Senioren-Report - IG Metall Berlin

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Senioren-Report - IG Metall Berlin
Senioren-
Report
IG Metall Berlin                                 Ausgabe 92             April 2018

                                                 Drachenflugtag auf dem Tempelhofer Feld

                                14. April 2018
                    Demonstration der 25.000
                     gegen Mietenwahnsinn
       Gemeinsam demonstrieren über 250 Mieterinitiativen, Kiezvereine
       und soziale Organisationen gegen Mietwucher und Verdrängung.
                            (Bericht auf Seite 11)
Senioren-Report - IG Metall Berlin
Inhaltsverzeichnis

Grußwort Burkhard Bildt, Aufruf 1. Mai.........................1
Rückblick 35-Std-Woche Ost, AGA-Bezirk................... 2
DGB-Fachausschuss Rente, Nottke's Kiez-Theater.........3
Mitgliederversammlung zur Mietenpolitik I .................. 4
Mitgliederversammlung zur Mietenpolitik II................. 5
Frauentag, Muttersprache ..............................................6
Mahnwache Siemens, ÖPNV......................................... 7
AG Soziales zur Rentenentwicklung...............................8
Mitgliedertreffen: rbb in Potsdam..................................9
Geburtstage Koll. Bildt und Haack, Löwenzahn.......... 10
Betriebliche Aktionen, Mieten-Demo ...........................11
Maikäfer, Mitgliedertreffen ......................................... 12

Impressum
Redaktion:
Ramon Zorn, Ingrid Henneberg, Hartmut Herold, Hartmut Meyer, Klaus Murawski

Titelbild: Hartmut Herold und Ramon Zorn, Montage Ramon Zorn
Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: 13. Juni 2018

V.i.S.d.P.: Burkhard Bildt, IG Metall Berlin
Email-Adresse für Beiträge zum Senioren-Report:
seniorenreport@neue-dateien.de

Senioren-Report im Internet:
www.igmetall-berlin.de/gruppen/arbeitskreise/ak-senioren/senioren-report
Senioren-Report - IG Metall Berlin
Grußwort                                                     Heraus zum 1. Mai
                                                             alle Jahre wieder – der Gewerkschafts-Feiertag

                                                             Nur einmal im Jahr, genau wie Weihnachten und Os-
                                                             tern, ist 1. Mai. Und das ist immer noch der Kampf- und
Burkhard Bildt                                               Feiertag der organisierten Arbeiterschaft.
zuständiger Sekretär für die
Seniorenarbeit in der                                          Der „Tag der Arbeit“, steht beim DGB in diesem
Geschäftsstelle Berlin                                       Jahr unter dem Motto „Vielfalt, Gerechtigkeit, Soli-
                                                             darität“. Darunter lassen sich viele Wünsche vereinen.
Liebe KollegInnen,
                                                             Konkreter wird’s nicht.
wir haben das Jahr der Jubiläen. Zum Frauentag führten
wir eine Veranstaltung zum 100-jährigen Jubiläum des
Frauenwahlrechts durch. Die Novemberrevolution in
Deutschland jährt sich ebenfalls zum einhundertsten
Mal.
  Dann ist am 5. Mai auch noch der 200. Geburtstag
von Karl Marx. Unter Fachleuten ist anerkannt, dass             Wir als IG Metall-Senioren dagegen haben eine Rei-
Marx ein großer Denker war. „Das Kommunistische              he von genauen Forderungen: Erhöhung des Rentenni-
Manifest“ sowie „Das Kapital“, Band 1, wurden in das         veaus, paritätische Finanzierung der Krankenversicher-
UNESCO-Dokumentenerbe aufgenommen. Dies ist eine             ung, Schaffen von bezahlbarem Wohnraum, mehr Per-
Wertschätzung, die Marx zu Lebzeiten kaum erfuhr.            sonal in die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen
   Er machte es sich zur Aufgabe, dem Proletariat (heu-      (bei ordentlicher Bezahlung). Darum gehen wir auf die
te würde man „abhängig Beschäftigte“ sagen) die Welt         Straße.
zu erklären, weil er in ihm eine revolutionäre Kraft sah,
die dazu berufen ist, eine neue Gesellschaft zu errichten.
Jetzt, 200 Jahre nach seiner Geburt, wird die Rolle von
Marx konträr bewertet.
   Die Einen meinen, die Ideen von Marx seien tot, die
Anderen meinen, seine Einschätzungen sind heute
zutreffender als damals. Diese Einschätzungen sind sehr
interessensgeleitet. Fakt ist, Marx wird für vieles
verantwortlich gemacht, was andere in Berufung auf ihn
taten. Zu Unrecht, meint Jürgen Neffe, Autor der
aktuellen Biografie „Marx der Unvollendete“.
Beste Grüße
Burkhard Bildt
                                                                                           Am Senioren-Stand 2017
                                                                Wir beteiligen uns am Demonstrationszug vom
   Alle Revolutionen haben bisher nur                        Hackeschen Markt (Start um 10 Uhr) zum Branden-
   eines bewiesen, nämlich, dass sich                        burger Tor. Auf unserem eigenen Stand auf der Straße
    vieles ändern lässt, bloß nicht die                      des 17. Juni, im Kreis der IG Metall-Stände, stellen wir
               Menschen.                                     unseren Arbeitskreis vor.
                                                Karl Marx
                                                                Wir freuen uns über Euren Besuch am Infostand und
                                            * 5. Mai 1818
                                                             rufen Euch auf, insoweit die Füße tragen, an der De-
                                                             monstration teilzunehmen.
                                                                                 Der offizielle 1. Mai-Anstecker.
                                                                                 Wieder ohne Hinweis auf den Her-
                                                                                 ausgeber, obwohl wir das letztes
                                                                                 Jahr schon kritisiert hatten. Offen-
                                                                                 sichtlich ohne Wirkung. Ist dem
                                                                                 DGB die eigene Maifeier peinlich?
                                                                                                        Ramon Zorn

                                         Senioren-Report 92 – Seite 1
Senioren-Report - IG Metall Berlin
Historischer Rückblick von der AG Chronik
Der Kampf um die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland
„Mehr als 11.000 Metaller streiken       „Die bittere Wahrheit ist: Der
für die 35-Stunden-Woche“, so die     Streik ist gescheitert“ , sagte der
Überschrift der Zeitung „Die Welt“    IG Metall-Vorsitzende Klaus Zwi-
vom 02.06.2003. In Ostdeutschland     ckel später. Er gelobte Besserung
wurde in der Metallindustrie immer    mit den Worten: „Wir werden nicht
noch 38 Stunden und mehr in der       z u r T agesordnung übergehen“.
Woche gearbeitet.                     Wir waren damals trotzdem Stolz
   Wir vom Senioren-Arbeitskreis      auf unsere Teilnahme, auf unsere
(unter anderem Wilhelm Blanken-       Unterstützung des Streiks zur 35-
burg, Joachim Behrends und Wolf-      Stunden-Woche.
gang Holz) unterstützten den Streik
und fuhren vom IG Metall-Haus in
                                          Kommentar eines
Berlin mit dem Bus nach Eisen-
hüttenstadt. Unsere Enttäuschung            Zeitzeugen
vor Ort war groß, als wir die         „Betroffenheit, auch nach 15
mangelnde Streikbereitschaft der      Jahren.
Stahlwerker sahen, obwohl die Tore       Die Streikfront hatte stabil ge-            Ausschnitt aus
der Stahlwerke geschlossen waren.     standen, aber dann kamen die Feh-          Senioren-Report Nr. 15
  Später die Erkenntnis: Die IG       ler!
Metall hatte wohl den Streik un-          Es wurden damals mehrere Be-
genügend vorbereitet.                                                          15 Jahre nach dem verlorenen
                                      triebe aus der Streikfront genom-
                                                                            Arbeitskampf nimmt die IG Metall
   In einem Kinosaal hörten wir die   men, indem Haustarifverträge ab-
                                                                            erneut Anlauf. IG Metall und Ge-
Streikaufrufe der Organisatoren.Wir   geschlossen wurden.
                                                                            samtmetall haben sich in Baden-
sahen von der Bevölkerung wenig         Der größte Tiefschlag war der
                                                                            Württemberg auf einen neuen Tarif-
Unterstützung. Die Angst vor dem      Haustarifvertrag mit einem Kfz-
                                                                            vertrag geeinigt.
Verlust des Arbeitsplatzes war noch   Zulieferer, bei dessen Kunden
zu groß und das Vertrauen zur                                                  Wenn dieser „Pilotabschluss“
                                      durch den Streik 70 Millionen Euro
Kampfkraft der Gewerkschaft noch                                            auch übernommen wurde, bleibt die
                                      Verlust pro Tag entstanden waren.
zu gering. Trotz mehrfacher Lö-                                             Arbeitszeitfrage weiter offen. Die
                                         Als ich dann das Ende des
sungsversuche von IG Metall und                                             Arbeitgeber lehnen die Forderung
                                      Streiks aus dem Fernsehen erfah-
Arbeitgeberverband Gesamtmetall                                             auf Verkürzung von derzeit 38 Stun-
                                      ren habe – ohne Urabstimmung! –
konnten sich die regionalen Ver-                                            den auf 35 Stunden wie im Westen
                                      war ich bedient.“
handlungsführer nicht auf eine flä-                                         ab. Der Kampf geht weiter.
                                                          Jürgen Knüpfer
chendeckende Vereinbarung ver-                                                                   Wolfgang Holz
ständigen.

Bericht von der AGA-Sitzung
des Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen

    Am 14. März 2018 fand die AGA-Sitzung (Außer-
betriebliche Gewerkschaftsarbeit) des Bezirks Berlin-                                  Die Kollegin Katharina
Brandenburg-Sachsen (BBS) in Berlin statt. Bis auf                                  Grabitz, im Vorstand für
zwei von 13 Geschäftsstellen waren alle vertreten.       AGA zuständig, war leider nicht anwesend. Sie sollte
   Im Mittelpunkt der Tagung standen die Aufgaben,       über die Mitarbeit und den Erfolgen der anderen Bezirke
die sich die einzelnen Arbeitskreise für das Jahr 2018   in der AGA berichten.
vorgenommen haben. Das gute Ergebnis des Tarif-            Erwähnt wurde noch, dass die Bezirkskonferenz des
kampfes und die Unterstützung der Senioren dabei,        Bezirks BBS am 19. April 2018 in Potsdam stattfindet.
wurde hervorgehoben.
                                                                                              Ingrid Henneberg

                                            Senioren-Report 92 – Seite 2
Senioren-Report - IG Metall Berlin
Fachausschuss Renten – DGB Bezirk Berlin-Brandenburg
Bericht von der Sitzung am 15. Februar 2018
Immer mehr Rentner in Grundsicherung
Schwerpunktthema unserer ersten Sitzung in diesem              Im Lauf der Diskussion wurde auch darauf hin-
Jahr war die Bekämpfung von Altersarmut. Hierzu hatte       gewiesen, dass die Debatten in den politischen Ent-
die Ausschussleitung Herrn Vedran Kundacina vom             scheidungsgremien auf der Grundlage meist staatlicher
Sozialverband Deutschland (SoVD) als Referenten             Statistiken stattfinden. Das werden wir bei unseren
gewinnen können. Nachdem er uns die Vorschläge und          Überlegungen in der AG Soziales berücksichtigen müs-
Forderungen des SoVD stichpunktartig vorgetragen            sen.
hatte, wurde lebhaft über die Inhalte diskutiert. Beson-      Im Anschluss an den Fachausschuss tagte noch der
ders hervorheben möchte ich die aus meiner Sicht sehr       Arbeitskreis Alterssicherung von Verdi, in dem wir
gut beschriebenen Zusammenhänge von Einkommen,              auch eingebunden sind.
Rente und Beitragseinnahmen.
                                                               Hier wurden Anträge der Verdi-Ortsgruppen Neu-
   Eine Tabelle, auf der die aktuelle Lage der Seniorin-    kölln und Schöneberg an die Bezirkssenioren-Konfe-
nen und Senioren gut abzulesen ist, zeigt eine Entwick-     renz Berlin beraten und abgestimmt.
lung, die man nur als dramatisch bezeichnen kann.
                                                                                                             Bernd Koch

   Lage der Seniorinnen und Senioren
  Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung
  Deutschland                                                   davon
                               18 Jahre bis unter Altersgrenze *)         Altersgrenze und älter
               insgesamt                    davon                                 davon
     Jahre                  zusammen männlich         weiblich     zusammen männlich        weiblich
    31.12.2003      438.831     181.097       99.309        81.788     257.734       74.743      182.986
        Dez 15    1.038.008     501.887      283.557       218.330     536.121      214.089      322.032
        Dez 16    1.025.903     500.308      283.194       217.144     525.595      216.869      308.726
  Quelle: SoVD Sozialverband Deutschland
             *) Bis Jahrgang 1947: 65 Jahre, danach schritweise angehoben, bis Jahrgang 1958 mit 67 Jahren

Mitgliedertreffen am 13. Februar 2018

„Russisches Roulette“ in Nottke's Kiez-Theater
Was steht in jedem Jahr auf unserem Ausflugsplan? Natürlich             Es stellt sich heraus, dass kein Schuss fiel,
das Kieztheater am Jungfernstieg in Lichterfelde. Entspannung        sondern statt am Revolver wurde am Rad ge-
ist angesagt. In gemütlichen Sesseln sitzend erwarteten wir, wie     dreht. Je nach gewählter Nummer wurde ein
immer, ein paar fröhliche Stunden.                                   Lied oder ein Sketch dargeboten. Dazu muss
  Das Motto lautete „Russisches Roulette“.                           man sagen, Schießen wäre mir lieber gewesen.
                                                                        Das Trio hat sein Bestes gegeben, obwohl
                                                                     der Sänger gewöhnungsbedürftig war. Der Neu-
                                                                     zugang, die Schauspielerin Jeanette Urzendow-
                                                                     sky, war sehr originell und Katja Nottke war
                                                                     wie immer sehr gut.
                                                                        Ich persönlich hatte den Eindruck, alles war
                                                                     irgendwie zusammengestückelt, obwohl die
                                                                     einzelnen Vorträge auf ihre Art nicht schlecht
                                                                     waren.
                                                                        Was soll's, wir haben Gutes getan, indem wir
                                                                     ein kleines Theater unterstützt haben. Leichte
                                                                     Kost. Aber vom Hocker (Sessel) hat mich das
                                                                     Stück nicht gerissen.
Wilhelm Blankenburg mit auf der Bühne             Foto: Buchi
                                                                                                             Ulla Müller

                                        Senioren-Report 92 – Seite 3
Senioren-Report - IG Metall Berlin
Mitgliederversammlung am 28. Februar 2018
Mietenpolitik in Berlin – Teil 1: Ist-Zustand
Ende Februar beschäftigten wir uns auf der sehr gut be-     Für Geflüchtete gibt es einen zusätzlichen Woh-
suchten Senioren-Mitgliederversammlung mit dem The-       nungsbedarf von 25.000 Wohnungen. Vor allem fehlen
ma Mietenpolitik. Unser Referent Andrej Holm schil-       über 130.000 preisgünstige Wohnungen für Haushalte
derte in seinem sehr informativen Vortrag zunächst die    mit geringem Einkommen.
Lage in Berlin:                                              Die folgende Graphik zeigt, dass die vom Amt für
   Berlin ist eine Mieterstadt, da über 75 Prozent der    Hartz IV- und Grundsicherungs-Empfänger akzeptierten
Einwohner zur Miete wohnen. Deren Lage hat sich in        „Kosten der Unterkunft (KdU)“, die hier mit der
den letzten Jahren extrem verschlechtert.                 schwarzen gestrichelten Linie dargestellt sind, sowohl
   Seit 2014 haben wir eine negative Wohnungs-            bei Bestandsmieten (blaue Linie), aber besonders bei
Versorgungs-Quote, das heißt, für 100 Haushalte gibt      Neuvermietung, überhaupt nicht reichen. Auch Klein-
es zur Zeit nur 95 Wohnungen. Außerdem passen             Verdiener (ohne Transfereinkommen) haben kaum
Wohnungsgrößen und Haushaltsgrößen (Personen-Zahl         Chancen.
pro Wohnung) nicht zusammen: Mehr kleinere                   Besonders bei Neu-Vermietungen, hier mit der roten
Wohnungen wären nötig.                                    Linie dargestellt, stieg die Höhe der Miete (auch be-
   Durch Umwandlung von Miet- in Eigentumswoh-            günstigt durch die zunehmende Wohnungs-Knappheit)
nungen fielen in den letzten Jahren durchschnittlich      seit 2004 extrem an.
2.400 Wohnungen pro Jahr aus dem Mietwohnungsan-             Die senkrechte gestrichelte rote Linie zeigt die
gebot weg. Konnte man früher noch in den Außenbezir-      sogenannte „Ertragslücke“: Aus Vermieter-Sicht wäre
ken günstigere Wohnungen finden, ist es jetzt in allen    es verschenktes Geld, wenn man nicht 10,05 Euro/qm
Bezirken schwierig.                                       Miete kassierte.
  Es herrscht zur Zeit in Berlin ein absoluter Woh-          Aus der Sicht der Mieter ist genau diese Spanne der
nungsmangel von über 100.000 Wohnungen.                   Knackpunkt, aus der ein hoher Verdrängungsdruck
                                                          resultiert.

                                             Senioren-Report 92 – Seite 4
Senioren-Report - IG Metall Berlin
Mietenpolitik in Berlin – Teil 2: Was ist zu tun?

                                                              Aber auch für den Mieter-Schutz wurde einiges auf
                                                            den Weg gebracht: Milieuschutz wurde ausgeweitet; ein
                                                            Förderprogramm für Modernisierungen, verschiedene
                                                            Trägerschafts-Modelle gegen spekulativen Leerstand,
                                                            unabhängige Mieterberatungen werden eingeführt.
                                                               Nötig wären Ad-hoc-Maßnahmen wie Beschlagnah-
                                                            me von Leerstand oder Zwangs-Räumungs-Moratorium
                                                            und mittelfristige Schritte wie Förderung von Selbst-
                                                            hilfe-Programmen, Mietpreis-Moratorium, Ausbau
                                                            kommunaler Belegungsbindung.
                                                            Förderung der Eigentümer statt der Mieter
Unser Referent Andrej Holm                 Foto: Buchi      Im Vergleich mit der Stadt Wien, wo die stärkste
Wohnungspolitische Instrumente der Berliner                 Förderung in die stadteigene Wohnungsbau-Fi-
Regierung für diese Probleme sind rar. Wohngeld kann        nanzierung fließt, sieht die Förderung in der BRD ganz
nicht ausreichend helfen, da die Berechtigungsgrenze        anders aus: Das meiste Geld fließt hier in Form von Zu-
zum Wohngeld-Empfang viel weniger steigt als die            schüssen und Steuer-Erleichterungen an die private Im-
Miethöhe. Schon jetzt liegt die Mietbelastung von Ein-      mobilienwirtschaft; anschließend bekommen dann „Ein-
Personen-Haushalten de facto bei 42 Prozent des Ein-        kommensschwache“ etwas Hilfe, um die sehr hohen
kommens, als „leistbar“ gelten 30 Prozent. Wie auch         Mieten bezahlen zu können.
immer, geförderte Mietwohnungen sind zu teuer. Die             Grundsätzlich wirkungsvoller wäre es, wirklich
Mietpreis-Bremse, auch wenn sie funktionieren würde,        nachhaltige Perspektiven zu entwickeln: Förderung
könnte die Mieten nur auf circa 7 Euro/qm netto kalt        solidarischer Selbstverwaltung, Einschränkung speku-
runter drücken.                                             lativer Verwertung, Ausbau eines gemeinnützigen
   Der aktuelle Berliner Senat versucht, an vielen Stell-   Wohnungssektors.
schrauben zumindest die weitere Verschlechterung der
Situation zu verlangsamen und hier und da Verbesse-
rungen durchzusetzen:
   Instrumente bezüglich Neubau: Neubau von 6.000
WE pro Jahr, Förderung für bis zu 5.000 Neubau-Woh-
nungen pro Jahr zu 6,50 Euro/qm netto kalt, Ankauf von
Bestandsgebäuden, einkommensorientierte Zuschüsse
bei bis zu 2.000 Wohnungen der landeseigenen Woh-
nungsbau Gesellschaften (WBG), Kooperative Bauland-
Entwicklung für Wohnungen, bei denen 30 Prozent
Mietpreis- und Belegungsbindung haben; Liegen-                 Nur wenn man Wohnen als „soziale Infrastruktur“
schaftspolitik als Daseinsvorsorge mit Konzept-Vergabe      definiert und danach handelt, kann man dem „Ver-
in Erbbaurecht an landeseigene WBG‘s, Genossen-             wertungsdruck“ der Kapital-Anleger entkommen. Unse-
schaften und soziale Bauträger und vieles andere mehr.      re Verfassung gäbe das her!
                                                                                                    Sabine Kördel

                                                                                            Blick in den
                                                                                            Alwin-Brandes-Saal

                                                                                            Fotos oben und links:
                                                                                            Ramon Zorn
                                        Senioren-Report 92 – Seite 5
Senioren-Report - IG Metall Berlin
Internationaler Frauentag, 8. März

                                                          Männern und Frauen wird bezahlt. Frauen erhalten im
                                                          Durchschnitt 21 Prozent weniger. *)
                                                              Was sollen die Anhängsel ...innen und ...ginnen und
                                                          so weiter. Sollen sie die Gleichberechtigung der Frauen
                                                          darstellen? Oder Gesetze wie „Frauen in die Aufsichts-
                                                          räte“ oder „Alle Familien haben einen Anspruch auf
Der diesjährige Frauentag war ein besonderer Tag, denn    einen Kita-Platz“ - warum alle? Es wäre schon eine Hil-
vor 100 Jahren erhielten die Frauen in Deutschland das    fe, wenn alle berufstätigen Frauen einen erhielten.
Wahlrecht.
                                                             Zum antiquierten Familenideal der CSU gehört die
   1918 endete auch der 1. Weltkrieg und viele Frauen     „Herdprämie“, Sie sollte Kinder von der Kita fern
blieben allein zurück. Genau so erging es den Frauen      halten und das „Heimchen am Herd“ fördern. Sie wurde
nach dem 2. Weltkrieg. Sie waren es, die nach 1945 in     2015 vom Bundesgerichtshof gekippt. Bayern zahlt aber
Ost und West beim Wiederaufbau des Landes die             weiter.
Hauptlast zu tragen hatten. Durch diese Arbeit wurden
                                                             Bei uns in Berlin stand der 8.
die Frauen selbstbewusst und lernten auch Verant-
                                                          März 2018 unter der Überschrift
wortung zu übernehmen (im Osten Deutschlands).
                                                          „Emanzipation oder zurück an den
   Die Wiedervereinigung von Ost und West brachte         Herd?“ Mir wäre die Überschrift
einen Bruch im Kampf um die Gleichberechtigung der        „Gleicher Lohn und gleiche
Frauen. Wir fingen im wiedervereinten Deutschland         Chancen für Frauen und Männer“
wieder von vorn an.                                       lieber gewesen.
  Nicht einmal gleicher Lohn für gleiche Arbeit von                                             Ingrid Henneberg

 *) Entgelttransparenzgesetz 2018
 Gilt in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten: Diese können künftig Auskunft verlangen über die Lohnstruk-
 turen in ihrer Firma. Sie sollen erfahren können, nach welchen Kriterien ihre Tätigkeit bewertet wird und wie sie
 im Vergleich zu Kollegen dastehen. Es gibt aber nur Anspruch auf Auskunft über das Durchschnittsgehalt des
 anderen Geschlechts. Die Aussagekraft ist dürftig. Wenn Frau sich benachteiligt fühlt, gibt es keine Hilfe von
 Amts wegen, dann muss sie klagen. Was das für das Arbeitsklima bedeutet, kann man sich denken.
 R.Z.

Lieb Mutterland, magst ruhig sein.
                                                           sperrig und stilistisch unschön. Es sind hier die Kolle-
                                                           gen als Gruppenbegriff gesehen, nicht als Männer. Das
                                                           gilt auch für Mitarbeiter, Taxifahrer, Schüler, Autofah-
                                                           rer, Rentner und so weiter.
                                                              Neuerdings wird die weibliche Form oft mit * ein-
                                                           geschaltet. Das ist furchtbar gekünstelt und liest sich
                                                           schlecht. Politische Korrektheit dient so als Salbe fürs
                                                           Gemüt und Ersatz für tatsächliche Gleichberechtigung
                                                           (siehe oben).
Liebe Leserinnen und Leser, unser Muttersprache hat           Pragmatisch finde ich den Vorschlag, einmal pro Ar-
für viele Berufs- und Gruppenbezeichnungen die             tikel die weibliche Bezeichnung (Kolleginnen und Kol-
männliche als Normalform. Das mag den Jahrhunderten        legen) mit auszuformulieren und danach es bei der
der Männerherrschaft geschuldet sein. Es ist aber im       einfachen Grundform zu lassen. Eine Abkürzung würde
Sprachgefühl so verwurzelt.                                auch genügen „KundK“ – ach nein, das ist missvers-
  Das ständige Wiederholen von „Kolleginnen und            tändlich.
Kollegen“ im Text, wenn man einfach „alle“ meint, ist                                                Ramon Zorn

                                             Senioren-Report 92 – Seite 6
Senioren-Report - IG Metall Berlin
Mahnwache vor dem Siemens Dynamowerk
am 27. Februar 2017

Während der Betriebsratsvorsitzende in München mit
den Konzernbossen um die Arbeitsplätze des Dynamo-
werks ringt, halten die Kolleginnen und Kollegen zum
zweiten Mal nach dem 25. Januar eine Mahnwache.
   An der Kreuzung Rohrdamm/ Nonnendammallee ste-
hen sie von 5 bis 17 Uhr draußen in der Kälte. Die Feu-
ertonne gibt nur im engsten Umfeld etwas Wärme her.
Um 12 Uhr kommen die Kollegen vom benachbarten
Betrieb LEDVANCE (von OSRAM abgespalten und an
einen chinesischen Investor verkauft) lautstark mit Trö-                   Das Transparent ist endlich eingetroffen
ten die Nonnendammallee herauf gezogen. Unter kräfti-                                       Foto: Hartmut Herold
gem Trommelwirbel auf Benzinfässern werden sie be-
grüßt.                                                         Die Mitglieder des Senioren-Arbeitskreises (SAK),
                                                            die in (Fußball-) Mannschaftsstärke anwesend sind,
   Auch die Belegschaft von Ledvance ist von Schlie-
                                                            haben trotz des ernsten Anlasses letztendlich gute
ßung bedroht. Außerdem ist ihr Arbeitgeber aus dem Ar-
                                                            Laune.
beitgeberverband und damit aus der Tarifbindung ausge-
stiegen.                                                        Obwohl ihnen erst einmal der Schreck in die mor-
                                                            schen Glieder fährt, als das Senioren-Transparent nicht
   Es beginnt eine Protestveranstaltung mit einer Rede
                                                            auffindbar ist. Bittere Vorwürfe werden laut, wie soll
des Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Berlin,
                                                            man ohne unser stadtbekanntes Transparent demonstrie-
Klaus Abel. Dann folgen Beiträge der Betriebsräte von
                                                            ren? Großes Aufatmen, als der Projektleiter „Aktionen“
Ledvance, Siemens-Schaltwerke und Dynamowerk.
                                                            endlich auftaucht, das vermisste Tuch warm und trocken
   Alle prangern den rücksichtslosen Umgang mit den         unterm Arm.
Beschäftigten an. Nacktes Gewinnstreben herrscht in
                                                               So wird es für die Außendienstler des SAK noch ein
den Konzernzentralen, das ist klar. Aber statt Innovation
                                                            schöner Tag. Gegen die Schweinekälte sind sie gut ge-
fällt ihnen nur Verlagerung und Abbau ein. Dabei hätten
                                                            rüstet und können sogar die Wintersonne genießen.
die Belegschaften Alternativkonzepte, wie man die
                                                            Schließlich ist von der IG Metall für Kaffee und Würst-
Zukunft des Standorts sichern könnte. Auf jeden Fall
                                                            chen gesorgt worden.
sind die IG Metaller bereit, für ihre Arbeitsplätze zu
kämpfen.                                                                                              Ramon Zorn

   Abschließend sagt der Spandauer SPD-Bundestags-             Nachtrag; Am 1. März ist Ledvance nach Verhand-
abgeordnete Swen Schulz seine Unterstützung beim            lungen mit der IG Metall wieder in den Arbeitgeberver-
Kampf um den Erhalt der Berliner Industriearbeitsplätze     band eingetreten. Nur wer kämpft, kann auch Erfolg
zu.                                                         haben

Statt Ostereier Zugverbindung suchen
Ausbau eines (nicht ganz neuen) Verkehrsmittels.
                           In den Osterferien hatte die BVG (Ber- Wer soll sich das merken?
                           liner Verkehrsbetriebe) für viel Ab-            Das hieß, bevor man das Haus verließ
                           wechslung gesorgt. Besonders das Ver-        und sich dem ÖPNV (öffentlicher Perso-
                           kehrsmittel „SEV“ wurde verstärkt.           nen-Nahverkehr) anvertraute, erst mal in-
                           Dieser Schienen-Ersatzverkehr sorgte für     formieren, ob auf der geplanten Fahrstrecke
                           verlängerte Fahrzeiten, zusätzliches         Überraschungen lauern.
                           Umsteigen und Verwirrung beim Suchen            Der gewitzte Einheimische konnte sich
                           nach dem richtigen Ersatzbus.                dann Alternativen überlegen. Für die zu
                              Im Fahrgastheft des Verkehrsver-          Ostern besonders zahlreichen Touristen war
                           bundes VBB, „punkt3“, nahmen die ver-        das nicht so leicht. Eine schöne Berei-
                           schiedenen Zugausfälle und Planände-         cherung ihres Stadt-Abenteuers.
                           rungen bei U-,S-Bahn und Regionalbahn                                      Ramon Zorn
                           stolze sechseinhalb Seiten ein.
                                        Senioren-Report 92 – Seite 7
Senioren-Report - IG Metall Berlin
AG „Soziales“ zur Renteninitiative der IG Metall.

Reichen die Beiträge zur Rentenversicherung?
Um hierzu eine Aussage treffen zu können, muss man         eine Rente in Höhe von 70 Prozent des durchschnitt-
die Entwicklung der durchschnittlichen Rentenbezugs-       lichen Nettoeinkommens erfüllt sein.
dauer und des Lebensalters der Versicherten betrachten.      An der Beitragshöhe und/oder dem gestiegenen Le-
Aber nicht auf Basis der von den Regierungen und           bensalter liegt es also nicht, wenn die Renten in den
Wirtschaftsverbänden veröffentlichten Zahlen, sondern      Keller fallen.
seriös, auf Grundlage der offiziellen Daten der Deut-
schen Rentenversicherung. Zu beachten sind außerdem
Studien, die belegen, dass die durchschnittliche Lebens-
erwartung überwiegend vom Einkommen abhängig ist.

Reiche leben länger.
Die Lebenserwartung von Menschen mit geringem Ein-
kommen ist bei Männern um 10,8 Jahre und bei Frauen
um 8,4 Jahre niedriger als bei Menschen mit hohem
Einkommen. Aber hohe und höchste Einkommen sind ja
wegen der Beitragsbemessungsgrenze (noch) nicht ge-
setzlich rentenversichert.                                     %
   1960 war die durchschnittliche Lebenserwartung von       Beitragssätze zur Rentenversicherung
Männern und Frauen in Westdeutschland 68,3 Jahre. Sie       Eigene Grafik, Quelle: DRV Bund, RV in Zeitreihen 2017
stieg im vereinten Deutschland über 75,8 Jahre im Jahr
2001 auf 79,5 Jahre im Jahr 2015.                             Eine Begründung liegt sicher auch in der Frühverren-
                                                           tung. 1960 war die durchschnittliche Rentenbezugsdau-
                                                           er in Westdeutschland 9,9 Jahre. Sie stieg im vereinten
                                                           Deutschland über 16,3 Jahre im Jahr 2001 auf 19,6 Jah-
                                                           re im Jahr 2015 (Quelle: Deutsche Rentenversicherung
                                                           (DRV)). Das sind fast fünf Jahre mehr als das Renten-
                                                           eintrittsalter von 65 Jahren hergibt. Die Rentenkasse
                                                           muss dadurch fünf Jahre lang Renten bezahlen, die
                                                           durch die Versichertenbeiträge nicht gedeckt werden.
                                                             Damit wird die Finanzlücke aber nirgends begründet.
                                                           Es ist nicht alles Demographie.
                                                           Die Regierungen und Wirtschaftsverbände machen den
Durchschnittliche Lebenserwartung von 1960 bis 2015        demographischen Wandel dafür verantwortlich. Unter
Eigene Grafik, Quelle: DRV Schriften Band 22               anderem sollen rückläufige Geburtenzahlen Schuld an
                                                           der Misere sein.
    Die folgenden Zahlen beziehen sich auf den Renten-        Gewerkschaften und Sozialverbände hingegen ma-
eintritt mit 65 Jahren und einer Lebenserwartungen von     chen unter anderem versicherungsfremde Leistungen
75 beziehungsweise 80 Jahren.                              dafür verantwortlich.
   Um bis zum 80. Lebensjahr eine Rente in Höhe von
70 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens zu
erhalten, muss 45 Jahre lang ein Beitrag in Höhe von
18,86 Prozent des Bruttoeinkommens geleistet werden.
Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 75
Jahren wären es nur 12,57 Prozent.
  Der Durchschnittliche Beitragssatz in den Jahren
                                                             Wir werden uns alles ansehen, denn nur wer weiß
zwischen 1973 und 2016 war 18,25 Prozent.
                                                           wovon er redet, kann die gewünschte Debatte sachlich
   Damit dürfte für diejenigen, die heute mit 65 Jahren    und zielorientiert führen.
in die Rente eintreten, die Anspruchsvoraussetzung für
                                                                                          AG Soziales, Bernd Koch

                                              Senioren-Report 92 – Seite 8
Mitgliedertreffen am 26. April

In Potsdam ist der rbb auch zuhause.
                                                               Faszinierend war vor allem die aufwendige moderne
                                                            Technik, die große Anzahl von Technikern, Redakteu-
                                                            ren, aber auch die „Einsamkeit“ der Rundfunk-Modera-
                                                            toren (über einen Zeitraum von vier bis fünf Stunden).
                                                               Beeindruckend in den Fernsehstudios ist der Auf-
                                                            wand für die Beleuchtungstechnik. Jeder verfügbarer
                                                            Platz an der Decke wird von ferngesteuerten Beleuch-
                                                            tungskörpern eingenommen – die erzeugte Wärme wird
                                                            über geräuschlose Wasserkühlanlagen abgeführt.
                                                               Das Geheimnis der Moderatoren, fehlerfrei die kom-
                                                            pliziertesten Texte direkt in die Fernsehkamera zu spre-
                                                            chen, wurde ebenso gelüftet wie das „Vergrößern“ der
                                                            Fernsehstudios mit entsprechenden Weitwinkelobjekti-
   Gleich vor den Toren Berlins liegt der zweite Stand-     ven. Auch die rote Wohnmöbellandschaft des zibb-Ma-
ort der Landesrundfunkanstalt für Berlin und Branden-       gazins konnte (wenn auch verhüllt) aus der Ferne be-
burg (rbb), nahe der Medienstadt Babelsberg. Der Sen-       wundert werden.
der ist jetzt 15 Jahre alt, er entstand im Mai 2003 durch
die Fusion des Sender Freies Berlin (SFB) und des Ost-
deutschen Rundfunks Brandenburg (ORB).
   Bekannt ist uns Berlinern der rbb vor allem durch die
„Berliner Abendschau“, Polizeiruf 110 und die Talk-
show „Thadeusz“. Das altbekannte Sandmännchen wird
weiterhin vom rbb betreut, aber nahebei im Filmpark
Babelsberg produziert.
   Vom S-Bahnhof Griebnitzsee ging es über das Ge-
lände der Universität Potsdam zu dem brandenburgi-
schen Standort des rbb, um die dortigen Produktions-           Von unserer Senioren-Gruppe wurden jedoch nicht
stätten zu besichtigen. In diesem Sendezentrum befin-       nur Fragen nach der Technik gestellt, sondern auch z. B.
den sich neben den Räumen für Redaktionen, Maske,           nach der Zusammensetzung und den Aufgaben des
Archiv und Regie auch Rundfunk- und Fernsehstudios.         Rundfunkrates, nach den Programminhalten, nach den
                                                            Arbeitsbedingungen und nach dem Anteil der sogenann-
                                                            ten freien Mitarbeiter.
                                                               Insgesamt soll der rbb rund 3.600 Mitarbeiter be-
                                                            schäftigen – fast die Hälfte davon Freie, die in der Regel
                                                            schlechter bezahlt werden als ihre festangestellten Kol-
                                                            leginnen und Kollegen. In Potsdam sind insgesamt rund
                                                            800 Mitarbeiter beschäftigt.
                                                               Nach der Führung (die ruhig etwas länger hätte dau-
                                                            ern können) trafen sich beide Gruppen wieder zur Stär-
                                                            kung in der „Teestube“ (sprich: die rbb-Kantine), in der
                                                            man einige FernsehmoderatorInnen beim Essen heim-
                                                            lich beobachten konnte.
                                                               Auf dem rbb-Gelände befindet sich auch das Deut-
   In zwei Gruppen wurden die Sendestätten der Rund-
                                                            sche Rundfunkarchiv mit Ton- und Bilddokumenten
funkprogramme besichtigt (Antenne Brandenburg, Ra-
                                                            der Sendeanstalten der DDR sowie des Senders Freies
dioEins, Fritz) sowie die beiden Fernsehstudios, in de-
                                                            Berlin (SFB) und des RIAS.
nen Brandenburg aktuell, rbb aktuell und das Magazin
zibb (die rote Couchgarnitur) produziert werden.                Fotos: Buchi, R. Zorn, H. Herold     Text: H. Herold

                                        Senioren-Report 92 – Seite 9
Burkhard Bildt zum 60. Geburtstag

Der für uns zuständige und sehr zuverlässige Sekretär
bei der IG Metall, der Kollege Burkhard Bildt, feierte
am 3. April 2018 seinen 60. Geburtstag.
   Aus diesem Anlass gratulieren wir, das ganze Team
des Senioren-Arbeitskreises, Dir von ganzem Herzen,
lieber Burkhard. Wir wünschen, dass Du gesund bleibst
und uns noch lange zur Seite stehst.
  Dein Lebensweg hat viele unterschiedliche Stationen
durchlaufen, wobei die Gewerkschaften fast immer im
Mittelpunkt standen. Nach eine Lehrausbildung zum
Facharbeiter für BMSR (Betriebs-Mess-Steuer- und
Regelungstechnik) warst Du auch eine Zeit lang BGL-
Vorsitzender im VEB Baureparaturen in Ueckermünde.          Einmal Zugesagtes wird sofort erledigt. Du kannst
   Hast ein Hochschulstudium als Diplomgesell-           gut zuhören und uns mit guten Ratschlägen aus so
schaftswissenschaftler an der Gewerkschaftshochschule    mancher Patsche helfen. Dir kann man bescheinigen „In
in Bernau absolviert. Warst Mitarbeiter in den           der Ruhe liegt die Kraft“.
Abteilungen Organisation und Sozialpolitik der IG Bau-      Unser Dank sei Dir gewiss. Bleib wie Du bist. Hof-
Holz.                                                    fentlich haben wir Dich noch lange an unserer Seite,
   Was konnte uns besseres passieren als dass Du da-     denn wir brauchen Dich. Hoffentlich weiß auch die Ge-
nach bei der IG Metall gelandet bist und als Sekretär    schäftsstelle IG Metall Berlin, was sie an Dir hat!
auch für den Senioren-Arbeitskreis zuständig bist.Wir      Alles Gute!
schätzen Deine Zuverlässigkeit und Hilfsbereitschaft.                                             Ulla Müller

                           Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag
                           Lieber Dieter Haack,                  Auch zu Mitgliederversammlungen
                           der Senioren-Arbeitskreis wünscht hast Du beigetragen und für den Senio-
                           Dir für die Zukunft alles Gute und ren-Report geschrieben. Nach wie vor
                           beste Gesundheit.                   nimmst Du an den Zusammenkünften
                              Vielen Dank für Deine wertvol- der Arbeitsgruppe „Soziales“ teil.
                           len Beiträge aus dem Sozialbereich,   Für alle diese Aktivitäten nochmals
                           vor allem zum Thema „was man unseren herzlichen Dank.
                           weiß, was man wissen sollte“.                            Siegfried Schicke

  Löwenzahn

  Keine Vase will dich. Keine
  Liebe wird durch dich erhellt.
  Aber deinen Samens reine
  weiße Kugel träumt wie eine
  Wolke, wie der Keim der Welt.

  Joseph Weinheber (1892-1945)

                                           Senioren-Report 92 – Seite 10
Keine Ruhe nach der Tarifrunde                             25.000 demonstrierten am 14. April 2018
Der Kampf geht immer weiter                                Gegen Mietenwahnsinn
   Am 16. Februar 2018 war es soweit, die Tarifüber-
nahme für unseren Bezirk war unterschrieben. Wir soli-
darisch mitkämpfenden Seniorinnen und Senioren freu-
ten uns über den Abschluss und hofften wieder mehr
Zeit für die Morgenzeitung zu haben, als für die Warn-
streiks – endlich wieder Ruhe!
Leider zu früh gefreut!
   Die Reinickendorfer Firma KB PowerTech beab-
sichtigt, nur den KollegInnen mit der 42 Std/Woche die
Tariferhöhung bezahlen, denen mit 35 Std/Woche und
Tarifbindung nicht! Am 14. März waren auch wir bei ih-
                                                              Eine der größten sozialen Protestdemonstration der
rem Warnstreik und Autokorso nach Marzahn dabei.
                                                           letzten Jahre – jede Altersgruppe war vertreten, ein viel-
                                                           fältiges Bündnis aus Initiativen und Organisationen, vie-
                                                           le selbstgemalte Transparente und Schilder mit kämp-
                                                           ferischen, witzigen und anprangernden Texten und Bil-
                                                           dern.
                                                              Das Motto „Widersetzen – gemeinsam gegen Ver-
                                                           drängung und Mie-
                                                           tenwahnsinn“ zeigt
                                                           auf, dass die Ent-
                                                           wicklung der Städte
                                                           sich heute nicht mehr
 ATOS will die Tariferhöhung hinausschieben
                                                           an den Bedürfnissen
   Auch bei folgenden Betrieben wollen die Arbeitgeber
                                                           der Einwohner orien-
die Tariferhöhung verweigern: Bei der Ingenieursgesell-
                                                           tiert, sondern an den
schaft Auto und Verkehr (IAV), beim Leuchtmittelher-
                                                           Interessen der Im-
steller LEDVANCE, bei der Firma für Sicherheitstech-
                                                           mobilienwirtschaft und Banken. Dem Aufruf hatten sich
nik ADT Deutschland, beim Traditionsunternehmen
                                                           mehr als 250 Initiativen angeschlossen, darunter auch
Borsig, bei First Sensor AG Weißensee, beim IT-
                                                           die IG Metall.
Dienstleister ATOS!
    Auch die geplanten Standortschließungen beim Sie-
mens Dynamowerk, bei LEDVANC und General Elek-
trik sind trotz Verhandlungen noch nicht vom Tisch.
   Als Senioren sind wir weiter mit unserem Transpa-
rent unterstützend bei den Demonstrationen und Mahn-
wachen dabei. Unsere KollegInnen freuen sich immer
wieder auf unsere solidarische Unterstützung.
                                         Klaus Murawski

                                                              Es wird nicht leicht sein, die Stadt- und Land-Regie-
                                                           renden zu diesem längst überfälligen Politikwechsel in
                                                           der Eigentumspolitik zu bringen (zum Beispiel das
                                                           „Heimatmuseum“ unter Seehofer, die CDU und die
                                                           SPD in der GroKo), aber die neue kämpferische und
                                                           kreative Qualität dieser Mieterbewegung macht Mut für
                                                           die Zukunft.
                                                                                   Fotos und Text: Hartmut Herold
IAV: Versuch, den Tarif zu unterlaufen

                                         Senioren-Report 92 – Seite 11
Maikäfer flieg!
Sehnsucht nach einer Käferplage

Dieses gruselige Kinderlied hatte ich damals                                                  In Wien wurden
gar nicht richtig verstanden. Und so was                                                      1951 eine Milliarde
wurde mir als Schlafenslied vorge-                                                              Tiere gesammelt,
sungen. Da waren schlechte Träume                                                               aus denen die
vorprogrammiert.                                                                               städtische Tierkör-
                                                                                              perverwertungsans-
Der Vater ist im Krieg.                                                                   talt tonnenweise ei-
   Als Kinder haben wir die Krabbler in Zigarren-                                   weißhaltiges Maikäfermehl
schachteln gesammelt. Begehrt war die Art                  zur Verfütterung an Hühner und Schweine herstellte.
„Schornsteinfeger“, sie war auch seltener als die             "Allgemeinverfügung zur Maikäferbekämpfung" der
„Müller“. Ganz, ganz selten waren die „Kaiser“,            Stadt Endingen aus dem Jahr 2009: "Die Maikäfer sind
Generell waren sie leicht zu greifen, zu Tausenden         mit Insektiziden zu bekämpfen. Zu diesem Zweck wer-
flogen sie herum und besonders flink waren sie nicht.      den die Waldränder und/oder Teile von Waldgebieten
Auf den Wegen konnte man kaum laufen, ohne welche          mit dem Hubschrauber beflogen.“
zu zertreten.
   Aber eigentlich richteten sie große Schäden an, denn
                                                           Und Pommerland ist abgebrannt.
sie fraßen das Laub von den Bäumen. Weil ihre                 In der Schweiz gab es 2017 in Graubünden in der
Entwicklung im Boden als Engerlinge vier Jahre dauert,     Ortschaft Valzeina eine große Maikäferplage.
gab es nach einer Maikäferplage lange keine zu sehen.
Sie leben dann nur zur Fortpflanzung etwa sechs
                                                                                       Ich habe in Berlin schon
Wochen
                                                                                    lange keinen Maikäfer mehr
Die Mutter ist im Pommerland.                                                       gesehen. Reinhard Mey sang
                                                                                    schon 1974 „Es gibt keine
   Im Jahr 1320 wurden in der französischen Stadt Avi-
                                                                                    Maikäfer mehr“. Ob es in die-
gnon die Maikäfer vor Gericht gestellt. Per richterli-
                                                                                    sem Jahr auch so sein wird?
chem Beschluss wurde ihnen befohlen, sich innerhalb
von drei Tagen zurückzuziehen. Da sie dem nicht ge- Bundespost, 1993                                  Ramon Zorn
folgt sind, wurden sie eingesammelt und getötet.

Bad Belzig: Burg Eisenhardt und Whisky-Destillerei            Anmeldung nur persönlich oder telefonisch
Termin:       Donnerstag, 21. Juni 2018                       am Anmeldetag von 10 bis 14 Uhr
Anmeldung: Montag, 7. Mai 2018                                IG Metall-Haus, Alte Jakobstraße 149
                                                              Raum 110, Telefon (030) 25387-110
Schiffshebewerk in Niederfinow                                                            AG Öffentlichkeitsarbeit
Termin:       Montag, 16. Juli 2018
Anmeldung: Montag, 11. Juni 2018                              Zu guter Letzt
                                                              Eine alte Dame fährt jeden Tag mit dem Bus. Und sie
Mitgliederversammlung: Die Schwarze Null                      gibt dem Fahrer immer ein kleines Tütchen mit
Termin:Mittwoch, 27. Juni, 14 Uhr                             Nüssen. Nach einer Woche fragt der Fahrer: „Woher
IG Metall-Haus, Alwin-Brandes-Saal, 5. Stock                  haben Sie so viele Nüsse?“ Die Dame antwortet:
                                                              „Wissen Sie, ich ess immer Toffifee so gerne, nur die
                                                              Nuss innen drin kann ich nicht beißen.“

                                               Senioren-Report 92 – Seite 12
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