So bekommt Ihr das Archiv in den Griff - Eure Archive sind das Gedächtnis der Kolpingsfamilie. Sie müssen erhalten werden!

Die Seite wird erstellt Stephan Wunderlich
 
WEITER LESEN
So bekommt Ihr das Archiv in den Griff - Eure Archive sind das Gedächtnis der Kolpingsfamilie. Sie müssen erhalten werden!
Praxistipps

     Eure Archive sind das Gedächtnis der Kolpingsfamilie.
     Sie müssen erhalten werden!

     So bekommt Ihr das Archiv in den Griff
     Wir haben eine lange Verbandsgeschichte. Da dürfen sich die Unterla-
     gen auch mal türmen. Doch der Platz wird eng. Was tun? Auslichten ist
     die Devise. Doch was kann weg, was muss bleiben? Das ist die Frage! Die
     Antwort ist nicht immer einfach und die Umsetzung oft schwierig. Des-
     halb hier einige Tipps, Anregungen und Lösungsmöglichkeiten.
                                                                     Von Marion Plötz

                                                                                        Illustration: picture alliance/dieKLEINERT.de

22   Idee & Tat 2/2019
So bekommt Ihr das Archiv in den Griff - Eure Archive sind das Gedächtnis der Kolpingsfamilie. Sie müssen erhalten werden!
Praxistipps

W
            er kennt das nicht: Massen von
            Unterlagen türmen sich aufeinan-                Die Dokumentationsstelle KOLPING hat die Aufgabe,
            der. Der Aktenberg ist erdrückend,              das Erbe Kolpings zu bewahren und es den Mitgliedern sowie
die Regale sind vollgestopft, der Keller ist ein            der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dafür verfügt das
wildes Durcheinander. Schon beim Anblick,                   Kolpingwerk Deutschland über ein Archiv und eine Präsenz-
verliert man den Durchblick – und vielleicht                bibliothek im Bundessekretariat. Sie hilft Euch mit Rat und Tat!
auch die Nerven. „Nichts wie weg!“, schreit
dann der Fluchtinstinkt. Doch eine innere
Stimmt rät zur Tat, schließlich wisst Ihr um die
Bedeutung Eurer Kolping-Archive vor Ort.             ping’sche Erbe in seiner Vielfalt der Nachwelt
  Die Anlässe zur Nutzung eines Archivs kön-         zu erhalten.
nen vielfältig sein. Vielleicht feiert Ihr ja bald     Besondere Wachsamkeit verdient deshalb
Euer Jubelfest und möchtet dazu eine Fest-           die eigene „Produktion“, seien es Eure Veröf-
schrift herausgeben. Oder weniger erfreulich:        fentlichungen, der Schriftverkehr, das Veran-
Ihr müsst – aus welchen Gründen auch immer           staltungsfoto et cetera pp. Hier sollte der Dau-
– einen Eigentumsbeweis erbringen. Oder Ihr          men bei der Bewertung der Archivwürdigkeit
schwelgt schlichtweg in Erinnerungen und             erst mal hochschnellen. Eine Faustregel be-
möchtet einen Fotoabend veranstalten. Viel-          sagt dann auch: „Wo Kolping draufsteht, ist
leicht bietet sich auch die Gelegenheit für ei-      Kolping drin“ und sollte aufgehoben werden.
ne Kolping-Ausstellung. Dann möchte man              Von Relevanz sind gleichermaßen Werke, in
aufwarten können. Ebenso möchte man dem              denen Eure Kolpingsfamilie erwähnt wird. In
Studierenden, dem Heimatforscher oder dem            erster Linie sind das Zeitungsauschnitte; es
Wissenschaftler bei der historischen Arbeit          können aber auch Stadtgeschichten oder an-
helfen. Oft sind es auch Familienangehörige          derweitige Publikationen sein.
auf den Spuren ihrer Ahnen, die man mit ei-            Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit er-
nem Hinweis glücklich machen kann. Doch              heben zu können, sollen Euch nun einige Pra-
das geht eben nur, wenn man im Archiv für            xisbeispiele eine Orientierungshilfe für den
Ordnung sorgt und eine Auswahl trifft.               Auswahlprozess der Archivwürdigkeit bieten.
                                                     Grundsätzlich gilt für Publikationen: Fest-
                                                     schriften, Chroniken, Programme, Rundschrei-
Archivwürdigkeit                                     ben, Imagebroschüren und Vereinszeitschrif-
                                                     ten sowie Flyer sollten aufbewahrt werden,
Verantwortliche für Archive managen die              ebenso Zeitungsausschnitte. Sie dokumentie-
Überlieferung und damit zum Teil die Ge-             ren Eure Aktivitäten nach außen und spiegeln
schichtsschreibung. Sie alleine bestimmen,           die Geschichte Eurer Kolpingsfamilie wider.
welche Unterlagen in das Archiv dürfen. An-            Unter dem historischen Aspekt sind Eure Archi-
gesichts der (Un-) Mengen müssen sie eine            valien besonders interessant, zum Beispiel
Trennlinie ziehen zwischen der Archivwür-            Gründungsurkunden,          Kassen-      und
digkeit und der Kassation, kurzum zwischen
Vernichten und Aufbewahren, zwischen
„Weg und Bleibt“. Schließlich kann man nicht                Wegwerfen                           Behalten
alles aufbewahren; schon alleine aus Platz-
                                                            } Dubletten                         } Alles vor 1945
gründen muss man die Bestände durchfors-
                                                            } Publikationen von Dritten         } Korrespondenz
ten. Doch welche Kriterien spielen bei der
                                                              z.B. Amtsblätter, Gesetze         } Urkunden
Bewertung der Archivwürdigkeit eine Rolle?
                                                            } Kopien                            } Objekte
   Das eigene Sammelgebiet ist maßgeblich
                                                            } Rechnungsbelege                   } Vereinszeitschriften
für die Beurteilung, ob etwas archiviert wer-
                                                              nach Aufbewahrungsfrist           } Programme, Einladungen,
den soll. Bei Euch ist das ein klarer Fall: Ihr             } Banales, z.B. Bestell-,             Flyer
solltet alles von und über Eure Kolpingsfami-                 Anmeldewesen                      } Festschriften, Chroniken
lie sammeln, nichts Anderes. Schließlich sind                                                   } Bilder, Fotos, Filme
Eure Archive das exklusive Gedächtnis Eurer                Angaben ohne Gewähr                  } Bauskizzen
Kolpingsfamilie! Umso wichtiger ist es, die ei-                                                 } Genehmigungen, Verträge
NLULU(YJOP]L]VY6Y[a\WÅLNLU\TKHZ2VS-

                                                                                                                Idee & Tat 2/2019   23
So bekommt Ihr das Archiv in den Griff - Eure Archive sind das Gedächtnis der Kolpingsfamilie. Sie müssen erhalten werden!
Praxistipps

                                Protokollbücher, Akten, Briefe sowie Ver-        Welt vielleicht etwas anders aus. Sie liefern
                           einsfahnen, Fotos und Videos. Denn diese gibt         einen schnellen Einstieg in die Geschichte Eu-
                           es meist nur einmal. Zudem haben sie mitun-           rer Kolpingsfamilie und machen sich immer
                           ter juristische Beweiskraft. In dem Zusam-            gut als Geschenk. Schneller kann man Wer-
                           menhang sei auch noch mal an Bauskizzen,              bung nicht machen.
                           Verträge über den Hauskauf, Nutzungsrechte               Eine doppelte Ablage ist ebenso zu vermei-
                           etc. erinnert. Und natürlich solltet Ihr alle Un-     den. Kopien oder Fotoabzüge können weg,
                           terlagen aus der Zeit vor 1945 aufbewahren.           sofern man das Original besitzt, ebenfalls Un-
                           Diese haben angesichts der massiven Zerstö-           terlagen von den überörtlichen Ebenen, wie
                           rungen im Zweiten Weltkrieg, unter denen              den Diözesan- und Landesverbänden, Regio-
                           auch das Archiv des Kolpingwerkes in Köln             nen oder dem Kolpingwerk Deutschland, von
                           litt, Seltenheitswert.                                denen man ausgehen kann, dass sie dort ar-
                                                                                 chiviert werden. Beispiele hierfür sind Proto-
                                                                                 kolle der Diözesanversammlungen, Rechen-
                           Kassation                                             schaftsberichte sowie Programmhefte. Im
                                                                                 Zweifel sollte man beim Verfasser respektive
                           Archivieren heißt aber auch, sich vom Unnö-           dem Herausgeber kurz nachfragen.
                           tigen befreien. Das kostet nicht nur Überwin-            Unzweifelhaft sind hingegen nicht-Kolping-
                           dung, sondern verlangt auch gewisse Kennt-            relevante Publikationen, die man getrost weg-
                           nisse. Man muss das Ganze im Blick behalten,          werfen kann. Vielleicht fällt dies schwer,
                           bevor man mit der Axt durch den Wald geht.            schließlich hatte die Sammlung einst wertvol-
                           Schließlich will keiner einen unwiederbringli-        le Informationen für die eigene Arbeit gelie-
                           chen Verlust der eigenen Geschichte seiner            fert. Doch man darf sich damit trösten, dass
                           Kolpingsfamilie melden. Deshalb denkt im-             sie in den meisten Fällen in einer Bibliothek
                           mer quer: Welche Folgen hat das Vernichten            oder beim Herausgeber abrufbar sind, teils
                           der einzelnen Unterlagen für die Überliefe-           auch im Internet. Also warum Gesetzessamm-
                           rung der Geschichte Eurer Kolpingsfamilie?            lungen, Amtsblätter, Kataloge und (Sach-) Bü-
                           Oft sind es Einzelfallentscheidungen, die man         cher noch aufheben? Etwas anders sieht es mit
                           gut begründen und verantworten muss.                  der Literatur nach 1945 über Adolph Kolping
                              Weniger problematisch sind Kassenbelege.           und dem Kolpingwerk aus. Fragt Euch, ob Ihr
                           Aus archiv-historischer Sicht interessieren die-      sie bei Euch braucht oder ob es ausreicht,
                           se – mit einigen Ausnahmen der Beweisfüh-             wenn ein Exemplar in einer Bibliothek in Eu-
                           Y\UN ]VU OPZ[VYPZJOLU =LYÅLJO[\UNLU ¶ RLP-       rer Nähe vorhanden ist, zum Beispiel in der
                           nen. Wie die Erfahrung zeigt, werden aber             Pfarrbücherei.
                           ausgerechnet die Quittungen zuhauf aufbe-                Und zu guter Letzt: Es muss eine Kassations-
                           wahrt und verstopfen die Regale über Jahr-            liste erstellt werden. Dabei braucht man nicht
                           zehnte. Gewiss spielt Angst vor dem Fiskus            päpstlicher als der Papst zu sein. Es reicht,
                           dabei eine Rolle. Deshalb erkundigt Euch              wenn Ihr im groben festhaltet, warum welche
                           nach den gesetzlichen Aufbewahrungsfristen.           Unterlagen in welcher Größenordnung im
                           Anhaltspunkte bieten die Merkblätter der In-          Altpapier, dem Reißwolf oder der professio-
                           dustrie- und Handelskammern; im Zweifels-             nellen Aktenvernichtung gelandet sind. Das
                           fall hilft der Steuerberater.                         dient der späteren Nachvollziehbarkeit und
                              Dubletten sind auch so ein leidiger Fall. Oft      KLY:LSIZ[YLÅL_PVU+LYWVZP[P]L,MMLR[KHILP!
                           wird das x-te Exemplar der gleichen Broschü-          Man weiß, dass man danach nie mehr zu su-
                           re, des gleichen Flyers und anderer Publikati-        chen braucht!
                           onen aufgehoben – „Es könnte ja mal einer
                           vorbeikommen …“. Aber Hand auf ’s Herz:
                           Wann war das zum letzten Mal der Fall? Und            Subsidiäre Archivführung
                           was ist überhaupt von Interesse? Der Veran-
                           Z[HS[\UNZÅ`LY H\Z KLT SL[a[LU 1HOY PZ[ ZJOVU   „Wer aber soll das alles bitte umsetzen?“,
                           wieder Schnee von gestern. Also weg mit dem           wird sich so mancher Leser jetzt fragen. Wir
                           Packen. Ihr habt ja ein, zwei Exemplare im Ar-        ^PZZLU \T KPL(UZ[YLUN\UNLU KLY 7ÅLNL LP-
                           chiv aufgehoben. Bei Festschriften sieht die          nes Archives, und wir wissen auch, dass dies

24   Idee & Tat 2/2019
So bekommt Ihr das Archiv in den Griff - Eure Archive sind das Gedächtnis der Kolpingsfamilie. Sie müssen erhalten werden!
Praxistipps

dem einem besser gelingt als dem anderen.             immer noch. Meist lässt sich eine Einigung
Begünstigt sind natürlich diejenigen, die ei-         ÄUKLU >LUU 0OY \UZPJOLY ZLPK R€UU[ 0OY
nen Archivverantwortlichen hatten bezie-              Euch vor Vertragsabschluss auch an die Do-
hungsweise haben, jemand der sich mit einer           kumentationsstelle KOLPING wenden. Wir
gewissen Regelmäßigkeit um die „alten                 sind zwar keine Juristen, werfen aber gerne
Schätzchen“ Eurer Kolpingsfamilie kümmert.            einen kritischen Blick auf das Vertragswerk.
  Doch was ist, wenn sich keiner bereit er-        5. Wenn Ihr eine zufriedenstellende Lösung
klärt, das Archiv zu führen, sei es aus Alters-       gefunden habt, freuen wir uns alle. Schließ-
gründen, Zeit- oder Platzmangel oder schlicht-        lich sollen soweit wie möglich Eure Archive
weg fehlendem Interesse? Was passiert mit             vor Ort bleiben. Aber was ist, wenn Ihr par-
dem Archiv, wenn wirklich alle Stricke reißen         [V\[ RLPUL ,PUPN\UN ÄUKL[ H\JO UPJO[ TP[
und nichts mehr geht? Macht Euch keine Sor-           einem anderen örtlichen Archiv? In diesem
gen, wir helfen Euch in und aus der Not! Da-          Fall, aber wirklich nur dann, springen wir
zu haben wir das System der sogenannten               nachgeordnet, sozusagen als letzte Instanz
„subsidiären Archivführung“ eingeführt –              ein und übernehmen Eure Bestände – selbst-
schließlich soll die Geschichte Eurer Kol-            verständlich mit einem für Euch guten De-
pingsfamilie nicht unter die Räder kommen.            positalvertrag.
                                                   6. Sollte dieses Szenario eintreten, wendet Eu-
Das Verfahren dabei ist eigentlich ganz ein-          ch bitte an die Dokumentationsstelle KOL-
fach und erfolgt in mehreren Stufen:                  PING und gebt bitte schriftlich den Umfang
                                                      Eures Bestandes in Regalmetern an. Übri-
1. Zunächst müsst Ihr – hier ist der Vorstand         gens: Ein Regalmeter ist ein Meter Breite
   gefragt – entscheiden, ob Ihr das Archiv be-       ungeachtet der Tiefe oder Höhe. Die Anga-
   halten oder in gute Hände übergeben wollt.         ben brauchen wir für unsere Raumpla-
2. Ist die Übergabe geplant, so wendet Euch           nungen.
   bitte an den für Euch zuständigen Diözesan-
   verband. Bietet dort Eure Archivalien zur
   Archivierung an. Das schreibt die Satzung       Ausblick
   der Kolpingsfamilie im Kolpingwerk
   +L\[ZJOSHUK ]VY H\JO PT -HSSL KLY(\ŀ-   Ihr seht, Eure Archive liegen uns am Herzen.
   sung einer Kolpingsfamilie! Damit wird          Deshalb möchten wir Euch soweit wie mög-
   dem Verlust vorgebeugt, und der Verbleib ist    lich begleiten. Der erste Schritt ist jetzt ge-
   nachvollziehbar.                                macht. Sicherlich benötigen wir auch mal Eu-
3. Sollte der Diözesanverband nicht in der La-     re Hilfe, zum Beispiel bei derVervollständigung
   ge sein, Euren Bestand zu übernehmen,           unserer Bibliotheksbestände. Verfolgt deshalb
   dann könnt Ihr bei Euren örtlichen Archiven     bitte demnächst auch entsprechende Meldun-
   nachfragen, ob Sie Eure Unterlagen depo-        gen im Newsletter des Kolpingwerkes
   nieren möchten. Das können das Stadt- und       Deutschland. Diesen könnt Ihr gerne abon-
   Gemeindearchiv, das Archiv Eurer Pfarrge-       nieren unter dem Link www.kolping.de/nc/
   meinde oder auch das Bistumsarchiv sein.        service-shop/newsletter
   Zwingend erforderlich ist der Abschluss            Schließlich wollen wir alle das Kolping’sche
   eines Archiv- respektive Depositalvertrages.    Erbe mit seiner Vielfalt geschlossen erhalten,
   Dabei müssen die Eigentumsrechte unein-         nutzen und einer interessierten Öffentlichkeit
   geschränkt und unbefristet gewährt werden!      zugänglich machen – auch in Zukunft! Ge-
   Sonst erlebt man böse Überraschungen, wie       meinsam gelingt uns das!
   wir in der Vergangenheit immer wieder er-
   lebt haben. Fallstricke stellen oft auch die
   2VZ[LUM YKPL,YZJOSPL\UN\UK7ÅLNLKLY
   Zugang und die Urheberrechte dar.                      KONTAKT
4. Lasst Euch deshalb vorher einen Vertrag zei-           Marion Plötz, Leiterin Dokumentationsstelle KOLPING
   gen, vielleicht auch von einem anderen Ar-             } Telefon: 0221 2 07 01–141
   chiv. Schaut Euch das Vertragsmuster zu                } E-Mail: marion.ploetz@kolping.de
   Hause in Ruhe an. Verhandeln kann man

                                                                                                           Idee & Tat 2/2019   25
Sie können auch lesen