdrängen keine heimischen Pflanzen?

  Mediterrane Halbgehölze wie die Kräuter Thymian, Lavendel und Salbei haben sich zum Beispiel schon
  erfolgreich integriert und bieten Nektarangebot für heimische Insekten. [3]

  NACHTEIL KONVENTIONELLE R PFLANZEN

  Konventionelle Beete sind oft nach einem statischen Konzept geplant, die rein der Ästhetik dienen. Sie
  beinhalten oft Exoten, die aufwändig gepflegt werden müssen. Die Beetoberflächen werden steril und offen
  gehalten. Tieren, wie zum Beispiel Igeln, fehlen somit Versteck- und Schlafmöglichkeiten. Außerdem bieten
  viele der sterilen Pflanzensorten selten Nektar oder Pollen, was nicht sehr bienen- und insektenfreundlich ist.
  Sind die Pflanzen am kaputt gehen, werden sie einfach durch neue ersetzt. Dadurch kommen zusätzliche
  Kosten und ein erhöhter Pflegeaufwand auf. [3]

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WICHTIG BEI NATURBEETEN

  Ein Wildstaudenbeet sollte mindestens eine Fläche von 10 m2 umfassen. Erst dann haben die Pflanzen die
  Chance, sich frei zu entfalten und eine natürliche Dynamik zu entwickeln. Außerdem sollte ein Naturbeet nicht
  schmaler als 80 cm sein. [3]

Die Beete in Niederdürenbach sind meist kleiner als 10 m2, was aber nicht bedeutet, dass man keine Wildstauden
pflanzen kann. Man muss sich nur im Klaren sein, dass es kein richtiges Naturbeet darstellt, da man die Pflanzen in
ihrem Ausbreitungsdrang hindert. Trotzdem kommt es diesem nahe und man leistet einen wertvollen Beitrag zur
Biodiversität.

  Allerdings sind die Auswahl und die Kombination der Wildstauden sehr wichtig! Idealerweise harmonieren
  die Pflanzen miteinander, anstatt miteinander um Licht, Boden oder Wasser zu konkurrieren. Um dafür zu
  sorgen, dass das Beet gut gedeiht und es zu keiner Gehölzentwicklung kommt, muss man das Beet anfangs
  mehr und nachher immer weniger pflegen. [3]

  Wenn man herausfinden will, was für Leitstauden und Begleitstauden es gibt, stößt man hier auf eine schöne
  Liste an Pflanzen: https://wildes-gartenherz.de/stauden-liste/

   Die Pflanzenkombination muss gut überlegt sein und gezielte Pflegeeingriffe sind notwendig!

  BIODIVERSITÄT DER TIERE

  Hat man Pflanzen im Garten, die Schmetterlinge anlocken, so folgen oft auch Vögel, die sie und deren Raupen
  jagen. Auch Fledermäuse ernähren sich von den Faltern.

  Wichtig für unsere Insekten ist das breite übers Jahr verteilte Angebot an Pollen und Nektar beginnend im
  Frühling und endend im Spätsommer. Dies kann man sicherstellen, indem man die Pflanzen so auswählt, dass
  sie zu verschiedenen Zeiten im Jahr blühen. Neben dem Futterangebot benötigen sie auch Orte zum Eier
  legen. Solche sind beispielweise Brennnesseln, Löcher in altem Holz oder ein Laubhaufen.

  In einem Naturgarten lassen sich einige Gartenhelfer finden. Die Schlupfwespe und der Laufkäfer zum Beispiel
  jagen unerwünschte Tiere. Ähnlich die Marienkäfer, die Blattläuse fressen, sowie Amphibien und Reptilien, die
  Insekten und Schnecken vertilgen. Zahlreiche Vögel picken Samen von Wildstauden und vernaschen Beeren
  von Gehölzen. Auch hier werden nicht nur Orte mit hohem Nahrungsangebot benötigt, sondern auch
  Schlafplätze, sowie Orte zum Überwintern wie zum Beispiel ein Laubhaufen oder Totholz.

  Schwebefliegen gehören zu den wichtigsten Bestäubern und bevorzugen aufgrund ihres kurzen Rüssels
  offenliegende Blüten, bei denen der Nektar gut zu erreichen ist. Dazu gehören zum Beispiel die Wegwarte,
  Margerite, Ringelblume und der Huflattich. [3]

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BEPFLANZUNGSVORSCHLÄGE FÜR WILDSTAUDENBEETE

BEISPIELBEET NORDSTRAßE

Abbildung 3 Beispielbeet Nordstraße

Quelle: F.Gabriel

Am Eingang der Nordstraße an der Kreuzung zur Dorfstraße im Ortsteil Hain liegt auf der linken Straßenseite
ein öffentliches Beet. Im Zuge der Begehung mit der Dorfmoderation wurde für dieses Beet festgelegt, dass
eine neue Unterpflanzung stattfinden soll. Da hier laut Dokument noch keine konkreten Pflanzen vorgesehen
sind, haben wir uns überlegt an dieser Stelle ein konkretes Pflanzkonzept herauszuarbeiten. Wir sind wie
folgt vorgegangen.

Laut Dokumentation der Dorfmoderation hat das Beet eine Fläche von 1,60 m * 3,70 m. Das Beet liegt offen
an der Straßenkreuzung und ist somit auch den Sonnenstrahlen am Tag ausgesetzt. Da der Boden um das
Beet herum komplett gepflastert ist, gehen wir davon aus, dass das Beet mit Mutterboden aufgefüllt wurde.
Dieser wurde der obersten natürlichen Erdschicht entnommen und ist aufgrund der darin lebenden
Organismen wie zum Beispiel Regenwürmern nährstoffreich und fruchtbar. Denn die Bodenorganismen
zersetzen die organische Substanz, wodurch darin gebundene Nährstoffe frei werden. Da das Beet an der
Straße liegt und man hier die Sicht der Autofahrer nicht einschränken sollte, haben wir darauf geachtet, dass
an dieser Stelle die Wuchshöhe der Pflanzen auf maximal 40 bis 50 cm einzuhalten. Um das Beet flächig zu
bepflanzen, haben wir uns auf 4 verschiedene Pflanzenarten beschränkt. Dadurch hat man die Möglichkeit
mehrere Stauden einer Art zu in Gruppen zu pflanzen, sowie eine Blütezeit von April bis September zu
schaffen. Dabei wechseln sich die Pflanzen in ihrer Blüte ab.

Wir haben das Beet vereinfacht in Form eines Rechtecks dargestellt und ein Konzept erarbeitet, wie man die
Pflanzen setzen könnte, sodass man ein schönes Bild erschafft. Dabei wurden die Pflanzabstände der
verschiedenen Pflanzen beachtet. Das von uns entworfene Konzept ist im Anhang 2 zu finden. Es dient
allerdings eher zur Orientierung, da wie gesagt die Form des Beetes in der Realität nicht ganz einem Rechteck
entspricht und in der Grafik die Pflanzabstände zu Baum, Holzpfeiler und Beetrand nicht exakt eingehalten
wurden. Zur Erklärung der Symbolik der Stauden in der Grafik: Der innere Kreis stellt eine Staude dar. Der
äußere Kreis besitzt den Radius eines halben Pflanzabstands.

Das Ziel der Bepflanzung ist es, die Biodiversität zu fördern und mit dem Wechsel der Blüte ästhetische
Akzente zu setzen.

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PFLANZENSTECKBRIEFE

        Dolden-Milchstern [8]

        -       Zwiebelblume
        -       Wuchs: auf Freiflächen an sonnigen Orten
        -       Wuchshöhe: 10 bis 30 cm
        -       Blüte: April bis Juni, weiß
        -       Biodiversität: Pollen und Nektar für Honig-/Sand-/
                Schmalbienen, Samen sind Futter für Ameisen
        -       Pflanzung: Zwiebel im Herbst 4 bis 6 cm tief in Erde setzen
        -       Pflanzabstand: 10 – 20cm, 35 bis 100 Pflanzen pro m² [12]

     Abbildung 4 Dolden-Milchstern

     Bildquelle: Friedrich Strauss Gartenbildagentur „Dolden-Milchstern bestimmen - Mein schöner Garten“. https://www.mein-schoener-
              garten.de/pflanzen/milchsterne/dolden-milchstern (zugegriffen 17. Januar 2022).

            Zwerg-Frauenmantel [16]
            -    Wuchs: Kissenartig, gemächliches Tempo
                 → breitet sich als Bodendecker nicht aggressiv aus, guter Lückenfüller
            -    Wuchshöhe: 15 bis 25 cm
            -    Blüte: Juni bis August, gelb, danach kleine Nussfrüchte
            -    Biodiversität: Blüten beliebt bei Insekten
            -    Pflanzung: ganzjährig bei offenem Boden
            -    Pflanzabstand: ca. 30cm, 9 Pflanzen pro m² [7]
            -    Pflege: Stauden im Herbst/ Frühjahr teilen, sobald sich die Wuchskraft
                 abschwächt. Verblühtes frühzeitig abschneiden, sodass schwache
                 Nachblüte möglich. Flächiges Entfernen der nicht mehr schönen Blattpolster unterstützt neues
                 Austreiben.
            -    Sonstige Eigenschaften: hohe Frosthärte, meist wintergrün

 Abbildung 5 Zwerg-Frauenmantel

 Bildquelle: „Alchemilla erythropoda - Zwerg-Frauenmantel › PflanzenReich“. https://www.pflanzenreich.com/enzyklopaedie/alchemilla-erythropoda/ (zugegriffen 14.
          Januar 2022).

        Storchenschnabel [14]
        -       Wuchs: schnell und dicht, tief wurzelnd und oberflächlich
                kriechend den Boden bedeckend
        -       Blüte: Juni bis Oktober, blauviolett
        -       Biodiversität: lockt über Duft Bienen an, blühen zu Beginn der
                kalten Zeit noch und können somit als eine der wenigen über-
                bleibenden Nektarquellen dienen
        -       Pflanzabstand: 50 bis 80 cm, 3 bis 5 Pflanzen pro m²
        -       Sonstige Eigenschaften: winterhart, pflegeleicht

Abbildung 6 Storchenschnabel

Bildquelle: „Storchschnabel ‚Rozanne‘ ® - Schönste Stauden & Expertenwissen“. https://www.baumschule-
horstmann.de/shop/exec/product/697/15303/Storchschnabel-Rozanne.html (zugegriffen 17. Dezember 2021).

                                                                                                                                10
Prächtiges Fettblatt [13]

      -     Dickblattgewächs, laubabwerfendes Gewächs
      -     Blüte: August bis September, purpurrot
      -     Biodiversität: bienen- und insektenfreundlich
      -     Pflanzabstand: 45 cm, 4 bis 6 Pflanzen pro m²
      -     Pflege: Rückschnitt erst im Frühjahr, da
            Samenstände Schmuck über Winter sind
      -     Sonstige Eigenschaft:
            anspruchslos, pflegeleicht, winterhart

  Abbildung 7 Prächtiges Fettblatt

  Bildquelle: „Prächtiges Fettblatt ‚Brillant‘ - Sedum spectabile ‚Brillant‘“, Baumschule Horstmann. https://www.baumschule-
  horstmann.de/shop/exec/product/698/1699/Praechtiges-Fettblatt-Brillant.html (zugegriffen 8. Januar 2022).

Die Anwohner bekommen ein besseres Gefühl für die Natur, indem sie wahrnehmen zu welcher Jahreszeit, was
wächst und blüht. Man genießt damit auch die Vielfalt der Natur.

Ideen dazu:

Jahreszeiten-Lehrpfad

Die „Beetpaten“ machen zu jeder Jahreszeit Fotos und dokumentieren diese. Das wäre ein schönes
Gemeinschaftsprojekt, von dem auch jeder etwas lernen könnte und in Form eines Lehrpfades an Mitmenschen
weitergegeben werden könnte. In der Pflanzenwelt gibt es nicht nur vier, sondern bis zu zwölf Jahreszeiten – dafür
lohnt es sich, genau hinzusehen!

Essbare Beete

Bepflanzt einzelne Beete nur mit essbaren Pflanzen und schildert diese mit Namen und Bild aus. So können
Mitmenschen dazu lernen, sowie an essbare Natur herangeführt werden. Jeder kann sich wortwörtlich durch das
Beet durchprobieren.

Dabei ist allerdings sehr darauf zu achten, dass nur essbare Pflanzen gekauft und eingepflanzt werden. Weiterhin

                                                                                                                               11
BEISPIELBEET VERKEHRSINSEL
Die Verkehrsinsel an der Kreuzung vom Veilchenweg, Im Wingertsberg und Im Sonnenberg ist eine weitere
Fläche, die neu bepflanzt werden soll und die wir hier als Beispiel aufführen. Mit einer Gesamtlänge von 11 m
und einer Beetbreite von 1 m, wie aus den Dokumenten der Dorfmoderation ersichtlich, entspricht das einer
Fläche von ungefähr 11 m2. An dieser Stelle empfehlen wir einen der Bepflanzungsvorschläge für
Wildstaudenbeete aus dem Buch „Schön Wild“ von Brigitte Kleinod und Friedhelm Strickler.

Abbildung 8 Beispielbeet Verkehrsinsel

Quelle: A.Göhry

Diese Beetvorschläge wurden durch jahrzehntelange Erfahrung verschiedenster Naturgärtner
zusammengestellt. Es sind langlebige Pflanzenkombinationen, die sich über vegetative Vermehrung,
Samenbildung oder generative Vermehrung (herabfallen von der Mutterpflanze) reproduzieren. Es ist eine
Kombination aus 10 bis 15 heimischen Pflanzen. Sie sollen in natürlicher Dynamik wachsen, das heißt je nach
Jahreszeit und Wetter dominiert mal die eine, mal die andere Pflanze. Dies bringt Vielfalt, sowohl für das Auge
als auch für die davon profitierenden Insekten und anderen Tiere. [3]

Im Anhang 3 ist der Beetvorschlag 13 zu finden. In dieser Tabelle sind alle notwendigen Informationen zur
Bepflanzung enthalten. Da hier die Unterpflanzung auch nicht zu hoch werden sollten, kann man die beiden
höheren Leitstauden zum Beispiel durch niedrigere Pflanzen ersetzen oder sie so pflanzen, dass sie nicht die
Sicht für die Autofahrer nehmen.

                                                                                          12
3. DORFPLATZ IN HAIN BEI DER BURGHALLE

Nicht nur die Beete in Niederdürenbach sollen erneuert werden, sondern auch ein Dorfplatz soll im Ortsteil
Hain neu angelegt werden. Im Zuge der Dorfmoderation wurden bereits zwei Skizzen zur möglichen
Neugestaltung angefertigt. Im Folgenden werden Ideen und Tipps zu einer biodiverseren Gestaltung gegeben.
Dabei beziehen wir uns auf die Skizze V1 (siehe Dokumente der Dorfmoderation). Unsere Ideen fördern unter
anderem eine Anpassung an den Klimawandel.

Abbildung 9 Übersicht Dorfplatz Ortsteil Hain

Quelle: A.Göhry

In Abbildung 10 wurde die Skizze V1 in das von uns aufgenommene Drohnenbild übertragen. Die von uns
vorgeschlagenen Landschaftselemente gleichen den in der Dorfmoderation genannten Elementen. Dabei
verweisen wir auf eine andere Anordnung und geben Tipps zur Wahl der Pflanzen.

TROCKENSTEINMAUER

Die Idee einer Bühne könnte man so umsetzen, dass diese von einer
Trockenmauer (s. Abb. 10 hellbraun) umrahmt wird. Durch die Mauer
würde mehr Lebensraum für Insekten und Pflanzen geschaffen werden.
Das hätte eine Steigerung der Biodiversität zur Folge.

Auf der Mauerkrone und in den Mauerfugen können standortangepasste
Pflanzen wie zum Beispiel der Mauerpfeffer oder die Mauerraune
eingesetzt werden. Die zusätzliche Bepflanzung bietet neben der Nahrung
für Insekten auch einen ästhetischen Aspekt. Zeitgleich mit dem Bau der
Mauer sollte auch die Bepflanzung erfolgen, da die Pflanzen nachträglich
weniger Chancen haben, genügend Halt zu finden. Weitere Ideen für
geeignete Pflanzen sind in der Tabelle: „Mauerpflanzen“ Anhang [4] zu
                                                                           Abbildung 10 Trockensteinmauer mit
finden.                                                                    Tonsteinen für Insekten

                                                                           Quelle: ???

                                                                                         13
TIPPS FÜR DEN BA U EINER TROCKENSTEINMAUER :
   • Unter der Mauer sollte eine Schicht aus Kies angelegt werden, damit das Wasser abfließen kann und
       die Mauer trocken bleibt.
   • Beim Bau sollte auf die Verwendung von Mörtel verzichtet werden, damit die Zwischenräume in der
       Mauer von Pflanzen und Tieren besiedelt werden können.
   • Senkrechte und waagerechte Fugen sollten sich nicht treffen. So verhindert man, dass Wasser tiefer
       in die Mauer eindringt.

INSEKTENHOTELS

TIPPS FÜR DEN BAU EINES INSEKTENHOTELS (S. ABB. 10 DUNKELBRAUN)
    •    Es ist wichtig, ins Querholz zu bohren, da sich im Stirnholz mit der Zeit Risse bilden würden. In diese
         Risse könnten Feuchtigkeit und Schädlinge leicht eindringen, welche Insekten fernhalten würden.
    •    Schilf und Bambus sind gute Alternativen dazu. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die
         Einfluglöcher nicht zu schafkantig sind, damit die Flügel der Insekten dadurch nicht verletzt werden.
    •    Steine dagegen sind nicht sinnvoll, da sie von den meisten Insekten nicht angenommen werden.
    •    Alternativ zu den Steinen kann auf Ton gesetzte werden. Dieser kann mit unterschiedlich großen
         Löchern versehen werden. Die Tonsteine dienen zusätzlich der Ästhetik im Insektenhotel.
    •    Die Löcher sollten nie durchgängig sein.
    •    Die Lochöffnung sollte nach Süden ausgerichtet sein, da von dort die meiste Sonne einstrahlt und die
         Behausungen so am besten erwärmt.

DORFBAUM

Im Hinblick auf den geplanten Dorfbaum (s. Abb. 10 hellgrün) würden wir von der zweiten Entwurfsskizze
durch das Planungsbüros, V2, abraten. Grund dafür ist, dass die geplante Mauer dem Baum nicht genügend
Platz geben würde. Im Laufe der Zeit würde der Baum mit seinen Wurzeln die Mauer beschädigen, ähnlich wie
auf dem Spielplatz nebenan. Deshalb sollte dem Dorfbaum stattdessen möglichst viel Platz gegeben werden.

Bei der Wahl des Dorfbaumes sollte auf eine standort- und klimawandelangepasste Sorte geachtet werden.
Klassische Dorfbäume, wie beispielsweise eine Eiche, sind hier weniger geeignet, da sie sehr anfällig für die
Folgen des Klimawandels sind. Bäume, die sich hier eignen würden, sind zum Beispiel unterschiedliche
Ahornsorten oder die Blumenesche. Weitere geeignete Arten sind im Anhang [5] in der Tabelle: „Klimawandel
angepasstes Baumsortiment“ zu finden.

In die Ecke des Spielplatzes, an der zuvor der Baum gefällt wurde, könnte man ein Zwerggehölz setzen. Eine Idee
hierfür ist die Gemeine Himbeere, Berg- Johannisbeere und die Zwerg- Birke. [3] Die Früchte der Sträucher sind
essbar und bieten so noch einen Vorteil für die Gemeinde.

Weitere Vorschläge findet man beim NABU Hamburg unter https://hamburg.nabu.de/tiere-und-
pflanzen/garten/gartentipps/05228.html sowie im Kapitel 4 „Spielplätze“.

                                                                                           14
4. SPIELPLÄTZE

Am zuvor thematisierten Dorfplatz befindet sich unter anderem ein Spielplatz. Auch Spielplätze sind Flächen,
die biodivers gestaltet werden können. Im Folgenden werden einige Ideen dazu beschrieben.

Bei den Ortsbegehungen am 26.10.21 und 12.11.21 wurden drei Spielplätze besichtigt: ein Spielplatz am
Dorfplatz, im Folgenden Spielplatz Dorfplatz, ein Spielplatz gegenüber der Feuerwehr im „Wiesenweg“, im
Folgenden Spielplatz Wiesenweg, und einer am Ende der Straße „Waldweg“, im Folgenden Spielplatz
Waldweg.

SPIELPLATZ DORFPLATZ

Der Spielplatz Dorfplatz befindet sich neben der
Burghalle im Ortsteil Hain. Hier gibt es eine
Sandfläche mit Spielgeräten, die von Rasen und
Sträuchern umrundet ist.

Für eine diversere Bepflanzung bietet es sich
an, in den jeweils gelb markierten Ecken Bäume
zu pflanzen, die zusätzlich Schatten spenden
und ein Versteck für Kinder sowie ein neuer
Lebensraum für Tiere sein können. Auch
Insekten werden die Gehölze zugutekommen.
Für eine Baumpflanzung hinter der Sitzgruppe
sollte die Sitzgruppe ein Stück in Richtung
Spielplatzmitte verschoben werden, um dem
Baum genügend Platz zu bieten (s. Abb. 11
blau). Folgende Bäume passen gut zum
beschriebenen Standort:
                                                   Abbildung 11 Spielplatz Dorfplatz

Speierling (Sorbus domestica): heimisch,           Quelle: A. Göhry
mittelgroß, rundlich gewölbte Krone, birnen- bis
apfelförmige essbare Früchte, Vogelnährgehölz, insektenfreundliche Blüte, winterhart und hitzeverträglich, vom
Aussterben bedrohte Baumart, sonnige bis halbschattige Standorte, windverträglich, Tiefwurzler [24] [30]

Spitzahorn (Acer plantanoides): heimisch, breite dichte Krone, winterhart, insektenfreundliche Blüte, sonnige bis
halbschattige Standorte, windverträglich, Herzwurzler, allergikerfreundlich [23] [31]

 Die Früchte des Speierlings können an einem Aktionstag mit der Dorfgemeinde geerntet und verarbeitet werden.
 So entwickeln die Bürger der Gemeinde Niederdürenbach eine ganz besondere Beziehung zu den Pflanzen ihrer
 Heimat.

SPIELPLATZ WIESENWEG

Der Boden des Spielplatzes Wiesenweg ist nahezu flächendeckend mit Kies bedeckt. Nahe dem Zaun des
Spielplatzes, sowie in einem Beet neben zwei Bänken, kann sich Vegetation entwickeln. Des Weiteren
befinden sich zwei Bäume auf der Fläche. Der Spielplatz ist mit zwei Schaukeln, einer Rutsche, zwei

                                                                                           15
Federwippen, einem Karussell, einer Betonröhre und den o.g. Bänken ausgestattet. Über den Bänken befindet
sich ein Dach.

                                                                                 Der Spielplatz bietet viel
                                                                                 Potential für die weitere
                                                                                 Entwicklung von Grünflächen.

                                                                                 Zum einen kann eine Hecke am
                                                                                 Zaun (innenliegend, s. Abb.12
                                                                                 hellgrün) angelegt werden. Eine
                                                                                 Hecke dient als Versteck für
                                                                                 Mensch und Tier. Hierfür eignet
                                                                                 sich beispielsweise der
                                                                                 „Gemeine Schneeball“.

Abbildung 12 Spielplatz Wiesenweg                                                Gemeiner Schneeball
                                                                                 (Viburnum opulus): heimisch,
Quelle: A. Göhry
                                                                                 anspruchslos, robust, winterhart,
Nährgehölz für Vögel und Insekten, gut verzweigter Strauch, aufrecht, dicht, kleine weiße Blüten (Mai – Juni), rote
Früchte, sonnige bis schattige Standorte, allergikerfreundlich [23] [26]

Des Weiteren kann das bereits vorhandene Beet neben den Sitzgelegenheiten verbreitert und um weitere
Pflanzen erweitert werden, sowie ein neues Beet hinzugefügt werden (s. Abb. 12 rot). Ein geeigneter Platz für
ein neues Beet befindet sich links vom Eingang am durch eine Mauer begrenzten linken Rand des Spielplatzes.
Pflanzvorschläge hierfür finden Sie im Kapitel 1 „Blumenbeete im Ort“.

 Die Beete können ebenfalls mit essbaren Pflanzen bestückt werden. Arten wie Minze (z.B. Mentha spicata), Salbei
 (z.B. Salvia officinalis), Thymian (z.B. Thymus x citriodorus) und Rosmarin (z.B. Salvia rosmarinus) sind
 bienenfreundlich und bereichern so die biologische Vielfalt auf dem Spielplatz. [28] [29] [32] Werden die Pflanzen
 entsprechend als essbar gekennzeichnet, fällt es Kindern und Erwachsenen leicht, neue Erfahrungen mit Nahrung
 aus dem Garten zu sammeln und so einen Bezug zwischen Nahrungsmitteln und unserer Natur herzustellen.

Als Schattenspender kann ein weiterer Baum gepflanzt werden (s. Abb. 12 gelb). Die bei „Spielplatz Dorfplatz“
genannten Arten (Speierling, Spitzahorn) und ihre Vorteile gelten auch hier.

DACHBEGRÜNUNG
Zusätzlich lässt sich die Vegetation des Spielplatzes durch eine Dachbegrünung des Unterstandes erweitern (s.
Abb. 12 violett). Begrünte Dächer werden in Städten auch als „beestops“ (engl. für „Haltestellen für Bienen“)
bezeichnet, da sie besonders insektenfreundlich sind und wie grüne Inseln in der Stadt wirken. [20] Es besteht
die Wahl zwischen einer extensiven oder intensiven Dachbegrünung, wobei eine intensive Dachbegrünung
zwar mehr Arbeitsaufwand durch Bewässerung bedeutet, aber dafür eine begrünte Fläche über das ganze Jahr
bietet. [21] [22] Anleitungen zur Anlage eines begrünten Daches, sowie eine Pflegeanleitung, finden Sie unter:

                                                                                             16
https://www.dachbegruenung-ratgeber.de/download

Um das begrünte Dach noch attraktiver und zugänglicher für die Dorfgemeinde zu gestalten, kann eine Leiter zur
Besichtigung der Dachoberfläche installiert werden. In unmittelbarer Nähe kann eine Infotafel mit näheren Infos
zum Aufbau, zur Funktion und den Vorteilen von begrünten Dächern aufgestellt werden. Eine Infotafel fördert das
Interesse für Umweltthemen und die persönliche Weiterbildung in ökologischen Belangen. Die entsprechenden
Zielgruppen sind dabei hauptsächlich Kinder, die schon lesen können, und Eltern, die ihre Kinder auf den Spielplatz
begleiten.

  Im Fall des Unterstandes auf dem Spielplatz Wiesenweg wird es notwendig sein, die Statik des Gebildes an die
  Last der Dachbegrünung anzupassen.

  Besonders attraktiv wird der Unterstand auch durch einen Nistkasten für Haussperlinge. Dies würde auch die
  biologische Vielfalt fördern. Mehr Infos gibt es dazu im Kapitel 6 „Gebäudebrüter – Burg Olbrück“.

  SPIELGERÄTE
  Auch im Bereich der Spielgeräte lassen sich
  mehr Grünflächen einrichten. Die Seiten der
  Betonröhre können in Form einer Rampe mit
  Erde aufgeschüttet und mit Gras besät
  werden, sodass ein Tunnel und ein
  darüberliegender Hügel entstehen (s.
  Abbildung 12 dunkelgrün, Abbildung 13
  hellgrün). Zusätzlich lassen sich
  Kletterelemente (z.B. Seile) auf dem
  aufgeschütteten Erd-Hang installieren,
  sodass sich den spielenden Kindern eine
                                              Abbildung 13 Betonröhre Spielplatz Wiesenweg
  neue Spielmöglichkeit eröffnet.
  Gegebenenfalls bietet es sich an, die       Quelle: F. Gabriel

  Betonröhre für diesen Zweck zu verrücken,
  damit ein Durchgang zwischen dem vorderen rechten Pfosten des Unterstandes und dem Erd-Hang entsteht.

  SPIELPLATZ WALDWEG

  Die Fläche dieses Spielplatzes ist
  durch einen Zaun begrenzt. Er weist
  einige Spielgeräte, darunter eine
  Schaukel sowie eine Klettereinheit,
  und eine Sitzgruppe auf. Jedoch ist
  wenig freie Fläche vorhanden.

  Eine Bepflanzung kann auf der
  Grünfläche in Hanglage unterhalb des
  Spielplatzes und in der oberen linken
  Ecke innerhalb der eingezäunten
  Fläche erfolgen (s. Abb. 14).
                                           Abbildung 14 Spielplatz Waldweg
  Der Bepflanzungsvorschlag sieht vor,
  auf der o.g. Grünfläche eine             Quelle: A. Göhry

                                                                                            17
Baumreihe (s. Abb. 14 gelb), parallel zum Zaun, anzupflanzen. Die gepflanzten Bäume können den sich auf
dem Spielplatz befindenden Personen Schatten spenden. Im Zuge der Pflanzung bietet es sich an, dass eine
Sitzgelegenheit am zu den Bäumen hinzeigenden Zaun innerhalb des Spielplatzes eingerichtet wird (s. Abb.
14 blau). Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Spielplatz, an dem Menschen sich für eine längere Zeit
aufhalten, sollte bei der Wahl der Bäume auf Allergikerfreundlichkeit geachtet werden.
Außerdem ist es möglich, zwei bis drei Sträucher in die Ecke des Spielplatzes (s. Abb. 15 orange) und einen
Strauch vor dem Eingang auf der rechten Seite zu platzieren. Falls die Bodenverhältnisse eine Pflanzung in den
Boden nicht zulassen, kann man auf große Pflanzkübel ausweichen.

Für die Baumreihe eigenen sich folgende Arten:

Rotdorn (Crataegus laevigata): Großstrauch oder Kleinbaum mit breit-kegelförmigem Wuchs, winterhart,
stadtklimafest, gefüllte Blüte, schöne Herbstfärbung, Vogelschutzgehölz, Nahrung für Insekten, sonnige bis
halbschattige Standorte, allergikerfreundlich [23] [25]

Vogelbeere (Sorbus aucuparia): heimisch, Baum oder Strauch, oft mehrstämmig, anspruchslos, Herbstfärbung in
gelb bis orangerot, Fruchtschmuck ab August in leuchtend rot, Vogelnährgehölz, Nahrung für Insekten, sonnige bis
halbschattige Standorte, windverträglich, allergikerfreundlich [23] {33]

Als Sträucher bieten sich diese Arten an:

Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus): s. Spielplatz Wiesenweg

Vogelbeere (Sorbus aucuparia): s. oben

Forsythie (Forsythia x intermedia): für Kübel geeignet, breite aufrechte Gestalt, später bogig überhängend,
winterhart, besonders reichblühend, leuchtende Herbstfärbung, sonnige bis halbschattige Standorte, kein
Rückschnitt erforderlich [27]

Zwerg-Duftflieder (Syringa meyeri): für Kübel geeignet, dicht verzweigt, rundlich, zwergiger Wuchs,
reichblühend, duftend, Nahrung für Insekten, winterhart, pflegeleicht, sonnige Standorte [34]

                                                                                           18
5. WEGRANDSTREIFEN WIRTSCHAFTSWEG

Nachdem wir die Spielplätze der Gemeinde besichtigt haben, führte unser Weg an den Ortsrand von Hain.
Dort verlaufen zahlreiche Wirtschaftswege zwischen den Feldern. Die Ränder dieser Wege sind häufig nicht
bepflanzt und leisten somit keinen Beitrag zur Biodiversität. Im Folgenden geben wir einige
Lösungsvorschläge für diese Problematik.

BLÜHSTREIFEN

Durch das Anlegen von Blühstreifen auf freien Flächen werden die Pflanzen- und Artenvielfalt gefördert.
Zur zusätzlichen Steigerung der Biodiversität werden mehrjährige Blühstreifen gegenüber einjährigen
bevorzugt. Diese haben mehrere Vorteile:

      •      Geringerer Arbeitsaufwand, da die Blühstreifen nicht jedes Frühjahr neu angelegt werden müssen.
      •      Pflanzen können im Herbst selbstständig ausblühen und samen, um im Folgejahr wieder neu zu
             wachsen.
      •      Abgestorbene Pflanzenreste bieten im Winter Schutz für Insekten und Nahrung für Vögel.
      •      Sie sind pflegeleicht und müssen nicht jedes Jahr gemäht werden.

Im Allgemeinen bietet eine Pflanzmischung einer mehrjährigen Frühjahresansaat für land- und
forstwirtschaftlicher Flächen Rückzugsraum für Vögel und spendet Pollen und Nektar. Die Samen liefern im
Winter Futter für zahlreiche Tierarten. Durch lange Blühdauer bereichern sie die oft ausgeräumte Landschaft
und leisten einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt.
Im Anhang 6 befindet sich eine Liste von Pflanzen einer mehrjährigen Frühjahresansaat, welche speziell für
den westlichen Teil von Deutschland geeignet ist. Sie enthält verschiedenen Wildblumenarten und
Kulturpflanzen und dient zur Orientierung.

Abbildung 15 Beispielfläche mehrjährige Blühstreifen Wirtschaftsweg Olbrückhalle

Quelle: F. Gabriel

Raum für einen Blühstreifen bietet beispielsweise der Wirtschaftsweg nahe der Olbrückhalle (s. Abb. 16 blau).

TRITTPFLANZENGESELLSC HAFTEN

Im Bereich von Wirtschaftswegen mit erhöhtem Verkehrsaufkommen kann es zur Beeinträchtigung der
Randstreifen kommen. Dies passiert meistens, wenn sich zwei Verkehrsteilnehmer auf einer einspurigen
Fahrbahn entgegenkommen und beim aneinander Vorbeifahren auf die Randstreifen ausweichen müssen,
oder der Weg von überbreiten landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen befahren wird. Dort wachsende Pflanzen
werden von den Fahrzeugen stark beeinträchtigt und der Untergrund wird zusätzlich verdichtet. In Bereichen
von Wirtschaftswegen, wo dies der Fall ist, sollte bei der Bepflanzung auf bestimmte Blühmischungen –

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sogenannte Trittpflanzen - zurückgegriffen werden. Im Folgenden werden Vorteile von trittfestem
Rasenersatz erläutert:

      •     Verbessern Bodenqualität
      •     Dekorativ durch Blüten
      •     Locken Bienen und Schmetterlinge an
      •     Häufig winterhart
      •     Häufig immergrün
      •     Schützen vor Unkraut
      •     Schützen vor Austrocknung
      •     Pflegeleicht – Trittpflanzengesellschaft wird sich selbst überlassen

Der Hauptvorteil von Trittpflanzengesellschaften liegt jedoch darin, dass sie temporäres Befahren oder
Begehen ohne Folgen für das Wachstum überstehen und zudem die Biodiversität dieser häufig nicht
bepflanzten Randstreifen fördern.
Im Anhang 7 werden einige Blumen und Gräser gelistet, welche sich zum Bepflanzen von Pflaster- und
Schotterflächen an Wegrandstreifen von Wirtschaftswegen mit erhöhtem Verkehrsaufkommen und Befahren
der Seitenstreifen, eignen.
Sie orientiert sich an Pflaster- und Schotterrasenmischungen, welche speziell für Nordwestdeutsches Tiefland
und angrenzende Regionen angepasst ist. Sie enthält verschiedene Blumen- und Gräserarten und dient als
Orientierung für Umsetzung in Niederdürenbach. [37]

Abbildung 16 Beispielfläche Trittpflanzengesellschaft Kreuzung Dorfstraße – Sonnenstraße

Quelle: A. Göhry

An der Kreuzung Dorfstraße – Sonnenstraße (s. Abb. 17 hellgrün) lässt sich eine Trittpflanzengesellschaft gut einrichten.

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BENJESHECKE

Benjeshecken sind linienhafte, durch Ablagerungen von Ästen
und Schnittresten und durch Samenanflug entstehende
Hecken. Sie bieten Vögeln und anderen Tieren Schutz und
Nahrung. Diese sollen durch ihren Kot und ihre
Nahrungsdepots das Aussamen von Gehölzen
beschleunigen.
Als sinnvoll erweisen sich Benjeshecken also dort, wo schnell
und kostengünstig in weiträumig, intensiv genutzter
Agrarlandschaft, Wiesenflächen, Wirtschaftswegen eine
Steigerung der Biodiversität erreicht werden soll. Das Prinzip
                                                                  Abbildung 17 Benjeshecke
besteht darin, Hecken nicht einfach neu zu pflanzen, sondern
durch Windanflug und Samen aus dem Kot rastender Tiere            Quelle: S. Buchholz, „Benjeshecke anlegen: Anleitung und
entstehen zu lassen. Dazu wird Gehölzschnitt locker in Reihen Tipps zur Begrünung“, 12. Mai 2020.
                                                                  https://www.gartentipps.com/benjeshecke-anlegen.html
oder auf Haufen aufgeschüttet. Der Vorteil dieses                 (zugegriffen 7. Januar 2022).
                                                           Anlegeverfahrens besteht in dem geringen
                                                           Kostenaufwand für das Anlegen der Hecken.
                                                           Pflanzen und Saatgut wird auf natürliche Weise
                                                           eingebracht und muss nicht gekauft werden.
                                                           Schnittreste fallen häufig als Abfall von
                                                           Gartenarbeit oder dem Zurückschneiden von
                                                           Bäumen und Sträuchern an. Das locker
                                                           aufgestapelte Material bietet zudem direkt Schutz
                                                           für Vögel, Insekten und Kleinsäugetiere. Über einen
                                                           Zeitraum von mehreren Jahren bildet sich so eine
                                                           Hecke, welche auf natürliche Weise entstanden ist
                                                             und standorttypische Pflanzen besteht. [35][36]
Abbildung 18 Schema Benjeshecke

Quelle: „Lebensraum Benjeshecke (Totholzhecke, Feldhecke)“, GartenGnom, 25.
Juli 2009. https://www.gartengnom.net/lebensraum-benjeshecke-totholzhecke-
feldhecke/ (zugegriffen 7. Januar 2022).

  •    Kostengünstiges Anlegen
  •    Sinnvolle Wiederverwertung von Schnittreste
  •    Gesteigerte Biodiversität durch Schutz für Vögel, Insekten und Kleinsäugetiere
  •    Wenig Pflegeaufwand - sie wird sich selbst überlassen

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6. GEBÄUDEBRÜTER - BURG OLBRÜCK

Über die zuvor angesprochenen Wirtschaftswege gelangt man vom Ortsteil Hain zur Burg Olbrück. Dort
werden zurzeit Instandhaltungsarbeiten von Teilen der Burgmauer durchgeführt.
Die Burgruine eignet sich in vielerlei Hinsicht sehr gut für das Anbringen von Nistmöglichkeit zur
Unterstützung von Gebäudebrütern.

WAS SIND GEBÄUDEBRÜTER?

Gebäudebrüter sind Vogelarten und Fledermäuse, die Gebäude oder Häuser als Brutplätze bevorzugen. Als
Kulturfolger sind sie dem Menschen in Siedlungen und Städte gefolgt, um dort an den „Kunstfelsen“ der
Gebäude zu brüten. Alle Gebäudebrüter sind durch den §44 im Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Somit
dürfen sie weder gestört, vertrieben, noch getötet werden. Ein Grund dafür ist, dass einige Gebäudebrüter seit
Jahren einen negativen Trend in der Bestandsentwicklung aufweisen. Die meisten der nachfolgenden
Vogelarten haben das Problem, dass ihnen der Lebensraum genommen wird, bevor sie eine Brutstelle
gefunden haben. Im Winter, wenn Zugvögel im Süden sind, werden entstandene Nester unter anderem
entfernt, da diese eher als Belastung angesehen werden. Ein Nachteil ist der Kot, der unterhalb der Nester
oder Bruthöhlen entsteht. Man kann jedoch Maßnahmen dagegen ergreifen, ohne den Tieren ihren
Lebensraum zu nehmen. Sie haben aber auch positive Eigenschaften. Schwalben ernähren sich beispielsweise
von Mücken, welche oft als Störfaktor vom Menschen wahrgenommen werden.
Nachfolgend sind Gebäudebrüterarten und Maßnahmen aufgelistet, die zu deren Unterstützung
dienen. [41][42][43]

MEHLSCHWALBE (DELICHON URBICUM)

Abbildung 20 Mehlschwalbe im Flug                         Abbildung 19 Mehlschwalbennester

Quelle: http://www.nw-ornithologen.de/images/textfiles/   Quelle: https://www.vogeltreff24.de/Nistkasten-Vogelhaus-Vogelvilla-
                                                                                                  agmaterialien/praxistipp-
mehlschwalbe-wd.pdf                                       Vogelhaeuschen-Vogelkasten/Schwegler-Nisthoehlen/Schwegler-
                                                          Mehlschwalbennest-Nr--9B-Doppelnest-Bruthilfe.html

Die Mehlschwalbe wird als gefährdet eingestuft, und ihr Bestandstrend nimmt immer weiter ab. Der
Hauptgrund hierfür ist zum einen der Insektenschwund, aber auch die illegale Zerstörung der Nester ist ein
großes Problem. Moderne Architektur und Sanierungsarbeiten machen es den Vögeln fast unmöglich, ihre
Nester zu bauen.
Die Mehlschwalbe baut beinahe geschlossene Lehmnester. Aus diesem Grund, sowie zur Nahrungssicherung
bevorzugt sie es, in Gewässernähe zu brüten. Sie kann auch durch Nisthilfen unterstützt werden.[49]

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