Return-to-Competition - Testmanual zur Beurteilung der Spielfähigkeit nach akuter Verletzung der Schulter - VBG
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
VBG-Fachwissen Return-to-Competition Testmanual zur Beurteilung der Spielfähigkeit nach akuter Verletzung der Schulter
Return-to-Competition
Testmanual zur Beurteilung der Spielfähigkeit
nach akuter Verletzung der Schulter
VBG – Ihre gesetzliche Unfallversicherung
Die VBG ist eine gesetzliche Unfallversicherung und versichert bundesweit circa
1,2 Millionen Unternehmen aus mehr als 100 Branchen – vom Architekturbüro
bis zum Zeitarbeitsunternehmen. Der Auftrag der VBG teilt sich in zwei Kernauf- Version 1.0 | August 2021
gaben: Die erste ist die Prävention von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und
arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren. Die zweite Aufgabe ist das schnelle
und kompetente Handeln im Schadensfall, um die Genesung der Versicherten
optimal zu unterstützen. Etwa 470.000 Unfälle oder Berufskrankheiten regist-
riert die VBG pro Jahr und betreut die Versicherten mit dem Ziel, dass berufliche
und soziale Teilhabe wieder möglich ist. 2.400 VBG-Mitarbeiterinnen und -Mit-
arbeiter kümmern sich an elf Standorten in Deutschland um die Anliegen ihrer
Kunden und Kundinnen. Hinzu kommen sieben Akademien, in denen die VBG-
Seminare für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz stattfinden.
Weitere Informationen: www.vbg.de
Die in dieser Publikation enthaltenen Lösungen schließen andere, mindestens
ebenso sichere Lösungen nicht aus, die auch in Regeln anderer Mitgliedstaaten
der Europäischen Union oder der Türkei oder anderer Vertragsstaaten des
Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum ihren Niederschlag ge-
funden haben können.
3Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
Inhaltsverzeichnis Vorwort
Vorwort 5
Der gesetzliche Auftrag der VBG ist die Wiederherstellung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit
1 Schulterverletzungen im bezahlten Mannschaftssport 7
unserer Versicherten mit allen geeigneten Mitteln. Eines der zentralen Ziele im bezahlten Sport ist
1.1 Epidemiologie 7 es, diesen Auftrag weiterhin mittels sozialverträglicher Beiträge zu erfüllen. Dieser Herausforde-
1.2 Ätiologie 9 rung begegnet die VBG mit einer Reihe innovativer und interdisziplinärer Maßnahmen – sowohl
aus dem Bereich der Prävention als auch der Rehabilitation.
2 Risikofaktoren für Schulterverletzungen 11
3 Klinische Befundung 12 Dazu fördert die VBG die ganzheitliche sportmedizinische Betreuung, indem sie – getreu dem
Motto „Nach dem Unfall ist vor dem Unfall“ – die Implementierung präventiver Standards und
4 Zentrale Phasen und Meilensteine im Rehabilitationsprozess 18 Maßnahmen in den Sportvereinen unterstützt. Dabei ist es das Ziel, die beteiligten Akteurinnen
und Akteure im unfallversicherten Sport, insbesondere in Situationen mit hohem Leistungs- und
5 Return-to-Activity (RTA) 21
Erwartungsdruck, zu einem verantwortungsvollen Handeln zu sensibilisieren. Kommt es zu einer
6 Return-to-Sport (RTS) 23 Verletzung, setzt sich die VBG dafür ein, dass eine Rückkehr zum Wettkampfsport nicht aus-
schließlich nach einer zeitlichen Bewertung, sondern auf der Basis von objektiven Kriterien er-
7 Return-to-Play (RTP) 24 folgt. Dies gilt insbesondere für Verletzungsschwerpunkte, wie Schulterverletzungen, die mit
7.1 Exemplarisches Aufwärmen 26 langen Ausfallzeiten und/oder einem hohen Wiederverletzungsrisiko verbunden sind.
7.2 Testkategorie Klinische Freigabe 26
7.3 Testkategorie Subjektives Empfinden 27 Mit dem Ziel, die vorhandene Expertise der im Rehabilitationsverlauf beteiligten Professionen zu
bündeln, führte die VBG ein Delphi-Konsensusverfahren „Return-to-Competition nach akuten
7.4 Testkategorie Beweglichkeit 41
Schulterverletzungen“ durch. Die Teilnehmenden setzten sich aus Forschungsgruppen, Sportwis-
7.5 Testkategorie Dynamische Schulterkontrolle 43 senschaftlern und -wissenschaftlerinnen, Ärzten und Ärztinnen, Physiotherapeuten und -therapeu-
7.6 Testkategorie Kraft 47 tinnen sowie Athletik-/Rehatrainern und -trainerinnen zusammen. An dieser Stelle möchten wir al-
7.7 Testkategorie Wurfprogramm – Return-to-Throwing 56 len Teilnehmenden für ihre Mitarbeit nochmals herzlich danken.
7.8 Zusammenfassende Beurteilung 60
Die VBG möchte Ihnen mit dieser Publikation nun die aufbereitete Zusammenfassung des Konsen-
8 Danksagung 61 susverfahrens an die Hand geben. Im Mittelpunkt steht dabei eine innovative Testbatterie, welche
9 Literaturverzeichnis 61 Sie bei der objektiven Beurteilung unterstützt, ob ein an der Schulter verletzter Spieler oder eine
verletzte Spielerin wieder uneingeschränkt ins Mannschaftstraining zurückkehren sollte.
Weitere Informationen und Medien, insbesondere zur Prävention und zur Return-to-Competition-
Thematik, finden Sie auch im Web auf der VBG-Branchenseite Sport unter www.vbg.de/sport.
Sportliche Grüße
Ihr Projektteam
Hendrik Bloch, Dr. Ines Buchholz, Dr. Jörn Moock und Katharina Schwandt
4 5Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
1 chulterverletzungen im bezahlten
S
Mannschaftssport
1.1 Epidemiologie
Schulterverletzungen stellen eine der häufigs- Fußball und Handball spielen Schulterverlet-
ten Sportverletzungen, insbesondere in wurfdo- zungen, insbesondere im Eishockey und Hand-
minanten Überkopf- und Kontaktsportarten, ball, eine wesentliche Rolle und zählen zu den
dar. Bei der Betrachtung der professionellen Top 5 der von Verletzungen betroffenen Körper-
Mannschaftssportarten Basketball, Eishockey, regionen (siehe Abbildung 1).
10,0 %
8,0 %
6,0 %
4,0 %
2,0 %
5,0 % 10,2 % 2,8 % 9,0 %
0,0 %
Basketball Eishockey Fußball Handball
Abbildung 1: Prozentualer Anteil der Schulterverletzungen in der Saison 2018/19, 1./2. Liga Männer
Der hohe Anteil an der Arbeitsunfähigkeit und und Eishockey (43,9 Prozent) jeweils den Spit-
den VBG-Leistungen verdeutlicht, dass Schul- zenplatz ein, während der größte Anteil an
terverletzungen im Eishockey (34 Prozent aller Schulterverletzungen im Handball als Distorsion
Arbeitsunfähigkeitstage und 26 Prozent aller (39,9 Prozent) einzuordnen ist. Distorsionen
Leistungen) und Handball (13,7 Prozent aller rangieren im Basketball mit rund einem Viertel
Arbeitsunfähigkeitstage und 14,2 Prozent aller aller Schulterverletzungen auf dem zweiten
Leistungen) zu den wesentlichen Verletzungs- Platz, während im Fußball und Eishockey Luxa-
Hot-Spots zählen.1 tionen mit rund 30 Prozent aller Schulterverlet-
zungen am zweithäufigsten vorkommen (siehe
Im Sportartenvergleich nehmen Kontusionen im Abbildung 2).1
Fußball (38,1 Prozent), Basketball (41,1 Prozent)
1 Klein et al. 2020a
6 7Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
1.2 Ätiologie
Im Gegensatz zu Verletzungen der unteren Ex- aus dem Fuß- und Handball.3 Im Fußball prägen
tremität (zum Beispiel Verletzungen des vorde- indirekte Kontakt-Verletzungen, insbesondere
ren Kreuzbands oder des Sprunggelenks) fin- Stürze nach einer Kollision mit dem Gegenspie-
den sich in der wissenschaftlichen Literatur ler, das Verletzungsgeschehen.4 Wiederum sind
kaum Arbeiten, die Verletzungsmechanismen im Handball direkte Kontakt-Verletzungen in
und Situationen von Schulterverletzungen im Folge von Kollisionen oder Ziehen des Gegen-
deutschen professionellen Mannschaftssport spielers überrepräsentiert (siehe Abbildung 3).5
beschreiben. Ausnahmen bilden hier Analysen
1,9 % 2,9 %
100,0 %
43,9 %
41,1 %
45,0 %
39,9 %
90,0 %
38,1 %
17,3 % 18,4 %
40,0 %
80,0 %
31,4 %
30,0 % 26,5 %
35,0 %
70,0 %
28,5 %
30,0 %
24,4 %
23,9 %
60,0 %
25,0 %
50,0 %
16,2 %
20,0 %
14,7 %
40,0 %
11,4 %
10,3 %
10,1 %
15,0 % 30,0 % 57,9 %
7,8 %
10,0 %
5,6 %
5,4 %
5,4 %
4,9 %
20,0 %
3,5 %
3,6 %
5,0 % 10,0 %
70,0 % 80,8 % 23,7 % 70,6 %
0,0 % 0,0 %
Basketball Eishockey Fußball Handball Basketball Eishockey Fußball Handball
n Non-Kontakt
Distorsion Luxation Ruptur Kontusion Zerrung n indirekter Kontakt
n Kontakt
Abbildung 2: Schulterverletzungen klassifiziert nach Verletzungsart in der Saison 2018/19, 1./2. Liga Männer Abbildung 3: Verletzungsmechanismen für Schulterverletzungen nach Sportart, Anteil der Kontakt-Verletzungen,
indirekten Kontakt- und Non-Kontakt-Verletzungen in Prozent
Auch hinsichtlich der Verletzungsschwere gibt Eishockey (45 Prozent) im Vergleich zum Fuß-
es sportartspezifische Unterschiede: So ist der ball (33 Prozent), Handball (27 Prozent) und
Anteil moderater (8–28 Ausfalltage) und Basketball (24 Prozent) am höchsten.2
schwerer (> 28 Ausfalltage) Verletzungen im 3 Klein et al. 2020b, Luig et al. 2020
4 Klein et al. 2020b
2 Klein et al. 2020a 5 Luig et al. 2020
8 9Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
Die Daten des VBG-Sportreport 2020 unterstrei- der Schulterverletzungen nicht auf ein Foulspiel 2 Risikofaktoren für Schulterverletzungen
chen ebenfalls die sportartspezifischen Beson- zurückzuführen.6 Auf Basis der semi-quantitati-
derheiten. Zwar dominieren direkte und indirek- ven Videoanalyse im Rahmen des VBG-Sportre- Risikofaktoren können zunächst in interne (auf den Sportler beziehungsweise die
te Kontakt-Verletzungen das Verletzungsgesche- port können sportarttypische Verletzungsmuster Sportlerin bezogene Faktoren) sowie externe Faktoren (auf den Sportler bezie-
hen, jedoch sind diese Kontaktsituationen nicht und -situationen für Schulterverletzungen zu- hungsweise die Sportlerin von außen einwirkende Faktoren) unterteilt werden.
zwangsläufig mit irregulären Aktionen eines Ge- sammengefasst werden (siehe Abbildung 4). Für präventive und rehabilitative Maßnahmen stehen in beiden Kategorien insbe-
genspielers assoziiert. So sind 40–73 Prozent sondere die beeinflussbaren Faktoren im Vordergrund.
Sportart Verletzungsart Mechanismus Foulspiel Ursache Bewegungs- Spielaktion
muster Risikofaktorenmodell
Basketball AC-Gelenk- Kontakt gelegentlich Kollision Gegenspieler Lauf Blockverteidi-
Sprengung, (Schulter-Schulter-Kollision) gung
AC-Gelenk-
Prellung frühere Verletzung
Erneute Teilnahme mit veränderten internen
Eishockey Schulter- Kontakt gelegentlich Checking Gegenspieler gleiten vor- Pass, Puck- Risikofaktoren aufgrund positiver und negativer
luxation, (mit Schulter oder Rumpf) wärts, skaten führung, Effekte der vorangegangenen Belastungen
AC-Gelenk- vorwärts Protection beeinflussbare Faktoren
interne Rehabilitation/
Sprengung (zum Beispiel Ausdauer, Kraft, „Fitness“
Faktoren Return-to-Play
Checking Gegenspieler abstoppen Beweglichkeit, Stabilität) positive Trainingseffekte
(mit Schulter) + Kollision Bande
„Erschöpfung“
indirekter selten Kollision mit Gegenspieler + gleiten vor- keine keine
negative Trainingseffekte
Kontakt Sturz wärts, skaten spezifische Verletzung
nicht beinflussbare Faktoren
vorwärts
(zum Beispiel Alter, Geschlecht,
Fußball Luxation, zu- indirekter immer, zu- häufig Kollision mit oder Tritt sprinten, Dribbling Körperbau)
meist Glenohu- Kontakt meist Tackling von Gegenspieler + Fall auf laufen
meralgelenk, oder Grätsche Schulter/Arm anfällige/-r
Belastungseinwirkung
AC-Gelenk von Gegen- Sportler/-in Verletzung
spieler
Einwirkung externer Gefährdungs- Auslösendes Ereignis Überbelastung,
Handball Schulter(sub)- Kontakt gelegentlich Kollision mit Gegenspieler Lauf Zwei- faktoren, zum Beispiel Verhalten Kollisionen, Stürze, Non-Kontakt-Ereig- keine Genesung
luxation, AC-Ge- (Schulter-Schulter-Kollision, kampf/1:1 von Mit- und Gegenspieler/-in, nisse (zum Beispiel Richtungswech-
lenk-Sprengung, Schulter-Rumpf-Kollision) Ausrüstung, Umweltbedingungen sel, Ausfallschritte, Landungen)
AC-Gelenk-Prel- keine Sportaus-
lung, Muskelver- häufig ziehen/festhalten durch Flugphase Wurf übung mehr
letzungen der Gegenspieler möglich
Rotatorenman- indirekter häufig Stoß Gegenspieler + Sturz Landung Wurf
schette Kontakt
Abbildung 4: Typische Verletzungsmuster für Schulterverletzungen im Basketball, Eishockey, Fußball und Handball
Abbildung 5: Risikofaktorenmodell für Sportverletzungen (übersetzt nach Windt & Gabbett 2017)7
[AC] Acromioclavicular
Für Schulterverletzungen sind Risikofaktoren gestuft werden. Mit dieser Einschränkung las-
vor allem für Überkopf- und Wurfsportarten be- sen sich zusammengefasst vier wesentliche
schrieben. Dabei stehen jedoch häufig nicht- modifizierbare Risikofaktoren für Schulterverlet-
modifizierbare Risikofaktoren im Vordergrund.8 zungen im Mannschaftssport hervorheben:9
Die Evidenz für modifizierbare Risikofaktoren • Glenohumerales Innenrotationsdefizit (GIRD)
wird in der wissenschaftlichen Literatur kontro- • Neuromuskuläre Dysbalancen der
vers diskutiert, muss aber derzeit als gering ein- Rotatorenmanschettenmuskulatur
• Skapuladyskinesie
• Hohe Belastungsanstiege
7 Windt & Gabbett 2017
6 Klein et al. 2020a 8 Asker et al. 2018
9 Cools et al. 2015, Møller et al. 2017, Tooth et al. 2020
10 11Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
Aktive Beweglichkeit
3 linische Befundung nach einer
K
Schulterverletzung
Eine indikationsspezifische und individuelle klinische Eingangsdiagnostik ist
Grundlage einer zielgerichteten Behandlung und der weiterführenden Rehabilita-
tion. Abhängig vom Erstbefund wird darüber entschieden, welche Diagnostik
auch innerhalb der Meilensteine im Rehabilitationsverlauf Bestandteil einer
Untersuchung im Sinne einer ärztlichen Freigabe sein sollte. Eine ausführliche
Anamnese bildet die Basis für die darauffolgende körperliche Untersuchung und
A) Flexion B) Abduktion C) Elevation in der Skapulaebene
grenzt die anzuwendenden Assessments im Vorfeld ein.
Im Rahmen der ausführlichen Anamnese sollte Zu Beginn der Eingangsuntersuchung sollten
zudem der Verletzungshergang besprochen und insbesondere folgende Aspekte erfasst bezie-
dokumentiert werden. Einerseits kann der zu- hungsweise überprüft werden:
grunde liegende Verletzungsmechanismus ei- • muskuläre Asymmetrien
nen ersten Hinweis auf das Ausmaß der Verlet- • Skapula- und Schulterposition
zung liefern. Auf der anderen Seite gilt es, den • Körper- und Kopfhaltung
Athleten beziehungsweise die Athletin in der • Wirbelsäulenverlauf
Hinweis
sportspezifischen Rehabilitation auf diesen • Vorwölbungen des Acromioclaviculargelenks Zur objektiven Messung der
„Worst Case“ vor einer uneingeschränkten (AC-Gelenk) und Sternoclaviculargelenks Schulterbeweglichkeit können
Rückkehr in den Wettkampf gezielt vorzube- (SC-Gelenk) D) funktionelle Außenrotation – E) funktionelle Innenrotation – auch Smartphone-Inklino-
reiten. Darüber hinaus sollten die Verletzungs- Hand in den Nacken Hand hinter den Rücken meter-Apps oder virtuelle
historie sowie aktuelle oder zurückliegende Daran können sich Untersuchungen der passi- Goniometer genutzt werden.10
Beschwerden innerhalb der kinetischen Kette ven und aktiven Beweglichkeit sowie isometri-
erfragt werden. sche Krafttests gegen den Widerstand der un-
tersuchenden Person anschließen, die im Isometrischer Widerstand
Folgenden exemplarisch dargestellt sind.
Passive Beweglichkeit
A) Abduktion/Adduktion B) A
ußenrotation/Innenrotation
A) Flexion B) Abduktion C) Außenrotation
C) Ellenbogenflexion D) Ellenbogenextension
D) Innenrotation E) Adduktion 10 Mejia-Hernandez et al. 2018
12 13Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
Block 1
Patient/-in mit Schulterbeschwerden
eingeschränkte glenohumerale glenohumerale Hypermobilität/
passive glenohumerale Beweglichkeit
Beweglichkeit Instabilität
freie passive glenohumerale
glenohumerale Mobilisation
Beweglichkeit
Block 2 skapulothorakaler Rhythmus
verminderte skapulothorakale
eingeschränkte passive
Dyskinesie ja/nein? Stabilität; eingeschränkte aktive
skapulothorakale Beweglichkeit
Beweglichkeit
Kraftaufbau und neuromuskuläres
skapulothorakale Mobilisation normaler skapulothorakaler Rhythmus Training; Faszilitation/
Bewegungswahrnehmung
Für die physiotherapeutische Praxis kann die Zu beachten ist jedoch, dass die Aussagekraft Block 3 aktive glenohumerale Zentrierung muskuläre Dysbalance
Bernese Strategy of Shoulder Rehabilitation der einzelnen Funktionstests in der klinischen
(BeSos) einen hilfreichen klinischen Algorith- Praxis überwiegend begrenzt ist. Zudem kann
mus zur Beurteilung sowie Behandlung von Pa- die Übereinstimmung und Zuverlässigkeit zwi- Kraftaufbau und neuromuskuläres
tienten oder Patientinnen mit Schulterbe- schen unterschiedlichen testenden Personen optimale glenohumerale Zentrierung Training; Faszilitation/
schwerden darstellen. Nach einer ausführlichen nur selten als ausreichend eingeschätzt wer- Bewegungswahrnehmung
Anamnese werden vier aufeinander aufbauen- den.12 Die Datenlage stellt sich zwar sehr hete-
de thematische Schwerpunkte der klinischen rogen dar, zeigt aber, dass durch Testkombina-
Schulteruntersuchung durchgeführt: tionen oftmals Sensitivität und Spezifität der
14 Glenohumerale Beweglichkeit Tests erhöht werden können. Block 4
24 Skapulafunktion
3 4 Aktive Zentrierung spezifische Tests angrenzende Gelenke Neurologie
4 4 Spezifische Tests
Rotatoren- Biceps/ Wirbel- Ellen- AC-Gelenk
In der Tabelle 1 finden Sie eine exemplarische Instabilität Neurodynamik/Neurologie
manschette SLAP säule bogen SC-Gelenk
Auflistung spezifischer Funktionstests zur
Untersuchung der Schulter.11
Abbildung 6: Der Schulteralgorithmus BeSos nach Haupt-Bertschy 201913
11 C
ools 2020, Cools et al. 2008, DVSE 2012, Doyscher & Scheibel 2013, Gismervik et al. 2017, Grim & Engelhardt 2016,
Grim & Krifter 2015, Hegedus et al. 2008, Kasten et al. 2011, Michener et al. 2009, Park et al. 2005, Scheibel & Haber-
meyer 2005
12 A
peldoorn et al. 2021, Boettcher et al. 2009, Farber et al. 2006, Hegedus et al. 2012, Mc Farland et al. 2002, Michener
et al. 2009 13 Haupt-Bertschy 2019
14 15Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
Testkategorie Test Positives Zeichen Abbildung Testkategorie Test Positives Zeichen Abbildung
Instabilität vorderer abrupte muskuläre Rotatorenmanschette Lift-Off-Test Hand kann nicht vom Körper abge-
Apprehension-Test Anspannung, Instabilitätsgefühl hoben werden
Belly-Press-Test Flexion im Handgelenk, Schulter
Jerk-Test/hinterer dorsaler Schmerz, apprehensiver wird angehoben
Apprehension-Test Schultertonus, Instabilitätsgefühl
Außenrotation Lag Sign Arm fällt in Innenrotation zurück
Jobe-Relokationstest Schmerz und Instabilitätsgefühl
lässt nach, größere Außenrotation
möglich
Full-Can-Test Schmerzen bei Widerstand
Release-Test sofortiges Wiederauftreten des
Instabilitätsgefühls
Subakromiales Jobe-Test (Empty-Can-Test) Schmerzen bei Widerstand
Schmerzsyndrom
(Zur Bestätigung eines
subakromialen Schmerz-
SLAP-Läsion O’Brien-Test Schmerzen im Glenohumeralgelenk syndroms sollten laut
bei maximaler Innenrotation, die bei Literatur 3 von 5 der auf-
Hawkins-Test Schmerzen bei forcierter
maximaler Außenrotation deutlich geführten Tests positiv
Innenrotation
geringer ausgeprägt sind oder gar ausfallen.14)
nicht auftreten, Schmerzen im AC-
Gelenk (Hinweis auf AC-Gelenk-Patho-
logie)
Crank-Test Schmerzen oder Schnappen im Neer Schmerzen bei einem forcierten
Glenohumeralgelenk Anheben des Arms über 120°
Bizepssehne Speed-Test Schmerzen beim Anspannen der External-Rotation- Schmerz oder Schwäche im
langen Bizepssehne im Sulcus Resistance-Test Seitenvergleich
(Infraspinatus-Muscle-
Strength-Test)
Biceps-Load-II-Test Schmerzen bei Ellenbogenflexion Painful arc Schmerzen zwischen 60° und 120°
gegen Widerstand
Tabelle1: Spezifische Schulterfunktionstests
14 Michener et al. 2009
16 17Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
4 entrale Phasen und Meilensteine im
Z Return-to-Sport (RTS) Return-to-Play (RTP)
Rehabilitationsprozess Return-to-Sport (RTS) bezeichnet den Übergang Return-to-Play (RTP) bezeichnet den erfolgrei-
vom allgemeinen Rehabilitationstraining (Pha- chen Übergang vom individualisierten und ein-
Im Rahmen eines vorangegangenen Konsensusprozesses zur Rückkehr in den se II) in das sportartspezifische Rehabilitations- geschränkten Mannschaftstraining (Phase IIIb)
Wettkampfsport nach einer Ruptur des vorderen Kreuzbands hat die VBG gemein- training (Phase IIIa), welches in das individuali- hin zur uneingeschränkten Teilnahme am
sam mit interdisziplinären Experten und Expertinnen zentrale Phasen und Mei- sierte und eingeschränkte Mannschaftstraining Mannschafts- beziehungsweise Wettkampftrai-
lensteine im Rehabilitationsprozess nach einer Verletzung definiert und veröf- (Phase IIIb) übergeht. ning (Phase IV).
fentlicht (siehe Abbildungen 7 und 8).15
Aufbauend auf der zurückliegenden Rehabilita- Dieser Zeitpunkt entspricht im bezahlten Sport
tionsphase sollte die Testperson zum RTS-Mei- dem Ende der Arbeitsunfähigkeit. Hier ist eine
lenstein bereits grundlegende subjektive und interdisziplinäre Entscheidungsfindung auf der
PRE Verlet- RTA RTS RTP RTC objektive Anforderungen erfüllen können. Im Basis einer umfassenden Testroutine zu emp-
zung Sinne einer Belastungserprobung werden die fehlen. Das bedeutet, dass letztlich der verant-
Trainingsinhalte sportartspezifischer und fin- wortliche Arzt oder die verantwortliche Ärztin
allgemeine den bereits zunehmend wieder auf dem Spiel- vor dem Hintergrund der vorliegenden klini-
allgemeine Rehabilitation feld statt, um die Testpersonen an die tatsächli- schen, funktionellen, sportmotorischen und
Rehabilitation chen Belastungen heranzuführen. Ein progres- psychologischen Informationen und nach Kon-
unverletzte Athletin
unverletzter Athlet/
allgemeine uneingeschränktes siver Belastungsaufbau unter Anleitung eines sultation der anderen am Rehabilitationspro-
Rehabilitation individualisiertes,
Mannschafts-
Versorgung
eingeschränktes Athletik- oder Rehatrainers beziehungsweise zess beteiligten Disziplinen (Therapeutin bezie-
klinische
Mannschafts- training –
training Wettkampftraining einer solchen Trainerin oder eines Physiothera- hungsweise Therapeut, Athletik- und
sportspezifische
Rehabilitation peuten beziehungsweise einer Physiothera- Rehatrainer beziehungsweise -trainerin, Sport-
sport- peutin ist hier unabdingbar. Zu beachten ist, psychologin beziehungsweise Sportpsycholo-
spezifische ob die sportartspezifischen Übungen von den ge) über die Spielfähigkeit entscheiden muss.
Rehabilitation
Physiotherapie Testpersonen koordiniert ausgeführt werden
Physiotherapie
Physiotherapie können und von der geschädigten Struktur
toleriert werden, ohne dass Symptome, wie Return-to-Competition (RTC)
0 I II IIIa IIIb IV
Schwellungen oder Schmerzen, auftreten. In
der Phase des eingeschränkten Mannschafts- Return-to-Competition (RTC) beschreibt zum ei-
Sportfähigkeit trainings wird noch bewusst auf Körperkontakt nen den gesamten Reintegrationsprozess vom
verzichtet und die Testperson nimmt nur teilwei- Zeitpunkt der Verletzung bis zum ersten Wett-
PRE = Pre-Injury-Screening, RTA = Return-to-Activity, RTS = Return-to-Sport, se oder modifiziert (zum Beispiel durch beson- kampfeinsatz in der jeweiligen Zielsportart und
RTP = Return-to-Play, RTC = Return-to-Competition dere Kennzeichnung der Testperson) am Mann- stellt zugleich den finalen Meilenstein des ers-
schaftstraining teil. ten Wettkampfeinsatzes nach der Verletzung
Abbildung 7: Phasen und Meilensteine im Rehabilitationsprozess16 dar. Ob, wann und in welchem Umfang der
Spieler oder die Spielerin nach positiver Return-
to-Play-Entscheidung wieder im Wettkampf ein-
Pre-Injury-Screening (PRE) Return-to-Activity (RTA) gesetzt wird, entscheidet in der Regel der Trai-
ner oder die Trainerin. Eine Abstimmung mit
Eine prospektive Datenerfassung im Sinne ei- Unter dem Meilenstein Return-to-Activity (RTA) dem medizinischen und therapeutischen Be-
nes Pre-Injury-Screenings liefert neben leis- ist der Übergang von der klinischen Versorgung treuungsstab sowie den Testpersonen selbst ist
tungsdiagnostischen Erkenntnissen für die Trai- (Phase I) in das allgemeine Rehabilitationstrai- ausdrücklich zu empfehlen.
ningsplanung („performance baseline“) ning (Phase II) zu verstehen. Anhand einer klini-
wichtige Referenzwerte der unverletzten Test- schen Untersuchung wird entschieden, ob die
person vor einer Verletzung. Durch ein regelmä- Testperson mit dem allgemeinen Rehabilitati-
ßiges Screening gesunder Testpersonen lassen onstraining beginnen kann. Dessen Fokus rich-
sich individualisierte Präventivmaßnahmen ab- tet sich zunächst auf die Wiedererlangung von
leiten. Im Verletzungsfall dienen die individuel- Beweglichkeit und Stabilität zur kontrollierten
len Referenzwerte als Orientierung für den Re- Ausübung grundlegender Bewegungsmuster.
habilitationsverlauf.
15 VBG 2015, Bloch et al. 2017, Bloch et al. 2018
16 VBG 2015
18 19Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
5 Return-to-Activity (RTA)
Im allgemeinen Rehabilitationstraining steht vor allem die Wiederherstellung der
freien Schulterbeweglichkeit, Belastbarkeit und Stabilität im Vordergrund.17
Mit dem Ziel der Verlaufskontrolle im Rehabili- Beighton-Score, sollten nicht als alleiniges Kri-
tationsprozess sollte bereits zum RTA-Meilen- terium zur Bewertung der Laxität herangezogen
stein die Schulterbeweglichkeit überprüft wer- werden.19
den, das heißt, es werden insbesondere Ante-
version, Innen- und Außenrotation (Total Range Zum RTA-Meilenstein, spätestens aber in der
of Motion (TROM)) sowie Abduktion beurteilt. Phase des allgemeinen Rehabilitationstrainings,
Für die Überprüfung, ob eine Schulterlaxität vor- sollten behandlungsbedürftige Bewegungsein-
liegt, werden in der Literatur verschiedene Ver- schränkungen der Halswirbelsäule (zum Beispiel
fahren beschrieben, die die Verschiebbarkeit Cervical Flexion-Rotation-Test (CFRT)) oder der
des Humeruskopfes im Verhältnis zur Gelenk- Brustwirbelsäule (zum Beispiel Beurteilung einer
pfanne beurteilen. Hierzu zählen insbesondere Kyphose) ausgeschlossen beziehungsweise ent-
der vordere und hintere Schubladentest, der sprechend behandelt werden.
Sulcustest, der Load-and-Shift-Test und der Hy-
perabduktionstest.18 Bei allen Laxitätsuntersu- Eine Unterstützung im klinischen Entschei-
chungen ist darauf zu achten, dass die Testper- dungsfindungsprozess kann beispielhaft das in
son die Schultermuskulatur soweit wie möglich Abbildung 9 dargestellte Shoulder Symptom
entspannt. Generelle beziehungsweise gelenk- Modification Procedure (SSMP) darstellen.20
übergreifende Scores, wie beispielsweise der
Pre-Injury-Screening = Referenzdatenerhebung für die Rehabilitation, Assessment Prozess
PRE zum Beispiel im Rahmen der Leistungsdiagnostik Klinische Basisuntersuchung Provokationstests Symptomlindernde Tests
• Aktive Beweglichkeit • Orthopädische Tests • Glenohumeral
• Passive Beweglichkeit • Neurodynamische Tests • Skapula
• Palpation • Halswirbelsäule
• Neurologische Tests • Brustwirbelsäule
• Krafttests • ...
Return-to-Activity = Übergang von der klinischen Versorgung (Phase I)
in das allgemeine Rehabilitationstraining (Phase II) Shoulder Symptom Modification Procedure (SSMP)
RTA
andere Schwerpunkte
Humeruskopf
Skapula Halswirbelsäule Brustwirbelsäule innerhalb der kine-
Return-to-Sport = Übergang vom allgemeinen Rehabilitationstraining (Phase II) (glenohumeral)
matischen Kette
in das sportartspezifische Rehabilitationstraining (Phase IIIa)
RTS
Verände- nicht Verände- nicht Verände- nicht Verände- nicht Verände- nicht
Return-to-Play = Übergang vom eingeschränkten Mannschaftstraining
rung NRS* 100 % rung NRS* 100 % rung NRS* 100 % rung NRS* 100 % rung NRS* 100 %
(Phase IIIb) zur uneingeschränkten Teilnahme am Mannschafts- beziehungs-
RTP weise Wettkampftraining (Phase IV) = Ende der Arbeitsunfähigkeit
Behandlung Behandlung Behandlung Behandlung Behandlung
Return-to-Competition = Gesamtprozess bis zum ersten Wettkampfeinsatz Abbildung 9: Shoulder Symptom Modification Procedure (übersetzt nach Cools 2020)
RTC * Veränderung des Schmerzempfindens auf der numerischen Ratingskala (NRS) in Prozent
17 Cools 2020, Keller & Kurz 2017
18 Thomas et al. 2006
Abbildung 8: Definition zentraler Meilensteine im Rehabilitationsprozess 19 Whitehead et al. 2018
20 Cools 2020
20 21Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
Hierbei wird für verschiedene Schwerpunkte in- Instability Index (WOSI) (siehe Seite 28).
nerhalb der kinetischen Kette nach folgendem
Prinzip vorgegangen: Um in der ersten Rehabilitationsphase das Trai-
a) Definition der Position oder Bewegung, die ning und die Therapie optimal zu steuern, die
entsprechend der klinischen Untersuchung Belastungen zu dosieren sowie den Rehabili-
die Symptome hervorruft tationsverlauf anhand objektiver Messdaten zu
b) Manualtherapeutische Korrektur der mögli- dokumentieren, kann der Return-to-Activity-Al-
chen Ursache gorithmus für die obere Extremität herangezo-
c) Beobachtung möglicher Veränderungen im gen werden.1 Er bietet die Möglichkeit, die
Hinblick auf die Symptome Schulterbeweglichkeit und die Belastbarkeit an-
hand funktioneller Tests zu überprüfen. Der Al-
Für den RTA-Meilenstein wird zudem der Einsatz gorithmus setzt sich aus vier progressiv aufein-
indikations- beziehungsweise verletzungsspe- ander aufbauenden Leveln zusammen (siehe
zifischer Fragebögen zur Erfassung des subjek- Abbildung 10) und unterstützt Therapeutinnen
tiven Empfindens der Testperson empfohlen. und Therapeuten dabei, die Testperson stufen-
Dazu zählen zum Beispiel der Quick-Disabilities weise auf die Rückkehr zu sportspezifischen
of the Arm, Shoulder and Hand (QuickDASH)- Anforderungen vorzubereiten.
Fragebogen sowie der Western Ontario Shoulder
6 Return-to-Sport (RTS)
Return-To-Activity-Algorithmus (RTAA®) obere Extremität
LEVEL IV Der RTS-Meilenstein stellt den Übergang ins sportspezifische Rehabilitations-
IRO in 90° training dar. Neben der obligaten klinischen Freigabe zur sportspezifischeren
Abduktion
Belastung sollte auch das subjektive Empfinden der Patientin beziehungsweise
LEVEL III Wall-Hop-Test
des Patienten im sportlichen Kontext erfasst werden. Eine gute Orientierung geben
ARO in 90°
Abduktion
die in Kapitel 7.2 und 7.3 aufgeführten Assessments. Es empfiehlt sich, sowohl zum
LEVEL II Y-Balance-Test RTS- als auch zum RTP-Meilenstein auf die gleichen Fragebögen zurückzugreifen,
180° Anteversion um Rückschlüsse auf den Verlauf innerhalb der Rehabilitation ziehen zu können.
Frontstütz-Test
LEVEL I einarmig Gleiches gilt für die Überprüfung der Schulterbe- Die Schulterkontrolle wird in der vorherigen Re-
90° Anteversion weglichkeit. Auch hier sollte im Sinne der Ver- habilitationsphase bereits in den Leveln des
Frontstütz-Test laufsdokumentation mindestens die Total Range RTA-Algorithmus überprüft. Die Anforderungen
beidarmig of Motion erfasst werden (siehe Seite 42). werden dabei von der statischen bis hin zur dy-
namischen Belastung gesteigert. Wird der Algo-
Die isometrische Krafttestung der Rotatoren- rithmus nicht angewendet, so empfiehlt es sich
manschettenmuskulatur im Rahmen der RTS- dennoch, einen Test zur Beurteilung der stati-
Testung gibt bereits einen ersten Hinweis auf schen und dynamischen Schulterkontrolle zum
die Toleranz gegenüber schulterrelevanten RTS-Meilenstein durchzuführen. Die höchsten
sportartspezifischen Anforderungen, deren An- Übereinstimmungswerte im Konsensusverfah-
teil sich in der anschließenden Rehabilitations- ren wurden diesbezüglich für den Y-Balance-
phase zunehmend erhöht. Mit Blick auf diese Test für die obere Extremität, Liegestütze mit
Abbildung 10: Return-to-Activity-Algorithmus obere Extremität nach Keller & Kurz 201721 Anforderungen sollte auch die Beurteilung der Klatschen der Hände (Push-up Claps) sowie den
Bewegungsqualität der sportartspezifischen dynamischen Schulterstabilitätstest (Closed-
Bewegungsabläufe elementarer Bestandteil Kinetic-Chain-Upper-Extremity-Stability-Test)
dieser Rehabilitationsphase sein.22 (siehe Seite 43) erzielt.
21 Keller & Kurz 2017 22 Popchak et al. 2017, Wilk et al. 2020
22 23Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
Klinische Freigabe
Indikationsspezifische Untersuchung
Subjektives Empfinden der Testperson
• P
sychological Readiness of Injured Athlete to Return to Sport
(PRIA-RS)-Fragebogen und/oder
• I njury-Psychological Readiness to Return to Sport (I-PRRS)-
Skala und/oder
• Shoulder Instability‑Return to Sport after Injury (SIRSI)-Skala
Beweglichkeit
Innen- und Außenrotation (Total Range of Motion (TROM))
7 Return-to-Play (RTP)
Dynamische Schulterkontrolle
Bei der folgenden Testbatterie handelt es sich um eine abschließende Entschei-
dungshilfe zur Beurteilung der Fähigkeit der Testperson, wieder uneingeschränkt
am Wettkampftraining (Return-to-Play-Meilenstein) teilnehmen zu können.
Closed-Kinetic-Chain-Upper -Extremity-Stability-Test (CKCUEST)
Die Ergebnisse der Diagnostik sollen als Diskus- Die schematische Darstellung der Testbatterie
sionsgrundlage für einen interdisziplinären stellt den zeitlichen Ablauf der durchzuführen- Kraft
Austausch der im Rehabilitationsprozess betei- den Testkategorien dar. Innerhalb jeder Testka-
ligten Professionen dienen. Sie sind jedoch tegorie wird ein Mindeststandard beschrieben.
kein Ersatz für die Durchführung vorangestellter Zur besseren Einordnung der Testergebnisse
Testverfahren zur optimalen Steuerung des Re- werden für jeden Test Cut-Off-Werte und/oder • Isometrische Außenrotation (AR)
habilitationsprozesses. Treten während der Tes- Orientierungswerte aus der Fachliteratur aufge- • Isometrische Innenrotation (IR)
tung Beschwerden auf, ist dies als Abbruchkri- führt. Sie helfen dabei, eine bessere Einschät- • Exzentrische Außenrotation (EXZ)
terium zu werten. zung über das Leistungsvermögen der verletz- • Isometrische Abduktion (ABD)
ten Testperson abzugeben, ohne jedoch eine
prädiktive Aussagekraft hinsichtlich des Auftre-
tens einer erneuten Verletzung zu beanspru- Sportartspezifik Wurfsportarten
chen.
Info Wurfprogramm Return-to-Throwing
Vor der Testung sollte die Händigkeit
der Testperson abgefragt werden. Als
dominante Hand gilt die Hand, mit der
die Testperson bevorzugt einen Ball
wirft. Abbildung 11: Multifaktorielle Testbatterie zum Return-to-Play-Meilenstein nach akuter Schulterverletzung
24 25Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
7.1 Exemplarisches Aufwärmen
Beurteilung des skapulothorakalen Rhythmus
Vor der Durchführung der Testbatterie ist auf ein • Aktivierung des kardiovaskulären Systems
angemessenes Aufwärmen der Testperson zu ach- • Übungen zur Mobilisierung des Schulterge- Schulterblatt ist während der ersten 30 bis 60 Grad von skapulohumeraler
ten. Treten bereits beim Aufwärmen Beschwerden lenks und Aktivierung der Schultermuskulatur Normaler skapulothorakaler Rhythmus: Elevation stabiler mit minimaler Bewegung, dreht sich bei der Elevation
auf, gilt dies als Abbruchkriterium und die Testbat- • Übungen mit einem Widerstandsband mit kontinuierlich nach oben und wieder gleichmäßig und kontinuierlich nach
terie sollte nicht durchgeführt werden. dem Fokus auf Abduktion, Flexion, Innen- und unten. Es gibt kein Abkippen der Skapula.
Außenrotation
Ein Aufwärmprogramm sollte mit Blick auf die • Übungen zur Rumpfstabilisation Es zeigen sich eine oder beide der folgenden Bewegungsstörungen:
Anforderungen der Testbatterie folgende Ele- • Wurfübungen (bei Durchführung des Skapuladyskinesie: • Rhythmusstörungen: Es tritt eine vorzeitige oder übermäßige Elevation oder
mente beinhalten: Wurfprogramms) Protraktion der Skapula oder eine ungleichmäßige Bewegung während der
Elevation oder beim Herabsenken des Armes in Richtung Neutralstellung auf.
Exemplarische Aufwärmübungen finden Sie in den VBG-Trainingsübungen: • Winging: Der mediale Rand und/oder der untere Winkel des Schulterblatts
sind posterior vom posterioren Thorax weg verschoben.
Jede Testbewegung (Flexion und Abduktion) wird bewertet als:
Bewertungsskala: a. Normale Bewegung: Keine Anzeichen einer Anomalie
b. Subtile Anomalie: leichte oder fragwürdige Anzeichen einer Anomalie, die
nicht durchgehend vorliegen
c. Offensichtliche Anomalie: auffällige, deutlich erkennbare Anomalie bei
mindestens drei von fünf Wiederholungen
Die endgültige Bewertung basiert auf den kombinierten Flexions- und
Abduktionstestbewegungen.
• Normal: Beide Testbewegungen werden als normal oder eine Bewegung als
7.2 Testkategorie Klinische Freigabe normal und die andere als subtil abnormal eingestuft.
• Subtile Anomalie: Sowohl die Flexion als auch die Abduktion weisen subti-
Schmerzfreiheit ist die grundsätzliche Voraus- (kein Schmerz) bis 10 (schlimmster vorstellba- le Anomalien auf.
setzung für die Teilnahme an einer Return-to- rer Schmerz) erfasst. Alternativ kann auch die • Offensichtliche Anomalie: Entweder Flexion oder Abduktion wird als offen-
Play-Testung. Das Schmerzempfinden sollte be- klassische visuelle Analogskala verwendet wer- sichtliche Anomalie eingestuft.
reits im Rehabilitationsverlauf regelmäßig den, die das Schmerzempfinden auf einer 10
erfasst und dokumentiert werden, um die Zentimeter langen Skala ohne Maßeinteilungen Abbildung 13: Beurteilung des skapulothorakalen Rhythmus, übersetzt nach McClure 200925
Reha-/Trainingsinhalte progressiv und zielge- erfasst. Der Einsatz der NRS erscheint in der An-
richtet aufeinander aufbauen zu können. Hier- wendung jedoch praxistauglicher, da hier direkt
für eignet sich die numerische Ratingskala ein Wert abgelesen werden kann.23 7.3 Testkategorie Subjektives Empfinden
(NRS), die Schmerzen auf einer Skala von 0
Warum diese Testkategorie? Welche Tests sollten mindestens durch-
geführt werden?
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Psychische Faktoren können das Verletzungs-
kein Schmerz schlimmster kein Schmerz schlimmster und Wiederverletzungsrisiko beeinflussen.26 Readiness:
vorstellbarer vorstellbarer Eine multifaktorielle Return-to-Play-Entschei- • Psychological Readiness of Injured Athlete to
Schmerz Schmerz dung sollte die subjektive Einschätzung der Return to Sport (PRIA-RS)-Fragebogen und/
A B Schulterfunktion und die Bereitschaft der Sport- oder
ler und Sportlerinnen, in den Sport zurückzu- • Injury-Psychological Readiness to Return to
Abbildung 12: Visuelle Analogskala (A) und numerische Ratingskala (B) kehren, berücksichtigen.27 Sport (I-PRRS)-Skala und/oder
• Shoulder Instability‑Return to Sport after
Anhand der indikationsspezifischen und indivi- Play-Testung berücksichtigt werden sollten. In der Empfohlen wird die Nutzung eines Fragebogens, Injury (SIRSI)-Skala
duellen klinischen Eingangsdiagnostik sowie Literatur wird grundsätzlich die Beurteilung des der das Sich-bereit-Fühlen („psychologische
der Erkenntnisse aus den vorangegangenen As- skapulothorakalen Rhythmus nach McClure Readiness“) des Sportlers beziehungsweise der
sessments zum RTA- und RTS-Meilenstein wird (2009) bei Ausübung bilateraler Schulterflexion Sportlerin zur Rückkehr in den Sport erfasst.28
festgelegt, welche klinischen Untersuchungen und -abduktion empfohlen (siehe Abbildung 13).24
für die ärztliche Freigabe zu einer Return-to- 25 Gokeler et al. 2015a, McClure et al. 2009
26 Junge 2020
23 Hilfiker 2010, Johnson 2005 27 Cools et al. 2020, Michener et al. 2018, Wilk et al. 2020
24 Gokeler et al. 2015a, Gokeler et al. 2015b, McClure et al. 2009 28 Fanning et al. 2020
26 27Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
Die I-PRRS-Skala sollte nicht als alleiniges Materialbedarf
Assessment zum subjektiven Empfinden ge- Fragebogen, Schreibmaterial Anleitung für den Patienten oder die Patientin
nutzt werden, da sie ausschließlich die Zuver-
sicht der Sportler und Sportlerinnen erfragt, Durchführung Die folgenden Fragen beziehen sich auf körperliche Symptome, die aufgrund Ihrer Schulterproblematik aufgetreten
während der PRIA-RS und die SIRSI-Skala meh- Die Fragen in allen vier Subskalen beziehen sind. Geben Sie für alle Fragen die Stärke Ihrer Symptome in der vergangenen Woche an. Bitte markieren Sie die je-
rere Dimensionen erfassen. sich auf die körperlichen Symptome, die auf- weils zutreffende Antwort auf der Skala von 0 bis 10.
grund der Schulterproblematik auftreten. Die
Darüber hinaus ist es sinnvoll, indikations-/ver- Sportler und Sportlerinnen sollen für alle Fragen Abschnitt A: Körperliche Symptome
letzungsspezifische Fragebögen, die bereits zu die Stärke ihrer Symptome in der vergangenen
vorangestellten Meilensteinen eingesetzt wur- Woche angeben und die jeweils zutreffende 1. Wie stark ist der Schulterschmerz in Ihrer betroffenen Schulter bei Aktivitäten über dem Kopf?
den, zur Verlaufskontrolle heranzuziehen: Antwort auf der Skala von 0 bis 10 markieren.
• Quick-Disabilities of the Arm, Shoulder and keine Schmerzen 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extreme Schmerzen
Hand (QuickDASH)-Fragebogen Messung
• Western Ontario Shoulder Instability Index Die Punktzahl reicht für jedes Item jeweils von 2. Wieviel stechende und/oder pochende Schmerzen verspüren Sie in der betroffenen Schulter?
(WOSI) 0 („gar keine Symptome/volle Funktion“) bis
10 („extreme Symptome/keine Funktion“). extremes Stechen/
kein Stechen/Pochen 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Die Punkte werden addiert, sodass die bei Pochen
7.3.1 Western Ontario Shoulder 21 Items maximal zu erreichende Punktzahl
3. Wie groß empfinden Sie die Schwäche oder den Mangel an Kraft in Ihrer betroffenen Schulter?
Instability Index (WOSI) 210 Punkte beträgt. Wird diese Maximalpunkt-
zahl mit 10 multipliziert, ergibt sich der in der
Einleitung Originalversion vorgegebene Maximalwert von keine Schwäche 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extreme Schwäche
Der WOSI richtet sich primär an Sportler und 2.100. Die Werte fehlender Items werden durch
Sportlerinnen mit einer Schulterinstabilität. Mit das arithmetische Mittel der ausgefüllten 4. Wie stark empfinden Sie die Ermüdung oder den Mangel an Ausdauer in Ihrer betroffenen Schulter?
Hilfe des Fragebogens werden Schulterbe- Items ersetzt. Um einen validen Gesamtscore
schwerden anhand der körperlichen Symptome, zu erhalten, müssen mindestens zwei Drittel keine Ermüdung 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extreme Ermüdung
der Funktionalität und den Einschränkungen bei (67 Prozent) aller Items beantwortet werden.
Aktivitäten des täglichen Lebens (Sport, Frei- Neben der Angabe der Punktzahl als Rohwert
5. Wie stark klickt, schnappt oder knackt es in ihrer betroffenen Schulter?
zeit, Arbeit) bewertet. kann das Ergebnis auch in einen Prozentwert
transformiert werden, wobei 0 Punkte bezie-
Der WOSI besteht aus vier Subskalen mit ins- hungsweise 100 Prozent „gar keine Symptome/ gar nicht 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extrem
gesamt 21 Items (zehn Items für körperliche volle Funktion“ und 2.100 Punkte beziehungs-
Symptome, vier Items für Arbeit/Sport/Freizeit- weise 0 Prozent „extreme Symptome/keine 6. Wie steif empfinden Sie Ihre Schulter?
aktivitäten, vier Items für Lebensgewohnhei- Funktion“ bedeuten.
ten, drei Items für Empfinden). Im Rahmen der nicht steif 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extrem steif
Übersetzung und transkulturellen Anpassung Beurteilung und Orientierungswerte
für den deutschsprachigen Raum wurde die Je höher der Gesamtscore, desto schlechter ist
7. Wie stark sind die Beschwerden im Bereich der Nackenmuskulatur aufgrund Ihrer Schulterproblematik?
100 Millimeter visuelle Analogskala in eine nu- das Ergebnis zu werten. Um zwischen Unver-
merische Elf-Punkte-Skala (0–10) umgewandelt. letzten und Spielern sowie Spielerinnen mit ei-
ner Überlastungsverletzung der Schulter zu un- keine Beschwerden 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extreme Beschwerden
Psychometrische Eigenschaften terscheiden, wird in der Literatur bezogen auf
Die in die deutsche Sprache übersetzte und den Rohwert ein Cut-off-Wert von ≤ 20 Prozent 8. Wie stark ist das Instabilitätsgefühl in Ihrer Schulter?
transkulturell angepasste Version des WOSI des maximalen Gesamtscores, das heißt ≤ 420
zeigt in der Beurteilung der Fragebogenver- Punkte, beschrieben. Bezogen auf den Prozent- extremes
kein Instabilitätsgefühl 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
ständlichkeit, Homogenität, Reliabilität und wert sollte somit ein Wert ≥ 80 Prozent erreicht Instabilitätsgefühl
Validität gute Ergebnisse und stellt somit ein werden.
9. Wie stark müssen Sie andere Muskeln benutzen, um Ihre eingeschränkte Schulterfunktion auszugleichen?
geeignetes Messinstrument zur Selbstbeurtei-
lung der Schulterinstabilität dar. Die Test-
Retest-Reliabilität ist mit einem Intraklassen- gar nicht 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extrem
Korrelationskoeffizienten (ICC) von 0,87 im
Gesamtscore und einem ICC von 0,73 (Sport, 10. Wie groß ist der Verlust des Bewegungsumfanges in Ihrer Schulter?
Freizeit und Arbeit), 0,81 (Empfinden), 0,82
(körperliche Symptome) und 0,90 (Lebensge- kein Verlust 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extremer Verlust
wohnheiten) in den Subscores hoch.
28 29Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
Anleitung für die Testperson Anleitung für die Testperson
Der folgende Abschnitt bezieht sich darauf, wie Ihre Schulterproblematik Ihre Arbeit, Sport- oder Freizeit- Die folgenden Fragen beziehen sich auf Ihr Empfinden in der vergangenen Woche mit Bezug auf Ihre Schulter-
aktivitäten in der vergangenen Woche beeinflusst hat. Bitte markieren Sie die Antwort für jede Frage auf problematik. Bitte markieren Sie die entsprechende Antwort auf der Skala von 0 bis 10.
der Skala von 0 bis 10.
Abschnitt B: Sport/Freizeit/Arbeit Abschnitt D: Empfinden
11. Wie stark hat Sie Ihre Schulter behindert, Sport oder andere Freizeitaktivitäten zu betreiben? 19. Wie bewusst ist Ihnen Ihre Schulterproblematik?
keine Behinderung 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extreme Behinderung nicht bewusst 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extrem bewusst
12. Wie stark hat Ihre Schulterproblematik spezielle Tätigkeiten in Ihrem Sport und/oder Ihrer Arbeit beein-
20. Wie besorgt sind Sie, dass sich Ihre Schulter verschlechtern könnte?
flusst? (Wenn Ihre Schulter beide Bereiche, Sport und Arbeit, betrifft, beziehen Sie sich bitte auf den am
meisten betroffenen Bereich.)
nicht besorgt 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extrem besorgt
gar nicht 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extrem stark
21. Wie groß ist Ihre Frustration aufgrund ihrer Schulterproblematik?
13. Wie groß ist der Drang, Ihren Arm während einer Aktivität zu schützen?
keine Frustration 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extreme Frustration
nicht vorhanden 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extrem stark
14. Wie schwer fällt es Ihnen, aufgrund Ihrer Schulterproblematik schwere Gegenstände bis auf Schulterhöhe
Abbildung 14: Western Ontario Shoulder Instability Index nach Drerup et al. 201029
zu heben?
keine Probleme 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extreme Probleme
7.3.2 Q
uick-Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand
(QuickDASH)-Fragebogen
Einleitung
Der Fragebogen beschäftigt sich sowohl mit den wird für Symptome mit 34 Prozent, für Funktio-
Anleitung für den Patienten oder die Patientin Beschwerden der Schulter, des Arms oder der nen mit 52 Prozent und für den Gesamtscore mit
Hand als auch mit den Fähigkeiten, bestimmte 54 Prozent beziffert.
Der folgende Abschnitt bezieht sich darauf, wie sehr Ihre Schulter Ihre Lebensgewohnheiten beeinflusst. Tätigkeiten auszuführen. Der QuickDASH ist die
Bitte markieren Sie wieder die entsprechende Antwort für die vergangene Woche auf der Skala von 0 bis 10. 11 Items umfassende Kurzform des DASH-Frage- Materialbedarf
bogens. Zwischen beiden Fragebögen besteht Fragebogen, Schreibmaterial
eine hohe Korrelation (r > 0.97), was für eine
Abschnitt C: Lebensgewohnheiten
hohe Übereinstimmung der erfassten Inhalte Durchführung
15. Wie groß ist die Angst, auf Ihre betroffene Schulter zu fallen? spricht. Der QuickDASH evaluiert Symptome Die Instruktion des QuickDASH lautet:
(drei Items) und funktionelle Einschränkungen „Bitte beantworten Sie alle Fragen gemäß Ihrem
nicht vorhanden 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extrem groß (acht Items) bei Verletzungen der oberen Extre- Zustand in der vergangenen Woche, indem Sie
mitäten. Darüber hinaus stehen ein optionales einfach die entsprechende Zahl ankreuzen.
16. Wie schwierig ist es für Sie, aufgrund Ihrer Schulterprobleme Ihre gewünschte Fitness beizubehalten? Sport- und Musik- sowie ein Arbeits- und Be- Wenn Sie in der vergangenen Woche keine Gele-
rufs-Modul zur Verfügung. genheit gehabt haben, eine der aufgeführten Tä-
nicht schwer 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extrem schwer tigkeiten durchzuführen, wählen Sie die Antwort
Psychometrische Eigenschaften aus, die Ihrer Meinung nach am ehesten zutref-
17. Wie stark ist Ihr Freizeitvergnügen mit Familie und Freunden eingeschränkt? Für den QuickDASH werden in der Literatur gute fen würde.
Messeigenschaften beschrieben. Die Test-Re-
nicht eingeschränkt 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extrem eingeschränkt test-Reliabilität ist mit einem ICC von 0,93 im Es ist nicht entscheidend, mit welchem Arm
Gesamtscore als hoch einzustufen. Die Sensiti- oder welcher Hand Sie diese Tätigkeiten aus-
18. Wie stark beeinträchtigt die Schulter Ihren Schlaf? vität wird für Symptome mit 77 Prozent, für üben. Antworten Sie Ihrer Fähigkeit entspre-
Funktionen mit 73 Prozent und für den Gesamt- chend, ungeachtet, wie Sie die Aufgaben durch-
gar nicht 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 extrem stark score mit 70 Prozent angegeben. Die Spezifität führen konnten.“30
29 Drerup et al. 2010
30 Germann et al. 2006
30 31Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
Messung QuickDASH
Alle Fragen basieren auf einem fünfstufigen Antwortformat (1–5 Punkte), wobei der niedrigste Wert Bitte schätzen Sie Ihre Fähigkeit ein, wie Sie folgende Tätigkeiten in der vergangenen Woche durchgeführt haben,
für „keine Schwierigkeiten“ oder „keine Symptome“ steht, während der höchste Wert bedeutet, indem Sie die entsprechende Zahl ankreuzen.
dass die „Aktivität nicht möglich ist“ beziehungsweise „sehr starke Symptome“ vorliegen.
keine geringe mäßige erhebliche nicht
Schwierig- Schwierig- Schwierig- Schwierig- möglich
Die Antwortpunkte der Fragen 1–11 werden zu einem Rohwert addiert. Der Rohwert wird wie folgt in keiten keiten keiten keiten
einen QuickDASH-Score umgerechnet: 1. Ein neues oder festverschlossenes Glas öffnen 1 2 3 4 5
2. Schwere Hausarbeit (zum Beispiel Wände abwa-
Rohwert 1 2 3 4 5
QuickDASH-Score (0–100) = – 1 x 25 schen, Boden putzen)
Anzahl der beantworteten Fragen
3.Eine Einkaufstasche oder einen Aktenkoffer
1 2 3 4 5
tragen
Für die Auswertung des Sport- und Musik-Moduls gilt: 4. Ihren Rücken waschen 1 2 3 4 5
Die Antwortpunkte der ersten vier Fragen werden summiert und bilden den Rohwert. Der maximal
mögliche Rohwert beträgt 20 Punkte; das mögliche Minimum liegt bei 4 Punkten. Mit Hilfe der fol- 5. Ein Messer benutzen, um Lebensmittel zu
1 2 3 4 5
genden Formel wird der Rohwert in den QuickDASH-Sport-Score konvertiert: schneiden
6. Freizeitaktivitäten, bei denen auf Ihren Arm,
Ihre Schulter oder Hand Druck oder Stoß ausge- 1 2 3 4 5
(Rohwert – 4) übt wird (zum Beispiel Golf, Hämmern, Tennis)
QuickDASH-Sport-Score (0–100) =
0,16
überhaupt ein wenig mäßig ziemlich nicht
nicht möglich
QuickDASH-Wert für Behinderung/Symptome = Summe der n Antwortpunkte 7. In welchem Ausmaß haben Ihre Schulter-, Arm-
–1 x 25
n oder Handprobleme Ihre normalen sozialen Akti-
vitäten mit Familie, Freunden, Nachbarn oder
1 2 3 4 5
anderen Gruppen während der vergangenen
Wichtig: Im QuickDASH darf maximal eine, im Sport- und Musik-Modul darf keine Antwort fehlen.
Woche beeinträchtigt? (Bitte kreuzen Sie die
entsprechende Zahl an.)
überhaupt ein wenig mäßig sehr nicht
nicht ein- einge- einge- einge- möglich
geschränkt schränkt schränkt schränkt
8. Waren Sie in der vergangenen Woche durch Ihre
Schulter-, Arm- oder Handprobleme in Ihrer Arbeit
1 2 3 4 5
oder anderen alltäglichen Aktivitäten eingeschränkt?
(Bitte kreuzen Sie die entsprechende Zahl an.)
Bitte schätzen Sie die Schwere der folgenden Symptome während der letzten Woche ein.
(Bitte kreuzen Sie die entsprechende Zahl an).
keine leichte mäßige starke sehr starke
9. Schmerzen in Schulter, Arm oder Hand 1 2 3 4 5
10. Kribbeln (Nadelstiche) in Schulter,
1 2 3 4 5
Arm oder Hand
keine geringe mäßige erhebliche nicht
Schwierig- Schwierig- Schwierig- Schwierig- möglich
keiten keiten keiten keiten
11. Wie groß waren Ihre Schlafstörungen in der
letzten Woche aufgrund von Schmerzen im
1 2 3 4 5
Schulter-, Arm- oder Handbereich? (Bitte kreu-
zen Sie die entsprechende Zahl an.)
32 33Return-to-Competition Schulter Return-to-Competition Schulter
QuickDASH Auswertung der optionalen Module: Die Antwortpunkte der Fragen werden summiert; durch 4
Arbeits- und Berufs-Modul (optional) (Anzahl der Fragen) dividiert; 1 wird subtrahiert und danach mit 25 multipliziert.
Die folgenden Fragen beziehen sich auf den Einfluss Ihres Schulter-, Arm- oder Handproblems auf Ihre Arbeit Für die Auswertung eines optionalen Moduls dürfen keine Antworten fehlen.
(einschließlich Haushaltsführung, falls dies Ihre Hauptbeschäftigung ist).
Bitte geben Sie Ihre/n Arbeit/Beruf hier an: QuickDASH-Wert der optionalen Module = Summe der n Antwortpunkte – 1 x 25
n
Ich bin nicht berufstätig (Sie können diesen Bereich auslassen).
Bitte kreuzen Sie die Zahl an, die Ihre körperlichen Fähigkeiten in der vergangenen Woche am besten beschreibt. Beurteilung und Orientierungswerte
Der QuickDASH und seine Module haben einen Im sportlichen Kontext liegen Orientierungs-
keine geringe mäßige erhebliche nicht Wertebereich von 0–100, wobei 0 keine und 100 werte für amerikanische College-Athleten und
Hatten Sie irgendwelche Schwierigkeiten: Schwierig- Schwierig- Schwierig- Schwierig- möglich maximale Funktionseinschränkungen bedeuten. -Athletinnen vor:
keiten keiten keiten keiten
Die minimale erkennbare Veränderung (minimal
12. in der üblichen Art und Weise zu arbeiten? 1 2 3 4 5 detectable change, MDC) beträgt 11 Punkte.
13. aufgrund der Schmerzen in Schulter, Arm oder
1 2 3 4 5
Hand Ihre übliche Arbeit zu erledigen?
Orientierungswerte aus dem amerikanischen College-Sport32
14. so gut zu arbeiten, wie Sie es möchten? 1 2 3 4 5
Assessment Mittelwert Range
15. die bisher gewohnte Zeit mit Ihrer Arbeit zu [± Standard-
1 2 3 4 5
verbringen? abweichung]
QuickDASH Männer [n = 136] 2,2 (± 3,9) 0–34,1
Sport- und Musik-Modul (optional)
QuickDASH Frauen [n = 131] 1,8 (± 3,2) 0–18,2
Die folgenden Fragen beziehen sich auf den Einfluss Ihres Schulter-, Arm- oder Handproblems auf das Spielen Ihres
Musikinstruments oder auf das Ausüben Ihres Sports oder auf beides. Wenn Sie mehr als ein Instrument spielen oder QuickDASH Sport- und Musik-Modul Männer [n = 124] 3,4 (± 11,9) 0–75,0
mehr als eine Sportart ausüben (oder beides), beantworten Sie bitte die Fragen in Bezug auf das Instrument oder die
Sportart, das beziehungsweise die für Sie am wichtigsten ist. QuickDASH Sport- und Musik-Modul Frauen [n = 113] 5,3 (± 13,9) 0–75,0
Bitte geben Sie dieses Instrument beziehungsweise diese Sportart hier an:
Hinweis
Ich treibe keinen Sport oder spiele kein Instrument (Sie können diesen Bereich auslassen). Zielgruppe des QuickDASH sind Patienten oder Vorsicht ist bei der Interpretation des Quick-
Patientinnen mit Verletzungen der oberen Extre- DASH geboten, wenn multiple Verletzungen
Bitte kreuzen Sie die Zahl an, die Ihre körperlichen Fähigkeiten in der vergangenen Woche am besten beschreibt. mitäten. Der QuickDASH ist daher kein schulter- oder Beschwerden (zum Beispiel der unteren
gelenkspezifischer Fragebogen; er erfasst die Extremitäten) vorliegen.33
keine geringe mäßige erhebliche nicht Funktion der oberen Extremitäten insgesamt.
Hatten Sie irgendwelche Schwierigkeiten: Schwierig- Schwierig- Schwierig- Schwierig- möglich
keiten keiten keiten keiten
16. in der üblichen Art und Weise Ihr Musikinstru-
1 2 3 4 5
ment zu spielen oder Sport zu treiben?
17. aufgrund der Schmerzen in Schulter, Arm oder
Hand Ihr Musikinstrument zu spielen oder Sport 1 2 3 4 5
zu treiben?
18. so gut Ihr Musikinstrument zu spielen oder
1 2 3 4 5
Sport zu treiben, wie Sie es möchten?
19. die bisher gewohnte Zeit mit dem Spielen Ihres
Musikinstrumentes oder mit Sporttreiben zu 1 2 3 4 5
verbringen?
Abbildung 15: Quick-Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand (QuickDASH)-Fragebogen3
32 Tyser et al. 2020
33 Dowrick et al. 2006
31 German et al. 2003
34 35Sie können auch lesen